Fast so viele Holländer wie Nöbdenitzer besuchten bisher die Postersteiner Ernestiner-Ausstellung

Die Postersteiner Begleitausstellung zur Thüringer Landesausstellung läuft noch bis 31. Oktober 2016.
Die Postersteiner Begleitausstellung zur Thüringer Landesausstellung läuft noch bis 31. Oktober 2016.

Seit drei Wochen läuft eine Besucherbefragung im Museum Burg Posterstein und in dieser Zeit sahen Gäste aus zehn verschiedenen Ländern die Burg und die aktuelle Sonderausstellung “Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister”, die an die Thüringer Landesausstellung anknüpft. Die Landesausstellung läuft noch bis 28. August in Gotha und Weimar mit Begleitausstellungen in Altenburg, Saalfeld und Posterstein. Die Postersteiner Schau läuft noch bis 31. Oktober – über 2000 Besucher sahen sie bisher.

Das Gros der Besucher kam aus Mitteldeutschland – zwischen Erfurt, Leipzig, Zwickau und Hof. Die Geraer führen derzeit die Statistik mit über 80 Besuchern an, dicht gefolgt von den Altenburgern. Aber auch Touristen aus beispielsweise Berlin, Magdeburg, Dresden, Darmstadt und München sahen sich Burg und Ausstellungen an. Internationale Besucher reisten aus Holland, Dänemark, Schweden, Norwegen, England, Irland, den USA, Kanada und Guyana in Südamerika an. Die weiteste Strecke legten Touristen aus dem kanadischen Calgary zurück, was 7.604,13 Kilometer Luftlinie vom Postersteiner Burgturm entfernt liegt.

Die Herkunftsorte der Besucher spielen für die Öffentlichkeitsarbeit des Museums eine entscheidende Rolle. Sie sind aber auch eine nützliche Grundlage bei den derzeit laufenden Verhandlungen um eine mögliche Tourismusinformation Süd des Altenburger Landes im Museum Burg Posterstein, wie es das Projekt “Gemeinsam nicht einsam – Neues Leben auf dem Lande” des Fördervereins Burgberg Posterstein e.V. vorsieht. Dafür müsste der fehlende Nordflügel der Burg wiederaufgebaut und in diesem Zusammenhang könnte ein barrierefreier Zugang ins Museum geschaffen werden.

Plakat zur Sonderausstellung 2016
Plakat zur Sonderausstellung 2016
Ein Minister der Ernestiner in Altenburg und Nöbdenitz: Hans Wilhelm von Thümmel

Hans Wilhelm von Thümmel (1744–1824) stieg am Hof der Ernestiner Herzöge in Gotha zwischen 1760 und 1805 vom Pagen zum Minister auf. In seiner Funktion als Präsident der Altenburger Kammer und Vorsitzender des Obersteuerkollegiums brachte er viele wichtige Projekte voran, darunter die Vermessung und Kartierung des Altenburger Landesteils, den Bau eines modernen Krankenhauses und mehrerer Armenhäuser und den Ausbau der Straßen. Nach seinem Rücktritt aus den Staatsdiensten verbrachte er viel Zeit auf seinen Rittergütern in Nöbdenitz und Untschen und als Gast am Musenhof Löbichau.

Kommende Termine:

21. August, 10 Uhr, Nöbdenitz: Geführte Wanderung auf Thümmels Spuren

21. August, 14 Uhr, Burg Posterstein: Führung durch die Sonderausstellung

Preis für geführte Wanderung: 10 € für Erwachsene. Die Karte gilt auch für einen Museumsbesuch. Reservierungen werden unter (034496) 22595 bzw. museum@burg-posterstein.de entgegengenommen.

von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

 

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24. April – 28. August 2016

„Die Ernestiner – eine Dynastie prägt Europa“
Neues Museum Weimar
Stadtschloss Weimar
Schloss Friedenstein Gotha
Herzogliches Museum Gotha
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Begleitausstellungen:

24. April – 28. August 2016

»Ein ebenso schöner, wie geistreicher Mann…«
Bernhard August von Lindenau im Dienste der Wettiner
Lindenau-Museum Altenburg
www.lindenau-museum.de

 

23. April – 25. September 2016

»Von Saalfeld nach Windsor«
Johann Ernst, Herzog zu Sachsen-Saalfeld, und Europas Königshäuser
Stadtmuseum Saalfeld im Franziskanerkloster
Mehr im Blog: Von Saalfeld nach Windsor: Ernestiner-Begleitausstellungen im Portrait

 

26. Juni – 31. Oktober 2016

Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister
Museum Burg Posterstein

Weitere Blogposts zu #Ernestiner2016

Durch das historische Nöbdenitz auf den Spuren eines Ernestiner Ministers

Das ehemalige Schloss Nöbdenitz - hierhin zog sich Hans Wilhelm von Thümmel im Alter zurück.
Das ehemalige Schloss Nöbdenitz – hierhin zog sich Hans Wilhelm von Thümmel im Alter zurück.

Hans Wilhelm von Thümmel (1744–1824) stieg am Hof der Ernestiner Herzöge in Gotha zwischen 1760 und 1804 vom Pagen zum Minister auf. In seiner Funktion als Präsident der Altenburger Kammer und Vorsitzender des Obersteuerkollegiums brachte er viele wichtige Projekte voran, darunter die Vermessung und Kartierung des Altenburger Landesteils, den Bau eines modernen Krankenhauses und mehrerer Armenhäuser und den Ausbau der Straßen. Nach seinem Rücktritt aus den Staatsdiensten verbrachte er Zeit als zuvor auf seinen Rittergütern in Nöbdenitz und Untschen. Die Sonderausstellung “Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister” ist bis 31. Oktober 2016 im Museum Burg Posterstein zu sehen.

Zum Frühstück in der 1000-jährigen Eiche

Die ungewöhnliche Grabstätte Hans Wilhelm von Thümmels im Postersteiner Nachbarort Nöbdenitz.
1000-jährige Eiche: Die ungewöhnliche Grabstätte Hans Wilhelm von Thümmels im Postersteiner Nachbarort Nöbdenitz.
Bei einem Gewittersturm im Juli 1819 stürzte die Hauptkrone der 1000-jährigen Eiche in Nöbdenitz auf ein Kellerhaus des Pfarrhofs. Der damalige Pfarrer M. Beatus Friedrich Glasewald notierte den Vorfall in einem Kirchenbuch und erwähnte dabei auch, dass der hohle Baum „des zu befürchtenden Schadens halber an die Meistbietenden“ verkauft und „von dem Herrn Geheimer Rat von Thümmel in Besitz“ genommen sei.

Laut vielfältigen, zeitgenössischen Berichten mochte Thümmel den Baum sehr und nutzte ihn als Ort zum Ausruhen, Nachdenken, Dichten, aber auch für kleine Gesellschaften. Der Schriftsteller Friedrich Förster (1791–1868), Schulfreund von Thümmels Sohn und mitgenommen nach Nöbdenitz und Löbichau, schrieb in seinen Jugenderinnerungen:

„Hier wurde das Frühstück in dem inneren Raume einer tausendjährigen Eiche, deren Stamm hohl geworden war, eingenommen. Der Minister hatte hier einen runden Marmortisch und Moosbänke für zehn Personen […] aufstellen lassen.“

Heute kann die Eiche aus Rücksicht auf das Naturdenkmal nur noch von außen besichtigt werden. In der Postersteiner Sonderausstellung erlaubt ein Touchpad jedoch einen Rundumblick ins Innere des hohlen Baumes.

21. August, 10 Uhr, Nöbdenitz: Geführte Wanderung auf Thümmels Spuren

Das herrschaftliche Erbbegräbnis der Familien Rothkirch und Trach, Thümmel und Wietersheim wurde zu DDR-Zeiten abgerissen.
Das herrschaftliche Erbbegräbnis der Familien Rothkirch und Trach, Thümmel und Wietersheim wurde zu DDR-Zeiten abgerissen.
Hans Wilhelm von Thümmel wurde im März 1824 wunschgemäß in den Wurzeln der 1000-jährigen Eiche begraben. Zu seinem Nöbdenitzer Rittergut gehörten aber auch das Mausoleum der Familien Thümmel, Rothkirch und Trach und Wietersheim, ein idyllischer englischer Garten und ein altes und ein neues Schloss. Man segelte auf dem Teich oder spazierte zur “Einsiedeley” im schattischen Nöbdenitzer Wald. Auf einer geführten Wanderung folgen der Gothaer Schauspieler Ralph-Uwe Heinz und Museumschef Klaus Hofmann Thümmels Spuren. Treffpunkt: 1000-jährige Eiche. Im Anschluss:

21. August, 14 Uhr, Burg Posterstein: Führung durch die Sonderausstellung

Nach einer Mittagspause, die man wahlweise für eine Wanderung auf dem Sprotte-Erlebnispfad nach Posterstein oder ein Mittagessen nutzen kann, gibt es im Museum Burg Posterstein eine Führung durch die Sonderausstellung, die an die Wanderung durch Nöbdenitz anknüpft.

Preis für geführte Wanderung: 10 € für Erwachsene. Die Karte gilt auch für einen Museumsbesuch. Reservierungen werden unter (034496) 22595 bzw. museum@burg-posterstein.de entgegengenommen.

von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

 

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24. April – 28. August 2016

„Die Ernestiner – eine Dynastie prägt Europa“
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Begleitausstellungen:

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26. Juni – 31. Oktober 2016

Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister
Museum Burg Posterstein

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Exponate, die überzeugen: Museumsverein Burg Posterstein besucht Thüringer Landesausstellung

Erst zwei Woche ist es her, dass in Posterstein die Ausstellung über den Gotha-Altenburgischen Minister Hans Wilhelm von Thümmel (1744-1824) eröffnet wurde. Der erfolgreiche „Diener“ der Mächtigen spielte schließlich im 18. und 19. Jahrhundert eine wichtige Rolle bei der „Prägung Europas“, das die Thüringer Landesausstellung in den Mittelpunkt stellt. Einen Rückblick auf die Eröffnung in Posterstein gibt es hier:

Die Postersteiner Schau soll also eine Vertiefung dessen sein, was der Besucher im Kosmos Weimar und im Barockem Universum Gotha präsentiert bekommt.

So machten sich die Postersteiner Museumsfreunde auf den Weg nach Gotha, der einstigen Landeshauptstadt zur Zeit Hans Wilhelm von Thümmels. Sie begannen ihre Besichtigung im Herzoglichen Museum, also bei den Künsten. Der Ort ist hervorragend gewählt für die Abhandlung genau dieser Thematik, wie die exquisiten Exponate auch. Was fehlt, ist eine Einführung in die Gesamtkonzeption der Schau, offenbar rechneten die Ausstellungsmacher nicht mit dem Eigenwillen der Besucher, selbst auszuwählen, wo ihr Einstieg in die Landesausstellung stattfindet.

Über eigenwillige Besucher und Flure als Ausstellungsräume

Die Führung half da wenig, erschrocken verlor die Kollegin jedes Konzept, als ihr offenbar wurde, das da kundige Gäste vor ihr standen – schade!

Im Schloss selbst zeigte sich, dass Flure sich meistens nicht als Ausstellungsräume eignen.

Die ausgestellten Exponate allerdings überzeugten. Ein besonderes Objekt (passend zu unserer Thematik) war beispielsweise der Schlüssel eines Kammerherrn – Thümmel wurde 1776 Kammerrat an der Gothaer Kammer und im selben Jahr zum Kammerherrn ernannt – im Kontext einer witzigen Darstellung der „Pyramide des Gothaer Hofdienstes“ mittels Schachfiguren.

Schließlich hatte sich ja Thümmel hochgedient vom Pagen der Herzogin Luise Dorothea (1710–1767) zum Minister ihres Sohnes Ernst II. (1745–1804) und ihres Enkels August (1772–1822). Die Pagenstelle bekam Thümmel 1760 durch seinen Patenonkel, den Oberhofmarschall Hans Adam Friedrich von Studnitz (1711–1788). In seinen Werk Historische, statistische, geographische und topographische Beyträge  zur Kenntniß des Herzogthums Altenburg. Herausgegeben von Hans von Thümmel. Altenburg 1818“ widmete er unter anderem seiner Mentorin Luise Dorothea wie auch der Herzogin Anna Dorothea von Kurland ein längeres Porträt.

Einer der engsten Vertrauten des Herzogs

Unter Herzog Ernst II. wurde Thümmel 1791 Geheimer Rat und zählte zu den engsten Vertrauten des Herzogs. Thümmel sollte auch nach den Anweisungen im Testament des Herzogs dessen Begräbnis organisieren. 36 Stunden vor seinem Tod ließ Ernst II. seine „vertrautesten Freunde, einem nach dem andern an sein Bett kommen“, darunter auch Thümmel, der die Szene so beschrieb:

„Er drückte ihm zum letztenmale die Hand; und als die Thräne der innigsten Wehmuth auf die seinige fiel, sagte er [Ernst II.] unaussprechlich sanft: ‚Alter Freund, wir kennen uns schon lange; doch dieß ist wohl das erstemal, wo ich Ihnen wehe thue!‘ Und der Gott der Wahrheit sey Zeuge, daß in den 45 Jahren meines Lebens und Wehens um ihn es so war!“ (Thümmel, Beyträge, S. 93/94)

Später auf unserer Erkundungstour durch die Landesausstellung trafen wir auf Herzog Augusts Tochter Luise (1801–1831), die Stammmutter der Windsors. Thümmel war seit 1801 ihr Vormund. Er kümmerte sich bis zu ihrer Heirat mit dem Coburger Herzog Ernst 1817 um Finanzen und Erziehung. Luises Sohn Albert heiratete später Königin Victoria von Großbritannien. Nach der Scheidung wurde sie durch Bernhard August von Lindenau vertreten.

Schließlich erspähten wir sogar noch ganz am Rande Hans Wilhelm von Thümmel höchst selbst — als Büste von Friedrich Wilhelm Eugen Döll (1750–1816). Zwar konnte ihn niemand außer Fachbesucher wie wir erkennen, da die Beschriftung fehlte, genau wie bei Grassis Portrait von Lindenau — aber immerhin…

 

Die Begräbnisinsel im Park von Schloss Friedenstein.
Die Begräbnisinsel im Park von Schloss Friedenstein.

Der Gang durch den Schlosspark, vorbei an der Insel, auf der sich Ernst II. 1804, vereint mit der Natur bestatten ließ, rundete unseren Ausflug ab. Die Aussicht dereinst in den Wipfeln des Baumes dem Himmel entgegen zu sehen, ließ Thümmel sein Begräbnis in der 1000jährigen Eiche in Nöbdenitz lange vor seinem Tod vorbereiten. Vorbild war die Gothaer Begräbnisinsel.

von Marion Dinger / Museumsverein Burg Posterstein

 

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24. April – 28. August 2016

„Die Ernestiner – eine Dynastie prägt Europa“
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Begleitausstellungen:

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»Ein ebenso schöner, wie geistreicher Mann…«
Bernhard August von Lindenau im Dienste der Wettiner
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23. April – 25. September 2016

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Johann Ernst, Herzog zu Sachsen-Saalfeld, und Europas Königshäuser
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26. Juni – 31. Oktober 2016

Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister
Museum Burg Posterstein

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Die Weisheiten eines langjährigen Ernestiner Staatsmannes – als Glückskeks

Blick in die Sonderausstellung zu Hans Wilhelm von Thümmel im Museum Burg Posterstein.

Ausstellungseröffnung auf Burg Posterstein: In jedem Keks versteckt sich ein Aphorismus des Sachsen-Gotha-Altenburgischen Ministers Hans Wilhelm von Thümmel.
Ausstellungseröffnung auf Burg Posterstein: In jedem Keks versteckt sich ein Aphorismus des Sachsen-Gotha-Altenburgischen Ministers Hans Wilhelm von Thümmel.
Am Sonntag, 26. Juni, 15 Uhr, eröffnet der Postersteiner Beitrag zur diesjährigen Thüringer Landesausstellung “Die Ernestiner – eine Dynästie prägt Europa”: Die Sonderschau über Hans Wilhelm von Thümmel (1744–1824), der am Hof der Ernestiner vom Pagen zum Geheimen Rat und Minister aufstieg und als Diplomat unter anderem nach Frankfurt, Berlin und Paris gesandt wurde. Inspiriert von Thümmels Liebe zu aufklärerisch geprägten Landschaftsgärten und Architektur, die ihn in der Nähe Postersteins unter anderem ein chinesisches Badehäuschen und einen Gasthof “Zum Goldenen Drachen” errichten ließ, erlauben wir uns, zur Ausstellungseröffnung Thümmels Aphorismen in Glückskeksen zu servieren.

Blick in die Sonderausstellung zu Hans Wilhelm von Thümmel im Museum Burg Posterstein.
Blick in die Sonderausstellung zu Hans Wilhelm von Thümmel im Museum Burg Posterstein.

Nachdem sich Thümmel nach 57 Dienstjahren aus dem Ernestiner Staatsdienst zurückzog, verbrachte er seine Zeit vorwiegend auf seinen Rittergütern Nöbdenitz und Untschen, die in direkter Nachbarschaft zu Posterstein liegen. Hier genoss man auf langen Spaziergängen die schöne Landschaft, besuchte regelmäßig den Musenhof der Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761–1821) im nahen Löbichau und ludt die Herzogin und ihre Gäste nach Nöbdenitz zum Tee, zum Diner oder zum Segeln auf dem Teich.

“Dem Herrn Verfasser kamen auf einsamen Spatziergängen, auf welchen das bunte Leben, dem er entronnen, sich wie in einem magischen Spiegel an ihm vorüber bewegte, zuweilen Einfälle, die sich ihm unwillkührlich so tief einprägten, daß er mehrere derselben auf dem Zimmer niederschrieb. Ohne besonderen Werth darauf zu legen, theilte er in gutmüthiger Laune Freunden und Bekannten Bruchstücke der Handschrift zur Ergötzlichkeit mit. Viele meinten, es sei schade, Sprüche dieser Art im Pulte Verkommen zu lassen, und baten dringend um öffentliche Mittheilung einer, unter den Deutschen immer noch seltenen Gabe.”

Dies schrieb Dr. Johann Georg Jonathan Schuderoff (1766–1843) im Vorwort des kleinen, 1821 herausgegebenen Büchleins “Aphorismen aus den Erfahrungen eines Siebenundsiebzigjährigen” von Hans Wilhelm von Thümmel. Der aus Gotha stammende Schuderoff bekleidete seit 1806 in Ronneburg das Amt eines Oberpfarrers und Superintendenten in Ronneburg, besuchte ebenfalls häufiger den Musenhof Löbichau und die Familie Thümmel in Nöbdenitz. Nach Thümmels Tod 1824 erschien 1827 ein zweiter Band Aphorismen.

Erster Blick in die Sonderausstellung zu "Hans Wilhelm von Thümmel" im Museum Burg Posterstein.
Erster Blick in die Sonderausstellung zu “Hans Wilhelm von Thümmel” im Museum Burg Posterstein.

Viele der kleinen Sprüche verweisen auf die langjährigen staatsmännischen Erfahrungen Thümmels: “Zuverlässigkeit ist die fruchtbare Mutter des Vertrauens – Jedem Regenten nöthiger, als Gold.” (Nr. 5, 1821) oder “Die schönsten Palläste sind gewöhnlich nichts weiter, als nette Vogelhäuser, in denen Papageien von allen Farben plaudern und keifen.” (Nr. 21, 1827) – und passen perfekt in einen Glückskeks.

Sonderausstellung

26. Juni – 31. Oktober 2016

Im Dienste der Ernestiner

Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister.

Eröffnung: 26. Juni, 15 Uhr

Zum Weiterlesen:

Im Dienste der Ernestiner – Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister

“Der Mann unter der 1000-jährigen Eiche”

Romantically minded minister burried under a 1000 year old oak

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Im Dienste der Ernestiner – Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister

Der Altenburger Minister Hans Wilhelm von Thümmel (nach Grassi).
Der Altenburger Minister Hans Wilhelm von Thümmel (nach Grassi).

Im Zusammenhang mit der Thüringer Landesausstellung „Die Ernestiner – eine Dynastie prägt Europa“ zeigt das Museum Burg Posterstein von 26. Juni bis 30. Oktober 2016 eine Sonderausstellung zum bedeutenden Gotha-Altenburgischen Minister Hans Wilhelm von Thümmel (1744–1824). Dem langjährigen Staatsdiener und Diplomaten des Herzogtums Sachsen-Gotha und Altenburg gehörte nicht nur das Rittergut im Postersteiner Nachbarort Nöbdenitz, sondern er zählte auch zu den regelmäßigen Gästen am Musenhof Löbichau der Herzogin von Kurland.

Für das Herzogtum Sachsen-Gotha und Altenburg leistete Hans Wilhelm von Thümmel Großes – zu seinen wichtigsten Verdiensten zählt sicherlich die Vermessung und Kartierung des Herzogtums. In der Sammlung des Museum Burg Postersteins befindet sich auch das von Thümmel in Auftrag gegebene Kartenwerk von 1813.

Thümmel als Dichter: Aphorismen

„Die Stärke des Neides ist gewöhnlich der richtige Maßstab für die Größe des Verdienstes“ (Aph. 57, 134), notierte einst Hans Wilhelm von Thümmel.

Thümmel, ein aufgeklärter und musischer Geist, veröffentlichte auch eigene Schriften. Darunter sind die 1821 und 1827 herausgegebenen „Aphorismen, aus den Erfahrungen eines SiebenundSiebzigjährigen“ sicherlich bemerkenswert und haben auch nach fast 200 Jahren nichts an Aktualität eingebüßt. Ursprünglich im Selbstverlag erschienen und vor allem an enge Freunde verschenkt, kann man den ersten Teil von 1821 inzwischen auch auf Google Books lesen.

Thümmels Aphorismen erschienen zunächst im Selbstverlag für Freunde.
Thümmels Aphorismen erschienen zunächst im Selbstverlag für Freunde.

„Nichts ist törichter als Religionszwist. Auf den Feldern steht Weizen, Korn, Gerste und gedeiht nebeneinander. Jedes einzeln verbacken gibt ein gesundes, zusammen verbacken ein weißes und schmackhaftes Brot. Warum nicht in Religionssachen die Meinungen einigen? Huldigung, Anbetung dem großen Verwalter der Natur ist doch allein der Zweck aller Religionen.“ ( 22, 54)

Diese kleinen Weisheiten aus einer über 50 Jahren im Dienst der Ernestiner Herzöge in Gotha und Altenburg verfasste Hans Wilhelm von Thümmel auf seinem Gut Nöbdenitz, wo er seinen Lebensabend verbrachte. Oftmals saß der Minister und Geheime Rat dabei im Inneren der 1000jährigen Eiche, die ihn inspirierte und welche er zu seiner Grabstätte bestimmt hatte.

„Wenig Bedürfnisse zu haben, ist der erste Schritt zur Freiheit.“ (249)

Die 1000-jährige Eiche von Nöbdenitz.
Die 1000-jährige Eiche von Nöbdenitz.

Der Schriftsteller, Journalist, Archäologe, Studiendirektor und Oberinspektor der Altertumsmuseen in Dresden, Carl August Böttiger, (1760-1835), u.a. auch befreundet mit Elisa v. der Recke und der Herzogin von Kurland, verfasste nach Thümmels Tod einen Nachruf, der in der Abend-Zeitung, Nr. 65, am Dienstag, den 16. März 1824, in Dresden in der Arnoldschen Buchhandlung erschien. Darin erwähnt der Autor, der Thümmel am Löbichauer Musenhof persönlich kennengelernt hatte:

 „Er hatte in den, sein Gut Nöbdenitz (eine Stunde von Ronneburg) umgebenden Lustwegen eine gewaltige Eiche in ihrem Innern so einrichten lassen, daß sich darin ein bequemer Moossitz und auch noch Platz für eine kleine Gesellschaft befand. In diese Baum-Lesche, wie sie ein Altenburger Antiquar einst benannte, pflegte er sich noch im höchsten Alter während des Sommers niederzusetzen und im kühlenden Schatten auszuruhen. Dort schrieb er auch einige der Aphorismen nieder, wovon er zwei Sammlungen bloß als Manuscript für Freunde drucken ließ und in welche er über Hofhaushalt und die mannigfaltigsten Lebensverhältnisse, die den bis ins höchste Alter in der Erinnerung und Gegenwart kräftigen Greis oft noch ein Lächeln abgewannen, so wie über alle Umtriebe des großen geschäftigen Bienenkorbes, den uns einst Mandeville beschrieb, seine Bemerkungen niederlegte.

Nach seiner ausdrücklichen Verordnung ward nun auch die sterbliche Hülle des Entschlafenen in dieser Eiche bestattet und so seiner Lieblingsphantasie, einst in den Blättern des Baumes den Lebenden noch einen Gruß zuzuflistern von seinen treuesten Pflegerinnen, seiner ihn überlebenden Gemahlin und Kindern, Gewährung zugestanden.“

Plakat zur Sonderausstellung 2016
Plakat zur Sonderausstellung 2016

Sonderausstellung

26. Juni – 31. Oktober 2016

Im Dienste der Ernestiner

Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister.

Eröffnung: 26. Juni, 15 Uhr

Zum Weiterlesen:

“Der Mann unter der 1000-jährigen Eiche” 

Romantically minded minister burried under a 1000 year old oak 

Nöbdenitzer Kita-Kinder malen die “1000-jährige Eiche” – Museum Burg Posterstein bereitet Sonderausstellung zu Hans Wilhelm von Thümmel, dem Mann unter der Eiche, vor

Die 1000-jährige Eiche von Nöbdenitz, gemalt von einem Kind der lokalen Kindertagesstätte.
Die 1000-jährige Eiche von Nöbdenitz, gemalt von einem Kind der lokalen Kindertagesstätte.

Wenn die Kinder der Gruppe “Wiesenkobolde” der Kindertagesstätte Nöbdenitz dieser Tage zu Hause von “Thümmel” reden, dann ist das kein kindliches Fantasiewort, sondern der Name eines Sachsen-Gotha-Altenburgischen Ministers. Hans Wilhelm von Thümmel (1744–1824), einst Besitzer der Rittergüter Nöbenitz und Untschen, wählte sich die mächtige knorrige Nöbdenitzer Eiche zur Grabstätte. Die Kinder der “Nemzer Rasselbande” statteten der alten Eiche auf Initiative von Berufspraktikantin Marlen Schwabe einen Besuch ab. Walter Mehlhorn vom Nöbdenitzer Aktionsbündnis “Rettung der 1000-jährigen Eiche Nöbdenitz” erzählte den Kindern etwas zum langen Leben und den Besonderheiten der “ältestens Einwohnerin von Nöbdenitz”, zu den Nöbdenitzern, die sich seit 2014 ganz intensiv für deren Erhaltung stark machen, und natürlich zur Grabstätte unter dem hohlen Baum.

Zurück in der Kita dichteten die Kinder und Erzieherinnen sogar ein Lied über die 1000-jährige Eiche, in dem es zum Beispiel heißt: “Die Eisenringe halten dich, damit du lange bei uns bist.” Außerdem malten die Kinder die Eiche, viele betonten in ihren Bildern die Stützen und starken Eisenringe, die den Baum teilweise schon seit Anfang des 19. Jahrhunderts halten, und andere malten die Kinder und Erzieher neben den Baum.

Das alles passt wunderbar zu der aktuell im Vorfeld des Internationalen Museumstags am 22. Mai laufenden Aktion #PaintMuseum, die dazu einlädt, Museumsstücke und kulturelles Andenken zu malen oder zu zeichnen und in den sozialen Netzwerken zu teilen.

Hans Wilhelm von Thümmel bekommt eine Ausstellung und eine Biografie

Darstellung der Grabeiche Thümmels aus dem 19. Jahrhundert (Museum Burg Posterstein)
Darstellung der Grabeiche Thümmels aus dem 19. Jahrhundert (Museum Burg Posterstein)

Das Museum Burg Posterstein nimmt nicht nur am Museumstag mit einem besonderen Programm teil, sondern bereit auch schon intensiv die nächste Sonderausstellung vor. Die Ausstellung “Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister” soll an die diesjährige Thüringer Landesausstellung „Die Ernestiner – eine Dynastie prägt Europa“ anknüpfen. Von 26. Juni bis 31. Oktober 2016 möchte das Museum dem verdienstvollen Altenburger Minister erstmals eine eigene Schau samt Biografie widmen. Und so viel vorweg: Auch die 1000-jährige Eiche wird darin eine große Rolle spielen.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Hans Wilhelm von Thümmel: Der Mann unter der 1000jährigen Eiche von Nöbdenitz

Unter ihrem hohlen Stamm liegt die Gruft eines Altenburger Ministers.
Unter ihrem hohlen Stamm liegt die Gruft eines Altenburger Ministers.

Die 1000jährige Eiche von Nöbdenitz ist Dank Facebook, Twitter, den Medien und dem Engagement zahlreicher Bürger innerhalb kurzer Zeit über die Grenzen des Landkreises Altenburger Land bekannt geworden. Ein Gutachten empfahl die Verstümmlung des im Umfang zwölf Meter dicken Naturdenkmals und die Menschen gerieten – zu Recht! – in Aufruhr. Eine Arbeitsgruppe soll den Baum nun retten, finanziert durch Spenden.

Der im Ort liebevoll “alte Eiche” genannte Baum ist nicht nur eine der ältesten Stieleichen überhaupt, sie birgt in ihrem hohlen Inneren auch die Grabstätte eines Altenburger Ministers: Hans Wilhelm von Thümmel.

Der Minister Hans Wilhelm von Thümmel

Der Altenburger Minister Hans Wilhelm von Thümmel (nach Grassi).
Der Altenburger Minister Hans Wilhelm von Thümmel (nach Grassi).

Thümmel wurde 1744 als jüngster Bruder des Schriftstellers Moritz von Thümmel auf dem Rittergut Schönfeld bei Leipzig geboren. Er heiratete die Freiin von Rothkirch und Trach (1765-1839), mit der er die Kinder Ernst Julius (gest. 1838), Benjamin Alfred (1791-1828), Clementine Dorothea Friederike (gest. 1820), Charlotte Constanze (gest. 1834) und Hans Emanuel (1796-1825) hatte. Nach dem Studium in Leipzig trat Thümmel 1760 in den Gothaer Hofdienst ein. Hier wurde er Page, Kammerjunker, Kammerassessor und später Vizepräsident der Kammer in Altenburg. Seit 1805 trug er den Titel Geheimer Rat und Minister. Zwischen 1803 und 1808 übernahm er mehrere diplomatische Missionen nach Dänemark, Berlin, Königsberg, Dresden und Paris.

Als Freund des Herzogs Ernst (1745-1804) besaß er großen Einfluss bei Hofe. Verdient gemacht hat er sich durch die Gründung der Kammerleihbank, die Förderung des Straßenbaus und die allgemeine Landvermessung im Herzogtum Sachsen-Gotha und Altenburg. Der Bau des ersten Altenburger Krankenhauses wurde von Thümmel initiiert. Es galt am Ende des 18. Jahrhunderts als europäischer Musterbau.

Thümmel in Altenburg

In Altenburg ließ Hans Wilhelm von Thümmel seit 1790 auf seinem Grundstück in der Nähe des großen Teiches einen englischen Park anlegen. In seinem Haus traf sich die Altenburger “High Society” zur “Theegesellschaft”. Häufig zu Gast waren Hofrat Pierer, Professor Messerschmidt, Bankier Reichenbach, Thümmels Schriftsteller-Bruder Moritz und Friedrich Arnold Brockhaus. Die Herzogin von Kurland weilte während ihrer Löbichauer Sommeraufenthalte oft in Altenburg bei Thümmels.

Mitglied im Dichterkreis der Herzogin von Kurland

Familie Thümmel gehörte das Rittergut Nöbdenitz, samt dem großen Teich.
Familie Thümmel gehörte das Rittergut Nöbdenitz, samt dem großen Teich.

Hans Wilhelm von Thümmel gehörte bis 1821 zum Dichterkreis der Herzogin von Kurland in Löbichau und hinterließ einige literarische Schriften. Darüber hinaus verwaltete er die wirtschaftlichen Interessen Dorothea von Kurlands in Mitteldeutschland. Aus Nöbdenitz kam er oft zu Besuch nach Löbichau und war dort ein gern gesehener Gast. Gegenbesuche der Herzogin auf seinem Gut in Nöbdenitz waren keine Seltenheit. In den Wintermonaten kehrte Familie Thümmel samt den Töchtern Clementine und Constanze in den bekannten Berliner Salons ein.

Thümmel in Nöbdenitz

„Der Mensch, welcher den richtigen von der Vernunft gebildeten Weg fortgeht, ohne sich durch Lob oder Tadel anderer stören zu lassen, ist der wahre Philosoph. Man könnte seinen Gang Gleichmut der Weisheit nennen.“

(Aphorismen aus den Erfahrungen eines SiebenundSiebzigjährigen von Hans von Thümmel, geh. Rath und Minister, Zweite vermehrte Auflage. Mit dem Portrait des Herrn Verfassers. Altenburg 1821)

Skizze von Thümmels Gruft unter der 1000jährigen Eiche (von Hans Bräunlich)
Skizze von Thümmels Gruft unter der 1000jährigen Eiche (von Hans Bräunlich)

Nach seinem Abschied aus den herzoglichen Diensten 1817 lebte Hans Wilhelm von Thümmel häufiger als bisher in Nöbdenitz. In Nöbdenitz kann man Thümmels Grabstätte besichtigen – die so genannte 1000jährige Eiche, die der Minister der Pfarrgemeinde abgekauft und in deren Wurzeln er sich begraben lassen hat. Die Grabstätte wurde 1959 untersucht und der Befund bestätigt.

Das Thümmelsche Kartenwerk von 1813

„Wer in der Länderbeschreibung etwas Befriedigendes leisten will, muß das Land, das er beschreibt, eine lange Reihe von Jahren bewohnt und den Vortheil genossen haben, in den wichtigsten Fächern der Verwaltung angestellt gewesen zu seyn…“

Das ehemalige Herzogtum Sachsen-Gotha und Altenburg bestand aus zwei Teilen, die als so genannter Ostkreis (mit den Ämtern Altenburg und Ronneburg) und Westkreis (mit den Ämtern Eisenberg, Stadt-Roda und Leuchtenburg (Kahla und Orlamünde) durch die Grafschaft Reuß j. L. voneinander getrennt waren. Bis 1805 bzw. 1826 gehörten außerdem die Saalfelder “Landesportion” und der Camburger Landesteil zu Altenburg. Die amtliche Vermessung einzelner Grundstücke und Fluren setzte im Altenburgischen um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert ein. Von 1786 bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte die Kartographie vor allem im Zusammenhang mit der Entwicklung des Steuerwesens und damit einhergehender Revisionen der Steuerkataster einen großen Aufschwung. Dabei ist die Entstehung der topographischen Karten des Herzogtums Altenburg hauptsächlich der Initiative Hans Wilhelm von Thümmels zu verdanken.

Das Thümmelsche Kartenwerk erschein 1813.
Das Thümmelsche Kartenwerk erschein 1813.

Die überwiegende Zahl der Flurteilkarten vor 1786 stellte in erster Linie Waldungen, besonders die Staatsforste dar; daneben wurden Grenz-, Straßen und Flußkarten als Flurteilkarten erstellt, vorrangig für Steuererhebungen der Katasterämter. Bedeutende Kartenwerke dieser Zeit stammen von den Landmessern Wiebeking und Hammerschmidt.

Im Vergleich zu zahlreichen Grundrissen aus dem Altenburger Westkreis, wies der Ostkreis eine auffallend geringe Anzahl von Flurkarten auf. Mit Genehmigung des Herzogs Ernst begann Thümmel 1795 mit der allgemeinen Landesvermessung des Ostkreises. Im Jahre 1809 erhielt er vom Herzog die obere Leitung zum Erstellen einer genauen topographischen Karte des Herzogtums Altenburg, für deren Kosten die Kammerkasse aufkam. 1812, Hilbersdorf wurde als letzter Ort erst 1816 aufgenommen, war der Ostkreis des Herzogtums mit 531 Landvermessungskarten von 306 Fluren vollständig vermessen.

Das Thümmelsche Kartenwerk, 1813 vollendet, erschien unter dem Titel:

„Topographische Karte der Aemter Altenburg und Ronneburg. Herausgegeben auf
Befehl Sr. Durchlaucht des regierenden Herzogs von Sachsen-Gotha und Altenburg
von dem Minister von Thümmel, 1813” und die „General-Karte der Aemter Altenburg
und Ronneburg, als Tableau der 1813 herausgegebenen Karte”. Es besteht aus 21 Sektionsblättern und einer Generalkarte. In Paris konnte von Thümmel den anerkannten Landkartenstecher und Graveur Tardieu vertraglich binden, die Karten in Kupfer zu stechen. 1818 schildert Thümmel selbst die Geschichte dieser nach ihm benannten Karte in der Schrift: „Historische, statistische, geographische und topographische Beyträge zur Kenntnis des Herzogthums Altenburg”.

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Weitere Informationen zu Thümmel gibt es in der Dauerausstellung des Museum Burg Postersteins.

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Rittergut Untschen (c) Museum Burg Posterstein
Rittergut Untschen (c) Museum Burg Posterstein

Das Rittergut Untschen befand sich im 18. Jahrhundert in Besitz des Ministers Hans Wilhelm von Thümmel, der sich u. a. durch die Gründung der Kammerleihbank, die Förderung des Straßenbaus und die allgemeine Landvermessung im Herzogtum Sachsen-Gotha und Altenburg Verdienste erworben hatte. Den Untschener Gasthof „Zum goldenen Drachen“ ließ der Thümmel im Jahr 1798 einrichten, obwohl dies im Widerspruch zum Schmöllner Recht der Bannmeile stand. Südlich der Straße lag in einem mit Hopfenanpflanzungen versehenen Garten das Brauhaus. Zum Rittergut gehörten mehrere Teiche. Schöngeist Thümmel verfolgte in Untschen zudem ein Projekt zur Scheitholzflößerei. In der Nähe des Floßteiches an der Mühle ließ er im Jahr 1796 ein „Chinesisches Badehauß“, auch als „Untschner Tempelbau“ bezeichnet, errichten.

Das im 12. Jahrhundert erstmalig erwähnte Rittergut wurde 1945 im Zuge der Bodenreform enteignet. In den Folgejahren fielen ein großes Wirtschaftsgebäude an der Nordseite (1945) sowie die Brauerei und die Ziegelei (1960er Jahre) dem Abriss zum Opfer. Das ehemalige Verwaltergebäude war noch in den 1980er ein Gasthof, ein ehemaliger Pferdestall beherbergt heute einen Laden.

Eine interaktive Karte über die Rittergüter im Altenburger Land finden Sie hier: http://tiny.cc/o27p6.

Lesen Sie mehr über die Rittergüter des Altenburger Landes in unseren Publikationen, die Museum gekauft oder per Mail an info@burg-posterstein.de bestellt werden können:

Das alte Schloss sehn wir noch heut…
Aus der Geschichte der Rittergüter im Altenburger Land (Teil II)
© Museum Burg Posterstein 2010

…Und nachmittags fuhren wir nach Nöbdenitz segeln!
Rittergüter im Altenburger Land und ihre Gärten
© Museum Burg Posterstein 2007

Text: Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Who had a Chinese bath house?

Rittergut Untschen (c) Museum Burg Posterstein
Rittergut Untschen (c) Museum Burg Posterstein

In the 18th century Untschen manor was owned by the minister Hans Wilhelm von Thümmel, who made his mark in the Duchy of Saxony-Gotha-Altenburg by founding one of the first banks, developing road building as well as land surveying. In 1796 he opened the guesthouse “The Golden Dragon” in Untschen, although that was against the next bigger city Schmölln’s laws on fringe area. On the south side of the street, the manor’s brewery was placed in a hop garden. To the manor’s lands belonged a number of lakes, too. Aesthete Thümmel established a project on floating of timber in Untschen as well. Close to the floating lake and the mill he had a Chinese bath house build in 1796. It was called the “temple of Untschen”.

The about 800 year old manor was disappropriated with the land reform in 1945. During the next years a big farm building (1945) and the brewery and the brickyard (1960s) were pulled down. A former administration building served as a guest house up to the 1980s and a former horse stable today rooms a small shop.

View the about 60 manors of the county of Altenburg on our google map: http://tiny.cc/o27p6.

Read more about castles and manor houses in Altenburg region in the following books, which can be bought in the museum or ordered per e-mail to info@burg-posterstein.de:

Das alte Schloss sehn wir noch heut…
Aus der Geschichte der Rittergüter im Altenburger Land (Teil II)
© Museum Burg Posterstein 2010

…Und nachmittags fuhren wir nach Nöbdenitz segeln!
Rittergüter im Altenburger Land und ihre Gärten
© Museum Burg Posterstein 2007

Text: Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein