Schlossgenuss in Potsdam – Der Museumsverein Burg Posterstein auf den Spuren europäischer Geschichte und Kunst

Noch bis 5. Juni rufen die Schlösser und Gärten Deutschland zur Blogparade #SchlossGenuss auf. Die Mitglieder des Museumsvereins Burg Posterstein folgen traditionell bevorzugt den Spuren der Herzogin von Kurland durch ganz Europa. Die Frühjahrsexpedition führte sie in diesem Jahr nach Potsdam, eine Stadt, die sich wie wohl keine andere Stadt in Deutschland in den letzten zehn Jahren in Bezug auf den Wiederaufbau historischer Gebäude enorm entwickelt hat – und reichlich Potential für Schlossgenuss bietet.

Das wieder aufgebaute Palais Barberini - in der Zeit der Aufklärung pilgerten Künstler und Adlige nach Italien, um sich von der schönen Baukunst und der Geschichte inspirieren zu lassen. (Foto: Bernd Nienhold)
Das wieder aufgebaute Palais Barberini – in der Zeit der Aufklärung pilgerten Künstler und Adlige nach Italien, um sich von der schönen Baukunst und der Geschichte inspirieren zu lassen. (Foto: Bernd Nienhold)

Das Palais Barberini

Das bereits zu Zeiten des Preußenkönigs Friedrichs II. nach dem Vorbild des Palazzo Barberini in Rom errichtete Palais Barberini in Potsdam war im Zweiten Weltkrieg stark zerstört und in den Nachkriegsjahren komplett abgerissen worden. Zwischen 2011 und 2016 wurde es wieder aufgebaut, die Fassaden wurden originalgetreu rekonstruiert, während die Innenarchitektur nach den funktionellen Anforderungen eines modernen Kunstmuseums gestaltet wurde. Architektonisch fügt sich das Gebäude harmonisch in das Ensemble am Alten Markt (Altes Rathaus, St. Nikolaikirche und altes Schloss (jetzt Landtag von Brandenburg) ein.

Das Museum Berberini

Seit dem Jahr 2017 beherbergt dieses Palais das Museum Barberini. Ein Großteil der Räume dient Ausstellungen mit wechselnder Thematik. Wir interessierten uns für die Werke von Max Beckmann, die unter dem Titel „Max Beckmann. Welttheater“ gezeigt wurden. Offenbar war diese Ausstellung nicht nur bei den Mitgliedern des Postersteiner Museumsvereins sehr gefragt, die Besucherzahl schien an diesem Tag sehr groß. Der elektronische Guide gab uns einen guten Einblick in Beckmanns Leben und Werk und erlaubte jedem Teilnehmer sein eigenes Tempo durch die Ausstellung zu wählen.

Auch die Herzogin von Kurland genoss die Schönheit von Sanssouci (Foto: Bernd Nienhold)
Auch die Herzogin von Kurland genoss die Schönheit von Sanssouci (Foto: Bernd Nienhold)

„Salongeschichten“ im Schlosspark Sanssouci

Das Wetter meinte es gut mit uns. Während des Mittagessens hatte sich die angekündigte Regenwolke entleert und danach die Sonne wieder freigegeben, ein Grund mehr für uns, den geplanten Spaziergang durch den Schlosspark auch anzutreten und zu genießen, zumal uns eine sachkundige Potsdamerin die Führung zugesagt hatte. Die Schlossparkführung war natürlich eine besondere, speziell auf unsere Gruppe zugeschnitten. Wir erhielten interessante Einblicke in die Geschichte der preußischen Residenzen rund um Potsdam und Berlin, in die Parkgeschichte, z.B. in das Krongut Bornstedt, in das Drachenhaus mit dem wunderschönen Café, in das Antikenhaus sowie auch in die Geschichte des Weinanbaus im Schlossgarten.

Die Herzogin von Kurland kam 1786 gemeinsam mit ihrem Mann nach Sanssouci und reiste dann weiter nach Italien.
Die Herzogin von Kurland kam 1786 gemeinsam mit ihrem Mann nach Sanssouci und reiste dann weiter nach Italien.

Auch die Herzogin von Kurland ist mindestens einmal in Sanssouci gewesen, denn 1786 war sie noch zu Lebzeiten Friedrich II. gemeinsam mit ihrem Ehemann in der außergewöhnlichen Residenz zu Gast. Von hier aus startete das Paar auf eine große Europareise, die über Wien nach Rom und Neapel führte. Unterwegs stiftete man in Bologna der traditionsreichen Universität einen kunsthistorischen Lehrstuhl.

Nicht nur Kunst brachten die Kurländer aus Italien mit – das von der berühmten Angelika Kaufmann gemalte Porträt gehört zu den schönsten Darstellungen Anna Dorothea von Kurlands –, sondern auch die Gewissheit, dass die Welt außerhalb der eigenen Besitzungen einiges bereithält an Bildung, an Kontakten und an Einflussmöglichkeiten. Europa war von nun an ihre Heimat.

Ausgehend von diesem damals gelebten Europagefühl, wirft das Museum Burg Posterstein im Herbst 2018 in der Labor-Ausstellung „#SalonEuropa vor Ort und digital“ die Frage auf: Was bedeutet Europa für uns heute? Auch dazu wird es eine Blogparade geben, zu der alle herzlich eingeladen sind.

von Dr. Helmut Hellrung/ Museumsverein Burg Posterstein

Online gemeinsam über Kultur reden: Das Museum Burg Posterstein erreichte mit seinen Tweets zur #MuseumWeek 2018 über 2,1 Millionen Twitter-Accounts

Sieben Tage lang zog sich vom 23. bis 29. April 2018 die digitale, europäische Museumswoche mit dem Lesezeichen #MuseumWeek wie ein buntes, internationales Museumsfestival durch unseren Alltag. Das nach eigener Beschreibung „erste weltweite Kultur-Event in sozialen Netzwerken“ setzt an jedem Tag der #MuseumWeek einen neuen thematischen Schwerpunkt – in diesem Jahr zum Beispiel Frauen, Kinder, Kulturerbe, Natur, Stadt, Unterschiede und Berufe. In diesem Jahr fand die #MuseumWeek bereits zum fünften Mal statt und es nahmen weltweit Museen aus 92 Ländern teil. Das Museum Burg Posterstein nahm zum vierten Mal teil und steuerte wieder jeden Tag einen thematisch passenden Blogpost bei, dreimal sogar zusätzlich auf Englisch. Viel Aufwand für ein reines Online-Ereignis – wir ziehen Bilanz.

Zur MuseumWeek bloggen wir traditionell zu den wichtigsten Themen und Ausstellungen, die uns im Museumsalltag beschäftigen. Möglicherweise auch international interessante Blogposts übersetzen wir auch ins Englische. In diesem Jahr, das bei uns mit gleich mehreren Ausstellungen und Veranstaltungen unter dem Motto #SalonEuropa steht, drehte sich vieles um europäische Salongeschichte. Wir nutzten die Gelegenheit, um vor einem weitaus größeren, kulturinteressierten Publikum als normalerweise, auf unsere Forschungsarbeit, unsere Ausstellungsthemen und Ideen für die Zukunft hinzuweisen.

Mit unseren Blogposts erreichten wir im Laufe der Museumswoche doppelt so viele Leser wie in einer vergleichbaren „normalen“ Woche. Bei den Blog-Zugriffen via Twitter konnte eine Steigerung von 1600 Prozent erreicht werden. Verstärkt gingen auch Zugriffe aus EU-Ländern wie Frankreich und Italien ein, die sonst eher selten sind.

Unter den deutschen Museen hatten das DDR-Museum in Berlin, das Museum Burg Posterstein und das Museum für Kommunikation in Frankfurt/Main zur MuseumWeek 2018 die größte Reichweite.
Unter den deutschen Museen hatten das DDR-Museum in Berlin, das Museum Burg Posterstein und das Museum für Kommunikation in Frankfurt/Main zur MuseumWeek 2018 die größte Reichweite.

Burg Posterstein mit der zweitgrößten Reichweite unter den deutschen Museen

Während der gesamten Museumswoche wurden weltweit über 65.500 Tweets zum Thema versendet, die wiederum über 657.000 Mal geteilt wurden. Auf der Website der #MuseumWeek werden in einer Liste die „einflussreichsten“ teilnehmenden Museen aufgezählt, gemessen an der Zahl der mit ihren Tweets potentiell erreichten Twitter-Nutzer. Weltweit führten diese Liste große Museen wie der Louvre an, der potentiell über 180 Millionen Menschen erreichte, gefolgt von The Met und Herimitage. Unter den Top 10 waren keine deutschen Museen vertreten.

In Deutschland wurden über 1300 Tweets zum Thema versendet, die über 10.700 Mal geteilt und über 500 Mal kommentiert wurden. Das #MuseumWeek-Ranking der deutschen Museen führte (wie schon 2017) das DDR-Museum in Berlin an mit einer Reichweite von über drei Millionen. Auf Platz 2 konnten wir mit unseren Tweets über 2,1 Millionen Twitter-Accounts erreichen – fast drei Mal so viele wie 2017. Ebenfalls besonders erfolgreich nahmen das Museum für Kommunikation in Frankfurt/M, das Frankfurter Städel-Museum, das Ägyptische Museum München, das Archäologische Museum Hamburg, die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, das Haus der Geschichte, die Deutsche Digitale Bibliothek und das Deutsche Museum an der #MuseumWeek teil.

Die Ausstellung und Forschung zur europäischen Salongeschichte bieten wunderbare Anknüpfungspunkte für einen gemeinsamen Austausch über Kultur in Europa.
Die Ausstellung und Forschung zur europäischen Salongeschichte im Museum Burg Posterstein bieten wunderbare Anknüpfungspunkte für einen gemeinsamen Austausch über Kultur in Europa.

Die #MuseumWeek als Chance, die Region sichtbar machen

Während der Museumswoche entspannen sich interessante Gespräche mit Kulturinteressierten und Museumskollegen in Deutschland und ganz Europa. Besonders aktiv waren Museumskollegen in Frankreich und Italien, mit denen wir über das Thema europäische Salons um 1800, die Herzogin von Kurland oder die Sammlung des Lindenau-Museums ins Gespräch kamen. Wir nutzten gemeinsam mit den Kollegen aus dem Residenzschloss Altenburg, dem Lindenau-Museum, der Klassikstiftung Weimar und dem Schloss Friedenstein die Gelegenheit, das Altenburger Land und die Thüringer Museen bekannter zu machen. Denn zweifellos profitieren nicht nur Museen davon, wenn es gelingt, die Kulturschätze Thüringens bekannter zu machen, sondern durch steigende Besucherzahlen am Ende auch Hotels, Gaststätten und Geschäfte vor Ort. 2017 verzeichneten die 235 Museen des Thüringer Museumsverbands wieder über vier Millionen Besucher und sind damit die am häufigsten besuchten Kultureinrichtungen in Thüringen.

Gemeinsam Kultur sichtbar machen: Die Sammlung antiker Keramik umfasst im Lindenau-Museum Altenburg etwa 400 Vasen. Im Rahmen des Kultur-Hackathons Coding da Vinci hat das Lindenau-Museum seine Sammlung digital geöffnet.
Gemeinsam Kultur sichtbar machen: Die Sammlung antiker Keramik umfasst im Lindenau-Museum Altenburg etwa 400 Vasen. Im Rahmen des Kultur-Hackathons Coding da Vinci hat das Lindenau-Museum seine Sammlung digital geöffnet.

Ausstellung #SalonEuropa: Durch die #MuseumWeek sind erste Europa-Meinungen eingegangen

Am letzten Tag der Museumswoche standen „Unterschiede“ im Mittelpunkt. Wir nutzten die Chance, unsere experimentelle Herbst-Ausstellung #SalonEuropa vor Ort und digital – Europa bedeutet für mich…?“ vorzustellen. Die Ausstellung versteht sich als ein Labor. Ausgehend von der historischen Salonkultur um 1800 soll sie den Bogen schlagen in die heutige Zeit und zur aktuellen politischen Lage. Wie der Dichter Jean Paul anerkennend berichtete, durfte im Salon der Herzogin von Kurland jeder frei seine Meinung äußern, so lange sie höflich vorgetragen wurde. Analog dazu soll im #SalonEuropa Labor Besuchern vor Ort und im Digitalen die Möglichkeit gegeben werden, ihre Gedanken zu Europa heute zu äußern. Auf einem großen Bildschirm in der Ausstellung und auf einer Website sollen unter der Überschrift „Europa bedeutet für mich…?“ in Videos, kurzen Statements und Blogposts unterschiedliche Meinungen zu Europa zu Wort kommen.

Neil McCallum aus Chester, England, nutzte sofort die Gelegenheit und schickte uns einen längeren Text. Darin schreibt er unter anderem, dass wir nun einen Schritt weiter gehen sollten als nur unsere gegenseitigen europäischen Kulturen zu teilen, sondern auch die großen Fragen und Probleme unserer Zeit – wie Migration, Klimawandel und Gleichheit – in Angriff nehmen müssen:

„Now, we need to come together to not just share in the wonders of each other’s cultures, but to tackle the great questions and debates on migration, climate change, and equality which face the continent.” (Neil McCallum)

Jan Graefe aus Münster schrieb:

Merete Sanderhoff vom Kopenhagener Statens Museum for Kunst reichte ein Interview mit der dänischen Künstlerin Pernille Egeskov über deren Europa-Ausstellung ein:

Peter Sömers aus Den Haag empfahl die Ausstellung der virtuellen europäischen Bibliothek Europeana und teilte sein ganz persönliches Europa-Verständnis:

Viele andere kündigten ihr Interesse an, ebenfalls mit ihrer Meinung zu Europa zum Gelingen unserer Labor-Ausstellung beizutragen.

Wer mitmachen möchte, ist herzlich dazu eingeladen, uns seine Sicht auf Europa per Mail an museum@burg-posterstein.de (Betreff: #SalonEuropa) zukommen zu lassen!

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein


Unsere Blogposts zur MuseumWeek:

http://blog.burg-posterstein.de/2018/04/29/differencemw-vernetzung-damals-und-heute-europa-bedeutet-fuer-mich/
http://blog.burg-posterstein.de/2018/04/28/naturemw-ein-naturverbundener-minister-hans-wilhelm-von-thuemmel/
http://blog.burg-posterstein.de/2018/04/27/kidsmw-bitte-ins-museum-mami-die-familienausstellung-die-kinderburg-auf-burg-posterstein/
http://blog.burg-posterstein.de/2018/04/26/professionsmw-ein-lebendiges-museum-braucht-helfer-und-unterstuetzer/
http://blog.burg-posterstein.de/2018/04/25/heritagemw-ein-europaeisches-tourismus-und-informationszentrum-im-geiste-der-historischen-salons-in-der-burg-posterstein/
http://blog.burg-posterstein.de/2018/04/24/citymw-tee-im-salon-die-altenburger-gesellschaft-um-1810/
http://blog.burg-posterstein.de/2018/04/23/womenmw-die-damen-die-unter-dem-pseudonym-ernst-ritter-schrieb/

Rückblick auf einige der Tweets und Themen:








#differenceMW: Vernetzung damals und heute – Europa bedeutet für mich…?

Brachte der Wiener Kongress 1815 nach den verheerenden napoleonischen Kriegen für Jahrzehnte wieder Frieden und Stabilität in Europa, so kann man das in vergleichbarer Weise ebenso von der europäischen Einigung, der politischen Wende 1989 und der Überwindung der europäischen Teilung nach dem zweiten Weltkrieg behaupten. Nach der Euphorie der 1990er Jahre, in der Europa in den Augen vieler seiner Bürger für Wachstum und Stabilität stand, hat sich die Lage spätestens mit der Finanzkrise 2007/08 gewandelt. Heute scheint unter dem Einfluss von Terror, Flüchtlingskrise und Populismus Europaskepsis vorzuherrschen. Zusätzlich setzen viele das europäische Projekt mit verkrusteten bürokratischen EU-Strukturen gleich. Wir nehmen das letzte Thema – #differenceMW – dieser internationalen Museumswoche #MuseumWeek zum Anlass, um über die unterschiedlichen Sichtweisen auf Europa, heute wie damals, zu schreiben – und über es sehr experimentelles Ausstellungsprojekt.

Auch in der Zeit zwischen Aufstieg und Fall Napoleons und Wiener Kongress befand sich Europa im Umbruch. Ein Portrait Anna Dorothea von Kurlands, von Grassi.
Auch in der Zeit zwischen Aufstieg und Fall Napoleons und Wiener Kongress befand sich Europa im Umbruch. Ein Portrait Anna Dorothea von Kurlands, von Grassi.

Es sind Visionen gefragt, um Europa eine Identität für die Bürger und Handlungsfähigkeit in der Welt zu verschaffen, denn wir leben in Europa und müssen miteinander auskommen, ob wir wollen oder nicht. Wie schnell Frieden auch im Inneren verlorengehen kann, haben die Balkankriege gegen Ende des letzten Jahrhunderts anschaulich gezeigt. Alle sind also gefordert: Politik, Wirtschaft, Kunst, Kultur und die Bürger selbst. Nur wenn ein Dialog stattfindet und in diesem Dialog jeder den anderen und dessen Meinung respektiert, können zukunftsweisende Lösungen gefunden werden. Verständigung braucht Nähe und Nähe muss gefördert werden. Der Salon des 18. und 19. Jahrhunderts hatte diese Nähe und birgt das Potential, sie auch heute zu erzielen. Werden wir salonfähig und nehmen wir die Kultur der Salonnièren aktiv auf, transportieren sie ins Hier und Jetzt.

Die Herzogin von Kurland – eine selbstbewusste Europäerin

Zwischen 1795 und 1821 gab es auf Schloss Löbichau bei Posterstein einen lebendigen Musenhof, der bildende Künstler, Schriftsteller und Politiker, Adlige wie Bürgerliche, aus ganz Europa anzog. Die Gastgeberin, die kluge und schöne Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761–1821), zählte zu den reichsten Frauen Europas. Sie verstand es geschickt, ein soziales Netzwerk zu knüpfen, das sich über den ganzen europäischen Kontinent zog. Ihre Briefe gingen in ihre Heimat Kurland im heutigen Lettland, nach Russland, Polen und Frankreich, nach Italien und Dänemark, nach Wien und nach Karlsbad. Per Kutsche reiste sie zwischen Berlin, Karlsbad, Schlesien, Paris, Wien und Löbichau hin und her.

Schloss Löbichau, Ansichtskarte von 1904 (Museum Burg Posterstein)
Schloss Löbichau, Ansichtskarte von 1904 (Museum Burg Posterstein)

In den Sommermonaten versammelte sie ihre Gäste in ihren Schlössern Löbichau und Tannenfeld im heutigen Altenburger Land. In den Salons dieser Zeit wurden bei Musik, Theater und Tee Kontakte geknüpft und politische Entscheidungen auf den Weg gebracht. Unzählige Briefe dokumentieren diese Zeit. Hätten Menschen wie Anna Dorothea von Kurland damals schon heutige soziale Medien zur Verfügung gestanden, man hätte sie sicher zu den „Influencern“ ihre Zeit zählen dürfen.

Die Ausstellung „#SalonEuropa vor Ort und digital“

Die Ausstellung versteht sich als ein Labor. Ausgehend von der historischen Salonkultur um 1800 soll sie den Bogen schlagen in die heutige Zeit und zur aktuellen politischen Lage. Wie der Dichter Jean Paul anerkennend berichtete, durfte im Salon der Herzogin von Kurland jeder frei seine Meinung äußern, so lange sie höflich vorgetragen wurde. Analog dazu soll im #SalonEuropa Labor Besuchern vor Ort und im Digitalen die Möglichkeit gegeben werden, ihre Gedanken zu Europa heute zu äußern. Auf einem großen Bildschirm in der Ausstellung und auf einer Website sollen unter der Überschrift „Europa bedeutet für mich…?“ in Videos, kurzen Statements und Blogposts unterschiedliche Meinungen zu Europa zu Wort kommen.

Die Ausstellung #SalonEuropa: Vor Ort und digital versteht sich als Labor. Besuchern und uns selbst stellen wir die Frage: Was bedeutet Europa für uns selbst?
Die Ausstellung #SalonEuropa: Vor Ort und digital versteht sich als Labor. Besuchern und uns selbst stellen wir die Frage: Was bedeutet Europa für uns selbst?

Im Vorfeld entstehen Videos, in denen lokale Politiker, Wirtschaftstreibende, Künstler und ganz normale Menschen zu Wort kommen. Kommentare können direkt in der Ausstellung eingegeben werden und sind nach Freischaltung im Internet auf der Website www.salon-europa.eu einsehbar. Per soziale Netzwerke und in Blogs sollen Menschen motiviert werden, ihre Meinung zu Europa unter dem Hashtag #SalonEuropa zu teilen. Möglichst viele dieser Meinungen sollen auf der Website zusammenlaufen und somit wieder in der Ausstellung sichtbar werden.

Wir suchen Europa-Meinungen und Fotos für die Ausstellung!

Durch Bilder von verschiedenen europäischen Orten um 1800 und heute (in Lettland, Polen, Deutschland, Österreich und Frankreich) soll die Ausstellung das Damals und das Heute verbinden. Wir suchen Fotos von europäischen Orten heute und Menschen, die mit ihrer Meinung zur Frage „Europa bedeutet für mich…?“ in der ein oder anderen Form in der Ausstellung vertreten sein möchten. Kontaktieren Sie uns gern in den sozialen Netzwerken, per Mail oder persönlich.

An einem Arbeitstisch werden die Pläne für ein Zentrum für Europäische Salonkultur im Museum Burg Posterstein öffentlich vorgestellt.

Über ein Vierteljahrhundert wetteiferte alles, was in Europa Rang und Namen hat, darum, vom illustren Diplomaten Talleyrand in Valençay empfangen zu werden. Nach dem Wiener Kongress und der Rückkehr der Bourbonen zog sich Talleyrand mit der jüngsten Tochter der Herzogin von Kurland, Dorothée, auf Schloss Valençay zurück.
Historische Orte in Ansichten von damals und heute sollen in der Ausstellung #SalonEuropa eine Rolle spielen – zum Beispiel Schloss Valençay, Frankreich: Über ein Vierteljahrhundert wetteiferte alles, was in Europa Rang und Namen hat, darum, vom illustren Diplomaten Talleyrand in Valençay empfangen zu werden. Nach dem Wiener Kongress und der Rückkehr der Bourbonen zog sich Talleyrand mit der jüngsten Tochter der Herzogin von Kurland, Dorothée, auf Schloss Valençay zurück.

Verschiedene Formate begleiten die Ausstellung:

Blogparade #SalonEuropa vom 23. September bis 23. Oktober 2018

Wir wollen zu einer Blogparade einladen in Kooperation mit Dr. Tanja Praske von KULTUR-MUSEUM-TALK . Blogger aller Art werden dazu eingeladen, unser Ausstellungsthema zum Anlass für eigene Artikel zu nehmen, die wiederum auf der Ausstellungswebsite #SalonEuropa gesammelt und in den sozialen Netzwerken geteilt werden. Die Blogparade wird die Ausstellung im Internet begleiten. Tanja Praske über Blogparaden:

„Der Grundgedanke einer Blogparade ist die Vernetzung der Blogger untereinander sowie die erhöhte Sichtbarkeit der Blogs im Netz.“

Ziel der Blogparade ist es, die Idee der Ausstellung im Netz mit anderen zu diskutieren,  sich mit ihnen zu vernetzen und dadurch der spannenden aktuellen Thematik eine große Reichweite zu ermöglichen.

Salonabend „Was bedeutet Europa für mich…?“
mit der Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen am 27. Oktober 2018

#SalonEuropa: Legetrickfilm-Workshop mit der Kunstschule Gera

am 19. Juli und 2. August 2018, 10–15 Uhr, für Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren. In Legetrick-Technik entstehen kurze Filme, thematisch inspiriert von der europäischen Salonkultur im 19. Jahrhundert.

Von Klaus Hofmann / Museum Burg Posterstein

Weitere Beiträge zur #MuseumWeek 2018:
#WomenMW: Die Dame, die unter dem Pseudonym „Ernst Ritter“ schrieb
#CityMW: Tee im Salon – Die Altenburger Gesellschaft um 1810
#heritageMW: Ein europäisches Tourismus- und Informationszentrum im Geiste der historischen Salons in der Burg Posterstein
#professionsMW: Ein lebendiges Museum braucht Helfer und Unterstützer
#kidsMW: Bitte ins Museum, Mami! Die Familienausstellung „Die Kinderburg“ auf Burg Posterstein
#natureMW: Ein naturverbundener Minister – Hans Wilhelm von Thümmel

#natureMW: Ein naturverbundener Minister – Hans Wilhelm von Thümmel

Im März 2018 widmete das Museum Burg Posterstein dem Minister Hans Wilhelm von Thümmel (1744-1824) einen neuen, erweiterten Platz in der Dauerausstellung. Der naturliebende Freund der Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761-1821) war nicht nur Stammgast auf ihren Schlössern Löbichau und Tannenfeld sowie im dortigen Salon. Zum heutigen Thema #natureMW der internationalen Museumswoche #MuseumWeek wollen wir Thümmels Gärten vorstellen.

Er gehörte auch zu den prägendsten Persönlichkeiten des Altenburger Landesteils des Herzogtums Sachsen-Gotha-Altenburg. Als Vertrauter und Diplomat der Gothaer Herzöge vertrat er das Herzogtum in Paris, Berlin, Wien und Dänemark, ließ es vermessen und kartieren und hinterließ ein umfassendes landschaftliches Erbe. Wenn auch oft nicht für Dauer. Seine Verbundenheit zur Natur lässt sich nicht nur an seiner ausgewöhnlichen Grabstätte, der 1000-jährigen Eiche in Nöbdenitz, erahnen. Auch seine Gartenbautätigkeit spricht Bände.

Der Sachsen-Gotha-Altenburgische Minister Hans Wilhelm von Thümmel (Museum Burg Posterstein)
Der Sachsen-Gotha-Altenburgische Minister Hans Wilhelm von Thümmel (Museum Burg Posterstein)

Thümmels englischer Garten mit Palais in Altenburg, seine Rittergüter in Nöbdenitz und Untschen, die polnische Hütte in Münsa, der Altenburger Schlosspark, die mit Obstbäumen bestandenen Chausseen im Herzogtum, die heiteren Anlagen in Rasephas: Hans Wilhelm von Thümmel war an verschiedenen Orten im Altenburger Land gartengestalterisch tätig. Auch wenn die Spuren seines Werks heute zum Großteil nur noch in historischen Text- und Bildquellen zu finden sind, so kann man allein auf Grund dieser Zeugnisse sagen, dass die Gärten des Sachsen-Gotha-Altenburgischen Geheimen Rats und Ministers von Thümmel von hoher gartenkünstlerischer Qualität und ein genauer Spiegel ihrer Zeit waren. Sie verstanden sich nicht nur als Erholungs- und Vergnügungsorte im Grünen, sondern auch als Bildungsorte: als Gärten der Aufklärung – im besten Sinn.

Die Gartenkunst im 18. Jahrhundert

Ihren Ursprung hatten die Gärten der Aufklärung im 18. Jahrhundert in England. Die landschaftlichen Anlagen waren Ausdruck einer neuen Gesellschaftsordnung, die sich von den Fesseln einer absolutistischen Herrschaft befreit hatte. Dagegen zeugten die hierarchisch strukturierten Barockgärten, in denen sich der Mensch die Natur zum Untertan machte, noch von der vorangegangenen Ordnung.

Das Sommer Schloss des Fürsten im Garten zu Wörlitz. Le Palais du Prince au Jardin de Wörlitz | Nagel, Johann Friedrich (Public Domain, Österreichische Nationalbibliothek).
Das Sommer Schloss des Fürsten im Garten zu Wörlitz. Le Palais du Prince au Jardin de Wörlitz | Nagel, Johann Friedrich (Public Domain, Österreichische Nationalbibliothek).

Es war die neue Epoche, in der sich der Mensch als Teil der Natur erkannte und die Gartenkunst zum Träger und Vermittler von Erkenntnis und Bildung wurde. Den Menschen über die Sinne aufklären: nirgendwo geht das so gut wie in der gestalteten Natur. So lädt ein Spaziergang durch die malerisch verschönerten künstlichen Landschaften, mit ihren architektonischen oder literarischen Anspielungen in Form von Tempeln, Skulpturen und Inschriften zu den verschiedensten Eindrücken, daraus resultierenden Gedanken und Erkenntnissen ein.

Auch Hans Wilhelm von Thümmel öffnete seine Gärten der Öffentlichkeit, als Orte der Erholung, der Erkenntnis, der Bildung und der Verbundenheit mit der Natur. Inspiration holte er sich auf Italienreisen, in Paris, Berlin, Wörlitz und anderen europäischen Orten.

Thümmels Privatgarten in Altenburg

Anfang des 19. Jahrhunderts galt der Garten Hans Wilhelm von Thümmels als die wichtigste Sehenswürdigkeit von Altenburg. In seiner endgültigen Ausdehnung wurde das langgezogene Parkgrundstück von der Mauerstraße, Kotteritzer Straße und Thümmelstraße (aktuelle Bezeichnung) begrenzt und von einer Mauer mit sieben Toren umschlossen. An der höchsten Stelle des Geländes, mit dem besten Ausblick auf Altenburg, ließ Thümmel ab 1788 eine Villa im Stil des italienischen Klassizismus errichten.

Thümmels Garten in Altenburg auf der Thümmelschen Karten von 1813, Section VIII.
Thümmels Garten in Altenburg auf der Thümmelschen Karten von 1813, Section VIII.

Im Park gab es künstliche Grotten, Wasserläufe und Teiche. Kleine Lusthäuser in verschiedenen Stilen sowie das sogenannte „Kachelhaus“ – auch „Türkischer Pavillon“ – wurden in das Konzept integriert. Der bekannte Künstler Adrian Zingg hielt die Schönheit des Thümmelschen Gartens für die Ewigkeit fest.

Als Thümmels Vermächtnis hatte der Garten nicht lange Bestand. Bereits einige Jahrzehnte nach seinem Tod im Jahr 1824 war er von den Erben durch den Verkauf einzelner Flächen stark verkleinert worden. Heute erinnert nur noch der erhaltene Mittelbau des Palais an seinen einstigen Ruhm.

Der Schlosspark in Altenburg

Neben der Gestaltung seines privaten Gartens in Altenburg betätigte sich Hans Wilhelm von Thümmel auch an der Umgestaltung des Schlossparks von der barocken zur landschaftlichen Anlage. Nach Berichten des Altenburger Chronisten Christian Friedrich Schadewitz (1779–1847) ließ der damalige Kammerpräsident Thümmel bereits 1784/86 zu Figuren geschnittene Eiben , die den Lustgarten zierten, und die mit Hainbuchen eingefassten Heckenwände entfernen. Die freien Flächen legte man mit Rasen aus und stellte die Orangerie darin auf. Um 1800 folgte die Anpflanzung der ersten Tulpenbäume. Damit legte Thümmel den Grundstein für den heutigen Altenburger Schlosspark in englischem Stil.

Das Rittergut Nöbdenitz – Thümmels Altersruhesitz

„Seiner Verheiratung verdankte Thümmel die Güter Nöbdenitz und Untschen; später kaufte er noch Nobitz dazu. Jedes dieser Güter zeugt für den Schönheitssinn seines Besitzers. Wenn die großen Wirthschaftsgebäude von Untschen den Oeconomen in Erstaunen setzen, so werden die herrlichen Anlagen und besonders die Einsiedelei von Nöbdenitz jeden Freund der Natur angenehm überraschen. Sie würden eine Zierde jeder Gegend seyn, so wie sie es für die von Nöbdenitz sind.“, steht im Neuen Nekrolog der Deutschen von 1826 über Thümmel (Schmidt, Friedrich August (Hrsg.): Neuer Nekrolog der Deutschen, Ilmenau 1826, S. 469.).

1782 hatte Thümmels Schwiegervater und Amtsvorgänger, der Sachsen-Gotha-Altenburgische Geheime Rat Freiherrn Johann von Rothkirch und Trach (1710–1782), das alte Nöbdenitzer Schloss sanieren und ein neues Herrenhaus sowie ein Mausoleum als Familiengrab errichten lassen. Diesen beschaulichen Ort wählte sich Hans Wilhelm von Thümmel zum Alterssitz.

Zum Segeln auf dem Teich von Nöbdenitz

Nöbdenitz befindet sich ganz in der Nähe der Schlösser Löbichau und Tannenfeld, in denen die Herzogin Anna Dorothea von Kurland zu ihrem bekannten Salon einlud. Gegenbesuche der Herzogin und ihrer Gäste in Nöbdenitz waren nicht selten. So traf man sich zum Segeln auf dem großen Teich des Rittergutes und zum Spaziergang zur 1000-jährigen Eiche, die sich Thümmel schon zu Lebzeiten als sein Grab im Grünen auserkoren hatte.

Schloss und Herrenhaus Nöbdenitz - Hans Wilhelm von Thümmel legte hier einen weitläufigen englischen Garten an mit Bächlein und "Einsiedeley" (Lithografie: Museum Burg Posterstein).
Schloss und Herrenhaus Nöbdenitz – Hans Wilhelm von Thümmel legte hier einen weitläufigen englischen Garten an mit Bächlein und „Einsiedeley“ (Lithografie: Museum Burg Posterstein).

Die umliegende Parkanlage war weitläufig: der Gutsgarten erstreckte sich östlich des 1782 erbauten „Neuen Herrenhauses“, dessen Freitreppe zum Park hinführte. Ein Bächlein, der Mühlgraben, durchfloss die Anlage und in der Mitte eines geradlinigen Weges durchbrach auf einem Platz eine Statue oder ähnliches diese Achse. Von diesem Hauptweg führten drei Brücken über den Mühlgraben in die landschaftlich gestalteten Partien auf der Südseite, die vom Nöbdenitzer Holz abgeschlossen wurden. Hier ermöglichten Gehölzgruppen schattige Spaziergänge. Im Westen schloss ein mit Solitärgehölzen gerahmter Platz den Park ab.

Neben dem Wehr am Mühlgraben war eine Einsiedelei errichtet worden, ein beliebtes Motiv in den Gärten der Aufklärung: ein stiller Rückzugsort inmitten der Natur, um hier Zwiesprache mit sich selbst, der Natur und Gott führen zu können. Ein Ort der inneren Einkehr und Erkenntnis abseits des geschäftigen Alltagstrubels. Auch diese hielt der Kupferstecher Zingg bildlich fest. Bis in die heutige Zeit hat das Gebäude nicht überdauert.

Ein „chinesisches Badehaus“ und eine „polnische Hütte“

Neben den schon genannten Anlagen, die unter Thümmels Regie im Altenburger Landesteil des Herzogtums Sachsen-Gotha-Altenburg entstanden, gehörten auch die Umgestaltung des Rittergutes Untschen samt Errichtung eines Badehäuschens im chinesischen Stil oder das Ausflugsziel „Polnische Hütte“ in Münsa. Doch Hans Wilhelm von Thümmel war bei weitem nicht der einzige, der die hiesige Gartenkunst schätzte und förderte. Auch die von ihm bewunderte Herzogin Anna Dorothea von Kurland zählte zu diesem Kreis.

Der Schlossprk in Tannenfeld im Frühjahr 2018.
Der Schlosspark in Tannenfeld im Frühjahr 2018 (Foto: Marlene Hofmann).

Tannenfeld – Lustgarten im englischen Stil

Zeitgleich mit dem Bau des Schlosses begann unter der Regie der Herzogin die Entwicklung des Parks Tannenfeld. Das neue Gebäude, mit einer wunderschönen Aussicht über den hügeligen Landstrich bis zur Burg Posterstein und dem fernen Erzgebirge, wurde, wie der Schriftsteller Christoph A. Tiedge schrieb, unter Einbeziehung „alter Baumgruppen“, in einen neu gestalteten Park in landschaftlicher Manier eingebettet:

„Eine, an der Straße nach Ronneburg sanft aufsteigende Anhöhe, das Tannenfeld genannt, wurde späterhin mit einem freundlichen Gartenhause geziert, welches eine weite, reiche Aussicht beherrscht. Die zerstreuten alten Baumgruppen umher, durch junge Zwischenpflanzungen vereinigt, entwickelten bald einen labyrinthischen Park.“

(Tiedge, Christoph August: Anna Charlotte Dorothea, Herzogin von Kurland, Leipzig. F.A. Brockhaus 1823, S. 183. )

Der Schlosspark Tannenfeld im Frühling 2018 (Foto: Marlene Hofmann)
Der Schlosspark Tannenfeld im Frühling 2018 (Foto: Marlene Hofmann)

Zur Zeit Anna Dorothea von Kurlands lag Tannenfeld etwa eine halbe Stunde von Löbichau entfernt. Bogen die Besucher von der Chaussee zwischen Ronneburg und Schmölln kommend nach Tannenfeld ab, kamen sie an einem kleinen Pförtnerhäuschen vorbei auf eine von italienischen Pappeln gesäumte Allee in den Park und zum Schloss. Sandige Wege führten die Spaziergänger vorbei an Baum- und Strauchgruppen, Blumenbosketts und sentimental-romantischen Gedenksteinen wie dem Stein mit der Aufschrift „Peterswiese“, der an den 1800 verstorbenen Ehemann Dorothea von Kurlands erinnerte. Ein schmaler Bach durchfloss den Wiesengrund und mündete in einem Teich. Auf einer Insel im Teich gab es eine sogenannte „Eremitage“, eine aus Felsen geformte Grotte.

Schloss Tannenfeld im Frühjahr 2018 (Foto: Marlene Hofmann):
Schloss Tannenfeld im Frühjahr 2018 (Foto: Marlene Hofmann):

Die Sommer-Ausstellung #SalonEuropa widmet sich Schloss Tannenfeld

Vom 17. Juni bis 9. September 2018 widmet das Museum Burg Posterstein Schloss und Park Tannenfeld eine besondere Ausstellung: „#SalonEuropa im Hier und Jetzt: Schloss Tannenfeld – Inspiration und Wirklichkeit“. Vier Künstlerinnen aus Deutschland, Polen und Frankreich werden sich in der Tradition des Musenhofes der Herzogin von Kurland mit dem Thema Europa und der Geschichte Tannenfelds auseinandersetzen. Anlass sind die bevorstehenden Veränderungen, die für Parkanlage und Schloss Tannenfeld ab Sommer 2018 anstehen. Der idyllische Ort – einst von Anna Dorothea von Kurland beseelt – bekommt nach Jahren des Stillstandes eine neue Nutzung und neue Bewohner. Mit ihrem Projekt wollen die vier Künstlerinnen explizit auf den prägenden europäischen Gedanken verweisen, der an diesem Ort unter der Herzogin von Kurland gelebt wurde. Mit ihren Arbeiten bringen die vier Künstlerinnen ihren jetzigen Standpunkt, ihre jetzige Sichtweise zum Thema EUROPA zum Ausdruck.

Von Franziska Engemann, Christiane Nienhold und Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Weitere Beiträge zur #MuseumWeek 2018:
#WomenMW: Die Dame, die unter dem Pseudonym „Ernst Ritter“ schrieb
#CityMW: Tee im Salon – Die Altenburger Gesellschaft um 1810
#heritageMW: Ein europäisches Tourismus- und Informationszentrum im Geiste der historischen Salons in der Burg Posterstein
#professionsMW: Ein lebendiges Museum braucht Helfer und Unterstützer
#kidsMW: Bitte ins Museum, Mami! Die Familienausstellung „Die Kinderburg“ auf Burg Posterstein

#Kinderburg: Wie haben Ritter Post verschickt?

Jule aus Buxtehude wollte von den Postersteiner Burggeistern Posti und Stein wissen: Wie haben Ritter Post verschickt? Hier kommt die Antwort!

Nachrichten zu verschicken war im Mittelalter ziemlich schwierig. Oft dauerte es sehr lange, bis Nachrichten überbracht werden konnten. Einen Brief einfach in den Briefkasten werfen ging leider nicht. Boten mussten geschriebene oder mündliche Nachrichten zu Fuß oder zu Pferde an den Empfänger überbringen.

Tatsächlich gab es solche Boten. Aber die musste man sich nicht nur selber suchen, sie waren im Vergleich zu heute auch recht langsam. Ein Fußbote konnte am Tag ungefähr 20 bis 30 Kilometer zurücklegen. Von Buxtehude aus würde er es an einem Tag also ungefähr bis Waltershof bei Hamburg schaffen. Bis in die Hamburger Innenstadt wäre er erst einen Tag später gekommen.

Ein berittener Bote war natürlich schneller. Er schaffte bis zu 60 Kilometer am Tag und wäre von Buxtehude aus bei gutem Wetter wohl bis Lüneburg gekommen.

Hatte er zwischenzeitlich die Möglichkeit das Pferd zu wechseln, konnte ein Bote zu Pferd sogar 100 Kilometer am Tag zurücklegen. Er wäre mit deinem Brief aus Buxtehude sogar bis in die Innenstadt von Bremen gekommen – zumindest, wenn er den Weg gut kannte.

Zu Pferd war man im Mittelalter über Land am schnellsten unterwegs. Die Zeichnung stammt aus dem Fechtbuch von Hans Talhoffer in den 1440er Jahren. Sie wird in der Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt aufbewahrt. (aus: Hans Talhofer: Fechtbuch, CC-BY-SA, Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt)
Zu Pferd war man im Mittelalter über Land am schnellsten unterwegs. Die Zeichnung stammt aus dem Fechtbuch von Hans Talhoffer in den 1440er Jahren. Sie wird in der Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt aufbewahrt. (aus: Hans Talhofer: Fechtbuch, CC-BY-SA, Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt)

Billig waren solche Boten allerdings nicht! Im Gegensatz zu heute mussten die Leute im Mittelalter nicht nur das Briefporto (also den Transport) zahlen, sondern auch für die Unterkunft und Übernachtungen der Boten, die Pferde und deren Pflege, Wegzoll und Fährbenutzungen aufkommen. Das konnte sich ein normaler Bürger oder Bauer kaum leisten.

Für die Herrscher war ein (relativ) schnelles Postwesen allerdings sehr wichtig. Politische Entscheidungen konnten von solchen Nachrichten abhängen. So leisteten sich vor allem die Könige und Kaiser eine eigene Mannschaft an Kurieren und auch der Papst in Rom verfügte über diese Möglichkeit. Wohlhabende Klöster nutzten Boten, um Kontakt mit anderen Klöstern ihres Ordens zu halten.

Mittelalterliche Straßen waren oft nur holprige Sandwege. Hier siehst du eine historische Ansicht von Burg Posterstein. Das Bild entstand aber nicht im Mittelalter, sondern erst später, nämlich im 18. Jahrhundert.
Mittelalterliche Straßen waren oft nur holprige Sandwege. Hier siehst du eine historische Ansicht von Burg Posterstein. Das Bild entstand aber nicht im Mittelalter, sondern erst später, nämlich im 18. Jahrhundert.

Trotz dieser professionellen Kuriere dauerte es recht lange, Nachrichten und Briefe zu übermitteln. Besonders, wenn diese Boten auf schlechtes Wetter oder unwegsame Straßen stießen. Denn Autobahnen gab es im Mittelalter natürlich noch nicht und die „Straßen“ waren oft holprige und schlecht ausgebaute Wege. Herrschte zudem noch Krieg im Land, konnte sich die Zustellung weiter verzögern. Als zum Beispiel Kaiser Friedrich I., den man auch „Barbarossa“ (Rotbart) nannte, im Jahr 1190 auf einem Feldzug in der heutigen Türkei in einem Fluss ertrank, erfuhr sein Sohn trotz der „Expresslieferung“ dieser Nachricht erst vier Monate später, dass sein Vater nicht mehr lebte.

Aber: Langsamer ging es trotzdem noch! Wer sich einen Boten nicht leisten konnte und dennoch einen Brief verschicken wollte, musste sich an Leute wenden, die sowieso auf Reisen waren und für wenig Geld den Brief mit in eine andere Stadt nahmen. Das waren meist Händler oder Pilger. Die wiederum hatten gar nicht die Absicht, sich zu beeilen und die Nachricht so schnell wie möglich zu ihrem Empfänger zu bringen. Sie nahmen die Post ja nur aus Freundlichkeit mit. So konnte es viele Wochen und Monate dauern, bis eine solche Nachricht an ihr eigentliches Ziel kam. Aber immerhin: irgendwann kam sie wohl an!

#kidsMW: Bitte ins Museum, Mami! Die Familienausstellung „Die Kinderburg“ auf Burg Posterstein

Ein Museum ist dunkel, leise und anfassen darf man auch nichts! – Diese Vorstellung ist auch heute noch weit verbreitet. Der Gedanke an einen Familienausflug ins Museum kommt bei vielen nicht besonders gut an. Aber muss das so sein? Das heutige Thema der internationalen Museumswoche #MuseumWeek heißt #kidsMW und wir wollen unsere erste Familienausstellung im Museum Burg Posterstein vorstellen.

Das Bild wandelt sich! Viele Museen haben das Klischee der langweiligen Kulturstätte erkannt und sich bewusst auf die Fahnen geschrieben, einen Schlussstrich darunter zu setzen. Und das zu Recht! Denn Kunst, Naturwissenschaft, Geschichte, Literatur und Technik sind alles andere als langweilig. Doch die Vermittlung kann eine echte Herausforderung werden. Besonders Kinder verlieren beim Versuch einer detaillierten Beschreibung schnell die Begeisterung. Vor allem wenn ihnen „vorgeschrieben“ wird, was sie wissen, sehen oder sich merken sollen.

Franziska Engemann bei einer Familienführung durch die Burg Posterstein.
Franziska Engemann bei einer Familienführung durch die Burg Posterstein.

Dabei sind Kinder durchaus an kulturellen Themen interessiert. Sie wollen diese bewusst erleben: sehen, hören, riechen, anfassen und fühlen. Besonders letztes lässt vielen Kollegen wohl einen eisigen Schauer über den Rücken laufen. Schließlich gehört es zu den Hauptaufgaben eines Museums seine Exponate zu sichern und zu bewahren. Aber muss das eine das andere zwangsläufig ausschließen?

Kinder, erobert die Burg!

Im Museum Burg Posterstein sind Familien mit Kindern, Schulklassen und Kita-Gruppen traditionell die wichtigste Besuchergruppe. Die Burg mit ihrem Verließ, dem Turm und einem Hauch von „Ritterleben“ trifft das Interesse vieler Kinder. Die pädagogischen Angebote, die von speziellen Führungen und Programmen für Kinder bis hin zur privaten Geburtstagsfeier für die kleinen Besucher reichen, waren und sind sehr gefragt. Das traditionell zu Pfingsten stattfinde Mittelalterspektakel mit Reiterturnier, Musik und Markttreiben ist für viele Besucher ein Höhepunkt des Jahres.

Einer der Höhepunkte des Jahres auf Burg Posterstein: Das Mittelalterspektakel mit Ritterturnieren - jedes Jahr zu Pfingsten.
Einer der Höhepunkte des Jahres auf Burg Posterstein: Das Mittelalterspektakel mit Ritterturnieren – jedes Jahr zu Pfingsten.

Im musealen Alltag gab es allerdings einen Makel: Schrift, Ton und Präsentation der Exponate im Museum waren bisher fast ausschließlich für ein erwachsenes Publikum bestimmt. Besonders das Thema „Salonkultur“ und die Geschichte um den Musenhof der Herzogin Anna Dorothea von Kurlands auf ihren Schlössern Löbichau und Tannenfeld war für junge Museumsgäste schwer zugänglich – Prinzessinnen hin oder her.
Die Zeit war reif für eine Ausstellung, die sich speziell an die vielen Kinder richtete, die das Museum besuchten.

Wie, wer, was, warum?

Das gesamte Jahr 2017 war von den Vorbereitungen zur Ausstellung „Die Kinderburg – Auf den Spuren von Rittern und Salondamen“ geprägt. Die verschiedenen Stationen für Kinder orientieren sich an den Hauptthemen des Museums: Burggeschichte und Mittelalter, Geschichte der Region und Salonkultur des 18./19. Jahrhundert, speziell der Musenhof der Herzogin von Kurland in Löbichau und Tannenfeld.

Geschichte soll nicht nur in Führungen kindgerecht erklärt werden, sondern auch in der Ausstellung.
Geschichte soll nicht nur in Führungen kindgerecht erklärt werden, sondern auch in der Ausstellung.

Die Leitidee der Ausstellung war, den Kindern die Informationen nicht einfach vorzusetzen. Sie sollten selbst mitwirken. So wurde Anfang des Jahres eine Fragestation im Museum eingerichtet. Dort konnten die kleinen und großen Besucher ihre brennendsten Fragen an das Burggespenst Posti und den Burgdrachen Stein stellen. Beide gaben dann Antwort: per Brief, E-Mail oder im neu eingerichteten Kinderblog der Burg Posterstein.

Das Interesse und die Beteiligung waren erfreulich hoch. Das größte Interesse galt dem Alltagsleben der Ritter, Bauern und Salondamen. Wie schwer war eine Ritterrüstung? Wie ging der Ritter damit aufs Klo und was hat er als Klopapier benutzt? Wie lebten Kinder im Mittelalter? Gingen die Kinder im Mittelalter zur Schule? Wie verschickte man früher Post? Hatten Prinzen auch Schlittschuhe?

Eine Ausstellung zum Sehen, Lesen, Hören, Fühlen und Verkleiden

Auf Basis dieser Fragen entwickelten wir zehn Stationen, an denen auf schwarzen Holzwürfeln und Holzritterfiguren diese Fragen in kurzen Sätzen beantwortet wurden. Dabei war uns wichtig, dass die Kinder nicht nur lesen, sondern die Geschichte und Geschichten der Burg und der Region auch aktiv erleben können. So weist jeder Würfel nicht nur kurze, kindgerechte Texte auf, sondern verbirgt auch eine praktische Funktion zum Erkunden.

Die Ausstellung "Die Kinderburg" auf Burg Posterstein zeigt Geschichte zum Sehen, Hören und Anfassen.
Die Ausstellung „Die Kinderburg“ auf Burg Posterstein zeigt Geschichte zum Sehen, Hören und Anfassen.

Den Anfang bildet die Replik eines Kettenhemdes, das die Kinder anfassen und so ein Gefühl für diese spezielle Schutzbekleidung bekommen können. Milchkartons in einem Einkaufsnetz verdeutlichen das Gewicht eines Ritterhelms. Mit großen Holzbausteinen können die kleinen Besucher die Bauentwicklung der Burg Posterstein nachempfinden, mit Holzfiguren ihre eigenen Rittergeschichten nachspielen oder ein Theaterstück im Salon der Herzogin von Kurland aufführen.

Die sich oft ähnelnden Portraits der Altenburger Bäuerinnen, in ihrer Tracht „Marchen“ genannt, dienten schon in der Sonderausstellung zum 200. Geburtstag des Bauernmalers Friedrich Mascher (1815–1880) 2016 als kleines Online-Memory-Spiel. Eine neue Variante dieses „Mascher-Marchen-Memorys“ mit hölzernen Türchen zum Öffnen soll den Kindern die Geschichte der Altenburger Bauern spielerisch näher bringen.

Kleine Ritter und Prinzessinnen stürmten die Burg Posterstein zur Eröffnung der "Kinderburg"-Ausstellung. Unterstützung bekamen wir von der Ritterschaft von Hohenstein.
Kleine Ritter und Prinzessinnen stürmten die Burg Posterstein zur Eröffnung der „Kinderburg“-Ausstellung. Unterstützung bekamen wir von der Ritterschaft von Hohenstein.

Eine Station der „Kinderburg“ widmet sich Stoffen und der Kleidung im Wandel der Zeit. Natürlich können sich die kleinen Besucher hier auch als Ritter oder Burgfräulein, als Prinz oder Salondame verkleiden.

Eine Hörstation im Burgturm erzählt von der Ausbildung zum Ritter oder zur Burgdame. Und ein Blick hinter sonst verschlossene Kamintüren und ins Ritterklo der Burg darf natürlich auch nicht fehlen.

Gekommen, um zu bleiben…

Die Ausstellung „Die Kinderburg – Auf den Spuren von Rittern und Salondamen“ war als Sonderschau bis 31. Dezember 2017 geplant, ist aber inzwischen verlängert worden und kaum noch aus der Burg wegzudenken. Allein zur Eröffnung stürmten rund 200 kleine und große Gäste die Burg und erkundeten die neue Ausstellung. In den ersten zwei Wochen kamen über 1000 Besucher, darunter deutlich mehr Familien mit Kindern als sonst, nämlich über die Hälfte der Besucher. Das Feedback zur Ausstellung fiel durchweg positiv aus. Und der Trend hält an. Auch in den ersten Monaten 2018 besuchten fast doppelt so viele Familien die Burg Posterstein als im Vorjahr. Anteil daran hatten auch die Ferienprogramme mit Rästeljagd und kleinen Familienführungen, welche die unterschiedlichen Fragen der Kinder thematisierten. Das Interesse ist ungebrochen und so bleibt die „Kinderburg“ den Familien erst einmal erhalten.

Natürlich wird der begonnene Kinderblog der Burg weitergeführt. Und auch die „Helmpost“ der Burggeister Posti und Stein erfreut sich weiterhin großer Beliebtheit. Eine Erweiterung der Familienausstellung in der Burg Posterstein ist also durchaus denkbar!

Von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

Weitere Beiträge zur #MuseumWeek 2018:
#WomenMW: Die Dame, die unter dem Pseudonym „Ernst Ritter“ schrieb
#CityMW: Tee im Salon – Die Altenburger Gesellschaft um 1810
#heritageMW: Ein europäisches Tourismus- und Informationszentrum im Geiste der historischen Salons in der Burg Posterstein
#professionsMW: Ein lebendiges Museum braucht Helfer und Unterstützer

#professionsMW: Ein lebendiges Museum braucht Helfer und Unterstützer

Es ist europäische Museumswoche #MuseumWeek und das heutige Thema #professionsMW rückt die Leute hinter den Kulissen ins Zentrum des Interesses. Wir wollen das zum Anlass nehmen, den Museumsverein Burg Posterstein vorzustellen, der die Arbeit des Museums nicht nur finanziell und tatkräftig unterstützt, sondern seit über zehn Jahren auch Träger des Museums ist.

Der Förderverein des Museums gründete sich zur Erforschung, Pflege und Bewahrung regionaler Geschichte, Kultur und Kunst. 1990, mit Sitz auf Burg Posterstein, gegründet ist er als gemeinnützig anerkannt. Der Museumsverein Burg Posterstein e.V. steht allen Freunden des Museums für private oder Firmenmitgliedschaften offen, ermöglicht Mitarbeit, Spenden oder Stiftungen. Derzeit zählt der Museumsverein über 50 Mitglieder, die engagiert und regelmäßig bei Veranstaltungen, auch bei Übersetzungs- und Korrekturarbeiten im Museumsalltag einspringen. Auch die Sponsorensuche ist eine der Prioritäten unserer Vereinsmitglieder und dafür gebührt ihnen ein Herzliches Dankeschön!

1735 erwarb der kurländische Herzog Ernst Johann von Biron das Gut Rundãle und ließ es als Sommerresidenz ausbauen. Baumeister war Francesco Bartolomeo Rastrelli, ein italienischer Architekt, der auch das Winterpalais in St. Petersburg errichtete.
1735 erwarb der kurländische Herzog Ernst Johann von Biron das Gut Rundãle und ließ es als Sommerresidenz ausbauen. Baumeister war Francesco Bartolomeo Rastrelli, ein italienischer Architekt, der auch das Winterpalais in St. Petersburg errichtete.

 

Ein Verein als Träger des Museums

Seit dem 1. Januar 2007 betreibt der Förderverein das Museum Burg Posterstein. Lange Verhandlungen, Networking und ein überzeugendes Konzept haben im Juni 2017 zum Erfolg geführt: Der Trägerschaftsvertrag mit dem Landkreis Altenburger Land zur Betreibung unseres Museums wurde für weitere zehn Jahre mit Budgeterhöhung und Personalabsicherung abgeschlossen.

Das Netzwerk – Freunde der europäischen Salongeschichte

200 Jahre nach dem Wiener Kongress schloss der Museumsverein Burg Posterstein 2015 einen Vertrag mit der Pariser Gesellschaft Les Amis de Talleyrand , der gemeinsame Forschungsarbeiten ermöglichen und fortführen soll. http://blog.burg-posterstein.de/2015/08/24/vertrag-zwischen-paris-und-posterstein-zusammenarbeit-mit-les-amis-de-talleyrand/.

Fotoshoot mit der Herzogin von Kurland und ihrer Tochter Wilhelmine von Sagan bei der Eröffnung der Sonderausstellung "Salongeschichten" in Posterstein.
Fotoshoot mit der Herzogin von Kurland und ihrer Tochter Wilhelmine von Sagan bei der Eröffnung der Sonderausstellung „Salongeschichten“ in Posterstein.

Vielen der Mitglieder des Museumsvereins liegt besonders die europäische Salongeschichte am Herzen, die in regelmäßigen Bildungsfahrten erkundet wird. Wir wollen einige bisherige Höhepunkte der Vereinsarbeit nennen.

Zwischen 1795 und 1821 gab es auf Schloss Löbichau bei Posterstein einen lebendigen Musenhof, der bildende Künstler, Schriftsteller und Politiker, Adlige wie Bürgerliche, aus ganz Europa anzog. Die Gastgeberin, die kluge und schöne Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761–1821), zählte zu den reichsten Frauen Europas. Sie verstand es geschickt, ein soziales Netzwerk zu knüpfen, das sich über den ganzen europäischen Kontinent zog.

In den Sommermonaten versammelte sie ihre Gäste in ihren Schlössern Löbichau und Tannenfeld im heutigen Altenburger Land. In den Salons dieser Zeit wurden bei Musik, Theater und Tee Kontakte geknüpft und politische Entscheidungen auf den Weg gebracht. Wie der Dichter Jean Paul anerkennend berichtete, durfte im Salon der Herzogin von Kurland jeder frei seine Meinung äußern, so lange sie höflich vorgetragen wurde.
In den Sommermonaten versammelte sie ihre Gäste in ihren Schlössern Löbichau und Tannenfeld im heutigen Altenburger Land. In den Salons dieser Zeit wurden bei Musik, Theater und Tee Kontakte geknüpft und politische Entscheidungen auf den Weg gebracht. Wie der Dichter Jean Paul anerkennend berichtete, durfte im Salon der Herzogin von Kurland jeder frei seine Meinung äußern, so lange sie höflich vorgetragen wurde.

Seit fast 30 Jahren beschäftigt sich das Museum Burg Posterstein mit der Geschichte des Salons der Herzogin von Kurland. Dabei stehen im Mittelpunkt des Interesses die Herzogin selbst, aber auch ihre Töchter und die Personen, mit denen sie am meisten im Kontakt stand. Neben der Dauerausstellung zu diesem Thema wurden in den letzten Jahren auch mehrere Sonderausstellungen gezeigt.

Einmal im Jahr begeben sich die Mitglieder des Museumsvereins auf eine gemeinsame Bildungsfahrt auf die „Spuren der Herzogin von Kurland in Europa“. Auf dem Programm standen in den letzten Jahrzehnten Berlin, Wien, Prag, Südböhmen, Paris, Schloss Valencay, St. Petersburg, Riga und Schloss Rundale, Krakau, Breslau, Brüssel, Rom oder London.

  

Eine Ausstellung folgt den Reisewegen der Herzogin von Kurland

Die Wanderausstellung „Lebensstationen der Herzogin von Kurland“ verband die historischen Orte in Europa. Die Exposition reiste nach der Eröffnung in Posterstein (2006) nach Lettland (Schloss Ruhental 2008), Polen (Schloss Sagan 2009) und Frankreich (Schloss Valencay 2007). Zur Schau im französischen Schloss Valençay des ehemaligen Ministers Talleyrand kamen 43.000 Besucher. In der Sommerresidenz der Kurländischen Herzöge, Schloss Rundãle in Lettland, wurden rund 200.000 und im polnischen Schloss Sagan etwa 20.000 Besucher gezählt. Unterstützt wurde das Gesamtvorhaben von der Bürgerstiftung Altenburger Land.

Über ein Vierteljahrhundert wetteiferte alles, was in Europa Rang und Namen hat, darum, vom illustren Diplomaten Talleyrand in Valençay empfangen zu werden. Nach dem Wiener Kongress und der Rückkehr der Bourbonen zog sich Talleyrand mit der jüngsten Tochter der Herzogin von Kurland, Dorothée, auf Schloss Valençay zurück.
Über ein Vierteljahrhundert wetteiferte alles, was in Europa Rang und Namen hat, darum, vom illustren Diplomaten Talleyrand in Valençay empfangen zu werden. Nach dem Wiener Kongress und der Rückkehr der Bourbonen zog sich Talleyrand mit der jüngsten Tochter der Herzogin von Kurland, Dorothée, auf Schloss Valençay zurück.

 

Ausstellung und Konferenz: Salon-Flair in Posterstein und im Park von Tannenfeld

2011 jährte sich der Geburtstag der Herzogin von Kurland zum 250sten Mal. Aus diesem Anlass wurde das Leben der Salonnière in einer Sonderausstellung näher beleuchtet. Die Ausstellung und die begleitende Publikation griffen diese Art des damaligen gesellschaftlichen Lebens auf und zeigten, wie es Frauen zu Beginn des 19. Jahrhunderts gelang, gesellschaftliche, politische und kulturelle Netzwerke zu knüpfen und durch diese eigenen Einflusses auf den Verlauf von Ereignissen erlangten.

Am Beispiel der Herzogin Anna Dorothea von Kurland wurden die Emanzipationsbestrebungen und die Möglichkeiten der Teilhabe von Frauen am gesellschaftlichen Leben jenseits der juristischen Schranken der Zeit deutlich gemacht. Einen Schwerpunkt bildete die Rolle des weiblichen Geschlechtes bei der Gestaltung nationaler und internationaler Beziehungen in der napoleonischen Zeit.
Am Beispiel der Herzogin Anna Dorothea von Kurland wurden die Emanzipationsbestrebungen und die Möglichkeiten der Teilhabe von Frauen am gesellschaftlichen Leben jenseits der juristischen Schranken der Zeit deutlich gemacht. Einen Schwerpunkt bildete die Rolle des weiblichen Geschlechtes bei der Gestaltung nationaler und internationaler Beziehungen in der napoleonischen Zeit.

 

Die Ausstellung und internationale Konferenz zum 250. Geburtstag der Herzogin Kurland widmete sich mit etwa 200 Gästen aus Frankreich, Lettland, Polen Finnland und Deutschland  dieser umfangreichen Thematik der Rolle der Frauen in der Gestaltung der Gesellschaft des beginnenden 19. Jahrhunderts.

Die Herzogin von Kurland im Spiegel ihrer Zeitgenossen – Europäische Salonkultur um 1800. Zum 250. Geburtstag der Herzogin von Kurland. Museum Burg Posterstein, 2011. (248 Seiten, farbig, ISBN 978-3-86104-086-6, 29,00 Euro
Die Herzogin von Kurland im Spiegel ihrer Zeitgenossen – Europäische Salonkultur um 1800. Zum 250. Geburtstag der Herzogin von Kurland. Museum Burg Posterstein, 2011. (248 Seiten, farbig, ISBN 978-3-86104-086-6, 29,00 Euro

Das Buch mit Beiträgen deutscher und internationaler Autoren beleuchtet Stationen des Lebens der Herzogin von Kurland. Neben zahlreichen Abbildungen werden erstmals die Briefe des französischen Gesandten zum Wiener Kongress, Charles Maurice de Talleyrand, an die Anna Dorothea von Kurland in deutscher Sprache veröffentlicht. Diese Dokumente, die sich im Familienbesitz in Paris befinden, bieten ein eindrucksvolles Zeugnis der politischen Lage im Wien 1815. Dem Verhandlungsgeschick Talleyrands war es schließlich zu verdanken, dass Frankreich nach der verheerenden Niederlage Napoleons die Stellung als europäische Großmacht zurück gewann bzw. behalten konnte. Darüber hinaus werden erstmals die Resultate der Auswertung der Briefe der Herzogin von Kurland an Auguste Charlotte von Kielmannsegge, einer Vertrauten Napoleons, publiziert.

Auch im Jahr 2018 steht die Salonkultur im Zentrum der Arbeit des Museums und des Museumsvereins. Unter dem Hashtag #SalonEuropa soll es Ausstellungen und Veranstaltungen geben, darunter in neuen Formaten wie Salonabenden, einer Blogparade und Workshops für Kinder und Jugendliche.

Wir freuen uns über jegliche finanzielle und tatkräftige Unterstützung der Arbeit des Museumsvereins Burg Posterstein – ob als neues Mitglied oder in sonstiger Form.

Spendenkonto:
VR Bank Altenburger Land
IBAN: DE 11 8306 5408 0000 3185 90
BIC: GENODEF 1SLR

Spendenbescheinigungen werden von uns erteilt.
AG Altenburg, VR 489, USt-IdNr.DE293965369

Jetzt spenden

Ohne zusätzliche Ausgaben spenden kann man, wenn man seinen Online-Einkauf über diesen Link erledigt:


Von Klaus Hofmann / Museum Burg Posterstein

Weitere Beiträge zur #MuseumWeek 2018:
#WomenMW: Die Dame, die unter dem Pseudonym „Ernst Ritter“ schrieb
#CityMW: Tee im Salon – Die Altenburger Gesellschaft um 1810
#heritageMW: Ein europäisches Tourismus- und Informationszentrum im Geiste der historischen Salons in der Burg Posterstein

#heritageMW: Ein europäisches Tourismus- und Informationszentrum im Geiste der historischen Salons in der Burg Posterstein

Das Kulturerbe unserer Gesellschaft steht unter dem Hashtag #heritageMW heute im Zentrum der europäischen Museumswoche #MuseumWeek. In Posterstein reift derzeit ein Projekt, das die Ruine des ehemaligen Nordflügels als Tourismus- und Informationszentrum wieder aufbauen möchte. Wir wollen die Idee hier im Blog vorstellen.

Direkt neben der Burg Posterstein gestalten derzeit der Verein Burgberg Posterstein e.V. und die Gemeinde Posterstein das Areal des historischen Burgbergs neu. Im Projekt „Gemeinsam nicht Einsam – neues Leben auf dem Land“ soll der Burgberg zu einem Zentrum für Wohnen, Arbeiten, Kultur und Natur entwickelt werden. Die Sanierung des historischen Herrenhauses ist in vollem Gange und soll im Rahmen von Förderungen des Bauministeriums bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Über den aktuellen Stand informiert der Verein in seinem Blog. Auch der Platz vor der Burg wird neu gestaltet. Ein weiterer großer Schwerpunkt der Entwicklung des Gebiets ist der Neubau des in den 1950er Jahren abgerissenen Nordflügels der Burg.

„Gemeinsam nicht einsam – neues Leben auf dem Land“: Der Umbau des Herrenhauses Posterstein mit unterschiedlichen Funktions- und Nutzungseinheiten für Besucher und Touristen soll bis Ende 2018 umgesetzt werden.

Spiele, Kunst und Weltpolitik: Salonkultur als Gemeinsamkeit im Altenburger Land

In den Sommermonaten versammelte sie ihre Gäste in ihren Schlössern Löbichau und Tannenfeld im heutigen Altenburger Land. In den Salons dieser Zeit wurden bei Musik, Theater und Tee Kontakte geknüpft und politische Entscheidungen auf den Weg gebracht. Wie der Dichter Jean Paul anerkennend berichtete, durfte im Salon der Herzogin von Kurland jeder frei seine Meinung äußern, so lange sie höflich vorgetragen wurde.
In den Sommermonaten versammelte sie ihre Gäste in ihren Schlössern Löbichau und Tannenfeld im heutigen Altenburger Land. In den Salons dieser Zeit wurden bei Musik, Theater und Tee Kontakte geknüpft und politische Entscheidungen auf den Weg gebracht. Wie der Dichter Jean Paul anerkennend berichtete, durfte im Salon der Herzogin von Kurland jeder frei seine Meinung äußern, so lange sie höflich vorgetragen wurde.

Wir wollen einladen zu einer Zeitreise in die Salons des 19. Jahrhunderts – im Altenburger Land im Dreiländereck Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt, unweit von Weimar und Leipzig. Es ist die bewegte Zeit nach der französischen Revolution, in der Napoleon die Welt veränderte und der Wiener Kongress für Jahrzehnte Frieden stiftete. In dieser Zeit führte die kluge und schöne Herzogin von Kurland ihren bekannten Salon auf ihren Schlössern Löbichau und Tannenfeld. In Altenburg stiftete der Staatsmann Bernhard August von Lindenau sein bedeutendes Kunstmuseum mit öffentlicher Kunstschule. In den bürgerlichen Altenburger Salons entstand das beliebte Skatspiel. Friedrich Arnold Brockhaus gründete in Altenburg seinen bekannten Verlag. Und in Nöbdenitz ließ sich der Minister Hans Wilhelm von Thümmel unter einer 1000-jährigen Eiche begraben.

Die Salonkultur im Altenburger Land bietet hervorragende Anknüpfungspunkte für gemeinsame Projekte und die Vernetzung der verschiedenen Museen und anderen Kultur-Akteure. Posterstein ist für viele Touristen, die von Süden und Westen her in die Region kommen, quasi das Tor zum Altenburger Land. Salongeschichte fand in Weimar und Gotha statt, aber auch im Altenburger Land. Mit gemeinsamen Vermittlungs- und Veranstaltungskonzepten soll die Region vorangebracht und dieses spannende Thema belebt und gelebt werden.

Projektidee: Wiederaufbau des Nordflügels der Burg Posterstein

Das inhaltliche Gestaltungskonzept des Neubaus und der Freianlagen verknüpft die Orte der Europäischen Salonkultur im Altenburger Land: insbesondere Residenzschloss Altenburg, Lindenau-Museum, den Altenburger Marstall, die verschiedenen Palais in Altenburg und die Schlösser Tannenfeld und Löbichau.

Es nimmt direkten Bezug auf die Tourismusstrategie des Freistaates Thüringen, die die Entwicklung von touristischen Leitprodukten mit Alleinstellungsmerkmal und überregionaler Ausstrahlungskraft anregt.

Am 24. Juli 2017 gab es interessante und konstruktive Gespräche mit dem Thüringer Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee auf Burg Posterstein: Schwerpunkte waren die Tourismusstrategie im Altenburger Land und speziell die touristische Vermarktung von Burg Posterstein und der gesamten Region. Weitere Infos dazu gibt es im Video.

Minister Wolfgang Tiefensee auf Burg Posterstein from Burg Posterstein on Vimeo.

Es erfolgt eine konsequente Anknüpfung an die Geschichte und Orte der europäischen Salonkultur im Altenburger Land mit dem Ziel, die Salonkultur für Kulturtouristen erlebbar machen.

Das Konzept steht im direkten Bezug zur Dauerausstellung und zur Forschungsarbeit im Museum Burg Posterstein.

Wiederaufbau Nordflügel

Der neu gebaute Nordflügel hätte eine Grundfläche von rund 250 m² auf drei Geschossebenen und würde in der Kubatur des Vorgängerbaus entstehen. Die erforderlichen Erschließungs- und Sanitäranlagen sowie die Sicherstellung der Barrierefreiheit in der gesamten Burg Posterstein sind in die Planung integriert.

Der Neubau integriert multifunktionale Flächen und entsteht insbesondere als Informations-, Kommunikations- und Wissenszentrum für Kulturtouristen: Ein zentraler Aspekt wäre die Information zur Geschichte der Europäischen Salonkultur im  Altenburger Land und in Thüringen in einem modernen innovativen Präsentationsformat. Die museale Präsentation des historischen Themas verbleibt in den historischen Räumen der Burg.

Die Idee #SalonEuropa: Ein Europäisches Zentrum für Salonkultur und Tourismus- und Informationszentrum in der Burg Posterstein

Der #SalonEuropa überträgt das historische Vorbild in die heutige Zeit und stellt kulturelle und politische Themen zur Diskussion. Mögliche Formate könnten sein: Stammtisch-Runden bzw. „Teestunden“ zu bestimmten Themen (z.B. historische Forschung, regionale Erinnerungskultur, aktuelle Politik), Konferenzen/Tagungen (z.B. Gastredner von Universitäten und Forschungseinrichtungen| Autoren-Lesungen), Blogparaden/Instawalks zu unterschiedlichen Themen und Orten, Workshops und Kurse für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Salontheater (z.B. Stücke auf kleiner Szene, beispielsweise in Kooperation mit Theater Altenburg-Gera), Vorträge/Lesungen/Podiumsdiskussionen (z.B. zur Salongeschichte, zu Europapolitik über europäische Kultur der Gegenwart und z.B. in Kooperation mit den Museen in Altenburg wie Residenzschloss Altenburg, Lindenau-Museum, Mauritianum Altenburg).

Ein erstes neues, experimentelles Format wird die Ausstellung #SalonEuropa vor Ort und digital Vernetzung damals und heute – Europa bedeutet für mich …? ab 23. September 2018 sein. Sie versteht sich als ein Labor. Ausgehend von der historischen Salonkultur um 1800 soll sie den Bogen schlagen in die heutige Zeit und zur aktuellen politischen Lage.  Analog dazu soll im #SalonEuropa Labor Besuchern vor Ort und im Digitalen die Möglichkeit gegeben werden, ihre Gedanken zu Europa heute zu äußern.

Die Ideen sind derzeit weit gereift und die Vision eines Zentrums für europäische Salonkultur im wieder aufgebauten Nordflügel der Burg in greifbare Nähe gerückt. Der Museumsverein Burg Posterstein e.V. hat sich entschlossen, mit Unterstützung von Sponsoren den Eigenanteil an den Kosten zu stemmen, sollte es zur Umsetzung der Pläne kommen. Jede Spende hilft!

Spendenkonto:
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Von Klaus Hofmann / Museum Burg Posterstein

Weitere Beiträge zur #MuseumWeek 2018:
#WomenMW: Die Dame, die unter dem Pseudonym „Ernst Ritter“ schrieb
#CityMW: Tee im Salon – Die Altenburger Gesellschaft um 1810

#CityMW: Tee im Salon – Die Altenburger Gesellschaft um 1810

Die Themen der internationalen Museumswoche #MuseumWeek wollen wir mit je einem Blogpost aufgreifen. Das Thema #CityMW nehmen wir zum Anlass, die Gesellschaft in der Stadt Altenburg um 1810 vorzustellen.

Altenburg im 19. Jahrhundert, kolorierte Lithografie, Museum Burg Posterstein
„Ein reges gesellschaftliches Leben“ bescheinigte Brockhaus Altenburg im 19. Jahrhundert, kolorierte Lithografie, Museum Burg Posterstein

Altenburg zählte um 1810 rund 10.000 Einwohner. Die Gothaer Herzöge kamen zwar nur selten in die Stadt, es gab jedoch eine eigene Regierung für den Altenburger Landesteil. Nicht weit von Altenburg führte die Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761–1821) in den Sommermonaten ihren bekannten Salon, zu dem auch Altenburger Gäste geladen waren. Aber auch die Stadt Altenburg verfügte über ein reges gesellschaftliches Leben.

Im Hause von Hans Wilhelm von Thümmel fand im Altenburg des frühen 19. Jahrhunderts ein reger Teil des gesellschaftlichen Lebens statt.
Im Hause von Hans Wilhelm von Thümmel fand im Altenburg des frühen 19. Jahrhunderts ein reger Teil des gesellschaftlichen Lebens statt.

Seit Hans Wilhelm von Thümmel (1744-1824) im Jahr 1783 den Regierungsvorsitz erhielt, verbrachte er viel Zeit in Altenburg und heiratete 1785 die Tochter des verstorbenen Ministers Rothkirch und Trach. In seinem bis etwa 1792 errichteten Palais mit weitläufigem englischem Garten traf sich die gehobene Altenburger Gesellschaft zu Festen und „Theegesellschaften“.

Der Sohn des damaligen Kirchen- und Schulrats Dr. August Matthiä (1769–1835) berichtete beispielsweise: „Bei den Ministern von Trüzschler und von Thümmel war er [August Matthiä] oft zum Thee oder zum Eßen. Namentlich wurden in dem Thümmelschen Garten, diesem schönen Denkmal eines feinen und lebendigen Natursinns, die genußreichsten Abende verlebt.“ (Biografie August Matthiä von seinem Sohne Konstantin. Quedlinburg 1845, S. 102)

Die junge Malerin Louise Seidler wohnte bei Thümmels in Altenburg

Vogel von Vogelstein - Louise Seidler in Rom

1817 wohnte die Malerin Louise Seidler (1786–1866) einige Monate in Thümmels Haus, um auf dessen Wunsch Thümmels hochbetagten Bruder Moritz August (1738–1817) zu porträtierten. In Ihren Lebenserinnerungen beschrieb sie ihren Besuch:

„Der Auftraggeber, Excellenz von Thümmel, der vormalige Minister, war ein schöner, origineller, geistreicher Mann“ dessen „höchst geschmackvolle Besitzung lag auf einem kleinen Berge, rings um dieselbe zog sich ein weitläufiger Park, worin sich ein großer Fischteich befand. In diesem Parke sah man fünf oder sechs Schweizerhäuschen, an welche das Gerücht manches Liebesabenteuer des galanten Ministers knüpfte. Kein Wunder also, daß dessen Gemahlin (geb. von Rotkirch), als sie von der Einladung gehört hatte, welche mir zu Theil geworden war, erst genaue Erkundigungen über mich einzog. Da diese beruhigend ausfielen, wurde mir ein Atelier und Schlafzimmer dicht neben den Gemächern der Töchter des Hauses eingeräumt. […] Der Minister von Thümmel, immer noch eine sehr stattliche Erscheinung, war ein barocker Mensch; einmal ließ er auf dem Dache eines türkischen Kiosks, wo sich ein länglicher Altan befand, im Freien das Diner servieren, obwohl es im April eisig kalt war. Schnee und Hagel fiel auf die Tafel nieder, allein wir mußten ausharren. Das Abendteuerliche hatte eben für den Herrn des Hauses einen besonderen Reiz.“ (Louise Seidler, Erinnerungen, S. 160ff.)

Der Dichter Moritz August von Thümmel auf einer Lithografie nach dem Gemälde von Louise Seidler, Museum Burg Posterstein
Der Dichter Moritz August von Thümmel auf einer Lithografie nach dem Gemälde von Louise Seidler, Museum Burg Posterstein

Das Verhältnis der Brüder Moritz August und Hans Wilhelm von Thümmel muss sehr eng gewesen sein. Sie hielten zeitlebens stets Kontakt und der berühmte Dichter Moritz August wohnte oft längere Zeit bei seinem Bruder in Altenburg. Eine 1819 von dem Coburger Minister und Kanzler Johann Ernst von Gruner (1757–1822) veröffentlichten Biografie des Dichters, zu der Hans Wilhelm von Thümmel auch Papiere und Briefe beisteuerte, beschreibt beispielsweise, dass Moritz August seinen Bruder als Korrekturleser seiner Werke zu Rate zog, ihm lange, vertrauliche Briefe schrieb und ihm zum Geburtstag blumige bis frivole Gedichte verfasste.

Während ihrer langen Sommeraufenthalte in Löbichau kam auch die Herzogin Anna Dorothea von Kurland öfter zu Thümmel nach Altenburg. Im Juli 1816 vermerkte sie beispielsweise in ihrem Tagebuch: „ich denierte zu Altenburg auch bey Thümels in ihren Garten“. Ein andermal (12. Mai 1817) schrieb sie: „Thümel kahm gleich zu mir in der Stadt Gotha [Hotel in Altenburg] wo wir logirten…“

Bei Thümmels sprach man Französisch

Seine Eindrücke aus dem Hause Thümmel schildert auch der spätere Schriftsteller und Historiker Friedrich Förster (1791–1868) in seinen Jugenderinnerungen. Eng befreundet mit Thümmels gleichaltrigem Sohn Alfred (1791-1828), ging der Bürgersohn bei Thümmels ein und aus und wurde sogar mehrmals mit an den Musenhof Löbichau genommen:

„In Thümmel’s Hause war ich gehöriger Maßen eingeschult worden; es wurde hier nur französisch gesprochen. Ein Emigrant, Marquis Cotlosquet, war Sprachlehrer und führte bei Tisch die Unterhaltung, an auswärtigen Gästen fehlte es nie; unter diesen nahmen die Erzählung des Bruders des Ministers, des berühmten Verfassers der Reisen in das südliche Frankreich, die Aufmerksamkeit in Anspruch. Der geistreiche Humorist nöthigte durch die Erzählung seiner, selbst in der leichtfertigen französischen Sprache oft an das Bedenkliche streifenden, frivolen Abenteuer die Damen, sich hinter ihre Fächer, die zwar das Gesicht, nicht aber das Gehör deckten, zu verstecken, bis Frau von Thümmel durch irgendeine Frage ernsteren Inhalts dem eher beau frère in die Rede fiel.“

„Altenburg ist ein Ort […] wo sich die Langeweile der ganz kleinen Städte nicht findet“

In einer Stadt dieser Größe war die gesellschaftliche Elite überschaubar und man traf in den verschiedenen bedeutenden Häusern der Stadt immer wieder aufeinander. Eines der Zentren dieses Kreises war das Haus des Kommerzienkomissars und Kammerrats Heinrich Reichenbach (1736–1806), der gleichzeitig Inhaber des Altenburger Zweigs des Leipziger Bankhauses Gebrüder Reichenbach war. Seine vier gebildeten Töchter erlangten als die „vier schönen Schwestern Reichenbach“ eine gewisse Bekanntheit. Die glanzvollen Feste und Konzerte im Hause Reichenbach soll auch Herzog Emil August Leopold (1772–1822) gern besucht haben. Bei einem dort stattfindenden Maskenball soll er der Familie Reichenbach den Adelsbrief überreicht haben.

Henriette Reichenbach (1775–1857) heiratete den Hofrat, Mediziner und Verleger Dr. Johann Friedrich Pierer (1767-1832), Begründer des Piererschen Universallexikons, der in ihrem Elternhause ein und aus ging. Sie und ihre drei Schwestern verfügten über einiges schauspielerisches Talent und riefen in ihrem Elternhaus eine Liebhaberbühne ins Leben.

Altenburg - das umfangreiche Kartenwerk gab Hans Wilhelm von Thümmel in Auftrag
Altenburg – das umfangreiche Kartenwerk gab Hans Wilhelm von Thümmel in Auftrag

Ab 1785 gab es aber auch ein Komödienhaus in der Pauritzer Gasse, in dem fahrende Schauspielergruppen ihre Stücke aufführten. Wenn gerade nicht Theater gespielt wurde, konnte man die Bühne durch eine Hebevorrichtung in einen Tanzsaal umwandeln.

Altenburg verfügte über ein reiches gesellschaftliches Leben, was allein ein Blick auf die zahlreichen Gesellschaften und Vereine zeigt. Die Altenburger Freimaurerloge „Archimedes zu den drei Reißbrettern“ existierte seit 1742. Bereits seit 1784 traf sich die oft als sehr lebhaft und lustig beschriebene Concertgesellschaft im Fleischerschen Garten jeden Sonnabend zu einem Konzert, inklusive Souper, Billard und Kegelbahn. Seit 1790 gab es die Literarische Gesellschaft, die vom Gothaischen Regierungsrat Johann Georg Geißler (1760–1830) und Hofrat Pierer gegründet wurde und ein Jahr später bereits 50 Mitglieder zählte. 1803 entstand die Pomologische Gesellschaft des Osterlandes, die sich mit dem Apfelanbau beschäftigte. Drei Jahre später wurde die Theegesellschaft der Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft gegründet und 1817 die Naturforschende Gesellschaft des Osterlandes. Ein Jahr später entstand der Kunst- und Handwerksverein, der 1822 eine erste Kunstausstellung organisierte.

Berühmte Gäste im Altenburger Kreis – von Clemens Brentano bis Friedrich Arnold Brockhaus

Friedrich Arnold Brockhaus gründete seinen bekannten Verlag in Altenburg.
Friedrich Arnold Brockhaus gründete seinen bekannten Verlag in Altenburg.

Der oben erwähnte Dr. Pierer wiederum gründete neben anderen Gesellschaften auch einen ärztlichen Kunstverein (1811) und die Sparkasse. Durch ihn fanden auch seine Stiefschwester, die in Altenburg geborene und damals in Weimar sehr umschwärmte Schriftstellerin Sophie Mereau, geborene Schubart (1770–1806), und ihr Verehrer und späterer Mann, der Dichter Clemens Wenzel Maria Brentano (1778–1842), ihren Weg in die Altenburger Gesellschaft. Auch der berühmte Dichter „Dichter der Freiheitskämpfe“ Theodor Körner (1791–1813) und der Schriftsteller Jean Paul (1763–1825) hatten Verbindungen nach Altenburg.

Ebenfalls über den Kontakt zu Dr. Pierer wurde der bekannte Verleger Friedrich Arnold Brockhaus (1772–1823) für etwa fünf Jahre Teil des Altenburger gesellschaftlichen Lebens. 1811 verlegte er sein Kunst- und Industriekomptoir von Amsterdam nach Altenburg. 1814 gründete er hier seinen Verlag F.A. Brockhaus. In einem Brief von 1810 schwärmt er:

„Altenburg ist ein Ort […] wo sich die Langeweile der ganz kleinen Städte nicht findet und wirklich ein sehr angenehmer Ton herrscht. Es gibt höchst interessante Cirkel. […] Ueberhaupt ist das Land von allen Kriegsverheerungen beinahe ganz verschont geblieben und ist unter der sanften Gothaischen Regierung wol noch eins der glücklichsten Länder, die es in dem jetzigen Sturme aller Verwirrungen geben mag.“

Inmitten dieser recht offenen, bürgerlichen und adligen Gesellschaft entstand ab ungefähr 1810 das Skatspiel. Brockhaus schloss sich dem Kreise von begeisterten Kartenspielern der „Bromme’schen Tarokgesellschaft“ in der Kesselgasse 26 an. Genau gegenüber wohnte Kammerrat Karl Friedrich Ernst Ludwig (1773–1846), ebenfalls ein begeisterter Spieler. Ludwig war in Gotha Privatsekretär von Hans Wilhelm von Thümmel gewesen und durch diese Verbindung anschließend in den Staatsdienst gelangt. In seinem Hause wohnten zwei weitere geistreiche Frauen, seine Gattin Rosine Wilhelmine und deren Schwester Jeanette von Zschock (1775–1833), welche Brockhaus später heiratete.

Der kleine Kreis wurde nicht ohne Ironie „Theegesellschaft“ genannt

An Brockhaus‘ Verbindungen zur Altenburger Gesellschaft erinnerte sich Luise Förster (1794–1877), die Schwester Ernst und Friedrich Försters:

„… Brockhaus wurde der Mittelpunkt der gebildeten kleinen Welt in Altenburg. Zu seinem näheren Umgang gehörten: Hofrath Pierer, Professor Messerschmidt, Ludwig Brümmer, Hempel (Spiritus Asper), Bankier Reichenbach, Königsdörfer, Minister von Thümmel und dessen Bruder, der durch seine Schriften bekannte Moritz von Thümmel; auch der hochgeachtete Generalsuperintendent Hermann Demme, durch seine literarische Thätigkeit bekannt und gepriesen, stand dem geistesverwandten Brockhaus nicht fern. Der Umgang mit diesen Familien, wo das seichte Salonleben weder unter Männern noch Frauen sich einbürgern konnte, war für Brockhaus zusagend; er war für den geistigen Austausch in diesen Kreisen das belebende Element (…). Der erwähnte kleine Kreis, welcher sich in fast jeder Woche einmal vereinigte, wurde von den jenem Kreise Fernstehenden nicht ohne Ironie die „Theegesellschaft“ genannt; vielleicht auch, weil in jener Zeit der Genuß des Thees, den nur die höhere Gesellschaft sich erlaubte, als ein ungewöhnlicher, aber ‚matter‘ Luxus bezeichnet wurde.“

Noch ausführlichere Texte zur Altenburger Gesellschaft gibt es in unserer Publikation:
Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister
Museum Burg Posterstein, 2016 (168 Seiten, farbig, ISBN 978-3-86104-136-8, 20.00 Euro, Bestellung per Mail)

Weitere Beiträge zur #MuseumWeek 2018:
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Am ersten Tag der diesjährigen internationalen Museumswoche #MuseumWeek stehen Frauen im Mittelpunkt. Wir wollen die #MuseumWeek jeden Tag mit einem thematisch passenden Blogbeitrag begleiten. Unter dem Hashtag #WomenMW führt uns unser Weg in die nur zwei und vier Kilometer von Burg Posterstein in Thüringen gelegenen Schlösser Löbichau und Tannenfeld. Dort gab es mit der Herzogin Anna Dorothea von Kurland nicht nur eine beeindruckende Salonniére. Auch unter den Gästen des Löbichauer Salons waren bedeutende Frauen – zum Beispiel Emilie von Binzer.

Der Salon der Herzogin von Kurland in Schloss Löbichau zählte zu den bekanntesten seiner Art.
Der Salon der Herzogin von Kurland in Schloss Löbichau zählte zu den bekanntesten seiner Art.

Aus den Pariser Salons des 18. Jahrhunderts, in denen sich Mitglieder des Hofes, Gelehrte und Künstler begegneten, ging in der Zeit der Aufklärung eine Kultur hervor, die sich über ganz Europa ausbreitete. Den gesellschaftlichen Mittelpunkt bildete stets die Gastgeberin. Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich Schloss Löbichau zu einem solchen Zentrum des geistig-kulturellen Lebens in Deutschland. Der Salon der Herzogin von Kurland in Löbichau gehörte zu den bekanntesten seiner Art.

Wie eine Mappe aus dem Besitz Emilie von Binzers nach Posterstein kam

2014 konnte das Museum Burg Posterstein aus Finanzmitteln des Freistaats Thüringen und der Bürgerstiftung Altenburger Land eine einmalige Sammlung von Portraitzeichnungen ankaufen: 47 aquarellierte Zeichnungen aus den Jahren 1819/20, die Gäste im Salon der Herzogin von Kurland als Fabelwesen darstellen. Aufbewahrt wurden die Unikate in einer dunkelgrünen Halblederkassette.

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Ernst Welker. – Museum Burg Posterstein, CC BY-SA 4.0, Link

Eines der Blätter, das Porträt von Fritz Piattoli, ist mit der Signatur „Emilie del.“gekennzeichnet.

Die Urheber dieser heiteren Portraits sind der Maler Ernst Welker und vermutlich teilweise auch seine Zeichenschülerin Emilie von Binzer, geb. von Gerschau – die spätere Schriftstellerin war eine Pflegetochter der Herzogin Wilhelmine von Sagan, der ältesten Tochter Dorothea von Kurlands.

In ihrem Erinnerungsroman „Drei Sommer in Löbichau“ schrieb Emilie von Binzer:

„Ich besitze eine Mappe, die klein Welkerchen in Löbichau mit Porträts der ihm zugänglichen anwesenden Gäste, meist in Thiergestalt, füllte; darunter stehen Fibelverse, die sich mehr durch gute Laune, ja Uebermuth, als durch Witz auszeichnen, die Mappe enthielt siebenundvierzig Blätter, die gelegentlichen Besucher aus der Nachbarschaft sind nicht darunter, nur solche, die wirklich in Löbichau wohnten.“

Man darf sich den etwa 35-jährige Zeichenlehrer und seine 19-jährige Schülerin vorstellen, die einen Sommer auf dem idyllischen Landsitz Löbichau und Tannenfeld verbringen und einen humoristischen Blick auf die bekannten und weniger bekannten Persönlichkeiten im Salon der Herzogin von Kurland werfen. Die Dargestellten treten als Fabelwesen auf, meist in Tiergestalt oder als Gegenstand mit einem menschlichen Portrait-Kopf. Es ist nicht bekannt, ob die abgebildeten Personen Kenntnis von der Existenz dieser Zeichnungen hatten. Immerhin, in Löbichau ging es sehr liberal zu. Die Urheber der Karikaturen schonten auch sich selbst nicht: Emilie ist als Spargel dargestellt, Welker als Auster.

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Ernst Welker. – Museum Burg Posterstein, CC BY-SA 4.0, Link

Ihre berühmte Tante führte sie in die Welt der Salons ein

Die Schriftstellerin Emilie Henriette Adelheid von Binzer (1801-1891) kam in Berlin als Emilie von Gerschau zur Welt. Sie wuchs bei ihrer Tante Wilhelmine von Sagan mit zwei weiteren Pflegetöchtern auf. Ihr Vater Peter von Gerschau soll ein illegitimer Sohn des Herzogs von Kurland gewesen sein. Er diente als russischer Generalkonsul in Kopenhagen. Durch ihr Leben bei Herzogin Wilhelmine wurde sie in das Salonleben eingeführt und lernte in jungen Jahren bedeutende Persönlichkeiten, wie Metternich, Talleyrand, Zar Alexander, Windischgrätz, Wellington, Blücher und Schwarzenberg kennen.

In den Jahren 1819/20 war sie mit dem Maler Ernst Welker und der Herzogin von Sagan in Löbichau und Tannenfeld. Nach über 50 Jahren schrieb sie ihr Erinnerungsbuch „Drei Sommer in Löbichau“, worin sie die von Welker porträtierten Personen einzeln charakterisiert.

Aufnahme Frauenlobs des 2 ten am 8. September in Löbichau 1819, Aquarell, gemalt von Ernst Welker, Museum Burg Posterstein
Aufnahme Frauenlobs des 2 ten am 8. September in Löbichau 1819, Aquarell, gemalt von Ernst Welker, Museum Burg Posterstein

In Löbichau traf Emilie den Dichter Jean Paul, die Familie Körner, die Feuerbachs, Carl August Böttiger, Friedrich Arnold Brockhaus, Christoph August Tiedge und Elisa von der Recke und auch den Burschenschaftler August Daniel von Binzer, den sie 1822 im Schloss Sagan heiratete. Unter dem Pseudonym „Ernst Ritter“ veröffentlichte sie die Novellensammlung „Mohnkörner“. Auf ihr literarisches Werk übten vor allem Personen und Erlebnisse der Zeit des Wiener Kongresses Einfluss aus. In ihren Häusern in Wien, Linz und Altaussee unterhielt sie musische Kreise. Freundschaften verband sie mit Adalbert Stifter und Franz Grillparzer. Über persönliche Empfehlung Grillparzers wurde Emilie von Binzer zur Beraterin und mütterlichen Freundin des jungen Erzherzogs Maximilian, Bruder des Kaisers Franz Joseph I. „Der Salon Binzer galt in Wien und später in Linz, wohin die Familie im Revolutionsjahr 1848 ihren Wohnsitz verlegte, als ein Mittelpunkt des künstlerischen und gesellschaftlichen Lebens.“, beurteilt das Literaturmuseum Altaussee.

Die Sammung Welker beim Kultur-Hackathon Coding da Vinci

2015 konnten die einmaligen Zeichnungen von Ernst Welker erstmals in einer Sonderausstellung mit dem Titel „Salongeschichten – Paris-Löbichau-Wien. Gäste im Salon der Herzogin von Kurland im Portrait des Malers Ernst Welker“ der Öffentlichkeit gezeigt werden. Danach wurden sie zunächst vor Ort digital in einen Touchscreen in der Dauerausstellung des Museums integriert und können dort auch weiterhin von den Besuchern betrachtet werden. Seit 2018 sind sie digitalisiert und über das Portal Museen in Thüringen zugänglich.

Für den Kultur-Hackathon Coding Da Vinci Ost sind die Blätter nun in hoher Auflösung und mit CC-BY-SA-Lizenz auch auf Wikimedia Commons zu finden.

Unser erster Kultur-Hackathon: Die Sammlung Welker bei Coding da Vinci Ost in der Universitätsbibliothek Leipzig.
Unser erster Kultur-Hackathon: Die Sammlung Welker bei Coding da Vinci Ost in der Universitätsbibliothek Leipzig.

Im Rahmen des Hackathons arbeiten einige der 140 Teilnehmer – darunter Designer, Programmierer und Studenten verschiedener Fachrichtungen – mit den Daten des Museums Burg Posterstein. Die nächsten neun Wochen verbringen sie ihre Freizeit damit, aus den spielerischen historischen Zeichnungen, moderne spielerische Anwendungen zu erstellen. Wir werden sie natürlich mit fachlichen Infos unterstützen und sind sehr gespannt auf die Ergebnisse, die am 16. Juni präsentiert werden! Die Projekte können im Hackdash von Coding da Vinci mitverfolgt werden und wer Lust hat, kann sogar noch einsteigen und mitmachen.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein