Landschaft nach der Wismut

Museum Burg Posterstein | ab 19. März 2020

Diese mitwachsende, digitale Ausstellung “Landschaft nach der Wismut” knüpft an die Sonderausstellung “Landschaft nach der Wismut – Fotografie von Karl-Heinz Rothenberger” (23. Februar bis 19. Juli 2020 im Museum Burg Posterstein) an. Sie begleitet und erweitert die Ausstellung, die wegen der Ausbreitung von COVID-19 derzeit nicht vor Ort angeschaut werden kann. Auf dieser Seite stellen wir nicht nur die Ausstellungsidee und den Fotografen vor, sondern beleuchten die Geschichte des Uranerzabbaus in Thüringen und Sachsen in einer Reihe von Blogposts.

Die digitale Ausstellung wächst im Laufe der Wochen – neue Inhalte werden nach und nach veröffentlicht. Die Schau ist auf Nachhaltigkeit ausgelegt und will die Informationen langfristig und über die Sonderausstellung hinaus einem interessierten Publikum zugänglich machen.

Blick in die Foto-Ausstellung:

Der Landshuter Fotograf Karl-Heinz Rothenberger hielt von der Wismut geformte Landschaften auf eindrucksvollen Fotografien fest. Dreißig Jahre nach dem Ende des Uranbergbaus zeigt die Fotoausstellung die ehemaligen Tagebau-Orte von der Rekultivierung bis heute. Die nächsten Slides geben einen Einblick in die Ausstellung.

Der Landshuter Fotograf Karl-Heinz Rothenberger hielt von der Wismut geformte Landschaften auf eindrucksvollen Fotografien fest. Dreißig Jahre nach dem Ende des Uranbergbaus zeigt die Fotoausstellung die ehemaligen Tagebau-Orte von der Rekultivierung bis heute. Die nächsten Slides geben einen Einblick in die Ausstellung.

Der Landshuter Fotograf Karl-Heinz Rothenberger hielt von der Wismut geformte Landschaften auf eindrucksvollen Fotografien fest. Dreißig Jahre nach dem Ende des Uranbergbaus zeigt die Fotoausstellung die ehemaligen Tagebau-Orte von der Rekultivierung bis heute. Die nächsten Slides geben einen Einblick in die Ausstellung.

Unbekanntes Terrain

Bis 1998 wusste Karl-Heinz Rothenberger nichts vom Uranabbau in Sachsen und Thüringen und dessen Bedeutung für das sowjetische Atomprogramm während des Kalten Krieges im letzten Jahrhundert.

16 Foto-Exkursionen

Der Fotograf besuchte erstmals die „Wismutlandschaft“ im April 1998 im Rahmen einer Ärzte-Tagung in Gera. Beeindruckt von der Herausforderung der Sanierung begab er sich bis Oktober 2019 insgesamt über sechszehnmal auf Exkursion, jeweils mit kundiger Führung durch einen Vertreter der Wismut GmbH.

Sicht von außen

Sein unvoreingenommener fotografischer Blick ist deshalb die Sicht von Außen auf die in ihrer Dimension bisher einmalige Sanierung einer durch Uran-Bergbau zerstörten Landschaft.

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Der Fotograf Karl-Heinz Rothenberger

Geboren 1945 in Landshut, studierte Karl-Heinz Rothenberger Medizin in München und Zürich. Nach Assistenzarztjahren in der Inneren Medizin und Chirurgie wendete er sich der Urologie zu. Nach fundierter Facharztausbildung konzentrierte er sich als Oberarzt vermehrt auf operative Techniken und wissenschaftliche Forschung, z. B. der damals brandneuen Lasertechnik. 1983 kehrte er als Chefarzt in seine Heimatstadt zurück und gründete die Urologische Klinik.

Parallel dazu widmete sich Rothenberger schon früh der Fotografie, so beteiligte er sich bereits 1967 mit zwei Arbeiten an der Ausstellung des Deutschen Jugendfotowettbewerbs in Düsseldorf. Inzwischen hat sich der Künstler und Arzt ganz auf die Schwarz-Weiss-Fotografie in analoger Kleinbildtechnik fokussiert. Früher kamen Spiegelreflexkameras zum Einsatz, jetzt hat die Leica M7 Priorität.

„Subjektiv durch das Objektiv“ und „Gesehen mit den Augen des Fotografen“ sind frühe Programmpunkte im Schaffen Karl-Heinz Rothenbergers. Sie beinhalten auch die Wahrhaftigkeit in der Fotographie, die nachträgliche Manipulation des einmal festgehaltenen Augenblicks wird abgelehnt.

In der Regel unterbleiben selbst Ausschnittsvergrößerungen, sichtbar am demonstrativen Leica-Rahmen. Die Sichtweise Rothenbergers ist neugierig und interessiert, aber auch einfühlend und wohlwollend, nie verletzend und indiskret.

Neben industriellen und handwerklichen Arbeiten stehen die Darstellung der menschlichen Persönlichkeit und landschaftliche Formen in der Themenliste obenauf, gesehen in Einzelausstellungen von Wien über München, Berlin bis Algund/Italien und Herrmannstadt/Rumänien, sowie einer Gruppenausstellung in Hamburg.

Acht Kalender, sieben Bücher sowie Zeitschriftenbeiträge runden den Arbeitskatalog ab.

Text und Medienkontakt für Karl-Heinz RothenbergerMonika Georgieff


Der Fotograf Karl-Heinz Rothenberger im Interview zur Online-Ausstellung “Landschaft nach der Wismut”

Karl-Heinz Rohenberger im Gespräch mit Direktor Klaus Hofmann
© Foto: Gunter Auer, Screenshot aus dem Video der Vernissage

Wie kam es zu dieser außergewöhnlichen Kombination Arzt und Fotograf? Was reizt Sie zu fotografieren und wie arbeiten Sie? Kannten Sie die Geschichte des ostdeutschen Uranbergbaus, bevor Sie dieses Fotoprojekt in Angriff nahmen? Was war letztlich Ihre Motivation? Diese und ähnliche Fragen beantwortet der Fotograf Karl-Heinz Rothenberg in diesem Interview mit Museumsdirektor Klaus Hofmann.

Wie kam es zu dieser außergewöhnlichen Kombination Arzt und Fotograf?

Karl-Heinz Rothenberger:
„Ein Arzt, der kein Künstler ist, ist auch kein Arzt“. Dieses Zitat von Curt Goetz trifft den Nagel auf den Kopf, man denke nur an Carl Gustaf Carus, Anton Tschechow, Conan Doyle und viele mehr. Natürlich ist für ein Berufsleben die ärztliche Kunst alleine schon erfüllend.

Mein Vater schenkte mir mit 14 Jahren die erste Kamera. In der Schule dann der Fotokurs mit der Beschäftigung in der Dunkelkammer und die erste schuleigene Spiegelreflexkamera Pentacon F (VEB Zeiss Ikon Dresden). Bei der Frage Medizinstudium  oder Fotografenlehre entschied ich mich für ersteres.

Sie haben seit 1967 verschiedene Fotoprojekte realisiert. Meist ist Ihre Sicht  dokumentarisch. Was reizt Sie zu fotografieren und wie arbeiten Sie? Welche fotografischen Mittel und welche Technik wenden Sie an?

Am Anfang steht immer die Neugier, den Blick zu schärfen und das Gesehene festzuhalten, anderen Menschen meinen subjektiven Blick durch das Objektiv zu ermöglichen. Ich arbeite in analoger Technik mit der Kleinbildsucherkamera (Leica) in Schwarzweiß.

Was war bisher für Sie Ihr interessantestes Fotoprojekt? Wo haben Sie schon ausgestellt?

Mensch und Technik faszinieren mich ähnlich wie Natur und Kultur.

Über viele Jahre habe ich neben der Wismut alle Wartungen und Arbeitsschritte von Kernkraftwerken und jetzt den Rückbau beobachtet.

Über 100 Ausstellungen vom Pergamon Museum in Berlin bis zur Burg Posterstein zeigen meine Themenvielfalt auf.

Zu Ihrer Ausstellung im Museum Burg Posterstein – Sie zeigen von der Wismut geformte Landschaften auf eindrucksvollen Fotografien. Kannten Sie die Geschichte des ostdeutschen Uranbergbaus, bevor Sie dieses Fotoprojekt in Angriff nahmen? Was war letztlich Ihre Motivation?

Das Fotoprojekt startete anlässlich einer Führung im Jahre 1998, die mir Zugang zur Geschichte gewährte. Eine faustisch anmutende Veränderung der Landschaft die ein Sperrgebiet in eine Erholungslandschaft umwandelt, ist das keine Motivation? Die Bilder sollten auch die Erinnerung bewahren helfen.

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Vernissage im Museum Burg Posterstein am 23. Februar 2020
© Ein Video-Bericht von Gunter Auer, Altenburg

Wie oft waren Sie im Bergbaurevier- und wie liefen die Exkursionen ab?

Großer Dank gilt der Wismut und den mich begleitenden Mitarbeitern. Ich durfte das gesamte Gelände besuchen und lernte viel über die Geschichte, menschliche Schicksale, Bergbau, Geologie und Renaturierung. Insgesamt konnte ich das Bergbaurevier sechzehnmal besuchen, zuletzt im Oktober 2019.

Was hat Sie besonders beeindruckt und worüber waren Sie besonders schockiert?

Der Mensch erlebt Höhen und Tiefen, schockiert sein ist nicht ziemlich. Nachdenklich werden ist angemessen und könnte helfen aus der Geschichte zu lernen.

Wollen Sie die Serie in Zukunft noch fortsetzen?

Ja, sehr gerne.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Fotots von Karl-Heinz Rothenberger kaufen: Fine Art Baryt-Abzüge der Fotos von Karl-Heinz Rothenberger können über Monika Georgieff bestellt werden.


Aus der Geschichte:

Die Geschichte des Kurbads Ronneburg

Kurbad Ronneburg - Sammlung Museum Burg Posterstein

Grundlage des einstigen Kur- und Badebetriebes im Thüringischen Ronneburg waren radiumhaltige Quellen, von denen man schon seit dem 17. Jahrhundert Kenntnis besaß. Als Hauptquellen galten die Schwefel- und Rosen(Raaßen)quelle und die Eulenhofer Quelle im Brunnenholz, deren Wasser eisen-, magnesium-, calcium- und radiumhaltig ist.

“Abbildung der Stadt Ronneburg im Fürstenthum Altenburg nebst denen nahe dabey befindlichen mineralischen Brunnen, dazu gehörigen Gebäuden, Lusthäusern, Hütten und Spaziergängen nebst dasiger Gegend wie solche von der Mittagsseite gegen Mitternacht anzusehen” (Sammlung Museum Burg Posterstein)

Im 18. und 19. Jahrhundert entwickelte sich ein reger Kur- und Badebetrieb mit der Anlage von Promenaden, Parkanlagen und dem Bau von Kurhäusern. (1) In seiner Blütezeit war Bad Ronneburg ein bekannter Kurort, in dem drei Badeärzte die Gäste empfingen und ihnen je nach Krankheit Diätvorschriften und medizinische Empfehlungen gaben.

Der Arzt und Mineraloge, Brunnenarzt und Geheime Hofrat Friedrich Gabriel Sulzer stammte aus einer Gothaer Arztfamilie, sein Vater Johann Caspar Sulzer (1716–1799) war Leibarzt und Hofrat bei Herzog Friedrich III. (1699–1772). Friedrich Gabriel Sulzer studierte in Göttingen Medizin und Naturgeschichte. Er promovierte 1768 und bereiste England, Holland und Frankreich. In Gotha beschäftigte er sich neben der Medizin auch mit Tierheilkunde. In Altenburg wirkte Sulzer als Direktor des 1763 gegründeten Hebammen-Lehrinstituts. 1779 wurde ihm das Amt eines herzoglichen Brunnenarztes in Ronneburg übertragen. Bereits 1804 wählte man ihn zum Reisebegleiter und Arzt des kranken Prinzen Friedrich (1774–1825). In Ronneburg setzte er seine Forschungsarbeiten bis ins hohe Alter fort. Als hoch geehrter Bürger Ronneburgs, bekannt mit wichtigen Vertretern seines Fachs und auch mit Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832), zählte Sulzer zu den gern gesehener Gästen am Löbichauer Musenhof und wurde Leibarzt der Herzogin von Kurland. Er reiste oft mit ihr, Elisa von der Recke und Tiedge nach Karlsbad, wo er 1813 den verwundeten Theodor Körner (1791–1813) behandelte. (2)

Die Medicin schmeckt selten gut / Den Arzt ein jeder lieben thut“, dichtete der Maler Ernst Welker (1784–1857), Zeichenlehrer der Enkelin Dorothea von Kurlands, um 1819 und zeichnete Sulzer als Medizinflasche. (3) | Die Zeichnung aus der Sammlung des Museums Burg Posterstein gibt es zum hochauflösenden Download auf Wikimedia Commons.

„Immer bedeutender wurde der Kurort, namentlich unter der vorzüglichen Leitung des Brunnenmedicus Dr. Sulzer, der 1779 fest angestellt wurde. Die herzogliche Kammer kaufte zwei vollständige eingerichtete Häuser in der Friedrichstraße zum Aufenthaltsorte für die Fremden. Im Jahre 1784 wurde das neue Traiteurhaus mit Spiel-, Gast- und Fremdenzimmern und einem großen Saale erbaut. Während man bisher auf den einzelnen Zimmern gebadet hatte, wurde in einem in der Nähe neu angekauften Hause ein vollständiges Badehaus mit Wannen, Douche und Sturzbädern eingerichtet. Das Wasser wurde vermittels Pumpwerk zugeleitet. Einen Begriff von dem großen Verkehr können wir uns machen, wenn wir hören, daß schon nach einigen Jahren dieses Badehaus den daran gestellten Anforderungen nicht genügte und im Jahre 1803 ein neues errichtet werden mußte, zugleich wurde für den Bau hinreichender Stallungen gesorgt […].”

Dr. med. W. Henry Gilbert, 1893 (4)

Hans Wilhelm von Thümmels Einfluss auf das Kurbad

Sowohl Johann Freiherr von Rothkirch und Trach als auch sein späterer Schwiegersohn Hans Wilhelm von Thümmel (1744-1824) setzten sich für den Ausbau der Badeanlagen ein. Im Journal des Luxus und der Moden 1797 berichtete ein Redakteur, dass er sich über die Zustände im zu stark ausgelasteten Bad mit Hans Wilhelm von Thümmel unterhalten habe:

„Dieser vortreffliche thätige Mann, welchen die dortigen guten Anstalten schon so viel zu verdanken haben, hat mir die Stelle schon gewiesen, wo noch neue Gebäude theils zu Wohnungen für fremde Badegäste, theils für mehrere Bäder, angelegt werden sollen. Nicht minder wird er auf meinen Vorschlag auch ein kleines Haus in der Nähe der Wohnungen aufbauen lassen, in welchem das Wasser zum Baden für diejenigen gewärmt werden soll, welche gewohnt sind, auf ihren Zimmern in Wannen zu baden.“

Journal des Luxus und der Moden, 1797 (5)
Der Sachsen-Gotha-Altenburgische Minister Hans Wilhelm von Thümmel (Museum Burg Posterstein)
Der Sachsen-Gotha-Altenburgische Minister Hans Wilhelm von Thümmel (Sammlung Museum Burg Posterstein)

Unter der Leitung von Hans Wilhelm von Thümmel, „der am Ende des vorigen und Anfang des jetzigen Jahrhunderts so viel zur Verschönerung des Bades beitrug“ (6), entstand 1803 das erwähnte „neue Badehaus“, das „zuerst von der Frau Herzogin Dorothea von Curland bezogen“ wurde.

Vornehme Gäste des Kurbads

„Sein Erdgeschoß ist gewölbt und in ihm finden sich vier Bäder in kupfernen und lackirten Wannen, etwas länger und weiter wie im alten und ohne Douchevorrichtung, an jedem steht ein Ankleidezimmer und eine Ottomane für den Fall, daß man nach dem Bade etwas ruhen wollte. Das kalte Wasser geht durch Röhren aus den Quellen sogleich und das warme unmittelbar aus den Pfannen in die Bäder, und der Badende kann diese Röhren öffnen und verschließen und sich also die Temperatur des Wassers selbst dirigiren. Auch in diesem Hause können Fremde 14 sehr gut möblirte Zimmer zur Wohnung erhalten.“

Nachrichten vom Mineralbad zu Ronneburg, 1857 (7)
Anna Dorothea von Kurland
Portrait der Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761-1821) aus der Sammlung des Museums Burg Posterstein

Auch die Gothaer Herzöge nutzten das Kurbad Ronneburg. Nicht nur Herzog August Emil Leopold (1772–1822) blieb hier 1818 mehrere Wochen. (8) Schon sein Großvater Friedrich III. (1699–1776) versuchte hier sein Gichtleiden zu kurieren und hielt sich beispielsweise 1769 mehrere Monate dort auf. Eine zeitgenössische Zeitschrift berichtete:

Friedrich III. Herzog von Sachsen-Gotha, findet so viel Vergnügen an den Gesundbrunnen zu Ronneburg, daß er mit einem ansehnlichen Gefolge den 13. Jun. von Gotha dahin abgereiset ist, welchem der Erb-Prinz, die Erbprinzeßin nachgefolget sind. Er ist den ganzen Sommer über bey leidlicher Gesundheit daselbst geblieben, und allererst den 5. Sept. von Ronneburg wieder abgereiset. Es hat diese Zeit über daselbst nicht an mancherley Lustbarkeiten gefehlt, sonderlich als sich der Englische Herzog von Gloucester etliche Tage daselbst aufhielte. Es hat sich auch der Prinz August aus Holland und andere Personen vom Hochfürstl. Hause eine Zeitlang allda befunden.“

Fortgesetzte Neue Genealogisch-historische Nachrichten von den Vornehmsten Begebenheiten, welche sich an den Europäischen Höfen zugetragen,worin zugleich vieler Stands-Personen Lebens Beschreibungen vorkommen, 1771 (9)

Auf ihrer Italienreise 1771/72 trafen Prinz August (1747–1806) und Thümmel auch den erwähnten William Henry, Herzog von Gloucester und Edinburgh (1743–1805), Neffe Friedrich III. von Sachsen-Gotha-Altenburg, in Florenz wieder. (10)

 Die Mineralquelle in Ronneburg, Foto um 1900, Sammlung Museum Burg Posterstein
Die Mineralquelle in Ronneburg, Foto um 1900, Sammlung Museum Burg Posterstein

Der Niedergang des Kurbetriebs

Im 20. Jahrhundert folgte der Niedergang des Kurbetriebes bis zur vollständigen Einstellung. Ende der 1940er Jahre begann der Uranbergbau mit systematischer Lagerstättensuche und Abbau bis 1991. Nach der Einstellung des Bergbaus begannen umfangreiche Rekultivierungsmaßnahmen zur Wiederherstellung der zerstörten Landschaft.

Diese Geschichte erzählen wir in den nächsten Teilen der Blogreihe zur virtuellen Ausstellung “Landschaft nach der Wismut”. Wenn Sie selbst historische Fotos und Ansichten des Kurbads besitzen, freuen wir uns, wenn Sie diese digital mit uns teilen.

Text & Recherche: Marlene Hofmann, erschienen im Buch:

“Im Dienste der Ernestiner” – Umfangreiche Biografie Hans Wilhelm von Thümmels:

Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister, Museum Burg Posterstein 2016
168 Seiten, farbig, ISBN 978-3-86104-136-8, 20.00 Euro. Die Thümmelschen Karten sind dem Katalog auf DVD beigelegt.

Erhältlich im Museum, auch per Post. Bestellung via (034496) 22595 oder museum@burg-posterstein.de.


Quellen und Literatur:

( 1 )
Vgl. Dobeneker, R.: Aus der Vergangenheit von Stadt und Pflege Ronneburg, Ronneburg 1899, S. 53f.

(2)
Vgl. Petzsch, Hans Dr. (Hrsg.): F. G. Sulzer – Versuch einer Naturgeschichte des Hamsters, Hannover Berlin-Zehlendorf 1949, S. 135–157.

(3)
Vgl. Museum Burg Posterstein (Hrsg.): Salongeschichten Paris – Löbichau – Wien. Gäste im Salon   der Herzogin von Kurland im Portrait des Malers Ernst Welker, Posterstein 2015, S. 90.

(4)
Gilbert, Dr. med. W. Henry: Der Kurort Ronneburg, Wien Leipzig 1893, S. 12–13.

(5)
Journal des Luxus und der Moden, Jahrgang 12 [Oktober 1797], Badechronik, S. 516–517.

(6)
Becker-Laurich, Dr. Carl A. (Hrsg.): Nachrichten vom Mineralbad zu Ronneburg, Erstes Heft, I. Die Geschichte der Heilquellen von ihrem ersten Bekanntwerden bis in die neueste Zeit, Ronneburg 1857, S. 31.

(7)
Becker-Laurich, Dr. Carl A. (Hrsg.): Nachrichten vom Mineralbad zu Ronneburg, Erstes Heft, I. Die Geschichte der Heilquellen von ihrem ersten Bekanntwerden bis in die neueste Zeit, Ronneburg 1857, S. 50.

(8)
Vgl. Dobeneker, R.: Aus der Vergangenheit von Stadt und Pflege Ronneburg, Ronneburg 1899, S. 53f.

(9)
Fortgesetzte Neue Genealogisch-historische Nachrichten von den Vornehmsten Begebenheiten, welche sich an den Europäischen Höfen zugetragen,worin zugleich vieler Stands-Personen Lebens Beschreibungen vorkommen, Besondere Nachrichten von einigen regierenden Fürsten, 1769,  Teil 109, Leipzig 1771, S. 24.

(10) Thümmel, Hans Wilhelm von: Historische, statistische, geographische und topographische Beyträge zur Kenntniß des Herzogthums Altenburg, Altenburg 1818, zweiter Abschnitt, S. 68.


Der Uranbergbau in Sachsen und Thüringen

Blick auf die Kegelhalden Paitzdorf und Reust bei Raitzhain, 1996 ©Foto, Jens-Paul Taubert, Altenburg
Blick auf die Kegelhalden Paitzdorf und Reust bei Raitzhain, 1996 ©Foto, Jens-Paul Taubert, Altenburg

Bereits im 17. Jahrhundert wusste man von radiumhaltigen Quellen in Ronneburg in Thüringen. Nach dem 2. Weltkrieg begann die damalige UdSSR mit dem systematischen Abbau von Uranerz. In Thüringen und Sachsen entstand so eines der weltweit größten Uranerzabbaugebiete. Bis 31. Dezember 1990 förderte die SDAG Wismut über 200.000 Tonnen Uran für das sowjetische Atomprogramm.

Die deutschen Chemiker Otto Hahn, Fritz Straßmann und Lise Meitner führten 1938 erstmals eine experimentelle Uran-Kernspaltung durch. Dabei stellten sie fest, dass dabei eine 2,5 Millionen Mal größere Energiemenge, als bei der Verbrennung von Steinkohle freigesetzt wird. Die Erkenntnis legte den Grundstein zur militärischen und zivilen Nutzung der Kernenergie.

Mit den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki am 6. und 9. August 1945 begann ein beispielloses nukleares Wettrüsten zwischen den USA und den NATO-Staaten einerseits und den, von der UdSSR geführten, Ostblockstaaten andererseits. Diese atomare Bedrohung der Menschheit charakterisierte den Zeitraum des „Kalten Krieges“.

Im Herbst 1945 stießen sowjetische Geologen in sächsischen Archiven auf Uranerzlagerstätten

Der Mangel an eigenen Uranvorkommen führte dazu, dass sowjetische Geologen im Herbst 1945 in Deutschland mit der Auswertung historischer Archivunterlagen des sächsischen Erzbergbaus und ersten Erkundungsarbeiten nach Uranerzlagerstätten begannen. Bereits ein Jahr später förderte man unter der Leitung der Sowjetarmee erstes Uranerz aus alten Halden, Stollen und Schächten der Sachsenerz-Bergwerke AG.

1947 wurden die Bergwerksunternehmen der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) in die Staatliche Aktiengesellschaft der Buntmetallindustrie Wismut (SABM) überführt. Damit beglich man Teile der Reparationsansprüche der UdSSR aus dem Zweiten Weltkrieg.

Arbeitskräfte aus der gesamten DDR zwangsverpflichtet

Bis 1954 war die SABM bedingungslos auf Produktion ausgerichtet: Arbeitskräfte aus der gesamten DDR wurden zwangsverpflichtet, Ländereien zwangsverkauft und in Sperrzonen verwandelt sowie ganze Ortschaften devastiert. Unter dem Tarnnamen „Wismut“ entwickelte sich der Betrieb zu einem Staat im Staat, mit eigenem Sicherheitsdienst. 1954 übernahm schließlich die neu gegründete Sowjetisch-Deutsche Aktiengesellschaft Wismut (SDAG) die SABM. Sie blieb bis 1991 zu 50 Prozent Eigentum der UdSSR. Die Grundlagen dafür hatte man 1953 in einem Regierungsabkommen zwischen der UdSSR und der DDR gelegt.

Mit den Jahren verbesserten sich die Arbeitsbedingungen der Kumpel. So gab es beispielsweise ein eigenes Gesundheitssystem mit Krankenhäusern, auch wurden Arbeitsschutzstandards eingeführt. Darüber band man die Bergleute mit Sondervergünstigungen, Spitzenlöhnen und politischer Indoktrination an die Betriebe. Die Teilnahme an sogenannten Parteilehrjahren der SED war obligatorisch. Schnaps-Marken gehörten zur Lohntüte, eigene Läden, Autobestellscheine und Bevorzugung bei der Wohnungsvergabe sollen ebenfalls als Beispiel genannt werden.

Anzahl der Beschäftigten der SDAG Wismut

Bis 31. Dezember 1990 förderte die SDAG Wismut über 200.000 Tonnen Uran für das sowjetische Atomprogramm. Dass die „Wismut“, nach den USA und Kanada, einer der größten Uranproduzenten weltweit war, belegen auch die Zahlen der Beschäftigten:

1947: ca. 51.000
1950: 129.640
1955: 104.466
1960: 51.507
1965: 44.665
1970: 45.121
1975: 44.800
1980: 45.372
1985: 46.052
1990: 32.044

Gesundheits- und Umweltschäden wurden verschwiegen

Über die Verwendung des Urans, die Umweltschäden und vor allem über die gesundheitlichen Risiken für die Beschäftigten und Anwohner der „Wismut“ sowie generell für die Bevölkerung der Region wurde geschwiegen. Bezeichnend dafür ist, dass der Betrieb nie unter der Aufsicht des Staatlichen Amtes für Atomsicherheit und Strahlenschutz stand.

1990 endete mit der deutschen Wiedervereinigung 40 Jahre Uranabbau in Thüringen und Sachsen.

Bahnhof Raitzhain, im Hintergrund die Halden Paitzdorf, 1996
©Foto, Jens-Paul Taubert, Altenburg
Bahnhof Raitzhain, im Hintergrund die Halden Paitzdorf, 1996
©Foto, Jens-Paul Taubert, Altenburg

Am 1972 auf der grünen Wiese errichteten Umsteigebahnhof Raitzhain hielten Doppelstockzüge, die bis 1000 Bergleute befördern konnten. Bis 1980 wurde neben Diesellokomotiven auch noch eine Dampflok auf den Strecken eingesetzt.

Die geologischen Bedingungen

Die Uranlagerstätten Sachsens und Thüringens gehörten, wie die tschechischen Lagerstätten, zum zentralen Teil der westeuropäischen Uranprovinz. Sie sind an variszische, d.h. in der Karbonzeit gefaltete Gesteine des Grundgebirges, oder jüngere Sedimentgesteine des postvariszischen Tafelgebirges gebunden.

Die mit Abstand bedeutendsten geologischen Typen von Uranvorkommen waren die Lagerstätten in Ronneburg und die Ganglagerstätten im Erzgebirge. Aus ihnen gewann die speziell für den Uranbergbau gegründete Sowjetisch-Deutsche Aktiengesellschaft Wismut 86 Prozent ihrer Uranfördermenge.

Die Förderung der Erze erfolgte zum Teil im Tagebau, überwiegend jedoch im Untertagebergbau.

Tagebau Lichtenberg bei Ronneburg, Fotomontage ©Wismut GmbH, 1991
Tagebau Lichtenberg bei Ronneburg, Fotomontage ©Wismut GmbH, 1991

Die SDAG Wismut baute fünf geologische Typen von Uranlagerstätten ab:

  • linsen- und stockwerkartige Lagerstätten in paläozoischen Schiefern, Kalksteinen und Diabasen (Typ „Ronneburg“)
  • hydrothermale Ganglagerstätten (Typ „Schlema“)
  • Sandsteinlagerstätten der Kreide (Typ „Königstein“)
  • flözartige Lagerstätten in kalkig-tonigen Sedimenten des Zechsteins (Typ „Culmitzsch“)
  • uranhaltige Steinkohlenflöze des Rotliegenden (Typ „Freital“)

In der Ganglagerstätte Schlema wurde der Abbau bis in eine Schachtsohle von 1.800 Metern geführt. Anfangs wurde reiches Stückerz in die Sowjetunion transportiert. Später musste man die Erze in Aufbereitungsanlagen zu Urankonzentraten verarbeiten. Zu den bedeutendsten Betrieben dieser Art gehörten Seelingstädt und Crossen. Hier wendete man zunächst mechanische Trennverfahren an, die später durch eine chemische Laugung der Erze ersetzt wurden.

Absetzanlage Culmitzsch, 1991 ©Foto: Jan-Peter Kasper
Absetzanlage Culmitzsch, 1991 ©Foto: Jan-Peter Kasper

1967 erreichte die Uran-Produktion mit 7.100 Tonnen Uran ihren Höhepunkt, bis 1990 ging sie auf ca. 3.000 Tonnen zurück. Im Zuge der Wismut-Sanierung verließ der letzte Container mit Yellow Cake (erste Anreicherungsstufe des Uranerzes) am 28. Oktober 1998 den Wismut-Betrieb in Seelingstädt.

Fässer mit hochkonzentriertem Natur-Uran, Aufbereitungsanlage Seelingstädt, 1992 ©Foto: Jan-Peter Kasper
Fässer mit hochkonzentriertem Natur-Uran, Aufbereitungsanlage Seelingstädt, 1992 ©Foto: Jan-Peter Kasper

In Königstein in Sachsen wird sanierungsbedingt jährlich noch Natur-Uran gefördert und verkauft.

Bergbau Zeitgeschichte im Ronneburger Revier

Bergbaugebiet Schmirchau, Tagebau Lichtenberg, Kegelhalden Paitzdorf und Reust im Hintergrund. ©Fotomontage, Wismut GmbH 1991
Bergbaugebiet Schmirchau, Tagebau Lichtenberg, Kegelhalden Paitzdorf und Reust im Hintergrund. ©Fotomontage, Wismut GmbH 1991

Eine kurze Chronologie

1948
Erkundungsschürfen im Seelingstädter Revier

1950
Entdecken der Lagerstätten Ronneburg im Dorf Schmirchau

1950–1955
Aufschluss der Grubenfelder der Bergwerke Schmirchau, Lichtenberg und Reust

1952
Aufschluss des Tagebaus Ronneburg

1954
Beginn der Aufschlussarbeiten für das Grubenfeld des Bergwerkes Paitzdorf

1955
Aufschluss des Tagebaus Stolzenberg

1958
Aufschluss des Tagebaus Lichtenberg, Untertage-Bergwerk Schmirchau

1960
Errichtung des Uranerzaufbereitungsbetriebes Seelingstädt

1961
Aufschluss des Grubenfeldes Ronneburg-Nord im Bergwerk Paitzdorf

ab 1969
Aufschluss der Grubenfelder Raitzhain und Beerwalde

ab 1974
Aufschluss der Lagerstätte im Bergwerk Drosen

1982
Beginn des Abbaus im Bergwerk Drosen

Weitere Informationen zur Geschichte finden Sie dazu auch auf der Webseite der Wismut GmbH.

Tagebau Stolzenberg, nähe Autobahnabfahrt A 4, Ronneburg, 1960er Jahre
©Foto Ernst Bräunlich, Archiv Museum Burg Posterstein
Tagebau Stolzenberg, nähe Autobahnabfahrt A 4, Ronneburg, 1960er Jahre
©Foto Ernst Bräunlich, Archiv Museum Burg Posterstein

Siehe auch: Geschichte der Wismut-Altstandorte – Videofilm Wismut GmbH

Schloss Löbichau, im Hintergrund links sieht man den Förderturm des Schachtes Drosen.
©Foto Hans Neupert, 1989
Schloss Löbichau, im Hintergrund links sieht man den Förderturm des Schachtes Drosen.
©Foto Hans Neupert, 1989
Löbichau, mit Förderturm des Schachtes Drosen. Der Schacht reichte unmittelbar an den Ort heran.
©Foto Hans Neupert, 1989
Löbichau, mit Förderturm des Schachtes Drosen. Der Schacht reichte unmittelbar an den Ort heran.
©Foto Hans Neupert, 1989
Löbichau, Schacht Drosen, 1990er Jahre
©Foto, Jens-Paul Taubert, Altenburg
Löbichau, Schacht Drosen, 1990er Jahre
©Foto, Jens-Paul Taubert, Altenburg

1991 übernimmt die Bundesrepublik Deutschland den sowjetischen Anteil der SDAG Wismut und überführt den gesamten Betrieb in das Sanierungsunternehmen Wismut GmbH.

©Foto 1996, Jens-Paul Taubert, Altenburg
©Foto 1996, Jens-Paul Taubert, Altenburg

Dieses Thema wird in einem der nächsten Teile der digitalen Begleitausstellung “Landschaft nach der Wismut” behandelt.

Text & Recherche: Klaus Hofmann / Museum Burg Posterstein


Weiterführende Informationen zur Thematik:

URANATLAS, Daten und Fakten über den Rohstoff des Atomzeitalters: Die Altlast der Wismut, Uranbergbau in Sachsen und Thüringen: Fast vergessen, mit Milliardenaufwand saniert, aber immer noch ein Problem, Seite 30/31
Der URANATLAS ist ein Kooperationsprojekt und wird gemeinsam von Le Monde diplomatique, der Nuclear Free Future Foundation, der Rosa-Luxemburg-Stiftung sowie dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland herausgegeben. 1. Auflage: September 2019
Hier geht’s zum Download

Technisches Archiv der Wismut GmbH


Die Pechblende: Eine Untergrundschrift über den Uranbergbau und seine Folgen

Wer kennt den Namen Michael Beleites? In der DDR kannten ihn die wenigsten. Dafür war er der Stasi wohlbekannt und gehörte zu ihren größten Feinden. 

Im Museum Burg Posterstein begegnete der Name Michael Beleites samt einer provisorisch kopierten Schrift Ende 1988. Die DDR lebte noch und schwelgte im Bewusstsein immerwährender Macht und Überlegenheit über den Kapitalismus.

Löbichau, Schacht Drosen, 1990er Jahre ©Foto, Jens-Paul Taubert, Altenburg
Löbichau, Schacht Drosen, 1990er Jahre ©Foto, Jens-Paul Taubert, Altenburg

Plötzlich stellten wir Fragen

Derweil hatten sich kirchliche Gruppen aufgemacht, Missstände aufzudecken und Informationen über Umweltschäden in der DDR zu verbreiten. Und eine dieser Informationsschriften kam von Michael Beleites, der sich in der „Pechblende“ mit den Umweltsünden der Wismut auseinandersetzte. Über Mitglieder des Kirchenkreises Ronneburg erhielten also auch wir die Schrift. Selbstverständlich ganz heimlich und mit der Aufforderung zur sofortigen Rückgabe nach dem Lesen. Das taten wir natürlich auch, aber vor allem dachten wir von nun an viel gründlicher nach: Was ist mit unserem Wasser, was mit dem Teich, in dem so viele Fische schwimmen, mit den Pilzen im Wald? Wie wirkt der ganze Dreck auf den Straßen? Warum sterben so viele Wismut-Bergleute an Krebs? Was macht es mit unseren Kindern, wenn Grundwasser möglicherweise verseucht ist und das nahegelegene Flüsschen Sprotte auch Abwässer des Uranbergbaus ableitete?

Plötzlich sollte auch noch im Tal der Sprotte zwischen Posterstein und Nöbdenitz eine Mülldeponie im Landschaftsschutzgebiet entstehen, obwohl in die geschlossenen Tagebaue der Wismut (und auch in die Tagebaue des Braunkohlebergbaus) offenbar täglich Züge mit Müll aus dem Westen rollten. Glücklicherweise wurde das verhindert.

Die Wende kam dazwischen. Doch die Spuren des Uranbergbaus gibt es bis heute, obwohl die Bundesrepublik Deutschland inzwischen viele Milliarden in die Sanierung gesteckt hat.

Tagebau Lichtenberg ©Fotomontage Wismut GmbH 1991
Tagebau Lichtenberg ©Fotomontage Wismut GmbH 1991

1954 übernahm die neu gegründete Sowjetisch-Deutsche Aktiengesellschaft Wismut (SDAG) den Vorgängerbetrieb. Sie blieb bis 1991 zu 50 Prozent Eigentum der UdSSR. Die Grundlagen dafür hatte man in einem Regierungsabkommen zwischen der UdSSR und der DDR 1953 gelegt. Dieser Vertrag wurde 1962 erneuert und 1975 bis zum Jahr 2000 (!) verlängert.

Die Wismut entwickelte sich zu einem “Staat im Staat”

Die Wismut entwickelte sich im Lauf der Zeit zunehmend zu einem Staat im Staat, mit eigenem Sicherheitsdienst. Die Bergbaugebiete waren für Außenstehende (Nicht-Bergleute) hermetisch abgeriegelt und nicht betretbar, Fotografieren war verboten.

Löbichau mit Förderturm des Schachtes Drosen, in unmittelbarer Nähe des Ortes, nur wenige hundert Meter vom Schloss entfernt.
©Foto Hans Neupert, 1989
Löbichau mit Förderturm des Schachtes Drosen, in unmittelbarer Nähe des Ortes, nur wenige hundert Meter vom Schloss entfernt. ©Foto Hans Neupert, 1989

Die Bergarbeiter wurden mit Sondervergünstigungen, Spitzenlöhnen und politischer Indoktrination an die Betriebe gebunden. Über die Verwendung des Urans, vor allem über die gesundheitlichen Risiken für die Beschäftigten und Anwohner der Wismut sowie über die Umweltschäden wurde geschwiegen.

Nach der Katastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 verbreitete sich überall in Deutschland und Europa die Angst, dass radioaktive Belastungen in der Umwelt zu Gesundheitsschäden führen könnten. In der DDR war das weiterhin kein Thema und Informationen darüber nicht öffentlich zugänglich. So blieben auch die Wismut und der Uranbergbau bis zum Ende der DDR ein Tabuthema, über dessen Umweltbilanz geschwiegen wurde.

Zu sehen aber waren die Ausmaße des Bergbaus für jeden an der zerklüfteten Landschaft, den aufgeschütteten Kegel- und anderen Halden, den Bergwerken, die manchmal bis an die Ortschaften heranreichten und den Bohrtürmen auf den Feldern. Aber über die Möglichkeit, dass von dieser Industrie eine radioaktive Gefahr ausging, wurde die Bevölkerung im Unklaren gelassen. Kritische Fragen zur Problematik wurden meist nicht öffentlich gestellt, gleich gar nicht von den Zuständigen beantwortet oder riefen sofort die Staatssicherheit auf den Plan.

Löbichau, Schacht Drosen, 1990er Jahre ©Foto, Jens-Paul Taubert, Altenburg
Löbichau, Schacht Drosen, 1990er Jahre ©Foto, Jens-Paul Taubert, Altenburg

Unter diesen Bedingungen gründete Michael Beleites, der damalige Präparator am Naturkundemuseum Gera, 1986 eine Umweltgruppe unter dem Dach des Kulturbundes der DDR, um die Thematik zu erforschen. (1)  Es wurde jedoch schnell klar, dass dies ein aussichtsloses Unterfangen war, weil von Anfang an die Staatssicherheit die Aktivitäten kritisch beäugte. Gleiches schreibt beispielsweise auch die damalige Direktorin des Museums in der 1993 erschienenen Publikation zu den Altlasten der Wismut:

„Das vorliegende Jubiläumsheft nimmt sich eines besonders sensiblen Themas der Ostthüringer Region an, der ‚der Altlasten des Uranbergbaus‘. Da dem Museum in der ‚Vorwende-Zeit‘ weder Veröffentlichungen Wismut-relevanter Umweltthemen in der Schriftenreihe noch eine Dauerausstellung der Bodenschätze um Ronneburg in der seit 1984 bestehenden Dauerausstellung erlaubt waren,…“. (2)

Aus der Publikation: Die Altlasten des Uranbergbaus und der Uranerzaufbereitung, Veröffentlichungen des Naturkundemuseums der Stadt Gera, Heft 20, 1993

Beleites entschloss sich deshalb ab 1987 private Recherchen im kirchlichen Rahmen zu beginnen. Er lieh sich eine Videokamera von einer Berliner Umweltgruppe und begann heimlich das Gelände um die Bergbaubetriebe zu filmen. Material daraus wurde schließlich im November 1987 vom SFB in der ARD im Fernsehen gesendet.

Letztlich entstand aus dem gesammelten Material die 60seitige Schrift „Pechblende der Uranbergbau in der DDR und seine Folgen“.

Titelblatt und Inhaltsverzeichnis: „Pechblende der Uranbergbau in der DDR und seine Folgen“
Titelblatt „Pechblende der Uranbergbau in der DDR und seine Folgen“
Inhaltsverzeichnis: „Pechblende der Uranbergbau in der DDR und seine Folgen“
Inhaltsverzeichnis: „Pechblende der Uranbergbau in der DDR und seine Folgen“

Im Kreis der kirchlichen Friedens- und Umweltbewegung versammelten sich seit Anfang der 1970er Jahre Kritiker dieser SED-Geheimhaltungspolitik. Diese Organisation ermöglichte 1988 die (illegale) Veröffentlichung der Untergrundschrift „Pechblende der Uranbergbau in der DDR und seine Folgen“, von Michael Beleites, herausgegeben vom Kirchlichen Forschungskreis Wittenberg und dem Arbeitskreis „Ärzte für den Frieden – Berlin, beim Landespfarrer für Krankenseelsorge der Evangelischen Kirche Berlin- Brandenburg, in einer Auflage von 1000 Exemplaren, die alle per Hand verteilt werden mussten. (4)

Michael Beleites selbst zieht 30 Jahre später in einem Vortrag in der Stadt und Regionalbibliothek Gera Bilanz: „Als im Juni 1988 die im Selbstdruck hergestellte Untergrundschrift „Pechblende“ fertiggestellt war, glich ihr „Erscheinen“ einer Sensation: Eine 40-jährige Geheimhaltung zu den Hintergründen des gigantischen sowjetisch-deutschen Uranbergbauprojekts „Wismut“ wurde gebrochen. Nicht von staatlicher Seite, nicht von den westlichen Medien – sondern von einer kleinen kirchlichen Umweltinitiative in der DDR; recherchiert, geschrieben und gedruckt von einem damals 23-jährigen Autor aus Gera.“

Hier geht es zum ganzen Text des Vortrages.

Anmerkung

Dieser Beitrag beansprucht keine Vollständigkeit, sondern versteht sich als kurze Einführung in eine umfangreiche und komplizierte Thematik. Links und Literaturangaben sollen helfen, das Thema zu vertiefen. Viele Informationen dazu bietet beispielsweise der kirchliche Umweltkreis Ronneburg, der aus der DDR Bürgerrechtsbewegung hervorgegangen ist.  Darüber hinaus kann man sich ausführlich im Stasi-Unterlagen-Archiv Gera informieren.

Zusammengefasst von Sabine und Klaus Hofmann, April 2020


Weiterführende Informationen zur Thematik:

URANATLAS, Daten und Fakten über den Rohstoff des Atomzeitalters:
Die Altlast der Wismut, Uranbergbau in Sachsen und Thüringen: Fast vergessen, mit Milliardenaufwand saniert, aber immer noch ein Problem, Seite 30/31

Der URANATLAS ist ein Kooperationsprojekt und wird gemeinsam von Le Monde diplomatique, der Nuclear Free Future Foundation, der Rosa-Luxemburg-Stiftung sowie dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland herausgegeben. 1. Auflage: September 2019

Hier geht’s zum Download

Literatur und Quellen:

(1)
Beleites, Michael: Untergrund. Ein Konflikt mit der Stasi in der Uranprovinz, Berlin, 1992, S.75f.

(2)
Die Altlasten des Uranbergbaus und der Uranerzaufbereitung, Veröffentlichungen des Naturkundemuseums der Stadt Gera, Heft 20, 1993

(3)
Beleites Michael: Altlast Wismut, Ausnahmezustand, Umweltkatastrophe und das Sanierungsproblem im deutschen Uranbergbau, Frankfurt/M 1992

Internet:

(4)
http://www.michael-beleites.de/

http://www.thla-thueringen.de/index.php/978-als-download-verfuegbar-vortrag-von-michael-beleites-zum-thema-pechblende-uranbergbau-in-der-ddr-und-seine-folgen

http://www.thla-thueringen.de/images/Vortrag_ThLA_Michael_Beleites_30_Jahre_Pechblende_Web.pdf

EINHEIT-liches Deutschland, Pressefotografie im Altenburger Land 1990-2005, Museum Burg Posterstein, 2005

Interessante Fotos zur Wismut sind auch in unserer Museumspublikation zu finden:

EINHEIT-liches Deutschland, Pressefotografie im Altenburger Land 1990-2005, Museum Burg Posterstein, 2005

Fotografien von Jan-Peter Kasper, Knut Lechner, Klaus Peschel, Jens Paul Taubert, Wolfgang Wukasch, 68 Seiten, mit s/w Fotos und einer Foto-CD mit 250 Abb. 10,00 Euro


Uranerzbergbau in Sachsen und Thüringen: die Sanierung der Hinterlassenschaften

Abtragung der Kegelhalden Paitzdorf ©Jan-Peter Kasper, 2005
Abtragung der Kegelhalden Paitzdorf ©Jan-Peter Kasper, 2005

Spätestens nach der Katastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 verbreitete sich überall in Deutschland und Europa die Angst davor, dass radioaktive Belastungen in der Umwelt zu Gesundheitsschäden führen können. In der DDR war das weiterhin kein Thema und Informationen darüber nicht öffentlich zugänglich. So blieben auch die Wismut und der Uranbergbau bis zum Ende der DDR ein Tabuthema. 1990 endete mit der deutschen Wiedervereinigung 40 Jahre Uranabbau in Thüringen und Sachsen – einer der größten Uranproduzenten weltweit. Hier erzählen wir von der Sanierung der Bergbau-Landschaft.

Die deutsch-deutsche Wiedervereinigung beendete 1990 den Uranabbau in Thüringen und Sachsen. Bis dahin förderte die SDAG Wismut als Reparationsleistung nach dem Zweiten Weltkrieg für das sowjetische, hauptsächlich militärische Atomprogramm rund 220.000 Tonnen Uran. Damit war die „Wismut“, nach den USA und Kanada, einer der größten Uranproduzenten weltweit. Die Geschichte dieses Bergbaus erzählt Teil 3 unserer Blog-Serie.

Zerklüftete Landschaften und Plattenbau-Siedlungen

Geblieben aber waren die Hinterlassenschaften des Bergbaus. 1991 übernahm die Bundesrepublik Deutschland den sowjetischen Anteil der SDAG Wismut und überführte den ganzen Betrieb in das Sanierungsunternehmen Wismut GmbH.

Sichtbare Zeugnisse waren stillgelegte Bergwerke, zerklüftete Landschaften, aufgeschüttete Kegel- und andere Halden, stillgelegte Tagebaue, Bohrlöcher auf den Feldern und verunreinigte Flüsse. Nicht zu vergessen sind auch die Plattenbausiedlungen an den Rändern der Städte, die vorwiegend von Bergarbeitern bewohnt waren.

Umlagerung der Halden in den Tagebau Lichtenberg ©Knut Lechner, um 2006
Umlagerung der Halden in den Tagebau Lichtenberg ©Knut Lechner, um 2006

Die Wismut GmbH erhielt vom Bund den Auftrag, die Bergbauhinterlassenschaften zu sanieren. Ein Teil der Bergleute arbeitete in den Sanierungsbetrieben weiter, andere wurden abgefunden und mussten sich neue Arbeit suchen. Die Arbeitslosigkeit in der Region stieg (allerdings nicht nur wegen der Einstellung des Bergbaus) in der Mitte der 1990er Jahre sprunghaft auf etwa 25 Prozent an. Die Unzufriedenheit über die zerstörte oder nicht anerkannte Lebensleistung dauert bei manchem ehemaligen Wismutkumpel bis heute an.

Die Sanierung seit 1991

„Das Sanierungsprojekt Wismut ist, auch im internationalen Vergleich, ein einmaliges Großprojekt im Bergbau und des Umweltschutzes.“ steht auf der Webseite des Unternehmens zu lesen.

©Knut Lechner, um 2006
Der Haldentransport von Paitzdorf in den Tagebau Lichtenberg konnte von einer Aussichtsplattform aus beobachtet werden. ©Knut Lechner, um 2006

Bis 2019 wurden vom Bund 6,9 Milliarden Euro in die Sanierung der Bergbaugebiete in Thüringen und Sachsen investiert. Die schiere Dimension der Aufgabe soll die nachfolgende Auflistung verdeutlichen. Die Angaben sind der Webseite der Wismut GmbH entnommen:

Die Sanierung – in Zahlen
Untertage: 1500 km offene Grubenbaue,
Übertage: 2600 ha Fläche,
58 Halden und 311 Mio. m³ Haldenmaterial,
4 industrielle Absatzanlagen
und 160 Mio. m³ radioaktive Schlämme.

Schwerpunkte der Sanierung
Stilllegung der Bergwerke,
Flutung der Gruben,
Wasserreinigung,
Demontage und Abbruch von Anlagen und Gebäuden,
Sanierung von Halden und Schlammteichen,
Umweltüberwachung.

Stand der Sanierung 2020
Derzeit sind zwischen 80 und 90 Prozent der Altlasten saniert.

Der Haldentransport von Paitzdorf in den Tagebau Lichtenberg konnte von einer Aussichtsplattform aus beobachtet werden. ©Knut Lechner, um 2006
Der Haldentransport von Paitzdorf in den Tagebau Lichtenberg konnte von einer Aussichtsplattform aus beobachtet werden. ©Knut Lechner, um 2006

Im Laufe der Jahre verschwanden die Kegelhalden Paitzdorf und Reust im Tagebau Lichtenberg, der damit verfüllt wurde. Untertageanlagen wurden versetzt, gesichert und geflutet, Wasseraufbereitungsanlagen errichtet und die Schachtgebäude rückgebaut.

Die Einzelheiten und technischen Details sind ausführlich auf der Webseite der Wismut GmbH nachzulesen oder können in einem Videofilm nachvollzogen werden.

Beides veranschaulicht die Komplexität der Aufgaben eindrücklich.

Sanierung der Halde Beerwalde ©Knut Lechner, 2002
Sanierung der Halde Beerwalde ©Knut Lechner, 2002

Die Sanierungsleistungen, die seither erbracht wurden, sind beeindruckend.

Allerdings stellt sich rückblickend doch die Frage, warum nicht die Sanierung der Hinterlassenschaften der Wismut mit der Ansiedlung von Zukunftstechnologien verbunden wurde. Große Flächen standen dafür zur Verfügung. Sicherlich war es nicht Auftrag der Wismut GmbH, aber eine einmalige Chance ist vertan. Bleibt zu hoffen, dass bei dem bevorstehenden Kohleausstieg in der Lausitz und im Rheinland anders verfahren wird.

Bundesgartenschau in Vorbereitung: Blick auf das Buga Gelände Ronneburg Frühjahr 2006, ©Knut Lechner, 2006
Bundesgartenschau in Vorbereitung: Blick auf das Buga Gelände Ronneburg Frühjahr 2006, ©Knut Lechner, 2006

Stattdessen wurden in den 1990er Jahren von den angrenzenden Kommunen zwar Gewerbeparks nach herkömmlichen Vorbild mit viel Fördergeld geschaffen, diese konnten aber den Bedarf an Arbeitsplätzen bei Weitem nicht decken. Letztendlich gelang es, die Bundesgartenschau 2007 nach Gera und Ronneburg zu holen. Im Zuge der Vorbereitung erfuhren die ehemaligen Bergbauflächen zumindest eine neue landschaftliche Nutzung, die durchaus  gelungen ist.

Die Bundesgartenschau in Ronneburg und Gera

2007 präsentierte die Bundesgartenschau Gera Ronneburg (BUGA) von April bis Oktober die sanierten und neu gestalteten Gebiete „Neue Landschaft Ronneburg“, Stadtpark Ronneburg und Hofwiesenpark Gera.

Die "Neue Landschaft Ronneburg" zur Bundesgartenschau 2007, © Petra Nienhold 2007
Die “Neue Landschaft Ronneburg” zur Bundesgartenschau 2007, © Petra Nienhold 2007
Die "Neue Landschaft Ronneburg" zur Bundesgartenschau 2007, © Petra Nienhold 2007
Die “Neue Landschaft Ronneburg” zur Bundesgartenschau 2007, © Petra Nienhold 2007
Die "Neue Landschaft Ronneburg" zur Bundesgartenschau 2007, © Petra Nienhold 2007
Die “Neue Landschaft Ronneburg” zur Bundesgartenschau 2007, © Petra Nienhold 2007

Ausflugs-Tipps

Ausstellung im „Objekt 90“
Die Ausstellung im „Objekt 90“ der Wismut GmbH zeigt alle Etappen der Wismut-Geschichte von der Anfangszeit des weltweit viertgrößten Uranerzproduzenten bis hin zur Sanierung der Hinterlassenschaften.

Hier geht’s zum Videofilm

Öffnungszeiten: Donnerstag – Sonntag, 13-17 Uhr
Anfahrt: Weidaer Straße, 07580 Ronneburg


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Die “Neue Landschaft Ronneburg” 2020, © Marlene Hofmann, 2020

„Neue Landschaft“ Ronneburg
Die „Neue Landschaft“ Ronneburg ist ein Areal von rund 800 Hektar im ehemaligen Bergbau-Revier um Ronneburg, das vom Gessental, der Schmirchauer Höhe bis zum Reuster Turm reicht. Dazu gehören u.a. „Objekt 90“ und die Erlebnisbrücke „Drachenschwanz“.  

Öffnungszeiten: Sonnenaufgang bis Untergang
Parkplätze: Grobsdorfer Straße und in der Forststraße


Das Monumentalbild „Friedliche Nutzung der Atomenergie“ © Marlene Hofmann, 2020
Das Monumentalbild „Friedliche Nutzung der Atomenergie“ © Marlene Hofmann, 2020

Kulturlandschaft Resurrektion Aurora
Ein Radweg verbindet u.a. den ehemaligen Schacht Korbußen, die Halde Beerwalde, das Monumentalbild „Friedliche Nutzung der Atomenergie“ und das Bergbaudenkmal „Fördergerüst Schacht 403 Drosen“.


Bergstadt Ronneburg
Der Uranerzbergbau wurde übertägig bis an die Stadtgrenzen herangeführt, bzw. unter Teilen des Stadtgebietes durchgeführt. Von der Geschichte zeugen u.a. noch das Schaubergwerk und der „Schacht 407“.

Ausführliche Informationen hat der Bergbauverein Ronneburg e.V. aufbereitet. Hier gelangen Sie zur Website des Vereins.

Blick vom „Bismarkturm“ auf dem Reuster Berg zum ehemaligen Bergbaugebiet. ©Klaus Hofmann, 2009
Blick vom „Bismarkturm“ auf dem Reuster Berg zum ehemaligen Bergbaugebiet. ©Klaus Hofmann, 2009

Zusammengefasst von Klaus Hofmann


Weiterführende Informationen

DVD Blackbox
Worüber das Gras wächst- Zeitzeugen berichten.
Erinnerungen an den Wismutbergbau
von Gunter Auer und Dr. Kristin Jahn, 2007
Der Film kann im Museum für 5,00 zzgl. Versandkosten bestellt werden.

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URANATLAS, Daten und Fakten über den Rohstoff des Atomzeitalters:
Die Altlast der Wismut, Uranbergbau in Sachsen und Thüringen: Fast vergessen, mit Milliardenaufwand saniert, aber immer noch ein Problem, Seite 30/31
Der URANATLAS ist ein Kooperationsprojekt und wird gemeinsam von Le Monde diplomatique, der Nuclear Free Future Foundation, der Rosa-Luxemburg-Stiftung sowie dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland herausgegeben. 1. Auflage: September 2019
Hier geht’s zum Download


Auftragskunst in der DDR – das Wandbild “Friedliche Nutzung der Atomenergie”

In der DDR sah es die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) als Aufgabe der bildenden Kunst an, politisch-ideologische Botschaften zu vermitteln. Es ging um nichts weniger als Volksaufklärung zu leisten und idealisierte Gesellschaftsbilder zu propagieren sowie Fortschrittsutopien zu illustrieren. Entsprechende Richtlinien galten für alle Kulturabteilungen in größeren Betrieben und Organisationen. Man versprach sich mit der Auftragskunst Künstler und Werktätige zusammenzubringen, dem „sozialistischen Realismus“ zum Durchbruch zu verhelfen und das Schaffen der Künstler zu kontrollieren.

Wandbild "Friedliche Nutzung der Atomenergie" von Petzold
Das Wandbild “Friedliche Nutzung der Atomenergie” von Werner Petzold steht heute nicht mehr an seinem Ursprungsort.

Im öffentlichen Raum galt die Einflussnahme als besonders wichtig, denn gerade hier sahen es alle und die Kunst konnte ihre erzieherische Wirkung am besten entfalten. Angestrebt wurde nach dem sowjetischen Vorbild des „Neuen Bauens“ eine Einheit von Architektur und Kunst. Dahinter stand die Erwartung, dass Kunst gerade an stark frequentierten Gebäuden am besten ihre erzieherische Funktion erfüllen könne. Besichtigen kann man diese Kunst am Bau beispielsweise an Wandbildern von Plattenbausiedlungen.

Die Wismut als einer der größten und wichtigsten Staatsbetriebe gehörte auch zu den größten Auftraggebern für Künstler. Das Verwaltungsgebäude in Paitzdorf war also geradezu prädestiniert für ein Werk der „Kunst am Bau“.

Die Kunstsammlung der Wismut GmbH

Der Gesamtbestand der Kunstsammlung der Wismut umfasst 4.028 Werke, darunter 259 Gemälde. Eine ausführliche Beschreibung der Kunstsammlung der Wismut findet man auf der Webseite „Bildatlas: Kunst in der DDR“ – ein Verbundprojekt gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung: https://www.bildatlas-ddr-kunst.de/collection/25  (1)

Die Sammlung lagert bis heute in den Depots der Wismut GmbH. Verschiedene Bemühungen, einen endgültigen Standort für Ausstellung und Lagerung zu finden, haben bisher noch kein Ergebnis gezeitigt.

In der Ausstellung „Sonnensucher! – Die Kunstsammlung der Wismut. Eine Bestandsaufnahme“ befasste sich die Kunstsammlung Gera im April 2014 mit den staatlichen Auftragswerken der Wismut. Die Stadt Gera zeigt seither Interesse daran, die Sammlung zu übernehmen. Konkrete Umsetzungspläne oder ein dafür geeignetes Gebäude gibt es aber (noch) nicht.

Friedliche Nutzung der Atomenergie – ein monumentales Wandbild auf der grünen Wiese

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Friedliche Nutzung der Atomenergie, Werner Petzold, (geb. 1940), Wandbild auf Industrieemaille gemalt und gebrannt, 1974 (Foto: Museum Burg Posterstein, 2020)

Das Werk propagiert eine Wirklichkeit, die es so nie gab. Die Werke des „Sozialistischen Realismus“ sollten nicht die Realität abbilden, sondern den Sozialismus präsentieren und dessen Ziele veranschaulichen. Eine politisch kontrollierte Gradwanderung für den Künstler und sein Werk.

Verwaltungsgebäude Paitzdorf ©Foto Karl-Heinz Rothenberger in der Ausstellung „Landschaft nach der Wismut“, im Museum Burg Posterstein 2020.
Verwaltungsgebäude Paitzdorf ©Foto Karl-Heinz Rothenberger in der Ausstellung „Landschaft nach der Wismut“, im Museum Burg Posterstein 2020.

Von 1974 bis zum Rückbau des Bergbaubetriebes ab 2006 zierte Werner Petzolds Wandbild „Friedliche Nutzung der Atomenergie“ auf einer Fläche von 16 m Höhe und 12 m Breite das Hauptgebäude des Bergbaubetriebes Paitzdorf bei Ronneburg. Es besteht aus 384 Teilen von je 100 x 50 cm, von denen je acht Stück ein Segment bilden und die an der Fassade montiert wurden.

Die Demontage und der Wiederaufbau des Wandbilds

Kurze Informationen und einige wenige Fotos über die Demontage 2006 und den darauffolgenden Abbruch des Gebäudes findet man auf der Webseite der Wismut GmbH unter der Überschrift: Wandbild am ehemaligen Verwaltungsgebäude der Niederlassung Ronneburg demontiertAbbruch des ehemaligen Verwaltungsgebäudes Paitzdorf begonnen.

Nach den Jahren im Depot wurde es 2009 als Teil der „Resurrektion Aurora“, der Wiederbelebung des Areals um die Halde Beerwalde und den Förderturm Löbichau (ehemaliger Bergbaubetrieb Drosen der SDAG Wismut) im Zuge der Bundesgartenschau 2007, neu aufgestellt.

Unumstritten war die Unternehmung nicht. Folgte das Ganze doch eher einer Zufälligkeit als einem Plan, als der damalige Landrat des Landkreises Altenburger Land, Sieghardt Rydzewski, von der Geschäftsleitung der Wismut GmbH angesprochen wurde, ob er eine Verwendung für das Kunstwerk hätte. Man entschied sich für eine Aufstellung auf freiem Feld. Dafür musste eigens eine Stahlkonstruktion entworfen werden. Die Kosten für die Aufstellung des Bildes betrugen 130.000 Euro. Fünf Texttafeln vor Ort sowie eine Publikation, verfasst von Dr. Kristin Jahn, setzen das Wandbild in Bezug zur Geschichte und zum jetzigen Standort.

Friedliche Nutzung der Atomenergie: Werner Petzold,  Wandbild, 1974 (Foto: Museum Burg Posterstein, 2020)
Friedliche Nutzung der Atomenergie: Werner Petzold,  Wandbild, 1974 (Foto: Museum Burg Posterstein, 2020)

Werner Petzold (geb. 1940) wurde 1970 der SDAG Wismut in Paitzdorf als Künstler zugeteilt. (2) Um von seiner Kunst leben zu können, nahm er, wie viele Auftragskünstler in der DDR, das Arrangement mit dem Staat in Kauf. Eine 15-köpfige Kommission der SDAG Wismut prüfte jeden Entwurf Petzolds bis hin zum fertigen Bild.

Das Werk polarisiert, da die friedliche Nutzung des abgebauten Urans zur Energiegewinnung zwar propagiert, ein großer Teil des Erzes aber als Reparationsleistung resultierend aus dem Zweiten Weltkrieg in die Sowjetunion gebracht wurde. Dort fand es zum Wettrüsten der Großmächte im Kalten Krieg Verwendung. Dafür wurde nicht nur wissentlich Raubbau an der Natur betrieben, sondern auch gesundheitliche Schäden der Arbeiter in Kauf genommen. Angesichts hoher Löhne, Zusatzvergütungen und einem hohen Grad an Kollegialität akzeptierten auch die Arbeiter dieses Tabu. Viele bezahlten am Ende mit ihrem Leben. Allein bis 1991 lagen 5237 anerkannte Fälle von Bronchialkarzinomen aufgrund der Arbeit in den Uranbergwerken der SDAG Wismut vor.

Fünf Texttafeln Vorort sowie eine Publikation, verfasst von Dr. Kristin Jahn, setzen das Wandbild in Bezug zur Geschichte des Bergbaus und zum jetzigen Standort. Die Tafeltexte sind in der Publikation abgedruckt.
Fünf Texttafeln Vorort sowie eine Publikation, verfasst von Dr. Kristin Jahn, setzen das Wandbild in Bezug zur Geschichte des Bergbaus und zum jetzigen Standort. Die Tafeltexte sind in der Publikation abgedruckt.

Dr. Kristin Jahn äußerte sich in einem Interview anlässlich der Eröffnung 2007:

 „Die Errichtung des Wandbildes in neuer Umgebung, im Zwiegespräch mit anderen Kunstwerken, war der Schritt dahin, nicht einfach „Gras über die Vergangenheit wachsen zu lassen“. Seine Aufstellung regt bis heute zur Diskussion an. Das Werk selbst ist Erinnerung und Mahnmal zugleich. Wenn man leugnet, mit welchen Lügen wir leben mussten, dann mag man dieses Bild verbannen und sich eine schöne, neue Welt mit unverfänglicher Kunst zusammenstellen. Wenn man sich dem Schmerz der Geschichtsaufarbeitung nicht aussetzen will, dann ist es leichter, diese Kunst ins Archiv zu stellen. Die Sache ist nur, dass wir dann auch immer einen Teil unserer Geschichte, der Biographien von Menschen in den Keller des Vergessens verbannen, dass wir dann nichts aus der Geschichte lernen wollen, sondern nur noch leben von Tag zu Tag, so als hätte es das alles nie gegeben – auch die Fehler nicht.“

Dr. Kristin Jahn

Das Buch zum Wandbild: „Friedliche Nutzung der Atomenergie“ von Dr. Kristin Jahn kann man für 5,00 Euro, zzgl. Versandkosten im Museum Burg Posterstein bestellen.

Literatur und Quellen

(1)
„Bildatlas: Kunst in der DDR“ – ein Verbundprojekt gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung: https://www.bildatlas-ddr-kunst.de/collection/25

(2)
Fichtner, Lutz: Die Industrie als Kunstmäzen und Auftraggeber in der Deutschen Demokratischen Republik. Die sowjetisch-Deutsche Aktiengesellschaft (SDAG) Wismut, erschienen in: Europäische Hochschulschriften, Kunstgeschichte, Reihe XXVIII, Bd./Vol.49, Frankfurt/M. 2005, S.111f. : 4.3. Die 1970er Jahre – Werner Petzold

(3)
Kristin Jahn: „Friedliche Nutzung der Atomenergie“: Dokumentation zu dem Wandbild Werner Petzolds, Altenburg 2009

(4)
Sonnensucher! Die Kunstsammlung der Wismut. Eine Bestandsaufnahme. 8. Februar-21. April 2014, Kunstsammlung Gera, Katalog zur Ausstellung
Siehe auch: https://www.gera.de/sixcms/detail.php?id=180640

(5)
Webseite Werner Petzold: http://www.wernerpetzold.de/biografie.html

(6)
Wismut GmbH:

http://www.wernerpetzold.de/biografie.html

https://www.wismut.de/de/wismut-news.php?id=894&year=2007&back=suche.php%3Fq%3DPetzold%26w%3Dall%26index%3D0

Wiedereinweihung des Großbildes “Die friedliche Nutzung der Kernenergie” in Löbichau:

https://www.altenburgerland.de/sixcms/detail.php?id=116172

(7)
Müller-Spreitz, Annette, Dr.: „In der Teufe“ von Werner Petzold, 1975, Öl auf Hartfaser, in: Dialog, Zeitschrift der Wismut GmbH, Nr.106, S. 26.

Hier ist ein anderes Beispiel für ein Gemälde von Petzold aus der Kunstsammlung der Wismut abgebildet und beschrieben.


Ausflugstipps: Spuren der Wismut

Noch heute findet man viele Spuren der Wismut in Ostthüringen. Einige ausgewählte Empfehlungen für Ausstellungen und Spaziergänge:

„Neue Landschaft“ Ronneburg

Die „Neue Landschaft“ Ronneburg ist ein Areal von rund 800 Hektar im ehemaligen Bergbau-Revier um Ronneburg, das vom Gessental, der Schmirchauer Höhe bis zum Reuster Turm reicht. Dazu gehören u.a. „Objekt 90“ und die Erlebnisbrücke „Drachenschwanz“.  Parkplätze: Grobsdorfer Straße und in der Forststraße

Blick auf den Landschaftspark "Neue Landschaft Ronneburg" 2020
Blick auf den Landschaftspark “Neue Landschaft Ronneburg” 2020

Kulturlandschaft Resurrektion Aurora

Ein Radweg verbindet u.a. den ehemaligen Schacht Korbußen, die Halde Beerwalde, das Monumentalbild „Friedliche Nutzung der Atomenergie“ und das Bergbaudenkmal „Fördergerüst Schacht 403 Drosen“.
Anfahrt & Info: Am Förderturm 04626 Löbichau, www.gemeinde-loebichau.de

Wandbild "Friedliche Nutzung der Atomenergie" von Petzold
Blick auf den Landschaftspark “Neue Landschaft Ronneburg” 2020

Bergstadt Ronneburg

Der Uranerzbergbau wurde übertägig bis an die Stadtgrenzen herangeführt, bzw. unter Teilen des Stadtgebietes durchgeführt. Von der Geschichte zeugen u.a. noch das Schaubergwerk und der „Schacht 407“.
Anfahrt & Parkplätze: Informationszentrum der Stadt Ronneburg an der Bogenbinderhalle

Ausstellung im „Objekt 90“

Die Ausstellung im „Objekt 90“ der Wismut GmbH zeigt alle Etappen der Wismut-Geschichte von der Anfangszeit des weltweit viertgrößten Uranerzproduzenten bis hin zur Sanierung der Hinterlassenschaften.
Öffnungszeiten & Information: www.wismut.de
Anfahrt: Weidaer Straße, 07580 Ronneburg

Dauerausstellung Museum Burg Posterstein

Informationen zur Geschichte des Uranbergbaus in Thüringen und Sachsen sowie BlackBox-Interview-Film mit ehemaligen Wismut-Kumpeln gibt es in der ständigen Ausstellung des Museums Burg Posterstein. Der Film ist im Museumsladen erhältlich. Produktion: Dr. Kristin Jahn, Kamera/Schnitt: Gunter Auer, im Auftrag der Gemeinde Löbichau und des BUGA-Begleitprojekts Resurrektion Aurora 2007.
Anfahrt & Parkplätze: Burgberg 1, 04626 Posterstein

Blick auf das Museum Burg Posterstein im Frühjahr 2020
Das Museum Burg Posterstein im Frühjahr 2020


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