Krakau – vier Tage intensiv Geschichte erleben

Jedes Jahr begibt sich der Förderverein des Museums auf Bildungsfahrt.

Diesmal unternahmen wir vom 11. bis 14. August 2016 eine Exkursion in die geschichtsträchtige Stadt Krakau in Südpolen. Auf dem Hin- und Rückweg wurde die Zeit nicht nutzlos im Bus verbracht, sondern auch an diesen eigentlichen Reisetagen gab es sehenswerte Ziele, die angefahren und besichtigt wurden.

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Das Schloss von König Kasimir dem Großen

Das Schloss von König Kasimir dem Großen

Das erste Ziel war Schloss Pieskowa Skala, etwa 25 Kilometer nordöstlich von Krakau. Auf weißem Fels erhebt sich ein wunderschön restauriertes helles Schloss. Im 16. Jahrhundert war die vorhandene Burg in ein Renaissanceschloss umgebaut worden. Herrliche Arkaden – und das sollten nicht sie einzigen sein, die auf dieser Reise zu besichtigen waren – umfassen einen weiten Hof.

Krakau – bis 1596 Hauptstadt des Königreichs Polen

Einen Tag lang widmete sich die Reisegruppe der Stadt Krakau, einer Stadt, wie man sie kaum erwartet hat. Der alte Stadtkern noch wunderbar erhalten. An der Weichsel gelegen, erhebt sich auf einer Anhöhe der Wawel, das alte Königsschloss.

Im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört, hat die Stadt doch einige Überfälle von Mongolen oder Türken erleben müssen. Einige Stadtbrände kamen hinzu. Und zu Zeiten des kommunistischen Regimes wurde die Stadt sehr vernachlässigt. Umso erstaunlicher ist es, wie herrlich die Stadt heute renoviert ist, zumindest die Altstadt.Trotz ihres Alters ist die Stadt jung, jung durch die zahlreichen Studenten, die hier leben.

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Der Wawel (Residenz der Könige von Polen) und die alte Stadt waren umgeben von Festungsanlagen und Wassergräben, die heute einen Grüngürtel von 4 Kilometern Länge bilden.

 

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Papst Paul II. war Bischof von Krakau – sein Bild ist überall in der Stadt zu sehen
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Der Markt mit den Tuchhallen ist riesig.
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Die Marienkirche ist ein Schatz, und der größte Schatz darin ist der Marienaltar von Veit Stoß. Im Czartoryski-Museum gibt es sogar einen Da Vinci zu bewundern: Die Dame mit dem Hermelin.

Die Schwarze Madonna von Częstochowa

Wer gedacht hatte, am dritten Tag dem Menschengewühl einer vielbesuchten Stadt zu entkommen, hatte sich gewaltig getäuscht. Von wegen stille Einkehr in einem Kloster.

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Doch nicht in Tschenstochau! Pilger über Pilger, Busse über Busse, Autos über Autos. Alle wollen die schwarze Madonna sehen. An ihr wird man schnell vorbeigeschleust. Pracht und Prunk an allen Orten, was man gar nicht richtig fassen kann.

Gut, dass es wieder zurück ins doch „ruhigere“ Krakau geht. Ruhig ist vielleicht nicht das richtige Wort, denn bis in die späte Nacht hinein, wandeln hier Menschen – Kind und Kegel – auf dem Markt und in den Straßen. Was gibt’s Schöneres, als dann abends in einem Jazz-Keller unterzuschlüpfen.

Residenz der Herzöge von Brieg

Am vierten Tag, auf der Rückfahrt gab es ebenfalls ein Schloss zu besichtigen, das Schloss in Brieg, in dem man so vieles über die Geschichte der Piasten erfahren kann.

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Besonders eindrucksvoll ist das Renaissanceportal am Eingang zum Schloss. Das Überraschendste aber war der Taufstein im Schlossmuseum, an dem Kurt Masur, der 1927 in Brieg geboren, getauft worden war.

Ein Beitrag von Monika Diedrich.

 

Von Saalfeld nach Windsor: Ernestiner-Begleitausstellungen im Portrait

Die Thüringer Landesausstellung widmet sich 2016 unter dem Titel „Die Ernestiner – Eine Dynastie prägt Europa“ der Geschichte der bekannten Thüringer Monarchendynastie. Die Hauptausstellung findet in Weimar und Gotha statt und es gibt Begleitausstellungen im Lindenau-Museum Altenburg, im Museum Burg Posterstein und im Stadtmuseum Saalfeld. In den nächsten Wochen wollen wir hier im Blog die einzelnen Ausstellungen vorstellen. Den Anfang macht das Stadtmuseum Saalfeld mit einem Blogpost von Museumsdirektor Dr. Dirk Henning:

Johann Ernst, Herzog zu Sachsen-Saalfeld, und Europas Königshäuser

Herzog Johann Ernst von Sachsen-Saalfeld (Bild: Stadtmuseum Saalfeld)
Herzog Johann Ernst von Sachsen-Saalfeld (Bild: Stadtmuseum Saalfeld)

Die Thüringische Landesausstellung „Die Ernestiner. Eine Dynastie prägt Europa“ würdigt in den Ausstellungen in Gotha und Weimar ein Fürstenhaus, dem bedeutende Persönlichkeiten entstammten und das durch seinen Einsatz für die Reformation, durch reges kulturelles Engagement und nicht zuletzt durch geschickte Heiratspolitik weit über Thüringens Grenzen hinaus Bedeutung gewann. Tatsächlich können sich bis heute zahlreiche Monarchen in ganz Europa direkt oder indirekt auf eine gemeinsame Herkunft berufen. Die „Wiege“ all dieser gekrönten Häupter aber stand einst in Saalfeld: Ihr Stammvater war Johann Ernst, von 1680 bis 1729 der erste Regent des Herzogtums Sachsen-Saalfeld.

Flyer zur Sonderausstelung "Von Saalfeld nach Windsor" (Stadtmuseum Saalfeld)
Flyer zur Sonderausstelung „Von Saalfeld nach Windsor“ (Stadtmuseum Saalfeld)
Unter dem Titel „Von Saalfeld nach Windsor – Johann Ernst, Herzog zu Sachsen-Saalfeld, und Europas Königshäuser“ widmet das Stadtmuseum Saalfeld diesem Umstand eine eigene Sonderausstellung, die sich als Begleitschau zu den „Ernestinern“ versteht. Sie ist noch bis zum 25. September 2016 zu sehen. Die Ausstellung thematisiert die Familienverbindungen zwischen Saalfeld und den europäischen Dynastien vorrangig anhand von Eigenbeständen des Stadtmuseums, zeigt jedoch auch besondere Leihgaben, so ein einzigartiges Wappenglas von Johann Ernst, das 1680 anlässlich der Vermählung des Herzogs entstand.

Vortrag und Führung am Originalschauplatz

Begleitend zur Sonderschau ist eine Broschüre erhältlich, die der Geschichts- und Museumsverein Saalfeld e.V. ermöglicht hat.

Darüber hinaus lädt das Landratsamt Saalfeld-Rudolstadt in Kooperation mit dem Museum am Samstag, 10. September 2016, um 18 Uhr, zu einem Vortrag mit anschließender Führungen am Originalschauplatz ein – im Saalfelder Residenzschloss, das von Johann Ernst erbaut wurde und heute Sitz des Landratsamtes ist.

Von Dr. Dirk Henning / Stadtmuseum Saalfeld

Die Landesausstellung – Überblick

24. April – 28. August 2016
„Die Ernestiner – eine Dynastie prägt Europa“
Neues Museum Weimar
Stadtschloss Weimar
Schloss Friedenstein Gotha
Herzogliches Museum Gotha

24. April – 28. August 2016
»Ein ebenso schöner, wie geistreicher Mann…«
Bernhard August von Lindenau im Dienste der Wettiner
Lindenau-Museum Altenburg

23. April – 25. September 2016
Von Saalfeld nach Windsor – Johann Ernst,
Herzog zu Sachsen-Saalfeld, und Europas Königshäuser
Stadtmuseum Saalfeld im Franziskanerkloster

26. Juni – 31. Oktober 2016
Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister
Museum Burg Posterstein

#zoomMW: Die Geschichte vom Laptop aus dem 17. Jahrhundert

LogoMW_PostersteinDerzeit tobt die internationale #MuseumWeek weltweit auf Twitter und natürlich auch im Blog auf Burg Posterstein. Tagesthema: #zoomMW. Museumsmitarbeiterin Franziska Engemann nimmt ein für damalige Verhältnisse klein und handliches Objekt unserer Sammlung unter die Lupe – praktisch die Vorstufe von Smartphone und Laptop.

Wie arbeitete man im 17. Jahrhundert von unterwegs?
Wie arbeitete man im 17. Jahrhundert von unterwegs?
Mobiles Banking, das Schreiben von Nachrichten und E-Mails oder das Posten von Bilder zu jeder Zeit und an jedem Ort ist aus unserer heutigen Gesellschaft kaum wegzudenken. Im Zug, im Bus, in der Straßenbahn, überall sind wir erreichbar und wollen es auch sein. Die Schreibarbeit wird
einfach unterwegs via Laptop, Smartphone oder Tablet verrichtet. Der modernen Technik sei Dank.

Doch weit gefehlt! Denn der Mensch war schon lange vor Handy und Notebook in der Lage, mobil Geschäfte zu erledigen und Nachrichten, damals noch „Briefe“ genannt, zu schreiben.

Seltener, nicht ganz digitaler Vorreiter des Smartphones

Einer dieser sehr seltenen, (nicht ganz) digitalen Vorreiter kann im Museum Burg Posterstein bewundert werden: ein sogenanntes „Reisebureau“ aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Es handelt sich dabei um eine Reisetruhe mit Tragegriffen, beschlagen mit geprägtem Messingblech und Eisenbändern. Sein Inneres besteht aus zwei Etagen mit fünf bzw. acht Schubkästen. In diesen unterschiedlich großen Fächern konnten alle benötigten Schreibutensilien wie Papier, Feder und Tinte sicher aufbewahrt werden. So war das Schreibwerkzeug auch auf Reisen immer greifbar und eine nach unten klappbare Schreibunterlage machte das Verfassen von Dokumenten und Berichten auch in der freien Natur möglich. Und das alles ohne Steckdose oder leeren Akku.

Detail des Reisebureaus auf Burg Posterstein.
Das Reisebureau auf Burg Posterstein.

Solche „Reisebureaus“ waren nicht nur bei Juristen auf Dienstreisen beliebt, sondern gehörten auch zur Ausstattung adliger Sprösslinge auf der sogenannten „Kavalierstour“, einer Bildungsreise durch Europa.

Detail des Reisebureaus auf Burg Posterstein.
Detail des Reisebureaus auf Burg Posterstein.

Und wer glaubt, dass zumindest die individuelle Gestaltung seines mobilen Computers jeglicher Art durch Hüllen, Patches und gemalte Bilder eine Erfindung der Moderne ist, muss ein zweites Mal enttäuscht werden. Zwei sehr schöne Stiche zieren auch unseren Laptop des 17. Jahrhunderts.

Von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

#architectureMW: Entwicklung der Burg Posterstein von der Wehrburg zum Wohnschloss

LogoMW_PostersteinTagesthema der weltweiten #MuseumWeek auf Twitter und in anderen sozialen Netzwerken ist das Thema Architektur, Hashtag #architectureMW. Im Blog des Museum Burg Postersteins möchten wir die MuseumWeek wie schon im letzten Jahr täglich begleiten. Weil die Burg das wichtigste Ausstellungsstücks des Museums ist, soll sich dieser Blogpost ganz um deren Baugeschichte drehen.

Skizze des Grundrisses der Burg Posterstein (Museum Burg Posterstein)
Skizze des Grundrisses der Burg Posterstein (Museum Burg Posterstein)

Die Baugeschichte der Burg Posterstein ist Ausdruck der Bedürfnisse und Möglichkeiten der jeweiligen Besitzer. Während zunächst die Wehrhaftigkeit im Vordergrund stand, waren es spätestens seit dem 16. Jahrhundert der Drang nach Wohnlichkeit und Repräsentanz, die immer wieder zu Umbauten an der Burganlage führten.

Die Bergspornburg mit Ringmauer, Halsgraben und Zugbrücke

Auf strategisch günstigem Gelände, hoch über der Sprotte und nach zwei Seiten steil abfallend, wurde die Burg in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts angelegt. Mittelpunkt der Anlage war der Bergfried mit seinen drei Meter starken Mauern. Geschützt wurde die Burganlage durch eine starke Ringmauer und einen Halsgraben mit Zugbrücke am flachen Zugang der Burg. Das mittelalterliche Verlies der Burg befand sich im unteren Teil des Bergfriedes, 6,50 Meter tief aus dem Fels heraus gehauen. Der Zugang führte über das heute noch zu besichtigende Gefängnis in Höhe des Kleinen Burghofes in die Tiefe.

Ansicht der Burg Posterstein im 17. Jahrhundert (Museum Burg Posterstein)
Ansicht der Burg Posterstein im 17. Jahrhundert (Museum Burg Posterstein)

Ein Schloss mit roten Echquaderungen entsteht

Im 15. Jahrhundert begann man schrittweise mit der Überbauung der Ringmauer. Ein heute noch vorhandener Treppenturm sowie eine durch einen Schrank verdeckte Treppe im Gerichtsraum der Burg dienten bis zur Überbauung der Innenhöfe im 17. Jahrhundert als Aufgang in die beiden Gebäudeflügel. Im 16. Jahrhundert veränderte sich das äußere Bild der Burg Posterstein durch die Gestaltung der Fassade mit weißem Putz und roten Eckquaderungen. In dieser Zeit entstand auch der Erker an der Westseite der Burg mit seinen vierfach übereinander gewölbten Konsolen.

Ansicht der Burg Posterstein aus dem 19. Jahrhundert (Museum Burg Posterstein)
Ansicht der Burg Posterstein aus dem 19. Jahrhundert (Museum Burg Posterstein)

Das Obergeschoss in seiner heutigen Gestalt ist Resultat der Bautätigkeit des späten 17. Jahrhunderts. Georg Dietrich von Pflugk ließ sich 1684 vom Herzog von Gotha-Altenburg zusätzliche Baufronen genehmigen, um sein im Krieg stark in Mitleidenschaft gezogenes Schloss zu rekonstruieren. Das alte Obergeschoss wurde abgetragen und als verputzter Fachwerkbau neu errichtet. Durch Überbauung der Innenhöfe entstand der heutige repräsentative Treppenaufgang. Die Türme versah man mit achteckigen Hauben, die steinerne Brücke wurde erbaut, und man betrat das Schloss nun durch ein neu errichtetes Portal. Die Gestaltung der Fassade mit Kreuzstockfenstern beendeten den Umbau zum Wohnschloss.

Im 17. Jahrhundert wurde der Umbau der Burg Posterstein zum Wohnschloss vollendet. Ansicht aus dem 19. Jahrhundert. (Museum Burg Posterstein)
Im 17. Jahrhundert wurde der Umbau der Burg Posterstein zum Wohnschloss vollendet. Ansicht aus dem 19. Jahrhundert. (Museum Burg Posterstein)

Im 18. Jahrhundert begann man mit dem Umbau des Nordflügels, dessen wichtigste Aufgabe darin bestand, den großen Festsaal aufzunehmen. Die Wohnräume wurden letztmalig renoviert und erhielten eine textile Wandbespannung. Ende der 1880er Jahre und 1937 folgten Instandsetzungsarbeiten an der Burganlage.

Nach der Gründung des Museums 1952 ging man an die Sicherung der Bausubstanz, ohne jedoch eine konstruktive Beseitigung der Bauschäden vorzunehmen. Dies führte im Laufe der folgenden Jahre zu einem fortschreitenden baulichen Verfall und letztlich 1977 zur Sperrung der Anlage für die Öffentlichkeit. 1981 bis 1991 wurde die Burg umfassend restauriert.

Von Klaus Hofmann / Museum Burg Posterstein

Zum Weiterlesen:
Aus der Geschichte der Burg Posterstein
Der fehlende Nordflügel der Burg Posterstein: Siehe Punkt 13

Skandinavische Kobolde auch in Deutschland: Der Nis Puk im deutsch-dänischen Grenzland

Neulich twitterten wir mal wieder über die dänischen Kobolde, die im Rahmen der weihnachtlichen Sonderausstellung „Mit Nisse und Julbock: Skandinavische Weihnachtsbräuche und Weihnachtskrippen aus aller Welt“ in die Burg eingezogen sind. Die Historikerin Verena Schmidtke, die aus Schleswig-Holstein stammt und über dortige Geschichte bloggt, wies uns darauf hin, dass es im dänisch-deutschen Grenzland auch einen Kobold gibt: Nis Puk. In diesem Gastbeitrag stellt sie ihn uns näher vor – und wir danken herzlich für die wunderbare Ergänzung!

Gastbeitrag von Verena Schmidtke

Der Kobold in Schleswig-Holstein heißt Nis Puk (Foto: Verena Schmidtke).
Der Kobold in Schleswig-Holstein heißt Nis Puk (Foto: Verena Schmidtke).

Auf Burg Posterstein sind zurzeit „Skandinavische Kobolde“ zu Besuch. Die Nisse, Tomte und Fjøsnisse trifft man aber nicht nur in Dänemark, Schweden und Norwegen, sondern auch im deutsch-dänischen Grenzland (Sønderjylland). Nicht verwunderlich, wenn man sich bewusst macht, dass der gesamte Landesteil Schleswig einmal zu Dänemark gehörte. Allerdings kennen die wenigsten Menschen dort noch die alten Sagen um den Nisse.

In dieser Region, die reich an Sagen ist, heißen die Kobolde übrigens Nis Puk (oder Puck). Der Name „Puk“ könnte eventuell aus dem Plattdeutschen „Pogg“ (Frosch, bzw. Kröte) entstanden sein, wahrscheinlicher ist die Herleitung aus dem skandinavisch-baltischen Raum, wo im Volksglauben vielerlei Puke und Pukis vertreten sind. In Finnland trägt der Weihnachtsmann schließlich den Namen Joulupukki.

Rote Mützen machen unsichtbar

Für die Menschen ist der Kobold dank seiner roten Mütze unsichtbar. Wie seine Kollegen, die Nisse und Tomte, kümmert sich Nis Puk im günstigen Fall um das Wohlergehen des Hofes, auf dem er lebt. Dafür fordert er nur eine Schüssel Grütze mit einem Klumpen Butter. Besonders am Weihnachtsabend legt der Puk großen Wert auf diese Gabe, wie eine Sage aus Stevning (in der dänischen Sønderborg Kommune gelegen) zu berichten weiß.

Nis Puk im Bücherregal (Foto: Verna Schmidtke)
Nis Puk im Bücherregal (Foto: Verna Schmidtke)

Er soll sogar bei der Namensgebung einiger Orte mitgewirkt haben. Eine Sage berichtet nämlich, wie der düstere Doktor Faust mit einem Nis mit einem gläsernen Schiff durch Flensburger Förde segelte. Faust wollte die Untiefen vermessen und Seekarten zeichnen. Doch das Wetter war stürmisch, der Doktor bekam furchtbare Angst und rief seinem Gehilfen zu: „Hol‘ Nis!“ damit dieser die Segel einholte. Seitdem heißt die Halbinsel, wo beinahe das Unglück geschah „Holnis“.

„Im grauen Röcklein nickt der Puk“

In Owschlag, nicht weit von Eckernförde, versorgte der „Nisebuck“ des Nachts die Pferde und das andere Vieh mit Hafer. Wenn die Knechte zu der Zeit nach den Tieren sehen wollten, bekamen sie rechts und links Ohrfeigen. Die Mägde auf diesem Hof mussten kein Wasser holen oder Besen binden, das erledigte alles der Puk. Sollten die Hofbewohner den Kobold allerdings schlecht behandeln, wandelt sich dieser in einen schlimmen Plagegeist, der allerhand Streiche spielt und sogar Unglück bringt.

Rote Mützen sollen unsichtbar machen... (Foto: Verena Schmidtle)
Rote Mützen sollen unsichtbar machen… (Foto: Verena Schmidtle)

In Stapelholm (Kreis Schleswig-Flensburg) soll ein Hausherr den Nis nicht mit Grütze versorgt und sogar Jagd auf ihn gemacht haben. Da rächte sich der Kobold mit so viel Schabernack und Unruhe, dass der Bauer den Hof nicht mehr bewirtschaften konnte und sehr günstig verkaufen musste. Die Käufer allerdings wussten um die Bedürfnisse des Nis Puk und boten ihm süße Grütze an, woraufhin der Spuk aufhörte und alle Bewohner des Hofes friedlich miteinander lebten. Ab und an, so wird erzählt, soll der kleine Kerl sogar mit in der guten Stube am Ofen gesessen haben.

Selbst in die Literatur hat der Nis Puk seinen Weg gefunden. So schreibt Theodor Storm in der zweiten Strophe des Gedichts „Sommermittag“:
[…]
Die Bienen summen so verschlafen;
Und in der offnen Bodenluk,
Benebelt von dem Duft des Heues,
Im grauen Röcklein nickt der Puk.
[…]

Literatur und Links:
Gundula Hubrich-Messow (Hrsg.), Sagen und Märchen aus Eckernförde, Husum 1991.
Gundula Hubrich-Messow (Hrsg.), Sagen und Märchen aus Flensburg, Husum 1992.
Silja Kahl, Nis Puk. Leben und Sage. Husum 2003.
Nissens historie

Ganz viele Bilder weihnachtlicher Kobolde gibt es in dieser Pinterest-Galerie.

Von Verena Schmidtke

Weitere Artikel zu weihnachtlichen Themen in unserem Blog:
Skandinavische Kobolde zu Besuch auf Burg Posterstein
Zu Thorvaldsens Weihnachtsfeier gab es den ersten Weihnachtskobold
Magische Nächte zwischen Weihnachten und Dreikönigstag – Weihnachten im Mittelalter
Mit Christuskind, Hirten, Ochs und Esel: Aus der Geschichte der Weihnachtskrippen

Wie eine Himmelsleiter mit Engeln besetzt: Kleine Reise in die Geschichte von Schloss Tannenfeld

Weil sie als Frau selbst keine rechtsfähigen Geschäfte abschließen durfte, kaufte 1794 der Bruder der Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761–1821), Reichsgraf Christoph Johann Friedrich (Jeannot) von Medem (1763–1838), für sie die Gutsherrschaft Löbichau, zu der auch Tannenfeld gehörte. Ein Jahr später richtete die Herzogin in Löbichau ihren Wohnsitz ein und ließ in Tannenfeld den heute noch stehenden klassizistischen Schlossbau mit englischem Park errichten. Anlässlich der kommenden Sonderausstellung „Salongeschichten“ wollen wir zu einer kleinen Reise in die Geschichte Tannenfelds einladen.

Schloss Tannenfeld im Sommer 2011
Schloss Tannenfeld im Sommer 2011 (Foto: Marlene Hofmann)

In dieser idyllischen Anlage wuchs ihre jüngste Tochter Dorothée auf. Als Pächter von Tannenfeld trat der polnische Graf Alexander von Batowski (1760–1841) auf, den die Herzogin Anna Dorothea von Kurland 1790–92 kennengelernt hatte, wo er Abgeordneter des polnischen Sejms war. 1793 kam ihre jüngste Tochter Dorothée zur Welt, die ihr Mann Peter von Biron, Herzog von Kurland (1724–1800), als eigenes Kind anerkannte. Dorothées Heiratsverhandlungen mit Zar Alexander I. und dem Haus Talleyrand führte später Batowski.

Dichter, Denker und Musen spazierten im Park von Tannenfeld

In dem kleinen Schloss spielte sich auch ein Großteil des gesellschaftlichen Lebens des Löbichauer Musenhofs ab. Emilie von Binzer, die als Pflegetochter Wilhelmine von Sagans oft nach Löbichau kam, fing in ihrem Buch „Drei Sommer in Löbichau“das Flair solcher Zusammenkünfte im malerischen Park von Tannenfeld ein: „Das Schlößchen Tannenfeld hatte eine Freitreppe, die oft wie eine Himmelsleiter von weiblichen und männlichen Engeln besetzt war. Dort wurde gelacht, gescherzt, gefühlvoll gesprochen, philosophirt und gefrühstückt.“

Schloss Tannenfeld (Ansichtskarte, Museum Burg Posterstein)
Schloss Tannenfeld (Ansichtskarte, Museum Burg Posterstein)

Auch Johann Wolfgang von Goethe berichtet über einen Besuch in Tannenfeld. Der im 19. Jahrhundert berühmte Dichter Jean Paul (1763–1825) hielt hier Lesungen im Freien. Anna Dorothea von Kurland empfing in ihrem Musenhof in Löbichau einen illustren Kreis von Gästen aus Politik, Literatur, Kunst, Musik und Wissenschaft. Die bedeutendsten Politiker ihrer Zeit traf sie persönlich und erlangte dadurch einen ganz speziellen Anteil an der Gestaltung europäischer Geschichte.

Der Tannenfelder Park, den die Herzogin von Kurland und Graf Batowski im englischen Stil gestalteten, ist in seinen Grundzügen noch heute erhalten. Zu Zeiten der Herzogin gab es einen Bachlauf, sandige Wege, einen kleinen Teich mit Grotte und eine Wiese, die zum Gedenken an den 1800 verstorbenen Herzog von Kurland „Peterswiese“ hieß.

Die Gäste des Musenhofs in Tiergestalt

Das Buch "Salongeschichten" erscheint zur Ausstellung
Das Buch „Salongeschichten“ erscheint zur Ausstellung
Die Besucher verbrachten manchmal Wochen am Musenhof Löbichau. Adlige und Bürgerliche aus dem Umland kamen zu Besuch. Man dichtete und musizierte und die Herzogin legte Wert darauf, als Mäzenin aufstrebende Künstler zu fördern. In der neuen Sonderausstellung „Salongeschichten“ und dem zugehörigen Buch zeigt das Museum Burg Posterstein ab 16. August 2015 erstmalig eine einmalige Sammlung von Portraits der Löbichauer Gäste in Gestalt von wunderlichen, manchmal witzigen Fabelwesen. Gezeichnet hat die Blätter der Maler Ernst Welker (1784/88–1857), der der späteren Schriftstellerin Emilie von Binzer (1801–1891), der Enkelin der Herzogin von Kurland, Zeichenunterricht gab.

Nach dem Tod der Herzogin erbte ihre dritte Tochter Johanna von Acerenza-Pignatelli (1783–1876) Löbichau und Tannenfeld. Die Zeit des Musenhofs war vorbei.

Der Tannenfelder Park ist  wegen seiner exotischen Vegetation und den vielen Rhododendren ein beliebtes Ausflugsziel. (Foto: Marlene Hofmann)
Der Tannenfelder Park ist wegen seiner exotischen Vegetation und den vielen Rhododendren ein beliebtes Ausflugsziel. (Foto: Marlene Hofmann)

Schloss Tannenfeld blieb nach dem Tod der Herzogin weithin ungenutzt und geriet in Vergessenheit bis es 1899 der Nervenarzt Dr. Arthur Tecklenburg (1870–1957) aus Gera kaufte. Er ließ Tannenfeld mit Rücksicht auf die historische Architektur zu einem modernen Sanatorium für Gemüts- und Nervenkranke umbauen. Der Arzt soll auch derjenige gewesen sein, der 1908 die ersten Rhododendren gepflanzt haben. Um weitere Sorten ergänzt wurden diese 1983 durch den „Zentralen Arbeitskreis Rhododendron“.

Der Schriftsteller Hans Fallada in Tannenfeld

Der wohl berühmteste Patient war Rudolf Ditzen (1893–1947), als Schriftsteller bekannt unter dem Pseudonym Hans Fallada (Mehr dazu).

Von 1949 bis 1989 beherbergten die Gebäude in Tannenfeld ein eigenständiges Krankenhaus und später ein Alten- und Pflegeheim. Seit 2004 stehen Schloss und Nebengebäude mit kurzen Unterbrechungen leer und zum Verkauf. Jetzt soll mit Rücksicht auf die historische Anlage ein Pflegezentrum für Demenzkranke entstehen.

Zum Weiterlesen:
Jana Borath fängt am 3. August in der Ostthüringer Zeitung die Stimmung im Tannenfelder Park ein.
„Da steht mein armes Ich aus Stein“ – Blogpost zur Sonderausstellung
Blogpost: Jean Pauls Sommer in Löbichau
Blogpost: Rittergut Löbichau – Zeitweise 300 Gäste gleichzeitig

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Das Phänomen „Mutz“: Ein streng gehütetes Geheimnis

Was ist eigentlich ein "Mutz"? - Dieser Frage stellten sich über 75 Künstler für die Sonderausstellung auf Burg Posterstein.
Was ist eigentlich ein „Mutz“? – Dieser Frage stellten sich über 75 Künstler für die Sonderausstellung auf Burg Posterstein.

Um den sogenannten „Mutz“ ranken sich viele Gerüchte und wenige Fakten. Ist er Tier, eine Erscheinung oder gar ein Monster, das in den Thüringer Wäldern sein Unwesen treibt? Sicher ist nur, dass dieser Mutz sehr gut schmeckt – als faustgroßer Fleischbatzen in Salz, Pfeffer und Majoran eingelegt und an einem Spieß über Birkenholz gebraten. In dieser Form ist er im ganzen Land bekannt und wird neben der Rostbratwurst als regionale Spezialität des Freistaates Thüringen beworben. – Museumsmitarbeiterin Franziska Engemann berichtet hier mit einem Augenzwinkern über die Herkunft des Mutzes.

Seinen Ursprung hat der Braten wohl im Altenburger Land, besonders in Schmölln, wo er traditionell zubereitet und verspeist wird.

Doch selbst in der Heimat des Mutzes ist das Erscheinungsbild dieser mysteriösen Gestalt nur einem kleinen Kreis eingeweihter Jäger und Fleischer bekannt, die dieses Geheimnis bis heute streng hüten.

Verstümmeltes (beschädigtes) Tier oder Wallfahrtsbraten?

Ein für die Ausstellung gefertigter Mutz bei seiner Ankunft im Museum Burg Posterstein.
Ein für die Ausstellung gefertigter Mutz bei seiner Ankunft im Museum Burg Posterstein.

Seit Jahrhunderten ranken sich Legenden darum, welchen kulturellen und vielleicht sogar biologischen Hintergrund der Mutz hat.

In Pieres-Universallexikon von 1844 heißt es, der Mutz sei „etwas verkürztes, verstümmeltes“ bzw. ein „Thier, dem der Schwanz fast ganz abgeschnitten ist, od. welches ohne Schwanz geboren ist, obgleich es einen haben sollte“. Sagen berichten, dass an den Wallfahrtstagen auf den sogenannten „Mutschenmärkten“ in Schmölln oder Posterstein gebratene Fleischstücke – Mutschen – verkauft und gern verzehrt wurden.

Zu dieser Zeit soll Schmölln die bekannteste und älteste Wallfahrtsstätte nach Aachen in ganz Deutschland gewesen sein. Die Bekanntheit Schmöllns beruhte damals auf einem Marienbild, welches viele Zeichen und Wunder bewirkt haben soll und schließlich auch in das Wappen der Stadt übergegangen ist. Die sogenannten Mutschen waren zu dieser Zeit kleine gebratene Stücke Schweinefleisch, deren Namen sich später in „Mutzbraten“ gewandelt hatte.

Die Anatomie des Unbekannten

Ein Waldbewohner? - Mutz auf einem der Ausstellungsplakate.
Ein Waldbewohner? – Mutz auf einem der Ausstellungsplakate.

Aber wie ihre heutigen „Kollegen“ geben diese Bratenstücke keinen Aufschluss über die Anatomie des Wesens, aus dem sie hergestellt werden. Bekannt ist nur das Ritual, wie der Braten hergestellt wird. Zarte Fleischstücke werden auf einem Spieß aufgereiht und dann zwei Stunden lang auf einem eigenes dafür konstruierten Rost am Rand eines Birkenholzfeuers gebraten. Dadurch bekommt das Fleisch seine charakteristische dunkle Kruste, bleibt innen aber rosa und saftig. Die feine Marinade aus Majoran, Pfeffer und Salz prägt das Aroma.

Der Geschmack der Schmöllner Spezialität lässt auf eine vitale, ausgelassene und kräftige Tierart schließen. Doch existieren weder genaue Beschreibungen noch flüchtige Zeichnungen des schmackhaften Fabeltieres. Auch die historischen Quellen schweigen weitgehend zu diesem Thema. Allein Formulierungen wie „…sodann zwey starcke Mutze“ oder „…wurde ein flinker junger Mutz aufgeschreckt“ lassen sich finden. Über Größe, Aussehen oder gar Verhalten des Tieres haben wir keine Kenntnis. Der Wissenstand über den Mutz lässt sich kurz in Stichworten festhalten: herzhaft, nahrhaft, fabelhaft.

Dem Mythos eine Gestalt geben – Der Mutz auf Burg Posterstein

Besonders ein regionales Museum wie die Burg Posterstein hat daran Interesse, diese Wissenslücke der Geschichte zu schließen und gerade in Bezug auf mythologische Wesen wie den Mutz ist der beste Weg dazu die imaginatorische Kraft der Kunst.

Schon für die Ausstellung „Poster auf Posterstein“ hatte das Museum mit den Illustratoren Susann Hesselbarth und Thomas M. Müller zusammengearbeitet und so entstand bald der Gedanke, mit diesen beiden Kuratoren dem sagenumwobenen Mutz eine Gestalt zu geben.

Das Konzept war so brillant wie einfach: eine ganze Reihe renommierter Zeichner und Illustratoren wurden um ein Bild vom Mutz gebeten. Dies mit dem Ziel, ein unterhaltsames Bestiarium von einem Tier zu zeigen, über das nicht mehr gewusst oder preisgeben werden konnte, als dass aus ihm in Ostthüringen mittels eines komplizierten und genau festgelegten Rituals und mithilfe eines geheimen Rezeptes ein hervorragender und sehr beliebter Braten hergestellt wird.

So ausgestattet, sollten die Künstler mithilfe ihrer Intuition und Erfahrung dem Unbekannten eine Form geben. Das Ergebnis kann sich sehen lassen – bis 16. November 2014 in der Galerie des Museums.

Von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

Wanderung auf den Spuren des Holzschnitzers Johannis Hopf

Regelmäßig begeben sich Mitglieder des Museumsvereins Burg Posterstein auf thematische Reisen und Ausflüge, die eng mit den Themen des Museums in Verbindung stehen. Der diesjährige Frühjahrsausflug am 26. April führte von Neumark zur Burg Schönfels. Vereinsmitglied Monika Diedrich berichtet darüber:

Inschrift unter der Empore in der Postersteiner Burgkirche
Inschrift unter der Empore in der Postersteiner Burgkirche (Foto: Museum Burg Posterstein)

Am 26. April 2014 machte sich eine siebzehnköpfige Gruppe auf, die Spuren Johannis Hopfs zu suchen, dem zugeschrieben wird, die Holzschnitzereien in der Postersteiner Burgkirche angefertigt zu haben.

Die Wanderung begann im Gut Neumark der Familie von Römer. Das Anwesen, besonders das Schloss, befindet sich in einer permanenten Bausituation. Überall stehen Gerüste, Baumaterialien, eingerissene Wände und halbfertige Gebäude – aber die Dächer sind in Schuss! Darauf verwies die Hausherrin Dorothee von Römer mit Stolz, die uns engagiert durch das ehemalige Rittergut führte.

Familie von Römer musste ihr Schloss nach der Wende zurückkaufen

Die Familie von Römer, Jahrhunderte in und um Zwickau ansässig und tätig, ist seit 1478 mit dem Gut verbunden und kaufte es nach der Wende 1989 von der Treuhand zurück, um es zu bewirtschaften und wieder in Stand zu setzen. Seit der Enteignung durch die Bodenreform 1945 war es ein volkseigenes Gut (VEG) gewesen. Was das jetzt für eine Herkulesaufgabe für die neuen (alten) Eigentümer war, ist und noch sein wird, wird jedem klar, der den Rundgang durch das Schloss mitmacht.

Es könnte durchaus eine Verbindung zwischen dem Gut Neumark und dem prachtvollen Schnitzwerk in der Postersteiner Burgkirche geben (Foto: Römer: http://www.gut-neumark.de/de/bildergalerie.html)
Es könnte durchaus eine Verbindung zwischen dem Gut Neumark und dem prachtvollen Schnitzwerk in der Postersteiner Burgkirche geben (Foto: Römer: http://www.gut-neumark.de/de/bildergalerie.html)

Dieses Schloss aus dem 17. Jahrhundert ist auf den ersten Blick nicht als solches zu erkennen. Es ist ganz schlicht gebaut, ohne jedes Schmuckelement, durch die Zeit und die Nutzung (erst als Notunterkunft für viele Vertriebenenfamilien und später als Heim für psychisch kranke Kinder) heruntergekommen, verlassen und verloren. Hat man aber den Innenhof erreicht, sieht man seine ehemalige Bestimmung – hindurch durch Baugerüste, Dreck und Schutt. Dorothee von Römer führte unsere Gruppe in alle Ecken und Ritzen des alten Gemäuers, erklärte die Entstehungsgeschichte, die ehemalige Nutzung der Räume – auch zu DDR-Zeiten –, wies stolz auf unerwartete Funde von Balken oder Tür- und Fensteröffnungen hin, sprach von den finanziellen Schwierigkeiten und von Glücksmomenten, wenn wieder einmal etwas gelungen war. Bewundernswert ist ihre fröhliche und zuversichtliche Haltung, die sie an den Tag legte, wo sich doch jeder vorstellen konnte, was für eine Last sie und ihre Familie zu tragen hatten. Und natürlich fanden die Besucher Relikte von Holzschnitzereien, die denen in der Postersteiner Kirche glichen. Es wurde darüber gefachsimpelt, Vergleiche angestellt und die Familiengeschichte ins Gedächtnis gerufen, denn einen Zusammenhang könnte es gegeben haben, da eine Tochter der Familie Römer nach Posterstein geheiratet hatte und zu dieser Gelegenheit die Schnitzereien in die Kirche gelangt sein könnten.

Burgkapelle auf Schönfels – Eine Verbindung zum Postersteiner Schnitzwerk?

Wanderung zur Burg Schönfels
Wanderung zur Burg Schönfels

Vom Enthusiasmus und vom Mut der Römers angesteckt, begab sich die Gruppe auf eine Wanderung zur Burg Schönfels. Auch dort sollten sich Holzschnitzereien in der Burgkapelle befinden, die eventuell etwas mit denen in Posterstein und Neumark zu tun haben könnten.

Mitglieder des Museumsvereins bei der Führung durch die Burg Schönfels
Mitglieder des Museumsvereins bei der Führung durch die Burg Schönfels

Auf Burg Schönfels trafen wir wieder auf eine Führerin durch die Burg, die Leiterin des Museums und somit die Burgherrin, die von Tatkraft und Freude am Werk sprühte. Ina Schumann erzählte mit warmen Worten von den geleisteten Arbeiten und denen, die noch zu vollführen seien. Ihre Freude über jede neue Erkenntnis beim Renovieren von Räumen oder bei der Instandsetzung von Mauerwerk übertrug sich auf die interessierten Zuhörer. Sie machte uns aufmerksam auf den wohl wertvollsten Raum in der Burg, auf die Kemenate oder Bohlenstube, die wie ein Kasten aus 13,5 cm dicken Bohlen in die Burg eingebaut wurde. Wo kann man schon ein solches Wunderwerk, noch dazu mit einer kielförmigen Holztür, in einer mittelalterlichen Burg finden! Wie immer bezauberte der Blick vom Turm in die frische Frühlingslandschaft.

Schwebender Engel in der Kapelle der Burg Schönfels - Eine Arbeit aus der Werkstatt des Johannis Hopf?
Schwebender Engel in der Kapelle der Burg Schönfels – Eine Arbeit aus der Werkstatt des Johannis Hopf?

Und endlich zum Schluss der Besichtigung führte Ina Schumann in die Burgkapelle, wo es eine geschnitzte Kanzel zu bewundern gibt. Da blieb die Frage im Raum stehen: Hat sie Beziehungen zu den anderen schon erwähnten Holzschnitzereien? Unterschiede wurden ausgemacht, aber auch Ähnlichkeiten. Und es stellte sich die andere Frage, ob die Kanzel von vornherein für diese Kapelle bestimmt gewesen war oder ob man sie später erst eingebaut hatte? „Ja, ich weiß auch nicht, ob der Engel, der die Kanzel trägt, schon immer diesen Job gehabt hat“, war die humorvolle Antwort der Museumsleiterin.

Was hatte man an diesem Tag nicht alles zu sehen und zu hören bekommen! Wieder einmal hatte es sich für die Museumsfreunde gelohnt, an einer solchen Exkursion teilzunehmen. Viel frische Luft, herrliche Landschaft, alte Geschichte und alte Geschichten, interessante Erkenntnisse, gelungene Überraschungen und zum Schluss noch ein kräftiger Regenguss, der alle bis auf die Haut durchnässte. Aber was tut man nicht alles für seine Bildung!

Monika Diedrich / Museum Burg Posterstein

Weitere Berichte über Ausflüge des Museumsvereins:

Vier Tage Südböhmen (Oktober 2013)

Auf den Spuren von Jean Paul (Mai 2013)

Russische Glaseier, Straußenei und „Steh-auf-Häschen“: Osterfundstücke aus der Sammlung

Zum Osterfest zeigt das Museum Burg Posterstein österliche Fundstücke, die über die Jahre hinweg den Weg in die Sammlung gefunden haben. Einige stammen aus vergangenen Sonderausstellungen und wurden von regionalen Künstlern gestaltet. Andere sind Jahrzehnte alt und stammen aus fernen Ländern. Unsere neue Mitarbeiterin, die Historikerin Franziska Engemann, begleitete den Aufbau der kleinen Osterausstellung und gibt hier im Blog erste Einblicke:

Das höchste Fest der Christenheit

Eine kleine Osterausstellung auf Burg Posterstein gibt Einblicke in österliche Bräuche im Wandel der Zeit.
Eine kleine Osterausstellung auf Burg Posterstein gibt Einblicke in österliche Bräuche im Wandel der Zeit.

Das höchste Fest der Christenheit steht vor der Tür und überraschender Weise handelt es sich dabei nicht um Weihnachten. Es ist tatsächlich Ostern.

Wie das jüdische Pessach-Fest wird der Ostertermin über den Mondkalender bestimmt. So findet es jedes Jahr am ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond statt und ist somit ein „bewegliches“ Fest. In der vierzig Tage andauernden vorösterlichen Fastenzeit – der sogenannten Quadragesima – werden in vielen Kirchen als Symbol der Trauer sowohl die Fenster als auch der Altar mit dunklen Tüchern verhängt. Mit dem Ostersonntag, dem der Tag der Auferstehung Christi, beginnt die „österliche Freudenzeit“, welche fünfzig Tage (einschließlich Pfingsten) andauert.

Was war zuerst da: Hase oder Osterei?

Ei und Hase blicken beide auf eine lange, traditionsreiche Geschichte zurück
Ei und Hase blicken beide auf eine lange, traditionsreiche Geschichte zurück

Die bekanntesten Symbole für das Osterfest sind das Ei und der Hase. Beide blicken auf eine lange, traditionsreiche Geschichte zurück. Doch was war zuerst da: Hase oder Osterei?
Wie auch in anderen, vorchristlichen Religionen steht das Ei im Christentum als Symbol für Geburt und Auferstehung, nämlich die Geburt und Auferstehung Christi. Es ist ein Zeichen des neuen Lebens und wird oft in Verbindung mit dem Frühling gestellt. Der Brauch, Eier nach der Farbe der Sonne rot zu färben, ist schon aus vorchristlicher Zeit bekannt. Und auch bei den Römern war es wohl schon Brauch, sich gegenseitig bunte Eier zu schenken.

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts lässt sich schließlich auch der „Osterhase“ im Raum Oberdeutschland, Westfalen und Elsass nachweisen und verdrängte seit dem 19. Jahrhundert das Osterlamm von seinem Spitzenplatz unter den beliebtesten Tieren dieser Jahreszeit. In der christlichen Ikonographie spielt der langohrige Geselle jedoch eine wechselhafte Rolle. Zum einen stand er als Fruchtbarkeitssymbol als Synonym für Laster und Unkeuschheit (luxuria). Zum anderen galt er auf Altären (drei Hasen) als Zeichen der Dreifaltigkeit oder in Jagdszenen als Symbol für die vom Teufel (Jäger) verfolgte Seele. Heute sehen wir den kleinen Gesellen am liebsten in Schokoladenform und seinen Freund, das Osterlamm, wohl als Braten auf dem Osterteller.

Osterspielzeug aus Großmutters Zeiten

Ein Lieblingsstück: Nils Holgersson auf dem Weg zur Burg Posterstein
Ein Lieblingsstück: Nils Holgersson auf dem Weg zur Burg Posterstein

Ich habe mich immer gefragt, wie meine Eltern und Großeltern ihre Ostertage verbrachten, als sie noch Kinder waren. Nun ist in einer Vitrine im Eingangsbereich des Museums genau jenes Spielzeug zu finden, das kleine Herzen noch heute höher schlagen lässt: Ein kuscheliger Stoffhase krönt die Fundstücke und reiht sich neben einem „Steh-auf-Häschen“ im Anzug und zwei schönen Füllhasen in die Sammlung der Kuriositäten ein. Auch eine alte Karte mit dem Poststempel 1935 ist darunter und zeigt, dass schon damals große Feiertage zum Nachholen von Geburtstagsgrüßen genutzt wurden. So fragt die Verfasserin Elsbeth ihre Freundin: „Liebe Monika, ich glaube, Du hast jetzt irgendwann Geburtstag??“ (Sicher für viele ein bekanntes Problem, wenn die Geburtstagskalender der medialen Plattformen mal nicht erreichbar sind.)

Ostereier aus Holz, Glas, Keramik

Glaseier aus der Zeit um 1900 im Museum Burg Posterstein
Glaseier aus der Zeit um 1900 im Museum Burg Posterstein

Aus der Zeit um 1900 stammen zwei Glaseier. Auf der einen Seite findet sich der russische Doppeladler mit Krone, auf der anderen ist das Monogramm des letzten russischen Zaren, Nikolaus II., eingraviert. Jener Zar war es auch, der in seiner Regierungszeit um die 40 Stück der berühmten Fabergé-Eier hat herstellen lassen. Ebenfalls aus Russland stammen sechs fein bemalte Holzeier, die 1995/96 in der Werkstatt der Künstlerin Wassa Rosin-Bergmann entstanden. Sie zeigen Winter- und Frühlingsszenen aus deren Heimat.

Über die neu erworbene Sammlung Fink-Heinrich (hauptsächlich Weihnachtskrippen) hat auch ein bemaltes Straußenei seinen Weg ins Museum gefunden. Zu sehen sind darauf Krieger, die eine Antilope jagen.

„Ein kluger Mensch macht nicht alle Fehler selbst…“

Burg Posterstein als Osterschmuck
Burg Posterstein als Osterschmuck

Eines der, meiner Meinung nach, schönsten Stücke aus der Ostthüringer Region ist ein Keramik-Ei mit passendem Teller, gestaltet von dem Künstlerehepaar Schliebner. Darauf besuchen Nils Holgersson und seine Freunde, die Wildgänse, die Burg Posterstein. Ein anderes Ei zitiert Goethes berühmten „Osterspaziergang“ und auf einem weiteren Osterei steht der kluge Spruch: „Ein kluger Mensch macht nicht alle Fehler selbst – sondern läßt auch anderen eine Chance.“

Die Sammlungsstücke sind bis 27. April im Museum zu sehen.

Wie früher Ostern gefeiert wurde, kann man in unserem Blogpost über mittelalterliche Osterbräuche nachlesen.

Von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

Die Farben der Vergangenheit: Restaurierung und Renovierung auf Burg Posterstein

Seit dieser Woche arbeitet sich ein Maler durch alle Räume der Burg Posterstein. Dabei muss man im Museum nicht nur auf wertvolles Mobiliar acht geben, sondern auch auf die – teilweise freigelegten – Farbschichten vergangener Jahrhunderte.

Seit Februar 2014 sind im Museum Burg Posterstein Malerarbeiten im Gange. Besondere Rücksicht muss dabei auf historische Wandbemalungen genommen werden (Foto: Museum Burg Posterstein).
Seit Februar 2014 sind im Museum Burg Posterstein Malerarbeiten im Gange. Besondere Rücksicht muss dabei auf historische Wandbemalungen genommen werden (Foto: Museum Burg Posterstein).

In den kommenden rund zehn Wochen können Besucher daher immer jeweils einen Raum des Museums nicht betreten. In dieser Woche beginnen die Arbeiten im Gerichtsraum. Dabei soll die originale Farbfassung getreu nach Befund wieder nachgemalt werden. Die Originalbefunde, die bei Restaurierungsarbeiten 1989/90 freigelegt wurden, werden unretouchiert sichtbar gelassen.

Farben des 18. Jahrhunderts

Bei Restaurierungsarbeiten 1989/90 wurden bereits umfangreiche Wandbemalungen freigelegt, die im Museum im Original zu sehen sind (Foto: Museum Burg Posterstein).
Bei Restaurierungsarbeiten 1989/90 wurden bereits umfangreiche Wand- und Kaminbemalungen freigelegt, die im Museum im Original zu sehen sind (Foto: Museum Burg Posterstein).

Bei der Restaurierung der Burg im Jahre 1990 erlaubten gut erhaltene Befunde an Wänden, Kaminen, Türen, Türumrahmungen und Fenstern eine Restaurierung und Ergänzung der vorgefundenen Farbfassungen. Man verzichtete dabei auf eine Nachbildung der textilen Wandbespannungen des späten 18. Jahrhunderts, zeigte dafür aber alle freigelegten Sockel- und Kaminbemalungen, bis auf wenige Retuschen, im Originalzustand.

Das Museum zeigt noch erhaltene Reste der Bemalung aus dem 18. Jahrhundert im Originalzustand (Foto: Museum Burg Posterstein).
Das Museum zeigt noch erhaltene Reste der Bemalung aus dem 18. Jahrhundert im Originalzustand (Foto: Museum Burg Posterstein).

Im Obergeschoss konnten auf diese Art in den meisten Räumen die Raumfassungen rekonstruiert werden, in den verbliebenen Räumen ergänzte man die Farbgebung an den Innenwänden entsprechend dem dokumentierten Grundton.

1999 konnten bereits große Teile einer originalen Kaminbemalung gesicherte werden (Foto: Museum Burg Posterstein).
Originale Sockelbemalung im Museum Burg Posterstein (Foto: Museum Burg Posterstein).

Geraffte Tücher und muschelähnliche Ornamente

1999 untersuchte und sicherte man in einem Raum bereits einen bemalten Kaminbereich. Wenige, fragmentarisch erhaltene Farbreste an den Sockeln der Wände in diesem Raum zeigen Fassungen aus verschiedenen Zeiten. Ein Sockelbereich lässt eine Bandelwerkbemalung in Ocker, Rotbraun und Grau erkennen, während die anderen Teile mit muschelähnlichen Ornamenten in Licht- und Schattenspiel bemalt sind.

Ein ehemaliger Kamin ist in einer Wandmalerei auf trockenem Kalkputz  (Seccobemalung) gefasst (Foto: Museum Burg Posterstein).
Ein ehemaliger Kamin ist in einer Wandmalerei auf trockenem Kalkputz
(Seccobemalung) gefasst (Foto: Museum Burg Posterstein).

Die Risskittungen, das Verputzen der Fehlstellen und die teilweise Retuschierung der Malschichten durch die Restauratorin Bärbel Ginskey gaben der ursprünglichen Fassung ihr geschlossenes Bild zurück.

(Text: Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein)