Postersteiner Stele kehrt nach Köln zurück – Rückblick auf ein besonderes Kunstprojekt

Die Stele von Wolfgang Stöcker im Burgpark der Burg Posterstein
Die Stele von Wolfgang Stöcker im Burgpark der Burg Posterstein

Als Museen und kulturelle Orte in ganz Deutschland wegen der Pandemie geschlossen bleiben mussten, fotografierte und dokumentierte der Kölner Künstler Wolfgang Stöcker die plötzlich “hermetisch verschlossenen”, sonst öffentlich zugänglichen Orte. In einer deutschlandweiten Kunstaktion machte er mit Skulpturen und Kunstwerken im öffentlichen Raum auf diese Kulturorte und den kulturellen Reichtum aufmerksam. In seinen Fotografieren, collagenhaft nebeneinandergestellt, traten die verschiedensten Orte auf ästhetische Weise miteinander in Korrespondenz.

Die Postersteiner Stele stand vom 28. September 2021 bis 8. März 2022 im Burgpark Posterstein. Über QR-Code und ein Plakat in unmittelbarer Nähe konnten sich interessierte Besucher über das Projekt informieren, das farblich mit den herbstlich-braunen Tönen der Natur harmonierte.

Das informative Video kann man hier anschauen:

Please accept YouTube cookies to play this video. By accepting you will be accessing content from YouTube, a service provided by an external third party.

YouTube privacy policy

If you accept this notice, your choice will be saved and the page will refresh.

Im Video erzählt der Kölner Künstler Wolfgang Stöcker über die Idee hinter der Skulptur

Die Motive auf der Stele

Auf der Stele zu sehen waren Fotografien, die während des Lockdowns und kurz danach in verschiedenen deutschen Museen entstanden sind. Die Idee: Innenräume werden über Fotografien nach außen getragen. Neben der Postersteiner Stele wählte der Künstler noch andere Projektionsformen, beispielsweise Pavillons (Bergisch Gladbach, April 2021) oder Bildtafeln im öffentlichen Raum (Köln, Mai – Okober 2021).

Auf der Postersteiner Stele waren sowohl ganze Architekturansichten wie auch kleine Detailaufnahmen von Wandstrukturen, Stuck sowie Möbeln, Schnitzereien, Figuren und Holzkonstruktionen zu sehen. Zusammengesetzt ergeben die Motive eine lebendige optisch-assoziative Mischung von sehr unterschiedlicher Wirkung. 

Wolfgang Stöcker beim Aufbau seiner Skulptur "Postersteiner Stele" am 28. September 2021 im Park der Burg Posterstein. Im Vordergrund die Stele mit Fotocollage mit Büsten aus dem Museum Burg Posterstein. Im Hintergrund der Künstler und die Burgmauer.
Wolfgang Stöcker beim Aufbau seiner Skulptur “Postersteiner Stele” am 28. September 2021 im Park der Burg Posterstein.

Die Motive von oben nach unten:

Ganz oben:
kleiner Quader mit Aufnahmen aus Burg Posterstein (15.06.2021) und dem Residenzschloss Altenburg (14.06.2021) sowie der dortigen Schlosskirche (14.06.2021).

Würfel darunter:
Detailaufnahmen des gerade in Restauration befindlichen Speichers im Stadtmuseum Lindau (09.07.2021), eine Detailaufnahme aus dem Lehmbruckmuseum (16.03.2021) sowie des Kölner Museum Ludwig (Dezember 2020). Zusätzlich tauchen Stuckelemente des Altenburger Schlosses auf.

Länglicher Sockel:
Bildcollagen, vorwiegend mit Büsten der Herzogin von Kurland und ihren Töchtern, alle Burg Posterstein (15.06.2021). Fragmentarisch tauchen darin Motive aus dem Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (05.08.2021) und dem Speicher des Stadtmuseums Lindau (09.07.2021) auf.

Unterer Sockel:
Der untere Sockel weist vier Seitenansichten mit je zwölf Motiven auf. Einige davon wiederholen sich in einem nicht symmetrisch verlaufendem, lockeren Rhythmus. 

Die Zuordnung der Motive beginnt immer von links oben nach rechts unten:

Die Fotografien auf Seite 1 der Skulptur "Postersteiner Stele" von Wolfgang Stöcker

ganz oben: MARTA Herford, Museum Burg Posterstein
2. von oben: Schloss Augustusburg in Brühl, Schloss Augustusburg in Brühl
3. von oben: Museum Ludwig in Köln, Museum Burg Posterstein
4. von oben: Residenzschloss Altenburg, MARTA Herford
5. von oben: Museum Ludwig, Köln, Museum Burg Posterstein
ganz unten: arpmuseum, Rolandseck, Schloss Augustusburg in Brühl

Die Fotografien auf Seite 2 der Skulptur "Postersteiner Stele" von Wolfgang Stöcker

ganz oben: arpmuseum in Rolandseck, Schloss Augustusburg in Brühl
2. von oben: Museum Ludwig in Köln, Lehmbruckmuseum in Duisburg
3. von oben: MARTA Herford, Museum Burg Posterstein
4. von oben: Schloss Augustusburg in Brühl, Residenzschloss Altenburg
5. von oben: Museum Burg Posterstein, Museum Burg Posterstein
ganz unten: Schloss Augustusburg in Brühl, Schloss Augustusburg in Brühl

Die Fotografien auf Seite 3 der Skulptur "Postersteiner Stele" von Wolfgang Stöcker

ganz oben: Schloss Augustusburg in Brühl, Lehmbruckmuseum in Duisburg
2. von oben: Residenzschloss Altenburg, Schloss Augustusburg in Brühl
3. von oben: Museum Burg Posterstein, Museum Ludwig in Köln
4. von oben: arpmuseum in Rolandseck, MARTA Herford
5. von oben: Museum Burg Posterstein, Museum Burg Posterstein
ganz unten: Lehmbruckmuseum in Duisburg, Schloss Augustusburg in Brühl

Die Fotografien auf Seite 4 der Skulptur "Postersteiner Stele" von Wolfgang Stöcker

ganz oben: Museum Ludwig in Köln, Schloss Augustusburg in Brühl
2. von oben: Museum Burg Posterstein, Residenzschloss Altenburg
3. von oben: Residenzschloss Altenburg, Schloss Augustusburg in Brühl
4. von oben: Museum Burg Posterstein, Stadtmuseum Lindau
5. von oben: Schloss Augustusburg in Brühl, MARTA Herford
ganz unten: arpmuseum in Rolandseck, Schloss Augustusburg in Brühl

Schichten

Eine Sammlung von Wolfgang Stöckers so entstandenen Detailaufnahmen finden Sie hier auf seiner Website. Unter der Überschrift “Schichten – Archäologie der ersten Oberfläche” zeigt er ungewöhnliche Details und Blicke auf Museumsexponate und Architektur.


Gefördert durch das Stipendium „Auf Geht´s“ / NRW.

Vom Lockdown zur Vernetzung: Wolfgang Stöckers Kunst holt Museen in den öffentlichen Raum

Der Kölner Künstler Wolfgang Stöcker stellt am 28. September 2021, ab 11 Uhr, vor der Burg Posterstein seine neue Skulptur „Die Postersteiner Stele“ auf. Die Idee dazu entstand im Lockdown: Wolfgang Stöcker dokumentierte zahlreiche geschlossene Museen aus ganz Deutschland fotografisch, darunter auch das Museum Burg Posterstein, das im zweiten Lockdown von November 2020 bis Juni 2021 ganze sieben Monate geschlossen bleiben musste.

Detail der „Postersteiner Stele“ Wolfgang Stöckers mit Aufnahmen aus dem Residenzschloss Altenburg, Schloss Augustusburg in Brühl, Burg Posterstein und dem Stadtmuseum Lindau.
Detail der „Postersteiner Stele“ Wolfgang Stöckers mit Aufnahmen aus dem Residenzschloss Altenburg, Schloss Augustusburg in Brühl, Burg Posterstein und dem Stadtmuseum Lindau.

Die an unterschiedlichsten Orten entstandenen Fotografien vermischt der Künstler miteinander und zeigt sie in Form von Skulpturen, Bildern oder Projektionen im öffentlichen Raum. So kommt es, dass derzeit Detailaufnahmen aus dem Museum Burg Posterstein an Paneelen an Kölner Balkonen hängen – und eben eine Stele auf dem Postersteiner Burgberg aufgestellt wird.

Kulturorte im Lockdown

Für sein Projekt, Kulturorte im Lockdown in den öffentlichen Raum zu holen, erhält Wolfgang Stöcker Fördermittel aus dem Stipendium „Auf Geht´s“ des Bundeslands Nordrhein-Westfalen. Dafür besuchte er seit April unter anderem das Museum Burg Posterstein, das Residenzschloss Altenburg, das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle, das Lembruck-Museum in Duisburg, das Arpmuseum in Rolandseck, das Museum Marta Herford, die Römertherme in Zülpich, Schloss Augustusburg in Brühl, Museum Ludwig in Köln, das Stadtmuseum Lindau und das Kramer-Museum in Kempten.

Wolfgang Stöcker im Juni 2021 bei der fotografischen Dokumentation im Museum Burg Posterstein
Wolfgang Stöcker im Juni 2021 bei der fotografischen Dokumentation im Museum Burg Posterstein

Wolfgang Stöckers Blick auf diese Orte ist untypisch: Selten zeigt er ein Gebäude in seiner Gänze, stattdessen dominieren Raumfluchten, Oberflächenstrukturen, Details und Ornamente. Aus dem Museum Burg Posterstein reisen beispielsweise Fotos des einmaligen Blicks in das historische Treppenhaus des Burgturms und des Details der Büste Wilhelmine von Sagans durch Deutschland.

Mit Fotos bedruckte Holzpanele schmücken einen Balkon in Köln
Ein Foto der Büste Wilhelmine von Sagans aus der Ausstellung im Museum Burg Posterstein hängt noch bis Ende Oktober am Bickendorfer Kreisel in Köln

Neben der Postersteiner Stele (Aufstellung: 28. September 2021) wurden andere Projektionsformen als Pavillons (Bergisch Gladbach, April 2021) oder als Bildtafeln im öffentlichen Raum (Köln Mai bis Oktober 2021) gewählt. Eine weitere Installation von Tafeln samt Videoprojektion ist im November im Außen- und Innenbereich der Römertherme in Zülpich geplant. Andere in der Eifel ursprünglich geplante Aktionen mussten auf Grund der Hochwasserkatastrophe verschoben werden.

Die Postersteiner Stele von Wolfgang Stöcker

Nicht an allen Orten, die Wolfgang Stöcker im Lockdown besucht hat, entsteht ein Kunstwerk im öffentlichen Raum, aber Posterstein ist einer davon. Die Skulptur, die Stöcker „Postersteiner Stele“ nennt, besteht aus mehreren aufeinandergesetzten geometrischen Figuren, die der Künstler wetterfest mit den von ihm aufgenommenen Fotografien beklebt hat. Zu sehen sein werden darauf sowohl ganze Architekturansichten wie auch kleine Detailaufnahmen von Wandstrukturen, Stuck sowie Möbeln, Schnitzereien, Figuren in der Postersteiner Burg, ebenso mehrfach die Holzkonstruktion des dortigen Bergfrieds wie auch Geländer und Bögen im Treppenhaus der Burg.

Wolfgang Stöcker im Juni 2021 vor der Burg Posterstein
Wolfgang Stöcker im Juni 2021 vor der Burg Posterstein

Zusammengesetzt ergeben die Motive eine lebendige optisch-assoziative Mischung von sehr unterschiedlicher Wirkung. Ebenfalls mit Ansichten auf dem Postersteiner Burgberg vertreten sein werden das Museum Marta Herford, Schloss Augustusburg in Brühl, das Museum Ludwig in Köln, das Residenzschloss Altenburg, das Arpmuseum in Rolandseck, das Lehmbruck Museum in Duisburg und das Stadtmuseum Lindau.

Wolfgang Stöcker ist nicht zum ersten Mal in Posterstein

Der Kölner Künstler Wolfgang Stöcker und die Mitarbeiter des Museums Burg Posterstein lernten sich bereits 2015 über die Social Media-Aktion #kunstputz des Kölner Kultur-Kollektivs „Die Herbergsmütter“ kennen. Denn Wolfgang Stöcker ist vor allem als Betreiber des „Internationalen Staubarchivs“ bekannt, wo er Staubproben aus historischen und kulturellen Orten aller Art auf künstlerisch-philosophische Weise dokumentiert, weiterverarbeitet und interpretiert.

Wolfgang Stöcker 2019 mit einem seiner Postersteiner „Staubschreine“ aus in Wachs gegossenem Staub aus der Burg Posterstein
Wolfgang Stöcker 2019 mit einem seiner Postersteiner „Staubschreine“ aus in Wachs gegossenem Staub aus der Burg Posterstein

2017 und 2018 unternahm Wolfgang Stöcker „Staubexpeditionen“ auf Burg Posterstein und verarbeitete sie zu hochwertiger und ganz und gar nicht staubiger Kunst, was 2019 in einer Ausstellung und dem Lesebuch „Zum Wesen des Staubes“ mündete. Seither besteht ein regelmäßiger Kontakt zwischen Posterstein und Köln – per Facebook, YouTube und E-Mail. – Mal sehen, vielleicht entsteht durch die künstlerische Vernetzung der verschiedenen Orte nun auch eine anderweitige Vernetzung?

von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Kunst des Augenblicks – ein Gastblogpost des Lindenau-Museums Altenburg

Seit Jahresbeginn hat der Winter Einzug gehalten im Altenburger Land. Das benachbarte Lindenau-Museum Altenburg liegt im schönen Altenburger Schlosspark, der gerade im Winter von den Altenburgern stark frequentiert wird. In der ganzen Winterfreude wird es manchmal auch künstlerisch: Volontärin Sophie Thorak und Museumsdirektor Dr. Roland Krischke vom Lindenau-Museum Altenburg berichten augenzwinkernd von der Kunst des Augenblicks:

Heinrich Drakes Puma schaut sich um nach dem neuen Kunstobjekt im Schlosspark.
Heinrich Drakes Puma schaut sich um nach dem neuen Kunstobjekt im Schlosspark.

Heinrich Drakes Jaguar wundert sich: Eine ominöse Schneekugel ergänzt seit Kurzem den Figurenkranz um das Lindenau-Museum. Geschaffen wurde sie von unbekannten Künstlern, die, wohl inspiriert vom ersten Schnee des neuen Jahres, die Erschaffung eines imposanten Schneemannes im Sinn hatten. Warum sie ihr Werk unvollendet ließen, konnte nicht geklärt werden. Ausgeführt wurde die unbetitelte Plastik in der Technik „Laub und Gras in Schnee“, sie misst etwa 80 cm im Durchmesser.

Das Kunstwerk wechselte inzwischen seinen Platz im Figurenensemble um das Museum und befindet sich nun am Eingangstor.
Das Kunstwerk wechselte inzwischen seinen Platz im Figurenensemble um das Museum und befindet sich nun am Eingangstor.
Ruhe und Balance ihrer Erscheinung kontrastieren spannungsvoll mit der kraftvollen Formung. Offenbar boten die natürlichen Ressourcen des Altenburger Schlossparks den Künstlern die Anregung zu diesem Werk. So entstand es in der spielerischen Auseinandersetzung mit den vorgefundenen Materialien. Auch freizeitliche Aspekte dürften im schöpferischen Prozess eine Rolle gespielt haben.

Es darf bezweifelt werden, dass das Werk von Dauer ist. Doch liegt wohl gerade darin eine Absicht der Künstler. Die Kugel – schon für Platon Abbild der Vollkommenheit – als Werk des flüchtigen Augenblicks. Ein Memento Mori der besonderen Art.

Update vom 17. Janaur 2017: Inzwischen befindet sich die Kugel offensichtlich am Fußgängereingang des Museums, was darauf hindeutet, dass es sich anscheinend nicht um eine ortsgebundene Arbeit handelt.

Von Sophie Thorak und Dr. Roland Krischke / Lindenau-Museum Altenburg