Künstler aus Köln sammelt Staub von Burg Posterstein

Wolfgang Stöcker vom Deutschen Staubarchiv in Köln bei der "Staubentnahme" im Bergfried der Burg Posterstein.
Wolfgang Stöcker vom Deutschen Staubarchiv in Köln bei der „Staubentnahme“ im Bergfried der Burg Posterstein.

Für ein Kunstprojekt im Jahr 2019 sammelte Dr. Wolfgang Stöcker auf Burg Posterstein Staub. Zu Hause in Köln betreibt der freischaffende Künstler das Deutsche Staubarchiv. In Posterstein machte er Fotos und hielt die Staubentnahme akribisch in seinem Tagebuch fest. In kleine Tüten verpackt und säuberlich mit Datum und Fundort beschriftet, nahm Stöcker den Burgstaub, in dem sich manchmal auch Bonbonpapier und tote Insekten befanden, wieder mit nach Köln. Vermischt mit Wachs sollen daraus Skulpturen für eine Ausstellung im Jahr 2019 im Museum Burg Posterstein entstehen.

Auf den „Staubkünstler“ Wolfgang Stöcker, der in Köln Geschichte und Kunst studiert hat, ist das Museum Burg Posterstein vor zwei Jahren durch eine Gruppe Kölner Kulturschaffender, die Herbergsmütter, aufmerksam geworden. Diese veranstalteten ihre Aktion #Kunstputz nicht nur in Köln vor Ort, sondern auch auf Twitter. Dort kam man ins Gespräch und das Museum Burg Posterstein sendete eine Staubprobe aus dem Verlies der Burg. Wolfgang Stöcker nahm die Probe in sein umfangreiches Staubarchiv auf. Die Idee für eine gemeinsame Ausstellung keimte bereits.

Ganz detailliert hält Wolfgang Stöcker fest, wo er welche Staubprobe unter welchen Umständen entnommen hat. Damit thematisiert er nicht zuletzt die museale Arbeit an sich - Sammeln, Bewahren, Erforschen, Ausstellen gehören zu den Grundaufgaben eines Museums.
Ganz detailliert hält Wolfgang Stöcker fest, wo er welche Staubprobe unter welchen Umständen entnommen hat. Damit thematisiert er nicht zuletzt die museale Arbeit an sich – Sammeln, Bewahren, Erforschen, Ausstellen gehören zu den Grundaufgaben eines Museums.

2017 nahmen Marlene Hofmann und Franziska Engemann vom Museum Burg Posterstein an der MAI-Tagung (Museums and the internet) in Bonn teil und besuchten auf dem Rückweg Wolfgang Stöcker in seinem Atelier in Köln Kalk. Im Gepäck hatten sie mehrere Postersteiner Staubproben, die seither – vermischt mit Wachs – zu kleinen Skulpturen gewachsen sind. Mitte August 2017 kam Wolfgang Stöcker nach Posterstein und fotografierte, dokumentierte und „entnahm“ weitere Staubproben.

Ist das Kunst oder kann das weg? – Der bekannte Spruch ist hier Dreh- und Angelpunkt

Wolfgang Stöcker schaut auf Dinge, die normalerweise niemand beachtet.
Warum sammeln wir das eine und ignorieren das andere? Wolfgang Stöcker schaut auf Dinge, die normalerweise niemand beachtet.
Die Philosophie dahinter wirft ein anderes Licht auf die menschliche Kultur und auf die Funktion von Museen – und thematisiert essentielle Fragen: Warum sammeln wir das eine und ignorieren das andere? Was ist es wert, für spätere Generationen bewahrt zu werden und was gerät für immer in Vergessenheit? Wie lange können wir alte Dinge erhalten, bevor auch sie irgendwann zu Staub zerfallen? Wolfgang Stöcker widmet sich in seiner Sammelleidenschaft den übersehenen Details – zum Beispiel dem, was sich zwischen Dielenritze 14 und 15 auf dem Turm der Burg über die Jahrzehnte angesammelt hat. In seinen haus- oder schreinartigen Wachsskulpturen gibt er dem Unförmigen eine neue Form.

Wachs-Spenden können zu Kunst werden

Für das Kunstprojekt kann man dem Künstler Wachs spenden. Das können Kerzenreste aller Art sein, gerne mit einer kleinen Notiz versehen, wann, wo und zu welchem Anlass die Kerze benutzt wurde oder warum sie nicht mehr gebraucht wird. All die sonst als nebensächlich betrachteten Details verarbeitet Wolfgang Stöcker zu etwas Neuem, das dann 2019 in die Sonderausstellung eingeht. Wachsspenden können im Museum Burg Posterstein, Burgberg 1, 04626 Posterstein abgegeben werden – oder direkt im Staubarchiv in Köln.

Links:

Deutsches Staubarchiv

Aktion #kunstputz der Herbergsmütter

Ostthüringer Zeitung über Wolfgang Stöckers Besuch in Posterstein

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Thüringer Keramik mit Ecken und Kanten – Ausstellung von Angelika Kühn von Hintzenstern

Die Keramik-Ausstellung „Mit Ecken und Kanten – 45 Jahre Keramikwerkstatt Angelika Kühn von Hintzenstern“ ist nur noch bis 20. August 2017 im Museum Burg Posterstein zu sehen. Die Keramikerin aus Kühdorf bei Greiz feiert im Jahr 2017 ihr 45-jähriges Werkstattjubiläum. Das Museum Burg Posterstein präsentiert einen Querschnitt durch ihr unkonventionelles Werk – als Sonderschau und als Katalog.

Keramik mit Klang: Blick in die Keramik-Ausstellung im Museum Burg Posterstein.
Keramik mit Klang: Blick in die Keramik-Ausstellung im Museum Burg Posterstein.

Eckige Vasen, besondere Technik

Reliefs, Gefäßskulpturen, Scheibenplastik aus unregelmäßigen Platten und kantige Gefäße sind die Markenzeichen der Keramik von Angelika Kühn von Hintzenstern. Die Keramikerin fertigt ihre Objekte und Reliefs ohne Benutzung der traditionellen Töpferscheibe. Stattdessen walzt sie das Material aus und setzt die entstanden Platten zusammen. In einer Klanginstallation, die sie gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Musiker Matthias von Hintzenstern, für die Postersteiner Ausstellung produzierte, gibt Angelika Kühn von Hintzenstern Einblicke in ihre Arbeitsweise und ihr künstlerisches Werk.

Eigenwillig, sinnlich und überzeugend

Der langjährige Direktor des Geraer Museums für Angewandte Kunst und renommierte Keramikspezialist Hans Peter Jakobson schreibt im Ausstellungskatalog über das Schaffen der Keramikerin Angelika Kühn von Hintzenstern.

Hans Peter Jakobson und Angelika Kühn von Hintzenstern bei der Ausstellungseröffnung im Museum Burg Posterstein.
Hans Peter Jakobson und Angelika Kühn von Hintzenstern bei der Ausstellungseröffnung im Museum Burg Posterstein.

„Angelika Kühn von Hintzenstern ist aus der zeitgenössischen thüringischen Keramikszene nicht mehr wegzudenken. Seit Jahren geht sie erfolgreich ihren eigenen gestalterischen Weg […] Erfolg misst sich dabei weniger in kommerziellen Kategorien als vielmehr an künstlerischer Schöpferkraft, an der Anerkennung und Wertschätzung eines treuen, kenntnisreichen und aufgeschlossenen Freundeskreises sowie der Achtung ihrer Kollegen. Darin findet sie immer wieder Bestätigung und wird bestärkt, sich konsequent in ihrer unverwechselbaren Weise künstlerisch auszudrücken. Dies geschieht unspektakulär mit der ihrem Naturell entsprechenden heiteren Gelassenheit. Eine „Leichtigkeit des Seins“, die ihre Schöpfungen ausstrahlen, ist jedoch alles andere als selbstverständlich, zufällig oder willkürlich; sondern Ergebnis eines langen und beharrlichen Schaffensprozesses, den die Künstlerin als gleichwohl fordernd wie ausgesprochen lustvoll empfindet. Der Weg zur gegenwärtigen Klarheit und Gewissheit des gestalterischen Wollens ist durch mehrere aufeinander aufbauende Entwicklungsstufen nachvollziehbar.“

(Hans Peter Jakobson im Katalog zur Ausstellung)

Die Keramik von Angelika Kühn von Hintzenstern entsteht nicht auf der Töpferscheibe. (Foto: Ulrich Fischer)
Die Keramik von Angelika Kühn von Hintzenstern entsteht nicht auf der Töpferscheibe. (Foto: Ulrich Fischer)

Zu den Lehrern von Angelika Kühn von Hintzenstern zählten Dietrich Kleinschmidt in Saalfeld und Christine Freigang in Bürgel. Seit den 1970er Jahren entstehen keramische Arbeiten in Plattentechnik. 1991 eröffnete sie die eigene Galerie „Schulstube“ und Ende der 1990er Jahre war sie in Leipzig zusammen mit den Keramikern Ute Klötzer und Ludwig Laser in einer Autorengalerie vertreten. Angelika Kühn von Hintzenstern zählt zu den Gründern des Greizer Kunstvereins. Seit 2004 lässt sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Matthias von Hintzenstern „Raum-Klang-Licht“ Installationen entstehen. In Posterstein war sie zuletzt 2008 zusammen mit ihrem Ehemann sowie den beiden Geraer Künstlern Barbara Toch und Wolfgang Schwarzentrub in der Ausstellung „Im Zwischenraum – Vier Künstler im Dialog mit den Räumen der Burg Posterstein“ zu sehen.

Bericht des TV-Journalisten Gunter Auer über die Ausstellung auf Burg Posterstein:

Der Katalog zur Ausstellung:

Das Buch zur Ausstellung: Mit Ecken und Kanten
Das Buch zur Ausstellung: Mit Ecken und Kanten
Mit Ecken und Kanten – Angelika Kühn von Hintzenstern – 45 Jahre Keramikwerkstatt,
40 Seiten, farbig, Museum Burg Posterstein 2017, 10 Euro

Blogpost von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Eine Ausstellung voller Überraschungen – und wozu Druckfehler gut sein können

Ein Holzschnitt aus der in Posterstein gezeigten Biblia Latina Vulgata von 1519, die zur MuseumWeek Aufsehen erweckte.
Ein Holzschnitt aus der in Posterstein gezeigten Biblia Latina Vulgata von 1519, die zur MuseumWeek Aufsehen erweckte.

Das 500. Jubiläum der Reformation ist in diesem Jahr allgegenwärtig. Zu diesem Anlass zeigt auch das Museum Burg Posterstein bis 31. Dezember 2017 eine kleine Kabinettausstellung „Das besondere Exponat zur Reformation: Kostbare Bibeln und das Rollbild “Der Leipziger Festzug zur Reformationsfeier 1830”“. Im Zuge der #MuseumWeek stellte die Burg bereits die kleine, aber feine Sammlung an Bibeln vor, die den Besuchern in den Räumen der ständigen Ausstellung gezeigt werden. Dieser Blogpost führte letztlich zu neuen Erkenntnissen!

Das besondere Exponat der Ausstellung ist ein Rollbild aus der Hand des Leipziger Künstlers Christian Gottfried Heinrich Geißlers (1770-1844). Auf 32 kolorierten Radierungen, die miteinander verklebt und auf einem Holzzylinder aufgerollt wurden, zeigt der Künstler den Festtagsumzug der Stadt Leipzig zum Jubiläum der Confessio Augustana im Jahr 1830.

Länger als gedacht: Das Rollbild von Heinrich Geißler zum Leipziger Festzug zur Reformationsfeier von 1830 aus dem Bestand des Museums Burg Posterstein.
Länger als gedacht: Das Rollbild von Heinrich Geißler zum Leipziger Festzug zur Reformationsfeier von 1830 aus dem Bestand des Museums Burg Posterstein.

Die erste Überraschung: Ein Rollbild, das länger war als gedacht

Um den Besuchern das gesamte Exponat zeigen zu können, wurde das Rollbild im Vorfeld der Ausstellung digitalisiert und kann nun auf einem kleinen Bildschirm in der Ausstellung in Gänze bestaunt werden. Im Zuge dieser Arbeit erlebten wir die erste Überraschung. Das Rollbild, von dem einige Exemplare aus anderen Häusern wie dem Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig bekannt sind, wurde bis dato mit einer Gesamtlänge von zehn Metern betitelt. Es stellte sich schnell heraus, dass diese Maße nicht mit dem Postersteiner Exemplar übereinstimmen konnten. Eine Messung ergab schließlich eine Länge von rund 18 Metern – es hat sozusagen fast die doppelte Größe als zuvor angenommen.

Museumsdirektor Klaus Hofmann mit Uwe Buchheim und dessen Schenkung.
Museumsdirektor Klaus Hofmann mit Uwe Buchheim und dessen Schenkung.

Die zweite Überraschung: Ein Geschenk zur Ausstellungseröffnung

Zur Ausstellungseröffnung am Internationalen Museumstag schenkte der Sammler Uwe Buchheim, der einige seiner seltenen Bibeln für die Sonderschau zur Verfügung stellt, dem Museum Burg Posterstein ein Aquarell des Malers Ernst Welker (1784/88–1857). Welker kam 1819 und 1820 als Zeichenlehrer mit Wilhelmine von Sagan an den Musenhof der Herzogin von Kurland nach Löbichau. Bereits 2015 konnte das Museum Burg Posterstein in der Sonderausstellung „Salongeschichten: Paris – Löbichau – Wien“ eine einmalige Sammlung an Zeichnungen präsentierten, die Welker und Emilie von Binzer, die Ziehtochter Wilhelmine von Sagans, in Löbichau anfertigten. Dargestellt sind die Gäste des Musenhofs in karikativer Art und mit witzigen Sprüchen versehen. Das Aquarell, das Uwe Buchheim dem Museum zum Internationalen Museumstag überreichte, fügt sich somit wunderbar in die Sammlung des Museums. Genaue Infos gibt es hier.

Überraschung Nummer Drei: Neue Erkenntnisse durch die #MuseumWeek

Unter dem Hashtag #BooksMW veröffentlichte das Museum einen Blogbeitrag zur Kabinettausstellung und zu zwei ganz besonderen Bibeln der kleinen Sonderschau. Dabei handelt es sich zum einen um eine Altenburger Bibel aus dem Jahr 1676. Zum anderen um eine Biblia Latina Vulgata aus dem Jahr 1519. Letztere stammt aus Lyon und weist eine starke Ähnlichkeit mit einer Bibelausgabe auf, die sich im Besitz der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart befindet. Texttypus und Holzschnitte stimmen überein. Da dem Postersteiner Exemplar aber kein Deckblatt erhalten geblieben ist, konnten keine genauen Angaben gemacht werden. Doch es folgte die Überraschung! Über die #MuseumWeek auf den Blog aufmerksam geworden, meldeten sich die Experten des Bibelmuseums der Universität Münster bei uns.

Auf einer der letzten Seiten ist dem Drucker ein Fehler unterlaufen - auf diesem Bild sieht man die entsprechende Seite aus dem Postersteiner Exemplar.
Auf einer der letzten Seiten ist dem Drucker ein Fehler unterlaufen – auf diesem Bild sieht man die entsprechende Seite aus dem Postersteiner Exemplar.

Der Teufel steckt im Detail – Von Druckfehlern und neuen Erkenntnissen

Dr. Jan Graefe, Leiter des Bibelmuseums in Münster, bemerkte den Blogbeitrag der Burg Posterstein und wandte sich mit einer interessanten Anfrage an das Museum. Im Bestand des Bibelmuseums befindet sich eine Mareschal-Bibel, die ebenfalls aus Lyon stammt. Das Exemplar aus Münster wurde im Jahr 1514 gedruckt. Das Titelblatt fehlt, aber das Werk weist einen erstaunlichen Fehler auf. Auf einer der letzten Seiten ist zu lesen: „[…] in officina Jacobi marechal […] Anno d[omi]ni decimo quarto supra millesium Duodecimo Kalendas Aprilis.“ Mit anderen Worten: Die Bibel wurde von Jacobus Mareschal am 21. März 1014 gedruckt. Ein kleiner Fehler im Latein des Druckers löscht hier spontan 500 Jahre Geschichte aus.

Dr. Graefe fragte an, ob die Biblia Latina Vulgata, die zurzeit in Posterstein gezeigt wird, ebenfalls eine Mareschal-Bibel ist und ob sich dieser Druckfehler von 1514 auch in der Ausgabe von 1519 fände oder im Laufe der Jahre korrigiert worden ist.

Die in Posterstein ausgestellte Biblia Latina Vulgata aus dem Jahr 1519.
Die in Posterstein ausgestellte Biblia Latina Vulgata aus dem Jahr 1519.

Mit diesem Hinweis konnte das Museum folgende Entdeckung machen: Es handelt sich bei der in Posterstein ausgestellten Bibel tatsächlich um eine Mareschal-Bibel aus dem Jahr 1519. Der Vergleich mit dem Digitalisat der Württembergischen Landesbibliothek ergab, dass das Stuttgarter Exemplar und das Postersteiner aus derselben Zeit stammen: vom 16. Oktober („Decimoseptimo Kalendas Novembris“) 1519. Der kuriose Druckfehler wurde bis dahin nicht korrigiert! Auch in der Postersteiner Ausgabe ist zu lesen: Anno „Decimonono supra millesium“ (1019).

Dr. Graefe klärte schließlich auf:

„In der (Erst-) Ausgabe von 1510 findet sich bezüglich des Druckjahres noch korrekt ‚quingentesimum‘. Ab der Ausgabe von 1514 findet sich der Druckfehler (bei uns und in der Stuttgarter Sammlung). Die letzte Ausgabe dieser Bibel scheint Eure Bibel von 1519 zu sein. Jacobus Mareschal d. Ä. bzw. ‚Jacobus Mareschal‘ druckt in den Folgejahren weitere lateinische Bibeln, aber anscheinend andere Ausgaben, bei denen dieser Fehler sich nicht wiederholt.“

Erst durch den Kontakt mit dem Bibelmuseum der Universität Münster konnte eindeutig geklärt werden, um was für eine Biblia Latina Vulgata es sich in Posterstein handelt. Sie konnte dadurch genau datiert und mit einem gut erforschten Exemplar verglichen werden.

Von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

#BooksMW: Das Buch der Bücher

Die Spezialbibliothek des Museums Burg Posterstein verfügt über einen Bestand von über 7000 Büchern und Handschriften, von denen etwa 650 Bände aus dem 16. bis 19. Jahrhundert stammen. Die Grundsätze des Bestandsaufbaus zielen dabei auf den regionalen Bezug und auf regionalgeschichtliche Forschungen ab. Zur #MuseumWeek und im Lutherjahr zeigen wir einige besondere Bibeln.

Zum 500. Jubiläum der Reformation zeigt das Museum Burg Posterstein eine kleine Kabinettausstellung zum Thema „Das Buch der Bücher“. Dem Besucher wird eine feine Auswahl an kostbaren Bibeln gezeigt, die zum einen aus der umfangreichen Bibliothek des Museums stammen. Ein zweiter Teil wurde dem Museum vom Sammler Uwe Buchheim für die Ausstellung als Leihgabe zur Verfügung gestellt.

Biblia Latina Vulgata aus dem Jahr 1519

Als besondere Kostbarkeiten werden eine Biblia Latina Vulgata aus dem Jahr 1519 (Ausgabe der lateinischen Bibel) und eine Altenburger Bibel aus dem Jahr 1676 gezeigt.

Die ausgestellte Biblia Latina Vulgata stammt wahrscheinlich aus Lyon, das um 1500 besonders für jene Drucke der lateinischen Bibel bekannt und berühmt war. Texttypus und die abgebildeten Holzschnitte des Postersteiner Exponates stimmen mit einer Bibelausgabe aus Stuttgart überein, die sich im Besitz der Württembergischen Landesbibliothek befindet und vor einiger Zeit in der Forschung für Aufruhr sorgte.

Biblia Latina Vulgata, Lyon um 1519, Museum Burg Posterstein
Biblia Latina Vulgata, Lyon um 1519, Museum Burg Posterstein

Die in jenem Stuttgarter Exemplar niedergeschrieben Notizen schienen dem Reformator Martin Luther persönlich zugeordnet werden zu können. Eine intensive Forschung ergab, dass es sich dabei wohl nicht um die Handbibel Luthers gehandelt habe, der Verfasser der Notizen wohl aber Zugang zu ungedruckten Schriften Luthers gehabt haben muss.

Zwar lassen sich in der Vulgata, die in Posterstein ausgestellt wird, ebenfalls handschriftliche Notizen finden. Diese stammen allerdings aus späteren Jahren. Dennoch ist es wahrscheinlich, dass sowohl die Stuttgarter Biblia Latina Vulgata als auch das Postersteiner Exponat den selben Ursprung haben.

Luther übersetzte die Heilige Schrift während seines Aufenthaltes auf der Wartburg 1521/22 in einer außerordentlichen Geschwindigkeit. Zwischen dem griechischen Grundtext und der fertigen deutschen Übersetzung nimmt der damals gebräuchliche lateinische Text der Vulgata eine unterstützende Brückenfunktion ein. Luther muss demnach ein ähnliches Exemplar für seine deutsche Version mitverwendet haben.
(Lesetipp zum Forschungsstand des Stuttgarter Exemplars)

Eine seltene Altenburger Bibel

Die zweite Kostbarkeit der Postersteiner Ausstellung ist eine Altenburger Bibel aus dem Jahr 1676. Diese Heilige Schrift stammt aus dem Verlag des „Waysenhauses, bedruckt bey Samuel Adolph Müllern“ und wurde wahrscheinlich als Studienbibel zur Verwendung im Unterricht genutzt. Diese Version wurde nur in einer sehr kleinen Auflage hergestellt. Aus deutschen Bibliotheken sind bis jetzt nur 10 Exemplare bekannt.

Die Bibeln der Druckerei Endter

Neben diesen beiden Raritäten aus der Sammlung Buchheim sind verschiedene Bibeln der Druckerei Endter aus Nürnberg zu sehen. Diese Familie unterhielt eine der bekanntesten Druckereien ihrer Zeit, welche die Lutherbibel herstellten und vertrieben. Zwischen 1613 und 1792 lassen sich 76 verschiedene, meist großformatige Ausgaben der Heiligen Schrift nach Luther aus diesem Haus nachweisen.

Dillherr-Bibel, Nürnberg 1788, Museum Burg Posterstein.
Dillherr-Bibel, Nürnberg 1788, Museum Burg Posterstein.
Die Kompetenz und Leistungsfähigkeit der Druckerei Endter war so hervorragend, dass die sächsischen Herzöge ihre repräsentativen Bibeln – außerhalb der eigenen Landesgrenzen – in Nürnberg drucken und vertreiben ließen. Dass Nürnberg ein verkehrsgünstiger Handelsplatz war, kam diesem Umstand nur entgegen.

Die Bibeln aus dem Haus Endter in Nürnberg gelten als die meist verbreiteten Familienbibeln des 17. Jahrhunderts, vor allem aber des 18. Jahrhunderts.

Am häufigsten lassen sich zwei Typen der Heiligen Schrift nach Luther ausmachen: die „Weimarer Bibel“, auch „Ernestinisches Bibelwerk“ oder „Kurfürstenbibel“ genannt, und die „Dilherr-Bibel“. Endterbibeln sind ein fester Bestandteil der Spezialbibliothek des Museums Burg Posterstein.

Ausgestellt im Museum Burg Posterstein: Rollbild zum Festumzug zum Reformationsjubiläum 1830 in Leipzig
Ausgestellt im Museum Burg Posterstein: Rollbild zum Festumzug zum Reformationsjubiläum 1830 in Leipzig

Der Festumzug zu Leipzig von 1830

Neben diesen verschiedenen und seltenen Ausgaben der Bibel befindet sich noch eine weitere Kostbarkeit unter den Exponaten der Kabinettausstellung im Museum Burg Posterstein. Es handelt sich dabei um ein 18 Meter langes Rollbild aus der Hand des Leipziger Künstlers Christian Gottfried Heinrich Geißlers (1770-1844). Datiert ist Stück auf das Jahr 1830.

Dargestellt ist der Festumzug zum Jubiläum der Confessio Augustana, der 1830 in Leipzig stattfand. Geißler, der vor allem für seine volkstümlichen Bilder und Karikaturen der Völkerschlacht bekannt war, hielt das Großereignis auf 32 kolorierten Radierungen fest, die schließlich zu einer über 18 Meter langen Papierbahn verklebt und auf einem Holzzylinder aufgerollt wurden.

Von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

Visuelle Reise in die USA mit Ulrich Fischer

Foto "South Dakota, Nr.256, 2009" von Ulrich Fischer.
Foto „South Dakota, Nr.256, 2009“ von Ulrich Fischer.

Der Thüringer Fotograf Ulrich Fischer, der lange Zeit in Gera tätig war, beschäftigt sich seit über 40 Jahren mit der Kunst, außergewöhnliche Momente auf Fotos festzuhalten. In der Sonderausstellung „Die Ferne & die Nähe“ im Museum Burg Posterstein nimmt Fischer die Besucher mit auf ausgedehnte Streifzüge durch die Vereinigten Staaten von Amerika, aber auch in seine nähere Umgebung.

In Zeiten der Präsidentschaft Donald Trumps rücken die USA immer mehr in der Fokus der Öffentlichkeit. Was ist das für eine Nation? Fischers Fotos dokumentieren die Kontraste des riesigen Landes. Über seine Entdeckungsreisen in den USA sagt Fischer:

„Zuweilen argwöhnisch beobachtet und dann freundlich-neugierig befragt suche ich leise Momente, in denen ich mich selbst besinne auf meine Haltung zu diesem Land und seinen Bewohnern – unvoreingenommen und neugierig.“

Ulrich Fischer, geboren 1951 in Grümpen, erwarb an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig sein Diplom als Fotografiker. 35 Jahre lang war er freiberuflich in Gera tätig, wo er die Künstlergruppe „schistko jetno“ mitgründete und die hiesige Kunstszene maßgeblich mitgestaltete.

Ausstellung „Die Ferne & die Nähe – Fotografie von Ulrich Fischer“

12. Februar, 15 Uhr: Feierliche Eröffnung mit Ulrich Fischer
2. April, 15 Uhr: Vortrag „Von Altenburg (Thüringen) nach Altenburg (Missouri, USA)“ über die Auswanderungswelle im 19. Jahrhundert
1. Mai, 15 Uhr: Finissage mit Ulrich Fischer

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Weihnachten wie bei der böhmischen „Großmutter“

Der Weihnachtsbaum hielt sehr spät in Böhmen Einzug, denn die deutsche Tradition setzte sich nur langsam durch. Den ersten geschmückten Weihnachtsbaum gab es in Prag im Jahr 1812, dem Jahr, in dem Napoleon seinen großen Russlandfeldzug startete, in Moskau einmarschierte und vom russischen Winter vernichtend geschlagen wurde. Bei einer privaten Weihnachtsfeier für seine Freunde ließ der Deutsche Johannes Karl Liebich (1773–1816), Direktor des Ständetheaters in Prag, einen geschmückten Baum mit darunter liegenden Geschenken für alle Gäste aufstellen. Nachlesen bzw. hören kann man die Geschichte beim Radio Prag.

In der Weihnachtsausstellung auf Burg Posterstein steht dieses Jahr ein böhmisch geschmückter Tannenbaum.
In der Weihnachtsausstellung auf Burg Posterstein steht dieses Jahr ein böhmisch geschmückter Tannenbaum.

Dieser Baum kam gut an, aber der deutsche Brauch konnte sich in den böhmischen Ländern, in denen gerade das tschechische Nationalbewusstsein erwachte, nicht leicht durchsetzen. Zunächst sollen ihn nur reiche deutsche Familien in ihren Wohnstuben aufgestellt haben. Weite Verbreitung außerhalb des Kreises wohlhabender Bürgerfamilien fand der Weihnachtsbaum wohl erst nach dem Ersten Weltkrieg.

Nüsse und Perlen am Weihnachtsbaum

Perlenschmuck am Weihnachtsbaum im Museum Burg Posterstein.
Perlenschmuck am Weihnachtsbaum im Museum Burg Posterstein.
Geschmückt wurde der Baum traditionell mit selbstgefertigten Dekorationen aus den verschiedensten Materialien: Stroh, Watte, Textilien, Holz, Teigwaren oder Papier, um nur einige zu nennen. Die Grundlage der Schmückung bildeten Nüsse. Goldgefärbt galten sie als Symbol des Reichtums. Ebenso beliebt waren Äpfel, Trockenfrüchte und sogar Kartoffeln, die in verschiedene Formen geschnitzt, auf der Ofenplatte gebacken und mit Zwirn befestigt wurden. Die Materialien variieren nach den Erzeugnissen, die in der entsprechenden Region angebaut wurden. So galten in den bekannten Glashüttenstätten, wie dem Riesengebirgsvorland oder dem Böhmerwald, Perlenketten als beliebter Schmuck. Den Perlenschmuck für den im böhmischen Stil geschmückten Baum in der diesjährigen Weihnachtsausstellung des Museums fertigten übrigens Mitarbeiter des Kinder- und Jugendheims der Kinderarche Sachsen in filigraner Handarbeit.

Am Heiligen Abend wurde jeder reich beschenkt – auch die Tiere

Figurengruppe der Großmutter und Kinder aus Božena Němcovás Klassiker "Die Großmutter".
Figurengruppe der Großmutter und Kinder aus Božena Němcovás Klassiker „Die Großmutter“.
Die tschechische Nationalschriftstellerin Božena Němcová, Autorin des Kunstmärchens „Aschenputtel“, wuchs als Tochter eines Kutschers und einer Wäscherin in Ratibořice nahe dem Schloss der Herzogin Wilhelmine von Sagan, Tochter der Löbichaer Salondame Anna Dorothea von Kurland, auf. Němcová schildert in ihrem Klassiker „Die Großmutter“ anschaulich die weihnachtlichen Bräuche ihrer Kindheit:

„Am Heiligen Abend wurde jeder reich beschenkt, selbst das Geflügel und das Vieh bekamen ihren Weihnachtsstollen, und nach dem Abendessen nahm die Großmutter je ein Stück von allen Speisen, die auf dem Tisch gekommen waren, warf die Hälfte davon in den Bach, damit das Wasser rein und gesund bleibe, die andere Hälfte aber vergrub sie im Garten unter einem Baum, damit die Erde fruchtbar sei. Alle Brosamen sammelte sie sorgfältig und warf sie ins Feuer, „damit es keinen Schaden anrichte.“
[…] Da trat auch schon die Mutter ins Zimmer und sagte zu den Kindern, das Christkind habe seine Gaben in Großmutters Stube gebracht.
War das ein Rennen, war das eine Freude, als sie den strahlenden, geschmückten Christbaum und darunter die schönen Geschenke sahen!
Die Großmutter hatte zwar früher diese Sitte nicht gekannt, unter dem einfachen Volk war sie nicht üblich, aber sie gefiel ihr; schon lange vor Weihnachten hatte sie selbst an den Baum gedacht und dann ihrer Tochter beim Schmücken des Christbaums geholfen.“
Aus: Božena Němcová: Die Großmutter. Bilder aus dem ländlichen Leben, Prag 1978, S. 151-153.

Die Sonderausstellung „Weihnachten mit Aschenputtel – Böhmische Weihnachtskrippen“ ist noch bis 8. Januar 2017 zu sehen.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

17 detailreiche Papierkrippen für unsere Weihnachtsausstellung

Für die Ausstellung „Weihnachten mit Aschenputtel – Böhmische Weihnachtskrippen auf Burg Posterstein“ fertigte Dieter Fallgatter, langjähriges Mitglied im Museumsverein Burg Posterstein, 17 Papierkrippen nach böhmischen Vorlagen. Teilweise handelt es sich dabei um historische Entwürfe für aus Karton geschnittenen Weihnachtskrippen, teilweise um neuere Modelle von bekannten tschechischen Illustratoren wie Josef Lada und Mikoláš Aleš.

Blick in die Weihnachtskrippenausstellung "Weihnachten mit Aschenputtel - Böhmische Weihnachtskrippen" im Museum Burg Posterstein.
Blick in die Weihnachtskrippenausstellung „Weihnachten mit Aschenputtel – Böhmische Weihnachtskrippen“ im Museum Burg Posterstein.

Jedes Jahr zeigt das Museum Burg Posterstein eine Auswahl seiner rund 500 Weihnachtskrippen umfassenden Krippensammlung. In diesem Jahr liegt der regionale Schwerpunkt auf Böhmen. Wir spannen den inhaltlichen Bogen von böhmischen Krippen und Bräuchen über das Kunstmärchen „Aschenputtel“ der tschechischen Nationaldichterin Božena Němcová (1820–1862) hin zum Musenhof Löbichau der Herzogin von Kurland.

Weihnachtlicher Papiermodellbau für Bastler

Museumsvereinsmitglied Dieter Fallgatter präsentiert eine der 17 von ihm für die Ausstellung gefertigten Papierkrippen.
Museumsvereinsmitglied Dieter Fallgatter präsentiert eine der 17 von ihm für die Ausstellung gefertigten Papierkrippen.
Dieter Fallgatter beschäftigt sich als pensionierter Bauingenieur bereits seit Jahrzehnten mit dem Papiermodellbau von Architekturmodellen. In der Weihnachtszeit fertigt er auch gern böhmische Krippenmodelle. Auf Ausflügen nach Tschechien bringt er regelmäßig neue Krippenbögen zum Ausschneiden und Anfertigen von Papierkrippen mit nach Hause.

„Früher wurden die böhmischen Papierkrippen auf Sperrholz geklebt und ausgesägt“, erklärt Fallgatter. Er habe sich jedoch für Papier entschieden, um bei dem Medium zu bleiben, das er am liebsten bearbeitet. Für eine Krippe braucht er etwa zwei ganze, intensive Arbeitstage. Damit die Krippen nach der Weihnachtszeit besser zu verstauen sind, befinden sich Fallgatters Modelle eingebaut in Kartons. So sind sie auch in der Postersteiner Ausstellung zu sehen. Fallgatters Lieblingskrippe ist ein Modell mit historischen Figuren aus Lansperk in Ostböhmen, das dreiteilig wie ein Altar aufgebaut ist.

Vomn Dieter Fallgatter gefertigte böhmische Papierkrippe nach einer Vorlage von Mikoláš Aleš, 1902.
Vomn Dieter Fallgatter gefertigte böhmische Papierkrippe nach einer Vorlage von Mikoláš Aleš, 1902.


Eigene Papierkrippen herstellen zum Familiennachmittag

Am 2. Advent konnte man mit der ganzen Familie ans Werk schreiten und neben weihnachtlichem Schmuck auch eigene Papierkrippen fertigen. Vorlagen hierfür gibt es online, beispielsweise hier bei der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Böhmische Motive kann man über verschiedene Verlage beziehen. Die Ergebnisse können sich sehen lassen.

Diese Papierkrippe entstand durch den Familiennachmittag auf Burg Posterstein.
Diese Papierkrippe entstand durch den Familiennachmittag auf Burg Posterstein.

Romantische Weihnachtsmärchen am 4. Advent mit der Dresdner Sprecherin Ines Hommann

Für den 4. Advent, 18. Dezember 2016, 15 Uhr, laden wir zur Märchenlesung mit Ines Hommann ein. Neben einem bunt gemischten Programm für große und kleine Zuhörer liest Ines Hommann natürlich auch das Kunstmärchen „Aschenputtel“ der tschechischen Schriftstellerin Božena Němcová, das die Vorlage für den weihnachtlichen Kultfilm „Drei Haselnüsse fürAschenputtel“ bildete.

Von Marlene Hofmann/Museum Burg Posterstein

Hans Thummel auf den Spuren von Hans Wilhelm von Thümmel

Hans Thummel aus Chicago beim Besuch der 1000-jährigen Eiche in Nöbdenitz, dem Grab des Sachsen-Gotha-Altenburgischen Ministers Hans Wilhelm von Thümmel
Hans Thummel aus Chicago beim Besuch der 1000-jährigen Eiche in Nöbdenitz, dem Grab des Sachsen-Gotha-Altenburgischen Ministers Hans Wilhelm von Thümmel

Die umfangreiche Biografie über den Sachsen-Gotha-Altenburgischen Minister Hans Wilhelm von Thümmel (1744–1824) war gerade veröffentlicht und die Postersteiner Begleitausstellung zur Thüringer Landesausstellung „Die Ernestiner“ lief noch. Da erreichte das Museum über den Nöbdenitzer Bürgermeister eine E-Mail von einem Hans Thummel aus Amerika. Der Architekt aus Chicago hatte auf dem Blog des Museums einen englischsprachigen Artikel über Hans Wilhelm von Thümmel entdeckt.

In seiner Familie, die um 1840 nach Amerika ausgewandert sei, existiere auch die Kopie der Ansicht des Thümmelschen Palais und er wolle sich auf die Suche nach seinen familiären Wurzeln auf eine Reise nach Deutschland machen. Zunächst hielt er das Nöbdenitzer Herrenhaus für das Palais auf der historischen Ansicht. Im Museum war er im Hinblick auf neuste Infos zu Hans Wilhelm von Thümmel an der richtigen Adresse.

Der Architekt weilte zu zwei Tagungen in Deutschland in Freiburg und Berlin. Am 21. November 2016 reiste Hans Thummel schließlich von Leipzig nach Altenburg. In der Thümmelstraße klingelte er auf gut Glück am Palais und erhielt eine umfangreiche Führung durch den neuen Besitzer Wolfgang Herget, der das historische Wohnhaus Hans Wilhelm von Thümmels liebevoll renoviert.

Die 1000-jährige Eiche in Nöbdenitz - außergewöhnliche Grabstätte von Hans Wilhelm von Thümmel.
Die 1000-jährige Eiche in Nöbdenitz – außergewöhnliche Grabstätte von Hans Wilhelm von Thümmel.
Danach fuhr er weiter nach Nöbdenitz, wo er sich an Hans Wilhelm von Thümmels außergewöhnlicher Grabstätte, der 1000-jährigen Eiche, mit den Mitarbeitern des Museums Burg Posterstein traf. Man besichtigte das Herrenhaus, den Teich und die Überreste des Mausoleums, das in den 1960er Jahren abgerissen wurde. Die Kirchgemeinde Nöbdenitz öffnete die Kirche für eine kurze Besichtigung. Eine Führung durch Burgkirche und das Museum Burg Posterstein rundete das Ausflugsprogramm ab. In den Vereinigten Staaten beschäftigt sich der Architekt unter anderem mit der Renovierung historischer Gebäude, die in den USA allerdings oft nur etwa hundert Jahre alt sind. Umso mehr beeindrucken ihn die 800 Jahre alte Burg, die Sanierung des Postersteiner Herrenhauses, die historischen Kirchen und der 1000-jährige Baum.

„Ich bin der einzige aus meiner Familie, der es je bis hierher geschafft hat“, sagte Thummel ergriffen. „Ich mache so viele Fotos, um sie zu Hause zeigen zu können.“ Die Reise sei für ihn Anlass, sich näher mit seiner Familiengeschichte zu befassen. „Bewaffnet“ mit der Thümmel-Biografie des Museums will er sich mit weiteren offenen Fragen beschäftigen: Von welcher Thümmel-Linie stammt er ab, warum wanderte seine Familie aus?

Über den historischen Hans Wilhelm von Thümmel:

Hans Wilhelm von Thümmel (1744–1824) stieg am Hof der Ernestiner Herzöge in Gotha zwischen 1760 und 1804 vom Pagen zum Minister auf. In Altenburg brachte er viele wichtige Projekte voran, darunter die Vermessung und Kartierung des Altenburger Landesteils, den Straßenbau sowie den Bau eines modernen Krankenhauses und mehrerer Armenhäuser.

Nach 57 Dienstjahren für die Herzöge von Sachsen-Gotha und Altenburg nahm der 73-jährige Thümmel im Jahr 1817 seinen Rücktritt aus den Staatsdiensten. Die Familie verbrachte dann mehr Zeit als zuvor auf den Rittergütern in Nöbdenitz und Untschen. Von dort aus war es nicht weit zum Musenhof Löbichau der Herzogin von Kurland, es herrschte damals ein regelmäßiger Austausch zwischen diesen Rittergütern. Obwohl seine Familie auch ein herrschaftliches Erbbegräbnis besaß, wählte sich Thümmel eine selbst für die damalige Zeit ungewöhnliche Grabstätte: die mächtige Eiche am Pfarrhof, genannt die „Tausendjährige“.

thummel-umschlaglWer das Buch zur Ausstellung noch vor Weihnachten erwerben möchte sollte sich beeilen, denn der Verkauf läuft ausgesprochen gut.

Buch zur Ausstellung: 168 Seiten, farbig, Museum Burg Posterstein, 2016
ISBN 978-3-86104-136-8, 20.00 Euro

Zum Weiterlesen im Blog:
Frag Thümmel! – Wir beantworten Fragen zur Ausstellung am #AskACurator-Tag
Hans Wilhelm von Thümmels Gesandtschaften: Paris
Mit Baron von Thümmel durch Nöbdenitz: Gut besuchte Wanderung des Museums Burg Posterstein
Fast so viele Holländer wie Nöbdenitzer besuchten bisher die Postersteiner Ernestiner-Ausstellung
Im Dienste der Ernestiner – Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister
Die Weisheiten eines langjährigen Ernestiner Staatsmannes – als Glückskeks
Blogpost: Hans Wilhelm von Thümmel – der Mann unter der 1000-jährigen Eiche
Die 1000-jährige Eiche in Nöbdenitz
Weitere Infos zum Musenhof Löbichau

Von Marlene Hofmann/Museum Burg Posterstein

Sonderschau lockte über 6000 Besucher und Ahnenforscher aus der ganzen Welt

Die Besucher der Sonderausstellung über Hans Wilhelm von Thümmel kamen größtenteils aus Thüringen und Sachsen.
Die Besucher der Sonderausstellung über Hans Wilhelm von Thümmel kamen größtenteils aus Thüringen und Sachsen.

Insgesamt sahen weit über 6000 Besucher die Sonderausstellung „Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister“ im Museum Burg Posterstein, die am Montag mit einem gut besuchten Vortrag zu Ende ging. „Baumforscher“ Dr. Matthias Schütze analysierte darin das Alter der 1000-jährigen Eiche in Nöbdenitz, der Grabeiche Hans Wilhelm von Thümmels.

Nachfahren Thümmels aus ganz Deutschland kamen nach Posterstein

Die Postersteiner Sonderausstellung war nicht nur die vermutlich erste, die sich allein dem für das Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg bedeutenden Minister Hans Wilhelm von Thümmel (1744–1824) widmete. Sie lehnte sich auch als Begleitausstellung an die große Thüringer Landesausstellung „Die Ernestiner – Eine Dynastie prägt Europa“ in Weimar und Gotha an. Nach Posterstein kamen weit über 6000 Besucher, drei Viertel davon aus Thüringen und Sachsen. Insgesamt reisten die Gäste aus 15 verschiedenen Ländern an.

Für die Sonderschau konnten selten gezeigte Leihgaben wie Thümmels Pariser Tagebuch aus dem Staatsarchiv Gotha und die Grassi-Portraits des Ehepaars Thümmels geliehen werden.
Für die Sonderschau konnten selten gezeigte Leihgaben wie Thümmels Pariser Tagebuch aus dem Staatsarchiv Gotha und die Grassi-Portraits des Ehepaars Thümmels geliehen werden.

Die Ausstellung besuchten auch mehrere Forscher und Nachfahren Thümmels aus verschiedenen Regionen Deutschlands. Ein weiterer Verwandter des umtriebigen Staatsmannes Thümmel will Mitte November aus den USA anreisen. Der Architekt Hans Thummel aus Chicago ist per E-Mail mit dem Museum Burg Posterstein in Kontakt getreten und will sich unter anderem in Leipzig, Altenburg, Nöbdenitz und Posterstein auf die Spuren seines Vorfahren machen.

Hans Wilhelm von Thümmel stieg am Hof der Ernestiner Herzöge in Gotha vom Pagen zum Minister auf. In Altenburg brachte er viele wichtige Projekte voran, darunter die Vermessung und Kartierung des Altenburger Landesteils, den Straßenbau sowie den Bau eines modernen Krankenhauses und mehrerer Armenhäuser.

Nach der Ausstellung ist vor der Ausstellung

Derzeit wird im Museum Burg Posterstein die Sonderausstellung abgebaut und die zahlreichen Leihgaben – u.a. aus Gotha, Jena, Leipzig, Zeulenroda und Altenburg – wieder zurückgegeben. Die wertvollen neuen Informationen zur Person Hans Wilhelm von Thümmel werden langfristig einen prominenten Platz in der Dauerausstellung des Museums finden, die ständig überarbeitet wird. Das Buch zur Ausstellung ist weiterhin im Museum Burg Posterstein (auch telefonisch oder per E-Mail bestellbar) erhältlich. Derweil wird die nächste Sonderausstellung vorbereitet: Am ersten Advent eröffnete die familienfreundliche Weihnachtsausstellung „Weihnachten mit Aschenputtel – böhmische Weihnachtskrippen“.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Zum Weiterlesen über Hans Wilhelm von Thümmel:
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Ausstellung vereint Familien: Noch eine Woche #MascherMarchen

Unter dem Hashtag #MascherMarchen geistern Altenburger Bauern des 19. Jahrhunderts seit Frühjahr 2016 durch die Netzwelt. Die Gemeinschaftsausstellung von Museum Burg Posterstein und Schloss- und Spielkartenmuseum im Residenzschloss Altenburg zeigt Pastellporträts des Wandermalers Friedrich Mascher (1815–1880), der bevorzugt die wohlhabenden Bauern der Region detailreich darstellte. In Altenburg läuft die Sonderausstellung noch bis Sonntag, 6. November 2016.

Eine Ausstellung, die Familien zusammenführt

Immer noch tauchen von Mascher gezeichnete Portraits in Privatsammlungen auf, oft sind die Bilder unsigniert und nur am Stil erkennbar. Auf die Ausstellung auf Burg Posterstein hin meldete sich beispielsweise eine Familie Mehlhorn aus Ponitz, die ein Bild mit drei Kindern besitzt. Sie zeigten es den Kollegen vom Schloss- und Spielkartenmuseum Altenburg und erwähnten, dass die Bildnisse der Eltern, die aus Garbisdorf stammten, leider verschollen seien. Es stellte sich heraus, dass sich die Portraits der Eltern in der Sammlung des Schloss- und Spielkartenmuseums befinden. – In der Sonderausstellung war die Familie nun erstmals wieder „vereint“ zu sehen.

Ein Kinderbild aus Privatbesitz passte unerwartet zu Portraits eines Ehepaars aus der Sammlung des Schloss- und Spielkartenmuseums Altenburg
Ein Kinderbild aus Privatbesitz passte unerwartet zu Portraits eines Ehepaars aus der Sammlung des Schloss- und Spielkartenmuseums Altenburg

Die Portraits der Mehlhorns können zum Frühwerk Maschers gezählt werden. Gustav Wolf von der Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes konnte über die abgebildeten Eheleute in Kirchenbüchern Folgendes herausfinden:

Zacharias Mehlhorn kam am 4. Juni 1810 in Garbisdorf zur Welt. Sein Vater war der Anspanner Gottfried Mehlhorn und seine Mutter hieß Christine, geborene Bauer, aus Langenleuba-Niederhain.
Zacharias Mehlhorn heiratete am 10. Februar 1842 in der Kirche Ziegelheim Christine Müller, die Tochter des Anspanners Jacob Müller aus Niederarnsdorf. Die Kirchenbücher betiteln ihn dabei mit „Anspanner und Waldenburgischer Amtsrichter alhier“. Noch im Jahr 1880 diente er als zweiter Amtsschulze in der Gemeinde Garbisdorf.
Den gemeinsamen Hof kaufte Zacharias Mehlhorn am 5. Februar 1834 mit Zubehör für 6.050 Gulden von seinen Vater Gottfried Mehlhorn. Sein Vater besaß seit 27. Juni 1807 das ehemalige Veit‘sche Pferdefrongut „mit 2 ¾ Hufen“, das heißt 21,2 Hektar, als Folge seiner Hochzeit mit Christiane Veit am 5. April 1804. Weitere Vorbesitzer waren: die gleichnamige Christiane Veit (seit 24. August 1765), Michael Veit (seit 1. Februar 1736), Jacob Veit der Untere und Michael Veit (seit 11. Juli 1693).
1880 wurde der Besitz mit einer Größe von 41,1 Hektar angegeben. Um 1883 übernahm Emil Mehlhorn das Anspanngut.

Welcher der Söhne auf dem Portrait Emil Mehlhorn ist, bleibt jedoch unklar.

#MascherMarchenMemo mit Christine Mehlhorn aus Garbisdorf

Wer noch einmal online #MascherMarchenMemo spielen möchte, kann dies hier tun – das Kartenspiel zum Anfassen gibt es noch in den Museumsshops in Altenburg und Posterstein. – Das Portrait von Christine Mehlhorn ist mit dabei.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

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