#Kinderburg: Was nutzten die Ritter als Klopapier?

Die dreijährige Bree wollte von uns Burggeistern wissen, was die Ritter als Klopapier benutzt haben. Das ist eine spannende Frage!

Papier gibt es in Europa erst seit rund 1000 Jahren, Ritter gab es schon eher. Auch später war Papier viel zu teuer, um sich damit den Hintern abzuwischen. Vor allem in der Natur fanden die Menschen Ersatz.

Was nutzten Ritter statt Klopapier? (Bild: Museum Burg Posterstein)
Was nutzten Ritter statt Klopapier? (Bild: Museum Burg Posterstein)

Natürlich hatten die Ritter im Mittelalter noch kein Klopapier, wie wir es heute benutzen. Richtiges Papier gibt es in Europa erst seit dem 11. Jahrhundert. Händler brachten es aus Asien nach Europa und es war sehr teuer. Daher hat man es natürlich nur zum Schreiben und nicht für das Klo benutzt.

Allerdings wollte auch der mittelalterliche Ritter seinen Hintern mit weichen Materialien säubern. Reichere Menschen benutzten alte Lumpen, manchmal auch Schafwolle, zum Abwischen.

Die Meisten griffen zu Materialien aus der Natur: Am beliebtesten waren Blätter. Die konnte man jeden Tag frisch von den Bäumen pflücken, sodass sie nicht trocken und bröselig wurden. Allerdings musste sich der Ritter im Winter, wenn es keine Blätter an den Bäumen gab, etwas anderes einfallen lassen.

Kratziges Stroh kam dafür in Frage. Alternativ konnte der Ritter Moos benutzen. Auch das war ganz weich und bröselt nicht, wenn es trocken ist. Im Herbst konnte sich die Burgbesatzung daher einen großen Vorrat an getrocknetem Moos für den Winter anlegen.

Noch heute nutzen nicht alle Menschen auf der Welt Klopapier. Fließendes Wasser, Sand und pflanzliche Materialien wie Maisstroh kommen in manchen Gegenden statt Klopapier zum Einsatz.

#Kinderburg: Hatten Ritter eine Schule?

Hatten Ritter eine Schule? fragte Celine (9 Jahre) die Postersteiner Burggeister Posti und Stein. Hier kommt ihre Antwort:

Nein, eine richtige Schule, so wie heute, hatten die Ritter nicht. Kinder im Mittelalter lernten vor allem dadurch, dass sie den Erwachsenen zusahen und ihnen bei der Arbeit halfen. Lesen und Schreiben konnten die wenigsten. Jungen konnten Ritter werden oder im Kloster zum Mönch oder Pfarrer ausgebildet werden. Mädchen lernten den Haushalt einer Burg zu verwalten und wurden früh verheiratet.

Zwar gibt es schon seit fast 700 Jahren öffentliche Schulen. Aber die waren nur wenigen zugänglich. Die Kinder aus ärmeren Häusern hatten oft nicht genug Geld oder nicht genug Zeit, diese zu besuchen. Für die Kinder eines Ritters gab es mehr Bildungsmöglichkeiten als für die Kinder eines Bauern. Aber eine große Auswahl an Berufen, die sie später ausüben konnten, hatten auch Ritter nicht. Die Jungs wurden selbst zu Rittern oder sie wurden in ein Kloster geschickt und wurden später Mönch oder Pfarrer.

So sah die Schule der Ritter eher nicht aus... (Illustration: Museum Burg Posterstein).
So sah die Schule der Ritter eher nicht aus… (Illustration: Museum Burg Posterstein).
In Klöstern gab es tatsächlich Schulen. Geistliche mussten Lesen und Schreiben können! Sie lernten dort die lateinische Sprache. Manche sogar Griechisch. In Klosterschulen ging es sehr streng zu. Die Jungen durften nicht miteinander reden oder gar zusammen spielen. Wenn sie sich wuschen oder auf die Toilette mussten, war immer ein Aufpasser in der Nähe. Der Tagesablauf war streng geregelt: Vom Aufstehen bis zum Schlafen. Es gab feste Essenszeiten und einen strengen Speiseplan.

14 Jahre fern von zu Hause

Die Jungs, die selbst Ritter werden sollten, wurden auf eine andere Burg zur Ausbildung geschickt. Dort mussten sie dann einige „Lehrstufen“, so etwas wie Klassenstufen, durchlaufen. Mit sieben Jahren wurden sie „Page“. Sie dienten dem Burgherrn, lernten mit Pferden umzugehen und sie zu versorgen, gingen mit auf die Jagd, übten Bogenschießen und bekamen auch Musik- und Tanzunterricht. Page war man sieben Jahre lang.

Die Ausbildung zum Ritter absolvierten Jungen oft auf einer anderen Burg.
Die Ausbildung zum Ritter absolvierten Jungen oft auf einer anderen Burg.
Mit 14 Jahren wurden die Jungen dann zum „Knappen“ befördert. Wer stark und mutig war, begleitete seinen Ritter mit auf Turniere oder in den Kampf, half seinem Herrn beim Anziehen der Rüstung. Fiel der Ritter einmal vom Pferd, musste der Knappe ihm aufhelfen. Er wich ihm sozusagen nicht mehr von der Seite. Doch da der Knappe selber keine Rüstung trug und dennoch an den Kämpfen teilnahm, war das eine sehr gefährliche Aufgabe.
Mit 21 Jahren wurde der Knappe, wenn er sich bewährt hatte, schließlich mit der „Schwertleite“ zum Ritter geschlagen. Nun erst erhielt er sein eigenes Schwert. Und manchmal sah er auch erst zu diesem Zeitpunkt seine Eltern wieder. Nach 14 Jahren! In dieser langen Zeit hatte er auf einer fremden Burg alles gelernt, was er für den Kampf brauchte. Und natürlich trainierte er für den Ernstfall oder die Teilnahme an einem Turnier immer fleißig weiter!

Mit 12 Jahren verheiratet

Bei den Mädchen war es etwas anders. Den Frauen gehörte das Heim. Sie kümmerten sich um die Ordnung, um die Küche, die Dienstboten und Diener und natürlich um die Kinder.

Die Mädchen wurden von der Burgherrin in häuslichen Dingen unterrichtet. Im Spinnen und Sticken, im Malen, Tanzen und Singen, aber auch im Lesen oder Rechnen. War nämlich der Burgherr nicht zu Hause, musste seine Frau die Burg verwalten. Das musste sie natürlich früh erlernen, denn die Kindheit war im Mittelalter nicht sehr lang.

Mit sieben Jahren entschieden die Eltern, was ihre Kinder einmal tun sollten. Sie kamen auf die Klosterschule oder wurden zur Ritterausbildung auf eine andere Burg geschickt. Mit zwölf Jahren wurden die Mädchen oft schon verheiratet. Die Jungen galten mit 14 Jahren als erwachsen.

Erst vor ungefähr 100 Jahren setzte sich in ganz Deutschland die sogenannte „Schulpflicht“ durch. Seitdem müssen alle Kinder eine Schule besuchen.

Buchtipp zum Weiterlesen:
Viele Fragen rund ums Leben auf einer mittelalterlichen Burg beantwortet das Buch „Ritter und Burgen“ aus der Reihe „Frag doch mal die Maus“, erschienen 2006 im CBJ Verlag. Im Buch geht es unter anderem um die Fragen: „Wie wurde man Ritter?“, „Warum stehen so viele Burgen so hoch oben?“ und „Was machten die Ritter im Winter?“

#Kinderburg: Was spielten Prinzessinnen?

Mit was haben Prinzesso gespielt? fragte die 5-jährige Frieda unsere Burggespenster Posti und Stein. Hier bekommt ihr die Antwort:

Natürlich hatten die Prinzessinnen im Mittelalter und auch später in der Zeit der Salondamen auch Spielzeuge. Bei den Mädchen waren schon immer Puppen sehr beliebt. Für die Arbeit in der Puppenküche gab es kleine Töpfe und Gefäße. Auch das Ballspielen war schon damals beliebt.

Diese Puppe ist zum Beispiel rund 250 Jahre alt. Findest du sie in der Ausstellung auf Burg Posterstein?
Diese Puppe ist zum Beispiel rund 250 Jahre alt. Findest du sie in der Ausstellung auf Burg Posterstein?
Die Puppen sahen zwar nicht ganz so aus wie du sie heute aus dem Spielzeugladen oder von zu Hause kennst, aber zum Spielen eigneten sie sich sehr gut. Diese Puppe ist zum Beispiel rund 250 Jahre alt. Ihr Gesicht ist aus Porzellan und sie trägt ein schönes Rokokokleid. Um den Hals hängt eine feine Perlenkette und große Schleifen zieren den weißen Stoff. Nur ihre Perücke fehlt. Vor 250 Jahren war es nämlich modern, Perücken und große Kleider zu tragen. Die Puppe war also modisch gekleidet.
Was du auf dem Bild nicht sehen kannst: Die Puppendame trägt unter dem weißen Oberkleid sogar einen Reifrock und ganze drei Unterröcke! Dadurch fällt das Kleid so schön weit. Und sie trägt tatsächlich Absatzschuhe! Sie hat all das an, was eine Prinzessin auch im wahren Leben tragen musste und auch getragen hat.

Die Jungs hatten wohl ihre eigene Spielzeug-Rüstkammer mit Holzschwertern oder sie nahmen zum spielerischen Turnierkampf einfach Stöcke. Als Spielzeug diente alles, was es in der Natur zu finden gab: Nüsse und Früchte, Eier und Steine. Und selbst das kleine Zähl-Spiel: „Sie liebt mich, sie liebt mich nicht“ war schon im Mittelalter bekannt und bei Erwachsenen so beliebt wie bei Kindern.

Sie liebt mich, sie liebt mich nicht

Gemeinsam spielten die Kinder Verstecken und Fangen, sie hatten Murmeln aus Ton oder Holz und Kreisel, die sie mit einer Peitsche über alle Fußböden in und um die Burg tanzen ließen. Gemeinsame Tänze wurden sehr gern aufgeführt und die Musik durfte nicht fehlen.

Besonders beliebt war schon vor über 800 Jahren das Ballspiel. Bälle wurden gekullert, geworfen und mit Schlägern durch die Luft gewirbelt. Fußball und Baseball kannten die Prinzessinnen noch nicht, aber in manchen alten Schriften, Liedern und Gedichten kann man fast das Gefühl bekommen, die Prinzessinnen beherrschten schon im Mittelalter diese heute so beliebten Spiele!

Die Prinzessinnen der Salonzeit spielten natürlich auch gern mit dem Ball. Sie musizierten und tanzten. Auch Bücher waren vor 200 Jahren ein beliebter Zeitvertreib. Ein Spiel, das du sicherlich auch kennst und vielleicht gern spielst, war „Blinde Kuh“. Die Prinzessinnen erdachten sich sogar neue Regeln dafür und auch für die Erwachsenen war es ein schöner Zeitvertreib.

Buchtipp zum Weiterlesen:
Für ältere Kinder und Erwachsene empfehlen wir das Buch „Wie wäscht man ein Kettenhemd?“, herausgegeben von Dr. Stefan Lang, Kreisarchiv Göppingen. Darin beantworten Historiker Schülerfragen wie beispielsweise „Warum heißt es das ‚Finstere Mittelalter‘?, Warum rostete eine Ritterrüstung nicht? und eben auch „Was spielten die Kinder in der Stauferzeit und gab es schon Fußball?“

#Kinderburg: Gab es auch Tiere auf einer Burg?

Jonathan (4 Jahre) möchte wissen, ob es auch Tiere auf einer Burg gab. Burggespenst Posti und Drache Stein von der Burg Posterstein antworten:

Ja, tatsächlich lebten ganz viele Tiere auf einer Burg. Die Burg war ein sicherer Ort und die Ritter wollten auf ihre Tiere gut aufpassen – besonders auf ihre wertvollen Pferde. Denn ein Ritter ohne Pferd war kein echter Ritter.

Tatsächlich kommt das Wort „Ritter“ ursprünglich vom Wort „Reiter“. Denn die ersten Ritter waren bewaffnete Reiter. Daher waren Pferde sehr wichtig. Der „Rossknecht“ (Ross = Pferd) kümmerte sich um die Tiere.

Das Wort Ritter kommt von Reiter. Sein Pferd war einem Ritter besonders wichtig.
Das Wort Ritter kommt von Reiter. Sein Pferd war einem Ritter besonders wichtig.

Neben den Pferden gab es auch Hühner und Gänse auf einer Burg. Die landeten meist im Kochtopf oder endeten als Braten beim Ritterschmaus. Natürlich nutzten die Mägde und Knechte, also die Diener des Ritters, die Eier der Hühner, um leckere Speisen zu bereiten.

Katzen leben ebenfalls auf einer Burg. Sie sollten Mäuse fangen. Hunde nahm man mit auf die Jagd. In manchen Burgen gab es auch eine Falknerei. Dort richtete man Falken für die Jagd ab.

Es lebten also ganz viele Tiere auf einer Burg. Die kleinsten waren übrigens Flöhe und Läuse. Weil sich die Menschen im Mittelalter nur selten richtig wuschen, nisteten sich die kleinen Tiere gern in den langen Haaren ein…

#Kinderburg: Warum glaubten die Ritter an Geister?

Der 6-jährige Sean möchte wissen, warum Ritter an Geister glaubten. Die Postersteiner Burggeister Posti und Stein wagten sich auch an dieses große und schwierige Thema:

Den Glauben an Geister gibt es wohl schon so lange, wie es die Menschen gibt. Passieren Dinge, die sich ein Mensch nicht leicht erklären kann, macht er übernatürliche Mächte dafür verantwortlich: Götter, Geister, Dämonen oder andere Gestalten. So war das bei den Rittern im mittelalterlichen Europa auch.

Burg Posterstein im Nebel: Früher erklärten sich die Menschen solche Naturereignisse oft mit Aberglaube.
Burg Posterstein im Nebel: Früher erklärten sich die Menschen solche Naturereignisse oft mit Aberglaube.
Stell dir eine Burg im Winter vor: Der Wind pfeift durch die alten Mauern, es ist kalt und dunkel – und nur eine Kerze erleuchtet die Dunkelheit. War das eine Maus, die da geraschelt hat? Kein Wunder, dass früher viele Menschen an Gespenster glaubten. Solche Geister konnten einen guten oder einen schlechten Charakter haben. Sie brachten Glück oder Unglück.

Die mittelalterlichen Ritter in Europa waren alle Christen. Sie glaubten, wie viele Christen auch heute noch, an Gott, den Himmel, aber auch an die Hölle. Geister finden durchaus in diesem Glauben Platz. Ein guter Geist war für die Ritter der „Heilige Geist“, der von Gott kam. Böse Geister hingegen schickte der Teufel. Diese nannte man im Allgemeinen „Dämonen“.

Schon die Vorfahren der Ritter glaubten an Gespenster. Es gibt viele Naturereignisse, die wir heute mit moderner Wissenschaft erklären können. Die Ritter hatten diese Möglichkeiten nicht und ihre Bildung bezog sich vor allem auf das Wissen, das sie im Alltag brauchten.

Gespenster erklärten sich die Ritter durch „Aberglaube“. Das heißt so viel wie „Irrglaube“. Mit dem Wort „Glaube“ ist dagegen die Lehre der christlichen Kirche gemeint, der es nicht gefiel, wenn die Menschen durch Glücksbringer oder Rituale versuchten, Geister zu vertreiben. Schließlich sollten sich die Ritter und alle Christen für ihr Wohlbefinden an Gott wenden.

Aberglaube gibt es übrigens auch heute noch. Wenn du zum Beispiel drei Mal auf einen Tisch oder ein Stück Holz klopfst, um etwas Schlechtes abzuwehren, dann ist das Aberglaube. Oder wenn du ein Glückskuscheltier hast, das dir bei schweren Aufgaben hilft und Glück bringt, dann ist das auch Aberglaube. Und wir wissen doch alle, manchmal hilft uns der Gedanke an solche Glücksbringer auch, nicht wahr?

Und manche „gute Geister“ wie uns, die Burggeister Posti und Stein, gibt es ja schließlich auch!

#Kinderburg: Wie pinkelt ein Ritter mit Rüstung?

An einer Rüstung gab es spezielle Beintaschen (siehe Pfeil).

„Wie pinkelt ein Ritter mit Rüstung?“, will Moritz (8 Jahre) wissen. Burggespenst Posti und der Drache Stein antworten:

Eine Ritterrüstung war sehr schwer und bestand aus vielen verschiedenen Teilen. Alleine konnte ein Ritter die nicht an- oder ausziehen. Musste er einmal pinkeln, konnte er die sogenannten „Beintaschen“ öffnen und sein Geschäft verrichten. Kurz vor einem Kampf war dafür aber keine Zeit. Da hat er sich einfach in die Hose gemacht.

An einer Rüstung gab es spezielle Beintaschen (siehe Pfeil).
An einer Rüstung gab es spezielle Beintaschen (siehe Pfeil).
Eine Ritterrüstung ist ziemlich groß und sehr schwer. Sie wog ungefähr 30 Kilo und ein Ritter konnte sie alleine gar nicht an- oder ausziehen. Er brauchte dazu die Hilfe seiner Knappen. Stück für Stück legten diese ihrem Herrn Wams, Kettenhemd, Brust- und Rückenpanzer, Beinröhre, Handschuhe und viele andere Teile an. Das Ankleiden konnte eine ganze Stunde dauern. Das Ausziehen natürlich auch.

Musste ein Ritter einmal aufs Klo, musste er sich das früh überlegen. War die Rüstung angelegt, hatte er kaum eine Möglichkeit, sein „Geschäft“ zu verrichten.

Saß der Ritter auf seinem Pferd oder zog er in den Kampf war oft kein Klo (im Mittelalter gab es ja auch nur „Plumpsklos“) in der Nähe. Er konnte sich also nur einen Baum, einen Busch oder die freie Natur zum Pinkeln aussuchen.

Zum Glück gab es zwischen dem Brustpanzer und dem Beinschutz der Rüstung die „Beintaschen“. Diese waren so weit offen, das der Ritter nur noch seine Hose öffnen musste und sein kleines Geschäft verrichten konnte. Allerdings war das mit den gepanzerten Handschuhen und der sperrigen Rüstung gar nicht so einfach. Da brauchte auch der Ritter ganz schön viel Geduld.

Kurz vor einer Schlacht war für so etwas aber keine Zeit. Schließlich konnte ein Ritter kaum alleine auf sein Pferd steigen, wenn er die schwere Rüstung trug. Da konnte er auch nicht einmal schnell hinter einem Busch verschwinden. Er pinkelte sich dann einfach in die Hose.

Blog-Serie „Kinderburg“: Die Burggeister Posti und Stein beantworten Eure Fragen. Mehr dazu.

#Kinderburg: Wie schwer war die Ritterrüstung?

Jeremy (11 Jahre) und Jannes (5 Jahre) wollen wissen, wie schwer eine Ritterrüstung war. Burggespenst Posti und Drache Stein antworten:

So eine Ritterrüstung war ziemlich schwer. Sie bestand aus sehr vielen einzelnen Teilen und wog insgesamt etwa 30 Kilogramm – also etwa so viel wie drei Eimer Wasser! Allein ein Helm wog so viel wie vier Milchkartons (vier Kilogramm). Ein Kettenhemd konnte sogar 15 bis 20 Kilogramm auf die Waage bringen, so viel wie ein Kindergartenkind. Und im Laufe der Zeit wurden die Ritterrüstungen immer schwerer.

Seit rund 500 Jahren gibt es keine „richtigen“ Ritter in Rüstung mehr. Das lag auch daran, dass die Rüstungen der Ritter immer dicker werden mussten, um den neuen Waffen trotzen zu können. Denn gegen eine Armbrust zum Beispiel hatte eine „normale“ Rüstung keine Chance.

Helme und Rüstung in der Burg Posterstein.
Helme und Rüstung in der Burg Posterstein.

Es kam die Zeit, da mussten die Ritter in Rüstung mit einem kleinen Kran auf ihr Pferd gehoben werden und sich im Sattel sogar festbinden, damit sie nicht herunterfallen konnten. Dadurch konnten sie aber nicht mehr richtig kämpfen und wurden für ihre eigentliche Aufgabe, den Kampf, ungeeignet.

Das war natürlich nur ein Grund, warum es heute keine Ritter zu Pferd und mit Rüstung mehr gibt.

Heute kann man diese Art Ritter nur noch auf Mittelaltermärkten sehen. Das sind aber geübte Schauspieler, die zur Freude der Besucher ein Turnier nachstellen. Trotzdem tragen auch diese Ritter noch richtige Rüstungen, die auch noch heute genauso schwer sind wie damals im Mittelalter.

#Kinderburg: Darf eine Prinzessin mal ganz schmutzig nach Hause kommen?

Die 5-jährige Pauline möchte wissen, ob sich eine Prinzessin auch mal schmutzig machen durfte. Unser Burggespenst Posti und der Drache Stein antworten:

Ritter und Burgfräulein im Mittelalter badeten nur selten und waren deshalb immer etwas schmutzig unterwegs. Beim Spielen sollten die Prinzessinnen sich aber nicht dreckig machen, weil sie eher Arbeiten im Haus erlernen sollten. Auch bei den Salondamen um 1800 sollten sich die Kinder gut benehmen. Ein „Dreckspatz“ war aber bestimmt jede Prinzessin einmal. Wie heute gab es dann bestimmt Ärger von den Eltern.

Im Mittelalter ging es nicht ganz so sauber zu wie heute, besonders was den eigenen Körper anging. Die Ritter wussten noch nichts von Bakterien und Viren, die Krankheiten übertragen. Sie wussten auch nicht, dass man manche Krankheiten durch Waschen und Sauberkeit einschränken kann. Ein richtiges Vollbad zu nehmen, war für Ritter und Burgfräulein mit viel Aufwand verbunden. Eimer voller Wasser mussten vom Brunnen in die Burg getragen werden. Das kalte Brunnenwasser wurde dann lange über einem Feuer erwärmt. Dann erst konnte der Ritter baden. Das tat er natürlich nicht jeden Tag. Daher waren die Burgherren und –damen immer etwas schmutziger unterwegs als wir heute. Und die Prinzessinnen auch.

Durfte sich eine Prinzessin wie diese hier auch mal schmutzig machen? Das will Pauline (5 Jahre) wissen und hat gleich eine Prinzessin gezeichnet.
Durfte sich eine Prinzessin wie diese hier auch mal schmutzig machen? Das will Pauline (5 Jahre) wissen und hat gleich eine Prinzessin gezeichnet.

Dass sich die Kinder – vor allem die Mädchen – beim Spielen richtig dreckig machten, war in der Zeit der Ritter nicht gern gesehen. Sport war eher eine Sache für die Jungen, die sich als zukünftige Ritter im Kampf üben sollten. Reiten mussten auch die Mädchen lernen. Aber sonst unterrichtete die Burgherrin sie vor allem in häuslichen Dingen: Im Spinnen und Sticken, aber auch im Lesen oder Rechnen. War der Burgherr nicht zu Hause, musste nämlich seine Frau die Burg verwalten. Das sollten die Prinzessinnen früh lernen. Denn oft wurden die Mädchen schon mit 12 oder 14 Jahren verheiratet. Die Kindheit im Mittelalter war leider nicht sehr lang.

Dennoch blieb auch Zeit für Spaß und Albernheiten. Die Mädchen haben bei vielen Spielen wie „Fangen“ oder Ballspielen mitgemacht. Wir wissen doch alle, dass beim ausgelassenen Tollen gern einmal eine Pfütze im Weg ist. Wenn man dann ganz nass und schmutzig nach Hause kommt, schimpfen die Eltern auch mal. Heute wie auch im Mittelalter.

… Und die Salonprinzessinnen?

Auch bei den Salondamen vor rund 200 Jahren sollten die Prinzessinnen nicht schmutzig nach Hause kommen. Besonders die älteren Kinder sollten sich gut benehmen. Die Mädchen mussten sich früh an die Rolle als spätere Hausfrau und Mutter gewöhnen und strengere Benimmregeln einhalten als die Jungen.

Zeit für Spaß und Spiel blieb allerdings immer noch und so manche Prinzessin kam wohl einmal mit schmutzigen Kleidern nach Hause. Dann war ihre Mutter höchstwahrscheinlich ärgerlich, denn Kleider waren teuer und eine Waschmaschine gab es auch noch nicht.

#Kinderburg: Wo haben die Ritter geschlafen?

In so einem Bett könnte ein Ritter geschlafen haben.

„Wo haben die Ritter geschlafen?“, fragt Jonathan (4 Jahre). Burggespenst Posti und der Drache Stein antworten:

Die Ritter in einer Burg haben in der „Kemenate“ geschlafen. Dieser Raum war das Wohn- und Schlafzimmer. Als einziger Raum in der Burg hatte die Kemenate einen Kamin, der den Ritter und seine Familie wärmen konnte. Dort stand ein Bett, in dem der Ritter, seine Frau und seine Kinder gemeinsam schliefen.

In so einem Bett könnte ein Ritter geschlafen haben.
In so einem Bett könnte ein Ritter geschlafen haben.
In so einem Bett könnte ein Ritter geschlafen haben.[/caption]In der Burg Posterstein gibt es heute leider kein Ritterbett mehr zu sehen. Weil die Burg nach dem Mittelalter oft umgebaut wurde, lassen sich in ihr sehr viele Kamine finden. Nicht nur einer.

Aber vor 800 Jahren, als die Burg noch neu gebaut war, gab es nur ein beheizbares Zimmer: Die „Kemenate“. Dieser seltsame Name stammt aus der lateinischen Sprache. Dort heißt das Wort „caminus“ so viel wie Kamin oder Ofen, den es in der Kemenate eben gab. Trotzdem war es im Winter sehr kalt. Mit Wandteppichen und Vorhängen versuchte man den Raum wärmer und schöner zu gestalten.

Die Kemenate diente als Wohnzimmer und als Schlafzimmer. In dem dortigen Bett schliefen der Ritter, seine Frau und alle ihre Kinder zusammen. Am Tag war das Zimmer das Reich der Burgdamen.

Wie genau das Ritterbett in der Burg Posterstein vor 800 Jahren ausgesehen hat, wissen wir leider nicht. Aber später war es groß, aus Holz gebaut und sehr hoch, damit die Ritterfamilie nicht so nah am kalten Boden liegen musste.

Nicht alle Ritter hatten ein eigenes Bett

Aber nicht alle Ritter haben überhaupt auf einer Burg gewohnt. Viele lebten bei den Bauern in den Dörfern. Dort hatte man oft Bettkisten, Schlafnischen und Strohmatten, auf denen man schlief. Der Mittelpunkt eines Hauses war auch dort der Ofen, der als Kochstelle diente und um den sich alle schlafenlegten. Auch in den Dörfern schlief die ganze Familie gemeinsam in den Betten. Manchmal teilte man sich diese Ruhestätte nicht nur mit der Familie, mit den Mägden und Knechten, sondern auch mit den Tieren. Denn viele Menschen und Tiere in einem Raum erzeugen mehr Wärme!

Wer ein richtiges Schlafzimmer besaß, war ein reicher Mann. Und in manchen Burgen und Schlössern schliefen sogar die Knechte neben dem Bett ihres Herrn in Bettkisten.

Den bequemsten Schlafort in der ganzen Burg Posterstein haben aber wir Geister. Wir schlafen am liebsten im Dach des Turmstübchens, wohin niemand klettern kann. Hier ist es ruhig und friedlich und wir haben immer eine tolle Aussicht!

Blog-Serie „Kinderburg“: Die Burggeister Posti und Stein beantworten Eure Fragen. Mehr dazu.