Welche Beziehungen haben Prag – und auch Karlstein – zur Burg Posterstein?

Impressionen aus Prag.
Impressionen aus Prag.

Der Museumsverein Burg Posterstein war in diesem Jahr auf Bildungsfahrt in Prag. Vereinsmitglied Monika Diedrich berichtet von Erlebnissen und Sehenswürdigkeiten. Und welche Beziehungen gibt es nun zwischen Posterstein und Prag? Vordergründig keine. Warum fährt dann der Museumsverein der Burg Posterstein im Altenburger Land dorthin? Finden wir es heraus!

Geschichte von Karlstein und Posterstein berührt sich 1358

Burg Karlstein in Tschechien
Burg Karlstein in Tschechien

Karlsteindie Burg Karls IV., des böhmischen Königs und späteren Kaisers des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Sein Leben und Wirken ist allgemein bekannt. Doch weiß man auch, dass während des vogtländischen Krieges 1354 bis 1359 Burg Posterstein neben Werdau und Ronneburg eine der Burgen gewesen ist, die Kaiser Karl IV. auf seinem Zug in das Pleißenland 1358 besetzte. Und da wäre er – der Bezug von Burg zu Burg.

Und Prag? Die Zeitreise geht in die Ära der Salonkultur

Da sich das Museum Burg Posterstein mit der Geschichte der Kurländer Herzogsfamilie befasst, muss nicht lange gesucht werden: Auf der Prager Kleinseite (mala strana) steht unweit der Kirche Maria vom Siege ein großes gelbes Stadtpalais, das so genannte Palais Rohan, gekauft aber war es von Peter von Kurland, und immer wieder hielt sich darin ein Familienmitglied für längere oder kürzere Zeit auf: Peters Gemahlin Anna Dorothea oder deren Töchter Wilhelmine, Pauline…

Das Palais Rohan in Prag war für den Museumsverein Burg Posterstein besonders interessant.
Das Palais Rohan in Prag war für den Museumsverein Burg Posterstein besonders interessant.

Wilhelmine von Sagan, die mit dem französischen Adligen Louis de Rohan kurze Zeit verheiratet war, residierte dort. Nach ihrer Scheidung wurde das Palais Rohan als Abfindung überlassen – und daher der Name Palais Rohan. Die Rohan gehörten zu den ältesten französischen Adelsfamilien. Es gelang ihnen ihre reiche Kunstsammlung vor der Französischen Revolution zu retten und schließlich nach Böhmen zu bringen.

In der oben erwähnten Kirche aber heiratete Pauline, Wilhelmines Schwester, 1800 den Fürsten von Hohenzollern-Hechingen.

Das Palais Schwarzenberg - ein Name, der verknüpft ist mit der Geschichte der Herzogin Anna Dorothea von Kurland.
Das Palais Schwarzenberg – ein Name, der verknüpft ist mit der Geschichte der Herzogin Anna Dorothea von Kurland.

Das wunderbare Palais Schwarzenberg, dessen Mauern bis unters Dach mit Sgraffitis geschmückt sind, wurde am nächsten Tag besucht. Hier gab es zwar keinen offensichtlichen Beweis für die Anwesenheit der Kurländerinnen, dennoch ist doch stark anzunehmen, dass die Damen auch hier am gesellschaftlichen Leben teilnahmen. Schließlich blühte die Salonkultur nicht nur in Berlin, sondern auch in Prag und besonders im Palais Schwarzenberg.

Im Palais gibt es einen Raum, ausgestattet mit bemalten Wänden, der für geselliges Beisammensein gedacht war. Hier kann man sich Anna Dorothea von Kurland bei den Soireen gut vorstellen. Das Palais befindet sich heute im Eigentum der Nationalgalerie und interessante Ausstellungen sind dort zu besichtigen. Dr. Marius Winzeler, Leiter der Sammlung Alter Kunst der Tschechischen Nationalgalerie, stellte nicht nur die Palais Schwarzenberg und Sternberg vor, sondern führte kompetent in die Kunstschätze ein.

Bootsfahrt in Prag.
Bootsfahrt in Prag.

Die eben während des Aufenthaltes der Postersteiner stattfindende Prager Schlössernacht ermöglichte es, das Palais Waldstein, den Sitz des Tschechischen Senats, zu besuchen und in Gemächer vorzudringen, die sonst für die Öffentlichkeit verschlossen sind. Nicht nur Wallenstein gefiel dieser Palast und seine Gärten – auch Wilhelmine von Sagan residierte hier, um den Verhandlungen über die Allianz gegen Napoleon 1813 so nah wie möglich zu sein.

Impressionen aus Prag.
Lucerna-Passage. Jugendstil-Arkade mit Geschäften Wenzel Statue von David Černý .

Die Teilnehmer an der Bildungsfahrt interessierten neben den Geschichten um das Haus Kurland natürlich auch andere geschichtliche Zusammenhänge und die entsprechenden Orte und architektonischen Sehenswürdigkeiten Prags. Ein Besuch im Jüdischen Viertel mit einer Führung und demzufolge vielen interessanten Erläuterungen bis zur ältesten Synagoge der Stadt war angesagt sowie eine Bootsfahrt auf der Moldau. Vom Wasser aus war die Stadt mit ihren unzähligen prächtigen Gebäuden gut zu begreifen.

Prag vom Wasser aus gesehen.
Prag vom Wasser aus gesehen.

Den Abschluss der dreitägigen Fahrt bildete die Besichtigung des Château Troja, etwas außerhalb der Stadt gelegen, zwischen Moldau und Weingärten.

Decke im Château Troja
Decke im Château Troja

Troja war die Sommerresidenz des Grafen Wenzel Adalbert von Sternberg. Er hatte es 1679 im schlesischen Barock bauen lassen. Herrliche Räume, Innenausstattungen, Gemälde und andere Kunstgegenstände sowie ein gepflegter Barockgarten erfreuen die Besucher.

Von Monika Diedrich / Museumsverein Burg Posterstein

#MusicMW: Kein Salon ohne Musik

Bei der MuseumWeek 2017 steht heute die Musik im Zentrum. Das tat sie auch in den Salons um 1800, und nicht zuletzt am „Musenhof Löbichau“, nur zwei Kilometer von Burg Posterstein entfernt. Am Musenhof der Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761–1821) auf ihren Schlössern in Löbichau und Tannenfeld war eine musische Ausbildung Pflicht! Tanz, Gesang, Musik und Literatur galten nicht nur als abwechslungsreicher Zeitvertreib, sondern waren ein fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens.

Für eine Salondame wie Anna Dorothea von Kurland war eine musikalische Ausbildung ein Muss.
Für eine Salondame wie Anna Dorothea von Kurland war eine musikalische Ausbildung ein Muss.
Der Tagesablauf auf dem Musenhof war zwanglos. Einen Höhepunkt bildete die „Theestunde“ um 17 Uhr. Man traf sich im Schloss Löbichau zum „diner“. Anschließend wurde philosophiert, diskutiert, getanzt, gesungen und musiziert. Nicht selten blieb die Gesellschaft bis Mitternacht oder länger zusammen. Man spielte Theater und schrieb selbst Stücke, die später gemeinsam aufgeführt wurden. Chorale wurden komponiert und vorgetragen, wie zur Erhebung des Schriftstellers und Dichters Johann Friedrich Schink (1755-1835) zu „Frauenlob den 2 ten“ am 8. September 1819.

Augenzeuge dieser scherzhaften Feierlichkeit wurde der bekannte Dichter Jean Paul (1763-1825), der zu dieser Zeit Gast im Schloss der Herzogin von Kurland war. In seinen „Taschenbuch für Damen“ berichtet er:

„So wurde der Schriftsteller Schink […] nach aller der alten Zeiten nachgespielten Zeremoniell und Pomp zum Meistersänger Frauenlob der 2 te in einer öffentlichen allgemeinen Hof- und Krönsitzung ernannr und bekränzt […] Fürstin Pauline und ihre Schwester Wilhelmine und Fräulein v. Gersc[h]au konnten aus dem Tancred, oder ein Stabat mater meisterhaft singen.“

Aufnahme Frauenlobs des 2 ten am 8. September in Löbichau 1819, Aquarell, gemalt von Ernst Welker, Museum Burg Posterstein
Aufnahme Frauenlobs des 2 ten am 8. September in Löbichau 1819, Aquarell, gemalt von Ernst Welker, Museum Burg Posterstein

Musik, Theater und vor allem das Singen waren die großen Stärken der hier erwähnten Emilie von Binzer (1801–1891), einer geborenen von Gerschau. Sie war das Pflegekind der ältesten Tochter Dorotheas, der Herzogin Wilhelmine von Sagan (1781-1839). Gemeinsam verbrachten die beiden Damen viel Zeit auf dem Musenhof der Herzogin von Kurland. 1870 schrieb Emilie, die sich im Laufe ihres Lebens einen Namen als Schriftstellerin gemacht hatte, ihre Memoiren über diese „Drei Sommer in Löbichau“ und berichtet darin auch über ihre Gesangsstunden und ihre musikalische Ausbildung.

Emilie von Gerschau wurde später besser bekannt als Emilie von Binzer oder „Ernst Ritter“. In dieser Karikatur von Ernst Welker ist sie als Spargel dargestellt. Der heitere Spruch darunter lautet: „Den Spargel jeder gerne iszt / Emilie gar zu länglich ist.“
Emilie von Gerschau wurde später besser bekannt als Emilie von Binzer oder „Ernst Ritter“. In dieser Karikatur von Ernst Welker ist sie als Spargel dargestellt. Der heitere Spruch darunter lautet: „Den Spargel jeder gerne iszt / Emilie gar zu länglich ist.“
„Seitdem wir der Kinderbewahranstalt entwachsen waren, behielt sie Wilhelmine von Sagan] uns um sich und versäumte keine Mühe, sparte kein Geld, um uns eine ausgezeichnete Erziehung zu geben; für ihre eigenen Kinder hätte sie nicht sorgsamer sein können …] Sonst hatte sie nicht die mindeste Freude an der Musik, aber an meinen Singstunden nahm sie eifrigen Antheil, sang auch die zweite Stimme mit mir und auch wohl einmal mit meinem alten dicken Lehrer Tomaselli. Dieser war in der besten italienischen Singschule zu Bergamo mit dem berühmten Sopran Merchesi Luigi Marchesi (1754-1829)] und dem Vater des großen Tenoristen David gebildet worden, hatte aber, als er mein Lehrer ward, keine Spur von Stimme mehr, konnte aber Buffo-Duette, zu denen ich kein Talent hatte, noch mit einigem Reiz vortragen, die Oberstimme übernahm dann die Herzogin.“ (Emilie von Binzer, Drei Sommer in Löbichau, 1877.)

Eine gute Stimme sprach Emilie von Binzer ihrer verehrten Pflegemutter Wilhelmine von Sagan aber leider nicht zu. Dennoch schien auch Wilhelmine hinter verschlossenen Türen gern zu singen.

„Sie hatte wohl Stimme, aber keine schöne, und oft schwebte der Ton unter oder über der haarscharfen Linie, die ihm angewiesen ist.“ (Emilie von Binzer, Drei Sommer in Löbichau, 1877.)

Wilhelmine von Sagan, nach Joseph Grassi (1757-1838), Museum Burg Posterstein
Wilhelmine von Sagan, nach Joseph Grassi (1757-1838), Museum Burg Posterstein
Wilhelmines Talent und Leidenschaft war vielleicht nicht das Singen, dafür aber umso mehr das Theater. Verschiedenste Rollen soll sie mit Bravur gespielt haben und bereits mit zehn Jahren durfte auch Emilie an den Theaterstücken der Erwachsenen, wie sie oft in Löbichau aufgeführt wurden, mitwirken.

Wilhelmine nahm ihre Pflegetöchter so oft es ging mit zu Stücken, die auf den großen Bühnen Europas – besonders in Wien – gespielt wurden. Die vielen Reisen der Herzogin von Sagan schärften Emilies Blick für das Musische umso mehr. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Emilie von Binzer sich später – unter dem Pseudonym „Ernst Ritter“ – einen Namen als Schriftstellerin machte. Ihre Dramen „Die Gauklerin“ und „Die Neuberin“ wurden 1846 sogar am Wiener Burgtheater aufgeführt. Den Grundstein dafür legte wohl schon die strenge Ausbildung ihrer Pflegemutter Wilhelmine von Sagan und ihre Aufenthalte am Musenhof ihrer Großmutter.

Von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

Ein Geschenk mit italienischem Flair für unsere „Sammlung Kurland“

Museumsdirektor Klaus Hofmann mit Uwe Buchheim und dessen Schenkung.
Museumsdirektor Klaus Hofmann mit Uwe Buchheim und dessen Schenkung.

Ganz überraschend erhielt das Museum Burg Posterstein am Internationalen Museumstag am vergangen Sonntag ein kostbares Geschenk: Ein Aquarell des Malers Ernst Welker, der 1819 und 1820 als Zeichenlehrer mit Wilhelmine von Sagan an den Musenhof Löbichau kam. Der Musenhof der schönen Herzogin Anna Dorothea von Kurland steht seit nunmehr 25 Jahren im Mittelpunkt der Forschungsarbeit des Museums Burg Posterstein. Uwe Buchheim aus Altenburg entdeckte die von Ernst Welker auf einer Italienreise gezeichnete Stadtansicht bei einer Internetauktion, kaufte sie und schenkte sie nun dem Museum. Dort wird sie in die Sammlung Kurland eingehen. Uwe Buchheim stellt darüber hinaus als privater Leihgeber dem Musem derzeit wertvolle historische Bibeln für die Ausstellung „Das besondere Exponat zur Reformation: Kostbare Bibeln und das Rollbild Der Leipziger Festzug zur Reformationsfeier 1830“ zur Vergügung und hat sich als Mitglied der Bürgerstiftung Altenburger Land schon seit vielen Jahren für das Regionalmuseum des Landkreises engagiert.

Dieses Aquarell des Malers Ernst Welker erhielt das Museum Burg Posterstein 2017 von Uwe Buchheim aus Altenburg
Dieses Aquarell des Malers Ernst Welker erhielt das Museum Burg Posterstein 2017 von Uwe Buchheim aus Altenburg

Erst 2015 präsentierte das Museum Burg Posterstein in der Ausstellung „Salongeschichten: Paris – Löbichau – Wien“ ein Konvulut an witzigen Zeichnungen, die Ernst Welker von Löbichauer Gästen angefertigt hatte. Welker porträtierte die Herzogin und ihre hohen Gäste in Tiergestalt – darunter nicht nur Anna Dorothea von Kurland selbst, sondern auch ihre Töchter und Pflegetöchter, eine Reihe kurländischer Adliger, den Gothaer Herzog August Emil Leopold, den Strafrechtler Paul Johann Anselm von Feuerbach und die Familie Theodor Körners. In einem kleinen Buch veröffentlichte das Museum 2015 die Zeichnungen zusammen mit einem historischen Abriss zum Löbichauer Salon und Biografien der Abgebildeten.

Ernst Welker – Maler mit Humor

So zeichnete Ernst Welker sich selbst (Sammlung Museum Burg Posterstein).
So zeichnete Ernst Welker sich selbst (Sammlung Museum Burg Posterstein).
Der Maler und Lützower Jäger Ernst Welker (1784/88–1857) hatte laut seiner Zeichenschülerin Emilie von Binzer, später selbst eine angesehene Schriftstellerin, „einen gewaltigen Stutzbart, der wie eine Art von Äquator sich von einem Ohr zum anderen zieht“. In einer der Karikaturen aus der Postersteiner Sammlung nahm Welker sich auch selbst auf die Schippe, indem er sich als Auster darstellte. Darunter der Spruch:

„Die Auster ist von guter Art
Das groeste an ihr ist der Bart.“

Ernst Welker, der seine Ausbildung in Weimar und Wien absolviert hatte, befand sich mehrfach auf Studienreisen in Italien. Von welcher Reise das Bild stammt, das nun neu in die Postersteiner Sammlung eingehen konnte, soll dem Museum nun Anlass zu weiterer Forschungsarbeit geben.

Mehr erfahren zu Ernst Welkers Karikaturen Löbichauer Gäste:

Gesammelte Infos auf der Website des Museum

“Ein Besuch in Löbichau, dem wir mit Spannung entgegensahen” – Teestunde auf Burg Posterstein

Sonderausstellung “Salongeschichten”: Versteckte Details entdecken

Sonderausstellung “Salongeschichten”: Was ist das eigentlich, ein Salon?

Vertrag zwischen Paris und … Posterstein: Zusammenarbeit mit Les Amis de Talleyrand

Der Herzog kommt nach Posterstein: Eröffnung der Sonderausstellung „Salongeschichten“

Wie eine Himmelsleiter mit Engeln besetzt: Kleine Reise in die Geschichte von Schloss Tannenfeld

Da steht mein Armes Ich von Stein… Salongeschichten aus dem 19. Jahrhundert auf Burg Posterstein

2015 zelebriert das Museum Burg Posterstein ein Lieblingsthema im großen Stil

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

#loveMW: Our love to salon culture around 1800

LogoMW_PostersteinThe last day of #MuseumWeek 2016 on Twitter is dedicated to LOVE and we guess the motto of the day is not only about all the Twitter hearts given to favorite tweets in this week. That’s why we want to present one of our favorite research subjects: European salon culture around 1800, which is involving a lot of love stories, too.

Napoleon's death mask next to a bust of Dorothee de Dino-Talleyrand at Museum Burg Posterstein.
Napoleon’s death mask next to a bust of Dorothee de Dino-Talleyrand at Museum Burg Posterstein.
Not the first thing to think of when talking about a medievial castle. But only a view kilometres away from the regional history museum Burg Posterstein a popular salon hostess had her summer residence: Anna Dorothea of Courland (1761–1821) in the castle of Löbichau. Born in today’s Latvia the rich Duchess had wide connections to Europe’s high society.

That’s why Napoleon’s death mask is one of the first things to see, when you enter the salon culture exhibition in Posterstein. First enthousiastic about him, the Duchess of Courland became much more opposed against Napoleon during the time. She cultivated a livelong friendship to the French statesman Charles Maurice de Talleyrand (1754–1834). Tsar Alexander I. (1777-1825) visited her 1808 in Löbichau and conveyed the marriage of her youngest daughter Dorothée (1793–1862) to Talleyrand’s nephew. At the Congress of Vienna Dorothee de Dino-Talleyrand accompanied Talleyrand and after his death she became his sole heir.

Bertel Thorvaldsen: Wilhelmine Benigna Biron, 1818, Originalmodel. Gips. 58 cm; Thorvaldsens Museum, Inv.-Nr.: A312[/caption]Anna Dorothea of Courlands oldest daughter Wilhelmine von Sagan (1781–1839) gained great influence an the congress as well, as she led a popular salon in Schenkenstraße in Vienna. From 1813 to 1815 she had a passonate relationship with Clemens von Metternich (1773–1859), the leader of the congress.

Roland Martinet from the association Les Amis de Talleyrand and Sabine Hofmann from Museumsverein Burg Posterstein in Löbichau in 2015
Roland Martinet from the association Les Amis de Talleyrand and Sabine Hofmann from Museumsverein Burg Posterstein in Löbichau in 2015
In Löbichau Anna Dorothea of Courland brought together poets, politicans and artists. Museum Burg Posterstein has been doing intensive research about her live and the lives of her daughters for more than 20 years. The museum is cooperating with the French history society Les Amis de Talleyrand. The cooperation was officially recorded with a contract between the Museum society Burg Posterstein (Museumsverein Burg Posterstein) and Les Amis de Talleyrand in 2015.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Further reading:
A cultural salon in Löbichau
Cooperation with Les Amis de Talleyrand (in German)
Bertel Thorvaldsen’s busts of Wilhelmine von Sagan (in German)

Sonderausstellung „Salongeschichten“: Versteckte Details entdecken

Schon über 1000 Besucher haben sich die aktuelle Sonderausstellung „Salongeschichten“ mit Portraitzeichnungen Löbichauer Salongäste aus dem Jahr 1819/20 angesehen. Bei mehrmaligem Hinsehen fallen versteckte Details ins Auge.

Der Maler Ernst Welker stellte die schöne Herzogin als Pudel dar. Der französische Diplomat Talleyrand schrieb ihr hunderte von Briefen.
Der Maler Ernst Welker stellte die schöne Herzogin als Pudel dar.

Beim ersten Mal schauen bleibt der Blick an den mal witzig, mal sonderbar portraitierten Personen hängen. Die Herzogin als treuer Pudel. Emilie von Binzer als dünner Spargel. Der Strafrechtler Feuerbach als Nagel. Der Gothaer Herzog als stolzen Pfau und der Dichter Schink als Brunnen, der frisches Wasser spendet. Man liest darunter die in Versform säuberlich handschriftlich verfassten Zeilen, zum Beispiel: „Der Brunnen frisches Wasser giebt / Der Baer den süssen Honig liebt“, und überlegt, was das nun mit dem bekannten Dichter und Dramaturg Johann Friedrich Schink (1755-1835) zu tun haben könnte.

Wie viele Zeichner waren hier am Werk?

Im Vers zum Portrait von Christoph August Tiedge ist eine nachträgliche Änderung deutlich erkennbar. (Museum Burg Posterstein)
Im Vers zum Portrait von Christoph August Tiedge ist eine nachträgliche Änderung deutlich erkennbar. (Museum Burg Posterstein)

Auf den zweiten Blick und im milden Licht der Ausstellungsräume gut zu erkennen, bemerkt man die zarten Bleistiftstriche, mit denen der Zeichner seine ungewöhnlichen Portraits vorgezeichnet hat. Am oberen Blattrand wurde zunächst mit Bleistift der Name der dargestellten Person vermerkt und nachträglich mit Tusche von mindestens zwei Handschriften vervollständigt. Später fügte jemand ein Kreuz hinzu – offenbar, wenn die betroffene Person zum Zeitpunkt der Recherche für Emilie von Binzers Buch „Drei Sommer in Löbichau“ bereits verstorben war. In diesem Spätwerk von 1877 beschreibt die bekannte Schriftstellerin auch einige der Portraitzeichnungen, die nun in der Ausstellung zu sehen sind.

Versteckte Details und nachträgliche Veränderungen

Bei manchen Zeichnungen wird eine nachträgliche Bearbeitung erkennbar. Der Schriftsteller Christoph August Tiedge (1752-1841) beispielsweise wurde als Stuhl dargestellt. Im zugehörigen und im wahrsten Sinne des Wortes auf Biegen und Brechen gereimten Vers „Wie herrlich pranget hier der Lehn Stuhl / Den Hals bricht wer vom Dache fuhl“, hat jemand nachträglich „ein Stuhl“ in „der Lehn Stuhl“ geändert.

Das Buch "Salongeschichten" erscheint zur Ausstellung
Das Buch „Salongeschichten“ erscheint zur Ausstellung
Die kleinformatigen, aquarellierten Zeichnungen stammen von Ernst Welker (1784/88-1857), der als Zeichenlehrer Emilie von Binzers – der Enkelin der Herzogin von Kurland – einige Sommer am Musenhof Löbichau verbrachte. Sie geben einen spannenden Eindruck in das alltägliche Leben in dem kleinen Thüringer Schloss, wo die weltgewandte Herzogin Künstler und Staatsmänner, Bürgerliche und Adlige um sich scharte. Man dichtete und spielte Theater, sang und flanierte durch die Gärten. Am Abend sammelte sich die Gesellschaft zur Teestunde. 2014 konnte das Museum Burg Posterstein die gut erhaltene Sammlung aus dem Besitz Emilie von Binzers mit finanzieller Unterstützung des Freistaates Thüringen und der Bürgerstiftung Altenburger Land ankaufen und zeigt sie noch bis 15. November im Rahmen einer Sonderausstellung. Zur Ausstellung erscheint ein gleichnamiges Buch.

Außerdem zum Thema:
Blogpost: Was ist das eigentlich, ein Salon?
Blogpost über Carl August Böttiger: „Da steht mein armes Ich aus Stein“
Blogpost: Der Herzog kommt nach Posterstein
Blogpost zur Geschichte des Schlosses Tannenfeld
Blogpost: Jean Pauls Sommer in Löbichau
Blogpost: Rittergut Löbichau – Zeitweise 300 Gäste gleichzeitig

von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Sonderausstellung „Salongeschichten“: Was ist das eigentlich, ein Salon?

Das Museum Burg Posterstein erzählt Salongeschichten aus dem Musenhof der Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761–1821), die in den Schlössern Tannenfeld und Löbichau in der Postersteiner Nachbarschaft viele Sommer lang residierte. An Hand von einmaligen Portraitzeichnungen Löbichauer Gäste, die der Maler Ernst Welker in Tiergestalt darstellte, kann man eintauchen in die Zeit um 1819/20. Hier tun sich Schicksale auf und Familienbande werden aufgedröselt. Man begegnet illustren Persönlichkeiten vom Herzog von Gotha über Christoph August Tiedge bis hin zum Strafrechtler Paul Johann Anselm von Feuerbach.

Von der Eröffnung der Ausstellung berichtet der TV-Journalist Gunter Auer:

Burg Posterstein: Eröffnung Salongeschichten from Burg Posterstein on Vimeo.

Tanzen und Teetrinken? – Die Salons des frühen 19. Jahrhunderts

Aus den Pariser Salons des 18. Jahrhunderts, in denen sich Mitglieder des Hofes, Gelehrte und Künstler begegneten, ging in der Zeit der Aufklärung eine Kultur hervor, die sich über ganz Europa ausbreitete. Sowohl adlige als auch gebildete bürgerliche Damen gründeten Musenhöfe und Salons. Den gesellschaftlichen Mittelpunkt eines Musenhofs wie auch eines Salons bildete stets die Gastgeberin. Die adlige Initiatorin eines Musenhofs lud ihre Gäste nicht nur für einen Abend, sondern ließ sie zum Teil wochenlang in ihrem Schloss wohnen. Der berühmte Kreis um die Weimarer Herzogin Anna Amalia gilt als solcher Musenhof. Bekannte Salons unterhielten Madame de Staël oder Madame Récamier in Frankreich sowie Henriette Herz, Rahel Varnhagen oder Dorothea Schlegel in Berlin.

Kultur, Kunst und politische Diskussionen im kleinen Löbichau

Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich Löbichau – nur zwei Kilometer von Posterstein entfernt gelegen – zusammen mit Schloss Tannenfeld zu einem solchen Zentrum des geistig-kulturellen Lebens in Deutschland. Der Musenhof der Herzogin Anna Dorothea von Kurland in Löbichau gehörte zu den bekanntesten seiner Art. Wichtige Impulse schöpfte die gebildete Adlige aus ihren erstklassigen Beziehungen zu den höchsten gesellschaftlichen Kreisen Europas, aus dem damit verbundenen Netzwerk der Personen, aus ihren Aufenthalten in bekannten Berliner und Pariser Salons sowie im mondänen Karlsbad. Bedeutende Staatsmänner ihrer Zeit kannte die Herzogin persönlich.

Ernst Welker zeichnete die Krönung des Dichters Schink zum "Frauenlob dem 2ten" im Schloss Löbichau. (Museum Burg Posterstein)
Ernst Welker zeichnete die Krönung des Dichters Schink zum „Frauenlob dem 2ten“ im Schloss Löbichau. (Museum Burg Posterstein)

Manchmal beherbergte die agile Herzogin, die dem alten Adelsgeschlecht Medem aus dem heutigen Lettland entstammte, 200 Gäste gleichzeitig in ihren Schlössern in Löbichau und im nahen Tannenfeld. Es wurde philosophiert, politisiert, diskutiert, musiziert, gedichtet und gezeichnet.

Musenhof Löbichau: Forschungsschwerpunkt im Museum Burg Posterstein

Das Museum Burg Posterstein bemüht sich seit vielen Jahren um die Bewahrung der Tradition des Musenhofes Löbichau, forscht und publiziert und zeigt die ausführlichste Ausstellung zu diesem Teil der europäischen Salongeschichte in einem deutschen Museum. Nicht nur die Biografie Anna Dorothea von Kurlands findet Eingang in die umfangreichen Postersteiner Recherchen, sondern auch die Lebensläufe ihrer ebenso weltgewandten Töchter und ihre vielfältigen Kontakte zur damaligen europäischen Elite. Neben der Dauerausstellung zeigte das Museum in den vergangenen Jahren mehrere Sonderausstellungen zum Thema.

Das Buch "Salongeschichten" erscheint zur Ausstellung
Das Buch „Salongeschichten“ erscheint zur Ausstellung

Im Jahr 2014 konnte das Museum Burg Posterstein eine einmalige Sammlung von Portraitzeichnungen der 1819/1820 in Löbichau anwesenden Gäste ankaufen. Die 47 aquarellierten Zeichnungen fertigte bis auf eine der Maler Ernst Welker an.

Ohne die finanzielle Unterstützung des Freistaats Thüringen, der Bürgerstiftung Altenburger Land, des Landkreises Altenburger Land und des Fördervereins des Museums hätten Ankauf der Zeichnungen, Ausstellung und Publikation nicht realisiert werden können. Dafür gebührt herzlicher Dank.

Die Sonderausstellung „Salongeschichten“ läuft bis 15. November 2015. Zur Sonderausstellung erscheint die gleichnamige Publikation „Salongeschichten: Paris – Löbichau- Wien“.

Weitere Infos:
Blogpost über Carl August Böttiger: „Da steht mein armes Ich aus Stein“
Blogpost: Der Herzog kommt nach Posterstein
Blogpost zur Geschichte des Schlosses Tannenfeld
Blogpost: Jean Pauls Sommer in Löbichau
Blogpost: Rittergut Löbichau – Zeitweise 300 Gäste gleichzeitig

von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Jean Pauls Sommer in Löbichau

Im Sommer 1819 verbrachte der Dichter Jean Paul mehrere Wochen im Schloss Löbichau, wo die Herzogin Anna Dorothea von Kurland, eine kulturinteressierte und weltgewandte Dame, einen Salon führte. Der bekannte Schriftsteller erschien mit seinem Pudel, wurde von der Dienerschaft „Schankpol“ genannt, verschmähte den Tee als dünnes fremdländisches Getränk und bevorzugte stattdessen das Geraer Doppelbier.

Der „Musenhof Löbichau“

Schloss Löbichau ((c) Museum Burg Posterstein)
Im Schloss Löbichau nahe Posterstein führte die kulturinteressierte Herzogin von Kurland einen Salon (Bild: Museum Burg Posterstein)

1795 etablierte die aus dem heutigen Lettland stammende Herzogin Anna Dorothea von Kurland im thüringischen Löbichau ihre neue Residenz. Sie suchte sich genau diesen Ort im damaligen Herzogtum Sachsen-Gotha und Altenburg aus, um kulturelle Zentren, wie zum Beispiel Weimar, Dresden, Leipzig sowie Karlsbad schnell zu erreichen und ihren zahlreichen Gästen den Weg nach Löbichau zu erleichtern. Willkommen war jeder, der zu einer niveauvollen Unterhaltung beitragen konnte, und zwar unabhängig von seinem Stand. Diese Art des literarischen Salons praktizierte die Herzogin bereits in Berlin in ihrem Palais Unter den Linden, der heutigen russischen Botschaft.

Die Herzogin Anna Dorothea von Kurland (Bild: Burg Posterstein)
Die Herzogin Anna Dorothea von Kurland (Bild: Burg Posterstein)

Anna Dorothea von Kurland (1761-1821), eine schöne, begehrte und vor allem reiche Dame der herrschenden europäischen Adelsgesellschaft, gehörte zu jenen bekannten Salonieren des 19. Jahrhunderts, die weltoffen und geistreich gleichsam als Vermittlerinnen von Kultur und Politik agierten. Ihr Medium war die Konversation. Als Herzogin erhielt sie Zugang zu den höchsten gesellschaftlichen Kreisen, besonders zu den Höfen in Berlin, St. Petersburg und Paris; Metternich, Alexander I., Friedrich Wilhelm III., Napoleon und Talleyrand kannte sie persönlich. Dieser Umstand ermöglichte ihr einen ganz speziellen Anteil an der Gestaltung europäischer Geschichte.

Der Löbichauer Musenhof der Herzogin von Kurland war einer der bekanntesten seiner Art im beginnenden 19. Jahrhundert. In den Schlössern Löbichau und Tannenfeld herrschte von 1794 bis 1821 ein reges gesellschaftliches Leben, das Politik, Literatur, Malerei, Musik und Wissenschaft vereinte. Man traf sich zu politischen Disputen, Vorträgen, Festen, Theateraufführungen, Lesungen oder Konzerten.

Jean Paul in Löbichau

Der Dichter Jean Paul verbrachte den Sommer 1819 in Löbichau (Bild: Museum Burg Posterstein)
Der Dichter Jean Paul verbrachte den Sommer 1819 in Löbichau (Bild: Museum Burg Posterstein)

„Ich langte gestern gegen 3 Uhr in Baireuth an und schickte zu den Legationsrath Richter oder Jean Paul […] Er schien sich bey mir zu gefallen, und versprach mich diesen Sommer in Loebichau zu besuchen“.

(Herzogin von Kurland über ihren Besuch bei Jean Paul in Bayreuth am 3. Mai 1819 – Quelle: Friedrich-Schiller-Universität Jena, Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek: ThULB Jena, Nachlass Biron Abt. A , Nr. I bis XIX, Tagebücher der Herzogin von Kurland, Tagebuch Nr. XVIII, 3. Mai 1819)

Jean Paul folgte der Einladung gern und weilte im Sommer 1819 als Gast der Herzogin Anna Dorothea von Kurland in Löbichau. Am 31. August fuhr man ihm bis Gera entgegen. Der bekannte Schriftsteller erschien mit seinem Pudel, wurde von der Dienerschaft „Schankpol“ genannt, verschmähte den Tee als dünnes fremdländisches Getränk und bevorzugte stattdessen das Geraer Doppelbier.

Der Archäologe Anselm von Feuerbach (1798-1851), Sohn des Strafrechtlers Paul Johann Anselm von Feuerbach, schrieb in sein Tagebuch:

„…Ich wohne mit Jean Paul Thür an Thür. Er ist gütig gegen mich, und ich armer Melancholicus gebe ihm Stoff zu tausend Witzen. Er schreibt Aphorismen, um sie des Morgens den Fürstinnen vorzulesen…“

(Quelle: Binzer, Emilie von: Drei Sommer in Löbichau, Stuttgart 1887, S. 70)

Die Schriftstellerin Emilie Henriette Adelheid von Binzer (1801-1891) erinnerte sich an die Lesungen mit Jean Paul in Tannenfeld:

„… Diese Morgenvorlesungen fanden in Tannenfeld statt, halb im Freien. Er saß auf dem Vorhause mit offener Thüre nach der Freitreppe, wo mehrere von uns in guter Hörweite saßen; am erinnerlichsten ist mir ein schöner Aufsatz, ich glaube er hieß: Erinnerungen von schönen Stunden…“

(Quelle: Binzer, Emilie von: Drei Sommer in Löbichau, Stuttgart 1887, S. 70)

Schloss Tannenfeld (Ansichtskarte, Museum Burg Posterstein)
Im Park von Schloss Tannenfeld hielt Jean Paul Morgenvorlesungen im Freien ab (Ansichtskarte, Museum Burg Posterstein)

Jean Paul war fasziniert von Löbichau. Das Leben am Musenhof gestaltete sich kurzweilig. Spaziergänge in Löbichau oder im Park von Tannenfeld, Gesprächsrunden, Lesungen, Konzerte, Theateraufführungen oder gesellige Spiele standen auf der Tagesordnung.

Später beschrieb er seine Begegnungen am Löbichauer Musenhof in den „Briefblättchen an die Leserin des Damen-Taschenkalenders bei gegenwärtiger Übergabe meiner abgerissenen Gedanken vor dem Frühstück und dem Nachtstück in Löbichau“.

„… Das Weitläuftigere gehört in die Selberlebensbeschreibung, dass der Verfasser der gedachten Gedanken abends den 31. August 1819 nach dem Wunsche der Herzogin und nach seinem noch stärkeren in ihr Schloß zu Löbichau unter zwar schwacher und nicht militärischer, aber reizender und weiblicher Begleitung gebracht wurde. Das freundliche, italienisch abgedachte Sommerschloß liegt, mit seinem Altane und seinen Säulen, vor dem weiten bowling-green, um welches sich der einfache Park mit seinen Baumgängen zieht, und an den Park lehnt sich das freundliche, mit Bäumen durchzogene Löbichau. Im Schlosse wohnen die Herzogin und ihre Schwester, die Gräfin Elisa von der Recke [Anm.: Elisa von der Recke, (1754-1833), war ebenfalls Schriftstellerin] , und alle Gäste beider. In Tannefeld, einem kleinen Sommer- oder vielmehr Frühlings-Sitz, eine halbe Stunde entfernt, wohnten die drei Töchter der Herzogin, […] – Es kostete mir bisher Mühe, gute Leserin, so oft das Beiwort ‚reizend’ zu unterdrücken; später aber ist mir die Mühe nicht mehr anzusinnen…“

(Quelle: Paul, Jean: „Briefblättchen an die Leserin des Damen-Taschenkalenders bei gegenwärtiger Übergabe meiner abgerissenen Gedanken vor dem Frühstück und dem Nachtstück in Löbichau“, in: Paul, Jean: Taschenbuch für Damen auf das Jahr 1821, Tübingen bey Cotta 1821. S. 287)

Schloss Löbichau, Ansichtskarte von 1904 (Museum Burg Posterstein)
Schloss Löbichau, Ansichtskarte von 1904 (Museum Burg Posterstein)

Eigens für Jean Paul arrangierte man in Löbichau am 9. September ein Inselfest:

„… Um 9 Uhr abends nach dem Essen lud die Herzogin Dorothea zu einem Spaziergange durch die Baumgänge auf eine kleine Insel, wo man mittags vorher gefrühstückt, so gleichgültig ein, als wolle sie nichts verheißen. Als man in den hohen und langen Baumgang eintrat, war er von den untersten Zweigen bis zu den Gipfeln überglänzt, und alles Laub war wie von Frühling oder Abendröte durchsichtig. Lampen unter den Bäumen, von kleinen Vertiefungen verdeckt, waren Lichtspringbrunnen und durchsprengten mit einigem aufwärts steigenden Glanz das dunkle Gezweig. Aus dem Grün schienen verklärte Bäume aufzuschweben, und die Blätter als feurige Zungen zu zittern. Durch die Feuersäulen-Ordnung kam der Zug in das kleine runde Eiland, wo man, von erleuchteten Bäumen wie von Glanzriesen umzingelt, oben nur einen schwarzen Ausschnitt des Nachthimmels mit blitzenden Sternen erblickte. Musik und Gesang gaben dem stillen Glanze und der Zauberinsel gleichsam Bewegung, und die Lichter wurden zu Tönen…“

(Quelle: Paul, Jean: „Briefblättchen an die Leserin des Damen-Taschenkalenders bei gegenwärtiger Übergabe meiner abgerissenen Gedanken vor dem Frühstück und dem Nachtstück in Löbichau“, in: Paul, Jean: Taschenbuch für Damen auf das Jahr 1821, Tübingen bey Cotta 1821. S. 303f.)

Jean Paul las gern vor:

„… Schöne Leserin, Sie konnten, wenn Sie in Löbichau an der Tafel saßen oder nachher auf dem Kanapee, welche Meinung Sie wollten, ergreifen oder angreifen – gegen oder für Magnetiseurs – gegen oder für Juden – gegen oder für die Ultras und Liberale; – ja Sie konnten besonders im letzten politischen Falle, wie Sie da wohl als Dame zuweilen tun, Ihre schöne Stimme geben als eine lauteste: niemand wird etwas dagegen sagen – als höchstens seine Gründe…“

(Quelle: Paul, Jean: „Briefblättchen an die Leserin des Damen-Taschenkalenders bei gegenwärtiger Übergabe meiner abgerissenen Gedanken vor dem Frühstück und dem Nachtstück in Löbichau“, in: Paul, Jean: Taschenbuch für Damen auf das Jahr 1821, Tübingen bey Cotta 1821. S. 293)

Jean Paul reiste am 17. September aus Löbichau ab. Die Herzogin von Kurland notierte in ihrem Tagebuch:

… Täglich verringert sich die Zahl der Gesellschaft. Jean Paul verließ uns nach dem Frühstück …“  

(Quelle: Friedrich-Schiller-Universität Jena, Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek: ThULB Jena, Nachlass Biron Abt. A, Nr. I bis XIX, Tagebücher der Herzogin von Kurland, Tagebuch Nr. XVIII, 17. September 1819)

Weitere Informationen: Auf Jean Pauls Spuren im Altenburger Land

Wenn Sie auf Jean Pauls Spuren wandeln möchten, sollten Sie die Litfaßsäulenausstellung „Jean Pauls Orte“ und auch die Dauerausstellung im Museum Burg Posterstein nicht versäumen. Anschließend bietet sich ein Abstecher nach Tannenfeld und Löbichau an. Im dortigen Landgasthof kann man dann bei Köstritzer Doppelbier entspannen.

Ständige Ausstellung im Museum Burg Posterstein:

„Zwischen Metternich und Talleyrand – Der Musenhof der Herzogin von Kurland im Schloss zu Löbichau“:

Die Ausstellung gibt einen Überblick über die historischen Ereignisse, berichtet über das Reisen im damaligen Europa und lässt die Zeit des Musenhofes auf Schloss Löbichau wieder lebendig werden. Die Zeiteinteilung in Löbichau ist zwanglos und Höhepunkt des Tages ist meist der Abend, der alle Gäste zur Teestunde im großen Saal des Schlosses versammelt. Es wird geplaudert, philosophiert, gedichtet, getanzt und musiziert, manchmal spielen die Gäste auch selbst Theater, auch im Schloss Tannenfeld auf einer kleinen Bühne. Oft enden diese Zusammenkünfte erst weit nach Mitternacht…

Sonderausstellung „Jean Pauls Orte“

ab 21. März: Litfaßsäulenausstellung zu seinem 250. Geburtstag im Jahr 2013

Die Ausstellung ist Teil des Projekts „250 Jahre Jean Paul – Ein Projekt des Vereins „Jean Paul 2013 e.V.“, der zentralen Organisationsplattform des Jubiläumsjahres: „Es ist ein großes rundes Jubiläum: Ein Vierteljahrtausend Jean Paul. Das Motto dazu lautet: Jean Paul für Alle. Wir gehen mit Jean Paul zu den Menschen und warten nicht, bis sie in ein Museum kommen. Wir thematisieren Jean Paul überall dort, wo er gelebt und gewirkt hat: an den Orten seines Lebens und seiner Bücher.“

Enthüllung der Litfaßsäule am 21. März

Zur Ausstellung erscheint eine Neuauflage unseres Buches:

„Löbichauer Sommer“

von Peter Schönhoff und Klaus Hofmann

Dem Leser werden die historischen Zusammenhänge um Schloss Löbichau und seiner kunstsinnigen Herzogin näher gebracht. Peter Schönhoffs Novelle „Gebackener Katzendreck“ befasst sich mit dem Besuch des Schriftstellers Jean Paul in Löbichau im Jahr 1819.

Weitere Literatur

Buchtitel "Die Herzogin von Kurland im Spiegel ihrer Zeitgenossen" (Burg Posterstein)
Buchtitel „Die Herzogin von Kurland im Spiegel ihrer Zeitgenossen“ (Burg Posterstein)

„Die Herzogin von Kurland im Spiegel ihrer Zeitgenossen“

Europäische Salonkultur um 1800 – Zum 250. Geburtstag der Herzogin von Kurland

Klaus Hofmann (Herausgeber), 248 Seiten, farbig, Museum Burg Posterstein, 2011

ISBN 978-3-86104-086-6 (29,00 Euro)

 

Wo ich einst residierte, wo ich Fürstin des Landes war! – Lebensstationen der Herzogin von Kurland“

Sabine und Klaus Hofmann, Museum Burg Posterstein, 2007

64 Seiten, mit zahlreichen farbigen Abbildungen.

Dem in deutscher Sprache verfassten Buch sind Übersetzungen ins Französische, Polnische, Lettische und Englische beigefügt (12,00 Euro)

„Zwischen Metternich und Talleyrand – Der Musenhof der Herzogin von Kurland im Schloss zu Löbichau“

Sabine und Klaus Hofmann, Museum Burg Posterstein, 2004

104 Seiten, s/w mit zahlreichen Abbildungen.

ISBN 3-86104-066-2 (12.50 Euro)