Sonderausstellung „Salongeschichten“: Was ist das eigentlich, ein Salon?

Das Museum Burg Posterstein erzählt Salongeschichten aus dem Musenhof der Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761–1821), die in den Schlössern Tannenfeld und Löbichau in der Postersteiner Nachbarschaft viele Sommer lang residierte. An Hand von einmaligen Portraitzeichnungen Löbichauer Gäste, die der Maler Ernst Welker in Tiergestalt darstellte, kann man eintauchen in die Zeit um 1819/20. Hier tun sich Schicksale auf und Familienbande werden aufgedröselt. Man begegnet illustren Persönlichkeiten vom Herzog von Gotha über Christoph August Tiedge bis hin zum Strafrechtler Paul Johann Anselm von Feuerbach.

Von der Eröffnung der Ausstellung berichtet der TV-Journalist Gunter Auer:

Burg Posterstein: Eröffnung Salongeschichten from Burg Posterstein on Vimeo.

Tanzen und Teetrinken? – Die Salons des frühen 19. Jahrhunderts

Aus den Pariser Salons des 18. Jahrhunderts, in denen sich Mitglieder des Hofes, Gelehrte und Künstler begegneten, ging in der Zeit der Aufklärung eine Kultur hervor, die sich über ganz Europa ausbreitete. Sowohl adlige als auch gebildete bürgerliche Damen gründeten Musenhöfe und Salons. Den gesellschaftlichen Mittelpunkt eines Musenhofs wie auch eines Salons bildete stets die Gastgeberin. Die adlige Initiatorin eines Musenhofs lud ihre Gäste nicht nur für einen Abend, sondern ließ sie zum Teil wochenlang in ihrem Schloss wohnen. Der berühmte Kreis um die Weimarer Herzogin Anna Amalia gilt als solcher Musenhof. Bekannte Salons unterhielten Madame de Staël oder Madame Récamier in Frankreich sowie Henriette Herz, Rahel Varnhagen oder Dorothea Schlegel in Berlin.

Kultur, Kunst und politische Diskussionen im kleinen Löbichau

Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich Löbichau – nur zwei Kilometer von Posterstein entfernt gelegen – zusammen mit Schloss Tannenfeld zu einem solchen Zentrum des geistig-kulturellen Lebens in Deutschland. Der Musenhof der Herzogin Anna Dorothea von Kurland in Löbichau gehörte zu den bekanntesten seiner Art. Wichtige Impulse schöpfte die gebildete Adlige aus ihren erstklassigen Beziehungen zu den höchsten gesellschaftlichen Kreisen Europas, aus dem damit verbundenen Netzwerk der Personen, aus ihren Aufenthalten in bekannten Berliner und Pariser Salons sowie im mondänen Karlsbad. Bedeutende Staatsmänner ihrer Zeit kannte die Herzogin persönlich.

Ernst Welker zeichnete die Krönung des Dichters Schink zum "Frauenlob dem 2ten" im Schloss Löbichau. (Museum Burg Posterstein)
Ernst Welker zeichnete die Krönung des Dichters Schink zum „Frauenlob dem 2ten“ im Schloss Löbichau. (Museum Burg Posterstein)

Manchmal beherbergte die agile Herzogin, die dem alten Adelsgeschlecht Medem aus dem heutigen Lettland entstammte, 200 Gäste gleichzeitig in ihren Schlössern in Löbichau und im nahen Tannenfeld. Es wurde philosophiert, politisiert, diskutiert, musiziert, gedichtet und gezeichnet.

Musenhof Löbichau: Forschungsschwerpunkt im Museum Burg Posterstein

Das Museum Burg Posterstein bemüht sich seit vielen Jahren um die Bewahrung der Tradition des Musenhofes Löbichau, forscht und publiziert und zeigt die ausführlichste Ausstellung zu diesem Teil der europäischen Salongeschichte in einem deutschen Museum. Nicht nur die Biografie Anna Dorothea von Kurlands findet Eingang in die umfangreichen Postersteiner Recherchen, sondern auch die Lebensläufe ihrer ebenso weltgewandten Töchter und ihre vielfältigen Kontakte zur damaligen europäischen Elite. Neben der Dauerausstellung zeigte das Museum in den vergangenen Jahren mehrere Sonderausstellungen zum Thema.

Das Buch "Salongeschichten" erscheint zur Ausstellung
Das Buch „Salongeschichten“ erscheint zur Ausstellung

Im Jahr 2014 konnte das Museum Burg Posterstein eine einmalige Sammlung von Portraitzeichnungen der 1819/1820 in Löbichau anwesenden Gäste ankaufen. Die 47 aquarellierten Zeichnungen fertigte bis auf eine der Maler Ernst Welker an.

Ohne die finanzielle Unterstützung des Freistaats Thüringen, der Bürgerstiftung Altenburger Land, des Landkreises Altenburger Land und des Fördervereins des Museums hätten Ankauf der Zeichnungen, Ausstellung und Publikation nicht realisiert werden können. Dafür gebührt herzlicher Dank.

Die Sonderausstellung „Salongeschichten“ läuft bis 15. November 2015. Zur Sonderausstellung erscheint die gleichnamige Publikation „Salongeschichten: Paris – Löbichau- Wien“.

Weitere Infos:
Blogpost über Carl August Böttiger: „Da steht mein armes Ich aus Stein“
Blogpost: Der Herzog kommt nach Posterstein
Blogpost zur Geschichte des Schlosses Tannenfeld
Blogpost: Jean Pauls Sommer in Löbichau
Blogpost: Rittergut Löbichau – Zeitweise 300 Gäste gleichzeitig

von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

2 Antworten auf „Sonderausstellung „Salongeschichten“: Was ist das eigentlich, ein Salon?“

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