Geduld ist der einzige Weg zum Ziel: Pläne, Probleme und Perspektiven in der Pandemie

Die Pandemie erfordert von uns allen: Geduld, Flexibilität, Mut und Kreativität. Das Museum Burg Posterstein musste 2020 von 15. März bis 15. Mai schließen. Danach konnten wir mit einem strengen Hygiene-Konzept wieder öffnen und erfreut feststellen, dass uns Tagestouristen und Stammbesucher nicht vergessen hatten und zahlreich besuchten. Seit 2. November 2020 befinden wir uns erneut im Lockdown. Ausstellungen und Veranstaltungen mussten abgesagt oder verschoben, Online-Alternativen entworfen und umgesetzt werden und auch jetzt ist nicht sicher, welche der für 2021 geplanten Ausstellungen tatsächlich stattfinden können.

Stehen wir in der Pandemie-Zeit nicht alle Kopf? Burg Posterstein-Spiegelung im Schnee (Foto: Museum Burg Posterstein)

Jörn Brunotte vom Blog beramus ruft Museen in der Blogparade #museumsforfuture dazu auf, ihre Erfahrungen zu teilen. Dieser Post ist unser Beitrag dazu.

Pläne trotz Pandemie

Zu keiner Zeit ist uns die Arbeit ausgegangen, denn Museumsarbeit umfasst weit mehr als die Ausstellungen, die im Haus zu sehen sind.

Einerseits haben wir in der Zeit der Lockdowns inzwischen drei Online-Ausstellungen und ein digitales Ferien-Programm zeigen können. Darüber hinaus haben wir im Lockdown und während der Öffnung unter Pandemie-Bedingungen mehrere verschiedene Formate für Ausstellungseröffnungen getestet (Livestream der Veranstaltung vor Ort mit begrenzter Teilnehmerzahl, Eröffnung per Live-Ansprache, Eröffnung per YouTube-Video, mehrtägige Eröffnung ohne festen Zeitpunkt, um den Besucherstrom zu entzerren).

Schloss Tannenfeld im Winter 2021 (Foto: Museum Burg Posterstein)
In der Ausstellung #GartenEinsichten wird auch der historische Park von Schloss Tannenfeld eine Rolle spielen – hier: Schloss Tannenfeld im Winter 2021 (Foto: Museum Burg Posterstein)

Für 2021 plant das Museum Burg Posterstein vier Sonderausstellungen. Sobald wieder geöffnet werden darf, startet die Schau „Manege frei! – Das Lindenau-Museum Altenburg zu Gast auf Burg Posterstein“. Im Anschluss zeigt das Museum die Sonderschau #GartenEinsichten: „Wie der Garten, so der Gärtner“ – Gartenkultur als Spiegel der Gesellschaft. Die Ausstellung ist der Postersteiner Beitrag zur Ausstellungsreihe „Grünes im Quadrat“ der vier Museen im Altenburger Land (Lindenau-Museum Altenburg, Residenzschloss Altenburg, Naturkundemuseum Mauritianum und Museum Burg Posterstein). Zum 200. Todestag der Herzogin von Kurland stellt das regionalgeschichtliche Museum Burg Posterstein dann den Maler Ernst Welker in den Mittelpunkt der Ausstellung “Der Maler Ernst Welker im Salon der Herzogin von Kurland”. Denn Welkers Geschichte ist eng mit der der Herzogin verknüpft. Inhaltlich geht es nicht nur um Welkers Kunst, sondern auch um den Salon im nahen Löbichau und um das Reisen zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Den Abschluss des Ausstellungsjahres bildet in der Adventszeit die traditionelle Weihnachtskrippen-Ausstellung.

Andererseits nutzen wir die Zeit und die im Rahmen von „Neustart“ erhaltenen Fördermittel zum Aus- und Umbau unseres Online-Auftritts: Mit Videos in Gebärdensprache, Texten in leichter Sprache, mehr Videos, größerer Schrift und höheren Kontrasten ist unsere Website barrierefrei geworden. Der Relaunch ist noch nicht vollständig abgeschlossen, denn derzeit folgt die kontinuierliche Überarbeitung aller Homepage-Texte. Mitgedacht wird dabei die Digitalisierung der Sammlung, immer in Verbindung mit Vermittlungsansätzen und Online-Ausstellungen wie beispielsweise im Hinblick auf die digitale Weihnachtskrippen-Ausstellung, die einen ersten Schritt zur Digitalisierung der Weihnachtskrippen-Sammlung darstellt.

Blick auf Burg Posterstein und die Ruine des Nordflügels im Dezember 2021
Blick auf Burg Posterstein und die Ruine des Nordflügels im Dezember 2021 (Foto: Museum Burg Posterstein)

Ein dritter Schwerpunkt unserer derzeitigen Arbeit liegt in der Planung des Neubaus des in den 1950er Jahren abgerissenen Nordflügels der Burg. Nachdem sich der Kreistag des Landkreises Altenburger Land als Eigentümer der Burg Posterstein im September 2020 zum Wiederaufbau bekannt hat, konnte nun das bereits vor längerer Zeit durch uns selbst erarbeitete Konzept und die dazu gehörige Planung beim Fördermittelgeber eingereicht werden. Wir sind zuversichtlich, dass die Realisierung in den nächsten drei Jahren erfolgen kann. Der Wiederaufbau des einstigen Repräsentationsflügels der Burg soll uns in die Lage versetzen, einen ganzen Bereich für moderne Vermittlungsformen bereitzuhalten, die Ausstellungen barrierefrei zu erschließen, den Service zu verbessern und nicht zuletzt unsere Sammlungen besser unterzubringen. Die Umsetzung dieses größten Bauvorhabens der Geschichte unseres Museums wird auf der Webseite in einer Art Bautagebuch dokumentiert.

Erkenntnisse aus der Pandemie

Wir sind als Museum finanziell abhängig von Eintrittsgeldern – das haben uns die langen Schließzeiten schmerzlich bewusst gemacht. Während die Besucherzahl vor Ort 2020 um die Hälfte eingebrochen ist, blieb die Zahl der Website und Blog-Besucher stabil. Experimente mit der Refinanzierung digitaler Angebote (z.B. durch Spenden-Buttons bei Online-Ausstellungen, die Möglichkeit beim Online-Einkauf über „Wecanhelp“ gratis zu spenden, etc.) wurden nur verhalten genutzt. Eine wichtige Erkenntnis aus der Pandemie ist für uns, dass die Beschaffung von Geldern zur Finanzierung unserer musealen Arbeit immer höhere Priorität bekommt. Das umfasst vor allem das Akquirieren von Fördergeldern und Spenden. Wir rechnen fest damit, dass weiterhin finanzielle Unterstützung vom Land Thüringen für die Museen kommt.

Familien-Besuch auf Burg Posterstein im Pandemie-Jahr 2020
Auch 2021 sind Konzepte gefragt, die ohne klassische Führung auskommen: Kinder in der Familien-Ausstellung “Die Kinderburg” auf Burg Posterstein im Pandemie-Jahr 2020

Wir gehen aktuell auch davon aus, dass wir das Museum frühestens im Frühjahr mit unserem bestehenden Hygiene-Konzept wieder öffnen können. Großveranstaltungen und Führungen in bisheriger Form werden sicherlich auch dann noch nicht wieder stattfinden können. Wir arbeiten dafür an neuen Konzepten für Führungen (z.B. Kuratoren-Videos in der Ausstellung, selbstgeführte thematische Touren durch das Museum) und an neuen Veranstaltungsformaten (z.B. Kombinationen aus Livestream und Präsenzveranstaltungen).

Digitale Ansätze tragen uns nicht nur durch die schwierige Pandemie-Zeit, sondern sind derzeit unser heißer Draht zu unseren Besuchern und Stammgästen. Unser intensives digitales Engagement hilft uns, mit unseren Besuchern in Kontakt zu bleiben, über unsere Pläne und Arbeit hinter den Kulissen zu informieren und uns nach dem Lockdown schnell und problemlos auch physisch wieder zusammenzubringen.

Bis es so weit ist, befolgen wir den Rat des Sachsen-Gotha-Altenburgischen Ministers Hans Wilhelm von Thümmel, der schon 1821 in einem Aphorismus schrieb:

Ungeduld quält sich und Andere, und weiß doch nur zu gut, daß Geduld der einzige Weg zum Ziel ist.

(Thümmel, Aphorismen 1821, Nr.3)

von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Neue Herausforderungen, neue Wege – Museen in der Corona-Krise

Jörn Brunotte ruft zur Blogparade #closedoropen auf und stellt Museen wie Besuchern die Frage: Sollen die Museen wieder öffnen? Wie sind die Erfahrungen mit der Wieder-Eröffnung? Als Museum Burg Posterstein möchten wir hier unsere Sicht auf die Wiederöffnung nach dem Corona-Lockdown im Frühjahr 2020 geben.

Das Hygiene-Konzept zur Eindämmung der Corona-Pandemie erfordert eine feste Besucher-Führung: Eingangsbereich zur Burg Posterstein mit Absperrkordeln.
Das Hygiene-Konzept zur Eindämmung der Corona-Pandemie erfordert eine feste Besucher-Führung.

Dass Museen sobald wie möglich wieder öffnen müssen, steht für uns außer Frage, denn die Präsentation und Vermittlung von Kultur, Kunst und Geschichte zählen zu den fünf Säulen der Museumsarbeit, ohne die ein Museum kein richtiges Museum ist. Aus genau diesem Grund fanden wir es auch selbstverständlich, dass Museen ihre Vermittlungsarbeit in der Schließzeit digital weiterbetreiben.

Ausstellung und Vermittlung in der Zeit der Schließung

Da wir die Online-Vermittlung ohnehin zu jeder Ausstellung mitdenken, stellte das keine Hürde dar, denn die Infrastruktur und das Know-How sind vorhanden. Auf diese Weise konnten wir in der Zeit der Schließung mit vielen Besuchern über die verschiedenen sozialen Netzwerke in Kontakt bleiben und sogar neue Bekanntschaften knüpfen.

Burg Posterstein - seit 16. Mai 2020 nach der Corona-bedingten Schließung wieder geöffnet.
Burg Posterstein – seit 16. Mai 2020 nach der Corona-bedingten Schließung wieder geöffnet.

In der Zeit der Schließung (in unserem Fall ab 15. März 2020) konzipierten wir die Mitmach-Foto-Ausstellung #Schlössersafari virtuell, weltweit, bei der Blogger, Instagramer, Fotografen, Burgen- und Schlösser-Fans aller Art ihre Fotos und kurzen Reisegeschichten per Mail an uns schicken konnten. Insgesamt gingen 50 Bilder und Geschichten ein und es entstand über den Hashtag #Schlössersafari ein lebhafter Austausch auf Twitter und Instagram, der unser Netzwerk erweitert hat. Die Aktion und Ausstellung promoviert übrigens nicht nur Burg Posterstein, sondern Schlösser und Burgen weltweit. Verwundert mussten wir feststellen, dass kaum andere Burgen, Schlösser oder gar die regionalen Tourismusverbände die Ausstellung genutzt haben, um sich und ihre Häuser zu präsentieren.

Darüber hinaus ergänzten wir die Foto-Ausstellung „Landschaft nach der Wismut – Fotografie von Karl-Heinz Rothenberger“, die noch bis 19. Juli 2020 zu sehen ist, um eine digitale Erweiterung mit ausführlichen historischen Informationen.

Ein Novum für uns war, das Osterferien-Programm für Kinder digital durchzuführen. Entstanden ist ein Rätsel mit Gewinnspiel in fünf Teilen. Die einzelnen Quizfragen gab es per Blogpost und Video in unserem Kinderburg-Blog. Auch in Zukunft wollen wir im Kinderburg-Blog verstärkt mit kurzen, selbst produzierten Videos experimentieren.

Wieder-Eröffnung mit Hygiene-Konzept

Sobald bekannt wurde, dass die Thüringer Museen wieder öffnen dürfen, erarbeiteten wir gemeinsam mit den verantwortlichen Behörden des Landkreises Altenburger Land ein eigenes Hygiene-Konzept. Unterstützung und Hinweise gab es regelmäßig durch den Thüringer Museumsverband. Das Konzept sieht einen festen Rundgang durch die Burg vor, eine maximale gleichzeitige Zahl von 30 Besuchern, das Tragen von Mund-Nasen-Bedeckung, das regelmäßige Desinfizieren der Oberflächen und Hand-Desinfektionsspender für Besucher und Mitarbeiter. Zunächst blieben Turm und Verlies geschlossen, alle Touchscreens, Hörstationen und Info-Materialien zum Anfassen mussten aus der Ausstellung entfernt werden. Veranstaltungen, Führungen und Kindergeburtstage müssen weiterhin ausfallen.

Wegeführung im Museum Burg Posterstein im Juni 2020 - Treppe mit Absperrkordel
Wegeführung im Museum Burg Posterstein im Juni 2020

Am 16. Mai 2020 konnte das Museum unter diesen Auflagen wieder öffnen. Seit Anfang Juni gibt es eine Schranken-Regelung, damit Besucher auch den Turm und das Verlies wieder besichtigen können. Die Foto-Ausstellung „Landschaft nach der Wismut“ wurde bis 19. Juli 2020 verlängert. Für Familien mit Kindern haben wir einen neuen „Kinderburg-Spezial-Rundgang“ mit Schatzkarte durch die Ausstellung konzipiert. Die Kunstausstellung „Peter Zaumseil & Ludwig Laser zum 125. Geburtstag – Malerei, Grafik & Keramik“ wurde verschoben und ist nun von 2. August 2020 bis 15. November 2020 zu sehen. Für diese Ausstellung planen wir bereits jetzt ein digital-analoges Eröffnungsformat, das über den ganzen Eröffnungstag läuft, sodass allen Besuchern die Möglichkeit gegeben wird, die Künstler zu treffen und ihre Werke in Ruhe zu betrachten.

Im Turmaufgang gibt es derzeit eine "Schranke", damit auch hier die Abstandsregeln eingehalten werden können.
Im Turmaufgang gibt es derzeit eine “Schranke”, damit auch hier die Abstandsregeln eingehalten werden können.

Der Großteil unserer Besucher reagierte bisher sehr verständnisvoll auf die neuen Verhaltensregeln im Museum. Viele kommen von weit her, um die Burg zu besuchen – Leipzig, Erfurt, Dresden, Berlin. Mit den weiteren Lockerungen, die die Verantwortung an die unterste Ebene – den Museumsbetreiber – weitergeben, könnte es in Zukunft schwieriger werden, um Verständnis für das weitere Einhalten der Hygieneregeln zu werben. Wir freuen uns jedoch, dass uns so viele Menschen – gerade Familien – bereits wieder besuchen, wenn auch weniger als normalerweise.

Die Verluste sind exorbitant

Die Verluste für unser Museum durch zwei Monate Schließung, ausfallende Veranstaltungen und Gruppenbesuche sowie durch geringere Besuchszahlen nach der Wiedereröffnung sind einschneidend. Als vereinsgetragenes Haus bekommen wir einen Zuschuss vom Landkreis Altenburger Land, müssen jedoch etwa ein Drittel unseres Budgets selbst erwirtschaften. Die Verluste durch die Corona-Pandemie sind im laufenden Jahr nicht wieder gut zu machen und bedrohen die Existenz des Museums, sollte es keine finanziellen Hilfestellungen geben.

Spätestens jetzt hat sich herauskristallisiert, dass diese Art der Finanzierung von Museen nicht optimal gestaltet ist. Denn sie ist auf Sachkosten ausgelegt, nicht auf Personal. Wenn uns als Gesellschaft Kultur, Bewahrung und Vermittlung wichtig sind, müssen wir uns Museen leisten wollen.

Bitte nur einzeln ins Gefängnis - der Zugang zum Verlies der Burg Posterstein.
Bitte nur einzeln ins Gefängnis – der Zugang zum Verlies der Burg Posterstein.

Neue Wege gehen

Während in den vergangenen Jahren Veranstaltungen und Vermittlungselemente zum Anfassen immer mehr in den Fokus gerückt sind, nehmen wir die Krise nun zum Anlass, um vor Ort auch nach alternativen Formaten und weiteren Kooperationen zu suchen.

Die Krise hat gezeigt, dass Kultureinrichtungen eben doch ein wichtiger Tourismusfaktor sind, denn wenn sie schließen müssen, bleiben auch die Gäste für Gastronomie und Übernachtung aus. Im Augenblick entwickeln wir gemeinsam mit den Postersteiner Gastronomen eine besondere kulinarische Tour für Erwachsene, die interessante Details aus der Geschichte mit exklusiven gastronomischen Angeboten verbindet. Auf diese Art wollen wir auch hier unsere Vernetzung ausbauen und gemeinsam werben.

Unsere analoge Foto-Ausstellung #Schlössersafari, die im Frühjahr 2019 auf Burg Posterstein zu sehen war, ist im Moment auf Wanderschaft. Bis September 2020 ist die Ausstellung in erweiterter Form auf Burg Ranis (Thüringen) zu sehen. – Auch diese Art der Kooperation ist ein Novum für uns.

Blick auf Burg Posterstein
Blick auf Burg Posterstein

Darüber hinaus arbeiten wir an der neuen Familien-Ausstellung „Aus dem Alltag eines Burgherrn“, die am 4. Oktober 2020 eröffnet.

Dass unsere Themen und Inhalte auch während der Schließzeit gefragt waren, spiegelt das große Interesse wider, das unseren Online-Aktionen entgegen gebracht wurde. Es zeigt sich, dass ein stabiles, auch digital gepflegtes Netzwerk uns durch eine solche Krise tragen kann – wenn auch nicht finanziell. Wibke Ladwig schildert in ihrem Beitrag zu dieser Blogparade beispielsweise ihre Sicht als digitale Besucherin. Die Krise zeigt, dass man in Zukunft viel mehr überlegen muss, wie digitale Vermittlungsangebote auch finanziell honoriert werden können, solange die Museen nicht ausreichend finanziert sind (wobei das dem Bildungsauftrag widerspricht, in der Schule zahlt man schließlich auch keinen Eintritt!). Auch hier gibt die Krise Anstoß zum Nachdenken. Diese Entwicklung wollen wir weiterhin beobachten.

von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Da unser vereinsgetragenes Museum durch die Schließung in der Zeit der “Corona-Krise” erhebliche finanzielle Einbußen verkraften muss, freuen wir uns über jede Spende: Hier können Sie einfach und unkompliziert spenden

Der Deutsche Museumsbund unterstützte frühzeitig mit Informationsplakaten zu den empfohlenen Hygieneregeln.