Sammlerstücke: Was ist eigentlich eine Blocksonnenuhr?

Aus unserem Alltag verschwinden ständig Dinge, einfach, weil sie nicht mehr gebraucht werden. Das können Disketten, Dia-Projektoren, Lochkarten, handgeschriebene Briefe und Wendetoaster sein – alles Beispiele aus Blogbeiträgen zur Blogparade #dailyvanish von Sebastian Hartmann (alias Museumsheld mit dem Blog „Museum & Social Media“). Bis auf den Wendetoaster haben wir alles irgendwo im Museum, der Ort schlechthin, an dem vergangene Technologien und Gegenstände aufbewahrt werden, wenn sie aus der Mode gekommen sind. Dann können nachfolgende Generationen diese Gegenstände noch einmal mit eigenen Augen sehen und sich wundern, wie die Ahnen damit hantiert haben.

Die Blocksonnenuhr aus der Sammlung des Museums Burg Posterstein
Die Blocksonnenuhr aus der Sammlung des Museums Burg Posterstein

Für die Blogparade wollen wir einen Gegenstand aus unserem Archiv holen, der schon sehr viel länger aus dem Alltag verschwunden ist: Die Blocksonnenuhr. Solche Sonnenuhren gab es schon seit dem frühen 16. Jahrhundert und für die damalige Zeit waren die kleinen Kästen (unsere Sonnenuhr ist etwa 20cm lang und 18cm hoch) ein handliches und bewegliches Werkzeug auf dem Schreibtisch, beispielsweise in Observatorien.

Blocksonnenuhr aus dem 17. Jahrhundert (Museum Burg Posterstein)
Blocksonnenuhr aus dem 17. Jahrhundert (Museum Burg Posterstein)

Die Postersteiner Blocksonnenuhr stammt aus dem 17. Jahrhundert, steht in der Dauerausstellung zur Regionalgeschichte des Altenburger Landes und soll später restauriert werden. Der Quader aus bemaltem Holz enthält einen Kompass zur richtigen Ausrichtung und fünf Sonnenuhren. Wo die Blocksonnenuhr ursprünglich gestanden hat, ist nicht bekannt. Ein berühmter Altenburger Staatsmann und Wissenschaftler, der in seinem Arbeitsalltag u. a. mit Blocksonnenuhren in Berührung kam, ist Bernhard August von Lindenau, der Gründer und Stifter des Altenburger Kunstmuseums Lindenau-Museum.

Einer der führenden Astronomen des frühen 19. Jahrhunderts

Ein berühmter Altenburger Staatsmann und Wissenschaftler, der in seinem Arbeitsalltag u. a. mit Blocksonnenuhren in Berührung kam, ist Bernhard August von Lindenau, der Gründer und Stifter des Altenburger Kunstmuseums Lindenau-Museum
Ein berühmter Altenburger Staatsmann und Wissenschaftler, der in seinem Arbeitsalltag u. a. mit Blocksonnenuhren in Berührung kam, ist Bernhard August von Lindenau, der Gründer und Stifter des Altenburger Kunstmuseums Lindenau-Museum.

Bernhard August von Lindenau war nicht nur einer der bedeutendsten Staatsmänner des 19. Jahrhunderts und ein über die Grenzen seiner Vaterstadt Altenburg hinaus bekannter Kunstsammler, sondern auch ein erfolgreicher Astronom. Am 11. Juni 1779 geboren, wurde er bereits als 15 jähriger gemeinsam mit seinem älteren Bruder August an der juristischen Fakultät der Universität Leipzig immatrikuliert und trat auf Wunsch des Vaters 1801 als Altenburger Kammer-Assessor in den Staatsdienst ein.

In seiner Freizeit widmete er sich aber mathematischen und astronomischen Studien, die ihn über die Jahre zu einem der führenden Astronomen des beginnenden 19. Jahrhunderts werden ließen. In der Landeshauptstadt Gotha beschäftigte der astronomiebegeisterte Herzog Ernst II. den bedeutenden Astronomen Franz Xaver von Zach und hatte auf dem nahen Seeberg die modernste Sternwarte Europas einrichten lassen. Lindenau arbeitete sich so schnell und umfassend in die Astronomie ein, dass er schon 1804 nach dem Weggang Zachs faktisch die Leitung der Sternwarte übernehmen konnte.

Die modernste Sternwarte Europas

Der Tradition Zachs folgend war der Seeberg bei Gotha mit Lindenau an der Spitze mindestens bis 1819 die Drehscheibe für Astronomen aus ganz Europa. Lindenau blieb seiner Leidenschaft ein Leben lang treu. Die astronomische Welt schätzt Bernhard August von Lindenau bis heute. Seit 1935 trägt der Mondkrater mit den Koordinaten 32° 18’ S/ 24° 54’ O seinen Namen.

Natürlich kannte sich Lindenau auch mit Sonnenuhren aus. Aber schon damals wurden diese durch modernere Technik ersetzt. Heute hätte den Erfindern der Blocksonnenuhr vielleicht ein Smartphone gereicht – Sonnenuhren gibt es auch als App.

(von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein)

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