Ausstellung vereint Familien: Noch eine Woche #MascherMarchen

Unter dem Hashtag #MascherMarchen geistern Altenburger Bauern des 19. Jahrhunderts seit Frühjahr 2016 durch die Netzwelt. Die Gemeinschaftsausstellung von Museum Burg Posterstein und Schloss- und Spielkartenmuseum im Residenzschloss Altenburg zeigt Pastellporträts des Wandermalers Friedrich Mascher (1815–1880), der bevorzugt die wohlhabenden Bauern der Region detailreich darstellte. In Altenburg läuft die Sonderausstellung noch bis Sonntag, 6. November 2016.

Eine Ausstellung, die Familien zusammenführt

Immer noch tauchen von Mascher gezeichnete Portraits in Privatsammlungen auf, oft sind die Bilder unsigniert und nur am Stil erkennbar. Auf die Ausstellung auf Burg Posterstein hin meldete sich beispielsweise eine Familie Mehlhorn aus Ponitz, die ein Bild mit drei Kindern besitzt. Sie zeigten es den Kollegen vom Schloss- und Spielkartenmuseum Altenburg und erwähnten, dass die Bildnisse der Eltern, die aus Garbisdorf stammten, leider verschollen seien. Es stellte sich heraus, dass sich die Portraits der Eltern in der Sammlung des Schloss- und Spielkartenmuseums befinden. – In der Sonderausstellung war die Familie nun erstmals wieder „vereint“ zu sehen.

Ein Kinderbild aus Privatbesitz passte unerwartet zu Portraits eines Ehepaars aus der Sammlung des Schloss- und Spielkartenmuseums Altenburg
Ein Kinderbild aus Privatbesitz passte unerwartet zu Portraits eines Ehepaars aus der Sammlung des Schloss- und Spielkartenmuseums Altenburg

Die Portraits der Mehlhorns können zum Frühwerk Maschers gezählt werden. Gustav Wolf von der Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes konnte über die abgebildeten Eheleute in Kirchenbüchern Folgendes herausfinden:

Zacharias Mehlhorn kam am 4. Juni 1810 in Garbisdorf zur Welt. Sein Vater war der Anspanner Gottfried Mehlhorn und seine Mutter hieß Christine, geborene Bauer, aus Langenleuba-Niederhain.
Zacharias Mehlhorn heiratete am 10. Februar 1842 in der Kirche Ziegelheim Christine Müller, die Tochter des Anspanners Jacob Müller aus Niederarnsdorf. Die Kirchenbücher betiteln ihn dabei mit „Anspanner und Waldenburgischer Amtsrichter alhier“. Noch im Jahr 1880 diente er als zweiter Amtsschulze in der Gemeinde Garbisdorf.
Den gemeinsamen Hof kaufte Zacharias Mehlhorn am 5. Februar 1834 mit Zubehör für 6.050 Gulden von seinen Vater Gottfried Mehlhorn. Sein Vater besaß seit 27. Juni 1807 das ehemalige Veit‘sche Pferdefrongut „mit 2 ¾ Hufen“, das heißt 21,2 Hektar, als Folge seiner Hochzeit mit Christiane Veit am 5. April 1804. Weitere Vorbesitzer waren: die gleichnamige Christiane Veit (seit 24. August 1765), Michael Veit (seit 1. Februar 1736), Jacob Veit der Untere und Michael Veit (seit 11. Juli 1693).
1880 wurde der Besitz mit einer Größe von 41,1 Hektar angegeben. Um 1883 übernahm Emil Mehlhorn das Anspanngut.

Welcher der Söhne auf dem Portrait Emil Mehlhorn ist, bleibt jedoch unklar.

#MascherMarchenMemo mit Christine Mehlhorn aus Garbisdorf

Wer noch einmal online #MascherMarchenMemo spielen möchte, kann dies hier tun – das Kartenspiel zum Anfassen gibt es noch in den Museumsshops in Altenburg und Posterstein. – Das Portrait von Christine Mehlhorn ist mit dabei.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Weitere Blogposts zu Friedrich Mascher und Altenburger Bauern:

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„Museum kommuniziert“ wie, wo und wohin? – Resümee einer Fachtagung

Museumstreffen 2016 - als Tagungstitel hätte das gereicht, er wird der Veranstaltung gerecht.
Museumstreffen 2016 – als Tagungstitel hätte das gereicht, er wird der Veranstaltung gerecht.


Vor einer Woche fand im Deutschen Historischen Museum in Berlin die von Museum.de (Uwe Strauch) organisierte Tagung „Museum kommuniziert“ statt. Der Titel war etwas irreführend, das Spektrum des Begriffs „Kommunikation“ ist weit und meine Kollegin und ich hatten uns anderes erhofft. Wir dachten an die Vorstellung von Leuchtturmprojekten auf dem Gebiet der musealen Kommunikation, die uns in unserer täglichen Arbeit inspirieren würden. – Stichwort: #Lustwandeln, Bloggerreisen, innovative Apps – also neue Ansätze in Museen, um mit Besuchern zu interagieren, gern auch digital.

Es sprachen Vertreter renommierter Häuser. Die angesprochene Bandbreite der Interpretation von „Kommunikation“ im Museum reichte dabei von der Wahl des Ausstellungsthemas/des Künstlers als Form von Kommunikation über Events als Kommunikationsmittel bis hin zur Aufbereitung der Ausstellungen (inklusiv) als Mittel der Kommunikation mit dem Besucher.

Im Detail sprach Katja Altmann, Direktorin des Museum Schloss Klippenstein in Radeberg, über die Herausforderungen eines kleinen Museums und über die (notwendige) gesellschaftliche Einbindung des Museums ins Vereinsleben vor Ort. Dr. Tobia Bezzola, Direktor des Museums Folkwang in Essen, sprach darüber, wie entscheidend die Auswahl der gezeigten Kunst dazu beiträgt, was ein Kunstmuseum nach außen kommuniziert. Börries von Notz, Alleinvorstand der Stiftung Historischer Museen Hamburg, umriss die Chancen und Herausforderungen des Baus eines neuen, modernen Hafenmuseums und erwähnte auch, dass sein Haus seit einem Jahr die Hochglanz-Zeitschrift „Hamburg History Live“ deutschlandweit vertreibt. Berthold Porath, Direktor des Dornier Museum Friedrichshafen am Bodensee, berichtete über das Konzept, das Museum auch als Event-Location zu etablieren.

Tagung "Museum kommuniziert" am 19. Oktober 2016 im Deutschen Historischen Museum Berlin.
Tagung „Museum kommuniziert“ am 19. Oktober 2016 im Deutschen Historischen Museum Berlin.

Dr. Marc Fehlmann, Sammlungsdirektor am Deutschen Historischen Museum in Berlin, sprach über das gesamte, breite und umfangreiche Spektrum der Vermittlung und Kommunikation mit dem Besucher am Deutschen Historischen Museum, beispielsweise über inklusive Sonderausstellungen. Drs Hedwig Saam, Direktorin des Nationalen Militärmuseums der Niederlande in Soest, stellte ihr erst 2014 eröffnetes, familienfreundliches Museum vor und erläuterte, wie man dort verschiedene Zielgruppen auf unterschiedlichen Niveaus – vom Allgemeinen bis ins Detail – anspricht. Dr. Philipp Gutbrod, Direktor des Instituts Mathildenhöhe Darmstadt, ging einerseits auf sein Haus als Ort für kulturelle Veranstaltungen sowie auch auf den Auftritt in Europeana ein. Zum Schluss sprach Prof. Dr. Meinrad Maria Grewenig, Generaldirektor des Weltkulturerbes Völklinger Hütte, über seine Ansätze, ein junges Publikum gezielt anzusprechen – beispielsweise mit der Etablierung der Völklinger Hütte als Ort für Festivals im Bereich Jazz, Hip-Hop und Elektro-Pop.

Digitale Innovationen für das Museum vor Ort nutzen

Die Aspekte, die ich interessant fand, fanden nur kurz oder gar nur als Randbemerkungen Erwähnung: Beispielsweise testet das Institut Mathildenhöhe Darmstadt gerade ein Tool, mit dem Besucher Ausstellungsobjekte über den Audioguide bzw. die Objektbeschriftung in sozialen Medien kommentieren können. Das Projekt ist gerade angelaufen, weshalb es noch keine Infos zum Erfolg gibt. Es bietet aber viele Potentiale: Zum einen könnte sich ein Gespräch zu einzelnen Objekten und Bildern entwickeln – zwischen Museum und Besuchern, die zu unterschiedlichen Zeiten das Objekt/Bild betrachtet haben. Gleichzeitig ist es für das Museum nicht nur eine Chance, mit Besuchern auf Augenhöhe zu interagieren, sondern auch Feedback zu erhalten.

Die Idee hat mich stark an das twitter-basierte Projekt „Hint me“ mehrerer Kunstmuseen in Dänemark erinnert, initiiert von Merete Sanderhoff, verantwortlich für Digitales im Statens Museum for Kunst. „Hint me“ soll inzwischen leider eingestellt werden, vermutlich, weil Twitter in Dänemark von den breiten Besuchermassen nicht genug genutzt wird. Merete Sanderhoff teilte mir per Twitter mit, dass aus der Idee und den Erfahrungen aber neue zukunftsweisende Projekte erwachsen sind. Jetzt hoffe ich, dass Dr. Philipp Gutbrod, Direktor des Instituts Mathildenhöhe, auf die eine oder andere Art über den Fortgang des aktuellen Projekts in Darmstadt informieren wird. Gerne hätte ich einen 30-minütigen Vortrag nur über dieses Projekt gehört!

Tagung ohne Hashtag

Seit einigen Jahren haben sich Hashtags für Konferenzen und Tagungen etabliert. Manchmal verfolge ich – gezielt oder zufällig – Tagungen, deren Thema mich interessiert aus der Ferne (wie gestern beispielsweise die Tagung #Anker16 zum Thema Bloggen in München, die zeitweise zu den Trending Topics auf Twitter zählte und meine Timeline füllte). Bei besonders innovativen Veranstaltungen wird das digitale Publikum gezielt einbezogen, indem es nicht nur einen Hashtag, sondern vor Ort auch eine Twitterwall/Social Media Wall gibt, die Kommentare sammelt und sichtbar macht und womöglich auch einen Livestream von der Tagung. Immer mehr Tagungsteilnehmer halten ihr Netzwerk v.a. durch Tweets auf dem Laufenden. Dadurch entstehen interessante Gespräche, die vor Ort oft so nicht zustande kommen, und die mediale Reichweite der Tagung steigt.

Klassische Museumstagung zum Netzwerken mit den Kollegen im Deutschen Historischen Museum Berlin.
Klassische Museumstagung zum Netzwerken mit den Kollegen im Deutschen Historischen Museum Berlin.

Bei einer Veranstaltung mit dem Titel „Museum kommuniziert“ hatte ich zumindest einen festen Hashtag erwartet. Vom Veranstalter kam auf meine Nachfragen auf Facebook und Twitter keine Reaktion. Mit dem Deutschen Historischen Museum habe ich mich dann auf Twitter auf den Hashtag #museumkomm geeinigt, der dann – nur durch ganz wenige Twitter-Nutzer und Tweets eine Reichweite von über 160.000 Impressionen entwickelte. Welche Reichweite und welche Diskussionen hätten erst entstehen können, wenn man die Tagung von Anfang an online betreut, konsequent begleitet und die Teilnehmer aktiv zur digitalen Diskussion aufgefordert hätte? Nachbesprechung in Blogs, Facebook, etc. dienen schließlich auch dem Image der Veranstaltung.

Wie sich in den Pausengesprächen abzeichnete, war ich nicht die einzige Teilnehmerin, die das Tagungsmotto missverstanden hatte. Im Endeffekt ging es um das traditionelle Netzwerken mit Kollegen und Firmen vor Ort, was natürlich seine Vorteile und Berechtigung hat, weil man viele interessante Menschen kennenlernt.

Zum Schluss möchte ich mich – sicherlich unschwer an meinem Blogpost zu erkennen – als Angehörige der „Nintendo-Generation“ outen. Den Begriff habe ich erst durch den Vortrag von Prof. Dr. Meinrad Maria Grewenig, Generaldirektor des Weltkulturerbes Völklinger Hütte, gelernt. Demnach gehören alle unter 40 dieser Generation an, die er nicht nur als hochmobil, global und ständig Content konsumierend beschrieb, sondern auch als nicht mehr fleißig, verschwenderisch, egozentrisch und entgegen der Hochkultur. Während die Marketingabteilung der Völklinger Hütte diese dem Direktor so fremde Zielgruppe erfolgreich anspricht, dürften sich einige unter 40-jährige im Tagungspublikum über diese Charakteristik weniger gefreut haben.

Eine Sammlung aller Tweets zur Tagung gibt es hier:

https://storify.com/MH_TextWeb/museum-kommuniziert-wie-wo-und-wohin


Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Ein spektakulärer Fund – aus dem Jahr 1730

Ein spektakulärer Fund

Bei Dacharbeiten an einem Seitenflügel des früheren Verwalterhauses des Ritterguts Posterstein wurde unter den alten Dielen ein Schriftstück entdeckt, das auf das Jahr 1730 datiert ist.

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Bauarbeiten am Herrenhaus Posterstein
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Schriftstück aus dem Jahr 1730

Zu dieser Zeit war der kursächsische Generalfeldmarschall und Reichsgraf Jakob Heinrich von Flemming (1667–1728) Besitzer des Ritterguts. Dieser hatte 1724 die Besitzungen Posterstein und Vollmershain für 124000 Taler gekauft. Obwohl die Familie Flemming in Posterstein nur sehr wenig Zeit verbrachte, wurden doch erhebliche Investitionen getätigt. Den Familienbesitz führte sie bis 1833 weiter. Die Gutsgeschäfte übertrug man größtenteils Pächtern, die durch entsprechende Pachtverträge mit den Nutzungsrechten ausgestattet waren.

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Reichsgraf Jakob Heinrich von Flemming

„Schon der Feldmarschall Flemming hatte das Schloß als Wohnung verschmäht und sich ein neues Herrenhaus gebaut.“

Wie das Rittergut Posterstein um 1730 aussehen haben muss, wird aus der handschriftlichen Chronik von Friedrich Winckler aus dem Jahr 1905 deutlich. Darin ist zu lesen: „So reizvoll in seiner unregelmäßigen Gestalt mit kleineren Türmen, mit Erkern, Winkeln und Höfchen von Außen das Ganze [die Burg] wirkt, so traurig sieht es drinnen heute aus. Da bietet sich ein Bild des Verfalls. Schon der Feldmarschall Flemming hatte das Schloß als Wohnung verschmäht und sich ein neues Herrenhaus gebaut. Die Erhaltung des Schlosses war seitdem für jeden Eigentümer eine unbequeme Last. Seit Menschenaltern ist es unbewohnt. […] In bewohnbaren Zustand muß das Schloß [1776] gewesen sein jedenfalls war die Gerichtsstube darin. Es war wohl auf Absteigequartier des in Crossen wohnenden Grafen, welchem das vom Feldmarschall erbaute Haus einem Brande zum Opfer gefallen war, der 1749 alle Baulichkeiten des Gutsgehöftes vernichtete.“

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Rittergut Posterstein um 1900

„Dieser Umstand hatte zur Folge daß mein Urgroßvater [Johann Christian Winckler, Pächter des Ritterguts Posterstein von 1776 bis 1805] den Hof mit lauter ziemlich neuen Gebäuden besetzt fand. Das neueste war das Pächterhaus. Denn in dem Inventarium erfolgt die Aufzählung der Türen, Fenster und Öfen derjenigen Räume, die offenbar seine Wohnung bildeten […] Wie aber mußte mein Großvater sich erst gehoben fühlen, wenn er hinaustrat und den Hof mit der Reihe stattlicher Gebäude vor sich sah. Von denen kann man sich auch ein Bild aus dem Inventarium machen. Rechts standen zwei Pferdeställe. Dann kamen das Malz-und Darrhaus, [die Darre, Darren – Dörren, Dörrvorrichtung] das Brauhaus mit der Brauvorrichtung und das Brandwein-Brauhaus. Linker Hand war zunächst die geräumige Hofmeisterwohnung, in der auch ein Schreiberkabinet erwähnt wird. Daran stieß das Gesindehaus, daß in zwei Geschossen die vierfenstrige Gesindestube mit Kachelofen, fünf Kammern und zwei Küchen enthielt. Dann folgten das Grasehaus, der Kuh- und der Schweinestall, über denen sich der Getreideboden befand, der Schirrschuppen, der Fröhnerstall, ein Scheunungengebäude mit vier Einfahrten und der Wagenschuppen. Der Milchkeller befand sich unter einem Stallgebäude, der Bierkeller aber unter dem Schlosse. Das ist dessen einzige Erwähnung in dem Inventarium.“

Das Fundstück

Unter den alten Dielen im Dachboden des Herrenhauses fanden die Zimmerleute ein Schriftstück, das auf 1730 datiert wurde, aber von viel älteren Verhandlungen kündet. Das Dokument hat die Maße 20 x 32 cm, trägt das Siegel des Gerichtsinspektors Christian Schmidt und umfasst insgesamt vier Blätter. Dennoch scheint es ein Fragment zu sein. Auf der ersten Seite ist die Nummerierung „No: II.“ zu lesen. Ein möglicher erster Teil blieb allerdings bisher unentdeckt.

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Bei der gefunden Urkunde handelt es sich um die Abschrift eines Vergleichs von 1677 zwischen Georg Dietrich von Pflugk (1640–1705) auf Posterstein, und Marie Elisabeth von Schleinitz, geborene Bünau, auf Blankenhain. Für diese tritt auch ihr Ehemann und Vormund, der kursächische Rittmeister Hans Georg Haubold von Schleinitz (1639–1677) auf. Beide hatten 1668 geheiratet. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor.

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Die Abschrift ist vom Gerichtsinspektor Christian Schmidt beglaubigt, gesiegelt und auf „Blankenhayn, den 12.Jul. 1730“ datiert. Das Original vom „29. Jan: Anno 1677“ wurde laut Schmidt „Wort zu Wort“ übertragen

Schon damals eine bautätige Herrscherfamilie

Die Familie von Pflugk, Besitzer des Guts von 1528 bis 1718, war die wohl bautätigste Familie auf Posterstein. Sie entstammten einem meißnischen Adelsgeschlecht und lassen sich seit dem 16. Jahrhundert in den genealogischen Einträgen zahlreicher Rittergüter der Region nachweisen. Die Burg Posterstein verdankt der Familie in großen Teilen ihr heutiges Erscheinungsbild. Auch die Burgkirche wurde durch Tham von Pflugk (†1596) errichtet und von seinem Nachkommen Georg Dietrich von Pflugk mit einem wunderschönen barocken Schnitzwerk ausgestattet.

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Rittergut Posterstein 1694

Georg Dietrich von Pflugk hatte an der Universität Jena Philosophie und Rechtswissenschaft studiert, in Tübingen und Jena verschiedene juristische Schriften veröffentlicht und war zwei Jahre lang durch Deutschland und Frankreich gereist. Herzog Friedrich Wilhelm II. von Sachsen-Altenburg (1603–1669) berief ihn 1666 als Hof- und Justizrat in die Landesregierung. Pflugk war Konsistorialrat und Vizehofrichter in Jena, wurde 1690 schließlich zum Geheimen Rat und 1701 zum Kanzler ernannt.

Er heiratete in erster Ehe Maria Elisabeth (1646–1677), die Tochter des angesehenen und einflussreichen Wolf Konrad von Thumbshirn (1604-1667) auf Ponitz. Noch im Jahr des Todes seiner ersten Frau erfolgte die neuerliche Eheschließung mit Marie (Martha) Gertraud von Römer (1654–1710) aus Neumark im Vogtland. Aus dieser Ehe gingen acht Kinder hervor, von denen der erstgeborene Sohn Georg Carl (1678–1748) die Nachfolge auf Posterstein antrat. Georg Diedrich von Pflugk starb in Altenburg und ist in der Burgkirche Posterstein beigesetzt.

Von Geleitstraßen und „Weg-Geld“

Als Georg Dietrich von Pflugk den Postersteiner Besitz nach einem Vergleich mit seinen Brüdern 1666 übernahm, stand er auf Grund der Nachwirkungen des 30jährigen Krieges vor der Notwendigkeit, sämtliche Zins- und Fronregister neu aufzustellen, Visitationen durchzuführen sowie Dorf- und Gerichtsordnungen zu erneuern. Es gelang ihm, seine Stellung in Gotha und Altenburg zu nutzen, um Privilegien, wie das Geleitstraßenrecht, Bergbaurechte und das Marktrecht zu erwerben. So erhielt er unter anderem die Oberaufsicht über die durch Posterstein führende Heer- und Geleitstraße von Gera nach Zwickau, die Genehmigung zum Gasthausbau in Schönhaide, das Jagdrecht in Pillingsdorf und das Marktrecht für einen Michaelis- und einen Walpurgismarkt in Posterstein.

Auf Geleitstraßen wurden Reisende, Händler oder Pilger von bewaffneten Reitern begleitet und vor Überfällen oder ähnlichen Gefahren geschützt. Für diesen Schutz wurde eine gewisse Summe als Geleitsabgabe fällig. Jeder, der sich auf diesen Straßen fortbewegte stand unter dem Landes- bzw. Königsfrieden und konnte ein Geleit begehren. Kam es trotz dieser Absicherung zu Straßenraub, musste der Geleitsherr für diesen Schaden aufkommen. Mit dem allgemeinen Landfrieden Maximilians I. wurde dieses „lebendige Geleit“ allen Reichsständen zur Pflicht gemacht.

Da das begleitete Reisen, durch Entlohnung der bewaffneten Geleitsreiter, sehr kostenintensiv war, wurde es später meist durch das „tote“ oder schriftliche Geleit ersetzt und der zu Geleitende erhielt nach der Abgabe des Geleitsgeldes bei einem „Geleits-Einnehmer“ einen entsprechenden „Geleitsbrief“.

Die wohl bekanntesten dieser Heer- und Geleitstraßen waren die „Via Regia“ und die „Via Imperii“. Sie waren die großen Verbindungsstraßen und -wege zwischen den befestigten Städten und großen Waren-Umschlagplätzen des Mittelalters und der Frühen Neuzeit.

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Urkundlich ist dieser Vergleich in dupto zu Pappier gebracht […]“

Georg Dietrich von Pflugk hatte um 1677 eine solche Oberaufsicht über die Heer- und Geleitstraße von Gera nach Zwickau inne. Und diese ist auch in dem Vergleich Thema, der als Abschrift im Herrenhaus der Burg Posterstein gefunden wurde.

[…] Zuwißen, demnach zwischen der Hochwohlgebohrenen Frauen, Frauen Marien Elisabethen von Schleuniz [Schleinitz], gebohrene  von Bünau, alß Besitzerin des Ritter Guths Blankenhayn, mit vollwert dero Ehe- und kriegischen Vormundes, des hochwohlgebohrenen Herrn, Herrn Hanß Georgs Haubolden von Schleuniz [Schleinitz], auf Blankenhayn, an Einem, und dem hochwohlgebohrenen Herrn, Herrn Georg Dietrich Pflugen, auf Posterstein zum anderen Theile, wegen der Pillingsdorffischen Straßen, daß nehmlich dirselben für nun freye Land-Straße zu halten“.

Georg Dietrich von Pflugk und die Familie von Schleinitz auf Blankenhain vereinbaren mit Wissen der „hirzu gnädigst verehrten Chur- und fürstlich. Commission zu Leipzig“ und „bey Herrn Herzogs Friedrich fürstl. Durchlaucht. zu Sachsen Altenburg, dergleichen Concession“, dass das anfallende Weggeld in Höhe von „zweihundert und fünfzig Gülden“ zur „Besserung mehr bewegter Straßen von Klein Heuckewalde an biß an die Corbusener Flur“ mit anderen Privilegien verrechnet werde. Diese sind das Recht zur Kuppeljagt, der Jagd auf dem Grundbesitz oder der Gerichtsbarkeit eines anderen, in Pillingsdorf und dem Nischwitzer Pfarrholz sowie das Schankrecht an der Pillingsdorfer Straße, welches Frau von Schleinitz an Georg Dietrich von Pflugk mit dem Versprechen abtritt, dort keinen eigenen Gasthof oder eine Schenke zu betreiben oder betreiben zu lassen.

„[…] der von Pflug angeführet, wie er gleichwohl, des Pillingsdorffischen Gasthoffs halben bey obgemeldter hochansehnlichen Commission nicht nur die gehabte Kuppel Jagds Gerechtigkeit in der in der Nischwizer Flur, sondern auf die jenigen zweihundert und fünfzig Gülden, welche Ihme die Frau von Schleuniz vor die in dem Holze, die Pillingsdorff genannt, und dem Pfarr Holze zu Nischwiz, ausgewißenermase Überlaßene Jagd, schuldig werden, abgetreten, dahero nicht unbillig, daß ihm in solcher Gastungs- und Schankgerechtigkeit kein Eintrag geschehen: So hat die Frau von Schleuniz solches gleichfalls für recht und billig befunden, und zu solchen Ende mit vollwert Ihres Ehelichen und kriegischen Herrn Vormundens sich hiermit erkläret, weder einen Gasthoff oder Schenke an solcher Pillingsdorffischen Straßen aufzurichten noch sonsten, demselben zum abbruch, etwas vorzunehmen oder vornehmen zu laßen, welche freundliche Erklärung der von Pflug acceptiert […]“.

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Im Tausch gegen diese Privilegien erlässt Pflugk den Blankenhainern das Geleitsgeld auf den Straßen „[…] gegen Ober-Albersdorffen, wo dieselbe von der Vogelgesänger Straße abgeht, auf der Kursdörffer Fluhr henein, nachen Blankenhayn, durch das Dorff, Pillingsdorff, und über selbigen Anger, bis zu Ausgang der Nychwizer und angehender Klein Heuckewalder Fluhr: Von hieran aber bis vollends an die Corbsener Flur, um diese und die Vogelgesänger Straßen wieder zusammen kommen […]“.

Warum dieses interessante Zeugnis gleich zweier Herrschaftsfamilien in Posterstein unter die Dielen des Herrenhauses geriet und wie es die großen Brände auf dem Wirtschaftshof 1749 und 1772 überstehen konnte, lässt sich heute nicht mehr mit Sicherheit sagen. Der Fund ist dennoch außergewöhnlich und lässt auf noch weitere, positive Entdeckungen hoffen. Wir sind gespannt.

Ein Beitrag von Franziska Engemann

 

 

 

 

 

Thümmels Projekte: Flusskarten – Die Flößerei auf der Sprotte

Eines der vielen Projekte Hans Wilhelm von Thümmels (1744-1824), welches heute fast in Vergessenheit geraten ist, ist die Einrichtung einer so genannten Holzflößerei im Altenburger Landesteil des Herzogtums Sachsen-Gotha und Altenburg, die von ca. 1791 bis 1816 bestand. Der Grund dafür lag in einem erhöhten Brennholzbedarf der Stadt Altenburg, deren Bierbrauereien, Branntweinbrennereien, Töpfereien, Pfeifenfabriken und Ziegeleien mehr Feuerholz benötigten als vor Ort verfügbar war. Um nicht teuer Holz aus dem Werdauer Wald importieren zu müssen, verfolgte Thümmel die Idee, stattdessen über Sprotte und Pleiße Holz aus den eigenen Wäldern bei Klosterlausnitz und Tautenhain nach Altenburg zu transportieren.

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Flusskarten, aus dem Jahr 1789, in Leder gebunden, bestehend aus: 20 Blättern, handgezeichnet, tabellarische Übersicht über die Grundstücke, dargestellt ist der Verlauf der Sprotte, einschließlich Wehre und Flurstücke. Zu sehen in der aktuellen Ausstellung im Museum Burg Posterstein.

Mit großem Aufwand wurden die Gewässer ab 1789 vorbereitet, indem unter anderen ein Floßplatz in Großenstein, drei Floßteiche, Begradigungen und Durchstiche eingerichtet wurden. Konkret wurde zwischen Großenstein und Untschen auf der sogenannten „Kleinen Sprotte“ geflößt. In Untschen, das über die Familie Rothkirch und Trach in Thümmels Besitz gekommen war, gab es einen Floßteich über der Mühle, an dem auch ein Zapfenhaus zur Regulierung der Ausflussmenge des Teichwassers stand. Dieses Häuschen ließ sich Thümmel im Stil eines chinesischen Badehauses einrichten. Der nächste Streckenabschnitt führte auf der Sprotte von Untschen bis Selleris. Dort mündet die Sprotte in die Pleiße und die Holzscheite wurden weiter bis Münsa gespült.

Weil Sprotte und Pleiße auch damals keine reißenden Flüsse waren, insbesondere nicht auf dem Streckenabschnitt zwischen Untschen und Selleris, und sich zudem noch 22 Wehre und allerhand Mühlen auf diesem Teilgebiet befanden, konnte das Flößen nur mit der Schneeschmelze im Frühjahr stattfinden und dauerte ungefähr zwei bis drei Wochen. Die geflößte Holzmenge unterlag sehr den Witterungsbedingungen, denn während 1792 immerhin 2177 Klafter Holz transportiert werden konnten, waren es im Jahr darauf nur 357 Klafter (Klafter= 2,5 Kubikmeter). Das letzte Mal flößte man 1816 und stellte es dann unter Angabe verschiedener Gründe, wobei die Unwirtschaftlichkeit des Verfahrens wohl die eigentliche Ursache war, 1824, im Jahr als Thümmel verstarb, offiziell ein.

mehr dazu erfährt man in der aktuellen Sonderausstellung im Museum Burg Posterstein, die noch bis zum 31. Oktober 2016 zu sehen ist.

Buch zur Ausstellung: Buchvorstellung – 2. Oktober, 15.00 Uhr

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Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister, Museum Burg Posterstein, 2016 (168 Seiten, farbig, ISBN 978-3-86104-136-8, 20.00 Euro)

Ebenfalls zur Holzflößerei auf Sprotte und Pleiße bloggte neulich „Sprottepleißenland“:

Wie die Flößerei Sachsen und Thüringen einte und trennte

Noch mehr im Blog:

Mit Baron von Thümmel durch Nöbdenitz: Gut besuchte Wanderung des Museums Burg Posterstein
Im Dienste der Ernestiner – Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister
Romantically minded minister of Saxe-Gotha-Altenburg burried under a 1000 year old oak
Die Weisheiten eines langjährigen Ernestiner Staatsmannes – als Glückskeks
Hans Wilhelm von Thümmel – der Mann unter der 1000-jährigen Eiche
Die 1000-jährige Eiche in Nöbdenitz

AskACurator 2016 lässt uns zu den amerikanischen Museen aufschauen und Inspiration finden

Frag Thümmel: AskACurator 2016 im Museum Burg Posterstein
Frag Thümmel: AskACurator 2016 im Museum Burg Posterstein

Natürlich haben wir auch dieses Jahr am #AskACurator-Tag teilgenommen – und schon im Voraus ein paar Fragen zur aktuellen Sonderausstellung „Im Dienste der Ernestiner – Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister“ beispielhaft beantwortet (dazu mehr). Natürlich rollten auf Twitter unter dem Hashtag #AskACurator jede Menge Tweets rein, auch auf Deutsch. Aber abends, als die meisten deutschen Kuratoren offline gegangen waren, ging es erst richtig los – nämlich bei den amerikanischen Kollegen. 

Ein paar schöne, kleine Unterhaltungen ergaben sich tagsüber neben den ganzen Aufrufen der 69 teilnehmenden deutschen Museen, doch gern Fragen zu stellen. Wir trafen viele alte Bekannte und engagierte Kollegen, auch uns im Social Web bisher noch Unbekannte, worüber wir uns immer sehr freuen. Über Antworten auf allgemein gestellte Fragen, kann man manchmal schnell in kurze Unterhaltungen einsteigen. Über „privat“ gestellte Fragen bekommt man einige Inspiration und Anregungen aus anderen Häusern. Aber es bleibt deutlich, dass Twitter in Deutschland nicht unbedingt vom „normalen“ Museumspublikum genutzt wird – und dass Aufrufe auf Facebook und Instagram (zumindest bei uns) zu keiner großen Resonanz geführt haben. Dass das nicht schlecht sein muss, erklärt ganz anschaulich Angelika Schoder im Blog Musermeku.

 

Fragen aufwerfen

Viele Museen verkündeten ganz konkret, welche Kuratoren von wann bis wann Fragen beantworteten. Der Kurator des Stadtmuseums Berlin musste die Fragen aus dem Archiv per WhatsApp beantworten – was dann aber auch wieder ganz authentisch und direkt von der Arbeit war. Im Museum Burg Posterstein sind wir so wenige Mitarbeiter, dass wir zu zweit die Kommunikation gleichzeitig mit der Druckfreigabe für das Buch zur Ausstellung betreut haben.

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Ganz deutlich wurde, dass in den verschiedenen Museen auf unterschiedliche Strategien gesetzt wurde, Fragen aufzuwerfen und Gespräche loszutreten. Das ist auch wichtig, denn sonst kommt vielleicht nur die ein oder andere Standardfrage. Manche Museen bereiteten sich gut vor:

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Zurück zur Ausgangsidee, das Publikum mit Museumskuratoren in direkten Kontakt zu bringen, brachte das AskACurator-Konzept das Museum of Modern Art in New York, dessen Kuratoren auf Facebook live im Video Fragen direkt beantworteten:

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Kuratoren unter sich?

Wie Angelika Schoder ganz richtig bemerkt, muss es nicht unbedingt schlecht sein, dass Twitter in Deutschland nicht wirklich und vor allem nicht tagsüber vom normalen Besucher genutzt wird. Man kann das Netzwerk nämlich stattdessen für den Austausch mit Kollegen nutzen. Als Museum haben wir diesmal keine Fragen an andere Museen gestellt, als Privatperson schon. Da ging es dann z. B. darum, wie sich Ausstellungen am besten in historische Räume einpassen lassen, wie Ausstellungen auch digital weitergeführt werden können (hier gab es von internationalen Museen schöne Anregungen und Inspiration durch schon laufende Projekte) und wie man flüchtige, urbane Kunst im neuen Münchner Museum Muca Munich festhalten will.

Wir sammeln auf Twitter ständig Inspiration, lassen die Ideen reifen und sehen dann, was wie in das Konzept von Burg Posterstein passen und es bereichern könnte. Auch in der deutschen Museumswelt gibt es viele interessante Entwicklungen – wie Ausstellungen, die auf Google Arts Project weiterlaufen und Museen, die ihre Bücher als E-Books herausgeben – von denen wir uns durchaus inspirieren lassen könnten. Genau wegen dieser Inspiration durch andere, weltweit, nehmen wir am AskACurator-Tag teil. – Und einfach nur, um zu zeigen, dass es uns gibt.

2. Oktober 2016, 15 Uhr: Buchvorstellung der bisher umfangreichsten Biografie Hans Wilhelm von Thümmels

Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister

In der bewegten Zeit zwischen Französischer Revolution, Herrschaft Napoleons und Wiener Kongress stieg Hans Wilhelm von Thümmel (1744–1824) am Hof der ernestiner Herzöge von Sachsen-Gotha-Altenburg vom Pagen zum Minister auf. Als Gesandter verbrachte er über ein Jahr im Paris Napoleons.

In seinen 57 Dienstjahren leistete Thümmel Großes für das Herzogtum, darunter die Vermessung und Kartierung des Altenburger Landesteils und der Bau des ersten Altenburger Krankenhauses, damals ein europäischer Musterbau.

Inspiriert von seiner Liebe zu aufklärerisch geprägten Landschaftsgärten und Architektur, verhalf Thümmel den neuen Gärten hierzulande zum Durchbruch. Er zählte zum Dichterkreis am Musenhof Löbichau der Herzogin von Kurland.

Als außergewöhnliche Grabstätte wählte sich Thümmel die 1000-jährige Eiche in Nöbdenitz.

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Katalog zur Ausstellung

168 Seiten, farbig, ISBN 978-3-86104-136-8, 20.00 Euro

Die Thümmelschen Karten sind dem Katalog auf DVD beigelegt.

Das Buch ist ab 2. Oktober 2016 erhältlich.

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Aus dem Inhalt

Fünf Jahrzehnte nahm Hans Wilhelm von Thümmel (1744–1824) großen Anteil an der Politik und der Verwaltung seines Landes. Er prägte die Finanzverwaltung genauso wie die Außenpolitik, die Daseinsvorsorge und die kulturelle Entwicklung. Deshalb sollen in dieser Publikation sowohl die Person und ihr Umfeld als auch die historischen Ereignisse der Zeit Betrachtung finden.

Hans Wilhelm von Thümmel und seine Zeit

Der besseren Einordnung der Geschehnisse dient ein chronologischer Überblick, der Höhepunkte im Leben Thümmels mit der Geschichte des Herzogtums Sachsen-Gotha-Altenburg und Europas verbindet.

Das Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg (1672–1826)
Gothaer Zentralbehörden und die Verwaltung des Altenburger Landesteils

Eine Einführung in die Verwaltungsgeschichte des Landes gibt Doris Schilling. Dabei ist es weniger Ziel die komplizierte Teilungsgeschichte Thüringens zu vermitteln, als darzustellen, wie die Entscheidungsstrukturen innerhalb des Landes waren.

Hans Wilhelm von Thümmels Gesandtschaften

Schon früh gelangt Thümmel zu Reiseerfahrungen in Italien und Frankreich. Seine Kenntnisse der französischen Sprache sind ausgezeichnet. Das Vertrauen, das er bei den Herzögen genießt, prädestiniert ihn für komplizierte diplomatische Missionen. Frankfurt, Berlin, Warschau, Paris gehören zu den Orten, in denen er tätig wird. Außer offiziellen Berichten an seine Vorgesetzten hat sich für den neunmonatigen Parisaufenthalt ein Tagebuch erhalten. Dieses und ein Teil der Korrespondenz, auch in französischer Sprache, wurden durch Klaus Hofmann und Sabine Hofmann ausgewertet, um einen Überblick über Thümmels Gesandtschaften zu geben.

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Das Thümmelsche Kartenwerk
Landvermessung im Auftrag der Gothaer Herzöge

Mit der Entstehung des Thümmelschen Kartenwerkes beschäftigen sich zwei Beiträge. Gustav Wolf widmet sich der sogenannten Wagnerschen Karte, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Grundlage für alle späteren Vermessungen des östlichen Landesteiles bildete. Die heute im Thüringischen Landesamt für Vermessung und Geoinformation Zeulenroda verwahrten Urkatasterkarten boten noch viele Jahre nach ihrer Entstehung hervorragende Daten für die einzelnen Ortskataster. Für die Kriegsführung und die allgemeine Landvermessung jedoch reichten sie keineswegs aus. Deshalb waren die Karten, die Hans Wilhelm von Thümmel 1813 herausgab, ein wesentlicher Schritt in der Erschließung des Landes. Klaus Hofmann schildert in seinem Beitrag die Hintergründe der Entstehung des Kartenwerkes.

Thümmel als Architekt

Während seines Aufenthaltes in Italien lernte Thümmel die antike Baukunst und den darauf aufbauenden Stil Andrea Palladios kennen und schätzen. Schon bald übte er sich in Entwürfen für die Gothaer Herzogsfamilie, für öffentliche Bauten und für eigene Anwesen. Udo Hopf beschreibt in seinem Beitrag die Verdienste Wirken Thümmels als Architekt.

Thümmels Verdienste in Altenburg

Die Stadt Altenburg profitierte außerordentlich vom Wirken des Ministers. Die Zeitgenossen achteten vor allem den Zustand der Straßen. Franziska Engemann hat sich mit den Verdiensten Thümmels für den Altenburger Landesteil beschäftigt.

Hans Wilhelm von Thümmel in Altenburg und Nöbdenitz: Glanz und Extravaganz – Thümmels Feste

Marlene Hofmann untersucht in ausführlichen Beiträgen das gesellschaftliche Leben in Altenburg und Nöbdenitz. Sie umreißt die Rolle, die Thümmel zu Beginn des 19. Jahrhunderts einnahm und beschreibt, welche Anziehungskraft seine Salons für Zeitgenossen hatten. Die Verbindungen zum Musenhof der Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761–1821) kommen genauso zu Sprache wie die letzte Publikation Thümmels „Aphorismen, aus den Erfahrungen eines SiebenundSiebzigjährigen“. In einem weiteren Beitrag verweist Marlene Hofmann auf die besondere Begabung des Ministers Feste und Feierlichkeiten auszurichten.

Bildung im Grünen
Hans Wilhelm von Thümmel und seine Gärten

Aus England kommend, verbreitete sich im Europa des 18. Jahrhunderts eine ganz neue Gartenkultur. Christiane Nienhold legt in ihrem Beitrag nicht nur dar, wie sich die englischen Gärten ausbreiteten, sondern auch, wie und wo Thümmel die Ideen aufgreift und in eigene Projekte einfließen lässt.

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Der Mann unter der 1000-jährigen Eiche
Eine neue Grabkultur

Letztlich ist die 1000-jährige Eiche in Nöbdenitz Gegenstand einer historischen Betrachtung zur Grabkultur von Christiane Nienhold und Franziska Engemann. Bereits in seinen Gärten war Hans Wilhelm von Thümmel dem Leitspruch der Aufklärer zum „Zurück zur Natur“ (Jean-Jacques Rousseau) gefolgt. Das bedeutende Naturdenkmal in Nöbdenitz faszinierte ihn so sehr, dass er den Plan fasste, seine Bestattung genau dort, in den Wurzeln Eiche vornehmen zu lassen, um dereinst aus den Wipfeln auf die Erde blicken zu können.

Und diese knorrige Eiche soll 1000 Jahre alt sein?
Versuch der Altersbestimmung für die 1000-jährige Eiche von Nöbdenitz

Es gibt bis heute unterschiedliche und streitbare Aussagen zum Alter der Nöbdenitzer Eiche, die von 600 bis 1200 Jahren reichen. Matthias Schütze will deshalb in seinem Beitrag: „Und diese knorrige Eiche soll 1000 Jahre alt sein? – ein Versuch der Altersbestimmung historischer Großeichen“ seine Theorie der Altersbestimmung anhand von Wachstumskurven erläutern und so Ansätze für die Lösung der Frage nach der Datierung der Nöbdenitzer Eiche bieten.

 

Frag Thümmel! – Wir beantworten Fragen zur Ausstellung am #AskACurator-Tag

Frag Thümmel: AskACurator 2016 im Museum Burg Posterstein
Frag Thümmel: AskACurator 2016 im Museum Burg Posterstein

Über 1300 Museen aus 53 Ländern stellen sich morgen zum „Ask A Curator-Day“ (Frag einen Kurator-Tag) den Fragen interessierter Menschen aus aller Welt. Das Museum Burg Posterstein nimmt schon zum vierten Mal teil. Die Kuratoren der aktuellen Sonderausstellung „Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister“ stehen auf allen sozialen Kanälen des Museums – auf Twitter, Facebook und Instagram – und natürlich auch hier im Blog für Fragen bereit.

Warum eine Ausstellung über … Thümmel?

Alles darf gefragt werden, auch Fragen wie: Warum widmet das Museum Burg Posterstein gerade den Sachsen-Gotha-Altenburgischen Minister Thümmel eine Ausstellung? Wer entscheidet, wie die Ausstellung aufgebaut sein wird? Wer schreibt die Ausstellungstexte? Welche Ausstellungsstücke kannten die Museumsmitarbeiter vor Eröffnung der Ausstellung selber noch nicht? Und welches kam erst nach der Eröffnung noch dazu? Wie viele Besucher waren schon da und wie viele „Verwandte“ des Ministers Thümmel besuchten schon die Postersteiner Sonderausstellung?

Wen die Antworten jetzt schon interessieren, den wollen wir nicht warten lassen:

Warum widmet das Museum Burg Posterstein gerade den Sachsen-Gotha-Altenburgischen Minister Thümmel eine Ausstellung?

Die Thüringer Landesausstellung „Die Ernestiner – Eine Dynastie prägt Europa“ in Gotha und Weimar widmete sich den Ernestiner Herzögen. Das Museum Burg Posterstein liegt in Ostthüringen im Landkreis Altenburger Land und auch Altenburg war Residenz der Ernestiner Herzöge. Im Postersteiner Nachbarort Nöbdenitz besaß der Sachsen-Gotha-Atenburgische Minister Hans Wilhelm von Thümmel (1744-1824) ein Rittergut und wählte die 1000-jährige Eiche im Ort zu seiner Grabstätte. Von Nöbdenitz hatte er es nicht weit an den Musenhof der Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761-1821) in Löbichau, ein Forschungsschwerpunkt des Museums Burg Posterstein.

Wer entscheidet, wie die Ausstellung aufgebaut sein wird? Wer schreibt die Ausstellungstexte?

Im Fall der Thümmel-Ausstellung gab es ein Kuratorenteam, das den Aufbau der Ausstellung gemeinsam geplant hat. Der Vorteil eines kleinen Museums ist aber, dass alle gleichwertig ihre Meinung einbringen dürfen und dass auch spontane Änderungen und Umbauten noch möglich sind. Die Texte schreiben wir ebenfalls im Team.

Kam erst nach der Ausstellungseröffnung in eine Vitrine: Der Grundstein des Thümmelschen Palais in Altenburg.
Kam erst nach der Ausstellungseröffnung in eine Vitrine: Der Grundstein des Thümmelschen Palais in Altenburg.

Welche Ausstellungsstücke kannten die Museumsmitarbeiter vor Eröffnung der Ausstellung selber noch nicht? Und welches kam erst nach der Eröffnung noch dazu?
Hans Wilhelm von Thümmel wird bereits in der Dauerausstellung des Museums Burg Posterstein als herausragende Persönlichkeit der Region gewürdigt. Als wir begannen, uns noch intensiver als dem langjährigen Sachsen-Gotha-Altenburgischen Minister zu beschäftigten, tauchten auch noch uns bisher noch nicht bekannte Quellen und Bilder auf. Im Staatsarchiv Gotha schlummerte beispielsweise noch das Pariser Tagebuch Thümmels, das im Buch zur Ausstellung ausgewertet wird. In einer Privatsammlung gab es wunderschöne von Thümmel in Auftrag gegebene Nöbdenitz-Ansichten von Adrian Zingg, die Thümmels „Einsiedeley“ in seinem englischen Garten und seine Grabeiche zeigen – letzteres der Herzogin von Kurland gewidmet. Als die Ausstellung schon eröffnet war, brachte uns der heutige Besitzer des Thümmelschen Palais in Altenburg einen Grundstein von 1789, den er bei der Restaurierung gefunden hatte. Auch der Grundstein ist nun in der Ausstellung zu sehen.

Wie viele Besucher waren schon da und wie viele „Verwandte“ des Ministers Thümmel besuchten schon die Postersteiner Sonderausstellung?
Die Sonderausstellung sahen bisher rund 4000 Besucher aus ganz Deutschland. Sie läuft länger als die Thüringer Landesausstellung und ihre anderen Begleitausstellungen, nämlich noch bis 31. Oktober 2016. Bisher stellten sich an der Museumskasse schon vier Besucher als Verwandte oder Nachfahren Thümmels vor. Die Ausstellung als Anlass für ein Familientreffen?

Alle weiteren Fragen beantworten wir live!

Hans Wilhelm von Thümmels Gesandtschaften: Paris

„Gern werde ich alles thun, was irgend noch zu thun ist, aber nur eins bitte ich, verschonen Sie mich mit Paris.“ (Hans Wilhelm von Thümmel)

Das beginnende 19. Jahrhundert brachte für fast alle europäischen Staaten, gleich welcher Größe, einschneidende Veränderungen. Der Siegeszug Napoleons stellte alles bisher da gewesene in Frage und stellte an die Staatsverwaltungen ganz neue Aufgaben.

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Carl August, Herzog zu Sachsen Weimar

Sowohl der Weimarer Herzog Carl August (1757–1828) als auch der Gotha–Altenburgische Herzog August (1772–1822) strebten während Napoleons Herrschaft in Europa eine Sicherung ihres souveränen Staatsgebietes an. Während ersterer durch vorsichtiges Abwägen der Interessen die Balance zwischen Napoleon (1769–1821) und seinem Schwager Zar Alexander I. (1777–1825) zu beachten hatte, war Herzog August ein uneingeschränkter Bewunderer des französischen Kaisers. Beide Herzogtümer verfolgten das Ziel, durch eine Rangerhöhung ihres Staates ihre Interessen abzusichern.

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August, Herzog von Sachsen Gotha und Altenburg

Die mit Napoleon verbündeten Staaten unterhielten nicht nur in zeitweiligen Residenzen des französischen Kaisers, wie Berlin, sondern vor allem in Paris Gesandtschaften. Dies ermöglichte Napoleon sowohl eine enge Kommunikation mit den Rheinbundstaaten, als auch deren bessere Kontrolle.

Thümmels Tagebuch der Pariser Zeit

Entgegen der oben zitierten Bitte an seinen Herzog blieb Thümmel die Reise nach Paris nicht erspart. Ob er sich tatsächlich gewehrt hat oder guter Beamtenpflicht gemäß den Auftrag unwidersprochen annahm, ist nicht überliefert.

Tatsächlich reiste der Minister Napoleon fast umgehend nach Paris hinterher, denn bereits 16 Tage nach Napoleons Aufenthalt in Gotha am 23. Juli 1807 findet sich der erste Eintrag in seinem Pariser Tagebuch.

Tagebuch des Herrn Ministers v. Thümmel während seiner Mission in Paris vom Monat August 1807 bis April 1808“ – so lautet der offizielle Titel. Das Tagebuch wird im Thüringischen Staatsarchiv Gotha verwahrt. Die Einträge beginnen am 8. August 1807 und enden am 3. Mai 1808.

 

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Hans Wilhelm von Thümmel, Kupferstich nach Joseph Grassi

 

Thümmels Ankunft in Paris

Am 8. August 1807 erreichte Hans Wilhelm von Thümmel also die französische Hauptstadt.

 

„Gestern kam ich in dieser merkwürdigen Stadt an, die schnelle Reise des Marschalls Bessieres nach Studtgart verhinderte mich, daß ich früher hier ankommen konnte, weil ich in verschiedenen Posten mehrere Stunden auf Pferde warten mußte.“

Audienz bei Napoleon

Am 10. August 1807 erhielt Thümmel eine Audienz bei Napoleon, wofür er sich gleich im Anschluss bei Talleyrand bedankte.

„Früh 5 ½ Uhr ging ich sogleich nach St. Cloud, der Ceremonien Meister Segur weist mich an den Cammerherrn des Dienstes. Nachdem alle Diensthabenden beym Kayser gewesen waren, wurde der Prinz von Nassau u. Weilburg präsentiert, précise 7. Uhr auch ich. Ich übergab meinen Brief in einer Privat Audienz, er nahm ihn freundlich auf, fragte nach dem Herzog, und entließ mich durch ein Zeichen, das er gab. Ich habe hierauf auf Anweisung des Marg. Segur eine Karte an die erste Hofdame Rochefoucault geschickt, und schreibe ihr auch noch heute ein Billet, um Audi­enz bey der Kayserin zu erhalten. Ich habe den Kayser sehr wohl aussehend gefunden, aber man sieht in seinem Gesicht, dass er mit großen Dingen umgeht, und dass ihn viele Arbeit drücken mag.“

 Ausführlich werden Thümmels Gesandtschaften in Frankfurt am Main, Dänemark und Berlin, sowie in Paris und Erfurt in Beiträgen im Buch zur Sonderausstellung vorgstellt.

 

Das Buch zur Ausstellung

Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister.

Für das Herzogtum Sachsen-Gotha und Altenburg leistete Hans Wilhelm von Thümmel Großes – zu seinen wichtigsten Verdiensten zählt sicherlich die Vermessung und Kartierung des Herzogtums. Das von Thümmel in Auftrag gegebene Kartenwerk von 1813 wird ausführlich vorgestellt. Weitere Verdienste erwarb sich Thümmel durch die Gründung der Kammerleihbank und die Förderung des Straßenbaus in seinem Herzogtum. Der Bau des ersten Altenburger Krankenhauses wurde von Thümmel initiiert. Es galt am Ende des 18. Jahrhunderts als europäischer Musterbau. Inspiriert von seiner Liebe zu aufklärerisch geprägten Landschaftsgärten und Architektur, verhalf Thümmel den neuen Gärten hierzulande zum Durchbruch. Als Minister im Ruhestand brachte er hunderte kleine, heute noch gültige Lebensweisheiten als Aphorismen zu Papier. Zur Grabstätte wählte er sich die 1000-jährige Eiche in Nöbdenitz, die man heute noch bestaunen kann.

Die Sonderausstellung und die Publikation geben einen so bisher nicht vorliegenden, umfassenden Überblick zu Thümmels Person. Die Thümmelschen Karten werden auf DVD erstmals einem breitem Publikum zugänglich gemacht.

Der Termin der Buchpräsentation wird auf unserer Webseite bekanntgegeben.

Die Sonderausstellung im Museum Burg Posterstein ist noch bis zum 31. Oktober 2016 zu sehen.

noch mehr im Blog:

Mit Baron von Thümmel durch Nöbdenitz: Gut besuchte Wanderung des Museums Burg Posterstein

Im Dienste der Ernestiner – Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister

Romantically minded minister of Saxe-Gotha-Altenburg burried under a 1000 year old oak
Die Weisheiten eines langjährigen Ernestiner Staatsmannes – als Glückskeks
Hans Wilhelm von Thümmel – der Mann unter der 1000-jährigen Eiche
Die 1000-jährige Eiche in Nöbdenitz

Krakau – vier Tage intensiv Geschichte erleben

Jedes Jahr begibt sich der Förderverein des Museums auf Bildungsfahrt.

Diesmal unternahmen wir vom 11. bis 14. August 2016 eine Exkursion in die geschichtsträchtige Stadt Krakau in Südpolen. Auf dem Hin- und Rückweg wurde die Zeit nicht nutzlos im Bus verbracht, sondern auch an diesen eigentlichen Reisetagen gab es sehenswerte Ziele, die angefahren und besichtigt wurden.

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Das Schloss von König Kasimir dem Großen

Das Schloss von König Kasimir dem Großen

Das erste Ziel war Schloss Pieskowa Skala, etwa 25 Kilometer nordöstlich von Krakau. Auf weißem Fels erhebt sich ein wunderschön restauriertes helles Schloss. Im 16. Jahrhundert war die vorhandene Burg in ein Renaissanceschloss umgebaut worden. Herrliche Arkaden – und das sollten nicht sie einzigen sein, die auf dieser Reise zu besichtigen waren – umfassen einen weiten Hof.

Krakau – bis 1596 Hauptstadt des Königreichs Polen

Einen Tag lang widmete sich die Reisegruppe der Stadt Krakau, einer Stadt, wie man sie kaum erwartet hat. Der alte Stadtkern noch wunderbar erhalten. An der Weichsel gelegen, erhebt sich auf einer Anhöhe der Wawel, das alte Königsschloss.

Im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört, hat die Stadt doch einige Überfälle von Mongolen oder Türken erleben müssen. Einige Stadtbrände kamen hinzu. Und zu Zeiten des kommunistischen Regimes wurde die Stadt sehr vernachlässigt. Umso erstaunlicher ist es, wie herrlich die Stadt heute renoviert ist, zumindest die Altstadt.Trotz ihres Alters ist die Stadt jung, jung durch die zahlreichen Studenten, die hier leben.

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Der Wawel (Residenz der Könige von Polen) und die alte Stadt waren umgeben von Festungsanlagen und Wassergräben, die heute einen Grüngürtel von 4 Kilometern Länge bilden.

 

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Papst Paul II. war Bischof von Krakau – sein Bild ist überall in der Stadt zu sehen
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Der Markt mit den Tuchhallen ist riesig.
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Die Marienkirche ist ein Schatz, und der größte Schatz darin ist der Marienaltar von Veit Stoß. Im Czartoryski-Museum gibt es sogar einen Da Vinci zu bewundern: Die Dame mit dem Hermelin.

Die Schwarze Madonna von Częstochowa

Wer gedacht hatte, am dritten Tag dem Menschengewühl einer vielbesuchten Stadt zu entkommen, hatte sich gewaltig getäuscht. Von wegen stille Einkehr in einem Kloster.

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Doch nicht in Tschenstochau! Pilger über Pilger, Busse über Busse, Autos über Autos. Alle wollen die schwarze Madonna sehen. An ihr wird man schnell vorbeigeschleust. Pracht und Prunk an allen Orten, was man gar nicht richtig fassen kann.

Gut, dass es wieder zurück ins doch „ruhigere“ Krakau geht. Ruhig ist vielleicht nicht das richtige Wort, denn bis in die späte Nacht hinein, wandeln hier Menschen – Kind und Kegel – auf dem Markt und in den Straßen. Was gibt’s Schöneres, als dann abends in einem Jazz-Keller unterzuschlüpfen.

Residenz der Herzöge von Brieg

Am vierten Tag, auf der Rückfahrt gab es ebenfalls ein Schloss zu besichtigen, das Schloss in Brieg, in dem man so vieles über die Geschichte der Piasten erfahren kann.

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Besonders eindrucksvoll ist das Renaissanceportal am Eingang zum Schloss. Das Überraschendste aber war der Taufstein im Schlossmuseum, an dem Kurt Masur, der 1927 in Brieg geboren, getauft worden war.

Ein Beitrag von Monika Diedrich.

 

Mit Baron von Thümmel durch Nöbdenitz: Gut besuchte Wanderung des Museums Burg Posterstein

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Ralph-Uwe Heinz alias Hans Wilhelm von Thümmel

Nachdem er die mächtige, hohle Eiche von Nöbdenitz nach einem Gewittersturm 1819 der Pfarrgemeinde abgekauft hatte, richtete sich der Sachsen-Gotha-Altenburgische Geheime Rat und Minister Hans Wilhelm von Thümmel (1744–1824) dort häuslich ein. Er ließ im Inneren des Baumes Moosbänke für sechs Personen aufstellen, brachte in der Eiche kleine, sinnreiche Sprüche zu Papier oder lud Gäste zum Frühstück ein. Für einen Moment ließ der Gothaer Schauspieler Ralph-Uwe Heinz am vergangenen Sonntag (21. August 2016) den Minister wieder auferstehen. Auf einer Wanderung auf Thümmels Spuren führten er und Klaus Hofmann, Direktor des Museums Burg Posterstein, über 40 Interessierte durch den Ort.

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40 Interessierte lassen sich durch Nöbdenitz führen.

  

Von der Eiche ging es rückwärts durch Thümmels Lebensgeschichte zur Kirche, in der Thümmel einst heiratete, und zum Rittergut, von dem nur noch das Alte Schloss (heute Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Oberes Sprottental) und wenige Gebäude erhalten sind. Das Familiengrab der Rittergutsfamilien, Thümmels englischer Park und die darin aufgestellte „Einsiedeley“ gibt es heute nicht mehr. Mit historischen Ansichten, Zitaten und Fakten wurde am authentischen Ort die Geschichte zum Leben erweckt. Zwischen den Teichen des Ritterguts servierte der Ortsverschönerungsverein Nöbdenitz Erfrischungen, man kam ins Gespräch und ins Fachsimpeln über die Ortsgeschichte und das Alter der 1000-jährigen Eiche.

 

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Von der 1000-jährigen Eiche ging es zur Kirche.
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Das alte Herrenhaus ist heute Sitz der Verwaltung.

Thümmel alias Ralph-Uwe Heinz, der in Gotha auch Stadtführungen zur Thüringer Landesausstellung über die Dynastie der Ernestiner gibt, lobte die Postersteiner Sonderausstellung „Im Dienste der Ernestiner – Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister“ sehr. Mit wenig Geld würde hier eine Ausstellung von hoher Qualität gezeigt.

„Ich habe vieles über mich erfahren, was ich vorher selbst noch nicht wusste“, streute der Thümmel-Darsteller mit Augenzwinkern ein und zitierte hier und da einen von Thümmels sinnreichen Aphorismen: „Der Mensch setzt gern seinen Mitmenschen nach dem Tode ein Denkmal – und setzt es oft nur Schein und Wort-Tugenden. In Erz gegossen, in Marmor gehauen, oder in die kurze Ewigkeit eines Sandsteins gegraben, enthalten alle solche Denkschriften nur eine unumstößliche Wahrheit: Hier liegt N. N.s Hülle und soll wieder zu Erde werden.“

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Hans Wilhelm von Thümmel begrüßt die Gäste vor „seiner Eiche“.


Mit seinem auch für den damaligen Geschmack im Geist der Aufklärungszeit außergewöhnlichen Grabmal hat sich Hans Wilhelm von Thümmel wahrlich ein bleibendes Denkmal gesetzt. Man kann die 1000-jährige Eiche in Nöbdenitz besichtigen. In der Postersteiner Sonderausstellung, die bis 31. Oktober läuft, kann man digital auch ins Innere des hohlen Baumes blicken. Die Postersteiner Begleitausstellung zur Thüringer Landesausstellung wurde den Gästen der Thümmelwanderung im Anschluss in einer Sonderführung präsentiert.

Die Ausstellung im Überblick

Hans Wilhelm von Thümmel (1744–1824) stieg am Hof der Ernestiner Herzöge in Gotha zwischen 1760 und 1804 vom Pagen zum Minister auf. Ab 1783 lebte er vorwiegend in Altenburg. Darüber hinaus besaß er Rittergüter in Nöbdenitz und Untschen. In seiner Funktion als Präsident der Altenburger Kammer und Vorsitzender des Obersteuerkollegiums brachte er viele wichtige Projekte voran, darunter die Vermessung und Kartierung des Altenburger Landesteils, den Bau eines modernen Krankenhauses und mehrerer Armenhäuser und den Ausbau der Straßen. Die Sonderausstellung „Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister“ ist – länger als die Landesausstellung – bis 31. Oktober 2016 im Museum Burg Posterstein zu sehen.

Plakat zur Sonderausstellung 2016
Plakat zur Sonderausstellung 2016

Zum Weiterlesen im Blog:

Fast so viele Holländer wie Nöbdenitzer besuchten bisher die Postersteiner Ernestiner-AusstellungIm Dienste der Ernestiner – Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum MinisterDie Weisheiten eines langjährigen Ernestiner Staatsmannes – als GlückskeksBlogpost: Hans Wilhelm von Thümmel – der Mann unter der 1000-jährigen Eiche
Die 1000-jährige Eiche in Nöbdenitz
Weitere Infos zum Musenhof Löbichau

Weitere Infos zur Thüringer Landesausstellung 2016