Vier Tage Südböhmen: Gast-Beitrag zur Bildungsfahrt der Mitglieder des Museumsvereins

Jedes Jahr begeben sich Mitglieder des Museumsvereins Burg Posterstein e.V. auf eine gemeinsame Bildungsfahrt. Reiseziele sind historische Orte, die unmittelbar mit den Forschungsschwerpunkten des Museums in Zusammenhang stehen. Vom 3. bis 6. Oktober 2013 führte die Reise nach Südböhmen, wo man beim Besichtigen der Schlösser von Schwarzenberg und Metternich noch tiefer in die Zeit zwischen Völkerschlacht (aktuelle Sonderausstellung) und Wiener Kongress (nächstes großes Jubiläum 2015 und Forschungsschwerpunkt “Musenhof Löbichau”) eintauchen konnte. In Plasy (deutsch: Plaß), wo sich ein Kloster und die Familiengruft Metternichs befindet, wurde nach dem Krieg auch das Familienarchiv Metternichs gefunden. Monika Diedrich, Mitglied im Museumsverein Burg Posterstein e.V., hat für diesen Gastbeitrag die Erlebnisse in Wort und Bild festgehalten. – Vielen herzlichen Dank!

Die Metternichs ließen Schloss Kynžvart (deutsch: Schloss Königswart) in Tschechien zu einem Barockschloss umbauen.
Die Metternichs ließen Schloss Kynžvart (deutsch: Schloss Königswart) in Tschechien zu einem Barockschloss umbauen.

Schon zum zweiten Male wurde auf der Fahrt in den Süden kurz vor Marienbad das Schloss Kynzvart (Königswart) besucht, das der Familie Metternich gehörte und welches der damalige österreichische Kanzler Clemens Metternich von seinem Vater zu Weihnachten geschenkt bekommen hatte – nach den Worten des kauzigen tschechischen Schlossführers. Nicht nötig war es, wie eine Teilnehmerin es aussprach, dass er auch noch zwei Säcke mit Goldtalern für den Erhalt des Schlosses hätte dazubekommen sollen, denn die Einrichtung des Schlosses – wieder nach den Worten des Führers – bestand zum größten Teil aus kleinen und großen Geschenken von Königen, vom Kaiser, vom Zar und anderen hochgestellten Persönlichkeiten jener Zeit.

Neben dem Schloss war der dazugehörige Gutshof zu einem großen Teil restauriert worden. Beim ersten, früheren Besuch befand er sich noch in einem desolaten Zustand. Im Gelände des schönen Parks liegt nun ein Golfplatz, der größte der Republik Tschechien.

Zweite Station: Das Schloss eines Heerführers

Am Nachmittag des ersten Tages kam der Bus in Krumlov (Krumau) an, einer kleinen Stadt von 13 000 Einwohnern , die umgeben ist von der Moldau, da sie in einer romantischen Flussschleife liegt. Beherrscht wird sie von einer der größten tschechischen Schlossanlagen, die von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden ist.

Die Schlossanlage gehörte der Familie Schwarzenberg, dessen bekanntestes Mitglied vielleicht der in Wien geborene Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg war, ab 1810 österreichischer Botschafter in Frankreich und ab 1813
Oberbefehlshaber der alliierten Armeen im Kampf gegen Napoleon.

Bekanntester Besitzer der opulenten Schlossanlage in Krumlov (Krumau) war Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg, Oberbefehlshaber der alliierten Armeen im Kampf gegen Napoleon.
Bekanntester Besitzer der opulenten Schlossanlage in Krumlov (Krumau) war Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg, Oberbefehlshaber der alliierten Armeen im Kampf gegen Napoleon.

Schloss- und Stadtführung am nächsten Tag machten jedem klar, warum es zu der Auszeichnung als Weltkulturerbe gekommen ist: Seit Jahrhunderten keine kriegerischen Zerstörungen, keine Plünderungen, keine Modernisierungsmaßnahmen an der Bausubstanz. Das bedeutet ganz und gar mittelalterliches Flair, wenn nicht die Touristen wären! Aber davon lebt die
Bevölkerung. Der größte Teil der Touristen ist deutschsprachig, doch 40 Prozent sind Asiaten. Ein bisschen stört der touristische Schnickschnack in den unzähligen Geschäften und Ständen schon. Und Kneipen gibt es hier! Nicht zu zählen. Das Bier läuft in Strömen.

Am dritten Tag wurde der Ort Rožmberk (Rosenberg) angefahren. Wieder eine tolle Burg, auch direkt an einer Moldauschleife gelegen, der Stammsitz des Adelsgeschlechts der Rosenberger, die in der böhmischen Geschichte eine große Rolle spielten.

Nicht weit davon – ebenfalls zu besichtigen – das wiederbelebte Kloster Vyšši Brod (Hohenfurth).

Der Wohnsitz Metternichs

Familiengruft der Familie Metternich in Plasy (deutsch Plaß)
Familiengruft der Familie Metternich in Plasy (deutsch Plaß)

Den Abschluss des viertägigen Ausflugs bildete nach einer deftigen Mittagspause im Gärkeller der Pilsener Brauerei die Besichtigung des ehemaligen Klosters Plasy, das im 19. Jahrhundert zum Wohnsitz der Familie Metternich wurde. Und dieses Mal hatten die Vereinsmitglieder Glück, sie konnten in die Familiengruft hineingehen und den Sarg des österreichischen Kanzlers ansehen sowie die Särge seiner Familienmitglieder.

Vier Tage böhmische und österreichische Geschichte, sehr gut in Zusammenhang zu bringen mit dem großen Forschungsschwerpunkt der Burg Posterstein, dem Leben und Wirken der Herzogin Dorothea von Kurland, insbesondere, wenn man an den Wiener Kongress (1814/15) denkt, bei dem zwei ihrer Töchter wichtige Rollen spielten. (Schon damals war der Geheimdienst, Metternichs Spitzel in Wien, über alle Aktivitäten bei Tag und in der Nacht genau informiert.)

Von Monika Diedrich, Mitglied des Museumsvereins Burg Posterstein e.V.

Weitere Berichte von Bildungsfahrten: Wanderung auf den Spuren Jean Pauls

Ein wichtiges strategisches Zentrum: Altenburg während der Völkerschlacht

Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg was commander-in-chief of the allied armies against Napoleon in 1813
Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg war Oberbefehlshaber der gegen Napoleon alliierten Armeen im Jahr 2013 (Bild: Museum Burg Posterstein)

Die Pläne von Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg, dem Oberbefehlshaber der 1813 gegen Napoleon alliierten Armeen, zielten darauf ab, die Stadt Altenburg als strategisch wichtigen Ort einzunehmen und von hier aus die weiteren militärischen Aktionen gegen Napoleon zu organisieren.

Der sächsische, russische und preußische General Johann Adolf Freiherr von Thielemann (1765-1824) schrieb am 3. Oktober 1813 Folgendes an Schwarzenberg:

“Eure Durchlaucht erlauben mir geringstes die Bemerkung, daß für die Subsisteme der vorrückenden Armee der Besitz von Altenburg und Zeitz uns unentbehrlich ist. Beide Städte haben Schlösser, die auf Bergen liegend, als Citadellen  anzusehen sind und mit 1000 Mann Infanterie gegen eine große Uebermacht gar leicht vertheidigt werden können.”

Zar Alexander I. traf am Abend ein

Tatsächlich erwies sich Altenburg als geeigneter Ort, der nicht nur in der Lage war zehntausende Soldaten über einen längeren Zeitraum zu versorgen, sondern auch Platz bot für die Oberbefehlshaber, Diplomaten, Generäle und ihr Gefolge. Am 7. Oktober 1813 besetzten die alliierten Truppen Altenburg. Das Hauptquartier verlegten sie am 11. Oktober aus Penig dorthin. Am gleichen Tag traf auch Zar Alexander ein, der im Altenburger Schloss residierte. Ihm folgten der österreichische Außenminister Metternich, der englische Gesandte Cathcart, der russische Diplomat Nesselrode sowie weitere Politiker und hohe Militärs.

Am 14. Oktober erhielt der österreichische Kaiser Franz von Schwarzenberg die Nachricht, dass ein Aufenthalt in Altenburg sicher sei. Der preußische König und der österreichische Kaiser erreichten Altenburg am 15. Oktober und logierten ebenfalls im Schloss.

Eine 10.000 Einwohner-Stadt versorgt in einem Jahr über 500.000 Militärs

In der Stadt Altenburg, die damals knapp 10.000 Einwohner hatte, sollen im Jahr 1813 insgesamt 671 Generäle, 46.617 Offiziere und 472.399 Soldaten einquartiert gewesen sein. Allein im September und Oktober 1813 soll die Stadt für die Truppen die unglaubliche Summe von 147.681 Talern ausgegeben haben.

Der Altenburger Regierungs- und Finanzrat Friedrich Wagner (1792-1859) beschrieb in seiner “Chronik der Herzoglichen Residenz- und Hauptstadt Altenburg” (zu lesen auch auf Google Books) ausführlich die Lasten des Krieges, die auf den Altenburger Bürgern lasteten. Ein Auszug:

„Auf Befehl der verbündeten Mächte wurde jetzt das große Magazin von Korn, Hafer, Kartoffeln u. s. w., wozu bereits am 8. October Forderungen gemacht worden waren, wirklich angelegt, doch wurde die Lieferung der Pflege Zeitz größtentheils nach Borna gewiesen. Von Gera trafen schon ansehnliche Lieferungen zu diesem Magazine ein. Das Logenhaus, die Garnisonkirche, das Jagdzeughaus, das Vorwerk am Schlage, die Rathswage, der Pavillon im Schloßgarten, und mehrere Scheunen wurden von diesem Magazine angefüllt, Stroh und Heu aber in ungeheuern Feumeln auf dem Gottesacker aufgethürmt. (…)”

In allen Häusern mussten 2, 3 und mehr Verwundete aufgenommen werden

Special exhibition on the battle of Leipzig in the museum Posterstein Castle near Altenburg
Sonderausstellung “Napoleon – Im Spiegel zeitgenössischer Karikaturen” im Museum Burg Posterstein

Auch Gefangene und Verwundete mussten aufgenommen und versorgt werden. Den Kanonendonner aus Leipzig konnte man bis nach Altenburg hören. Am 18. Oktober notierte Wagner: „Bei frühem Morgen begann der Donner des Geschützes von neuem, heftiger noch, als am 16., und wahrte den ganzen Tag hindurch fort. Vom Lande trafen die traurigsten Berichte über die großen Verwüstungen und die vernichteten Vorräthe ein. Schon war hier an Hafer und Heu gar nichts mehr aufzubringen, so daß an diesem Tage die Aemter Ronneburg, Eisenberg und Roda Befehl erhielten, 600 Centner Heu und 1200 Dresdner Scheffel Hafer hierher zu liefern. In der Stadt mehrten sich die Verwundeten mit jedem Augenblicke so, daß außer den Lazarethen fast in allen Häusern 2, 3 und mehr Verwundete aufgenommen werden mußten.

“Der Himmel helfe die Erndte ein bringen”

Auch auf den umliegenden Dörfern, Höfen und Rittergütern war die Last des Krieges zu spüren.

Die Herzogin von Kurland, Besitzerin des Ritterguts Löbichau, schrieb bereits am 22. Juli und am 6. August 1813 an die Gräfin Kielmannsegge:

„Seit dem 25. März ist dies Land ohne Einquartierungen bis jetziger, keinen Tag gewesen. Wir haben hier alle Farben alle Religions Verwandte gehabt. Und bis zum 2ten may die alliierten, die bey ihrem Abzuge alles mitnahmen an Pferde, Vieh, u. lehrten die Speycher bis aufs letzte Korn. – das Jahr 1813 muß sich in seiner üblen Deutung bewährt machen – wären wir nur schon am Ende desselben (…)

Die Menge der Truppen zu Pferde, zu Fusse u. Artellerie Trains ziehen alle durch das Altenburger Land, wie auch eine Menge Wagen mit Pulver Mehl u. Reiß – sodaß seit Monate 12 hundert gespannte Pferde aus diesem Fürstenthume fest auf der Landstraße sind. Auch wird eine forcirte Recrutierung gemacht u. sehr schnell hat Altenburg seine Leuthe stellen müssen. Auch gehen unsere Bawern bis nach Erfurth um dort an den Schanzen zu arbeiten. Diese in Bewegung gesetzte Tätigkeit deutet wohl auf Krieg. Der Himmel helfe die Erndte ein bringen es fehlt freylich unter den jetzigen Umständen, an Arbeiter, und an Pferde um die Feldarbeiten zu bestreiten. Kriegssteuer u. Abgaben aller Arth sind unvermeydliche Uebel.“

Noch jahrelang musste die Altenburger Bevölkerung mit einer Einkommensteuer für die Kriegsschulden des Herzogtums aufkommen.

Sonderausstellung “Napoleon – Im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen”

Plakat Sonderausstellung "Napoleon - IM Spiegel zeitgenössischer Karikaturen" im Museum Burg Posterstein
Plakat Sonderausstellung “Napoleon – IM Spiegel zeitgenössischer Karikaturen” im Museum Burg Posterstein 2013

Das Museum Burg Posterstein zeigt von 1. September bis 17. November 2013 die Sonderausstellung “Napoleon – Im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen – 200 Jahre Völkerschlacht bei Leipzig”. Am 13. Oktober erscheint das Buch zur Ausstellung, in dem unter anderem ein Kapitel über die Truppendurchzüge durch Altenburg im Völkerschlachtsjahr 1813 erhalten sein wird.

(von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein)

Zum Weiterlesen:

Brockhaus und Altenburg während der Völkerschlacht bei Leipzig

Website des Museums Burg Posterstein

Sammelten Ritter Ostereier? – Ostern im Mittelalter

Natürlich sammelten die Ritter noch keine bunten Ostereier, wie der etwas ironische Titel dieses Artikels vorgaukeln mag. Aber bereits im frühen Mittelalter galt das Osterfest, das den Tod Jesus Christus’ betrauert und seine Auferstehung feiert, als wichtigstes Fest im Kirchenjahr. – Und das Ei war auch damals schon ein Teil des Festes.

Ostern im Mittelalter - Museum Burg Posterstein
Als Dekoration hat sich in den 1960er und 70er Jahren der Osterbaum eingebürgert – hier ein Foto von einem Osterbaum im Museum Burg Posterstein in den vergangenen Jahren (Bild: Museum Burg Posterstein).

Vom Bußen und Fasten

Im Mittelalter wurde die so genannte “Quadragesima”, die 40 Tage dauernde Passionszeit, sehr ernst genommen. Bereits im 2. Jahrhundert lässt sich ein 40-stündiges Fasten am Trauertag Karfreitag, dem Tag der Kreuzigung Jesus Christus’, nachweisen, das im 5. Jahrhundert bereits auf drei Tage (Karfreitag bis Ostersonntag) ausgeweitet worden war.

In der Karwoche sollte die Arbeit ruhen

Um dem Leiden Christus’ zu gedenken, ließ man bis ins 9. Jahrhundert schon zwei Wochen vor Ostern die Arbeit ruhen. Später wurde dieser Zeitraum aus wirtschaftlichen Gründen verkürzt. Heute sind nur noch Karfreitag bis Ostermontag offizielle Feiertage. Das Wort “Kar” hat seine Ursprünge im Mittelhochdeutschen und bedeutet so viel wie “Trauer” und “Wehklagen”. Jesus’ Leidensgeschichte beginnt bereits am Gründonnerstag, schon im 12. Jahrhundert “gruener dunrestac” genannt (Vgl. Universität Innsbruck), wobei das “Grün” sich vermutlich nicht auf die Farbe, sondern auf das mittelhochdeutsche “grunen” bzw. “greinen” bezieht, das “weinen” bedeutet. Frühe Quellen deuten darauf hin, dass der Gründonnerstag schon im 4. Jahrhundert mit Fußwaschung und Erstkommunion begangen wurde. Im Altertum und im Mittelalter begann der Karfreitagsgottesdienst um 15 Uhr, dem überlieferten Todeszeitpunkt Jesus Christus’. Am späten Abend des Ostersamstags oder am frühen Morgen des Ostersonntags wandelt sich die Trauer um Jesus in Freude über seine Auferstehung. Das wird traditionell mit Gottesdiensten und Osterfeuern gefeiert.

Blutrote Ostereier, als Zeichen des Lebens

Ostereierbaum - Museum Burg Posterstein
Osterbaum im Museum Burg Posterstein (Bild: Museum Burg Posterstein).

Viele der mit dem Osterfest verbundenen Traditionen gehen auf heidnische Bräuche zurück. In nahezu allen Kulturen gelten beispielsweise Eier als Symbole der Fruchtbarkeit. So wurde das Ei schon in frühchristlichen Zeiten zum Symbol für die Auferstehung. Während der Fastenzeit durfte man keine Eier essen, sodass sich zu Ostern dann viele Eier angesammelt hatten. Sie galten ursprünglich auch als Zahlungsmittel für die Pacht an den Grundherren, die häufig zu Ostern gezahlt werden musste. Noch im 19. Jahrhundert soll es in Teilen Deutschlands üblich gewesen sein, dem Pfarrer an Ostern Eier zu schenken.

Lange Zeit hielt sich auch die Tradition der besonders segenbringenden “Antlaßeiern”, die am Gründonnerstag oder an Karfreitag gelegt worden waren. Diese sollten sich das ganze Jahr über halten und wurden als Glücksbringer im Gebälk des Hauses versteckt.

Ab dem 12. Jahrhundert kann die so genannte “Eierweihe” am Ostersonntag mit historischen Quellen belegt werden. Zur Eierweihe wurden die Eier – vermutlich als Analogie für das Blut Christi – rot bemalt. Die Weihe beendete das Fasten und gab das Ei wieder zum Essen frei. So spielten Eierspeisen auch beim großen Osteressen als Abschluss der Fastenzeit bis ins 15. Jahrhundert eine große Rolle. Spätestens seit dem 17. Jahrhundert verschenkten die Menschen solche bemalten und verzierten Ostereier – und das nicht nur in der Farbe Rot.

Wenn der Storch die Eier bringt

Nicht immer war es der Hase, der Ostereier brachte. In Thüringen soll dafür angeblich lange Zeit der Storch verantwortlich gewesen sein. Der vergleichsweise junge Brauch mit dem Hasen, der auch als Symbol für Fruchtbarkeit gilt, entstand vor rund 300 Jahren in der Pfalz und setzte sich im 19. Jahrhundert großflächig durch.

Die Burgkirche Posterstein steht etwas unterhalb der Burg, im ehemaligen Burggraben.
Bevor die Burgkirche Posterstein im späten 16. Jahrhundert gebaut wurde, gab es in der Burg eine kleine Kapelle. Zu größeren Gottesdiensten ging man ins benachbarte Nöbdenitz. (Foto: Museum Burg Posterstein)

Wie feierten die Postersteiner Ritter Ostern?

Weil darüber in unseren Quellen nichts überliefert ist, können wir über das Osterfest auf Burg Posterstein nur Vermutungen anstellen: Nachdem sie seit Aschermittwoch streng gefastet hatten, wahrscheinlich täglich nur eine Mahlzeit ohne Fleisch, Eier und Alkohol zu sich genommen hatten, ritten die Postersteiner Ritter für die kirchlichen Feierlichkeiten ins benachbarte Nöbdenitz, wo sie bis Ende des 16. Jahrhunderts eine Ehrenloge in der Kirche besaßen. Zusätzlich wurden in der häuslichen Kapelle im Erdgeschoss der Burg (der Raum dient heute als Galerie für Sonderausstellungen) Andachten und Gottesdienste gefeiert. Die Untertanen lieferten zu Ostern ihre Abgaben beim Burgherren ab. Sicherlich gab es auch auf Burg Posterstein ein großes Osteressen zum Abschluss der Fastenzeit. Die gefärbten Eier, die dabei verzehrt wurden, hatte vielleicht der Storch gebracht.

Zum Weiterlesen:

Willner, Barbara / Huhle, Holger: So oft im Jahr ist Feiertag. 1988.

Theology.de: http://www.theology.de/kirche/kirchenjahr/osterbraeucheindeutschland.php

Universität Innsbruck: http://www.uibk.ac.at/geschichte-ethnologie/medien/feste-und-braeuche/infoservice/karwoche.html

Leben im Mittelalter: http://www.leben-im-mittelalter.net/alltag-im-mittelalter/freizeit/feiertage/ostern.html

Von Marlene Hofmann, Museum Burg Posterstein

Bauarbeiten machen “Geheimtreppe” Besucher zugänglich

Unser Beitrag zur Kultur-Blogparade 2013 der Residenz München !

Auf Burg Posterstein gibt es eine versteckte Treppe, die normalerweise für Besucher nicht zugänglich ist: Verdeckt von einem zimmerhohen Schrank führte die “Geheimtreppe” vom ehemaligen Gerichtszimmer der Burgherren hinab in die Küche, auf den Hof und in den „Unteren Saal“; und von dort weiter in einen Kellerbereich. Früher diente dieser Gang möglicherweise als Fluchtweg, heute endet der Weg bereits in der eine Etage tiefer liegenden Galerie.

Die "Geheimtreppe" auf Burg Posterstein
Die “Geheimtreppe” auf Burg Posterstein (c) Museum Burg Posterstein

Bei normalem Ausstellungsbetrieb können Besucher nur einen Blick in den Schrank hineinwerfen. Allenfalls den mehr als 2000 kleinen Rittern und Burgfräuleins, die jedes Jahr mit ihren Schulklassen und Geburtstagsgästen mit den Burggeistern Posti & Stein auf Erkundungstour gehen, erlauben die Burggespenster den Aufstieg durch die Geheimtreppe.

Nein, hier hat nicht Christo verhüllt: Bauarbeiten auf Burg Posterstein im Februar 2013
Nein, hier hat nicht Christo verhüllt: Bauarbeiten auf Burg Posterstein im Februar 2013

Bis Ende Februar finden jedoch Bauarbeiten in der Oberen Halle und dem Bergfried der Burg Posterstein statt – und dann werden alle Besucher den verdeckten Eingang nutzen müssen. Bei den Bauarbeiten sollen nicht nur die zum letzten Mal vor 20 Jahren restaurierten Räume saniert werden, sondern auch gleich noch die Risse, die beim großen mitteldeutschen Erdbeben 1872 im Turm entstanden sind, verschlossen werden. Im Video des freien Journalisten Gunter Auer (unten) erklärt Museumsdirektor Klaus Hofmann u. a. die Restaurierungspläne.

Während die Handwerker arbeiten, läuft der Museumsbetrieb normal weiter und die Dauerausstellungen können besichtigt werden. Im Gerichtsraum wird geheiratet, die Burggeister führen weiter Kinder durch die Burg und im Büro werden die nächsten großen Sonderausstellungen vorbereitet, zum Beispiel die zum 200. Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig, die am 1. September beginnt.

[vimeo 58956586 w=500 h=281]

Burg Posterstein – Rückblick 2012 und Vorschau 2013 // Posterstein castle – retrospect 2012 and preview 2013 from Burg Posterstein on Vimeo.

Dann sollen Napoleon-Karikaturen gezeigt und die Forschungsergebnisse verschiedener regionaler Historiker über die Ereignisse und die handelnden Personen des Jahres 1813 vorgestellt werden. – Schließlich waren sowohl die Region um Altenburg als auch der Kreis um die Herzogin von Kurland unmittelbar von dem in Leipzig stattgefundenen Kriegsgeschehen betroffen. In Altenburg selbst hielten sich kurz vor und während der Schlacht die Herrscher und führende Generäle der antinapoleonischen Allianz auf. Friedrich Arnold Brockhaus gab in Altenburg die Deutschen Blätter heraus und war damit Kriegsberichterstatter im Auftrag des Oberbefehlshabers der Alleierten Armeen Fürst Schwarzenberg. Eine Publikation zur Ausstellung wird ebenfalls erscheinen, für die gerade Recherchearbeiten in Wiener Archiven stattfanden.

Weitere Informationen: www.burg-posterstein.de

Von Marlene Hofmann, Museum Burg Posterstein

Beitrag zur Blogparade 2013 der Residenz München

Magische Nächte zwischen Weihnachten und Dreikönigstag – Weihnachten im Mittelalter

Mit der Christianisierung Mitteleuropas im Laufe des Mittelalters wurde das Weihnachtsfest, die Geburt Jesus Christus, eines der wichtigsten Feste des Kirchenjahres. Weihnachten dauert von der Adventszeit (ab Sonntag nach dem Totensonntag, welcher der letzte Tag des Kirchenjahres ist) bis zum 6. Januar (Dreikönigstag). Zu den frühesten überlieferten Weihnachtsbräuchen gehören das Singen von Weihnachtsliedern, das Aufstellen von Weihnachtskrippen und das Krippenspiel, die alle die Geschichte der Geburt Jesus Christus anschaulich darstellen. Das Museum Burg Posterstein zeigt ab 2. Dezember wieder seine traditionelle Ausstellung mit Weihnachtskrippen aus aller Welt.

Krippe aus Transparentpapier, Sammlung Riewe, (c) Museum Burg Posterstein
Krippe aus Transparentpapier, Sammlung Riewe, (c) Museum Burg Posterstein

Was machten die Postersteiner Burgherren an Weihnachten?

An Weihnachten machten sich die Postersteiner Burgherren bis Ende des 16. Jahrhunderts höchstwahrscheinlich auf den Weg zum Gottesdienst ins nah gelegene Nöbdenitz. Dort besaßen sie einen herrschaftlichen Logensitz. Erst als es ab 1575 zu Streitigkeiten mit den Nöbdenitzern kam, errichtete man in Posterstein eine eigene Kirche, direkt im Burggraben. Darüber hinaus besaßen die Burgherren eine kleine Hauskapelle in den Räumen der Burg, dies belegen Baubefunde wie Reste einer Gewölbedecke sowie ein romanischer Taufstein, die heute im Museum zu sehen sind. Mehr dazu erfahren Sie in der Ausstellung “Wehrhaft, wohnhaft, Haft”.

Die Burgkirche Posterstein steht etwas unterhalb der Burg, im ehemaligen Burggraben.
Die Burgkirche Posterstein steht etwas unterhalb der Burg, im ehemaligen Burggraben. (c) Museum Burg Posterstein

Heidnische Bräuche vermischten sich mit christlichem Glaube

Beschäftigt man sich mit überlieferten Volksbräuchen, wird deutlich wie sehr sich heidnische Traditionen mit den neuen christlichen Ritualen vermischten. In die Zeit zwischen Weihnachten und dem Jahreswechsel fielen auch die “Zwölften“, auch “Rauhnächte” oder “Rauchnächte” genannt. In dem Zeitraum zwischen Thomastag (21. Dezember) und Dreikönigstag (6. Januar) machte nach dem Volksglauben der Wilde Jäger mit seinem Gefolge von Hexen, Dämonen, Schweinen, Menschen ohne Kopf und Teufelsfratzen die Nächte unsicher. Dann musste die Arbeit ruhen und um die Dämonen in Schach zu halten, gab es allerlei Schutzmaßnahmen: Wasser nicht unbedeckt lassen, Vieh nicht aus dem Stall lassen, gefährliche Tiere nicht beim Namen nennen, den Hunden ein besonderes Brot backen, Hexen durch Maskenumzüge vertreiben, nicht lüften und nicht waschen. Gleichzeitig war es eine fröhliche Zeit, denn die Mägde konnten nach Hause zu ihren Familien und die Wirtshäuser waren besonders zum Jahreswechsel gut besucht.

Weihnachtskrippen aus der Sammlung Riewe auf Burg Posterstein (c) Museum Burg Posterstein
Weihnachtskrippen aus der Sammlung Riewe auf Burg Posterstein (c) Museum Burg Posterstein

Seit wann gab es Bescherung und Tannenbaum?

Frühestens seit Ende des 16. Jahrhunderts lässt sich nach der Christmette, dem feierlichen Gottesdienst mit Krippenspiel, auch die häusliche Bescherung mit Geschenken nachweisen. Vor der Reformation brachte St. Nicolaus die Gaben, danach der Heilige Christ. Ihn begleiteten Martin, Nicolaus oder der grimmige Knecht Ruprecht als strafende Personen. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts verteilte Knecht Ruprecht dann selbst die Geschenke, im Namen des Heiligen Christs. Daraus entstand dann der heutige Weihnachtsmann-Brauch. Das Aufstellen von Tannenbäumen ist ebenfalls frühestens im 16. Jahrhundert belegt. Richtig etabliert hat sich die Tradition erst im 19. Jahrhundert. Seinen Ursprung soll das Aufstellen eines „Grünen Baumes“ in den Segensbäumchen (Ostereierbaum, Maibaum) haben, welche zum Schutz von Haus, Hof und Vieh aufgerichtet wurden”.

(Quelle: Museum Burg Posterstein, Archiv Riewe)

Zum Herunterladen: Plakat: Weihnachtskrippen auf Burg Posterstein 2012

Mehr Informationen: www.burg-posterstein.de

Ähnliche Artikel: “Mit Christuskind, Hirten, Ochs und Esel: Aus der Geschichte der Weihnachtskrippen”

Von Marlene Hofmann

Eine Wehrburg thronte im Sprottental – wie die Burg Posterstein im Mittelalter aussah

Die Burg Posterstein 2012

Das heutige Aussehen der Burg Posterstein mit ihrem weißen Putz und den roten Eckquaderungen geht auf Umbauten zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert zurück. Damals ließen die Burgherren die durch Verfall und Schäden während des Dreißigjährigen Kriegs stark in Mitleidenschaft gezogene Wehrburg in eine Wohnburg umbauen. Doch wie sah die Burg Posterstein ursprünglich aus?

Die neue Ausstellung “Wehrhaft, wohnhaft, Haft” (zu sehen seit Herbst 2012) geht dieser Frage auf den Grund.

Die Burg Posterstein 2012
Die Burg Posterstein 2012 (Foto: Museum Burg Posterstein)

Eine rundum gesicherte Wehranlage

Die im 12. Jahrhundert erbaute Burg Posterstein war dereinst eine rundum gesicherte Wehranlage. Dies lässt sich an Hand einiger archäologischer Funde rekonstruieren. Der Burgberg fällt nach Norden steil ab, auf der flachen Südseite musste die Ringburg jedoch gesichert werden. Ein sechs Meter breiter und ebenso tiefer Halsgraben erschwerte den Zugang zur Burg. Möglicherweise gab es vor diesem Verteidigungsabschnitt noch eine Umfassungsmauer und einen Abschnittsgraben. Eine Zugbrücke führte über den Graben in den höher gelegenen Burghof. Eine etwa 1,50 Meter starke Ringmauer, im Osten mit einem Zwinger dem Bergfried vorgelagert und im Westen mit einem Flankierungsturm massiv verbunden, bildete den Befestigungsring der Burg. In dessen Inneren stand mindestens auch ein Wohngebäude.

Ein mittelalterlicher Flankierungsturm ist noch teilweise erhalten. Er erhielt bei späteren Umbauten einen neuen Aufbau. Das Foto ist ein Meßbild, das während der Restaurierung der Burg in den 1980er Jahren entstanden ist. (Foto: Museum Burg Posterstein)
Ein mittelalterlicher Flankierungsturm ist noch teilweise erhalten. Er erhielt bei späteren Umbauten einen neuen Aufbau. Das Foto ist ein Meßbild, das während der Restaurierung der Burg in den 1980er Jahren entstanden ist. (Foto: Museum Burg Posterstein)

Noch erhalten: Reste von Mauern und Flankierungsturm

Der Flankierungsturm ist nur noch bis zur Höhe des heutigen Erdgeschosses erhalten und hat im Laufe der Zeit starke Veränderungen erfahren. Der untere Abschnitt zeigt nach drei Seiten Öffnungen, wobei wenigstens zwei davon auf Schießscharten hindeuten. Darüber befindet sich ein Aborterker.

Von Graben und Zugbrücke gibt es heute keine sichtbaren Spuren mehr, weil der jetzige Eingang in die Burg, einschließlich der steinernen Brücke, neu errichtet und der Halsgraben mit Brandschutt verfüllt wurde.

Bei einer archäologischen Grabung in der Burgkirche konnte das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie 2008 Reste des Halsgrabens nachweisen. Ein letztes Stück der Umfassungsmauer ist noch am Westhang der Burg vorhanden.

Mehr dazu: Ausstellung “Wehrhaft, wohnhaft, Haft” im Museum Burg Posterstein und in der Broschüre “Wehrhaft, wohnhaft, Haft”, zu bestellen unter info@burg-posterstein.de (Kosten: 5 Euro zzgl. Versand)

Von Marlene Hofmann

Was führten die Postersteiner Ritter im Schilde?

Wappen der Familie Pflugk (Burg Posterstein)

„Etwas im Schilde führen“ – Das ist eine Redewendung, deren Wurzeln im Mittelalter liegen. In Zeiten von bewaffneten Rittern auf Pferden, gehörte der Schild zur festen Kampfausrüstung. Mit dieser länglichen und gebogenen Holz- oder Metallplatte konnte der Kämpfer beispielsweise Geschosse und Schwerthiebe abwehren. Der Schild erfüllte aber noch eine weitere Aufgabe: Die Vorderseite bot reichlich Platz für ein Wappen, Leitsprüche oder verschiedene Farben. Auf diese Weise konnte ein Ritter nicht nur seine edle Herkunft und lange Familientradition zeigen, der Schild diente auch zur Wiedererkennung. Durch die Farbe des Schildes ließen sich schnell Freunde von Feinden unterscheiden. Vor diesem Hintergrund bekommt die Frage „Was führt er im Schilde?“ eine neue Bedeutung. Auf einen Blick erkennen zu können, welches Wappen ein anderer „im Schilde führte“ – eine lebenswichtige Kunst! Heute unterstellt die Redewendung vor allem eine böse Absicht.

Wappen der Familie Pflugk (Burg Posterstein)
Wappen der Familie Pflugk (Burg Posterstein)

Welches Wappen führten die Postersteiner im Schilde?

Von den Wappen der verschiedenen Adelsfamilien, die im Laufe der Zeit auf Burg Posterstein lebten, ist nur das der Familie von Pflugk bekannt. 1528 kauften die Vettern Julius, Haubold, Tham, Andreas und Christoph von Pflugk auf Eythra (Eithra) Posterstein von Nickel von Ende. Die Burg und das zugehörige Land blieben fast 200 Jahre im Besitz dieses meißnischen Adelsgeschlechts. Das Wappen der Pflugke ist auf Abbildungen erhalten und in einer Turmglocke eingraviert: Der Schild besteht aus vier Teilstücken in Rot und Silber. In Feld 1 und 4 befindet sich eine schräge, silberne Pflugschar und in Feld 2 und 3 ein natürlicher Lindenast mit drei Blättern. Auf dem gekrönten Helm stecken zwei silberne, schräg voneinander gestellte Pflugschare, je außen rings mit sieben abwechselnd rot-silbernen Straußenfedern besteckt.

Wappen der Familie Pflugk auf Turmglocke (Burg Posterstein)
Das Wappen der Familie Pflugk auf der Turmglocke (Burg Posterstein)

Wem dienten die Postersteiner?

Die Burg Posterstein wurde im späten 12. Jahrhundert im Zuge der deutschen Besiedlung unter Kaiser Friedrich I. Barbarossa gebaut. Sie befand sich seit dem 13. Jahrhundert unter der Lehnshoheit des Reußischen Adelsgeschlechts, sehr zum Ärger der wettinischen Markgrafen zu Meißen, die Altenburg und weite Teile des Umlands verwalteten. Um die Grundherrschaft vor dem Zugriff der Wettiner zu schützen, gaben die Reußen ihren Postersteiner Besitz 1327 dem König von Böhmen zu Lehen auf. Daraus resultierte ein jahrhunderte dauernder Streit dieser beiden Adelshäuser, der um 1600 sogar mit Waffengewalt ausgetragen worden sein soll.

Im Kriegsfall gegeneinander kämpfen

In eine kniffligen Lage kamen die Postersteiner im 14. Jahrhundert: Während des Vogtländischen Krieges (1354–1359) soll Posterstein neben Werdau und Ronneburg eine der Burgen gewesen sein, die Kaiser Karl IV. auf seinem Zug in das Pleißenland 1358 besetzte. Die Grundherrschaft blieb jedoch auch nach dem Krieg und trotzzwischenzeitlichen Verlustes unter reußischer Lehnshohheit. Dies reduzierte sich in der Folgezeit auf das Dorf Posterstein selbst, während die übrigen zinspflichtigen Orte an die wettinischen Markgrafen zu Meißen übergingen. Das bedeutete, dass die Postersteiner Burgherren im Kriegsfall zwei Kontingente stellen und diese unter Umständen gegeneinander kämpfen mussten. Weil es in dieser Zeit aber keinen weiteren Krieg gab, blieben sie davon jedoch verschont.

Plakat Wehrhaft, wohnhaft, Haft (Burg Posterstein)
Das Plakat zur Ausstellung “Wehrhaft, wohnhaft, Haft” im Museum Burg Posterstein – ab September 2012

Wehrhaft, wohnhaft, Haft

Mittelalterliche Burgen waren Wohnstatt, Verteidigungsanlage und Gefängnis in einem. Die Bedeutung und die verschiedenen Funktionen des Bergfrieds (des Hauptturms) einer Burg beleuchtet die neue Ausstellung „Wehrhaft, wohnhaft, Haft“ im Bergfried der Burg Posterstein.

Von Marlene Hofmann

Wo wohnten die Nachfahren von “Baron Münchhausen”?

Ansichtskarte des Ritterguts Windischleuba ((c) Museum Burg Posterstein)
Ansichtskarte des Ritterguts Windischleuba ((c)Museum Burg Posterstein)

Die Geschichte von Windischleuba ist lang, als „Luben“ fand der Ort schon 1181 / 1214 im Zehntverzeichnis des Klosters Bosau Erwähnung. Von 1455 bis 1659 gehörte es wie auch Nobitz der Familie von der Gabelentz, die auf dem Rittergut Poschwitz wohnten. 1492 begann Hans von der Gabelentz in Windischleuba ein Schloss zu errichten und ließ auch die Kirche umfassend erneuern. Sein Sohn Christoph I. von der Gabelentz, Domherr in Mainz, Meißen und Naumburg, beendete den Schlossbau 1532. Seine Nachfolger im Familienbesitz wohnten dann auch in Windischleuba. Sebastian I., gestorben 1575, diente laut Kriegsmatrikel von 1545 seinem Landesherrn „auf der Wendischleubden mit drei Ritterpferden und zwei Langspießern“. Dessen Sohn Sebastian II. lebte 1580 mit Familienmitglieder und Personal auf dem Schloss: Belegt sind sein „Weib, Junker Bastian von der Gabelentz und [sein] Vetter, Georg von der Gabelentz, außerdem ein Schreiber, ein Reiter, ein Seiler, ein Weidemann, ein Junge, ein Schneider, ein Bäcker, eine Köchin, eine Schließerin, eine Käsemutter, sechs Knechte und drei Mägde“. 1661 erlosch die Windischleubaer Linie der Familie von der Gabelentz und die Fürstliche Rentkammer zu Altenburg nutzte das Rittergut anschließend als „Großes Kammergut“.

 Zwei Rittergüter in einem Ort

Das so genannte „Rittergut Windischleuba vorderen Teils“ (Foto: Museum Burg Posterstein)
Das so genannte „Rittergut Windischleuba vorderen Teils“ ((c) Museum Burg Posterstein)

Etwa zur gleichen Zeit entstand aus einem schon vorher bestehenden Bauerngut in Windischleuba ein zweites Rittergut, das so genannte „Rittergut Windischleuba vorderen Teils“, das mit dem anderen Gut nichts zu tun hatte. Als freies Erblehen wechselte es im Laufe der Jahrhunderte mehrfach den Besitzer. Das um 1800 etwa 67 Hektar bemessende Anwesen verfügte über die Erbgerichte über drei Handgüter und 13 Häuser im Dorf. Die Obergerichte über Dorf, Feld und Flur von Windischleuba gehörten weiterhin dem älteren und größeren der beiden Güter, dem Rittergut „hinteren Teils“, das um 1800 rund 220 Hektar Land umfasste. Darüber hinaus besaß es auch die Erbgerichte über zahlreiche Güter und Häuser in Windischleuba und der näheren Umgebung sowie die Patronatsrechte über Schule, Hospital und Kirche von Windischleuba. Ein Erbbegräbnis befand sich an der Außenseite der Kirche.

Der Landsitz eines Staatsmanns

Bernhard August von Lindenau (1779-1854) ((c) Museum Burg Posterstein)
Bernhard August von Lindenau (1779-1854) ((c) Museum Burg Posterstein)

Das Rittergut hinteren Teils wechselte im 17. und 18. Jahrhundert mehrfach den Eigentümer, bis es zusammen mit dem Pohlhof in Altenburg und dem Rittergut Nobitz in den Besitz der Familie von Lindenau gelangte. 1817 erbten Bernhard August von Lindenau (1779-1854), dessen wertvolle Kunstsammlung das Lindenau-Museum Altenburg ausstellt, und sein jüngerer Bruder Friedrich Wilhelm das Gut. Der Wissenschaftler, Kunstsammler und Staatsmann Bernhard August von Lindenau hatte Mathematik, Jura und Kameralistik in Leipzig studiert. Im Laufe seiner langen Karriere leitete er als Astronom die Seeberger Sternwarte bei Gotha, war Landschaftsdirektor des Altenburger Landtages, Geheimer Rat und Minister in Gotha, Gesandter des Königs von Sachsen im Bundestag in Frankfurt und zugleich Gesandter am Niederländischen Hof in Den Haag und schließlich erster Minister im Königreich Sachsen, was der Position des heutigen Ministerpräsidenten gleich kommt. Unter Lindenau wurde in Sachsen eine umfassende Staatsreform durchgeführt. Im Alter zog er sich nach Altenburg zurück, war Abgeordneter des Herzogtums in der Frankfurter Paulskirche und widmete sich in erster Linie seiner Kunstsammlung, die er von Anfang an dem der Öffentlichkeit als Stiftung widmen wollte. So eröffnete er im Revolutionsjahr 1848 auf dem Pohlhof ein Museum mit angeschlossener Kunst- und Gewerbeschule.

Aber auch für die Bewirtschaftung Windischleubas interessierte sich der vielseitige Staatsmann. Noch 1853 ließ er „Amerikanisches Mahlzeug“ in der dortigen Mühle einbauen. Am Schloss und den Wirtschaftsgebäuden ließ er bauliche Veränderungen durchführen. Ein Stück des Wassergrabens um die auf zwei von einander getrennten Inseln verteilte Wasserburg wurde zugeschüttet. Immerhin war in jener Zeit auf der Schlossinsel die alte, viereckige Befestigungsanlage mit vier Rundtürmen noch gut erkennbar.

Die Erben von “Baron Münchhausen”

Das Rittergut Windischleuba ist heute Jugendherberge ((c) Museum Burg Posterstein)
Das Rittergut Windischleuba ist heute Jugendherberge ((c) Museum Burg Posterstein)

Seit 1880 besaßen der aus Niedersachsen stammende Börries Freiherr von Münchhausen (1845-1931) und seine Frau Clementine von der Gabelentz das Rittergut Windischleuba. Der Nachfahre des als Lügenbaron in die Geschichte eingegangenen Hieronymus von Münchhausen (1720-1797) setzte das alte Schloss wieder instand, erweiterte es und restaurierte die Renaissance-Fassade. Darüber hinaus ließ die Familie Münchhausen einen Park anlegen, in dem es unter anderem ein so genanntes „rotes Tempelchen“, ein privates Kaffeehaus, gab.

Unter seinem gleichnamigen Sohn, einem anerkannten Schriftsteller und promovierten Jurist gewann das Gut weiter an Profil. Mit 281 Hektar gehörte es zu den größten Rittergütern im Altenburger Land. Der Balladendichter wachte sorgfältig über Schloss und Garten: Sein Gärtner durfte nur in Ansprache mit ihm „pflanzen, schneiden und sonst irgend etwas vornehmen“ und Außenstehende benötigen für den Zutritt zur Parkanlage seine schriftlichen Erlaubnis. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges, am 16. März 1945, beging Börries von Münchhausen in Windischleuba Selbstmord.

 Enteignung – Vom Schloss zur Jugendherberge

Nach dem Krieg wurden seine Erben enteignet und Teile des Wirtschaftshofes abgerissen. Vom Waalgraben sind heute nur noch Reste erhalten. Das Renaissanceschloss diente zunächst als Landschulheim. Der Park wurde für die Schüler um einen biologischen Lehrpfad, eine Freilichtbühne, eine Kegelbahn und ein Volleyballfeld erweitert. Bis heute befindet sich im gut erhaltenen Schloss eine Jugendherberge, die viel von dem historischen Ambiente erkennen lässt.

Der geschlossene Bauernhof des Rittergutes „vorderen Teils“ wurde 2005 und 2006 trotz denkmalschutzrechtlicher Bedenken abgerissen.

Von Marlene Hofmann

 

Eine interaktive Karte über die Rittergüter im Altenburger Land finden Sie hier: http://tiny.cc/o27p6.

Lesen Sie mehr über die Rittergüter des Altenburger Landes in unseren Publikationen, die Museum gekauft oder per Mail an info@burg-posterstein.de bestellt werden können:

Das alte Schloss sehn wir noch heut…
Aus der Geschichte der Rittergüter im Altenburger Land (Teil II)
© Museum Burg Posterstein 2010

…Und nachmittags fuhren wir nach Nöbdenitz segeln!
Rittergüter im Altenburger Land und ihre Gärten
© Museum Burg Posterstein 2007

 

Austern unterm Schloss

Der Landkreis Altenburger Land ließ das Schloss in Löbichau, ehemals Musenhof der Herzogin Dorothea von Kurland, 2009 abreißen. Auf der Fläche wurde ein Neubau errichtet, der heute als Pflegeheim dient. Die Fassade erinnert noch an das Schloss und Löbichaus Glanzzeiten im frühen 19. Jahrhundert (mehr dazu). Bevor jedoch der Neubau entstand, führte das Thüringische Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege archäologische Grabungen auf dem Gelände durch. Davon und von anderen aktuellen Grabungsprojekten der Behörde berichtet vom 4. März bis 30. April 2012 die Sonderausstellung „Archäologie im Altenburger Land“ auf Burg Posterstein.

Schloss Löbichau, Ansichtskarte von 1904 (Museum Burg Posterstein)
Schloss Löbichau, Ansichtskarte von 1904 (Museum Burg Posterstein)

Schon drei Umbauten seit dem 16. Jahrhundert
Bei den Grabungen in Löbichau konnten drei Bauphasen festgestellt werden. Die früheste datiert ins 16. Jahrhundert. Zu dieser Zeit dominierten offenbar noch Wirtschaftsgebäude des ehemaligen Rittergutes Löbichau den späteren Standort des Schlosses. Der Brand aus dem Jahr 1766 war für die Fachleute an Hand von großflächigen Schuttverfüllungen deutlich nachweisbar. Die zweite Bauphase folgte, nachdem die Herzogin Anna Dorothea von Kurland das Anwesen 1795 kaufen ließ. Bis 1800 ließ sie den Südwestflügel des Rittergutes in ein klassizistisches Schloss umbauen, in das sie fortan in den Sommermonaten regelmäßig Staatsmänner, Dichter, Künstler und Musiker ihrer Zeit einlud (mehr dazu). Die dritte Bauphase begann etwa in der Mitte des 19. Jahrhunderts, als nach dem Tod der Herzogin Anna Dorothea von Kurland 1821 das Schloss zunächst als Wohnsitz ihrer Familie, später als „Johanna-Luisen-Stift“ und seit 1945 als Alten- und Pflegeheim genutzt wurde. Besonders in die letzte Zeitepoche datieren verschiedene Ein- und Anbauten wie Mauern, Keller und Rampen.

Abrissarbeiten am Schloss Löbichau 2009 (c) Thüringisches Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege
Abrissarbeiten am Schloss Löbichau 2009 (c) Thüringisches Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege

Messer, Hufeisen und Austernschalen
Das Fundmaterial datiert vom 14. und 15. Jahrhundert bis in unsere heutige Zeit. Es setzt sich vor allem aus Keramikscherben, Dachziegelresten, eisernen Gegenständen wie Beschlägen, Nägeln, Messern, Hufeisenteilen und Tierknochen zusammen. An Kleinfunden sind ein Spinnwirtel, Pfeifenbruchstücke, Austernschalen, Tonmurmeln, Holzperlen eines Rosenkranzes und eine Münze aus dem 18. Jahrhundert zu nennen. Wenige bearbeitete Hölzer ergänzen das Spektrum. Die oben erwähnte Münze ist ein Rechenpfennig von Johann Jacob Dietzel (1711-1748) aus Messing.

Plakat Sonderausstellung Archäologie im Altenburger Land auf Burg Posterstein 2012
Plakat Sonderausstellung Archäologie im Altenburger Land auf Burg Posterstein 2012

Ausgrabung in der Kiste
Die Ausstellung „Archäologie im Altenburger Land“ wird am 4. März, 15 Uhr, auf Burg Posterstein eröffnet. Im Begleitprogramm zur Ausstellung bietet das Museum u. a. Führungen für Kinder an: Unter dem Motto: „Was ist Archäologie? – Ausgrabung in der Kiste“, können die kleinen Besucher lernen, was beim Ausgraben von Gegenständen aus unterschiedlichen Zeiten zu beachten ist, welche Erkenntnisse gewonnen werden oder wie ein Fundbericht verfasst wird. Eine Voranmeldung ist hierfür erforderlich.

Live von der Baustelle
Einen Einblick in die Ergebnisse der Grabungen gibt auch ein Kurzfilm des lokalen Senders TV Kabel Plus vom August 2009:
[vimeo http://vimeo.com/36758499]

Mehr zur Grabung in Löbichau:
Sonderausstellung „Archäologie im Altenburger Land“, vom 4. März bis 30. April 2012 im Museum Burg Posterstein
Weitere Infos auf der Website des Thüringischen Landesamtes für Denkmalpflege

Von Marlene Hofmann

In Posterstein bebt die Erde

Seit Ende August ruckelte in der Region Posterstein ab und zu ein wenig die Erde. Die Messstation Heukewalde der Universität Jena verzeichnet leichte Schwarmbeben in dieser Zeit. Im Vogtland und Teilen von Westsachsen wurden sogar Beben der Stärke 4 auf der Richterskala gemessen (Vgl. Ostthüringer Zeitung). Anschauen kann man sich die aktuellen Seismogrammausschnitte auf der Website der Universität, wenn man nach den Erdbebenaufzeichnungen der Station mit dem Kürzel HKWD (Heukewalde) sucht.

Seismogrammausschnitt der Station Heukewalde vom 4. September 2011

Warum bebt die Erde?

Die Erde zerfällt bekanntlich in einzelne tektonische Platten. Besonders an deren Rändern kommt es durch Reibungen, Schiebungen und Druck der Platten aufeinander zu schweren Erdbeben. Die Region Posterstein liegt jedoch weit weg von den Rändern der eurasischen Platte. Verantwortlich für die meist harmlosen, so genannten „Intraplattenbeben“, zu denen es dennoch ab und zu kommt, ist Druck von West und Süd auf die eurasische Platte. Im Vogtland befinden sich viele so genannte Schollen und Risse, die in der Vergangenheit schon häufig zu kleineren Schwarmbeben geführt haben. Heute wird die Region durch das Thueringer Seismische Netz überwacht und wissenschaftlich untersucht (Link: http://www.igw.uni-jena.de/angeoph/TSN/portal.html). Lange Zeit befand sich auch im Keller der Burg Posterstein eine seismische Messstation der Universität Jena. Weil die durch Museumsbesucher beim Turmaufstieg erzeugten Vibrationen aber das Bild verzerrten, befindet sich die Station heute im nahe gelegenen Heukewalde.

Das Mitteldeutsche Beben von 1872

Das schwerste Beben in der Region wurde am 6. März 1872 verzeichnet – sein Herd lag im Bruchfeld zwischen Posterstein und Schmölln. Karl Theordor Liebe (1828-1894), Professor am Fürstlichen Gymnasium in Gera, berichtete über die Auswirkungen des Bebens in Posterstein. Unter anderem hätte der Burgturm geschwankt und Feldbrocken seien am Burgberg ins Rollen gekommen. Damals entstanden auch im drei Meter dicken Bergfried und an der Brücke der Burg Posterstein tiefe Risse:

Der Riss in der Mauer der Burgbrücke vor der Restaurierung (Aufnahme von 1985, Museum Burg Posterstein)

„Am alten Schloß haben wir eine Menge Risse gesehen, die mit frischem Bruch durch Mörtel und Stein hindurch verliefen. In den Kellern des alten Schlosses ist soviel von den Decken abgebröckelt, daß mehrere 100 Liter Milch unbrauchbar wurden. Das neue Schloß (Herrenhaus) neben dem alten errichtet, hat durchweg 2 Ellen (1,2 m) und im 1. Stock 1 1/2 Ellen (0,90 m) starke Mauern. Es existiert aber keine Stube, kein Kämmerchen, welche nicht Mauer- und Deckenrisse aufweisen“, berichtete Karl Theordor Liebe.

Der Riss in der Brücke wurde bei einer Restaurierung 1997 saniert, den Riss im Bergfried kann man beim Aufstieg auf den Turm heute noch sehen.

Zeitzeugen berichten

Riss in der Turmmauer

Der Postersteiner Lehrer und Historiker Ernst Bräunlich zeichnete die Erinnerungen des Nöbdenitzer Pfarrers Johann Michael Nürnberger auf, der das Beben von 1872 selbst miterlebte: „Im Dorfe liefen von allen Seiten die Leute aus den Häusern und erzählten, wie sie vor Angst die Häuser eilig verlassen hatten. Die Bäume hätten geschwankt, und auf der Straße hätten Sie ein Gerassel gehört, als wenn 6 bis 8 schwerbeladene Wagen im Trab vorbeifuhren. Im Ort sind 7 Feueressen eingestürzt. Das Ereignis bildete noch lange den Gegenstand der gegenseitigen Mitteilungen.“

Auch das leichte Beben vom 4. September 2011 haben die Bewohner der Region wahrgenommen. Die größte Erschütterung konnte man früh am Morgen zwischen 4 und 5 Uhr wahrnehmen. Auf unserer Facebook-Pinnwand berichtete eine Augenzeugin, vom Beben und dem Klappern im Schlafzimmer wach geworden zu sein.

Seismometer in Posterstein

In der Dauerausstellung der Burg Posterstein ist ein Seismometer ausgestellt und Sie erhalten weitere Informationen über Erdbeben in der Region – weitere Informationen finden Sie auf www.burg-posterstein.de.

(Text: Marlene Hofmann)