Burg Posterstein als Gutenachtgeschichte

Mit vier verschiedenen Postkarten-Motiven sammelte das Museum im Vorfeld Geld für das Kinderbuchprojekt (Bild: Museum Burg Posterstein)
Mit vier verschiedenen Postkarten-Motiven sammelte das Museum im Vorfeld Geld für das Kinderbuchprojekt (Bild: Museum Burg Posterstein)
Dicke, alte Mauern, Ritterrüstung und ein Turm mit Aussichtsplattform – naturgemäß sind Burgen prädestiniert für Familien mit Kindern. Zur Burg Posterstein gibt es darüber hinaus noch eine geisterreiche Gutenachtgeschichte – das Buch “Ein Fall für Posti & Stein – Der Ritter, der keine Ruhe fand” wollen wir anlässlich der #MuseumWeek mit dem heutigen Thema #familyMW kurz vorstellen.

Im Rahmen der museumspädagogischen Arbeit des Museums entstand 2010 das Kinderbuch “Ein Fall für Posti & Stein – Der Ritter, der keine Ruhe fand”. Das Paperback mit bunten Illustrationen richtet sich an Kinder im Lesealter. Ihren Ausgangspunkt nimmt die Geschichte in der Dauerausstellung, wo eine Ritterrüstung hinter Glas steht. Eines Nachts beginnt sie sich zu bewegen, lässt dabei das Glas der Vitrine zersplittern und setzt die Alarmanlage in Gang. Polizei und Museumschef sind ratlos. Dem Rätsel wirklich auf die Spur kommen nur die beiden Burggeister Posti und Stein.

Ganz und gar nicht unheimlich

Posti und Stein gab es schon vor dem Buch. Sie begleiten Kinderführungen, Geburtstage und Schülerprojekte. Und anders als manche andere Schlossgespenster sind der rosarote Burggeist und der dicke Drache auch gar nicht unheimlich.

Mehr Infos zu Posti und Stein gibt es auf der Website des Museums.

Hier findet ihr die neusten Tweets & Statistiken zur #MuseumWeek.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Posti & Stein am weltweiten #MuseumSelfie Day

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Wir haben sie erwischt: Die Burggeister Posti und Stein posieren zusammen mit der Burg Posterstein. Kein Wunder, heute ist auf Twitter ja auch der erste internationale #MuseumSelfie Tag, ausgerufen von @MarDixon und dem britischen Museumsexperten-Netzwerk Culture Themes.

Eigentlich haben wir uns schon längst an den Anblick von Menschen, die ihren Museumsaufenthalt per schnelles Selbstportrait mit dem Smartphone dokumentieren schon längst gewöhnt. Heute wird es zum Flash Mob / Kunstprojekt auf internationaler Bühne. Wer auf Twitter und Instagram nach dem Hashtag (Lesezeichen) #MuseumSelfie sucht, findet sich schnell in einem öffentlichen Familienfotoalbum hunderter oder tausender Museumsbesucher wieder. Schön besprochen hat die neue Bedeutung solcher Selbstportraits auch der Münchner Kulturexperte Christian Gries in seinem Blog.

In Posterstein derweil schneit es und die Burggeister Posti und Stein verweisen mit ihrem Selfie nicht zuletzt auf das museumspädagogische Programm im Museum, durch das jedes Jahr mehr als 2000 kleiner Ritter und Burgfräulein die Burg Posterstein kennenlernen.

Bauarbeiten machen “Geheimtreppe” Besucher zugänglich

Unser Beitrag zur Kultur-Blogparade 2013 der Residenz München !

Auf Burg Posterstein gibt es eine versteckte Treppe, die normalerweise für Besucher nicht zugänglich ist: Verdeckt von einem zimmerhohen Schrank führte die “Geheimtreppe” vom ehemaligen Gerichtszimmer der Burgherren hinab in die Küche, auf den Hof und in den „Unteren Saal“; und von dort weiter in einen Kellerbereich. Früher diente dieser Gang möglicherweise als Fluchtweg, heute endet der Weg bereits in der eine Etage tiefer liegenden Galerie.

Die "Geheimtreppe" auf Burg Posterstein
Die “Geheimtreppe” auf Burg Posterstein (c) Museum Burg Posterstein

Bei normalem Ausstellungsbetrieb können Besucher nur einen Blick in den Schrank hineinwerfen. Allenfalls den mehr als 2000 kleinen Rittern und Burgfräuleins, die jedes Jahr mit ihren Schulklassen und Geburtstagsgästen mit den Burggeistern Posti & Stein auf Erkundungstour gehen, erlauben die Burggespenster den Aufstieg durch die Geheimtreppe.

Nein, hier hat nicht Christo verhüllt: Bauarbeiten auf Burg Posterstein im Februar 2013
Nein, hier hat nicht Christo verhüllt: Bauarbeiten auf Burg Posterstein im Februar 2013

Bis Ende Februar finden jedoch Bauarbeiten in der Oberen Halle und dem Bergfried der Burg Posterstein statt – und dann werden alle Besucher den verdeckten Eingang nutzen müssen. Bei den Bauarbeiten sollen nicht nur die zum letzten Mal vor 20 Jahren restaurierten Räume saniert werden, sondern auch gleich noch die Risse, die beim großen mitteldeutschen Erdbeben 1872 im Turm entstanden sind, verschlossen werden. Im Video des freien Journalisten Gunter Auer (unten) erklärt Museumsdirektor Klaus Hofmann u. a. die Restaurierungspläne.

Während die Handwerker arbeiten, läuft der Museumsbetrieb normal weiter und die Dauerausstellungen können besichtigt werden. Im Gerichtsraum wird geheiratet, die Burggeister führen weiter Kinder durch die Burg und im Büro werden die nächsten großen Sonderausstellungen vorbereitet, zum Beispiel die zum 200. Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig, die am 1. September beginnt.

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Burg Posterstein – Rückblick 2012 und Vorschau 2013 // Posterstein castle – retrospect 2012 and preview 2013 from Burg Posterstein on Vimeo.

Dann sollen Napoleon-Karikaturen gezeigt und die Forschungsergebnisse verschiedener regionaler Historiker über die Ereignisse und die handelnden Personen des Jahres 1813 vorgestellt werden. – Schließlich waren sowohl die Region um Altenburg als auch der Kreis um die Herzogin von Kurland unmittelbar von dem in Leipzig stattgefundenen Kriegsgeschehen betroffen. In Altenburg selbst hielten sich kurz vor und während der Schlacht die Herrscher und führende Generäle der antinapoleonischen Allianz auf. Friedrich Arnold Brockhaus gab in Altenburg die Deutschen Blätter heraus und war damit Kriegsberichterstatter im Auftrag des Oberbefehlshabers der Alleierten Armeen Fürst Schwarzenberg. Eine Publikation zur Ausstellung wird ebenfalls erscheinen, für die gerade Recherchearbeiten in Wiener Archiven stattfanden.

Weitere Informationen: www.burg-posterstein.de

Von Marlene Hofmann, Museum Burg Posterstein

Beitrag zur Blogparade 2013 der Residenz München

Wie still war das Örtchen von Ritter Kunibert?

Kinder dürfen auf Burg Posterstein jetzt auch hinter die ritterliche Klotür schauen

Dass die alten Rittersleut’ noch kein Sanifair kannten, ist wohl jedem klar. Aber wie sah das stille Örtchen im Mittelalter eigentlich aus? Auf Burg Posterstein können Besucher bei Spezialführungen jetzt auch einen Blick in die mittelalterliche Toilette riskieren. – Solche VIP-Gäste sind zum Beispiel die fast 2000 Kinder, die jedes Jahr an den Kinderführungen des Museums teilnehmen.

Kleine Ritter bei der Inspektion des mittelalterlichen Aborts ((c) Petra Nienhold, Museum Burg Posterstein)
Kleine Ritter bei der Inspektion des mittelalterlichen Aborts ((c) Petra Nienhold, Museum Burg Posterstein)

Museumsmitarbeiterin Petra Nienhold führt oft sogar mehrmals pro Woche Kindergruppen, die beispielsweise Geburtstag auf der Burg feiern, durch die alten Gemäuer. Seit kurzem öffnet sie dabei auch die vorher verschlossene Tür zu einem der beiden so genannten Abort-Erker der Burg, der sich im Obergeschoss befindet. Vom Park aus kann man heute noch einen der Erker sehen, der einem kleinen Anbau ähnlich, an der Außenmauer klebt.

Der enge Raum bietet gerade so Platz für einen hölzernen Toilettensitz. Hebt man heute den Deckel hoch, sieht man nicht viel, weil der Boden des Erkers inzwischen zugemauert ist. Im Mittelalter aber genoss man freie Sicht in den Burggraben und einen kalten Luftzug von unten. Das „Geschäft“ plumpste damals im Freiflug nach unten und stank dann im Burggraben vor sich hin. An die Lektüre der aktuellen Zeitung, wie das so manch einer heute tut, war da nicht zu denken. Nach genauer Inspektion des hölzernen Toilettensitzes ist sich Mercedes, 9 Jahre alt, sicher: „Ich bin froh, dass ich das nicht benutzen muss!“

Zum „stillen Örtchen“ mancher Burgen gab es nicht einmal eine Tür ((c) Marlene Hofmann, Museum Burg Posterstein)
Zum „stillen Örtchen“ mancher Burgen gab es nicht einmal eine Tür ((c) Marlene Hofmann, Museum Burg Posterstein)

Abort-Erker, wie die der Burg Posterstein, gab es auf Burgen sehr häufig. Zunächst scheinen diese zum Burginneren hin sichtoffen gewesen zu sein, sodass das „stille Örtchen“ gar nicht so abgeschieden war. Große Festungen besaßen viele Erker – die Burg Eltz an der Mosel zierten gleich vierzehn solche Außentoiletten. Auch einige Doppel-Abtritte, getrennt für Männern und Frauen, sind belegt, beispielsweise im bayrischen Rothenburg ob der Tauber. Natürlich achteten die Bauherren meist darauf, die Aborte über möglichst abgelegenen Stellen anzubringen, damit Passanten keine unangenehmen Stinkbomben fürchten mussten.

Außenansicht eines Abort-Erkers der Burg Posterstein ((c) Marlene Hofmann, Museum Burg Posterstein)
Außenansicht eines Abort-Erkers der Burg Posterstein ((c) Marlene Hofmann, Museum Burg Posterstein)

Mit der modernsten und hygienischsten Technik dieser Zeit konnten manche großen Deutschordenburgen aufwarten. Dort baute man zuweilen spezielle Toilettentürme, „Danziger“ genannt, die vom Schloss aus über eine Brücke zu erreichen waren. Im Obergeschoss der Türme gab es gleich mehrere Plumpsklos, der Rest des Gebäudes war innen hohl und unten spülte im besten Fall ein Fluss das ritterliche Geschäft fort. Den eindrucksvollsten, noch erhaltenen Toilettenturm kann man auf der Burg Marienwerder (auf Polnisch: Kwidzyn) im heutigen Polen besichtigen.

(Marlene Hofmann, Museum Burg Posterstein)