Thüringer Keramik mit Ecken und Kanten – Ausstellung von Angelika Kühn von Hintzenstern

Die Keramik-Ausstellung „Mit Ecken und Kanten – 45 Jahre Keramikwerkstatt Angelika Kühn von Hintzenstern“ ist nur noch bis 20. August 2017 im Museum Burg Posterstein zu sehen. Die Keramikerin aus Kühdorf bei Greiz feiert im Jahr 2017 ihr 45-jähriges Werkstattjubiläum. Das Museum Burg Posterstein präsentiert einen Querschnitt durch ihr unkonventionelles Werk – als Sonderschau und als Katalog.

Keramik mit Klang: Blick in die Keramik-Ausstellung im Museum Burg Posterstein.
Keramik mit Klang: Blick in die Keramik-Ausstellung im Museum Burg Posterstein.

Eckige Vasen, besondere Technik

Reliefs, Gefäßskulpturen, Scheibenplastik aus unregelmäßigen Platten und kantige Gefäße sind die Markenzeichen der Keramik von Angelika Kühn von Hintzenstern. Die Keramikerin fertigt ihre Objekte und Reliefs ohne Benutzung der traditionellen Töpferscheibe. Stattdessen walzt sie das Material aus und setzt die entstanden Platten zusammen. In einer Klanginstallation, die sie gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Musiker Matthias von Hintzenstern, für die Postersteiner Ausstellung produzierte, gibt Angelika Kühn von Hintzenstern Einblicke in ihre Arbeitsweise und ihr künstlerisches Werk.

Eigenwillig, sinnlich und überzeugend

Der langjährige Direktor des Geraer Museums für Angewandte Kunst und renommierte Keramikspezialist Hans Peter Jakobson schreibt im Ausstellungskatalog über das Schaffen der Keramikerin Angelika Kühn von Hintzenstern.

Hans Peter Jakobson und Angelika Kühn von Hintzenstern bei der Ausstellungseröffnung im Museum Burg Posterstein.
Hans Peter Jakobson und Angelika Kühn von Hintzenstern bei der Ausstellungseröffnung im Museum Burg Posterstein.

„Angelika Kühn von Hintzenstern ist aus der zeitgenössischen thüringischen Keramikszene nicht mehr wegzudenken. Seit Jahren geht sie erfolgreich ihren eigenen gestalterischen Weg […] Erfolg misst sich dabei weniger in kommerziellen Kategorien als vielmehr an künstlerischer Schöpferkraft, an der Anerkennung und Wertschätzung eines treuen, kenntnisreichen und aufgeschlossenen Freundeskreises sowie der Achtung ihrer Kollegen. Darin findet sie immer wieder Bestätigung und wird bestärkt, sich konsequent in ihrer unverwechselbaren Weise künstlerisch auszudrücken. Dies geschieht unspektakulär mit der ihrem Naturell entsprechenden heiteren Gelassenheit. Eine „Leichtigkeit des Seins“, die ihre Schöpfungen ausstrahlen, ist jedoch alles andere als selbstverständlich, zufällig oder willkürlich; sondern Ergebnis eines langen und beharrlichen Schaffensprozesses, den die Künstlerin als gleichwohl fordernd wie ausgesprochen lustvoll empfindet. Der Weg zur gegenwärtigen Klarheit und Gewissheit des gestalterischen Wollens ist durch mehrere aufeinander aufbauende Entwicklungsstufen nachvollziehbar.“

(Hans Peter Jakobson im Katalog zur Ausstellung)

Die Keramik von Angelika Kühn von Hintzenstern entsteht nicht auf der Töpferscheibe. (Foto: Ulrich Fischer)
Die Keramik von Angelika Kühn von Hintzenstern entsteht nicht auf der Töpferscheibe. (Foto: Ulrich Fischer)

Zu den Lehrern von Angelika Kühn von Hintzenstern zählten Dietrich Kleinschmidt in Saalfeld und Christine Freigang in Bürgel. Seit den 1970er Jahren entstehen keramische Arbeiten in Plattentechnik. 1991 eröffnete sie die eigene Galerie „Schulstube“ und Ende der 1990er Jahre war sie in Leipzig zusammen mit den Keramikern Ute Klötzer und Ludwig Laser in einer Autorengalerie vertreten. Angelika Kühn von Hintzenstern zählt zu den Gründern des Greizer Kunstvereins. Seit 2004 lässt sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Matthias von Hintzenstern „Raum-Klang-Licht“ Installationen entstehen. In Posterstein war sie zuletzt 2008 zusammen mit ihrem Ehemann sowie den beiden Geraer Künstlern Barbara Toch und Wolfgang Schwarzentrub in der Ausstellung „Im Zwischenraum – Vier Künstler im Dialog mit den Räumen der Burg Posterstein“ zu sehen.

Bericht des TV-Journalisten Gunter Auer über die Ausstellung auf Burg Posterstein:

Der Katalog zur Ausstellung:

Das Buch zur Ausstellung: Mit Ecken und Kanten
Das Buch zur Ausstellung: Mit Ecken und Kanten
Mit Ecken und Kanten – Angelika Kühn von Hintzenstern – 45 Jahre Keramikwerkstatt,
40 Seiten, farbig, Museum Burg Posterstein 2017, 10 Euro

Blogpost von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Eine Ausstellung voller Überraschungen – und wozu Druckfehler gut sein können

Ein Holzschnitt aus der in Posterstein gezeigten Biblia Latina Vulgata von 1519, die zur MuseumWeek Aufsehen erweckte.
Ein Holzschnitt aus der in Posterstein gezeigten Biblia Latina Vulgata von 1519, die zur MuseumWeek Aufsehen erweckte.

Das 500. Jubiläum der Reformation ist in diesem Jahr allgegenwärtig. Zu diesem Anlass zeigt auch das Museum Burg Posterstein bis 31. Dezember 2017 eine kleine Kabinettausstellung „Das besondere Exponat zur Reformation: Kostbare Bibeln und das Rollbild “Der Leipziger Festzug zur Reformationsfeier 1830”“. Im Zuge der #MuseumWeek stellte die Burg bereits die kleine, aber feine Sammlung an Bibeln vor, die den Besuchern in den Räumen der ständigen Ausstellung gezeigt werden. Dieser Blogpost führte letztlich zu neuen Erkenntnissen!

Das besondere Exponat der Ausstellung ist ein Rollbild aus der Hand des Leipziger Künstlers Christian Gottfried Heinrich Geißlers (1770-1844). Auf 32 kolorierten Radierungen, die miteinander verklebt und auf einem Holzzylinder aufgerollt wurden, zeigt der Künstler den Festtagsumzug der Stadt Leipzig zum Jubiläum der Confessio Augustana im Jahr 1830.

Länger als gedacht: Das Rollbild von Heinrich Geißler zum Leipziger Festzug zur Reformationsfeier von 1830 aus dem Bestand des Museums Burg Posterstein.
Länger als gedacht: Das Rollbild von Heinrich Geißler zum Leipziger Festzug zur Reformationsfeier von 1830 aus dem Bestand des Museums Burg Posterstein.

Die erste Überraschung: Ein Rollbild, das länger war als gedacht

Um den Besuchern das gesamte Exponat zeigen zu können, wurde das Rollbild im Vorfeld der Ausstellung digitalisiert und kann nun auf einem kleinen Bildschirm in der Ausstellung in Gänze bestaunt werden. Im Zuge dieser Arbeit erlebten wir die erste Überraschung. Das Rollbild, von dem einige Exemplare aus anderen Häusern wie dem Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig bekannt sind, wurde bis dato mit einer Gesamtlänge von zehn Metern betitelt. Es stellte sich schnell heraus, dass diese Maße nicht mit dem Postersteiner Exemplar übereinstimmen konnten. Eine Messung ergab schließlich eine Länge von rund 18 Metern – es hat sozusagen fast die doppelte Größe als zuvor angenommen.

Museumsdirektor Klaus Hofmann mit Uwe Buchheim und dessen Schenkung.
Museumsdirektor Klaus Hofmann mit Uwe Buchheim und dessen Schenkung.

Die zweite Überraschung: Ein Geschenk zur Ausstellungseröffnung

Zur Ausstellungseröffnung am Internationalen Museumstag schenkte der Sammler Uwe Buchheim, der einige seiner seltenen Bibeln für die Sonderschau zur Verfügung stellt, dem Museum Burg Posterstein ein Aquarell des Malers Ernst Welker (1784/88–1857). Welker kam 1819 und 1820 als Zeichenlehrer mit Wilhelmine von Sagan an den Musenhof der Herzogin von Kurland nach Löbichau. Bereits 2015 konnte das Museum Burg Posterstein in der Sonderausstellung „Salongeschichten: Paris – Löbichau – Wien“ eine einmalige Sammlung an Zeichnungen präsentierten, die Welker und Emilie von Binzer, die Ziehtochter Wilhelmine von Sagans, in Löbichau anfertigten. Dargestellt sind die Gäste des Musenhofs in karikativer Art und mit witzigen Sprüchen versehen. Das Aquarell, das Uwe Buchheim dem Museum zum Internationalen Museumstag überreichte, fügt sich somit wunderbar in die Sammlung des Museums. Genaue Infos gibt es hier.

Überraschung Nummer Drei: Neue Erkenntnisse durch die #MuseumWeek

Unter dem Hashtag #BooksMW veröffentlichte das Museum einen Blogbeitrag zur Kabinettausstellung und zu zwei ganz besonderen Bibeln der kleinen Sonderschau. Dabei handelt es sich zum einen um eine Altenburger Bibel aus dem Jahr 1676. Zum anderen um eine Biblia Latina Vulgata aus dem Jahr 1519. Letztere stammt aus Lyon und weist eine starke Ähnlichkeit mit einer Bibelausgabe auf, die sich im Besitz der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart befindet. Texttypus und Holzschnitte stimmen überein. Da dem Postersteiner Exemplar aber kein Deckblatt erhalten geblieben ist, konnten keine genauen Angaben gemacht werden. Doch es folgte die Überraschung! Über die #MuseumWeek auf den Blog aufmerksam geworden, meldeten sich die Experten des Bibelmuseums der Universität Münster bei uns.

Auf einer der letzten Seiten ist dem Drucker ein Fehler unterlaufen - auf diesem Bild sieht man die entsprechende Seite aus dem Postersteiner Exemplar.
Auf einer der letzten Seiten ist dem Drucker ein Fehler unterlaufen – auf diesem Bild sieht man die entsprechende Seite aus dem Postersteiner Exemplar.

Der Teufel steckt im Detail – Von Druckfehlern und neuen Erkenntnissen

Dr. Jan Graefe, Leiter des Bibelmuseums in Münster, bemerkte den Blogbeitrag der Burg Posterstein und wandte sich mit einer interessanten Anfrage an das Museum. Im Bestand des Bibelmuseums befindet sich eine Mareschal-Bibel, die ebenfalls aus Lyon stammt. Das Exemplar aus Münster wurde im Jahr 1514 gedruckt. Das Titelblatt fehlt, aber das Werk weist einen erstaunlichen Fehler auf. Auf einer der letzten Seiten ist zu lesen: „[…] in officina Jacobi marechal […] Anno d[omi]ni decimo quarto supra millesium Duodecimo Kalendas Aprilis.“ Mit anderen Worten: Die Bibel wurde von Jacobus Mareschal am 21. März 1014 gedruckt. Ein kleiner Fehler im Latein des Druckers löscht hier spontan 500 Jahre Geschichte aus.

Dr. Graefe fragte an, ob die Biblia Latina Vulgata, die zurzeit in Posterstein gezeigt wird, ebenfalls eine Mareschal-Bibel ist und ob sich dieser Druckfehler von 1514 auch in der Ausgabe von 1519 fände oder im Laufe der Jahre korrigiert worden ist.

Die in Posterstein ausgestellte Biblia Latina Vulgata aus dem Jahr 1519.
Die in Posterstein ausgestellte Biblia Latina Vulgata aus dem Jahr 1519.

Mit diesem Hinweis konnte das Museum folgende Entdeckung machen: Es handelt sich bei der in Posterstein ausgestellten Bibel tatsächlich um eine Mareschal-Bibel aus dem Jahr 1519. Der Vergleich mit dem Digitalisat der Württembergischen Landesbibliothek ergab, dass das Stuttgarter Exemplar und das Postersteiner aus derselben Zeit stammen: vom 16. Oktober („Decimoseptimo Kalendas Novembris“) 1519. Der kuriose Druckfehler wurde bis dahin nicht korrigiert! Auch in der Postersteiner Ausgabe ist zu lesen: Anno „Decimonono supra millesium“ (1019).

Dr. Graefe klärte schließlich auf:

„In der (Erst-) Ausgabe von 1510 findet sich bezüglich des Druckjahres noch korrekt ‚quingentesimum‘. Ab der Ausgabe von 1514 findet sich der Druckfehler (bei uns und in der Stuttgarter Sammlung). Die letzte Ausgabe dieser Bibel scheint Eure Bibel von 1519 zu sein. Jacobus Mareschal d. Ä. bzw. ‚Jacobus Mareschal‘ druckt in den Folgejahren weitere lateinische Bibeln, aber anscheinend andere Ausgaben, bei denen dieser Fehler sich nicht wiederholt.“

Erst durch den Kontakt mit dem Bibelmuseum der Universität Münster konnte eindeutig geklärt werden, um was für eine Biblia Latina Vulgata es sich in Posterstein handelt. Sie konnte dadurch genau datiert und mit einem gut erforschten Exemplar verglichen werden.

Von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

#Kinderburg: Stelzen selbstgemacht – eine Anleitung zum Spielen wie im Mittelalter

Schon die Kinder im Mittelalter sind zum Zeitvertreib auf Stelzen gegangen. Das Prinzip ist ganz einfach: Versuche vorsichtig auf diesen verlängerten „Beinen“ zu gehen. Ein Spielzeug, das man auch ganz einfach selbst basteln kann. Hier im Kinderblog geben wir eine Anleitung!

Im Sommerferienprogramm erklären wir, was Kinder im Mittelalter gespielt haben. Natürlich darf man die Spiele selbst ausprobieren!
Im Sommerferienprogramm erklären wir, was Kinder im Mittelalter gespielt haben. Natürlich darf man die Spiele selbst ausprobieren!

Seit dem späten Mittelalter sind Stelzen bekannt, die so aussahen wie heute. Die Kinder bewegten sich auf keilförmigen Standbrettern vorwärts. Zuvor stellte man solche Spielzeuge wahrscheinlich aus Ästen her. Die landeten nach dem Gebrauch vermutlich im Feuer. Daher sind sie den Forschern nicht erhalten geblieben. Aber wenn du möchtest, kannst du sie nachbauen!

Du brauchst:

2 stabile Äste mit Gabelung, die dir mindestens bis unter die Arme reichen

Stabilen Bindfaden

Ein Maßband

Vielleicht ein Werkzeug zum Sägen und Schleifpapier

Anleitung zum Bau von Stelzen: 

  1. Miss die Länge von deinen Füßen bis unter deine Arme. So lang müssen deine Stelzen am Ende werden.
  2. Schaue am besten im Wald nach abgebrochenen Ästen. Wenn du zwei passende Äste gefunden hast, säge sie so zurecht, dass die Länge zu deiner Größe passt. Lass dir dabei unbedingt von einem Erwachsenen helfen! Und denk daran: Diese Äste müssen so dick sein, dass sie dein Gewicht tragen können! Die Äste sollten mindestens 15 Zentimeter unterhalb ihrer Gabelung abgesägt werden. Die Gabelung sollte insgesamt mindestens 30 cm vom Boden aufragen.
  3. Hast du zwei stabile Äste vor dir liegen, nimm den Bindfaden und wickle ihn mehrfach in Form einer 8 um die Gabelung und den Hauptast. Das werden später deine Trittflächen. Prüfe, ob die Wickelung dein Gewicht stabil tragen kann und verknote am Ende alles fest.
  4. Nun musst du nur noch mit einem Stück Sandpapier deine Stelzen an den Enden und an hervorragenden Stellen gut abschleifen. Dann kannst du dich auch nicht am Holz reißen.

Und fertig sind deine eigenen mittelalterlichen Stelzen!

Sommerferien auf Burg Posterstein

Was spielten kleine Ritter und Prinzessinnen? Weil in den Schulferien so viel Zeit zum Spielen bleibt, dreht sich das Sommerferienprogramm bis 11. August 2017 auf Burg Posterstein um mittelalterliche Spiele und Spielzeug. Ab 1. Oktober 2017 zeigen wir die Familienausstellung „Die Kinderburg – Auf den Spuren von Rittern und Salondamen“, in der Geschichte spielerisch erklärt wird.

Einfach & nachhaltig: Und weil das ein ganz einfaches, ressourcenschonendes Spielzeug zum Selbermachen ist, wollen wir den Beitrag gern bei der grünen Linkparade „einfach. nachhaltig. besser. leben.“ teilen.

#HeritageMW: Gemeinsam nicht einsam: Vom neuen Leben auf dem Burgberg Posterstein – Teil III

Es ist schon fast eine Tradition geworden, dass das Museum Burg Posterstein zur #MuseumsWeek die Entwicklungen auf dem Burgberg zum Thema nimmt und einen Blick auf das Projekt „Gemeinsam nicht einsam- neues Leben auf dem Land“ wirft. Und es hat sich einiges getan!

Seit Sommer 2016 laufen die Arbeiten am historischen Herrenhaus des ehemaligen Rittergutes Posterstein. Das Zukunftsprojekt „Gemeinsam nicht einsam – neues Leben auf dem Lande“ wird vom Amt für Landentwicklung und Flurneuordnung Gera mit Fördermitteln der integrierten ländlichen Entwicklung, hier Dorferneuerung/Dorfentwicklung, unterstützt. Der Fördermittelbescheid über 1,8 Millionen Euro wurde am 17. August offiziell überreicht. Gefördert wird das Projekt auch vom Freistaat Thüringen und dem Bund.

Seit diesem ersten großen Schritt wurde fleißig gebaut. Der gesamte Dachstuhl ist saniert, das Dach neu gedeckt, neue Fenster wurden eingesetzt und die neuen Wohnung nehmen Form an.

Offenes Herrenhaus Posterstein am Internationalen Museumstag 2017
Offenes Herrenhaus Posterstein am Internationalen Museumstag 2017

Projekt „Gemeinsam nicht einsam“: Wie der Stein ins Rollen kam

Seit 1993 stehen die verbliebenen Gebäude des Postersteiner Ritterguts, direkt neben der Burg Posterstein, leer. Am 14. Oktober 2015 gründete sich der Förderverein Burgberg Posterstein e.V. und kaufte die Gebäude mit dem Ziel zurück, diese zu sanieren und eine nachhaltige Nutzung für sie zu finden. Das Herrenhaus des ehemaligen Ritterguts Posterstein wurde im Zuge der Bodenreform 1945 enteignet. Erstmalig bot sich 2015 die Chance zum Rückkauf des Herrenhauses sowie der verbleibenden Rittergutsgebäude. Mit Geldern der Thüringer Staatskanzlei wurde eine Machbarkeitsstudie für die Realisierung des Konzepts „Gemeinsam nicht einsam“ in Auftrag gegeben. Parallel kam die Notsicherung des Gebäudes im Gange.

Das Rittergut Posterstein um 1900, Museum Burg Posterstein
Das Rittergut Posterstein um 1900, Museum Burg Posterstein

Die Gemeinde Posterstein möchte das historische Herrenhaus bis 2018 in mehreren Bauabschnitten sanieren und ausbauen. Es soll eine Nutzungsmischung aus Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Tourismus entstehen, darunter acht Wohnungen, zwei Ferienwohnungen, ein Treffpunkt für Vereine und vieles mehr.

Das Gut, auf dem Hans Fallada das Kartoffelzüchten lernte

Die Geschichte des Postersteiner Ritterguts ist eng verknüpft mit der der Burg Posterstein. Die letzten Rittergutsbesitzer (1833-1945) waren die Familie Herrmann. Ein berühmter „Eleve“ in dem landwirtschaftlichen Betrieb war von 1913 bis 1915 Rudolf Ditzen, der hier seine Ausbildung zum Landwirt – mit Spezialisierung auf die Kartoffelzüchtung – absolvierte. Viel bekannter ist der spätere Schriftsteller unter seinem Künstlernamen Hans Fallada.

Führung im historischen Herrenhaus zum internationalen Museumstag 2017.
Führung im historischen Herrenhaus zum internationalen Museumstag 2017.

Während der beiden Weltkriege wurde Posterstein nicht zerstört. Dennoch endete der Zweite Weltkrieg mit der bislang schwerwiegendsten Veränderung: Die Grundherrschaft Posterstein hörte auf zu bestehen. Mit der Durchsetzung der Bodenreform in Thüringen wurde am Anfang des Jahres 1946 das 192 Hektar große Rittergut enteignet, die Grundfläche aufgeteilt und Teile der Wirtschaftsgebäude abgerissen. Der letzte Rittergutsbesitzer Kurt Herrmann (1905-1986) siedelte nach der Ausweisung zwangsweise nach Westdeutschland um. In Burg und Herrenhaus quartierte man nach Kriegsende zunächst Flüchtlinge ein, die ihr Hab und Gut im Osten verloren hatten. Später wurde im Herrenhaus ein Kinderheim (1956-1992) und in der Burg ein Museum eingerichtet.

Ein Fundstück unter den Dielen

Bevor die Familie Herrmann das Rittergut Posterstein 1833 kaufte, gehörte es der Familie Flemming. Der kursächsische Generalfeldmarschall und Reichsgraf Jakob Heinrich von Flemming (1667–1728) hatte 1724 die Besitzungen Posterstein und Vollmershain für 124 000 Taler gekauft. Obwohl die Familie Flemming in Posterstein nur sehr wenig Zeit verbrachte, wurden doch erhebliche Investitionen getätigt. Den Familienbesitz führte sie bis 1833 weiter.

Während der Bauarbeiten unter den Dielen gefunden: Ein Dokument von 1730.
Während der Bauarbeiten unter den Dielen gefunden: Ein Dokument von 1730.

Aus dieser Zeit stammt auch ein außergewöhnliches Fundstück, dass die Arbeiten am Dachstuhl des Herrenhauses zu Tage förderten: Ein Schriftstück, das auf das Jahr 1730 datiert ist.

Das Dokument hat die Maße 20 x 32 cm, trägt das Siegel des Gerichtsinspektors Christian Schmidt und umfasst insgesamt vier Blätter. Dennoch scheint es ein Fragment zu sein. Auf der ersten Seite ist die Nummerierung „No: II.“ zu lesen. Ein möglicher erster Teil blieb allerdings bisher unentdeckt. Bei der gefunden Urkunde handelt es sich um die Abschrift eines Vergleichs von 1677 zwischen Georg Dietrich von Pflugk (1640–1705) auf Posterstein, und Marie Elisabeth von Schleinitz, geborene Bünau, auf Blankenhain.

Die Urkunde beinhaltet eine Vereinbarung der beiden Partein über das Schank- und das Wegerecht auf den Geleitsstraßen unter Pflugks Aufsicht und über ein entsprechendes Wegegeld. Die Abschrift ist vom Gerichtsinspektor Christian Schmidt beglaubigt, gesiegelt und auf „Blankenhayn, den 12.Jul. 1730“ datiert. Das Original vom „29. Jan: Anno 1677“ wurde laut Schmidt „Wort zu Wort“ übertragen.
Dieses außergewöhnliche Zeugnis der Postersteiner Geschichte blieb bis jetzt das einzige Fundstück seiner Art.

Die Umgestaltung des Burgbergs ist in vollem Gange

Die Besucher von Posterstein können den Fortschritt des Bauprojekts direkt vor der Burg deutlich sehen. 2017 steht der Innenausbau im Fokus. Das Zukunftsprojekt ist vom Thüringer Ministerium für Infrastruktur ausgewählt als eines von vier „Modelprojekten der Regionalentwicklung – Daseinsvorsorge im demografischen Wandel“. Die Fördermittel stehen bereit und die Umsetzung beginnt. So rückt das Ziel des Vorhabens, den Burgberg wieder mit Leben zu erfüllen, eine Nutzungsmischung aus Wohnen, Arbeiten und Freizeit/Tourismus zu etablieren und so Posterstein als Wohn-, Arbeits-, Sozial-, und Kulturraum zu erhalten und weiter zu entwickeln in immer greifbarerer Nähe.

Von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

#BooksMW: Das Buch der Bücher

Die Spezialbibliothek des Museums Burg Posterstein verfügt über einen Bestand von über 7000 Büchern und Handschriften, von denen etwa 650 Bände aus dem 16. bis 19. Jahrhundert stammen. Die Grundsätze des Bestandsaufbaus zielen dabei auf den regionalen Bezug und auf regionalgeschichtliche Forschungen ab. Zur #MuseumWeek und im Lutherjahr zeigen wir einige besondere Bibeln.

Zum 500. Jubiläum der Reformation zeigt das Museum Burg Posterstein eine kleine Kabinettausstellung zum Thema „Das Buch der Bücher“. Dem Besucher wird eine feine Auswahl an kostbaren Bibeln gezeigt, die zum einen aus der umfangreichen Bibliothek des Museums stammen. Ein zweiter Teil wurde dem Museum vom Sammler Uwe Buchheim für die Ausstellung als Leihgabe zur Verfügung gestellt.

Biblia Latina Vulgata aus dem Jahr 1519

Als besondere Kostbarkeiten werden eine Biblia Latina Vulgata aus dem Jahr 1519 (Ausgabe der lateinischen Bibel) und eine Altenburger Bibel aus dem Jahr 1676 gezeigt.

Die ausgestellte Biblia Latina Vulgata stammt wahrscheinlich aus Lyon, das um 1500 besonders für jene Drucke der lateinischen Bibel bekannt und berühmt war. Texttypus und die abgebildeten Holzschnitte des Postersteiner Exponates stimmen mit einer Bibelausgabe aus Stuttgart überein, die sich im Besitz der Württembergischen Landesbibliothek befindet und vor einiger Zeit in der Forschung für Aufruhr sorgte.

Biblia Latina Vulgata, Lyon um 1519, Museum Burg Posterstein
Biblia Latina Vulgata, Lyon um 1519, Museum Burg Posterstein

Die in jenem Stuttgarter Exemplar niedergeschrieben Notizen schienen dem Reformator Martin Luther persönlich zugeordnet werden zu können. Eine intensive Forschung ergab, dass es sich dabei wohl nicht um die Handbibel Luthers gehandelt habe, der Verfasser der Notizen wohl aber Zugang zu ungedruckten Schriften Luthers gehabt haben muss.

Zwar lassen sich in der Vulgata, die in Posterstein ausgestellt wird, ebenfalls handschriftliche Notizen finden. Diese stammen allerdings aus späteren Jahren. Dennoch ist es wahrscheinlich, dass sowohl die Stuttgarter Biblia Latina Vulgata als auch das Postersteiner Exponat den selben Ursprung haben.

Luther übersetzte die Heilige Schrift während seines Aufenthaltes auf der Wartburg 1521/22 in einer außerordentlichen Geschwindigkeit. Zwischen dem griechischen Grundtext und der fertigen deutschen Übersetzung nimmt der damals gebräuchliche lateinische Text der Vulgata eine unterstützende Brückenfunktion ein. Luther muss demnach ein ähnliches Exemplar für seine deutsche Version mitverwendet haben.
(Lesetipp zum Forschungsstand des Stuttgarter Exemplars)

Eine seltene Altenburger Bibel

Die zweite Kostbarkeit der Postersteiner Ausstellung ist eine Altenburger Bibel aus dem Jahr 1676. Diese Heilige Schrift stammt aus dem Verlag des „Waysenhauses, bedruckt bey Samuel Adolph Müllern“ und wurde wahrscheinlich als Studienbibel zur Verwendung im Unterricht genutzt. Diese Version wurde nur in einer sehr kleinen Auflage hergestellt. Aus deutschen Bibliotheken sind bis jetzt nur 10 Exemplare bekannt.

Die Bibeln der Druckerei Endter

Neben diesen beiden Raritäten aus der Sammlung Buchheim sind verschiedene Bibeln der Druckerei Endter aus Nürnberg zu sehen. Diese Familie unterhielt eine der bekanntesten Druckereien ihrer Zeit, welche die Lutherbibel herstellten und vertrieben. Zwischen 1613 und 1792 lassen sich 76 verschiedene, meist großformatige Ausgaben der Heiligen Schrift nach Luther aus diesem Haus nachweisen.

Dillherr-Bibel, Nürnberg 1788, Museum Burg Posterstein.
Dillherr-Bibel, Nürnberg 1788, Museum Burg Posterstein.
Die Kompetenz und Leistungsfähigkeit der Druckerei Endter war so hervorragend, dass die sächsischen Herzöge ihre repräsentativen Bibeln – außerhalb der eigenen Landesgrenzen – in Nürnberg drucken und vertreiben ließen. Dass Nürnberg ein verkehrsgünstiger Handelsplatz war, kam diesem Umstand nur entgegen.

Die Bibeln aus dem Haus Endter in Nürnberg gelten als die meist verbreiteten Familienbibeln des 17. Jahrhunderts, vor allem aber des 18. Jahrhunderts.

Am häufigsten lassen sich zwei Typen der Heiligen Schrift nach Luther ausmachen: die „Weimarer Bibel“, auch „Ernestinisches Bibelwerk“ oder „Kurfürstenbibel“ genannt, und die „Dilherr-Bibel“. Endterbibeln sind ein fester Bestandteil der Spezialbibliothek des Museums Burg Posterstein.

Ausgestellt im Museum Burg Posterstein: Rollbild zum Festumzug zum Reformationsjubiläum 1830 in Leipzig
Ausgestellt im Museum Burg Posterstein: Rollbild zum Festumzug zum Reformationsjubiläum 1830 in Leipzig

Der Festumzug zu Leipzig von 1830

Neben diesen verschiedenen und seltenen Ausgaben der Bibel befindet sich noch eine weitere Kostbarkeit unter den Exponaten der Kabinettausstellung im Museum Burg Posterstein. Es handelt sich dabei um ein 18 Meter langes Rollbild aus der Hand des Leipziger Künstlers Christian Gottfried Heinrich Geißlers (1770-1844). Datiert ist Stück auf das Jahr 1830.

Dargestellt ist der Festumzug zum Jubiläum der Confessio Augustana, der 1830 in Leipzig stattfand. Geißler, der vor allem für seine volkstümlichen Bilder und Karikaturen der Völkerschlacht bekannt war, hielt das Großereignis auf 32 kolorierten Radierungen fest, die schließlich zu einer über 18 Meter langen Papierbahn verklebt und auf einem Holzzylinder aufgerollt wurden.

Von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

Wir ziehen Zwischenbilanz: In den Osterferien 1000 Besucher aus 14 Bundesländern

Das Museum Burg Posterstein konnte in den zweiwöchigen Osterferien rund 1000 Besucher aus 14 Bundesländern begrüßen. Rund 150 Kinder und ihre Familien nahmen an insgesamt 39 österlichen Schatzsuchen teil, weitere 120 Familien lösten das gar nicht so einfache Osterrätsel. Auch in zukünftigen Schulferien planen wir Aktivitäten für die ganze Familie. Wir freuen uns über das große Interesse und über Rückmeldungen, Tipps, Lob und Kritik.

Das Burg Posterstein bietet in diesem Jahr mit Ferienprogrammen, Kinderblog und Familienausstellung ein umfangreiches Programm für Familien.
Das Burg Posterstein bietet in diesem Jahr mit Ferienprogrammen, Kinderblog und Familienausstellung ein umfangreiches Programm für Familien.

Über drei Viertel aller Osterbesucher kamen aus Thüringen und Sachsen ins Museum Burg Posterstein. Vier Prozent kamen aus Berlin, drei Prozent aus Sachsen-Anhalt und je zwei Prozent aus Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen. Die restlichen Besucher verteilten sich auf die einzelnen Bundesländer und zwei europäische Länder. Von den Herkunftsstädten waren Gera, Berlin, Jena, Schmölln, Chemnitz und Altenburg (in dieser Reihenfolge) am häufigsten vertreten.

Wie feierten Ritter Ostern?

Bei erfolgreich absolvierter Schatzsuche oder Rätseljagd erhielten die Teilnehmer den Schatzsucher-Ausweis der Burggeister Posti und Stein.
Bei erfolgreich absolvierter Schatzsuche oder Rätseljagd erhielten die Teilnehmer den Schatzsucher-Ausweis der Burggeister Posti und Stein.
In den Osterferien waren die historischen Räume der Burg Posterstein nicht nur festlich geschmückt, es gab auch eine kleine Schau mit österlichen Schmuckstücken aus der Sammlung des Museums und ein umfangreiches Programm für Familien. Was ist das Osterfest? Wie feierten Ritter Ostern? Wie sah eine traditionelle Altenburger Festtracht aus? Und woher kommt der Brauch vom Osterei? Solche Fragen standen im Mittelpunkt der kindgerecht aufbereiteten 20-minütigen Schatzsuchen und einer österlichen Rätseljagd durch die Burg Posterstein. Viele Familien mit großen und kleinen Kindern ergriffen die Chance dazu. Als Belohnung gab es den Postersteiner „Schatzsucher-Ausweis“ der Burggeister Posti und Stein und eine süße Osterüberraschung. Am Ende der Osterferien konnten die Burggeister rund 200 neue „Schatzsucher“ begrüßen. 120 Familien absolvierten die österliche Rätseljagd.

Fragen stellen ausdrücklich erlaubt: Wir bereiten die Ausstellung „Kinderburg“ vor

Die Ferienprogramme des Museums mit thematisch wechselnden Schatzsuchen sind eine Vorbereitung auf die Familienausstellung „Die Kinderburg: Auf den Spuren von Rittern und Salondamen“, die am 1. Oktober 2017 öffnet. Im Museum können Kinder dem Burggespenst Posti und dem Burgdrache Stein Fragen aller Art stellen. Dafür steht im Museum eine „Helmpost“ bereit, in der seit Anfang des Jahres schon über 60 Fragen landeten. Die Kinder interessieren Themen aus dem Alltag von Rittern und Prinzessinnen. Wie wurde gebadet, wo schlief man, wie zogen Ritter ihre Rüstungen an und konnten sie damit aufs Klo gehen? Die Antworten schicken Posti und Stein den Fragestellern per Brief oder E-Mail nach Hause, eine Auswahl kann man im Kinderblog der Burg Posterstein online nachlesen und letztlich gehen die wichtigsten Themen in die Familienausstellung ein.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

#Kinderburg: Hatten Ritter eine Schule?

Hatten Ritter eine Schule? fragte Celine (9 Jahre) die Postersteiner Burggeister Posti und Stein. Hier kommt ihre Antwort:

Nein, eine richtige Schule, so wie heute, hatten die Ritter nicht. Kinder im Mittelalter lernten vor allem dadurch, dass sie den Erwachsenen zusahen und ihnen bei der Arbeit halfen. Lesen und Schreiben konnten die wenigsten. Jungen konnten Ritter werden oder im Kloster zum Mönch oder Pfarrer ausgebildet werden. Mädchen lernten den Haushalt einer Burg zu verwalten und wurden früh verheiratet.

Zwar gibt es schon seit fast 700 Jahren öffentliche Schulen. Aber die waren nur wenigen zugänglich. Die Kinder aus ärmeren Häusern hatten oft nicht genug Geld oder nicht genug Zeit, diese zu besuchen. Für die Kinder eines Ritters gab es mehr Bildungsmöglichkeiten als für die Kinder eines Bauern. Aber eine große Auswahl an Berufen, die sie später ausüben konnten, hatten auch Ritter nicht. Die Jungs wurden selbst zu Rittern oder sie wurden in ein Kloster geschickt und wurden später Mönch oder Pfarrer.

So sah die Schule der Ritter eher nicht aus... (Illustration: Museum Burg Posterstein).
So sah die Schule der Ritter eher nicht aus… (Illustration: Museum Burg Posterstein).
In Klöstern gab es tatsächlich Schulen. Geistliche mussten Lesen und Schreiben können! Sie lernten dort die lateinische Sprache. Manche sogar Griechisch. In Klosterschulen ging es sehr streng zu. Die Jungen durften nicht miteinander reden oder gar zusammen spielen. Wenn sie sich wuschen oder auf die Toilette mussten, war immer ein Aufpasser in der Nähe. Der Tagesablauf war streng geregelt: Vom Aufstehen bis zum Schlafen. Es gab feste Essenszeiten und einen strengen Speiseplan.

14 Jahre fern von zu Hause

Die Jungs, die selbst Ritter werden sollten, wurden auf eine andere Burg zur Ausbildung geschickt. Dort mussten sie dann einige „Lehrstufen“, so etwas wie Klassenstufen, durchlaufen. Mit sieben Jahren wurden sie „Page“. Sie dienten dem Burgherrn, lernten mit Pferden umzugehen und sie zu versorgen, gingen mit auf die Jagd, übten Bogenschießen und bekamen auch Musik- und Tanzunterricht. Page war man sieben Jahre lang.

Die Ausbildung zum Ritter absolvierten Jungen oft auf einer anderen Burg.
Die Ausbildung zum Ritter absolvierten Jungen oft auf einer anderen Burg.
Mit 14 Jahren wurden die Jungen dann zum „Knappen“ befördert. Wer stark und mutig war, begleitete seinen Ritter mit auf Turniere oder in den Kampf, half seinem Herrn beim Anziehen der Rüstung. Fiel der Ritter einmal vom Pferd, musste der Knappe ihm aufhelfen. Er wich ihm sozusagen nicht mehr von der Seite. Doch da der Knappe selber keine Rüstung trug und dennoch an den Kämpfen teilnahm, war das eine sehr gefährliche Aufgabe.
Mit 21 Jahren wurde der Knappe, wenn er sich bewährt hatte, schließlich mit der „Schwertleite“ zum Ritter geschlagen. Nun erst erhielt er sein eigenes Schwert. Und manchmal sah er auch erst zu diesem Zeitpunkt seine Eltern wieder. Nach 14 Jahren! In dieser langen Zeit hatte er auf einer fremden Burg alles gelernt, was er für den Kampf brauchte. Und natürlich trainierte er für den Ernstfall oder die Teilnahme an einem Turnier immer fleißig weiter!

Mit 12 Jahren verheiratet

Bei den Mädchen war es etwas anders. Den Frauen gehörte das Heim. Sie kümmerten sich um die Ordnung, um die Küche, die Dienstboten und Diener und natürlich um die Kinder.

Die Mädchen wurden von der Burgherrin in häuslichen Dingen unterrichtet. Im Spinnen und Sticken, im Malen, Tanzen und Singen, aber auch im Lesen oder Rechnen. War nämlich der Burgherr nicht zu Hause, musste seine Frau die Burg verwalten. Das musste sie natürlich früh erlernen, denn die Kindheit war im Mittelalter nicht sehr lang.

Mit sieben Jahren entschieden die Eltern, was ihre Kinder einmal tun sollten. Sie kamen auf die Klosterschule oder wurden zur Ritterausbildung auf eine andere Burg geschickt. Mit zwölf Jahren wurden die Mädchen oft schon verheiratet. Die Jungen galten mit 14 Jahren als erwachsen.

Erst vor ungefähr 100 Jahren setzte sich in ganz Deutschland die sogenannte „Schulpflicht“ durch. Seitdem müssen alle Kinder eine Schule besuchen.

Buchtipp zum Weiterlesen:
Viele Fragen rund ums Leben auf einer mittelalterlichen Burg beantwortet das Buch „Ritter und Burgen“ aus der Reihe „Frag doch mal die Maus“, erschienen 2006 im CBJ Verlag. Im Buch geht es unter anderem um die Fragen: „Wie wurde man Ritter?“, „Warum stehen so viele Burgen so hoch oben?“ und „Was machten die Ritter im Winter?“

Historische Ansicht des Ritterguts Nöbdenitz für die Sammlung des Museums Burg Posterstein

Das Museum Burg Posterstein erhielt für seine kulturgeschichtliche Sammlung ein Ölgemälde aus den 1930/40er Jahren, das das Rittergut Nöbdenitz im damaligen Zustand zeigt.

Dieter Heine (links) übergibt das Ölgemälde aus seinem Familienbesitz an Museumsdirektor Klaus Hofmann und Museumsvereinsvorstand Dr. Gert Wolkersdörfer.
Dieter Heine (links) übergibt das Ölgemälde aus seinem Familienbesitz an Museumsdirektor Klaus Hofmann und Museumsvereinsvorstand Dr. Gert Wolkersdörfer.

Das großformatige Gemälde zeigt den idyllischen Blick auf das Nöbdenitzer Rittergut vom Teich aus gesehen. „Für das Museum ist das Bild besonders interessant, weil es eine historische Ansicht dokumentiert, die es heute so nicht mehr gibt“, freut sich Museumsdirektor Klaus Hofmann. Beispielsweise sieht man auf dem Gemälde noch den heute nicht mehr vorhandenen Balkon des Alten Schlosses (heute Sitz der Verwaltungsgenossenschaft Oberes Sprottental) und den Vorgängerbau der heutigen Kindertagesstätte Nöbdenitz.

Das Ölgemälde malte der langjährige Nöbdenitzer Landarzt Dr. med. Gerhard Hermann Nordbeck.
Das Ölgemälde malte der langjährige Nöbdenitzer Landarzt Dr. med. Gerhard Hermann Nordbeck.

Gemalt hat das Bild Dr. med. Gerhard Hermann Nordbeck (1894–1970), der bis 1954 als Landarzt in Nöbdenitz lebte. Er kam 1923 mit seiner ersten Frau Carola, geborene Eichhorn, nach Nöbdenitz und ließ um 1926/27 das Gebäude errichten, das auch heute noch die Nöbdenitzer Arztpraxis mit Wohnhaus beherbergt. Nachdem seine Frau 1945 gestorben war, heiratete Nordbeck 1950 Helga Zwiener, geschiedene Heine, die Mutter von Dieter Heine. In Absprache mit seinen Stiefgeschwistern entschied Heine sich dafür, das von Nordbeck angefertigte Gemälde dem Museum Burg Posterstein zu übergeben. Der Museumsverein Burg Posterstein dankt herzlich dafür.

Das Nöbdenitzer Schloss um 1938/40 und heute.
Das Nöbdenitzer Schloss um 1938/40 und heute.

Die vom Teehaus am Nöbdenitzer Teich (2006 vom Ortsverschönerunsgsverein Nöbdenitz rekonstruiert) gemalte Ansicht stellt eine wunderbare Ergänzung der Dauerausstellung des Museums dar, die in diesem Jahr weiter überarbeitet werden soll. Nach der Ausstellung über den Sachsen-Gotha-Altenburgischen Minister Hans Wilhelm von Thümmel (1744–1824) im vergangenen Jahr sollen auch Thümmel und Nöbdenitz einen prominenteren Platz in der Ausstellung zur europäischen Salongeschichte erhalten. Thümmel ließ auf seinem Landsitz in Nöbdenitz nicht nur einen weithin bekannten englischen Garten anlegen, sondern wählte die 1000-jährige Eiche als seine außergewöhnliche Grabstätte. Das Museum Burg Posterstein veröffentlichte 2016 die bisher umfangreichste Biografie Thümmels und bietet auf Voranmeldung Führungen zur 1000-jährigen Eiche und zum Rittergut Nöbdenitz an.

Zum Weiterlesen: Hans Wilhelm von Thümmel: Der Mann unter der 1000-jährigen Eiche

#Kinderburg: Gab es auch Tiere auf einer Burg?

Jonathan (4 Jahre) möchte wissen, ob es auch Tiere auf einer Burg gab. Burggespenst Posti und Drache Stein von der Burg Posterstein antworten:

Ja, tatsächlich lebten ganz viele Tiere auf einer Burg. Die Burg war ein sicherer Ort und die Ritter wollten auf ihre Tiere gut aufpassen – besonders auf ihre wertvollen Pferde. Denn ein Ritter ohne Pferd war kein echter Ritter.

Tatsächlich kommt das Wort „Ritter“ ursprünglich vom Wort „Reiter“. Denn die ersten Ritter waren bewaffnete Reiter. Daher waren Pferde sehr wichtig. Der „Rossknecht“ (Ross = Pferd) kümmerte sich um die Tiere.

Das Wort Ritter kommt von Reiter. Sein Pferd war einem Ritter besonders wichtig.
Das Wort Ritter kommt von Reiter. Sein Pferd war einem Ritter besonders wichtig.

Neben den Pferden gab es auch Hühner und Gänse auf einer Burg. Die landeten meist im Kochtopf oder endeten als Braten beim Ritterschmaus. Natürlich nutzten die Mägde und Knechte, also die Diener des Ritters, die Eier der Hühner, um leckere Speisen zu bereiten.

Katzen leben ebenfalls auf einer Burg. Sie sollten Mäuse fangen. Hunde nahm man mit auf die Jagd. In manchen Burgen gab es auch eine Falknerei. Dort richtete man Falken für die Jagd ab.

Es lebten also ganz viele Tiere auf einer Burg. Die kleinsten waren übrigens Flöhe und Läuse. Weil sich die Menschen im Mittelalter nur selten richtig wuschen, nisteten sich die kleinen Tiere gern in den langen Haaren ein…

#Kinderburg: Darf eine Prinzessin mal ganz schmutzig nach Hause kommen?

Die 5-jährige Pauline möchte wissen, ob sich eine Prinzessin auch mal schmutzig machen durfte. Unser Burggespenst Posti und der Drache Stein antworten:

Ritter und Burgfräulein im Mittelalter badeten nur selten und waren deshalb immer etwas schmutzig unterwegs. Beim Spielen sollten die Prinzessinnen sich aber nicht dreckig machen, weil sie eher Arbeiten im Haus erlernen sollten. Auch bei den Salondamen um 1800 sollten sich die Kinder gut benehmen. Ein „Dreckspatz“ war aber bestimmt jede Prinzessin einmal. Wie heute gab es dann bestimmt Ärger von den Eltern.

Im Mittelalter ging es nicht ganz so sauber zu wie heute, besonders was den eigenen Körper anging. Die Ritter wussten noch nichts von Bakterien und Viren, die Krankheiten übertragen. Sie wussten auch nicht, dass man manche Krankheiten durch Waschen und Sauberkeit einschränken kann. Ein richtiges Vollbad zu nehmen, war für Ritter und Burgfräulein mit viel Aufwand verbunden. Eimer voller Wasser mussten vom Brunnen in die Burg getragen werden. Das kalte Brunnenwasser wurde dann lange über einem Feuer erwärmt. Dann erst konnte der Ritter baden. Das tat er natürlich nicht jeden Tag. Daher waren die Burgherren und –damen immer etwas schmutziger unterwegs als wir heute. Und die Prinzessinnen auch.

Durfte sich eine Prinzessin wie diese hier auch mal schmutzig machen? Das will Pauline (5 Jahre) wissen und hat gleich eine Prinzessin gezeichnet.
Durfte sich eine Prinzessin wie diese hier auch mal schmutzig machen? Das will Pauline (5 Jahre) wissen und hat gleich eine Prinzessin gezeichnet.

Dass sich die Kinder – vor allem die Mädchen – beim Spielen richtig dreckig machten, war in der Zeit der Ritter nicht gern gesehen. Sport war eher eine Sache für die Jungen, die sich als zukünftige Ritter im Kampf üben sollten. Reiten mussten auch die Mädchen lernen. Aber sonst unterrichtete die Burgherrin sie vor allem in häuslichen Dingen: Im Spinnen und Sticken, aber auch im Lesen oder Rechnen. War der Burgherr nicht zu Hause, musste nämlich seine Frau die Burg verwalten. Das sollten die Prinzessinnen früh lernen. Denn oft wurden die Mädchen schon mit 12 oder 14 Jahren verheiratet. Die Kindheit im Mittelalter war leider nicht sehr lang.

Dennoch blieb auch Zeit für Spaß und Albernheiten. Die Mädchen haben bei vielen Spielen wie „Fangen“ oder Ballspielen mitgemacht. Wir wissen doch alle, dass beim ausgelassenen Tollen gern einmal eine Pfütze im Weg ist. Wenn man dann ganz nass und schmutzig nach Hause kommt, schimpfen die Eltern auch mal. Heute wie auch im Mittelalter.

… Und die Salonprinzessinnen?

Auch bei den Salondamen vor rund 200 Jahren sollten die Prinzessinnen nicht schmutzig nach Hause kommen. Besonders die älteren Kinder sollten sich gut benehmen. Die Mädchen mussten sich früh an die Rolle als spätere Hausfrau und Mutter gewöhnen und strengere Benimmregeln einhalten als die Jungen.

Zeit für Spaß und Spiel blieb allerdings immer noch und so manche Prinzessin kam wohl einmal mit schmutzigen Kleidern nach Hause. Dann war ihre Mutter höchstwahrscheinlich ärgerlich, denn Kleider waren teuer und eine Waschmaschine gab es auch noch nicht.