2015 zelebriert das Museum Burg Posterstein ein Lieblingsthema im großen Stil

Sie war schön, gebildet, elegant, wortgewandt und weltoffen. Nach der unglücklchen Ehe mit dem 37 Jahre älteren Herzog kaufte die selbstbewusste Adlige aus dem heutigen Lettland 1794 ein Landgut in der Nähe der Burg Posterstein und ließ die klassizistischen Schlösser Löbichau und Tannenfeld errichten. Ihr kultureller und politischer Salon, der Musenhof Löbichau, avancierte zu einem der bekanntesten seiner Zeit und zog illustre Gäste aus ganz Europa an.

Die Forschung über die Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761-1821) liegt dem Museum Burg Posterstein seit über 25 Jahren besonders am Herzen. Bei der #MuseumWeek geht es heute um #favoritesMW – und Anna Dorothea zählt ganz klar zu unseren Forschungsfavoriten.

Das kleine Löbichau – für Jahrzehnte in der Mitte Europas

Die Löbichauer Sommerresidenz Anna Dorothea von Kurlands lag aus damaliger Sicht günstig, wenn man sich auf dem Weg von Berlin nach Wien oder von Paris ins schöne Karlsbad befand – und Gäste waren immerzu willkommen. Die weltgewandte Herzogin verfügte über hervorragende Kontakte in die höchsten gesellschaftlichen Kreise Europas. Sie weilte als Gast an den Höfen in Berlin, Warschau, Neapel, St. Petersburg, Wien und Paris, eine Privataudienz beim Papst nicht zu vergessen.

Schloss Löbichau ((c) Museum Burg Posterstein)
Schloss Löbichau (Museum Burg Posterstein)

Der weibliche Anteil an der Gestaltung der europäischen Geschichte im 19. Jahrhundert

Anna Dorothea von Kurland war bekannt mit den einflussreichsten Männern ihrer Zeit: Metternich, Alexander I., Friedrich Wilhelm III., Napoleon und Talleyrand kannte sie persönlich. Dieser Umstand ermöglichte ihr einen ganz speziellen Anteil an der Gestaltung europäischer Geschichte.

25 Jahre Forschung neu präsentiert

Die Herzogin als treuer Pudel - eine Zeichnung von Ernst Welker (Museum Burg Posterstein)
Die Herzogin als treuer Pudel – eine Zeichnung von Ernst Welker (Museum Burg Posterstein)
Die Herzogin als treuer Pudel – eine Zeichnung von Ernst Welker (Museum Burg Posterstein)[/caption]2015 jährt sich nicht nur der Wiener Kongress, den die politisch interessierte Herzogin mit Interesse verfolgte, zum 200. Mal. Das Museum Burg Posterstein möchte in diesem Sommer auch die bestehende Dauerausstellung zum Musenhof Löbichau und der Salonkultur Europas neu arrangiert und modernisiert präsentieren. Vorhandene Forschungsergebnisse sollen langfristig auf einer selbstständigen digitalen Plattform einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Gleichzeitig präsentiert das Museum die 2014 über eine Landesförderung und mit Unterstützung der Bürgerstiftung Altenburger Land erworbene einmalige Sammlung von Portraits der 1819 in Löbichau anwesenden Gäste – 47 aquarellierte Zeichnungen von Ernst Welker (1788-1857) und Emilie von Binzer (1801-1891) – in der Sonderausstellung “Salongeschichten”.

Ausführliche Informationen zur Forschung über den Musenhof Löbichau gibt es auf der Website des Museums.

Hier findet ihr die neusten Tweets & Statistiken zur #MuseumWeek.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Was hämmert der Sage nach im Keller der Burg Posterstein?

Kellergemäuer der Burg Posterstein
Kellergemäuer der Burg Posterstein
Zutritt nur für Kinder: Mit Laternen mit flackerndem Kerzenlicht ausgestattet dürfen Kindergruppen die ausgetretenen steinernen Stufen in den Keller der Burg Posterstein hinuntergehen. Normalerweise bleibt dieser Bereich für Besucher geschlossen. Tief unten im Postersteiner Burgberg ist es nicht nur kalt und feucht, es liegt auch Sagenhaftes in der Luft. Heute beginnt die internationale #MuseumWeek auf Twitter, die wir hier im Blog begleiten wollen. Zum Thema #secretsMW werfen wir einen Blick ins Dunkle.

Wo früher Gefangenen einsaßen

Ein Teil des Kellers unter der Burg stellte in früheren Zeiten das eigentliche Burgverlies dar und war nur über einen – inzwischen zugemauertes “Angstloch” – vom Verlieseingang im Burghof zugänglich. Gefangene wurden per Seil heruntergelassen (und im Glücksfall wieder heraufgezogen). Kein Wunder, dass bei Schülerführungen unten im Burgkeller selbst die größten Klassenclowns verstummen.

Von Sagen umwoben

Um die Burg Posterstein drehen sich aber auch mehrere regionale Sagen. Vom Keller aus sollen nicht nur geheime Gänge und Fluchtwege aus der Burg hinaus geführt haben. Es soll auch eine wundersame Schmiede gegeben haben. Die Sage davon geht so:

“Tief unter dem Turme des Postersteiner Schlosses befindet sich eine verzauberte Schmiede, in der alles von purem Golde gefertigt ist und des Nachts fleißig gearbeitet wird. Manche bezeichnen einen der Herren von Pflugk, in deren Besitz das Schloss lange Zeit war, als den nächtlichen Schmied. Hat man sonst bei diesem an dem einen Tage eine neue Kutsche bestellt so hat sie schon am nächsten Tage fix und fertig auf dem Hofe gestanden. Haben die Knechte früh ihre Pflüge angeschirrt, so sind stets die Pflugschare frisch geschärft gewesen. Einmal ist ein Knecht unten in der Schmiede gewesen; der hat aber nicht erzählen können, was er dort gesehen hat.”

Weitere Sagen aus Posterstein gibt es auf der Website nachzulesen

Hier findet ihr die neusten Tweets & Statistiken zur #MuseumWeek.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Zum Lachen ins Museum

Seit der Eröffnung der Sonderausstellung “Mich interessiert nur der Rahmen – Cartoon & Comic von Christian Habicht” erklimmen außergewöhnliche Besucherströme den Postersteiner Burgberg. Und die interessiert nicht nur der (in diesem Falle wirklich unscheinbare) Glasrahmen der 72 ausgestellten Drucke.

Buchcover "Dicke Luft im Paradies"; Cartoonbuch von Christian Habicht (ISBN 978-3-359-02307-4)
Buchcover “Dicke Luft im Paradies”; Cartoonbuch von Christian Habicht (ISBN 978-3-359-02307-4)

Christian Habichts Bilder entstehen noch ganz klassisch als schwarz-weiß Zeichnungen mit Bleistift auf Papier. Die Konturen zieht der Künstler mit Fineliner nach, scannt das Ergebnis ein und koloriert es schließlich am Computer. Viele der Besucher, die die Ausstellung nach Posterstein zieht, kennen die Zeichnungen und die künstlerische Handschrift Habichts schon aus dem wöchentlichen Mediencartoon der Ostthüringer Zeitung.

Dabei ist der Arbeitsbereich des Karikaturisten und Cartoonisten weit gefächert: Neben seiner Tätigkeit für verschiedene Zeitungen und Magazine, gestaltet der 1962 in Jena geborene Künstler Kinderbücher, Malhefte, Schultüten, eigene Kalender und veröffentlicht mit Erfolg seine Cartoonbücher. Über eine Buchgestaltung entwickelte sich schließlich auch die Zusammenarbeit mit dem Medium Zeitung.

Gehörtes wird sofort verarbeitet

Seit 2006 ist Christian Habicht als freiberuflicher Illustrator und Cartoonist tätig. Die Quelle seiner Inspiration, vor allem für die an Kinder und Jugendliche gerichteten Arbeiten, sind seine beiden Töchter. Seine Werkzeuge: Augen und Ohren.

Ein Interview mit dem Künstler und Eindrücke von der Ausstellungseröffnung gibt es im Film des Altenburger TV-Journalisten Gunter Auer:

Die Ausstellung “Mich interessiert nur der Rahmen” – Cartoon & Comic, Christian Habicht verspricht ein “Best of” der letzten zehn Jahre und ist noch bis 3. Mai 2015 im Museum Burg Posterstein zu sehen. Es darf gelacht werden.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Der Mutz in der Darstellung renommierter Illustratoren aus aller Welt – Ein Resümee

Am 17. August 2014 zog der Mutz, unser liebgewonnenes Thüringer Fabelwesen, unter großem Andrang auf Burg Posterstein ein. Am 16. November 2014 hieß es dann wieder Abschied nehmen. Nach Ende unserer Sonderschau ist es nun an der Zeit, ein Resümee zu ziehen.

Beim Aufbau der Sonderausstellung
Beim Aufbau der Sonderausstellung

Es kann nicht oft genug betont werden, wie überwältigend groß der Zuspruch für unseren Mutz ausfiel. Sowohl von künstlerischer Seite als auch seitens der Besucher. 75 internationale Künstlerinnen und Künstler gaben der rätselhaften Thüringer Kreatur eine Gestalt nach ihrer Vorstellung. Geleitet von Erfahrung und Kreativität entstanden mehr als 90 meist grafische Werke, die das Geheimnis des sagenumwobenen Mutzes zu lüften versuchten. Herzlichen Dank.

Eines der verschiedenen Plakatmotive zur Ausstellung
Eines der verschiedenen Plakatmotive zur Ausstellung

Und auch wenn dieses wohl auf ewig das Geheimnis der Jäger und Metzger bleiben wird, so lockten die hervorragenden Arbeiten rund 5000 Besucher ins Museum. Dem nicht genug, schöpften viele Besucher eigene Ideen aus der Kabinettausstellung. Das erste Besucher-Mutz-Buch, das auch den Gästen die Möglichkeit geben sollte, kreativ zu werden, war nach wenigen Wochen gefüllt. Ein Zweites, schließlich noch ein Drittes mussten folgen, um dem künstlerischen Stürmen der Besucher eine angemessene Grundlage zu bieten.

So verschieden die Arbeiten der ausgestellten Künstler waren, so verschieden und beeindruckend waren die Ergebnisse, die unsere Gäste zu Blatt brachten. Insgesamt entstanden so 230 zeichnerische, karikaturistische und humoristische Bilder. Vier davon wurden zur Finissage der Mutzausstellung zu den besten und beliebtesten in den Kategorien „Erwachsener“, „Kind“ und „Besucherpreis“ gewählt und prämiert.

Blick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellung

Mutz, Musik und Geisterspuk

Hoch frequentiert waren auch die Veranstaltungen, welche das Museum Burg Posterstein dem Mutz widmete. Neben der Vernissage am 17. August, zu der allein 150 Besucher erschienen, und der Finissage am 16. November feierte das Museum sein heimisches Fabeltier.

Die Ausstellung endete mit einer Finisage mit Aktionen und Vorträgen.
Die Ausstellung endete mit einer Finisage mit Aktionen und Vorträgen.

Heiß begehrt waren am diesen Tagen auch die gebratenen Erscheinungsformen des Mutzes. Allein auf der Burg selbst wurden fast 200 Mutzbraten gekauft und verspeist. Um die 300 weitere Braten konnte das Elegant-Hotel zur Burg den Besuchern mit der eigens entwickelten Speisekarte zur Sonderausstellung schmackhaft machen.

Aber natürlich lockte nicht nur das leibliche Wohl. Zu den verschiedenen Terminen gab es Musik und Aktionen. So wurde der, die Ausstellung begleitende, Mutz-Katalog vorgestellt, ein Mutz-Mal-Wettbewerb veranstaltet, es gab Führungen durch die Exposition, die über die Künstler Aufschluss gaben und sogar eine Geisterführung. Am 31. Oktober konnten unsere kleinen Besucher dem Mutz ganz nahe kommen und unsere Burggeister nach ihrem Wissen über das fabelhafte Wesen befragen. Den Abschluss der fantastischen Tour durch die Burggeschichte bildete dann der „Fliegende-Mutz-Wettbewerb“: Die Kinder schickten ihren „Mutz“ per Postkarte und Luftballon in die Welt.

Vom Burgturm aus fliegen Mutz-Postkarten ins Land.
Vom Burgturm aus fliegen Mutz-Postkarten ins Land. Wer eine findet, darf sich gern im Museum melden!

Der einzige Wermutstropfen ist, dass leider noch keiner der „freigelassenen“ Mutze den Weg zurück auf die Burg gefunden hat. Ihr Rückweg muss wohl so weit sein, dass es noch keines der Tiere hier her geschafft hat. Vielleicht sind sie auch der Mutzjagd zum Opfer gefallen. Wir wissen es nicht, würden uns aber über ein Wiedersehen freuen!

Der Mutz zieht nach Leipzig und in die Welt

Am 16. November hatte es sich dann aber endgültig „ausgemutzt“. Unser liebgewonnenes Monstrum zog in die Welt hinaus. Einige Arbeiten fanden ihren Weg zurück zu ihren Schöpfern, andere fanden ein neues Zuhause. Einige Exponate der Ausstellung gingen nach Leipzig. Im dortigen Café Grundmann sind sie nun Teil einer weiteren kleinen Schau mit dem Titel „Mutz Royal“, die bis zum 8. März 2015 zu sehen ist.

Das Mutz-Bilderbuch
75 Künstlerinnen und Künstler präsentieren in diesem schönen Bilderbuch ihre Sicht auf den Mutz. 20 x 16 cm, 104 Seiten, farbig, Museum Burg Posterstein 2014 (Preis: 15,00 Euro) ISBN: 978-3-86104-075-0

Und auch unser Bilderbuch zum Mutz erfreut sich großer Beliebtheit! Die Nachfrage ist noch immer hoch und wer noch kein Weihnachtsgeschenk für sich entdecken konnte, kann für den Preis von 15,00 € ein kleines Stück Sagenhaftes weitergeben. Auf 104 Seiten sind Informationen zum Mutz, zu den Künstlern und alle Arbeiten der Ausstellung enthalten.

Am Ende bleibt nur noch, dem Mutz alles Gute zu wünschen. Vielleicht kehrt er eines Tages wieder in neuer Gestalt auf die Burg zurück! Wir danken ganz herzlich den zahlreichen Künstlerinnen und Künstlern, ohne deren Hilfe die Ausstellung so nie hätte zu Stande kommen können, ebenso den beiden Kuratoren Susann Hesselbarth und Thomas M. Müller ohne die wir das ganze Projekt kaum bewältigt hätten. Und schließlich geht unser Dank auch an die vielen und kreativen Besucher, ohne die unsere Ausstellung auch nicht möglich gewesen wäre.

Und schließlich für die Statistiker…

… noch ein paar Daten: 92 Tage lang war die kleine Kabinettausstellung „Der Mutz in der Darstellung renommierter Illustratoren aus aller Welt“ im Museum Burg Posterstein zu sehen, davon wurden 4 Tage unter großem Andrang und mit Mutzbarten, Musik, Führungen sowie Aktionen gefeiert. 75 internationale Künstler hatten in über 90 Arbeiten dem Thüringer Monstrum eine Gestalt gegeben, in 2 Fällen sogar als sehr große bzw. sehr schwere Plastik. Fast 5000 Besucher wagten es, dem Mutz Auge in Augen gegenüber zu treten. 230 große und kleine Gäste kreierten ihre eigene Sicht auf den Mutz und malten unser heimisches Fabeltier nach ihren Vorstellungen in 3 dafür angelegte Besucher-Mutz-Bücher. 4 dieser Bilder wurden in verschiedenen Kategorien als die Schönsten gewählt und von uns zur Finissage prämiert.
Insgesamt wurden auf unserer Burg fast 200 Mutzbraten zu verschiedenen Gelegenheiten verspeist, im Hotel zur Burg, das für die Dauer unserer Ausstellung sogar eine eigene Mutz-Speisekarte entwickelt hatte, waren es über 300 Braten. Die Dunkelziffer der in diesem Zeitraum erlegten Mutze bleibt allerdings ungewiss.

Blick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellung

Am Ende soll auch dem Burgteam und den Kuratoren der Ausstellung noch einmal Ehre erwiesen werden, denn auf die Frage, wie 90 solcher internationaler Mutz-Arbeiten schließlich nahtlos an die Wand gebracht werden, gibt es eine Antwort: man benötigt 56 Aufhänger, 56 Drahtseile und Halterungen, 32 Holzlatten und unglaubliche 351 Schrauben sowie 8 starke Arme, die unseren eisernen „Mutzjäger“ der Künstlerin Franziska Anna Faust erst in und schließlich wieder aus der Burg hinaustragen mussten.

Alles in allem – ein wunderbares Rezept für eine wirklich gelungene und schöne Ausstellung. Zahlen lügen nicht!

von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

Reisebogen von Maastricht bis Wiener Kongress – Bildungsfahrt des Museumsvereins

Vier Tage reisten 32 Mitglieder des Museumsvereins Burg Posterstein vom 11. bis 14. Oktober 2014 gemeinsam auf den Spuren historischer Persönlichkeiten, die mit der Herzogin Dorothea von Kurland in Zusammenhang gebracht werden können. Ein Reisebericht von Vereinsmitglied Monika Diedrich:

Auf dem Weg nach Brüssel nahmen die Mitglieder des Museumsvereins die Gelegenheit wahr, die Stadt Maastricht zu besuchen, die für die Verwirklichung eines einigen Europas mit dem Vertrag von Maastricht, 1992, sehr bedeutend ist. Beeindruckend war die gut erhaltene alte Stadt. Bis zu dem Gebäude an der Kennedy-Brücke zu gehen, wo der Vertrag ausgehandelt worden war, reichte die Zeit nicht. An dem Ziel eines ausgewogenen Europas hatte damals beim Wiener Kongress 1814/15 und den Jahren danach Talleyrand aktiv mitgewirkt, ja, für ein einiges Europa sein Verhandlungstalent und seinen Durchsetzungswillen in die Waagschale geworfen.

Von Maastricht nach Brüssel

Das Rathaus von Brüssel.
Der Museumsverein auf den Spuren Europas – Rathaus von Brüssel

Der zweite Tag der Reise war der Erkundung der Brüsseler Altstadt gewidmet. Bei einer improvisierten Führung, die an der Grand Place begann, sahen wir Reste der alten Stadtbefestigung, das Manneken Pis (natürlich), die Kirche Notre-Dame de la Chapelle und kamen zum Sablon-Viertel, wo auf einem langgezogenen Platz der Minerva-Brunnen steht. Oberhalb dieses Platzes befindet sich Notre-Dame du Sablon, die wir besichtigten. Alles überragte das Palais de Justice. Wir bewunderten die Place Royale und besuchten anschließend eins der Museen, eines, das erst im letzten Jahr mehrere unterirdische Etagen eröffnet hatte. Beileibe nicht alles konnten wir sehen, aber das war ja von vornherein klar. Da muss man einfach noch einmal wiederkommen!

Wie wichtig eine friedliche Welt ist

Brügge, Europas Kulturhauptstadt 2002
Brügge, Europas Kulturhauptstadt 2002

Zu den eindrucksvollen Erlebnissen dieser Reise gehörte am dritten Tag der Besuch der gut erhaltenen mittelalterlichen Stadt Brügge, die 2002 Europäische Kulturhauptstadt gewesen war. Hier konnte man erfahren, was es ausmacht, keine Kriegsschäden abbekommen zu haben. Die engen Straßen, die alten Kanäle und die schmalen Häuser mit den Renaissancegiebeln ließen daran denken, wie wichtig eine friedliche Welt ist.

Der Wahnsinn von Waterloo

Etwa 15 Kilometer südlich von Brüssel steht das Denkmal für die Schlacht von Waterloo
Etwa 15 Kilometer südlich von Brüssel steht das Denkmal für die Schlacht von Waterloo

Den Abschluss unserer Reise sollte das Kampfgebiet um Waterloo bilden. Etwa 15 Kilometer südlich von Brüssel erhebt sich schon von ferne sichtbar ein riesiger Löwe auf einem (künstlichen) Erdkegel. Dieses Monument war um 1820 errichtet worden, etwa an der Stelle, wo die Fronten der Schlacht verliefen. Den Wahnsinn dieser Schlacht deutlich zu machen, wurde unterstützt durch einen Film um das Geschehen vom 18. Juni 1815, durch einige Ausstellungen und ein großes Panoramabild.

Erinnerung an den Wahnsinn der Schlacht, auf den die Neuordnung Europas folgte
Erinnerung an den Wahnsinn der Schlacht, auf den die Neuordnung Europas folgte

Napoleons Wiederkehr nach Frankreich und sein erneuter Krieg gegen die Alliierten (Preußen, England , Russland) hatten bewirkt, dass die Mächte schneller zu einer Einigung über Europa kamen und die Schlussakte des Wiener Kongresses nach vielem Hin und Her gefasst werden konnte, an der Talleyrand, der enge Freund der Herzogin von Kurland und der Onkel ihrer Tochter Dorothée, keinen geringen Anteil hatte.

Von Monika Diedrich / Museumsverein Burg Posterstein

 

Zum Weiterlesen:
Napoleon – im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen – 200 Jahre Völkerschlacht bei Leipzig
Klaus Hofmann (Herausgeber), Museum Burg Posterstein, 2013 (212 Seiten, farbig, Preis: 24,00 Euro, ISBN 978-3-86104-098-9)

Herzogin Anna Dorothea von Kurland und der Musenhof Löbichau
Die Herzogin von Kurland im Spiegel ihrer Zeitgenossen – Europäische Salonkultur um 1800. Zum 250. Geburtstag der Herzogin von Kurland. Museum Burg Posterstein, 2011. (248 Seiten, farbig, ISBN 978-3-86104-086-6, 29,00 Euro)

 

Russische Glaseier, Straußenei und „Steh-auf-Häschen“: Osterfundstücke aus der Sammlung

Zum Osterfest zeigt das Museum Burg Posterstein österliche Fundstücke, die über die Jahre hinweg den Weg in die Sammlung gefunden haben. Einige stammen aus vergangenen Sonderausstellungen und wurden von regionalen Künstlern gestaltet. Andere sind Jahrzehnte alt und stammen aus fernen Ländern. Unsere neue Mitarbeiterin, die Historikerin Franziska Engemann, begleitete den Aufbau der kleinen Osterausstellung und gibt hier im Blog erste Einblicke:

Das höchste Fest der Christenheit

Eine kleine Osterausstellung auf Burg Posterstein gibt Einblicke in österliche Bräuche im Wandel der Zeit.
Eine kleine Osterausstellung auf Burg Posterstein gibt Einblicke in österliche Bräuche im Wandel der Zeit.

Das höchste Fest der Christenheit steht vor der Tür und überraschender Weise handelt es sich dabei nicht um Weihnachten. Es ist tatsächlich Ostern.

Wie das jüdische Pessach-Fest wird der Ostertermin über den Mondkalender bestimmt. So findet es jedes Jahr am ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond statt und ist somit ein „bewegliches“ Fest. In der vierzig Tage andauernden vorösterlichen Fastenzeit – der sogenannten Quadragesima – werden in vielen Kirchen als Symbol der Trauer sowohl die Fenster als auch der Altar mit dunklen Tüchern verhängt. Mit dem Ostersonntag, dem der Tag der Auferstehung Christi, beginnt die „österliche Freudenzeit“, welche fünfzig Tage (einschließlich Pfingsten) andauert.

Was war zuerst da: Hase oder Osterei?

Ei und Hase blicken beide auf eine lange, traditionsreiche Geschichte zurück
Ei und Hase blicken beide auf eine lange, traditionsreiche Geschichte zurück

Die bekanntesten Symbole für das Osterfest sind das Ei und der Hase. Beide blicken auf eine lange, traditionsreiche Geschichte zurück. Doch was war zuerst da: Hase oder Osterei?
Wie auch in anderen, vorchristlichen Religionen steht das Ei im Christentum als Symbol für Geburt und Auferstehung, nämlich die Geburt und Auferstehung Christi. Es ist ein Zeichen des neuen Lebens und wird oft in Verbindung mit dem Frühling gestellt. Der Brauch, Eier nach der Farbe der Sonne rot zu färben, ist schon aus vorchristlicher Zeit bekannt. Und auch bei den Römern war es wohl schon Brauch, sich gegenseitig bunte Eier zu schenken.

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts lässt sich schließlich auch der „Osterhase“ im Raum Oberdeutschland, Westfalen und Elsass nachweisen und verdrängte seit dem 19. Jahrhundert das Osterlamm von seinem Spitzenplatz unter den beliebtesten Tieren dieser Jahreszeit. In der christlichen Ikonographie spielt der langohrige Geselle jedoch eine wechselhafte Rolle. Zum einen stand er als Fruchtbarkeitssymbol als Synonym für Laster und Unkeuschheit (luxuria). Zum anderen galt er auf Altären (drei Hasen) als Zeichen der Dreifaltigkeit oder in Jagdszenen als Symbol für die vom Teufel (Jäger) verfolgte Seele. Heute sehen wir den kleinen Gesellen am liebsten in Schokoladenform und seinen Freund, das Osterlamm, wohl als Braten auf dem Osterteller.

Osterspielzeug aus Großmutters Zeiten

Ein Lieblingsstück: Nils Holgersson auf dem Weg zur Burg Posterstein
Ein Lieblingsstück: Nils Holgersson auf dem Weg zur Burg Posterstein

Ich habe mich immer gefragt, wie meine Eltern und Großeltern ihre Ostertage verbrachten, als sie noch Kinder waren. Nun ist in einer Vitrine im Eingangsbereich des Museums genau jenes Spielzeug zu finden, das kleine Herzen noch heute höher schlagen lässt: Ein kuscheliger Stoffhase krönt die Fundstücke und reiht sich neben einem „Steh-auf-Häschen“ im Anzug und zwei schönen Füllhasen in die Sammlung der Kuriositäten ein. Auch eine alte Karte mit dem Poststempel 1935 ist darunter und zeigt, dass schon damals große Feiertage zum Nachholen von Geburtstagsgrüßen genutzt wurden. So fragt die Verfasserin Elsbeth ihre Freundin: „Liebe Monika, ich glaube, Du hast jetzt irgendwann Geburtstag??“ (Sicher für viele ein bekanntes Problem, wenn die Geburtstagskalender der medialen Plattformen mal nicht erreichbar sind.)

Ostereier aus Holz, Glas, Keramik

Glaseier aus der Zeit um 1900 im Museum Burg Posterstein
Glaseier aus der Zeit um 1900 im Museum Burg Posterstein

Aus der Zeit um 1900 stammen zwei Glaseier. Auf der einen Seite findet sich der russische Doppeladler mit Krone, auf der anderen ist das Monogramm des letzten russischen Zaren, Nikolaus II., eingraviert. Jener Zar war es auch, der in seiner Regierungszeit um die 40 Stück der berühmten Fabergé-Eier hat herstellen lassen. Ebenfalls aus Russland stammen sechs fein bemalte Holzeier, die 1995/96 in der Werkstatt der Künstlerin Wassa Rosin-Bergmann entstanden. Sie zeigen Winter- und Frühlingsszenen aus deren Heimat.

Über die neu erworbene Sammlung Fink-Heinrich (hauptsächlich Weihnachtskrippen) hat auch ein bemaltes Straußenei seinen Weg ins Museum gefunden. Zu sehen sind darauf Krieger, die eine Antilope jagen.

„Ein kluger Mensch macht nicht alle Fehler selbst…“

Burg Posterstein als Osterschmuck
Burg Posterstein als Osterschmuck

Eines der, meiner Meinung nach, schönsten Stücke aus der Ostthüringer Region ist ein Keramik-Ei mit passendem Teller, gestaltet von dem Künstlerehepaar Schliebner. Darauf besuchen Nils Holgersson und seine Freunde, die Wildgänse, die Burg Posterstein. Ein anderes Ei zitiert Goethes berühmten „Osterspaziergang“ und auf einem weiteren Osterei steht der kluge Spruch: „Ein kluger Mensch macht nicht alle Fehler selbst – sondern läßt auch anderen eine Chance.“

Die Sammlungsstücke sind bis 27. April im Museum zu sehen.

Wie früher Ostern gefeiert wurde, kann man in unserem Blogpost über mittelalterliche Osterbräuche nachlesen.

Von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

Die Farben der Vergangenheit: Restaurierung und Renovierung auf Burg Posterstein

Seit dieser Woche arbeitet sich ein Maler durch alle Räume der Burg Posterstein. Dabei muss man im Museum nicht nur auf wertvolles Mobiliar acht geben, sondern auch auf die – teilweise freigelegten – Farbschichten vergangener Jahrhunderte.

Seit Februar 2014 sind im Museum Burg Posterstein Malerarbeiten im Gange. Besondere Rücksicht muss dabei auf historische Wandbemalungen genommen werden (Foto: Museum Burg Posterstein).
Seit Februar 2014 sind im Museum Burg Posterstein Malerarbeiten im Gange. Besondere Rücksicht muss dabei auf historische Wandbemalungen genommen werden (Foto: Museum Burg Posterstein).

In den kommenden rund zehn Wochen können Besucher daher immer jeweils einen Raum des Museums nicht betreten. In dieser Woche beginnen die Arbeiten im Gerichtsraum. Dabei soll die originale Farbfassung getreu nach Befund wieder nachgemalt werden. Die Originalbefunde, die bei Restaurierungsarbeiten 1989/90 freigelegt wurden, werden unretouchiert sichtbar gelassen.

Farben des 18. Jahrhunderts

Bei Restaurierungsarbeiten 1989/90 wurden bereits umfangreiche Wandbemalungen freigelegt, die im Museum im Original zu sehen sind (Foto: Museum Burg Posterstein).
Bei Restaurierungsarbeiten 1989/90 wurden bereits umfangreiche Wand- und Kaminbemalungen freigelegt, die im Museum im Original zu sehen sind (Foto: Museum Burg Posterstein).

Bei der Restaurierung der Burg im Jahre 1990 erlaubten gut erhaltene Befunde an Wänden, Kaminen, Türen, Türumrahmungen und Fenstern eine Restaurierung und Ergänzung der vorgefundenen Farbfassungen. Man verzichtete dabei auf eine Nachbildung der textilen Wandbespannungen des späten 18. Jahrhunderts, zeigte dafür aber alle freigelegten Sockel- und Kaminbemalungen, bis auf wenige Retuschen, im Originalzustand.

Das Museum zeigt noch erhaltene Reste der Bemalung aus dem 18. Jahrhundert im Originalzustand (Foto: Museum Burg Posterstein).
Das Museum zeigt noch erhaltene Reste der Bemalung aus dem 18. Jahrhundert im Originalzustand (Foto: Museum Burg Posterstein).

Im Obergeschoss konnten auf diese Art in den meisten Räumen die Raumfassungen rekonstruiert werden, in den verbliebenen Räumen ergänzte man die Farbgebung an den Innenwänden entsprechend dem dokumentierten Grundton.

1999 konnten bereits große Teile einer originalen Kaminbemalung gesicherte werden (Foto: Museum Burg Posterstein).
Originale Sockelbemalung im Museum Burg Posterstein (Foto: Museum Burg Posterstein).

Geraffte Tücher und muschelähnliche Ornamente

1999 untersuchte und sicherte man in einem Raum bereits einen bemalten Kaminbereich. Wenige, fragmentarisch erhaltene Farbreste an den Sockeln der Wände in diesem Raum zeigen Fassungen aus verschiedenen Zeiten. Ein Sockelbereich lässt eine Bandelwerkbemalung in Ocker, Rotbraun und Grau erkennen, während die anderen Teile mit muschelähnlichen Ornamenten in Licht- und Schattenspiel bemalt sind.

Ein ehemaliger Kamin ist in einer Wandmalerei auf trockenem Kalkputz  (Seccobemalung) gefasst (Foto: Museum Burg Posterstein).
Ein ehemaliger Kamin ist in einer Wandmalerei auf trockenem Kalkputz
(Seccobemalung) gefasst (Foto: Museum Burg Posterstein).

Die Risskittungen, das Verputzen der Fehlstellen und die teilweise Retuschierung der Malschichten durch die Restauratorin Bärbel Ginskey gaben der ursprünglichen Fassung ihr geschlossenes Bild zurück.

(Text: Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein)

Posti & Stein am weltweiten #MuseumSelfie Day

PostiStein_Selfie-2

Wir haben sie erwischt: Die Burggeister Posti und Stein posieren zusammen mit der Burg Posterstein. Kein Wunder, heute ist auf Twitter ja auch der erste internationale #MuseumSelfie Tag, ausgerufen von @MarDixon und dem britischen Museumsexperten-Netzwerk Culture Themes.

Eigentlich haben wir uns schon längst an den Anblick von Menschen, die ihren Museumsaufenthalt per schnelles Selbstportrait mit dem Smartphone dokumentieren schon längst gewöhnt. Heute wird es zum Flash Mob / Kunstprojekt auf internationaler Bühne. Wer auf Twitter und Instagram nach dem Hashtag (Lesezeichen) #MuseumSelfie sucht, findet sich schnell in einem öffentlichen Familienfotoalbum hunderter oder tausender Museumsbesucher wieder. Schön besprochen hat die neue Bedeutung solcher Selbstportraits auch der Münchner Kulturexperte Christian Gries in seinem Blog.

In Posterstein derweil schneit es und die Burggeister Posti und Stein verweisen mit ihrem Selfie nicht zuletzt auf das museumspädagogische Programm im Museum, durch das jedes Jahr mehr als 2000 kleiner Ritter und Burgfräulein die Burg Posterstein kennenlernen.

Das war unser Blogjahr 2013

Schon ein alljährlich wiederkehrendes Event in unserem Blog: Der WordPress-Jahresbericht von 2013! Wir danken allen Lesern für die interessanten Kommentare und anregenden Diskussionen und sind gespannt auf das nächste Blogjahr!

Hier ist ein Auszug:

Dieser Blog wurde in 2013 etwa 9.600 mal besucht. Das Museum Burg Posterstein konnte in dieser Zeit 23000 Besucher auch “offline” begrüßen.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

#Blogstöckchen: 20 Dinge, die ihr vielleicht noch nicht wusstet

Die Münchner Kulturexpertin Tanja Praske bewarf uns am vergangenen Mittwoch mit diesem Blockstöckchen, das gerade eine Art Staffellauf durch verschiedene Blogs macht. Wir haben versprochen, 20 nicht so bekannte Fakten über das Museum Burg Posterstein aus unseren Archiven zu graben und sie euch hier kurz und übersichtlich aufzulisten.

Die Burg zwischen Sage und Wirklichkeit

1. Goldene Kugel mit Inhalt:

Turmkuppel nach Restaurierung 1984Fangen wir ganz oben an. Auf dem Turm befindet sich eine goldene Kugel mit Wetterfahne. Bei der Restaurierung 1984 füllte man den so genannten Turmknopf mit tagesaktuellen Zeitungen, aktuellen Broschüren, Münzen, Fotos, Postkarten und kurzen statistischen Angaben zur Gemeinde Posterstein. Wer den Turmknopf wohl als nächstes öffnen wird?

2. Gefangen auf Burg Posterstein:

verlies-1Das mittelalterliche Verlies der Burg Posterstein befand sich im unteren Teil des Bergfrieds und war 6,50 Meter tief aus dem Fels herausgehauen. Noch im 16. Jahrhundert lässt sich die
Benutzung als Gefängnis nachweisen. Heute wird nur noch selten jemand auf Burg Posterstein eingesperrt, zuletzt vor einigen Jahren zwei Besucher, die zu lange nach Museumsschluss unbemerkt die Aussicht vom Burgturm genossen hatten.

3. Geheime Gänge:

BUrgPostersteinDer Geheimgang der Burg führte im Mittelalter etwa 60 Meter tief nach unten durch den Berg ins Freie. Das war für die Sicherheit der Wehranlage notwendig, um im Ernstfall die Versorgung sicher zu stellen oder einfach nur die Flucht anzutreten zu können. Eine versteckte Treppe im Gerichtsraum gibt es heute noch.

4. Fiktion rund um die Burg:

Posit und SteinDie Burg Posterstein bildet die Kulisse für mehrere Geschichten. Nicht nur, wenn die Burggeister Posti und Stein im Kinderbuch “Ein Fall für Posti und Stein” ergründen, wer außer ihnen noch in der Burg spukt. Auch der Film “Erik und Maria” spielt auf der Burg und das Kinderbuch “Das Werk des Johannis Hopf” von Christiane Vogel beschäftigt sich mit der Sage von der Burgkirche. Weitere Sagen ranken sich um das Dorf und die alte Burg.

5. Die Postersteiner Kirche unter großen Kameraaugen:

Dreharbeiten_KircheIm Juli 2013 stand die Burgkirche Posterstein im Mittelpunkt der MDR-Sendung “Spur der Schätze”, wo ein Fernsehteam zusammen mit Museumsmitarbeitern, Restauratoren und anderen Fachleuten der Sage des Johannis Hopf und der mysteriösen Herkunft des Schnitzwerks auf den Grund gehen wollte. Es entspannt ein interessanter Film, der heute aber leider nicht mehr in der MDR-Mediathek verfügbar ist.

6. Ein Bischof war Mitbesitzer

Tham Pflugk GrabsteinIm 16. Jahrhundert gehörte die Burg Posterstein dem meißnerischen Adelsgeschlecht der Pflugke. 1528 erwarben die Brüder Julius, Haubold, Tham, Andreas und Christoph von Pflugk das Anwesen. Julius wurde später Bischof in Naumburg, während sein Bruder Haubold den Postersteiner Besitz entscheidend festigte. Wegen religiösen Konflikten mit dem Landesherren, ging Julius Pflugk zeitweise nach Mainz ins Exil. Er war zeitlebens um Ausgleich zwischen Katholiken und Protestanten bemüht.

7. Wolf Conrad von Thumbshirn und der Westfälische Frieden

Georg PflugkEin späterer Besitzer Postersteins, Georg Dietrich von Pflugk, war mit einer Tochter von Wolf Conrad von Thumbshirn (1604 -1667) verheiratet. Der Mann mit dem auffälligen Namen war Hof- und Justizrat, später Geheimer Rat und Kanzler sowie Obersteuereinnehmer am Altenburger Hof und seit 1640 Abgeordneter des Herzogtums Sachsen-Altenburg auf dem Reichstag in Regensburg. Als Gesandter des Herzogtums für die Friedensverhandlungen in Münster und Osnabrück wählte man ihn in das Direktorium des Evangelischen Fürstenrates und dort als Verhandlungsführer. Diplomatisch geschickt, war er maßgeblich am Zustandekommen des Westfälischen Friedens von 1648 beteiligt und unterzeichnete diesen mit.

8. Der Laptop des Mittelalters

20131104_150111In der Ausstellung kann man ein sogenanntes „Reisebureau“ aus der ersten Hälfte 17. Jahrhunderts sehen. Diese Reisetruhe, mit Tragegriffen, beschlagen mit geprägtem Messingblech und Eisenbändern ist ein sehr seltenes Exponat. Sie besteht aus zwei Etagen, mit acht bzw. fünf Schubkästen zum Aufbewahren von Schreibutensilien. Solche Truhen führten nicht nur Juristen auf ihren „Dienstreisen“ mit sich, sondern sie gehörten auch zur Ausstattung der Sprösslinge von Adligen auf der „Kavalierstour“. – Sowohl Juristen als auch wohlbetuchte und nicht so wohlbetuchte Sprösslinge haben heute stattdessen ihren Laptop bei sich.

9. Exotische Früchte: die Frucht einer Steinnusspalme aus Südamerika

steinussDie Samen der Früchte der Steinnusspalmen nennt man Steinnüsse. Sie kommen aus den tropischen Gebiete Südamerikas. Anfang des vergangenen Jahrhunderts wurden im Thüringischen Schmölln aus diesen Steinnüssen Knöpfe. Steinnüsse wurden in jener Zeit von Schiffen, die ohne Fracht von Amerika nach Deutschland zurückfuhren, als Ballast geladen, um dann vor allem im Hamburger Hafen billig verkauft zu werden. Nachdem sie sich in Berlin inspirieren lassen hatten, begannen die Schmöllner Brüder Donath 1867 mit der Steinnussknopffabrikation mittels Handdrehbänken. 1870 kaufte Hermann Donath die erste Dampfmaschine. Schon 1914 war man Weltmarktführer in der industriellen Herstellung von Steinnussknöpfen und beschäftigte 2000 Arbeiter. Zur Sammlung der Burg Posterstein gehören auch die Zeugnisse dieser Industrie – Teile davon sind heute im Knopfmuseum Schmölln zu sehen.

10. Hans Fallada entdeckte hier die Liebe zur Kartoffel:

Fallada-229x300Der in Greifwald geborene Schriftsteller Rudolf Ditzen, alias Hans Fallada, verbrachte nach seinem missglückten Selbstmordversuch einige Zeit in Tannenfeld, das damals Nervenheilanstalt war. Im Anschluss ging er 1913 bis 1915 auf dem Rittergut Posterstein in die Lehre, wo er sich zum Landwirt – mit dem Spezialgebiet Kartoffelzüchtung – ausbilden ließ.

Gewollte und ungewollte “Löcher”

11. Neben den Schießscharten brüten Mauersegler:

Mauersegler_Zeichnung MarleneBei der Restaurierung der Burg 1984 wurden die bereits vorhandenen Brutstellen der Mauersegler und Turmfalken als Nischen ausgebildet und die Einfluglöcher in die neue Putzstruktur integriert. Die Nester sind heute noch „in Betrieb“.


12. In Stand gesetzt:

Sanierungsarbeiten2013Neben der umfangreichen Restaurierung der Burg zwischen 1981 und 1991, konnte 1992 bis 1994 auch die Burgkirche umfassend restauriert werden. In diesem Jahr wurden kleinere “Auffrischarbeiten” in der Halle der Burg durchgeführt und gleichzeitig die schlimmsten Erdbebenrisse im Bergfried beseitigt.

13. Ein ganzer Flügel der Burg fehlt: der Nordflügel

Ruine Nordflügel-2Die Gebrüder von Werder begannen 1718 mit dem Umbau des alten Nordflügels der Burg. Man errichtete einen repräsentativen Festsaaltrakt, mit Fußböden und Kaminen aus Marmor. Unter den Reichsgrafen von Flemming wurde der Bau schließlich vollendet. Nach der Enteignung des Postersteiner Besitzes durch die Bodenreform nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Bauwerk bis auf die Kreuzgewölbe des Kellergeschosses abgerissen und ist seither Ruine. Der Wiederaufbau würde uns heute über zwei Millionen Euro kosten.

Ein Kinderspiel

14. Ringezielen, Dreibeinlauf und Kreiselschlagen:

Kinderspiele_KreiselZu unserem museumspädagogischen Programm für Schulklassen gehört unter anderem das Themenprogramm “Mittelalterliche Traditionen und Lebensweisen”. Dort kriegen die Kinder nicht nur etwas über das Ritterleben erzählt, sondern können auch alte Kinderspiele selbst ausprobieren.

15. Ritterspiele seit über 20 Jahren:

Burgfest2013-1Seit 1991 schon gibt es Mittelalterspektakel und Ritterspiele auf Burg Posterstein. Nach einer zwischenzeitlichen kurzen Pause um die Jahrtausendwende fand eine Neuausrichtung statt.
Seither veranstaltet das Museum gemeinsam mit der COEX VeranstaltungsGmbH (http://www.coex-gmbh.de/) das Spektakel, zu dem jedes Jahr zu Pfingsten um die 8000 Gäste kommen. – In den 1990ern waren wir übrigens zur Inspirationssuche in Polen, wo anlässlich der Ritterkämpfe echte Krankenwagen neben der Burgruine parkten – und zum Einsatz kamen. Vor schweren Verletzungen braucht man in Posterstein keine Angst zu haben – sollte aber trotzdem auf der Hut sein….

16. Was haben Ritter mit Kuchen zu tun?

BurgcafeNichts, im Grunde. Aber bei uns hat sich die Tradition entwickelt, dass Mitglieder des Museumsvereins während des Mittelalterspektakels ein kleines Café im Burgkeller betreiben, in dem es nachmittags selbstgebackenen Blechkuchen (pro Wochenende an die 40 Kuchenbleche) gibt. – Da kommen auch die Ritter gern hin.

Das Netzwerk

17. Ein lebendiges Museum braucht Helfer und Unterstützer:

MuseumsvereinDerzeit hat der Museumsverein Burg Posterstein e.V. 52 Mitglieder, die regelmäßig bei Veranstaltungen, auch bei Übersetzungs- und Korrekturarbeiten im Museumsalltag einspringen. – Herzlichen Dank an alle! Einmal im Jahr begeben wir uns auf eine gemeinsame Bildungsfahrt.

18. Eine Ausstellung folgt den Reisewegen der Herzogin von Kurland:

Ausstellung_Valencay07Die Wanderausstellung “Lebensstationen der Herzogin von Kurland” reiste nach der Eröffnung in Posterstein (2006) nach Lettland (Schloss Ruhental 2008), Polen (Schloss Sagan 2009) und Frankreich (Schloss Valencay 2007). Zur Schau im Schloss Valençay des ehemaligen Ministers Talleyrand kamen 43.000 Besucher. Unterstützt wurde das Vorhaben von der Bürgerstiftung Altenburger Land.

19. Eine Löbichauer Büste in Paris:

Paris_BilettesAm 20. August 1821 starb die Herzogin Anna Dorothea von Kurland in Löbichau und wurde unter Anteilnahme von 7000 Trauergästen im „Herzoglichen Begräbniß im Hain“ beigesetzt.
In der Kirche Großstechau, neben dem Schloss, brachte man 1878 ein Relief über der Wandnische an, die zur Aufbewahrung der Urne des Herzens Herzogin diente. Es ist eine Arbeit von Wilhelm Troschel (1844 -1892), Sohn des bekannten Bildhauers Julius Troschel (1806-1863), einem Schüler Christian Daniel Rauchs. Im Oktober 2006 weilten Vertreter der Kirchgemeinde Großstechau und des Museumsvereins Burg Posterstein in Paris, um an einer Feier zu Ehren der Herzogin von Kurland in der „Kirche des Billettes“ der französischen Hauptstadt teilzunehmen. Im Rahmen der Veranstaltung wurde dort ein Abguss dieses Reliefs aus der Großstechauer Kirche übergeben und angebracht. Es erinnert seither an die Zeit der Herzogin und ihr karikatives Wirken in der lutherischen Kirche zu Paris.

20. Ein deutsch-französischer “Salon”:

Musenhof-1Die Freunde Talleyrands waren schon mehrfach in Posterstein, Löbichau und Tannenfeld zu Gast und wir begaben uns gemeinsam auf die Spuren der Herzogin von Kurland. Zum letzten Mal an deren 250. Geburtstag 2011. Das nächste Jubiläum und das nächste Gemeinschaftsprojekt stehen schon bevor: 2015 jährt sich der Wiener Kongress zum 200. Mal.


Nun muss man so ein Blogstöckchen ja am besten weiter werfen, wenn man ihm als Museum keine Inventarnummer im Archiv geben will. Deshalb haben wir das österreichische Universalmuseum Joanneum – ein fleißig bloggendes und twitterndes Museum (@Joanneum) – auserkoren, den Blogstaffel-Marathon fortzusetzen. – Wir sind gespannt auf die vielen noch weitgehend unbekannten Informationen aus Graz!

(von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein)