Der Schmöllner Künstler Hans Neupert ist tot – Ein Nachruf

Hans Neupert in seinem Atelier in Schmölln, 2015. Foto: Jörg Kirmse.
Hans Neupert in seinem Atelier in Schmölln, 2015. Foto: Jörg Kirmse.

Der Künstler Hans Neupert starb kurz vor Vollendung seines 97sten Lebensjahres. Er wurde am 22. Dezember 1920 in Schmölln geboren. Hans Neupert wuchs auf in der Buchdruckerei Hans Böckel auf dem Schillerplatz, die sein Vater leitete, wurde musisch und reformpädagogisch erzogen, besuchte die heimische Realschule und das Altenburger Gymnasium. Sein erster Studienwunsch galt deshalb auch dem Theater und der der Musik. Es kam alles ganz anders.

Hans Neupert im Gespräch, 2015.
Hans Neupert im Gespräch, 2015.

Nach dem Abitur wurde Hans Neupert zur Wehrmacht eingezogen, war in Norwegen, Paris, San Remo, Syracus und Baden bei Wien stationiert und geriet schließlich in amerikanische Gefangenschaft. Schon 1945 begann er ein Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig bei Elisabeth Voigt, der Mutter der Leipziger Schule, und Egon Pruggmayer. Zu seinen Mitstudenten gehörten nicht nur Wolfgang Mattheuer oder Gerhard Kurt Müller, sondern auch die schöne und begabte Else Luise Keil (1926–2009). Sie heiratete er 1952. Schon bald übernahmen Hans und Luise Neupert Werbeauftritte verschiedener Kombinate der DDR, illustrierten Bücher, fotografierten, gestalteten Drucksachen und Messestände. Die Auftragsbücher waren übervoll. Nationale Aufmerksamkeit war ihnen gewiss.

Hans Neupert beim Malen. Foto: Jörg Kirmse.
Hans Neupert beim Malen. Foto: Jörg Kirmse.

Davor war der Weg auch steinig. Mit dem Vorwurf des Formalismus musste Hans Neupert die Leipziger Hochschule vorzeitig beenden, musste Netzwerke knüpfen, um dennoch zu überleben. In dem Verleger Heinrich Mock, dem ehemaligen Direktor des Lindenau-Museums, fand er, wie viele Künstler seiner Generation, einen Förderer, bekam kleine Aufträge, produzierte Holzschnitte, die sich besser verkaufen ließen und erhielt Möglichkeiten für Ausstellungen.

Ab 1990 engagierte sich Hans Neupert im Museumsverein Burg Posterstein.
Ab 1990 engagierte sich Hans Neupert im Museumsverein Burg Posterstein.
Das Logo des Museums Burg Posterstein stammt aus der Feder von Hans Neupert.
Logo Burg Posterstein – von Hans Neupert.

In Schmölln mischte sich Hans Neupert vor allem nach 1989 ein, wurde gefragt bei Entscheidungen, gründete den Verschönerungsverein mit, erhielt den Kulturpreis der Stadt.

Das Museum Burg Posterstein profitierte von seinem Engagement sehr. Ab 1990 war er im Vorstand des Museumsvereins aktiv. Der Entwurf für das große braune Schild an der Autobahn, das auf die wichtige Sehenswürdigkeit hinweist, stammt von ihm – ebenso wie das Logo des Museums.

Hans Neupert: Im Park der Dorothea von Kurland, 1985, Öl auf Leinwand.
Hans Neupert: Im Park der Dorothea von Kurland, 1985.

Der Herzogin von Kurland, ihren Intentionen und der Salonkultur stand er nahe. Der Park in Tannenfeld gehörte zu seinen Lieblingsplätzen. Am Rande der Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag Anna Dorothea von Kurlands 2011 plauderte der über Neunzigjährige munter mit den französischen Gästen in deren Sprache.

Hans Neupert: Geschlossene Gesellschaft, 1986.
Hans Neupert: Geschlossene Gesellschaft, 1986.

Wer das Glück hatte, im Hause Neupert willkommen geheißen zu werden, konnte eintauchen in eine Welt voller Literatur, Musik und Kunst, konnte den verwunschenen Garten am Rande der Sprotte erleben, Bücher studieren oder Klaviersonaten lauschen. Auch ohne Fernsehen war Hans Neupert bestens informiert, denn eine überregionale Tageszeitung stand ihm genauso zur Seite wie die Berichte der gern gesehenen Gäste. Bücher von Marcel Proust oder Ernst Jünger liebte er und regelmäßig berichtete bis zuletzt die Jugendfreundin Shou Shou aus Paris.

Musik in Neuperts Garten - Bild: Nr. 879: Luise bei der Gartenarbeit, 2005
Hans Neupert: Luise bei der Gartenarbeit, 2005.

Erst in den achtziger Jahren fanden Neuperts den Weg zurück von der Angewandten zur Bildenden Kunst. Während Luise durch faszinierende Scherenschnitte bekannt wurde, widmete sich Hans Neupert fortan der Malerei in Öl. Inspiriert vom heimischen Garten, von der Natur der Region und den Erlebnissen in fernen Ländern entstanden farbenprächtige Miniaturen. Heiter gelaunte, pralle elfenhafte Wesen tanzen, singen, musizieren. Mit zunehmenden Alter schlich sich Melancholie ein. Ein Zauber geht von den Bildern aus und viele Betrachter ließen sich verzaubern. Die kleinen Bilder fanden den Weg in Ausstellungen. Aber auch private Liebhaber im In- und Ausland sammelten Neuperts Werke.

Hans Neupert bei der Eröffnung seiner Ausstellung 2015 im Museum Burg Posterstein.
Hans Neupert bei der Eröffnung seiner Ausstellung 2015 im Museum Burg Posterstein.

Noch 2015 stellte Hans Neupert neue Werke im Museum Burg Posterstein aus. Damals entstand ein kurzer Film:

Auch im hohen Alter war Hans Neupert noch so produktiv, dass das Werkverzeichnis des Katalogs schon zur Ausstellungseröffnung 2015 wieder veraltet war. Hier ein Eindruck von der Ausstellungseröffnung:

Nach über 1000 Werken endet die Serie. Hans Neupert hat sein Leben vollendet. In seinen Bildern und im Herzen all jener, die von den Gesprächen mit ihm, von seiner umfassenden Bildung, seinem sicheren Geschmack und seiner Hilfsbereitschaft profitierten, lebt er fort. Schmölln und das Altenburger Land verlieren einen bedeutenden Bürger. Hans Neupert starb am 5. November 2017.

von Sabine Hofmann / Museumsverein Burg Posterstein

Hans Neupert: Der letzte Tanz, 2014.
Hans Neupert: Der letzte Tanz, 2014.

Vom Museum Burg Posterstein herausgegebene Kataloge:

 

Katalog Hans Neupert. Malerei, Grafik. Sabine und Klaus Hofmann. Museum Burg Posterstein, 2001
Katalog Hans Neupert. Malerei, Grafik. Sabine und Klaus Hofmann. Museum Burg Posterstein, 2001
Katalog Mal sehen wohin es geht … oder zwischen den Zeiten. Hans Neupert – Hommage zum 95. Geburtstag Museum Burg Posterstein, 2015.
Katalog Mal sehen wohin es geht … oder zwischen den Zeiten. Hans Neupert – Hommage zum 95. Geburtstag Museum Burg Posterstein, 2015.

Ausstellung „Perspektivwechsel“ ist zu Ende gegangen: Kann „Noddy Town“ in Posterstein bleiben?

Anthony Lowe vor seinem ungewöhnlichen Altenburg-Panorama "Noddy Town"
Anthony Lowe vor seinem ungewöhnlichen Altenburg-Panorama „Noddy Town“

Unsere Sonderausstellung „Perspektivwechsel – Influencing ways of seeing“ ist am 5. November zu Ende gegangen. Rund 3500 Besucher sahen sich die teilweise eigens für die Schau geschaffenen Bilder, Installationen und Skulpturen an, in denen der Altenburger Künstler Anthony Lowe die Burg Posterstein, verschiedene Städte und Gebäude aus völlig neuen Blickwinkeln zeigt. Jetzt hoffen wir darauf, dass das größte Kunstwerk – das drei Meter lange Altenburg-Panorama „Noddy Town“ – in Posterstein bleiben kann.

Wenn man an „Noddy Town“ vorbeigeht, sieht das Werk bei jedem Schritt ein wenig anders aus. Das faszinierende Panorama, das sich an den bekannten umgekehrten Perspektiv-Formen (reverse perspektive) des britischen Künstlers Patrick Hughes orientiert, gibt einen ungewöhnlichen Blick auf die Stadt Altenburg.

Wer ist „Noddy“ und was hat er mit Altenburg zu tun?

Anthony Lowe musste schmunzeln, als er diese Frage gestellt bekam. Denn Noddy ist eine britische Kinderbuchfigur, erfunden von der Autorin Enid Blython um 1949, die bis heute aktuell geblieben und in Großbritannien praktisch zu einer nationalen Ikone geworden ist. Noddy ist ein kleiner hölzerner Spielzeugjunge, der in einem Spielzeugtaxi durch ein kunterbuntes Spielzeugland fährt. Und hier haben wir die optische Verbindung zu Anthony Lowes buntem Stadtpanorama. Altenburg wird im Perspektivwechsel zur Miniaturstadt und könnte eines der Autos rechts unten nicht das von Noddy sein? Witzig nur, dass Anthony Lowe Noddy als Kind immer „sehr nervig“ fand!

Das Museum Burg Posterstein hofft darauf, das Werk „Noddy Town“ in seine Sammlung regionaler Kunst aufnehmen zu können. Sollte der Wiederaufbau des Nordflügels der Burg Posterstein gelingen und als touristischer Infopunkt Neubau dienen, könnte das Panorama dort dauerhaft öffentlich gezeigt werden und so die Besucher auf einen Abstecher ins Altenburger Land und in die Stadt Altenburg einstimmen. Wer den Museumsverein Burg Posterstein bei diesem Ankauf unterstützen möchte, ist herzlich willkommen: Ob als neues Vereinsmitglied, als Mikro-Spender, der seinen Online-Einkauf über die Website Boost-Project beginnt und selbst dabei nicht extra zahlt oder mit einer Spende auf das Vereinskonto per Überweisung oder Paypal:




„Noddy Town“, 2017, Öl auf Sperrholzkörper in Form eines Pyramidenstumpfs, dreiteilig: 70x100 cm
„Noddy Town“, 2017, Öl auf Sperrholzkörper in Form eines Pyramidenstumpfs, dreiteilig: 70×100 cm

Anthony Lowe, 1957 in London geboren, lebt und arbeitet als freischaffender Künstler in Zürchau bei Altenburg. Er studierte in Liverpool, Bristol und London am renommierten Royal College of Art. Im Gespräch mit Museumsdirektor Klaus Hofmann zur Eröffnung der Ausstellung erzählte Anthony Lowe über die verschiedenen Mittel zur künstlerischen Darstellung der Perspektive: „Es reizt mich, einfach mal diesen Spielzeugkasten aufzumachen. Da sind so viele Werkzeuge drin, dass man eine Auswahl treffen muss.“

"Ein Blick in den Brunnen reicht", Installation, 2017. Konzept: Anthony Lowe, Drohnenflug: U. Kretzschmar, Flying Pixx, Schmölln, Filmschnitt: K+K Media Gera
„Ein Blick in den Brunnen reicht“, Installation, 2017. Konzept: Anthony Lowe, Drohnenflug: U. Kretzschmar, Flying Pixx, Schmölln, Filmschnitt: K+K Media Gera

Besondere Aufmerksamkeit zog in der Zeit der Ausstellung auch die Installation „Ein Blick in den Brunnen reicht“ auf sich. Bei dem runden, mit Wasser gefüllten Behälter schaut der Betrachter nach unten auf eine Projektion, die Posterstein von oben zeigt.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Künstler aus Köln sammelt Staub von Burg Posterstein

Wolfgang Stöcker vom Deutschen Staubarchiv in Köln bei der "Staubentnahme" im Bergfried der Burg Posterstein.
Wolfgang Stöcker vom Deutschen Staubarchiv in Köln bei der „Staubentnahme“ im Bergfried der Burg Posterstein.

Für ein Kunstprojekt im Jahr 2019 sammelte Dr. Wolfgang Stöcker auf Burg Posterstein Staub. Zu Hause in Köln betreibt der freischaffende Künstler das Deutsche Staubarchiv. In Posterstein machte er Fotos und hielt die Staubentnahme akribisch in seinem Tagebuch fest. In kleine Tüten verpackt und säuberlich mit Datum und Fundort beschriftet, nahm Stöcker den Burgstaub, in dem sich manchmal auch Bonbonpapier und tote Insekten befanden, wieder mit nach Köln. Vermischt mit Wachs sollen daraus Skulpturen für eine Ausstellung im Jahr 2019 im Museum Burg Posterstein entstehen.

Auf den „Staubkünstler“ Wolfgang Stöcker, der in Köln Geschichte und Kunst studiert hat, ist das Museum Burg Posterstein vor zwei Jahren durch eine Gruppe Kölner Kulturschaffender, die Herbergsmütter, aufmerksam geworden. Diese veranstalteten ihre Aktion #Kunstputz nicht nur in Köln vor Ort, sondern auch auf Twitter. Dort kam man ins Gespräch und das Museum Burg Posterstein sendete eine Staubprobe aus dem Verlies der Burg. Wolfgang Stöcker nahm die Probe in sein umfangreiches Staubarchiv auf. Die Idee für eine gemeinsame Ausstellung keimte bereits.

Ganz detailliert hält Wolfgang Stöcker fest, wo er welche Staubprobe unter welchen Umständen entnommen hat. Damit thematisiert er nicht zuletzt die museale Arbeit an sich - Sammeln, Bewahren, Erforschen, Ausstellen gehören zu den Grundaufgaben eines Museums.
Ganz detailliert hält Wolfgang Stöcker fest, wo er welche Staubprobe unter welchen Umständen entnommen hat. Damit thematisiert er nicht zuletzt die museale Arbeit an sich – Sammeln, Bewahren, Erforschen, Ausstellen gehören zu den Grundaufgaben eines Museums.

2017 nahmen Marlene Hofmann und Franziska Engemann vom Museum Burg Posterstein an der MAI-Tagung (Museums and the internet) in Bonn teil und besuchten auf dem Rückweg Wolfgang Stöcker in seinem Atelier in Köln Kalk. Im Gepäck hatten sie mehrere Postersteiner Staubproben, die seither – vermischt mit Wachs – zu kleinen Skulpturen gewachsen sind. Mitte August 2017 kam Wolfgang Stöcker nach Posterstein und fotografierte, dokumentierte und „entnahm“ weitere Staubproben.

Ist das Kunst oder kann das weg? – Der bekannte Spruch ist hier Dreh- und Angelpunkt

Wolfgang Stöcker schaut auf Dinge, die normalerweise niemand beachtet.
Warum sammeln wir das eine und ignorieren das andere? Wolfgang Stöcker schaut auf Dinge, die normalerweise niemand beachtet.
Die Philosophie dahinter wirft ein anderes Licht auf die menschliche Kultur und auf die Funktion von Museen – und thematisiert essentielle Fragen: Warum sammeln wir das eine und ignorieren das andere? Was ist es wert, für spätere Generationen bewahrt zu werden und was gerät für immer in Vergessenheit? Wie lange können wir alte Dinge erhalten, bevor auch sie irgendwann zu Staub zerfallen? Wolfgang Stöcker widmet sich in seiner Sammelleidenschaft den übersehenen Details – zum Beispiel dem, was sich zwischen Dielenritze 14 und 15 auf dem Turm der Burg über die Jahrzehnte angesammelt hat. In seinen haus- oder schreinartigen Wachsskulpturen gibt er dem Unförmigen eine neue Form.

Wachs-Spenden können zu Kunst werden

Für das Kunstprojekt kann man dem Künstler Wachs spenden. Das können Kerzenreste aller Art sein, gerne mit einer kleinen Notiz versehen, wann, wo und zu welchem Anlass die Kerze benutzt wurde oder warum sie nicht mehr gebraucht wird. All die sonst als nebensächlich betrachteten Details verarbeitet Wolfgang Stöcker zu etwas Neuem, das dann 2019 in die Sonderausstellung eingeht. Wachsspenden können im Museum Burg Posterstein, Burgberg 1, 04626 Posterstein abgegeben werden – oder direkt im Staubarchiv in Köln.

Links:

Deutsches Staubarchiv

Aktion #kunstputz der Herbergsmütter

Ostthüringer Zeitung über Wolfgang Stöckers Besuch in Posterstein

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Visuelle Reise in die USA mit Ulrich Fischer

Foto "South Dakota, Nr.256, 2009" von Ulrich Fischer.
Foto „South Dakota, Nr.256, 2009“ von Ulrich Fischer.

Der Thüringer Fotograf Ulrich Fischer, der lange Zeit in Gera tätig war, beschäftigt sich seit über 40 Jahren mit der Kunst, außergewöhnliche Momente auf Fotos festzuhalten. In der Sonderausstellung „Die Ferne & die Nähe“ im Museum Burg Posterstein nimmt Fischer die Besucher mit auf ausgedehnte Streifzüge durch die Vereinigten Staaten von Amerika, aber auch in seine nähere Umgebung.

In Zeiten der Präsidentschaft Donald Trumps rücken die USA immer mehr in der Fokus der Öffentlichkeit. Was ist das für eine Nation? Fischers Fotos dokumentieren die Kontraste des riesigen Landes. Über seine Entdeckungsreisen in den USA sagt Fischer:

„Zuweilen argwöhnisch beobachtet und dann freundlich-neugierig befragt suche ich leise Momente, in denen ich mich selbst besinne auf meine Haltung zu diesem Land und seinen Bewohnern – unvoreingenommen und neugierig.“

Ulrich Fischer, geboren 1951 in Grümpen, erwarb an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig sein Diplom als Fotografiker. 35 Jahre lang war er freiberuflich in Gera tätig, wo er die Künstlergruppe „schistko jetno“ mitgründete und die hiesige Kunstszene maßgeblich mitgestaltete.

Ausstellung „Die Ferne & die Nähe – Fotografie von Ulrich Fischer“

12. Februar, 15 Uhr: Feierliche Eröffnung mit Ulrich Fischer
2. April, 15 Uhr: Vortrag „Von Altenburg (Thüringen) nach Altenburg (Missouri, USA)“ über die Auswanderungswelle im 19. Jahrhundert
1. Mai, 15 Uhr: Finissage mit Ulrich Fischer

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Kunst des Augenblicks – ein Gastblogpost des Lindenau-Museums Altenburg

Seit Jahresbeginn hat der Winter Einzug gehalten im Altenburger Land. Das benachbarte Lindenau-Museum Altenburg liegt im schönen Altenburger Schlosspark, der gerade im Winter von den Altenburgern stark frequentiert wird. In der ganzen Winterfreude wird es manchmal auch künstlerisch: Volontärin Sophie Thorak und Museumsdirektor Dr. Roland Krischke vom Lindenau-Museum Altenburg berichten augenzwinkernd von der Kunst des Augenblicks:

Heinrich Drakes Puma schaut sich um nach dem neuen Kunstobjekt im Schlosspark.
Heinrich Drakes Puma schaut sich um nach dem neuen Kunstobjekt im Schlosspark.

Heinrich Drakes Jaguar wundert sich: Eine ominöse Schneekugel ergänzt seit Kurzem den Figurenkranz um das Lindenau-Museum. Geschaffen wurde sie von unbekannten Künstlern, die, wohl inspiriert vom ersten Schnee des neuen Jahres, die Erschaffung eines imposanten Schneemannes im Sinn hatten. Warum sie ihr Werk unvollendet ließen, konnte nicht geklärt werden. Ausgeführt wurde die unbetitelte Plastik in der Technik „Laub und Gras in Schnee“, sie misst etwa 80 cm im Durchmesser.

Das Kunstwerk wechselte inzwischen seinen Platz im Figurenensemble um das Museum und befindet sich nun am Eingangstor.
Das Kunstwerk wechselte inzwischen seinen Platz im Figurenensemble um das Museum und befindet sich nun am Eingangstor.
Ruhe und Balance ihrer Erscheinung kontrastieren spannungsvoll mit der kraftvollen Formung. Offenbar boten die natürlichen Ressourcen des Altenburger Schlossparks den Künstlern die Anregung zu diesem Werk. So entstand es in der spielerischen Auseinandersetzung mit den vorgefundenen Materialien. Auch freizeitliche Aspekte dürften im schöpferischen Prozess eine Rolle gespielt haben.

Es darf bezweifelt werden, dass das Werk von Dauer ist. Doch liegt wohl gerade darin eine Absicht der Künstler. Die Kugel – schon für Platon Abbild der Vollkommenheit – als Werk des flüchtigen Augenblicks. Ein Memento Mori der besonderen Art.

Update vom 17. Janaur 2017: Inzwischen befindet sich die Kugel offensichtlich am Fußgängereingang des Museums, was darauf hindeutet, dass es sich anscheinend nicht um eine ortsgebundene Arbeit handelt.

Von Sophie Thorak und Dr. Roland Krischke / Lindenau-Museum Altenburg

Ausstellung vereint Familien: Noch eine Woche #MascherMarchen

Unter dem Hashtag #MascherMarchen geistern Altenburger Bauern des 19. Jahrhunderts seit Frühjahr 2016 durch die Netzwelt. Die Gemeinschaftsausstellung von Museum Burg Posterstein und Schloss- und Spielkartenmuseum im Residenzschloss Altenburg zeigt Pastellporträts des Wandermalers Friedrich Mascher (1815–1880), der bevorzugt die wohlhabenden Bauern der Region detailreich darstellte. In Altenburg läuft die Sonderausstellung noch bis Sonntag, 6. November 2016.

Eine Ausstellung, die Familien zusammenführt

Immer noch tauchen von Mascher gezeichnete Portraits in Privatsammlungen auf, oft sind die Bilder unsigniert und nur am Stil erkennbar. Auf die Ausstellung auf Burg Posterstein hin meldete sich beispielsweise eine Familie Mehlhorn aus Ponitz, die ein Bild mit drei Kindern besitzt. Sie zeigten es den Kollegen vom Schloss- und Spielkartenmuseum Altenburg und erwähnten, dass die Bildnisse der Eltern, die aus Garbisdorf stammten, leider verschollen seien. Es stellte sich heraus, dass sich die Portraits der Eltern in der Sammlung des Schloss- und Spielkartenmuseums befinden. – In der Sonderausstellung war die Familie nun erstmals wieder „vereint“ zu sehen.

Ein Kinderbild aus Privatbesitz passte unerwartet zu Portraits eines Ehepaars aus der Sammlung des Schloss- und Spielkartenmuseums Altenburg
Ein Kinderbild aus Privatbesitz passte unerwartet zu Portraits eines Ehepaars aus der Sammlung des Schloss- und Spielkartenmuseums Altenburg

Die Portraits der Mehlhorns können zum Frühwerk Maschers gezählt werden. Gustav Wolf von der Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes konnte über die abgebildeten Eheleute in Kirchenbüchern Folgendes herausfinden:

Zacharias Mehlhorn kam am 4. Juni 1810 in Garbisdorf zur Welt. Sein Vater war der Anspanner Gottfried Mehlhorn und seine Mutter hieß Christine, geborene Bauer, aus Langenleuba-Niederhain.
Zacharias Mehlhorn heiratete am 10. Februar 1842 in der Kirche Ziegelheim Christine Müller, die Tochter des Anspanners Jacob Müller aus Niederarnsdorf. Die Kirchenbücher betiteln ihn dabei mit „Anspanner und Waldenburgischer Amtsrichter alhier“. Noch im Jahr 1880 diente er als zweiter Amtsschulze in der Gemeinde Garbisdorf.
Den gemeinsamen Hof kaufte Zacharias Mehlhorn am 5. Februar 1834 mit Zubehör für 6.050 Gulden von seinen Vater Gottfried Mehlhorn. Sein Vater besaß seit 27. Juni 1807 das ehemalige Veit‘sche Pferdefrongut „mit 2 ¾ Hufen“, das heißt 21,2 Hektar, als Folge seiner Hochzeit mit Christiane Veit am 5. April 1804. Weitere Vorbesitzer waren: die gleichnamige Christiane Veit (seit 24. August 1765), Michael Veit (seit 1. Februar 1736), Jacob Veit der Untere und Michael Veit (seit 11. Juli 1693).
1880 wurde der Besitz mit einer Größe von 41,1 Hektar angegeben. Um 1883 übernahm Emil Mehlhorn das Anspanngut.

Welcher der Söhne auf dem Portrait Emil Mehlhorn ist, bleibt jedoch unklar.

#MascherMarchenMemo mit Christine Mehlhorn aus Garbisdorf

Wer noch einmal online #MascherMarchenMemo spielen möchte, kann dies hier tun – das Kartenspiel zum Anfassen gibt es noch in den Museumsshops in Altenburg und Posterstein. – Das Portrait von Christine Mehlhorn ist mit dabei.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Weitere Blogposts zu Friedrich Mascher und Altenburger Bauern:

Frisch restauriert: Pastelle des Bauernmalers Friedrich Mascher
Für Sonderausstellung gesucht: Wer besitzt Gemälde vom „Bauernmaler“ Friedrich Mascher?
Reinschnuppern in die neue Ausstellung mit dem #MascherMarchenMemory
Kriminalgeschichte der Postersteiner Bauernportraits: Zeigen die Bilder Pfrengers, Schellenbergs oder Köhlers?
Siegelring, Jagdhund und Tabakspfeife: Statussymbole Altenburger Bauern

Siegelring, Jagdhund und Tabakspfeife: Statussymbole Altenburger Bauern

Rosine Hahn - gemalt von Friedrich Mascher, Schloss- und Spielkartenmuseum Altenburg, Inv.-Nr. SM 2224
Rosine Hahn – gemalt von Friedrich Mascher, Schloss- und Spielkartenmuseum Altenburg, Inv.-Nr. SM 2224
Rosine Hahn fährt auf: Sie trägt nicht nur ihre Festtagsttracht im Stil der Altenburger Bauern, sondern auch fünf wertvolle Goldringe, hält ihr mit goldenen Buchstaben „V. (?) Hahn“ versehenes Gesangbuch im Arm und ein Blumenbouquet.

Die Witwe Rosine Beierlein, geborene Dietrich, aus Langenleuba-Niederhain heiratete am 30. Dezember 1856 in der Kirche Dorna bei Gera den „Auswärtigen“ Valentin Hahn aus dem Fürstentum Reuß jüngere Linie. Rosine war in erster Ehe mit dem Anspanngutsbesitzer Michael Beierlein aus Frohnsdorf verheiratet. Ihm hatte sie 1853 das gemeinsame Anspanngut in Frohnsdorf bei Altenburg für 10.000 Taler abgekauft. Ihr zweiter Mann Valentin Hahn starb 1875 mit 54 Jahren an einem Herzschlag. Noch 1880 befand sich der 36,1 Hektar große Hof in Frohnsdorf im Besitz von Rosine, verwittwete Hahn.

Das oben abgebildete, von Friedrich Mascher (1815–1880) gefertigte Portrait aus der Sammlung des Schloss- und Spielkartenmuseums Altenburg war bisher nur als unbekanntes Frauenbildnis verzeichnet. Im Rahmen der Recherchen für die gemeinsame Sonderausstellung, konnte Gustav Wolf von der Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes zu Altenburg neue Details herausfinden. Auf Grund der Gesangbuchbeschriftung „V. Hahn“ konnte das Portrait dem Bildnis des Valentin Hahn zugeordnet werden und zeigt demnach dessen Frau Rosine. Ein weiteres Indiz dafür sind die gleichen originalen Bilderrahmen.

Stolze Altenburger Bauern

Zacharias Petzold aus Buscha mit Tabakspfeife - gemalt von Friedrich Mascher (Bild: Privatbesitz)
Zacharias Petzold aus Buscha mit Tabakspfeife – gemalt von Friedrich Mascher (Bild: Privatbesitz)
Die Altenburger Bauern, mundartlich „Marche“ (abgeleitet vom Name Marie) und „Malcher“ (vom Name Melchior) genannt, waren sehr wohlhabend. Statussymbole, die ihren Reichtum zum Ausdruck bringen, finden sich häufig auf den Portraits des Malers Friedrich Mascher: Goldener Siegelring, Tabakpfeife, Zigarre, Jagdhund oder Taschenuhr (an goldener Kette) beim Malcher oder Goldringe, Gesangbuch und Blumenstrauß (Riechblume) bei der Marche. Das Museum Burg Posterstein zeigt in der Sonderausstellung „Der Portraitmaler Friedrich Mascher: Ausstellung zum 200. Geburtstag“ über 40 Portraits, die der Wandermaler Mascher schuf.

Blumensträuße mit versteckter Botschaft?

Einen festen Bestandteil in der Symbolik dieser Bilder nehmen offenbar die kleinen biedermeierlichen Blumenbouquets ein, die je nach Anlass unterschiedliches Aussehen haben und damit dem Betrachter auch verschiedene Botschaften über die Frau oder einen bestimmten Wohlgeruch vermitteln können. Die Kinder wiederum werden meist in festlicher Kleidung mit ihrem Lieblingsspielzeug oder -tier portraitiert.

Friedrich Maschers Bilder sollen zwar preislich günstiger als die Portraits anderer Altenburger Maler seiner Zeit gewesen sein. Dennoch leisteten sich auch reiche Bauern einen solchen Luxus meist nur einmal im Leben. Pierers Universallexikon, das 1840 in Altenburg erschien, beschreibt die Bauern folgendermaßen:

„Die Altenburger Bauern sind sehr wohlhabend, wobei sie ihr trefflicher Boden, den sie sehr verständig bearbeiten, unterstützt.

In der Regel erbt der jüngste Sohn das Gut. sind nur Töchter da, so erhält die Älteste das Gut, die älteren Söhne heiraten womöglich reiche Bauerntöchter; hierbei und bei anderen Gelegenheiten herrscht der Aristokratismus, wonach ein 4spänniger Bauer seine Tochter nicht leicht einem 2spännigen Bauern gibt, noch weniger dieser einem Kühbauern oder Häusler, wie bei dem ältesten Adel vor. Selten wird ein Gut zerstückelt.

Die Bauern sind zum Theil sehr gebildet; Büchersammlungen, Pianopforte’s ec. sind bei den wohlhabendem keine Seltenheit, viele wissen gut mit der Feder umzugehen. Dabei findet man häufig launigen Witz, aber auch List und Mißtrauen gegen die Städter. (…)

Bei ihren Hochzeiten und Kindtaufen herrschten sonst viel Luxus und manche eigne Gebräuche. Das Kartenspiel lieben sie; der Umgang mit dem anderen Geschlecht ist sehr vertraulich…“


Außerdem im Blog:

Kriminalgeschichte der Postersteiner Bauernportraits: Zeigen die Bilder Pfrengers, Schellenbergs oder Köhlers?
Reinschnuppern in die neue Ausstellung mit dem #MascherMarchenMemory

In den sozialen Netzwerken werden Infos zur Ausstellung unter dem Hashtag #MascherMarchen verbreitet.

von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Kriminalgeschichte der Postersteiner Bauernportraits: Zeigen die Bilder Pfrengers, Schellenbergs oder Köhlers?

Der von Mascher portraitierte Bauern Julius Schellenberg (1835–1900) erhielt im Zuge der neuen Sonderausstellung seinen Namen zurück (Museum Burg Posterstein)
Bei dem von Friedrich Mascher portraitierteb Bauer könnte es sich um Melchior Schellenberg handeln (Museum Burg Posterstein)

Im Zuge der Recherchen für die kommende Sonderausstellung „Der Portraitmaler Friedrich Mascher: Ausstellung zum 200. Geburtstag“, zu der auch ein Buch erscheinen wird, kamen neue Informationen zu den Bildern Friedrich Maschers ans Tageslicht. Gustav Wolf, Vorsitzender der Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes zu Altenburg, konnte durch tiefgründige Recherchen im Thüringischen Staatsarchiv Altenburg, in Kirchenbüchern und anderen Quellen neue Details über die auf Maschers Bildern abgebildeten Altenburger Bauern herausarbeiten. Auf diese Art erhielt das 2014 vorgestellte Bauernpaar aus der Sammlung des Museum Burg Postersteins eine neue Identität.

2014 konnten die Bilder restauriert werden. Damals gingen wir davon aus, dass es sich bei den darauf abgebildeten Bauern um ein Ehepaar Pfrenger aus Greipzig handelt, weil sie aus dem Besitz der Familie, die dem Museum die Bilder verkauften, stammten. Greipzig ist ein kleiner Ort nahe Altenburg, der heute rund 40 Einwohner zählt. Genauere Informationen über die abgebildeten Personen waren dem Museum zum Zeitpunkt der Restaurierung nicht bekannt – klar war nur, dass es sich um zwei gut erhaltene und sehr typische Pastellzeichnungen von Friedrich Mascher handelte. Für die neue Ausstellung konnte Gustav Wolf nun völlig neue Informationen recherchieren und fand dabei heraus, dass es sich bei dem abgebildeten Paar tatsächlich um Vorfahren der Familie Pfrenger handeln könnte.

Die Ahnen der Familie Pfrenger lassen sich auf zwei benachbarten Höfen nachweisen. Das Portrait des Mannes ist auf der Vorderseite signiert und mit der Jahreszahl 1860 versehen. Mit Blick auf dieses gesicherte Datum kommen mehrere Ehepaare in Frage, die damals auf den beiden Höfen lebten und somit portraitiert sein könnten:

Melchior und Sophie Schellenberg

Der Anspanner Melchior Schellenberg (25. Juni 1805 in Gleina–9. Juli 1889 in Greipzig) und Sophie, geborene Kratzsch (1816–1882), heirateten am 9. Juli 1833 in Saara. Sophie erbte am 16. September 1834 den Hof ihrer Eltern Gottfried Kratzsch (1768–1830) und Christine, geborene Brauer (1777–1834) in Greipzig.

Julius und Anna Louise Schellenberg

Eigentlich hieß sie nicht Prenger, sondern Anna Louise Schellenberg, geborene Dietze (1839–1905) (Museum Burg Posterstein)
Sophie Schellenberg? Anna Louise Schellenberg? Oder doch Anna Köhler? (Museum Burg Posterstein)
Die Bilder könnten auch ihren einzigen Sohn Julius Schellenberg (1835–1900) und seine Frau Anna Luise, geborene Dietze (1839–1905), zeigen. Julius kaufte das elterliche Gut am 27. März 1861 von seiner Mutter für 10.800 Taler mit Auszugsbedingungen und Vorbehalt der Bewirtschaftung bis Johannis 1871. Er heiratete am 4. April 1861 in Saara Anna Luise, Tochter des dortigen Erb- und Eigentumsmüllermeisters Christian Karl Dietze und Anna, geborene Diezmann, aus Kauritz bei Gößnitz. Dagegen spricht, dass Julius und Anna Luise erst 1861, ein Jahr nach der Fertigstellung der Portraits, heirateten und das Gut übernahmen. Zudem scheint der abgebildete Mann älter als 25 Jahre alt zu sein.

Michael und Anna Köhler

Eine dritte Möglichkeit wäre, dass die Portraits Schellenbergs damalige Nachbarn, Michael Köhler (1817–1891) und Anna Köhler, geborene Apel (1836–1888), zeigen – Mascher portraitierte in Modelwitz ihre Mutter Anna, geborene Apel (1806–1875), und ihren Bruder Julius Apel. Denn nachdem Julius Schellenbergs Sohn Arno (1877–1915) im Ersten Weltkrieg fiel, heiratete seine Witwe Marie Margarete, geborene Kirste (*1883), aus Gieba, den jungen Landwirt Oskar Richard Wilhelm Pfrenger (*1899 in Heiligenkreuz) und zog mit ihm auf den Nachbarhof, der auf der Fotografie abgebildet ist. Ihre Kinder aus erster Ehe führten währenddessen den väterlichen Hof weiter und somit befanden sich seitdem beide Höfe im Besitz der Familien Schellenberg und Pfrenger. Als die Portraits gemalt wurden, lebte auf dem Pfrenger‘schen Hof Michael Köhler, der ihn 1854 seinem Vater Melchior (1780–1855) für 8.000 Taler abgekauft hatte. Michael Köhler heiratete 1862 in Stünzhain Anna Apel.

Hof Schellenberg in Greipzig - Foto aus dem Familienarchiv (Museum Burg Posterstein)
Hof der Familie Pfrenger in Greipzig – Foto aus dem Familienarchiv (Museum Burg Posterstein)

Dagegen, dass die Portraits das Ehepaar Köhler zeigen, spricht, dass sie erst zwei Jahre nach dem auf der Signatur angegebenen Datum heirateten und dass es unwahrscheinlich erscheint, dass die gut erhaltenen Pastelle über zwei Zwischenbesitzer des Hofs (Louis Albin Kirmse ab 1889 und Herbert Kirmse (*1895) ab 1922) an die Familie Pfrenger weitergegeben wurden. Marie Margarete Pfrenger, geborene Kirste und verwitwete Schellenberg, und ihr zweiter Mann übernahmen den Hof erst am 15. November 1928. Ihre Nachfahren bewahrten schließlich die Portraits und gaben sie ans Museum Burg Posterstein.

Die Geschichte der Familien Schellenberg, Pfrenger und Köhler gibt einen schönen Einblick in die reichhaltige Geschichte der Altenburger Bauern, die der Maler Friedrich Mascher als seine wichtigste Klientel entdeckt hatte.

Historische Informationen: Gustav Wolf, Vorsitzender der Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes zu Altenburg

Weitere Informationen zur Sonderausstellung

Außerdem im Blog:
Reinschnuppern in die neue Ausstellung mit dem #MascherMarchenMemory

In den sozialen Netzwerken werden Infos zur Ausstellung unter dem Hashtag #MascherMarchen verbreitet.

von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Für Sonderausstellung gesucht: Wer besitzt Gemälde vom „Bauernmaler“ Friedrich Mascher?

Mascher-Portrait des Bauern Prenger aus Greipzig um 1860 (Museum Burg Posterstein)
Mascher-Portrait des Bauern Prenger aus Greipzig um 1860 (Museum Burg Posterstein)
Im 19. Jahrhundert ließen sich viele wohlhabende Hofbesitzer des Altenburger Herzogtums porträtieren. Diese Bilder sind meist als empfindliche Pastelle ausgeführt. Der bedeutendste Maler, der in der Altenburger Region solche Porträts herstellte, war Friedrich Mascher (1816-1880). In einer gemeinsamen Sonderausstellung zum 200. Geburtstag des Künstlers wollen das Museum Burg Posterstein und das Residenzschloss Altenburg Porträtbilder und Hofansichten zeigen und die Kultur der Bauern der Region im 19. Jahrhundert vorstellen.

In Vorbereitung dieser besonderen Schau starten wir gemeinsam mit dem Residenzschloss diesen Aufruf an Bürger und Vereine der Region und darüber hinaus: Wer besitzt noch Bilder, Porträts und Pastelle des Malers Friedrich Mascher und würde sie für die Dauer der Sonderausstellung zur Verfügung stellen? Ein Beispiel für Maschers Stil ist hier abgebildete das Porträt des Bauern Prenger aus Greipzig (um 1860) aus der Postersteiner Sammlung.

Das Museum Burg Posterstein zeigt die Ausstellung vom 6. März bis 5. Juni 2016. Im September 2016 wird sie im Residenzschloss Altenburg zu sehen sein. Dazu erscheint ein reich bebilderter Katalog.

Weitere Informationen zu Mascher-Bildern in Posterstein

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Sonderausstellung „Salongeschichten“: Versteckte Details entdecken

Schon über 1000 Besucher haben sich die aktuelle Sonderausstellung „Salongeschichten“ mit Portraitzeichnungen Löbichauer Salongäste aus dem Jahr 1819/20 angesehen. Bei mehrmaligem Hinsehen fallen versteckte Details ins Auge.

Der Maler Ernst Welker stellte die schöne Herzogin als Pudel dar. Der französische Diplomat Talleyrand schrieb ihr hunderte von Briefen.
Der Maler Ernst Welker stellte die schöne Herzogin als Pudel dar.

Beim ersten Mal schauen bleibt der Blick an den mal witzig, mal sonderbar portraitierten Personen hängen. Die Herzogin als treuer Pudel. Emilie von Binzer als dünner Spargel. Der Strafrechtler Feuerbach als Nagel. Der Gothaer Herzog als stolzen Pfau und der Dichter Schink als Brunnen, der frisches Wasser spendet. Man liest darunter die in Versform säuberlich handschriftlich verfassten Zeilen, zum Beispiel: „Der Brunnen frisches Wasser giebt / Der Baer den süssen Honig liebt“, und überlegt, was das nun mit dem bekannten Dichter und Dramaturg Johann Friedrich Schink (1755-1835) zu tun haben könnte.

Wie viele Zeichner waren hier am Werk?

Im Vers zum Portrait von Christoph August Tiedge ist eine nachträgliche Änderung deutlich erkennbar. (Museum Burg Posterstein)
Im Vers zum Portrait von Christoph August Tiedge ist eine nachträgliche Änderung deutlich erkennbar. (Museum Burg Posterstein)

Auf den zweiten Blick und im milden Licht der Ausstellungsräume gut zu erkennen, bemerkt man die zarten Bleistiftstriche, mit denen der Zeichner seine ungewöhnlichen Portraits vorgezeichnet hat. Am oberen Blattrand wurde zunächst mit Bleistift der Name der dargestellten Person vermerkt und nachträglich mit Tusche von mindestens zwei Handschriften vervollständigt. Später fügte jemand ein Kreuz hinzu – offenbar, wenn die betroffene Person zum Zeitpunkt der Recherche für Emilie von Binzers Buch „Drei Sommer in Löbichau“ bereits verstorben war. In diesem Spätwerk von 1877 beschreibt die bekannte Schriftstellerin auch einige der Portraitzeichnungen, die nun in der Ausstellung zu sehen sind.

Versteckte Details und nachträgliche Veränderungen

Bei manchen Zeichnungen wird eine nachträgliche Bearbeitung erkennbar. Der Schriftsteller Christoph August Tiedge (1752-1841) beispielsweise wurde als Stuhl dargestellt. Im zugehörigen und im wahrsten Sinne des Wortes auf Biegen und Brechen gereimten Vers „Wie herrlich pranget hier der Lehn Stuhl / Den Hals bricht wer vom Dache fuhl“, hat jemand nachträglich „ein Stuhl“ in „der Lehn Stuhl“ geändert.

Das Buch "Salongeschichten" erscheint zur Ausstellung
Das Buch „Salongeschichten“ erscheint zur Ausstellung
Die kleinformatigen, aquarellierten Zeichnungen stammen von Ernst Welker (1784/88-1857), der als Zeichenlehrer Emilie von Binzers – der Enkelin der Herzogin von Kurland – einige Sommer am Musenhof Löbichau verbrachte. Sie geben einen spannenden Eindruck in das alltägliche Leben in dem kleinen Thüringer Schloss, wo die weltgewandte Herzogin Künstler und Staatsmänner, Bürgerliche und Adlige um sich scharte. Man dichtete und spielte Theater, sang und flanierte durch die Gärten. Am Abend sammelte sich die Gesellschaft zur Teestunde. 2014 konnte das Museum Burg Posterstein die gut erhaltene Sammlung aus dem Besitz Emilie von Binzers mit finanzieller Unterstützung des Freistaates Thüringen und der Bürgerstiftung Altenburger Land ankaufen und zeigt sie noch bis 15. November im Rahmen einer Sonderausstellung. Zur Ausstellung erscheint ein gleichnamiges Buch.

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von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein