Wo wohnten die Nachfahren von „Baron Münchhausen“?

Ansichtskarte des Ritterguts Windischleuba ((c) Museum Burg Posterstein)
Ansichtskarte des Ritterguts Windischleuba ((c)Museum Burg Posterstein)

Die Geschichte von Windischleuba ist lang, als „Luben“ fand der Ort schon 1181 / 1214 im Zehntverzeichnis des Klosters Bosau Erwähnung. Von 1455 bis 1659 gehörte es wie auch Nobitz der Familie von der Gabelentz, die auf dem Rittergut Poschwitz wohnten. 1492 begann Hans von der Gabelentz in Windischleuba ein Schloss zu errichten und ließ auch die Kirche umfassend erneuern. Sein Sohn Christoph I. von der Gabelentz, Domherr in Mainz, Meißen und Naumburg, beendete den Schlossbau 1532. Seine Nachfolger im Familienbesitz wohnten dann auch in Windischleuba. Sebastian I., gestorben 1575, diente laut Kriegsmatrikel von 1545 seinem Landesherrn „auf der Wendischleubden mit drei Ritterpferden und zwei Langspießern“. Dessen Sohn Sebastian II. lebte 1580 mit Familienmitglieder und Personal auf dem Schloss: Belegt sind sein „Weib, Junker Bastian von der Gabelentz und [sein] Vetter, Georg von der Gabelentz, außerdem ein Schreiber, ein Reiter, ein Seiler, ein Weidemann, ein Junge, ein Schneider, ein Bäcker, eine Köchin, eine Schließerin, eine Käsemutter, sechs Knechte und drei Mägde“. 1661 erlosch die Windischleubaer Linie der Familie von der Gabelentz und die Fürstliche Rentkammer zu Altenburg nutzte das Rittergut anschließend als „Großes Kammergut“.

 Zwei Rittergüter in einem Ort

Das so genannte „Rittergut Windischleuba vorderen Teils“ (Foto: Museum Burg Posterstein)
Das so genannte „Rittergut Windischleuba vorderen Teils“ ((c) Museum Burg Posterstein)

Etwa zur gleichen Zeit entstand aus einem schon vorher bestehenden Bauerngut in Windischleuba ein zweites Rittergut, das so genannte „Rittergut Windischleuba vorderen Teils“, das mit dem anderen Gut nichts zu tun hatte. Als freies Erblehen wechselte es im Laufe der Jahrhunderte mehrfach den Besitzer. Das um 1800 etwa 67 Hektar bemessende Anwesen verfügte über die Erbgerichte über drei Handgüter und 13 Häuser im Dorf. Die Obergerichte über Dorf, Feld und Flur von Windischleuba gehörten weiterhin dem älteren und größeren der beiden Güter, dem Rittergut „hinteren Teils“, das um 1800 rund 220 Hektar Land umfasste. Darüber hinaus besaß es auch die Erbgerichte über zahlreiche Güter und Häuser in Windischleuba und der näheren Umgebung sowie die Patronatsrechte über Schule, Hospital und Kirche von Windischleuba. Ein Erbbegräbnis befand sich an der Außenseite der Kirche.

Der Landsitz eines Staatsmanns

Bernhard August von Lindenau (1779-1854) ((c) Museum Burg Posterstein)
Bernhard August von Lindenau (1779-1854) ((c) Museum Burg Posterstein)

Das Rittergut hinteren Teils wechselte im 17. und 18. Jahrhundert mehrfach den Eigentümer, bis es zusammen mit dem Pohlhof in Altenburg und dem Rittergut Nobitz in den Besitz der Familie von Lindenau gelangte. 1817 erbten Bernhard August von Lindenau (1779-1854), dessen wertvolle Kunstsammlung das Lindenau-Museum Altenburg ausstellt, und sein jüngerer Bruder Friedrich Wilhelm das Gut. Der Wissenschaftler, Kunstsammler und Staatsmann Bernhard August von Lindenau hatte Mathematik, Jura und Kameralistik in Leipzig studiert. Im Laufe seiner langen Karriere leitete er als Astronom die Seeberger Sternwarte bei Gotha, war Landschaftsdirektor des Altenburger Landtages, Geheimer Rat und Minister in Gotha, Gesandter des Königs von Sachsen im Bundestag in Frankfurt und zugleich Gesandter am Niederländischen Hof in Den Haag und schließlich erster Minister im Königreich Sachsen, was der Position des heutigen Ministerpräsidenten gleich kommt. Unter Lindenau wurde in Sachsen eine umfassende Staatsreform durchgeführt. Im Alter zog er sich nach Altenburg zurück, war Abgeordneter des Herzogtums in der Frankfurter Paulskirche und widmete sich in erster Linie seiner Kunstsammlung, die er von Anfang an dem der Öffentlichkeit als Stiftung widmen wollte. So eröffnete er im Revolutionsjahr 1848 auf dem Pohlhof ein Museum mit angeschlossener Kunst- und Gewerbeschule.

Aber auch für die Bewirtschaftung Windischleubas interessierte sich der vielseitige Staatsmann. Noch 1853 ließ er „Amerikanisches Mahlzeug“ in der dortigen Mühle einbauen. Am Schloss und den Wirtschaftsgebäuden ließ er bauliche Veränderungen durchführen. Ein Stück des Wassergrabens um die auf zwei von einander getrennten Inseln verteilte Wasserburg wurde zugeschüttet. Immerhin war in jener Zeit auf der Schlossinsel die alte, viereckige Befestigungsanlage mit vier Rundtürmen noch gut erkennbar.

Die Erben von „Baron Münchhausen“

Das Rittergut Windischleuba ist heute Jugendherberge ((c) Museum Burg Posterstein)
Das Rittergut Windischleuba ist heute Jugendherberge ((c) Museum Burg Posterstein)

Seit 1880 besaßen der aus Niedersachsen stammende Börries Freiherr von Münchhausen (1845-1931) und seine Frau Clementine von der Gabelentz das Rittergut Windischleuba. Der Nachfahre des als Lügenbaron in die Geschichte eingegangenen Hieronymus von Münchhausen (1720-1797) setzte das alte Schloss wieder instand, erweiterte es und restaurierte die Renaissance-Fassade. Darüber hinaus ließ die Familie Münchhausen einen Park anlegen, in dem es unter anderem ein so genanntes „rotes Tempelchen“, ein privates Kaffeehaus, gab.

Unter seinem gleichnamigen Sohn, einem anerkannten Schriftsteller und promovierten Jurist gewann das Gut weiter an Profil. Mit 281 Hektar gehörte es zu den größten Rittergütern im Altenburger Land. Der Balladendichter wachte sorgfältig über Schloss und Garten: Sein Gärtner durfte nur in Ansprache mit ihm „pflanzen, schneiden und sonst irgend etwas vornehmen“ und Außenstehende benötigen für den Zutritt zur Parkanlage seine schriftlichen Erlaubnis. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges, am 16. März 1945, beging Börries von Münchhausen in Windischleuba Selbstmord.

 Enteignung – Vom Schloss zur Jugendherberge

Nach dem Krieg wurden seine Erben enteignet und Teile des Wirtschaftshofes abgerissen. Vom Waalgraben sind heute nur noch Reste erhalten. Das Renaissanceschloss diente zunächst als Landschulheim. Der Park wurde für die Schüler um einen biologischen Lehrpfad, eine Freilichtbühne, eine Kegelbahn und ein Volleyballfeld erweitert. Bis heute befindet sich im gut erhaltenen Schloss eine Jugendherberge, die viel von dem historischen Ambiente erkennen lässt.

Der geschlossene Bauernhof des Rittergutes „vorderen Teils“ wurde 2005 und 2006 trotz denkmalschutzrechtlicher Bedenken abgerissen.

Von Marlene Hofmann

 

Eine interaktive Karte über die Rittergüter im Altenburger Land finden Sie hier: http://tiny.cc/o27p6.

Lesen Sie mehr über die Rittergüter des Altenburger Landes in unseren Publikationen, die Museum gekauft oder per Mail an info@burg-posterstein.de bestellt werden können:

Das alte Schloss sehn wir noch heut…
Aus der Geschichte der Rittergüter im Altenburger Land (Teil II)
© Museum Burg Posterstein 2010

…Und nachmittags fuhren wir nach Nöbdenitz segeln!
Rittergüter im Altenburger Land und ihre Gärten
© Museum Burg Posterstein 2007

 

Beben im Indischen Ozean konnte auch in Thüringen gemessen werden

Erdbebenmessung in Heukewalde, 11. April 2012
Erdbebenmessung in Heukewalde, 11. April 2012

Auch in der Messstation Heukewalde (Kürzel HKWD), die in direkter Nachbarschaft zur Burg Posterstein liegt, ließ gestern das Beben im Indischen Ozean den Seismographen ausschlagen. Das obige Bild zeigt die gestrigen Messdaten aus Heukewalde. Die Grafik verdeutlicht eindrucksvoll, wie stark das Erdbeben im Indischen Ozean war – was aussieht, wie ein Erdbeben in Mitteldeutschland, ist ein Nebeneffekt des Bebens auf der anderen Seite der Erde. Auf der Website der Universität Leipzig kann man die aktuellen Tagesdaten der verschiedenen Stationen einsehen: http://linap6.geo.uni-leipzig.de/sxweb/

Auch die Ostthüringer Zeitung berichtete zum Thema

Mehr Infos zu Beben in Mitteldeutschland gibt es hier: http://burgposterstein.wordpress.com/2011/09/16/in-posterstein-bebt-die-erde/

http://www.otz.de/web/zgt/leben/detail/-/specific/Observatorium-Moxa-erfasst-alle-Beben-ab-6-0-auf-Richterskala-310232784

Ostthüringer Zeitung bringt neue Artikelreihe über die Rittergüter im Altenburger Land

Historische Postkarte, die den Park des Ritterguts Meuselwitz zeigt ((c) Museum Burg Posterstein)
Historische Postkarte, die den Park des Ritterguts Meuselwitz zeigt ((c) Museum Burg Posterstein)

In Zusammenarbeit mit dem Museum Burg Posterstein bringt die Ostthüringer Volkszeitung (OTZ) derzeit eine Artikelreihe über die Rittergüter im Altenburger Land und deren aktuellen Zustand. Jedes Rittergut hat eine individuelle Geschichte, von denen wir einige hier bereits präsentiert haben. Jeden Samstag veröffentlicht die OTZ nun zusammen mit einem Artikel zur Rittergutsgeschichte einen Beitrag zur aktuellen Situation des jeweiligen Ritterguts. Einige der ehemaligs herrschaftlichen Güter stehen heute zum Verkauf, einige sind dem Verfall ausgesetzt, anderen wurde zu neuem Leben verholfen.

Falls Sie selbst Bildmaterial von Altenburger Rittergütern besitzen oder historische Informationen und Erinnerungen beisteuern wollen, können Sie sich unter info@burg-posterstein.de dem Museum oder unter schmoelln@otz.de der Ostthüringer Volkszeitung schreiben.

Bereits erschienene Artikel – Aktuelle Hinweise darauf finden Sie auch immer auf unserer Facebook-Seite

Rittergut Weißbach

Rittergut Selka

Rittergut Meuselwitz

Rittergut Maltis

Rittergut Schwanditz

Publikationen zum Thema:

Das alte Schloss sehn wir noch heut…
Aus der Geschichte der Rittergüter im Altenburger Land (Teil II)
© Museum Burg Posterstein 2010

…Und nachmittags fuhren wir nach Nöbdenitz segeln!
Rittergüter im Altenburger Land und ihre Gärten
© Museum Burg Posterstein 2007

Austern unterm Schloss

Der Landkreis Altenburger Land ließ das Schloss in Löbichau, ehemals Musenhof der Herzogin Dorothea von Kurland, 2009 abreißen. Auf der Fläche wurde ein Neubau errichtet, der heute als Pflegeheim dient. Die Fassade erinnert noch an das Schloss und Löbichaus Glanzzeiten im frühen 19. Jahrhundert (mehr dazu). Bevor jedoch der Neubau entstand, führte das Thüringische Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege archäologische Grabungen auf dem Gelände durch. Davon und von anderen aktuellen Grabungsprojekten der Behörde berichtet vom 4. März bis 30. April 2012 die Sonderausstellung „Archäologie im Altenburger Land“ auf Burg Posterstein.

Schloss Löbichau, Ansichtskarte von 1904 (Museum Burg Posterstein)
Schloss Löbichau, Ansichtskarte von 1904 (Museum Burg Posterstein)

Schon drei Umbauten seit dem 16. Jahrhundert
Bei den Grabungen in Löbichau konnten drei Bauphasen festgestellt werden. Die früheste datiert ins 16. Jahrhundert. Zu dieser Zeit dominierten offenbar noch Wirtschaftsgebäude des ehemaligen Rittergutes Löbichau den späteren Standort des Schlosses. Der Brand aus dem Jahr 1766 war für die Fachleute an Hand von großflächigen Schuttverfüllungen deutlich nachweisbar. Die zweite Bauphase folgte, nachdem die Herzogin Anna Dorothea von Kurland das Anwesen 1795 kaufen ließ. Bis 1800 ließ sie den Südwestflügel des Rittergutes in ein klassizistisches Schloss umbauen, in das sie fortan in den Sommermonaten regelmäßig Staatsmänner, Dichter, Künstler und Musiker ihrer Zeit einlud (mehr dazu). Die dritte Bauphase begann etwa in der Mitte des 19. Jahrhunderts, als nach dem Tod der Herzogin Anna Dorothea von Kurland 1821 das Schloss zunächst als Wohnsitz ihrer Familie, später als „Johanna-Luisen-Stift“ und seit 1945 als Alten- und Pflegeheim genutzt wurde. Besonders in die letzte Zeitepoche datieren verschiedene Ein- und Anbauten wie Mauern, Keller und Rampen.

Abrissarbeiten am Schloss Löbichau 2009 (c) Thüringisches Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege
Abrissarbeiten am Schloss Löbichau 2009 (c) Thüringisches Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege

Messer, Hufeisen und Austernschalen
Das Fundmaterial datiert vom 14. und 15. Jahrhundert bis in unsere heutige Zeit. Es setzt sich vor allem aus Keramikscherben, Dachziegelresten, eisernen Gegenständen wie Beschlägen, Nägeln, Messern, Hufeisenteilen und Tierknochen zusammen. An Kleinfunden sind ein Spinnwirtel, Pfeifenbruchstücke, Austernschalen, Tonmurmeln, Holzperlen eines Rosenkranzes und eine Münze aus dem 18. Jahrhundert zu nennen. Wenige bearbeitete Hölzer ergänzen das Spektrum. Die oben erwähnte Münze ist ein Rechenpfennig von Johann Jacob Dietzel (1711-1748) aus Messing.

Plakat Sonderausstellung Archäologie im Altenburger Land auf Burg Posterstein 2012
Plakat Sonderausstellung Archäologie im Altenburger Land auf Burg Posterstein 2012

Ausgrabung in der Kiste
Die Ausstellung „Archäologie im Altenburger Land“ wird am 4. März, 15 Uhr, auf Burg Posterstein eröffnet. Im Begleitprogramm zur Ausstellung bietet das Museum u. a. Führungen für Kinder an: Unter dem Motto: „Was ist Archäologie? – Ausgrabung in der Kiste“, können die kleinen Besucher lernen, was beim Ausgraben von Gegenständen aus unterschiedlichen Zeiten zu beachten ist, welche Erkenntnisse gewonnen werden oder wie ein Fundbericht verfasst wird. Eine Voranmeldung ist hierfür erforderlich.

Live von der Baustelle
Einen Einblick in die Ergebnisse der Grabungen gibt auch ein Kurzfilm des lokalen Senders TV Kabel Plus vom August 2009:

Mehr zur Grabung in Löbichau:
Sonderausstellung „Archäologie im Altenburger Land“, vom 4. März bis 30. April 2012 im Museum Burg Posterstein
Weitere Infos auf der Website des Thüringischen Landesamtes für Denkmalpflege

Von Marlene Hofmann

Blog-Rückschau 2011

Die WordPress.com Statistikelfen fertigten einen Jahresbericht dieses Blogs für das Jahr 2011 an.

Hier ist eine Zusammenfassung:

Eine Cable Car in San Francisco faßt 60 Personen. Dieses Blog wurde in 2011 etwa 2.700 mal besucht. Eine Cable Car würde etwa 45 Fahrten benötigen um alle Besucher dieses Blogs zu transportieren.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

Die slawische Besiedlung des Altenburger Landes

Seit dem 6. Jahrhundert dehnte sich das slawische Siedlungsgebiet bis an die Elbe und Saale aus. In dieser Zeit siedelten auch im heutigen Altenburger Land slawische Völker. Die hier ansässigen germanischen Bauern wurden im Laufe der weiteren Entwicklung in die Stammesgemeinschaften der Slawen aufgenommen.

Der slawische Stamm, der am westlichsten siedelte, waren die Sorben. Ihr Einzugsgebiet erstreckte sich von der oberen Mulde über die Elster bis zur Saale. Sie gliederten ihr Land durch natürliche Waldgrenzen in Gaue (Verwaltungseinheiten), in deren Mittelpunkt sich eine Gauburg befand. Die Landschaft zwischen Pleiße und Elster gehörte zu den Gauen Geraha und Plisni. Im Bereich der Ortschaften Löbichau, Nöbdenitz, Vollmershain und Thonhausen verlief die Grenze zwischen dem Gau Plisni und Geraha.

Ortsnamen sowie Dorf- und Flurformen geben Hinweise auf die slawische Besiedlung

Rittergut Meuselwitz / Meuselwitz Manor (c) Museum Burg Posterstein
Der Ortsname Meuselwitz verrät die slawischen Ursprünge der Stadt (Bild: (c) Museum Burg Posterstein)

Fast 70 Prozent der Ortsnamen im Altenburger Land sind slawischen Ursprungs. Kennzeichnend für slawische Ortsnamen sind die Endungen: Ehemals slawische Endungen wie –ici und -ovici sind heute noch als –itz (z.B. Raudenitz, Sommeritz) und –witz (z.B. Meuselwitz) erhalten, während Ortschaften auf –ovo, -ova und –ove heute auf –a und –au enden, wie beispielsweise Lohma, Kosma und Löbichau. Ursprünglich auf –ine, -ina und –ino endende slawische Ortsnamen, lauten heute meist auf –eu. Auf diese Art lässt sich auch heute noch an Hand des Namens recht zuverlässig feststellen, welcher Ort slawische Gründungen sind: Während Nischwitz, Nitschka und Zschernitzsch slawische Wurzeln haben, gehen ihre Nachbarorte Grünberg, Heyersdorf und Weißbach auf germanische Siedlungen zurück.

Auch die Dorf- und Flurformen dieser Orte geben Hinweise auf deren Ursprung: Während die deutschen Gründungen in der Region oft eine kilometerlange Aneinanderreihung von Häusern und Höfen sind, waren die slawischen Ortskerne oft kreisförmig, als so genannter „Rundling“ angelegt.

Ausgrabungen in der Kiste

Ein Teil der Dauerausstellung auf Burg Posterstein beschäftigt sich mit der Archäologie der Region. Zur Sammlung gehören beispielsweise Scherbenfunde aus dem Neolithikum oder der slawischen Zeit, steinzeitliche Faustkeile und Reibemühlen und verschiedene andere Werkzeuge. Im Rahmen des museumspädagogischen Programms können Kinder im Studienkabinett Wissenswertes zur Ur- und Frühgeschichte der Region lernen und sich sogar selbst als Archäologen betätigen. Sie graben mit Kelle und Pinsel aus Sandkisten verschiedene Artefakte aus und bestimmen sie anhand der Funde in den Ausstellungsvitrinen. Ein Fundbericht wird erstellt und kann mit nach Hause genommen werden.

Das Programm dauert etwa eine halbe Stunde und ist geeignet für Kinder zwischen acht und zwölf Jahren, z.B. für Schulklassen oder zur Kindergeburtstagsfeier im Museum.

Slawische Funde (Bild: Museum Burg Posterstein)

Slawische Funde (Bild: (c) Museum Burg Posterstein)

Aktuelle archäologische Forschung im Altenburger Land

Im Frühjahr 2012 wird sich vom 4. März bis 30. April eine Sonderausstellung mit der aktuellen archäologischen Forschung im Altenburger Land beschäftigen. Dabei werden Ausgrabungen und Funde der letzten Jahre im Mittelpunkt stehen. Die Ausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit dem Thüringischen Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege.

(von Marlene Hofmann)

The Slawic settlement in the County of Altenburg

Since the sixth century the Slavic settlement area expanded to the rivers Elbe and Saale. In this time Slavic tribes settled in today’s County of Altenburg, too. In the following time Germanic farmers, who already had settled in the region, were absorbed by the Slavic tribes.

The Slavic tribe, which settled most in the West, was called Sorbs. Their settlement area reached from the upper river Mulde and the river Elster to the river Saale. They structured their land with the help of natural forest borders in so-called “Gaue” (districts). In the centre of a Gau there was a Gauburg, a fortress. The county of Altenburg belonged to the districts Geraha and Plisni. Close to the villages Löbichau, Nöbdenitz, Vollmershain and Thonhausen there was the border between Plisni and Geraha.

Rittergut Meuselwitz / Meuselwitz Manor (c) Museum Burg Posterstein

The place name Meuselwitz reveals the town’s Slavic origin (Picture (c) Museum Burg Posterstein)

Place names and the form of a village reveal Slavic settlement

Almost 70 percent of all place names in the County of Altenburg have Slavic roots. Typical for Slavic place names are their endings: Former Slavic endings as –ici und -ovici are preserved as –itz (e.g. Raudenitz, Sommeritz) and –witz (e.g. Meuselwitz) in today’s place names, while villages that once ended on –ovo, -ova and –ove, today end with –a and –au, as for example Lohma, Kosma and Löbichau. Slavic place names that originally had the endings –ine, -ina and –ino, end today normally on –eu. With this knowledge today’s villages’ origins can be traced back by their names. While the villages Nischwitz, Nitschka and Zschernitzsch obviously have Slavic roots, their neighbour villages Grünberg, Heyersdorf and Weißbach originally were Germanic settlements.

Also the form of a village can give a hint on its origin. While the German settlements in the region often are a kilometre long row of houses and farms, the Slavic founded villages have a rather round centre, called „Rundling“.

Excavation in boxes

A part of Posterstein castle’s permanent exhibition deals with the region’s archaeology. To the collection belong for example potsherds from the Neolithic, hand-axes and querns from the stone-age as well as different other tools. As a part of the museum’s children’s program, children can learn about archaeology and try to be archaeologists themselves in the museum. With trowel and pencil they can search for archaeological artefacts in boxes with sand. Have they found something, they identify their find with the help of the museum’s collection. Afterwards they’ll write an archaeological report on their find. The program lasts about half an hour and is dedicated to children between eight and twelve years, for example for school classes and as a part of a birthday party in the museum.

Slawische Funde (Bild: Museum Burg Posterstein)

Slavic finds (picture: Museum Burg Posterstein)

Current archaeological research in the County of Altenburg 

In spring 2012, from March 4th to April 30th, Museum Burg Posterstein will show a special exhibition on recent archaeological research in the County of Altenburg. The focus will lie on the last years’ finds and the exhibition will be made in co-operation with the Thuringian department for archaeology and preservation of monuments (Thüringischen Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege).

(by Marlene Hofmann)

In Posterstein bebt die Erde

Seit Ende August ruckelte in der Region Posterstein ab und zu ein wenig die Erde. Die Messstation Heukewalde der Universität Jena verzeichnet leichte Schwarmbeben in dieser Zeit. Im Vogtland und Teilen von Westsachsen wurden sogar Beben der Stärke 4 auf der Richterskala gemessen (Vgl. Ostthüringer Zeitung). Anschauen kann man sich die aktuellen Seismogrammausschnitte auf der Website der Universität, wenn man nach den Erdbebenaufzeichnungen der Station mit dem Kürzel HKWD (Heukewalde) sucht.

Seismogrammausschnitt der Station Heukewalde vom 4. September 2011

Warum bebt die Erde?

Die Erde zerfällt bekanntlich in einzelne tektonische Platten. Besonders an deren Rändern kommt es durch Reibungen, Schiebungen und Druck der Platten aufeinander zu schweren Erdbeben. Die Region Posterstein liegt jedoch weit weg von den Rändern der eurasischen Platte. Verantwortlich für die meist harmlosen, so genannten „Intraplattenbeben“, zu denen es dennoch ab und zu kommt, ist Druck von West und Süd auf die eurasische Platte. Im Vogtland befinden sich viele so genannte Schollen und Risse, die in der Vergangenheit schon häufig zu kleineren Schwarmbeben geführt haben. Heute wird die Region durch das Thueringer Seismische Netz überwacht und wissenschaftlich untersucht (Link: http://www.igw.uni-jena.de/angeoph/TSN/portal.html). Lange Zeit befand sich auch im Keller der Burg Posterstein eine seismische Messstation der Universität Jena. Weil die durch Museumsbesucher beim Turmaufstieg erzeugten Vibrationen aber das Bild verzerrten, befindet sich die Station heute im nahe gelegenen Heukewalde.

Das Mitteldeutsche Beben von 1872

Das schwerste Beben in der Region wurde am 6. März 1872 verzeichnet – sein Herd lag im Bruchfeld zwischen Posterstein und Schmölln. Karl Theordor Liebe (1828-1894), Professor am Fürstlichen Gymnasium in Gera, berichtete über die Auswirkungen des Bebens in Posterstein. Unter anderem hätte der Burgturm geschwankt und Feldbrocken seien am Burgberg ins Rollen gekommen. Damals entstanden auch im drei Meter dicken Bergfried und an der Brücke der Burg Posterstein tiefe Risse:

Der Riss in der Mauer der Burgbrücke vor der Restaurierung (Aufnahme von 1985, Museum Burg Posterstein)

„Am alten Schloß haben wir eine Menge Risse gesehen, die mit frischem Bruch durch Mörtel und Stein hindurch verliefen. In den Kellern des alten Schlosses ist soviel von den Decken abgebröckelt, daß mehrere 100 Liter Milch unbrauchbar wurden. Das neue Schloß (Herrenhaus) neben dem alten errichtet, hat durchweg 2 Ellen (1,2 m) und im 1. Stock 1 1/2 Ellen (0,90 m) starke Mauern. Es existiert aber keine Stube, kein Kämmerchen, welche nicht Mauer- und Deckenrisse aufweisen“, berichtete Karl Theordor Liebe.

Der Riss in der Brücke wurde bei einer Restaurierung 1997 saniert, den Riss im Bergfried kann man beim Aufstieg auf den Turm heute noch sehen.

Zeitzeugen berichten

Riss in der Turmmauer

Der Postersteiner Lehrer und Historiker Ernst Bräunlich zeichnete die Erinnerungen des Nöbdenitzer Pfarrers Johann Michael Nürnberger auf, der das Beben von 1872 selbst miterlebte: „Im Dorfe liefen von allen Seiten die Leute aus den Häusern und erzählten, wie sie vor Angst die Häuser eilig verlassen hatten. Die Bäume hätten geschwankt, und auf der Straße hätten Sie ein Gerassel gehört, als wenn 6 bis 8 schwerbeladene Wagen im Trab vorbeifuhren. Im Ort sind 7 Feueressen eingestürzt. Das Ereignis bildete noch lange den Gegenstand der gegenseitigen Mitteilungen.“

Auch das leichte Beben vom 4. September 2011 haben die Bewohner der Region wahrgenommen. Die größte Erschütterung konnte man früh am Morgen zwischen 4 und 5 Uhr wahrnehmen. Auf unserer Facebook-Pinnwand berichtete eine Augenzeugin, vom Beben und dem Klappern im Schlafzimmer wach geworden zu sein.

Seismometer in Posterstein

In der Dauerausstellung der Burg Posterstein ist ein Seismometer ausgestellt und Sie erhalten weitere Informationen über Erdbeben in der Region – weitere Informationen finden Sie auf www.burg-posterstein.de.

(Text: Marlene Hofmann)

The earth shakes in Posterstein

Since the end of August once in a while the earth judders in Posterstein Region. The nearest seismometer station in Heukewalde, driven by Jena University, noted light earthquake swarms in that time. In the so-called Vogtland region and parts of West Saxony quakes measuring 4.0 on the Richter magnitude scale were documented (see: Ostthüringer Zeitung). You can have a look at the latest seismometer graphs on the university’s web page, where you can search after the station with the name HKWD (Heukewalde)

Seismometer graph from the station in Heukewalde, September 4th 2011

Why does the earth shake?

The earth is divided in different tectonic plates. Especially on the borders of a plate, where two plates are pushing against each other, heavy earthquakes can occur. But Posterstein region lies far away from the borders of the Eurasian plate. Responsible for the mostly harmless so-called intra plate quakes, that happen once in a while, is pressure on the Eurasian plate from West and South. In the Vogtland region there are many smaller blocks and cracks that also earlier in the history have led to lighter earthquake swarms. Today the Seismic network of Thuringia monitors and scientifically explores the region. Earlier there was a seismometer installed in the cellar of Posterstein castle as well, but as vibrations caused by the castle’s visitors climbing on the tower distorted the measuring, the station was moved to near-by Heukewalde.

The Middle-European earthquake of 1872

The heaviest earthquake in the region was registered on March 6th 1872 – its centre lay between Posterstein and Schmölln. Karl Theordor Liebe (1828-1894), professor at the Princely Grammar School in Gera, was reporting on the earthquake’s impacts in Posterstein. Among others, he writes that the castle’s tower was shaking and bigger rocks came rolling down the hill. At that time deep cracks occurred in the three metre thick wall of the tower and in the walls of the castle’s bridge:

Crack in the castle's bridge before the restoration (picture from 1985, Museum Burg Posterstein)

„On the old castle we have seen a lot of new cracks, which took there way through grout and stone. In the cellar of the old castle came so much material off the ceiling that more than a 100 litres of milk became useless. The new castle (manor house), which is standing next to the old castle, has 1.2 metre thick walls and in the first floor 0.9 metre thick walls. But there doesn’t exist a single room without cracks in the walls and ceiling”, wrote Karl Theodor Liebe.

The crack in the bridge was repaired during the restoration in 1997, but you still can see the crack in the tower on your way to the top of the tower.

Contemporary witnesses report

Crack in the castle's tower's wall

The teacher and historian Ernst Bräunlich from Posterstein recorded the memories of the pastor Johann Michael Nürnberger from Nöbdenitz, who had witnessed the 1872 earthquake himself: „In the village people came running out of their houses from all ways and they told that they were hasty leaving their houses in fear. The trees had been shaking and on the road they had heard a ratting as if 6 or 8 wagons with heavy load passed by in trot. In the village seven chimneys collapsed. The incidence was the main topic of conversation in a long time.”

The light quake from September 4th 2011 was noted by locals, too. The heaviest vibration could be observed between 4 and 5 in the morning. On our Facebook wall a witness wrote that she woke up because of the chattering in the sleeping room.

Seismometer in Posterstein

In the castle’s permanent exhibition you can have a look at a seismometer and read more about earthquakes in the Posterstein region – more information on www.burg-posterstein.de.

(Text: Marlene Hofmann)

Wie still war das Örtchen von Ritter Kunibert?

Kinder dürfen auf Burg Posterstein jetzt auch hinter die ritterliche Klotür schauen

Dass die alten Rittersleut’ noch kein Sanifair kannten, ist wohl jedem klar. Aber wie sah das stille Örtchen im Mittelalter eigentlich aus? Auf Burg Posterstein können Besucher bei Spezialführungen jetzt auch einen Blick in die mittelalterliche Toilette riskieren. – Solche VIP-Gäste sind zum Beispiel die fast 2000 Kinder, die jedes Jahr an den Kinderführungen des Museums teilnehmen.

Kleine Ritter bei der Inspektion des mittelalterlichen Aborts ((c) Petra Nienhold, Museum Burg Posterstein)
Kleine Ritter bei der Inspektion des mittelalterlichen Aborts ((c) Petra Nienhold, Museum Burg Posterstein)

Museumsmitarbeiterin Petra Nienhold führt oft sogar mehrmals pro Woche Kindergruppen, die beispielsweise Geburtstag auf der Burg feiern, durch die alten Gemäuer. Seit kurzem öffnet sie dabei auch die vorher verschlossene Tür zu einem der beiden so genannten Abort-Erker der Burg, der sich im Obergeschoss befindet. Vom Park aus kann man heute noch einen der Erker sehen, der einem kleinen Anbau ähnlich, an der Außenmauer klebt.

Der enge Raum bietet gerade so Platz für einen hölzernen Toilettensitz. Hebt man heute den Deckel hoch, sieht man nicht viel, weil der Boden des Erkers inzwischen zugemauert ist. Im Mittelalter aber genoss man freie Sicht in den Burggraben und einen kalten Luftzug von unten. Das „Geschäft“ plumpste damals im Freiflug nach unten und stank dann im Burggraben vor sich hin. An die Lektüre der aktuellen Zeitung, wie das so manch einer heute tut, war da nicht zu denken. Nach genauer Inspektion des hölzernen Toilettensitzes ist sich Mercedes, 9 Jahre alt, sicher: „Ich bin froh, dass ich das nicht benutzen muss!“

Zum „stillen Örtchen“ mancher Burgen gab es nicht einmal eine Tür ((c) Marlene Hofmann, Museum Burg Posterstein)
Zum „stillen Örtchen“ mancher Burgen gab es nicht einmal eine Tür ((c) Marlene Hofmann, Museum Burg Posterstein)

Abort-Erker, wie die der Burg Posterstein, gab es auf Burgen sehr häufig. Zunächst scheinen diese zum Burginneren hin sichtoffen gewesen zu sein, sodass das „stille Örtchen“ gar nicht so abgeschieden war. Große Festungen besaßen viele Erker – die Burg Eltz an der Mosel zierten gleich vierzehn solche Außentoiletten. Auch einige Doppel-Abtritte, getrennt für Männern und Frauen, sind belegt, beispielsweise im bayrischen Rothenburg ob der Tauber. Natürlich achteten die Bauherren meist darauf, die Aborte über möglichst abgelegenen Stellen anzubringen, damit Passanten keine unangenehmen Stinkbomben fürchten mussten.

Außenansicht eines Abort-Erkers der Burg Posterstein ((c) Marlene Hofmann, Museum Burg Posterstein)
Außenansicht eines Abort-Erkers der Burg Posterstein ((c) Marlene Hofmann, Museum Burg Posterstein)

Mit der modernsten und hygienischsten Technik dieser Zeit konnten manche großen Deutschordenburgen aufwarten. Dort baute man zuweilen spezielle Toilettentürme, „Danziger“ genannt, die vom Schloss aus über eine Brücke zu erreichen waren. Im Obergeschoss der Türme gab es gleich mehrere Plumpsklos, der Rest des Gebäudes war innen hohl und unten spülte im besten Fall ein Fluss das ritterliche Geschäft fort. Den eindrucksvollsten, noch erhaltenen Toilettenturm kann man auf der Burg Marienwerder (auf Polnisch: Kwidzyn) im heutigen Polen besichtigen.

(Marlene Hofmann, Museum Burg Posterstein)