#Kinderburg: Wie haben Ritter Post verschickt?

Jule aus Buxtehude wollte von den Postersteiner Burggeistern Posti und Stein wissen: Wie haben Ritter Post verschickt? Hier kommt die Antwort!

Nachrichten zu verschicken war im Mittelalter ziemlich schwierig. Oft dauerte es sehr lange, bis Nachrichten überbracht werden konnten. Einen Brief einfach in den Briefkasten werfen ging leider nicht. Boten mussten geschriebene oder mündliche Nachrichten zu Fuß oder zu Pferde an den Empfänger überbringen.

Tatsächlich gab es solche Boten. Aber die musste man sich nicht nur selber suchen, sie waren im Vergleich zu heute auch recht langsam. Ein Fußbote konnte am Tag ungefähr 20 bis 30 Kilometer zurücklegen. Von Buxtehude aus würde er es an einem Tag also ungefähr bis Waltershof bei Hamburg schaffen. Bis in die Hamburger Innenstadt wäre er erst einen Tag später gekommen.

Ein berittener Bote war natürlich schneller. Er schaffte bis zu 60 Kilometer am Tag und wäre von Buxtehude aus bei gutem Wetter wohl bis Lüneburg gekommen.

Hatte er zwischenzeitlich die Möglichkeit das Pferd zu wechseln, konnte ein Bote zu Pferd sogar 100 Kilometer am Tag zurücklegen. Er wäre mit deinem Brief aus Buxtehude sogar bis in die Innenstadt von Bremen gekommen – zumindest, wenn er den Weg gut kannte.

Zu Pferd war man im Mittelalter über Land am schnellsten unterwegs. Die Zeichnung stammt aus dem Fechtbuch von Hans Talhoffer in den 1440er Jahren. Sie wird in der Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt aufbewahrt. (aus: Hans Talhofer: Fechtbuch, CC-BY-SA, Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt)
Zu Pferd war man im Mittelalter über Land am schnellsten unterwegs. Die Zeichnung stammt aus dem Fechtbuch von Hans Talhoffer in den 1440er Jahren. Sie wird in der Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt aufbewahrt. (aus: Hans Talhofer: Fechtbuch, CC-BY-SA, Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt)

Billig waren solche Boten allerdings nicht! Im Gegensatz zu heute mussten die Leute im Mittelalter nicht nur das Briefporto (also den Transport) zahlen, sondern auch für die Unterkunft und Übernachtungen der Boten, die Pferde und deren Pflege, Wegzoll und Fährbenutzungen aufkommen. Das konnte sich ein normaler Bürger oder Bauer kaum leisten.

Für die Herrscher war ein (relativ) schnelles Postwesen allerdings sehr wichtig. Politische Entscheidungen konnten von solchen Nachrichten abhängen. So leisteten sich vor allem die Könige und Kaiser eine eigene Mannschaft an Kurieren und auch der Papst in Rom verfügte über diese Möglichkeit. Wohlhabende Klöster nutzten Boten, um Kontakt mit anderen Klöstern ihres Ordens zu halten.

Mittelalterliche Straßen waren oft nur holprige Sandwege. Hier siehst du eine historische Ansicht von Burg Posterstein. Das Bild entstand aber nicht im Mittelalter, sondern erst später, nämlich im 18. Jahrhundert.
Mittelalterliche Straßen waren oft nur holprige Sandwege. Hier siehst du eine historische Ansicht von Burg Posterstein. Das Bild entstand aber nicht im Mittelalter, sondern erst später, nämlich im 18. Jahrhundert.

Trotz dieser professionellen Kuriere dauerte es recht lange, Nachrichten und Briefe zu übermitteln. Besonders, wenn diese Boten auf schlechtes Wetter oder unwegsame Straßen stießen. Denn Autobahnen gab es im Mittelalter natürlich noch nicht und die „Straßen“ waren oft holprige und schlecht ausgebaute Wege. Herrschte zudem noch Krieg im Land, konnte sich die Zustellung weiter verzögern. Als zum Beispiel Kaiser Friedrich I., den man auch „Barbarossa“ (Rotbart) nannte, im Jahr 1190 auf einem Feldzug in der heutigen Türkei in einem Fluss ertrank, erfuhr sein Sohn trotz der „Expresslieferung“ dieser Nachricht erst vier Monate später, dass sein Vater nicht mehr lebte.

Aber: Langsamer ging es trotzdem noch! Wer sich einen Boten nicht leisten konnte und dennoch einen Brief verschicken wollte, musste sich an Leute wenden, die sowieso auf Reisen waren und für wenig Geld den Brief mit in eine andere Stadt nahmen. Das waren meist Händler oder Pilger. Die wiederum hatten gar nicht die Absicht, sich zu beeilen und die Nachricht so schnell wie möglich zu ihrem Empfänger zu bringen. Sie nahmen die Post ja nur aus Freundlichkeit mit. So konnte es viele Wochen und Monate dauern, bis eine solche Nachricht an ihr eigentliches Ziel kam. Aber immerhin: irgendwann kam sie wohl an!

#kidsMW: Bitte ins Museum, Mami! Die Familienausstellung „Die Kinderburg“ auf Burg Posterstein

Ein Museum ist dunkel, leise und anfassen darf man auch nichts! – Diese Vorstellung ist auch heute noch weit verbreitet. Der Gedanke an einen Familienausflug ins Museum kommt bei vielen nicht besonders gut an. Aber muss das so sein? Das heutige Thema der internationalen Museumswoche #MuseumWeek heißt #kidsMW und wir wollen unsere erste Familienausstellung im Museum Burg Posterstein vorstellen.

Das Bild wandelt sich! Viele Museen haben das Klischee der langweiligen Kulturstätte erkannt und sich bewusst auf die Fahnen geschrieben, einen Schlussstrich darunter zu setzen. Und das zu Recht! Denn Kunst, Naturwissenschaft, Geschichte, Literatur und Technik sind alles andere als langweilig. Doch die Vermittlung kann eine echte Herausforderung werden. Besonders Kinder verlieren beim Versuch einer detaillierten Beschreibung schnell die Begeisterung. Vor allem wenn ihnen „vorgeschrieben“ wird, was sie wissen, sehen oder sich merken sollen.

Franziska Engemann bei einer Familienführung durch die Burg Posterstein.
Franziska Engemann bei einer Familienführung durch die Burg Posterstein.

Dabei sind Kinder durchaus an kulturellen Themen interessiert. Sie wollen diese bewusst erleben: sehen, hören, riechen, anfassen und fühlen. Besonders letztes lässt vielen Kollegen wohl einen eisigen Schauer über den Rücken laufen. Schließlich gehört es zu den Hauptaufgaben eines Museums seine Exponate zu sichern und zu bewahren. Aber muss das eine das andere zwangsläufig ausschließen?

Kinder, erobert die Burg!

Im Museum Burg Posterstein sind Familien mit Kindern, Schulklassen und Kita-Gruppen traditionell die wichtigste Besuchergruppe. Die Burg mit ihrem Verließ, dem Turm und einem Hauch von „Ritterleben“ trifft das Interesse vieler Kinder. Die pädagogischen Angebote, die von speziellen Führungen und Programmen für Kinder bis hin zur privaten Geburtstagsfeier für die kleinen Besucher reichen, waren und sind sehr gefragt. Das traditionell zu Pfingsten stattfinde Mittelalterspektakel mit Reiterturnier, Musik und Markttreiben ist für viele Besucher ein Höhepunkt des Jahres.

Einer der Höhepunkte des Jahres auf Burg Posterstein: Das Mittelalterspektakel mit Ritterturnieren - jedes Jahr zu Pfingsten.
Einer der Höhepunkte des Jahres auf Burg Posterstein: Das Mittelalterspektakel mit Ritterturnieren – jedes Jahr zu Pfingsten.

Im musealen Alltag gab es allerdings einen Makel: Schrift, Ton und Präsentation der Exponate im Museum waren bisher fast ausschließlich für ein erwachsenes Publikum bestimmt. Besonders das Thema „Salonkultur“ und die Geschichte um den Musenhof der Herzogin Anna Dorothea von Kurlands auf ihren Schlössern Löbichau und Tannenfeld war für junge Museumsgäste schwer zugänglich – Prinzessinnen hin oder her.
Die Zeit war reif für eine Ausstellung, die sich speziell an die vielen Kinder richtete, die das Museum besuchten.

Wie, wer, was, warum?

Das gesamte Jahr 2017 war von den Vorbereitungen zur Ausstellung „Die Kinderburg – Auf den Spuren von Rittern und Salondamen“ geprägt. Die verschiedenen Stationen für Kinder orientieren sich an den Hauptthemen des Museums: Burggeschichte und Mittelalter, Geschichte der Region und Salonkultur des 18./19. Jahrhundert, speziell der Musenhof der Herzogin von Kurland in Löbichau und Tannenfeld.

Geschichte soll nicht nur in Führungen kindgerecht erklärt werden, sondern auch in der Ausstellung.
Geschichte soll nicht nur in Führungen kindgerecht erklärt werden, sondern auch in der Ausstellung.

Die Leitidee der Ausstellung war, den Kindern die Informationen nicht einfach vorzusetzen. Sie sollten selbst mitwirken. So wurde Anfang des Jahres eine Fragestation im Museum eingerichtet. Dort konnten die kleinen und großen Besucher ihre brennendsten Fragen an das Burggespenst Posti und den Burgdrachen Stein stellen. Beide gaben dann Antwort: per Brief, E-Mail oder im neu eingerichteten Kinderblog der Burg Posterstein.

Das Interesse und die Beteiligung waren erfreulich hoch. Das größte Interesse galt dem Alltagsleben der Ritter, Bauern und Salondamen. Wie schwer war eine Ritterrüstung? Wie ging der Ritter damit aufs Klo und was hat er als Klopapier benutzt? Wie lebten Kinder im Mittelalter? Gingen die Kinder im Mittelalter zur Schule? Wie verschickte man früher Post? Hatten Prinzen auch Schlittschuhe?

Eine Ausstellung zum Sehen, Lesen, Hören, Fühlen und Verkleiden

Auf Basis dieser Fragen entwickelten wir zehn Stationen, an denen auf schwarzen Holzwürfeln und Holzritterfiguren diese Fragen in kurzen Sätzen beantwortet wurden. Dabei war uns wichtig, dass die Kinder nicht nur lesen, sondern die Geschichte und Geschichten der Burg und der Region auch aktiv erleben können. So weist jeder Würfel nicht nur kurze, kindgerechte Texte auf, sondern verbirgt auch eine praktische Funktion zum Erkunden.

Die Ausstellung "Die Kinderburg" auf Burg Posterstein zeigt Geschichte zum Sehen, Hören und Anfassen.
Die Ausstellung „Die Kinderburg“ auf Burg Posterstein zeigt Geschichte zum Sehen, Hören und Anfassen.

Den Anfang bildet die Replik eines Kettenhemdes, das die Kinder anfassen und so ein Gefühl für diese spezielle Schutzbekleidung bekommen können. Milchkartons in einem Einkaufsnetz verdeutlichen das Gewicht eines Ritterhelms. Mit großen Holzbausteinen können die kleinen Besucher die Bauentwicklung der Burg Posterstein nachempfinden, mit Holzfiguren ihre eigenen Rittergeschichten nachspielen oder ein Theaterstück im Salon der Herzogin von Kurland aufführen.

Die sich oft ähnelnden Portraits der Altenburger Bäuerinnen, in ihrer Tracht „Marchen“ genannt, dienten schon in der Sonderausstellung zum 200. Geburtstag des Bauernmalers Friedrich Mascher (1815–1880) 2016 als kleines Online-Memory-Spiel. Eine neue Variante dieses „Mascher-Marchen-Memorys“ mit hölzernen Türchen zum Öffnen soll den Kindern die Geschichte der Altenburger Bauern spielerisch näher bringen.

Kleine Ritter und Prinzessinnen stürmten die Burg Posterstein zur Eröffnung der "Kinderburg"-Ausstellung. Unterstützung bekamen wir von der Ritterschaft von Hohenstein.
Kleine Ritter und Prinzessinnen stürmten die Burg Posterstein zur Eröffnung der „Kinderburg“-Ausstellung. Unterstützung bekamen wir von der Ritterschaft von Hohenstein.

Eine Station der „Kinderburg“ widmet sich Stoffen und der Kleidung im Wandel der Zeit. Natürlich können sich die kleinen Besucher hier auch als Ritter oder Burgfräulein, als Prinz oder Salondame verkleiden.

Eine Hörstation im Burgturm erzählt von der Ausbildung zum Ritter oder zur Burgdame. Und ein Blick hinter sonst verschlossene Kamintüren und ins Ritterklo der Burg darf natürlich auch nicht fehlen.

Gekommen, um zu bleiben…

Die Ausstellung „Die Kinderburg – Auf den Spuren von Rittern und Salondamen“ war als Sonderschau bis 31. Dezember 2017 geplant, ist aber inzwischen verlängert worden und kaum noch aus der Burg wegzudenken. Allein zur Eröffnung stürmten rund 200 kleine und große Gäste die Burg und erkundeten die neue Ausstellung. In den ersten zwei Wochen kamen über 1000 Besucher, darunter deutlich mehr Familien mit Kindern als sonst, nämlich über die Hälfte der Besucher. Das Feedback zur Ausstellung fiel durchweg positiv aus. Und der Trend hält an. Auch in den ersten Monaten 2018 besuchten fast doppelt so viele Familien die Burg Posterstein als im Vorjahr. Anteil daran hatten auch die Ferienprogramme mit Rästeljagd und kleinen Familienführungen, welche die unterschiedlichen Fragen der Kinder thematisierten. Das Interesse ist ungebrochen und so bleibt die „Kinderburg“ den Familien erst einmal erhalten.

Natürlich wird der begonnene Kinderblog der Burg weitergeführt. Und auch die „Helmpost“ der Burggeister Posti und Stein erfreut sich weiterhin großer Beliebtheit. Eine Erweiterung der Familienausstellung in der Burg Posterstein ist also durchaus denkbar!

Von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

Weitere Beiträge zur #MuseumWeek 2018:
#WomenMW: Die Dame, die unter dem Pseudonym „Ernst Ritter“ schrieb
#CityMW: Tee im Salon – Die Altenburger Gesellschaft um 1810
#heritageMW: Ein europäisches Tourismus- und Informationszentrum im Geiste der historischen Salons in der Burg Posterstein
#professionsMW: Ein lebendiges Museum braucht Helfer und Unterstützer

#Kinderburg: Hatten Prinzen auch Schlittschuhe?

Schaatsenrijders, Adriaen Pietersz. van de Venne, 1625, Rijksmuseum, Public Domain: https://www.rijksmuseum.nl/nl/collectie/SK-A-1768

Kilian hat die Postersteiner Burggeister Posti und Stein gefragt: Hatten Prinzen auch Schlittschuhe? Diese Frage passt wunderbar zur Jahreszeit und den Weihnachtsferien. Hier kommt die Antwort von Posti und Stein:

"Auf dem Eise" aus der Mappe "Aus Schleswig-Holstein", Wilhelm Dreesen, Fotografie, um 1900, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Public Domain, http://sammlungonline.mkg-hamburg.de/de/object/"Auf-dem-Eise"-aus-der-Mappe-"Aus-Schleswig-Holstein"/P1986.21/mkg-e00135044
„Auf dem Eise“ aus der Mappe „Aus Schleswig-Holstein“, Wilhelm Dreesen, Fotografie, um 1900, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Public Domain, http://sammlungonline.mkg-hamburg.de/de/object/“Auf-dem-Eise“-aus-der-Mappe-„Aus-Schleswig-Holstein“/P1986.21/mkg-e00135044

Tatsächlich hatten Prinzen Schlittschuhe! Ganz genau weiß man nicht, wann die Menschen auf die Idee kamen, sich etwas unter die Schuhe zu schnallen, mit dem sie sich auf Eis schnell fortbewegen konnten. Forscher gehen davon aus, dass die Technik schon seit tausenden Jahren bekannt ist. Schlittschuhkufen aus Knochen, Holz und Metall, die sich die Menschen mit Riemen an die Schuhe banden, wurden gefunden. Der Schuh mit Kufe, wie wir ihn heute kennen, ist erst rund 150 Jahre alt.

Schon vor 800 Jahren sollen Boten Metallkufen an den Füßen gehabt haben, um schnell über Eisflächen zu schliddern. So konnten sie ihre Nachrichten schneller überbringen. Vor 800 Jahren – das war die Zeit, in der Burg Posterstein gebaut wurde.

Später war das Eislaufen ein beliebter Sport des Adels. – Prinzen mochten also Schlittschuhlaufen! Auf diesem Bild aus dem niederländischen Rijksmuseum sieht man edle Herrschaften beim Vergnügen auf dem Eis. Es wurde vor rund 400 Jahren gemalt.

Schaatsenrijders, Adriaen Pietersz. van de Venne, 1625, Rijksmuseum, Public Domain: https://www.rijksmuseum.nl/nl/collectie/SK-A-1768
Schaatsenrijders, Adriaen Pietersz. van de Venne, 1625, Rijksmuseum, Public Domain: https://www.rijksmuseum.nl/nl/collectie/SK-A-1768

Vor 250 Jahren begeisterte das Schlittschuhlaufen schließlich alle Leute und es wurden sogar Vereine gegründet, die Wettkämpfe veranstalteten.

Der Altenburger Verleger Heinrich August Pierer verkehrte in den Altenburger Salons und war eng mit seinem Konkurrenten Friedrich Arnold Brockhaus befreundet.
Der Altenburger Verleger Heinrich August Pierer verkehrte in den Altenburger Salons und war eng mit seinem Konkurrenten Friedrich Arnold Brockhaus befreundet.
1845 schrieb der Altenburger Verleger Pierer in seinem Lexikon über das Schlittschuhlaufen, dass ein guter Fahrer „eine zieml. Zeit mit einem trabenden Pferde Schritt halten“ könne. Er beschreibt, dass man in Holland längere Strecken auf gefrorenen Flüssen zurücklege, dass „in manchen Gegenden auch die Frauenzimmer“ Schlittschuh fuhren und dass es in London schon 1842 im Sommer eine künstliche Schlittschuhbahn gegeben habe. Und nicht nur das: „Auch hat man S. [Schlittschuhe] mit Rädern, um auch im Sommer auf ebnen Boden S. zu fahren“.

Quelle:
Pierers Universal-Lexikon Der Gegenwart und Vergangenheit oder neuestes encyclopädisches Wörterbuch der Wissenschaften, Künste und Gewerbe, herausgegeben von H.A. Pierer, 1845, 2. Auflage, 27. Band, S. 188.

Zum Weiterlesen über Lexika in Altenburg und Leipzig:
Der Brockhaus wird eingestellt

Kinder, Kinder, #Kinderburg: Unser Blick auf Kultur im Jahr 2017

Ferienführung durch die Burg Posterstein.
Ferienführung durch die Burg Posterstein.

Das Archäologische Museum Hamburg fragt in seiner Blogparade #KultBlick nach dem persönlichen Blick auf Kultur. Mitmachen kann jeder. Wir vom Museum Burg Posterstein wollen unseren Blickwinkel für dieses Jahr vorstellen: Den Blick auf Geschichte durch Kinderaugen.

Der Kulturblick eines geschichtlichen Museums richtet sich per Definition in erster Linie auf vergangene Zeiten. Das Museum Burg Posterstein beschäftigt sich als regionalgeschichtliches Museum des Altenburger Landes in Thüringen in erster Linie mit der Geschichte der Burg Posterstein und der Geschichte der Region im Dreiländereck Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Dazu gehört auch ein Salon, der zwischen 1795 und 1821 nach ganz Europa ausstrahlte: Der Musenhof der Herzogin von Kurland. Aus über 800 Jahren Geschichte kann man inhaltlich schöpfen und als Museum seinen Kulturblick auf verschiedene Schwerpunkte lenken. 2017 haben wir einen ganz besonderen kulturellen Blickwinkel in den Mittelpunkt gerückt: Den Blick auf Geschichte durch Kinderaugen.

Schon im Vorfeld der Kinderburg-Ausstellung gab es für junge Besucher viel zu entdecken: Hier durften Kinder die Ausrüstung der Ritterschaft von Hohenstein testen.
Schon im Vorfeld der Kinderburg-Ausstellung gab es für junge Besucher viel zu entdecken: Hier durften Kinder die Ausrüstung der Ritterschaft von Hohenstein testen.

Traditionell zählen Familien mit Kindern, Schulklassen und Kita-Gruppen zu den wichtigsten Besuchergruppen im Museum Burg Posterstein. Klar, vom Verlies bis zur Turmspitze können auch ganz junge Besucher so einiges entdecken. Aber die meisten der Informationen in Schrift oder Ton richteten sich bisher an ein erwachsenes Publikum. 2017 haben wir erstmals eine Ausstellung für Kinder konzipiert. Die Vorbereitungen dafür haben das gesamte Jahr geprägt.

Gibt es heute noch Ritter? – Fragen über Fragen

Anfang des Jahres richteten wir im Museum eine Frage-Station ein. Hier können junge (wie ältere) Besucher Fragen zur Geschichte hinterlassen. Es antworten Burggespenst Posti und Burgdrache Stein – per Brief, E-Mail oder als Blogpost im extra eingerichteten Kinderburg-Blog und in möglichst einfachen, kurzen Sätzen. Eingegangen sind mehr als 150 Fragen.

Seit Eröffnung der Kinderburg-Ausstellung gibt es die Möglichkeit das "Heymlich Gemach", die Rekonstruktion der Toilette im Aborterker der Burg Posterstein, anzusehen.
Seit Eröffnung der Kinderburg-Ausstellung gibt es die Möglichkeit das „Heymlich Gemach“, die Rekonstruktion der Toilette im Aborterker der Burg Posterstein, anzusehen.

Viele davon beziehen sich auf den Alltag in einer Burg im Mittelalter – eben Lebensbereiche, die die Kinder kennen und die sie beschäftigen. Gab es Tiere in einer Burg? Wie badeten Ritter? Wie gingen sie in Rüstung aufs Klo und was nahmen sie als Klopapier? Wie schwer ist eine Rüstung? Gingen Ritter in die Schule? … Und durfte sich eine Prinzessin auch mal schmutzig machen?

Durch die „Kinderbrille“ sehen

Im Laufe des Jahres haben wir einige dieser Fragen aufgegriffen und in den Schulferien in kurzen Familienführungen erklärt. Zu den Führungen brauchte man sich nicht anmelden, sondern einfach nur zur richtigen Zeit im Museum sein. An den Tagen ohne Führung gab es kleine „Rätseljagden“ zum Thema durch die Ausstellung. Das wurde vom regionalen Publikum begeistert aufgenommen und genutzt. Das positive Feedback hat uns darin bestärkt, die gesamte „Kinderburg“-Ausstellung an den Kinderfragen auszurichten. Auf diese Art beantwortet die Ausstellung Fragen, die Kinder interessieren und nicht nur solche, von denen wir Erwachsene denken, dass sie Kinder interessieren könnten. So haben wir versucht, unseren gewohnten Blickwinkel zu wechseln und durch die „Kinderbrille“ zu sehen.

Herausgekommen ist eine Ausstellung, die sich in über zehn Stationen durch die gesamte Burg Posterstein zieht. Schwarze Ritter und schwarze Würfel dienen als Informationssystem. Hier werden Fragen beantwortet. Thematisch geht es von der Burggeschichte über die regionale Geschichte bis hin zum Musenhof Löbichau der Herzogin von Kurland. Natürlich gibt es was zum Hören, Ansehen, Ertasten, Hochheben, Hüpfen … und Verkleiden. Jede Familie bekommt eine Schatzkarte, mit der die Kinder die Ausstellung selbstständig erkunden können. Und natürlich gibt es was zum Rätselraten, Gewinnen und für zu Hause. Ergänzt wird die Ausstellung durch ein neues museumspädagogisches Angebot zur Salonkultur.

Kinder stürmen die Burg Posterstein

Die Ausstellung „Die Kinderburg – Auf den Spuren von Rittern und Salondamen“ wurde am 1. Oktober 2017 eröffnet. Rund 200 kleine und große Gäste stürmten die Burg und erkundeten die neue Ausstellung. In den ersten zwei Wochen kamen über 1000 Besucher, darunter deutlich mehr Familien mit Kindern als sonst, nämlich über die Hälfte der Besucher. Das Feedback zur Ausstellung fiel durchweg positiv aus. Deutlich wurde Dank Besucherbefragung auch, dass die Ausstellung auch Menschen anlockte, die sonst nicht so häufig zu uns kommen. Noch ist es zu früh, ein Resümee zu geben, aber bisher scheint es, als komme der besondere Fokus auf Kinder gut an.

Auch die traditionelle Weihnachtskrippenausstellung soll sich in diesem Jahr stärker als sonst an ein junges Publikum richten. Ein Schwerpunkt der Ausstellung, die immer eine Auswahl aus den über 500 Krippen in der Sammlung des Museums zeigt, wird in diesem Jahr auf für Kinder konzipierten Krippen liegen. Den Baumschmuck werden die lokalen Kindergärten eingeladen, beizusteuern, und in den Weihnachtsferien sollen kleine Familienführung der Frage „Was ist Weihnachten?“ auf den Grund gehen. So wird uns der Kinderblick durch das ganze Jahr begleiten und danach weiter zu einem festen Bestandteil unserer Museumsarbeit werden.

Die Blogparade #KultBlick läuft noch bis 22. Oktober 2017. Die bereits eingegangenen Blogposts sind hier gelistet. Die Münchner Kulturbloggerin Tanja Praske vom Blog Kultur-Museo-Talk  begleitet die Blogparade.

Von Marlene Hofmann

#Kinderburg: Was haben die Rittersleute gegessen?

Tiere wie Rinder, Hühner und Schweine wurden schon im Mittelalter gezüchtet, um gegessen zu werden.

Johanna (4 Jahre) möchte wissen: Was haben die Rittersleute gegessen? Burggespenst Posti und Burgdrache Stein antworten:

Beim Essen gab es Unterschiede zwischen Bauern, Rittern, Stadtbewohnern, armen oder reichen Leuten. Das wichtigste Nahrungsmittel war für alle das Getreide. Alle aßen Brot, ob Bauer oder Ritter. Bei den Rittern gab es aber mehr Fleisch und sie durften zur Jagd gehen.

Die Menschen im Mittelalter aßen ganz unterschiedlich. Einige Pflanzen, die gern gegessen wurden, wuchsen nur in bestimmten Teilen eines Landes. Und nicht überall gab es die gleichen Tiere. Daher waren sie an manchen Orten für wenig Geld zu bekommen und deshalb bei vielen Leuten auf dem Teller zu finden. Andere mussten sich besondere Kräuter oder Fleischsorten von weit her besorgen. Dann war es (zum Beispiel) viel teurer bestimmte Fische zu essen und nur wohlhabende Menschen konnten sich das leisten.

Das wichtigste Nahrungsmittel war Getreide. Alle aßen Brot, ob Bauer oder Ritter. Zum Brot gab es Fleisch, Fisch, Gemüse, Obst, Fett, Käse und Wein. Getreide war auch in Form von Hafergrütze oder Bier beliebt.

„Edle“ Früchte hängen ganz oben

Die Ritter glaubten, dass die vornehmsten Früchte an Bäumen wachsen.
Die Ritter glaubten, dass die vornehmsten Früchte an Bäumen wachsen.
Obst und Gemüse gab es natürlich auch! Aber dazu hatten sich die Ritter eine seltsame Regel ausgedacht: Wurzelgemüse und Kräuter, die im oder nah am Boden wachsen, galten im Mittelalter als grob und bäuerlich. Edle Früchte hingen an den Bäumen. Umso höher die Frucht hing, desto besser war sie!

Doch das heißt nicht, dass nur Bauern Gemüse aßen. Besonders die Bürger in den Städten liebten Gemüsesuppen und Eintöpfe und legten sich sogar kleine Gärten vor und innerhalb der Stadtmauern an. Und natürlich landete auch bei Rittern Gemüse auf dem Teller.

Am liebsten aßen Ritter aber Fleisch! Tiere wie Rinder, Hühner und Schweine wurden schon im Mittelalter gezüchtet, um gegessen zu werden. Es wurde nichts verschwendet! Was von einem Tier nicht gegessen werden konnte, wurde anderweitig genutzt. Aus der Haut von Rindern, zum Beispiel, machte man Leder für Kleidung oder Pergament, auf dem man schreiben konnte.

Ritter durften jagen

Ritter gingen auch gern jagen – einfachere Leute durften das nicht. Hirsch oder Hase fand man daher oft auf den Tafeln der Rittersleute! Und als besonders schön galt der Fasan! Sein buntes Federkleid diente als richtige Dekoration bei Festen!

Tiere wie Rinder, Hühner und Schweine wurden schon im Mittelalter gezüchtet, um gegessen zu werden.
Tiere wie Rinder, Hühner und Schweine wurden schon im Mittelalter gezüchtet, um gegessen zu werden.

Aber die Ritter durften nicht jeden Tag essen, was sie wollten. Ihr Glaube und die christliche Kirche schrieben ihnen auch Tage vor, an denen sie nur wenig essen durften. Die Ritter und alle anderen Christen mussten sich daran auch halten. Es gab also „fette Tage“, Feiertage, an denen alle schlemmen durften, und „magere Tage“, an denen gefastet wurde.

An mindestens einem von drei Tagen musste sich ein Christ mit Fisch und Gemüse begnügen. An „Fastentagen“ (wie vor Ostern) durften keine Milch, Eier, Fleisch oder andere tierische Fette gegessen werden. Nur schwangere Frauen, Arme, Kranke, Alte und Kinder mussten sich daran nicht halten. Fisch galt bei den Rittern nicht als Fleisch und wurde daher oft an solchen mageren Tagen gegessen. Umso größer war der Überfluss an Speisen an den „fetten“, also den Feiertagen! Dann sah es auf der Rittertafel aus wie auf unserem Bild.

Wir ziehen Zwischenbilanz: In den Osterferien 1000 Besucher aus 14 Bundesländern

Das Museum Burg Posterstein konnte in den zweiwöchigen Osterferien rund 1000 Besucher aus 14 Bundesländern begrüßen. Rund 150 Kinder und ihre Familien nahmen an insgesamt 39 österlichen Schatzsuchen teil, weitere 120 Familien lösten das gar nicht so einfache Osterrätsel. Auch in zukünftigen Schulferien planen wir Aktivitäten für die ganze Familie. Wir freuen uns über das große Interesse und über Rückmeldungen, Tipps, Lob und Kritik.

Das Burg Posterstein bietet in diesem Jahr mit Ferienprogrammen, Kinderblog und Familienausstellung ein umfangreiches Programm für Familien.
Das Burg Posterstein bietet in diesem Jahr mit Ferienprogrammen, Kinderblog und Familienausstellung ein umfangreiches Programm für Familien.

Über drei Viertel aller Osterbesucher kamen aus Thüringen und Sachsen ins Museum Burg Posterstein. Vier Prozent kamen aus Berlin, drei Prozent aus Sachsen-Anhalt und je zwei Prozent aus Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen. Die restlichen Besucher verteilten sich auf die einzelnen Bundesländer und zwei europäische Länder. Von den Herkunftsstädten waren Gera, Berlin, Jena, Schmölln, Chemnitz und Altenburg (in dieser Reihenfolge) am häufigsten vertreten.

Wie feierten Ritter Ostern?

Bei erfolgreich absolvierter Schatzsuche oder Rätseljagd erhielten die Teilnehmer den Schatzsucher-Ausweis der Burggeister Posti und Stein.
Bei erfolgreich absolvierter Schatzsuche oder Rätseljagd erhielten die Teilnehmer den Schatzsucher-Ausweis der Burggeister Posti und Stein.
In den Osterferien waren die historischen Räume der Burg Posterstein nicht nur festlich geschmückt, es gab auch eine kleine Schau mit österlichen Schmuckstücken aus der Sammlung des Museums und ein umfangreiches Programm für Familien. Was ist das Osterfest? Wie feierten Ritter Ostern? Wie sah eine traditionelle Altenburger Festtracht aus? Und woher kommt der Brauch vom Osterei? Solche Fragen standen im Mittelpunkt der kindgerecht aufbereiteten 20-minütigen Schatzsuchen und einer österlichen Rätseljagd durch die Burg Posterstein. Viele Familien mit großen und kleinen Kindern ergriffen die Chance dazu. Als Belohnung gab es den Postersteiner „Schatzsucher-Ausweis“ der Burggeister Posti und Stein und eine süße Osterüberraschung. Am Ende der Osterferien konnten die Burggeister rund 200 neue „Schatzsucher“ begrüßen. 120 Familien absolvierten die österliche Rätseljagd.

Fragen stellen ausdrücklich erlaubt: Wir bereiten die Ausstellung „Kinderburg“ vor

Die Ferienprogramme des Museums mit thematisch wechselnden Schatzsuchen sind eine Vorbereitung auf die Familienausstellung „Die Kinderburg: Auf den Spuren von Rittern und Salondamen“, die am 1. Oktober 2017 öffnet. Im Museum können Kinder dem Burggespenst Posti und dem Burgdrache Stein Fragen aller Art stellen. Dafür steht im Museum eine „Helmpost“ bereit, in der seit Anfang des Jahres schon über 60 Fragen landeten. Die Kinder interessieren Themen aus dem Alltag von Rittern und Prinzessinnen. Wie wurde gebadet, wo schlief man, wie zogen Ritter ihre Rüstungen an und konnten sie damit aufs Klo gehen? Die Antworten schicken Posti und Stein den Fragestellern per Brief oder E-Mail nach Hause, eine Auswahl kann man im Kinderblog der Burg Posterstein online nachlesen und letztlich gehen die wichtigsten Themen in die Familienausstellung ein.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

#Kinderburg: Was nutzten die Ritter als Klopapier?

Die dreijährige Bree wollte von uns Burggeistern wissen, was die Ritter als Klopapier benutzt haben. Das ist eine spannende Frage!

Papier gibt es in Europa erst seit rund 1000 Jahren, Ritter gab es schon eher. Auch später war Papier viel zu teuer, um sich damit den Hintern abzuwischen. Vor allem in der Natur fanden die Menschen Ersatz.

Was nutzten Ritter statt Klopapier? (Bild: Museum Burg Posterstein)
Was nutzten Ritter statt Klopapier? (Bild: Museum Burg Posterstein)

Natürlich hatten die Ritter im Mittelalter noch kein Klopapier, wie wir es heute benutzen. Richtiges Papier gibt es in Europa erst seit dem 11. Jahrhundert. Händler brachten es aus Asien nach Europa und es war sehr teuer. Daher hat man es natürlich nur zum Schreiben und nicht für das Klo benutzt.

Allerdings wollte auch der mittelalterliche Ritter seinen Hintern mit weichen Materialien säubern. Reichere Menschen benutzten alte Lumpen, manchmal auch Schafwolle, zum Abwischen.

Die Meisten griffen zu Materialien aus der Natur: Am beliebtesten waren Blätter. Die konnte man jeden Tag frisch von den Bäumen pflücken, sodass sie nicht trocken und bröselig wurden. Allerdings musste sich der Ritter im Winter, wenn es keine Blätter an den Bäumen gab, etwas anderes einfallen lassen.

Kratziges Stroh kam dafür in Frage. Alternativ konnte der Ritter Moos benutzen. Auch das war ganz weich und bröselt nicht, wenn es trocken ist. Im Herbst konnte sich die Burgbesatzung daher einen großen Vorrat an getrocknetem Moos für den Winter anlegen.

Noch heute nutzen nicht alle Menschen auf der Welt Klopapier. Fließendes Wasser, Sand und pflanzliche Materialien wie Maisstroh kommen in manchen Gegenden statt Klopapier zum Einsatz.

#Kinderburg: Hatten Ritter eine Schule?

Hatten Ritter eine Schule? fragte Celine (9 Jahre) die Postersteiner Burggeister Posti und Stein. Hier kommt ihre Antwort:

Nein, eine richtige Schule, so wie heute, hatten die Ritter nicht. Kinder im Mittelalter lernten vor allem dadurch, dass sie den Erwachsenen zusahen und ihnen bei der Arbeit halfen. Lesen und Schreiben konnten die wenigsten. Jungen konnten Ritter werden oder im Kloster zum Mönch oder Pfarrer ausgebildet werden. Mädchen lernten den Haushalt einer Burg zu verwalten und wurden früh verheiratet.

Zwar gibt es schon seit fast 700 Jahren öffentliche Schulen. Aber die waren nur wenigen zugänglich. Die Kinder aus ärmeren Häusern hatten oft nicht genug Geld oder nicht genug Zeit, diese zu besuchen. Für die Kinder eines Ritters gab es mehr Bildungsmöglichkeiten als für die Kinder eines Bauern. Aber eine große Auswahl an Berufen, die sie später ausüben konnten, hatten auch Ritter nicht. Die Jungs wurden selbst zu Rittern oder sie wurden in ein Kloster geschickt und wurden später Mönch oder Pfarrer.

So sah die Schule der Ritter eher nicht aus... (Illustration: Museum Burg Posterstein).
So sah die Schule der Ritter eher nicht aus… (Illustration: Museum Burg Posterstein).
In Klöstern gab es tatsächlich Schulen. Geistliche mussten Lesen und Schreiben können! Sie lernten dort die lateinische Sprache. Manche sogar Griechisch. In Klosterschulen ging es sehr streng zu. Die Jungen durften nicht miteinander reden oder gar zusammen spielen. Wenn sie sich wuschen oder auf die Toilette mussten, war immer ein Aufpasser in der Nähe. Der Tagesablauf war streng geregelt: Vom Aufstehen bis zum Schlafen. Es gab feste Essenszeiten und einen strengen Speiseplan.

14 Jahre fern von zu Hause

Die Jungs, die selbst Ritter werden sollten, wurden auf eine andere Burg zur Ausbildung geschickt. Dort mussten sie dann einige „Lehrstufen“, so etwas wie Klassenstufen, durchlaufen. Mit sieben Jahren wurden sie „Page“. Sie dienten dem Burgherrn, lernten mit Pferden umzugehen und sie zu versorgen, gingen mit auf die Jagd, übten Bogenschießen und bekamen auch Musik- und Tanzunterricht. Page war man sieben Jahre lang.

Die Ausbildung zum Ritter absolvierten Jungen oft auf einer anderen Burg.
Die Ausbildung zum Ritter absolvierten Jungen oft auf einer anderen Burg.
Mit 14 Jahren wurden die Jungen dann zum „Knappen“ befördert. Wer stark und mutig war, begleitete seinen Ritter mit auf Turniere oder in den Kampf, half seinem Herrn beim Anziehen der Rüstung. Fiel der Ritter einmal vom Pferd, musste der Knappe ihm aufhelfen. Er wich ihm sozusagen nicht mehr von der Seite. Doch da der Knappe selber keine Rüstung trug und dennoch an den Kämpfen teilnahm, war das eine sehr gefährliche Aufgabe.
Mit 21 Jahren wurde der Knappe, wenn er sich bewährt hatte, schließlich mit der „Schwertleite“ zum Ritter geschlagen. Nun erst erhielt er sein eigenes Schwert. Und manchmal sah er auch erst zu diesem Zeitpunkt seine Eltern wieder. Nach 14 Jahren! In dieser langen Zeit hatte er auf einer fremden Burg alles gelernt, was er für den Kampf brauchte. Und natürlich trainierte er für den Ernstfall oder die Teilnahme an einem Turnier immer fleißig weiter!

Mit 12 Jahren verheiratet

Bei den Mädchen war es etwas anders. Den Frauen gehörte das Heim. Sie kümmerten sich um die Ordnung, um die Küche, die Dienstboten und Diener und natürlich um die Kinder.

Die Mädchen wurden von der Burgherrin in häuslichen Dingen unterrichtet. Im Spinnen und Sticken, im Malen, Tanzen und Singen, aber auch im Lesen oder Rechnen. War nämlich der Burgherr nicht zu Hause, musste seine Frau die Burg verwalten. Das musste sie natürlich früh erlernen, denn die Kindheit war im Mittelalter nicht sehr lang.

Mit sieben Jahren entschieden die Eltern, was ihre Kinder einmal tun sollten. Sie kamen auf die Klosterschule oder wurden zur Ritterausbildung auf eine andere Burg geschickt. Mit zwölf Jahren wurden die Mädchen oft schon verheiratet. Die Jungen galten mit 14 Jahren als erwachsen.

Erst vor ungefähr 100 Jahren setzte sich in ganz Deutschland die sogenannte „Schulpflicht“ durch. Seitdem müssen alle Kinder eine Schule besuchen.

Buchtipp zum Weiterlesen:
Viele Fragen rund ums Leben auf einer mittelalterlichen Burg beantwortet das Buch „Ritter und Burgen“ aus der Reihe „Frag doch mal die Maus“, erschienen 2006 im CBJ Verlag. Im Buch geht es unter anderem um die Fragen: „Wie wurde man Ritter?“, „Warum stehen so viele Burgen so hoch oben?“ und „Was machten die Ritter im Winter?“

#Kinderburg: Was spielten Prinzessinnen?

Mit was haben Prinzesso gespielt? fragte die 5-jährige Frieda unsere Burggespenster Posti und Stein. Hier bekommt ihr die Antwort:

Natürlich hatten die Prinzessinnen im Mittelalter und auch später in der Zeit der Salondamen auch Spielzeuge. Bei den Mädchen waren schon immer Puppen sehr beliebt. Für die Arbeit in der Puppenküche gab es kleine Töpfe und Gefäße. Auch das Ballspielen war schon damals beliebt.

Diese Puppe ist zum Beispiel rund 250 Jahre alt. Findest du sie in der Ausstellung auf Burg Posterstein?
Diese Puppe ist zum Beispiel rund 250 Jahre alt. Findest du sie in der Ausstellung auf Burg Posterstein?
Die Puppen sahen zwar nicht ganz so aus wie du sie heute aus dem Spielzeugladen oder von zu Hause kennst, aber zum Spielen eigneten sie sich sehr gut. Diese Puppe ist zum Beispiel rund 250 Jahre alt. Ihr Gesicht ist aus Porzellan und sie trägt ein schönes Rokokokleid. Um den Hals hängt eine feine Perlenkette und große Schleifen zieren den weißen Stoff. Nur ihre Perücke fehlt. Vor 250 Jahren war es nämlich modern, Perücken und große Kleider zu tragen. Die Puppe war also modisch gekleidet.
Was du auf dem Bild nicht sehen kannst: Die Puppendame trägt unter dem weißen Oberkleid sogar einen Reifrock und ganze drei Unterröcke! Dadurch fällt das Kleid so schön weit. Und sie trägt tatsächlich Absatzschuhe! Sie hat all das an, was eine Prinzessin auch im wahren Leben tragen musste und auch getragen hat.

Die Jungs hatten wohl ihre eigene Spielzeug-Rüstkammer mit Holzschwertern oder sie nahmen zum spielerischen Turnierkampf einfach Stöcke. Als Spielzeug diente alles, was es in der Natur zu finden gab: Nüsse und Früchte, Eier und Steine. Und selbst das kleine Zähl-Spiel: „Sie liebt mich, sie liebt mich nicht“ war schon im Mittelalter bekannt und bei Erwachsenen so beliebt wie bei Kindern.

Sie liebt mich, sie liebt mich nicht

Gemeinsam spielten die Kinder Verstecken und Fangen, sie hatten Murmeln aus Ton oder Holz und Kreisel, die sie mit einer Peitsche über alle Fußböden in und um die Burg tanzen ließen. Gemeinsame Tänze wurden sehr gern aufgeführt und die Musik durfte nicht fehlen.

Besonders beliebt war schon vor über 800 Jahren das Ballspiel. Bälle wurden gekullert, geworfen und mit Schlägern durch die Luft gewirbelt. Fußball und Baseball kannten die Prinzessinnen noch nicht, aber in manchen alten Schriften, Liedern und Gedichten kann man fast das Gefühl bekommen, die Prinzessinnen beherrschten schon im Mittelalter diese heute so beliebten Spiele!

Die Prinzessinnen der Salonzeit spielten natürlich auch gern mit dem Ball. Sie musizierten und tanzten. Auch Bücher waren vor 200 Jahren ein beliebter Zeitvertreib. Ein Spiel, das du sicherlich auch kennst und vielleicht gern spielst, war „Blinde Kuh“. Die Prinzessinnen erdachten sich sogar neue Regeln dafür und auch für die Erwachsenen war es ein schöner Zeitvertreib.

Buchtipp zum Weiterlesen:
Für ältere Kinder und Erwachsene empfehlen wir das Buch „Wie wäscht man ein Kettenhemd?“, herausgegeben von Dr. Stefan Lang, Kreisarchiv Göppingen. Darin beantworten Historiker Schülerfragen wie beispielsweise „Warum heißt es das ‚Finstere Mittelalter‘?, Warum rostete eine Ritterrüstung nicht? und eben auch „Was spielten die Kinder in der Stauferzeit und gab es schon Fußball?“

#Kinderburg: Gab es auch Tiere auf einer Burg?

Jonathan (4 Jahre) möchte wissen, ob es auch Tiere auf einer Burg gab. Burggespenst Posti und Drache Stein von der Burg Posterstein antworten:

Ja, tatsächlich lebten ganz viele Tiere auf einer Burg. Die Burg war ein sicherer Ort und die Ritter wollten auf ihre Tiere gut aufpassen – besonders auf ihre wertvollen Pferde. Denn ein Ritter ohne Pferd war kein echter Ritter.

Tatsächlich kommt das Wort „Ritter“ ursprünglich vom Wort „Reiter“. Denn die ersten Ritter waren bewaffnete Reiter. Daher waren Pferde sehr wichtig. Der „Rossknecht“ (Ross = Pferd) kümmerte sich um die Tiere.

Das Wort Ritter kommt von Reiter. Sein Pferd war einem Ritter besonders wichtig.
Das Wort Ritter kommt von Reiter. Sein Pferd war einem Ritter besonders wichtig.

Neben den Pferden gab es auch Hühner und Gänse auf einer Burg. Die landeten meist im Kochtopf oder endeten als Braten beim Ritterschmaus. Natürlich nutzten die Mägde und Knechte, also die Diener des Ritters, die Eier der Hühner, um leckere Speisen zu bereiten.

Katzen leben ebenfalls auf einer Burg. Sie sollten Mäuse fangen. Hunde nahm man mit auf die Jagd. In manchen Burgen gab es auch eine Falknerei. Dort richtete man Falken für die Jagd ab.

Es lebten also ganz viele Tiere auf einer Burg. Die kleinsten waren übrigens Flöhe und Läuse. Weil sich die Menschen im Mittelalter nur selten richtig wuschen, nisteten sich die kleinen Tiere gern in den langen Haaren ein…