Welche Beziehungen haben Prag – und auch Karlstein – zur Burg Posterstein?

Impressionen aus Prag.
Impressionen aus Prag.

Der Museumsverein Burg Posterstein war in diesem Jahr auf Bildungsfahrt in Prag. Vereinsmitglied Monika Diedrich berichtet von Erlebnissen und Sehenswürdigkeiten. Und welche Beziehungen gibt es nun zwischen Posterstein und Prag? Vordergründig keine. Warum fährt dann der Museumsverein der Burg Posterstein im Altenburger Land dorthin? Finden wir es heraus!

Geschichte von Karlstein und Posterstein berührt sich 1358

Burg Karlstein in Tschechien
Burg Karlstein in Tschechien

Karlsteindie Burg Karls IV., des böhmischen Königs und späteren Kaisers des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Sein Leben und Wirken ist allgemein bekannt. Doch weiß man auch, dass während des vogtländischen Krieges 1354 bis 1359 Burg Posterstein neben Werdau und Ronneburg eine der Burgen gewesen ist, die Kaiser Karl IV. auf seinem Zug in das Pleißenland 1358 besetzte. Und da wäre er – der Bezug von Burg zu Burg.

Und Prag? Die Zeitreise geht in die Ära der Salonkultur

Da sich das Museum Burg Posterstein mit der Geschichte der Kurländer Herzogsfamilie befasst, muss nicht lange gesucht werden: Auf der Prager Kleinseite (mala strana) steht unweit der Kirche Maria vom Siege ein großes gelbes Stadtpalais, das so genannte Palais Rohan, gekauft aber war es von Peter von Kurland, und immer wieder hielt sich darin ein Familienmitglied für längere oder kürzere Zeit auf: Peters Gemahlin Anna Dorothea oder deren Töchter Wilhelmine, Pauline…

Das Palais Rohan in Prag war für den Museumsverein Burg Posterstein besonders interessant.
Das Palais Rohan in Prag war für den Museumsverein Burg Posterstein besonders interessant.

Wilhelmine von Sagan, die mit dem französischen Adligen Louis de Rohan kurze Zeit verheiratet war, residierte dort. Nach ihrer Scheidung wurde das Palais Rohan als Abfindung überlassen – und daher der Name Palais Rohan. Die Rohan gehörten zu den ältesten französischen Adelsfamilien. Es gelang ihnen ihre reiche Kunstsammlung vor der Französischen Revolution zu retten und schließlich nach Böhmen zu bringen.

In der oben erwähnten Kirche aber heiratete Pauline, Wilhelmines Schwester, 1800 den Fürsten von Hohenzollern-Hechingen.

Das Palais Schwarzenberg - ein Name, der verknüpft ist mit der Geschichte der Herzogin Anna Dorothea von Kurland.
Das Palais Schwarzenberg – ein Name, der verknüpft ist mit der Geschichte der Herzogin Anna Dorothea von Kurland.

Das wunderbare Palais Schwarzenberg, dessen Mauern bis unters Dach mit Sgraffitis geschmückt sind, wurde am nächsten Tag besucht. Hier gab es zwar keinen offensichtlichen Beweis für die Anwesenheit der Kurländerinnen, dennoch ist doch stark anzunehmen, dass die Damen auch hier am gesellschaftlichen Leben teilnahmen. Schließlich blühte die Salonkultur nicht nur in Berlin, sondern auch in Prag und besonders im Palais Schwarzenberg.

Im Palais gibt es einen Raum, ausgestattet mit bemalten Wänden, der für geselliges Beisammensein gedacht war. Hier kann man sich Anna Dorothea von Kurland bei den Soireen gut vorstellen. Das Palais befindet sich heute im Eigentum der Nationalgalerie und interessante Ausstellungen sind dort zu besichtigen. Dr. Marius Winzeler, Leiter der Sammlung Alter Kunst der Tschechischen Nationalgalerie, stellte nicht nur die Palais Schwarzenberg und Sternberg vor, sondern führte kompetent in die Kunstschätze ein.

Bootsfahrt in Prag.
Bootsfahrt in Prag.

Die eben während des Aufenthaltes der Postersteiner stattfindende Prager Schlössernacht ermöglichte es, das Palais Waldstein, den Sitz des Tschechischen Senats, zu besuchen und in Gemächer vorzudringen, die sonst für die Öffentlichkeit verschlossen sind. Nicht nur Wallenstein gefiel dieser Palast und seine Gärten – auch Wilhelmine von Sagan residierte hier, um den Verhandlungen über die Allianz gegen Napoleon 1813 so nah wie möglich zu sein.

Impressionen aus Prag.
Lucerna-Passage. Jugendstil-Arkade mit Geschäften Wenzel Statue von David Černý .

Die Teilnehmer an der Bildungsfahrt interessierten neben den Geschichten um das Haus Kurland natürlich auch andere geschichtliche Zusammenhänge und die entsprechenden Orte und architektonischen Sehenswürdigkeiten Prags. Ein Besuch im Jüdischen Viertel mit einer Führung und demzufolge vielen interessanten Erläuterungen bis zur ältesten Synagoge der Stadt war angesagt sowie eine Bootsfahrt auf der Moldau. Vom Wasser aus war die Stadt mit ihren unzähligen prächtigen Gebäuden gut zu begreifen.

Prag vom Wasser aus gesehen.
Prag vom Wasser aus gesehen.

Den Abschluss der dreitägigen Fahrt bildete die Besichtigung des Château Troja, etwas außerhalb der Stadt gelegen, zwischen Moldau und Weingärten.

Decke im Château Troja
Decke im Château Troja

Troja war die Sommerresidenz des Grafen Wenzel Adalbert von Sternberg. Er hatte es 1679 im schlesischen Barock bauen lassen. Herrliche Räume, Innenausstattungen, Gemälde und andere Kunstgegenstände sowie ein gepflegter Barockgarten erfreuen die Besucher.

Von Monika Diedrich / Museumsverein Burg Posterstein

#MusicMW: Kein Salon ohne Musik

Bei der MuseumWeek 2017 steht heute die Musik im Zentrum. Das tat sie auch in den Salons um 1800, und nicht zuletzt am „Musenhof Löbichau“, nur zwei Kilometer von Burg Posterstein entfernt. Am Musenhof der Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761–1821) auf ihren Schlössern in Löbichau und Tannenfeld war eine musische Ausbildung Pflicht! Tanz, Gesang, Musik und Literatur galten nicht nur als abwechslungsreicher Zeitvertreib, sondern waren ein fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens.

Für eine Salondame wie Anna Dorothea von Kurland war eine musikalische Ausbildung ein Muss.
Für eine Salondame wie Anna Dorothea von Kurland war eine musikalische Ausbildung ein Muss.
Der Tagesablauf auf dem Musenhof war zwanglos. Einen Höhepunkt bildete die „Theestunde“ um 17 Uhr. Man traf sich im Schloss Löbichau zum „diner“. Anschließend wurde philosophiert, diskutiert, getanzt, gesungen und musiziert. Nicht selten blieb die Gesellschaft bis Mitternacht oder länger zusammen. Man spielte Theater und schrieb selbst Stücke, die später gemeinsam aufgeführt wurden. Chorale wurden komponiert und vorgetragen, wie zur Erhebung des Schriftstellers und Dichters Johann Friedrich Schink (1755-1835) zu „Frauenlob den 2 ten“ am 8. September 1819.

Augenzeuge dieser scherzhaften Feierlichkeit wurde der bekannte Dichter Jean Paul (1763-1825), der zu dieser Zeit Gast im Schloss der Herzogin von Kurland war. In seinen „Taschenbuch für Damen“ berichtet er:

„So wurde der Schriftsteller Schink […] nach aller der alten Zeiten nachgespielten Zeremoniell und Pomp zum Meistersänger Frauenlob der 2 te in einer öffentlichen allgemeinen Hof- und Krönsitzung ernannr und bekränzt […] Fürstin Pauline und ihre Schwester Wilhelmine und Fräulein v. Gersc[h]au konnten aus dem Tancred, oder ein Stabat mater meisterhaft singen.“

Aufnahme Frauenlobs des 2 ten am 8. September in Löbichau 1819, Aquarell, gemalt von Ernst Welker, Museum Burg Posterstein
Aufnahme Frauenlobs des 2 ten am 8. September in Löbichau 1819, Aquarell, gemalt von Ernst Welker, Museum Burg Posterstein

Musik, Theater und vor allem das Singen waren die großen Stärken der hier erwähnten Emilie von Binzer (1801–1891), einer geborenen von Gerschau. Sie war das Pflegekind der ältesten Tochter Dorotheas, der Herzogin Wilhelmine von Sagan (1781-1839). Gemeinsam verbrachten die beiden Damen viel Zeit auf dem Musenhof der Herzogin von Kurland. 1870 schrieb Emilie, die sich im Laufe ihres Lebens einen Namen als Schriftstellerin gemacht hatte, ihre Memoiren über diese „Drei Sommer in Löbichau“ und berichtet darin auch über ihre Gesangsstunden und ihre musikalische Ausbildung.

Emilie von Gerschau wurde später besser bekannt als Emilie von Binzer oder „Ernst Ritter“. In dieser Karikatur von Ernst Welker ist sie als Spargel dargestellt. Der heitere Spruch darunter lautet: „Den Spargel jeder gerne iszt / Emilie gar zu länglich ist.“
Emilie von Gerschau wurde später besser bekannt als Emilie von Binzer oder „Ernst Ritter“. In dieser Karikatur von Ernst Welker ist sie als Spargel dargestellt. Der heitere Spruch darunter lautet: „Den Spargel jeder gerne iszt / Emilie gar zu länglich ist.“
„Seitdem wir der Kinderbewahranstalt entwachsen waren, behielt sie Wilhelmine von Sagan] uns um sich und versäumte keine Mühe, sparte kein Geld, um uns eine ausgezeichnete Erziehung zu geben; für ihre eigenen Kinder hätte sie nicht sorgsamer sein können …] Sonst hatte sie nicht die mindeste Freude an der Musik, aber an meinen Singstunden nahm sie eifrigen Antheil, sang auch die zweite Stimme mit mir und auch wohl einmal mit meinem alten dicken Lehrer Tomaselli. Dieser war in der besten italienischen Singschule zu Bergamo mit dem berühmten Sopran Merchesi Luigi Marchesi (1754-1829)] und dem Vater des großen Tenoristen David gebildet worden, hatte aber, als er mein Lehrer ward, keine Spur von Stimme mehr, konnte aber Buffo-Duette, zu denen ich kein Talent hatte, noch mit einigem Reiz vortragen, die Oberstimme übernahm dann die Herzogin.“ (Emilie von Binzer, Drei Sommer in Löbichau, 1877.)

Eine gute Stimme sprach Emilie von Binzer ihrer verehrten Pflegemutter Wilhelmine von Sagan aber leider nicht zu. Dennoch schien auch Wilhelmine hinter verschlossenen Türen gern zu singen.

„Sie hatte wohl Stimme, aber keine schöne, und oft schwebte der Ton unter oder über der haarscharfen Linie, die ihm angewiesen ist.“ (Emilie von Binzer, Drei Sommer in Löbichau, 1877.)

Wilhelmine von Sagan, nach Joseph Grassi (1757-1838), Museum Burg Posterstein
Wilhelmine von Sagan, nach Joseph Grassi (1757-1838), Museum Burg Posterstein
Wilhelmines Talent und Leidenschaft war vielleicht nicht das Singen, dafür aber umso mehr das Theater. Verschiedenste Rollen soll sie mit Bravur gespielt haben und bereits mit zehn Jahren durfte auch Emilie an den Theaterstücken der Erwachsenen, wie sie oft in Löbichau aufgeführt wurden, mitwirken.

Wilhelmine nahm ihre Pflegetöchter so oft es ging mit zu Stücken, die auf den großen Bühnen Europas – besonders in Wien – gespielt wurden. Die vielen Reisen der Herzogin von Sagan schärften Emilies Blick für das Musische umso mehr. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Emilie von Binzer sich später – unter dem Pseudonym „Ernst Ritter“ – einen Namen als Schriftstellerin machte. Ihre Dramen „Die Gauklerin“ und „Die Neuberin“ wurden 1846 sogar am Wiener Burgtheater aufgeführt. Den Grundstein dafür legte wohl schon die strenge Ausbildung ihrer Pflegemutter Wilhelmine von Sagan und ihre Aufenthalte am Musenhof ihrer Großmutter.

Von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

Zu Thorvaldsens Weihnachtsfeier gab es den ersten Weihnachtskobold

Neben bunten Krippen aus aller Welt drängen sich derzeit viele kleine, meist rote, skandinavische Weihnachtskobolde auf Burg Posterstein. In Dänemark und Norwegen nennt man sie „Nisser“, in Schweden „Tomte“. Hier haben wir sie schon einmal kurz vorgestellt. Nun soll es darum gehen, was diese Kobolde mit dem berühmten Bildhauer Berthel Thorvaldsen zu tun haben.

Bertel Thorvaldsen: Bertel Thorvaldsen mit der Göttin der Hoffnung, 1859, (ausgeführt von H.W. Bissen nach dem Originalmodellen 1. oktober 1839, inv. nr. Nysø1), inv. nr.: A771, Thorvaldsen Museum, CC0-Lizenz
Bertel Thorvaldsen: Bertel Thorvaldsen mit der Göttin der Hoffnung, 1859, (ausgeführt von H.W. Bissen nach dem Originalmodellen 1. oktober 1839, inv. nr. Nysø1), inv. nr.: A771, Thorvaldsen Museum, CC0-Lizenz
Eigentlich nur ein kleines Detail bei der Recherche skandinavischer Weihnachtsbräuche, das uns aber fasziniert hat: In früheren Jahrhunderten galten „Nisser“ oder „Tomte“ als mehr oder weniger grimmige Untermieter von Bauernhöfen, die es bei Laune zu halten galt. Erst im 19. Jahrhundert, als die Menschen in die Städte zogen, entstand im Bürgertum die Vorstellung vom gemütlichen und freundlichen weihnachtlichen Kobold, der dem Weihnachtsmann bei der Arbeit zur Hand geht. Und hier lässt sich interessanterweise der Bogen zum Postersteiner Lieblingsthema – Salonkultur – schlagen.

Bei einem Weihnachtsfest des dänischen Malers Constantin Hansen 1836 in Rom tauchte laut einem Interview mit Charlotte S H Jensen in der Zeitschrift Videnskab.dk das erste Mal das Bild eines freundlichen „Julenisse“ auf. Dort dekorierte man zum ersten Mal nachweislich mit kleinen Kobolden aus Papier, die um eine Schüssel Milchreis tanzten. Zu Gast waren an diesem Weihnachtsabend auch der Künstler Vilhelm Marstrand und der berühmte Bildhauer Bertel Thorvaldsen.

Constantin Hansen, A Group of Danish Artists in Rome, 1837. 62x74 cm. kms3236, Statens Museum for Kunst
Constantin Hansen, A Group of Danish Artists in Rome, 1837. 62×74 cm. kms3236, Statens Museum for Kunst

In Italien trafen sich in der damaligen Zeit Künstler, Dichter und Denker von Rang und Namen. Im Jahr nach dem oben erwähnten Weihnachtsfest, 1837, malte Constantin Hansen eine Gruppe dänischer Künstler in Rom. Die Männer stehen tief ins Gespräch über die Kunst versunken vor einem Balkon mit der Aussicht auf ihre Hauptinspirationsquelle. Sich selbst portraitierte der Künstler ganz links, Wilhelm Marstrand steht am Balkon (4.v.links). Das Bild gehört zur Sammlung des Statens Museum for Kunst in Kopenhagen.

Vom römisch-dänischen Kobold zum Musenhof Löbichau

Der Bildhauer Thorvaldsen (1770-1844), ständig auf der Reise zwischen Kopenhagen, Italien und anderen europäischen Städten, fertigte bereits Jahre vorher, während eines Italienaufenthalts 1818, zwei Büsten von Wilhelmine von Sagan, der ältesten Tochter Dorothea von Kurlands. Durch eine Liasion mit Metternich konnte sie beim Wiener Kongress maßgeblich mit Einfluss auf die politischen Geschicke der damaligen Zeit nehmen. Sie führte einen Salon in der Wiener Schenkenstraße und einen weiteren in Neapel.

Wilhelmine von Sagan - Gipsbüste nach dem Original von Berthel Thorvaldsen im Museum Burg Posterstein
Wilhelmine von Sagan – Gipsbüste nach dem Original (moderne Frisur) von Berthel Thorvaldsen im Museum Burg Posterstein
Bertel Thorvaldsen: Wilhelmine Benigna Biron, 1818, Afstøbning. Gips. 58 cm, Thorvaldsens Museum, Inv.-Nr.: A811
Die klassische Frisur: Bertel Thorvaldsen: Wilhelmine Benigna Biron, 1818, Afstøbning. Gips. 58 cm, Thorvaldsens Museum, Inv.-Nr.: A811

Thorvaldsen portraiterte die schöne und gebildete Saloniere in zwei Varianten: einmal mit einer klassischen Frisur und einmal mit gelocktem Haar nach der neusten Mode. Von dieser Büste findet sich eine Kopie auch im Museum Burg Posterstein. Der Originaltitel dieser Büste ist „Wilhelmine Benigna Biron, 1818“ und sie wurde offenbar zweimal in Marmor gefertigt. Eine dieser Marmorversionen findet sich in den Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden, die andere im Museo Napoleonico in Rom.

Alle Welt traf sich im schönen Italien

Elisa von der Recke (1754-1833), die Schwester Anna Dorothea von Kurlands, lernte Thorvaldsen bereits 1804 in Rom kennen. Er fertigte eine Marmorbüste und eine Kolossalbüste von der Schriftstellerin. Zwischen 1804 und 1806 reiste Elisa von der Recke mit ihrem Freund, dem Dichter Christoph August Tiedge (1752-1841), durch Italien. Auch von Tiedge entstanden Portraits im gleichen Stil. Beide waren Stammgäste im Musenhof Löbichau. In Dresden führte Recke ihren eigenen Salon.

Bertel Thorvaldsen: Elisabeth von der Recke, 1805-1806, Marmor. 69,3 cm, Thorvaldsens Museum, Inv.-Nr.: A852
Bertel Thorvaldsen: Elisabeth von der Recke, 1805-1806, Marmor. 69,3 cm, Thorvaldsens Museum,
Inv.-Nr.: A852
CC0 Bertel Thorvaldsen: Christoph August Tiedge, 1805-1806, Originalmodel. Gips. 65 cm, Thorvaldsens Museum, Inv.-Nr.: A240
CC0
Bertel Thorvaldsen: Christoph August Tiedge, 1805-1806, Originalmodel. Gips. 65 cm, Thorvaldsens Museum, Inv.-Nr.: A240



















Im Archiv des Thorvaldsen Museum in Kopenhagen gibt es einen Brief von Elisa von der Recke an Berthel Thorvaldsen, datiert auf den 11.8.1810. Er beginnt mit den Zeilen: „Sie lieber Thorvalson gehören zu den Wenigen, von denen ich die schöne Ueberzeugung habe, dass Entfernung des Ortes Ihre Freunden nicht aus Ihrem Gedächtnisse entfernt. Das Andenken der in Ihrem Umgange genossenen Stunden lebt in meiner Seele fort durch herliche Erinnerungen: schenken Sie mir die Freude auch ferner an Ihre fortdauernde Freundschaft glauben zu können. Sorgen Sie dafür, dass meine letzte bei Ihnen abgesetzte Kiste mit den kleinen Marmorbüsten, so bald und so vortheilhaft als möglich, nach Gotha an Herrn Kauffmann Wilhelm Buttstädt für mich gesandt werde.“


Salongeschichte auf Burg Posterstein

Das Buch "Salongeschichten" erscheint zur AusstellungDie drei beschriebenen Personen – Wilhelmine von Sagan, Elisa von der Recke und Christoph August Tiedge – werden auch in der Dauerausstellung des Museums und im aktuellen Buch „Salongeschichten. Paris – Löbichau – Wien“ vorgestellt. Weitere Infos zur Sammlung.



Sonderausstellung „Mit Nisse und Julbock“

Skandinavische Weihnachten & Weihnachtskrippen aus aller Welt - Plakat zur AusstellungDie Ausstellung „Mit Nisse und Julbock: Skandinavische Weihnachten und Weihnachtskrippen auf Burg Posterstein“ läuft noch bis 10. Januar 2016.

Am 12. Dezember, 14-16 Uhr, findet ein Skandinavischer Familiennachmittag mit der dänischen Sammlerin Grethe Astrup statt.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

„Ein Besuch in Löbichau, dem wir mit Spannung entgegensahen“ – Teestunde auf Burg Posterstein

Die Schriftstellerin Emilie von Binzer stellte der Maler Ernst Welker auf Grund ihrer schmalen Statur als Spargel dar.
Die Schriftstellerin Emilie von Binzer stellte der Maler Ernst Welker auf Grund ihrer schmalen Statur als Spargel dar.

Zum Ende der Sonderausstellung „Salongeschichten“ wollen wir den Salon der Herzogin von Kurland wieder aufleben lassen. Zur Finissage am 14. November 2015, 19.30 Uhr, lesen Mitglieder des Museumsvereins Burg Posterstein in verteilten Rollen aus Emilie von Binzers Buch „Drei Sommer in Löbichau“.

Die Enkelin der Herzogin Anna Dorothea von Kurland weilte als junges Mädchen am Musenhof Löbichau. Sie beschrieb in ihrer Rückschau aus dem Jahre 1877 auf lockere und unterhaltsame Art und Weise die Eigenheiten der dort anwesenden Gäste. Über die Familie Körner aus Dresden, die sonst im dortigen Salon der Schwester der Herzogin von Kurland, Elisa von der Recke, einkehrten, notierte sie:

Ein Besuch in Löbichau, dem wir mit Spannung entgegensahen, war der der Familie Körner, des Vaters und der Mutter Theodor’s und dessen Tante Dorchen Stock. […] von Emma [Körner, der Schwester] sagt Parthey: ‚Von schlanker, zierlicher Gestalt bewegte sie sich mit Anmuth und Sicherheit in den ihr fremden Berliner Kreisen; […] Sie sprach wenig, und wenn sie sprach, so fiel uns anfangs der starke Dresdner Accent unangenehm auf, aber diese kleine Störung ward bald überwunden durch die unbewusste Hoheit ihres Wesens, durch den wohltuenden Eindruck ihrer reinen Seele.‘“

Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich Löbichau – nur zwei Kilometer von Posterstein entfernt gelegen – zusammen mit Schloss Tannenfeld zu einem Zentrum des geistig-kulturellen Lebens in Deutschland. Der Musenhof der Herzogin von Kurland in Löbichau gehörte zu den bekanntesten seiner Art. Einflussreiche Staatsmänner, Dichter, Künstler, Bürgerliche und Adlige zählten zu den regelmäßigen Besuchern. Mit einem Augenzwinkern beschreibt Emilie von Binzer beispielsweise wie die lockere Atmosphäre in Löbichau im Handumdrehen in eine Hofhaltung umgewandelt wurde, als sich der Landesherr ankündigte:

„Im Anfang September traf ein Besuch ein, dessen Erscheinung keinen geringen Rumor in Löbichau machte, es war der Herzog von Gotha. Die jungen Herren fürchteten die Langeweile des Tages und wurden nach Altenburg geschickt. Im Handumdrehen war das idyllische Leben in Löbichau in eine Hofhaltung verwandelt; die Herzogin und ihre Töchter warfen sich in Staat, wir zogen unsere kleidsamsten Gewänder an, denn sonst nannte man Löbichau mit Unrecht einen Hof;“

Das Buch "Salongeschichten" erscheint zur Ausstellung
Das Buch „Salongeschichten“ erscheint zur Ausstellung

Im Jahr 2014 konnte das Museum Burg Posterstein über eine Landesförderung und mit Unterstützung der Bürgerstiftung Altenburger Land eine einmalige Sammlung von Portraitzeichnungen der 1819/1820 in Löbichau anwesenden Gäste ankaufen. Die 47 aquarellierten Zeichnungen fertigte bis auf eine der Maler Ernst Welker an. Die Sammlung aus dem Besitz von Emilie von Binzer wurde im Rahmen der Sonderausstellung erstmals publiziert und die dargestellten Personen porträtiert und in den historischen Kontext gestellt. – Den Herzog von Gotha stellte Welker übrigens als Pfau dar.

Die Sonderausstellung „Salongeschichten. Paris – Löbichau – Wien. Gäste im Salon der Herzogin von Kurland im Porträt des Malers Ernst Welker“ endet am 15. November.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Der Herzog kommt nach Posterstein: Eröffnung der Sonderausstellung „Salongeschichten“

Die Sonderausstellung „Salongeschichten: Paris – Löbichau – Wien“ wird am Sonntag, 16. August 2015, 15 Uhr, feierlich eröffnet. Erstmals zeigt das Museum Burg Posterstein eine einmalige Sammlung witziger Portraitbilder von 47 historischen Persönlichkeiten, die 1819/20 als Gäste im Musenhof Löbichau der Herzogin von Kurland in Löbichau den Sommer verbrachten. Die weltgewandte Herzogin legte Wert darauf, Künstler und Schriftsteller zu fördern und stand in Kontakt mit den wichtigsten Persönlichkeiten ihrer Zeit. Zur Eröffnung der Ausstellung erwartet das Museum einen ganz besonderen Gast: Den Herzog von Gotha.

Im Herbst 1820 besuchte August Emil Leopold, Herzog von Sachsen-Gotha und Altenburg (1772–1822) den Musenhof der Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761–1821) im Schloss Löbichau. Der Herzog war eine auffällige Herrscherpersönlichkeit, die sich vor allem als Förderer der Künste und der Wissenschaft hervortat. Im Musenhof Löbichau zog er alle Aufmerksamkeit auf sich.

Der Herzog von Gotha besuchte 1820 den Musenhof der Herzogin von Kurland. Der Maler Ernst Welker portraitierte ihn als stolzen Pfau.
Der Herzog von Gotha besuchte 1820 den Musenhof der Herzogin von Kurland. Der Maler Ernst Welker portraitierte ihn als stolzen Pfau.

Zur gleichen Zeit befand sich der Maler Ernst Welker (1784/88–1857) als Gesellschafter und Zeichenlehrer der späteren Schriftstellerin Emilie von Binzer (1801–1891), einer Enkelin der Herzogin von Kurland, in Löbichau. Er portraitierte neben 46 anderen Löbichauer Gästen auch den Herzog von Gotha auf humoristische Art und Weise in Tiergestalt.

Im Handumdrehen das idyllische Leben in Löbichau in eine Hofhaltung verwandelt

„Welcker traf den Herzog vortrefflich als Pfau.“, notierte Emilie von Binzer Jahrzehnte später in ihrer Rückschau „Drei Sommer in Löbichau“. Während sie diesen humorvollen Rückblick auf ihre Jugend im Löbichauer Salon verfasste, betrachtete sie offenbar noch einmal Welkers Portraitzeichnungen, die sie in einer grünen Schachtel aufbewahrte, und schrieb einige Zeilen zu den dargestellten Personen. Die Ankunft des Herzogs beschrieb sie so:

„Im Anfang September traf ein Besuch ein, dessen Erscheinung keinen geringen Rumor in Löbichau machte, es war der Herzog von Gotha. (…) Im Handumdrehen war das idyllische Leben in Löbichau in eine Hofhaltung verwandelt; die Herzogin und ihre Töchter warfen sich in Staat, wir zogen unsere kleidsamsten Gewänder an, denn sonst nannte man Löbichau mit Unrecht einen Hof; …“ (Emilie von Binzer: Drei Sommer in Löbichau. Stuttgart 1877, S. 98)

2014 konnte das Museum Burg Posterstein aus Finanzmitteln des Freistaates Thüringen und der Bürgerstiftung Altenburger Land genau diese einmalige Sammlung kleinformatiger, aquarellierter Portraitzeichnungen erwerben. Von 16. August bis 15. November 2015 werden sie in der Sonderausstellung „Salongeschichten: Paris- Löbichau – Wien“ erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

Der Herzog kommt zur Eröffnung

Zur Ausstellungseröffnung am 16. August, 15 Uhr, hat sich ein ganz besonderer Gast angekündigt: Der Gothaer Schauspieler Ralph-Uwe Heinz, der sonst unter anderem auf historischen Stadtführungen durch Gotha führt, kommt als Herzog von Gotha zur feierlichen Ausstellungseröffnung. Im Stil des Löbichauer Musenhofs wird er auf kurzweilige und witzige Art und Weise Kostproben aus dem schriftstellerischen Schaffen des Herzogs geben. Unser Teaser zur Ausstellung:

Zum Weiterlesen:
Jana Borath fängt am 3. August in der Ostthüringer Zeitung die Stimmung im Tannenfelder Park ein.
„Da steht mein armes Ich aus Stein“ – Blogpost zur Sonderausstellung
Blogpost zur Geschichte des Schlosses Tannenfeld
Blogpost: Jean Pauls Sommer in Löbichau
Blogpost: Rittergut Löbichau – Zeitweise 300 Gäste gleichzeitig

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Wie eine Himmelsleiter mit Engeln besetzt: Kleine Reise in die Geschichte von Schloss Tannenfeld

Weil sie als Frau selbst keine rechtsfähigen Geschäfte abschließen durfte, kaufte 1794 der Bruder der Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761–1821), Reichsgraf Christoph Johann Friedrich (Jeannot) von Medem (1763–1838), für sie die Gutsherrschaft Löbichau, zu der auch Tannenfeld gehörte. Ein Jahr später richtete die Herzogin in Löbichau ihren Wohnsitz ein und ließ in Tannenfeld den heute noch stehenden klassizistischen Schlossbau mit englischem Park errichten. Anlässlich der kommenden Sonderausstellung „Salongeschichten“ wollen wir zu einer kleinen Reise in die Geschichte Tannenfelds einladen.

Schloss Tannenfeld im Sommer 2011
Schloss Tannenfeld im Sommer 2011 (Foto: Marlene Hofmann)

In dieser idyllischen Anlage wuchs ihre jüngste Tochter Dorothée auf. Als Pächter von Tannenfeld trat der polnische Graf Alexander von Batowski (1760–1841) auf, den die Herzogin Anna Dorothea von Kurland 1790–92 kennengelernt hatte, wo er Abgeordneter des polnischen Sejms war. 1793 kam ihre jüngste Tochter Dorothée zur Welt, die ihr Mann Peter von Biron, Herzog von Kurland (1724–1800), als eigenes Kind anerkannte. Dorothées Heiratsverhandlungen mit Zar Alexander I. und dem Haus Talleyrand führte später Batowski.

Dichter, Denker und Musen spazierten im Park von Tannenfeld

In dem kleinen Schloss spielte sich auch ein Großteil des gesellschaftlichen Lebens des Löbichauer Musenhofs ab. Emilie von Binzer, die als Pflegetochter Wilhelmine von Sagans oft nach Löbichau kam, fing in ihrem Buch „Drei Sommer in Löbichau“das Flair solcher Zusammenkünfte im malerischen Park von Tannenfeld ein: „Das Schlößchen Tannenfeld hatte eine Freitreppe, die oft wie eine Himmelsleiter von weiblichen und männlichen Engeln besetzt war. Dort wurde gelacht, gescherzt, gefühlvoll gesprochen, philosophirt und gefrühstückt.“

Schloss Tannenfeld (Ansichtskarte, Museum Burg Posterstein)
Schloss Tannenfeld (Ansichtskarte, Museum Burg Posterstein)

Auch Johann Wolfgang von Goethe berichtet über einen Besuch in Tannenfeld. Der im 19. Jahrhundert berühmte Dichter Jean Paul (1763–1825) hielt hier Lesungen im Freien. Anna Dorothea von Kurland empfing in ihrem Musenhof in Löbichau einen illustren Kreis von Gästen aus Politik, Literatur, Kunst, Musik und Wissenschaft. Die bedeutendsten Politiker ihrer Zeit traf sie persönlich und erlangte dadurch einen ganz speziellen Anteil an der Gestaltung europäischer Geschichte.

Der Tannenfelder Park, den die Herzogin von Kurland und Graf Batowski im englischen Stil gestalteten, ist in seinen Grundzügen noch heute erhalten. Zu Zeiten der Herzogin gab es einen Bachlauf, sandige Wege, einen kleinen Teich mit Grotte und eine Wiese, die zum Gedenken an den 1800 verstorbenen Herzog von Kurland „Peterswiese“ hieß.

Die Gäste des Musenhofs in Tiergestalt

Das Buch "Salongeschichten" erscheint zur Ausstellung
Das Buch „Salongeschichten“ erscheint zur Ausstellung
Die Besucher verbrachten manchmal Wochen am Musenhof Löbichau. Adlige und Bürgerliche aus dem Umland kamen zu Besuch. Man dichtete und musizierte und die Herzogin legte Wert darauf, als Mäzenin aufstrebende Künstler zu fördern. In der neuen Sonderausstellung „Salongeschichten“ und dem zugehörigen Buch zeigt das Museum Burg Posterstein ab 16. August 2015 erstmalig eine einmalige Sammlung von Portraits der Löbichauer Gäste in Gestalt von wunderlichen, manchmal witzigen Fabelwesen. Gezeichnet hat die Blätter der Maler Ernst Welker (1784/88–1857), der der späteren Schriftstellerin Emilie von Binzer (1801–1891), der Enkelin der Herzogin von Kurland, Zeichenunterricht gab.

Nach dem Tod der Herzogin erbte ihre dritte Tochter Johanna von Acerenza-Pignatelli (1783–1876) Löbichau und Tannenfeld. Die Zeit des Musenhofs war vorbei.

Der Tannenfelder Park ist  wegen seiner exotischen Vegetation und den vielen Rhododendren ein beliebtes Ausflugsziel. (Foto: Marlene Hofmann)
Der Tannenfelder Park ist wegen seiner exotischen Vegetation und den vielen Rhododendren ein beliebtes Ausflugsziel. (Foto: Marlene Hofmann)

Schloss Tannenfeld blieb nach dem Tod der Herzogin weithin ungenutzt und geriet in Vergessenheit bis es 1899 der Nervenarzt Dr. Arthur Tecklenburg (1870–1957) aus Gera kaufte. Er ließ Tannenfeld mit Rücksicht auf die historische Architektur zu einem modernen Sanatorium für Gemüts- und Nervenkranke umbauen. Der Arzt soll auch derjenige gewesen sein, der 1908 die ersten Rhododendren gepflanzt haben. Um weitere Sorten ergänzt wurden diese 1983 durch den „Zentralen Arbeitskreis Rhododendron“.

Der Schriftsteller Hans Fallada in Tannenfeld

Der wohl berühmteste Patient war Rudolf Ditzen (1893–1947), als Schriftsteller bekannt unter dem Pseudonym Hans Fallada (Mehr dazu).

Von 1949 bis 1989 beherbergten die Gebäude in Tannenfeld ein eigenständiges Krankenhaus und später ein Alten- und Pflegeheim. Seit 2004 stehen Schloss und Nebengebäude mit kurzen Unterbrechungen leer und zum Verkauf. Jetzt soll mit Rücksicht auf die historische Anlage ein Pflegezentrum für Demenzkranke entstehen.

Zum Weiterlesen:
Jana Borath fängt am 3. August in der Ostthüringer Zeitung die Stimmung im Tannenfelder Park ein.
„Da steht mein armes Ich aus Stein“ – Blogpost zur Sonderausstellung
Blogpost: Jean Pauls Sommer in Löbichau
Blogpost: Rittergut Löbichau – Zeitweise 300 Gäste gleichzeitig

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Da steht mein Armes Ich von Stein… Salongeschichten aus dem 19. Jahrhundert auf Burg Posterstein

Böttiger185Der bekannte Schriftsteller und Archäologe Carl August Böttiger (1760–1835) weilte häufig als gern gesehener Gast am Musenhof der Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761–1821) in Löbichau. Der Oberinspektor der Altertumsmuseen in Dresden stand nicht nur mit Goethe und Schiller in regem Briefwechsel, sondern auch mit der Schriftstellerin Elisa von der Recke (1754–1833) – der Halbschwester der Herzogin von Kurland. 1819 oder 1820 portraitierte ihn der Maler Ernst Welker (1784/88–1857) als Torso aus Stein und setzte darunter den Zweizeiler:

Da steht mein armes Ich von Stein
Und tränke gern ein Gläschen Wein.

Ernst Welker kam als Gesellschafter und Zeichenlehrer der späteren Schriftstellerin Emilie von Binzer (1801–1891), damals noch Emilie von Gerschau, nach Löbichau. Diese wiederum reiste zusammen mit ihrer Tante und Pflegemutter Wilhelmine von Sagan (1781–1839), der ältesten Tochter der Herzogin.

Geistiges Zentrum für einen Wimpernschlag der Geschichte

Ende des 18. Jahrhunderts war das kleine Löbichau – nur zwei Kilometer von Posterstein entfernt gelegen – zusammen mit Schloss Tannenfeld ein Zentrum des geistig-kulturellen Lebens in Deutschland. Der Musenhof der Herzogin von Kurland gehörte zu den bekanntesten seiner Art. Einflussreiche Staatsmänner, Dichter, Künstler, Bürgerliche und Adlige zählten zu den regelmäßigen Besuchern.

In der zwanglosen, künstlerischen Atmosphäre dieses Musenhofs müssen Ernst Welker und seine Schülerin Emilie von Gerschau (Binzer) sich den Spaß gemacht haben, von insgesamt 46 Salongästen sowie der Herzogin aquarellierte Portraits in Gestalt von Tieren oder Gegenständen mit Menschenkopf zu fertigen. Spruch und Bild nehmen mal witzig, mal banal Bezug auf die jeweilige historische Persönlichkeit.

Einmalige Portraits – erstmals öffentlich gezeigt

Im Jahr 2014 konnte das Museum Burg Posterstein diese einmalige Sammlung von Portraitzeichnungen der 1819/1820 in Löbichau anwesenden Gäste ankaufen. Die Sammlung aus dem Besitz von Emilie von Binzer wird in der Sonderausstellung „Salongeschichten“ (16. August bis 15. November 2015) und in der zugehörigen Publikation erstmals gezeigt. Die dargestellten Personen werden portraitiert und in den historischen Kontext gestellt.

In ihrem späten Rückblick auf ihre Zeit in Löbichau, dem Buch „Drei Sommer in Löbichau“ aus dem Jahr 1877, beschreibt Emilie von Binzer die anwesenden Gäste ungeschönt, aber doch gutmütig. Über Hofrath Böttiger notierte sie Folgendes:

„Der Archäolog Böttiger war keine anziehende Erscheinung; so wenig er Tieck gefallen hatte, ebenso wenig gefel er Goethe. Dieser sagte einst Jemanden, der es mir wieder erzählt hat: ‚Ich sah auf der Wiese in Karlsbad eine Gestalt, und dachte bei mir: welche Aehnlichkeit mit Böttiger! Endlich kommt sie näher, und ich sehe, daß er es selbst ist. Gottlob, rief ich aus, so existiert er doch nur einmal.’ Frau von der Recke und Tiedge aber waren nicht der Ansicht und hielten ihn hoch […].“ (Emilie von Binzer: Drei Sommer in Löbichau, Stuttgart 1877, S. 89)

Die Eröffnung der Ausstellung findet am 16. August 2015, 15 Uhr, auf Burg Posterstein statt.

Cover_salon_2-214x300Katalog zur Ausstellung:
Salongeschichten. Paris – Löbichau – Wien. Gäste im Salon der Herzogin von Kurland im Porträt des Malers Ernst Welker, Museum Burg Posterstein, 2015. 120 Seiten, farbig, ISBN 978-3-86104-094-1, 15 Euro.



Zum Weiterlesen:
Schloss Löbichau
Hans Fallada & Schloss Tannenfeld
Jean Pauls Sommer in Löbichau

(Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein)

2015 zelebriert das Museum Burg Posterstein ein Lieblingsthema im großen Stil

Sie war schön, gebildet, elegant, wortgewandt und weltoffen. Nach der unglücklchen Ehe mit dem 37 Jahre älteren Herzog kaufte die selbstbewusste Adlige aus dem heutigen Lettland 1794 ein Landgut in der Nähe der Burg Posterstein und ließ die klassizistischen Schlösser Löbichau und Tannenfeld errichten. Ihr kultureller und politischer Salon, der Musenhof Löbichau, avancierte zu einem der bekanntesten seiner Zeit und zog illustre Gäste aus ganz Europa an.

Die Forschung über die Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761-1821) liegt dem Museum Burg Posterstein seit über 25 Jahren besonders am Herzen. Bei der #MuseumWeek geht es heute um #favoritesMW – und Anna Dorothea zählt ganz klar zu unseren Forschungsfavoriten.

Das kleine Löbichau – für Jahrzehnte in der Mitte Europas

Die Löbichauer Sommerresidenz Anna Dorothea von Kurlands lag aus damaliger Sicht günstig, wenn man sich auf dem Weg von Berlin nach Wien oder von Paris ins schöne Karlsbad befand – und Gäste waren immerzu willkommen. Die weltgewandte Herzogin verfügte über hervorragende Kontakte in die höchsten gesellschaftlichen Kreise Europas. Sie weilte als Gast an den Höfen in Berlin, Warschau, Neapel, St. Petersburg, Wien und Paris, eine Privataudienz beim Papst nicht zu vergessen.

Schloss Löbichau ((c) Museum Burg Posterstein)
Schloss Löbichau (Museum Burg Posterstein)

Der weibliche Anteil an der Gestaltung der europäischen Geschichte im 19. Jahrhundert

Anna Dorothea von Kurland war bekannt mit den einflussreichsten Männern ihrer Zeit: Metternich, Alexander I., Friedrich Wilhelm III., Napoleon und Talleyrand kannte sie persönlich. Dieser Umstand ermöglichte ihr einen ganz speziellen Anteil an der Gestaltung europäischer Geschichte.

25 Jahre Forschung neu präsentiert

Die Herzogin als treuer Pudel - eine Zeichnung von Ernst Welker (Museum Burg Posterstein)
Die Herzogin als treuer Pudel – eine Zeichnung von Ernst Welker (Museum Burg Posterstein)
Die Herzogin als treuer Pudel – eine Zeichnung von Ernst Welker (Museum Burg Posterstein)[/caption]2015 jährt sich nicht nur der Wiener Kongress, den die politisch interessierte Herzogin mit Interesse verfolgte, zum 200. Mal. Das Museum Burg Posterstein möchte in diesem Sommer auch die bestehende Dauerausstellung zum Musenhof Löbichau und der Salonkultur Europas neu arrangiert und modernisiert präsentieren. Vorhandene Forschungsergebnisse sollen langfristig auf einer selbstständigen digitalen Plattform einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Gleichzeitig präsentiert das Museum die 2014 über eine Landesförderung und mit Unterstützung der Bürgerstiftung Altenburger Land erworbene einmalige Sammlung von Portraits der 1819 in Löbichau anwesenden Gäste – 47 aquarellierte Zeichnungen von Ernst Welker (1788-1857) und Emilie von Binzer (1801-1891) – in der Sonderausstellung „Salongeschichten“.

Ausführliche Informationen zur Forschung über den Musenhof Löbichau gibt es auf der Website des Museums.

Hier findet ihr die neusten Tweets & Statistiken zur #MuseumWeek.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein