Hans Wilhelm von Thümmels Gesandtschaften: Paris

„Gern werde ich alles thun, was irgend noch zu thun ist, aber nur eins bitte ich, verschonen Sie mich mit Paris.“ (Hans Wilhelm von Thümmel)

Das beginnende 19. Jahrhundert brachte für fast alle europäischen Staaten, gleich welcher Größe, einschneidende Veränderungen. Der Siegeszug Napoleons stellte alles bisher da gewesene in Frage und stellte an die Staatsverwaltungen ganz neue Aufgaben.

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Carl August, Herzog zu Sachsen Weimar

Sowohl der Weimarer Herzog Carl August (1757–1828) als auch der Gotha–Altenburgische Herzog August (1772–1822) strebten während Napoleons Herrschaft in Europa eine Sicherung ihres souveränen Staatsgebietes an. Während ersterer durch vorsichtiges Abwägen der Interessen die Balance zwischen Napoleon (1769–1821) und seinem Schwager Zar Alexander I. (1777–1825) zu beachten hatte, war Herzog August ein uneingeschränkter Bewunderer des französischen Kaisers. Beide Herzogtümer verfolgten das Ziel, durch eine Rangerhöhung ihres Staates ihre Interessen abzusichern.

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August, Herzog von Sachsen Gotha und Altenburg

Die mit Napoleon verbündeten Staaten unterhielten nicht nur in zeitweiligen Residenzen des französischen Kaisers, wie Berlin, sondern vor allem in Paris Gesandtschaften. Dies ermöglichte Napoleon sowohl eine enge Kommunikation mit den Rheinbundstaaten, als auch deren bessere Kontrolle.

Thümmels Tagebuch der Pariser Zeit

Entgegen der oben zitierten Bitte an seinen Herzog blieb Thümmel die Reise nach Paris nicht erspart. Ob er sich tatsächlich gewehrt hat oder guter Beamtenpflicht gemäß den Auftrag unwidersprochen annahm, ist nicht überliefert.

Tatsächlich reiste der Minister Napoleon fast umgehend nach Paris hinterher, denn bereits 16 Tage nach Napoleons Aufenthalt in Gotha am 23. Juli 1807 findet sich der erste Eintrag in seinem Pariser Tagebuch.

Tagebuch des Herrn Ministers v. Thümmel während seiner Mission in Paris vom Monat August 1807 bis April 1808“ – so lautet der offizielle Titel. Das Tagebuch wird im Thüringischen Staatsarchiv Gotha verwahrt. Die Einträge beginnen am 8. August 1807 und enden am 3. Mai 1808.

 

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Hans Wilhelm von Thümmel, Kupferstich nach Joseph Grassi

 

Thümmels Ankunft in Paris

Am 8. August 1807 erreichte Hans Wilhelm von Thümmel also die französische Hauptstadt.

 

„Gestern kam ich in dieser merkwürdigen Stadt an, die schnelle Reise des Marschalls Bessieres nach Studtgart verhinderte mich, daß ich früher hier ankommen konnte, weil ich in verschiedenen Posten mehrere Stunden auf Pferde warten mußte.“

Audienz bei Napoleon

Am 10. August 1807 erhielt Thümmel eine Audienz bei Napoleon, wofür er sich gleich im Anschluss bei Talleyrand bedankte.

„Früh 5 ½ Uhr ging ich sogleich nach St. Cloud, der Ceremonien Meister Segur weist mich an den Cammerherrn des Dienstes. Nachdem alle Diensthabenden beym Kayser gewesen waren, wurde der Prinz von Nassau u. Weilburg präsentiert, précise 7. Uhr auch ich. Ich übergab meinen Brief in einer Privat Audienz, er nahm ihn freundlich auf, fragte nach dem Herzog, und entließ mich durch ein Zeichen, das er gab. Ich habe hierauf auf Anweisung des Marg. Segur eine Karte an die erste Hofdame Rochefoucault geschickt, und schreibe ihr auch noch heute ein Billet, um Audi­enz bey der Kayserin zu erhalten. Ich habe den Kayser sehr wohl aussehend gefunden, aber man sieht in seinem Gesicht, dass er mit großen Dingen umgeht, und dass ihn viele Arbeit drücken mag.“

 Ausführlich werden Thümmels Gesandtschaften in Frankfurt am Main, Dänemark und Berlin, sowie in Paris und Erfurt in Beiträgen im Buch zur Sonderausstellung vorgstellt.

 

Das Buch zur Ausstellung

Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister.

Für das Herzogtum Sachsen-Gotha und Altenburg leistete Hans Wilhelm von Thümmel Großes – zu seinen wichtigsten Verdiensten zählt sicherlich die Vermessung und Kartierung des Herzogtums. Das von Thümmel in Auftrag gegebene Kartenwerk von 1813 wird ausführlich vorgestellt. Weitere Verdienste erwarb sich Thümmel durch die Gründung der Kammerleihbank und die Förderung des Straßenbaus in seinem Herzogtum. Der Bau des ersten Altenburger Krankenhauses wurde von Thümmel initiiert. Es galt am Ende des 18. Jahrhunderts als europäischer Musterbau. Inspiriert von seiner Liebe zu aufklärerisch geprägten Landschaftsgärten und Architektur, verhalf Thümmel den neuen Gärten hierzulande zum Durchbruch. Als Minister im Ruhestand brachte er hunderte kleine, heute noch gültige Lebensweisheiten als Aphorismen zu Papier. Zur Grabstätte wählte er sich die 1000-jährige Eiche in Nöbdenitz, die man heute noch bestaunen kann.

Die Sonderausstellung und die Publikation geben einen so bisher nicht vorliegenden, umfassenden Überblick zu Thümmels Person. Die Thümmelschen Karten werden auf DVD erstmals einem breitem Publikum zugänglich gemacht.

Der Termin der Buchpräsentation wird auf unserer Webseite bekanntgegeben.

Die Sonderausstellung im Museum Burg Posterstein ist noch bis zum 31. Oktober 2016 zu sehen.

noch mehr im Blog:

Mit Baron von Thümmel durch Nöbdenitz: Gut besuchte Wanderung des Museums Burg Posterstein

Im Dienste der Ernestiner – Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister

Romantically minded minister of Saxe-Gotha-Altenburg burried under a 1000 year old oak
Die Weisheiten eines langjährigen Ernestiner Staatsmannes – als Glückskeks
Hans Wilhelm von Thümmel – der Mann unter der 1000-jährigen Eiche
Die 1000-jährige Eiche in Nöbdenitz

2 Antworten auf „Hans Wilhelm von Thümmels Gesandtschaften: Paris“

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