#WomenMW: Die Dame, die unter dem Pseudonym „Ernst Ritter“ schrieb

Am ersten Tag der diesjährigen internationalen Museumswoche #MuseumWeek stehen Frauen im Mittelpunkt. Wir wollen die #MuseumWeek jeden Tag mit einem thematisch passenden Blogbeitrag begleiten. Unter dem Hashtag #WomenMW führt uns unser Weg in die nur zwei und vier Kilometer von Burg Posterstein in Thüringen gelegenen Schlösser Löbichau und Tannenfeld. Dort gab es mit der Herzogin Anna Dorothea von Kurland nicht nur eine beeindruckende Salonniére. Auch unter den Gästen des Löbichauer Salons waren bedeutende Frauen – zum Beispiel Emilie von Binzer.

Der Salon der Herzogin von Kurland in Schloss Löbichau zählte zu den bekanntesten seiner Art.
Der Salon der Herzogin von Kurland in Schloss Löbichau zählte zu den bekanntesten seiner Art.

Aus den Pariser Salons des 18. Jahrhunderts, in denen sich Mitglieder des Hofes, Gelehrte und Künstler begegneten, ging in der Zeit der Aufklärung eine Kultur hervor, die sich über ganz Europa ausbreitete. Den gesellschaftlichen Mittelpunkt bildete stets die Gastgeberin. Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich Schloss Löbichau zu einem solchen Zentrum des geistig-kulturellen Lebens in Deutschland. Der Salon der Herzogin von Kurland in Löbichau gehörte zu den bekanntesten seiner Art.

Wie eine Mappe aus dem Besitz Emilie von Binzers nach Posterstein kam

2014 konnte das Museum Burg Posterstein aus Finanzmitteln des Freistaats Thüringen und der Bürgerstiftung Altenburger Land eine einmalige Sammlung von Portraitzeichnungen ankaufen: 47 aquarellierte Zeichnungen aus den Jahren 1819/20, die Gäste im Salon der Herzogin von Kurland als Fabelwesen darstellen. Aufbewahrt wurden die Unikate in einer dunkelgrünen Halblederkassette.

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Ernst Welker. – Museum Burg Posterstein, CC BY-SA 4.0, Link

Eines der Blätter, das Porträt von Fritz Piattoli, ist mit der Signatur „Emilie del.“gekennzeichnet.

Die Urheber dieser heiteren Portraits sind der Maler Ernst Welker und vermutlich teilweise auch seine Zeichenschülerin Emilie von Binzer, geb. von Gerschau – die spätere Schriftstellerin war eine Pflegetochter der Herzogin Wilhelmine von Sagan, der ältesten Tochter Dorothea von Kurlands.

In ihrem Erinnerungsroman „Drei Sommer in Löbichau“ schrieb Emilie von Binzer:

„Ich besitze eine Mappe, die klein Welkerchen in Löbichau mit Porträts der ihm zugänglichen anwesenden Gäste, meist in Thiergestalt, füllte; darunter stehen Fibelverse, die sich mehr durch gute Laune, ja Uebermuth, als durch Witz auszeichnen, die Mappe enthielt siebenundvierzig Blätter, die gelegentlichen Besucher aus der Nachbarschaft sind nicht darunter, nur solche, die wirklich in Löbichau wohnten.“

Man darf sich den etwa 35-jährige Zeichenlehrer und seine 19-jährige Schülerin vorstellen, die einen Sommer auf dem idyllischen Landsitz Löbichau und Tannenfeld verbringen und einen humoristischen Blick auf die bekannten und weniger bekannten Persönlichkeiten im Salon der Herzogin von Kurland werfen. Die Dargestellten treten als Fabelwesen auf, meist in Tiergestalt oder als Gegenstand mit einem menschlichen Portrait-Kopf. Es ist nicht bekannt, ob die abgebildeten Personen Kenntnis von der Existenz dieser Zeichnungen hatten. Immerhin, in Löbichau ging es sehr liberal zu. Die Urheber der Karikaturen schonten auch sich selbst nicht: Emilie ist als Spargel dargestellt, Welker als Auster.

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Ernst Welker. – Museum Burg Posterstein, CC BY-SA 4.0, Link

Ihre berühmte Tante führte sie in die Welt der Salons ein

Die Schriftstellerin Emilie Henriette Adelheid von Binzer (1801-1891) kam in Berlin als Emilie von Gerschau zur Welt. Sie wuchs bei ihrer Tante Wilhelmine von Sagan mit zwei weiteren Pflegetöchtern auf. Ihr Vater Peter von Gerschau soll ein illegitimer Sohn des Herzogs von Kurland gewesen sein. Er diente als russischer Generalkonsul in Kopenhagen. Durch ihr Leben bei Herzogin Wilhelmine wurde sie in das Salonleben eingeführt und lernte in jungen Jahren bedeutende Persönlichkeiten, wie Metternich, Talleyrand, Zar Alexander, Windischgrätz, Wellington, Blücher und Schwarzenberg kennen.

In den Jahren 1819/20 war sie mit dem Maler Ernst Welker und der Herzogin von Sagan in Löbichau und Tannenfeld. Nach über 50 Jahren schrieb sie ihr Erinnerungsbuch „Drei Sommer in Löbichau“, worin sie die von Welker porträtierten Personen einzeln charakterisiert.

Aufnahme Frauenlobs des 2 ten am 8. September in Löbichau 1819, Aquarell, gemalt von Ernst Welker, Museum Burg Posterstein
Aufnahme Frauenlobs des 2 ten am 8. September in Löbichau 1819, Aquarell, gemalt von Ernst Welker, Museum Burg Posterstein

In Löbichau traf Emilie den Dichter Jean Paul, die Familie Körner, die Feuerbachs, Carl August Böttiger, Friedrich Arnold Brockhaus, Christoph August Tiedge und Elisa von der Recke und auch den Burschenschaftler August Daniel von Binzer, den sie 1822 im Schloss Sagan heiratete. Unter dem Pseudonym „Ernst Ritter“ veröffentlichte sie die Novellensammlung „Mohnkörner“. Auf ihr literarisches Werk übten vor allem Personen und Erlebnisse der Zeit des Wiener Kongresses Einfluss aus. In ihren Häusern in Wien, Linz und Altaussee unterhielt sie musische Kreise. Freundschaften verband sie mit Adalbert Stifter und Franz Grillparzer. Über persönliche Empfehlung Grillparzers wurde Emilie von Binzer zur Beraterin und mütterlichen Freundin des jungen Erzherzogs Maximilian, Bruder des Kaisers Franz Joseph I. „Der Salon Binzer galt in Wien und später in Linz, wohin die Familie im Revolutionsjahr 1848 ihren Wohnsitz verlegte, als ein Mittelpunkt des künstlerischen und gesellschaftlichen Lebens.“, beurteilt das Literaturmuseum Altaussee.

Die Sammung Welker beim Kultur-Hackathon Coding da Vinci

2015 konnten die einmaligen Zeichnungen von Ernst Welker erstmals in einer Sonderausstellung mit dem Titel „Salongeschichten – Paris-Löbichau-Wien. Gäste im Salon der Herzogin von Kurland im Portrait des Malers Ernst Welker“ der Öffentlichkeit gezeigt werden. Danach wurden sie zunächst vor Ort digital in einen Touchscreen in der Dauerausstellung des Museums integriert und können dort auch weiterhin von den Besuchern betrachtet werden. Seit 2018 sind sie digitalisiert und über das Portal Museen in Thüringen zugänglich.

Für den Kultur-Hackathon Coding Da Vinci Ost sind die Blätter nun in hoher Auflösung und mit CC-BY-SA-Lizenz auch auf Wikimedia Commons zu finden.

Unser erster Kultur-Hackathon: Die Sammlung Welker bei Coding da Vinci Ost in der Universitätsbibliothek Leipzig.
Unser erster Kultur-Hackathon: Die Sammlung Welker bei Coding da Vinci Ost in der Universitätsbibliothek Leipzig.

Im Rahmen des Hackathons arbeiten einige der 140 Teilnehmer – darunter Designer, Programmierer und Studenten verschiedener Fachrichtungen – mit den Daten des Museums Burg Posterstein. Die nächsten neun Wochen verbringen sie ihre Freizeit damit, aus den spielerischen historischen Zeichnungen, moderne spielerische Anwendungen zu erstellen. Wir werden sie natürlich mit fachlichen Infos unterstützen und sind sehr gespannt auf die Ergebnisse, die am 16. Juni präsentiert werden! Die Projekte können im Hackdash von Coding da Vinci mitverfolgt werden und wer Lust hat, kann sogar noch einsteigen und mitmachen.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Junge Kreative beschäftigen sich mit der Postersteiner Sammlung Welker beim Kultur-Hackathon „Coding Da Vinci“ in Leipzig

Eine Minite Zeit blieb zunächst, die Sammlung Welker den 140 Teilnehmern des Hackathons zu präsentieren. Später gab es für Interessierte ausführlichere Vorträge.
Eine Minute Zeit blieb zunächst, die Sammlung Welker den 140 Teilnehmern des Hackathons zu präsentieren. Später gab es für Interessierte ausführlichere Vorträge.

Am Wochenende vom 14./15. April 2018 startete in der Universitätsbibliothek Leipzig der deutschlandweit größte Kultur-Hackathon „Coding Da Vinci“. Der Hackathon, eine Wortschätzung aus „Hacken“ und „Marathon“, hat nichts mit unerlaubtem Stehlen von Daten zu tun. Umgekehrt, es geht darum, dass kreative Menschen aller Branchen – Programmierer, Entwickler, Designer, Wissenschaftler – gemeinsam an Kulturprojekten arbeiten.

Ihre Arbeitsgrundlage bilden im Internet frei zugängliche Daten von hoher Qualität, die Kulturinstitutionen wie Museen, Bibliotheken und Archive zur Verfügung stellen. Insgesamt nahmen rund 40 Einrichtungen mit digitalisierten Sammlungen teil – von Ton-Aufnahmen bis hin zu Bildern, Datenbanken, Texten und Filmen. Die Daten, auch aus den Vorjahren, sind hier einsehbar.

Als schönes, wildes Pferd stellte Ernst Welker Wilhelmine von Sagan, die älteste Tochter der Herzogin von Kurland dar.
Als schönes, wildes Pferd stellte Ernst Welker Wilhelmine von Sagan, die älteste Tochter der Herzogin von Kurland dar.

In den nächsten Wochen sollen spielerische Anwendungen zur Postersteiner Sammlung Welker entstehen

Das Museum Burg Posterstein stellte in Leipzig seine Sammlung Welker vor, die 47 farbenfrohe Portraits von Gästen der Herzogin von Kurland in ihrem Löbichauer Salon enthält. Die Zeichnungen fertigte 1819/20 der Maler Ernst Welker an, der als Zeichenlehrer und Erzieher der Enkelin der Herzogin zwei Sommer in Löbichau und Tannenfeld verbrachte. Die Enkelin, die später bekannte Schriftstellerin Emilie von Binzer, bewahrte die Zeichnungen zeitlebens auf und beschrieb sie in ihrem Erinnerungsbuch „Drei Sommer in Löbichau“ detailliert.

Gleich mehrere Teams junger Kreativer beschäftigen sich in den nächsten Wochen mit der Sammlung Welker.
Gleich mehrere Teams junger Kreativer beschäftigen sich in den nächsten Wochen mit der Sammlung Welker.

Spontan entschieden sich am Wochenende gleich mehrere Teams junger Menschen, mit dieser Sammlung zu arbeiten. In den nächsten neun Wochen bis zur Projektpräsentation und Preisverleihung am 16. Juni kleine Spiele und Webanwendungen entstehen. Die Ideen reichen von einem Persönlichkeitstest über Puzzle und animiertes Wimmelbild bis hin zum ausgefeilten Text Adventure-Spiel. Für das Museum wären solche spielerischen Lösungen ein großer Gewinn, helfen sie doch, ein junges Publikum an das Thema europäische Salongeschichte heranzuführen.

Die Entwicklung der verschiedenen Projekte und Ideen können hier im so genannten „Hackdash“ mitverfolgt werden. Wer Lust hat, kann sich auch jetzt noch beteiligen.

Die Sammlung Welker ist seit dem Start von Coding da Vinci in hoher Auflösung und mit ausführlichen Informationen zu den historischen Personen auf Wikimedia Commons zu finden.

Die Sammlung Welker ist seit Frühjahr 2018 in hoher Auflösung und mit ausführlichen Infos frei nutzbar auf Wikimedia Commons zu finden.
Die Sammlung Welker ist seit Frühjahr 2018 in hoher Auflösung und mit ausführlichen Infos frei nutzbar auf Wikimedia Commons zu finden.

Coding da Vinci – Der Kultur-Hackathon soll Kultureinrichtungen und Entwickler aller Art zusammenbringen und eine größere Aufmerksamkeit auf die Schätze richten, die in deutschen Kultureinrichtungen schlummern. Die Veranstaltung ist ein Gemeinschaftsprojekt der Deutschen Digitalen Bibliothek, der Servicestelle Digitalisierung Berlin, der Open Knowledge Foundation Deutschland und Wikimedia Deutschland. Ausführliche Informationen gibt es hier.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Ebenfalls über das Kick-off-Wochenende berichten:

Anja Müller, Blog digis: Äpfel, Birnen, Kulturdaten – Coding da Vinci Ost erfolgreich gestartet

Dominik Scholl, Blog Wikimedia: Norden, Süden, Osten, Westen – mit offenen Daten teilt man Kultur am besten

#TravelsMW: Reisewege durch Europa im 18. und 19. Jahrhundert

Am vorletzten Tag der diesjährigen MuseumWeek wollen wir die Reisekultur um 1800 in den Mittelpunkt stellen. Reisen wurden aus ganz unterschiedlichen Anlässen unternommen. Gelehrte reisten, um ihre Forschungen zu betreiben, Wissen zu vermehren und auszutauschen.
Junge Aristokraten schickte man auf „Kavalierstour“, damit sie an den besten ausländischen Höfen den Grundstock ihrer Ausbildung für den späteren höfischen Dienst erlangten. Badereisen nach Pyrmont oder Karlsbad hatten Hochkonjunktur. Künstler strömten in die pulsierenden Zentren der europäischen Kultur. Ein klassisches Reiseziel war Rom.

Bildungsreisen

Die Ausrichtung auf die Antike und das klassische Bildungsideal brachten eine ganz neue Reisekultur hervor – die Bildungsreise.
Anfangs ein Privileg des Adels, wurde sie später vom Bürgertum kultiviert. Nachlesen konnte der Daheimgebliebene die Erlebnisse der Reisenden in ihren Reisetagebüchern und Journalen. Landschaften, Lebensgewohnheiten, Kultur und Kunst wurden darin genauso beschrieben, wie Reisezweck, politisches Tagesgeschäft oder kriegerische Ereignisse. Eine ganze Branche von Verlagen war mit der Veröffentlichung der Reiseberichte beschäftigt.

Schloss Löbichau ((c) Museum Burg Posterstein)
Schloss Löbichau. Um 1800 war es üblich mit der Pferdekutsche zu reisen. Schlechte Straßen, wenig Licht und kaum gefederte Kutschen konnten das Reiseerlebnis schnell beschwerlich machen.

Reisen in dieser Zeit bedeuteten aber auch Beschwerlichkeit und Verzicht auf Komfort. Die Straßen waren unsicher, in schlechtem Zustand, schmutzig und selbst in Großstädten nicht immer beleuchtet. In den Betten der Gasthöfe lauerte Ungeziefer. Die Pferdekutschen, schlecht abgefedert und zudem im Winter eiskalt, schaukelten und rüttelten die Insassen durcheinander und ließen wenig Beschaulichkeit zu.

Manchmal zwangen unüberwindliche Hindernisse zum Aussteigen

In Frankreich ließ Napoleon schnurgerade Chausseen anlegen, auch aus England wurde von guten Straßenverbindungen berichtet. Doch in Deutschland waren die meisten Straßen unbefestigt und schlecht ausgebaut. Von Achsbrüchen der Wagen war oft die Rede und man vermutete wohl nicht zu Unrecht, dass die ständigen Reparaturen an Infrastruktur und Technik gute Einnahmen für das örtliche Handwerk bringen sollten. Zölle und Passkontrollen an den Grenzstationen kosteten Zeit und Geld oder verzögerten gar die Weiterfahrt. Die Reisezeiten waren dementsprechend lang und man soll für die Strecke von Berlin nach Rom etwa zwei Monate benötigt haben.

St. Petersburg – Paris – Vienna – Carlsbad: Die Herzogin von Kurland war immer auf Achse

Für eine Salondame wie Anna Dorothea von Kurland war eine musikalische Ausbildung ein Muss.
Die Salondame Anna Dorothea of Courland reiste viele Male quer durch Europa.

Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich Schloss Löbichau – nur zwei Kilometer von Posterstein entfernt gelegen – zusammen mit Schloss Tannenfeld zu einem Zentrum des geistig-kulturellen Lebens in Deutschland. Der Musenhof der Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761–1821) in Löbichau gehörte zu den bekanntesten seiner Art. Wichtige Impulse schöpfte die gebildete Adlige aus ihren erstklassigen Beziehungen zu den höchsten gesellschaftlichen Kreisen Europas, aus dem damit verbundenen Netzwerk der Personen, aus ihren Aufenthalten in bekannten Berliner und Pariser Salons sowie im mondänen Karlsbad. Bedeutende Staatsmänner ihrer Zeit kannte die Herzogin persönlich.

Anna Dorothea von Kurland verwandelte ihre Anwesen in Löbichau und Tannenfeld in einen Treffpunkt der europäischen Elite, in dem sie sich Künstler, Philosophen und führende Politiker ihrer Zeit an den Hof einlud, da sie günstig zwischen den damaligen deutschen Kulturzentren lagen. Der wohl berühmteste Gast mag wohl Zar Alexander I. von Russland (1777–1825) gewesen sein.

Löbichau zentral gelegen in Mitteldeutschland

Die Herzogin hatte ihren Landsitz nicht ohne Grund gewählt. Die beiden Schlösser lagen auf den großen Reiserouten ihrer Zeit – strategisch günstig, auf halbem Weg zwischen Berlin und Karlsbad, zwischen Dresden und Erfurt und in der Nähe der damaligen geistigen Zentren Weimar und Jena. Das nahe gelegene Ronneburg war zu Lebzeiten der Herzogin noch Kurbad und damit ein beliebtes Reiseziel.

Das Reiseerlebnis, damals noch in der Kutsche, war ein völlig anderes, als wir es heute kennen. Die Natur, die Landschaft und selbst die Straßen wurden völlig anders wahrgenommen. Eine gut ausgebaute Infrastruktur förderte das Wohlwollen der Reisenden. Schlaglöcher und Unebenheiten konnten den „Trip“ aber auch zu einer schier endlosen Odyssee ausufern lassen.

Der Minister und der Straßenbau

Hans Wilhelm von Thümmel’s priority were good streets and maps.

Die Straßen im Altenburger Landesteil des Herzogtums Sachsen-Gotha und Altenburg waren Dank der Bemühungen des Ministers Hans Wilhelm von Thümmels (1744–1824) gut befahrbar. Über die Beschaffenheit der Reisewege zu dieser Zeit berichtete unter anderem die Schriftstellerin Lili Parthey (1800–1829), die Schwester des Philologen Gustav Parthey (1798–1872). Sie verbrachte mit ihrem Bruder und ihren Eltern viel Zeit auf dem Musenhof der Herzogin Dorothea von Kurland (1761–1821) in Löbichau und kann auch zu den Gästen der Familie Thümmel auf ihrem Rittergut in Nöbdenitz gezählt werden. In ihrem Tagebuch schrieb sie:

„Donnerstag, den 18. [7. 1816], war, obgleich die Welt untergehen sollte, das Wetter sehr schön. Ganz früh um 7 ging es fort; unsere Reise ging ziemlich schnell und sehr glücklich. Das Altenburgische Gebiet ist ein ganz wunderhübsches Ländchen, mit herrlichen Wegen und Aussichten. Die Verbesserungen der Landstraße und Wege sind vorzüglich Herrn von Thümmel zu danken. Wir empfanden diese Wohlthat doppelt nach den wahren Mordwegen von Leipzig bis Krona. […] Um 7 waren wir in Löbichau, dem Ziel unserer Bestimmung angekommen. Es ist ein reizender Aufenthalt.“

Während einer ihrer Reisen nach Karlsbad traf die Herzogin Anna Dorothea von Kurland auch auf Johann Wolfgang von Goethe. Es war nur einer von vielen Begegnungen mit Dichtern, Denkern, Politikern und bekannten Persönlichkeiten der Gesellschaft. Nachweisliche Begegnungen mit Goethe hatte die Herzogin in den Jahren 1808, 1810, 1812 und 1820. Der Dichter folgt 1820 sogar einer Einladung nach Löbichau. Am 29. und 30. September verbringt er heitere Stunden und bezeichnet das Schloss der Herzogin als „wohlgelegenes Lusthaus“. Schließlich reist er nach Altenburg weiter.

Auf dem Weg von Schleiz nach Gera am 30. Mai 1816:

„Von früh halb 4 – bis 8 Uhr Abends sind wir auf eine strecke von 7 u. eine halbe Meile gefahren die Wege sind überaus schlecht. Ich bin viel zu fuße gegangen u. wäre so nach Auma gelangt hätte der Wagen mich nicht daran behindert.“

Die Herzogin von Kurland reiste selbst gern und viel. Paris, St. Petersburg oder Wien, Kurland, die Schweiz oder Italien – es zog sie immer wieder nach Löbichau zurück. So auch bei ihrer letzten Reise 1821. Im Mai 1821 bricht sie letztmalig von Paris auf. Ihre Gesundheit ist zu dieser Zeit stark angeschlagen. Der Ortswechsel nach Löbichau soll ihrem Leiden Linderung verschaffen. Am 30. Juni 1821 reisen die beiden Töchter der Herzogin, Pauline und Johanna, ab. Die Mutter beschreibt diesen Tag als „großen Trauer Tag“. Sie wird die Töchter nicht wiedersehen. Am 20. August stirbt Anna Dorothea von Kurland in ihrem Schloss in Löbichau. Die Töchter befinden sich zu diesem Zeitpunkt bereits in der Schweiz. Johanna kehrt erst am 09. Mai 1822 nach Löbichau zurück. Zur Trauerfeier der Herzogin am 29. August 1821 reisten 7000 Gäste an.

By Leon Walter & Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein; Übersetzung: M. Huberti

#StoriesMW: Wie ein Minister unter eine uralte Eiche kam…

Zum heutigen Thema der MuseumWeek gibt es eine ganz besondere Geschichte zu erzählen: In Nöbdenitz, nur zwei Kilometer von Posterstein entfernt, steht eine Eiche, deren Alter auf 1000 Jahre geschätzt wird. Der Baum ist im Inneren hohl, ein genaues Alter kann daher nicht bestimmt werden. Leer ist dieser Baum jedoch nicht. Im hohlen Stamm der Eiche wurde am 3. März 1824 der Sachsen-Gotha-Altenburgische Minister Hans Wilhelm von Thümmel (1764-1824) auf eigenen Wunsch und mit herzoglicher Genehmigung beerdigt. Die außergewöhnliche Grabstätte hatte Thümmel der Pfarrgemeinde abgekauft, um sich auf Bewilligung der herzoglichen Regierung in einer ausgemauerten Grabgruft in den Wurzeln des Baumes beisetzen zu lassen.

Die 1000jährige Eiche in Nöbdenitz, Museum Burg Posterstein
Die 1000jährige Eiche in Nöbdenitz, Museum Burg Posterstein
Der Minister hatte angeordnet, dass man ihn unter der Eiche begraben sollte, damit seine irdischen Überreste unweit als sprossende Zweige und grüne Blätter an die freie Himmelsluft hinausgelangen möchten […]“, erklärte der Altertumsforscher Gustav Parthey (1798–1872) in seinem Tagebuch von 1812 rückblickend Thümmels Wunsch. (Ernst Friedel (Hrsg.): Gustav Parthey. Jugenderinnerungen, Band 1, Berlin 1907, S. 292f.)

Parthey war bereits als Kind Gast auf dem Musenhof der Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761-1821) und kannte den Minister Thümmel, der in den nahe gelegenen Orten Nöbdenitz und Untschen Rittergüter sowie Land besaß und den Musenhof oft besuchte, noch persönlich.

Minister – Diplomat – aufgeklärter Geist

Die Aktivitäten Hans Wilhelm von Thümmels waren umfassend und reichten von diplomatischen Missionen im Auftrag der Herzöge von Sachsen–Gotha-Altenburg über die Kartierung des Herzogtums, architektonische Gestaltung, den Chauseebau und die Tätigkeit als Finanz- und Regierungsoberhaupt des Altenburgischen Landesteils bis hin zur Organisation von Festen und sein Engagement für die Armen und Kranken. Seine besondere Leidenschaft galt allerdings dem Landschafts- und Gartenbau. Bereits zu Lebzeiten hielt Thümmel in seiner „Lieblingseiche“ Teestunden ab und schrieb im Schatten des hohlen Stammes seine bekannten Aphorismen nieder, die er später – auf Wunsch seiner Freunde und seiner Familie – sogar veröffentlichte.

Grabkultur im Zeichen der Aufklärung

Sein Wunsch, in dieser alten Eiche auch beerdigt zu werden, ging aus dem damaligen Zeitgeist hervor. Bereits in seinen Gärten war Hans Wilhelm von Thümmel dem Leitspruch der Aufklärung „Zurück zur Natur“ (Jean-Jacques Rousseau) gefolgt. Und auch in seinem Grabmal wählte er für sich konsequent einen Begräbnisort, der eng mit der Natur verbunden war. Ein Phänomen, dass auch stark mit der Entwicklung des Landschaftsgartens und dessen Gestaltungs- und Wahrnehmungsprinzipien verknüpft war. Denn Beisetzungen und Grabstätten außerhalb eines kirchlichen Sakralraums gewannen erst mit den Gedanken der Aufklärung und der Entstehung des Landschaftsgartens im 18. Jahrhundert an Bedeutung. So entstanden im deutschen Raum mit den ersten Landschaftsgärten ab 1770 auch vermehrt Begräbnisstätten in Gärten und Parks.
Zu den bekanntesten Vertretern dieser neuen Grabkultur zählte vor allem der preußische König Friedrich II. (1712-1786), dem 1752 sein Wunsch nach einer Beisetzung in einer Gartengruft in Sanssouci von seinen Erben allerdings nicht gewährt wurde.

Diplomatische Missionen, Gartenbau oder Grabkultur - Das bewegte Leben Thümmels im Katalog zusammengefasst. Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister, Museum Burg Posterstein, 2016.
Diplomatische Missionen, Gartenbau oder Grabkultur – Das bewegte Leben Thümmels im Katalog zusammengefasst. Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister, Museum Burg Posterstein, 2016.

Während der Verstorbene mit der Entscheidung für ein Gartengrab sicher gehen wollte, mit dem immer währenden Kreislauf der Natur vereint zu sein, sollten Familie und Freunde darin einen angemessenen und ruhigen Erinnerungsort für ihre Trauer und ihr Gedenken, ohne öffentliche Zurschaustellung, finden. Auch die Begräbnis-Zeremonien, oft mitten in der Nacht bei Fackelschein abgehalten, waren schlicht in der Ausführung. Das Formen-Repertoire der Grabstätten reichte dabei von historisierenden Formen, wie Pyramiden, Kapellen oder Obelisken, bis zu einfachen Grabhügeln mit Blumen- und Baumschmuck wie Nadelhölzern, Pappeln, Trauerweiden und Hängebirken. Einige Grabstätten waren weithin sichtbar platziert, während andere auf nur eingeschränkt oder gar nicht zugänglichen Inseln lagen.

Die Begräbnisinsel im Park von Schloss Friedenstein.
Die Begräbnisinsel im Park von Schloss Friedenstein.

Für diese Variante hatte sich auch der Landesherr Herzog Ernst II. (1745–1804) von Sachsen-Gotha-Altenburg, der Thümmel seit ihrer Jugendzeit kannte, entschieden. 1779 ließ er auf einer Insel im englischen Garten von Gotha für den verstorbenen Erbprinzen Ernst eine Gruft einrichten und darin auch den bereits 1777 verstorbenen Bruder Ludwig begraben. Zwei Jahre später wurde neben den Gräbern eine Granitsäule mit einer Marmor-Urne aufgestellt.

Die Herzogin Anna Dorothea von Kurland, die von Thümmel ebenfalls sehr bewundert wurde, wünschte sich ein schlichtes Begräbnis im „Hain“ bei ihrem Löbichauer Schloss. Diesem Wunsch wurde nach dem Tod der Herzogin 1821 Folge geleistet. Die letzte Ruhestätte im „Hain“ nahe des Schlosses Löbichau war der Herzogin Dorothea von Kurland allerdings nicht lange vergönnt. 1845 hatte sich zwar noch die Tochter der Herzogin, Pauline von Hohenzollern-Hechingen, neben ihrer Mutter beerdigen lassen. 1876 entschloss sich die Familie aber zu einer Umbettung in die Familiengruft in Sagan.

View of the 1000 year old oak tree from 19th century (Museum Burg Posterstein)
Ansicht der 1000-jährigen Eiche aus dem 19. Jahrhundert (Museum Burg Posterstein)
An diesen beiden kurzen Beispielen wird allerdings ersichtlich, dass Thümmels Wunsch nach einem Grab im Schoße der Natur kein außergewöhnlicher Gedanke war. Die Besonderheit hinter dieser „Story“ zur MuseumWeek liegt allerdings im Begräbnisort selbst. Thümmel wählte seine letzte Ruhestätte nicht in einem Hain oder unter einem Baum, sondern im Inneren dieser alten, majestätischen Eiche.

Noch immer treibt die Eiche jedes Jahr neues Laub und ist als Naturdenkmal eingestuft. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist sie eine als besonders schützenswert eingestufte Schöpfung der Natur, die nicht ohne weiteres beseitigt werden darf. So kann Thümmel wohl noch heute „seiner Lieblingsphantasie, einst in den Blättern des Baumes den Lebenden noch einen Gruß zuzuflistern“ nachkommen.

Von Franziska Engemann und Christiane Nienhold

Weitere Artikel zu Hans Wilhelm von Thümmel

#MusicMW: Kein Salon ohne Musik

Bei der MuseumWeek 2017 steht heute die Musik im Zentrum. Das tat sie auch in den Salons um 1800, und nicht zuletzt am „Musenhof Löbichau“, nur zwei Kilometer von Burg Posterstein entfernt. Am Musenhof der Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761–1821) auf ihren Schlössern in Löbichau und Tannenfeld war eine musische Ausbildung Pflicht! Tanz, Gesang, Musik und Literatur galten nicht nur als abwechslungsreicher Zeitvertreib, sondern waren ein fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens.

Für eine Salondame wie Anna Dorothea von Kurland war eine musikalische Ausbildung ein Muss.
Für eine Salondame wie Anna Dorothea von Kurland war eine musikalische Ausbildung ein Muss.
Der Tagesablauf auf dem Musenhof war zwanglos. Einen Höhepunkt bildete die „Theestunde“ um 17 Uhr. Man traf sich im Schloss Löbichau zum „diner“. Anschließend wurde philosophiert, diskutiert, getanzt, gesungen und musiziert. Nicht selten blieb die Gesellschaft bis Mitternacht oder länger zusammen. Man spielte Theater und schrieb selbst Stücke, die später gemeinsam aufgeführt wurden. Chorale wurden komponiert und vorgetragen, wie zur Erhebung des Schriftstellers und Dichters Johann Friedrich Schink (1755-1835) zu „Frauenlob den 2 ten“ am 8. September 1819.

Augenzeuge dieser scherzhaften Feierlichkeit wurde der bekannte Dichter Jean Paul (1763-1825), der zu dieser Zeit Gast im Schloss der Herzogin von Kurland war. In seinen „Taschenbuch für Damen“ berichtet er:

„So wurde der Schriftsteller Schink […] nach aller der alten Zeiten nachgespielten Zeremoniell und Pomp zum Meistersänger Frauenlob der 2 te in einer öffentlichen allgemeinen Hof- und Krönsitzung ernannr und bekränzt […] Fürstin Pauline und ihre Schwester Wilhelmine und Fräulein v. Gersc[h]au konnten aus dem Tancred, oder ein Stabat mater meisterhaft singen.“

Aufnahme Frauenlobs des 2 ten am 8. September in Löbichau 1819, Aquarell, gemalt von Ernst Welker, Museum Burg Posterstein
Aufnahme Frauenlobs des 2 ten am 8. September in Löbichau 1819, Aquarell, gemalt von Ernst Welker, Museum Burg Posterstein

Musik, Theater und vor allem das Singen waren die großen Stärken der hier erwähnten Emilie von Binzer (1801–1891), einer geborenen von Gerschau. Sie war das Pflegekind der ältesten Tochter Dorotheas, der Herzogin Wilhelmine von Sagan (1781-1839). Gemeinsam verbrachten die beiden Damen viel Zeit auf dem Musenhof der Herzogin von Kurland. 1870 schrieb Emilie, die sich im Laufe ihres Lebens einen Namen als Schriftstellerin gemacht hatte, ihre Memoiren über diese „Drei Sommer in Löbichau“ und berichtet darin auch über ihre Gesangsstunden und ihre musikalische Ausbildung.

Emilie von Gerschau wurde später besser bekannt als Emilie von Binzer oder „Ernst Ritter“. In dieser Karikatur von Ernst Welker ist sie als Spargel dargestellt. Der heitere Spruch darunter lautet: „Den Spargel jeder gerne iszt / Emilie gar zu länglich ist.“
Emilie von Gerschau wurde später besser bekannt als Emilie von Binzer oder „Ernst Ritter“. In dieser Karikatur von Ernst Welker ist sie als Spargel dargestellt. Der heitere Spruch darunter lautet: „Den Spargel jeder gerne iszt / Emilie gar zu länglich ist.“
„Seitdem wir der Kinderbewahranstalt entwachsen waren, behielt sie Wilhelmine von Sagan] uns um sich und versäumte keine Mühe, sparte kein Geld, um uns eine ausgezeichnete Erziehung zu geben; für ihre eigenen Kinder hätte sie nicht sorgsamer sein können …] Sonst hatte sie nicht die mindeste Freude an der Musik, aber an meinen Singstunden nahm sie eifrigen Antheil, sang auch die zweite Stimme mit mir und auch wohl einmal mit meinem alten dicken Lehrer Tomaselli. Dieser war in der besten italienischen Singschule zu Bergamo mit dem berühmten Sopran Merchesi Luigi Marchesi (1754-1829)] und dem Vater des großen Tenoristen David gebildet worden, hatte aber, als er mein Lehrer ward, keine Spur von Stimme mehr, konnte aber Buffo-Duette, zu denen ich kein Talent hatte, noch mit einigem Reiz vortragen, die Oberstimme übernahm dann die Herzogin.“ (Emilie von Binzer, Drei Sommer in Löbichau, 1877.)

Eine gute Stimme sprach Emilie von Binzer ihrer verehrten Pflegemutter Wilhelmine von Sagan aber leider nicht zu. Dennoch schien auch Wilhelmine hinter verschlossenen Türen gern zu singen.

„Sie hatte wohl Stimme, aber keine schöne, und oft schwebte der Ton unter oder über der haarscharfen Linie, die ihm angewiesen ist.“ (Emilie von Binzer, Drei Sommer in Löbichau, 1877.)

Wilhelmine von Sagan, nach Joseph Grassi (1757-1838), Museum Burg Posterstein
Wilhelmine von Sagan, nach Joseph Grassi (1757-1838), Museum Burg Posterstein
Wilhelmines Talent und Leidenschaft war vielleicht nicht das Singen, dafür aber umso mehr das Theater. Verschiedenste Rollen soll sie mit Bravur gespielt haben und bereits mit zehn Jahren durfte auch Emilie an den Theaterstücken der Erwachsenen, wie sie oft in Löbichau aufgeführt wurden, mitwirken.

Wilhelmine nahm ihre Pflegetöchter so oft es ging mit zu Stücken, die auf den großen Bühnen Europas – besonders in Wien – gespielt wurden. Die vielen Reisen der Herzogin von Sagan schärften Emilies Blick für das Musische umso mehr. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Emilie von Binzer sich später – unter dem Pseudonym „Ernst Ritter“ – einen Namen als Schriftstellerin machte. Ihre Dramen „Die Gauklerin“ und „Die Neuberin“ wurden 1846 sogar am Wiener Burgtheater aufgeführt. Den Grundstein dafür legte wohl schon die strenge Ausbildung ihrer Pflegemutter Wilhelmine von Sagan und ihre Aufenthalte am Musenhof ihrer Großmutter.

Von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

Ein Geschenk mit italienischem Flair für unsere „Sammlung Kurland“

Museumsdirektor Klaus Hofmann mit Uwe Buchheim und dessen Schenkung.
Museumsdirektor Klaus Hofmann mit Uwe Buchheim und dessen Schenkung.

Ganz überraschend erhielt das Museum Burg Posterstein am Internationalen Museumstag am vergangen Sonntag ein kostbares Geschenk: Ein Aquarell des Malers Ernst Welker, der 1819 und 1820 als Zeichenlehrer mit Wilhelmine von Sagan an den Musenhof Löbichau kam. Der Musenhof der schönen Herzogin Anna Dorothea von Kurland steht seit nunmehr 25 Jahren im Mittelpunkt der Forschungsarbeit des Museums Burg Posterstein. Uwe Buchheim aus Altenburg entdeckte die von Ernst Welker auf einer Italienreise gezeichnete Stadtansicht bei einer Internetauktion, kaufte sie und schenkte sie nun dem Museum. Dort wird sie in die Sammlung Kurland eingehen. Uwe Buchheim stellt darüber hinaus als privater Leihgeber dem Musem derzeit wertvolle historische Bibeln für die Ausstellung „Das besondere Exponat zur Reformation: Kostbare Bibeln und das Rollbild Der Leipziger Festzug zur Reformationsfeier 1830“ zur Vergügung und hat sich als Mitglied der Bürgerstiftung Altenburger Land schon seit vielen Jahren für das Regionalmuseum des Landkreises engagiert.

Dieses Aquarell des Malers Ernst Welker erhielt das Museum Burg Posterstein 2017 von Uwe Buchheim aus Altenburg
Dieses Aquarell des Malers Ernst Welker erhielt das Museum Burg Posterstein 2017 von Uwe Buchheim aus Altenburg

Erst 2015 präsentierte das Museum Burg Posterstein in der Ausstellung „Salongeschichten: Paris – Löbichau – Wien“ ein Konvulut an witzigen Zeichnungen, die Ernst Welker von Löbichauer Gästen angefertigt hatte. Welker porträtierte die Herzogin und ihre hohen Gäste in Tiergestalt – darunter nicht nur Anna Dorothea von Kurland selbst, sondern auch ihre Töchter und Pflegetöchter, eine Reihe kurländischer Adliger, den Gothaer Herzog August Emil Leopold, den Strafrechtler Paul Johann Anselm von Feuerbach und die Familie Theodor Körners. In einem kleinen Buch veröffentlichte das Museum 2015 die Zeichnungen zusammen mit einem historischen Abriss zum Löbichauer Salon und Biografien der Abgebildeten.

Ernst Welker – Maler mit Humor

So zeichnete Ernst Welker sich selbst (Sammlung Museum Burg Posterstein).
So zeichnete Ernst Welker sich selbst (Sammlung Museum Burg Posterstein).
Der Maler und Lützower Jäger Ernst Welker (1784/88–1857) hatte laut seiner Zeichenschülerin Emilie von Binzer, später selbst eine angesehene Schriftstellerin, „einen gewaltigen Stutzbart, der wie eine Art von Äquator sich von einem Ohr zum anderen zieht“. In einer der Karikaturen aus der Postersteiner Sammlung nahm Welker sich auch selbst auf die Schippe, indem er sich als Auster darstellte. Darunter der Spruch:

„Die Auster ist von guter Art
Das groeste an ihr ist der Bart.“

Ernst Welker, der seine Ausbildung in Weimar und Wien absolviert hatte, befand sich mehrfach auf Studienreisen in Italien. Von welcher Reise das Bild stammt, das nun neu in die Postersteiner Sammlung eingehen konnte, soll dem Museum nun Anlass zu weiterer Forschungsarbeit geben.

Mehr erfahren zu Ernst Welkers Karikaturen Löbichauer Gäste:

Gesammelte Infos auf der Website des Museum

“Ein Besuch in Löbichau, dem wir mit Spannung entgegensahen” – Teestunde auf Burg Posterstein

Sonderausstellung “Salongeschichten”: Versteckte Details entdecken

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Vertrag zwischen Paris und … Posterstein: Zusammenarbeit mit Les Amis de Talleyrand

Der Herzog kommt nach Posterstein: Eröffnung der Sonderausstellung „Salongeschichten“

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Da steht mein Armes Ich von Stein… Salongeschichten aus dem 19. Jahrhundert auf Burg Posterstein

2015 zelebriert das Museum Burg Posterstein ein Lieblingsthema im großen Stil

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Weihnachten wie bei der böhmischen „Großmutter“

Der Weihnachtsbaum hielt sehr spät in Böhmen Einzug, denn die deutsche Tradition setzte sich nur langsam durch. Den ersten geschmückten Weihnachtsbaum gab es in Prag im Jahr 1812, dem Jahr, in dem Napoleon seinen großen Russlandfeldzug startete, in Moskau einmarschierte und vom russischen Winter vernichtend geschlagen wurde. Bei einer privaten Weihnachtsfeier für seine Freunde ließ der Deutsche Johannes Karl Liebich (1773–1816), Direktor des Ständetheaters in Prag, einen geschmückten Baum mit darunter liegenden Geschenken für alle Gäste aufstellen. Nachlesen bzw. hören kann man die Geschichte beim Radio Prag.

In der Weihnachtsausstellung auf Burg Posterstein steht dieses Jahr ein böhmisch geschmückter Tannenbaum.
In der Weihnachtsausstellung auf Burg Posterstein steht dieses Jahr ein böhmisch geschmückter Tannenbaum.

Dieser Baum kam gut an, aber der deutsche Brauch konnte sich in den böhmischen Ländern, in denen gerade das tschechische Nationalbewusstsein erwachte, nicht leicht durchsetzen. Zunächst sollen ihn nur reiche deutsche Familien in ihren Wohnstuben aufgestellt haben. Weite Verbreitung außerhalb des Kreises wohlhabender Bürgerfamilien fand der Weihnachtsbaum wohl erst nach dem Ersten Weltkrieg.

Nüsse und Perlen am Weihnachtsbaum

Perlenschmuck am Weihnachtsbaum im Museum Burg Posterstein.
Perlenschmuck am Weihnachtsbaum im Museum Burg Posterstein.
Geschmückt wurde der Baum traditionell mit selbstgefertigten Dekorationen aus den verschiedensten Materialien: Stroh, Watte, Textilien, Holz, Teigwaren oder Papier, um nur einige zu nennen. Die Grundlage der Schmückung bildeten Nüsse. Goldgefärbt galten sie als Symbol des Reichtums. Ebenso beliebt waren Äpfel, Trockenfrüchte und sogar Kartoffeln, die in verschiedene Formen geschnitzt, auf der Ofenplatte gebacken und mit Zwirn befestigt wurden. Die Materialien variieren nach den Erzeugnissen, die in der entsprechenden Region angebaut wurden. So galten in den bekannten Glashüttenstätten, wie dem Riesengebirgsvorland oder dem Böhmerwald, Perlenketten als beliebter Schmuck. Den Perlenschmuck für den im böhmischen Stil geschmückten Baum in der diesjährigen Weihnachtsausstellung des Museums fertigten übrigens Mitarbeiter des Kinder- und Jugendheims der Kinderarche Sachsen in filigraner Handarbeit.

Am Heiligen Abend wurde jeder reich beschenkt – auch die Tiere

Figurengruppe der Großmutter und Kinder aus Božena Němcovás Klassiker "Die Großmutter".
Figurengruppe der Großmutter und Kinder aus Božena Němcovás Klassiker „Die Großmutter“.
Die tschechische Nationalschriftstellerin Božena Němcová, Autorin des Kunstmärchens „Aschenputtel“, wuchs als Tochter eines Kutschers und einer Wäscherin in Ratibořice nahe dem Schloss der Herzogin Wilhelmine von Sagan, Tochter der Löbichaer Salondame Anna Dorothea von Kurland, auf. Němcová schildert in ihrem Klassiker „Die Großmutter“ anschaulich die weihnachtlichen Bräuche ihrer Kindheit:

„Am Heiligen Abend wurde jeder reich beschenkt, selbst das Geflügel und das Vieh bekamen ihren Weihnachtsstollen, und nach dem Abendessen nahm die Großmutter je ein Stück von allen Speisen, die auf dem Tisch gekommen waren, warf die Hälfte davon in den Bach, damit das Wasser rein und gesund bleibe, die andere Hälfte aber vergrub sie im Garten unter einem Baum, damit die Erde fruchtbar sei. Alle Brosamen sammelte sie sorgfältig und warf sie ins Feuer, „damit es keinen Schaden anrichte.“
[…] Da trat auch schon die Mutter ins Zimmer und sagte zu den Kindern, das Christkind habe seine Gaben in Großmutters Stube gebracht.
War das ein Rennen, war das eine Freude, als sie den strahlenden, geschmückten Christbaum und darunter die schönen Geschenke sahen!
Die Großmutter hatte zwar früher diese Sitte nicht gekannt, unter dem einfachen Volk war sie nicht üblich, aber sie gefiel ihr; schon lange vor Weihnachten hatte sie selbst an den Baum gedacht und dann ihrer Tochter beim Schmücken des Christbaums geholfen.“
Aus: Božena Němcová: Die Großmutter. Bilder aus dem ländlichen Leben, Prag 1978, S. 151-153.

Die Sonderausstellung „Weihnachten mit Aschenputtel – Böhmische Weihnachtskrippen“ ist noch bis 8. Januar 2017 zu sehen.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Ausstellung vereint Familien: Noch eine Woche #MascherMarchen

Unter dem Hashtag #MascherMarchen geistern Altenburger Bauern des 19. Jahrhunderts seit Frühjahr 2016 durch die Netzwelt. Die Gemeinschaftsausstellung von Museum Burg Posterstein und Schloss- und Spielkartenmuseum im Residenzschloss Altenburg zeigt Pastellporträts des Wandermalers Friedrich Mascher (1815–1880), der bevorzugt die wohlhabenden Bauern der Region detailreich darstellte. In Altenburg läuft die Sonderausstellung noch bis Sonntag, 6. November 2016.

Eine Ausstellung, die Familien zusammenführt

Immer noch tauchen von Mascher gezeichnete Portraits in Privatsammlungen auf, oft sind die Bilder unsigniert und nur am Stil erkennbar. Auf die Ausstellung auf Burg Posterstein hin meldete sich beispielsweise eine Familie Mehlhorn aus Ponitz, die ein Bild mit drei Kindern besitzt. Sie zeigten es den Kollegen vom Schloss- und Spielkartenmuseum Altenburg und erwähnten, dass die Bildnisse der Eltern, die aus Garbisdorf stammten, leider verschollen seien. Es stellte sich heraus, dass sich die Portraits der Eltern in der Sammlung des Schloss- und Spielkartenmuseums befinden. – In der Sonderausstellung war die Familie nun erstmals wieder „vereint“ zu sehen.

Ein Kinderbild aus Privatbesitz passte unerwartet zu Portraits eines Ehepaars aus der Sammlung des Schloss- und Spielkartenmuseums Altenburg
Ein Kinderbild aus Privatbesitz passte unerwartet zu Portraits eines Ehepaars aus der Sammlung des Schloss- und Spielkartenmuseums Altenburg

Die Portraits der Mehlhorns können zum Frühwerk Maschers gezählt werden. Gustav Wolf von der Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes konnte über die abgebildeten Eheleute in Kirchenbüchern Folgendes herausfinden:

Zacharias Mehlhorn kam am 4. Juni 1810 in Garbisdorf zur Welt. Sein Vater war der Anspanner Gottfried Mehlhorn und seine Mutter hieß Christine, geborene Bauer, aus Langenleuba-Niederhain.
Zacharias Mehlhorn heiratete am 10. Februar 1842 in der Kirche Ziegelheim Christine Müller, die Tochter des Anspanners Jacob Müller aus Niederarnsdorf. Die Kirchenbücher betiteln ihn dabei mit „Anspanner und Waldenburgischer Amtsrichter alhier“. Noch im Jahr 1880 diente er als zweiter Amtsschulze in der Gemeinde Garbisdorf.
Den gemeinsamen Hof kaufte Zacharias Mehlhorn am 5. Februar 1834 mit Zubehör für 6.050 Gulden von seinen Vater Gottfried Mehlhorn. Sein Vater besaß seit 27. Juni 1807 das ehemalige Veit‘sche Pferdefrongut „mit 2 ¾ Hufen“, das heißt 21,2 Hektar, als Folge seiner Hochzeit mit Christiane Veit am 5. April 1804. Weitere Vorbesitzer waren: die gleichnamige Christiane Veit (seit 24. August 1765), Michael Veit (seit 1. Februar 1736), Jacob Veit der Untere und Michael Veit (seit 11. Juli 1693).
1880 wurde der Besitz mit einer Größe von 41,1 Hektar angegeben. Um 1883 übernahm Emil Mehlhorn das Anspanngut.

Welcher der Söhne auf dem Portrait Emil Mehlhorn ist, bleibt jedoch unklar.

#MascherMarchenMemo mit Christine Mehlhorn aus Garbisdorf

Wer noch einmal online #MascherMarchenMemo spielen möchte, kann dies hier tun – das Kartenspiel zum Anfassen gibt es noch in den Museumsshops in Altenburg und Posterstein. – Das Portrait von Christine Mehlhorn ist mit dabei.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Weitere Blogposts zu Friedrich Mascher und Altenburger Bauern:

Frisch restauriert: Pastelle des Bauernmalers Friedrich Mascher
Für Sonderausstellung gesucht: Wer besitzt Gemälde vom „Bauernmaler“ Friedrich Mascher?
Reinschnuppern in die neue Ausstellung mit dem #MascherMarchenMemory
Kriminalgeschichte der Postersteiner Bauernportraits: Zeigen die Bilder Pfrengers, Schellenbergs oder Köhlers?
Siegelring, Jagdhund und Tabakspfeife: Statussymbole Altenburger Bauern

Thümmels Projekte: Flusskarten – Die Flößerei auf der Sprotte

Eines der vielen Projekte Hans Wilhelm von Thümmels (1744-1824), welches heute fast in Vergessenheit geraten ist, ist die Einrichtung einer so genannten Holzflößerei im Altenburger Landesteil des Herzogtums Sachsen-Gotha und Altenburg, die von ca. 1791 bis 1816 bestand. Der Grund dafür lag in einem erhöhten Brennholzbedarf der Stadt Altenburg, deren Bierbrauereien, Branntweinbrennereien, Töpfereien, Pfeifenfabriken und Ziegeleien mehr Feuerholz benötigten als vor Ort verfügbar war. Um nicht teuer Holz aus dem Werdauer Wald importieren zu müssen, verfolgte Thümmel die Idee, stattdessen über Sprotte und Pleiße Holz aus den eigenen Wäldern bei Klosterlausnitz und Tautenhain nach Altenburg zu transportieren.

Flusskarten_MBPosterstein.jpg
Flusskarten, aus dem Jahr 1789, in Leder gebunden, bestehend aus: 20 Blättern, handgezeichnet, tabellarische Übersicht über die Grundstücke, dargestellt ist der Verlauf der Sprotte, einschließlich Wehre und Flurstücke. Zu sehen in der aktuellen Ausstellung im Museum Burg Posterstein.

Mit großem Aufwand wurden die Gewässer ab 1789 vorbereitet, indem unter anderen ein Floßplatz in Großenstein, drei Floßteiche, Begradigungen und Durchstiche eingerichtet wurden. Konkret wurde zwischen Großenstein und Untschen auf der sogenannten „Kleinen Sprotte“ geflößt. In Untschen, das über die Familie Rothkirch und Trach in Thümmels Besitz gekommen war, gab es einen Floßteich über der Mühle, an dem auch ein Zapfenhaus zur Regulierung der Ausflussmenge des Teichwassers stand. Dieses Häuschen ließ sich Thümmel im Stil eines chinesischen Badehauses einrichten. Der nächste Streckenabschnitt führte auf der Sprotte von Untschen bis Selleris. Dort mündet die Sprotte in die Pleiße und die Holzscheite wurden weiter bis Münsa gespült.

Weil Sprotte und Pleiße auch damals keine reißenden Flüsse waren, insbesondere nicht auf dem Streckenabschnitt zwischen Untschen und Selleris, und sich zudem noch 22 Wehre und allerhand Mühlen auf diesem Teilgebiet befanden, konnte das Flößen nur mit der Schneeschmelze im Frühjahr stattfinden und dauerte ungefähr zwei bis drei Wochen. Die geflößte Holzmenge unterlag sehr den Witterungsbedingungen, denn während 1792 immerhin 2177 Klafter Holz transportiert werden konnten, waren es im Jahr darauf nur 357 Klafter (Klafter= 2,5 Kubikmeter). Das letzte Mal flößte man 1816 und stellte es dann unter Angabe verschiedener Gründe, wobei die Unwirtschaftlichkeit des Verfahrens wohl die eigentliche Ursache war, 1824, im Jahr als Thümmel verstarb, offiziell ein.

mehr dazu erfährt man in der aktuellen Sonderausstellung im Museum Burg Posterstein, die noch bis zum 31. Oktober 2016 zu sehen ist.

Buch zur Ausstellung: Buchvorstellung – 2. Oktober, 15.00 Uhr

Thümmel Umschlagl.jpg
Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister, Museum Burg Posterstein, 2016 (168 Seiten, farbig, ISBN 978-3-86104-136-8, 20.00 Euro)

Ebenfalls zur Holzflößerei auf Sprotte und Pleiße bloggte neulich „Sprottepleißenland“:

Wie die Flößerei Sachsen und Thüringen einte und trennte

Noch mehr im Blog:

Mit Baron von Thümmel durch Nöbdenitz: Gut besuchte Wanderung des Museums Burg Posterstein
Im Dienste der Ernestiner – Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister
Romantically minded minister of Saxe-Gotha-Altenburg burried under a 1000 year old oak
Die Weisheiten eines langjährigen Ernestiner Staatsmannes – als Glückskeks
Hans Wilhelm von Thümmel – der Mann unter der 1000-jährigen Eiche
Die 1000-jährige Eiche in Nöbdenitz

Frag Thümmel! – Wir beantworten Fragen zur Ausstellung am #AskACurator-Tag

Frag Thümmel: AskACurator 2016 im Museum Burg Posterstein
Frag Thümmel: AskACurator 2016 im Museum Burg Posterstein

Über 1300 Museen aus 53 Ländern stellen sich morgen zum „Ask A Curator-Day“ (Frag einen Kurator-Tag) den Fragen interessierter Menschen aus aller Welt. Das Museum Burg Posterstein nimmt schon zum vierten Mal teil. Die Kuratoren der aktuellen Sonderausstellung „Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister“ stehen auf allen sozialen Kanälen des Museums – auf Twitter, Facebook und Instagram – und natürlich auch hier im Blog für Fragen bereit.

Warum eine Ausstellung über … Thümmel?

Alles darf gefragt werden, auch Fragen wie: Warum widmet das Museum Burg Posterstein gerade den Sachsen-Gotha-Altenburgischen Minister Thümmel eine Ausstellung? Wer entscheidet, wie die Ausstellung aufgebaut sein wird? Wer schreibt die Ausstellungstexte? Welche Ausstellungsstücke kannten die Museumsmitarbeiter vor Eröffnung der Ausstellung selber noch nicht? Und welches kam erst nach der Eröffnung noch dazu? Wie viele Besucher waren schon da und wie viele „Verwandte“ des Ministers Thümmel besuchten schon die Postersteiner Sonderausstellung?

Wen die Antworten jetzt schon interessieren, den wollen wir nicht warten lassen:

Warum widmet das Museum Burg Posterstein gerade den Sachsen-Gotha-Altenburgischen Minister Thümmel eine Ausstellung?

Die Thüringer Landesausstellung „Die Ernestiner – Eine Dynastie prägt Europa“ in Gotha und Weimar widmete sich den Ernestiner Herzögen. Das Museum Burg Posterstein liegt in Ostthüringen im Landkreis Altenburger Land und auch Altenburg war Residenz der Ernestiner Herzöge. Im Postersteiner Nachbarort Nöbdenitz besaß der Sachsen-Gotha-Atenburgische Minister Hans Wilhelm von Thümmel (1744-1824) ein Rittergut und wählte die 1000-jährige Eiche im Ort zu seiner Grabstätte. Von Nöbdenitz hatte er es nicht weit an den Musenhof der Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761-1821) in Löbichau, ein Forschungsschwerpunkt des Museums Burg Posterstein.

Wer entscheidet, wie die Ausstellung aufgebaut sein wird? Wer schreibt die Ausstellungstexte?

Im Fall der Thümmel-Ausstellung gab es ein Kuratorenteam, das den Aufbau der Ausstellung gemeinsam geplant hat. Der Vorteil eines kleinen Museums ist aber, dass alle gleichwertig ihre Meinung einbringen dürfen und dass auch spontane Änderungen und Umbauten noch möglich sind. Die Texte schreiben wir ebenfalls im Team.

Kam erst nach der Ausstellungseröffnung in eine Vitrine: Der Grundstein des Thümmelschen Palais in Altenburg.
Kam erst nach der Ausstellungseröffnung in eine Vitrine: Der Grundstein des Thümmelschen Palais in Altenburg.

Welche Ausstellungsstücke kannten die Museumsmitarbeiter vor Eröffnung der Ausstellung selber noch nicht? Und welches kam erst nach der Eröffnung noch dazu?
Hans Wilhelm von Thümmel wird bereits in der Dauerausstellung des Museums Burg Posterstein als herausragende Persönlichkeit der Region gewürdigt. Als wir begannen, uns noch intensiver als dem langjährigen Sachsen-Gotha-Altenburgischen Minister zu beschäftigten, tauchten auch noch uns bisher noch nicht bekannte Quellen und Bilder auf. Im Staatsarchiv Gotha schlummerte beispielsweise noch das Pariser Tagebuch Thümmels, das im Buch zur Ausstellung ausgewertet wird. In einer Privatsammlung gab es wunderschöne von Thümmel in Auftrag gegebene Nöbdenitz-Ansichten von Adrian Zingg, die Thümmels „Einsiedeley“ in seinem englischen Garten und seine Grabeiche zeigen – letzteres der Herzogin von Kurland gewidmet. Als die Ausstellung schon eröffnet war, brachte uns der heutige Besitzer des Thümmelschen Palais in Altenburg einen Grundstein von 1789, den er bei der Restaurierung gefunden hatte. Auch der Grundstein ist nun in der Ausstellung zu sehen.

Wie viele Besucher waren schon da und wie viele „Verwandte“ des Ministers Thümmel besuchten schon die Postersteiner Sonderausstellung?
Die Sonderausstellung sahen bisher rund 4000 Besucher aus ganz Deutschland. Sie läuft länger als die Thüringer Landesausstellung und ihre anderen Begleitausstellungen, nämlich noch bis 31. Oktober 2016. Bisher stellten sich an der Museumskasse schon vier Besucher als Verwandte oder Nachfahren Thümmels vor. Die Ausstellung als Anlass für ein Familientreffen?

Alle weiteren Fragen beantworten wir live!