„Diese Pluralität der Perspektiven ist Europa“ – Auswertung #SalonEuropa 4: Die Blogparade

Die Blogparade #SalonEuropa führten wir vom 23. September bis 23. Oktober 2018 als wichtigen Teil der Ausstellung #SalonEuropa vor Ort und digital durch. Im Rahmen der Ausstellung erhielten wir über 200 Meinungen aus 15 Ländern in Form von schriftlichen Kommentaren, Blogposts, Fotos, Video- und Audio-Statements, als Kunstwerk und natürlich auch im persönlichen Gespräch vor Ort. Alle bezogen sich auf die Frage „Was bedeutet Europa für mich…?“. In mehreren Teilen fassen wir den Diskurs zusammen: (1) Die Zusammenfassung der Gespräche am Salonabend, (2) der Kommentare, (3) der Video-Interviews, (4) der Blogparade und (5) ein kurzes Gesamtfazit.

Hintergrund: Das Ausstellungsexperiment #SalonEuropa

Die Blogparade #SalonEuropa stand nicht für sich allein, sondern war eng verzahnt mit der Ausstellung #SalonEuropa vor Ort und digital, die im Museum Burg Posterstein zu sehen war. Mit dem Ansatz, den Dialog – vor Ort und im WWW – zum Mittelpunkt einer Ausstellung zu machen, betraten wir museales Neuland. Wir fragten „Was bedeutet Europa für dich?“ und stellten den aktuell fragilen Zustand Europas der Zeit zwischen Französischer Revolution und des Wiener Kongress gegenüber. Damals vor rund 200 Jahren befand sich Europa ebenfalls im Umbruch. In den Salons der adligen und bürgerlichen Damen diskutierte man gesellschaftliche Fragen und brachte politische Entscheidungen mit auf den Weg. Die Ausstellung experimentierte damit, wie ein solcher Salon – offen, die eigene Filterblase sprengend – heute aussehen und ob er eine adäquates Mittel der gesellschaftlichen Kommunikation sein könnte.

#SalonEuropa vor Ort und digital - eine dynamisches Experiment, das Meinungen ausstellte
#SalonEuropa vor Ort und digital – eine dynamisches Experiment, das Meinungen ausstellte

Der #SalonEuropa war ein Versuch, Bürgern vor Ort und im Digitalen die Möglichkeit zu geben, ihre Gedanken zu Europa zu äußern und darüber miteinander ins Gespräch zu kommen. Dazu gab es einmal die dynamische, mitwachsende Ausstellung selbst, in der bereits zu Beginn über einhundert Meinungen zu Wort kamen. Darüber hinaus gab es die Projektwebseite, die Blogparade, die Diskussionen im Social Web und drei Veranstaltungen vor Ort. Die Blogparade mit ihren 75 Beiträgen belebte den Diskurs in der Ausstellung wesentlich.

Ziel der Blogparade

Unsere erste Blogparade führten wir in Kooperation mit Dr. Tanja Praske vom Blog KULTUR-MUSEUM-TALK durch, die das Projekt auch auf Twitter, Facebook, Instagram und Pinterest begleitete. Sie betreute bereits viele Kulturblogparaden und veröffentlichte erst kürzlich ihren umfassenden Artikel zu Chancen und Risiken bei der Durchführung von Blogparaden im Kulturbereich.

Ziel der Blogparade #SalonEuropa war es, die Ausstellung vor Ort zu bereichern und zu erweitern, die Idee der Ausstellung mit Interessierten im Netz zu diskutieren, sich mit ihnen zu vernetzen und dadurch der spannenden aktuellen Thematik eine große Reichweite zu ermöglichen. Die Blogparade startete zeitgleich mit der Ausstellung mit einem Aufruf im Blog. Darin gab es nicht nur Anregungen für Themen, sondern auch konkrete Infos zum Ablauf der Blogparade.

Für alle Meinungsäußerungen zur Ausstellung #SalonEuropa haben wir im Vorfeld „Salonregeln“ festgelegt, die als Instrument dienen sollten, eventuell unangemessene Beiträge außen vor zu lassen:

1) Äußern Sie Ihre Meinung höflich
2) Ihr Kommentar darf nicht gegen das Bürgerliche Gesetzbuch und die Verfassung der Bundesrepublik

Deutschland verstoßen
3) Äußerungen, die diesen Salonregeln widersprechen, können kommentarlos gelöscht werden.

Ziel der Ausstellung und der Blogparade war es, ein möglichst breites Meinungsbild zu erhalten, vielleicht sogar an der einen oder anderen Stelle unsere „Filterblase“ des typischen Museumspublikums zu durchbrechen.

Die Blogparade #SalonEuropa in Zahlen

Insgesamt wurden 75 Blogposts von 62 Blogs aus sieben Ländern zur Blogparade #SalonEuropa eingereicht. Wir haben sie zeitnah mit dem Aufruf verlinkt, wenn möglich kommentiert, auf der Projekt-Website einzeln zusammengefasst und ausgedruckt in zwei dicken Ordnern in der „Salonecke“ der Sonderausstellung auch für nicht internet-affine Besucher zugänglich gemacht. Zum Ende der Blogparade waren das mitsamt den Kommentaren 445 A4-Seiten Text in normaler Schriftgröße. Beinahe das gesamte Team des Museums war während der Zeit der Blogparade in diesen zeitintensiven Prozess eingebunden, denn oft erreichten uns mehrere neue Blogbeiträge am Tag und die Diskussion darüber dauerte manchmal bis spät abends. Das war eine intensive Zeit, die uns den verschiedenen Bloggern näher brachte und die den Diskurs in der Ausstellung wesentlich bereicherte.

Bisher interagierte das Museum Burg Posterstein mit Bloggern vor allem auf Twitter und Instagram sowie direkt in den Blogs, wenn beispielsweise über das Museum geschrieben wurde. Die Beiträge verlinken wir auf der Museumswebsite. Aufgeschlüsselt nach uns bereits bekannten und noch unbekannten Bloggern, kamen 33 der 75 Blogposts zur Blogparade #SalonEuropa von uns noch unbekannten Bloggern. Die meisten der teilnehmenden Blogger beschäftigen sich hauptsächlich mit Kultur, aber 11 Prozent auch mit Reise und jeweils 2,3 Prozent mit Familie, Umwelt und einem breiten Themenspektrum, das wir „querbeet“ getauft haben. Die Blogger kommen aus 14 deutschen Bundesländern (allen voran aus Thüringen, Bayern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen) sowie aus Österreich, den Niederlanden, Frankreich, Norwegen, Lettland und Estland. Acht Blogposts steuerten Gastblogger bei, die sonst keinen eigenen Blog führen. Das zeigt, dass wir mit der Blogparade #SalonEuropa zwar einerseits unser eigenes Netzwerk im Kulturbereich erreichten, aber durchaus auch uns noch unbekannte Zielgruppen ansprechen und neue Netzwerke knüpfen konnten.

Die Themen der Blogparade #SalonEuropa

In den vorangegangenen Zusammenfassungen haben wir die angesprochenen Themen verschlagwortet, um einen groben Überblick über die Vielfalt der Inhalte zu geben. Interessant ist auch der Vergleich der einzelnen „Kanäle“ (schriftliche Kommentare, Salonabend, Videos, Blogparade), denn es werden ganz unterschiedliche Themengewichtungen deutlich.

Themen der Blogartikel zur Blogparade #SalonEuropa.
Themen der Blogartikel zur Blogparade #SalonEuropa.

Allein der Blick auf die Grafik zur Blogparade zeigt, dass der Diskurs über aktuelle Probleme hier in den Hintergrund trat und viele Blogger einen anderen Ansatz wählten. Sie rückten Kultur und den Kulturaustausch in Europa in den Mittelpunkt, bloggten über Europas Geschichte, über ganz konkrete persönliche Erfahrungen mit Europa, über das Reisen und die Bedeutung von Frieden, Sicherheit, Freiheit und offenen Grenzen. Auch Umwelt- und Naturschutzthemen kamen zur Sprache, ebenso wie Politik, gemeinsame Werte und Digitalisierung im Kulturbereich.

Hier wird auch die Natur des Bloggens deutlich: Blogs sind ursprünglich persönliche Tagebücher, viele widmen sich einem Oberthema wie Reisen, Umwelt, Geschichte, Kultur und natürlich muss auch der Beitrag zu einer Blogparade zu diesem Thema passen, damit der Blogger seine Leser anspricht.

Stimmen aus der Blogparade #SalonEuropa

Alle 75 Beiträge sind chronologisch auf der Projektwebsite kurz zusammengefasst und können dort auch ausführlich nachgelesen werden. Sie sind am Ende dieses Beitrags noch einmal verlinkt. Ein paar Themen, die viele Blogger bewegten, seien beispielhaft herausgegriffen:

Europas Wurzeln und aktuelle Politik

Europas Geschichte oder einzelne Aspekte davon standen im Zentrum mehrerer Blogposts. Dabei glich kein Text den anderen, es ging um Europas Spuren in regionaler Geschichte und um aktuelle europäische Politik, um die Tisch- und Heiratskultur des historischen europäischen Adels, um das gemeinsame Erbe der Aufklärungszeit, von Humanismus und Liberalismus und um Europas Verhältnis zum Fremdenhass. Nicht zuletzt ging es um die Bedeutung der langen europäischen Friedensperiode, in der wir uns befinden.

Probleme lösen auf nationaler, europäischer oder besser gleich internationaler Ebene?

Oft wurde hervorgehoben, dass sich globale Herausforderungen auf europäischer Ebene besser lösen lassen. Manchmal wurde aber auch einen Schritt weitergegangen und darauf hingewiesen, dass für verschiedene Bereiche (wie z.B. Digitalisierung, Klimapolitik) ein globaler Blickwinkel noch sinnvoller wäre.

Heute so aktuell wie damals: Die Karikatur “The plumb-pudding in danger -or- state epicures taking un petit souper” von 1805 (British Museum CC BY-NC-SA 4.0 Quelle)

Europa in Kunst und Kultur

Die Rolle der historischen und aktuellen Kunst und Kultur, der Architektur, Musik und Literatur für Europas gemeinsame Werte und Traditionen und auf das persönliche Erleben Europas stellten viele Blogger in den Mittelpunkt ihrer Texte. Und gleichzeitig ging es auch darum, wie man das gemeinsame europäische Kulturerbe im Internet frei zugänglich und teilbar machen könnte.

Reisen durch Europa

Das Reisen und Kennenlernen anderer europäischer Kulturen, ob per Flugzeug, Wohnmobil, Fahrrad oder zu Fuß, ob mit Kindern, Partner oder allein, faszinierte viele Blogger an Europa.

Ost-West-Sichten: Ganz unterschiedliche Erfahrungen mit Europa

Ein besonders interessanter Aspekt der Blogparade waren für uns die teilweise sehr unterschiedlichen persönlichen Erfahrungen, die Blogger in den verschiedenen Regionen Deutschlands und in den verschiedenen Altersklassen mit Europa gemacht haben. Für viele ist das europäische Miteinander eine Selbstverständlichkeit, nicht nur für die jüngere, von Erasmus und Interrail geprägte Generation, auch für die, die in Grenzregionen zu Frankreich, den Niederlanden oder der Schweiz leben.

Gleichzeitig war es ungeheuer spannend, die Erinnerungen an unterschiedliche Erfahrungen vor und hinter dem ehemaligen „eisernen Vorhang“ zu lesen. Denn mehrere Blogger schilderten ihre Erlebnisse an den Ostgrenzen und ihre Zeit in der DDR-Diktatur ohne Reisefreiheit. Ein weiterer Aspekt waren Blogposts über Projekte zu persönlichen Migrationserfahrungen in und nach Europa. Und nicht zuletzt ging es um die persönliche Bedeutung der europäischen Identität bzw. Nationalität.

An diesen Stellen, so unser Eindruck, bot die Blogparade die Chance, Brücken zu bauen, einander zu verstehen und zuzuhören und Erfahrungen auszutauschen.

Die Diskussion über die Blogparade #SalonEuropa

Die Ausstellung „#SalonEuropa vor Ort und digital“ und die darin integrierte Blogparade verstanden sich als ein Labor. Ausgehend von der historischen Salonkultur um 1800 sollten sie den Bogen schlagen in die heutige Zeit und zur aktuellen politischen Lage. Wie der Dichter Jean Paul anerkennend berichtete, durfte im Salon der Herzogin von Kurland jeder frei seine Meinung äußern, solange sie höflich vorgetragen wurde.

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TV-Journalist Gunter Auer über die Ausstellung #SalonEuropa vor Ort und digital

Analog dazu wurde im #SalonEuropa Labor Besuchern vor Ort und im Digitalen die Möglichkeit geboten, ihre Gedanken zu Europa heute zu äußern. Auf einem großen Bildschirm in der Ausstellung und auf einer Website kamen unter der Überschrift „Europa bedeutet für mich…?“ in Videos, kurzen Statements und Blogposts unterschiedliche Meinungen zu Europa zu Wort.

In den Blogs selbst und in den sozialen Netzwerken bildeten die Texte Grundlage für Austausch und Diskussion. Davon zeugen beispielsweise über 360 Kommentare in den teilnehmenden Blogs und die große Reichweite des Hashtags #SalonEuropa von 7 Mio Impressions auf Twitter. Auch auf Instagram und Facebook kam es zu Gesprächen.

Dabei war es sehr unterschiedlich, wie viel Austausch in den einzelnen Blogs möglich war bzw. zustande kam. Der meistkommentierte Beitrag erhielt innerhalb weniger Tage 50 Kommentare, in denen sich die Leser angeregt über kulturelle Gepflogenheiten beim Besuch in fremden Wohnungen austauschten. Tendenziell scheinen Reise- und „Livestyle“-Blogger eine diskussionsfreudigere Leserschaft zu haben als beispielsweise reine Kultur- und Geschichtsblogs. In anderen Blogs kam gar keine Diskussion zu Stande. Offenbar haben manche Blogger im Zuge der DSGVO bzw. auch aus anderen Gründen die Kommentarfunktion deaktiviert.

Für eine angeregte Diskussion zum Mehrwert von Blogparaden empfehlen wir Tanja Praskes ausführlichen Artikel „Blogparaden in der Kultur – Chancen, Risiken und Learnings“.

Der Blogpost “Schuhe aus im #SalonEuropa?” von Textile Geschichten bekam die meisten Kommentare (Bildquelle: https://textilegeschichten.net/2018/10/07/schuhe-aus-im-saloneuropa/)

Insgesamt kann festgehalten werden, dass die Beiträge zur Blogparade sehr homogen waren, es gab nur einen Beitrag, der „Europa“ im Sinne der EU in Frage stellte.

Dieser Beitrag stellt aus unserer Sicht eine Meinung dar, wie sie derzeit von vielen Menschen vertreten wird und die nicht gegen unsere zuvor aufgestellten Salonregeln verstößt, die Meinungsfreiheit und Vielfalt zulassen. In der Einführung verweist der Autor darauf, dass er zwischen EU und Europa unterscheidet und in der EU einen „übergestülpten Machtapparat“ sieht. Es werden historisch nicht haltbare Fakten vermischt, wenn z. B. Jugoslawien und die Sowjetunion, die beide sozialistische Diktaturen waren, als Beispiel für die EU herhalten müssen. Wie die globalen Probleme unserer Zeit durch Nationalstaaten gelöst werden sollen, wird auch nicht klar. Dieser Beitrag wurde von uns dennoch bewusst zugelassen, sind doch solche oder ähnliche Meinungsäußerungen, wie schon gesagt in Deutschland nicht selten zu hören. Insofern wäre eine Diskussion über den Inhalt interessant gewesen. Dem Autor selbst war allerdings nicht an einer Diskussion zum Thema gelegen. Der Blogbeitrag hat keine Kommentarfunktion, auf Twitter und Facebook fand und findet keine Interaktion statt.

Stattdessen entzündete sich an diesem Blogpost eine Diskussion über das Für und Wider, EU-skeptischen Meinungen ein Podium zu bieten. Überraschend für uns war, dass sich nicht mit dem Inhalt des Beitrags auseinandergesetzt wurde, sondern von Einzelnen unsere Herangehensweise an das Projekt #SalonEuropa und gleich noch unsere Kompetenz zur Durchführung eines solchen Projekts in Frage stellt wurde. Die Kontroverse gipfelte schließlich darin, dass das Museum dafür angegriffen wurde, diese Meinung in der Blogparade veröffentlicht zu haben. Dass dies in Unkenntnis der Arbeit des Museums, seiner Mitarbeiter, der parallel laufenden Ausstellung und der dort aufgestellten Salonregeln zur Meinungsfreiheit (siehe oben) geschah, soll hier unbedingt erwähnt werden. Denn der Vorgang bestätigte die These, dass in großen Teilen der Gesellschaft die öffentliche kontroverse Diskussion nicht miteinander geführt, sondern stattdessen übereinander gesprochen wird. Diese Art der Diskussion bezeugt deutlich den breiten gesellschaftlichen Diskurs, der sich derzeit in zwei Lager teilt: Während die eine Seite der Meinung ist, dass Europa-kritischen Stimmen keine Bühne geboten werden sollte (z.B. taz: Ich möchte lieber nicht), vertritt die andere die Ansicht, dass gerade durch Miteinanderreden die aktuelle Spaltung Europas überwunden werden könnte (z.B.: dlf: Das Problem mit der „Political Correctness“, watson: Warum es so gefährlich ist, dass so wenig über den Migrationspakt informiert wird , dlf: Einmischung in politische Debatten durch Historiker).

Ganz aktuell befasst sich Maria-Sibylla Lotter in DER ZEIT (Zeit Nr.51/13.12.2018) mit der Thematik „Wer darf was sagen? Wie kontrovers sollen Debatten sein?“ indem sie auf den Streit an der Universität Siegen eingeht (siehe auch: Mohamed Amjahid, Denken oder denken lassen?, Zeit, Nr.51/18, 5.12. 2018) Allerdings geht es dabei weniger um das Thema „Europa“, sondern zuallererst um den Umgang mit der „Neuen Rechten“.

Zusammenfassung

Insgesamt zielte das Projekt #SalonEuropa neben der Visualisierung in der Ausstellung vor Ort vor allem auf das Gespräch mit allen, auch mit denen, deren Meinung zwischen den Extremen liegt, die Europa als bürokratisches Monster und nicht als Chance zur Bewältigung nationaler wie internationaler Probleme sehen. Den Unzufriedenen wollten wir genauso eine Stimme geben, wie denen, die Europa bereits jetzt leben.

Insofern ist festzustellen, dass genau dieser Austausch in der Blogparade nicht erreicht werden konnte (was vielleicht auch nicht zu erwarten war).

Wunderschöne Europa-Collage aus dem Blogpost von Le Monde de Kitchi (Quelle: https://lemondedekitchi.blogspot.com/2018/10/blogparade-saloneuropa.html)

Trotzdem haben die Meinungen und Gedanken aus der Blogparade die Ausstellung vor Ort maßgeblich belebt und erweitert. Es wurden politische, gesellschaftliche, wissenschaftliche, nicht nur auf den Tag bezogene Gedanken geäußert. Die Blogparade hat gleichermaßen die Aufmerksamkeit für #SalonEuropa und vielleicht ein wenig für Europa an sich erhöht. Schon allein dafür hat sich der Aufwand gelohnt und das betrachten wir durchaus als Erfolg einer Kulturblogparade. Wir jedenfalls konnten uns mit wirklich spannenden Bloggern vernetzten, von denen wir einen viele vor der Blogparade noch nicht kannten. Dafür sei allen gedankt.

Zum Schluss: Über Europa zu reden ist kein Selbstläufer

Spontan zu Wort meldeten sich nur wenige, oft diejenigen, die sich ohnehin schon engagieren oder die, die damit gleichzeitig auch eine Botschaft auf einem eigenen Kanal (z.B. Blog, Social Media-Account) an ein eigenes Publikum (ihre Follower) senden. Vielen Meinungsäußerungen gingen persönliche Gespräche vor Ort und digital voraus. Es gibt eine breite Masse, die die Ausstellung vor Ort oder digital mit Interesse verfolgte, sich lobend äußerte, aber keine eigene Meinung hinzufügte. Europa ist nicht schwarz-weiß und das Thema kein einfaches.

Migrationsarchiv im Archäologischen Museum Hamburg (Quelle: https://blog.amh.de/europa-in-harburg-saloneuropa/)

Der MDR -Twitterkanal für Medien verfolgte #SalonEuropa regelmäßig. Wir versuchten auch Thüringer Printmedien für die Thematik zu sensibilisieren, was allerdings nur begrenzt gelang. Die Ostthüringer Zeitung (Funke-Mediengruppe) berichtete oft über unser Projekt, allerdings sprang der „Europafunken“ nie über. In Thüringen finden 2019 Landtagswahlen statt und laut aktuellen Wahlumfragen wären CDU, Linke und AfD mit jeweils wohl rund 23 bzw. 22 Prozent der Stimmen die stärksten Kräfte. Es ist also an der Zeit, zumindest darüber nachzudenken, welche Position man selbst vertritt, tatsächliche Probleme offen anzusprechen und ernst zu nehmen. Und Zeit, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Wir haben ganz unterschiedliche Visionen für die Zukunft Europas

In vielen Beiträgen kommen Zukunftswünsche und Visionen für Europa zu Wort, die teilweise weit auseinander gehen. Diese Spaltung zieht sich natürlich durch den gesamten Kontinent. Ein Lichtblick für uns: Der Tonfall im #SalonEuropa blieb immer sachlich. Wir hatten den Eindruck, dass man gerade in der Ausstellung vor Ort und auch in den Social Media-Kanälen die Verschiedenheit der Sichtweisen zur Kenntnis genommen hat. Für uns bildete das die Grundlage für einen ausgewogenen Diskurs auf Augenhöhe.

Persönliches Fazit von anderen: Die Idee, die Widersprüche und Probleme Europas

„Gerade die Unterschiede und Widersprüche gehören zur Pluralität Europas“, betonte Reinhard Laube, Direktor der Weimarer Anna Amalia Bibliothek.

Mit der Idee Europas, was heute davon übrig ist und wie unterschiedliche Generationen dazu stehen, beschäftigten sich auch andere Posts. Viele kamen wie Kulturkramkiste zu dem Schluss: „Es ist Zeit, Verantwortung zu übernehmen und Europa weiterzuentwickeln.“

Zusammengefasst von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Alle Kurzfassungen der eingegangenen Blogposts auf einen Blick:

1. Klaus Graf von Archivalia: Europa ist für mich kein Ersatz für Weltbürgertum // @Archivalia_kg (23.9.2018)

Für Klaus Graf sind Europa und europäische Zusammenarbeit zwar gut und wichtig, aber “kein Ersatz für Weltbürgertum”. Er möchte einen Schritt weitergehen und fordert – gerade im Kulturbereich – eine stärkere Zusammenarbeit, die über Europa hinausgeht. Warum gibt es kein weltweites Äquivalent zur Europeana oder zum Archivportal Europa? Hier geht es zum ganzen Artikel

2. mikelbower: Elysium hauchte Europa // @mikelbower (23.9.2018)

Mikelbower lädt bei Speyrer Brezel und Pfälzer Riesling zum gemütlichen und kurzweiligen Gespräch in seinen virtuellen Wohnzimmersalon. Dort führt er uns nicht nur nach Speyer, sondern auch quer durch die europäische Geschichte. Dabei gibt es allerhand interessante Details, die einiges über Europa aussagen, und wundervolle Ideen dazu, was einer europäischen Zukunft noch fehlt. Hier geht es zum ganzen Artikel

3. Christiane Nienhold von Christianes Landkultur: Morning Glory // @landkultur (24.9.2018)

Christiane Nienhold nimmt uns mit auf einen sehr persönlichen Ausflug in ihre Jugend im geteilten Europa und erste Erkundungsreisen nach der Wende: “…es gab viel zu entdecken, was wir bis dahin nur aus Büchern oder dem Fernsehen kannten, und von dem wir kaum hatten hoffen dürfen, es jemals in der Realität zu sehen.” Für die Zukunft wünscht sie Europa, dass sich die Menschen ihrer Gemeinsamkeiten und ihrer Menschlichkeit besinnen. Hier geht es zum ganzen Artikel

4. Anke von Heyl aka Kulturtussi: Mein Bild für Europa. Oder warum ich die architektonische Nachkriegsmoderne so schätze! // @kulturtussi (24.9.2018)

Für Anke von Heyl steht Europa auch für die Überwindung des Traumas des 2. Weltkriegs. In ihrem Blogpost schlägt sie den Bogen von der Architektur der Nachkriegszeit bis zur heutigen ungewissen Zukunft Europas. Als Symbol für Europa sieht sie das Berlaymont-Gebäude – oder wie es auch gerne genannt wird, an das Berlaymonstre. Hier geht es zum ganzen Artikel

5. Unterwegs im Hinterland: Blogparade „#SalonEuropa – Europa ist für mich…“ // @chillerunterwegs (24.9.2018)

Cindy Hiller sucht in ihrem Blogpost nach Spuren, die Menschen aus anderen Ländern Europas im “Hinterland”, in der Provinz hinterlassen haben. Oft kommen dem Leser große Schlachten in den Sinn, doch Europa steht für Cindy Hiller nicht für das “kopflose Wegballern”, sondern für das genaue Gegenteil: für gemeinsames Reden und für Frieden, der viel schwerer zu erreichen ist als Krieg. Auf ihrem Weg führt sie uns an viele kleine, aber bedeutende Orte und lockt mit dem Versprechen, diesen Bericht zu erweitern. Hier geht es zum ganzen Artikel

6. Naturgebloggt: #SalonEuropa und was Europa für mich bedeutet // @ThomasEngst (25.9.2018)

Thomas Engst betrachtet in seinem Blogpost Europa aus Sicht des Naturschützers. Dabei garantiert die EU aus seiner Sicht erstmalig ein verbindliches Regelwerk, durch welches Lebensraumtypen, Tier- und Pflanzenarten einen länderübergreifenden Schutzstatus genießen. Perfekt ist das Konstrukt Europa bei weitem nicht, aber es birgt das Potenzial, besser zu werden. Hier geht es zum ganzen Artikel

7. Europeana Blog: ‘All of Europe is my country’ and other stories from Europeana Migration // @europeanaeu (25.9.2018)

The Europeana Blog written by Dr Beth Daley takes a look at Europe from the perspective of migrants. It shows an impressive collection of very touching and personal migration stories from all over Europe. Some of the authors feel safe, others lost; for some Europe means music, for others freedom to travel.  Read the full article here

8. Europeana @ Medium.com: How sharing Europe’s cultural heritage online impacts on, well, everything. // @Europeana (25.9.2018)

2018 is the European Year of Cultural Heritage. And so the article of Europeana tells how cultural heritage is shared digitally, why and to whom. The article comes to the conclusion that sharing of digital cultural heritage is important – to the cultural heritage sector and to all of humanity. Read the full article here

9. (Gastbeitrag) Barbara Fischer: Denk ich an Europa in der Nacht // @fischerdata (26.9.2018)

Für die junge Barbara Fischer war Europa das Versprechen auf Frieden, Völkerverständigung, Wohlstand und Umweltschutz. Heute scheint sich Europa nach vielen Erfolgen zu einer Seifenblase zu entwickeln, die zu platzen droht. Welche Rolle, welche Bedeutung hat das europäische Kulturerbe – Hoffnung? Hier geht es zum ganzen Artikel

10. Reinhard Laube, Blog der Klassikstiftung Weimar: Weimars Europa // @klassikstiftung (28.9.2018)

Ausgehend von den Schätzen der Weimarer Anna Amalia Bibliothek arbeitet sich deren Direktor Reinhard Laube in seinem Blogpost vor zu den Widersprüchen Europas: “Diese Pluralität der Perspektiven ist Europa. Sie ist nicht beliebig, und nicht harmonisch, bedeutet vielmehr Arbeit, auch Streit und bedarf allemal Formen der Vermittlung.” Sein Fazit: “Europäisch denkt, wer widersprüchliche Perspektiven anerkennt…” Hier geht es zum ganzen Artikel

11. Dr. Alexandra Hildebrandt: Europäische Lebenskünstler: Warum ihre Ernte so wertvoll ist // @AHildebrandt70 (29.9.2018)

Dr. Alexandra Hildebrandt spricht in ihrem Blogpost von der Kunst, immer wieder neu denken zu lernen. Lebenskünstler wie der Designer Azzedine Alaïa oder der Dichter Adelbert von Chamisso schafften es, sich stets neu zu erfinden. Kreativität geht einher mit Vernetzung, die auch beim Thema Digitalisierung hilft, neue Wege zu gehen. Hier geht es zum ganzen Artikel

12. Dr. Alexandra Hildebrandt: Warum gutes Benehmen wieder salonfähig sein sollte // @AHildebrandt70 (30.9.2018)

Dr. Alexandra Hildebrandt nimmt in ihrem Blogpost die “Salonfähigkeit” unserer Gesellschaft unter die Lupe. Was zählt der Knigge in einer digitalen Welt? Auch im Netz sei Höflichkeit und Rücksichtnahme die Grundlage für Erfolg. Hier geht es zum ganzen Artikel

13. Bent Jensen, Archäologisches Museum Hamburg: Europa in Harburg // @ArchaeologieHH (1.10.2018)

Bent Jensen vom Archäologischen Museum Hamburg weist auf Europas lange Geschichte der Migration hin: “Grund genug also, sich zu überlegen, was uns als Menschen an den Ort (in Europa) führt, an dem wir heute leben.” Das Archäologischen Museum Hamburg hat derzeit gleich zwei interessante Projekte, bei denen es persönliche Geschichten zum Thema Migration und Geschichte vor Ort sammelt.  Hier geht es zum ganzen Artikel

14. Dr. Alexandra Hildebrandt: Unsere Wurzeln: Warum wir zusammenhängende Stoffgeschichten brauchen // @AHildebrandt70 (1.10.2018)

In diesem Blogpost nimmt Dr. Alexandra Hildebrandt den Leser mit in die Welt der Wälder und ihrer Bedeutung für den Menschen im Laufe der Zeit. Das Holz der Wälder spielt für die Menschen eine so große Rolle, dass wir uns mit diesen “Wurzeln” beschäftigen sollten – auch im Sinne der Nachhaltigkeit und der Einsparung von CO2. Im Artikel werden einige interessante Initiativen und die passende Lektüre empfohlen. Hier geht es zum ganzen Artikel

15. Le monde de Kitchi: Blogparade #SalonEuropa // (1.10.2018)

“Europa – das ist für mich mit vielen positiven Gemütszuständen, sinnlichen Erfahrungen und schönen Bildern verbunden.”, schreibt Astrid Kahmen vom Blog Le monde de Kitchi und zählt eine unglaubliche Menge verschiedenster europäischer Einflüsse auf, die sie zu dem gemacht haben, was sie heute ist. Europa als Quelle der persönlichen Inspiration. Ergänzt wird der Blogpost mit wunderschönen Europa-Collagen. Hier geht es zum ganzen Artikel

16. Schlösser und Gärten Deutschland:Europa und die Schlösserwelt – Ein Beitrag zur Blogparade #SalonEuropa // @sgd_zu_tisch (2.10.2018)

Die Schlösser und Gärten Deutschland laden in ihrem Blogpost Europa an einen Tisch. Kultur – besonders die höfische Ess-, Trink- und Tischkultur – verbindet den Kontinent schon seit Jahrhunderten. Sie zeigt, dass Europa ein bunter Kontinent ist, von Gemeinsamkeiten und Gegensätzen, vom Austausch über und beim Genuss geprägt. Hier geht es zum ganzen Artikel

16 b. Schlösser und Gärten Deutschland: EUROPE AND ITS CASTLES – A CONTRIBUTION TO THE BLOG PARADE #SALONEUROPA // @sgd_zu_tisch (7.10.2018)

The Castles and Gardens Germany dive in their blog into European noble culture. Especially the courtly eating, drinking and dining culture has been connecting the continent for centuries. It shows that Europe is a colorful continent, characterized by similarities and contrasts, by exchange and enjoyment. Read the whole article

17. Dr. Alexandra Hildebrandt: Revolution des Geistes: Warum das europäische Erbe der Romantik so aktuell ist // @AHildebrandt70 (2.10.2018)

Dr. Alexandra Hildebrandt weist in diesem Artikel auf die alte und neue Bedeutung der Romantik in Europa hin. “Schon die Frühromantiker setzten in Kriegs- und Krisenzeiten den leidvollen Erfahrungen des Umbruchs und der existenziellen Unsicherheit etwas Neues entgegen, indem sie neue Formen des Zusammenlebens und Zusammenarbeitens erprobten.” In Zeiten der Digitalisierung erlebe die Romantik eine Wiedergeburt. Hier geht es zum ganzen Artikel

18. MusErMeKu: Stolpersteine – Stumble Upon Memory in Europe // @musermeku (3.10.2018)

Damián Morán Dauchez from MusErMeKu introduces us to the historical memory project “Stolpersteine”, or „stumbling stones“. Stolpersteine are square-shaped paving stones remind us of persons killed by the Nazis. The Article also tells about the discussion pro and against the project. Read the full article here

19. Kulturkramkiste: Blogparade “#SalonEuropa – Europa ist für mich…” // @strigo73 (3.10.2018)

Die “Kulturkramkiste” gibt in ihrem Blogbeitrag einen ganz persönlichen Einblick in ihr damaliges und heutiges Europa. Von der europäischen Utopie im Kalten Krieg bis zur scheinbaren heutigen Europaabkehr spricht sie über Gemeinsamkeiten, Unterschiede und visionäres Denken. Es ist  Zeit,  Verantwortung zu übernehmen und Europa weiter zu entwickeln. Hier geht es zum ganzen Artikel

20. Dr. Alexandra Hildebrandt: Der europäische Geist: Warum der Ehrbare Kaufmann hochaktuell ist // @AHildebrandt70 (3.10.2018)

Fehlt den Unternehmern heute der Anstand? In diesem Artikel schafft es Dr. Alexandra Hildebrandt, die Geschichte der “ehrbaren Kaufleute” von der Zeit der Hanse und der Fugger mit der Finanzkrise und den Herausforderungen für “verantwortungsbewusste Unternehmer” heute zu verbinden. Sie zeigt damit deutlich, dass manche Werte nicht überholt sind, auch wenn sie auf eine lange europäische Tradition bauen. Hier geht es zum ganzen Artikel

21. Wolfgang Stöcker: Ich kenne nur ein “Europa des Friedens” // Deutsches Staubarchiv (5.10.2018)

Wolfgang Stöcker, Jahrgang 1969, schreibt in seinem Beitrag zur Blogparade #SalonEuropa, er kenne nur ein “Europa des Friedens”. “Was läuft seit einigen Jahren falsch?”, fragt er. “Wir Europäer besitzen soziokulturelle Klebstoffe, die uns allen bekannt sind!” Nur leider seien diese Bindemittel auch immer wieder Sprengstoff für das europäische Miteinander. Hier geht es zum ganzen Artikel

22. Dr. Alexandra Hildebrandt: Treibsand der Geschichte: Was bleibt von uns? // @AHildebrandt70 (5.10.2018)

Der Beitrag  ist nicht nur dem schwedischen Schriftsteller Henning Mankell, sondern den wirklich wichtigen Dingen gewidmet. Bleibt am Ende nur unser (atomarer) Müll oder schaffen wir es, unsere Erfahrungen und unsere Geschichte weiterzugeben? Eine Möglichkeit gegen das Vergessen bietet das Projekt “Memory of Mankind” (MOM), auch als Warnung für die, die nach uns kommen.  Hier geht es zum ganzen Artikel

23. mikelbower: Sternenwege nach Europa // @mikelbower (5.10.2018)

Mikel Bower weist in diesem Blogpost auf den Sternenweg (“Pilgern für den Frieden und ein weltoffenes Europa“) hin, ein Pilgerweg, der Deutschland und Frankreich verbindet. “Mainz, Speyer, Wissembourg. Ich pilgerte unwissentlich. Für den Frieden und Europa. Ich, das Heidenkind.” Wir sollten mehr gemeinsam spazieren gehen und dadurch Kulturen zusammenwachsen lassen, findet Mikel Bower. Hier geht es zum ganzen Artikel

24. Christoph Pietrucha: Wir, ihr, sie . Polen und Europa // (6.10.2018)

Im Blog Museumsdinge geht es um den Umgang mit europäischer und polnischer Geschichte in polnischen Museen und in der Gesellschaft in Polen. Wie wird die Vergangenheit interpretiert und eingeordnet? Der Blick ins Nachbarland lohnt nicht zuletzt für ein besseres gegenseitiges Verständnis in Europa. Hier geht es zum ganzen Artikel

25. Kultur und Kunst: It’s a beautiful day | U2 Live in concert // @kulturundkunst (6.10.2018)

Auch bei einem Rockkonzert kann Europa Thema sein und sogar ein europäisches Gemeinschaftsgefühl erzeugt werden – zum Beispiel bei U2. Wera Wecker vom Blog Kultur und Kunst berichtet vom U2-Konzert in Hamburg und wie dort europäische Probleme und Gemeinsamkeiten neben der Musik eine verbindende Rolle spielten. Hier geht es zum ganzen Artikel

26. Dr. Alexandra Hildebrandt: Die Ordnung der Dinge: Über sammelnde Denker und denkende Sammler// @AHildebrandt70 (7.10.2018)

“Der durchschnittliche Europäer besitzt etwa 10.000 Gegenstände.” Was sammeln wir, was bewahren wir für die Nachwelt und was bedeutet uns der physische Gegenstand im digitalen Zeitalter? Darum geht es in Dr. Alexandra Hildebrandts Artikel, der uns vom Heute über Alltagsgegenstände aus der DDR zu Goethes Sammelleidenschaft und zurück zum Alltag mitnimmt. Hier geht es zum ganzen Artikel

27. Textile Geschichten: Schuhe aus im #SalonEuropa? // @Suschna (7.10.2018)

Im Blog Textile Geschichten geht es um eine vermutlich noch nicht endgültig geklärte europäische Alltagsfrage: Zieht man als Gast beim Betreten einer Wohnung die Schuhe aus oder behält man sie an? Nicht mal für Deutschland lässt sich das einheitlich beantworten. Andre Regionen, andre Schuh-Gewohnheiten. Hier geht es zum ganzen Artikel

28. Sturmpost: Europa, Dorf und weite Welt // @sturmwarnung (7.10.2018)

Andrea nimmt uns mit ins Österreich der 1960er und 1970er Jahre und beschreibt, wie sie mit Europa in Kontakt kam. Wie sie später als EU-Gegnerin doch “Ja” ankreuzte. Und wie sie heute “Europa” ambivalent gegenübersteht. Sie lässt uns mit der Frage zurück: “Vielleicht also bin ich gar keine überzeugte Europäerin, sondern überzeugte Anhängerin historisch europäischer Ideen?” Hier geht es zum ganzen Artikel

29. Landlebenblog: Prioritäten // @Odenwaelderin (7.10.2018)

“Der Typ ist mir gleich aufgefallen. Ich habe ja durchaus einen Sinn für attraktive Männer. In diesem Fall fasziniert mich aber weniger sein Aussehen, sondern vielmehr das, was er tut.” – Im Landlebenblog entlarven kleine Alltagsbeobachtungen in einem französischen Supermarkt, wie unterschiedlich man Prioritäten setzt in zwei Ländern, die so dicht beieinander liegen wie Frankreich und Deutschland. Hier geht es zum ganzen Artikel

30. Ralf Grabuschnig: Europa und die Xenophobie: ein untrennbares Paar? // @RalfGrabuschnik (8.10.2018)

“Die Xenophobie und später der Nationalismus und Rassismus sind Europa schon seit langem ein treuer Wegbegleiter. Warum sollte sich das plötzlich ändern?”, fragt Ralf Gabuschnig in Blog und in Podcast und nimmt uns mit in die europäische Geschichte der Fremdenfeindlichkeit von der Entstehung des Wortes Xenophobie über die Kolonialzeit bis ins Heute. Hier geht es zum ganzen Artikel und hier zum Podcast

31. Erdhaftig:#SALONEUROPA – DIE MISCHUNG MACHTS! // @erdhaftig (8.10.2018)

Für Silke Bicker vom Blog Erdhaftig sind die Vorteile eines vereinten Europas unübersehbar: gemeinsame Währung, offene Grenzen, Frieden. “Ich kenne bislang nur Frieden in Europa und möchte, dass das so bleibt. Gene Roddenberry erdachte viele technische Geräte für seine Drehbücher, die es heute bereits so oder so ähnlich gibt. Auf den Dritten Weltkrieg, in dem wir die Erde in einem Atomkrieg fast zerstören, verzichte ich liebend gerne.” Hier geht es zum ganzen Artikel

32. Zeilenabstand: Architektur als Identitätsträger für Europa // @zeilenabstandN (8.10.2018)

Damian Kaufmann spricht in seinem Blogpost über die gemeinsame Architektursprache Europas. Schon vor Jahrhunderten verband das Bauschaffen den Kontinent, auch wenn die politischen Konstellationen nicht immer so geeint erschienen. Architektur war und ist Ausdruck eines gemeinsamen Wertekanons, dessen man sich noch heute bewusst werden sollte. Hier geht es zum ganzen Artikel

33. Jens Bemme: mein #SalonEuropa// @jeb_140 (8.10.2018)

Für Jens Bemme ist Europa ein großes Puzzle. In seinem Beitrag geht es um Honig, Radfahrerwissen und die bewegende Frage, seit wann Männer in Sachsen Hosen tragen und ob sie jemals Röcke trugen. Es geht um ein “Europa der Regionen” und um Fragen, die dazu einladen, andere kennenzulernen. Hier geht es zum ganzen Artikel

34. Ursula Ronnenberg: Europa – hier total normal// @URonnenberg (8.10.2018)

Ursula Ronnenberg gibt einen ganz alltäglichen Einblick in ein gelebtes Europa. Im Dreiländereck Belgien-Deutschland-Niederlande sind Grenzübergänge völlig normal und mit nationalen Unterschieden kommt man im täglichen Miteinander gut zurecht. Die drei Portemonnaies für drei Währungen braucht es nicht mehr, Grenzhäuschen sind für Kultur geöffnet – Europa ganz normal. Hier geht es zum ganzen Artikel

35. Lindenau-Museum Altenburg: Die einzig revolutionäre Kraft – Die Kultur der 68er, die europäischen Krisen und die Kunst der Gegenwart // @LindenauMuseum (10.10.2018)

Passend zum #SalonEuropa stellt das Lindenau-Museum Altenburg die Ausstellung “Die einzig revolutionäre Kraft” vor. In den bewegten Jahren um 1918 und 1968 schlossen sich in Deutschland und Europa Künstler zusammen, um mit ihrer Kunst die Vision einer neuen Gesellschaft zu realisieren. Die Krise als Chance für Neues nutzen – dieser Gedanke schlägt den Bogen bis in die Gegenwart. Hier geht es zum ganzen Artikel

36. Der Lehmofen: SEXUAL DIVERSITY IN EUROPE IS AN OLD HAT/ SEXUELLE VIELFALT IN EUROPA IST EIN ALTER HUT // @Runa_Phaino (gefunden: 10.10.2018)

“Der Lehmofen” widmet seinen Blogpost der Liebe, Freiheit und der sexuellen Vielfalt. Seit 2013 ist die gleichgeschlechtliche Ehe in Frankreich gesetzlich verankert. Mit einem Blick ins alte Griechenland und in die Zeit der französischen Revolution wird mit einem Augenzwinkern erklärt, warum Hüte dabei vielleicht eine wichtige Rolle gespielen haben. Hier geht es zum ganzen Artikel

37. Landlebenblog: St. Die // @Odenwaelderin (11.10.2018)

Der Landlebenblog nimmt uns mit auf einen Ausflug in das kleine Städchen St. Die des Vosges in Ostfrankreich. Im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört, entspricht die Stadt vielleicht nicht dem typischen Bild einer französischen Kleinstadt. Doch Europa sind die Menschen, ihr Umgang miteinander und manchmal eine gute Tasse Kaffee. Hier geht es zum ganzen Artikel

38. SOS_Fernweh: Blogparade “Salon Europa – Europa ist für mich…”// @pixelvoice3 (12.10.2018)

The SOS_FernwehBlog is a blog for traveling and photography. In beautiful pictures is shown, how Europe can be seen: as history, wideness, darkness, or open gates. Take a look by yourself. Read the full article here

39. Ichlebejetzt: Die Flagge und meine Nationalität – Wer bin ich?// @IchlebeJetzt1 (12.10.2018)

Der Artikel von IchlebeJetzt wirft einen ganz persönlichen Blick auf das Gefühl der nationalen Zugehörigkeit. Ist eine Flagge nur ein Signalzeichen des Krieges? In vielen Ländern (wie Norwegen) gehört sie in den normalen Alltag, doch beim Anblick der deutschen Flagge, schleicht sich oft ein ungutes Gefühl mit ein. Aber warum? Hier geht es zum ganzen Artikel

40. Dr. Alexandra Hildebrandt: Zukunft braucht Zufall: Warum wir offen für das Unberechenbare sein sollten// @AHildebrandt70 (12.10.2018)

Dr. Alexandra Hildebrandt widmet ihren neuen Blogpost dem Zufall. In manchen Bereichen erscheint die Unberechnbarkeit unbequem. Dennoch bereichert der Zufall das Leben und ist Quelle für neue Ideen und Innovationen. Hier geht es zum ganzen Artikel

41. Kultur Geschichte(n) digital : Europa bedeutet für mich – meine eigene Geschichte // @anjakikahist (13.10.2018)

Anja Kirchner-Kannemann von Kultur Geschichte(n) digital schreibt in ihrem Beitrag über ein ganz persönliches Europa. Sie schreibt von Liebe, die Kriegszeiten überwunden hat, von Familie, Freunden und einem Alltag ohne Ländergrenzen: Ein Europa der Menschen. Hier geht es zum ganzen Artikel

42. GELD FINANZEN REICHTUM: Europa ist für mich …nicht die Europäische Union // @realpeterkovacs (14.10.2018)

Für Peter Kovacs ist Europa zwar schön, die EU aber ein unsäglicher Verwaltungsapparat, der die Nationalstaaten und ihre wirtschaftliche Kraft  einschränkt. Er findet, man muss gegen die EU sein dürfen, ohne als “Europafeind” zu gelten und trennt klar zwischen EU und Europa. Hier geht es zum ganzen Artikel

43. The Hike Tribe: Fernwanderwege in Europa – Eine Übersicht // @TheHikeTribe (15.10.2018)

Fernwanderwege verbinden Europa und fördern den Austausch und die Vernetzung zwischen Menschen und Kulturen. Zusammenhalt durch Naturerleben über verschiedene Nationen hinweg ist gerade in der heutigen Zeit wichtiger als je zuvor und Grund genug, die Fernwanderwege Europas vorzustellen. Hier geht es zum ganzen Artikel

44. Dr. Alexandra Hildebrandt: Hommage an das Schreiben // @AHildebrandt70 (16.10.2018)

Dieser Beitrag Dr. Alexandra Hildebrandts widmet sich der Kulturtechnik des Schreibens. Im Zeitalter der Digitalisierung scheint das Handgeschriebene immer mehr in den Hintergrund zu rücken. Dennoch entwickeln sich zunehmend Tendenzen, die das “schöne Schreiben” und die Kunst der Kalligraphie zu neuer Blüte reifen lassen. Hier geht es zum ganzen Artikel

45. Uldis Zariņš: Maybe the world – or at least Europe – has never been very big to begin with // @uzarins (16.10.2018)

Culture has never recognised any borders, and is a patchwork of various influences from all over Europe. Uldis Zarins takes Rundale Palace for an example: the most precious late baroque building in Latvia, built by an Italian artist (born in Paris), and formerly home of its German masters, the von Biron family. Culture is what makes us Europeans.  Read the full article here

46. Vogtlandzauber: Das Vogtland – ein kulturhistorisches Idyll im Herzen Europas // @vogtlandzauber (16.10.2018)

Der Beitrag von Vogtlandzauber wirft einen Blick aus dem Vogtland auf Europa und die Region selbst. Das Vogtland kannte in seiner Geschichte kaum feste Grenzen und profitiert noch heute vom Austausch im Vierländereck. Dieser Austausch stärkt das Selbstverständnis, bildet Identität und schlägt Brücken, auch über formelle Grenzen hinweg. Hier geht es zum ganzen Artikel

47. Europeana Blog: Looking for Europe through Fashion Plates//@europeanaeu (17.10.2018)

For #SalonEuropa the Europeana Blog sends an article written by European Fashion Heritage Association, which tells how fashion plates have created and imagined European national identities. These plates travelled across the borders
within Europe and beyond, and were not only used to describe fashion of a specific place or nation. Read the full article herehttps://www.fashionheritage.eu/

48. K´s VienNature Culturegram: Burg Posterstein asks: “What does Europe mean to you?” // @karinsvad (17.10.2018)

For K’s VienNature Culturegram Europe is first of all a peaceful environment to live in: “I do not want a Europe that defines itself as a bulwark against the outside world.  I know, there are great challenges to tackle, but I think this cannot be done with hypocrysy or misguided notions of self-interest.” Read the full article here

49. Berlinerin in Frankreich: Europa ist für mich meine Familie! // (18.10.2018)

Für die “Berlinerin in Frankreich” ist Europa ihr Kind, ihre Familie. Denn sie ist Mutter eines von über einer Million “Erasmus-Babys”: “Europa ist für mich meine Familie, mein Leben! Ohne ein vereinigtes Europa würde meine Familie nicht existieren. Durch ein verfeindetes Europa wäre sie bedroht.” Hier geht es zum ganzen Artikel

50. Hiddentraces: 2018 – Mein europäisches Reisejahr // @hiddentraces (18.10.2018)

Ricarda Christina Hollweg vom Blog The Hidden Traces berichtet von ihrem Reisejahr 2018, das sie durch viele europäische Länder führte. “Ich möchte gerne andere dazu inspirieren, den eigenen Kontinent tiefer zu entdecken”, schreibt sie und folgt dabei unbewusst einigen der Reisewege der Herzogin von Kurland. Hier geht es zum ganzen Artikel

50.b Hiddentraces: 2018 – My European Travel Year // @hiddentraces (18.10.2018)

Ricarda Christina Hollweg from the blog The Hidden Traces reports on her travel year 2018, which took her through many European countries. “I would like to inspire others to discover their own continent more deeply,” she writes, unconsciously following some of the Duchess of Courland’s itineraries. Read the whole article

51. Burgdame: Internationale Heiratspolitik – Blogparade #SalonEuropa // @burgdame_de (18.10.2018)

In ihrem Blogpost zur internationalen Heiratspolitik der historischen europäischen Oberschicht folgt die “Burgdame” den Spuren von Daisy von Pless (1873-1943), einer Salondame, die die wichtigsten europäischen Männer ihrer Zeit persönlich kannte, und Mathilde von Waldeck und Pyrmont (1801-1825). “Die internationalen Beziehungen Adeliger sind nur ein kleines Stück dessen, was Europa ausmacht. Für mich ist es aber ein sehr interessantes Stück europäischer Kultur. Wir haben viele Gemeinsamkeiten!”, schreibt “Burgdame”. Hier geht es zum ganzen Artikel

52. LeseZeichen Mannheim:Europa ist für uns ein großer Kulturraum, ein intensiv verflochtener kultureller Rahmen // @LeseZeichenMannheim (18.10.2018)

Helen Heberer und Raimund Gründler führen selbst einen Salon in Mannheim. In ihrem Gastblogpost zeigen sie die vielen Verschlingungen der europäischen Kulturwelt im Laufe der Geschichte auf. Sie sind der Meinung: “Es war nicht Abschottung, sondern intensiver Dialog und vielfältiger Kontakt in Kombination mit örtlichen Besonderheiten und geographischen Vorgaben, die unsere vielfältige europäische Kulturlandschaft hervorgebracht haben.” Hier gehts zum ganzen Artikel:

53. TBerg: #SalonEuropa – Blogparade „Europa ist für mich …“ // @tberg_de (18.10.2018)

T. Berg weist auf die Einzigartigkeit von Europas Geschichte hin: “1990 die deutsche Einheit, gefolgt von der europäischen Einheit. Europa ist ein Kontinent der Vielfalt in Einigkeit. Trotz aller Differenzen haben sich die europäischen Völker zusammengerauft. Hoffentlich dauert diese Erfolgsgeschichte noch lange an. Denn darum bin ich Eurovisionär!” Hier gehts zum ganzen Artikel

54. Leggiero flautato: Kultur kennt keine Grenzen // @sufloese (20.10.2018)

Sehr persönlich erzählt Susanne vom Blog Leggiero flautato von ihrer Kindheit in der DDR, wo sie vom Reisen nur Träumen durfte. Sie vertritt die These, dass Kultur und Politik womöglich schon immer unabhängige Parallelwelten waren. Wir sollten uns aber nicht komplett in das Eine zurückziehen, damit das andere nicht untergeht: “Das politische Europa ist mehr denn je Aufgabe von uns allen, noch gibt es überwiegend Demokratie und selbstverständliche Übergänge zwischen dem kulturellen und dem politischen Europa. Hoffen wir, dass es lange so bleibt.” Hier gehts zum ganzen Artikel

55. Reens Blog: Salon Europa – Europa ist für mich…. // @repiepke (20.10.2018)

Rene von “Reens Blog” fasst seine Gedanken zu Europa so zusammen: “Denke ich an Europa, bin ich in erster Linie stolz auf unseren kleinen schönen Kontinent. Ich denke an verschiedenste Kulturen und Lebensweisen von Ost nach West und Nord nach Süd…. Und ist es nicht irgendwie schön, dass uns trotz der vielen Unterschiede eine kleine Flagge mit ein paar Sternchen im Geiste verbindet?” Hier gehts zum ganzen Artikel

56. Elektromuseum Erfurt: Europa ist nicht allein nur Kulturraum, sondern Wirtschafts- und Lebensraum vieler Nationen // @ElektromuseumEF (20.10.2018)

Europa ist nicht nur Kultur, auch Wirtschaft und Technik. Uns alle verbindet ein unsichtbares Netz, das für unseren Alltag aber essentiell ist, bloggt das Thüringer Museum für Elektrotechnik Erfurt. “Wir sollten jedoch alles dafür tun, dass nicht nur ein Stromnetz die Menschen in Europa verbindet, sondern vielmehr ein Netz demokratischer, freier, rechtsstaatlicher und selbstbestimmter Nationen!” Hier geht es zum ganzen Artikel

57. Mit Kind im Rucksack: #SalonEuropa – Europa ist für mich Freiheit // @inaaltoet (21.10.2018)

Für Ina vom Blog  “Mit Kind im Rucksack” ist Interrail das “Schönste Symbol der Freiheit in Europa”. Einfach mit dem Zug durch 30 Länder Europas zu reisen, bedeutet Freiheit, wenn man in einem Land mit verschlossenen Grenzen aufgewachsen ist. Sie fordert: “Wir müssen uns alle anstrengen damit Europa seine Freiheit, Demokratie und Menschlichkeit behält!” Hier geht es zum ganzen Artikel

58. Peter Soemers: Ich trage Eulen nach Europa! Digitale Transformation & #SalonEuropa //@psoemers (21.10.2018)

Peter Soemers fühlt sich mit Europa verbunden, es ist schließlich seine Heimat. Er findet: “Europa ist nicht nur Politik!” Während er in der reichen Kultur Europas immer neue Inspiration findet, lässt ihn Europas Politik manchmal ratlos zurück und auf die Weisheit der sprichwörtlichen griechischen Eule hoffen, die seinen Beitrag zahlreich schmücken: “Wird manchmal kollektiv der Mensch vergessen? Ich kann es nicht so richtig beurteilen, wie gewissenhaft es da zugeht. Eule, wo bist Du?” Hier geht es zum ganzen Artikel

59. Krosworldia: #SalonEuropa. Die zwei Gesichter des Eurozentrismus // @Kristin_Oswald (21.10.2018)

Für Kristin Oswald ist die Perspektive auf Europa viel zu kurz gegriffen. Ein “SalonWelt” wäre wünschenswert, so die Bloggerin: “Wenn man sich die Liste der deutschen Veranstaltungen zum Kulturerbejahr anschaut, steht zumindest auch hier die positiv-eurozentristische Perspektive im Fokus. Kaum findet man die negativen Seiten von Europa oder die individuellen Geschichten und Blickwinkel derjenigen, die europäisches Kulturerbe nicht aus der institutionellen Brille betrachten.” Hier geht es zum ganzen Artikel

60. Sabine Hofmann: Was hat die Gebietsreform in Thüringen mit Europa zu tun? // (22.10.2018)

Europa beginnt ganz lokal. Sabine Hofmann aus dem Postersteiner Nachbarort Nöbdenitz macht ihren Gastbeitrag zur Blogparade #SalonEuropa zu ihrer Stellungnahme zum Anschluss der Gemeinde Nöbdenitz an die Stadt Schmölln: “Wenn wir wollen, dass Europa gemeinsam agiert, was dringend geboten ist angesichts der Konflikte in der Welt, braucht es Demokratie von unten und Instrumente, die es den Bürgern ermöglichen, demokratisch zu handeln und tatsächlich mitzubestimmen.” Hier geht es zum ganzen Artikel

61. Der Friedrich: #SalonEuropa – Was Europa für mich bedeutet // @elfritzos (22.10.2018)

“Der Friedrich” erzählt in seinem Beitrag kleine Anekdoten, die für ihn Europa ausmachen. Darin kommt nicht nur ein schmuggelnder Großvater vor, sondern auch Begebenheiten, die zeigen, dass wir den Luxus genießen, in Europa frei unsere Meinung und Kritik äußern zu dürfen: “Ich weiß nur, dass seit es die EU gibt, man Kritik und Meinung sagen kann – gerade politischen Institutionen und Vertretern gegenüber. Ins Gesicht. Direkt.” Hier geht es zum ganzen Artikel

62. Lindenau-Museum Altenburg: Ein Altenburger in Europa // @LindenauMuseum (22.10.2018)

Das Lindenau-Museum Altenburg rückt in diesem Beitrag die Tätigkeit Bernhard August von Lindenaus als Wissenschaftler und Astronom in den Fokus. Dieser stand als Minister und Wissenschaftler in Diensten der Herzöge von Sachsen-Gotha- Altenburg und schaffte es zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein europaweites Netzwerk zu bekannten Wissenschaftlern und Sternwarten aufzubauen. Hier geht es zum ganzen Artikel

63. Hin-fahren: Unterwegs in Europa – Überall zu Hause // @hinfahren (23.10.2018)

Der Hin-Fahren-Blog berichtet über das Unterwegssein in Europa. Offene Grenzen ohne lange Grenzkontrollen, eine reiche Geschichte, Sicherheit, Frieden und Gespräche mit Menschen vieler Regionen und Länder, das macht Europa aus. In Europa ist ein Camper überall zu Hause. Hier geht es zum ganzen Artikel

64. Provinzmutti: #SalonEuropa – Blogparade “Europa bedeutet für mich…” // @provinzmutti (23.10.2018)

Der Beitrag von Provinzmutti ruft zum konstruktiven Diskurs auf. Europa ist Frieden, eine Wertegemeinschaft, Veränderung und Mitgefühl, das wir uns leisten können und müssen. Europa ist auch Diskurs über Probleme und Ängste – damit Europa eines nie wieder ist: Krieg. Hier geht es zum ganzen Artikel

65. Deutsches Historisches Museum: Inside DHM: Europa, Venedig und das Meer // @DHMBerlin (23.10.2018)

Das Deutsche Historische Museum fragt in diesem Artikel, was Europa heute wohl ohne die Erkundung, die Überquerung und die Eroberung der Meere und ohne den daraus resultierenden Austausch wäre. Als anschauliches Beispiel präsentiert uns das DHM die “Stadt im Meer”: Venedig, die sich sogar mit dem Meer verheiratete. Hier geht es zum ganzen Artikel

66. LiveLifeGreen: Ohne Europa kein Frieden und kein Klimaschutz // @livelifegreen_m (23.10.2018)

Wozu ist Europa da und brauchen wir es noch? – Ja, sagt LiveLifeGreen. Denn auch, wenn es nicht perfekt ist, steht Europa für Frieden, Natur- und Klimaschutz und es ist Zukunft. Doch an dieser Zukunft müssen sich alle beteiligen, mit Ideen, Engagement, auch mit Kritik, indem man Stellung bezieht und diskutiert – mit Herz und Verstand. Hier geht es zum ganzen Artikel

67. Saxorum/Martin Munke: In der Grenzregion. (Mein) Europa zwischen Sachsen, Tschechien und Polen // @m_munke (23.10.2018)

Martin Munke gibt in seinem Artikel einen Einblick in den “gelebten Raum” im Drei-Länder-Eck Sachsen, Tschechien und Polen. Auf wissenschaftlicher, künstlerischer oder politischer Ebene wird versucht, eine stetige Zusammenarbeit zu fördern. Dafür sind Projekte, viel persönliches Engagement und die Überwindung von Hürden aber noch immer notwendig. Hier geht es zum ganzen Artikel

68. Claudia plaudert: Grenzgänge ohne Grenzen? Ja bitte! // @claudiaplaudert (23.10.2018)

Claudia Wagner “plaudert” in ihrem Beitrag über ein Europa ohne Grenzen. Dabei geht es nicht nur um Grenzübergänge, sondern auch um die Grenzen in den Köpfen. Denn ein Europa ohne Grenzen und ohne Grenzen im Kopf – das ist Freiheit. Hier geht es zum ganzen Artikel

69. VARIA, CURIOSA ET MEMORABILIAvienna, london & beyond: “GESTORBEN ZU WIEN …” / “DIED IN VIENNA …” // @c_n_opitz (23.10.2018)

“Varia, Curiosa Memorabilia” send a special article about Europe. It shows photographs of tombstones on old St. Marx Cemetery in Vienna. The stones tell their own tale, about the people, who died in Vienna, but were born all over Europe. Read the full article here

70. Saxorum/Hélène Fuchs: Die Vergewaltigung Europas. Der Negativraum der europäischen Identität // (23.10.2018)

Der Beitrag von Hélène Fuchs beginnt mit dem Bild der jungen Europa auf dem Rücken eines Stieres. Dieses Sinnbild aus der griechischen Mythologie wird noch heute benutzt, besonders dann, wenn es um Abgrenzung geht. Doch diese Definition durch Konflikt birgt ein Paradoxon, das überwunden werden muss, um in die Zukunft blicken zu können. Hier geht es zum ganzen Artikel

71. Christine Büring: Europa bedeutet für mich bei mir zu sein und doch immer neue Leben zu leben // (23.10.2018)

Christine Büring schreibt in ihrem Gastblog über Europa, Weltbürger und das “Deutschsein”. Denn was ist dieses “Deutschsein” überhaupt – Reisen und Erkunden ohne Neugier auf andere Menschen, Angst vor Neuem? Christine Büring gibt die Antwort, warum es ihr oft schwer fällt, “deutsch zu sein”. Hier geht es zum ganzen Artikel

72. Gin des Lebens: Europa ist für uns eine bunte Reise voller Kontraste // @gin_des_lebens (23.10.2018)

Für den “Gin des Lebens”-Blog ist Europa eine bunte Reise voller Kontraste. Mal laut und bunt, mal ganz leise, mal die Suche nach Abenteuer, aber auch das Zurückkehren und Zu-sich-selbst-Finden. Europa kann auch eintönig sein und schwarz-weiß im Denken, doch vor allem ist es Vielfalt. Hier geht es zum ganzen Artikel

73. Hahn-Literatur: #SalonEuropa – Europa ist für mich … ein Auftrag // @hahn_txt_pr (23.10.2018)

Andrea Hahn berichtet in ihrem Beitrag über die Literatur des ersten Weltkrieges, überwundene Schrecken und ihr ganz persönlich erlebtes Europa. Hier fand sie Freunde und Bekannte und kommt auch beruflich immer wieder mit Europa und seinem Kulturgut in Berührung. Es ist für sie Bewahrung von Frieden und Menschenwürde und ein wichtiger Auftrag. Hier geht es zum ganzen Artikel

74. KUNST.mi.mol.een.utgeben: Europa und die Ideen von Humanismus und Liberalismus // @pookerman (23.10.2018)

Europa ist eine Idee, fast eine Art Glaubensbekenntnis, schreibt Nils Pooker und erläutert in seinem Blogpost die Zusammenhänge mit den Ideen des Humanismus und Liberalismus. Eine Idee darf aber auch kritisch diskutiert und hinterfragt werden: “Dazu gehört für mich aber auch die Notwendigkeit, in einer ohnehin total globalisierten Welt Europa als Teil dieser Welt zu sehen und nicht als Maß.” Hier geht es zum ganzen Artikel

75. Lisa Begeisterung: Europa ist für mich ein Miteinander // @Begeisterung_Li (Nachtrag, 26.10.2018)

Lisa vom Blog Lisa Begeisterung verbindet mit Europa das Miteinander, übt aber auch Kritik. “Es ist nicht selbstverständlich, dass der große Teil des Kontinents so lange ohne Konflikte auskommt und immer enger zusammenrückt. Vielmehr würde ich es als eine wichtigen Prozess bezeichnen, der bei Weitem noch nicht abgeschlossen ist, sondern für diese Idee muss ständig neu gearbeitet werden.” Hier geht es zum ganzen Artikel

Europa bedeutet für mich bei mir zu sein und doch immer neue Leben zu leben

Christine Büring schickt uns via Facebook noch einen (letzten) Gastblogpost zur Blogparade #SalonEuropa, die heute zu Ende geht. Sie sieht sich als Europäerin, als Weltbürgerin, hadert aber mit dem “Deutschsein”. In ihrem Artikel denkt sie darüber nach, was “Deutschsein” eigentlich ausmacht.

Deutsch sein. Als ich 15 war, habe ich begonnen, nicht mehr deutsch sein zu wollen. Das war in den frühen 80igern in Westdeutschland. Ich las viel über die deutschen Emigranten, fuhr heimlich mit den älteren Geschwistern meiner Freunde nach Paris, hörte Lucio Dalla, las Hemingway und durfte als Austauschschüler mit 16 nach Amerika.

In Amerika wurde mir bewusst, wie europäisch ich war.

Dort wurde mir bewusst, wie europäisch ich war, denn die Amerikaner kannten nur sich selbst. Sie wussten nichts von uns, unsere Geschichte, erzählten aber alle, sie seien deutsch, polnisch, italienisch. Aber eben vor allem “proud americans”. Alle außer den Schwarzen und den Hispanos. Von denen gab es wenige in meiner Schule.

Zurück in Deutschland war mir peinlich, wie bieder wir waren. Espresso, Baguette, Salz und Pfeffer auf dem Tisch, Cocktails, Music mit Stil. War alles nicht. Also wieder nach Frankreich und Italien Kleider kaufen, Sprache sprechen, Stil haben. Nur nicht deutsch sein.

Als ich in der Schweiz studierte, war ich der Ausländer, musste aufs Ausländeramt. War nicht so schlimm, denn das mussten alle. Es war viel internationaler, aber es gab so ein schweizer Grundrauschen, etwas Selbstbewusstes, wo zwar alle da sein durften, aber in ihren eigenen Blasen lebten, die Schweizer einfach daneben. Mein Ehrgeiz, nicht als Deutsche erkannt zu werden, hat mir fast akzentloses Beherrschen der französischen und englischen Sprache beschert. Mein Spanisch klingt wie das einer Französin. So kleide ich mich auch und bis heute bin ich stolz darauf, dass man mich sogar in Indien als „du bist ja gar nicht wie die Deutschen“ bezeichnet.

Ich will bis heute nicht „deutsch“ sein.

Seit den 90igern Jahren bin ich westdeutsch in Ostdeutschland. Arbeitsmigrant. Immer eine Minderheit. Ich habe mich an Befindlichkeiten gewöhnt, werde immer noch darauf hingewiesen, dass ich doch bitte nicht wie ein Wessi denken und sprechen soll. Gott sei dank fühle ich mich ja nicht deutsch. Da ist das dann keine Kränkung, weil ich für mich ja eher unter „zugereist“ gehe. Meine Kinder? Gute Frage. Die gehören dazu wie die Vietnamesen. Aber eben nur bis zum Lehrergespräch, wo sich oft zwei Welten begegnen.

Woher kommt dieser Stolz auf das Deutschsein? Was haben wir heute, was wir vor nun fast 40 Jahren nicht hatten? Die Wiedervereinigung? Die Weltmeisterschaft im Fußball, die Autos, die Exportüberschüsse. Deutschland macht mich bis heute nicht glücklich, weil es so selten lächelt, lebt, neugierig ist.

Ich bin Rotarier. Das ist eine Gemeinschaft von Menschen, die sich weltweit vernetzt, über das eigene Interesse hinaus für die Gesellschaft engagiert, Frieden durch Völkerverständigung, durch Begegnung erreichen will und für einen hohen Ethos im menschlichen Zusammenleben und Arbeiten steht. Wenn ich Leute suche, die ausländische Rotarier oder Austauschschüler aufnehmen, finde ich unter 100 vielleicht zwei, die sich trauen, anderen zu begegnen. Bestes Argument ist immer „ich spreche die Sprache doch nicht“. Tatsächlich geht es darum, sein Klo nicht mit einer unbekannten Person aus einem unbekannten Land zu teilen.

Deutschland, das sind die Leute, die gerne reisen und alles begucken. Je weiter weg, desto besser. Es sind die Leute, die Angst davor haben, mit jemanden zu sprechen, den sie nicht kennen. Deshalb stellt sich der normale Deutsche auch nicht vor, wenn er mit jemandem spricht, den er nicht kennt. Soweit er überhaupt mit jemandem spricht, der rumsteht und den er nicht kennt. Deutschsein für mich ist die Angst, sich auf Neues einzulassen, auch einmal unperfekt zu versuchen, mit anderen zu reden. Lieber ein Kochbuch über türkische Küche zu lesen, als bei einem Türken zu Hause zu essen. Über Migranten zu reden, nicht den Menschen zu sehen.

In Frankreich gibt es jede Menge Rassismus. Und eine lange koloniale Geschichte mit Erfahrungen von Menschen, deren Familien in anderen Ländern gelebt haben. Ebenso wie in England oder Holland. In Deutschland haben wir es bis heute nicht geschafft, ein Land zu schaffen. Es gibt die Bayern, die Ostdeutschen, Berlin, das Rheinland. Sind wir Schweinebraten und Soße? Socken in Sandalen und Handtücher an Pool-Liegen? Sicher sind wir nicht das Land der Dichter und Denker. Oder doch? Schon Goethe war fasziniert, aber misstrauisch, was Italien betraf. Thomas Mann blieb bis auf die Knochen deutsch, solange er in Amerika war, Brecht eigentlich auch. Ist Deutschsein vielleicht einfach nur die Sprache, die Marin Luther sei Dank, seit 500 Jahren zusammenwächst? Von Bayrisch und Sächsisch mal abgesehen. Deshalb immer erst mal Deutsch lernen und nicht einfach arbeiten gehen.

Ein “german dream” für alle

Noch eine Sache geht mich um: Wie können wir die Welt mit unseren Produkten beliefern und uns so wenig auf die Welt einlassen? Vielleicht ist das deutsch? Am einfachsten, wir nehmen uns vor, dass jeder Deutsche in den nächsten Wochen einen „nicht-deutschen“ Mitbürger nach Hause einlädt. Und hoffentlich feststellt, dass der genauso viele Probleme mit Wetter, Steuern, seinen Kindern oder seinem Gewicht hat, wie man selbst. Und dass der andere genauso viel Wert auf ein sauberes Klo, eine funktionierende Verwaltung und keine Lust auf Politik hat wie man selbst.

Deutsch ist bis auf weiteres wer in Deutschland lebt, solange es keinen “german dream“ für alle gibt. Der könnte im übrigen auch Ordnung, Sauberkeit, Verlässlichkeit, Ehrlichkeit, Pünktlichkeit, Nachdenklichkeit, Qualitätsbewusstsein, Effizienz und Kompromissbereitschaft sein. Das nämlich schätzen alle anderen an den Deutschen.

Von Christine Büring

 

Was hat die Gebietsreform in Thüringen mit Europa zu tun?

Europa beginnt im Lokalen. Sabine Hofmann aus dem Postersteiner Nachbarort Nöbdenitz macht ihren Gastbeitrag zur Blogparade #SalonEuropa zu ihrer Stellungnahme zum Anschluss der Gemeinde Nöbdenitz an die Stadt Schmölln (Bekanntmachung des Landratsamtes Altenburger Land zum Entwurf eines Thüringer Gesetzes zur freiwilligen Neugliederung kreisangehöriger Gemeinden im Jahr 2019-ThürGNGG 2019 S. 3). Die Blogparade #SalonEuropa neigt sich dem Ende entgegen. Bis morgen (23. Oktober 2018) könnt ihr noch teilnehmen. Wer keinen eigenen Blog besitzt, dessen Beitrag veröffentlichen wir hier im Blog als Gastbeitrag.

Die 1000jährige Eiche in Nöbdenitz, Museum Burg Posterstein
Nöbdenitz ist bekannt für seine 1000-jährige Eiche.

Zunächst: Der Postersteiner Nachbarort Nöbdenitz ist überall, nicht nur in Thüringen oder Deutschland, sondern in ganz Europa.

Denn überall in Europa glauben seit Jahrzehnten Politiker, unterstützt von den immer selben Beraterfirmen, durch Fusionen von Gebietskörperschaften zu Kosteneinsparungen, höherer Leistungsfähigkeit und Wachstumsimpulsen zu kommen. Nie mussten diese Effekte nachgewiesen werden. Das wäre auch schwer – es gibt sie nämlich nicht, wie Sebastian Blesse und Felix Rösel in einer Veröffentlichung des IFO-Instituts München eindrücklich darlegten, nicht nur für Deutschland, sondern auch in Dänemark, den Niederlanden und anderswo ist das belegt.

Stattdessen gibt es Kosten, die unsere Demokratie zu tragen hat. Noch 40 Jahre nach der Gebietsreform in Baden-Würtemberg fühlen sich die Bürger der Ortsteile nicht den neuen Großgemeinden zugehörig oder gar unterdrückt. Die drittgrößte deutsche Flächenstadt ist Gardelegen. Mit über 40 Ortsteilen erstreckt sie sich über den gesamten vormaligen Landkreis. Wenn sich in Sachsen Städte oder Gemeindekonglomerate über 20 Kilometer und mehr ausdehnen, ist es kein Wunder, dass vermeintlich nur noch die Wölfe heulen und die Zurückgebliebenen zu einem großen Teil das Heil in populistischen Ideen suchen.

Erwiesen ist, dass Gebietsreformen zu zurückgehender Demokratiezufriedenheit, zu weniger Verbundenheit mit der Gemeinde und geringerer Wahlbeteiligung führen. Das ist auch kein Wunder, denn das Wissen über die Großgemeinde schwindet, die Gestaltungsmöglichkeiten ebenso.

Wenn wir wollen, dass Europa gemeinsam agiert, was dringend geboten ist angesichts der Konflikte in der Welt, braucht es Demokratie von unten und Instrumente, die es den Bürgern ermöglichen, demokratisch zu handeln und tatsächlich mitzubestimmen. Je kleiner die Einheit ist, desto direkter kann die Demokratie sein.

Ich bin gegen den Anschluss der Gemeinde Nöbdenitz an die Stadt Schmölln, nicht weil Schmölln schlecht oder gar böse ist, sondern weil den Bürgern der Gemeinde wieder ein Stück Demokratie und Selbstbestimmung verloren geht.

Woran liegt es also, dass Gemeinderäte, wie der von Nöbdenitz, freiwillig dafür stimmen, die Gemeinde aufzugeben, obwohl die meisten von ihnen den Bürgern bei der letzten Wahl das Gegenteil versprochen haben? Wenn man sie fragt, hört man: wir verwalten nur noch den Mangel und können nichts gestalten. Woraus resultiert der Mangel, wenn man bedenkt, dass im Moment die Steuereinnahmen kräftig fließen? Ja, es ist leicht zu erraten, der Fluss kommt nicht überall an, weil der ländliche Raum zwar kräftig mit Förderprogrammen bedacht wird, nicht aber mit kontinuierlichen Einnahmen, die die Selbstverwaltung untersetzen. Und warum ist das so? Weil man offenbar allerorten darauf hin arbeitet, genau diese unterste Ebene auszutrocknen. Dieser Verdacht könnte zumindest aufkommen.

Wird sich das durch eine Gebietsreform ändern? Klar – nein, denn der letzte Gestaltungsspielraum in der Gemeinde, in gemeinsamen Kraftanstrengungen mit den Bürgern Missstände zu beseitigen und zukunftsweisende Projekte zu initiieren, geht verloren. Es ist in genügend Studien erwiesen, dass die Kosten pro Bürger in großen Gemeinden genauso hoch sind wie in kleinen. Warum also bekommen die einen mehr Zuweisung als die anderen?

Die Befürworter der Gebietsreform verweisen auf die Vereine, die dann das öffentliche Leben aufrecht erhalten werden. Das ist ein Trugschluss, denn anders als gewählte Vertreter aller Bürger (Gemeinderäte), sind Vereine ihrer Satzung verpflichtet und verfolgen genau das darin festgelegte Ziel.

Die Nöbdenitzer Gemeinderäte beweisen keinen Mut. Sie wurden nicht gewählt, um die Gemeinde aufzulösen. Wenn sie dennoch zu diesem Entschluss kamen, hätten sie Demokratie von unten üben müssen und entweder die Bürger dazu befragen oder aber zurücktreten sollen.

Europa ist auch in Nöbdenitz. Wenn selbst in diesem kleinen Dorf Mitbestimmung nicht gelebt wird, wie soll das dann in einer so großen Organisation wie der Europäischen Union gehen.

Es ist schade, dass Thüringen angesichts der immensen Herausforderungen für unsere Demokratie keine neuen Konzepte zur Bewältigung der Unterschiede von Stadt und Land entwickelt und stattdessen auf die gestrigen Instrumente zurückgreift, die sich als untauglich erwiesen haben und politische Kosten ohne Ende verursachen. Im 21. Jahrhundert, im Zeitalter von Digitalisierung, sollten doch ganz neue Möglichkeiten der interkommunalen Zusammenarbeit entwickelt und verfolgt werden, sollten neue Verteilungsmechanismen erprobt und die Basis der Demokratie gestärkt werden.

Von Sabine Hofmann, Nöbdenitz

 

Europa ist nicht allein nur Kulturraum, sondern Wirtschafts- und Lebensraum vieler Nationen

Das Elektromuseum Erfurt teilte seinen Beitrag zur Blogparade #SalonEuropa per Facebook-Post. Damit auch nicht Facebook-Nutzer ihn lesen können, erscheint er auch hier als Gast-Beitrag. Die Blogparade nähert sich ihrem Ende – bis 23. Oktober 2018 könnt ihr noch teilnehmen. Wer keinen eigenen Blog hat, schickt uns einfach seinen Gastblogpost.

Ein Netz, das ganz Europa verbindet (Bildrechte: Thüringer Museum für Elektrotechnik)
Ein Netz, das ganz Europa verbindet (Bildrechte: Thüringer Museum für Elektrotechnik)

Was verbindet die Menschen in Europa? Ein Netz! Ein Netz, welches alle Länder miteinander verbindet, welches bis in jeden Ort, in jedes Haus und jede Wohnung reicht. Wir alle brauchen dieses Netz, zum Leben, Arbeiten, Entspannen, Lernen ….. Ohne dieses Netz geht nichts mehr. Wir alle sind davon abhängig!

Dieses Netz ist noch nicht sehr alt. Die Anfänge reichen etwa 100 Jahre zurück. Damals entstanden zunächst kleine und dezentrale Netze, die immer mehr zusammen wuchsen und auch über Landesgrenzen hinweg zusammengeschaltet wurden. Zur Zeit der klugen und schönen Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761–1821) gab es dieses Netz noch nicht, und ein Leben war dennoch möglich.

Doch wir haben unser Leben mit diesem Netz eingerichtet. Unsere Kultur und der Erhalt des kulturellen Erbes ist ohne dieses Netz nur noch schwer vorstellbar. Von manchen Zeitgenossen wird es heutzutage bis aufs Messer bekämpft, wenn es z. B. aktuell erweitert werden soll. Gerichte werden bemüht, für viele Rechtsanwälte eine wahre ABM-Maßnahme.

Doch ohne dieses Netz scheint ein modernes Leben unmöglich. Denn es versorgt uns mit einem Medium, was man nicht sehen, riechen oder schmecken kann. Dieses Medium kann aber unter Umständen zugleich lebensrettend, wie auch lebensgefährlich sein.

Wer auf dieses Medium persönlich verzichten möchte, sollte einfach für eine Woche die Sicherungen an seinem Stromzähler herausschrauben, sich somit von diesem Netz trennen und beobachten, was dann passiert: Der Kühlschrank taut ab und alle Lebensmittel verderben, wenn sie nicht schnell genug verzehrt werden. Waschmaschine, Fernsehempfänger, Radio, Computer, Internet, Facebook oder andere Soziale Medien funktionieren nicht mehr. Smartphone und Notebook können nicht mehr geladen werden. Bei Dunkelheit ist Kerzenlicht angesagt. Petroleum gab früher und es roch unangenehm. Der elektrische Herd bleibt kalt. Die elektrische Umwälzpumpe der Zentralheizung funktioniert nicht und damit auch die gesamte Heizung nicht. Jeder mag nun seiner Phantasie freien Lauf lassen, wie er mit einer solchen Situation umgeht, wenn in seinem Haus oder seiner Wohnung der Strom abgestellt ist.

Dieses Netz, das kontinentaleuropäische Verbundnetz, verbindet sämtliche europäischen privaten, öffentlichen und industriellen Stromabnehmer synchron mit allen Stromerzeugern in diesen Ländern. Es sorgt für StabilitätVersorgungssicherheit und sichert wirtschaftliches Handeln und letztlich unseren Wohlstand, sowie den Erhalt des gesamten europäischen kulturellen Erbes! Auskunft über die aktuelle Situation im Europäischen Verbundnetz gibt die Netzfrequenz, die 50 Perioden je Sekunde oder anders gesagt 50 Hz beträgt: https://netzsin.us oder http://www.netzfrequenzmessung.de 
Den letzten Stromausfall mit europaweiten Folgen gab es am 4. November 2006.

Wir sollten jedoch alles dafür tun, dass nicht nur ein Stromnetz die Menschen in Europa verbindet, sondern vielmehr ein Netz demokratischer, freier, rechtsstaatlicher und selbstbestimmter Nationen!

Von Thüringer Museum für Elektrotechnik

Europa ist für uns ein großer Kulturraum, ein intensiv verflochtener kultureller Rahmen

Die Alte Sternwarte in Mannheim.
Die Alte Sternwarte in Mannheim.

Helen Heberer und Raimund Gründler von LeseZeichen Mannheim senden uns ihren Gast-Beitrag zu unserer Blogparade #SalonEuropa. Mitmachen könnt ihr bis 23. Oktober 2018. Wer keinen eigenen Blog hat, dessen Artikel veröffentlichen wir gern wie diesen hier als Gastbeitrag hier im Blog. 

Als der Kurfürst von Bayern die Münchner Theatinerkirche errichten ließ, beauftragte er mit Planung und Umsetzung den Architekten und Baumeister Agostino Barelli aus Bologna. In seiner norditalienischen Heimatstadt hatte dieser sein Handwerk bei seinem Vater erlernt und bereits eine Kirche errichtet. Ab 1662 schuf er dann mit den Kenntnissen und Erfahrungen, die er aus seiner Heimat mitbrachte, in München das erste Bauwerk des Hochbarocks nördlich der Alpen. Der barocke Baustil hatte nun auch die deutschen Lande erreicht, nachdem er sich zuvor von Rom kommend bereits nach Frankreich und England verbreitet hatte.

Anders vollzog sich Jahrhunderte zuvor die Verbreitung der Gotik. Hier liegt der Ursprung in Frankreich und die Kathedralen von Saint Denis unweit von Paris und von Sens (Burgund) aus der Mitte des 12. Jahrhunderts gelten als die ersten Kirchenbauten in diesem Stil. Wandernde Handwerker und Baumeister trugen ihr Wissen von Baustelle zu Baustelle, von Land zu Land. Knapp 30 Jahre später hatte die Gotik England erreicht und Anfang des 13. Jahrhunderts wird in Deutschland mit dem Magdeburger Dom der erste gotische Kirchenbau in Angriff genommen. Der rege Austausch hielt an, Vorbild für den Kölner Dom waren beispielsweise die Kathedrale von Amiens und die Saint Chapelle in Paris.

Auch in den anderen kulturellen Domänen lässt sich ein beständiger Transfer nachweisen. Kunst-, Literatur- und Musikstile wurden übernommen. Künstler reisten quer durch Europa, um sich zu bilden und Erfahrungen zu sammeln. Viele kehrten nach einer gewissen Zeit wieder in ihre Heimat zurück. Andere wurden in der Fremde heimisch und sind dort aus der örtlichen Kulturgeschichte nicht mehr wegzudenken. So wurde der Komponist Georg Friedrich Händel in Halle an der Saale geboren. Seine berufliche Laufbahn startete er in Hamburg. Zur Weiterbildung reiste er durch Italien. Doch sesshaft wurde er in London. Hier feierte er seine großen Erfolge, er ging am Hofe ein und aus und hier wurde er 1750 in Westminster Abbey inmitten all der englischen Geistesgrößen begraben.

Obwohl in unterschiedlichen Sprachen geschrieben wurde, existierte selbst in der Literatur ein reger europäischer Austausch. Erfolgreiche Autoren wirkten über die Sprachgrenzen hinweg stilbildend. Theodor Fontane, der Chronist des kaiserlichen Preußens, verwies beispielsweise selbst auf den Einfluss, den der englische Autor Charles Dickens auf ihn ausübte.

Durch eine rege Übersetzertätigkeit wurden Sprachbarrieren niedergerissen. Mit großer Ernsthaftigkeit wurden interessante Werke in die einzelnen Landessprachen übersetzt. Selbst Johann Wolfgang von Goethe war immer wieder als Übersetzer tätig. Zeitgenössische Werke französischer und englischer Autoren nahm er sich genauso vor wie die Schriften Homers. Er wiederum profitierte natürlich davon, dass seine Werke sehr schnell in viele Sprachen übersetzt wurden. Mit seinem Werther prägte er den Stil einer ganzen europäischen Schriftstellergeneration.

Astrid Lindgren wiederum ließ mit ihren Büchern über Michel, Pippi Langstrumpf und Bullerbü Generationen von Kindern in ganz Europa davon träumen, nach Schweden auszuwandern.

Unzählige Beispiele für Wirkung und Gegenwirkung, für Austausch und Befruchtung könnten noch aufgeführt werden.

Wer heute von der deutschen, französischen oder polnischen Kultur spricht, wer die bayerischen, flämischen oder bretonischen Besonderheiten betrachtet, sollte diesen alle Zeiten und Epochen überdauernden Dialog vor Augen haben. Die kulturelle Entwicklung aller europäischen Länder und Regionen lässt sich als ein beständiger, überregionaler Prozess verstehen, der Sprachgrenzen genauso überschreitet, wie geographische Grenzen. Es war nicht Abschottung, sondern intensiver Dialog und vielfältiger Kontakt in Kombination mit örtlichen Besonderheiten und geographischen Vorgaben, die unsere vielfältige europäische Kulturlandschaft hervorgebracht haben. Mit hunderten, ja tausenden unverwechselbaren Einheiten. Jede auf ihre Art einzig und an vielen Stellen doch geprägt von gleichen Wurzeln und Impulsen.

Auch in Zukunft werden Einflüsse aus den unterschiedlichen Gegenden Europas den kulturellen Rahmen des ganzen Kontinents mitprägen. Der europäische Lesesalon des Mannheimer LeseZeichens, das regelmäßig Literaturveranstaltungen organisiert, wird immer wieder diesen kulturellen Spuren folgen, die sich quer durch Europa ziehen.

Von LeseZeichen Mannheim / Helen Heberer und Raimund Gründler

Maybe the world – or at least Europe – has never been very big to begin with

Schloss Ruhental (Rundāle), Lettland Foto: Imants Lancmanis/ Creative Museum
Schloss Ruhental (Rundāle), Lettland, Foto: Imants Lancmanis/ Creative Museum

Uldis Zariņš , member of Europeana Foundation Management Board, is sharing his views on Europe in our blog parade #SalonEuropa, which is part of the experimental exhibition #SalonEurope: analog meets digital Networking then and now – Europe means to me …? You can take part in the blog parade until October, 23rd 2018. If you don’t have a blog yourself, we share your article here in the museum’s blog.

Genealogic research is always a complicated endeavour. Often it is quite impossible to trace ones bloodlines past previous five or six generations, everything before that becomes a blur, a more or less educated guess. But even the information one manages to obtain often contains unexpected surprises. We consider ourselves to be pure Latvians, Germans, Poles, but then we suddenly discover that some of our ancestors actually have an Estonian, Swedish, French or Russian origin.

And who knows what surprises a 500 or 1000 years old history would hold, if we would be able to unearth it?

We now tend to think that the world is now getting smaller and smaller, as both technology and societal values makes us more mobile than we have ever been. But maybe the world – or at least Europe – has never been very big to begin with, and we are much more closely related to each other than we think and would sometimes like to admit?

If it is difficult to establish a clear historic identity on a personal level, then for nations it is quite impossible.

Would it be possible to distil a pure original essence of a national culture? I very much doubt it.

Culture has never recognised any borders, and as a result our national cultural heritage is but a patchwork of various cultural influences, hailing from all over the Europe, reflecting the trends and values of the times and often morphing into local variations. For example, Rundale palace has a significant place in Latvian cultural heritage as the most precious late baroque building in Latvia. However it can also be considered a part of German heritage, as it tells the story of its German masters, von Biron family, including duchess Dorothea, and thus creating invisible ties with the Burg Posterstein (and in a sense making it a part also of Latvian cultural heritage). Moreover, it can be said that Rundale Palace is also a part of Italian and Russian cultural heritage, as Francesco Bartolomeo Rastrelli, architect of the Rundale Palace, is an Italian (born in Paris) and most of his works are built in Russia.

Europe for me is first of all a shared cultural space

Thus Europe for me is first of all a shared cultural space – rich in its diversity, characterised by hundreds of different local flavours and colours, but based on the same fundamental values and traditions. Therefore we shouldn’t, for example, attribute Rundale to just Latvian or just German cultural heritage – it is truly a part of European cultural heritage. After all, it would not exist if Italians would not invent baroque in the first place. Culture is what makes us Europeans. European cultural bonds go back for hundreds and hundreds of years, shaping our attitudes and values, allowing us to recognise ourselves in the mirrors of other cultures. Culture is what stays with us when all the petty political squabbles have ended and been forgotten. Culture is what allows me to proudly say “I am a European”.

By Uldis Zariņš for #SalonEuropa

Ich kenne nur ein “Europa des Friedens”

Im Museo Napoleonico in Rom / Foto: Wolfgang Stöcker
Im Museo Napoleonico in Rom / Foto: Wolfgang Stöcker

Wolfgang Stöcker sendet uns seinen Beitrag zur Blogparade #SalonEuropa.  Mitmachen könnt ihr bis 23. Oktober 2018. Wer keinen eigenen Blog hat, dessen Artikel veröffentlichen wir gern wie diesen hier als Gastbeitrag hier im Blog.

Zwischen 1784 und 1785 bereisten Herzog Peter von Kurland und seine Frau Anna Dorothea Italien. Ihr Weg führte sie nach Venedig, Verona, Neapel und Florenz.  In Rom malte Angelika Kauffmann (1741–1807) ein Porträt der Herzogin von Kurland und ein Bildnis der noch kleinen Tochter Wilhelmine. 1785 kehren Herzog Peter und seine Frau Dorothea nach Friedrichsfelde (Berlin) zurück.

2018 begab sich Wolfgang Stöcker, Gründer des „Deutschen Staubarchivs“,  auf die Spuren der Herzogin. Aus Rom sendet er seinen Beitrag zur Blogparade #SalonEuropa.

Für mich ist Europa ein Glücksfall

Zunächst: Ich bin Europäer. Für mich persönlich ist Europa ein Glücksfall. Ich darf in diesem reichen und friedlichen Erdenwinkel leben! Aktuell ist unsere europäische Gemeinschaft demokratisch organisierter Staaten aber latent bedroht von äußeren Mächten wie auch von inneren Konflikten zerrissen. Trotzdem erscheint mir eine Drohkulisse gleich welcher Art fast gänzlich absurd, denn ich, Jahrgang 1969, kenne nur ein „Europa des Friedens“, ein Europa in dem der Wohlstand fast überall ständig wuchs, Grenzen fielen, die Wiedervereinigung Deutschlands möglich wurde. Obgleich es Rückschläge (etwa der Krieg auf dem Balkan) gegeben hat, erlebte Europa nach 1945 auf vielen Ebenen viele Verbesserungen. Sogar der Ost West Konflikt schien in der Ära Gorbatschow überwindbar.

Was läuft seit einigen Jahren falsch? Ich bin nahe der belgischen und niederländischen Grenze aufgewachsen. Bis in die 1980er Jahre gab es dort noch Grenzkontrollen. Auch an den kleinen Übergängen auf den Landstraßen war ein Stopp nötig, Ausweiskontrolle. Kommt dies nun alles wieder? Vielleicht sind die Europäer mit ihrem eigenen Glück der letzten Jahrzehnte überfordert und suchen Lösungen für aktuelle Probleme im Rückzug auf alte Grenzen?

Museo Napoleonico, Rom, Italien Foto: Wolfgang Stöcker mit der Büste von Anna Dorothea von Kurlands Tochter Wilhelmine, hergestellt von Bertel Thorvaldsen
Museo Napoleonico in Rom, Italien / Foto: Wolfgang Stöcker mit der Büste von Anna Dorothea von Kurlands Tochter Wilhelmine, hergestellt von Bertel Thorvaldsen

In Europa existiert eine große Varietät an Sprachen und Kulturen. Sie sind alle verschieden und doch ähnlich. Wir Europäer besitzen soziokulturelle Klebstoffe, die uns allen bekannt sind!  Unter vielen anderen: Antike, Renaissance, Judentum und Christentum, Monarchie, Demokratie, Gotik, Barock, Aufklärung, Französische Revolution, Marx und Engels, ebenso der Kapitalismus!

Für Europa waren diese Bindemittel leider auch wiederholt Sprengmittel. Bis 1945 war Europa ein Kontinent ständiger Kriege und totaler Katastrophen. Mehr noch, die Europäer exportierten ihre Ideen über Jahrhunderte mal friedlich mal kriegerisch in alle Welt. Viele europäische Nationen installierten listenreich und sehr brutal koloniale Systeme auf anderen Kontinenten und dieser Kolonialismus ist noch gar nicht überwunden. Nicht verwundern darf es, wenn wir Europäer durch die außereuropäische Brille vielleicht auch danach beurteilt werden, ob sie ihre Werte denn auch leben. Alleine die Waffenexporte Europas in die Welt machen unsere „Werte“ angreifbar.

Die Wertediskussion ist anstrengend und doppelbödig. Wir sind nicht besser und nicht schlechter als alle anderen. Europa hat jahrhundertelang im Namen seiner Werte weltweit Unheil verbreitet und ist dabei oft genug unter die eigenen Räder geraten. Außerhalb Europas existieren ebenso Werte, die ebenso in der Lage sein mögen Dinge zum Guten zu wenden.

Wolfgang Stöcker schrieb: Auf dem Boden vor dem Tisch in Analogie zu meiner Probe aus Posterstein, dort ebenfalls am Tisch bzw. Stuhl im Salon. Die Probe wurde entnommen am 18.08.2018 gegen 12.00 Uhr, kleine etwas goldene Partikel, könnten von der Stuckdecke stammen. Die Staubentnahme war gar nicht einfach, immer fielen die Partikelchen von der Fingerspitze mit der ich die Körnchen aufnehmen wollte, eine Dame der Aufsicht schaute bedenklich, dann aber... funktionierte es!!!
Wolfgang Stöcker schrieb: Auf dem Boden vor dem Tisch habe ich Staub entnommen – in Analogie zu meiner Probe aus Posterstein, dort ebenfalls am Tisch bzw. Stuhl im Salon. Die Probe wurde entnommen am 18.08.2018 gegen 12.00 Uhr, kleine etwas goldene Partikel, könnten von der Stuckdecke stammen. Die Staubentnahme war gar nicht einfach, immer fielen die Partikelchen von der Fingerspitze mit der ich die Körnchen aufnehmen wollte, eine Dame der Aufsicht schaute bedenklich, dann aber… funktionierte es!!! (Foto: Wolfgang Stöcker)

Es mag naiv sein, wenn ich als „nach 1945“ geborener Mensch lange das Gefühl hatte: Menschen können aus ihrer Geschichte lernen. Menschen können eine bessere Welt bauen. Aber bis in die 1990er sah es in Europa wirklich so aus.

Momentan scheinen viele (fast) tot geglaubte Geister zurück zu kommen. Ich hoffe, dass es sich hier um temporäre Reflexe von Unsicherheit handelt und das Europa zu sich selbst und zu allen anderen Bewohnern dieser Erde ein freundliches, offenes und friedliches Verhältnis findet. Die  angesprochenen Bindemittel gehören wohl auf den Prüfstand und müssen auch mit außereuropäischen Bindemitteln neu gemischt werden. Es bleibt zu hoffen, dass Verbesserungen über Europa hinaus möglich werden. Isoliert, eurozentrisch ist nichts erreichbar.

von Wolfgang Stöcker zum Projekt #SalonEuropa

Wolfgang Stöcker ist Gründer des „Deutschen Staubarchivs“. Er arbeitet derzeit intensiv daran, aus in der Burg Posterstein gesammelten Stäuben und aus Wachsspenden aus der Region Skulpturen zu fertigen. Als studierter Historiker dokumentiert er dabei jeden Handgriff genau. Im Sommer 2019 wird seine „Staub-Kunst“ auf Burg Posterstein zu sehen sein.

Mehr lesen zu Berthel Thorvandsens Büste von Wilhelmine von Sagan

Denk’ ich an Europa in der Nacht

Barbara Fischer sendet uns ihren Beitrag zur Blogparade #SalonEuropa.  Mitmachen könnt ihr bis 23. Oktober 2018. Wer keinen eigenen Blog hat, dessen Artikel veröffentlichen wir gern als Gastbeitrag hier im Blog.

Als junger Mensch war Europa für mich ein Versprechen. Frieden, Völkerverständigung, Wohlstand für alle und umfassender Umweltschutz. Erst im Kleinen, in Europa, dann für die ganze Welt. Diese Hoffnung gab mir die Kraft nicht zu verzweifeln, trotz Kalter Krieg, trotz Umweltzerstörung und trotz Tschernobyl. Mit 17 brannte ich für den europäischen Gedanken. Ich trampte zu den großen europäischen Friedensdemos und sammelte Atomkraft-Nein-Danke-Sticker in europäischen Sprachen auf meiner Jeansjacke. Ich vertraute in die Kraft der mündigen Bürger. Ich glaubte an Kant, Picasso und Simone de Beauvoir.

Bildunterschrift: die Eule der Minerva beginnt erst mit der einbrechenden Dämmerung ihren Flug; Athena mit der Eule Minerva, heute im Metropolitan Museum of Art [CC0], via Wikimedia Commons
Die Eule der Minerva beginnt erst mit der einbrechenden Dämmerung ihren Flug*; Athena mit der Eule Minerva, heute im Metropolitan Museum of Art [CC0], via Wikimedia Commons
Zunächst wurde alles besser. Die Wälder, die Flüsse und die Luft in Europa erholten sich. Solarenergie und Windräder als Alternativen zur Atomkraft erhielten staatliche Subventionen und fanden große Verbreitung. Gorbatschow kam und der Kalte Krieg ging. Europa trennte kein eiserner Vorhang mehr. Im Vertrag von Maastricht nahm die Europäische Union Gestalt an. Keine Grenzkontrollen mehr, der europäische Pass, das europäische Parlament, die europäische Währung. Man konnte wieder in der Elbe schwimmen. Die Robben kamen zurück. Die Welt schien doch besser zu werden.

Dunkle Seifenblasen

Frage ich heute meinen Sohn an dessen 17. Geburtstag nach Europa, scheint von den Hoffnungen nur Bitterkeit geblieben zu sein. Er spricht von Betrug, von Ungerechtigkeit, von Menschen an Zäunen und von Ertrinkenden im Meer. Er ist wütend, das Privileg der Jugend. Die Bitterkeit liegt mir auf der Seele: Frieden, Rettung der Natur, Gerechtigkeit für alle? Immer noch nur ein Traum, schlimmer, Seifenblasen? Ich muss die letzten Jahrzehnte wohl verschlafen haben. Die europäische Idee, die die Freiheit des Einzelnen in ihren Mittelpunkt stellt, ist zum Alptraum des Egoismus verkommen. Die europäische Rationalität, auf der unser Reichtum gründet, zeigt ihr Janusgesicht. Denn unser europäischer Wohlstand gefährdet im Klimawandel das Überleben der Spezies Mensch. Erst sterben die Bienen …

Hinzu kommt wie ein höhnischer Reflex auf den gewachsenen Wohlstand, auf die verbesserten Standards im Umwelt- und Gesundheitsschutz, auf den schon Jahrzehnte währenden Frieden und auf die Verbreitung vom Recht auf freie Wahlen, freie Meinungsäußerung und Freizügigkeit der Wohnung, der Arbeit und der Reisen – als wäre es ein Zuviel des Guten – ein Zuwachs von rechtspopulistischen Parteien und Bewegungen in Europa. In Polen, Ungarn, Dänemark, Italien, Österreich, Tschechien sitzen sie bereits in der Regierung. In Schweden, Deutschland, Niederlande, Frankreich, Bulgarien, Griechenland, Zypern, England, Slowenien, im Baltikum, Finnland, Luxemburg und Belgien gewinnen sie an Diskursmacht.** Wie viele rechte Staaten hält der europäische Gedanke noch aus? Wann zerbricht Europa am neoliberalen Kalkül von Menschen, die offenbar glauben, es gäbe kein Morgen, der von ihnen Rechenschaft fordert, die sich nicht in Dollar oder Euro ausdrücken lässt? Die sich die Hände reiben, wenn rechte Populisten, den Rechtsstaat aushöhlen. Drohen die Funken der Europa-Hymne*** zu verglühen noch ehe sie das Licht der weltweiten Aufklärung, treffender im Englischen “enlightment”, entzündet haben?

Die Aufklärer wie Diderot und Voltaire glaubten im 18. Jahrhundert an die weltverbessernde Macht des Wissens. Sie traten ein für Rationalität, Wissenschaft und die Freiheit des Individuums. Mit ihnen betrat die Menschheit und allen voran Europa das Anthropozän. Die erste Geoepoche, der die Menschen ihren Stempel aufdrücken. Noch im letzten Jahrhundert waren individuelle Freiheit, Wachstum und Fortschritt unangefochten universale heilsbringende Buzzworte. Einiges von diesem Glauben in die Kraft der Technologie von einzelnen genialen Entrepreneuren ausgedacht hält sich hartnäckig im transatlantischen Silicon Valley. Aber offenbar sind doch viele Menschen gerade in Europa von der Komplexität der Abhängigkeiten, von den Konsequenzen des Anthropozäns und von der schieren Menge an Information schlicht überfordert. Sie ziehen sich zurück in ein Biedermeier des 21. Jahrhunderts. Es ist bevölkert von Einhörnern und Elfen, eingemummelt in eine weichgespülte Sprache der Political Correctness, die Unterschiede einebnet oder verzerrt, und die Bedrohungen durch Klimawandel, Plastikmüll oder unfaire Handelspolitik in kurzen heiteren DIY-Videos abzuwehren meint. Beunruhigend viele Menschen in Europa lassen sich verführen von einfachen Antworten und von Schuldzuweisungen, die stets bei den anderen liegen. Alles Menschen, die lesen und rechnen können, die keinen Hunger kennen und die die Freiheit haben, alles zu fragen, alles zu kritisieren und alles zu ändern. Es ist so still. Es ist so düster in Europa.

Der Eulenflug

Welche Rolle spielen Kunst und Kultur in dieser Stunde der Dämmerung? Eine Zeit, in der man nie sicher weiß, kündigt sie die Nacht oder den Tag an. Welche Bedeutung hat in dieser Zeit das europäische Kulturerbe? Welche Bedeutung haben die Kunst, die Musik, die Literatur, der Gedanke und das Wort in Europa? Brauchen wir überhaupt noch die teuren Sammlungen der Museen, die Bibliotheken, die Archive? Ist GLAM**** etwa nur verzichtbarer Glamour?

Bildunterschrift: Stolz, selbstbewußt und im echten Tütü berührt sie den Betrachtenden noch 150 Jahre später; Edgar Degas, die Tänzerin, heute Musée d’Orsay [CC0] via Wikimedia Commons
Stolz, selbstbewußt und im echten Tütü berührt sie den Betrachtenden noch 150 Jahre später; Edgar Degas, die Tänzerin, heute Musée d’Orsay [CC0] via Wikimedia Commons
Einmal liegt die  Bedeutung der Artefakte in der Erbauung, die sie bieten. Ein zu unrecht aus der Zeit gefallener Begriff. Eine Sinfonie zu hören, sich in den Anblick einer Skulptur oder in ein Gedicht zu vertiefen oder die Schönheit eines alten Gebrauchsgegenstand zu genießen, baut meine Energiereserven wieder auf. Ich brauche das Schöne, das nicht gefällig meint, um nicht zu verzagen vor der Hässlichkeit der Welt. Zum anderen bieten Kunst und das kreative Schaffen generell den einzigen kreativen Reflexionsraum für das Geschehen um mich herum. Komprimiert im Kunstwerk, ob Gemälde, Musik oder Roman, zugleich eingebettet in seine Zeit und losgelöst von ihr, finde ich hier Gedanken, Gefühle und Ideen, die mir helfen, die Welt um mich herum besser zu begreifen. Indem ich nicht jede Erfahrung selbst machen, nicht jede Perspektive allein einnehmen und nicht alle Facetten einzeln erschließen muss, sondern darauf bauen kann, was andere dachten, malten, komponierten und schufen, steige ich mit dem Bonmots Newtons auf die Schultern des Riesen und weite meinen Blick. Der Zugang zu den Werken, auf die andere wiederum Bezug nehmen, die sie zitieren, weiterentwickeln und verfremden, lässt mich an einem Diskurs teilhaben, der mich erst zu dem mündigen Bürger macht, der Kant vorschwebte*****. Und natürlich erwarte ich, dass ich Zugang zu diesem Reichtum auch und gerade im Netz habe, in dem ich mich beruflich und privat zunehmend mehr aufhalte. Und selbstverständlich will ich nicht kriminalisiert werden, wenn ich mir die Digitalisate aneigne, oft nur für einen Moment des Teilens, weil ich angeblich Rechte am geistigen Eigentum verletze. Die Rechteinhaber haben doch zuvor, wenn überhaupt, falls sie nicht nur in einer verwertenden Position stehen, ebenfalls davor Geschaffenes aufgegriffen, reproduziert, kommentiert und verbreitet. Europas Reichtum ist just dieser schöpferische Schmelztiegel der Ideen. Nur im freien Austausch entfaltet sich sein ganzes geistiges Potenzial der Vielfalt. Aus seiner Verantwortung für viele der Probleme, die heute den ganzen Globus betreffen, sollten sich gerade die Menschen in Europa mit Verve dafür einsetzen, dass das kulturelle Erbe digitalisiert frei zugänglich, gut erschlossen und nutzbar ist, egal ob am Rechner in Rom, Athen, Acra, Guangdong, Rio oder Paris, Texas.

Das Prinzip Hoffnung dagegen setzen. “Die feindlichen Gewalten” Detail im Beethoven Fries von Gustav Klimt, heute in der Galerie Belvedere (Wien), [CC0] via Wikimedia Commons
Das Prinzip Hoffnung dagegen setzen. “Die feindlichen Gewalten” Detail im Beethoven Fries von Gustav Klimt, heute in der Galerie Belvedere (Wien), [CC0] via Wikimedia Commons
Georg Friedrich Hegel schrieb vor 200 Jahren mehr ab- als aufgeklärt, die Philosophie käme immer erst, “nachdem die Wirklichkeit ihren Bildungsprozeß vollendet und sich fertig gemacht hat”. ****** In diesem Zusammenhang lässt Hegel die Eule der Weisheit viel zitiert fliegen: “die Eule der Minerva beginnt erst mit der einbrechenden Dämmerung ihren Flug”. Hegels Bild prosaischer ausgedrückt: Hinterher ist man immer klüger. Wir haben aber keine Zeit abzuwarten, bis die Wirklichkeit sich vollendet. Wenn wir als zivilisierte Spezies überleben wollen, müssen wir schon jetzt klug wie die Eule sein und Europas Kulturerbe als enormes Wissensreservoir nutzen, um Kraft, Ideen und Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit zu finden. Daher öffnet die Sammlungen, die Archive und Depots und verleiht dem Kulturerbe die digitalen Flügel, mit der die Eule Minervas ihren Flug beginnen kann. Europa, möge es noch immer der Ruf der Hoffnung sein!

von Barbara Fischer, zur Blogparade #SalonEuropa, 26.9.2018

*zitiert nach Georg Friedrich Hegel “Philosophie des Rechts”; http://www.zeno.org/Philosophie/M/Hegel,+Georg+Wilhelm+Friedrich/Grundlinien+der+Philosophie+des+Rechts/Vorrede
**Zur Verbreitung des Rechtspopulismus in Europa siehe interaktive Karte der Bundeszentrale für Politische Bildung 2017, http://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtspopulismus/242635/europakarte
***Die Europa-Hymne ist eine Instrumentalfassung aus Beethovens Neunter Sinfonie “Ode an die Freude”, die wiederum eine Vertonung von Schillers Gedicht “Freude, schöner Götterfunken…” darstellt. https://de.wikipedia.org/wiki/Europahymne.
**** GLAM das internationale Akronym für Galleries, Libraries, Archives and Museums sowie deren Aktivitäten im digitalen Raum.
***** Immanuel Kant: Sapere aude! in “Was ist Aufklärung?”, Berlinische Monatsschrift, 1784, 2, S. 481–494
****** Hegel; ebd. http://www.zeno.org/Philosophie/M/Hegel,+Georg+Wilhelm+Friedrich/Grundlinien+der+Philosophie+des+Rechts/Vorrede