„Museum kommuniziert“ wie, wo und wohin? – Resümee einer Fachtagung

Museumstreffen 2016 - als Tagungstitel hätte das gereicht, er wird der Veranstaltung gerecht.
Museumstreffen 2016 – als Tagungstitel hätte das gereicht, er wird der Veranstaltung gerecht.


Vor einer Woche fand im Deutschen Historischen Museum in Berlin die von Museum.de (Uwe Strauch) organisierte Tagung „Museum kommuniziert“ statt. Der Titel war etwas irreführend, das Spektrum des Begriffs „Kommunikation“ ist weit und meine Kollegin und ich hatten uns anderes erhofft. Wir dachten an die Vorstellung von Leuchtturmprojekten auf dem Gebiet der musealen Kommunikation, die uns in unserer täglichen Arbeit inspirieren würden. – Stichwort: #Lustwandeln, Bloggerreisen, innovative Apps – also neue Ansätze in Museen, um mit Besuchern zu interagieren, gern auch digital.

Es sprachen Vertreter renommierter Häuser. Die angesprochene Bandbreite der Interpretation von „Kommunikation“ im Museum reichte dabei von der Wahl des Ausstellungsthemas/des Künstlers als Form von Kommunikation über Events als Kommunikationsmittel bis hin zur Aufbereitung der Ausstellungen (inklusiv) als Mittel der Kommunikation mit dem Besucher.

Im Detail sprach Katja Altmann, Direktorin des Museum Schloss Klippenstein in Radeberg, über die Herausforderungen eines kleinen Museums und über die (notwendige) gesellschaftliche Einbindung des Museums ins Vereinsleben vor Ort. Dr. Tobia Bezzola, Direktor des Museums Folkwang in Essen, sprach darüber, wie entscheidend die Auswahl der gezeigten Kunst dazu beiträgt, was ein Kunstmuseum nach außen kommuniziert. Börries von Notz, Alleinvorstand der Stiftung Historischer Museen Hamburg, umriss die Chancen und Herausforderungen des Baus eines neuen, modernen Hafenmuseums und erwähnte auch, dass sein Haus seit einem Jahr die Hochglanz-Zeitschrift „Hamburg History Live“ deutschlandweit vertreibt. Berthold Porath, Direktor des Dornier Museum Friedrichshafen am Bodensee, berichtete über das Konzept, das Museum auch als Event-Location zu etablieren.

Tagung "Museum kommuniziert" am 19. Oktober 2016 im Deutschen Historischen Museum Berlin.
Tagung „Museum kommuniziert“ am 19. Oktober 2016 im Deutschen Historischen Museum Berlin.

Dr. Marc Fehlmann, Sammlungsdirektor am Deutschen Historischen Museum in Berlin, sprach über das gesamte, breite und umfangreiche Spektrum der Vermittlung und Kommunikation mit dem Besucher am Deutschen Historischen Museum, beispielsweise über inklusive Sonderausstellungen. Drs Hedwig Saam, Direktorin des Nationalen Militärmuseums der Niederlande in Soest, stellte ihr erst 2014 eröffnetes, familienfreundliches Museum vor und erläuterte, wie man dort verschiedene Zielgruppen auf unterschiedlichen Niveaus – vom Allgemeinen bis ins Detail – anspricht. Dr. Philipp Gutbrod, Direktor des Instituts Mathildenhöhe Darmstadt, ging einerseits auf sein Haus als Ort für kulturelle Veranstaltungen sowie auch auf den Auftritt in Europeana ein. Zum Schluss sprach Prof. Dr. Meinrad Maria Grewenig, Generaldirektor des Weltkulturerbes Völklinger Hütte, über seine Ansätze, ein junges Publikum gezielt anzusprechen – beispielsweise mit der Etablierung der Völklinger Hütte als Ort für Festivals im Bereich Jazz, Hip-Hop und Elektro-Pop.

Digitale Innovationen für das Museum vor Ort nutzen

Die Aspekte, die ich interessant fand, fanden nur kurz oder gar nur als Randbemerkungen Erwähnung: Beispielsweise testet das Institut Mathildenhöhe Darmstadt gerade ein Tool, mit dem Besucher Ausstellungsobjekte über den Audioguide bzw. die Objektbeschriftung in sozialen Medien kommentieren können. Das Projekt ist gerade angelaufen, weshalb es noch keine Infos zum Erfolg gibt. Es bietet aber viele Potentiale: Zum einen könnte sich ein Gespräch zu einzelnen Objekten und Bildern entwickeln – zwischen Museum und Besuchern, die zu unterschiedlichen Zeiten das Objekt/Bild betrachtet haben. Gleichzeitig ist es für das Museum nicht nur eine Chance, mit Besuchern auf Augenhöhe zu interagieren, sondern auch Feedback zu erhalten.

Die Idee hat mich stark an das twitter-basierte Projekt „Hint me“ mehrerer Kunstmuseen in Dänemark erinnert, initiiert von Merete Sanderhoff, verantwortlich für Digitales im Statens Museum for Kunst. „Hint me“ soll inzwischen leider eingestellt werden, vermutlich, weil Twitter in Dänemark von den breiten Besuchermassen nicht genug genutzt wird. Merete Sanderhoff teilte mir per Twitter mit, dass aus der Idee und den Erfahrungen aber neue zukunftsweisende Projekte erwachsen sind. Jetzt hoffe ich, dass Dr. Philipp Gutbrod, Direktor des Instituts Mathildenhöhe, auf die eine oder andere Art über den Fortgang des aktuellen Projekts in Darmstadt informieren wird. Gerne hätte ich einen 30-minütigen Vortrag nur über dieses Projekt gehört!

Tagung ohne Hashtag

Seit einigen Jahren haben sich Hashtags für Konferenzen und Tagungen etabliert. Manchmal verfolge ich – gezielt oder zufällig – Tagungen, deren Thema mich interessiert aus der Ferne (wie gestern beispielsweise die Tagung #Anker16 zum Thema Bloggen in München, die zeitweise zu den Trending Topics auf Twitter zählte und meine Timeline füllte). Bei besonders innovativen Veranstaltungen wird das digitale Publikum gezielt einbezogen, indem es nicht nur einen Hashtag, sondern vor Ort auch eine Twitterwall/Social Media Wall gibt, die Kommentare sammelt und sichtbar macht und womöglich auch einen Livestream von der Tagung. Immer mehr Tagungsteilnehmer halten ihr Netzwerk v.a. durch Tweets auf dem Laufenden. Dadurch entstehen interessante Gespräche, die vor Ort oft so nicht zustande kommen, und die mediale Reichweite der Tagung steigt.

Klassische Museumstagung zum Netzwerken mit den Kollegen im Deutschen Historischen Museum Berlin.
Klassische Museumstagung zum Netzwerken mit den Kollegen im Deutschen Historischen Museum Berlin.

Bei einer Veranstaltung mit dem Titel „Museum kommuniziert“ hatte ich zumindest einen festen Hashtag erwartet. Vom Veranstalter kam auf meine Nachfragen auf Facebook und Twitter keine Reaktion. Mit dem Deutschen Historischen Museum habe ich mich dann auf Twitter auf den Hashtag #museumkomm geeinigt, der dann – nur durch ganz wenige Twitter-Nutzer und Tweets eine Reichweite von über 160.000 Impressionen entwickelte. Welche Reichweite und welche Diskussionen hätten erst entstehen können, wenn man die Tagung von Anfang an online betreut, konsequent begleitet und die Teilnehmer aktiv zur digitalen Diskussion aufgefordert hätte? Nachbesprechung in Blogs, Facebook, etc. dienen schließlich auch dem Image der Veranstaltung.

Wie sich in den Pausengesprächen abzeichnete, war ich nicht die einzige Teilnehmerin, die das Tagungsmotto missverstanden hatte. Im Endeffekt ging es um das traditionelle Netzwerken mit Kollegen und Firmen vor Ort, was natürlich seine Vorteile und Berechtigung hat, weil man viele interessante Menschen kennenlernt.

Zum Schluss möchte ich mich – sicherlich unschwer an meinem Blogpost zu erkennen – als Angehörige der „Nintendo-Generation“ outen. Den Begriff habe ich erst durch den Vortrag von Prof. Dr. Meinrad Maria Grewenig, Generaldirektor des Weltkulturerbes Völklinger Hütte, gelernt. Demnach gehören alle unter 40 dieser Generation an, die er nicht nur als hochmobil, global und ständig Content konsumierend beschrieb, sondern auch als nicht mehr fleißig, verschwenderisch, egozentrisch und entgegen der Hochkultur. Während die Marketingabteilung der Völklinger Hütte diese dem Direktor so fremde Zielgruppe erfolgreich anspricht, dürften sich einige unter 40-jährige im Tagungspublikum über diese Charakteristik weniger gefreut haben.

Eine Sammlung aller Tweets zur Tagung gibt es hier:

https://storify.com/MH_TextWeb/museum-kommuniziert-wie-wo-und-wohin


Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

8 Antworten auf „„Museum kommuniziert“ wie, wo und wohin? – Resümee einer Fachtagung“

  1. Liebe Marlene,

    danke für deine Ausführungen und auch die Erwähnung von #Lustwandeln, die in der Bayerischen Schlösserverwaltung mit viel Herzblut und Leidenschaft organisiert wurde. Die unglaublich positive Berichterstattung mit inhaltlichem Tiefgang war für uns Kompensation genug für die akribische Vorbereitung!

    Die Ignoranz des Generaldirktors ist so fatal – was sagen wohl seine Besucher aus der von ihm verunglimpften Altersgruppe dazu? Ich finde es unglaublich, dass mein Post von 2014 leider immer noch Gültigkeit in einigen Chefetagen der Museen besitzt: http://www.tanjapraske.de/wissen/diskussion/14-gruende-warum-museen-kein-social-media-brauchen/

    Hingegen stimmt mich dein Beispiel von der Mathildenhöhe positiv – da möchte ich gerne nochmals nachfassen, denn die digital-analoge Kulturvermittlung kann so viel, nicht nur gute Zahlen wie beim #Lustwandeln produzieren, sondern stattdessen die Bindung und Loyalität an die Kulturinstitution festigen. Darüber schrieb ich gerade einen Printartikel, sobald der raus ist, informiere ich dich.

    Und Veranstaltungen zur Kommunikation ohne Hashtag gehen für mich schon gar nimmer mehr!

    Herzlich,
    Tanja

    1. Liebe Tanja,
      vor der nächsten Tagung werde ich mich schon ganz frühzeitig informieren 😉 Dann werde ich entweder mit anderen Erwartungen hingehen (bei Fachtagungen zu anderen Themen) oder gar nicht (bei Kommunikationstagungen). Es sprachen ja praktisch auch keine Kommunikationsabteilungen. Im Publikum waren aber nette Kollegen und mit denen ins Gespräch gekommen zu sein, versöhnt natürlich. Trotzdem wollte ich die Punkte, die mich störten, angesprochen haben. Ich erinnere mich noch gut an deinen Artikel 2014 – und die Tagung hat auch etwas daran erinnert. Es war jetzt keine wirklich ablehnende Haltung zur digitalen Kulturvermittlung zu spüren, aber eben auch kein großes Interesse. Ich bin gespannt auf deinen Printartikel!
      Viele Grüße,
      Marlene

  2. Hallo!
    Diese Selbstgefälligkeit des Prof. Dr. Meinrad Maria Grewenig ist wirklich unglaublich. Auch ich fühle mich durch seine Aussage schon fast beleidigt…wenn ich nicht genau wüßte, dass sie völliger Unsinn ist 😉

    Kommunikation per Social Media (und was sonst noch so dazu gehört) scheint für die Oranisatoren der Tagung und scheinbar auch einigen der Redner, nicht zur normalen und alltäglichen Kommunikation zu gehören. Das läßt tief blicken und spiegelt genau das in diesen Bereichen oft so rückständige Bild der Museen wieder.

    Offenbar kommen in dieser Haltung auch sehr stark die Skepsis und die Probleme durch, die die „Generation der Entscheider“ in den Museen mit den neuen Medien haben. Ein Generationswechsel ist wirklich nötig!

    1. Hallo Guido,
      mich hatte das etwas schockiert, dass der Direktor dem Publikum offensichtlich so fern stand. Dann er steht ja vor der Aufgabe, diese Zielgruppe irgendwie erreichen zu müssen. Gerade im Geschichtsbereich könnte einem ja mit etwas Abstand auch bewusst sein, dass ältere Generationen die jüngenen schon immer kritisiert und für irgendwie dümmer gehalten haben. Aber in so einer Position sollte man solche Gedanken für sich behalten können…
      Viele Grüße,
      Marlene

  3. Liebe Marlene,

    ich habe im Vorfeld die Ankündigung der Tagung wahr genommen, mir die Rednerliste angesehen und beschlossen, dass es nicht wirklich Kommunikation geht, denn mir fehlten dort die PR-Menschen, diejenigen, die also wirklich in dem Bereich tätig sind. So wie Du die Tagung beschreibst, entspricht sie also meinen Erwartungen.

    Zur Ehrenrettung muss man aber vielleicht auch sagen, dass Kommunikation ein weites Feld ist – auch wenn ich es mittlerweile für selbstverständlich erachte, dass eine Tagung mit diesem Titel einen Hashtag hat etc. Aber dazu sage ich schon gar nichts mehr, dann muss man sich nicht wundern, wenn im Netz eine völlig andere Diskussion und eventuell ein Shitstorm entsteht, wenn man das nicht zumindest im Blick hat (ich fordere ja schon gar keine Moderation mehr…), aber als Ausrichter sollte man es zumindest nicht außer Acht lassen.

    Nun schaue ich meinen Gameboy an, den ich tatsächlich noch besitze und der voll funktionsfähig ist, verschwende völlig egoistisch meine Zeit im Netz und werde der Massenkultur frönen. 😉

    Liebe Grüße
    Wera

    1. Hallo Wera,
      du warst eben vorausschauender als ich! 🙂 Deshalb versuche ich auch zu betonen, dass es auch nur begrenzt die Schuld der Veranstalter ist, dass ich andere Erwartungen hatte… Wäre die nicht gewesen, waren die Beiträge schon interessant. Man hat verschiedene Häuser näher kennengelernt, und auch ein paar Kollegen getroffen. Aber gerade die PR-Leute, die teilweise weit gereist waren und Übernachtung gebucht hatten, waren enttäuscht.
      Liebe Grüße und einen schönen Freitag beim Fröhnen der Massenkultur im WWW 🙂
      Marlene

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