#TravelsMW: Reisewege durch Europa im 18. und 19. Jahrhundert

Am vorletzten Tag der diesjährigen MuseumWeek wollen wir die Reisekultur um 1800 in den Mittelpunkt stellen. Reisen wurden aus ganz unterschiedlichen Anlässen unternommen. Gelehrte reisten, um ihre Forschungen zu betreiben, Wissen zu vermehren und auszutauschen.
Junge Aristokraten schickte man auf „Kavalierstour“, damit sie an den besten ausländischen Höfen den Grundstock ihrer Ausbildung für den späteren höfischen Dienst erlangten. Badereisen nach Pyrmont oder Karlsbad hatten Hochkonjunktur. Künstler strömten in die pulsierenden Zentren der europäischen Kultur. Ein klassisches Reiseziel war Rom.

Bildungsreisen

Die Ausrichtung auf die Antike und das klassische Bildungsideal brachten eine ganz neue Reisekultur hervor – die Bildungsreise.
Anfangs ein Privileg des Adels, wurde sie später vom Bürgertum kultiviert. Nachlesen konnte der Daheimgebliebene die Erlebnisse der Reisenden in ihren Reisetagebüchern und Journalen. Landschaften, Lebensgewohnheiten, Kultur und Kunst wurden darin genauso beschrieben, wie Reisezweck, politisches Tagesgeschäft oder kriegerische Ereignisse. Eine ganze Branche von Verlagen war mit der Veröffentlichung der Reiseberichte beschäftigt.

Schloss Löbichau ((c) Museum Burg Posterstein)
Schloss Löbichau. Um 1800 war es üblich mit der Pferdekutsche zu reisen. Schlechte Straßen, wenig Licht und kaum gefederte Kutschen konnten das Reiseerlebnis schnell beschwerlich machen.

Reisen in dieser Zeit bedeuteten aber auch Beschwerlichkeit und Verzicht auf Komfort. Die Straßen waren unsicher, in schlechtem Zustand, schmutzig und selbst in Großstädten nicht immer beleuchtet. In den Betten der Gasthöfe lauerte Ungeziefer. Die Pferdekutschen, schlecht abgefedert und zudem im Winter eiskalt, schaukelten und rüttelten die Insassen durcheinander und ließen wenig Beschaulichkeit zu.

Manchmal zwangen unüberwindliche Hindernisse zum Aussteigen

In Frankreich ließ Napoleon schnurgerade Chausseen anlegen, auch aus England wurde von guten Straßenverbindungen berichtet. Doch in Deutschland waren die meisten Straßen unbefestigt und schlecht ausgebaut. Von Achsbrüchen der Wagen war oft die Rede und man vermutete wohl nicht zu Unrecht, dass die ständigen Reparaturen an Infrastruktur und Technik gute Einnahmen für das örtliche Handwerk bringen sollten. Zölle und Passkontrollen an den Grenzstationen kosteten Zeit und Geld oder verzögerten gar die Weiterfahrt. Die Reisezeiten waren dementsprechend lang und man soll für die Strecke von Berlin nach Rom etwa zwei Monate benötigt haben.

St. Petersburg – Paris – Vienna – Carlsbad: Die Herzogin von Kurland war immer auf Achse

Für eine Salondame wie Anna Dorothea von Kurland war eine musikalische Ausbildung ein Muss.
Die Salondame Anna Dorothea of Courland reiste viele Male quer durch Europa.

Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich Schloss Löbichau – nur zwei Kilometer von Posterstein entfernt gelegen – zusammen mit Schloss Tannenfeld zu einem Zentrum des geistig-kulturellen Lebens in Deutschland. Der Musenhof der Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761–1821) in Löbichau gehörte zu den bekanntesten seiner Art. Wichtige Impulse schöpfte die gebildete Adlige aus ihren erstklassigen Beziehungen zu den höchsten gesellschaftlichen Kreisen Europas, aus dem damit verbundenen Netzwerk der Personen, aus ihren Aufenthalten in bekannten Berliner und Pariser Salons sowie im mondänen Karlsbad. Bedeutende Staatsmänner ihrer Zeit kannte die Herzogin persönlich.

Anna Dorothea von Kurland verwandelte ihre Anwesen in Löbichau und Tannenfeld in einen Treffpunkt der europäischen Elite, in dem sie sich Künstler, Philosophen und führende Politiker ihrer Zeit an den Hof einlud, da sie günstig zwischen den damaligen deutschen Kulturzentren lagen. Der wohl berühmteste Gast mag wohl Zar Alexander I. von Russland (1777–1825) gewesen sein.

Löbichau zentral gelegen in Mitteldeutschland

Die Herzogin hatte ihren Landsitz nicht ohne Grund gewählt. Die beiden Schlösser lagen auf den großen Reiserouten ihrer Zeit – strategisch günstig, auf halbem Weg zwischen Berlin und Karlsbad, zwischen Dresden und Erfurt und in der Nähe der damaligen geistigen Zentren Weimar und Jena. Das nahe gelegene Ronneburg war zu Lebzeiten der Herzogin noch Kurbad und damit ein beliebtes Reiseziel.

Das Reiseerlebnis, damals noch in der Kutsche, war ein völlig anderes, als wir es heute kennen. Die Natur, die Landschaft und selbst die Straßen wurden völlig anders wahrgenommen. Eine gut ausgebaute Infrastruktur förderte das Wohlwollen der Reisenden. Schlaglöcher und Unebenheiten konnten den „Trip“ aber auch zu einer schier endlosen Odyssee ausufern lassen.

Der Minister und der Straßenbau

Hans Wilhelm von Thümmel’s priority were good streets and maps.

Die Straßen im Altenburger Landesteil des Herzogtums Sachsen-Gotha und Altenburg waren Dank der Bemühungen des Ministers Hans Wilhelm von Thümmels (1744–1824) gut befahrbar. Über die Beschaffenheit der Reisewege zu dieser Zeit berichtete unter anderem die Schriftstellerin Lili Parthey (1800–1829), die Schwester des Philologen Gustav Parthey (1798–1872). Sie verbrachte mit ihrem Bruder und ihren Eltern viel Zeit auf dem Musenhof der Herzogin Dorothea von Kurland (1761–1821) in Löbichau und kann auch zu den Gästen der Familie Thümmel auf ihrem Rittergut in Nöbdenitz gezählt werden. In ihrem Tagebuch schrieb sie:

„Donnerstag, den 18. [7. 1816], war, obgleich die Welt untergehen sollte, das Wetter sehr schön. Ganz früh um 7 ging es fort; unsere Reise ging ziemlich schnell und sehr glücklich. Das Altenburgische Gebiet ist ein ganz wunderhübsches Ländchen, mit herrlichen Wegen und Aussichten. Die Verbesserungen der Landstraße und Wege sind vorzüglich Herrn von Thümmel zu danken. Wir empfanden diese Wohlthat doppelt nach den wahren Mordwegen von Leipzig bis Krona. […] Um 7 waren wir in Löbichau, dem Ziel unserer Bestimmung angekommen. Es ist ein reizender Aufenthalt.“

Während einer ihrer Reisen nach Karlsbad traf die Herzogin Anna Dorothea von Kurland auch auf Johann Wolfgang von Goethe. Es war nur einer von vielen Begegnungen mit Dichtern, Denkern, Politikern und bekannten Persönlichkeiten der Gesellschaft. Nachweisliche Begegnungen mit Goethe hatte die Herzogin in den Jahren 1808, 1810, 1812 und 1820. Der Dichter folgt 1820 sogar einer Einladung nach Löbichau. Am 29. und 30. September verbringt er heitere Stunden und bezeichnet das Schloss der Herzogin als „wohlgelegenes Lusthaus“. Schließlich reist er nach Altenburg weiter.

Auf dem Weg von Schleiz nach Gera am 30. Mai 1816:

„Von früh halb 4 – bis 8 Uhr Abends sind wir auf eine strecke von 7 u. eine halbe Meile gefahren die Wege sind überaus schlecht. Ich bin viel zu fuße gegangen u. wäre so nach Auma gelangt hätte der Wagen mich nicht daran behindert.“

Die Herzogin von Kurland reiste selbst gern und viel. Paris, St. Petersburg oder Wien, Kurland, die Schweiz oder Italien – es zog sie immer wieder nach Löbichau zurück. So auch bei ihrer letzten Reise 1821. Im Mai 1821 bricht sie letztmalig von Paris auf. Ihre Gesundheit ist zu dieser Zeit stark angeschlagen. Der Ortswechsel nach Löbichau soll ihrem Leiden Linderung verschaffen. Am 30. Juni 1821 reisen die beiden Töchter der Herzogin, Pauline und Johanna, ab. Die Mutter beschreibt diesen Tag als „großen Trauer Tag“. Sie wird die Töchter nicht wiedersehen. Am 20. August stirbt Anna Dorothea von Kurland in ihrem Schloss in Löbichau. Die Töchter befinden sich zu diesem Zeitpunkt bereits in der Schweiz. Johanna kehrt erst am 09. Mai 1822 nach Löbichau zurück. Zur Trauerfeier der Herzogin am 29. August 1821 reisten 7000 Gäste an.

By Leon Walter & Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein; Übersetzung: M. Huberti

#StoriesMW: Wie ein Minister unter eine uralte Eiche kam…

Zum heutigen Thema der MuseumWeek gibt es eine ganz besondere Geschichte zu erzählen: In Nöbdenitz, nur zwei Kilometer von Posterstein entfernt, steht eine Eiche, deren Alter auf 1000 Jahre geschätzt wird. Der Baum ist im Inneren hohl, ein genaues Alter kann daher nicht bestimmt werden. Leer ist dieser Baum jedoch nicht. Im hohlen Stamm der Eiche wurde am 3. März 1824 der Sachsen-Gotha-Altenburgische Minister Hans Wilhelm von Thümmel (1764-1824) auf eigenen Wunsch und mit herzoglicher Genehmigung beerdigt. Die außergewöhnliche Grabstätte hatte Thümmel der Pfarrgemeinde abgekauft, um sich auf Bewilligung der herzoglichen Regierung in einer ausgemauerten Grabgruft in den Wurzeln des Baumes beisetzen zu lassen.

Die 1000jährige Eiche in Nöbdenitz, Museum Burg Posterstein
Die 1000jährige Eiche in Nöbdenitz, Museum Burg Posterstein
Der Minister hatte angeordnet, dass man ihn unter der Eiche begraben sollte, damit seine irdischen Überreste unweit als sprossende Zweige und grüne Blätter an die freie Himmelsluft hinausgelangen möchten […]“, erklärte der Altertumsforscher Gustav Parthey (1798–1872) in seinem Tagebuch von 1812 rückblickend Thümmels Wunsch. (Ernst Friedel (Hrsg.): Gustav Parthey. Jugenderinnerungen, Band 1, Berlin 1907, S. 292f.)

Parthey war bereits als Kind Gast auf dem Musenhof der Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761-1821) und kannte den Minister Thümmel, der in den nahe gelegenen Orten Nöbdenitz und Untschen Rittergüter sowie Land besaß und den Musenhof oft besuchte, noch persönlich.

Minister – Diplomat – aufgeklärter Geist

Die Aktivitäten Hans Wilhelm von Thümmels waren umfassend und reichten von diplomatischen Missionen im Auftrag der Herzöge von Sachsen–Gotha-Altenburg über die Kartierung des Herzogtums, architektonische Gestaltung, den Chauseebau und die Tätigkeit als Finanz- und Regierungsoberhaupt des Altenburgischen Landesteils bis hin zur Organisation von Festen und sein Engagement für die Armen und Kranken. Seine besondere Leidenschaft galt allerdings dem Landschafts- und Gartenbau. Bereits zu Lebzeiten hielt Thümmel in seiner „Lieblingseiche“ Teestunden ab und schrieb im Schatten des hohlen Stammes seine bekannten Aphorismen nieder, die er später – auf Wunsch seiner Freunde und seiner Familie – sogar veröffentlichte.

Grabkultur im Zeichen der Aufklärung

Sein Wunsch, in dieser alten Eiche auch beerdigt zu werden, ging aus dem damaligen Zeitgeist hervor. Bereits in seinen Gärten war Hans Wilhelm von Thümmel dem Leitspruch der Aufklärung „Zurück zur Natur“ (Jean-Jacques Rousseau) gefolgt. Und auch in seinem Grabmal wählte er für sich konsequent einen Begräbnisort, der eng mit der Natur verbunden war. Ein Phänomen, dass auch stark mit der Entwicklung des Landschaftsgartens und dessen Gestaltungs- und Wahrnehmungsprinzipien verknüpft war. Denn Beisetzungen und Grabstätten außerhalb eines kirchlichen Sakralraums gewannen erst mit den Gedanken der Aufklärung und der Entstehung des Landschaftsgartens im 18. Jahrhundert an Bedeutung. So entstanden im deutschen Raum mit den ersten Landschaftsgärten ab 1770 auch vermehrt Begräbnisstätten in Gärten und Parks.
Zu den bekanntesten Vertretern dieser neuen Grabkultur zählte vor allem der preußische König Friedrich II. (1712-1786), dem 1752 sein Wunsch nach einer Beisetzung in einer Gartengruft in Sanssouci von seinen Erben allerdings nicht gewährt wurde.

Diplomatische Missionen, Gartenbau oder Grabkultur - Das bewegte Leben Thümmels im Katalog zusammengefasst. Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister, Museum Burg Posterstein, 2016.
Diplomatische Missionen, Gartenbau oder Grabkultur – Das bewegte Leben Thümmels im Katalog zusammengefasst. Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister, Museum Burg Posterstein, 2016.

Während der Verstorbene mit der Entscheidung für ein Gartengrab sicher gehen wollte, mit dem immer währenden Kreislauf der Natur vereint zu sein, sollten Familie und Freunde darin einen angemessenen und ruhigen Erinnerungsort für ihre Trauer und ihr Gedenken, ohne öffentliche Zurschaustellung, finden. Auch die Begräbnis-Zeremonien, oft mitten in der Nacht bei Fackelschein abgehalten, waren schlicht in der Ausführung. Das Formen-Repertoire der Grabstätten reichte dabei von historisierenden Formen, wie Pyramiden, Kapellen oder Obelisken, bis zu einfachen Grabhügeln mit Blumen- und Baumschmuck wie Nadelhölzern, Pappeln, Trauerweiden und Hängebirken. Einige Grabstätten waren weithin sichtbar platziert, während andere auf nur eingeschränkt oder gar nicht zugänglichen Inseln lagen.

Die Begräbnisinsel im Park von Schloss Friedenstein.
Die Begräbnisinsel im Park von Schloss Friedenstein.

Für diese Variante hatte sich auch der Landesherr Herzog Ernst II. (1745–1804) von Sachsen-Gotha-Altenburg, der Thümmel seit ihrer Jugendzeit kannte, entschieden. 1779 ließ er auf einer Insel im englischen Garten von Gotha für den verstorbenen Erbprinzen Ernst eine Gruft einrichten und darin auch den bereits 1777 verstorbenen Bruder Ludwig begraben. Zwei Jahre später wurde neben den Gräbern eine Granitsäule mit einer Marmor-Urne aufgestellt.

Die Herzogin Anna Dorothea von Kurland, die von Thümmel ebenfalls sehr bewundert wurde, wünschte sich ein schlichtes Begräbnis im „Hain“ bei ihrem Löbichauer Schloss. Diesem Wunsch wurde nach dem Tod der Herzogin 1821 Folge geleistet. Die letzte Ruhestätte im „Hain“ nahe des Schlosses Löbichau war der Herzogin Dorothea von Kurland allerdings nicht lange vergönnt. 1845 hatte sich zwar noch die Tochter der Herzogin, Pauline von Hohenzollern-Hechingen, neben ihrer Mutter beerdigen lassen. 1876 entschloss sich die Familie aber zu einer Umbettung in die Familiengruft in Sagan.

View of the 1000 year old oak tree from 19th century (Museum Burg Posterstein)
Ansicht der 1000-jährigen Eiche aus dem 19. Jahrhundert (Museum Burg Posterstein)
An diesen beiden kurzen Beispielen wird allerdings ersichtlich, dass Thümmels Wunsch nach einem Grab im Schoße der Natur kein außergewöhnlicher Gedanke war. Die Besonderheit hinter dieser „Story“ zur MuseumWeek liegt allerdings im Begräbnisort selbst. Thümmel wählte seine letzte Ruhestätte nicht in einem Hain oder unter einem Baum, sondern im Inneren dieser alten, majestätischen Eiche.

Noch immer treibt die Eiche jedes Jahr neues Laub und ist als Naturdenkmal eingestuft. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist sie eine als besonders schützenswert eingestufte Schöpfung der Natur, die nicht ohne weiteres beseitigt werden darf. So kann Thümmel wohl noch heute „seiner Lieblingsphantasie, einst in den Blättern des Baumes den Lebenden noch einen Gruß zuzuflistern“ nachkommen.

Von Franziska Engemann und Christiane Nienhold

Weitere Artikel zu Hans Wilhelm von Thümmel

Sonderschau lockte über 6000 Besucher und Ahnenforscher aus der ganzen Welt

Die Besucher der Sonderausstellung über Hans Wilhelm von Thümmel kamen größtenteils aus Thüringen und Sachsen.
Die Besucher der Sonderausstellung über Hans Wilhelm von Thümmel kamen größtenteils aus Thüringen und Sachsen.

Insgesamt sahen weit über 6000 Besucher die Sonderausstellung „Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister“ im Museum Burg Posterstein, die am Montag mit einem gut besuchten Vortrag zu Ende ging. „Baumforscher“ Dr. Matthias Schütze analysierte darin das Alter der 1000-jährigen Eiche in Nöbdenitz, der Grabeiche Hans Wilhelm von Thümmels.

Nachfahren Thümmels aus ganz Deutschland kamen nach Posterstein

Die Postersteiner Sonderausstellung war nicht nur die vermutlich erste, die sich allein dem für das Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg bedeutenden Minister Hans Wilhelm von Thümmel (1744–1824) widmete. Sie lehnte sich auch als Begleitausstellung an die große Thüringer Landesausstellung „Die Ernestiner – Eine Dynastie prägt Europa“ in Weimar und Gotha an. Nach Posterstein kamen weit über 6000 Besucher, drei Viertel davon aus Thüringen und Sachsen. Insgesamt reisten die Gäste aus 15 verschiedenen Ländern an.

Für die Sonderschau konnten selten gezeigte Leihgaben wie Thümmels Pariser Tagebuch aus dem Staatsarchiv Gotha und die Grassi-Portraits des Ehepaars Thümmels geliehen werden.
Für die Sonderschau konnten selten gezeigte Leihgaben wie Thümmels Pariser Tagebuch aus dem Staatsarchiv Gotha und die Grassi-Portraits des Ehepaars Thümmels geliehen werden.

Die Ausstellung besuchten auch mehrere Forscher und Nachfahren Thümmels aus verschiedenen Regionen Deutschlands. Ein weiterer Verwandter des umtriebigen Staatsmannes Thümmel will Mitte November aus den USA anreisen. Der Architekt Hans Thummel aus Chicago ist per E-Mail mit dem Museum Burg Posterstein in Kontakt getreten und will sich unter anderem in Leipzig, Altenburg, Nöbdenitz und Posterstein auf die Spuren seines Vorfahren machen.

Hans Wilhelm von Thümmel stieg am Hof der Ernestiner Herzöge in Gotha vom Pagen zum Minister auf. In Altenburg brachte er viele wichtige Projekte voran, darunter die Vermessung und Kartierung des Altenburger Landesteils, den Straßenbau sowie den Bau eines modernen Krankenhauses und mehrerer Armenhäuser.

Nach der Ausstellung ist vor der Ausstellung

Derzeit wird im Museum Burg Posterstein die Sonderausstellung abgebaut und die zahlreichen Leihgaben – u.a. aus Gotha, Jena, Leipzig, Zeulenroda und Altenburg – wieder zurückgegeben. Die wertvollen neuen Informationen zur Person Hans Wilhelm von Thümmel werden langfristig einen prominenten Platz in der Dauerausstellung des Museums finden, die ständig überarbeitet wird. Das Buch zur Ausstellung ist weiterhin im Museum Burg Posterstein (auch telefonisch oder per E-Mail bestellbar) erhältlich. Derweil wird die nächste Sonderausstellung vorbereitet: Am ersten Advent eröffnete die familienfreundliche Weihnachtsausstellung „Weihnachten mit Aschenputtel – böhmische Weihnachtskrippen“.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Zum Weiterlesen über Hans Wilhelm von Thümmel:
Frag Thümmel! – Wir beantworten Fragen zur Ausstellung am #AskACurator-Tag
Hans Wilhelm von Thümmels Gesandtschaften: Paris
Mit Baron von Thümmel durch Nöbdenitz: Gut besuchte Wanderung des Museums Burg Posterstein
Fast so viele Holländer wie Nöbdenitzer besuchten bisher die Postersteiner Ernestiner-Ausstellung
Im Dienste der Ernestiner – Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister
Die Weisheiten eines langjährigen Ernestiner Staatsmannes – als Glückskeks
Blogpost: Hans Wilhelm von Thümmel – der Mann unter der 1000-jährigen Eiche Die 1000-jährige Eiche in Nöbdenitz Weitere Infos zum Musenhof Löbichau

Thümmels Projekte: Flusskarten – Die Flößerei auf der Sprotte

Eines der vielen Projekte Hans Wilhelm von Thümmels (1744-1824), welches heute fast in Vergessenheit geraten ist, ist die Einrichtung einer so genannten Holzflößerei im Altenburger Landesteil des Herzogtums Sachsen-Gotha und Altenburg, die von ca. 1791 bis 1816 bestand. Der Grund dafür lag in einem erhöhten Brennholzbedarf der Stadt Altenburg, deren Bierbrauereien, Branntweinbrennereien, Töpfereien, Pfeifenfabriken und Ziegeleien mehr Feuerholz benötigten als vor Ort verfügbar war. Um nicht teuer Holz aus dem Werdauer Wald importieren zu müssen, verfolgte Thümmel die Idee, stattdessen über Sprotte und Pleiße Holz aus den eigenen Wäldern bei Klosterlausnitz und Tautenhain nach Altenburg zu transportieren.

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Flusskarten, aus dem Jahr 1789, in Leder gebunden, bestehend aus: 20 Blättern, handgezeichnet, tabellarische Übersicht über die Grundstücke, dargestellt ist der Verlauf der Sprotte, einschließlich Wehre und Flurstücke. Zu sehen in der aktuellen Ausstellung im Museum Burg Posterstein.

Mit großem Aufwand wurden die Gewässer ab 1789 vorbereitet, indem unter anderen ein Floßplatz in Großenstein, drei Floßteiche, Begradigungen und Durchstiche eingerichtet wurden. Konkret wurde zwischen Großenstein und Untschen auf der sogenannten „Kleinen Sprotte“ geflößt. In Untschen, das über die Familie Rothkirch und Trach in Thümmels Besitz gekommen war, gab es einen Floßteich über der Mühle, an dem auch ein Zapfenhaus zur Regulierung der Ausflussmenge des Teichwassers stand. Dieses Häuschen ließ sich Thümmel im Stil eines chinesischen Badehauses einrichten. Der nächste Streckenabschnitt führte auf der Sprotte von Untschen bis Selleris. Dort mündet die Sprotte in die Pleiße und die Holzscheite wurden weiter bis Münsa gespült.

Weil Sprotte und Pleiße auch damals keine reißenden Flüsse waren, insbesondere nicht auf dem Streckenabschnitt zwischen Untschen und Selleris, und sich zudem noch 22 Wehre und allerhand Mühlen auf diesem Teilgebiet befanden, konnte das Flößen nur mit der Schneeschmelze im Frühjahr stattfinden und dauerte ungefähr zwei bis drei Wochen. Die geflößte Holzmenge unterlag sehr den Witterungsbedingungen, denn während 1792 immerhin 2177 Klafter Holz transportiert werden konnten, waren es im Jahr darauf nur 357 Klafter (Klafter= 2,5 Kubikmeter). Das letzte Mal flößte man 1816 und stellte es dann unter Angabe verschiedener Gründe, wobei die Unwirtschaftlichkeit des Verfahrens wohl die eigentliche Ursache war, 1824, im Jahr als Thümmel verstarb, offiziell ein.

mehr dazu erfährt man in der aktuellen Sonderausstellung im Museum Burg Posterstein, die noch bis zum 31. Oktober 2016 zu sehen ist.

Buch zur Ausstellung: Buchvorstellung – 2. Oktober, 15.00 Uhr

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Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister, Museum Burg Posterstein, 2016 (168 Seiten, farbig, ISBN 978-3-86104-136-8, 20.00 Euro)

Ebenfalls zur Holzflößerei auf Sprotte und Pleiße bloggte neulich „Sprottepleißenland“:

Wie die Flößerei Sachsen und Thüringen einte und trennte

Noch mehr im Blog:

Mit Baron von Thümmel durch Nöbdenitz: Gut besuchte Wanderung des Museums Burg Posterstein
Im Dienste der Ernestiner – Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister
Romantically minded minister of Saxe-Gotha-Altenburg burried under a 1000 year old oak
Die Weisheiten eines langjährigen Ernestiner Staatsmannes – als Glückskeks
Hans Wilhelm von Thümmel – der Mann unter der 1000-jährigen Eiche
Die 1000-jährige Eiche in Nöbdenitz

2. Oktober 2016, 15 Uhr: Buchvorstellung der bisher umfangreichsten Biografie Hans Wilhelm von Thümmels

Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister

In der bewegten Zeit zwischen Französischer Revolution, Herrschaft Napoleons und Wiener Kongress stieg Hans Wilhelm von Thümmel (1744–1824) am Hof der ernestiner Herzöge von Sachsen-Gotha-Altenburg vom Pagen zum Minister auf. Als Gesandter verbrachte er über ein Jahr im Paris Napoleons.

In seinen 57 Dienstjahren leistete Thümmel Großes für das Herzogtum, darunter die Vermessung und Kartierung des Altenburger Landesteils und der Bau des ersten Altenburger Krankenhauses, damals ein europäischer Musterbau.

Inspiriert von seiner Liebe zu aufklärerisch geprägten Landschaftsgärten und Architektur, verhalf Thümmel den neuen Gärten hierzulande zum Durchbruch. Er zählte zum Dichterkreis am Musenhof Löbichau der Herzogin von Kurland.

Als außergewöhnliche Grabstätte wählte sich Thümmel die 1000-jährige Eiche in Nöbdenitz.

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Katalog zur Ausstellung

168 Seiten, farbig, ISBN 978-3-86104-136-8, 20.00 Euro

Die Thümmelschen Karten sind dem Katalog auf DVD beigelegt.

Das Buch ist ab 2. Oktober 2016 erhältlich.

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Aus dem Inhalt

Fünf Jahrzehnte nahm Hans Wilhelm von Thümmel (1744–1824) großen Anteil an der Politik und der Verwaltung seines Landes. Er prägte die Finanzverwaltung genauso wie die Außenpolitik, die Daseinsvorsorge und die kulturelle Entwicklung. Deshalb sollen in dieser Publikation sowohl die Person und ihr Umfeld als auch die historischen Ereignisse der Zeit Betrachtung finden.

Hans Wilhelm von Thümmel und seine Zeit

Der besseren Einordnung der Geschehnisse dient ein chronologischer Überblick, der Höhepunkte im Leben Thümmels mit der Geschichte des Herzogtums Sachsen-Gotha-Altenburg und Europas verbindet.

Das Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg (1672–1826)
Gothaer Zentralbehörden und die Verwaltung des Altenburger Landesteils

Eine Einführung in die Verwaltungsgeschichte des Landes gibt Doris Schilling. Dabei ist es weniger Ziel die komplizierte Teilungsgeschichte Thüringens zu vermitteln, als darzustellen, wie die Entscheidungsstrukturen innerhalb des Landes waren.

Hans Wilhelm von Thümmels Gesandtschaften

Schon früh gelangt Thümmel zu Reiseerfahrungen in Italien und Frankreich. Seine Kenntnisse der französischen Sprache sind ausgezeichnet. Das Vertrauen, das er bei den Herzögen genießt, prädestiniert ihn für komplizierte diplomatische Missionen. Frankfurt, Berlin, Warschau, Paris gehören zu den Orten, in denen er tätig wird. Außer offiziellen Berichten an seine Vorgesetzten hat sich für den neunmonatigen Parisaufenthalt ein Tagebuch erhalten. Dieses und ein Teil der Korrespondenz, auch in französischer Sprache, wurden durch Klaus Hofmann und Sabine Hofmann ausgewertet, um einen Überblick über Thümmels Gesandtschaften zu geben.

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Das Thümmelsche Kartenwerk
Landvermessung im Auftrag der Gothaer Herzöge

Mit der Entstehung des Thümmelschen Kartenwerkes beschäftigen sich zwei Beiträge. Gustav Wolf widmet sich der sogenannten Wagnerschen Karte, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Grundlage für alle späteren Vermessungen des östlichen Landesteiles bildete. Die heute im Thüringischen Landesamt für Vermessung und Geoinformation Zeulenroda verwahrten Urkatasterkarten boten noch viele Jahre nach ihrer Entstehung hervorragende Daten für die einzelnen Ortskataster. Für die Kriegsführung und die allgemeine Landvermessung jedoch reichten sie keineswegs aus. Deshalb waren die Karten, die Hans Wilhelm von Thümmel 1813 herausgab, ein wesentlicher Schritt in der Erschließung des Landes. Klaus Hofmann schildert in seinem Beitrag die Hintergründe der Entstehung des Kartenwerkes.

Thümmel als Architekt

Während seines Aufenthaltes in Italien lernte Thümmel die antike Baukunst und den darauf aufbauenden Stil Andrea Palladios kennen und schätzen. Schon bald übte er sich in Entwürfen für die Gothaer Herzogsfamilie, für öffentliche Bauten und für eigene Anwesen. Udo Hopf beschreibt in seinem Beitrag die Verdienste Wirken Thümmels als Architekt.

Thümmels Verdienste in Altenburg

Die Stadt Altenburg profitierte außerordentlich vom Wirken des Ministers. Die Zeitgenossen achteten vor allem den Zustand der Straßen. Franziska Engemann hat sich mit den Verdiensten Thümmels für den Altenburger Landesteil beschäftigt.

Hans Wilhelm von Thümmel in Altenburg und Nöbdenitz: Glanz und Extravaganz – Thümmels Feste

Marlene Hofmann untersucht in ausführlichen Beiträgen das gesellschaftliche Leben in Altenburg und Nöbdenitz. Sie umreißt die Rolle, die Thümmel zu Beginn des 19. Jahrhunderts einnahm und beschreibt, welche Anziehungskraft seine Salons für Zeitgenossen hatten. Die Verbindungen zum Musenhof der Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761–1821) kommen genauso zu Sprache wie die letzte Publikation Thümmels „Aphorismen, aus den Erfahrungen eines SiebenundSiebzigjährigen“. In einem weiteren Beitrag verweist Marlene Hofmann auf die besondere Begabung des Ministers Feste und Feierlichkeiten auszurichten.

Bildung im Grünen
Hans Wilhelm von Thümmel und seine Gärten

Aus England kommend, verbreitete sich im Europa des 18. Jahrhunderts eine ganz neue Gartenkultur. Christiane Nienhold legt in ihrem Beitrag nicht nur dar, wie sich die englischen Gärten ausbreiteten, sondern auch, wie und wo Thümmel die Ideen aufgreift und in eigene Projekte einfließen lässt.

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Der Mann unter der 1000-jährigen Eiche
Eine neue Grabkultur

Letztlich ist die 1000-jährige Eiche in Nöbdenitz Gegenstand einer historischen Betrachtung zur Grabkultur von Christiane Nienhold und Franziska Engemann. Bereits in seinen Gärten war Hans Wilhelm von Thümmel dem Leitspruch der Aufklärer zum „Zurück zur Natur“ (Jean-Jacques Rousseau) gefolgt. Das bedeutende Naturdenkmal in Nöbdenitz faszinierte ihn so sehr, dass er den Plan fasste, seine Bestattung genau dort, in den Wurzeln Eiche vornehmen zu lassen, um dereinst aus den Wipfeln auf die Erde blicken zu können.

Und diese knorrige Eiche soll 1000 Jahre alt sein?
Versuch der Altersbestimmung für die 1000-jährige Eiche von Nöbdenitz

Es gibt bis heute unterschiedliche und streitbare Aussagen zum Alter der Nöbdenitzer Eiche, die von 600 bis 1200 Jahren reichen. Matthias Schütze will deshalb in seinem Beitrag: „Und diese knorrige Eiche soll 1000 Jahre alt sein? – ein Versuch der Altersbestimmung historischer Großeichen“ seine Theorie der Altersbestimmung anhand von Wachstumskurven erläutern und so Ansätze für die Lösung der Frage nach der Datierung der Nöbdenitzer Eiche bieten.

 

Frag Thümmel! – Wir beantworten Fragen zur Ausstellung am #AskACurator-Tag

Frag Thümmel: AskACurator 2016 im Museum Burg Posterstein
Frag Thümmel: AskACurator 2016 im Museum Burg Posterstein

Über 1300 Museen aus 53 Ländern stellen sich morgen zum „Ask A Curator-Day“ (Frag einen Kurator-Tag) den Fragen interessierter Menschen aus aller Welt. Das Museum Burg Posterstein nimmt schon zum vierten Mal teil. Die Kuratoren der aktuellen Sonderausstellung „Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister“ stehen auf allen sozialen Kanälen des Museums – auf Twitter, Facebook und Instagram – und natürlich auch hier im Blog für Fragen bereit.

Warum eine Ausstellung über … Thümmel?

Alles darf gefragt werden, auch Fragen wie: Warum widmet das Museum Burg Posterstein gerade den Sachsen-Gotha-Altenburgischen Minister Thümmel eine Ausstellung? Wer entscheidet, wie die Ausstellung aufgebaut sein wird? Wer schreibt die Ausstellungstexte? Welche Ausstellungsstücke kannten die Museumsmitarbeiter vor Eröffnung der Ausstellung selber noch nicht? Und welches kam erst nach der Eröffnung noch dazu? Wie viele Besucher waren schon da und wie viele „Verwandte“ des Ministers Thümmel besuchten schon die Postersteiner Sonderausstellung?

Wen die Antworten jetzt schon interessieren, den wollen wir nicht warten lassen:

Warum widmet das Museum Burg Posterstein gerade den Sachsen-Gotha-Altenburgischen Minister Thümmel eine Ausstellung?

Die Thüringer Landesausstellung „Die Ernestiner – Eine Dynastie prägt Europa“ in Gotha und Weimar widmete sich den Ernestiner Herzögen. Das Museum Burg Posterstein liegt in Ostthüringen im Landkreis Altenburger Land und auch Altenburg war Residenz der Ernestiner Herzöge. Im Postersteiner Nachbarort Nöbdenitz besaß der Sachsen-Gotha-Atenburgische Minister Hans Wilhelm von Thümmel (1744-1824) ein Rittergut und wählte die 1000-jährige Eiche im Ort zu seiner Grabstätte. Von Nöbdenitz hatte er es nicht weit an den Musenhof der Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761-1821) in Löbichau, ein Forschungsschwerpunkt des Museums Burg Posterstein.

Wer entscheidet, wie die Ausstellung aufgebaut sein wird? Wer schreibt die Ausstellungstexte?

Im Fall der Thümmel-Ausstellung gab es ein Kuratorenteam, das den Aufbau der Ausstellung gemeinsam geplant hat. Der Vorteil eines kleinen Museums ist aber, dass alle gleichwertig ihre Meinung einbringen dürfen und dass auch spontane Änderungen und Umbauten noch möglich sind. Die Texte schreiben wir ebenfalls im Team.

Kam erst nach der Ausstellungseröffnung in eine Vitrine: Der Grundstein des Thümmelschen Palais in Altenburg.
Kam erst nach der Ausstellungseröffnung in eine Vitrine: Der Grundstein des Thümmelschen Palais in Altenburg.

Welche Ausstellungsstücke kannten die Museumsmitarbeiter vor Eröffnung der Ausstellung selber noch nicht? Und welches kam erst nach der Eröffnung noch dazu?
Hans Wilhelm von Thümmel wird bereits in der Dauerausstellung des Museums Burg Posterstein als herausragende Persönlichkeit der Region gewürdigt. Als wir begannen, uns noch intensiver als dem langjährigen Sachsen-Gotha-Altenburgischen Minister zu beschäftigten, tauchten auch noch uns bisher noch nicht bekannte Quellen und Bilder auf. Im Staatsarchiv Gotha schlummerte beispielsweise noch das Pariser Tagebuch Thümmels, das im Buch zur Ausstellung ausgewertet wird. In einer Privatsammlung gab es wunderschöne von Thümmel in Auftrag gegebene Nöbdenitz-Ansichten von Adrian Zingg, die Thümmels „Einsiedeley“ in seinem englischen Garten und seine Grabeiche zeigen – letzteres der Herzogin von Kurland gewidmet. Als die Ausstellung schon eröffnet war, brachte uns der heutige Besitzer des Thümmelschen Palais in Altenburg einen Grundstein von 1789, den er bei der Restaurierung gefunden hatte. Auch der Grundstein ist nun in der Ausstellung zu sehen.

Wie viele Besucher waren schon da und wie viele „Verwandte“ des Ministers Thümmel besuchten schon die Postersteiner Sonderausstellung?
Die Sonderausstellung sahen bisher rund 4000 Besucher aus ganz Deutschland. Sie läuft länger als die Thüringer Landesausstellung und ihre anderen Begleitausstellungen, nämlich noch bis 31. Oktober 2016. Bisher stellten sich an der Museumskasse schon vier Besucher als Verwandte oder Nachfahren Thümmels vor. Die Ausstellung als Anlass für ein Familientreffen?

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Hans Wilhelm von Thümmels Gesandtschaften: Paris

„Gern werde ich alles thun, was irgend noch zu thun ist, aber nur eins bitte ich, verschonen Sie mich mit Paris.“ (Hans Wilhelm von Thümmel)

Das beginnende 19. Jahrhundert brachte für fast alle europäischen Staaten, gleich welcher Größe, einschneidende Veränderungen. Der Siegeszug Napoleons stellte alles bisher da gewesene in Frage und stellte an die Staatsverwaltungen ganz neue Aufgaben.

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Carl August, Herzog zu Sachsen Weimar

Sowohl der Weimarer Herzog Carl August (1757–1828) als auch der Gotha–Altenburgische Herzog August (1772–1822) strebten während Napoleons Herrschaft in Europa eine Sicherung ihres souveränen Staatsgebietes an. Während ersterer durch vorsichtiges Abwägen der Interessen die Balance zwischen Napoleon (1769–1821) und seinem Schwager Zar Alexander I. (1777–1825) zu beachten hatte, war Herzog August ein uneingeschränkter Bewunderer des französischen Kaisers. Beide Herzogtümer verfolgten das Ziel, durch eine Rangerhöhung ihres Staates ihre Interessen abzusichern.

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August, Herzog von Sachsen Gotha und Altenburg

Die mit Napoleon verbündeten Staaten unterhielten nicht nur in zeitweiligen Residenzen des französischen Kaisers, wie Berlin, sondern vor allem in Paris Gesandtschaften. Dies ermöglichte Napoleon sowohl eine enge Kommunikation mit den Rheinbundstaaten, als auch deren bessere Kontrolle.

Thümmels Tagebuch der Pariser Zeit

Entgegen der oben zitierten Bitte an seinen Herzog blieb Thümmel die Reise nach Paris nicht erspart. Ob er sich tatsächlich gewehrt hat oder guter Beamtenpflicht gemäß den Auftrag unwidersprochen annahm, ist nicht überliefert.

Tatsächlich reiste der Minister Napoleon fast umgehend nach Paris hinterher, denn bereits 16 Tage nach Napoleons Aufenthalt in Gotha am 23. Juli 1807 findet sich der erste Eintrag in seinem Pariser Tagebuch.

Tagebuch des Herrn Ministers v. Thümmel während seiner Mission in Paris vom Monat August 1807 bis April 1808“ – so lautet der offizielle Titel. Das Tagebuch wird im Thüringischen Staatsarchiv Gotha verwahrt. Die Einträge beginnen am 8. August 1807 und enden am 3. Mai 1808.

 

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Hans Wilhelm von Thümmel, Kupferstich nach Joseph Grassi

 

Thümmels Ankunft in Paris

Am 8. August 1807 erreichte Hans Wilhelm von Thümmel also die französische Hauptstadt.

 

„Gestern kam ich in dieser merkwürdigen Stadt an, die schnelle Reise des Marschalls Bessieres nach Studtgart verhinderte mich, daß ich früher hier ankommen konnte, weil ich in verschiedenen Posten mehrere Stunden auf Pferde warten mußte.“

Audienz bei Napoleon

Am 10. August 1807 erhielt Thümmel eine Audienz bei Napoleon, wofür er sich gleich im Anschluss bei Talleyrand bedankte.

„Früh 5 ½ Uhr ging ich sogleich nach St. Cloud, der Ceremonien Meister Segur weist mich an den Cammerherrn des Dienstes. Nachdem alle Diensthabenden beym Kayser gewesen waren, wurde der Prinz von Nassau u. Weilburg präsentiert, précise 7. Uhr auch ich. Ich übergab meinen Brief in einer Privat Audienz, er nahm ihn freundlich auf, fragte nach dem Herzog, und entließ mich durch ein Zeichen, das er gab. Ich habe hierauf auf Anweisung des Marg. Segur eine Karte an die erste Hofdame Rochefoucault geschickt, und schreibe ihr auch noch heute ein Billet, um Audi­enz bey der Kayserin zu erhalten. Ich habe den Kayser sehr wohl aussehend gefunden, aber man sieht in seinem Gesicht, dass er mit großen Dingen umgeht, und dass ihn viele Arbeit drücken mag.“

 Ausführlich werden Thümmels Gesandtschaften in Frankfurt am Main, Dänemark und Berlin, sowie in Paris und Erfurt in Beiträgen im Buch zur Sonderausstellung vorgstellt.

 

Das Buch zur Ausstellung

Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister.

Für das Herzogtum Sachsen-Gotha und Altenburg leistete Hans Wilhelm von Thümmel Großes – zu seinen wichtigsten Verdiensten zählt sicherlich die Vermessung und Kartierung des Herzogtums. Das von Thümmel in Auftrag gegebene Kartenwerk von 1813 wird ausführlich vorgestellt. Weitere Verdienste erwarb sich Thümmel durch die Gründung der Kammerleihbank und die Förderung des Straßenbaus in seinem Herzogtum. Der Bau des ersten Altenburger Krankenhauses wurde von Thümmel initiiert. Es galt am Ende des 18. Jahrhunderts als europäischer Musterbau. Inspiriert von seiner Liebe zu aufklärerisch geprägten Landschaftsgärten und Architektur, verhalf Thümmel den neuen Gärten hierzulande zum Durchbruch. Als Minister im Ruhestand brachte er hunderte kleine, heute noch gültige Lebensweisheiten als Aphorismen zu Papier. Zur Grabstätte wählte er sich die 1000-jährige Eiche in Nöbdenitz, die man heute noch bestaunen kann.

Die Sonderausstellung und die Publikation geben einen so bisher nicht vorliegenden, umfassenden Überblick zu Thümmels Person. Die Thümmelschen Karten werden auf DVD erstmals einem breitem Publikum zugänglich gemacht.

Der Termin der Buchpräsentation wird auf unserer Webseite bekanntgegeben.

Die Sonderausstellung im Museum Burg Posterstein ist noch bis zum 31. Oktober 2016 zu sehen.

noch mehr im Blog:

Mit Baron von Thümmel durch Nöbdenitz: Gut besuchte Wanderung des Museums Burg Posterstein

Im Dienste der Ernestiner – Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister

Romantically minded minister of Saxe-Gotha-Altenburg burried under a 1000 year old oak
Die Weisheiten eines langjährigen Ernestiner Staatsmannes – als Glückskeks
Hans Wilhelm von Thümmel – der Mann unter der 1000-jährigen Eiche
Die 1000-jährige Eiche in Nöbdenitz

Mit Baron von Thümmel durch Nöbdenitz: Gut besuchte Wanderung des Museums Burg Posterstein

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Ralph-Uwe Heinz alias Hans Wilhelm von Thümmel

Nachdem er die mächtige, hohle Eiche von Nöbdenitz nach einem Gewittersturm 1819 der Pfarrgemeinde abgekauft hatte, richtete sich der Sachsen-Gotha-Altenburgische Geheime Rat und Minister Hans Wilhelm von Thümmel (1744–1824) dort häuslich ein. Er ließ im Inneren des Baumes Moosbänke für sechs Personen aufstellen, brachte in der Eiche kleine, sinnreiche Sprüche zu Papier oder lud Gäste zum Frühstück ein. Für einen Moment ließ der Gothaer Schauspieler Ralph-Uwe Heinz am vergangenen Sonntag (21. August 2016) den Minister wieder auferstehen. Auf einer Wanderung auf Thümmels Spuren führten er und Klaus Hofmann, Direktor des Museums Burg Posterstein, über 40 Interessierte durch den Ort.

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40 Interessierte lassen sich durch Nöbdenitz führen.

  

Von der Eiche ging es rückwärts durch Thümmels Lebensgeschichte zur Kirche, in der Thümmel einst heiratete, und zum Rittergut, von dem nur noch das Alte Schloss (heute Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Oberes Sprottental) und wenige Gebäude erhalten sind. Das Familiengrab der Rittergutsfamilien, Thümmels englischer Park und die darin aufgestellte „Einsiedeley“ gibt es heute nicht mehr. Mit historischen Ansichten, Zitaten und Fakten wurde am authentischen Ort die Geschichte zum Leben erweckt. Zwischen den Teichen des Ritterguts servierte der Ortsverschönerungsverein Nöbdenitz Erfrischungen, man kam ins Gespräch und ins Fachsimpeln über die Ortsgeschichte und das Alter der 1000-jährigen Eiche.

 

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Von der 1000-jährigen Eiche ging es zur Kirche.
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Das alte Herrenhaus ist heute Sitz der Verwaltung.

Thümmel alias Ralph-Uwe Heinz, der in Gotha auch Stadtführungen zur Thüringer Landesausstellung über die Dynastie der Ernestiner gibt, lobte die Postersteiner Sonderausstellung „Im Dienste der Ernestiner – Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister“ sehr. Mit wenig Geld würde hier eine Ausstellung von hoher Qualität gezeigt.

„Ich habe vieles über mich erfahren, was ich vorher selbst noch nicht wusste“, streute der Thümmel-Darsteller mit Augenzwinkern ein und zitierte hier und da einen von Thümmels sinnreichen Aphorismen: „Der Mensch setzt gern seinen Mitmenschen nach dem Tode ein Denkmal – und setzt es oft nur Schein und Wort-Tugenden. In Erz gegossen, in Marmor gehauen, oder in die kurze Ewigkeit eines Sandsteins gegraben, enthalten alle solche Denkschriften nur eine unumstößliche Wahrheit: Hier liegt N. N.s Hülle und soll wieder zu Erde werden.“

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Hans Wilhelm von Thümmel begrüßt die Gäste vor „seiner Eiche“.


Mit seinem auch für den damaligen Geschmack im Geist der Aufklärungszeit außergewöhnlichen Grabmal hat sich Hans Wilhelm von Thümmel wahrlich ein bleibendes Denkmal gesetzt. Man kann die 1000-jährige Eiche in Nöbdenitz besichtigen. In der Postersteiner Sonderausstellung, die bis 31. Oktober läuft, kann man digital auch ins Innere des hohlen Baumes blicken. Die Postersteiner Begleitausstellung zur Thüringer Landesausstellung wurde den Gästen der Thümmelwanderung im Anschluss in einer Sonderführung präsentiert.

Die Ausstellung im Überblick

Hans Wilhelm von Thümmel (1744–1824) stieg am Hof der Ernestiner Herzöge in Gotha zwischen 1760 und 1804 vom Pagen zum Minister auf. Ab 1783 lebte er vorwiegend in Altenburg. Darüber hinaus besaß er Rittergüter in Nöbdenitz und Untschen. In seiner Funktion als Präsident der Altenburger Kammer und Vorsitzender des Obersteuerkollegiums brachte er viele wichtige Projekte voran, darunter die Vermessung und Kartierung des Altenburger Landesteils, den Bau eines modernen Krankenhauses und mehrerer Armenhäuser und den Ausbau der Straßen. Die Sonderausstellung „Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister“ ist – länger als die Landesausstellung – bis 31. Oktober 2016 im Museum Burg Posterstein zu sehen.

Plakat zur Sonderausstellung 2016
Plakat zur Sonderausstellung 2016

Zum Weiterlesen im Blog:

Fast so viele Holländer wie Nöbdenitzer besuchten bisher die Postersteiner Ernestiner-AusstellungIm Dienste der Ernestiner – Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum MinisterDie Weisheiten eines langjährigen Ernestiner Staatsmannes – als GlückskeksBlogpost: Hans Wilhelm von Thümmel – der Mann unter der 1000-jährigen Eiche
Die 1000-jährige Eiche in Nöbdenitz
Weitere Infos zum Musenhof Löbichau

Weitere Infos zur Thüringer Landesausstellung 2016

Fast so viele Holländer wie Nöbdenitzer besuchten bisher die Postersteiner Ernestiner-Ausstellung

Die Postersteiner Begleitausstellung zur Thüringer Landesausstellung läuft noch bis 31. Oktober 2016.
Die Postersteiner Begleitausstellung zur Thüringer Landesausstellung läuft noch bis 31. Oktober 2016.

Seit drei Wochen läuft eine Besucherbefragung im Museum Burg Posterstein und in dieser Zeit sahen Gäste aus zehn verschiedenen Ländern die Burg und die aktuelle Sonderausstellung „Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister“, die an die Thüringer Landesausstellung anknüpft. Die Landesausstellung läuft noch bis 28. August in Gotha und Weimar mit Begleitausstellungen in Altenburg, Saalfeld und Posterstein. Die Postersteiner Schau läuft noch bis 31. Oktober – über 2000 Besucher sahen sie bisher.

Das Gros der Besucher kam aus Mitteldeutschland – zwischen Erfurt, Leipzig, Zwickau und Hof. Die Geraer führen derzeit die Statistik mit über 80 Besuchern an, dicht gefolgt von den Altenburgern. Aber auch Touristen aus beispielsweise Berlin, Magdeburg, Dresden, Darmstadt und München sahen sich Burg und Ausstellungen an. Internationale Besucher reisten aus Holland, Dänemark, Schweden, Norwegen, England, Irland, den USA, Kanada und Guyana in Südamerika an. Die weiteste Strecke legten Touristen aus dem kanadischen Calgary zurück, was 7.604,13 Kilometer Luftlinie vom Postersteiner Burgturm entfernt liegt.

Die Herkunftsorte der Besucher spielen für die Öffentlichkeitsarbeit des Museums eine entscheidende Rolle. Sie sind aber auch eine nützliche Grundlage bei den derzeit laufenden Verhandlungen um eine mögliche Tourismusinformation Süd des Altenburger Landes im Museum Burg Posterstein, wie es das Projekt „Gemeinsam nicht einsam – Neues Leben auf dem Lande“ des Fördervereins Burgberg Posterstein e.V. vorsieht. Dafür müsste der fehlende Nordflügel der Burg wiederaufgebaut und in diesem Zusammenhang könnte ein barrierefreier Zugang ins Museum geschaffen werden.

Plakat zur Sonderausstellung 2016
Plakat zur Sonderausstellung 2016
Ein Minister der Ernestiner in Altenburg und Nöbdenitz: Hans Wilhelm von Thümmel

Hans Wilhelm von Thümmel (1744–1824) stieg am Hof der Ernestiner Herzöge in Gotha zwischen 1760 und 1805 vom Pagen zum Minister auf. In seiner Funktion als Präsident der Altenburger Kammer und Vorsitzender des Obersteuerkollegiums brachte er viele wichtige Projekte voran, darunter die Vermessung und Kartierung des Altenburger Landesteils, den Bau eines modernen Krankenhauses und mehrerer Armenhäuser und den Ausbau der Straßen. Nach seinem Rücktritt aus den Staatsdiensten verbrachte er viel Zeit auf seinen Rittergütern in Nöbdenitz und Untschen und als Gast am Musenhof Löbichau.

Kommende Termine:

21. August, 10 Uhr, Nöbdenitz: Geführte Wanderung auf Thümmels Spuren

21. August, 14 Uhr, Burg Posterstein: Führung durch die Sonderausstellung

Preis für geführte Wanderung: 10 € für Erwachsene. Die Karte gilt auch für einen Museumsbesuch. Reservierungen werden unter (034496) 22595 bzw. museum@burg-posterstein.de entgegengenommen.

von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

 

Alle Infos zur Thüringer Landesausstellung 2016

24. April – 28. August 2016

„Die Ernestiner – eine Dynastie prägt Europa“
Neues Museum Weimar
Stadtschloss Weimar
Schloss Friedenstein Gotha
Herzogliches Museum Gotha
Zum Blog der Klassikstiftung Weimar

 

Begleitausstellungen:

24. April – 28. August 2016

»Ein ebenso schöner, wie geistreicher Mann…«
Bernhard August von Lindenau im Dienste der Wettiner
Lindenau-Museum Altenburg
www.lindenau-museum.de

 

23. April – 25. September 2016

»Von Saalfeld nach Windsor«
Johann Ernst, Herzog zu Sachsen-Saalfeld, und Europas Königshäuser
Stadtmuseum Saalfeld im Franziskanerkloster
Mehr im Blog: Von Saalfeld nach Windsor: Ernestiner-Begleitausstellungen im Portrait

 

26. Juni – 31. Oktober 2016

Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister
Museum Burg Posterstein

Weitere Blogposts zu #Ernestiner2016

Durch das historische Nöbdenitz auf den Spuren eines Ernestiner Ministers

Das ehemalige Schloss Nöbdenitz - hierhin zog sich Hans Wilhelm von Thümmel im Alter zurück.
Das ehemalige Schloss Nöbdenitz – hierhin zog sich Hans Wilhelm von Thümmel im Alter zurück.

Hans Wilhelm von Thümmel (1744–1824) stieg am Hof der Ernestiner Herzöge in Gotha zwischen 1760 und 1804 vom Pagen zum Minister auf. In seiner Funktion als Präsident der Altenburger Kammer und Vorsitzender des Obersteuerkollegiums brachte er viele wichtige Projekte voran, darunter die Vermessung und Kartierung des Altenburger Landesteils, den Bau eines modernen Krankenhauses und mehrerer Armenhäuser und den Ausbau der Straßen. Nach seinem Rücktritt aus den Staatsdiensten verbrachte er Zeit als zuvor auf seinen Rittergütern in Nöbdenitz und Untschen. Die Sonderausstellung „Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister“ ist bis 31. Oktober 2016 im Museum Burg Posterstein zu sehen.

Zum Frühstück in der 1000-jährigen Eiche

Die ungewöhnliche Grabstätte Hans Wilhelm von Thümmels im Postersteiner Nachbarort Nöbdenitz.
1000-jährige Eiche: Die ungewöhnliche Grabstätte Hans Wilhelm von Thümmels im Postersteiner Nachbarort Nöbdenitz.
Bei einem Gewittersturm im Juli 1819 stürzte die Hauptkrone der 1000-jährigen Eiche in Nöbdenitz auf ein Kellerhaus des Pfarrhofs. Der damalige Pfarrer M. Beatus Friedrich Glasewald notierte den Vorfall in einem Kirchenbuch und erwähnte dabei auch, dass der hohle Baum „des zu befürchtenden Schadens halber an die Meistbietenden“ verkauft und „von dem Herrn Geheimer Rat von Thümmel in Besitz“ genommen sei.

Laut vielfältigen, zeitgenössischen Berichten mochte Thümmel den Baum sehr und nutzte ihn als Ort zum Ausruhen, Nachdenken, Dichten, aber auch für kleine Gesellschaften. Der Schriftsteller Friedrich Förster (1791–1868), Schulfreund von Thümmels Sohn und mitgenommen nach Nöbdenitz und Löbichau, schrieb in seinen Jugenderinnerungen:

„Hier wurde das Frühstück in dem inneren Raume einer tausendjährigen Eiche, deren Stamm hohl geworden war, eingenommen. Der Minister hatte hier einen runden Marmortisch und Moosbänke für zehn Personen […] aufstellen lassen.“

Heute kann die Eiche aus Rücksicht auf das Naturdenkmal nur noch von außen besichtigt werden. In der Postersteiner Sonderausstellung erlaubt ein Touchpad jedoch einen Rundumblick ins Innere des hohlen Baumes.

21. August, 10 Uhr, Nöbdenitz: Geführte Wanderung auf Thümmels Spuren

Das herrschaftliche Erbbegräbnis der Familien Rothkirch und Trach, Thümmel und Wietersheim wurde zu DDR-Zeiten abgerissen.
Das herrschaftliche Erbbegräbnis der Familien Rothkirch und Trach, Thümmel und Wietersheim wurde zu DDR-Zeiten abgerissen.
Hans Wilhelm von Thümmel wurde im März 1824 wunschgemäß in den Wurzeln der 1000-jährigen Eiche begraben. Zu seinem Nöbdenitzer Rittergut gehörten aber auch das Mausoleum der Familien Thümmel, Rothkirch und Trach und Wietersheim, ein idyllischer englischer Garten und ein altes und ein neues Schloss. Man segelte auf dem Teich oder spazierte zur „Einsiedeley“ im schattischen Nöbdenitzer Wald. Auf einer geführten Wanderung folgen der Gothaer Schauspieler Ralph-Uwe Heinz und Museumschef Klaus Hofmann Thümmels Spuren. Treffpunkt: 1000-jährige Eiche. Im Anschluss:

21. August, 14 Uhr, Burg Posterstein: Führung durch die Sonderausstellung

Nach einer Mittagspause, die man wahlweise für eine Wanderung auf dem Sprotte-Erlebnispfad nach Posterstein oder ein Mittagessen nutzen kann, gibt es im Museum Burg Posterstein eine Führung durch die Sonderausstellung, die an die Wanderung durch Nöbdenitz anknüpft.

Preis für geführte Wanderung: 10 € für Erwachsene. Die Karte gilt auch für einen Museumsbesuch. Reservierungen werden unter (034496) 22595 bzw. museum@burg-posterstein.de entgegengenommen.

von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

 

Alle Infos zur Thüringer Landesausstellung 2016

24. April – 28. August 2016

„Die Ernestiner – eine Dynastie prägt Europa“
Neues Museum Weimar
Stadtschloss Weimar
Schloss Friedenstein Gotha
Herzogliches Museum Gotha
Zum Blog der Klassikstiftung Weimar

 

Begleitausstellungen:

24. April – 28. August 2016

»Ein ebenso schöner, wie geistreicher Mann…«
Bernhard August von Lindenau im Dienste der Wettiner
Lindenau-Museum Altenburg
www.lindenau-museum.de

 

23. April – 25. September 2016

»Von Saalfeld nach Windsor«
Johann Ernst, Herzog zu Sachsen-Saalfeld, und Europas Königshäuser
Stadtmuseum Saalfeld im Franziskanerkloster
Mehr im Blog: Von Saalfeld nach Windsor: Ernestiner-Begleitausstellungen im Portrait

 

26. Juni – 31. Oktober 2016

Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister
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