Schülerfreiwilligentag: Fleißige Gärtner im Burgpark Posterstein

Im Park am Fuß der Burg Posterstein wird eifrig gehackt, gegraben, gepflanzt und gegossen. Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern und seit heute blühen auch neue Rhododendronsträucher.

Am Montag kamen bereits interessierte Postersteiner zum ersten Arbeitseinsatz “Bürgerpark Posterstein” (Vielen Dank an alle Beteiligten!).

Heute zum Thüringer Schülerfreiwilligentag halfen elf Schüler der Regelschule Nöbdenitz auf Eigeninitative beim Pflanzen neuer Rhododendren, jäten und rechen. Vielen herzlichen Dank an die Schüler und Lehrer der Regelschule! Insgesamt nahmen sechs Schulen im Landkreis Altenburger Land am Schülerfreiwilligentag teil.

Schülerfreiwilligentag auch in Posterstein: Die Schüler der Regelschule Nöbdenitz halfen bei der Pflege des Burgparks
Schülerfreiwilligentag auch in Posterstein: Die Schüler der Regelschule Nöbdenitz halfen bei der Pflege des Burgparks

Gemeinsam statt einsam – auch im Burgpark

Für den Park der Burg Posterstein und das gesamte Gelände des ehemaligen Ritterguts gibt es seit einigen Jahren bereits ein gartenarchitektonisches Konzept, das mangels Finanzierungsmöglichkeiten nicht umgesetzt werden konnte. Gerade kommt Schwung in die Umsetzung des Konzepts “Gemeinsam nicht einsam”, eine Initiative der Gemeinde Posterstein, von Bürgern und des Museumsvereins. Sollten die Visionen Wirklichkeit werden, könnten die Gebäude am Burgberg Posterstein gekauft, saniert und zukünftig generationenübergreifendend, nachhaltig und kulturell genutzt werden. Durch das öffentliche Interesse, das die Vision in der letzten Zeit genießen durfte, sind nicht nur potentielle Geldgeber, sondern auch engagierte Bürger auf das Rittergutsgelände aufmerksam geworden.

Weitere Infos zu “Gemeinsam nicht einsam”:
Website “Gemeinsam nicht einsam”
Artikel “Grünes Licht für Kaufverhandlungen” der Ostthüringer Zeitung

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Sind Museen Magneten für Kulturtouristen?

Vortrag von Museumsdirektor Klaus Hofmann zum Verbandstag des Museumsverbandes Thüringen – Thema: Museen und Tourismus – Thüringen entdecken. Wohin die Reise geht: Ins Museum!

Blickt man auf die Besucherzahlen der deutschen Museen offenbart sich eine Erfolgsgeschichte ohnegleichen: 110 Millionen Gäste stürmen die Ausstellungen zwischen Garmisch-Partenkirchen und Flensburg. Auf jeden Deutschen kommen 1,3 Museumsbesuche pro Jahr. Im Vergleich zu den 110 Millionen scheinen sich die rund 4 Millionen Besucher in Thüringer Museen eher bescheiden auszunehmen, doch weit gefehlt: auf jeden Thüringer kommen statistisch immerhin 1,8 Museumsbesuche. Blickt man auf die Konkurrenz, wird die Erfolgsgeschichte noch deutlicher: alle deutschen Theater verbuchen 20 Mio., die Thüringer darunter 1,1 Mio., die deutschen Freizeitparks 13 Mio. und alle Spiele der ersten und zweiten Bundesliga zusammen 18,4 Mio. Besucher. Von den Spielen der dritten und vierten Liga, deren Thüringer Vertreter gerade jeder und das in kurzer Entfernung zueinander, für 50 Millionen Euro eine Multifunktionsarena geschenkt bekommen sollen, deren Unterhalt dann die Städte bezahlen, die die Mehrausgaben mit einiger Sicherheit von den Kulturausgaben abzweigen, wollen wir an dieser Stelle besser nicht reden.

Doch was sagen die erfolgreichen Zahlen aus?

Besucher in der Galerie des Museums Burg Posterstein
Besucher in der Galerie des Museums Burg Posterstein (Foto: Museum Burg Posterstein)

Zuallererst belegen sie, dass die Institution Museum lebt und in keiner Weise am Sterben ist. Sie zeigen aber auch, was leistbar ist, wenn gepflegte und erforschte Sammlungen von Fachpersonal zum Leuchten und Lehren gebracht werden. Und sie zeigen, dass Museen und die Gebäude, in denen sie sich befinden, ein unverzichtbarer Infrastrukturfaktor für all diejenigen sind, die von dem Besuch einer Region leben. Sie liefern damit auch eine Antwort darauf: Wer ist eigentlich die Voraussetzung wofür?

Thüringer Tourismus: Mal waren wir das Grüne Herz, mal Denkfabrik, mal waren wir märchenhaft, mal wanderbar…

Die Rede ist von der Tourismuswirtschaft, die nichts unversucht lässt, Menschen von A nach B zu bringen, die dann von Destination spricht, die man haben und von Produkten, die man bilden muss, die Zielgruppen und Quellmärkte sieht. In Thüringen ist Tourismus Sache des Wirtschaftsministeriums mit der Thüringer Tourismus GmbH an seiner Seite. Alle, die wie ich schon einige Jahre im Geschäft sind, haben schon manches erlebt mit diesen Akteuren: Mal waren wir das Grüne Herz, mal Denkfabrik, mal waren wir märchenhaft, mal wanderbar. Mal wurden Spaßbäder gefördert, mal Freizeitparks, mal Skipisten ohne ausreichend Schnee und nun Multifunktionsarenen ohne Bundesligamannschaften. Immer nur Suche – Stetigkeit und Konzentration auf das Wesentliche – nicht erkennbar.

Eines war allerdings immer gleich: Museen (übrigens auch Theater) hatten nichts mit Tourismus zu tun und schon gar nicht galten sie als notwendige Voraussetzung, dass sich Menschen auf den Weg nach Thüringen machen.

Seit 2011 gibt es nun ein neues Landestourismuskonzept, bei dessen Erarbeitung festgestellt wurde: „Kulturtourismus ist Wachstumsmarkt, der für Thüringen eine große Bedeutung hat und noch zahlreiche offene Angebots- und Nachfragepotentiale aufweist. Die Position der Kultur im Gesamttourismusmarketing Thüringens wird mit der neuen Landestourismuskonzeption nachhaltig gestärkt“.

Diese Feststellung ist wichtig, bezieht sich aber auf „Kultur und Städte“ und ist im Hinblick auf die Museen als Magneten für Kulturtouristen in keiner Weise untersetzt. Die Rolle des Tagestourismus wird positiv eingeschätzt.

Touristen kommen wegen der Kultur nach Thüringen

Die überwiegende Mehrheit der Touristen kommt also der Kultur wegen nach Thüringen. Um die Möglichkeiten weiter zu untersuchen, ließ das Wirtschaftsministerium ein Kulturtourismuskonzept folgen.

Auch „Das Busmagazin“, die Fachzeitschrift für Busunternehmer und Gruppenreiseunternehmer in Deutschland, widmet sich in der Ausgabe 3/12 der Fragestellung „Museum und Tourismus“ und kommt dabei zu dem Schluss, dass der Kulturtourist zahlungskräftig, höher gebildet ist, Qualität erwartet, Neues entdecken und seinen Horizont erweitern will. Also, eine unserer Zielgruppen darstellt!

Die neue Kulturtourismuskonzeption analysiert ausführlich Stärken- und Schwächen im Thüringischen Kulturtourismus, bescheinigt ein starkes Wachstumspotential und wichtigen Stellenwert, überdurchschnittlich viele Kultururlauber, spricht von Alleinstellungsmerkmalen, Leuchttürmen, Produktentwicklung, Imageprofilierung, Themenmarketing oder Kooperation und Kommunikation zwischen Kultur und Tourismus. Der Bereich Kultur, der u.a. die sechs besucherstärksten Kultureinrichtungen auflistet – allesamt Museen – legt den Schwerpunkt auf Städte- und Kultururlauber, um dann Tourismus auch gleich wieder mit Übernachtungen in Verbindung zu bringen.

Wer sind die Besucher eigentlich?

Ausstellungsbesucher im Museum Burg Posterstein
Ausstellungsbesucher im Museum Burg Posterstein (Foto: Museum Burg Posterstein)

Allerdings sagen die Statistiken oft relativ wenig darüber aus, wer uns da konkret besucht! Das trifft übrigens auch auf die Angaben zu den gewerblichen Übernachtungen der IHK zu. Es gibt meines Wissens keine Erhebung, die darüber Auskunft gibt, ob polnische Gastarbeiter in den Ferienwohnungen untergebracht sind oder ob sich tatsächlich Touristen eingemietet haben. Insgesamt ist festzustellen, dass aus der Sicht Museum viele richtige Schlussfolgerungen aus den dargebotenen Analysen gezogen worden sind – nur eine Stärkung der Position der Museen, Stichwort: Finanzausstattung oder Personalsituation als Voraussetzung für die abgeforderten touristischen Leistungen; Stichwort: Service, Produkte oder langfristiger Planungshorizont – ist nicht oder noch nicht erkennbar. Wörtlich heißt es in der Konzeption:

„Durch die Schaffung zusätzlicher Infrastruktur sowie eine auf Träger, Projekt und Maßnahme bezogene Förderung gilt es die Umsetzung in allen anderen Handlungsfeldern gezielt zu unterstützen. Dabei sollten im Sinne der Strategie vorrangig Maßnahmen mit Bezug zu den definierten Profilierungsthemen und Leuchttürmen gefördert werden sowie solche, die die getroffene Zielgruppenorientierung durch entsprechende Infrastruktur- und sonstige Maßnahmen weiterentwickeln.“

Na denn: Hier müssen wir fordern!

Strahlen Leuchttürme nicht immer in die Ferne und nicht in ihre nächste Umgebung?

Wir sollten aber auch diskutieren: Wollen wir, dass nur Leuchttürme gefördert werden oder müssen wir nicht immer wieder betonen, dass der Leuchtturm allein nichts ausrichtet, wenn nicht in seiner Nachbarschaft viele kleine Lämpchen sind oder andersherum: Strahlen Leuchttürme nicht immer in die Ferne und nicht in ihre nächste Umgebung?

Wie passt das alles zusammen und wie schlägt sich das in Förderprogrammen nieder? Zwei Beispiele: Das Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Verkehr fördert im Projektaufruf Städtebauförderung im ländlichen Raum Nr. 37-2012, die Sanierung von Heimatstuben und Dorfmuseen, aber keine Museen, die Leistungsträger sein sollen! Und in der Richtlinie des Wirtschaftsministeriums zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit im Thüringer Tourismus (Landesprogramm Tourismus) sind Maßnahmen für Kultur und Bildung, also Museen nicht förderfähig.

Der Fall Museum Burg Posterstein

Das Museum Burg Posterstein im Sommer 2012
Das Museum Burg Posterstein im Sommer 2012 (Foto: Museum Burg Posterstein)

Nach so viel Überblick nun zurück in die Niederungen, im Fall des Museums, das ich leite, eher auf eine leichte Anhöhe nach Posterstein. Das Museum Burg Posterstein gehört zu den Einrichtungen, die erst nach dem 2. Weltkrieg gegründet wurden. Das Kreismuseum des damaligen Kreises Schmölln fand seinen Platz in einer kleinen, im 12. Jh. gegründeten Burg, die einstmals zwischen Reußen und Wettinern stand. Die Sammlungen bieten Regionalgeschichtliches. Um dem Museum ein Profil zu geben, findet eine Konzentration auf die Burg selbst und den einzigartigen Musenhof der Herzogin von Kurland im nahen Löbichau statt. Außerdem gibt es regelmäßig Sonderausstellungen, Konzerte, Lesungen und eine Großveranstaltung. Die gezielten Vermittlungsprogramme erreichen jährlich etwa 4.000 Besucher, das ist ein Fünftel der Gesamtbesucher. Drei fest angestellte Mitarbeiter werden unterstützt von 8 bis 10 geringfügig Beschäftigten, Praktikanten und ehrenamtlich Tätigen. Das Museum wird seit dem 1. Januar 2007 in Trägerschaft des Museumsvereins Burg Posterstein betrieben, entsprechend abgeschlossener Trägerschafts- und Finanzierungsverträge mit dem Landkreis Altenburger Land. Das brachte zwar nach oben begrenzte Zuschüsse, dafür aber viel Eigenständigkeit und Bürokratieabbau.

Posterstein ist eine Gemeinde mit ca. 500 Einwohnern, wobei die Zahl seit den 1990er Jahren um 30 Prozent gestiegen ist. Der Ort profitiert vom Tourismus – und der von der Burg und die vom Museum, das sich darin befindet. Diese Kette erkennt nicht jeder. Auch der gutwillige Bürgermeister nicht immer. Doch bei genauerer Betrachtung wird auffallen, dass im Vergleich zum Ausgangspunkt heute ein sanierter Ort existiert, wo neben dem Museum, ein gut gehendes Hotel mit Gaststätte, zwei weitere Gaststätten, mehrere Ferienwohnungen, ein Kunst und- Kreativhof etwa 30 Arbeitsplätze bieten und damit die meisten Arbeitsplätze vor Ort stellen. Posterstein ist touristisch gut angebunden an das Thüringer Radwege- und Wandernetz und liegt mit einer Entfernung von 2 km zur Autobahnanschlußstelle Ronneburg verkehrstechnisch gut. Trotzdem kommen die jährlich 20.000 Museumsbesucher nicht von allein. Dahinter stecken über 20 Jahre kontinuierliche Arbeit im Rahmen der Möglichkeiten, die das Museum hat. Von der notwendigen inhaltlichen Arbeit, die in jedem Fall Voraussetzung dafür ist, dass Besucher kommen, wieder kommen und weitersagen, soll an dieser Stelle nicht die Rede sein.

Der Zusammenhang zwischen Gastronomie und Kultur: „Wer nichts wird, wird Wirt“?! – Stimmt nicht

Auch in tiefem Schnee müssen Besucher nach Posterstein finden können (Foto: Petra Nienhold)
Auch in tiefem Schnee müssen Besucher nach Posterstein finden können (Foto: Petra Nienhold)

Abseits dieser grundsätzlichen Bedingungen, kam es zunächst darauf an, die Wege nach Posterstein zu erleichtern. Dazu gehörten bereits 1994 die Durchsetzung der Aufstellung touristischer Hinweisschilder entlang der Autobahn und die folgende weitere Wegweisung. Das ist nicht immer einfach. Die Beschilderung muss kontrolliert und bei Verlust erneuert werden, manchmal bleibt der Schaden auch bei uns, obwohl eigentlich andere zuständig sind. Wenn dann die Besucher den Weg gefunden haben, wollen sie nicht mehr weit laufen und in nächster Nähe einen Parkplatz vorfinden (eine Proportionalität von Größe der Autos und Nähe ist dabei unverkennbar). Es gelang uns 1990 die Gemeinde zu überzeugen auf dem ehemaligen Rittergutshof einen Parkplatz für etwa 50 Autos anzulegen. Dann will der Besucher natürlich essen und trinken. Also haben wir in den Keller der Burg eine Gaststätte eingerichtet, weil der Ort gastronomisch brach lag. Wie an vielen Orten ging das schief, weil der Spruch „wer nichts wird, wird Wirt“ eben falsch ist. Größtenteils haben das die neu entstandenen Gastronomiebetriebe inzwischen ausgeglichen, aber eben nur zum Teil, weil deren Öffnungszeiten und Angebote nicht immer kompatibel mit den Erwartungen der Besucher sind. Ganz wichtig sind profane Servicedinge wie Toiletten und Garderoben. Die gibt es natürlich, aber sie sind, wie das ganze Museum und auch die mittelalterliche Burg, nicht barrierefrei und gehören zu den Defiziten, zu denen ich später noch kommen werde.

Das wichtigste Gesicht nach außen: Der Mann oder die Frau an der Museumskasse

Bleibt das Marketing, das Instrument, um Besucher auf uns aufmerksam zu machen und zwar nach Innen und nach Außen. Nach meiner Erfahrung ist das ungemein wichtige Innenmarketing besonders schwer. Nur wenn die Bürger unserer Region uns kennen und schätzen, werden sie uns weiter empfehlen und freundlich zu Gästen sein. Neben vielen Erfolgen, die sich durch häufige Besuche Einheimischer mit Gästen ausdrücken, kann ich mir nicht ersparen von einem Misserfolg zu berichten: Der Bürgermeister entschloss sich 2009 an alle Postersteiner eine Jahreskarte kostenlos zu verteilen. Das Museum erhielt dafür 1.000 Euro Zuschuss. Nur die Postersteiner kamen nicht. Eine einzige Familie erschien gegen Jahresende.

Oft unterschätzt und doch wichtigstes Instrument bei der Suche nach Kundenzufriedenheit ist das Kassenpersonal – bei nicht geführten Gästen, der einzige persönliche Kontakt. Wenn dort Freundlichkeit und Beratungskompetenz fehlen, machen wir das mit keiner noch so guten Ausstellung wett. Eine gute und vor allem wenig aufwändige Möglichkeit darüber hinaus einiges in Erfahrung zu bringen, sind Gespräche mit Besuchern während oder nach Führungen oder im Servicebereich allemal. Das sollte durchaus auch einmal von Führungspersonal, vor allem zu Besucherhochzeiten ausprobiert werden!

Da aber Posterstein nicht im luftleeren Raum liegt und Marketing meist etwas mit Geld zu tun hat, geht alles nur im Verbund. Schnell waren wir sicher, dass es wichtig ist, dem regionalen Fremdenverkehrsverband nicht nur anzugehören, sondern durch Mitarbeit im Vorstand mit zu bestimmen. Hinzu kam im Laufe der Zeit auch die Mitgliedschaft im Tourismusausschuss der IHK, dort, wo Hotels und Gaststätten vertreten sind. Dies sichert nicht nur die Berücksichtigung in regionalen Entwicklungskonzepten und in Werbebroschüren der Akteure, sondern ermöglicht Einblicke in die Konzepte und Nöte der anderen. Die gute Zusammenarbeit mit der Altenburger Tourismus GmbH bringt die Verknüpfung mit dortigen Angeboten und die Berücksichtigung bei Journalistenreisen oder überregionalen Werbeauftritten.

Dann bleibt der eigene Einsatz: alle überregional Werbenden wollen Texte und Fotos. Die müssen Qualität haben und Wiedererkennbarkeit sichern. Es nützt also nichts, ständig anderes Material zu schicken.

Die Präsenz in Veranstaltungskalendern wie der Stadt Gera ist nicht kostenlos und erfordert Pflege, wie jeder Veranstaltungskalender überhaupt seine Aktualität nur durch Pflege erreicht. Das braucht aber auch eine langfristige Planung, nicht immer leicht bei einer massiven Abhängigkeit von Drittmitteln, wie wir alle wissen. Ein weiteres Instrument, das in der Regel nichts kostet außer Arbeit und Kontinuität ist die Pressearbeit. Das Museum Burg Posterstein versendet wöchentlich eigene Pressemitteilungen über einen Verteiler, der etwa 80 Adressen umfasst. Die Reichweite liegt zwischen Erfurt, Dresden, Zwickau, Leipzig und Hof. Ebenfalls ohne Haushaltsmittel, zumindest im Betrieb, findet die Onlinewerbung statt: Seit 12 Jahren verfügt das Museum über eine Webseite und zwar in Deutsch, Englisch und Französisch. In den vergangenen Jahren kamen Profile auf Facebook und Twitter (seit 2010) und ein eigener Blog (seit Anfang 2011) dazu. Um kurze Videos online teilen und einbinden zu können, besitzt die Burg Posterstein einen Kanal auf Vimeo, einem werbefreien Konkurrenten von YouTube. Darüber hinaus ist das Museum auf Plattformen wie Webmuseen, Visitatio und ähnlichem – Seiten, die museale Angebote bündeln, mit eigenen Unterseiten vertreten.

Bleibt die Werbung, die Geld kostet. Wir verfügen nicht über Mittel für Plakatierung, Bahnwerbung oder gar Fernseh- und Rundfunkspots. Dafür sind wir, bis auf wenige Ausnahmen aber die Einzigen, die in Posterstein die Werbung bezahlen! Wir investieren jährlich immerhin 3 % unseres Gesamtetats in Anzeigen in unterschiedlichen Medien. Das reicht aber dennoch nicht an die von der Wirtschaft allgemein veranschlagten 5 % Etatanteil für Werbung heran. Jeder von Ihnen kann ja kurz durchrechnen, wie es bei ihm aussieht. Ich verrate, glaube ich, kein Geheimnis, wenn ich die Zahl des Lindenau-Museums Altenburg nenne: 0,5 % – ein unmöglicher vom Museum nicht zu beeinflussender Zustand, der nicht durch beste Pressearbeit wettgemacht werden kann.

Jedes Jahr kommen um die 2000 Kinder auf die Burg Posterstein
Jedes Jahr kommen um die 2000 Kinder auf die Burg Posterstein (Foto: Museum Burg Posterstein)

Wo liegen aber die Defizite in Posterstein: Abgesehen von vollkommen unzureichenden Depotbedingungen, fehlenden Arbeitsplätzen, zu wenig Raum für pädagogische Projekte und nicht vorhandener Barrierefreiheit, kennen wir unsere Besucher zwar ganz gut, aber vielleicht doch nicht in ausreichendem Maß. Die letzte Besucherbefragung fand Mitte der 1990er statt. Die jährliche Erhebung des Instituts für Museumsforschung unterscheidet in Einzel- und Gruppenbesucher, in Besuche nach Museumsgattungen und gibt neuerdings auch eine Übersicht in Einheimische und Touristen. Danach gab es 2010 vor allem in Schloss- und Burgmuseen und in kulturgeschichtlichen Spezialmuseen mehr Touristen als andere Besuchergruppen. Unsere verbandsinternen Erhebungen geben darüber noch keine Auskunft.

Was folgt daraus? – gleich mehrere Fragen: Kennen wir unsere Besucher? Kennen wir deren Motivation zum Museumsbesuch, deren Interessen, Wünsche oder Ansprüche? Ihren Herkunftsort? Die Antwort muss sich jeder von Ihnen selbst geben. Hier kann ich den Museumsverband nur aufrufen sich des Themas anzunehmen und eine möglichst breite Besucherbefragung in den Thüringer Museen anzuregen. Dies würde nicht nur die Zweckmäßigkeit unserer geringen Werbemittel stärken, sondern auch unsere Argumentation gegenüber den Touristikern untersetzen.

Museen, vernetzt euch!

Wir sind nicht ausreichend vernetzt mit anderen Museen. Das unterstelle ich nicht nur für mein Museum, sondern für die Mehrzahl. Was die leichteste Übung wäre, tun wir nicht. Wer von Ihnen hat Kombitickets über Trägergrenzen hinweg? Und wenn es sie gibt, werden sie aus unterschiedlichen Gründen nicht ausreichend propagiert. Wer ist auf Facebook Freund eines Thüringer Museums? Wir sind Freund von Schloss Schönbrunn, vom Nationalmuseum Breslau, vom Freilichtmuseum am Kiekeberg in der Nähe von Hamburg… Wir haben (noch) keine Museums-App, die uns mit den Sehenswürdigkeiten im Umkreis von 25 km vernetzt. Ein Angebot, das uns jüngeres Publikum bringen könnte, aber nicht ohne die Touristiker geht. Hier schließt sich die Frage nach den Schnittstellen an. Sind es die Produkte, die allenthalben von uns verlangt werden? Wollen wir Produkte bilden oder sind wir nicht das Produkt? Meine These ist: sowohl als auch. Wir sind Produkt, wir werden aber nicht umhin kommen uns in Angebote einbinden zu lassen, was aber Buchbarkeit voraus setzt. Umgekehrt kann es nicht so sein, wie in Altenburg, wo ein Hotel ein HRS Highlight anbietet mit Übernachtung, Eintritt und Führung im Lindenau-Museum, ohne dass das Museum von seinem Glück weiß oder gar zu jeder Zeit in der Lage ist von einer Minute zur anderen eine Führung anzubieten. Bei uns in Posterstein verlief es ähnlich. Wir bekamen des Öfteren Führungen vom dortigen Hotel gebucht, von denen wir nichts wussten und zu Preisen, die nicht die unseren waren. Ein klärendes Gespräch offenbarte fundamentale Unterschiede in den Ansichten der touristischen Partner.

Sprechen wir die gleiche Sprache?

Wir sollten also auch diskutieren: Verstehen wir unter Tourismus überhaupt das gleiche? Wie definieren wir gemeinsame Zielgruppen? Oder: Sprechen wir die gleiche Sprache – wenn wir uns über „Angebote“ unterhalten?

Wir treten nicht selbstbewusst genug auf, wenn es um Tourismus geht. Wir sind in der Defensive, obwohl alle Statistiken das Gegenteil aussagen. Im Landestourismuskonzept steht bei Kundenzufriedenheit, dass die Gäste in Thüringen mit den Museen zufrieden sind. Damit sind die Museen in dieser Konzeption aber auch schon genannt. Der Qualitätsmonitor, herausgegeben vom Deutschland Tourismus, besagt sogar, dass Thüringen an vierter Stelle der Präferenz bei ausländischen Kulturtouristen steht, nach Sachsen, Berlin, Hamburg.

Wir müssen uns also massiv einmischen!

Das ist uns in Posterstein und in unserer Region nicht immer gelungen.

Auch wir müssen zusehen, wie aus Landesprogrammen sehr fragliche Dinge gefördert werden, wie die Umsetzung eines sogenannten „Rinder-Offenstalls“- übrigens ein total gescheitertes Projekt der DDR-Landwirtschaft – für einen Verein mit 75 Mitgliedern. Oder noch schlimmer, der nie richtig in Betrieb und dann insolvent gegangene Freizeitpark Weltentor – der von einer Besucherzahl von 2 Mio. träumte – errichtet mit öffentlichen Mitteln, auf dem zuvor ebenfalls öffentlich geförderten Gelände der Bundesgartenschau 2007 in Ronneburg.

Die letzte Frage ist dann, vertragen sich so viele Touristen mit unserem Auftrag des Sammelns, Bewahrens, Forschens und Ausstellens? Ich sage klar ja. Denn was oder wer ist ein Tourist? Doch in erster Linie ein Besucher, der etwas erleben will, neugierig ist und damit Bildung nicht verweigert. Geben wir deshalb gleich unseren Bildungsauftrag auf, wenn wir besucherträchtige Ausstellungen oder Veranstaltungen bieten? Wieder möchte ich klar antworten: nein. Es ist unser Auftrag möglichst viele in den Genuss unserer Angebote kommen zu lassen und es wird uns dann auch viel leichter fallen, schwerere Kost, oder unsichere Positionen darzustellen.

© Klaus Hofmann, Direktor Museum Burg Posterstein

Vortrag zum Verbandstag des Museumsverbandes Thüringen

Thema: Museen und Tourismus – Thüringen entdecken. Wohin die Reise geht: Ins Museum!

27. September 2012, Schloss Wilhelmsburg Schmalkalden

 

Quellen und Literatur:

Zahlen und Statistik

Deutscher Fußball Bund

Deutsche Zentrale für Tourismus

Handelsblatt, 20.9.2012

Institut für Museumsforschung Berlin

Museumsverband Thüringen

Thüringer Landtag, Drucksache 5/2844

Thüringer Landesamt für Statistik

IHK Ostthüringen

Sonstiges

Busmagazin 3/2012, Fachzeitschrift für Busunternehmer und Gruppenreiseunternehmer

Kulturtourismus-Konzeption für Thüringen

Landestourismuskonzeption Thüringen 2015

Qualitätsmonitor, Deutschland-Tourismus 2010/2011

Thüringer Staatsanzeiger, Nr.36/2012

Thüringer Staatsanzeiger, Nr. 37/2012

Mit dem Hochrad zum Vesuv

Das über 100 Jahre alte Hochrad gehört zur Sammlung des Museums Burg Posterstein.
Das über 100 Jahre alte Hochrad gehört zur Sammlung des Museums Burg Posterstein.
Das über 100 Jahre alte Hochrad gehört zur Sammlung des Museums Burg Posterstein.

Für den Ronneburger Heimatverein haben wir  unser Hochrad aus dem Depot geholt. Möglicherweise handelt es sich um das Rad, mit dem der Ronneburger Druckereibesitzer Hugo Barthol vor über 100 Jahren bis zum Vesuv geradelt ist. Der Heimatverein recherchiert.

1884 fuhr der Ronneburger Hugo Barthol mit dem Hochrad nach Italien – eine unbequeme und viel Kraft kostende Art zu reisen. Sein Weg führte dabei unter anderem durch Straßburg,  Kehl, Freiburg, Kandern, Basel, Schaffhausen, Konstanz, Friedrichshafen, Winterthur, Zürich, Luzern, Mailand, Turin und Neapel. Nach Recherchen des ehemaligen Ronneburger Museumsleiters Prof. Dr. H. Schmidt heißt es in Barthols Reiseberichten: “Herr Barthol weilt nun längere Zeit in dem Land, wo die Zitronen blühen.”

 

Wo wohnten die Nachfahren von “Baron Münchhausen”?

Ansichtskarte des Ritterguts Windischleuba ((c) Museum Burg Posterstein)
Ansichtskarte des Ritterguts Windischleuba ((c)Museum Burg Posterstein)

Die Geschichte von Windischleuba ist lang, als „Luben“ fand der Ort schon 1181 / 1214 im Zehntverzeichnis des Klosters Bosau Erwähnung. Von 1455 bis 1659 gehörte es wie auch Nobitz der Familie von der Gabelentz, die auf dem Rittergut Poschwitz wohnten. 1492 begann Hans von der Gabelentz in Windischleuba ein Schloss zu errichten und ließ auch die Kirche umfassend erneuern. Sein Sohn Christoph I. von der Gabelentz, Domherr in Mainz, Meißen und Naumburg, beendete den Schlossbau 1532. Seine Nachfolger im Familienbesitz wohnten dann auch in Windischleuba. Sebastian I., gestorben 1575, diente laut Kriegsmatrikel von 1545 seinem Landesherrn „auf der Wendischleubden mit drei Ritterpferden und zwei Langspießern“. Dessen Sohn Sebastian II. lebte 1580 mit Familienmitglieder und Personal auf dem Schloss: Belegt sind sein „Weib, Junker Bastian von der Gabelentz und [sein] Vetter, Georg von der Gabelentz, außerdem ein Schreiber, ein Reiter, ein Seiler, ein Weidemann, ein Junge, ein Schneider, ein Bäcker, eine Köchin, eine Schließerin, eine Käsemutter, sechs Knechte und drei Mägde“. 1661 erlosch die Windischleubaer Linie der Familie von der Gabelentz und die Fürstliche Rentkammer zu Altenburg nutzte das Rittergut anschließend als „Großes Kammergut“.

 Zwei Rittergüter in einem Ort

Das so genannte „Rittergut Windischleuba vorderen Teils“ (Foto: Museum Burg Posterstein)
Das so genannte „Rittergut Windischleuba vorderen Teils“ ((c) Museum Burg Posterstein)

Etwa zur gleichen Zeit entstand aus einem schon vorher bestehenden Bauerngut in Windischleuba ein zweites Rittergut, das so genannte „Rittergut Windischleuba vorderen Teils“, das mit dem anderen Gut nichts zu tun hatte. Als freies Erblehen wechselte es im Laufe der Jahrhunderte mehrfach den Besitzer. Das um 1800 etwa 67 Hektar bemessende Anwesen verfügte über die Erbgerichte über drei Handgüter und 13 Häuser im Dorf. Die Obergerichte über Dorf, Feld und Flur von Windischleuba gehörten weiterhin dem älteren und größeren der beiden Güter, dem Rittergut „hinteren Teils“, das um 1800 rund 220 Hektar Land umfasste. Darüber hinaus besaß es auch die Erbgerichte über zahlreiche Güter und Häuser in Windischleuba und der näheren Umgebung sowie die Patronatsrechte über Schule, Hospital und Kirche von Windischleuba. Ein Erbbegräbnis befand sich an der Außenseite der Kirche.

Der Landsitz eines Staatsmanns

Bernhard August von Lindenau (1779-1854) ((c) Museum Burg Posterstein)
Bernhard August von Lindenau (1779-1854) ((c) Museum Burg Posterstein)

Das Rittergut hinteren Teils wechselte im 17. und 18. Jahrhundert mehrfach den Eigentümer, bis es zusammen mit dem Pohlhof in Altenburg und dem Rittergut Nobitz in den Besitz der Familie von Lindenau gelangte. 1817 erbten Bernhard August von Lindenau (1779-1854), dessen wertvolle Kunstsammlung das Lindenau-Museum Altenburg ausstellt, und sein jüngerer Bruder Friedrich Wilhelm das Gut. Der Wissenschaftler, Kunstsammler und Staatsmann Bernhard August von Lindenau hatte Mathematik, Jura und Kameralistik in Leipzig studiert. Im Laufe seiner langen Karriere leitete er als Astronom die Seeberger Sternwarte bei Gotha, war Landschaftsdirektor des Altenburger Landtages, Geheimer Rat und Minister in Gotha, Gesandter des Königs von Sachsen im Bundestag in Frankfurt und zugleich Gesandter am Niederländischen Hof in Den Haag und schließlich erster Minister im Königreich Sachsen, was der Position des heutigen Ministerpräsidenten gleich kommt. Unter Lindenau wurde in Sachsen eine umfassende Staatsreform durchgeführt. Im Alter zog er sich nach Altenburg zurück, war Abgeordneter des Herzogtums in der Frankfurter Paulskirche und widmete sich in erster Linie seiner Kunstsammlung, die er von Anfang an dem der Öffentlichkeit als Stiftung widmen wollte. So eröffnete er im Revolutionsjahr 1848 auf dem Pohlhof ein Museum mit angeschlossener Kunst- und Gewerbeschule.

Aber auch für die Bewirtschaftung Windischleubas interessierte sich der vielseitige Staatsmann. Noch 1853 ließ er „Amerikanisches Mahlzeug“ in der dortigen Mühle einbauen. Am Schloss und den Wirtschaftsgebäuden ließ er bauliche Veränderungen durchführen. Ein Stück des Wassergrabens um die auf zwei von einander getrennten Inseln verteilte Wasserburg wurde zugeschüttet. Immerhin war in jener Zeit auf der Schlossinsel die alte, viereckige Befestigungsanlage mit vier Rundtürmen noch gut erkennbar.

Die Erben von “Baron Münchhausen”

Das Rittergut Windischleuba ist heute Jugendherberge ((c) Museum Burg Posterstein)
Das Rittergut Windischleuba ist heute Jugendherberge ((c) Museum Burg Posterstein)

Seit 1880 besaßen der aus Niedersachsen stammende Börries Freiherr von Münchhausen (1845-1931) und seine Frau Clementine von der Gabelentz das Rittergut Windischleuba. Der Nachfahre des als Lügenbaron in die Geschichte eingegangenen Hieronymus von Münchhausen (1720-1797) setzte das alte Schloss wieder instand, erweiterte es und restaurierte die Renaissance-Fassade. Darüber hinaus ließ die Familie Münchhausen einen Park anlegen, in dem es unter anderem ein so genanntes „rotes Tempelchen“, ein privates Kaffeehaus, gab.

Unter seinem gleichnamigen Sohn, einem anerkannten Schriftsteller und promovierten Jurist gewann das Gut weiter an Profil. Mit 281 Hektar gehörte es zu den größten Rittergütern im Altenburger Land. Der Balladendichter wachte sorgfältig über Schloss und Garten: Sein Gärtner durfte nur in Ansprache mit ihm „pflanzen, schneiden und sonst irgend etwas vornehmen“ und Außenstehende benötigen für den Zutritt zur Parkanlage seine schriftlichen Erlaubnis. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges, am 16. März 1945, beging Börries von Münchhausen in Windischleuba Selbstmord.

 Enteignung – Vom Schloss zur Jugendherberge

Nach dem Krieg wurden seine Erben enteignet und Teile des Wirtschaftshofes abgerissen. Vom Waalgraben sind heute nur noch Reste erhalten. Das Renaissanceschloss diente zunächst als Landschulheim. Der Park wurde für die Schüler um einen biologischen Lehrpfad, eine Freilichtbühne, eine Kegelbahn und ein Volleyballfeld erweitert. Bis heute befindet sich im gut erhaltenen Schloss eine Jugendherberge, die viel von dem historischen Ambiente erkennen lässt.

Der geschlossene Bauernhof des Rittergutes „vorderen Teils“ wurde 2005 und 2006 trotz denkmalschutzrechtlicher Bedenken abgerissen.

Von Marlene Hofmann

 

Eine interaktive Karte über die Rittergüter im Altenburger Land finden Sie hier: http://tiny.cc/o27p6.

Lesen Sie mehr über die Rittergüter des Altenburger Landes in unseren Publikationen, die Museum gekauft oder per Mail an info@burg-posterstein.de bestellt werden können:

Das alte Schloss sehn wir noch heut…
Aus der Geschichte der Rittergüter im Altenburger Land (Teil II)
© Museum Burg Posterstein 2010

…Und nachmittags fuhren wir nach Nöbdenitz segeln!
Rittergüter im Altenburger Land und ihre Gärten
© Museum Burg Posterstein 2007

 

Ostthüringer Zeitung bringt neue Artikelreihe über die Rittergüter im Altenburger Land

Historische Postkarte, die den Park des Ritterguts Meuselwitz zeigt ((c) Museum Burg Posterstein)
Historische Postkarte, die den Park des Ritterguts Meuselwitz zeigt ((c) Museum Burg Posterstein)

In Zusammenarbeit mit dem Museum Burg Posterstein bringt die Ostthüringer Volkszeitung (OTZ) derzeit eine Artikelreihe über die Rittergüter im Altenburger Land und deren aktuellen Zustand. Jedes Rittergut hat eine individuelle Geschichte, von denen wir einige hier bereits präsentiert haben. Jeden Samstag veröffentlicht die OTZ nun zusammen mit einem Artikel zur Rittergutsgeschichte einen Beitrag zur aktuellen Situation des jeweiligen Ritterguts. Einige der ehemaligs herrschaftlichen Güter stehen heute zum Verkauf, einige sind dem Verfall ausgesetzt, anderen wurde zu neuem Leben verholfen.

Falls Sie selbst Bildmaterial von Altenburger Rittergütern besitzen oder historische Informationen und Erinnerungen beisteuern wollen, können Sie sich unter info@burg-posterstein.de dem Museum oder unter schmoelln@otz.de der Ostthüringer Volkszeitung schreiben.

Bereits erschienene Artikel – Aktuelle Hinweise darauf finden Sie auch immer auf unserer Facebook-Seite

Rittergut Weißbach

Rittergut Selka

Rittergut Meuselwitz

Rittergut Maltis

Rittergut Schwanditz

Publikationen zum Thema:

Das alte Schloss sehn wir noch heut…
Aus der Geschichte der Rittergüter im Altenburger Land (Teil II)
© Museum Burg Posterstein 2010

…Und nachmittags fuhren wir nach Nöbdenitz segeln!
Rittergüter im Altenburger Land und ihre Gärten
© Museum Burg Posterstein 2007

Austern unterm Schloss

Der Landkreis Altenburger Land ließ das Schloss in Löbichau, ehemals Musenhof der Herzogin Dorothea von Kurland, 2009 abreißen. Auf der Fläche wurde ein Neubau errichtet, der heute als Pflegeheim dient. Die Fassade erinnert noch an das Schloss und Löbichaus Glanzzeiten im frühen 19. Jahrhundert (mehr dazu). Bevor jedoch der Neubau entstand, führte das Thüringische Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege archäologische Grabungen auf dem Gelände durch. Davon und von anderen aktuellen Grabungsprojekten der Behörde berichtet vom 4. März bis 30. April 2012 die Sonderausstellung „Archäologie im Altenburger Land“ auf Burg Posterstein.

Schloss Löbichau, Ansichtskarte von 1904 (Museum Burg Posterstein)
Schloss Löbichau, Ansichtskarte von 1904 (Museum Burg Posterstein)

Schon drei Umbauten seit dem 16. Jahrhundert
Bei den Grabungen in Löbichau konnten drei Bauphasen festgestellt werden. Die früheste datiert ins 16. Jahrhundert. Zu dieser Zeit dominierten offenbar noch Wirtschaftsgebäude des ehemaligen Rittergutes Löbichau den späteren Standort des Schlosses. Der Brand aus dem Jahr 1766 war für die Fachleute an Hand von großflächigen Schuttverfüllungen deutlich nachweisbar. Die zweite Bauphase folgte, nachdem die Herzogin Anna Dorothea von Kurland das Anwesen 1795 kaufen ließ. Bis 1800 ließ sie den Südwestflügel des Rittergutes in ein klassizistisches Schloss umbauen, in das sie fortan in den Sommermonaten regelmäßig Staatsmänner, Dichter, Künstler und Musiker ihrer Zeit einlud (mehr dazu). Die dritte Bauphase begann etwa in der Mitte des 19. Jahrhunderts, als nach dem Tod der Herzogin Anna Dorothea von Kurland 1821 das Schloss zunächst als Wohnsitz ihrer Familie, später als „Johanna-Luisen-Stift“ und seit 1945 als Alten- und Pflegeheim genutzt wurde. Besonders in die letzte Zeitepoche datieren verschiedene Ein- und Anbauten wie Mauern, Keller und Rampen.

Abrissarbeiten am Schloss Löbichau 2009 (c) Thüringisches Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege
Abrissarbeiten am Schloss Löbichau 2009 (c) Thüringisches Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege

Messer, Hufeisen und Austernschalen
Das Fundmaterial datiert vom 14. und 15. Jahrhundert bis in unsere heutige Zeit. Es setzt sich vor allem aus Keramikscherben, Dachziegelresten, eisernen Gegenständen wie Beschlägen, Nägeln, Messern, Hufeisenteilen und Tierknochen zusammen. An Kleinfunden sind ein Spinnwirtel, Pfeifenbruchstücke, Austernschalen, Tonmurmeln, Holzperlen eines Rosenkranzes und eine Münze aus dem 18. Jahrhundert zu nennen. Wenige bearbeitete Hölzer ergänzen das Spektrum. Die oben erwähnte Münze ist ein Rechenpfennig von Johann Jacob Dietzel (1711-1748) aus Messing.

Plakat Sonderausstellung Archäologie im Altenburger Land auf Burg Posterstein 2012
Plakat Sonderausstellung Archäologie im Altenburger Land auf Burg Posterstein 2012

Ausgrabung in der Kiste
Die Ausstellung „Archäologie im Altenburger Land“ wird am 4. März, 15 Uhr, auf Burg Posterstein eröffnet. Im Begleitprogramm zur Ausstellung bietet das Museum u. a. Führungen für Kinder an: Unter dem Motto: „Was ist Archäologie? – Ausgrabung in der Kiste“, können die kleinen Besucher lernen, was beim Ausgraben von Gegenständen aus unterschiedlichen Zeiten zu beachten ist, welche Erkenntnisse gewonnen werden oder wie ein Fundbericht verfasst wird. Eine Voranmeldung ist hierfür erforderlich.

Live von der Baustelle
Einen Einblick in die Ergebnisse der Grabungen gibt auch ein Kurzfilm des lokalen Senders TV Kabel Plus vom August 2009:
[vimeo http://vimeo.com/36758499]

Mehr zur Grabung in Löbichau:
Sonderausstellung „Archäologie im Altenburger Land“, vom 4. März bis 30. April 2012 im Museum Burg Posterstein
Weitere Infos auf der Website des Thüringischen Landesamtes für Denkmalpflege

Von Marlene Hofmann

In Posterstein bebt die Erde

Seit Ende August ruckelte in der Region Posterstein ab und zu ein wenig die Erde. Die Messstation Heukewalde der Universität Jena verzeichnet leichte Schwarmbeben in dieser Zeit. Im Vogtland und Teilen von Westsachsen wurden sogar Beben der Stärke 4 auf der Richterskala gemessen (Vgl. Ostthüringer Zeitung). Anschauen kann man sich die aktuellen Seismogrammausschnitte auf der Website der Universität, wenn man nach den Erdbebenaufzeichnungen der Station mit dem Kürzel HKWD (Heukewalde) sucht.

Seismogrammausschnitt der Station Heukewalde vom 4. September 2011

Warum bebt die Erde?

Die Erde zerfällt bekanntlich in einzelne tektonische Platten. Besonders an deren Rändern kommt es durch Reibungen, Schiebungen und Druck der Platten aufeinander zu schweren Erdbeben. Die Region Posterstein liegt jedoch weit weg von den Rändern der eurasischen Platte. Verantwortlich für die meist harmlosen, so genannten „Intraplattenbeben“, zu denen es dennoch ab und zu kommt, ist Druck von West und Süd auf die eurasische Platte. Im Vogtland befinden sich viele so genannte Schollen und Risse, die in der Vergangenheit schon häufig zu kleineren Schwarmbeben geführt haben. Heute wird die Region durch das Thueringer Seismische Netz überwacht und wissenschaftlich untersucht (Link: http://www.igw.uni-jena.de/angeoph/TSN/portal.html). Lange Zeit befand sich auch im Keller der Burg Posterstein eine seismische Messstation der Universität Jena. Weil die durch Museumsbesucher beim Turmaufstieg erzeugten Vibrationen aber das Bild verzerrten, befindet sich die Station heute im nahe gelegenen Heukewalde.

Das Mitteldeutsche Beben von 1872

Das schwerste Beben in der Region wurde am 6. März 1872 verzeichnet – sein Herd lag im Bruchfeld zwischen Posterstein und Schmölln. Karl Theordor Liebe (1828-1894), Professor am Fürstlichen Gymnasium in Gera, berichtete über die Auswirkungen des Bebens in Posterstein. Unter anderem hätte der Burgturm geschwankt und Feldbrocken seien am Burgberg ins Rollen gekommen. Damals entstanden auch im drei Meter dicken Bergfried und an der Brücke der Burg Posterstein tiefe Risse:

Der Riss in der Mauer der Burgbrücke vor der Restaurierung (Aufnahme von 1985, Museum Burg Posterstein)

„Am alten Schloß haben wir eine Menge Risse gesehen, die mit frischem Bruch durch Mörtel und Stein hindurch verliefen. In den Kellern des alten Schlosses ist soviel von den Decken abgebröckelt, daß mehrere 100 Liter Milch unbrauchbar wurden. Das neue Schloß (Herrenhaus) neben dem alten errichtet, hat durchweg 2 Ellen (1,2 m) und im 1. Stock 1 1/2 Ellen (0,90 m) starke Mauern. Es existiert aber keine Stube, kein Kämmerchen, welche nicht Mauer- und Deckenrisse aufweisen“, berichtete Karl Theordor Liebe.

Der Riss in der Brücke wurde bei einer Restaurierung 1997 saniert, den Riss im Bergfried kann man beim Aufstieg auf den Turm heute noch sehen.

Zeitzeugen berichten

Riss in der Turmmauer

Der Postersteiner Lehrer und Historiker Ernst Bräunlich zeichnete die Erinnerungen des Nöbdenitzer Pfarrers Johann Michael Nürnberger auf, der das Beben von 1872 selbst miterlebte: „Im Dorfe liefen von allen Seiten die Leute aus den Häusern und erzählten, wie sie vor Angst die Häuser eilig verlassen hatten. Die Bäume hätten geschwankt, und auf der Straße hätten Sie ein Gerassel gehört, als wenn 6 bis 8 schwerbeladene Wagen im Trab vorbeifuhren. Im Ort sind 7 Feueressen eingestürzt. Das Ereignis bildete noch lange den Gegenstand der gegenseitigen Mitteilungen.“

Auch das leichte Beben vom 4. September 2011 haben die Bewohner der Region wahrgenommen. Die größte Erschütterung konnte man früh am Morgen zwischen 4 und 5 Uhr wahrnehmen. Auf unserer Facebook-Pinnwand berichtete eine Augenzeugin, vom Beben und dem Klappern im Schlafzimmer wach geworden zu sein.

Seismometer in Posterstein

In der Dauerausstellung der Burg Posterstein ist ein Seismometer ausgestellt und Sie erhalten weitere Informationen über Erdbeben in der Region – weitere Informationen finden Sie auf www.burg-posterstein.de.

(Text: Marlene Hofmann)

Aufbruch von Altenburg nach Altenburg

Wie deutsche Siedler im 19. Jahrhundert ihre Heimatstadt in Missouri neu gründeten

Eine bunt gemischte Gruppe von Auswanderern aus Sachsen-Altenburg, der Region Dresden und Hannover strandete 1839 an einem Felsen im Fluss Mississippi. Direkt am Fluss gründeten die einem strengen lutherischen Glauben anhängenden Siedler den Ort Wittenberg. Nicht selten wurden die Häuser von den Hochwassermassen des legendären Flusses mitgerissen, weshalb  heute von dieser Siedlung nur noch der Wittenberg Boat Club und eine verfallene Poststation zeugen.

Felsen im Mississippi
Nach einer langen Schiffsreise nach Amerika strandeten Einwanderer aus dem Altenburger Land 1839 an diesem Felsen im Mississippi.

Die Auswanderung organisierten verschiedene Geistliche unter der Leitung von Pfarrer Martin Stephan aus Pirna bei Dresden. In Folge sozialer Missstände nach den napoleonischen Kriegen und verschärften Abgabelasten auf dem Lande, erwogen parallel zu ersten revolutionären Unruhen auch in der Region Altenburg immer mehr Menschen, ihr Glück in der Ferne zu suchen. Ursprünglich zogen die Auswanderer um Martin Stephan auch Australien als mögliche neue Heimat in Betracht, aber südlich von St. Louis, in Missouri, bot man ihnen rund 10.000 Morgen Land zu günstigen Preisen an.

Wittenberg Boat Club
Wittenberg Boat Club

Im Winter 1838/39 reisten insgesamt fünf Schiffe mit Siedlern aus dem Königreich Sachsen und dem Herzogtum Sachsen-Altenburg in die so genannte „Neue Welt“. Mit an Bord nahmen die frommen Auswanderer auch 900 Exemplare von Luthers Katechismus. Sogar während der langen Seereise erhielten die Kinder Unterricht. Alle Schiffe erreichten ihr Ziel, bis auf ein kleineres Boot namens „Amalia“, das höchstwahrscheinlich bei Frankreich mit einem größeren Schiff kollidierte.

Altenburg, Dresden, Wittenberg, Frohna, Paitzdorf und Seelitz in der „neuen Welt“

1839 kamen die Siedler also in Missouri an. Zu dieser Zeit glich die dortige Landschaft einer noch unbewohnten Wildnis. Die Neuankömmlinge hätten den Winter dort kaum überstanden, wären sie nicht von der lutherischen Gemeinde in St. Louis unterstützt worden. Im heutigen Bundesstaat Missouri, im Landkreis Perry County, gründeten die deutschen Siedler die nach ihren Heimatstädten bzw. -regionen benannten Orte wie Dresden, Seelitz, Johannisberg, Altenburg, Frohna, Paitzdorf und Wittenberg. Dresden, Seelitz und Johannisberg wurden aber bereits 1841 nach Altenburg, Missouri, eingemeindet. Weil natürlich nur das Beste aus der neuen Heimat berichtet wurde, trafen auch später noch weitere Auswanderer aus der Region Altenburg in der neu gegründeten Stadt ein.

Indianer, wilde Bestien und mexikanische Soldaten braucht man in Altenburg bislang nicht zu fürchten

Der Pfarrer Martin Stephan derweil lebte in der neuen Heimat ein nicht eben sittlich-christliches Leben und ließ sich hofieren wie ein König. Nachdem die Gemeinde endlich erkannt hatte, wie sehr sie durch ihren geistlichen Führer betrogen worden war, entließ sie ihn. Erster Präsident der Missouri Synode (heute zwei Millionen Mitglieder) wurde der aus Langenchursdorf stammende Ferdinand Wilhelm Walther. Gotthold Heinrich Loeber aus Kahla übernahm den Posten als Pfarrer im neu gegründeten Altenburg. Er beschrieb am 10. September 1839 in einem Brief nach Deutschland das Leben in der neuen Welt, wo die meisten Familien zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Häusern, sondern in provisorischen Baracken lebten. Beruhigend fügte er aber hinzu, dass sich die Verwandten in der Heimat keine Sorgen wegen Indianern, wilden Bestien oder mexikanischen Soldaten machen müssten, denn solche Dinge bräuchte man in Altenburg bislang nicht zu fürchten.

Schulgebäude von 1839 in Altenburg Missouri
Das 1839 errichtete Schulgebäude ist das älteste Haus in Altenburg, Missouri

Als eine ihrer ersten Handlungen errichteten die Siedler im August 1839 eine Bildungsstätte, an der Kinder eine umfassende gymnasiale Bildung erhalten sollten: Religion, Latein, Griechisch, Hebräisch, Deutsch, Französisch, Englisch, Geschichte, Geografie, Mathematik, Physik, Naturgeschichte, Philosophie, Musik und Zeichnen standen auf dem Lehrplan. Der Anspruch der Schule war kein geringerer, als die Absolventen für ein Universitätsstudium zu rüsten. Im ersten Jahr begannen sieben Jungen und drei Mädchen dort den Schulunterricht.

Welcome to Altenburg, Missouri!

Im Oktober 2010 fuhren Historiker ins amerikanische Altenburg zu einer internationalen Konferenz unter dem Motto „Home is where our story begins“ (Zuhause ist, wo unsere Geschichte beginnt). Die Kontakte nach Amerika knüpfte der Genealoge Wilfried Piehler aus Gera bereits vor Jahrzehnten. Die Altenburger aus Missouri waren auch schon mehrfach zu Besuch in ihrer alten Heimat. Manche von ihnen überraschten damit, dass sie sich die deutsche Sprache – genau genommen, die Altenburger Mundart aus dem 19. Jahrhundert – über Generationen hinweg bewahrt haben.

Altenburg Missouri
Das amerikanische Altenburg ist eine gemütliche Kleinstadt mit lebhafter christlicher Gemeinde

Auf der zweitägigen Konferenz hielten einheimische Historiker und Genealogen verschiedene Vorträge, die der Geschichte des amerikanischen Altenburgs auf den Grund gingen. Die Historie des deutschen Altenburgs beleuchtete unter anderem Sabine Hofmann vom Lindenau-Museum Altenburg. Am Freitag, 18. März, 19 Uhr, fassen Wilfried Piehler sowie Sabine und Klaus Hofmann in einem Vortrag im Museum Burg Posterstein die Ergebnisse der Konferenz zusammen. Wer mehr zur Geschichte des amerikanischen Altenburgs erfahren möchte, dem sei auch das im vergangenen Jahr in den USA auf Englisch erschienene Buch „Altenburg Missouri and the surrounding Parishes“ empfohlen (Hrsg.: Mary Beth Mueller Dillon, Lynhorst, Indianapolis, 2010).

 

(Marlene Hofmann, auch erschienen in der Ostthüringer Zeitung vom 16. März 2011, http://www.otz.de/)

Welches Schloss hielt einem Luftangriff stand, nicht aber der Bodenreform?

Rittergut Meuselwitz / Meuselwitz Manor (c) Museum Burg Posterstein
Rittergut Meuselwitz / Meuselwitz Manor (c) Museum Burg Posterstein

Zwischen 1724 und 1724 ließ der deutsche Staatsmann Veit Ludwig von Seckendorff (1626-1692) auf seinem Rittergut in Meuselwitz ein Schloss mit Park und Orangerie errichten. Ein barockes Schlosstor führte zum Gutshof.

Von Seckendorff, geboren in Herzogenaurach, hatte ein Gymnasium in Gotha besucht und war später von Herzog Ernst dem Frommen von Sachsen-Gotha-Altenburg gefördert worden. Im 30jährigen Krieg richteten die Schweden von Seckendorffs Vater in Salzwedel wegen Hochverrats hin. Von Seckendorff studierte Philosophie, Rechtswissenschaft und Geschichte in Straßburg. Er schrieb bis 1655 am staatswissenschaftlichen Werk „Der deutsche Fürstenstaat“. Dieses Buch, das lange Zeit ein Standardwerk für die staatspolitische Bildung an den deutschen Universitäten war, erreichte schon zu von Seckendorffs Lebzeiten mehrere Auflagen.

1651 wurde von Seckendorff gothaischer Hof- und Justizrat, 1656 Geheimer Hof- und Kammerrat und schließlich, im Jahr 1663, Geheimer Rat und Kanzler. 1664 trat er in den Dienst des Herzogs Moritz von Sachsen-Zeitz (†1681) ein. 1680 nahm er seinen Abschied als dortiger Kanzler und zog sich auf sein Gut Meuselwitz zurück, blieb aber Altenburger Obersteuereinnehmer und Landschaftsdirektor. 1685 erschien seine Publikation der „Christenstaat“. Kurz vor seinem Tod wurde von Seckendorff zum Kanzler der neu gegründeten Universität Halle ernannt. Er starb in Halle und wurde am 30. Dezember 1692 in der Meuselwitzer Kirche beigesetzt.

Bei einem Luftangriff auf Meuselwitz am 20. Februar 1945 wurden die Wirtschaftsgebäude des Meuselwitzer Rittergutes schwer beschädigt. Das Schloss selbst wies nur geringe Schäden auf. Im Zuge der Enteignung durch die Bodenreform wurden alle Gebäude ersatzlos beseitigt. Erhalten blieben lediglich die stark beschädigte Orangerie und das fast unversehrte barocke Schlosstor, welches jedoch trotz Einspruchs der Denkmalpflege 1950 abgerissen wurde. Die Orangerie konnte erstmals 1957 durch den Leipziger Architekten Walter Gruner restauriert werden. Die Mühle wurde 1988 abgebrochen. Die freien Flächen des Rittergutes werden heute als Parkplatz genutzt.

Eine interaktive Karte über die Rittergüter im Altenburger Land finden Sie hier: http://tiny.cc/o27p6.

Lesen Sie mehr über die Rittergüter des Altenburger Landes in unseren Publikationen, die Museum gekauft oder per Mail an info@burg-posterstein.de bestellt werden können:

Das alte Schloss sehn wir noch heut…
Aus der Geschichte der Rittergüter im Altenburger Land (Teil II)
© Museum Burg Posterstein 2010

…Und nachmittags fuhren wir nach Nöbdenitz segeln!
Rittergüter im Altenburger Land und ihre Gärten
© Museum Burg Posterstein 2007

Text: Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Was macht eine Sphinx im Altenburger Land?

Die Sphinx von Prößdorf / the sphinx of Proessdorf (c) Museum Burg Posterstein
Die Sphinx von Prößdorf / the sphinx of Proessdorf (c) Museum Burg Posterstein

Im 15. Jahrhundert wird erstmals ein Rittersitz in Prößdorf urkundlich erwähnt. Die Glanzzeit von Prößdorf begann 1818, als Carl Heinrich von Tettenborn das Gut kaufte. Dieser soll ein großer Verehrer der schönen Künste wie Architektur, Plastik und Malerei gewesen sein. Seinem Geschmack entsprechend schmückte er neben den Gebäuden auch den Park. Tettenborn ließ für die Ausgestaltung die ursprüngliche Park-Anlage vergrößern und umwandeln. Nun durchzogen schattige Laubengänge den Lust-Garten. Ein antiker Pavillon lud zum Verweilen ein. Grotten, zahlreiche Statuen wie Löwen und eine Sphinx sowie Springbrunnen zierten das Gelände. Exotische Gewächse aller Art blühten in Rabatten und Kübeln.

Das aus der Mitte des 18.Jahrhunderts stammende Schloss Prößdorf wurde nach 1969 zum Wohnhaus umgebaut. Die Wirtschaftsgebäude, im Wesentlichen aus dem 19. Jahrhundert stammend, wurden 1906/07 erweitert. Im Zuge der Bodenreform enteignete man die Rittergutsbesitzer. In der Folge verfielen die Wirtschaftsgebäude und wurden nach und nach abgebrochen, zuletzt 1998. Durch den Einbau von Wohnungen im Zeitraum von 1969 bis 1973 wurde das Schloss stark überformt. Reste der eindrucksvollen Toranlage sind jedoch erhalten geblieben.

Eine interaktive Karte über die Rittergüter im Altenburger Land finden Sie hier: http://tiny.cc/o27p6.

Lesen Sie mehr über die Rittergüter des Altenburger Landes in unseren Publikationen, die Museum gekauft oder per Mail an info@burg-posterstein.de bestellt werden können:

Das alte Schloss sehn wir noch heut…
Aus der Geschichte der Rittergüter im Altenburger Land (Teil II)
© Museum Burg Posterstein 2010

…Und nachmittags fuhren wir nach Nöbdenitz segeln!
Rittergüter im Altenburger Land und ihre Gärten
© Museum Burg Posterstein 2007

Text: Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein