#SalonEuropa im Hier und Jetzt: Die Künstlerin Verok Gnos im Portrait

Das Werk "Europa" von Verok Gnos nimmt den ersten Raum der Ausstellung im Museum Burg Posterstein ein.
Das Werk “Europa” von Verok Gnos nimmt den ersten Raum der Ausstellung im Museum Burg Posterstein ein.

Vier Künstlerinnen aus Deutschland, Frankreich und Polen gestalten gemeinsam eine Ausstellung. Der Ausstellungsort: Das Museum Burg Posterstein, nur zwei Kilometer von den Schlössern Löbichau und Tannenfeld entfernt, wo unter Regie der Herzogin von Kurland (1761-1821) ein Europaweit vernetztes Zentrum der Kultur und Diskussion seine Blütezeit erlebte. Das Thema: Europa und seine Grundwerte damals und heute. Fotografie, Malerei und Installationen spannen den Bogen vom Musenhof der Herzogin von Kurland auf ihren Schlössern in Löbichau und Tannenfeld, der seine Blütezeit um 1800 herum erlebte, bis ins heutige Europa.

Das zweite Künstlerporträt widmet sich der französischen Malerin Verok Gnos, die ein beeindruckendes Werk über Zusammenhalt und Trennung, Hoffnung und Angst in die Ausstellung einbrachte.

Verok Gnos und ihre Bildgemeinschaft „Europa“

Verok Gnos (Frankreich), 1955 in Straßburg geboren, ist freischaffende Künstlerin und Mitglied der GEDOK (Verband der Gemeinschaften der Künstlerinnen und Kunstförderer e. V.) in Karlsruhe. Ihre Ausbildung führte sie ab 1995 unter anderen ans Atelier Méaux , ans Atelier Doré und die Ecole des Beaux Arts in Straßburg. 2007 absolvierte sie ein Studium der Kunsttherapie. Sie schafft Malerei und Installation, aber auch Kinderbücher. Ihre Werke waren bereits in zahlreichen Ausstellungen in Frankreich, Deutschland und der Schweiz zu sehen.

Die Künstlerin Verok Gnos stellt zum ersten Mal im Museum Burg Posterstein aus.
Die Künstlerin Verok Gnos stellt zum ersten Mal im Museum Burg Posterstein aus.

Ihre beeindruckende Arbeit mit dem Titel „Europa“ ist eine Mischung aus Malerei und Installation. Ein Ensemble von sechs Bildern auf Alu-Dibond-Platten, das eine Karte Europas mit allen Ländern im Jahr 2017 darstellt, ist auf einem Podest platziert. Die sechs miteinander verbundenen Bilder werden zu einem einzigen Bild, das die Vereinigung repräsentiert: eine Gemeinschaft, die Beziehungen und ständigen Austausch zwischen den Ländern erlaubt. Doch die Einheit ist verletzlich. Die sechs Bilder auf dem Podest haben keinen festen Platz. Sie bleiben mobil und können bewegt werden. Wenn ein Bild herausgenommen wird, kann man nicht mehr von Vereinigung sprechen, weil die Balance verloren ist. Es bleibt allein und isoliert. Die Beziehung und der Austausch zwischen den Ländern Europas sind zerbrechlich.

Das leuchtende Rot der kraftvollen Bilder macht auf die Stärke, Lebenskraft und Wärme Europas aufmerksam. Noch mehr aber auf die Zerbrechlichkeit der Staatenvereinigung; das leuchtende Rot steht ebenso für Angst, Gewalt, Blut.

Verok Gnos Werk "Europa".
Verok Gnos Werk “Europa” (Detail).

Dabei haben die einzelnen Länder so lange hart daran gearbeitet, zur Union zu werden. Ihnen gelang eine Verbindung und sie bauten gemeinsam am Haus Europa. Gleich einer großen Wohngemeinschaft gewährt die EU den Menschen Freiraum, um ein unabhängiges Leben in Gleichberechtigung, Würde und Freiheit zu führen. Errungenschaften, die es zu stärken, zu schützen und für zukünftige Generationen weiter zu entwickeln gilt. Die Mitgliedsländer sind auf vielfältige Weise miteinander verwoben: Bildung, Kultur, Gesellschaft, Forschung, Umweltschutz. Das Zusammenleben fußt auf humanistischem Denken, Rationalität, Sekularität, Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Menschenrechten. Doch wie fragil dieses Leben unter einem gemeinsamen Dach ist, erfahren seine Bewohner seit nunmehr knapp drei Jahren. Brexit, Terrorgefahr, Anschläge, ein nicht versiegender Flüchtlingsstrom, diplomatische Krisen, der Aufstieg von Populisten, Abschottung statt Offenheit… Europa scheint aus der Balance geraten – auch das verdeutlichen die Bilder der Französin.

Kleine Figuren folgen den Routen der vor Krieg, Gewalt, Hunger und Armut Flüchtenden. Nicht alle haben es geschafft. Einschusslöcher erinnern an die Gewalttaten und Anschläge, die die Menschen in Europa erschütterten. Noch sind die Bilder vereint. Doch fehlt auch nur eines der sechs Gemälde im Zusammenspiel, geht die Vereinigung verloren. Zurück bleiben einzelne Bilder, voneinander isoliert. Der Vergleich mit den EU-Mitgliedsstaaten ist gewollt. Verknüpft mit der bangen Frage, ob sich die Hausbewohner im Klaren darüber sind, was ihnen die große Wohngemeinschaft Europa tatsächlich bringt.

Die Bloggerin SOS Fernweh schoss bei ihrem Besuch in der Ausstellung stimmungsvolle Detailaufnahmen. (Foto: SOS Fernweh: https://sosfernweh.wordpress.com/2018/07/20/museum-burg-posterstein/)
Die Bloggerin SOS Fernweh schoss bei ihrem Besuch in der Ausstellung stimmungsvolle Detailaufnahmen. (Foto: SOS Fernweh: https://sosfernweh.wordpress.com/2018/07/20/museum-burg-posterstein/)

Im Museum Burg Posterstein bereiteten wir gerade die interaktive Ausstellung #SalonEuropa vor Ort und digital vor, in der wir einen gesellschaftlichen Diskurs und ein Nachdenken über Europa anregen wollen. Verok Gnos hat ihre Gedanken über Europa mit uns geteilt:

Verok Gnos – Europa bedeutet für mich …?

„Die Konstruktion Europa entstand nach dem Willen von Männern mit Visionen, die danach strebten, den Frieden in Europa zu schützen und den wirtschaftlichen Aufschwung zu sichern. Diese Konstruktion ist in mehreren Etappen nach dem Ende des Zeiten Weltkrieges bis in unsere Tage entstanden. Aber am schwierigsten war es, ein Band zwischen Frankreich und Deutschland (feindlichen Ländern in aufeinanderfolgenden Kriegen) und den anderen Ländern zu erschaffen, um eine Gemeinschaft aufzubauen. Diese Vereinigung lässt Europa Beziehungen und den nachhaltigen Austausch in allen Gebieten erschaffen: Kultur, Gesellschaft, Wirtschaft, Bildung, Forschung, Gesundheitswesen und Umweltschutz. Ein einzelnes und isoliertes Land hätte weder solche Kraft noch solchen Reichtum. Aber seit 2016 ist dieses Europa zerbrechlich geworden: Brexit, Terrorgefahr, Anschläge, Flüchtlingskrise und Aufstieg von Populismus. Sind wir uns bewusst, was uns Europa bringt?“

Was bedeutet Europa für Sie? Teilen Sie hier ihre Meinung mit uns.

Zusammengefasst von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

Zum Weiterlesen:

Die Ausstellung #SalonEuropa im Hier und Jetzt

#SalonEuropa im Hier und Jetzt: Die Künstlerin Jana Borath im Portrait

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Foto-Ausstellung bringt London nach Posterstein: Fotografie von Frank Rüdiger


Stimmungsvolle Bilder Londoner Straßenzüge sind ab Sonntag, 18. März, 15 Uhr, in der Galerie der Burg Posterstein zu sehen. Seit dem Fall der Mauer 1989 reist der Geraer Fotograf Frank Rüdiger zwei bis drei Mal im Jahr nach London. In seinen Bildern hält er alltägliche Situationen und ungewöhnliche Blickwinkel fest.

(c) Frank Rüdiger: Blackfriars Bridge, 2017
(c) Frank Rüdiger: Blackfriars Bridge, 2017

Die Ausstellung Ausstellung “London Urban Sketches – Urbane Skizzen von London – Fotografie von Frank Rüdiger” zeigt kleinformatige, bearbeitete Drucke von Fotografien Londoner Straßenzüge aus den vergangenen Jahren. – Frank Rüdiger bezeichnet sie selbst als urbane Skizzen.

In Zeiten des Brexit erhalten die Bilder eine fesselnde Aktualität.

Gleichzeitig stimmt die Ausstellung schon auf das Themenjahr #SalonEuropa auf Burg Posterstein ein. Dieses nimmt seinen Ausgangspunkt im Salon der Herzogin von Kurland und in der europäischen Salongeschichte, möchte das Thema Europa aber auch ins heute tragen und aus heutiger Sicht betrachten.

Der Geraer Fotograf Frank Rüdiger liebt London.
Der Geraer Fotograf Frank Rüdiger liebt London.

Frank Rüdiger studierte 1984 bis 1987 Museologie in Leipzig und betreute 1989 bis 1991 die Sammlung Fotografie im Museum für Angewandte Kunst Gera. 1989/90 besuchte er die Spezialschule für Fotografie an der Landesschule für Kultur Rudolstadt und ist seit 1991 freiberuflich als Fotograf, Publizist und Kurator tätig. Als Fotograf, Autor, Co-Autor oder Herausgeber wirkte er an über 70 Publikationen und Buchprojekten mit.

Im Begleitprogramm der Ausstellung liest Frank Rüdiger am 29. April, 15 Uhr, aus seinem Buch Cockney, Cookies, Camden Market – [Un]Gewöhnliches aus London.

Die Ausstellung “London Urban Sketches – Urbane Skizzen von London – Fotografie von Frank Rüdiger” läuft bis 27. Mai 2018.

Der Schmöllner Künstler Hans Neupert ist tot – Ein Nachruf

Hans Neupert in seinem Atelier in Schmölln, 2015. Foto: Jörg Kirmse.
Hans Neupert in seinem Atelier in Schmölln, 2015. Foto: Jörg Kirmse.

Der Künstler Hans Neupert starb kurz vor Vollendung seines 97sten Lebensjahres. Er wurde am 22. Dezember 1920 in Schmölln geboren. Hans Neupert wuchs auf in der Buchdruckerei Hans Böckel auf dem Schillerplatz, die sein Vater leitete, wurde musisch und reformpädagogisch erzogen, besuchte die heimische Realschule und das Altenburger Gymnasium. Sein erster Studienwunsch galt deshalb auch dem Theater und der der Musik. Es kam alles ganz anders.

Hans Neupert im Gespräch, 2015.
Hans Neupert im Gespräch, 2015.

Nach dem Abitur wurde Hans Neupert zur Wehrmacht eingezogen, war in Norwegen, Paris, San Remo, Syracus und Baden bei Wien stationiert und geriet schließlich in amerikanische Gefangenschaft. Schon 1945 begann er ein Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig bei Elisabeth Voigt, der Mutter der Leipziger Schule, und Egon Pruggmayer. Zu seinen Mitstudenten gehörten nicht nur Wolfgang Mattheuer oder Gerhard Kurt Müller, sondern auch die schöne und begabte Else Luise Keil (1926–2009). Sie heiratete er 1952. Schon bald übernahmen Hans und Luise Neupert Werbeauftritte verschiedener Kombinate der DDR, illustrierten Bücher, fotografierten, gestalteten Drucksachen und Messestände. Die Auftragsbücher waren übervoll. Nationale Aufmerksamkeit war ihnen gewiss.

Hans Neupert beim Malen. Foto: Jörg Kirmse.
Hans Neupert beim Malen. Foto: Jörg Kirmse.

Davor war der Weg auch steinig. Mit dem Vorwurf des Formalismus musste Hans Neupert die Leipziger Hochschule vorzeitig beenden, musste Netzwerke knüpfen, um dennoch zu überleben. In dem Verleger Heinrich Mock, dem ehemaligen Direktor des Lindenau-Museums, fand er, wie viele Künstler seiner Generation, einen Förderer, bekam kleine Aufträge, produzierte Holzschnitte, die sich besser verkaufen ließen und erhielt Möglichkeiten für Ausstellungen.

Ab 1990 engagierte sich Hans Neupert im Museumsverein Burg Posterstein.
Ab 1990 engagierte sich Hans Neupert im Museumsverein Burg Posterstein.
Das Logo des Museums Burg Posterstein stammt aus der Feder von Hans Neupert.
Logo Burg Posterstein – von Hans Neupert.

In Schmölln mischte sich Hans Neupert vor allem nach 1989 ein, wurde gefragt bei Entscheidungen, gründete den Verschönerungsverein mit, erhielt den Kulturpreis der Stadt.

Das Museum Burg Posterstein profitierte von seinem Engagement sehr. Ab 1990 war er im Vorstand des Museumsvereins aktiv. Der Entwurf für das große braune Schild an der Autobahn, das auf die wichtige Sehenswürdigkeit hinweist, stammt von ihm – ebenso wie das Logo des Museums.

Hans Neupert: Im Park der Dorothea von Kurland, 1985, Öl auf Leinwand.
Hans Neupert: Im Park der Dorothea von Kurland, 1985.

Der Herzogin von Kurland, ihren Intentionen und der Salonkultur stand er nahe. Der Park in Tannenfeld gehörte zu seinen Lieblingsplätzen. Am Rande der Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag Anna Dorothea von Kurlands 2011 plauderte der über Neunzigjährige munter mit den französischen Gästen in deren Sprache.

Hans Neupert: Geschlossene Gesellschaft, 1986.
Hans Neupert: Geschlossene Gesellschaft, 1986.

Wer das Glück hatte, im Hause Neupert willkommen geheißen zu werden, konnte eintauchen in eine Welt voller Literatur, Musik und Kunst, konnte den verwunschenen Garten am Rande der Sprotte erleben, Bücher studieren oder Klaviersonaten lauschen. Auch ohne Fernsehen war Hans Neupert bestens informiert, denn eine überregionale Tageszeitung stand ihm genauso zur Seite wie die Berichte der gern gesehenen Gäste. Bücher von Marcel Proust oder Ernst Jünger liebte er und regelmäßig berichtete bis zuletzt die Jugendfreundin Shou Shou aus Paris.

Musik in Neuperts Garten - Bild: Nr. 879: Luise bei der Gartenarbeit, 2005
Hans Neupert: Luise bei der Gartenarbeit, 2005.

Erst in den achtziger Jahren fanden Neuperts den Weg zurück von der Angewandten zur Bildenden Kunst. Während Luise durch faszinierende Scherenschnitte bekannt wurde, widmete sich Hans Neupert fortan der Malerei in Öl. Inspiriert vom heimischen Garten, von der Natur der Region und den Erlebnissen in fernen Ländern entstanden farbenprächtige Miniaturen. Heiter gelaunte, pralle elfenhafte Wesen tanzen, singen, musizieren. Mit zunehmenden Alter schlich sich Melancholie ein. Ein Zauber geht von den Bildern aus und viele Betrachter ließen sich verzaubern. Die kleinen Bilder fanden den Weg in Ausstellungen. Aber auch private Liebhaber im In- und Ausland sammelten Neuperts Werke.

Hans Neupert bei der Eröffnung seiner Ausstellung 2015 im Museum Burg Posterstein.
Hans Neupert bei der Eröffnung seiner Ausstellung 2015 im Museum Burg Posterstein.

Noch 2015 stellte Hans Neupert neue Werke im Museum Burg Posterstein aus. Damals entstand ein kurzer Film:

Auch im hohen Alter war Hans Neupert noch so produktiv, dass das Werkverzeichnis des Katalogs schon zur Ausstellungseröffnung 2015 wieder veraltet war. Hier ein Eindruck von der Ausstellungseröffnung:

Nach über 1000 Werken endet die Serie. Hans Neupert hat sein Leben vollendet. In seinen Bildern und im Herzen all jener, die von den Gesprächen mit ihm, von seiner umfassenden Bildung, seinem sicheren Geschmack und seiner Hilfsbereitschaft profitierten, lebt er fort. Schmölln und das Altenburger Land verlieren einen bedeutenden Bürger. Hans Neupert starb am 5. November 2017.

von Sabine Hofmann / Museumsverein Burg Posterstein

Hans Neupert: Der letzte Tanz, 2014.
Hans Neupert: Der letzte Tanz, 2014.

Vom Museum Burg Posterstein herausgegebene Kataloge:

 

Katalog Hans Neupert. Malerei, Grafik. Sabine und Klaus Hofmann. Museum Burg Posterstein, 2001
Katalog Hans Neupert. Malerei, Grafik. Sabine und Klaus Hofmann. Museum Burg Posterstein, 2001
Katalog Mal sehen wohin es geht … oder zwischen den Zeiten. Hans Neupert – Hommage zum 95. Geburtstag Museum Burg Posterstein, 2015.
Katalog Mal sehen wohin es geht … oder zwischen den Zeiten. Hans Neupert – Hommage zum 95. Geburtstag Museum Burg Posterstein, 2015.