Historische Ansicht des Ritterguts Nöbdenitz für die Sammlung des Museums Burg Posterstein

Das Museum Burg Posterstein erhielt für seine kulturgeschichtliche Sammlung ein Ölgemälde aus den 1930/40er Jahren, das das Rittergut Nöbdenitz im damaligen Zustand zeigt.

Dieter Heine (links) übergibt das Ölgemälde aus seinem Familienbesitz an Museumsdirektor Klaus Hofmann und Museumsvereinsvorstand Dr. Gert Wolkersdörfer.
Dieter Heine (links) übergibt das Ölgemälde aus seinem Familienbesitz an Museumsdirektor Klaus Hofmann und Museumsvereinsvorstand Dr. Gert Wolkersdörfer.

Das großformatige Gemälde zeigt den idyllischen Blick auf das Nöbdenitzer Rittergut vom Teich aus gesehen. „Für das Museum ist das Bild besonders interessant, weil es eine historische Ansicht dokumentiert, die es heute so nicht mehr gibt“, freut sich Museumsdirektor Klaus Hofmann. Beispielsweise sieht man auf dem Gemälde noch den heute nicht mehr vorhandenen Balkon des Alten Schlosses (heute Sitz der Verwaltungsgenossenschaft Oberes Sprottental) und den Vorgängerbau der heutigen Kindertagesstätte Nöbdenitz.

Das Ölgemälde malte der langjährige Nöbdenitzer Landarzt Dr. med. Gerhard Hermann Nordbeck.
Das Ölgemälde malte der langjährige Nöbdenitzer Landarzt Dr. med. Gerhard Hermann Nordbeck.

Gemalt hat das Bild Dr. med. Gerhard Hermann Nordbeck (1894–1970), der bis 1954 als Landarzt in Nöbdenitz lebte. Er kam 1923 mit seiner ersten Frau Carola, geborene Eichhorn, nach Nöbdenitz und ließ um 1926/27 das Gebäude errichten, das auch heute noch die Nöbdenitzer Arztpraxis mit Wohnhaus beherbergt. Nachdem seine Frau 1945 gestorben war, heiratete Nordbeck 1950 Helga Zwiener, geschiedene Heine, die Mutter von Dieter Heine. In Absprache mit seinen Stiefgeschwistern entschied Heine sich dafür, das von Nordbeck angefertigte Gemälde dem Museum Burg Posterstein zu übergeben. Der Museumsverein Burg Posterstein dankt herzlich dafür.

Das Nöbdenitzer Schloss um 1938/40 und heute.
Das Nöbdenitzer Schloss um 1938/40 und heute.

Die vom Teehaus am Nöbdenitzer Teich (2006 vom Ortsverschönerunsgsverein Nöbdenitz rekonstruiert) gemalte Ansicht stellt eine wunderbare Ergänzung der Dauerausstellung des Museums dar, die in diesem Jahr weiter überarbeitet werden soll. Nach der Ausstellung über den Sachsen-Gotha-Altenburgischen Minister Hans Wilhelm von Thümmel (1744–1824) im vergangenen Jahr sollen auch Thümmel und Nöbdenitz einen prominenteren Platz in der Ausstellung zur europäischen Salongeschichte erhalten. Thümmel ließ auf seinem Landsitz in Nöbdenitz nicht nur einen weithin bekannten englischen Garten anlegen, sondern wählte die 1000-jährige Eiche als seine außergewöhnliche Grabstätte. Das Museum Burg Posterstein veröffentlichte 2016 die bisher umfangreichste Biografie Thümmels und bietet auf Voranmeldung Führungen zur 1000-jährigen Eiche und zum Rittergut Nöbdenitz an.

Zum Weiterlesen: Hans Wilhelm von Thümmel: Der Mann unter der 1000-jährigen Eiche

Ein spektakulärer Fund – aus dem Jahr 1730

Ein spektakulärer Fund

Bei Dacharbeiten an einem Seitenflügel des früheren Verwalterhauses des Ritterguts Posterstein wurde unter den alten Dielen ein Schriftstück entdeckt, das auf das Jahr 1730 datiert ist.

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Bauarbeiten am Herrenhaus Posterstein
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Schriftstück aus dem Jahr 1730

Zu dieser Zeit war der kursächsische Generalfeldmarschall und Reichsgraf Jakob Heinrich von Flemming (1667–1728) Besitzer des Ritterguts. Dieser hatte 1724 die Besitzungen Posterstein und Vollmershain für 124000 Taler gekauft. Obwohl die Familie Flemming in Posterstein nur sehr wenig Zeit verbrachte, wurden doch erhebliche Investitionen getätigt. Den Familienbesitz führte sie bis 1833 weiter. Die Gutsgeschäfte übertrug man größtenteils Pächtern, die durch entsprechende Pachtverträge mit den Nutzungsrechten ausgestattet waren.

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Reichsgraf Jakob Heinrich von Flemming

„Schon der Feldmarschall Flemming hatte das Schloß als Wohnung verschmäht und sich ein neues Herrenhaus gebaut.“

Wie das Rittergut Posterstein um 1730 aussehen haben muss, wird aus der handschriftlichen Chronik von Friedrich Winckler aus dem Jahr 1905 deutlich. Darin ist zu lesen: „So reizvoll in seiner unregelmäßigen Gestalt mit kleineren Türmen, mit Erkern, Winkeln und Höfchen von Außen das Ganze [die Burg] wirkt, so traurig sieht es drinnen heute aus. Da bietet sich ein Bild des Verfalls. Schon der Feldmarschall Flemming hatte das Schloß als Wohnung verschmäht und sich ein neues Herrenhaus gebaut. Die Erhaltung des Schlosses war seitdem für jeden Eigentümer eine unbequeme Last. Seit Menschenaltern ist es unbewohnt. […] In bewohnbaren Zustand muß das Schloß [1776] gewesen sein jedenfalls war die Gerichtsstube darin. Es war wohl auf Absteigequartier des in Crossen wohnenden Grafen, welchem das vom Feldmarschall erbaute Haus einem Brande zum Opfer gefallen war, der 1749 alle Baulichkeiten des Gutsgehöftes vernichtete.“

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Rittergut Posterstein um 1900

„Dieser Umstand hatte zur Folge daß mein Urgroßvater [Johann Christian Winckler, Pächter des Ritterguts Posterstein von 1776 bis 1805] den Hof mit lauter ziemlich neuen Gebäuden besetzt fand. Das neueste war das Pächterhaus. Denn in dem Inventarium erfolgt die Aufzählung der Türen, Fenster und Öfen derjenigen Räume, die offenbar seine Wohnung bildeten […] Wie aber mußte mein Großvater sich erst gehoben fühlen, wenn er hinaustrat und den Hof mit der Reihe stattlicher Gebäude vor sich sah. Von denen kann man sich auch ein Bild aus dem Inventarium machen. Rechts standen zwei Pferdeställe. Dann kamen das Malz-und Darrhaus, [die Darre, Darren – Dörren, Dörrvorrichtung] das Brauhaus mit der Brauvorrichtung und das Brandwein-Brauhaus. Linker Hand war zunächst die geräumige Hofmeisterwohnung, in der auch ein Schreiberkabinet erwähnt wird. Daran stieß das Gesindehaus, daß in zwei Geschossen die vierfenstrige Gesindestube mit Kachelofen, fünf Kammern und zwei Küchen enthielt. Dann folgten das Grasehaus, der Kuh- und der Schweinestall, über denen sich der Getreideboden befand, der Schirrschuppen, der Fröhnerstall, ein Scheunungengebäude mit vier Einfahrten und der Wagenschuppen. Der Milchkeller befand sich unter einem Stallgebäude, der Bierkeller aber unter dem Schlosse. Das ist dessen einzige Erwähnung in dem Inventarium.“

Das Fundstück

Unter den alten Dielen im Dachboden des Herrenhauses fanden die Zimmerleute ein Schriftstück, das auf 1730 datiert wurde, aber von viel älteren Verhandlungen kündet. Das Dokument hat die Maße 20 x 32 cm, trägt das Siegel des Gerichtsinspektors Christian Schmidt und umfasst insgesamt vier Blätter. Dennoch scheint es ein Fragment zu sein. Auf der ersten Seite ist die Nummerierung „No: II.“ zu lesen. Ein möglicher erster Teil blieb allerdings bisher unentdeckt.

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Bei der gefunden Urkunde handelt es sich um die Abschrift eines Vergleichs von 1677 zwischen Georg Dietrich von Pflugk (1640–1705) auf Posterstein, und Marie Elisabeth von Schleinitz, geborene Bünau, auf Blankenhain. Für diese tritt auch ihr Ehemann und Vormund, der kursächische Rittmeister Hans Georg Haubold von Schleinitz (1639–1677) auf. Beide hatten 1668 geheiratet. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor.

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Die Abschrift ist vom Gerichtsinspektor Christian Schmidt beglaubigt, gesiegelt und auf „Blankenhayn, den 12.Jul. 1730“ datiert. Das Original vom „29. Jan: Anno 1677“ wurde laut Schmidt „Wort zu Wort“ übertragen

Schon damals eine bautätige Herrscherfamilie

Die Familie von Pflugk, Besitzer des Guts von 1528 bis 1718, war die wohl bautätigste Familie auf Posterstein. Sie entstammten einem meißnischen Adelsgeschlecht und lassen sich seit dem 16. Jahrhundert in den genealogischen Einträgen zahlreicher Rittergüter der Region nachweisen. Die Burg Posterstein verdankt der Familie in großen Teilen ihr heutiges Erscheinungsbild. Auch die Burgkirche wurde durch Tham von Pflugk (†1596) errichtet und von seinem Nachkommen Georg Dietrich von Pflugk mit einem wunderschönen barocken Schnitzwerk ausgestattet.

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Rittergut Posterstein 1694

Georg Dietrich von Pflugk hatte an der Universität Jena Philosophie und Rechtswissenschaft studiert, in Tübingen und Jena verschiedene juristische Schriften veröffentlicht und war zwei Jahre lang durch Deutschland und Frankreich gereist. Herzog Friedrich Wilhelm II. von Sachsen-Altenburg (1603–1669) berief ihn 1666 als Hof- und Justizrat in die Landesregierung. Pflugk war Konsistorialrat und Vizehofrichter in Jena, wurde 1690 schließlich zum Geheimen Rat und 1701 zum Kanzler ernannt.

Er heiratete in erster Ehe Maria Elisabeth (1646–1677), die Tochter des angesehenen und einflussreichen Wolf Konrad von Thumbshirn (1604-1667) auf Ponitz. Noch im Jahr des Todes seiner ersten Frau erfolgte die neuerliche Eheschließung mit Marie (Martha) Gertraud von Römer (1654–1710) aus Neumark im Vogtland. Aus dieser Ehe gingen acht Kinder hervor, von denen der erstgeborene Sohn Georg Carl (1678–1748) die Nachfolge auf Posterstein antrat. Georg Diedrich von Pflugk starb in Altenburg und ist in der Burgkirche Posterstein beigesetzt.

Von Geleitstraßen und „Weg-Geld“

Als Georg Dietrich von Pflugk den Postersteiner Besitz nach einem Vergleich mit seinen Brüdern 1666 übernahm, stand er auf Grund der Nachwirkungen des 30jährigen Krieges vor der Notwendigkeit, sämtliche Zins- und Fronregister neu aufzustellen, Visitationen durchzuführen sowie Dorf- und Gerichtsordnungen zu erneuern. Es gelang ihm, seine Stellung in Gotha und Altenburg zu nutzen, um Privilegien, wie das Geleitstraßenrecht, Bergbaurechte und das Marktrecht zu erwerben. So erhielt er unter anderem die Oberaufsicht über die durch Posterstein führende Heer- und Geleitstraße von Gera nach Zwickau, die Genehmigung zum Gasthausbau in Schönhaide, das Jagdrecht in Pillingsdorf und das Marktrecht für einen Michaelis- und einen Walpurgismarkt in Posterstein.

Auf Geleitstraßen wurden Reisende, Händler oder Pilger von bewaffneten Reitern begleitet und vor Überfällen oder ähnlichen Gefahren geschützt. Für diesen Schutz wurde eine gewisse Summe als Geleitsabgabe fällig. Jeder, der sich auf diesen Straßen fortbewegte stand unter dem Landes- bzw. Königsfrieden und konnte ein Geleit begehren. Kam es trotz dieser Absicherung zu Straßenraub, musste der Geleitsherr für diesen Schaden aufkommen. Mit dem allgemeinen Landfrieden Maximilians I. wurde dieses „lebendige Geleit“ allen Reichsständen zur Pflicht gemacht.

Da das begleitete Reisen, durch Entlohnung der bewaffneten Geleitsreiter, sehr kostenintensiv war, wurde es später meist durch das „tote“ oder schriftliche Geleit ersetzt und der zu Geleitende erhielt nach der Abgabe des Geleitsgeldes bei einem „Geleits-Einnehmer“ einen entsprechenden „Geleitsbrief“.

Die wohl bekanntesten dieser Heer- und Geleitstraßen waren die „Via Regia“ und die „Via Imperii“. Sie waren die großen Verbindungsstraßen und -wege zwischen den befestigten Städten und großen Waren-Umschlagplätzen des Mittelalters und der Frühen Neuzeit.

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Urkundlich ist dieser Vergleich in dupto zu Pappier gebracht […]“

Georg Dietrich von Pflugk hatte um 1677 eine solche Oberaufsicht über die Heer- und Geleitstraße von Gera nach Zwickau inne. Und diese ist auch in dem Vergleich Thema, der als Abschrift im Herrenhaus der Burg Posterstein gefunden wurde.

[…] Zuwißen, demnach zwischen der Hochwohlgebohrenen Frauen, Frauen Marien Elisabethen von Schleuniz [Schleinitz], gebohrene  von Bünau, alß Besitzerin des Ritter Guths Blankenhayn, mit vollwert dero Ehe- und kriegischen Vormundes, des hochwohlgebohrenen Herrn, Herrn Hanß Georgs Haubolden von Schleuniz [Schleinitz], auf Blankenhayn, an Einem, und dem hochwohlgebohrenen Herrn, Herrn Georg Dietrich Pflugen, auf Posterstein zum anderen Theile, wegen der Pillingsdorffischen Straßen, daß nehmlich dirselben für nun freye Land-Straße zu halten“.

Georg Dietrich von Pflugk und die Familie von Schleinitz auf Blankenhain vereinbaren mit Wissen der „hirzu gnädigst verehrten Chur- und fürstlich. Commission zu Leipzig“ und „bey Herrn Herzogs Friedrich fürstl. Durchlaucht. zu Sachsen Altenburg, dergleichen Concession“, dass das anfallende Weggeld in Höhe von „zweihundert und fünfzig Gülden“ zur „Besserung mehr bewegter Straßen von Klein Heuckewalde an biß an die Corbusener Flur“ mit anderen Privilegien verrechnet werde. Diese sind das Recht zur Kuppeljagt, der Jagd auf dem Grundbesitz oder der Gerichtsbarkeit eines anderen, in Pillingsdorf und dem Nischwitzer Pfarrholz sowie das Schankrecht an der Pillingsdorfer Straße, welches Frau von Schleinitz an Georg Dietrich von Pflugk mit dem Versprechen abtritt, dort keinen eigenen Gasthof oder eine Schenke zu betreiben oder betreiben zu lassen.

„[…] der von Pflug angeführet, wie er gleichwohl, des Pillingsdorffischen Gasthoffs halben bey obgemeldter hochansehnlichen Commission nicht nur die gehabte Kuppel Jagds Gerechtigkeit in der in der Nischwizer Flur, sondern auf die jenigen zweihundert und fünfzig Gülden, welche Ihme die Frau von Schleuniz vor die in dem Holze, die Pillingsdorff genannt, und dem Pfarr Holze zu Nischwiz, ausgewißenermase Überlaßene Jagd, schuldig werden, abgetreten, dahero nicht unbillig, daß ihm in solcher Gastungs- und Schankgerechtigkeit kein Eintrag geschehen: So hat die Frau von Schleuniz solches gleichfalls für recht und billig befunden, und zu solchen Ende mit vollwert Ihres Ehelichen und kriegischen Herrn Vormundens sich hiermit erkläret, weder einen Gasthoff oder Schenke an solcher Pillingsdorffischen Straßen aufzurichten noch sonsten, demselben zum abbruch, etwas vorzunehmen oder vornehmen zu laßen, welche freundliche Erklärung der von Pflug acceptiert […]“.

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Im Tausch gegen diese Privilegien erlässt Pflugk den Blankenhainern das Geleitsgeld auf den Straßen „[…] gegen Ober-Albersdorffen, wo dieselbe von der Vogelgesänger Straße abgeht, auf der Kursdörffer Fluhr henein, nachen Blankenhayn, durch das Dorff, Pillingsdorff, und über selbigen Anger, bis zu Ausgang der Nychwizer und angehender Klein Heuckewalder Fluhr: Von hieran aber bis vollends an die Corbsener Flur, um diese und die Vogelgesänger Straßen wieder zusammen kommen […]“.

Warum dieses interessante Zeugnis gleich zweier Herrschaftsfamilien in Posterstein unter die Dielen des Herrenhauses geriet und wie es die großen Brände auf dem Wirtschaftshof 1749 und 1772 überstehen konnte, lässt sich heute nicht mehr mit Sicherheit sagen. Der Fund ist dennoch außergewöhnlich und lässt auf noch weitere, positive Entdeckungen hoffen. Wir sind gespannt.

Ein Beitrag von Franziska Engemann

 

 

 

 

 

Durch das historische Nöbdenitz auf den Spuren eines Ernestiner Ministers

Das ehemalige Schloss Nöbdenitz - hierhin zog sich Hans Wilhelm von Thümmel im Alter zurück.
Das ehemalige Schloss Nöbdenitz – hierhin zog sich Hans Wilhelm von Thümmel im Alter zurück.

Hans Wilhelm von Thümmel (1744–1824) stieg am Hof der Ernestiner Herzöge in Gotha zwischen 1760 und 1804 vom Pagen zum Minister auf. In seiner Funktion als Präsident der Altenburger Kammer und Vorsitzender des Obersteuerkollegiums brachte er viele wichtige Projekte voran, darunter die Vermessung und Kartierung des Altenburger Landesteils, den Bau eines modernen Krankenhauses und mehrerer Armenhäuser und den Ausbau der Straßen. Nach seinem Rücktritt aus den Staatsdiensten verbrachte er Zeit als zuvor auf seinen Rittergütern in Nöbdenitz und Untschen. Die Sonderausstellung „Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister“ ist bis 31. Oktober 2016 im Museum Burg Posterstein zu sehen.

Zum Frühstück in der 1000-jährigen Eiche

Die ungewöhnliche Grabstätte Hans Wilhelm von Thümmels im Postersteiner Nachbarort Nöbdenitz.
1000-jährige Eiche: Die ungewöhnliche Grabstätte Hans Wilhelm von Thümmels im Postersteiner Nachbarort Nöbdenitz.
Bei einem Gewittersturm im Juli 1819 stürzte die Hauptkrone der 1000-jährigen Eiche in Nöbdenitz auf ein Kellerhaus des Pfarrhofs. Der damalige Pfarrer M. Beatus Friedrich Glasewald notierte den Vorfall in einem Kirchenbuch und erwähnte dabei auch, dass der hohle Baum „des zu befürchtenden Schadens halber an die Meistbietenden“ verkauft und „von dem Herrn Geheimer Rat von Thümmel in Besitz“ genommen sei.

Laut vielfältigen, zeitgenössischen Berichten mochte Thümmel den Baum sehr und nutzte ihn als Ort zum Ausruhen, Nachdenken, Dichten, aber auch für kleine Gesellschaften. Der Schriftsteller Friedrich Förster (1791–1868), Schulfreund von Thümmels Sohn und mitgenommen nach Nöbdenitz und Löbichau, schrieb in seinen Jugenderinnerungen:

„Hier wurde das Frühstück in dem inneren Raume einer tausendjährigen Eiche, deren Stamm hohl geworden war, eingenommen. Der Minister hatte hier einen runden Marmortisch und Moosbänke für zehn Personen […] aufstellen lassen.“

Heute kann die Eiche aus Rücksicht auf das Naturdenkmal nur noch von außen besichtigt werden. In der Postersteiner Sonderausstellung erlaubt ein Touchpad jedoch einen Rundumblick ins Innere des hohlen Baumes.

21. August, 10 Uhr, Nöbdenitz: Geführte Wanderung auf Thümmels Spuren

Das herrschaftliche Erbbegräbnis der Familien Rothkirch und Trach, Thümmel und Wietersheim wurde zu DDR-Zeiten abgerissen.
Das herrschaftliche Erbbegräbnis der Familien Rothkirch und Trach, Thümmel und Wietersheim wurde zu DDR-Zeiten abgerissen.
Hans Wilhelm von Thümmel wurde im März 1824 wunschgemäß in den Wurzeln der 1000-jährigen Eiche begraben. Zu seinem Nöbdenitzer Rittergut gehörten aber auch das Mausoleum der Familien Thümmel, Rothkirch und Trach und Wietersheim, ein idyllischer englischer Garten und ein altes und ein neues Schloss. Man segelte auf dem Teich oder spazierte zur „Einsiedeley“ im schattischen Nöbdenitzer Wald. Auf einer geführten Wanderung folgen der Gothaer Schauspieler Ralph-Uwe Heinz und Museumschef Klaus Hofmann Thümmels Spuren. Treffpunkt: 1000-jährige Eiche. Im Anschluss:

21. August, 14 Uhr, Burg Posterstein: Führung durch die Sonderausstellung

Nach einer Mittagspause, die man wahlweise für eine Wanderung auf dem Sprotte-Erlebnispfad nach Posterstein oder ein Mittagessen nutzen kann, gibt es im Museum Burg Posterstein eine Führung durch die Sonderausstellung, die an die Wanderung durch Nöbdenitz anknüpft.

Preis für geführte Wanderung: 10 € für Erwachsene. Die Karte gilt auch für einen Museumsbesuch. Reservierungen werden unter (034496) 22595 bzw. museum@burg-posterstein.de entgegengenommen.

von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

 

Alle Infos zur Thüringer Landesausstellung 2016

24. April – 28. August 2016

„Die Ernestiner – eine Dynastie prägt Europa“
Neues Museum Weimar
Stadtschloss Weimar
Schloss Friedenstein Gotha
Herzogliches Museum Gotha
Zum Blog der Klassikstiftung Weimar

 

Begleitausstellungen:

24. April – 28. August 2016

»Ein ebenso schöner, wie geistreicher Mann…«
Bernhard August von Lindenau im Dienste der Wettiner
Lindenau-Museum Altenburg
www.lindenau-museum.de

 

23. April – 25. September 2016

»Von Saalfeld nach Windsor«
Johann Ernst, Herzog zu Sachsen-Saalfeld, und Europas Königshäuser
Stadtmuseum Saalfeld im Franziskanerkloster
Mehr im Blog: Von Saalfeld nach Windsor: Ernestiner-Begleitausstellungen im Portrait

 

26. Juni – 31. Oktober 2016

Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister
Museum Burg Posterstein

Weitere Blogposts zu #Ernestiner2016

Die Weisheiten eines langjährigen Ernestiner Staatsmannes – als Glückskeks

Blick in die Sonderausstellung zu Hans Wilhelm von Thümmel im Museum Burg Posterstein.

Ausstellungseröffnung auf Burg Posterstein: In jedem Keks versteckt sich ein Aphorismus des Sachsen-Gotha-Altenburgischen Ministers Hans Wilhelm von Thümmel.
Ausstellungseröffnung auf Burg Posterstein: In jedem Keks versteckt sich ein Aphorismus des Sachsen-Gotha-Altenburgischen Ministers Hans Wilhelm von Thümmel.
Am Sonntag, 26. Juni, 15 Uhr, eröffnet der Postersteiner Beitrag zur diesjährigen Thüringer Landesausstellung „Die Ernestiner – eine Dynästie prägt Europa“: Die Sonderschau über Hans Wilhelm von Thümmel (1744–1824), der am Hof der Ernestiner vom Pagen zum Geheimen Rat und Minister aufstieg und als Diplomat unter anderem nach Frankfurt, Berlin und Paris gesandt wurde. Inspiriert von Thümmels Liebe zu aufklärerisch geprägten Landschaftsgärten und Architektur, die ihn in der Nähe Postersteins unter anderem ein chinesisches Badehäuschen und einen Gasthof „Zum Goldenen Drachen“ errichten ließ, erlauben wir uns, zur Ausstellungseröffnung Thümmels Aphorismen in Glückskeksen zu servieren.

Blick in die Sonderausstellung zu Hans Wilhelm von Thümmel im Museum Burg Posterstein.
Blick in die Sonderausstellung zu Hans Wilhelm von Thümmel im Museum Burg Posterstein.

Nachdem sich Thümmel nach 57 Dienstjahren aus dem Ernestiner Staatsdienst zurückzog, verbrachte er seine Zeit vorwiegend auf seinen Rittergütern Nöbdenitz und Untschen, die in direkter Nachbarschaft zu Posterstein liegen. Hier genoss man auf langen Spaziergängen die schöne Landschaft, besuchte regelmäßig den Musenhof der Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761–1821) im nahen Löbichau und ludt die Herzogin und ihre Gäste nach Nöbdenitz zum Tee, zum Diner oder zum Segeln auf dem Teich.

„Dem Herrn Verfasser kamen auf einsamen Spatziergängen, auf welchen das bunte Leben, dem er entronnen, sich wie in einem magischen Spiegel an ihm vorüber bewegte, zuweilen Einfälle, die sich ihm unwillkührlich so tief einprägten, daß er mehrere derselben auf dem Zimmer niederschrieb. Ohne besonderen Werth darauf zu legen, theilte er in gutmüthiger Laune Freunden und Bekannten Bruchstücke der Handschrift zur Ergötzlichkeit mit. Viele meinten, es sei schade, Sprüche dieser Art im Pulte Verkommen zu lassen, und baten dringend um öffentliche Mittheilung einer, unter den Deutschen immer noch seltenen Gabe.“

Dies schrieb Dr. Johann Georg Jonathan Schuderoff (1766–1843) im Vorwort des kleinen, 1821 herausgegebenen Büchleins „Aphorismen aus den Erfahrungen eines Siebenundsiebzigjährigen“ von Hans Wilhelm von Thümmel. Der aus Gotha stammende Schuderoff bekleidete seit 1806 in Ronneburg das Amt eines Oberpfarrers und Superintendenten in Ronneburg, besuchte ebenfalls häufiger den Musenhof Löbichau und die Familie Thümmel in Nöbdenitz. Nach Thümmels Tod 1824 erschien 1827 ein zweiter Band Aphorismen.

Erster Blick in die Sonderausstellung zu "Hans Wilhelm von Thümmel" im Museum Burg Posterstein.
Erster Blick in die Sonderausstellung zu „Hans Wilhelm von Thümmel“ im Museum Burg Posterstein.

Viele der kleinen Sprüche verweisen auf die langjährigen staatsmännischen Erfahrungen Thümmels: „Zuverlässigkeit ist die fruchtbare Mutter des Vertrauens – Jedem Regenten nöthiger, als Gold.“ (Nr. 5, 1821) oder „Die schönsten Palläste sind gewöhnlich nichts weiter, als nette Vogelhäuser, in denen Papageien von allen Farben plaudern und keifen.“ (Nr. 21, 1827) – und passen perfekt in einen Glückskeks.

Sonderausstellung

26. Juni – 31. Oktober 2016

Im Dienste der Ernestiner

Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister.

Eröffnung: 26. Juni, 15 Uhr

Zum Weiterlesen:

Im Dienste der Ernestiner – Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister

„Der Mann unter der 1000-jährigen Eiche“

Romantically minded minister burried under a 1000 year old oak

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

#futureMW: Die Wiederbelebung des Postersteiner Burgbergs – Teil 2

LogoMW_PostersteinBereits letztes Jahr zur #MuseumWeek bei uns im Blog ein Thema, gibt es in diesem Jahr ein Update zur Zukunft des Postersteiner Burgbergs. Heutiges Tagesthema der weltweiten Museumswoche auf Twitter und in anderen sozialen Netzwerken ist #futureMW.

Eine Machbarkeitsstudie, durchgeführt vom Planungsbüro IPU Erfurt und finanziert mit Mitteln der Thüringer Staatskanzlei, der Gemeinde Posterstein und des Museumsvereins Burg Posterstein e. V., hat die Machbarkeit des Projekts bestätigt.

Die historischen Gebäude sind gekauft, die Machbarkeitsstudie erfolgreich abgeschlossen, die Finanzierung auf einem guten Weg
Die historischen Gebäude sind gekauft, die Machbarkeitsstudie erfolgreich abgeschlossen, die Finanzierung auf einem guten Weg

Seit über einem halben Jahr arbeitet der Förderverein Burgberg Posterstein e. V. mit Planungsbüro und Architekt intensiv an der Umsetzung. Ein Finanzierungskonzept einschließlich der Zusicherung von Fördermitteln aus dem Programm der Dorferneuerung steht und die Gemeinde Posterstein möchte das nachhaltige Zukunftsprojekt für den Burgberg unbedingt umsetzen.

Geplante Neugestaltung des Burgbergs

Das Gesamtvorhaben „Gemeinsam nicht einsam- neues Leben auf dem Land“ möchte beispielhaft aufzeigen, wie das Leben im ländlichen Raum, aufbauend auf den bestehenden Qualitäten und Stärken des dörflichen Lebens, funktionieren kann. Ziel des Vorhabens ist es, den Burgberg wieder mit Leben zu erfüllen, eine Nutzungsmischung aus Wohnen, Arbeiten und Freizeit/Tourismus zu etablieren und so Posterstein als Wohn-, Arbeits-, Sozial-, und Kulturraum zu erhalten und weiter zu entwickeln.

Posterstein?!

Posterstein ist eine Gemeinde mit 427 Einwohnern (Stand 2013) im Landkreis Altenburger Land. Sie liegt im strukturschwachen ländlichen Raum zwischen Gera und Altenburg. Posterstein, mit dem Ortsteil Stolzenberg, liegt inmitten einer sanfthügligen, durch die Mäander der Sprotte geprägten, Landschaft. Über der Sprotte in Posterstein, erhebt sich die gleichnamige mittelalterliche Höhenburg mit dem 25 Meter hohen Bergfried als äußerem Wahrzeichen. Die Gemeinde verfügt durch die Autobahnanschlussstelle Ronneburg über einen direkten Anschluss an die A4 (Eisenach-Dresden).

Posterstein: historische Fachwerkhäuser und Bauerngärten, Rad-Wanderwege und über allem thront die Burg (Foto: Petra Nienhold/Museum Burg Posterstein)
Posterstein: historische Fachwerkhäuser und Bauerngärten, Rad-Wanderwege und über allem thront die Burg (Foto: Petra Nienhold/Museum Burg Posterstein)

Laut Regionalplan Ostthüringen liegt Posterstein an der touristischen Infrastrukturachse Gera- Ronneburg- Altenburg. Durch Posterstein führen der Thüringenwanderweg, der Lutherweg und die überregionalen Radwege „Thüringer Städtekette“ sowie die Mittellandroute (D-Netz Route 4) und die Bauerngartenroute (Begleitprojekt Bundesgartenschau 2007). Rad- und Wanderwege, das Postersteiner Ritterturnier und das Seifenkistenrennen bringen insgesamt jährlich über 30.000 Touristen in die Gemeinde.

Ein kulturträchtiger Ort

Die Burg beherbergt seit 1952 das Regionalmuseum des Landkreises, das jährlich rund 22.000 Besucher anzieht. Der Burgberg Posterstein hat für das Altenburger Land und die Region Ostthüringen somit nicht nur historische, sondern auch touristische Relevanz. Die ständige Ausstellung des Museums zeigt vor allem die Burggeschichte und vielfältige Ausstellungen zur regionalen Kulturgeschichte. Davon ist die Exposition zum Musenhof Löbichau der Herzogin von Kurland die umfangreichste Ausstellung zu diesem Teil der europäischen Salongeschichte in einem deutschen Museum.

Kauf der historischen Rittergutsgebäude

Das gesamte Areal des Burgbergs besteht neben der im Eigentum des Landkreises befindlichen Burg, aus dem Herrenhaus, dem ehemaligen Pferdestall sowie dem Lager (ehemalige Scheune), die nun Eigentum des Fördervereins Burgberg Posterstein e.V. sind und zwei weiteren privaten Gebäuden.

Im November 2015 gab es zum ersten Mal die Möglichkeit, das renovierungsbedürftige Herrenhaus zu besichtigen.
Im November 2015 gab es zum ersten Mal die Möglichkeit, das renovierungsbedürftige Herrenhaus zu besichtigen.

Der bauliche Zustand des Herrenhauses, des Pferdestalls und des Lagers sind seit Jahren teilweise mangelhaft. Die bis November 2015 in privater Hand befindlichen Gebäudekomplexe (Scheune, Pferdestall, Herrenhaus) stehen seit 1993 leer und verfielen zusehends. Der Nordflügel der Burg wurde nach der Bodenreform bis auf das Kellergeschoss abgerissen.

Neue Strategie für die ländliche Entwicklung

Posterstein, wie viele Dörfer im ländlichen Raum, unterlag bzw. unterliegt einem starken strukturellen Wandel: die Anzahl der Arbeitnehmer in der Landwirtschaft nimmt ab, ebenso gehen die Arbeitsplätze im Ort zurück. Dafür steigt die Zahl der Pendler, was zu einer Trennung von Arbeitsplatz und Wohnort und somit zu längeren Wegen führt. Aufgrund der Globalisierung der Märkte rücken lokale Produkte in den Hintergrund und die Bevölkerung verliert den Bezug zu Produkten aus der Region und der Produktion von Lebensmitteln.

Der frühere Nordflügel der Burg Posterstein ist derzeit eine Ruine.
Der frühere Nordflügel der Burg Posterstein ist derzeit eine Ruine.

Regionales touristisches Informationszentrum in der Burg Posterstein

Ziel ist der Wiederaufbau des Nordflügels der Burg, um ein unentgeltliches touristisches Informationszentrum dort einzurichten. Gebäudeform und äußeres Aussehen des Neubaus orientieren sich dabei am historischen Vorbild. Alle baulichen Vorhaben sollen Bezug nehmen auf die Geschichte des ehemaligen Gutshofes und gleichzeitig moderne Elemente wie Barrierefreiheit und energetische Selbstversorgung durch Nutzung regenerativer Energien einbeziehen.

Eine Stärke des Tourismus im Altenburger Land ist hohe Zahl von Übernachtungen (von 2002 bis 2014 rund 22% mehr Übernachtungen). Schwächen sind der teilweise hohe Sanierungsbedarf bei Baudenkmälern, fehlende Nutzungskonzepte bei diesen sowie die partiell unzureichende Infrastruktur für Touristen außerhalb der Verdichtungsräume (Geschäfte, Cafés, Freisitze etc.). Zudem gibt es keine etablierten touristischen Leuchttürme außerhalb der Zentren.

Potentiale des Oberes Sprottentals

Auf der regional bedeutsamen touristischen Infrastrukturachse Gera-Ronneburg-Altenburg gibt es, ausgenommen in Altenburg und Gera selbst, keine touristischen Informationszentren, die als Anlaufpunkt für Gäste und Einheimische dienen. Einziger Anlaufpunkt für Touristen ist das Museum der Burg Posterstein, das weder die räumliche noch personelle Ausstattung besitzt, um Gästen vollumfängliche Beratungen anzubieten. Die touristische Vermarktung des Oberen Sprottetals, und somit des südlichen Teiles des Landkreises, übernimmt aktuell der Tourismusverband Altenburger Land e.V. sowie die Tourist-Information im 22 km entfernten Altenburg.

Blick vom Burgturm auf den Burgberg Posterstein
Blick vom Burgturm auf den Burgberg Posterstein

Hier besteht dringender Handlungsbedarf, denn ein touristisches Informationszentrum ist eine wichtige infrastrukturelle Voraussetzung für die erfolgreiche Vermarktung der Region. Die Regionale Entwicklungsstrategie LEADER identifiziert als Handlungsbedarf eine „Verbesserung des touristischen Angebotes auch außerhalb des touristischen Leuchtturms Altenburg“. Der Aufbau eines „ländlichen Reisebüros“ Koordinationsstelle für die touristischen Aktivitäten in der Region kann dazu beitragen, die Stärken der Region sichtbar zu machen und die Schwächen anzugehen und so das touristische Angebot zu verbessern und die gesamte Region positiv zu entwickeln. Gleichzeitig soll eine Vernetzung der Akteure in lokalen Clustern, die zielgruppenbezogen gemeinsam Infrastrukturprojekte und Marketingaktionen erarbeiten und durchführen, stattfinden.

Geplant: Zentrum für Natur und Kultur

Rosine Hahn - gemalt von Friedrich Mascher, Schloss- und Spielkartenmuseum Altenburg, Inv.-Nr. SM 2224
Die wohlhabende Altenburger Bauersfrau Rosine Hahn – gemalt von Friedrich Mascher, Schloss- und Spielkartenmuseum Altenburg, Inv.-Nr. SM 2224

Es soll ein Zentrum für Natur und Kultur entstehen, das das einmalige landwirtschaftliches Gewerbe, den Anbau von Heil-, Duft- und Gewürzpflanzen mit historischen Informationen verbindet. Damit wird angeknüpft an die Gegenwart und Vergangenheit der leistungsstarken Landwirtschaft im Altenburger Land. Den Erzeugern von Heil-, Duft- und Gewürzpflanzen in der Region und in ganz Thüringen soll so eine Bühne geboten werden über ihre Produkte und die Art und Weise der Erzeugung ihrer Rohstoffe zu berichten. Diese Aufgabe kann die Tourist-Information in Teilen mit übernehmen. Auf regionaler Ebene trägt die Maßnahme dazu bei, einen weiteren touristischen Leuchtturm, außerhalb Altenburgs zu schaffen und somit das touristische Angebot der Region zu erweitern.

Eine Zertifizierung der Tourist-Information nach den Kriterien der i-marke (bundesweite Zertifizierung für Tourist-Informationen des Deutschen Tourismusverbands) wird angestrebt, um von Anfang an einen hohen Qualitätsstandard zu garantieren.

Von Klaus Hofmann / Museum Burg Posterstein

Zum Weiterlesen:
Förderverein Burgberg Posterstein
Der Traum vom belebten Burgberg
Aktuelle Sonderausstellung zur Bauernkultur im Altenburger Land

Auf dem Postersteiner Burgberg tut sich etwas: Rittergutsgebäude wechseln den Eigentümer

Das Herrenhaus des ehemaligen Ritterguts Posterstein nach über 20 Jahren Leerstand.
Das Herrenhaus des ehemaligen Ritterguts Posterstein nach über 20 Jahren Leerstand.

Seit dem März, als wir während der #MuseumWeek noch vom geplatzten Traum vom belebten Burgberg berichteten, hat sich einiges getan. Es hat sich der Förderverein Burgberg Posterstein e.V. gegründet und am 14. Oktober 2015 die verbleibenden Gebäude des ehemaligen Ritterguts Posterstein gekauft. Mit Hilfe von Spenden und Fördermitteln wollen die engagierten Bürger das Mammutprojekt in Angriff nehmen und das seit 20 Jahren leer stehende Herrenhaus sanieren sowie den gesamten Burgberg umgestalten.

Gemeinsam und mit der Unterstützung des Landkreises, der Gemeinde Posterstein, von regionalen Firmen, dem Museum Burg Posterstein und tatkräftigen Bürgern möchte der Verein an einem zukunftsfähigen Burgberg arbeiten – ökologisch, sozial und kulturell nachhaltig gestaltet, und somit gewappnet für bevorstehende Herausforderungen, wie den demografischen Wandel, eine unabhängige, klimaneutrale Energieversorgung oder Strukturabbau. Der Thüringer Kulturminister signalisierte bei seinem Besuch in Posterstein Interesse und sicherte dem Projekt finanzielle Starthilfe zu.

Historisches Herrenhaus stand seit 1993 leer

Das Herrenhaus des ehemaligen Ritterguts Posterstein, das im Zuge der Bodenreform 1945 enteignet wurde, stand seit 1993 leer. Erstmalig bot sich nun die Chance zum Rückkauf des Herrenhauses sowie der verbleibdenden Rittergutsgebäude.

Inzwischen wurde mit Geldern der Thüringer Staatskanzlei eine Machbarkeitsstudie für die Realisierung des Konzepts „Gemeinsam nicht einsam“ in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse der Studie sollen zu gegebener Zeit öffentlich in einer Bürgerversammlung vorgestellt werden. Parallel ist die Notsicherung des Gebäudes im Gange. Führungen im unsanierten Gebäude sind geplant. Ein paar Eindrücke vom Zustand des Hauses geben die hier erstmals gezeigten Fotos.

Berühmter Gast auf dem Postersteiner Rittergut: Hans Fallada

Die Geschichte des Postersteiner Ritterguts ist eng verknüpft mit der der Burg Posterstein. Die letzten Rittergutsbesitzer (1833-1945) waren die Familie Herrmann. Ein berühmter „Eleve“ in dem landwirtschaftlichen Betrieb war von 1913 bis 1915 Rudolf Ditzen, der hier seine Ausbildung zum Landwirt – mit Spezialisierung auf die Kartoffelzüchtung – absolvierte. Viel bekannter ist der spätere Schriftsteller unter seinem Künstlernamen Hans Fallada.

Zum Weiterlesen:
Die Projektidee „Gemeinsam nicht einsam“
Der Verein Förderverein Burgberg Posterstein e.V.
Hans Fallada in Tannenfeld und Posterstein

Der Traum vom belebten Burgberg

Unsere Vision für die Wiederbelebung des Burgbergs
Unsere Vision für die „Wiederbelebung“ des Burgbergs
Rund um die Burg Posterstein, die zwischen 1984 und 1991 komplett restauriert werden konnte, gibt es gleich mehrere architektonische Großprojekte, die umgesetzt werden könnten, wenn es die nötigen finanziellen Mittel dafür gäbe. Tagesthema der aktuell laufenden weltweiten #MuseumWeek auf Twitter ist heute #architectureMW – für uns Anlass genug, die „Baustellen“ der Burg genauer unter die Lupe zu nehmen.

Von der Burg selbst fehlt der gesamte Nordflügel, der – nach der Enteignung im Zuge der Bodenreform 1945 – dem Abriss zum Opfer fiel. In seinem ruinösen Zustand bedroht er die bauliche Substanz der mittelalterlichen Burganlage. Dem Museum liegen wunderbare architektonische Entwürfe und eine Konzeption für die Nutzung eines Neubaus vor – allein, der Museumsetat reicht dafür nicht aus.
Vom ehemaligen Rittergut Posterstein existieren noch das ehemals wunderschöne, aber heute baufällige Herrenhaus (seit 1993 leer stehend) und zwei weitere ungenutzte Gebäude.

Historische Ansicht des Herrenhaues des Postersteiner Ritterguts (Museum Burg Posterstein)
Historische Ansicht des Herrenhaues des Postersteiner Ritterguts (Museum Burg Posterstein)

Gleichzeitig benötigt das Museum nicht nur einen Fahrstuhl um barrierefrei zu werden, sondern auch weitere Flächen für Depot und Archiv, Museumscafé, Veranstaltungen und museumspädagogische Arbeit.

Fahrgemeinschaften, Wohnraum, Museumsdepot & Bandproberäume

Eine nachhaltige Vision zur Nutzung und Wiederbelebung der historischen Bauten entwarfen wir zuletzt für einen Förderantrag zur Internationalen Bauausstellung Thüringen. Unter dem Motto „Gemeinsam / nicht einsam“ schwebt uns ein Zentrum für Wohnen, Arbeit, Natur und Kultur vor, das u. a. Mehr-Generationen-Wohnungen, Museumscafé, Mitfahrzentrale und Gemeinschaftsgärten mit einschließt. Aus der IBA-Förderung ist leider nichts geworden. Die nötigen finanziellen Mittel können der Museumsverein Burg Posterstein e.V. und die Gemeinde Posterstein aber allein nicht stemmen. – Ernstgemeinte Finanzierungstipps sind jederzeit willkommen.

Wie das Rttergut Posterstein vor der Bodenreform aussah, zeigt diese historische Postkarte (Museum Burg Posterstein)
Wie das Rttergut Posterstein vor der Bodenreform aussah, zeigt diese historische Postkarte (Museum Burg Posterstein)

Einen Einblick in unser Konzept „Gemeinsam / nicht einsam“ gibt es hier.

Weitere Infos zum Postersteiner Rittergut gibt es auf der Website des Museums.

Eine Übersicht über die Rittergüter des Altenburger Landes (Thüringen) entwarfen wir auf einer Google-Map im Rahmen einer Sonderausstellung:

Hier findet ihr die neusten Tweets & Statistiken zur #MuseumWeek.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Wanderung auf den Spuren des Holzschnitzers Johannis Hopf

Regelmäßig begeben sich Mitglieder des Museumsvereins Burg Posterstein auf thematische Reisen und Ausflüge, die eng mit den Themen des Museums in Verbindung stehen. Der diesjährige Frühjahrsausflug am 26. April führte von Neumark zur Burg Schönfels. Vereinsmitglied Monika Diedrich berichtet darüber:

Inschrift unter der Empore in der Postersteiner Burgkirche
Inschrift unter der Empore in der Postersteiner Burgkirche (Foto: Museum Burg Posterstein)

Am 26. April 2014 machte sich eine siebzehnköpfige Gruppe auf, die Spuren Johannis Hopfs zu suchen, dem zugeschrieben wird, die Holzschnitzereien in der Postersteiner Burgkirche angefertigt zu haben.

Die Wanderung begann im Gut Neumark der Familie von Römer. Das Anwesen, besonders das Schloss, befindet sich in einer permanenten Bausituation. Überall stehen Gerüste, Baumaterialien, eingerissene Wände und halbfertige Gebäude – aber die Dächer sind in Schuss! Darauf verwies die Hausherrin Dorothee von Römer mit Stolz, die uns engagiert durch das ehemalige Rittergut führte.

Familie von Römer musste ihr Schloss nach der Wende zurückkaufen

Die Familie von Römer, Jahrhunderte in und um Zwickau ansässig und tätig, ist seit 1478 mit dem Gut verbunden und kaufte es nach der Wende 1989 von der Treuhand zurück, um es zu bewirtschaften und wieder in Stand zu setzen. Seit der Enteignung durch die Bodenreform 1945 war es ein volkseigenes Gut (VEG) gewesen. Was das jetzt für eine Herkulesaufgabe für die neuen (alten) Eigentümer war, ist und noch sein wird, wird jedem klar, der den Rundgang durch das Schloss mitmacht.

Es könnte durchaus eine Verbindung zwischen dem Gut Neumark und dem prachtvollen Schnitzwerk in der Postersteiner Burgkirche geben (Foto: Römer: http://www.gut-neumark.de/de/bildergalerie.html)
Es könnte durchaus eine Verbindung zwischen dem Gut Neumark und dem prachtvollen Schnitzwerk in der Postersteiner Burgkirche geben (Foto: Römer: http://www.gut-neumark.de/de/bildergalerie.html)

Dieses Schloss aus dem 17. Jahrhundert ist auf den ersten Blick nicht als solches zu erkennen. Es ist ganz schlicht gebaut, ohne jedes Schmuckelement, durch die Zeit und die Nutzung (erst als Notunterkunft für viele Vertriebenenfamilien und später als Heim für psychisch kranke Kinder) heruntergekommen, verlassen und verloren. Hat man aber den Innenhof erreicht, sieht man seine ehemalige Bestimmung – hindurch durch Baugerüste, Dreck und Schutt. Dorothee von Römer führte unsere Gruppe in alle Ecken und Ritzen des alten Gemäuers, erklärte die Entstehungsgeschichte, die ehemalige Nutzung der Räume – auch zu DDR-Zeiten –, wies stolz auf unerwartete Funde von Balken oder Tür- und Fensteröffnungen hin, sprach von den finanziellen Schwierigkeiten und von Glücksmomenten, wenn wieder einmal etwas gelungen war. Bewundernswert ist ihre fröhliche und zuversichtliche Haltung, die sie an den Tag legte, wo sich doch jeder vorstellen konnte, was für eine Last sie und ihre Familie zu tragen hatten. Und natürlich fanden die Besucher Relikte von Holzschnitzereien, die denen in der Postersteiner Kirche glichen. Es wurde darüber gefachsimpelt, Vergleiche angestellt und die Familiengeschichte ins Gedächtnis gerufen, denn einen Zusammenhang könnte es gegeben haben, da eine Tochter der Familie Römer nach Posterstein geheiratet hatte und zu dieser Gelegenheit die Schnitzereien in die Kirche gelangt sein könnten.

Burgkapelle auf Schönfels – Eine Verbindung zum Postersteiner Schnitzwerk?

Wanderung zur Burg Schönfels
Wanderung zur Burg Schönfels

Vom Enthusiasmus und vom Mut der Römers angesteckt, begab sich die Gruppe auf eine Wanderung zur Burg Schönfels. Auch dort sollten sich Holzschnitzereien in der Burgkapelle befinden, die eventuell etwas mit denen in Posterstein und Neumark zu tun haben könnten.

Mitglieder des Museumsvereins bei der Führung durch die Burg Schönfels
Mitglieder des Museumsvereins bei der Führung durch die Burg Schönfels

Auf Burg Schönfels trafen wir wieder auf eine Führerin durch die Burg, die Leiterin des Museums und somit die Burgherrin, die von Tatkraft und Freude am Werk sprühte. Ina Schumann erzählte mit warmen Worten von den geleisteten Arbeiten und denen, die noch zu vollführen seien. Ihre Freude über jede neue Erkenntnis beim Renovieren von Räumen oder bei der Instandsetzung von Mauerwerk übertrug sich auf die interessierten Zuhörer. Sie machte uns aufmerksam auf den wohl wertvollsten Raum in der Burg, auf die Kemenate oder Bohlenstube, die wie ein Kasten aus 13,5 cm dicken Bohlen in die Burg eingebaut wurde. Wo kann man schon ein solches Wunderwerk, noch dazu mit einer kielförmigen Holztür, in einer mittelalterlichen Burg finden! Wie immer bezauberte der Blick vom Turm in die frische Frühlingslandschaft.

Schwebender Engel in der Kapelle der Burg Schönfels - Eine Arbeit aus der Werkstatt des Johannis Hopf?
Schwebender Engel in der Kapelle der Burg Schönfels – Eine Arbeit aus der Werkstatt des Johannis Hopf?

Und endlich zum Schluss der Besichtigung führte Ina Schumann in die Burgkapelle, wo es eine geschnitzte Kanzel zu bewundern gibt. Da blieb die Frage im Raum stehen: Hat sie Beziehungen zu den anderen schon erwähnten Holzschnitzereien? Unterschiede wurden ausgemacht, aber auch Ähnlichkeiten. Und es stellte sich die andere Frage, ob die Kanzel von vornherein für diese Kapelle bestimmt gewesen war oder ob man sie später erst eingebaut hatte? „Ja, ich weiß auch nicht, ob der Engel, der die Kanzel trägt, schon immer diesen Job gehabt hat“, war die humorvolle Antwort der Museumsleiterin.

Was hatte man an diesem Tag nicht alles zu sehen und zu hören bekommen! Wieder einmal hatte es sich für die Museumsfreunde gelohnt, an einer solchen Exkursion teilzunehmen. Viel frische Luft, herrliche Landschaft, alte Geschichte und alte Geschichten, interessante Erkenntnisse, gelungene Überraschungen und zum Schluss noch ein kräftiger Regenguss, der alle bis auf die Haut durchnässte. Aber was tut man nicht alles für seine Bildung!

Monika Diedrich / Museum Burg Posterstein

Weitere Berichte über Ausflüge des Museumsvereins:

Vier Tage Südböhmen (Oktober 2013)

Auf den Spuren von Jean Paul (Mai 2013)

Wo wohnten die Nachfahren von „Baron Münchhausen“?

Ansichtskarte des Ritterguts Windischleuba ((c) Museum Burg Posterstein)
Ansichtskarte des Ritterguts Windischleuba ((c)Museum Burg Posterstein)

Die Geschichte von Windischleuba ist lang, als „Luben“ fand der Ort schon 1181 / 1214 im Zehntverzeichnis des Klosters Bosau Erwähnung. Von 1455 bis 1659 gehörte es wie auch Nobitz der Familie von der Gabelentz, die auf dem Rittergut Poschwitz wohnten. 1492 begann Hans von der Gabelentz in Windischleuba ein Schloss zu errichten und ließ auch die Kirche umfassend erneuern. Sein Sohn Christoph I. von der Gabelentz, Domherr in Mainz, Meißen und Naumburg, beendete den Schlossbau 1532. Seine Nachfolger im Familienbesitz wohnten dann auch in Windischleuba. Sebastian I., gestorben 1575, diente laut Kriegsmatrikel von 1545 seinem Landesherrn „auf der Wendischleubden mit drei Ritterpferden und zwei Langspießern“. Dessen Sohn Sebastian II. lebte 1580 mit Familienmitglieder und Personal auf dem Schloss: Belegt sind sein „Weib, Junker Bastian von der Gabelentz und [sein] Vetter, Georg von der Gabelentz, außerdem ein Schreiber, ein Reiter, ein Seiler, ein Weidemann, ein Junge, ein Schneider, ein Bäcker, eine Köchin, eine Schließerin, eine Käsemutter, sechs Knechte und drei Mägde“. 1661 erlosch die Windischleubaer Linie der Familie von der Gabelentz und die Fürstliche Rentkammer zu Altenburg nutzte das Rittergut anschließend als „Großes Kammergut“.

 Zwei Rittergüter in einem Ort

Das so genannte „Rittergut Windischleuba vorderen Teils“ (Foto: Museum Burg Posterstein)
Das so genannte „Rittergut Windischleuba vorderen Teils“ ((c) Museum Burg Posterstein)

Etwa zur gleichen Zeit entstand aus einem schon vorher bestehenden Bauerngut in Windischleuba ein zweites Rittergut, das so genannte „Rittergut Windischleuba vorderen Teils“, das mit dem anderen Gut nichts zu tun hatte. Als freies Erblehen wechselte es im Laufe der Jahrhunderte mehrfach den Besitzer. Das um 1800 etwa 67 Hektar bemessende Anwesen verfügte über die Erbgerichte über drei Handgüter und 13 Häuser im Dorf. Die Obergerichte über Dorf, Feld und Flur von Windischleuba gehörten weiterhin dem älteren und größeren der beiden Güter, dem Rittergut „hinteren Teils“, das um 1800 rund 220 Hektar Land umfasste. Darüber hinaus besaß es auch die Erbgerichte über zahlreiche Güter und Häuser in Windischleuba und der näheren Umgebung sowie die Patronatsrechte über Schule, Hospital und Kirche von Windischleuba. Ein Erbbegräbnis befand sich an der Außenseite der Kirche.

Der Landsitz eines Staatsmanns

Bernhard August von Lindenau (1779-1854) ((c) Museum Burg Posterstein)
Bernhard August von Lindenau (1779-1854) ((c) Museum Burg Posterstein)

Das Rittergut hinteren Teils wechselte im 17. und 18. Jahrhundert mehrfach den Eigentümer, bis es zusammen mit dem Pohlhof in Altenburg und dem Rittergut Nobitz in den Besitz der Familie von Lindenau gelangte. 1817 erbten Bernhard August von Lindenau (1779-1854), dessen wertvolle Kunstsammlung das Lindenau-Museum Altenburg ausstellt, und sein jüngerer Bruder Friedrich Wilhelm das Gut. Der Wissenschaftler, Kunstsammler und Staatsmann Bernhard August von Lindenau hatte Mathematik, Jura und Kameralistik in Leipzig studiert. Im Laufe seiner langen Karriere leitete er als Astronom die Seeberger Sternwarte bei Gotha, war Landschaftsdirektor des Altenburger Landtages, Geheimer Rat und Minister in Gotha, Gesandter des Königs von Sachsen im Bundestag in Frankfurt und zugleich Gesandter am Niederländischen Hof in Den Haag und schließlich erster Minister im Königreich Sachsen, was der Position des heutigen Ministerpräsidenten gleich kommt. Unter Lindenau wurde in Sachsen eine umfassende Staatsreform durchgeführt. Im Alter zog er sich nach Altenburg zurück, war Abgeordneter des Herzogtums in der Frankfurter Paulskirche und widmete sich in erster Linie seiner Kunstsammlung, die er von Anfang an dem der Öffentlichkeit als Stiftung widmen wollte. So eröffnete er im Revolutionsjahr 1848 auf dem Pohlhof ein Museum mit angeschlossener Kunst- und Gewerbeschule.

Aber auch für die Bewirtschaftung Windischleubas interessierte sich der vielseitige Staatsmann. Noch 1853 ließ er „Amerikanisches Mahlzeug“ in der dortigen Mühle einbauen. Am Schloss und den Wirtschaftsgebäuden ließ er bauliche Veränderungen durchführen. Ein Stück des Wassergrabens um die auf zwei von einander getrennten Inseln verteilte Wasserburg wurde zugeschüttet. Immerhin war in jener Zeit auf der Schlossinsel die alte, viereckige Befestigungsanlage mit vier Rundtürmen noch gut erkennbar.

Die Erben von „Baron Münchhausen“

Das Rittergut Windischleuba ist heute Jugendherberge ((c) Museum Burg Posterstein)
Das Rittergut Windischleuba ist heute Jugendherberge ((c) Museum Burg Posterstein)

Seit 1880 besaßen der aus Niedersachsen stammende Börries Freiherr von Münchhausen (1845-1931) und seine Frau Clementine von der Gabelentz das Rittergut Windischleuba. Der Nachfahre des als Lügenbaron in die Geschichte eingegangenen Hieronymus von Münchhausen (1720-1797) setzte das alte Schloss wieder instand, erweiterte es und restaurierte die Renaissance-Fassade. Darüber hinaus ließ die Familie Münchhausen einen Park anlegen, in dem es unter anderem ein so genanntes „rotes Tempelchen“, ein privates Kaffeehaus, gab.

Unter seinem gleichnamigen Sohn, einem anerkannten Schriftsteller und promovierten Jurist gewann das Gut weiter an Profil. Mit 281 Hektar gehörte es zu den größten Rittergütern im Altenburger Land. Der Balladendichter wachte sorgfältig über Schloss und Garten: Sein Gärtner durfte nur in Ansprache mit ihm „pflanzen, schneiden und sonst irgend etwas vornehmen“ und Außenstehende benötigen für den Zutritt zur Parkanlage seine schriftlichen Erlaubnis. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges, am 16. März 1945, beging Börries von Münchhausen in Windischleuba Selbstmord.

 Enteignung – Vom Schloss zur Jugendherberge

Nach dem Krieg wurden seine Erben enteignet und Teile des Wirtschaftshofes abgerissen. Vom Waalgraben sind heute nur noch Reste erhalten. Das Renaissanceschloss diente zunächst als Landschulheim. Der Park wurde für die Schüler um einen biologischen Lehrpfad, eine Freilichtbühne, eine Kegelbahn und ein Volleyballfeld erweitert. Bis heute befindet sich im gut erhaltenen Schloss eine Jugendherberge, die viel von dem historischen Ambiente erkennen lässt.

Der geschlossene Bauernhof des Rittergutes „vorderen Teils“ wurde 2005 und 2006 trotz denkmalschutzrechtlicher Bedenken abgerissen.

Von Marlene Hofmann

 

Eine interaktive Karte über die Rittergüter im Altenburger Land finden Sie hier: http://tiny.cc/o27p6.

Lesen Sie mehr über die Rittergüter des Altenburger Landes in unseren Publikationen, die Museum gekauft oder per Mail an info@burg-posterstein.de bestellt werden können:

Das alte Schloss sehn wir noch heut…
Aus der Geschichte der Rittergüter im Altenburger Land (Teil II)
© Museum Burg Posterstein 2010

…Und nachmittags fuhren wir nach Nöbdenitz segeln!
Rittergüter im Altenburger Land und ihre Gärten
© Museum Burg Posterstein 2007

 

Ostthüringer Zeitung bringt neue Artikelreihe über die Rittergüter im Altenburger Land

Historische Postkarte, die den Park des Ritterguts Meuselwitz zeigt ((c) Museum Burg Posterstein)
Historische Postkarte, die den Park des Ritterguts Meuselwitz zeigt ((c) Museum Burg Posterstein)

In Zusammenarbeit mit dem Museum Burg Posterstein bringt die Ostthüringer Volkszeitung (OTZ) derzeit eine Artikelreihe über die Rittergüter im Altenburger Land und deren aktuellen Zustand. Jedes Rittergut hat eine individuelle Geschichte, von denen wir einige hier bereits präsentiert haben. Jeden Samstag veröffentlicht die OTZ nun zusammen mit einem Artikel zur Rittergutsgeschichte einen Beitrag zur aktuellen Situation des jeweiligen Ritterguts. Einige der ehemaligs herrschaftlichen Güter stehen heute zum Verkauf, einige sind dem Verfall ausgesetzt, anderen wurde zu neuem Leben verholfen.

Falls Sie selbst Bildmaterial von Altenburger Rittergütern besitzen oder historische Informationen und Erinnerungen beisteuern wollen, können Sie sich unter info@burg-posterstein.de dem Museum oder unter schmoelln@otz.de der Ostthüringer Volkszeitung schreiben.

Bereits erschienene Artikel – Aktuelle Hinweise darauf finden Sie auch immer auf unserer Facebook-Seite

Rittergut Weißbach

Rittergut Selka

Rittergut Meuselwitz

Rittergut Maltis

Rittergut Schwanditz

Publikationen zum Thema:

Das alte Schloss sehn wir noch heut…
Aus der Geschichte der Rittergüter im Altenburger Land (Teil II)
© Museum Burg Posterstein 2010

…Und nachmittags fuhren wir nach Nöbdenitz segeln!
Rittergüter im Altenburger Land und ihre Gärten
© Museum Burg Posterstein 2007