#secretsMW: Das Geheimnis um das „heimlich Gemach“

LogoMW_PostersteinAuf Twitter und in anderen sozialen Netzwerken startet heute die #MuseumWeek, seines Zeichens die erste weltweite Kulturveranstaltung auf Twitter, zu der sich über 3000 Museen aus der ganzen Welt (davon über 100 deutsche) angemeldet haben. Das Museum Burg Posterstein wird die MuseumWeek – wie bereits im letzten Jahr – zum Anlass nehmen, täglich einen Blogpost zum Thema zu teilen. Damit dies möglich werden kann, wurden trotz Ausstellungsvorbereitungen alle Mitarbeiter eingespannt. Den Anfang macht unsere wissenschaftliche Mitarbeiterin Franziska Engemann, die ein pikantes Geheimnis lüftet:

Zum „stillen Örtchen“ mancher Burgen gab es nicht einmal eine Tür ((c) Marlene Hofmann, Museum Burg Posterstein)
Das „Heimlich Gemach“: Ein stilles und zugiges Örtchen

In den Ausstellungsräumen des Museums Burg Posterstein befindet sich eine verschlossene und gut versteckte Tür. Nur ausgewählte Besucher, wie die fast 2000 Kinder im Jahr, die mit ihren Kindergartengruppen, Schulklassen und Geburtstagsgästen das alte Gemäuer mit einer Sonderführung erkunden, können einen Blick in dieses „heimlich Gemach“ werfen. Besonders die Kinder packt beim Anblick der Räumlichkeiten das blanke Entsetzen.

Außenansicht eines Abort-Erkers der Burg Posterstein ((c) Marlene Hofmann, Museum Burg Posterstein)
Außenansicht eines Abort-Erkers der Burg Posterstein
Die Tür gewährt Einlass in einen kleinen Erker, der sich an der Außenmauer der Burganlage befindet. Der Raum ist klein, bietet nur einer Person Platz, die sich darin auch nur auf einem hölzernen Sitz niederlassen kann. Die Schlussfolgerung liegt also nahe: Es handelt sich um eine Toilette. Um ein richtiges „Plumpsklo“, um genau zu sein.

Zwar soll Sir John Harington bereits 1596 das Wasserklosett erfunden haben. Allerdings schien er mit dieser Idee, auf wenig Gegenliebe gestoßen zu sein. Denn was die Kinder heutzutage so entsetzt und was sie vielleicht nur noch vom Camping mit den Eltern kennen, war im Mittelalter und bis weit in die Neuzeit hinein „gang und gäbe“. Hebt man heute den hölzernen Deckel vom Sitz, lässt das zugemauerte Klosett nicht mehr allzu „tief blicken“. Im Mittelalter war der Erker allerdings zum Burggraben hin offen und das gemachte „Geschäft“, konnte nach kurzem Flug fröhlich im Graben vor sich hin stinken. Ein entsprechend kalter Luftzug von unten lud nicht gerade zum Verweilen auf diesem „stillen Örtchen“ ein. Besonders nicht im Winter.

Und wirklich still war der Lokus wohl auch nicht. Anfangs schien er nämlich zum Burginneren hin sichtoffen zu sein. Allerdings war die Gefahr, in einen Haufen zu treten, recht gering. Im Burggraben hielt sich im Normalfall niemand auf.

Der Ort, an dem sich heute Mittelalter und Moderne treffen

Auch irgendwie heimlich und sehr gut versteckt: Der Geo-Cache unterm "heimlich Gemach"
Auch irgendwie heimlich und sehr gut versteckt: Der Geo-Cache unterm „heimlich Gemach“
Heute sieht das schon ganz anders aus. Moderne Schatzjäger suchen unter dem alten Toiletten-Erker nach ganz besonderen Preisen. Ein sogenannter „Geocach“ liegt im Bereich darunter gut versteckt. Diese Sonderform der Schnitzeljagt erfreut sich immer größerer Beliebtheit und lädt dazu ein, Kultur und Natur auf ganz besondere und spannende Art zu erkunden. Ob mit GPS-Empfänger, Smartphone oder auch durch kleine Rätsel, können die „Caches“ gesucht und natürlich auch gefunden werden.

Im Falle der Burg Posterstein befindet sich das Ziel nur eben an einem „beschissenen Ort“. Eine unangenehme Überraschung von oben muss aber niemand mehr fürchten. Der Erker ist zugemauert, die Tür verschlossen und das Geheimnis um das „heimlich Gemach“ bleibt wohl gehütet.

Von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

Zum Weiterlesen:
Mehr zur Toilette im Mittelalter
Der Geo-Cache an der Burg Posterstein

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