4. Tierchen – Digitaler Adventskalender

digitaler Adventskalender Burg Posterstein Tür 4

Der Hund – Der Hund hatte im alten Orient nicht unbedingt einen guten Status. Viele Hunde waren keine Haustiere, sondern lebten halb wild und ernährten sich von Aas. „Hund“ war ein gängiges Schimpfwort. Heute aber steht der Hund im Allgemeinen für Wachsamkeit. Und auch in der Weihnachtskrippe ist er der beste Freund des Menschen. Der Hund begleitet die Hirten, die sich auf den Weg nach Betlehem gemacht haben, um das Jesuskind zu sehen. Die Hunde bewachen dabei vor allem die Herden, die auf dem freien Feld weiden.

Weihnachtskrippe aus Peru, die von drei Hunden bewacht wird.
Weihnachtskrippe aus Peru (Krippensammlung, Museum Burg Posterstein, VI 1 K6/Ri)

In dieser „Einstück-Krippe“ aus Peru wird die Heilige Familie von gleich drei Hunden bewacht! Die Geburt Jesu wurde szenisch in eine Höhle verlegt. Ihren Namen verdankt die Krippe der Tatsache, dass sie aus nur einem Stück besteht. Sie ist aus Ton gefertigt und trägt eine erdfarbene Bemalung.

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3. Tierchen – Digitaler Adventskalender

Digitaler Adventskalender Burg Posterstein - Tür 3
Einen besonders lustigen Esel mit langen Ohren sehen wir in dieser Weißlasur-Krippe aus der Schweiz. (Krippensammlung, Museum Burg Posterstein, VI 24 K6/Ri).
Einen besonders lustigen Esel mit langen Ohren sehen wir in dieser Weißlasur-Krippe aus der Schweiz. (Krippensammlung, Museum Burg Posterstein, VI 24 K6/Ri).

Der Esel – Der Esel steht in der Weihnachtskrippe mit dem Ochsen zusammen. Auch der Esel lässt sich seit dem 3. Jahrhundert in Krippendarstellungen finden. Und auch er darf nicht herumstehen, wo er gerade möchte. Wenn der Ochse vom Betrachter aus links steht, steht der Esel rechts neben dem Jesuskind in der Krippe. Allerdings tauschen sie in manchen Krippen auch einmal die Plätze. Mit ihrem Atem wärmen sie das Kind. Manche deuten den sich überkreuzenden Atem der Tiere auch als Zeichen für den späteren Tod Jesu am Kreuz. Symbolisch steht der Esel für die Heiden.

Zwei Schafe, Esel und Ochse aus der Schweizer Weißlasur-Krippe aus der Schweiz. (Krippensammlung, Museum Burg Posterstein, VI 24 K6/Ri).
Zwei Schafe, Esel und Ochse aus der Schweizer Weißlasur-Krippe aus der Schweiz. (Krippensammlung, Museum Burg Posterstein, VI 24 K6/Ri).

Einen besonders lustigen Esel mit langen Ohren sehen wir in dieser Weißlasur-Krippe. Sie ist aus gebranntem Ton gefertigt, farbig gefasst und stammt aus der Schweiz. Insgesamt stehen dem Esel noch 11 weitere Figuren zur Seite.

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2. Tierchen – digitaler Adventskalender

Digitaler Adventskalender Burg Posterstein - Tür 2
Eine schöne Darstellung des Ochsen in der Krippe finden wir auf diesem Krippentaler, einer Silbermünze, die 1986  vom Hersteller „Euro Mint“ geprägt wurde (Krippensammlung, Museum Burg Posterstein, VI109 K6/Ri)

Der Ochse – Neben den Schafen taucht in vielen Weihnachtskrippen auch ein Ochse auf. Und der darf nicht irgendwo in der Krippe herumstehen! Traditionell wird er vom Betrachter aus gesehen links neben das Jesuskind aufgestellt.

Von diesem gehörnten Tier liest man im neuen Testament nichts. Dennoch lässt er sich schon seit dem 3. Jahrhundert in Krippendarstellungen finden. Seine Anwesenheit geht wahrscheinlich auf einen Bibelspruch zurück, der sich im Alten Testament, dem älteren Teil der Bibel findet. Dort steht geschrieben: „Noch immer hat ein Ochse seinen Besitzer gekannt und ein Esel den Futtertrog seines Herrn – Israel hat nichts erkannt, uneinsichtig ist mein Volk.“ (Jesaja 1,3)*. Symbolisch steht er Ochse für das Judentum bzw. für die Juden an sich. Doch ein Ochse kommt nicht allein! Dazu erfahrt ihr im 3. Türchen mehr!

Die Rückseite der Münze zeigt einen Weihnachtsbaum mit Schriftbändern (Krippensammlung, Museum Burg Posterstein, VI109 K6/Ri).

Eine schöne Darstellung des Ochsen in der Krippe finden wir auf diesem Krippentaler, einer Silbermünze, die 1986  vom Hersteller „Euro Mint“ geprägt wurde. Die Reliefprägung zeigt auf der einen Seite die Geburtsszene im Stall (Bild ganz oben), die Rückseite der Münze einen Weihnachtsbaum mit Schriftbändern.

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*Übersetzung nach Zürcher Bibel, 2007.

1. Tierchen – Digitaler Adventskalender

digitaler Adventskalender Burg Posterstein Tür 1
Weihnachtskrippen-Karte aus der Sammlung des Museums Burg Posterstein
Für das Schaf haben wir diese kleine Karte aus der Krippensammlung des Museums Burg Posterstein ausgesucht. (Krippensammlung Museum Burg Posterstein, Krippe VI 170 K6/Ri)

Das Schaf – Schafe sind die klassischen Tiere einer Weihnachtskrippe! Sie spielen in der biblischen Weihnachtsgeschichte keine große Rolle. Ihre Hirten allerdings schon. Sie waren einfache, meist arme Menschen. Ihnen wurde beim Hüten der Schafe von einem Engel die Geburt Jesu verkündet. So steht es im traditionellen Weihnachtsevangelium nach Lukas (2, 1-20) geschrieben: “Und es waren Hirten in jener Gegend auf freiem Feld und hielten in der Nacht Wache bei ihrer Herde.” (Lukas 2, 8)* Die Hirten liefen darauf hin zur Krippe und fanden dort das Jesuskind.

Das Schaf hat viele Bedeutungen im Christentum. Zum einen steht es für die Hirten, denen die Geburt Christi verkündet wurde. Zum anderen wird Jesus selbst oft als „guter Hirte“ bezeichnet. Die Herde, die er behütet, ist die Christenheit.

Für das Schaf haben wir diese kleine Karte aus der Krippensammlung des Museums Burg Posterstein ausgesucht. Die Applikationen wurden aus Bast, Filz und Goldpapier hergestellt. Die Hirten ziehen mit ihren Schafen nach Bethlehem.

Wen sie wohl im 2. Türchen unseres Adventskalenders auf ihrem Weg treffen werden?

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*Übersetzung nach Zürcher Bibel, 2007.

Der digitale Adventskalender

Burg Posterstein mit Schaf aus Weihnachtskrippe

Mehr als nur Ochse, Esel, Schaf und Stier!

Ab 1. Dezember 2020 präsentieren wir hier in der digitalen Weihnachtskrippen-Ausstellung jeden Tag ein Tier aus einer Weihnachtskrippe.

Für viele Menschen gehören sie zum Weihnachtsfest dazu: Weihnachtskrippen! Ob gekauft oder selbst gebastelt, ob aus Holz, Stroh, Ton oder Papier, ob ganz klassisch oder kunterbunt und ausgefallen: Weihnachtskrippen haben eine lange und vielfältige Tradition.

24 Tage – 24 Tiere bis Weihnachten!

Neben der Heiligen Familie und den drei Weisen aus dem Morgenland spielen auch die unterschiedlichsten Tiere eine wichtige Rolle in den Darstellungen.

Um euch die Zeit bis Weihnachten etwas zu verschönern möchte sich das Museum Posterstein in diesem Jahr den tierischen Gästen der Weihnachtskrippen widmen und sie euch nach und nach vorstellen.

Und wer möchte, kann sich an jedem Adventssonntag einen neuen Bastelbogen herunterladen, ausdrucken und so seine ganz eigene tierreiche Weihnachtskrippe zum Fest gestalten!

Zu Thorvaldsens Weihnachtsfeier gab es den ersten Weihnachtskobold

Neben bunten Krippen aus aller Welt gehören einige kleine, meist rote, skandinavische Weihnachtskobolde zur Weihnachtskrippen-Sammlung im Museum Burg Posterstein. In Dänemark und Norwegen nennt man sie “Nisser”, in Schweden “Tomte”. Hier haben wir sie schon einmal kurz vorgestellt. Nun soll es darum gehen, was diese Kobolde mit dem berühmten Bildhauer Berthel Thorvaldsen zu tun haben.

Bertel Thorvaldsen: Bertel Thorvaldsen mit der Göttin der Hoffnung, 1859, (ausgeführt von H.W. Bissen nach dem Originalmodellen 1. oktober 1839, inv. nr. Nysø1), inv. nr.: A771, Thorvaldsen Museum, CC0-Lizenz
Bertel Thorvaldsen: Bertel Thorvaldsen mit der Göttin der Hoffnung, 1859, (ausgeführt von H.W. Bissen nach dem Originalmodellen 1. oktober 1839, inv. nr. Nysø1), inv. nr.: A771, Thorvaldsens Museum, CC0-Lizenz

Eigentlich nur ein kleines Detail bei der Recherche skandinavischer Weihnachtsbräuche, das uns aber fasziniert hat: In früheren Jahrhunderten galten “Nisser” oder “Tomte” als mehr oder weniger grimmige Untermieter von Bauernhöfen, die es bei Laune zu halten galt. Erst im 19. Jahrhundert, als die Menschen in die Städte zogen, entstand im Bürgertum die Vorstellung vom gemütlichen und freundlichen weihnachtlichen Kobold, der dem Weihnachtsmann bei der Arbeit zur Hand geht. Und hier lässt sich interessanterweise der Bogen zum Postersteiner Lieblingsthema – Salonkultur – schlagen.

Bei einem Weihnachtsfest des dänischen Malers Constantin Hansen 1836 in Rom tauchte laut einem Interview mit Charlotte S H Jensen in der Zeitschrift Videnskab.dk das erste Mal das Bild eines freundlichen “Julenisse” auf. Dort dekorierte man zum ersten Mal nachweislich mit kleinen Kobolden aus Papier, die um eine Schüssel Milchreis tanzten. Zu Gast waren an diesem Weihnachtsabend auch der Künstler Vilhelm Marstrand und der berühmte Bildhauer Bertel Thorvaldsen.

Constantin Hansen, A Group of Danish Artists in Rome, 1837. 62x74 cm. kms3236, Statens Museum for Kunst
Constantin Hansen, A Group of Danish Artists in Rome, 1837. 62×74 cm. kms3236, Statens Museum for Kunst

In Italien trafen sich in der damaligen Zeit Künstler, Dichter und Denker von Rang und Namen. Im Jahr nach dem oben erwähnten Weihnachtsfest, 1837, malte Constantin Hansen eine Gruppe dänischer Künstler in Rom. Die Männer stehen tief ins Gespräch über die Kunst versunken vor einem Balkon mit der Aussicht auf ihre Hauptinspirationsquelle. Sich selbst portraitierte der Künstler ganz links, Wilhelm Marstrand steht am Balkon (4.v.links). Das Bild gehört zur Sammlung des Statens Museum for Kunst in Kopenhagen.

Vom römisch-dänischen Kobold zum Musenhof Löbichau

Der Bildhauer Thorvaldsen (1770-1844), ständig auf der Reise zwischen Kopenhagen, Italien und anderen europäischen Städten, fertigte bereits Jahre vorher, während eines Italienaufenthalts 1818, zwei Büsten von Wilhelmine von Sagan, der ältesten Tochter Dorothea von Kurlands. Durch eine Liasion mit Metternich konnte sie beim Wiener Kongress maßgeblich mit Einfluss auf die politischen Geschicke der damaligen Zeit nehmen. Sie führte einen Salon in der Wiener Schenkenstraße und einen weiteren in Neapel.

Wilhelmine von Sagan - Gipsbüste nach dem Original von Berthel Thorvaldsen im Museum Burg Posterstein
Wilhelmine von Sagan – Gipsbüste nach dem Original von Berthel Thorvaldsen im Museum Burg Posterstein
Bertel Thorvaldsen: Wilhelmine Benigna Biron, 1818, Afstøbning. Gips. 58 cm, Thorvaldsens Museum, Inv.-Nr.: A811
Die klassische Frisur: Bertel Thorvaldsen: Wilhelmine Benigna Biron, 1818, Afstøbning. Gips. 58 cm, Thorvaldsens Museum, Inv.-Nr.: A811

Thorvaldsen portraiterte die schöne und gebildete Saloniere in zwei Varianten: einmal mit einer klassischen Frisur und einmal mit gelocktem Haar nach der neusten Mode. Von dieser Büste findet sich eine Kopie auch im Museum Burg Posterstein. Der Originaltitel dieser Büste ist “Wilhelmine Benigna Biron, 1818” und sie wurde offenbar zweimal in Marmor gefertigt. Eine dieser Marmorversionen findet sich in den Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden, die andere im Museo Napoleonico in Rom.

Alle Welt traf sich im schönen Italien

Elisa von der Recke (1754-1833), die Schwester Anna Dorothea von Kurlands, lernte Thorvaldsen bereits 1804 in Rom kennen. Er fertigte eine Marmorbüste und eine Kolossalbüste von der Schriftstellerin. Zwischen 1804 und 1806 reiste Elisa von der Recke mit ihrem Freund, dem Dichter Christoph August Tiedge (1752-1841), durch Italien. Auch von Tiedge entstanden Portraits im gleichen Stil. Beide waren Stammgäste im Musenhof Löbichau. In Dresden führte Recke ihren eigenen Salon.

Bertel Thorvaldsen: Elisabeth von der Recke, 1805-1806, Marmor. 69,3 cm, Thorvaldsens Museum, Inv.-Nr.: A852
Bertel Thorvaldsen: Elisabeth von der Recke, 1805-1806, Marmor. 69,3 cm, Thorvaldsens Museum, Inv.-Nr.: A852
CC0 Bertel Thorvaldsen: Christoph August Tiedge, 1805-1806, Originalmodel. Gips. 65 cm, Thorvaldsens Museum, Inv.-Nr.: A240
CC0 Bertel Thorvaldsen: Christoph August Tiedge, 1805-1806, Originalmodel. Gips. 65 cm, Thorvaldsens Museum, Inv.-Nr.: A240

Im Archiv des Thorvaldsen Museum in Kopenhagen gibt es einen Brief von Elisa von der Recke an Berthel Thorvaldsen, datiert auf den 11.8.1810. Er beginnt mit den Zeilen: “Sie lieber Thorvalson gehören zu den Wenigen, von denen ich die schöne Ueberzeugung habe, dass Entfernung des Ortes Ihre Freunden nicht aus Ihrem Gedächtnisse entfernt. Das Andenken der in Ihrem Umgange genossenen Stunden lebt in meiner Seele fort durch herliche Erinnerungen: schenken Sie mir die Freude auch ferner an Ihre fortdauernde Freundschaft glauben zu können. Sorgen Sie dafür, dass meine letzte bei Ihnen abgesetzte Kiste mit den kleinen Marmorbüsten, so bald und so vortheilhaft als möglich, nach Gotha an Herrn Kauffmann Wilhelm Buttstädt für mich gesandt werde.”


Salongeschichte auf Burg Posterstein

Die drei beschriebenen Personen – Wilhelmine von Sagan, Elisa von der Recke und Christoph August Tiedge – werden auch in der Dauerausstellung des Museums und im aktuellen Buch “Salongeschichten. Paris – Löbichau – Wien” vorgestellt. Weitere Infos zur Sammlung.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Mit Christuskind, Hirten, Ochs und Esel: Aus der Geschichte der Weihnachtskrippen

In der Adventszeit erobert die Weihnachtskrippensammlung die Burg Posterstein, die hier traditionell schon seit fast 20 Jahren jedes Jahr im Dezember gezeigt wird. Gerade laufen die Vorbereitungen für die diesjährige Ausstellung auf Hochtouren und die Sammlung bekommt sogar noch Zuwachs. Das wollen wir zum Anlass nehmen, um tiefer in die Geschichte der Krippen einzutauchen – mit Auszügen aus unserer Publikation “Weihnachtskrippen – Sammlung Riewe”.

“Ihr Kinderlein kommet …” – woher stammt die Weihnachtskrippe?

Die Vielfalt der Krippendarstellungen ist ungemein - Sammlung Riewe im Museum Burg Posterstein
Die Vielfalt der Krippendarstellungen ist ungemein – Sammlung Riewe im Museum Burg Posterstein

Wenn wir an Weihnachtskrippen denken, sehen wir vor dem inneren Auge das in ein Tuch gewickelte Jesuskind in einer Futterkrippe im Stroh liegen, daneben die Eltern, die Hirten und die drei heiligen Könige im Stall von Bethlehem. Diese umfassende Darstellung der Geburt Jesus Christus gründet auf einer langen Tradition: Im Jahre 313 nach Christus ließ Kaiser Konstantin der Große das Weihnachtsfest einführen und die Geburt Christi auf den 25. Dezember festschreiben. Der Tag war in der römisch-heidnischen Religion jener Zeit bis dahin dem Fest der unbesiegbaren Sonnengottheit, Sol invictus, geweiht. An deren Stelle trat nun die christliche “Sonne der Gerechtigkeit”, wie der Sammler Jürgen P. Riewe es ausdrückte.

In den Weihnachtsspielen des Mittelalters stand die Krippe im Mittelpunkt

Blick in die Krippensammlung von Jürgen P. Riewe im Museum Burg Posterstein
Blick in die Krippensammlung von Jürgen P. Riewe im Museum Burg Posterstein

Im Jahre 354 nach Christus ließ Bischof Liborius in Rom eine Basilika mit einer Krippenkapelle errichten. In den Weihnachtsspielen des Mittelalters stand die Krippe im Mittelpunkt. Barbara Kruhöffer folgert in ihrem Buch “Weihnachtskrippen der Völker”: “Die Tatsache, daß die Weihnachtskrippe an so vielen Orten fast gleichzeitig aufgetreten ist, macht deutlich, daß sie Vorformen hatte, die generell verbreitet waren und folgerichtig zur Krippe führten.”

Mit Beginn des Barock stellten die Kirchen in Bayern bereits prunkvolle Krippen auf, an denen das Volk Opfergaben niederlegte. Im 16. und 17. Jahrhundert schmückten Krippen den bayrischen Hof und bald auch die Weihnachtsstuben der Bürger. Das 17. und 18. Jahrhundert sah die Hochblüte der Krippenkunst.

Schädliche Kinderbelustigung oder fester Brauch?

Keramikkrippe aus Frankreich - Sammlung Riewe, Museum Burg Posterstein.
Keramikkrippe aus Frankreich – Sammlung Riewe, Museum Burg Posterstein.

Gegen den Brauch, Krippen aufzustellen, vermochte auch die Aufklärung nicht mehr viel, als sie ihn im Jahre 1803 als „schädliche Kinderbelustigung“ verurteilte. Ein Verbot 1792 erlassenes Verbot der Krippenaufstellung in den Kirchen musste nach dem Volkswillen bereits 1804 widerrufen werden. Heimlich aufgestellte Krippen in den Bürgerhäusern waren längst fester Brauch.

“Die Vielfalt der Krippen in Form, Farbe und Material lässt sich nicht einmal erahnen. Berühmte Maler und Bildhauer schufen Krippendarstellung von unschätzbarem Wert. Die Zahl der Krippenausstellungen geht ins Unermeßliche.”, schreibt Jürgen P. Riewe. – Einen Teil dieser Vielfalt konnte er in seiner Krippensammlung festhalten – zu sehen ab 1. Dezember, 15 Uhr, im Museum Burg Posterstein.

Die Postersteiner Krippensammlung

Ausstellungsplakat: Weihnachtskrippen Sammlung Riewe (Museum Burg Posterstein)
Ausstellungsplakat: Weihnachtskrippen Sammlung Riewe (Museum Burg Posterstein)

Jürgen P. Riewe und Carolin Riewe aus Hannover übergaben dem Museum Burg Posterstein 1994 ihre Krippensammlung, die die ganze Vielfalt der Darstellung der Geburt Christi in über 340 Exponaten zeigt. Dazu gehören auch eine Bibliothek und ein volkskundliches Archiv zum Thema.

Noch bevor die Exposition 1994 das erste Mal im Museum Burg Posterstein gezeigt wurde, hatten sich die Sammler, angeregt durch persönliche Begegnungen entschlossen, ihre Sammlung dem Museum Burg Posterstein zu stiften. Jürgen P. Riewe starb im Oktober 2007. Die Krippenausstellung ist jedes Jahr in der Weihnachtszeit im Museum zu sehen.

Im Video von TV-Journalist Gunter Auer zur Krippenausstellung im vergangenen Jahr finden sich auch Archivaufnahmen der Lesungen von Jürgen P. Riewe:

Im Dezember 2013 erhält das Museum Burg Posterstein eine weitere, umfangreiche Krippensammlung – abermals gestiftet von einer Sammlerin aus Hannover. Wir freuen uns sehr, danken der Sammlerin für ihr Vertrauen und verraten in einem nächsten Blogpost bald mehr.

Weihnachten in der Kirche und Burg Posterstein

Detail des barocken Schnitzwerkes in der Burgkirche Posterstein (Foto: Museum Burg Posterstein)
Detail des barocken Schnitzwerkes in der Burgkirche Posterstein (Foto: Museum Burg Posterstein)

Von 1. Dezember bis 5. Januar zeigt das Museum Burg Posterstein eine Auswahl Weihnachtskrippen aus der Sammlung Riewe.
An Heiligabend, 17 Uhr, lädt die Kirchgemeinde Nöbdenitz, zu der auch die Kirche Posterstein gehört, zur Christvesper und zum Krippenspiel mit Pfarrer Wiegand in die Burgkirche ein. Aktuelle Infos zu kirchlichen Veranstaltungen in Posterstein gibt es auf der neuen Facebook-Seite “Evangelisch im Sprottental”.

Zum Weiterlesen:
Blogpost “Magische Nächte zwischen Weihnachten und Dreikönigstag – Weihnachten im Mittelalter”
Im Museum erhältlich: Das Heft Weihnachtskrippen – Sammlung Riewe. Klaus Hofmann. Museum Burg Posterstein, 1995 (Preis: 2,50 Euro)

(Von Marlene Hofmann)