#GartenEinsichten Tour: Bauerngärten im Altenburger Land

Es gibt so viele wunderschöne Gärten da draußen! Durch die Mitmach-Aktion #GartenEinsichten zur Ausstellung “Wie der Gärtner, so der Garten” – Gartenkultur als Spiegel der Gesellschaft (bis 14. November 2021 auf Burg Posterstein) kam uns die Idee zu einer Blogserie mit Tipps für Gartenreisen. Natürlich fangen wir im Altenburger Land an, doch es soll auch Abstecher nach ganz Deutschland geben, denn durch die Mitmach-Aktion erreichen uns unzählige wunderbare Garten-Reise-Tipps!

Mit Buchsbaum eingefasste Beete im Nutzgarten eines Bauerngartens im Altenburger Land. (Foto: Petra Nienhold)
Mit Buchsbaum eingefasste Beete im Nutzgarten eines Bauerngartens im Altenburger Land. (Foto: Petra Nienhold)

Eine uralte Gartentradition

Die ursprünglichste Gartenform ist der Nutzgarten. Seit der Einführung des Ackerbaus vor 5000 Jahren in Mitteleuropa kultivierten Bauern Wildpflanzen an ihren Häusern. Der “ghortos“, das „Flechtwerk“, schützte diese Siedlungsinseln inmitten riesiger Waldgebiete.
Dörfer mit zehn bis zwölf Höfen entstanden ab dem 8. Jahrhundert im Frankenreich. Am Hof lag der umzäunte Gemüsegarten sowie der Baum- und Grasgarten, in dem auch Kleintiere gehalten wurden.

Rund um die Dorfkerne lag das Ackerland und die gemeinschaftlich genutzte Allmende. Ab dem 12. Jahrhundert besiedelten deutsche Kolonisten die von Slawen bewohnten Gebiete zwischen Saale und Oder. Neue Dörfer entstanden in gerodeten Waldgebieten. In enger Beziehung mit den neuen Grundherren der Burgen und den Klostergemeinschaften entstanden die ortstypischen Höfe, zu denen der Zier- und Blumengarten vor dem Wohnhaus, der Gemüsegarten und der Obstgarten gehörten.

Fast jeder Hof hatte auch einen Obstgarten, wenn nicht sogar eine Plantage. (Foto: Petra Nienhold)
Fast jeder Hof hatte auch einen Obstgarten, wenn nicht sogar eine Plantage. (Foto: Petra Nienhold)

Die wohlhabenden Bauern im Altenburger Land

Mit der deutschen Landnahme vor 800 Jahren wurden nicht nur fränkische Bauern angesiedelt. Entsprechend der Landschaftsstruktur legte man die neu erschlossenen Dorffluren als „Waldhufen“ oder Streifen beiderseits einer Straße bzw. eines Baches an. Ohne ein Rittergut im Dorf konnten die Höfe (Anspanner mit Pferden und Handgüter) 20 bis 40 Hektar groß sein. Das besondere Erbrecht im heutigen Altenburger Land, bei dem der jüngste Sohn erbte, sorgte für den dauerhaften Erhalt der Hofgrößen.

Im 19. Jahrhundert endeten die feudalen Verhältnisse im Herzogtum Sachsen-Altenburg. Die Landwirtschaft, die von den fruchtbaren Böden profitierte, trug weiterhin wesentlich zum Reichtum des Landes bei.

Die wirtschaftlichen Abläufe und der Lebensrhythmus seiner Bewohner prägten den funktionellen Aufbau des Altenburger Bauernhauses über Jahrhunderte. Die Anwendung fortschrittlicher Anbaumethoden auf gutem Ackerboden ermöglichten ein stetes wirtschaftliches Wachstum und somit die historische Entwicklung vom Einhaus (Wohn-Stall-Haus) über den Hakenhof zum Drei- oder Vierseithof.

Die Ziergärten der Bauerngärten waren oft mit Buchsbaum umrandet.
Die Ziergärten der Bauerngärten waren oft mit Buchsbaum umrandet.

Typisch für einen Hof waren drei Gärten

Fast jeder Hof hatte drei Gärten: den Zier- und Blumengarten vor dem Wohnhaus an der Straße, den Gemüse- und Nutzgarten und den Obstgarten, oft eine Plantage. Im 19. Jahrhundert bauten reiche Bauern ihre Wohnhäuser nach bürgerlichem Vorbild villenartig um und verwandelten ihre Ziergärten in kleine Parks, züchteten Kakteen oder Rosen.

Die gesellschaftlichen Veränderungen in der DDR machten auch nicht vor dem Bauernstand halt. Hauptsächlich durch die Zwangskollektivierung wurden viele Höfe aufgelöst und teilweise zerstört. Heute erleben die Bauernhöfe und ihre Gärten mancherorts eine Renaissance als reine Wohnhöfe. Nur wenige dienen noch dem landwirtschaftlichen Broterwerb, aber fast alle haben Gärten.

Nur wenige Bauernhöfe dienen noch dem landwirtschaftlichen Broterwerb, aber fast alle haben Gärten.
Nur wenige Bauernhöfe dienen noch dem landwirtschaftlichen Broterwerb, aber fast alle haben Gärten. (Foto: Petra Nienhold)

Bauerngärten in der Ausstellung #GartenEinsichten “Wie der Gärtner, so der Garten”

Vier noch erhaltene und gut gepflegte Bauerngärten im Altenburger Land stellen wir in der Sonderschau #GartenEinsichten in aktuellen und teilweise auch historischen Bildern vor. Diese befinden sich aber in Privatbesitz und können lediglich über den Gartenzaun hinweg angeschaut werden.

Ein Bauerngarten mit langer Tradition

Einer dieser Gärten am Hof der Familie Gräfe in Zschernitzsch ist am 20. Juni 2021 eine Station der Sternfahrt nach Lumpzig, ein Projekt des Fliegenden Salons im Altenburger Land.

Historische Ansicht des Bauernhofs der Familie Gräfe in Zschernitzsch im Altenburger Land
Historische Ansicht des Bauernhofs der Familie Gräfe in Zschernitzsch im Altenburger Land. Kolorierte Zeichnung des Hofs von Anton Hahn und Sohn, 1912 (Privatbesitz, Bild bearbeitet)

Der Vierseithof der Familie Gräfe ist ein gut erhaltenes Beispiel für einen Altenburger Bauerngarten. Vor dem Wohnhaus liegt der mit Buchsbaum und gekiesten Wegen eingefasste Ziergarten, neben dem Tor ein Nutzgarten und hinter dem Hof die Obstwiese. Man findet Gemüse, Kräuter, Blumen und Ziersträucher sowie Obst- und Beerensträucher.

Zum Quellenhof Garbisdorf gehört ein rekonstruierter Bauerngarten.
Zum Quellenhof Garbisdorf gehört ein rekonstruierter Bauerngarten.

Ein liebevoll restaurierter Bauerngarten

Das Kulturgut Quellenhof in Garbisdorf ist ein für das Altenburger Land typischer Vierseithof, den der Heimatverein Göpfersdorf e.V. und die Gemeinde Göpfersdorf in den letzten Jahrzehnten nicht nur liebevoll restauriert, sondern auch zu einem lebendigen Kulturort ausgebaut haben. Neben Galerie, Druckwerkstatt und Keramikwerkstatt gibt es ein kleines Museum für Bauernkultur im Altenburger Land und einen landschaftstypischen, mit Porphyrsäulen und Holzlatten eingezäunten Bauerngarten. Er konnte im Rahmen eines Förderprojektes mit einer Schule nach historischem Vorbild rekonstruiert werden und steht zur Besichtigung offen.

Zum Weiterlesen

Viele Informationen und Publikationen zu den Altenburger Bauernhöfen gibt es auch auf der Website des Vereins Altenburger Bauernhöfe e.V.

Die Geschichte der Gärten im Altenburger Land fasst Christiane Nienhold im Buch “Grünes im Quadrat” zur gleichnamigen Ausstellungsreihe im Altenburger Land zusammen.

Die Ausstellungsreihe "Grünes im Quadrat" umfasst nicht nur vier Ausstellungen mit Gartenthema, es erscheint auch das zugehörige Buch "Grünes im Quadrat" im Sandstein Verlag.
Die Ausstellungsreihe “Grünes im Quadrat” umfasst nicht nur vier Ausstellungen mit Gartenthema, es erscheint auch das zugehörige Buch “Grünes im Quadrat” im Sandstein Verlag.

Die Ausstellung ist Teil einer gemeinsamen Ausstellungsreihe “Grünes im Quadrat – Historische Gärten im Altenburger Land” zum Thema Gärten der vier Museen im Altenburger Land. Mit dabei: Lindenau-Museum AltenburgResidenzschloss AltenburgNaturkunde-Museum Mauritianum und Museum Burg Posterstein. Gezeigt werden vier Ausstellungen zum Thema Gärten im Altenburger Land.

Der Artikel basiert auf den Ausstellungstexten von Gartenarchitektin Christiane Nienhold und Marlene Hofmann, Museum Burg Posterstein.

LeseZEIT – Folge 4: Louise Seidler

Banner Podcast LeseZEIT auf Burg Posterstein

In der heutigen Folge der LeseZEIT unternehmen wir einen akustischen Ausflug zu einer der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt Altenburg vor 200 Jahren. Ihre Reisebegleiterin aus dem Burgstudio Posterstein ist wieder die Historikerin Franziska Engemann. Und damit heiße ich Sie ganz herzlich Willkommen, liebe Zuhörende, zu unserer kleinen Exkursion ins Grüne.

Sie können auch diese Folge als Blogpost lesen oder als Podcast anhören.


In der letzten Folge wurden wir bereits mit Minister Hans Wilhelm von Thümmel bekannt gemacht, der gerne als „Verschönerer Altenburgs“ tituliert wurde und dessen sterbliche Überreste noch heute in der 1000jährigen Eiche in Nöbdenitz ruhen.

Altenburg im 19. Jahrhundert, kolorierte Lithografie, Museum Burg Posterstein
Ansicht von Altenburg im 19. Jahrhundert, kolorierte Lithografie, Museum Burg Posterstein

Doch nicht nur seine ungewöhnliche Grabstätte regte seine Zeitgenossen zu Berichten und Spekulationen an, auch sein Geschick in der Landschaftsgestaltung inspirierte zu Gedichten, Reisebeschreibungen und zum Teil zu heiteren Anekdoten. Thümmels Verdienste für den Altenburger Landesteil des Herzogtums Sachsen-Gotha und Altenburg waren vielfältig: der Bau eines modernen Krankenhauses in Altenburg, der Ausbau der Landesstraßen samt Begrünung durch die Anpflanzung von Bäumen, die Vermessung und Kartographierung des Landesteiles sind nur einige Beispiele dafür.

Thümmels Garten in Altenburg auf einer Radierung von Adrian Zingg (Sammlung Lindenau-Museum Altenburg)
Thümmels Garten in Altenburg auf einer Radierung von Adrian Zingg (Sammlung Lindenau-Museum Altenburg)

Besonderen Reiz übten vor allem Thümmels Gärten aus, die er mit großem Geschick und außerordentlichem Geschmack anzulegen wusste. Beispiele dafür wären die Umgestaltung des Schlossparks in Altenburg zu einem englischen Landschaftsgarten oder sein privater Garten in Nöbdenitz, der Teile der Natur wie einen Steinbruch oder Waldstücke in die Gestaltung einbezog. Er ließ verschiedene Schmuckelemente und –häuser errichten, wie das chinesische Badehaus in Untschen oder die „Polnische Hütte“ – auch Caroliens Höhe genannt –, die ein beliebtes Ausflugsziel mit Gastwirtschaft, Kegelbahn und hunderten Kirschbäumen war. Thümmels eigentliches Meisterstück war allerdings sein Privatgarten in Altenburg – ein Landschaftsgarten mit Felsengrotte, Fischteichen, Sonnenuhr, Schmuckhäuschen in verschiedenen Stilen und einem klassizistischen Palais mit Glaskuppeldach.

Lange Zeit stand diese Sehenswürdigkeit, die von einer Mauer mit sieben Toren umgeben war, der Bevölkerung offen. Einheimische wie Reisende besuchten den Garten und genossen die herrliche Aussicht über Altenburg. Einen ganz besonderen Einblick erhielt 1817 die Porträt- und Historienmalerin Louise Seidler (1786-1866), die für einen Auftrag in die Residenzstadt kam und einige Tage im Thümmelschen Palais wohnte.

Selbstportrait der Malerin Louise Seidler (1786–1866). Aus: Hermann Uhde (Hrsg.): Erinnerungen der Malerin Louise Seidler. 2. Aufl., Propyläen, Berlin 1922, S. 228. Public domain, via Wikimedia Commons
Selbstportrait der Malerin Louise Seidler (1786–1866). Aus: Hermann Uhde (Hrsg.): Erinnerungen der Malerin Louise Seidler. 2. Aufl., Propyläen, Berlin 1922, S. 228. Public domain, via Wikimedia Commons

Louise Seidler gelang eine herausragende Karriere als Künstlerin. 1786 wurde sie in Jena geboren und erhielt erste künstlerische Unterweisungen in Gotha und Jena, u.a. bei Friedrich Wilhelm Döll (1750-1816). Seit 1810 hielt sie sich vor allem in Dresden auf, erweiterte ihre Kenntnisse unter Gerhard von Kügelgen (1772-1820) und widmete sich vor allem dem Kopieren der alten Meister in der Dresdner Galerie. Dort begegnete sie auch ihrem späteren Freund und Mentor Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832).

Durch Großherzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach (1757–1828) erhielt Louise Seidler 1817 ein Stipendium, das ihr ein Studium an der Kunstakademie in München und ein Jahr später eine Reise durch Italien ermöglichte. Dort schloss sie sich der Künstlergemeinschaft der Nazarener an, die eine romantisch-religiöse Kunstrichtung vertraten. 1823 kehrte Louise Seidler nach Weimar zurück, wurde die Zeichenlehrerin der Prinzessinnen Marie (1808–1877) und Augusta (1811–1890) und etablierte sich als freie Künstlerin. 1824 wurde sie zur Kustodin der großherzoglichen Gemäldesammlung ernannt, 1835 auch zur Hofmalerin. 1863 begann sie ihre Lebensgeschichte aufzuschreiben. Aufgrund einer allmählich voranschreitenden Erblindung, ist es wahrscheinlich, dass sie ihre Erinnerungen diktierte. 1866 starb Louise Seidler in Weimar. Ihre Memoiren bleiben unvollendet, gelten aber als wichtige Quellen für das Schaffen dieser außerordentlichen Frau, genauso aber auch für das Leben und Schaffen ihrer Künstlerkollegen. Oft wurde Louise Seidler nur im Zusammenhang mit Goethe bekannt, dabei sind ihr künstlerisches Werk und ihre Karriere außergewöhnlich. Trotz zahlreicher Hindernisse und Unverständnis seitens ihrer Zeitgenossen verwirklichte Louise Seidler ihren Traum, als freischaffende Künstlerin am Anfang des 19. Jahrhunderts erfolgreich zu sein.

Thümmels Garten in Altenburg auf der Thümmelschen Karten von 1813, Section VIII.
Thümmels Garten in Altenburg auf der Thümmelschen Karten von 1813, Section VIII.

In unserer heutigen LeseZEIT reisen wir in das Jahr 1817. Kurz bevor Louise Seidler ihr Studium in München beginnt, begibt sie sich noch einmal nach Weimar, Gotha und Altenburg. Sie trifft nicht nur auf den Herzog August von Sachsen-Gotha und Altenburg, sondern auch auf Hans Wilhelm von Thümmel, für dessen Auftrag sie im April nach Altenburg aufbricht.

Ich lese aus den „Erinnerungen der Malerin Louise Seidler“, herausgegeben von Hermann Uhde, in der neuen Ausgabe des Propyläen-Verlag Berlin, 1922. Der Textausschnitt umfasst die Seiten 82 bis 84.

Nun ging es mit dem Anfang des neuen Jahres 1817 an die Vorbereitungen zu der für mich so wichtigen Reise nach München. Ich ordnete alle meine Verhältnisse gleichsam testamentarisch; dann nahm ich Abschied von den Verwandten und Freunden in Weimar und Gotha. Hier wurde mir noch eine Audienz vom Herzog August bewilligt, in welcher er mir einen letzten, wunderbaren Auftrag erteilte. Er beschäftigte sich nämlich damals gerade mit der indischen Religion und nahm an, daß Brahma, Wischnu und Schiwa das Nämliche wie unsere Dreieinigkeit wäre. Er sprach mit mir lange darüber und stellte mir endlich die Aufgabe: Christus als Wischnu zu malen; er müsse Perlmutter-Augen haben, die Fingernägel seinen mit Alhenna – jener Wurzel, die im Orient von den Weibern zum Schminken gebraucht wird – rot gefärbt, auf seiner Brust erblicke man einen Fisch usw. Mir schwindelte der Kopf; ich verneigte mich und stammelte etwas wie: ‚Ich will’s versuchen!‘

Bei diesem letzten Besuche in Gotha machte ich noch die Bekanntschaft des ehedem allmächtigen Gothaischen Ministers Thümmel, der sich vor nicht langer Zeit nach Altenburg zurückgezogen hatte. Er war der Bruder des Verfassers der berüchtigten „Reise in das mittägliche Frankreich“ und hegte den Wunsch, daß ich den Autor dieses Werkes noch vor meiner Abreise nach München malen möchte; eine Bestellung, der ich nicht wohl aus dem Wege gehen konnte.

Im Hause von Hans Wilhelm von Thümmel fand im Altenburg des frühen 19. Jahrhunderts ein reger Teil des gesellschaftlichen Lebens statt.
Im Hause von Hans Wilhelm von Thümmel fand im Altenburg des frühen 19. Jahrhunderts ein reger Teil des gesellschaftlichen Lebens statt.

Der Auftraggeber, Exzellenz von Thümmel, der vormalige Minister, war ein schöner, origineller, geistreicher Mann, von dem die geheime Geschichte berichtet, daß er sich die Gunst der einstigen Erbprinzessin von Gotha, geborene Prinzeß von Mecklenburg, erworben, deren weibischer Gemahl (der wunderliche Herzog August) der Krone keinen Erben verhieß. Noch spät schienen die Wünsche des Landes in Erfüllung gehen zu sollen, jedoch kein Prinz, sondern eine Prinzessin wurde geboren; die von mir in diesen Blättern bereits erwähnte nachmalige Herzogin von Koburg.

Ehe ich der Einladung des Ministers von Thümmel folgen konnte, wurde es April; in den letzten Tagen dieses Monats traf ich in Altenburg ein. Dort hatte sich der reich begüterte Mann nach seinem Rücktritt vom Staatsdienst eine Villa erbaut; die höchst geschmackvolle Besitzung lag auf einem kleinen Berge, rings um dieselbe zog sich ein weitläufiger Park, worin sich ein großer Fischteich befand. In diesem Parke sah man fünf oder sechs Schweizerhäuschen, an welche das Gerücht manches Liebesabenteuer des galanten Ministers knüpfte. Kein Wunder also, daß dessen Gemahlin (geb. von Rothkirch), als sie von der Einladung gehört hatte, welche mir zuteil geworden war, erst genaue Erkundigungen über mich einzog. Da diese beruhigt ausfielen, wurde mir ein Atelier und Schlafzimmer dicht neben den Gemächern der Töchter des Hauses eingeräumt.

Ein unverheirateter Sohn des Ministers war in der Nähe von Altenburg als Oberforstmeister angestellt. Als wir ihn eines Tages besuchten, fiel uns ein schmucker und trotz seiner anscheinend großen Jugend sehr gewandter Jägerbursche angenehm auf, welcher die Bedienung bei Tische besorgte. Daß dieser schöne und kräftige Jüngling – ein Weib war, ahnte niemand. Dennoch war dem so; ohne es zu wissen, sahen wir eine Geliebte des jungen Thümmel vor uns, welche diesen auf Reisen, in die Bäder usw. als Diener begleitete.

Der Minister von Thümmel, immer noch eine sehr stattliche Erscheinung, war ein barocker Mensch; einmal ließ er auf dem Dache eines türkischen Kiosks, wo sich ein länglicher Altan befand, im Freien das Diner servieren, obwohl es im April und eisig kalt war. Schnee und Hagel fiel auf die Tafel nieder, allein wir mußten ausharren. Das Abenteuerliche hatte eben für den Herrn des Hauses einen besonderen Reiz. Noch auf dem Totenbette befahl er, daß man ihn, wenn er gestorben sein, in aufrechter Stellung, nur mit einem Betttuche umwickelt, auf seinem Landgute Nöbdenitz bei Löbichau, in dem inneren Raume einer uralten riesenhaften Eiche, wo er häufig getafelt hatte, beisetzen solle; ein Verlangen, welchem man, wie ich gehört zu haben glaube, wirklich nachgab.

Der Dichter Moritz August von Thümmel auf einer Lithografie nach dem Gemälde von Louise Seidler, Museum Burg Posterstein
Der Dichter Moritz August von Thümmel auf einer Lithografie nach dem Gemälde von Louise Seidler, Museum Burg Posterstein

Des Ministers Bruder, der Dichter Moritz August von Thümmel, den ich porträtieren sollte, war damals schon ein zusammengesunkener, abgelebter Greis mit verschrumpften Zügen und kleinen, blinzelnden, grauen Augen. Trotz seiner Häßlichkeit machte er indessen einen freundlichen Eindruck. Da er sehr schwächlich war – kein Wunder bei seinen neunundsiebzig Jahren! – so vermied er es, viel zu sprechen; die Aufgabe ihn zu malen, war daher keineswegs anziehend. Einige Entschädigung für dieselbe gewährte mir eine angenehmere Arbeit, welche bei mir bestellt ward, nämlich ein lebensgroßes Bild der Domina des Altenburger Damenstifts, der schönen Freiin von Friesen, diese in der malerischen Ordenstracht darstellend.

Endlich waren beide Gemälde vollendet. Ich kehrte nach Jena zurück, traf meine letzten Vorbereitungen, und am 4. Juli 1817 brach ich bei herrlichem Reisewetter von meiner Vaterstadt auf, ausgerüstet mit zwei Empfehlungsbriefen Goethes, von dem ich am Tage zuvor dankbaren Herzens und in tiefer Bewegung Abschied genommen hatte.

Ob die von Louise Seidler erwähnten Gerüchte über Hans Wilhelm von Thümmel und seinen Sohn stimmen, lässt sich heute nicht mehr überprüfen.

Der Garten Hans Wilhelm von Thümmels ist jedoch inzwischen aus dem Stadtbild Altenburgs verschwunden. Bereits nach Thümmels Tod 1824 begannen seine Erben das weitläufige Grundstück in Teilen zu verkaufen und die Anlage zu verkleinern. Heute erinnert nichts mehr, an die einstige Sehenswürdigkeit der Residenzstadt. Auch das klassizistische Palais, das zu Beginn sogar eine Bibliothek beinhaltete, hat sich in das heutige Straßenbild eingefügt. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts waren die Seitenflügel verbaut worden. Heute lässt sich nur noch der Mittelbau des Hauses auf der abgewandten einstigen Parkseite der Thümmelstraße (jetzt Hausnummer 3) noch erahnen. 

Parkseite des Thümmelschen Palais 2016 (Foto: Museum Burg Posterstein)
Parkseite des Thümmelschen Palais 2016 (Foto: Museum Burg Posterstein mit freundlicher Genehmigung von Wolfgang Herget)

Auch viele der anderen Thümmelschen Gärten im heutigen Altenburger Land sind verschwunden oder nur noch in Teilen erhalten geblieben. Dem gärtnerischen Erbe der einstigen Residenzstadt widmen dennoch – oder gerade deshalb – die vier großen Museen des Altenburger Landes 2021 eine gemeinsame Ausstellungsreihe mit dem schönen Titel: „Grünes im Quadrat – Historische Gärten im Altenburger Land”. Das Lindenau Museum Altenburg, das Residenzschloss Altenburg, das Naturkunde Museum Mauritianum und das Museum Burg Posterstein planen je eine eigene Ausstellung zu historischen oder modernen Gärten. Begleitet wird die Reihe durch einen gemeinsamen Katalog “Grünes im Quadrat”, der im Sandstein Verlag erschienen ist.

Der Start der Postersteiner Schau „#GartenEinsichten: „Wie der Gärtner, so der Garten“ – Gartenkultur als Spiegel der Gesellschaft“ ist voraussichtlich ab Mai 2021 geplant. Sobald es die aktuelle Pandemie-Situation zulässt, wird die Ausstellungseröffnung nachgeholt. Bereits jetzt laden wir in der Mitmach-Aktion #GartenEinsichten dazu ein, persönliche Eindrücke aus Gärten und Parks zu teilen.

Zum Weiterlesen

Wer mehr über Louise Seidler erfahren möchte, dem empfehle ich den Eintrag in der Deutschen Biografie und den Blogbeitrag „Nazarenerin, Hofmalerin, Kustodin“ von Uta Baier, zu finden auf der Website der Kulturstiftung der Länder.

“Grünes im Quadrat” im Überblick

Die Ausstellungsreihe "Grünes im Quadrat" umfasst nicht nur vier Ausstellungen mit Gartenthema, es erscheint auch das zugehörige Buch "Grünes im Quadrat" im Sandstein Verlag.
Die Ausstellungsreihe “Grünes im Quadrat” umfasst nicht nur vier Ausstellungen mit Gartenthema, es erscheint auch das zugehörige Buch “Grünes im Quadrat” im Sandstein Verlag.

Museum Burg Posterstein
#GartenEinsichten: „Wie der Gärtner, so der Garten“ – Gartenkultur als Spiegel der Gesellschaft
sobald möglich bis 14. November 2021

Residenzschloss Altenburg
Gartenlust und Parklandschaft – Die Geschichte des Altenburger Schlossparks
21. Mai bis 3. Oktober 2021

Lindenau-Museum im Residenzschloss Altenburg
Gärten vor der Linse – Die Gartenstadt Altenburg
21. Mai bis 3. Oktober 2021

Naturkundemuseum Mauritianum
Der Grund des Gartens: Porphyr
2. Juli bis 31. Dezember 2021

Zur Ausstellung erscheint der Katalog “Grünes im Quadrat” im Sandstein-Verlag.

Das Ausstellungsprojekt “Grünes im Quadrat” steht unter der Schirmherrschaft von Minister Professor Dr. Benjamin-Immanuel Hoff.

Und mit diesem Lese- und Ausstellungstipp möchte ich mich für heute bei Ihnen, liebe Zuhörende, verabschieden und würde mich freuen, sie auch in der nächsten Folge der LeseZEIT oder im Museum selbst begrüßen zu können. Bis zum nächsten Mal!

Von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

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Ein naturverbundener Minister – Hans Wilhelm von Thümmel

Das Museum Burg Posterstein widmet dem Minister Hans Wilhelm von Thümmel (1744-1824) einen erweiterten Platz in der Dauerausstellung. Der naturliebende Freund der Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761-1821) war nicht nur Stammgast auf ihren Schlössern Löbichau und Tannenfeld sowie im dortigen Salon. In diesem Blogpost wollen wir Thümmels Gärten vorstellen.

Hans Wilhelm von Thümmel gehörte auch zu den prägendsten Persönlichkeiten des Altenburger Landesteils des Herzogtums Sachsen-Gotha-Altenburg. Als Vertrauter und Diplomat der Gothaer Herzöge vertrat er das Herzogtum in Paris, Berlin, Wien und Dänemark, ließ es vermessen und kartieren und hinterließ ein umfassendes landschaftliches Erbe. Wenn auch oft nicht für Dauer. Seine Verbundenheit zur Natur lässt sich nicht nur an seiner ausgewöhnlichen Grabstätte, der 1000-jährigen Eiche in Nöbdenitz, erahnen. Auch seine Gartenbautätigkeit spricht Bände.

Der Sachsen-Gotha-Altenburgische Minister Hans Wilhelm von Thümmel (Museum Burg Posterstein)
Der Sachsen-Gotha-Altenburgische Minister Hans Wilhelm von Thümmel (Museum Burg Posterstein)

Thümmels englischer Garten mit Palais in Altenburg, seine Rittergüter in Nöbdenitz und Untschen, die polnische Hütte in Münsa, der Altenburger Schlosspark, die mit Obstbäumen bestandenen Chausseen im Herzogtum, die heiteren Anlagen in Rasephas: Hans Wilhelm von Thümmel war an verschiedenen Orten im Altenburger Land gartengestalterisch tätig. Auch wenn die Spuren seines Werks heute zum Großteil nur noch in historischen Text- und Bildquellen zu finden sind, so kann man allein auf Grund dieser Zeugnisse sagen, dass die Gärten des Sachsen-Gotha-Altenburgischen Geheimen Rats und Ministers von Thümmel von hoher gartenkünstlerischer Qualität und ein genauer Spiegel ihrer Zeit waren. Sie verstanden sich nicht nur als Erholungs- und Vergnügungsorte im Grünen, sondern auch als Bildungsorte: als Gärten der Aufklärung – im besten Sinn.

Die Gartenkunst im 18. Jahrhundert

Ihren Ursprung hatten die Gärten der Aufklärung im 18. Jahrhundert in England. Die landschaftlichen Anlagen waren Ausdruck einer neuen Gesellschaftsordnung, die sich von den Fesseln einer absolutistischen Herrschaft befreit hatte. Dagegen zeugten die hierarchisch strukturierten Barockgärten, in denen sich der Mensch die Natur zum Untertan machte, noch von der vorangegangenen Ordnung.

Das Sommer Schloss des Fürsten im Garten zu Wörlitz. Le Palais du Prince au Jardin de Wörlitz | Nagel, Johann Friedrich (Public Domain, Österreichische Nationalbibliothek).
Das Sommer Schloss des Fürsten im Garten zu Wörlitz. Le Palais du Prince au Jardin de Wörlitz | Nagel, Johann Friedrich (Public Domain, Österreichische Nationalbibliothek).

Es war die neue Epoche, in der sich der Mensch als Teil der Natur erkannte und die Gartenkunst zum Träger und Vermittler von Erkenntnis und Bildung wurde. Den Menschen über die Sinne aufklären: nirgendwo geht das so gut wie in der gestalteten Natur. So lädt ein Spaziergang durch die malerisch verschönerten künstlichen Landschaften, mit ihren architektonischen oder literarischen Anspielungen in Form von Tempeln, Skulpturen und Inschriften zu den verschiedensten Eindrücken, daraus resultierenden Gedanken und Erkenntnissen ein.

Auch Hans Wilhelm von Thümmel öffnete seine Gärten der Öffentlichkeit, als Orte der Erholung, der Erkenntnis, der Bildung und der Verbundenheit mit der Natur. Inspiration holte er sich auf Italienreisen, in Paris, Berlin, Wörlitz und anderen europäischen Orten.

Thümmels Privatgarten in Altenburg

Anfang des 19. Jahrhunderts galt der Garten Hans Wilhelm von Thümmels als die wichtigste Sehenswürdigkeit von Altenburg. In seiner endgültigen Ausdehnung wurde das langgezogene Parkgrundstück von der Mauerstraße, Kotteritzer Straße und Thümmelstraße (aktuelle Bezeichnung) begrenzt und von einer Mauer mit sieben Toren umschlossen. An der höchsten Stelle des Geländes, mit dem besten Ausblick auf Altenburg, ließ Thümmel ab 1788 eine Villa im Stil des italienischen Klassizismus errichten.

Thümmels Garten in Altenburg auf der Thümmelschen Karten von 1813, Section VIII.
Thümmels Garten in Altenburg auf der Thümmelschen Karten von 1813, Section VIII.

Im Park gab es künstliche Grotten, Wasserläufe und Teiche. Kleine Lusthäuser in verschiedenen Stilen sowie das sogenannte „Kachelhaus“ – auch „Türkischer Pavillon“ – wurden in das Konzept integriert. Der bekannte Künstler Adrian Zingg hielt die Schönheit des Thümmelschen Gartens für die Ewigkeit fest.

Als Thümmels Vermächtnis hatte der Garten nicht lange Bestand. Bereits einige Jahrzehnte nach seinem Tod im Jahr 1824 war er von den Erben durch den Verkauf einzelner Flächen stark verkleinert worden. Heute erinnert nur noch der erhaltene Mittelbau des Palais an seinen einstigen Ruhm.

Der Schlosspark in Altenburg

Neben der Gestaltung seines privaten Gartens in Altenburg betätigte sich Hans Wilhelm von Thümmel auch an der Umgestaltung des Schlossparks von der barocken zur landschaftlichen Anlage. Nach Berichten des Altenburger Chronisten Christian Friedrich Schadewitz (1779–1847) ließ der damalige Kammerpräsident Thümmel bereits 1784/86 zu Figuren geschnittene Eiben , die den Lustgarten zierten, und die mit Hainbuchen eingefassten Heckenwände entfernen. Die freien Flächen legte man mit Rasen aus und stellte die Orangerie darin auf. Um 1800 folgte die Anpflanzung der ersten Tulpenbäume. Damit legte Thümmel den Grundstein für den heutigen Altenburger Schlosspark in englischem Stil.

Das Rittergut Nöbdenitz – Thümmels Altersruhesitz

„Seiner Verheiratung verdankte Thümmel die Güter Nöbdenitz und Untschen; später kaufte er noch Nobitz dazu. Jedes dieser Güter zeugt für den Schönheitssinn seines Besitzers. Wenn die großen Wirthschaftsgebäude von Untschen den Oeconomen in Erstaunen setzen, so werden die herrlichen Anlagen und besonders die Einsiedelei von Nöbdenitz jeden Freund der Natur angenehm überraschen. Sie würden eine Zierde jeder Gegend seyn, so wie sie es für die von Nöbdenitz sind.“, steht im Neuen Nekrolog der Deutschen von 1826 über Thümmel (Schmidt, Friedrich August (Hrsg.): Neuer Nekrolog der Deutschen, Ilmenau 1826, S. 469.).

1782 hatte Thümmels Schwiegervater und Amtsvorgänger, der Sachsen-Gotha-Altenburgische Geheime Rat Freiherrn Johann von Rothkirch und Trach (1710–1782), das alte Nöbdenitzer Schloss sanieren und ein neues Herrenhaus sowie ein Mausoleum als Familiengrab errichten lassen. Diesen beschaulichen Ort wählte sich Hans Wilhelm von Thümmel zum Alterssitz.

Zum Segeln auf dem Teich von Nöbdenitz

Nöbdenitz befindet sich ganz in der Nähe der Schlösser Löbichau und Tannenfeld, in denen die Herzogin Anna Dorothea von Kurland zu ihrem bekannten Salon einlud. Gegenbesuche der Herzogin und ihrer Gäste in Nöbdenitz waren nicht selten. So traf man sich zum Segeln auf dem großen Teich des Rittergutes und zum Spaziergang zur 1000-jährigen Eiche, die sich Thümmel schon zu Lebzeiten als sein Grab im Grünen auserkoren hatte.

Schloss und Herrenhaus Nöbdenitz - Hans Wilhelm von Thümmel legte hier einen weitläufigen englischen Garten an mit Bächlein und "Einsiedeley" (Lithografie: Museum Burg Posterstein).
Schloss und Herrenhaus Nöbdenitz – Hans Wilhelm von Thümmel legte hier einen weitläufigen englischen Garten an mit Bächlein und “Einsiedeley” (Lithografie: Museum Burg Posterstein).

Die umliegende Parkanlage war weitläufig: der Gutsgarten erstreckte sich östlich des 1782 erbauten „Neuen Herrenhauses“, dessen Freitreppe zum Park hinführte. Ein Bächlein, der Mühlgraben, durchfloss die Anlage und in der Mitte eines geradlinigen Weges durchbrach auf einem Platz eine Statue oder ähnliches diese Achse. Von diesem Hauptweg führten drei Brücken über den Mühlgraben in die landschaftlich gestalteten Partien auf der Südseite, die vom Nöbdenitzer Holz abgeschlossen wurden. Hier ermöglichten Gehölzgruppen schattige Spaziergänge. Im Westen schloss ein mit Solitärgehölzen gerahmter Platz den Park ab.

Neben dem Wehr am Mühlgraben war eine Einsiedelei errichtet worden, ein beliebtes Motiv in den Gärten der Aufklärung: ein stiller Rückzugsort inmitten der Natur, um hier Zwiesprache mit sich selbst, der Natur und Gott führen zu können. Ein Ort der inneren Einkehr und Erkenntnis abseits des geschäftigen Alltagstrubels. Auch diese hielt der Kupferstecher Zingg bildlich fest. Bis in die heutige Zeit hat das Gebäude nicht überdauert.

Ein „chinesisches Badehaus“ und eine „polnische Hütte“

Neben den schon genannten Anlagen, die unter Thümmels Regie im Altenburger Landesteil des Herzogtums Sachsen-Gotha-Altenburg entstanden, gehörten auch die Umgestaltung des Rittergutes Untschen samt Errichtung eines Badehäuschens im chinesischen Stil oder das Ausflugsziel „Polnische Hütte“ in Münsa. Doch Hans Wilhelm von Thümmel war bei weitem nicht der einzige, der die hiesige Gartenkunst schätzte und förderte. Auch die von ihm bewunderte Herzogin Anna Dorothea von Kurland zählte zu diesem Kreis.

Der Schlossprk in Tannenfeld im Frühjahr 2018.
Der Schlosspark in Tannenfeld im Frühjahr 2018 (Foto: Marlene Hofmann).

Tannenfeld – Lustgarten im englischen Stil

Zeitgleich mit dem Bau des Schlosses begann unter der Regie der Herzogin die Entwicklung des Parks Tannenfeld. Das neue Gebäude, mit einer wunderschönen Aussicht über den hügeligen Landstrich bis zur Burg Posterstein und dem fernen Erzgebirge, wurde, wie der Schriftsteller Christoph A. Tiedge schrieb, unter Einbeziehung „alter Baumgruppen“, in einen neu gestalteten Park in landschaftlicher Manier eingebettet:

„Eine, an der Straße nach Ronneburg sanft aufsteigende Anhöhe, das Tannenfeld genannt, wurde späterhin mit einem freundlichen Gartenhause geziert, welches eine weite, reiche Aussicht beherrscht. Die zerstreuten alten Baumgruppen umher, durch junge Zwischenpflanzungen vereinigt, entwickelten bald einen labyrinthischen Park.“

(Tiedge, Christoph August: Anna Charlotte Dorothea, Herzogin von Kurland, Leipzig. F.A. Brockhaus 1823, S. 183. )

Der Schlosspark Tannenfeld im Frühling 2018 (Foto: Marlene Hofmann)
Der Schlosspark Tannenfeld im Frühling 2018 (Foto: Marlene Hofmann)

Zur Zeit Anna Dorothea von Kurlands lag Tannenfeld etwa eine halbe Stunde von Löbichau entfernt. Bogen die Besucher von der Chaussee zwischen Ronneburg und Schmölln kommend nach Tannenfeld ab, kamen sie an einem kleinen Pförtnerhäuschen vorbei auf eine von italienischen Pappeln gesäumte Allee in den Park und zum Schloss. Sandige Wege führten die Spaziergänger vorbei an Baum- und Strauchgruppen, Blumenbosketts und sentimental-romantischen Gedenksteinen wie dem Stein mit der Aufschrift „Peterswiese“, der an den 1800 verstorbenen Ehemann Dorothea von Kurlands erinnerte. Ein schmaler Bach durchfloss den Wiesengrund und mündete in einem Teich. Auf einer Insel im Teich gab es eine sogenannte „Eremitage“, eine aus Felsen geformte Grotte.

Schloss Tannenfeld im Frühjahr 2018 (Foto: Marlene Hofmann):
Schloss Tannenfeld im Frühjahr 2018 (Foto: Marlene Hofmann):

Die Sommer-Ausstellung #SalonEuropa widmet sich Schloss Tannenfeld

Vom 17. Juni bis 9. September 2018 widmet das Museum Burg Posterstein Schloss und Park Tannenfeld eine besondere Ausstellung: „#SalonEuropa im Hier und Jetzt: Schloss Tannenfeld – Inspiration und Wirklichkeit“. Vier Künstlerinnen aus Deutschland, Polen und Frankreich werden sich in der Tradition des Musenhofes der Herzogin von Kurland mit dem Thema Europa und der Geschichte Tannenfelds auseinandersetzen. Anlass sind die bevorstehenden Veränderungen, die für Parkanlage und Schloss Tannenfeld ab Sommer 2018 anstehen. Der idyllische Ort – einst von Anna Dorothea von Kurland beseelt – bekommt nach Jahren des Stillstandes eine neue Nutzung und neue Bewohner. Mit ihrem Projekt wollen die vier Künstlerinnen explizit auf den prägenden europäischen Gedanken verweisen, der an diesem Ort unter der Herzogin von Kurland gelebt wurde. Mit ihren Arbeiten bringen die vier Künstlerinnen ihren jetzigen Standpunkt, ihre jetzige Sichtweise zum Thema EUROPA zum Ausdruck.

Von Franziska Engemann, Christiane Nienhold und Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein


Zum Weiterlesen:

Buch-Titel Im Dienste der Ernestiner - Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister
Buchtitel “Im Dienste der Ernestiner – Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister”

Alle Infos zur Biografie


Weitere Beiträge zur #MuseumWeek 2018:
#WomenMW: Die Dame, die unter dem Pseudonym „Ernst Ritter“ schrieb
#CityMW: Tee im Salon – Die Altenburger Gesellschaft um 1810
#heritageMW: Ein europäisches Tourismus- und Informationszentrum im Geiste der historischen Salons in der Burg Posterstein
#professionsMW: Ein lebendiges Museum braucht Helfer und Unterstützer
#kidsMW: Bitte ins Museum, Mami! Die Familienausstellung „Die Kinderburg“ auf Burg Posterstein

Musik, Literatur und Kunst als Lebenselexier: Der Maler Hans Neupert ist mit 95 ungeheuer produktiv

"Der letzte Tanz" (c) Hans Neupert
“Der letzte Tanz” (c) Hans Neupert
Bei der aktuellen Sonderausstellung mit Ölgemälden des Schmöllner Malers und Grafikers Hans Neupert – eine Hommage zu dessen 95. Geburtstag in diesem Jahr – ist dem Museum Burg Posterstein etwas Ungewöhnliches passiert: Der zur Ausstellung erscheinende Katalog mit Werkverzeichnis war schon während der Drucklegung veraltet. Hans Neupert, der in den vergangen Jahren unglaublich produktiv zu Werke gegangen ist, hatte schon wieder drei neue Ölgemälde fertig gestellt. Die Ausstellung ist noch bis 2. August zu sehen. Museumsmitarbeiterin Franziska Engemann hat Neupert in seinem Atelier besucht und schildert ihre Eindrücke im Katalog zur Ausstellung.

Das Atelier in der Gartenstraße, in dem Hans Neupert seine Werke entstehen lässt, ist vollgepackt mit Büchern und Bildern. Ein Flügel ragt darin auf: ein Ausläufer der Gebirgsketten von Bücherregalen und Schränken. Musik, Literatur und Kunst waren schon immer die Dinge, die das Leben des bald 95-Jährigen prägten. Er braucht keinen Fernseher und kein Radio. Er liest und die Zeilen regen seine Fantasie und seinen Geist an.

Es kann weiter gehen

In den Händen hält Hans Neupert ein Büchlein. Darin hat er all seine kleinen und so beliebten Ölbilder sorgfältig erfasst. Die letzten Seiten sehen erstaunlich neu aus. Sie wurden nachträglich eingeklebt. Mit einem Lächeln erklärt der Künstler, er habe gedacht, vor dem Ende des Büchleins nicht mehr malen zu können. Darin hatte er sich geirrt und das Büchlein musste erweitert werden. Auch neue Malbretter, auf denen er seine Kunst ausführt, musste er nachkaufen. Es kann weiter gehen.

Und Ideen hat er genug. Die Bücher und seine selbst zusammengestellte Kammermusik liefern genügend Stoff. Ebenso der einfache Blick aus dem Fenster und natürlich die Erinnerungen an und die wunderbaren Gespräche mit lieben Menschen und Freunden.

Hans Neupert (*1920) widmete sich in über 40 Arbeitsjahren, gemeinsam mit seiner Frau Luise (1926–2009), der angewandten Kunst und Gebrauchsgraphik.

Für ihre Heimatstadt Schmölln und die ganze Region wurden Luise und Hans Neupert zur kulturellen Institution. Während sich Luise Neupert mit filigranen Scherenschnitten einen künstlerischen Namen machte, widmet sich Hans Neupert der Malerei.

Von DEDERON zu Musen und Nymphen

Bereits 1963 führte ein Spezialauftrag der DDR-Chemieindustrie die Neuperts zur intensiveren Beschäftigung mit diesem Genre. Zunächst in Tempera, später in Öl entstanden Miniaturmalereien, die als Jahresgabe für ausländische Kunden dienen sollten. Hier bekommt der Betrachter bereits eine Ahnung davon, was sich später an Kreativität in aktuell 1052 im Werkverzeichnis erfassten Ölbildern niederschlagen wird. Im Jahrbuch „Alles was wir lieben, mit DEDERON durch das Jahr“, einem Katalog aus dieser Zeit, werden Texte illustriert (oder umgekehrt), wobei schöne Frauen, Musiker oder Fabelwesen die Szenerie bevölkern. Die Bildtitel wirken heute wie ein vorweggenommenes künstlerisches Programm: „Ich liebe die Frauen, ich liebe die Musik, ich liebe die Abwechslung“.

Die Malschichten der kleinformatigen, etwa 250 x 350 mm großen Gemälde werden auf Holz aufgetragen. Sodann montiert der Künstler die eigentlichen Bilder auf eine in Weiß gehaltene Trägerplatte und umrahmt sie mit einer goldenen Leiste. Die Sujets fantasievoll, romantisch, philosophisch bisweilen provozierend frech gemalt und von tiefer Farbigkeit geprägt, bilden in ihrer Unverwechselbarkeit bis heute den Stil Hans Neuperts.

KatalogCoverHNDie Ausstellung zeigt bis 2. August 2015 eine Auswahl von Bildern, die erst in den letzten Jahren entstanden sind. Den Katalog „Mal sehen wohin es geht oder zwischen den Zeiten- Hans Neupert – Hommage zum 95.“ kann man für 9 Euro über das Museum bestellen.

Von Marlene Hofmann & Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein