Geduld ist der einzige Weg zum Ziel: Pläne, Probleme und Perspektiven in der Pandemie

Die Pandemie erfordert von uns allen: Geduld, Flexibilität, Mut und Kreativität. Das Museum Burg Posterstein musste 2020 von 15. März bis 15. Mai schließen. Danach konnten wir mit einem strengen Hygiene-Konzept wieder öffnen und erfreut feststellen, dass uns Tagestouristen und Stammbesucher nicht vergessen hatten und zahlreich besuchten. Seit 2. November 2020 befinden wir uns erneut im Lockdown. Ausstellungen und Veranstaltungen mussten abgesagt oder verschoben, Online-Alternativen entworfen und umgesetzt werden und auch jetzt ist nicht sicher, welche der für 2021 geplanten Ausstellungen tatsächlich stattfinden können.

Stehen wir in der Pandemie-Zeit nicht alle Kopf? Burg Posterstein-Spiegelung im Schnee (Foto: Museum Burg Posterstein)

Jörn Brunotte vom Blog beramus ruft Museen in der Blogparade #museumsforfuture dazu auf, ihre Erfahrungen zu teilen. Dieser Post ist unser Beitrag dazu.

Pläne trotz Pandemie

Zu keiner Zeit ist uns die Arbeit ausgegangen, denn Museumsarbeit umfasst weit mehr als die Ausstellungen, die im Haus zu sehen sind.

Einerseits haben wir in der Zeit der Lockdowns inzwischen drei Online-Ausstellungen und ein digitales Ferien-Programm zeigen können. Darüber hinaus haben wir im Lockdown und während der Öffnung unter Pandemie-Bedingungen mehrere verschiedene Formate für Ausstellungseröffnungen getestet (Livestream der Veranstaltung vor Ort mit begrenzter Teilnehmerzahl, Eröffnung per Live-Ansprache, Eröffnung per YouTube-Video, mehrtägige Eröffnung ohne festen Zeitpunkt, um den Besucherstrom zu entzerren).

Schloss Tannenfeld im Winter 2021 (Foto: Museum Burg Posterstein)
In der Ausstellung #GartenEinsichten wird auch der historische Park von Schloss Tannenfeld eine Rolle spielen – hier: Schloss Tannenfeld im Winter 2021 (Foto: Museum Burg Posterstein)

Für 2021 plant das Museum Burg Posterstein vier Sonderausstellungen. Sobald wieder geöffnet werden darf, startet die Schau „Manege frei! – Das Lindenau-Museum Altenburg zu Gast auf Burg Posterstein“. Im Anschluss zeigt das Museum die Sonderschau #GartenEinsichten: „Wie der Garten, so der Gärtner“ – Gartenkultur als Spiegel der Gesellschaft. Die Ausstellung ist der Postersteiner Beitrag zur Ausstellungsreihe „Grünes im Quadrat“ der vier Museen im Altenburger Land (Lindenau-Museum Altenburg, Residenzschloss Altenburg, Naturkundemuseum Mauritianum und Museum Burg Posterstein). Zum 200. Todestag der Herzogin von Kurland stellt das regionalgeschichtliche Museum Burg Posterstein dann den Maler Ernst Welker in den Mittelpunkt der Ausstellung “Der Maler Ernst Welker im Salon der Herzogin von Kurland”. Denn Welkers Geschichte ist eng mit der der Herzogin verknüpft. Inhaltlich geht es nicht nur um Welkers Kunst, sondern auch um den Salon im nahen Löbichau und um das Reisen zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Den Abschluss des Ausstellungsjahres bildet in der Adventszeit die traditionelle Weihnachtskrippen-Ausstellung.

Andererseits nutzen wir die Zeit und die im Rahmen von „Neustart“ erhaltenen Fördermittel zum Aus- und Umbau unseres Online-Auftritts: Mit Videos in Gebärdensprache, Texten in leichter Sprache, mehr Videos, größerer Schrift und höheren Kontrasten ist unsere Website barrierefrei geworden. Der Relaunch ist noch nicht vollständig abgeschlossen, denn derzeit folgt die kontinuierliche Überarbeitung aller Homepage-Texte. Mitgedacht wird dabei die Digitalisierung der Sammlung, immer in Verbindung mit Vermittlungsansätzen und Online-Ausstellungen wie beispielsweise im Hinblick auf die digitale Weihnachtskrippen-Ausstellung, die einen ersten Schritt zur Digitalisierung der Weihnachtskrippen-Sammlung darstellt.

Blick auf Burg Posterstein und die Ruine des Nordflügels im Dezember 2021
Blick auf Burg Posterstein und die Ruine des Nordflügels im Dezember 2021 (Foto: Museum Burg Posterstein)

Ein dritter Schwerpunkt unserer derzeitigen Arbeit liegt in der Planung des Neubaus des in den 1950er Jahren abgerissenen Nordflügels der Burg. Nachdem sich der Kreistag des Landkreises Altenburger Land als Eigentümer der Burg Posterstein im September 2020 zum Wiederaufbau bekannt hat, konnte nun das bereits vor längerer Zeit durch uns selbst erarbeitete Konzept und die dazu gehörige Planung beim Fördermittelgeber eingereicht werden. Wir sind zuversichtlich, dass die Realisierung in den nächsten drei Jahren erfolgen kann. Der Wiederaufbau des einstigen Repräsentationsflügels der Burg soll uns in die Lage versetzen, einen ganzen Bereich für moderne Vermittlungsformen bereitzuhalten, die Ausstellungen barrierefrei zu erschließen, den Service zu verbessern und nicht zuletzt unsere Sammlungen besser unterzubringen. Die Umsetzung dieses größten Bauvorhabens der Geschichte unseres Museums wird auf der Webseite in einer Art Bautagebuch dokumentiert.

Erkenntnisse aus der Pandemie

Wir sind als Museum finanziell abhängig von Eintrittsgeldern – das haben uns die langen Schließzeiten schmerzlich bewusst gemacht. Während die Besucherzahl vor Ort 2020 um die Hälfte eingebrochen ist, blieb die Zahl der Website und Blog-Besucher stabil. Experimente mit der Refinanzierung digitaler Angebote (z.B. durch Spenden-Buttons bei Online-Ausstellungen, die Möglichkeit beim Online-Einkauf über „Wecanhelp“ gratis zu spenden, etc.) wurden nur verhalten genutzt. Eine wichtige Erkenntnis aus der Pandemie ist für uns, dass die Beschaffung von Geldern zur Finanzierung unserer musealen Arbeit immer höhere Priorität bekommt. Das umfasst vor allem das Akquirieren von Fördergeldern und Spenden. Wir rechnen fest damit, dass weiterhin finanzielle Unterstützung vom Land Thüringen für die Museen kommt.

Familien-Besuch auf Burg Posterstein im Pandemie-Jahr 2020
Auch 2021 sind Konzepte gefragt, die ohne klassische Führung auskommen: Kinder in der Familien-Ausstellung “Die Kinderburg” auf Burg Posterstein im Pandemie-Jahr 2020

Wir gehen aktuell auch davon aus, dass wir das Museum frühestens im Frühjahr mit unserem bestehenden Hygiene-Konzept wieder öffnen können. Großveranstaltungen und Führungen in bisheriger Form werden sicherlich auch dann noch nicht wieder stattfinden können. Wir arbeiten dafür an neuen Konzepten für Führungen (z.B. Kuratoren-Videos in der Ausstellung, selbstgeführte thematische Touren durch das Museum) und an neuen Veranstaltungsformaten (z.B. Kombinationen aus Livestream und Präsenzveranstaltungen).

Digitale Ansätze tragen uns nicht nur durch die schwierige Pandemie-Zeit, sondern sind derzeit unser heißer Draht zu unseren Besuchern und Stammgästen. Unser intensives digitales Engagement hilft uns, mit unseren Besuchern in Kontakt zu bleiben, über unsere Pläne und Arbeit hinter den Kulissen zu informieren und uns nach dem Lockdown schnell und problemlos auch physisch wieder zusammenzubringen.

Bis es so weit ist, befolgen wir den Rat des Sachsen-Gotha-Altenburgischen Ministers Hans Wilhelm von Thümmel, der schon 1821 in einem Aphorismus schrieb:

Ungeduld quält sich und Andere, und weiß doch nur zu gut, daß Geduld der einzige Weg zum Ziel ist.

(Thümmel, Aphorismen 1821, Nr.3)

von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Die Online-Ausstellung bildet den Auftakt für die dauerhafte digitale Präsentation der Postersteiner Weihnachtskrippen-Sammlung

Junge mit Lamm - Teil einer Keramik-Krippe aus der Sammlung des Museums Burg Posterstein.
Junge mit Lamm – Teil einer Keramik-Krippe aus der Sammlung des Museums Burg Posterstein.

Erstmalig präsentierten wir unsere traditionelle Weihnachtskrippen-Ausstellung rein digital. Dabei entstand eine umfangreiche Schau, die nicht nur detaillierte Einblicke in unsere Krippensammlung gibt, sondern auch ausführlich inhaltlich auf kulturgeschichtliche Themen rund um Weihnachtskrippen und weihnachtliche Bräuche und Traditionen eingeht. Diese Vorarbeit soll nun den Grundstock dafür bieten, die Postersteiner Weihnachtskrippen-Sammlung auch langfristig digital zu präsentieren.  – Ein Resümee.

Hier geht es zur digitalen Weihnachtskrippen-Ausstellung.

Interaktiv und langlebig: Die digitale Ausstellung

Die Krippensammlung des Museums Burg Posterstein umfasst über 500 Einzelteile und wird kontinuierlich erweitert. Sie fußt auf mehreren Schenkungen privater Sammler, die ihre Krippen dem Museum übereigneten. In Posterstein gehört die jährliche Krippenausstellung schon seit Jahrzehnten zur festen weihnachtlichen Tradition.

Weihnachtspyramide aus dem Erzgebirge, mit vier Ebenen, ca. 1,20 Meter hoch, in einer der jährlichen Weihnachtskrippenausstellungen des Museums (Sammlung Museum Burg Posterstein)
Weihnachtspyramide aus dem Erzgebirge, mit vier Ebenen, ca. 1,20 Meter hoch, in einer der jährlichen Weihnachtskrippenausstellungen des Museums (Sammlung Museum Burg Posterstein)

Digital erschlossen ist die Weihnachtskrippen-Sammlung bisher noch nicht, was nicht zuletzt den begrenzten personellen Ressourcen unseres regionalgeschichtlichen Museums geschuldet ist. Mit der Aufbereitung als digitale Ausstellung, die sich gleichzeitig an ein interessiertes Publikum richtet und einen Einblick in die Vielfalt der vorhandenen Krippen gibt, soll die Sammlung nun Schritt für Schritt auch online zugänglich gemacht werden.

Zur digitalen Ausstellung gehörte eine Papierkrippe zum Selberbasteln
Zur digitalen Ausstellung gehörte eine Papierkrippe zum Selberbasteln

Als Unterseite im Blog des Museums geht die digitale Ausstellung auf Hintergründe zu Weihnachtsbräuchen, der Sammlung und den Sammlungsstücken ein. Ein Herzstück der Ausstellung war der digitale Adventskalender, der jeden Tag ein anderes Tier aus einer der Weihnachtskrippen aus aller Welt im Mittelpunkt stellte. Darüber hinaus gab es weitere interaktive Elemente, wie beispielsweise die speziell für die Ausstellung gestaltete Postersteiner Papierkrippe zum Nachbauen, deren Elemente als kostenloses Download zur Verfügung stehen.

Durch Weihnachtskrippen-Ausstellung 50 Prozent mehr Blog-Besucher

Seit Ausstellungsbeginn am 29. November 2020 wurden die Seite und die Beiträge der digitalen Weihnachtskrippen-Ausstellung rund 4000 Mal aufgerufen. Der Blog des Museums, auf dem die Ausstellung läuft, verzeichnete in dieser Zeit rund 50 Prozent mehr Besucher als in den Monaten zuvor. Kuratorin Franziska Engemann eröffnete die digitale Schau im YouTube-Kanal des Museums. Die aufwändig recherchierten Beiträge teilte das Museum darüber hinaus täglich auf seinen Profilen Twitter, Instagram und Facebook, wo sich daraufhin sogar interessante Gespräche über weihnachtliche Traditionen und geschichtliche Hintergründe ergaben.

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Während die Besucherzahlen des Museums 2020 Corona-bedingt um die Hälfte eingebrochen sind, blieben die Website-Besucherzahlen bei rund 600.000 Besuchen pro Jahr stabil. Insgesamt präsentierte das Museum Burg Posterstein 2020 drei digitale Ausstellungen – „#Schlössersafari virtuell, weltweit“, „Landschaft nach der Wismut“ und die Weihnachtskrippen-Ausstellung.

Digitale Ausstellungen sind in Deutschland derzeit keine Einnahmequelle

Weil auch das Museum Burg Posterstein 2020 und 2021 auf Grund des zweifachen langen Lockdowns große finanzielle Einbußen zu verkraften hat und haben wird, gibt es am Ende der digitalen Ausstellung die Möglichkeit, zu spenden. Leider machten nicht einmal eine Handvoll Menschen von dieser Möglichkeit der bequemen finanziellen Unterstützung Gebrauch, wodurch sich zeigt, dass es in Deutschland noch keine ausgeprägte Online-Spendenkultur gibt, auf die Kultureinrichtungen zurückgreifen könnten.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

24. Tierchen – Digitaler Adventskalender

Adventskalender Museum Burg Posterstein - Tür 24

Das Lamm – Am Heiligen Abend schließt sich der Kreis. Unser letztes Tier im Adventskalender der Burg Posterstein ist das Lamm.

Einstückkrippe aus Glas (Sammlung Museum Burg Posterstein)
Einstückkrippe aus Glas (Sammlung Museum Burg Posterstein)

Das Schaf bzw. das Lamm gilt als traditionelles Opfertier. Jesus, dessen Geburt die Christen zu Weihnachten feiern, wird nicht nur als „guter Hirte“, sondern auch als „Lamm Gottes“ bezeichnet. Wie ein Opferlamm starb Jesus zu Ostern am Kreuz und nahm laut Dogma die Sünde der Welt auf sich. Daher ist Ostern eigentlich das wichtigere christliche Fest, Weihnachten wohl aber das allgemein beliebtere.

Als Beispiel für das Lamm soll uns heute eine Einstückkrippe aus Glas dienen.

Als Bonus gibt es diesen Jungen mit Lamm, der Teil einer Keramik-Krippe ist:

Junge mit Lamm - Teil einer Keramik-Krippe aus der Sammlung des Museums Burg Posterstein.
Junge mit Lamm – Teil einer Keramik-Krippe aus der Sammlung des Museums Burg Posterstein.

Und wer möchte, fängt vom Lamm zum Schaf mit unserem Adventskalender wieder von vorne an. Hier geht es zu Tierchen Nr. 1: Das Schaf.

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23. Tierchen – Digitaler Adventskalender

Adventskalender Museum Burg Posterstein - Tür 23

Der Wolf – Einen Tag vor Heilig Abend wird es noch einmal schaurig! Vielleicht graut es dem einen oder der anderen, weil noch nicht alle Weihnachtsgeschenke beisammen sind, aber das ist hier natürlich nicht gemeint. Ein Schauer fährt uns über den Rücken, denn hinter unserem vorletzten Türchen versteckt sich der Wolf.

“Meister Isegrim” hat einen schlechten Ruf und auch heute noch (bzw. wieder) ist er ein großer Streitpunkt. In Fabeln steht er für Gier und auch biblisch kommt nicht gut davon: Er steht für Bosheit und Zerstörung, für Irrlehren, geradezu für das Böse an sich.

Detail mit Wolf in der Papierkrippe von Adolf Lachmann und Radim Dusek. Sie trägt den Titel „Lanspersky betlem, Christmas nativity scene“ und entstand 2011 in Usti nad Orlici.
Detail mit Wolf in der Papierkrippe von Adolf Lachmann und Radim Dusek. Sie trägt den Titel „Lanspersky betlem, Christmas nativity scene“ und entstand 2011 in Usti nad Orlici.

Diesen Charakter vertritt der Wolf auch in böhmischen bzw. tschechischen Papierkrippen oft. In dieser Darstellung funkeln seine Augen bedrohlich aus dem Mittelteil eines Triptychons, entworfen vom tschechischen Grafikdesigners Adolf Lachmann. Die Krippe von Adolf Lachmann und Radim Dusek trägt den Titel „Lanspersky betlem, Christmas nativity scene“ und entstand 2011 in Usti nad Orlici.

Sie ist in vielerlei Hinsicht besonders. Zum einen handelt es sich um eine moderne Papierkrippe, zum anderen unterscheiden sich einige Figuren von traditionellen Darstellungen. Zwar sehen wir in der Mitte die Heilige Familie im Stall und auch die Verlagerung der Geburtsszene in eine andere, dem Künstler vertraute Umgebung ist keine Seltenheit. Doch anstelle der zu erwartenden Heiligen Drei Könige sind hier verschiedene Heilige abgebildet. Das gezeigte Dorfleben scheint sich in eine „gute“ und eine „böse“ Seite zu spalten. Auf der rechten Seite versteckt sich hinter einem Stein sogar der Teufel.

Diese Papierkrippe von Adolf Lachmann und Radim Dusek trägt den Titel „Lanspersky betlem, Christmas nativity scene“ und entstand 2011 in Usti nad Orlici.
Diese Papierkrippe von Adolf Lachmann und Radim Dusek trägt den Titel „Lanspersky betlem, Christmas nativity scene“ und entstand 2011 in Usti nad Orlici.

Heute wollen wir uns aber nicht mehr vor dem Wolf fürchten, sondern ihm gegenüber und kurz vor Weihnachten ein wenig Nachsicht zu Gute kommen lassen.

Weiterführende Links zur beschriebenen Krippe:
Informationen vom Krippenverein Osnabrück
Website des Künstlers Adolf Lachmann

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22. Tierchen – Digitaler Adventskalender

Adventskalender Museum Burg Posterstein - Tür 22

Der Karpfen – Heute tauchen wir ab in das stille Unterwasser-Krippenreich! Der Karpfen ist das Tier des Tages! Aber keine Sorge, Schwimmärmel und Taucherbrille werden nicht benötigt! Wir bleiben bodenständig, denn der Karpfen ist so freundlich und kommt für uns bei winterlichen Temperaturen an Land. Obwohl er das wohl nicht ganz freiwillig tut. Er wird von einem Jungen getragen und soll wahrscheinlich als „Weihnachtskarpfen“ auf der Festtafel enden.

Junge mit Karpfen in einer Papierkrippe, entworfen vom Künstler Jiri Skopek, erschienen im Konrad-Verlag unter dem Titel „Skopek – Folkloristische Weihnachtskrippe“.
Junge mit Karpfen in einer Papierkrippe, entworfen vom Künstler Jiri Skopek, erschienen im Konrad-Verlag unter dem Titel „Skopek – Folkloristische Weihnachtskrippe“.

Karpfen ist ein sehr beliebtes Gericht am Heilig Abend. Eine Schuppe des Karpfens soll man sich laut Brauch in die Tasche oder in die Geldbörse stecken. Denn das soll Geldsegen im neuen Jahr bringen.

Papierkrippe entworfen vom Künstler Jiri Skopek, erschien im Konrad-Verlag unter dem Titel „Skopek – Folkloristische Weihnachtskrippe“.
Papierkrippe entworfen vom Künstler Jiri Skopek, erschien im Konrad-Verlag unter dem Titel „Skopek – Folkloristische Weihnachtskrippe“.

Der Karpfen, der im Mittelpunkt dieses Adventskalenders steht, ist aber noch nicht auf dem Teller gelandet und stellt uns daher heute diese Papierkrippe vor. Entworfen wurde sie vom Künstler Jiri Skopek und umfasst 25 Figuren bzw. Figurengruppen, zwei Tiergruppen mit Menschen und sieben Kulissen. Der Ausschneidebogen erschien im Konrad-Verlag unter dem Titel „Skopek – Folkloristische Weihnachtskrippe“.

Detail aus der Papierkrippe, entworfen vom Künstler Jiri Skopek, erschienen im Konrad-Verlag unter dem Titel „Skopek – Folkloristische Weihnachtskrippe“.
Im Mittelpunkt der Szenerie steht ein großes Tier – Detail aus der Papierkrippe, entworfen vom Künstler Jiri Skopek, erschienen im Konrad-Verlag unter dem Titel „Skopek – Folkloristische Weihnachtskrippe“.

Die Szenerie spielt im Vorland des Riesengebirges, im heutigen Kurbad Lázně Bělohrad. Darüber thront die Wallfahrtskirche Hl. Peter und Paul. Die Figuren tragen Trachten, spielen fröhlich Musik und Tanzen für die Heilige Familie im Stall. Das Folkloreensemble, Chöre und verschiedene Orchester haben eine  fast 70jährige Tradition in Lázně Bělohrad und erfreuen auch heute noch die dortigen Gäste mit Musik, Literatur und Kunst.

Detail aus der Papierkrippe, entworfen vom Künstler Jiri Skopek, erschienen im Konrad-Verlag unter dem Titel „Skopek – Folkloristische Weihnachtskrippe“.
Unter dem großen Tier schauen Menschenfüße hervor! – Detail aus der Papierkrippe, entworfen vom Künstler Jiri Skopek, erschienen im Konrad-Verlag unter dem Titel „Skopek – Folkloristische Weihnachtskrippe“.

Unter den ganzen Menschen, Tieren und dem Karpfen fällt eine Figur besonders ins Auge. Eine Art riesiges Pferd oder Kamel tummelt sich schneeweiß in der Menge. Bei genauer Betrachtung stellt sich allerdings heraus, dass sich unter dem weißen Fell, menschliche Füße befinden! Das Schauspielensemble hat hier seinen Auftritt. So besonders das Tier also aussieht, es ist doch ein wenig geschummelt und so bleibt unser Karpfen heute einmal der Hauptakteur.

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21. Tierchen – Digitaler Adventskalender

Adventskalender Museum Burg Posterstein - Tür 21

Der Papagei – Wie versprochen, begrüßt uns heute noch einmal ein gefiederter Freund beim Öffnen des 21. Adventstürchens: Der Papagei! Ganz exotisch sitzt er auf dem Dach des Stalls und wirft einen Blick auf das Christuskind.

Diese Papierkrippe wurde vom tschechischen Maler und Illustrator Karel Franta entworfen und erschien 2014 im Granát-Verlag unter dem Titel „Velký betlém“ (Große Krippe)
Diese Papierkrippe wurde vom tschechischen Maler und Illustrator Karel Franta entworfen und erschien 2014 im Granát-Verlag unter dem Titel „Velký betlém“ (Große Krippe).

Diese Papierkrippe wurde vom tschechischen Maler und Illustrator Karel Franta entworfen und erschien 2014 im Granát-Verlag unter dem Titel „Velký betlém“ (Große Krippe). Solche Papierkrippen waren besonders in Böhmen, Mähren und Schlesien beliebt, allerdings sind auch Exemplare aus Deutschland, Spanien, Italien oder Kroatien bekannt. Sie erfreuen sich in Böhmen auch heute noch großer Beliebtheit.

Schon im 17. Jahrhundert nutzte man Krippenfiguren aus Papier und Karton als Hintergrund für traditionelle Holz-, Ton- und Porzellankrippen, wo sie als Kulisse oder als Übergang zwischen der dargestellten Landschaft und dem Himmel dienten. Seit dem 18. Jahrhundert wurden auch reine Papierkrippen gefertigt und aufgestellt.

Ähnlich wie bei einer Theaterkulisse erhält die dargestellte Szenerie ihre Tiefenwirkung durch die Staffelung in Vordergrund, Hauptgeschehen und Hintergrund. Dem entsprechend wurden die Figuren vom Künstler angelegt und drapiert.

Papierkrippe mit Papagei - gestaltet vom tschechischen Maler und Illustrator Karel Franta, erschienen 2014 im Granát-Verlag unter dem Titel „Velký betlém“ (Große Krippe).
Papierkrippe mit Papagei – gestaltet vom tschechischen Maler und Illustrator Karel Franta, erschienen 2014 im Granát-Verlag unter dem Titel „Velký betlém“ (Große Krippe).

Der Papagei hat in dieser Krippe einen besonders guten Platz bekommen. Und bei genauerer Betrachtung entdecken wir sogar einen Elefanten im Hintergrund! Das ist eine freudige Entdeckung kurz vor Weihnachten! Mit Hilfe des Papageis hat das Museum Burg Posterstein den dritten Elefanten in der Krippensammlung entdecken können!

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20. Tierchen – digitaler Adventskalender

Adventskalender Museum Burg Posterstein - Tür 20

Die Katze – Alle Katzenliebhaber dürfen sich heute freuen! Gleich drei Samtpfoten verschönern uns heute den Tag.

Biblisch spielt die Hauskatze keine Rolle. Ihr großer Verwandter, der Löwe, hingegen schon. Als gefährliches Raubtier steht er für Bedrohung, aber im positiven Sinne auch für Mut und war daher ein beliebtes Motiv in der Kunst.

Aber mit einem Löwen haben diese drei Katzen eher wenig zu tun. Im Gegenteil: Ganz zahm zeigen sie sich als Teil einer großen Dorfgemeinschaft, die fröhlich die Geburt Jesu feiert. Wem diese Krippe nun bekannt vorkommt, der hat völlig Recht. Sie diente uns schon als Zusatzbeispiel bei Tier Nr. 17 – dem Schwein. Heute sollen unsere Samtpfoten diese wunderbare Papierkrippe aber noch einmal richtig vorstellen.

Papierkrippe von Jarmila Haldova (Sammlung Museum Burg Posterstein, Haldova-Papierkrippe)
Papierkrippe von Jarmila Haldova (Sammlung Museum Burg Posterstein, Haldova-Papierkrippe)

Die Papierkrippe wurde von der tschechischen Künstlerin Jarmila Haldova entworfen und erschien als Ausschneidebogen unter dem Titel „Haldova“ im Konrad-Verlag. Sie umfasst insgesamt 37 Figuren, 28 Tiere, 30 Blumen und 7 Kulissenbilder. Die Krippe stammt aus Dobruska bei Hradec Kralove und zeigt ein traditionelles tschechisches Dorfleben. Als Schauplatz dient die Stadt Dobruska selbst mit ihrem Rathaus, der Kirche St. Wenzel und dem Markplatz mit der bekannten Mariensäule.

In der Papierkrippe von Jarmila Haldova gibt es auch eine Katze (Sammlung Museum Burg Posterstein, Haldova-Papierkrippe)
In der Papierkrippe von Jarmila Haldova gibt es auch Katzen (Sammlung Museum Burg Posterstein, Haldova-Papierkrippe)

Festzuhalten ist, dass unsere Katzen in der Szenerie den besten Platz genießen. Zwei von ihnen schauen aus den Fenstern des Wohnhauses, der hier als Stall dient, direkt auf die Heilige Familie.

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19. Tierchen – digitaler Adventskalender

Adventskalender Museum Burg Posterstein - Tür 19

Die Ziege – Die Ziege gehört neben den Schafen wohl zu den ältesten Nutztieren, die wir kennen. Sie diente als Milch-, Fleisch- und Felllieferant. In Weihnachtskrippen sehen wir sie allerdings nicht besonders häufig.

Ziege - Fragment einer Weihnachtskrippe (Sammlung Museum Burg Posterstein, VI 452 K6/Ri/FH)
Ziege – Fragment einer Weihnachtskrippe (Sammlung Museum Burg Posterstein, VI 452 K6/Ri/FH)

Auch unsere heutige Ziege wirkt etwas verloren. Sie ist das Fragment einer Krippe, die wohl in Heimarbeit hergestellt wurde. Sie besteht aus ausgesägtem Holz, das mit bedrucktem Papier beklebt wurde. Der untere Bereich der Figur mit Bergwiese und kleinem Tannenbaum lässt darauf schließen, dass die Ziege Teil einer Krippe mit Berglandschaft als Motiv war.

Ursprünglich handelte es dabei wahrscheinlich um einen Ausschneidebogen aus Papier. Um die Figuren besser aufstellen zu können, wurden sie in Heimarbeit auf Holzplatten aufgeklebt und fein ausgeschnitten. Die Ziege kam als Teil einer ganzen Herde ähnlicher, einzelner Tiere ins Museum Burg Posterstein. Zusammen einsam, wurden sie zueinander gestellt und dienten als Dekoration für eine andere  Krippe ähnlicher Art. Vielleicht war die Ziege ein Dachbodenfund oder eine Entdeckung auf einem Flohmarkt. Sie passte in die Szenerie, die der Sammler oder die Sammlerin zu Hause hatte. Sie gefiel und wurde zu all den anderen Tieren gestellt. 

Und genau das macht unsere Ziege und ihre Leidensgenossen auch so interessant. Aus einzelnen Fragmenten verschiedener Krippen entstand in den privaten Häusern eine ganz neue Krippe. Nicht selten kommt es in Museen vor, dass sich in Schenkungen oder Übereignungen nur einzelne Fragmente bestimmter Exponate finden lassen. Häufig wurden diese in einen ganz anderen Zusammenhang gebracht. Unsere heute Ziege zeugt also nicht nur von einer bunten privaten Weihnachtstradition, sondern in gewisser Hinsicht auch von unserer alltäglichen Museumsarbeit.

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18. Tierchen – digitaler Adventskalender

Adventskalender Museum Burg Posterstein - Tür 18

Die Schnecke – Auch die kleinsten Tiere können zur Krippe kommen! Stellvertretend für alle vergessenen Wirbellosen kriecht heute ganz gemütlich eine Schnecke heran. In knalligen Gelb hat sie sich für ihren Auftritt auch richtig hübsch gemacht!

Teile einer von Kindern gestalteten Weihnachtskrippe (Sammlung Museum Burg Posterstein, VI 217 K6/Ri)
Teile einer von Kindern gestalteten Weihnachtskrippe (Sammlung Museum Burg Posterstein, VI 217 K6/Ri)

Diese kleine Schnecke ist Teil einer Figurengruppe mit 42 Einzelstücken. Darunter sind nicht nur so ungewöhnliche Tiere wie die Schnecke, sondern auch Palmen, die Schatten spenden und ein Korb mit frischen Eiern. So ein Krippenbesuch will eben gut geplant sein!

Teile einer von Kindern gestalteten Weihnachtskrippe (Sammlung Museum Burg Posterstein, VI 217 K6/Ri)
Die Heilige Familie mit Ochs und Esel in der von Kindern gestalteten Weihnachtskrippe (Sammlung Museum Burg Posterstein, VI 217 K6/Ri)

Hergestellt wurden diese vielen kleinen Figuren aus Modelliermasse. Sie bilden im wahrsten Sinne des Wortes eine Kinderkrippe, denn sie wurden von Kindern mit viel Liebe zum Detail als Bastelarbeit gestaltet.

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17. Tierchen – Digitaler Adventskalender

Adventskalender Museum Burg Posterstein - Tür 17

Das Schwein – Heute kommt unser Adventstier im modernen Galopp und aus weiter Fern angetrabt – das Schwein. Das arme Tier hat in der Bibel keinen leichten Stand. Es gilt als unrein und eine Schweineherde dient Jesus bei einer Austreibung sogar als Gefäß für Dämonen (Mt 8, 28ff.)*. Beim Evangelisten Matthäus steht „Gebt das Heilige nicht den Hunden und werft eure Perlen nicht vor die Säue“ (Mt 7,6)*, was noch heute eine geflügelte Redewendung ist. Und zu allem Überfluss ereilt das Schwein jedes Jahr das üble Schicksal unfreiwillig als Hauptspeise beim Weihnachtsfest zu dienen. Denn Würstchen und Kartoffelsalat sind bei vielen Familien das traditionelle Essen am Heilig Abend.

Weihnachtskrippe aus Kapstadt, Südafrika (Sammlung Museum Burg Posterstein, VI 354 K6/Ri)
Weihnachtskrippe aus Kapstadt, Südafrika (Sammlung Museum Burg Posterstein, VI 354 K6/Ri)

Da ist es nur recht, dass dem Schwein heute auch einmal ein Ehrenplatz in der Weihnachtskrippe zukommt und es zum „Glücksschwein“ wird. Entdeckt haben wir es in dieser Weihnachtskrippe aus Kapstadt, Südafrika. Gemeinsam mit Ochse, Esel und zwei Schafen erhascht es aus dem Stall heraus einen Blick auf das Jesuskind. Diese Krippe ist aus Holz gefertigt und wurde von Hand bemalt. Sie besteht aus insgesamt 11 Figuren und trägt die Signatur „Handmade and hand painted Cape Town South Africa“. 2005 kam sie nach Deutschland und wurde dem Museum Burg Posterstein übereignet.

Papierkrippe von Jarmila Haldova (Sammlung Museum Burg Posterstein, Haldova-Papierkrippe)
Papierkrippe von Jarmila Haldova (Sammlung Museum Burg Posterstein, Haldova-Papierkrippe)

Kritiker könnten nun aber sagen: Alles schön und gut, aber das ist gar kein Schwein! Das ist eindeutig eine Kuh! – Wir haben noch ein Schwein in unserer Weihnachtskrippensammlung gefunden. In dieser großen Papierkrippe, entworfen von der tschechischen Künstlerin Jarmila Haldova und als Ausschneidebogen herausgegeben beim Konrad-Verlag.

Detail mit Schwein aus einer Papierkrippe von Jarmila Haldova (Sammlung Museum Burg Posterstein, Haldova-Papierkrippe)
Detail mit Schwein aus einer Papierkrippe von Jarmila Haldova (Sammlung Museum Burg Posterstein, Haldova-Papierkrippe)

Allerdings ergeht es diesem Schwein nicht besonders gut. Daher wollen wir dem zuerst beschriebenen Exemplar doch noch eine Chance geben.

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*Übersetzung nach Zürcher Bibel, 2007.