Ein Jahr im Zeichen Europas geht zu Ende: Auswertung #SalonEuropa 5

Das Ausstellungsjahr 2018 stand für das Museum Burg Posterstein im Zeichen Europas. Angefangen mit der Fotoausstellung London Urban Sketches – Urbane Skizzen von London – Fotografie von Frank Rüdiger (18. März bis 27. Mai 2018), über die Kunstausstellung #SalonEuropa im Hier und Jetzt: Schloss Tannenfeld – Inspiration und Wirklichkeit (17. Juni bis 9. September 2018), gipfelte es mit der experimentellen Ausstellung #SalonEuropa vor Ort und digital: Vernetzung damals und heute – Europa bedeutet für mich …? (23. September bis 11. November 2018) und schließt ab mit europäischen Weihnachtskrippen und Adventskalender auf Burg Posterstein (2. Dezember 2018 bis 6. Januar 2019).

So etwas wie die Labor-Ausstellung #SalonEuropa vor Ort und digital hat es auf Burg Posterstein vorher noch nie gegeben und sie ist ein Experiment auf Grund ihrer konsequenten Verknüpfung von digital und analog, von Museumsausstellung und Besuchermeinungen. Grund genug, am Jahresende Bilanz zu ziehen. In mehreren Teilen fassten wir den Diskurs zusammen: (1) Die Zusammenfassung der Gespräche am Salonabend, (2) der Kommentare, (3) der Video-Interviews, (4) der Blogparade und (5) ein dieses Gesamtfazit. Darüber hinaus stellen wir hier das Kunstwerk “Europa” von Pernille Egeskov vor.

Humoristische Karte von Europa im Jahre 1870 - https://www.europeana.eu/portal/record/2058618/object_KUAS_22286976.html. Kulturarvsstyrelsen - https://www.kulturarv.dk/mussam/VisGenstand.action?genstandId=7205047. CC BY - http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
Europa damals und heute war Thema der Ausstellung #SalonEuropa. Das Bild zeigt: Humoristische Karte von Europa im Jahre 1870 – Museum Sønderjylland https://www.europeana.eu/portal/record/2058618/object_KUAS_22286976.html Kulturarvsstyrelsen – https://www.kulturarv.dk/mussam/VisGenstand.action?genstandId=7205047. CC BY

Hintergrund: Die Ausstellung #SalonEuropa

Im Mittelpunkt derAusstellung #SalonEuropa vor Ort und digital standen nicht wie sonst Exponate und historische Infos, sondern vor allem die Meinungen ganz normaler Bürger Europas. Das Museumsteam fragte „Was bedeutet Europa für dich?“ und brachte den aktuell fragilen Zustand Europas in Verbindung mit der Zeit zwischen Französischer Revolution und des Wiener Kongress, als sich Europa ebenfalls im Umbruch befand, in Zusammenhang. Damals wurden in den Salons der adligen und bürgerlichen Damen gesellschaftliche Fragen diskutiert und Entscheidungen mit auf den Weg gebracht. Die Ausstellung experimentierte damit wie ein solcher Salon heute aussehen könnte. Der #SalonEuropa war ein Versuch, Bürgern vor Ort und im Digitalen die Möglichkeit zu geben, ihre Gedanken zu Europa zu äußern und darüber ins Gespräch zu kommen. Dazu gab es einmal die dynamische, mitwachsende Ausstellung selbst, in der bereits zu Beginn über hundert Meinungen zu Wort kamen. Darüber hinaus gab es die Projektwebseite, die Blogparade, die Diskussionen im Social Web und drei Veranstaltungen vor Ort.

Blick in die Ausstellung #SalonEuropa vor Ort und digital 2018 im Museum Burg Posterstein

Über Europa zu reden ist kein Selbstläufer

Auf die Frage „Was bedeutet Europa für mich…?“ bekamen wir in der Ausstellung #SalonEuropa vor Ort und digital über 200 Meinungen aus fünfzehn Ländern in Form von schriftlichen Kommentaren, Blogposts, Fotos, Video- und Audio-Statements, als Kunstwerk der dänischen Künstlerin Pernille Egeskov und natürlich auch im persönlichen Gespräch vor Ort. Auf Twitter erreichte der Hashtag #SalonEuropa etwa 9 Millionen Impressions. Auch auf Instagram und Facebook kam es zu Gesprächen. Vielen Meinungsäußerungen gingen persönliche Gespräche vor Ort und digital voraus. Es gab eine breite Masse an Besuchern, die die Ausstellung vor Ort oder digital mit Interesse verfolgte, sich lobend äußerte, aber keine eigene Meinung hinzufügte. Europa ist nicht schwarz-weiß und das Thema kein einfaches.

Es wurde anschaulich deutlich, dass die verschiedenen „Kanäle“, über die Meinungen zu #SalonEuropa eingingen (Salonabend, Kommentare, Videos, Blogparade), in unterschiedlichen Themengewichtungen resultierten bzw. dass sich der Diskurs in den unterschiedlichen Formaten anders entwickelt hat. Zum Vergleich noch einmal die einzelnen Grafiken über die wichtigsten Themen der einzelnen “Kanäle”.

Bezogen auf die eingegangenen Kommentare werden gemeinsame Nenner wie Gemeinschaft, Einheit, Zusammenarbeit und gemeinsame Kultur, Tradition und Werte deutlich. Frieden, Sicherheit und Freiheit verbinden viele mit Europa. Aber auch aktuelle Probleme werden angesprochen. Enttäuschung ist spürbar, aus verschiedenen Gründen. Manche Themen polarisieren. Beispiel Migration: Während manche enttäuscht sind, dass Europa nicht ausreichend Verantwortung für Geflüchtete übernimmt und nicht weltoffen genug ist, geht anderen das bisherige Engagement zu weit. Das gleiche gilt für die europäische Integration. Einige sind enttäuscht, weil die europäische Gesellschaft noch nicht enger zusammengewachsen ist, anderen wäre mehr Unabhängigkeit für die Nationalstaaten lieber. Auffallend ist die unterschiedliche Bewertung und Betonung von Offenheit und Grenzen, vom positiv besetzten Begriff „Vielfalt“ und dem eher abgrenzenden Wort „Unterschiede“. Es geht um Gemeinsamkeiten und Unterschiede, um Einheit und Frieden einerseits und um Uneinigkeit und Streit andererseits. Es gibt Visionen von Europa als Staatenbund und als Bundesstaat. Es wird deutlich, dass Europa als Chance genauso wie als Herausforderung verstanden wird.

Die Videos: Europa ist weder schwarz noch weiß

Gunter Auer und Nils Lauterbach führten für die Ausstellung 25 Video-Interviews zum Thema „Was bedeutet Europa für dich?“. Im Vergleich zu den schriftlich eingegangenen Kommentaren und den Themen der Blogparade #SalonEuropa kamen viel häufiger auch die aktuellen Probleme Europas zur Sprache – nicht ohne die Vorteile der europäischen Gemeinschaft hervorzuheben. Deutlich wurde, dass viele der Interviewten die Meinung vertreten, dass Probleme in Europa dringend angesprochen und Lösungen gefunden werden müssten. Wir sind der Meinung, dass Formate wie #SalonEuropa dazu einen Anstoß geben und einen Beitrag leisten können. Unser Dank gilt den Interviewpartnern, die den Mut hatten, sich öffentlich zu äußern. Alle Videos kann man auf dem YouTube–Kanal des Museums ansehen.

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Alle Video-Interviews der Ausstellung #SalonEuropa

Die Veranstaltungen vor Ort: „Außerhalb Europas gilt Europa als Erfolgsgeschichte“

Ein Salonabend, ein Kooperationsprojekt mit der Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen, fand am 27. Oktober 2018 mit rund vierzig Gästen im Museum statt. Auch zur Eröffnung und zur Finissage der Ausstellung kam es zu angeregten Gesprächen über Europa. Eines der großen Themen waren die verschiedenen Blickwinkel auf Europa: von Ost und West, Außen und Innen, Jung und Alt. Während Europa außerhalb Europas als Erfolg gilt, sei das in den Mitgliedsstaaten leider nicht immer so.

Das Gespräch drehte sich um Europas Grenzen und Region, um Ost und West und um Identität.
Das Gespräch drehte sich um Europas Grenzen und Region, um Ost und West und um Identität.

Die Blogparade: über 400 Seiten Gedanken zu Europa

Unsere erste Blogparade führten wir in Kooperation mit Dr. Tanja Praske vom Blog KULTUR-MUSEUM-TALK durch, die das Projekt auch auf Twitter, Facebook, Instagram und Pinterest begleitete. Die Blogparade lud interessierte Blogger ein, Artikel zur Frage „Europa bedeutet für mich…?“ zu verfassen. Insgesamt erhielt das Museum 75 Blogposts, die ausgedruckt rund 445 A4-Seiten Text ergaben, die auch in der Ausstellung vor Ort zugänglich waren. Viele Blogger beschäftigten sich mit der Tradition, Geschichte und Kultur Europas, schilderten ihre ganz persönlichen Europa-Erlebnisse von der DDR-Kindheit bis zum deutsch-französischen „Erasmus-Baby“ oder berichteten von ihren schönsten Europareisen.

Für alle Meinungsäußerungen zur Ausstellung #SalonEuropa legte das Museum im Vorfeld „Salonregeln“ fest, als Instrument, um eventuelle unangemessene Beiträge außen vor zu lassen: 1) Äußern Sie Ihre Meinung höflich; 2) Ihr Kommentar darf nicht gegen das Bürgerliche Gesetzbuch und die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland verstoßen; 3) Äußerungen, die diesen Salonregeln widersprechen, können kommentarlos gelöscht werden. Schlussendlich musste kein Beitrag gelöscht werden, denn auch die kritischen Äußerungen wurden sachlich vorgetragen.

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Einen Überblick über die Ausstellung #SalonEuropa gibt TV-Journalist Gunter Auer.

Insgesamt zielte das Projekt #SalonEuropa neben der Visualisierung in der Ausstellung vor Ort vor allem auf das Gespräch mit allen, auch mit denen, deren Meinung zwischen den Extremen liegt, die Europa als bürokratisches Monster und nicht als Chance zur Bewältigung nationaler wie internationaler Probleme sehen. Den Unzufriedenen wollten wir genauso eine Stimme geben, wie denen, die Europa bereits jetzt leben. Insofern ist festzustellen, dass genau dieser Austausch nur in Einzelfällen erreicht werden konnte.

Es bestätigte sich die These, dass in großen Teilen der Gesellschaft die öffentliche kontroverse Diskussion nicht miteinander geführt, sondern stattdessen übereinander gesprochen wird. Diese Art der Diskussion bezeugt deutlich den breiten gesellschaftlichen Diskurs, der sich derzeit in zwei Lager teilt: Während die eine Seite der Meinung ist, dass Europa-kritischen Stimmen keine Bühne geboten werden sollte, vertritt die andere die Ansicht, dass gerade durch Miteinanderreden die aktuelle Spaltung Europas überwinden werden könnte.

Ganz unterschiedliche Visionen für die Zukunft Europas

In vielen Beiträgen zu #SalonEuropa kommen Zukunftswünsche und Visionen für Europa zu Wort, die teilweise weit auseinander gehen. Diese Spaltung zieht sich natürlich durch den gesamten Kontinent. Ein Lichtblick für uns: Der Tonfall im #SalonEuropa blieb immer sachlich. Wir hatten den Eindruck, dass man gerade in der Ausstellung vor Ort und auch in den Social Media-Kanälen die Verschiedenheit der Sichtweisen zur Kenntnis genommen hat. Für uns bildete das die Grundlage für einen ausgewogenen Diskurs auf Augenhöhe.

Im Rahmen der Ausstellung wurden wichtige, zeitlose, lesenswerte Gedanken geäußert. Vielleicht konnte sie die Aufmerksamkeit für das Thema Europa ein wenig erhöhen.

Europa fehlen eine gemeinsame Öffentlichkeit und europäische Medien, forderten die Autoren Andre Wilkens und Markus Rhomberg 2015 in einem Beitrag im Tagesspiegel. Der MDR -Twitterkanal für Medien verfolgte #SalonEuropa regelmäßig. Die Ostthüringer Zeitung (Funke-Mediengruppe) berichtete oft über unser Projekt. Allerdings sprang der „Europafunken“ nie so recht über. In Thüringen finden 2019 Landtagswahlen statt und laut aktuellen Sonntagsfragen wären CDU, Linke und AfD wohl mit jeweils rund 23 bzw. 22 Prozent der Stimmen die stärksten Kräfte. Zeit, zumindest darüber nachzudenken, welche Position man selbst vertritt, Probleme offen anzusprechen und ernst zu nehmen. Und Zeit, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Das folgerten auch einige der Gäste im #SalonEuropa: „Gerade die Unterschiede und Widersprüche gehören zur Pluralität Europas“, betonte Reinhard Laube, Direktor der Weimarer Anna Amalia Bibliothek.

Mit der Idee Europas, was heute davon übrig ist und wie unterschiedliche Generationen dazu stehen, beschäftigten sich auch andere Posts. Viele kamen wie Kulturkramkiste zu dem Schluss: „Es ist Zeit, Verantwortung zu übernehmen und Europa weiterzuentwickeln.“

Ein Konzept für den Wiederaufbau des seit 1953 fehlenden Nordflügels der Burg als "Zentrum für europäische Salonkultur" gibt es - ob es umgesetzt wird, wird die Zukunft zeigen.
Ein Konzept für den Wiederaufbau des seit 1953 fehlenden Nordflügels der Burg als “Zentrum für europäische Salonkultur” gibt es – ob es umgesetzt wird, wird die Zukunft zeigen.

Auch im Jahr 2019 wollen wir im Museum Burg Posterstein weiter mit dem Salonformat experimentieren. Eine ideale Bühne wäre dafür das Konzept eines Zentrums für europäische Salonkultur im ruinösen Nordflügel der Burg, das immer noch in der Schwebe hängt. In diesem Sinne schauen wir gespannt in die Zukunft, danken allen, die #SalonEuropa so tatkräftig unterstützt und die Diskussion bereichert haben und wünschen einen guten Start ins Jahr 2019!

Zusammengefasst von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Fragiles Europa – Pernille Egeskovs Kunstwerk “Europa” als Beitrag zu #SalonEuropa

Zur #MuseumWeek im April 2018 auf Twitter stellten wir zum ersten Mal unser Projekt #SalonEuropa vor. Schon damals erhielten die ersten Antworten auf die Frage “Was bedeutet Europa für mich…?” via Twitter. Darunter auch die von Merete Sanderhoff, Kurator am Statens Museum for Kunst in Kopenhagen. Sie schrieb: “My statement is an interview with the artist Pernille Egeskov whose recent exhibition deals with the Cracks & Crevices in Europe – leading to dissolution or a new beginning?” Ihr Beitrag zu #SalonEuropa war der Hinweis auf eine Kunstausstellung in Kopenhagen, wo unter anderem die Künstlerin Pernille Egeskov ihr neues Werk “Europa” ausstellte (Hier geht es zum ganzen Interview auf Englisch).

“Europa” von Pernille Egeskov

Das Werk “Europa” besteht aus 28 langen Bahnen dünnem Skizzenpapier, die von zwei Holzklammern zusammengehalten werden. Auf jede Schicht des durchscheinenden Papiers hat die Künstlerin mit Bleistift in geschwungener Schreibschrift das Wort “Europa” geschrieben. Übereinander gelegt, beginnen die Lettern zu verschwimmen und ergeben etwas Neues. Aber was ist Europa eigentlich? Klar ist, dass es ein fragiles Gebilde ist.

Pernille Egeskov: Europa, 28 Schichten Skizzenpapier in verschiedenen Längen, Bleistift, Holzklammern, variable Breite, 2018. Foto: Isak Hoffmeyer
Pernille Egeskov: Europa, 28 Schichten Skizzenpapier in verschiedenen Längen, Bleistift, Holzklammern, variable Breite, 2018. Foto: Isak Hoffmeyer.

Merete Sanderhoff hatte Pernille Egeskov für einen Blogbeitrag interviewt, eine wunderbare Referenz zu unserem Thema. Im Interview wie im Kunstwerk geht es nämlich genau wie im Projekt #SalonEuropa vor Ort und digital um ein persönliches Verständnis von Europa und welche Rolle Europa für uns Europäer spielt. Pernille Egeskov antwortete auf eine der Fragen: “For various reasons we are shaken, and this forces us to adopt new attitudes to where Europe stands, and where we stand as Europeans.” Während uns Europäer viele Dinge zusammenschweißen, sind die Kräfte, die uns auseinandertreiben, unübersehbar – wie Risse auf einer früher glatten Oberfläche. Die aktuelle Entwicklung sei eine Öffnung in eine neue Richtung, aber in welche, sei noch unklar, erklärt Pernille Egeskov im Interview.

“Europa” in Posterstein

Nachdem ich das Interview gelesen hatte, schrieb ich Pernille Egeskov eine E-Mail und fragte sie, ob sie nicht für unser Projekt #SalonEuropa ihre Meinung zu Europa mit uns teilen wolle. Ich dachte an ein paar Zeilen Text, aber Pernille Egeskov schlug vor, das ganze Kunstwerk “Europa” als ihre Antwort auf die Frage im Museum Burg Posterstein zu zeigen. Die Idee gefiel uns gut, schließlich vereinte die Ausstellung Meinungsäußerungen in Form von Text, Foto und Video. Warum nicht auch als Kunstwerk?

Die Ausstellung #SalonEuropa vor Ort und digital versammelte Meinungsäußerungen von Menschen aus 15 Ländern zu Europa in Form von Text- und Videobeiträgen - und als Kunstwerk von Pernille Egeskov, Dänemark
Die Ausstellung #SalonEuropa vor Ort und digital versammelte Meinungsäußerungen von Menschen aus 15 Ländern zu Europa in Form von Text- und Videobeiträgen – und als Kunstwerk von Pernille Egeskov, Dänemark.

Pernille Egeskov, geboren 1970, studierte Kostümdesign an Det Kongelige Danske Kunstakademis Skole for Design und ihre Arbeiten wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt.

Ihre Ausstellung Cracks & Crevices ist als nächstes vom 22. März bis 21. April 2019 in Haus8 in Kiel zu sehen.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

„Diese Pluralität der Perspektiven ist Europa“ – Auswertung #SalonEuropa 4: Die Blogparade

Die Blogparade #SalonEuropa führten wir vom 23. September bis 23. Oktober 2018 als wichtigen Teil der Ausstellung #SalonEuropa vor Ort und digital durch. Im Rahmen der Ausstellung erhielten wir über 200 Meinungen aus 15 Ländern in Form von schriftlichen Kommentaren, Blogposts, Fotos, Video- und Audio-Statements, als Kunstwerk und natürlich auch im persönlichen Gespräch vor Ort. Alle bezogen sich auf die Frage „Was bedeutet Europa für mich…?“. In mehreren Teilen fassen wir den Diskurs zusammen: (1) Die Zusammenfassung der Gespräche am Salonabend, (2) der Kommentare, (3) der Video-Interviews, (4) der Blogparade und (5) ein kurzes Gesamtfazit.

Hintergrund: Das Ausstellungsexperiment #SalonEuropa

Die Blogparade #SalonEuropa stand nicht für sich allein, sondern war eng verzahnt mit der Ausstellung #SalonEuropa vor Ort und digital, die im Museum Burg Posterstein zu sehen war. Mit dem Ansatz, den Dialog – vor Ort und im WWW – zum Mittelpunkt einer Ausstellung zu machen, betraten wir museales Neuland. Wir fragten „Was bedeutet Europa für dich?“ und stellten den aktuell fragilen Zustand Europas der Zeit zwischen Französischer Revolution und des Wiener Kongress gegenüber. Damals vor rund 200 Jahren befand sich Europa ebenfalls im Umbruch. In den Salons der adligen und bürgerlichen Damen diskutierte man gesellschaftliche Fragen und brachte politische Entscheidungen mit auf den Weg. Die Ausstellung experimentierte damit, wie ein solcher Salon – offen, die eigene Filterblase sprengend – heute aussehen und ob er eine adäquates Mittel der gesellschaftlichen Kommunikation sein könnte.

#SalonEuropa vor Ort und digital - eine dynamisches Experiment, das Meinungen ausstellte
#SalonEuropa vor Ort und digital – eine dynamisches Experiment, das Meinungen ausstellte

Der #SalonEuropa war ein Versuch, Bürgern vor Ort und im Digitalen die Möglichkeit zu geben, ihre Gedanken zu Europa zu äußern und darüber miteinander ins Gespräch zu kommen. Dazu gab es einmal die dynamische, mitwachsende Ausstellung selbst, in der bereits zu Beginn über einhundert Meinungen zu Wort kamen. Darüber hinaus gab es die Projektwebseite, die Blogparade, die Diskussionen im Social Web und drei Veranstaltungen vor Ort. Die Blogparade mit ihren 75 Beiträgen belebte den Diskurs in der Ausstellung wesentlich.

Ziel der Blogparade

Unsere erste Blogparade führten wir in Kooperation mit Dr. Tanja Praske vom Blog KULTUR-MUSEUM-TALK durch, die das Projekt auch auf Twitter, Facebook, Instagram und Pinterest begleitete. Sie betreute bereits viele Kulturblogparaden und veröffentlichte erst kürzlich ihren umfassenden Artikel zu Chancen und Risiken bei der Durchführung von Blogparaden im Kulturbereich.

Ziel der Blogparade #SalonEuropa war es, die Ausstellung vor Ort zu bereichern und zu erweitern, die Idee der Ausstellung mit Interessierten im Netz zu diskutieren, sich mit ihnen zu vernetzen und dadurch der spannenden aktuellen Thematik eine große Reichweite zu ermöglichen. Die Blogparade startete zeitgleich mit der Ausstellung mit einem Aufruf im Blog. Darin gab es nicht nur Anregungen für Themen, sondern auch konkrete Infos zum Ablauf der Blogparade.

Für alle Meinungsäußerungen zur Ausstellung #SalonEuropa haben wir im Vorfeld „Salonregeln“ festgelegt, die als Instrument dienen sollten, eventuell unangemessene Beiträge außen vor zu lassen:

1) Äußern Sie Ihre Meinung höflich
2) Ihr Kommentar darf nicht gegen das Bürgerliche Gesetzbuch und die Verfassung der Bundesrepublik

Deutschland verstoßen
3) Äußerungen, die diesen Salonregeln widersprechen, können kommentarlos gelöscht werden.

Ziel der Ausstellung und der Blogparade war es, ein möglichst breites Meinungsbild zu erhalten, vielleicht sogar an der einen oder anderen Stelle unsere „Filterblase“ des typischen Museumspublikums zu durchbrechen.

Die Blogparade #SalonEuropa in Zahlen

Insgesamt wurden 75 Blogposts von 62 Blogs aus sieben Ländern zur Blogparade #SalonEuropa eingereicht. Wir haben sie zeitnah mit dem Aufruf verlinkt, wenn möglich kommentiert, auf der Projekt-Website einzeln zusammengefasst und ausgedruckt in zwei dicken Ordnern in der „Salonecke“ der Sonderausstellung auch für nicht internet-affine Besucher zugänglich gemacht. Zum Ende der Blogparade waren das mitsamt den Kommentaren 445 A4-Seiten Text in normaler Schriftgröße. Beinahe das gesamte Team des Museums war während der Zeit der Blogparade in diesen zeitintensiven Prozess eingebunden, denn oft erreichten uns mehrere neue Blogbeiträge am Tag und die Diskussion darüber dauerte manchmal bis spät abends. Das war eine intensive Zeit, die uns den verschiedenen Bloggern näher brachte und die den Diskurs in der Ausstellung wesentlich bereicherte.

Bisher interagierte das Museum Burg Posterstein mit Bloggern vor allem auf Twitter und Instagram sowie direkt in den Blogs, wenn beispielsweise über das Museum geschrieben wurde. Die Beiträge verlinken wir auf der Museumswebsite. Aufgeschlüsselt nach uns bereits bekannten und noch unbekannten Bloggern, kamen 33 der 75 Blogposts zur Blogparade #SalonEuropa von uns noch unbekannten Bloggern. Die meisten der teilnehmenden Blogger beschäftigen sich hauptsächlich mit Kultur, aber 11 Prozent auch mit Reise und jeweils 2,3 Prozent mit Familie, Umwelt und einem breiten Themenspektrum, das wir „querbeet“ getauft haben. Die Blogger kommen aus 14 deutschen Bundesländern (allen voran aus Thüringen, Bayern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen) sowie aus Österreich, den Niederlanden, Frankreich, Norwegen, Lettland und Estland. Acht Blogposts steuerten Gastblogger bei, die sonst keinen eigenen Blog führen. Das zeigt, dass wir mit der Blogparade #SalonEuropa zwar einerseits unser eigenes Netzwerk im Kulturbereich erreichten, aber durchaus auch uns noch unbekannte Zielgruppen ansprechen und neue Netzwerke knüpfen konnten.

Die Themen der Blogparade #SalonEuropa

In den vorangegangenen Zusammenfassungen haben wir die angesprochenen Themen verschlagwortet, um einen groben Überblick über die Vielfalt der Inhalte zu geben. Interessant ist auch der Vergleich der einzelnen „Kanäle“ (schriftliche Kommentare, Salonabend, Videos, Blogparade), denn es werden ganz unterschiedliche Themengewichtungen deutlich.

Themen der Blogartikel zur Blogparade #SalonEuropa.
Themen der Blogartikel zur Blogparade #SalonEuropa.

Allein der Blick auf die Grafik zur Blogparade zeigt, dass der Diskurs über aktuelle Probleme hier in den Hintergrund trat und viele Blogger einen anderen Ansatz wählten. Sie rückten Kultur und den Kulturaustausch in Europa in den Mittelpunkt, bloggten über Europas Geschichte, über ganz konkrete persönliche Erfahrungen mit Europa, über das Reisen und die Bedeutung von Frieden, Sicherheit, Freiheit und offenen Grenzen. Auch Umwelt- und Naturschutzthemen kamen zur Sprache, ebenso wie Politik, gemeinsame Werte und Digitalisierung im Kulturbereich.

Hier wird auch die Natur des Bloggens deutlich: Blogs sind ursprünglich persönliche Tagebücher, viele widmen sich einem Oberthema wie Reisen, Umwelt, Geschichte, Kultur und natürlich muss auch der Beitrag zu einer Blogparade zu diesem Thema passen, damit der Blogger seine Leser anspricht.

Stimmen aus der Blogparade #SalonEuropa

Alle 75 Beiträge sind chronologisch auf der Projektwebsite kurz zusammengefasst und können dort auch ausführlich nachgelesen werden. Sie sind am Ende dieses Beitrags noch einmal verlinkt. Ein paar Themen, die viele Blogger bewegten, seien beispielhaft herausgegriffen:

Europas Wurzeln und aktuelle Politik

Europas Geschichte oder einzelne Aspekte davon standen im Zentrum mehrerer Blogposts. Dabei glich kein Text den anderen, es ging um Europas Spuren in regionaler Geschichte und um aktuelle europäische Politik, um die Tisch- und Heiratskultur des historischen europäischen Adels, um das gemeinsame Erbe der Aufklärungszeit, von Humanismus und Liberalismus und um Europas Verhältnis zum Fremdenhass. Nicht zuletzt ging es um die Bedeutung der langen europäischen Friedensperiode, in der wir uns befinden.

Probleme lösen auf nationaler, europäischer oder besser gleich internationaler Ebene?

Oft wurde hervorgehoben, dass sich globale Herausforderungen auf europäischer Ebene besser lösen lassen. Manchmal wurde aber auch einen Schritt weitergegangen und darauf hingewiesen, dass für verschiedene Bereiche (wie z.B. Digitalisierung, Klimapolitik) ein globaler Blickwinkel noch sinnvoller wäre.

Heute so aktuell wie damals: Die Karikatur “The plumb-pudding in danger -or- state epicures taking un petit souper” von 1805 (British Museum CC BY-NC-SA 4.0 Quelle)

Europa in Kunst und Kultur

Die Rolle der historischen und aktuellen Kunst und Kultur, der Architektur, Musik und Literatur für Europas gemeinsame Werte und Traditionen und auf das persönliche Erleben Europas stellten viele Blogger in den Mittelpunkt ihrer Texte. Und gleichzeitig ging es auch darum, wie man das gemeinsame europäische Kulturerbe im Internet frei zugänglich und teilbar machen könnte.

Reisen durch Europa

Das Reisen und Kennenlernen anderer europäischer Kulturen, ob per Flugzeug, Wohnmobil, Fahrrad oder zu Fuß, ob mit Kindern, Partner oder allein, faszinierte viele Blogger an Europa.

Ost-West-Sichten: Ganz unterschiedliche Erfahrungen mit Europa

Ein besonders interessanter Aspekt der Blogparade waren für uns die teilweise sehr unterschiedlichen persönlichen Erfahrungen, die Blogger in den verschiedenen Regionen Deutschlands und in den verschiedenen Altersklassen mit Europa gemacht haben. Für viele ist das europäische Miteinander eine Selbstverständlichkeit, nicht nur für die jüngere, von Erasmus und Interrail geprägte Generation, auch für die, die in Grenzregionen zu Frankreich, den Niederlanden oder der Schweiz leben.

Gleichzeitig war es ungeheuer spannend, die Erinnerungen an unterschiedliche Erfahrungen vor und hinter dem ehemaligen „eisernen Vorhang“ zu lesen. Denn mehrere Blogger schilderten ihre Erlebnisse an den Ostgrenzen und ihre Zeit in der DDR-Diktatur ohne Reisefreiheit. Ein weiterer Aspekt waren Blogposts über Projekte zu persönlichen Migrationserfahrungen in und nach Europa. Und nicht zuletzt ging es um die persönliche Bedeutung der europäischen Identität bzw. Nationalität.

An diesen Stellen, so unser Eindruck, bot die Blogparade die Chance, Brücken zu bauen, einander zu verstehen und zuzuhören und Erfahrungen auszutauschen.

Die Diskussion über die Blogparade #SalonEuropa

Die Ausstellung „#SalonEuropa vor Ort und digital“ und die darin integrierte Blogparade verstanden sich als ein Labor. Ausgehend von der historischen Salonkultur um 1800 sollten sie den Bogen schlagen in die heutige Zeit und zur aktuellen politischen Lage. Wie der Dichter Jean Paul anerkennend berichtete, durfte im Salon der Herzogin von Kurland jeder frei seine Meinung äußern, solange sie höflich vorgetragen wurde.

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TV-Journalist Gunter Auer über die Ausstellung #SalonEuropa vor Ort und digital

Analog dazu wurde im #SalonEuropa Labor Besuchern vor Ort und im Digitalen die Möglichkeit geboten, ihre Gedanken zu Europa heute zu äußern. Auf einem großen Bildschirm in der Ausstellung und auf einer Website kamen unter der Überschrift „Europa bedeutet für mich…?“ in Videos, kurzen Statements und Blogposts unterschiedliche Meinungen zu Europa zu Wort.

In den Blogs selbst und in den sozialen Netzwerken bildeten die Texte Grundlage für Austausch und Diskussion. Davon zeugen beispielsweise über 360 Kommentare in den teilnehmenden Blogs und die große Reichweite des Hashtags #SalonEuropa von 7 Mio Impressions auf Twitter. Auch auf Instagram und Facebook kam es zu Gesprächen.

Dabei war es sehr unterschiedlich, wie viel Austausch in den einzelnen Blogs möglich war bzw. zustande kam. Der meistkommentierte Beitrag erhielt innerhalb weniger Tage 50 Kommentare, in denen sich die Leser angeregt über kulturelle Gepflogenheiten beim Besuch in fremden Wohnungen austauschten. Tendenziell scheinen Reise- und „Livestyle“-Blogger eine diskussionsfreudigere Leserschaft zu haben als beispielsweise reine Kultur- und Geschichtsblogs. In anderen Blogs kam gar keine Diskussion zu Stande. Offenbar haben manche Blogger im Zuge der DSGVO bzw. auch aus anderen Gründen die Kommentarfunktion deaktiviert.

Für eine angeregte Diskussion zum Mehrwert von Blogparaden empfehlen wir Tanja Praskes ausführlichen Artikel „Blogparaden in der Kultur – Chancen, Risiken und Learnings“.

Der Blogpost “Schuhe aus im #SalonEuropa?” von Textile Geschichten bekam die meisten Kommentare (Bildquelle: https://textilegeschichten.net/2018/10/07/schuhe-aus-im-saloneuropa/)

Insgesamt kann festgehalten werden, dass die Beiträge zur Blogparade sehr homogen waren, es gab nur einen Beitrag, der „Europa“ im Sinne der EU in Frage stellte.

Dieser Beitrag stellt aus unserer Sicht eine Meinung dar, wie sie derzeit von vielen Menschen vertreten wird und die nicht gegen unsere zuvor aufgestellten Salonregeln verstößt, die Meinungsfreiheit und Vielfalt zulassen. In der Einführung verweist der Autor darauf, dass er zwischen EU und Europa unterscheidet und in der EU einen „übergestülpten Machtapparat“ sieht. Es werden historisch nicht haltbare Fakten vermischt, wenn z. B. Jugoslawien und die Sowjetunion, die beide sozialistische Diktaturen waren, als Beispiel für die EU herhalten müssen. Wie die globalen Probleme unserer Zeit durch Nationalstaaten gelöst werden sollen, wird auch nicht klar. Dieser Beitrag wurde von uns dennoch bewusst zugelassen, sind doch solche oder ähnliche Meinungsäußerungen, wie schon gesagt in Deutschland nicht selten zu hören. Insofern wäre eine Diskussion über den Inhalt interessant gewesen. Dem Autor selbst war allerdings nicht an einer Diskussion zum Thema gelegen. Der Blogbeitrag hat keine Kommentarfunktion, auf Twitter und Facebook fand und findet keine Interaktion statt.

Stattdessen entzündete sich an diesem Blogpost eine Diskussion über das Für und Wider, EU-skeptischen Meinungen ein Podium zu bieten. Überraschend für uns war, dass sich nicht mit dem Inhalt des Beitrags auseinandergesetzt wurde, sondern von Einzelnen unsere Herangehensweise an das Projekt #SalonEuropa und gleich noch unsere Kompetenz zur Durchführung eines solchen Projekts in Frage stellt wurde. Die Kontroverse gipfelte schließlich darin, dass das Museum dafür angegriffen wurde, diese Meinung in der Blogparade veröffentlicht zu haben. Dass dies in Unkenntnis der Arbeit des Museums, seiner Mitarbeiter, der parallel laufenden Ausstellung und der dort aufgestellten Salonregeln zur Meinungsfreiheit (siehe oben) geschah, soll hier unbedingt erwähnt werden. Denn der Vorgang bestätigte die These, dass in großen Teilen der Gesellschaft die öffentliche kontroverse Diskussion nicht miteinander geführt, sondern stattdessen übereinander gesprochen wird. Diese Art der Diskussion bezeugt deutlich den breiten gesellschaftlichen Diskurs, der sich derzeit in zwei Lager teilt: Während die eine Seite der Meinung ist, dass Europa-kritischen Stimmen keine Bühne geboten werden sollte (z.B. taz: Ich möchte lieber nicht), vertritt die andere die Ansicht, dass gerade durch Miteinanderreden die aktuelle Spaltung Europas überwunden werden könnte (z.B.: dlf: Das Problem mit der „Political Correctness“, watson: Warum es so gefährlich ist, dass so wenig über den Migrationspakt informiert wird , dlf: Einmischung in politische Debatten durch Historiker).

Ganz aktuell befasst sich Maria-Sibylla Lotter in DER ZEIT (Zeit Nr.51/13.12.2018) mit der Thematik „Wer darf was sagen? Wie kontrovers sollen Debatten sein?“ indem sie auf den Streit an der Universität Siegen eingeht (siehe auch: Mohamed Amjahid, Denken oder denken lassen?, Zeit, Nr.51/18, 5.12. 2018) Allerdings geht es dabei weniger um das Thema „Europa“, sondern zuallererst um den Umgang mit der „Neuen Rechten“.

Zusammenfassung

Insgesamt zielte das Projekt #SalonEuropa neben der Visualisierung in der Ausstellung vor Ort vor allem auf das Gespräch mit allen, auch mit denen, deren Meinung zwischen den Extremen liegt, die Europa als bürokratisches Monster und nicht als Chance zur Bewältigung nationaler wie internationaler Probleme sehen. Den Unzufriedenen wollten wir genauso eine Stimme geben, wie denen, die Europa bereits jetzt leben.

Insofern ist festzustellen, dass genau dieser Austausch in der Blogparade nicht erreicht werden konnte (was vielleicht auch nicht zu erwarten war).

Wunderschöne Europa-Collage aus dem Blogpost von Le Monde de Kitchi (Quelle: https://lemondedekitchi.blogspot.com/2018/10/blogparade-saloneuropa.html)

Trotzdem haben die Meinungen und Gedanken aus der Blogparade die Ausstellung vor Ort maßgeblich belebt und erweitert. Es wurden politische, gesellschaftliche, wissenschaftliche, nicht nur auf den Tag bezogene Gedanken geäußert. Die Blogparade hat gleichermaßen die Aufmerksamkeit für #SalonEuropa und vielleicht ein wenig für Europa an sich erhöht. Schon allein dafür hat sich der Aufwand gelohnt und das betrachten wir durchaus als Erfolg einer Kulturblogparade. Wir jedenfalls konnten uns mit wirklich spannenden Bloggern vernetzten, von denen wir einen viele vor der Blogparade noch nicht kannten. Dafür sei allen gedankt.

Zum Schluss: Über Europa zu reden ist kein Selbstläufer

Spontan zu Wort meldeten sich nur wenige, oft diejenigen, die sich ohnehin schon engagieren oder die, die damit gleichzeitig auch eine Botschaft auf einem eigenen Kanal (z.B. Blog, Social Media-Account) an ein eigenes Publikum (ihre Follower) senden. Vielen Meinungsäußerungen gingen persönliche Gespräche vor Ort und digital voraus. Es gibt eine breite Masse, die die Ausstellung vor Ort oder digital mit Interesse verfolgte, sich lobend äußerte, aber keine eigene Meinung hinzufügte. Europa ist nicht schwarz-weiß und das Thema kein einfaches.

Migrationsarchiv im Archäologischen Museum Hamburg (Quelle: https://blog.amh.de/europa-in-harburg-saloneuropa/)

Der MDR -Twitterkanal für Medien verfolgte #SalonEuropa regelmäßig. Wir versuchten auch Thüringer Printmedien für die Thematik zu sensibilisieren, was allerdings nur begrenzt gelang. Die Ostthüringer Zeitung (Funke-Mediengruppe) berichtete oft über unser Projekt, allerdings sprang der „Europafunken“ nie über. In Thüringen finden 2019 Landtagswahlen statt und laut aktuellen Wahlumfragen wären CDU, Linke und AfD mit jeweils wohl rund 23 bzw. 22 Prozent der Stimmen die stärksten Kräfte. Es ist also an der Zeit, zumindest darüber nachzudenken, welche Position man selbst vertritt, tatsächliche Probleme offen anzusprechen und ernst zu nehmen. Und Zeit, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Wir haben ganz unterschiedliche Visionen für die Zukunft Europas

In vielen Beiträgen kommen Zukunftswünsche und Visionen für Europa zu Wort, die teilweise weit auseinander gehen. Diese Spaltung zieht sich natürlich durch den gesamten Kontinent. Ein Lichtblick für uns: Der Tonfall im #SalonEuropa blieb immer sachlich. Wir hatten den Eindruck, dass man gerade in der Ausstellung vor Ort und auch in den Social Media-Kanälen die Verschiedenheit der Sichtweisen zur Kenntnis genommen hat. Für uns bildete das die Grundlage für einen ausgewogenen Diskurs auf Augenhöhe.

Persönliches Fazit von anderen: Die Idee, die Widersprüche und Probleme Europas

„Gerade die Unterschiede und Widersprüche gehören zur Pluralität Europas“, betonte Reinhard Laube, Direktor der Weimarer Anna Amalia Bibliothek.

Mit der Idee Europas, was heute davon übrig ist und wie unterschiedliche Generationen dazu stehen, beschäftigten sich auch andere Posts. Viele kamen wie Kulturkramkiste zu dem Schluss: „Es ist Zeit, Verantwortung zu übernehmen und Europa weiterzuentwickeln.“

Zusammengefasst von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Alle Kurzfassungen der eingegangenen Blogposts auf einen Blick:

1. Klaus Graf von Archivalia: Europa ist für mich kein Ersatz für Weltbürgertum // @Archivalia_kg (23.9.2018)

Für Klaus Graf sind Europa und europäische Zusammenarbeit zwar gut und wichtig, aber “kein Ersatz für Weltbürgertum”. Er möchte einen Schritt weitergehen und fordert – gerade im Kulturbereich – eine stärkere Zusammenarbeit, die über Europa hinausgeht. Warum gibt es kein weltweites Äquivalent zur Europeana oder zum Archivportal Europa? Hier geht es zum ganzen Artikel

2. mikelbower: Elysium hauchte Europa // @mikelbower (23.9.2018)

Mikelbower lädt bei Speyrer Brezel und Pfälzer Riesling zum gemütlichen und kurzweiligen Gespräch in seinen virtuellen Wohnzimmersalon. Dort führt er uns nicht nur nach Speyer, sondern auch quer durch die europäische Geschichte. Dabei gibt es allerhand interessante Details, die einiges über Europa aussagen, und wundervolle Ideen dazu, was einer europäischen Zukunft noch fehlt. Hier geht es zum ganzen Artikel

3. Christiane Nienhold von Christianes Landkultur: Morning Glory // @landkultur (24.9.2018)

Christiane Nienhold nimmt uns mit auf einen sehr persönlichen Ausflug in ihre Jugend im geteilten Europa und erste Erkundungsreisen nach der Wende: “…es gab viel zu entdecken, was wir bis dahin nur aus Büchern oder dem Fernsehen kannten, und von dem wir kaum hatten hoffen dürfen, es jemals in der Realität zu sehen.” Für die Zukunft wünscht sie Europa, dass sich die Menschen ihrer Gemeinsamkeiten und ihrer Menschlichkeit besinnen. Hier geht es zum ganzen Artikel

4. Anke von Heyl aka Kulturtussi: Mein Bild für Europa. Oder warum ich die architektonische Nachkriegsmoderne so schätze! // @kulturtussi (24.9.2018)

Für Anke von Heyl steht Europa auch für die Überwindung des Traumas des 2. Weltkriegs. In ihrem Blogpost schlägt sie den Bogen von der Architektur der Nachkriegszeit bis zur heutigen ungewissen Zukunft Europas. Als Symbol für Europa sieht sie das Berlaymont-Gebäude – oder wie es auch gerne genannt wird, an das Berlaymonstre. Hier geht es zum ganzen Artikel

5. Unterwegs im Hinterland: Blogparade „#SalonEuropa – Europa ist für mich…“ // @chillerunterwegs (24.9.2018)

Cindy Hiller sucht in ihrem Blogpost nach Spuren, die Menschen aus anderen Ländern Europas im “Hinterland”, in der Provinz hinterlassen haben. Oft kommen dem Leser große Schlachten in den Sinn, doch Europa steht für Cindy Hiller nicht für das “kopflose Wegballern”, sondern für das genaue Gegenteil: für gemeinsames Reden und für Frieden, der viel schwerer zu erreichen ist als Krieg. Auf ihrem Weg führt sie uns an viele kleine, aber bedeutende Orte und lockt mit dem Versprechen, diesen Bericht zu erweitern. Hier geht es zum ganzen Artikel

6. Naturgebloggt: #SalonEuropa und was Europa für mich bedeutet // @ThomasEngst (25.9.2018)

Thomas Engst betrachtet in seinem Blogpost Europa aus Sicht des Naturschützers. Dabei garantiert die EU aus seiner Sicht erstmalig ein verbindliches Regelwerk, durch welches Lebensraumtypen, Tier- und Pflanzenarten einen länderübergreifenden Schutzstatus genießen. Perfekt ist das Konstrukt Europa bei weitem nicht, aber es birgt das Potenzial, besser zu werden. Hier geht es zum ganzen Artikel

7. Europeana Blog: ‘All of Europe is my country’ and other stories from Europeana Migration // @europeanaeu (25.9.2018)

The Europeana Blog written by Dr Beth Daley takes a look at Europe from the perspective of migrants. It shows an impressive collection of very touching and personal migration stories from all over Europe. Some of the authors feel safe, others lost; for some Europe means music, for others freedom to travel.  Read the full article here

8. Europeana @ Medium.com: How sharing Europe’s cultural heritage online impacts on, well, everything. // @Europeana (25.9.2018)

2018 is the European Year of Cultural Heritage. And so the article of Europeana tells how cultural heritage is shared digitally, why and to whom. The article comes to the conclusion that sharing of digital cultural heritage is important – to the cultural heritage sector and to all of humanity. Read the full article here

9. (Gastbeitrag) Barbara Fischer: Denk ich an Europa in der Nacht // @fischerdata (26.9.2018)

Für die junge Barbara Fischer war Europa das Versprechen auf Frieden, Völkerverständigung, Wohlstand und Umweltschutz. Heute scheint sich Europa nach vielen Erfolgen zu einer Seifenblase zu entwickeln, die zu platzen droht. Welche Rolle, welche Bedeutung hat das europäische Kulturerbe – Hoffnung? Hier geht es zum ganzen Artikel

10. Reinhard Laube, Blog der Klassikstiftung Weimar: Weimars Europa // @klassikstiftung (28.9.2018)

Ausgehend von den Schätzen der Weimarer Anna Amalia Bibliothek arbeitet sich deren Direktor Reinhard Laube in seinem Blogpost vor zu den Widersprüchen Europas: “Diese Pluralität der Perspektiven ist Europa. Sie ist nicht beliebig, und nicht harmonisch, bedeutet vielmehr Arbeit, auch Streit und bedarf allemal Formen der Vermittlung.” Sein Fazit: “Europäisch denkt, wer widersprüchliche Perspektiven anerkennt…” Hier geht es zum ganzen Artikel

11. Dr. Alexandra Hildebrandt: Europäische Lebenskünstler: Warum ihre Ernte so wertvoll ist // @AHildebrandt70 (29.9.2018)

Dr. Alexandra Hildebrandt spricht in ihrem Blogpost von der Kunst, immer wieder neu denken zu lernen. Lebenskünstler wie der Designer Azzedine Alaïa oder der Dichter Adelbert von Chamisso schafften es, sich stets neu zu erfinden. Kreativität geht einher mit Vernetzung, die auch beim Thema Digitalisierung hilft, neue Wege zu gehen. Hier geht es zum ganzen Artikel

12. Dr. Alexandra Hildebrandt: Warum gutes Benehmen wieder salonfähig sein sollte // @AHildebrandt70 (30.9.2018)

Dr. Alexandra Hildebrandt nimmt in ihrem Blogpost die “Salonfähigkeit” unserer Gesellschaft unter die Lupe. Was zählt der Knigge in einer digitalen Welt? Auch im Netz sei Höflichkeit und Rücksichtnahme die Grundlage für Erfolg. Hier geht es zum ganzen Artikel

13. Bent Jensen, Archäologisches Museum Hamburg: Europa in Harburg // @ArchaeologieHH (1.10.2018)

Bent Jensen vom Archäologischen Museum Hamburg weist auf Europas lange Geschichte der Migration hin: “Grund genug also, sich zu überlegen, was uns als Menschen an den Ort (in Europa) führt, an dem wir heute leben.” Das Archäologischen Museum Hamburg hat derzeit gleich zwei interessante Projekte, bei denen es persönliche Geschichten zum Thema Migration und Geschichte vor Ort sammelt.  Hier geht es zum ganzen Artikel

14. Dr. Alexandra Hildebrandt: Unsere Wurzeln: Warum wir zusammenhängende Stoffgeschichten brauchen // @AHildebrandt70 (1.10.2018)

In diesem Blogpost nimmt Dr. Alexandra Hildebrandt den Leser mit in die Welt der Wälder und ihrer Bedeutung für den Menschen im Laufe der Zeit. Das Holz der Wälder spielt für die Menschen eine so große Rolle, dass wir uns mit diesen “Wurzeln” beschäftigen sollten – auch im Sinne der Nachhaltigkeit und der Einsparung von CO2. Im Artikel werden einige interessante Initiativen und die passende Lektüre empfohlen. Hier geht es zum ganzen Artikel

15. Le monde de Kitchi: Blogparade #SalonEuropa // (1.10.2018)

“Europa – das ist für mich mit vielen positiven Gemütszuständen, sinnlichen Erfahrungen und schönen Bildern verbunden.”, schreibt Astrid Kahmen vom Blog Le monde de Kitchi und zählt eine unglaubliche Menge verschiedenster europäischer Einflüsse auf, die sie zu dem gemacht haben, was sie heute ist. Europa als Quelle der persönlichen Inspiration. Ergänzt wird der Blogpost mit wunderschönen Europa-Collagen. Hier geht es zum ganzen Artikel

16. Schlösser und Gärten Deutschland:Europa und die Schlösserwelt – Ein Beitrag zur Blogparade #SalonEuropa // @sgd_zu_tisch (2.10.2018)

Die Schlösser und Gärten Deutschland laden in ihrem Blogpost Europa an einen Tisch. Kultur – besonders die höfische Ess-, Trink- und Tischkultur – verbindet den Kontinent schon seit Jahrhunderten. Sie zeigt, dass Europa ein bunter Kontinent ist, von Gemeinsamkeiten und Gegensätzen, vom Austausch über und beim Genuss geprägt. Hier geht es zum ganzen Artikel

16 b. Schlösser und Gärten Deutschland: EUROPE AND ITS CASTLES – A CONTRIBUTION TO THE BLOG PARADE #SALONEUROPA // @sgd_zu_tisch (7.10.2018)

The Castles and Gardens Germany dive in their blog into European noble culture. Especially the courtly eating, drinking and dining culture has been connecting the continent for centuries. It shows that Europe is a colorful continent, characterized by similarities and contrasts, by exchange and enjoyment. Read the whole article

17. Dr. Alexandra Hildebrandt: Revolution des Geistes: Warum das europäische Erbe der Romantik so aktuell ist // @AHildebrandt70 (2.10.2018)

Dr. Alexandra Hildebrandt weist in diesem Artikel auf die alte und neue Bedeutung der Romantik in Europa hin. “Schon die Frühromantiker setzten in Kriegs- und Krisenzeiten den leidvollen Erfahrungen des Umbruchs und der existenziellen Unsicherheit etwas Neues entgegen, indem sie neue Formen des Zusammenlebens und Zusammenarbeitens erprobten.” In Zeiten der Digitalisierung erlebe die Romantik eine Wiedergeburt. Hier geht es zum ganzen Artikel

18. MusErMeKu: Stolpersteine – Stumble Upon Memory in Europe // @musermeku (3.10.2018)

Damián Morán Dauchez from MusErMeKu introduces us to the historical memory project “Stolpersteine”, or „stumbling stones“. Stolpersteine are square-shaped paving stones remind us of persons killed by the Nazis. The Article also tells about the discussion pro and against the project. Read the full article here

19. Kulturkramkiste: Blogparade “#SalonEuropa – Europa ist für mich…” // @strigo73 (3.10.2018)

Die “Kulturkramkiste” gibt in ihrem Blogbeitrag einen ganz persönlichen Einblick in ihr damaliges und heutiges Europa. Von der europäischen Utopie im Kalten Krieg bis zur scheinbaren heutigen Europaabkehr spricht sie über Gemeinsamkeiten, Unterschiede und visionäres Denken. Es ist  Zeit,  Verantwortung zu übernehmen und Europa weiter zu entwickeln. Hier geht es zum ganzen Artikel

20. Dr. Alexandra Hildebrandt: Der europäische Geist: Warum der Ehrbare Kaufmann hochaktuell ist // @AHildebrandt70 (3.10.2018)

Fehlt den Unternehmern heute der Anstand? In diesem Artikel schafft es Dr. Alexandra Hildebrandt, die Geschichte der “ehrbaren Kaufleute” von der Zeit der Hanse und der Fugger mit der Finanzkrise und den Herausforderungen für “verantwortungsbewusste Unternehmer” heute zu verbinden. Sie zeigt damit deutlich, dass manche Werte nicht überholt sind, auch wenn sie auf eine lange europäische Tradition bauen. Hier geht es zum ganzen Artikel

21. Wolfgang Stöcker: Ich kenne nur ein “Europa des Friedens” // Deutsches Staubarchiv (5.10.2018)

Wolfgang Stöcker, Jahrgang 1969, schreibt in seinem Beitrag zur Blogparade #SalonEuropa, er kenne nur ein “Europa des Friedens”. “Was läuft seit einigen Jahren falsch?”, fragt er. “Wir Europäer besitzen soziokulturelle Klebstoffe, die uns allen bekannt sind!” Nur leider seien diese Bindemittel auch immer wieder Sprengstoff für das europäische Miteinander. Hier geht es zum ganzen Artikel

22. Dr. Alexandra Hildebrandt: Treibsand der Geschichte: Was bleibt von uns? // @AHildebrandt70 (5.10.2018)

Der Beitrag  ist nicht nur dem schwedischen Schriftsteller Henning Mankell, sondern den wirklich wichtigen Dingen gewidmet. Bleibt am Ende nur unser (atomarer) Müll oder schaffen wir es, unsere Erfahrungen und unsere Geschichte weiterzugeben? Eine Möglichkeit gegen das Vergessen bietet das Projekt “Memory of Mankind” (MOM), auch als Warnung für die, die nach uns kommen.  Hier geht es zum ganzen Artikel

23. mikelbower: Sternenwege nach Europa // @mikelbower (5.10.2018)

Mikel Bower weist in diesem Blogpost auf den Sternenweg (“Pilgern für den Frieden und ein weltoffenes Europa“) hin, ein Pilgerweg, der Deutschland und Frankreich verbindet. “Mainz, Speyer, Wissembourg. Ich pilgerte unwissentlich. Für den Frieden und Europa. Ich, das Heidenkind.” Wir sollten mehr gemeinsam spazieren gehen und dadurch Kulturen zusammenwachsen lassen, findet Mikel Bower. Hier geht es zum ganzen Artikel

24. Christoph Pietrucha: Wir, ihr, sie . Polen und Europa // (6.10.2018)

Im Blog Museumsdinge geht es um den Umgang mit europäischer und polnischer Geschichte in polnischen Museen und in der Gesellschaft in Polen. Wie wird die Vergangenheit interpretiert und eingeordnet? Der Blick ins Nachbarland lohnt nicht zuletzt für ein besseres gegenseitiges Verständnis in Europa. Hier geht es zum ganzen Artikel

25. Kultur und Kunst: It’s a beautiful day | U2 Live in concert // @kulturundkunst (6.10.2018)

Auch bei einem Rockkonzert kann Europa Thema sein und sogar ein europäisches Gemeinschaftsgefühl erzeugt werden – zum Beispiel bei U2. Wera Wecker vom Blog Kultur und Kunst berichtet vom U2-Konzert in Hamburg und wie dort europäische Probleme und Gemeinsamkeiten neben der Musik eine verbindende Rolle spielten. Hier geht es zum ganzen Artikel

26. Dr. Alexandra Hildebrandt: Die Ordnung der Dinge: Über sammelnde Denker und denkende Sammler// @AHildebrandt70 (7.10.2018)

“Der durchschnittliche Europäer besitzt etwa 10.000 Gegenstände.” Was sammeln wir, was bewahren wir für die Nachwelt und was bedeutet uns der physische Gegenstand im digitalen Zeitalter? Darum geht es in Dr. Alexandra Hildebrandts Artikel, der uns vom Heute über Alltagsgegenstände aus der DDR zu Goethes Sammelleidenschaft und zurück zum Alltag mitnimmt. Hier geht es zum ganzen Artikel

27. Textile Geschichten: Schuhe aus im #SalonEuropa? // @Suschna (7.10.2018)

Im Blog Textile Geschichten geht es um eine vermutlich noch nicht endgültig geklärte europäische Alltagsfrage: Zieht man als Gast beim Betreten einer Wohnung die Schuhe aus oder behält man sie an? Nicht mal für Deutschland lässt sich das einheitlich beantworten. Andre Regionen, andre Schuh-Gewohnheiten. Hier geht es zum ganzen Artikel

28. Sturmpost: Europa, Dorf und weite Welt // @sturmwarnung (7.10.2018)

Andrea nimmt uns mit ins Österreich der 1960er und 1970er Jahre und beschreibt, wie sie mit Europa in Kontakt kam. Wie sie später als EU-Gegnerin doch “Ja” ankreuzte. Und wie sie heute “Europa” ambivalent gegenübersteht. Sie lässt uns mit der Frage zurück: “Vielleicht also bin ich gar keine überzeugte Europäerin, sondern überzeugte Anhängerin historisch europäischer Ideen?” Hier geht es zum ganzen Artikel

29. Landlebenblog: Prioritäten // @Odenwaelderin (7.10.2018)

“Der Typ ist mir gleich aufgefallen. Ich habe ja durchaus einen Sinn für attraktive Männer. In diesem Fall fasziniert mich aber weniger sein Aussehen, sondern vielmehr das, was er tut.” – Im Landlebenblog entlarven kleine Alltagsbeobachtungen in einem französischen Supermarkt, wie unterschiedlich man Prioritäten setzt in zwei Ländern, die so dicht beieinander liegen wie Frankreich und Deutschland. Hier geht es zum ganzen Artikel

30. Ralf Grabuschnig: Europa und die Xenophobie: ein untrennbares Paar? // @RalfGrabuschnik (8.10.2018)

“Die Xenophobie und später der Nationalismus und Rassismus sind Europa schon seit langem ein treuer Wegbegleiter. Warum sollte sich das plötzlich ändern?”, fragt Ralf Gabuschnig in Blog und in Podcast und nimmt uns mit in die europäische Geschichte der Fremdenfeindlichkeit von der Entstehung des Wortes Xenophobie über die Kolonialzeit bis ins Heute. Hier geht es zum ganzen Artikel und hier zum Podcast

31. Erdhaftig:#SALONEUROPA – DIE MISCHUNG MACHTS! // @erdhaftig (8.10.2018)

Für Silke Bicker vom Blog Erdhaftig sind die Vorteile eines vereinten Europas unübersehbar: gemeinsame Währung, offene Grenzen, Frieden. “Ich kenne bislang nur Frieden in Europa und möchte, dass das so bleibt. Gene Roddenberry erdachte viele technische Geräte für seine Drehbücher, die es heute bereits so oder so ähnlich gibt. Auf den Dritten Weltkrieg, in dem wir die Erde in einem Atomkrieg fast zerstören, verzichte ich liebend gerne.” Hier geht es zum ganzen Artikel

32. Zeilenabstand: Architektur als Identitätsträger für Europa // @zeilenabstandN (8.10.2018)

Damian Kaufmann spricht in seinem Blogpost über die gemeinsame Architektursprache Europas. Schon vor Jahrhunderten verband das Bauschaffen den Kontinent, auch wenn die politischen Konstellationen nicht immer so geeint erschienen. Architektur war und ist Ausdruck eines gemeinsamen Wertekanons, dessen man sich noch heute bewusst werden sollte. Hier geht es zum ganzen Artikel

33. Jens Bemme: mein #SalonEuropa// @jeb_140 (8.10.2018)

Für Jens Bemme ist Europa ein großes Puzzle. In seinem Beitrag geht es um Honig, Radfahrerwissen und die bewegende Frage, seit wann Männer in Sachsen Hosen tragen und ob sie jemals Röcke trugen. Es geht um ein “Europa der Regionen” und um Fragen, die dazu einladen, andere kennenzulernen. Hier geht es zum ganzen Artikel

34. Ursula Ronnenberg: Europa – hier total normal// @URonnenberg (8.10.2018)

Ursula Ronnenberg gibt einen ganz alltäglichen Einblick in ein gelebtes Europa. Im Dreiländereck Belgien-Deutschland-Niederlande sind Grenzübergänge völlig normal und mit nationalen Unterschieden kommt man im täglichen Miteinander gut zurecht. Die drei Portemonnaies für drei Währungen braucht es nicht mehr, Grenzhäuschen sind für Kultur geöffnet – Europa ganz normal. Hier geht es zum ganzen Artikel

35. Lindenau-Museum Altenburg: Die einzig revolutionäre Kraft – Die Kultur der 68er, die europäischen Krisen und die Kunst der Gegenwart // @LindenauMuseum (10.10.2018)

Passend zum #SalonEuropa stellt das Lindenau-Museum Altenburg die Ausstellung “Die einzig revolutionäre Kraft” vor. In den bewegten Jahren um 1918 und 1968 schlossen sich in Deutschland und Europa Künstler zusammen, um mit ihrer Kunst die Vision einer neuen Gesellschaft zu realisieren. Die Krise als Chance für Neues nutzen – dieser Gedanke schlägt den Bogen bis in die Gegenwart. Hier geht es zum ganzen Artikel

36. Der Lehmofen: SEXUAL DIVERSITY IN EUROPE IS AN OLD HAT/ SEXUELLE VIELFALT IN EUROPA IST EIN ALTER HUT // @Runa_Phaino (gefunden: 10.10.2018)

“Der Lehmofen” widmet seinen Blogpost der Liebe, Freiheit und der sexuellen Vielfalt. Seit 2013 ist die gleichgeschlechtliche Ehe in Frankreich gesetzlich verankert. Mit einem Blick ins alte Griechenland und in die Zeit der französischen Revolution wird mit einem Augenzwinkern erklärt, warum Hüte dabei vielleicht eine wichtige Rolle gespielen haben. Hier geht es zum ganzen Artikel

37. Landlebenblog: St. Die // @Odenwaelderin (11.10.2018)

Der Landlebenblog nimmt uns mit auf einen Ausflug in das kleine Städchen St. Die des Vosges in Ostfrankreich. Im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört, entspricht die Stadt vielleicht nicht dem typischen Bild einer französischen Kleinstadt. Doch Europa sind die Menschen, ihr Umgang miteinander und manchmal eine gute Tasse Kaffee. Hier geht es zum ganzen Artikel

38. SOS_Fernweh: Blogparade “Salon Europa – Europa ist für mich…”// @pixelvoice3 (12.10.2018)

The SOS_FernwehBlog is a blog for traveling and photography. In beautiful pictures is shown, how Europe can be seen: as history, wideness, darkness, or open gates. Take a look by yourself. Read the full article here

39. Ichlebejetzt: Die Flagge und meine Nationalität – Wer bin ich?// @IchlebeJetzt1 (12.10.2018)

Der Artikel von IchlebeJetzt wirft einen ganz persönlichen Blick auf das Gefühl der nationalen Zugehörigkeit. Ist eine Flagge nur ein Signalzeichen des Krieges? In vielen Ländern (wie Norwegen) gehört sie in den normalen Alltag, doch beim Anblick der deutschen Flagge, schleicht sich oft ein ungutes Gefühl mit ein. Aber warum? Hier geht es zum ganzen Artikel

40. Dr. Alexandra Hildebrandt: Zukunft braucht Zufall: Warum wir offen für das Unberechenbare sein sollten// @AHildebrandt70 (12.10.2018)

Dr. Alexandra Hildebrandt widmet ihren neuen Blogpost dem Zufall. In manchen Bereichen erscheint die Unberechnbarkeit unbequem. Dennoch bereichert der Zufall das Leben und ist Quelle für neue Ideen und Innovationen. Hier geht es zum ganzen Artikel

41. Kultur Geschichte(n) digital : Europa bedeutet für mich – meine eigene Geschichte // @anjakikahist (13.10.2018)

Anja Kirchner-Kannemann von Kultur Geschichte(n) digital schreibt in ihrem Beitrag über ein ganz persönliches Europa. Sie schreibt von Liebe, die Kriegszeiten überwunden hat, von Familie, Freunden und einem Alltag ohne Ländergrenzen: Ein Europa der Menschen. Hier geht es zum ganzen Artikel

42. GELD FINANZEN REICHTUM: Europa ist für mich …nicht die Europäische Union // @realpeterkovacs (14.10.2018)

Für Peter Kovacs ist Europa zwar schön, die EU aber ein unsäglicher Verwaltungsapparat, der die Nationalstaaten und ihre wirtschaftliche Kraft  einschränkt. Er findet, man muss gegen die EU sein dürfen, ohne als “Europafeind” zu gelten und trennt klar zwischen EU und Europa. Hier geht es zum ganzen Artikel

43. The Hike Tribe: Fernwanderwege in Europa – Eine Übersicht // @TheHikeTribe (15.10.2018)

Fernwanderwege verbinden Europa und fördern den Austausch und die Vernetzung zwischen Menschen und Kulturen. Zusammenhalt durch Naturerleben über verschiedene Nationen hinweg ist gerade in der heutigen Zeit wichtiger als je zuvor und Grund genug, die Fernwanderwege Europas vorzustellen. Hier geht es zum ganzen Artikel

44. Dr. Alexandra Hildebrandt: Hommage an das Schreiben // @AHildebrandt70 (16.10.2018)

Dieser Beitrag Dr. Alexandra Hildebrandts widmet sich der Kulturtechnik des Schreibens. Im Zeitalter der Digitalisierung scheint das Handgeschriebene immer mehr in den Hintergrund zu rücken. Dennoch entwickeln sich zunehmend Tendenzen, die das “schöne Schreiben” und die Kunst der Kalligraphie zu neuer Blüte reifen lassen. Hier geht es zum ganzen Artikel

45. Uldis Zariņš: Maybe the world – or at least Europe – has never been very big to begin with // @uzarins (16.10.2018)

Culture has never recognised any borders, and is a patchwork of various influences from all over Europe. Uldis Zarins takes Rundale Palace for an example: the most precious late baroque building in Latvia, built by an Italian artist (born in Paris), and formerly home of its German masters, the von Biron family. Culture is what makes us Europeans.  Read the full article here

46. Vogtlandzauber: Das Vogtland – ein kulturhistorisches Idyll im Herzen Europas // @vogtlandzauber (16.10.2018)

Der Beitrag von Vogtlandzauber wirft einen Blick aus dem Vogtland auf Europa und die Region selbst. Das Vogtland kannte in seiner Geschichte kaum feste Grenzen und profitiert noch heute vom Austausch im Vierländereck. Dieser Austausch stärkt das Selbstverständnis, bildet Identität und schlägt Brücken, auch über formelle Grenzen hinweg. Hier geht es zum ganzen Artikel

47. Europeana Blog: Looking for Europe through Fashion Plates//@europeanaeu (17.10.2018)

For #SalonEuropa the Europeana Blog sends an article written by European Fashion Heritage Association, which tells how fashion plates have created and imagined European national identities. These plates travelled across the borders
within Europe and beyond, and were not only used to describe fashion of a specific place or nation. Read the full article herehttps://www.fashionheritage.eu/

48. K´s VienNature Culturegram: Burg Posterstein asks: “What does Europe mean to you?” // @karinsvad (17.10.2018)

For K’s VienNature Culturegram Europe is first of all a peaceful environment to live in: “I do not want a Europe that defines itself as a bulwark against the outside world.  I know, there are great challenges to tackle, but I think this cannot be done with hypocrysy or misguided notions of self-interest.” Read the full article here

49. Berlinerin in Frankreich: Europa ist für mich meine Familie! // (18.10.2018)

Für die “Berlinerin in Frankreich” ist Europa ihr Kind, ihre Familie. Denn sie ist Mutter eines von über einer Million “Erasmus-Babys”: “Europa ist für mich meine Familie, mein Leben! Ohne ein vereinigtes Europa würde meine Familie nicht existieren. Durch ein verfeindetes Europa wäre sie bedroht.” Hier geht es zum ganzen Artikel

50. Hiddentraces: 2018 – Mein europäisches Reisejahr // @hiddentraces (18.10.2018)

Ricarda Christina Hollweg vom Blog The Hidden Traces berichtet von ihrem Reisejahr 2018, das sie durch viele europäische Länder führte. “Ich möchte gerne andere dazu inspirieren, den eigenen Kontinent tiefer zu entdecken”, schreibt sie und folgt dabei unbewusst einigen der Reisewege der Herzogin von Kurland. Hier geht es zum ganzen Artikel

50.b Hiddentraces: 2018 – My European Travel Year // @hiddentraces (18.10.2018)

Ricarda Christina Hollweg from the blog The Hidden Traces reports on her travel year 2018, which took her through many European countries. “I would like to inspire others to discover their own continent more deeply,” she writes, unconsciously following some of the Duchess of Courland’s itineraries. Read the whole article

51. Burgdame: Internationale Heiratspolitik – Blogparade #SalonEuropa // @burgdame_de (18.10.2018)

In ihrem Blogpost zur internationalen Heiratspolitik der historischen europäischen Oberschicht folgt die “Burgdame” den Spuren von Daisy von Pless (1873-1943), einer Salondame, die die wichtigsten europäischen Männer ihrer Zeit persönlich kannte, und Mathilde von Waldeck und Pyrmont (1801-1825). “Die internationalen Beziehungen Adeliger sind nur ein kleines Stück dessen, was Europa ausmacht. Für mich ist es aber ein sehr interessantes Stück europäischer Kultur. Wir haben viele Gemeinsamkeiten!”, schreibt “Burgdame”. Hier geht es zum ganzen Artikel

52. LeseZeichen Mannheim:Europa ist für uns ein großer Kulturraum, ein intensiv verflochtener kultureller Rahmen // @LeseZeichenMannheim (18.10.2018)

Helen Heberer und Raimund Gründler führen selbst einen Salon in Mannheim. In ihrem Gastblogpost zeigen sie die vielen Verschlingungen der europäischen Kulturwelt im Laufe der Geschichte auf. Sie sind der Meinung: “Es war nicht Abschottung, sondern intensiver Dialog und vielfältiger Kontakt in Kombination mit örtlichen Besonderheiten und geographischen Vorgaben, die unsere vielfältige europäische Kulturlandschaft hervorgebracht haben.” Hier gehts zum ganzen Artikel:

53. TBerg: #SalonEuropa – Blogparade „Europa ist für mich …“ // @tberg_de (18.10.2018)

T. Berg weist auf die Einzigartigkeit von Europas Geschichte hin: “1990 die deutsche Einheit, gefolgt von der europäischen Einheit. Europa ist ein Kontinent der Vielfalt in Einigkeit. Trotz aller Differenzen haben sich die europäischen Völker zusammengerauft. Hoffentlich dauert diese Erfolgsgeschichte noch lange an. Denn darum bin ich Eurovisionär!” Hier gehts zum ganzen Artikel

54. Leggiero flautato: Kultur kennt keine Grenzen // @sufloese (20.10.2018)

Sehr persönlich erzählt Susanne vom Blog Leggiero flautato von ihrer Kindheit in der DDR, wo sie vom Reisen nur Träumen durfte. Sie vertritt die These, dass Kultur und Politik womöglich schon immer unabhängige Parallelwelten waren. Wir sollten uns aber nicht komplett in das Eine zurückziehen, damit das andere nicht untergeht: “Das politische Europa ist mehr denn je Aufgabe von uns allen, noch gibt es überwiegend Demokratie und selbstverständliche Übergänge zwischen dem kulturellen und dem politischen Europa. Hoffen wir, dass es lange so bleibt.” Hier gehts zum ganzen Artikel

55. Reens Blog: Salon Europa – Europa ist für mich…. // @repiepke (20.10.2018)

Rene von “Reens Blog” fasst seine Gedanken zu Europa so zusammen: “Denke ich an Europa, bin ich in erster Linie stolz auf unseren kleinen schönen Kontinent. Ich denke an verschiedenste Kulturen und Lebensweisen von Ost nach West und Nord nach Süd…. Und ist es nicht irgendwie schön, dass uns trotz der vielen Unterschiede eine kleine Flagge mit ein paar Sternchen im Geiste verbindet?” Hier gehts zum ganzen Artikel

56. Elektromuseum Erfurt: Europa ist nicht allein nur Kulturraum, sondern Wirtschafts- und Lebensraum vieler Nationen // @ElektromuseumEF (20.10.2018)

Europa ist nicht nur Kultur, auch Wirtschaft und Technik. Uns alle verbindet ein unsichtbares Netz, das für unseren Alltag aber essentiell ist, bloggt das Thüringer Museum für Elektrotechnik Erfurt. “Wir sollten jedoch alles dafür tun, dass nicht nur ein Stromnetz die Menschen in Europa verbindet, sondern vielmehr ein Netz demokratischer, freier, rechtsstaatlicher und selbstbestimmter Nationen!” Hier geht es zum ganzen Artikel

57. Mit Kind im Rucksack: #SalonEuropa – Europa ist für mich Freiheit // @inaaltoet (21.10.2018)

Für Ina vom Blog  “Mit Kind im Rucksack” ist Interrail das “Schönste Symbol der Freiheit in Europa”. Einfach mit dem Zug durch 30 Länder Europas zu reisen, bedeutet Freiheit, wenn man in einem Land mit verschlossenen Grenzen aufgewachsen ist. Sie fordert: “Wir müssen uns alle anstrengen damit Europa seine Freiheit, Demokratie und Menschlichkeit behält!” Hier geht es zum ganzen Artikel

58. Peter Soemers: Ich trage Eulen nach Europa! Digitale Transformation & #SalonEuropa //@psoemers (21.10.2018)

Peter Soemers fühlt sich mit Europa verbunden, es ist schließlich seine Heimat. Er findet: “Europa ist nicht nur Politik!” Während er in der reichen Kultur Europas immer neue Inspiration findet, lässt ihn Europas Politik manchmal ratlos zurück und auf die Weisheit der sprichwörtlichen griechischen Eule hoffen, die seinen Beitrag zahlreich schmücken: “Wird manchmal kollektiv der Mensch vergessen? Ich kann es nicht so richtig beurteilen, wie gewissenhaft es da zugeht. Eule, wo bist Du?” Hier geht es zum ganzen Artikel

59. Krosworldia: #SalonEuropa. Die zwei Gesichter des Eurozentrismus // @Kristin_Oswald (21.10.2018)

Für Kristin Oswald ist die Perspektive auf Europa viel zu kurz gegriffen. Ein “SalonWelt” wäre wünschenswert, so die Bloggerin: “Wenn man sich die Liste der deutschen Veranstaltungen zum Kulturerbejahr anschaut, steht zumindest auch hier die positiv-eurozentristische Perspektive im Fokus. Kaum findet man die negativen Seiten von Europa oder die individuellen Geschichten und Blickwinkel derjenigen, die europäisches Kulturerbe nicht aus der institutionellen Brille betrachten.” Hier geht es zum ganzen Artikel

60. Sabine Hofmann: Was hat die Gebietsreform in Thüringen mit Europa zu tun? // (22.10.2018)

Europa beginnt ganz lokal. Sabine Hofmann aus dem Postersteiner Nachbarort Nöbdenitz macht ihren Gastbeitrag zur Blogparade #SalonEuropa zu ihrer Stellungnahme zum Anschluss der Gemeinde Nöbdenitz an die Stadt Schmölln: “Wenn wir wollen, dass Europa gemeinsam agiert, was dringend geboten ist angesichts der Konflikte in der Welt, braucht es Demokratie von unten und Instrumente, die es den Bürgern ermöglichen, demokratisch zu handeln und tatsächlich mitzubestimmen.” Hier geht es zum ganzen Artikel

61. Der Friedrich: #SalonEuropa – Was Europa für mich bedeutet // @elfritzos (22.10.2018)

“Der Friedrich” erzählt in seinem Beitrag kleine Anekdoten, die für ihn Europa ausmachen. Darin kommt nicht nur ein schmuggelnder Großvater vor, sondern auch Begebenheiten, die zeigen, dass wir den Luxus genießen, in Europa frei unsere Meinung und Kritik äußern zu dürfen: “Ich weiß nur, dass seit es die EU gibt, man Kritik und Meinung sagen kann – gerade politischen Institutionen und Vertretern gegenüber. Ins Gesicht. Direkt.” Hier geht es zum ganzen Artikel

62. Lindenau-Museum Altenburg: Ein Altenburger in Europa // @LindenauMuseum (22.10.2018)

Das Lindenau-Museum Altenburg rückt in diesem Beitrag die Tätigkeit Bernhard August von Lindenaus als Wissenschaftler und Astronom in den Fokus. Dieser stand als Minister und Wissenschaftler in Diensten der Herzöge von Sachsen-Gotha- Altenburg und schaffte es zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein europaweites Netzwerk zu bekannten Wissenschaftlern und Sternwarten aufzubauen. Hier geht es zum ganzen Artikel

63. Hin-fahren: Unterwegs in Europa – Überall zu Hause // @hinfahren (23.10.2018)

Der Hin-Fahren-Blog berichtet über das Unterwegssein in Europa. Offene Grenzen ohne lange Grenzkontrollen, eine reiche Geschichte, Sicherheit, Frieden und Gespräche mit Menschen vieler Regionen und Länder, das macht Europa aus. In Europa ist ein Camper überall zu Hause. Hier geht es zum ganzen Artikel

64. Provinzmutti: #SalonEuropa – Blogparade “Europa bedeutet für mich…” // @provinzmutti (23.10.2018)

Der Beitrag von Provinzmutti ruft zum konstruktiven Diskurs auf. Europa ist Frieden, eine Wertegemeinschaft, Veränderung und Mitgefühl, das wir uns leisten können und müssen. Europa ist auch Diskurs über Probleme und Ängste – damit Europa eines nie wieder ist: Krieg. Hier geht es zum ganzen Artikel

65. Deutsches Historisches Museum: Inside DHM: Europa, Venedig und das Meer // @DHMBerlin (23.10.2018)

Das Deutsche Historische Museum fragt in diesem Artikel, was Europa heute wohl ohne die Erkundung, die Überquerung und die Eroberung der Meere und ohne den daraus resultierenden Austausch wäre. Als anschauliches Beispiel präsentiert uns das DHM die “Stadt im Meer”: Venedig, die sich sogar mit dem Meer verheiratete. Hier geht es zum ganzen Artikel

66. LiveLifeGreen: Ohne Europa kein Frieden und kein Klimaschutz // @livelifegreen_m (23.10.2018)

Wozu ist Europa da und brauchen wir es noch? – Ja, sagt LiveLifeGreen. Denn auch, wenn es nicht perfekt ist, steht Europa für Frieden, Natur- und Klimaschutz und es ist Zukunft. Doch an dieser Zukunft müssen sich alle beteiligen, mit Ideen, Engagement, auch mit Kritik, indem man Stellung bezieht und diskutiert – mit Herz und Verstand. Hier geht es zum ganzen Artikel

67. Saxorum/Martin Munke: In der Grenzregion. (Mein) Europa zwischen Sachsen, Tschechien und Polen // @m_munke (23.10.2018)

Martin Munke gibt in seinem Artikel einen Einblick in den “gelebten Raum” im Drei-Länder-Eck Sachsen, Tschechien und Polen. Auf wissenschaftlicher, künstlerischer oder politischer Ebene wird versucht, eine stetige Zusammenarbeit zu fördern. Dafür sind Projekte, viel persönliches Engagement und die Überwindung von Hürden aber noch immer notwendig. Hier geht es zum ganzen Artikel

68. Claudia plaudert: Grenzgänge ohne Grenzen? Ja bitte! // @claudiaplaudert (23.10.2018)

Claudia Wagner “plaudert” in ihrem Beitrag über ein Europa ohne Grenzen. Dabei geht es nicht nur um Grenzübergänge, sondern auch um die Grenzen in den Köpfen. Denn ein Europa ohne Grenzen und ohne Grenzen im Kopf – das ist Freiheit. Hier geht es zum ganzen Artikel

69. VARIA, CURIOSA ET MEMORABILIAvienna, london & beyond: “GESTORBEN ZU WIEN …” / “DIED IN VIENNA …” // @c_n_opitz (23.10.2018)

“Varia, Curiosa Memorabilia” send a special article about Europe. It shows photographs of tombstones on old St. Marx Cemetery in Vienna. The stones tell their own tale, about the people, who died in Vienna, but were born all over Europe. Read the full article here

70. Saxorum/Hélène Fuchs: Die Vergewaltigung Europas. Der Negativraum der europäischen Identität // (23.10.2018)

Der Beitrag von Hélène Fuchs beginnt mit dem Bild der jungen Europa auf dem Rücken eines Stieres. Dieses Sinnbild aus der griechischen Mythologie wird noch heute benutzt, besonders dann, wenn es um Abgrenzung geht. Doch diese Definition durch Konflikt birgt ein Paradoxon, das überwunden werden muss, um in die Zukunft blicken zu können. Hier geht es zum ganzen Artikel

71. Christine Büring: Europa bedeutet für mich bei mir zu sein und doch immer neue Leben zu leben // (23.10.2018)

Christine Büring schreibt in ihrem Gastblog über Europa, Weltbürger und das “Deutschsein”. Denn was ist dieses “Deutschsein” überhaupt – Reisen und Erkunden ohne Neugier auf andere Menschen, Angst vor Neuem? Christine Büring gibt die Antwort, warum es ihr oft schwer fällt, “deutsch zu sein”. Hier geht es zum ganzen Artikel

72. Gin des Lebens: Europa ist für uns eine bunte Reise voller Kontraste // @gin_des_lebens (23.10.2018)

Für den “Gin des Lebens”-Blog ist Europa eine bunte Reise voller Kontraste. Mal laut und bunt, mal ganz leise, mal die Suche nach Abenteuer, aber auch das Zurückkehren und Zu-sich-selbst-Finden. Europa kann auch eintönig sein und schwarz-weiß im Denken, doch vor allem ist es Vielfalt. Hier geht es zum ganzen Artikel

73. Hahn-Literatur: #SalonEuropa – Europa ist für mich … ein Auftrag // @hahn_txt_pr (23.10.2018)

Andrea Hahn berichtet in ihrem Beitrag über die Literatur des ersten Weltkrieges, überwundene Schrecken und ihr ganz persönlich erlebtes Europa. Hier fand sie Freunde und Bekannte und kommt auch beruflich immer wieder mit Europa und seinem Kulturgut in Berührung. Es ist für sie Bewahrung von Frieden und Menschenwürde und ein wichtiger Auftrag. Hier geht es zum ganzen Artikel

74. KUNST.mi.mol.een.utgeben: Europa und die Ideen von Humanismus und Liberalismus // @pookerman (23.10.2018)

Europa ist eine Idee, fast eine Art Glaubensbekenntnis, schreibt Nils Pooker und erläutert in seinem Blogpost die Zusammenhänge mit den Ideen des Humanismus und Liberalismus. Eine Idee darf aber auch kritisch diskutiert und hinterfragt werden: “Dazu gehört für mich aber auch die Notwendigkeit, in einer ohnehin total globalisierten Welt Europa als Teil dieser Welt zu sehen und nicht als Maß.” Hier geht es zum ganzen Artikel

75. Lisa Begeisterung: Europa ist für mich ein Miteinander // @Begeisterung_Li (Nachtrag, 26.10.2018)

Lisa vom Blog Lisa Begeisterung verbindet mit Europa das Miteinander, übt aber auch Kritik. “Es ist nicht selbstverständlich, dass der große Teil des Kontinents so lange ohne Konflikte auskommt und immer enger zusammenrückt. Vielmehr würde ich es als eine wichtigen Prozess bezeichnen, der bei Weitem noch nicht abgeschlossen ist, sondern für diese Idee muss ständig neu gearbeitet werden.” Hier geht es zum ganzen Artikel

„Mehr als nur Geografie“ – Auswertung #SalonEuropa 2: Die Kommentare

Die Ausstellung #SalonEuropa vor Ort und digital war für uns ein Experiment. Auf die Frage „Was bedeutet Europa für mich…?“ bekamen wir insgesamt über 200 Meinungen aus 15 Ländern in Form von schriftlichen Kommentaren, Blogposts, Fotos, Video- und Audio-Statements, als Kunstwerk und natürlich auch im persönlichen Gespräch vor Ort. In mehreren Teilen fassen wir den Diskurs zusammen: (1) Die Zusammenfassung der Gespräche am Salonabend, (2) der Kommentare, (3) der Video-Interviews, (4) der Blogparade und (5) ein kurzes Gesamtfazit. Vorangestellt sei noch einmal die Idee der Ausstellung:

#SalonEuropa vor Ort und digital - eine dynamisches Ausstellungsexperiment

Was will #SalonEuropa?

Blick in die Ausstellung #SalonEuropa vor Ort und digital im Museum Burg Posterstein
Blick in die Ausstellung #SalonEuropa vor Ort und digital im Museum Burg Posterstein

Die Ausstellung „#SalonEuropa vor Ort und digital“ konzipierten wir als Labor. Ausgehend von der historischen Salonkultur um 1800 sollte sie den Bogen schlagen in die heutige Zeit. Europa befindet sich im Umbruch, es sind Visionen gefragt, um Europa eine Identität für die Bürger und Handlungsfähigkeit in der Welt zu verleihen. Nach Französischer Revolution und der Ära Napoleons musste auch im frühen 19. Jahrhundert mit dem Wiener Kongresses eine Basis für die europäische Gemeinschaft geschaffen werden. In den Salons der bürgerlichen und adligen Damen fand Austausch über wichtige gesellschaftliche, aber auch kulturelle Themen statt. Wir sind der Meinung, dass auch heute nur in einem breiten Diskurs, in dem jeder den anderen und dessen Meinung respektiert, zukunftsweisende Lösungen gefunden werden können. Alle sind gefordert: Politik, Wirtschaft, Kunst, Kultur und die Bürger selbst. Der #SalonEuropa war ein Versuch, Bürgern vor Ort und im Digitalen die Möglichkeit zu geben, ihre Gedanken zu Europa zu äußern und darüber ins Gespräch zu kommen. Dazu gab es einmal die dynamische, mitwachsende Ausstellung selbst, in der bereits zu Beginn über hundert Meinungen zu Wort kamen. Darüber hinaus gab es die Projektwebseite, die Blogparade, die Diskussionen im Social Web und drei Veranstaltungen vor Ort.

93 Wortmeldungen per Kommentar, Social Media und Postkarte

Europa bedeutet für dich? - Licht und Schatten
Europa bedeutet für dich? – Licht und Schatten

Die Bewertung von Europa in den schriftlichen Kommentaren ist breit gefächert: “Europa ist für mich ein Geschenk.” (Dr. Kristin Jahn, Deutschland), “Europe first of all is my Home!” (Svetlana Loew, Lettland), “Europa ist für mich eine Sammlung toller Möglichkeiten und vertaner Chancen. […] Wir könnten mit gutem Beispiel vorangehen und tun es nicht…” (Daniela Schwarzböck, Österreich) und [Europa ist für mich] Licht und Schatten” (@ostblocktechnik, Deutschland via Instagram). Und natürlich ist die eigene Meinung zu Europa gar nicht so leicht auf den Punkt zu bringen: “Eigentlich mehr als nur Geographie. Aber was, ist schwer in Worte zu fassen.” (@kulturtussi, Deutschland via Twitter).

Insgesamt 93 Statements zur Frage „Europa bedeutet für mich…?“ erreichten uns schriftlich auf verschiedensten Wegen. Auf der Projekt-Webseite #SalonEuropa können sie nachgelesen werden. Die meisten Statements gingen per Instagram-Story ein (30). 25 erreichten uns per E-Mail oder Direktnachricht auf Facebook und Instagram und 16 als Tweets. Dahingegen gingen nur sechs Statements über das Formular auf der Projektwebseite ein. Von den gedruckten Postkarten kamen nur fünf mit handschriftlichem Statement zu uns zurück, obwohl viele persönlich verteilt worden waren. Fünf Meinungen wurden per Blogpost (außerhalb der Blogparade #SalonEuropa) geäußert, zwei erreichten uns als Instagram-Posts und vier stammten von den Künstlerinnen der vorangegangenen Kunstausstellung #SalonEuropa im Hier und Jetzt.

Auswertung der schriftlichen Kommentare zu #SalonEuropa (ohne die Blogparade)
Auswertung der schriftlichen Kommentare zu #SalonEuropa (ohne die Blogparade)

Ein erstes Fazit: Über Europa zu reden ist kein Selbstläufer. Spontan zu Wort meldeten sich nur wenige, oft diejenigen, die sich ohnehin schon engagieren oder die, die damit gleichzeitig auch eine Botschaft auf einem eigenen Kanal (z.B. Blog, Social Media-Account) an ein eigenes Publikum (ihre Follower) senden. Vielen Meinungsäußerungen gingen persönliche Gespräche vor Ort und digital voraus. Es gibt eine breite Masse, die die Ausstellung vor Ort oder digital mit Interesse verfolgte, sich lobend äußerte, aber keine eigene Meinung hinzufügte. Europa ist nicht schwarz-weiß und das Thema kein einfaches. In Thüringen findet im Oktober 2019 die nächste Landtagswahl statt. In aktuellen Umfragen sind CDU, Linke und AfD beinahe gleich auf. Zeit, wenigstens darüber nachzudenken, welche Position man selbst vertritt.

Aktuelle Probleme aus unterschiedlichen Perspektiven

Den Inhalt der Wortmeldungen haben wir versucht, nach der Häufigkeit der Nennung bestimmter Themen grafisch darzustellen. Auf diese Weise wird anschaulich deutlich, dass die verschiedenen „Kanäle“, über die Meinungen zu #SalonEuropa eingingen (Salonabend, Kommentare, Videos, Blogparade), in unterschiedlichen Themengewichtungen resultierten bzw. dass sich der Diskurs in den unterschiedlichen Formaten anders entwickelt hat.

Häufig angesprochene Themen in den schriftlichen Kommentaren zu #SalonEuropa (ohne Blogparade)
Häufig angesprochene Themen in den schriftlichen Kommentaren zu #SalonEuropa (ohne Blogparade)

Bezogen auf die eingegangenen Kommentare werden gemeinsame Nenner wie Gemeinschaft, Einheit, Zusammenarbeit und gemeinsame Kultur, Tradition und Werte deutlich. Frieden, Sicherheit und Freiheit verbinden viele mit Europa. Aber auch aktuelle Probleme werden angesprochen. Enttäuschung ist spürbar, aus verschiedenen Gründen. Manche Themen polarisieren. Beispiel Migration: Während manche enttäuscht sind, dass Europa nicht ausreichend Verantwortung für Geflüchtete übernimmt und nicht weltoffen genug ist, geht anderen das bisherige Engagement zu weit. Das gleiche gilt für die europäische Integration. Einige sind enttäuscht, weil die europäische Gesellschaft noch nicht enger zusammengewachsen ist, anderen wäre mehr Unabhängigkeit für die Nationalstaaten lieber.

Auffallend ist die unterschiedliche Bewertung und Betonung von Offenheit und Grenzen, vom positiv besetzten Begriff „Vielfalt“ und dem eher abgrenzenden Wort „Unterschiede“. Es geht um Gemeinsamkeiten und Unterschiede, um Einheit und Frieden einerseits und um Uneinigkeit und Streit andererseits. Es gibt Visionen von Europa als Staatenbund und als Bundesstaat. Es wird deutlich, dass Europa als Chance genauso wie als Herausforderung verstanden wird.

Laura Jung, die in Großbritannien studiert, schrieb: “Europa ist eine Chance, die uns viele Türen öffnet. Wir müssen sie bloß wahrnehmen und aufpassen, dass sie uns nicht entwischt. Die Augen vieler meiner britischen Freunde verraten die Sorge, diese Chance vertan zu haben.”

Europa als gemeinsames Haus

Mehrere Menschen verglichen Europa mit einem großen Haus: “Ich bin Mieter im Haus Europa mit allen Rechten und Pflichten – KEIN Besitzer.”, lautet ein anonymer Kommentar per Postkarte. Angela Kiesewetter-Lorenz zeichnet ein sehr anschauliches Bild von diesem Haus: “Ja, mein Europa ist ein Haus, in dem ich mich gern bewege, wo ich wohne, mich entfalten kann, wo ich Begegnungen haben kann, wie ich es möchte, wo ich offen sein kann und auch mal ganz für mich in einem Zimmer sein kann… Und auch in meinem Haus ändert sich ab und an die Ordnung, die Einrichtung, ändere ich mich, ändern sich meine Bedürfnisse…”

Im Großen und Ganzen überwiegen die Europa-positiven Meinungen, aber auch darin kamen Sorge, Enttäuschung und Probleme zum Ausdruck. Mehrere Male wurde erwähnt, dass man Europa als (bisher) alternativlos sehe. Anton B. aus Slowenien schrieb beispielsweise: “Ich meine, dass Europa das Beste ist, was die Leute bis jetzt politisch entwickelt haben. Natürlich gibt es auch viele Probleme, aber die Vision ist etwas, das wir uns bewahren müssen. Ruhe, Freiheit und große Chancen für alle, das ist doch etwas Wertvolles!”

Europa ist ein Friedensprojekt

Als Museum war es uns wichtig, mit der Ausstellung #SalonEuropa einen virtuellen und realen Ort zu bieten, an dem Austausch über ein kontroverses Thema – in diesem Fall Europa – stattfinden kann. Wir sind der Meinung, dass wir einander zuhören und miteinander ins Gespräch kommen müssen, um die aktuellen Herausforderungen, vor denen Europa steht, gemeinsam lösen zu können. Mit Blick auf die Geschichte Europas ist die EU ein historisch einmaliges Friedensprojekt. Gleichzeitig ist klar, dass Europa mehr ist als die EU und dass es Probleme gibt, über die gesprochen werden muss und die es erlaubt sein muss, anzusprechen. Wir wollen einige Stimmen aus dem Diskurs im #SalonEuropa herausgreifen, die die Ambivalenz und die Herausforderungen deutlich machen:

“Für mich ist Europa (trotz Schwächen) die natürlichste Antwort auf mein grundlegendes Bedürfnis, in Freiheit und Vielfalt zusammenzuleben, mich an Ländern und Sprachen erfreuen zu können, an Gerichten, Kunst und Bräuchen.” (Peter Soemers, Niederlande)

“Europe should never be a fort, but instead a mindset, a set of European values based on human rights, open-mindedness and equality, and by welcoming others – like we have done for centuries – we enrich and enlighten ourselves and maintain our humanity. In short, xenophobia can go fuck itself.” (Jakob Stig Nielsen, Dänemark)

“What condition is Europe in today? Historically, Europe is one of the most successful societies of the post World War era, but its structure is revealing ever deeper and more severe crevices. Is Europe falling apart, or do these crevices signify that Europe is sloughing to reinvent itself?” (Merete Sanderhoff, Dänemark)

#SalonEuropa - die Ausstellung stellte den Besucher in den Mittelpunkt
#SalonEuropa – die Ausstellung stellte den Besucher in den Mittelpunkt

“Diese Vereinigung lässt Europa Beziehungen und den nachhaltigen Austausch in allen Gebieten erschaffen: Kultur, Gesellschaft, Wirtschaft, Bildung, Forschung, Gesundheitswesen und Umweltschutz. Ein einzelnes und isoliertes Land hätte weder solche Kraft noch solchen Reichtum. Aber seit 2016 ist dieses Europa zerbrechlich geworden: Brexit, Terrorgefahr, Anschläge, Flüchtlingskrise und Aufstieg von Populismus. Sind wir uns bewusst, was uns Europa bringt?” (Verok Gnos, Frankreich)

“Europa ist für mich eine schöne Vision im Interesse der Menschen – mit aufeinander gerichteten Waffen und selbstherrlichen, ignoranten Politikern jedoch ein Trauerspiel.” (Frank Wunderlich, Deutschland)

„Europa hat sich zubetoniert. Geistig, kulturell – und menschlich. Sicher nicht jedes Du und Ich – aber der politische Trend ist erschreckend. Dieses Europa wollte ich so nicht, sondern ein humanes.” (@mellubo1, Deutschland/Spanien)

“In meinen Augen ist Europa nicht dort, wo wir uns es gewünscht haben, sodass im Moment der Eindruck entsteht, dass Europa eher auseinander driftet.” (Andreas Oeser, Deutschland)

“I am a citizen of the world. Project Europe is failing fast – let’s look at project Earth.” (Halina Zerko, Großbritannien/Polen)

Wir haben ganz unterschiedliche Visionen für die Zukunft Europas

In vielen Beiträgen kommen Zukunftswünsche und Visionen für Europa zu Wort, die teilweise weit auseinander gehen. Diese Spaltung zieht sich natürlich durch den gesamten Kontinent. Ein Lichtblick für uns: Der Tonfall im #SalonEuropa blieb immer sachlich. Wir hatten den Eindruck, dass man gerade in der Ausstellung vor Ort und auch in den Social Media-Kanälen die Verschiedenheit der Sichtweisen zur Kenntnis genommen hat. Für uns bildet das die Grundlage für einen ausgewogenen Diskurs auf Augenhöhe.

Den allerersten Beitrag zu #SalonEuropa schickte uns Neil McCallum aus Großbritannien.
Den allerersten Beitrag zu #SalonEuropa schickte uns Neil McCallum aus Großbritannien.

Den allerersten Beitrag zu #SalonEuropa schickte uns Neil McCallum aus Großbritannien, nachdem er zur #MuseumWeek im Mai 2018 auf das Projekt aufmerksam geworden war. Auch er appelliert an unseren Willen zum Gespräch und zur Teilhabe, um Lösungen für aktuelle innereuropäische Konflikte zu finden:

“Europe is a community of nations, and community means coming together. Now, we need to come together to not just share in the wonders of each other’s cultures, but to tackle the great questions and debates on migration, climate change, and equality which face the continent. We listen to what each other has to say, we think about what they have to say, and we formulate responses. Solutions don’t just need to be found in the hallowed halls of some parliament somewhere, but can be found amongst friends just chatting, wanting to better and make a difference to their local community. As the sayings go, two heads are better than one, and many hands make light work.” (Neil McCallum, Großbritannien)

André Körndörfer vertritt die Sichtweise, dass die aktuellen innereuropäischen Konflikte durch mehr Rücksichtnahme und Verständnis für nationalstaatliche Befindlichkeiten und Bedenken, auch in Sachen Migration, zu lösen seien:

“Nur durch mehr Zurückhaltung und mehr Verständnis für die einwanderungskritischen Positionen vieler Länder und eines bedeutenden Teils der Völker Europas und nur durch stärkere Rücksichtnahme auf nationalstaatliche Besonderheiten und Befindlichkeiten kann in der Zukunft wieder dazu beigetragen werden, dieses innereuropäische Zerwürfnis allmählich zu kitten und die europäischen Völker einander (wieder) näher zu bringen.” (André Körndörfer, Deutschland)

Online eingegangene Kommentare waren auf dem Bildschirm in der Ausstellung sichtbar - neben Videointerviews (hier Anthony Lowe), Beiträgen zur Blogparade, aktuellen Tweets und Instagram-Kommentaren.
Online eingegangene Kommentare waren auf dem Bildschirm in der Ausstellung sichtbar – neben Videointerviews (hier Anthony Lowe), Beiträgen zur Blogparade, aktuellen Tweets und Instagram-Kommentaren.

Für den Künstler Anthony Lowe gibt es derzeit keine Alternative für ein starkes Europa:

“Ich glaube an das Europa-Projekt, weil ich keine Alternative sehe. Die Kleinstaaterei hat in Deutschland ausgedient und musste ersetzt werden, aber Bayern gibt es noch. Doch das Europa-Projekt wird jetzt angegriffen von denen, die nicht vermochten es zu gestalten, es aber beenden und die Zeit zurückdrehen wollen.” (Anthony Lowe, Deutschland/Großbritannien)

Auch Helmut Hellrung sieht das größte Potential in einem stärkerem Europa:

“Der europäische Verwaltungsapparat hat sich etabliert, er ist schwerfällig und bürgerfern. Aber Kleinstaaterei und Nationalismus können auf Dauer keine Lösung sein, vor allem nicht im Hinblick auf den Frieden. Ich traue Europa zu, lernfähig zu sein und die anliegenden globalen Probleme (Umwelt, Migration) zu lösen, die auf Länderebene nicht gelöst werden können.” (Helmut Hellrung, Deutschland)

Rudolf Hellmuth geht noch einen Schritt weiter:

“Europa bedeutet für mich die Überwindung der Nationalstaaten. Die “Vereinigten Staaten von Europa” sind unsere einzige Zukunft!” (Rudolf Hellmuth, Deutschland)

Vor Ort kam man durchaus über Europa ins Gespräch - wenn dies auch selten in eigenen Meinungsäußerungen der Besucher resultierte.
Vor Ort kam man durchaus über Europa ins Gespräch – wenn dies auch selten in eigenen Meinungsäußerungen der Besucher resultierte.

Gespräche vor Ort

Vor und während der Ausstellung (23. September bis 18. November 2018) suchten wir immer wieder das Gespräch mit Museumsbesuchern vor Ort und auch im Digitalen. Oft entspann sich ein interessanter Austausch.

Ein Besuch ist besonders in Erinnerung geblieben: Andreas Oeser aus Chemnitz hatte in seinem Kommentar zu #SalonEuropa vor allem die negativen Eindrücke geschildert, die er in seiner täglichen Arbeit als Polizist mit Kriminalität, Migration und Unzufriedenheit erfährt. Vor Ort kamen wir ins Gespräch und über Instagram erreichte uns dann seine Bewertung der Ausstellung:

„Es sind sehr ansprechende Kommentare zu Europa zu lesen, sehr konstruktiv und weltoffen, selbstkritisch und visionär… Ich finde die Ausstellung nicht einfach nur interessant, sie hat mir auch ein bisschen mehr die Sichtweise erweitert, auf Europa – dass ich nicht so schwarz sehen sollte…“

Jeder von uns entscheidet über Europa

In welche Richtung sich Europa in den nächsten Jahren entwickeln wird, entscheidet jeder einzelne von uns mit. Als kulturhistorisches Museum ist uns einerseits der Blick auf die Geschichte wichtig, denn wer mit den Fehlern der Geschichte vertraut ist, kann vermeiden, sie zu wiederholen. #SalonEuropa ist unser Versuch, einen modernen Ort des Austauschs zu bieten. Im nächsten Blogpost folgt die Auswertung der Video-Interviews und danach die der Blogparade.

Zusammengefasst von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

„Es fehlt eine europäische Öffentlichkeit“ – Auswertung #SalonEuropa 1: Der Salonabend

Zum ersten Salonabend #SalonEuropa diskutierten sechs Gäste über Ideen für Europa.
Zum ersten Salonabend #SalonEuropa diskutierten sechs Gäste über Ideen für Europa.

Wie könnte ein „Salon“ heute aussehen? Dieser Frage geht das Projekt #SalonEuropa nach. Während die Blogparade #SalonEuropa digital ein Podium für Austausch und Gespräche über Ländergrenzen hinweg geboten hat (eine Auswertung folgt demnächst), fand am 27. Oktober 2018 ein ganz analoger Salonabend mit rund vierzig Gästen im Museum statt. Beide Formate fanden großen Zuspruch und waren gut besucht. Und beide rückten ähnliche Fragen in den Mittelpunkt des Austauschs. Eine Zusammenfassung.

Europa erscheint im Augenblick als ein Kontinent im Umbruch. Ängste, Zweifel, Hoffnungen, Widersprüche und Idealvorstellungen zu Europa und seine politischen Institutionen stehen auf der medialen Tagesordnung. Rechtspopulistische Meinungen erhalten europaweit Zuspruch, etablierte Parteien verlieren an Kontur. Europa scheint gespalten wie nie.

„Man muss die europäischen Menschen zusammenbringen“

Um herauszufinden, wie eigentlich jüngere Generationen zu Europa und der EU stehen, luden wir gemeinsam mit der Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen, sechs interessante Gäste ins Museum Burg Posterstein ein:

Anders Heger, Doktorand an der Uni Jena im Fach Politikwissenschaft, stammt aus Tschechien und promoviert zum Thema Euroskeptizismus in Ostmitteleuropa. Er erwies sich auf dem Podium als Spezialist für die osteuropäische Sicht auf Europa und verwies auch auf die historischen Gründe dafür. „Im Osten Europas hat man Angst, dass die EU eine Art neue Sowjetunion wird“, sagte er beispielsweise.

Andi Jung ist Landschaftsfotograf aus Erfurt und reiste für ein Fotoprojekt an Europas Außengrenzen. Als nördlichsten Punkt fotografierte er eine Steilwand in Island, als südlichsten eine Steilwand in Gibraltar. „Dahinter steckte alles, was mir an Europa wichtig ist“, sagte er, „Mir ist dabei bewusst geworden, dass uns so viel zusammenhält, dass aber auch große Unterschiede bestehen.“

Lena Niethammer verfasst als freie Journalistin Reportagen und Gesellschaftsporträts. Für eine Reportage im Greenpeace-Magazin befragte sie junge Menschen in sieben europäischen Ländern. „Überall hörte man, dass ‚unsere Art zu leben‘ bedroht sei“, erzählt sie über ihre Motivation zu dem Artikel, „Aber was ist das eigentlich? Der Status Quo?“ Deshalb wollte sie von jungen Europäern wissen: Worauf dürfen wir hoffen? Wovor müssen wir Angst haben?

Manja Reinhardt betreibt mit ihrem Mann in ihrer Freizeit den Reiseblog Vogtlandzauber und nahm bereits an der Blogparade #SalonEuropa teil. Für sie ist das Vogtland, das teilweise in Tschechien, teilweise in Sachsen und Thüringen liegt, auf seine eigene Art europäisch. „Wir müssen Europa auch auf Ebene der Regionen denken“, sagte sie in der Gesprächsrunde.

Maria Geußer, Studentin im Master of Public Policy an der Willy Brandt School hat sich in ihrem Studium auf die Fächer European Public Policy und Non-Profit Management spezialisiert. Täglich lernt sie gemeinsam mit Studenten aus aller Welt. Über die EU sagt sie: „An vielen Stellen wurde bisher verpasst, die Basis mitzunehmen.“

Thomas Laubert, Architekt aus Gera, ist aktiv in der Initiativgruppe Gera2025, die die Bewerbung der Stadt Gera zur europäischen Kulturhauptstadt vorantreibt. Er kritisiert: „Europa wird im Moment nur auf Ebene des Geldes und der Politik, nicht auf Ebene der Menschen, diskutiert. Wenn wir das wieder zusammenbringen, brauchen wir uns auch nicht vor Europa zu fürchten.“

Salonabend in der Ausstellung #SalonEuropa im Museum Burg Posterstein
Salonabend in der Ausstellung #SalonEuropa im Museum Burg Posterstein

Der Gesprächsrunde wohnten bei Tee und Gebäck rund 30 Gäste bei, die sich auch aktiv und engagiert in die Diskussion einbrachten. Bewusst wurde nur dann moderierend eingegriffen, wenn bestimmte Gesprächspartner mehr einbezogen werden sollten. Folgende Themen wurden am häufigsten angesprochen:

Auswertung des Diskurses am Salonabend nach Themen, die am häufigsten angesprochen wurden.
Auswertung des Diskurses am Salonabend nach Themen, die am häufigsten angesprochen wurden.

„Außerhalb Europas gilt Europa als Erfolgsgeschichte“

Eines der großen Themen waren die verschiedenen Blickwinkel auf Europa: von Ost und West, Außen und Innen, Jung und Alt. Während Europa außerhalb Europas als Erfolg gilt, wie Anders Heger betonte, sei das in den Mitgliedsstaaten leider nicht immer so. In seinem Heimatland Tschechien gäbe es ganz andere Erwartungen an die EU: „Dort soll EU nur Wirtschaft sein.“

Lena Niethammer sammelte bei der Recherche für ihren Artikel ganz andere Erfahrungen. „Rumänien war das Land mit der größten Europabegeisterung“, erzählte sie, „Nirgendwo gab es so wenig Begeisterung für Europa wie bei uns.“

Anders Heger nahm den Gedanken auf und bemerkte: „Es ist wichtig, dass die Zusammenarbeit der Regionen gefördert wird – die Leute grenzübergreifend zusammenzubringen ist das wichtigste Anliegen der EU.“

Die Grenzen Europas waren immer wieder Gegenstand der Diskussion. Thomas Laubert sagte: „Europa hat Grenzen und die sind auch wichtig, aber das negative daran (die Abgrenzung) muss man ja nicht so in den Vordergrund rücken. Wie thematisieren wir Grenzen? Denken wir an Mitteldeutschland, dann liegen Gera und das Altenburger Land gerade im Herzen dieser Metropolregion. Wahrgenommen werden sie aber als Außenrand Thüringens.“

Andi Jung betonte: „Ich habe die Hälfte meines Lebens in der DDR verbracht, für mich hat das noch eine ganz andere Bedeutung. Bildet die Außengrenze Europas unsere gemeinsame Identität?“

Von dieser Idee kam die Diskussion kurzzeitig auf die Utopie eines Europas der Regionen, wo Nationalstaaten keine Rolle mehr spielen würden, und auf die europäische Identität. „Ich fühle mich eher europäisch als deutsch“, betonte Andi Jung. Lena Niethammer warf ein, dass es auf die Situation ankomme, ob sie sich als Berlinerin (in Deutschland unter Deutschen) oder als Europäerin (in internationalen Zusammenhängen) fühle. „Die Identitäten schließen sich ja nicht aus“, vereinte Anders Heger die verschiedenen Meinungen, „Umfragen belegen, dass sich 70 Prozent der Europäer europäisch fühlen, viele aber gleichzeitig auch sehr national denken.“

Das brachte den Diskurs auf die aktuellen Populismus-Tendenzen. Lena Niethammer, die in Frankreich Le Pen-Wähler interviewt hat, betonte: „Es ist ein Irrglaube, dass Wähler der populistischen Parteien gegen Europa sind, es stehen andere Prioritäten im Vordergrund.“ Das sähe man auch am Brexis-Referendum, das eher gegen Migranten gerichtet war, ergänzte Anders Heger.

Warum fühlen sich so viele Leute nicht mehr mitgenommen?

An dieser Stelle verwiesen wir auf den Gastblogpost zur Thüringer Gebietsreform, der eine Stärkung der „Demokratie von unten“ forderte.

Viel zu oft werde von der EU nur das Negative wahrgenommen, wagte Manja Reinhardt einen Erklärungsversuch.

Das Gespräch drehte sich um Europas Grenzen und Region, um Ost und West und um Identität.
Das Gespräch drehte sich um Europas Grenzen und Region, um Ost und West und um Identität.

„Was ist die EU denn eigentlich?“, fragte Anders Heger in die Runde, „Die Mitgliedsstaaten, direkt gewählte Politiker. Man übt immer auch Kritik an sich selbst, denn wir haben gewählt.“ Man müsse die europäischen Menschen näher zusammenbringen, betonte er.

Marie Geußer brachte ein, dass die Idee von Vereinigten Staaten von Europa zwar spannend klänge, dass die EU aktuell aber demokratische Defizite habe. „Es fehlt eine europäische Öffentlichkeit, richtige europäische Parteien – wir brauchen mehr europäische Integration.“

Und Thomas Laubert sagte: „Populismus ist grundsätzlich nicht schlecht, er bringt ein anderes Wertebild ein, vielleicht braucht es ja gerade diesen Ruck, damit wir diskutieren, was wir an der EU haben. Wir sind so reich und bequem…“ Man müsse den Populismus aber auch ernst nehmen, warf Lena Niethammer ein. „Die Gefahr liegt in der Selbstverständlichkeit“, warf Andi Jung ein, man müsse in Bildung investieren. Anders Heger wies darauf hin, dass laut Umfragen vorwiegend die ältere Generation, vorwiegend Männer, populistisch wählten. Lena Niethammer ergänzte, dass nur in Ungarn und Polen auch die jüngere Generation mehrheitlich populistische Parteien wählte. Anders Heger: „In diesen Ländern ist Nationalismus nicht negativ belegt, was sich aus der Geschichte dieser Länder ergibt.“

Und Andi Jung ergänzte, dass in Polen auch das Bildungssystem nationalistisch beeinflusst werde. Lena Niethammer fragte: „Wie bekomme ich später meine Kinder dazu, die Vorteile von Europa zu erkennen?“ Globale Probleme wie den Klimawandel müsse man gemeinsam angehen. Das Interrail-Ticket, das die EU derzeit an 18-jährige verlose, könne vielleicht dabei helfen. Detailliertes Faktenwissen dazu lieferte Heinz Hoffmann von der Thüringer Staatskanzlei, der im Publikum saß.

Damit war der Austausch mit dem Publikum eröffnet. Sollten wir vor allem eine junge Elite per Interrail und Erasmus fit für Europa machen? Warum haben wir am 9. Mai, dem Europatag, nicht alle frei? Wie können wir erreichen, dass man beim Thema EU weniger von Wirtschaft und mehr von Kultur spricht? Das alles bot Stoff für ein gemütliches Miteinander bei Tee und belegten Broten in der Halle der Burg – und für weitere Salonabende, die sicher kommen werden.

Zusammengefasst von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

 

Ich kenne nur ein “Europa des Friedens”

Im Museo Napoleonico in Rom / Foto: Wolfgang Stöcker
Im Museo Napoleonico in Rom / Foto: Wolfgang Stöcker

Wolfgang Stöcker sendet uns seinen Beitrag zur Blogparade #SalonEuropa.  Mitmachen könnt ihr bis 23. Oktober 2018. Wer keinen eigenen Blog hat, dessen Artikel veröffentlichen wir gern wie diesen hier als Gastbeitrag hier im Blog.

Zwischen 1784 und 1785 bereisten Herzog Peter von Kurland und seine Frau Anna Dorothea Italien. Ihr Weg führte sie nach Venedig, Verona, Neapel und Florenz.  In Rom malte Angelika Kauffmann (1741–1807) ein Porträt der Herzogin von Kurland und ein Bildnis der noch kleinen Tochter Wilhelmine. 1785 kehren Herzog Peter und seine Frau Dorothea nach Friedrichsfelde (Berlin) zurück.

2018 begab sich Wolfgang Stöcker, Gründer des „Deutschen Staubarchivs“,  auf die Spuren der Herzogin. Aus Rom sendet er seinen Beitrag zur Blogparade #SalonEuropa.

Für mich ist Europa ein Glücksfall

Zunächst: Ich bin Europäer. Für mich persönlich ist Europa ein Glücksfall. Ich darf in diesem reichen und friedlichen Erdenwinkel leben! Aktuell ist unsere europäische Gemeinschaft demokratisch organisierter Staaten aber latent bedroht von äußeren Mächten wie auch von inneren Konflikten zerrissen. Trotzdem erscheint mir eine Drohkulisse gleich welcher Art fast gänzlich absurd, denn ich, Jahrgang 1969, kenne nur ein „Europa des Friedens“, ein Europa in dem der Wohlstand fast überall ständig wuchs, Grenzen fielen, die Wiedervereinigung Deutschlands möglich wurde. Obgleich es Rückschläge (etwa der Krieg auf dem Balkan) gegeben hat, erlebte Europa nach 1945 auf vielen Ebenen viele Verbesserungen. Sogar der Ost West Konflikt schien in der Ära Gorbatschow überwindbar.

Was läuft seit einigen Jahren falsch? Ich bin nahe der belgischen und niederländischen Grenze aufgewachsen. Bis in die 1980er Jahre gab es dort noch Grenzkontrollen. Auch an den kleinen Übergängen auf den Landstraßen war ein Stopp nötig, Ausweiskontrolle. Kommt dies nun alles wieder? Vielleicht sind die Europäer mit ihrem eigenen Glück der letzten Jahrzehnte überfordert und suchen Lösungen für aktuelle Probleme im Rückzug auf alte Grenzen?

Museo Napoleonico, Rom, Italien Foto: Wolfgang Stöcker mit der Büste von Anna Dorothea von Kurlands Tochter Wilhelmine, hergestellt von Bertel Thorvaldsen
Museo Napoleonico in Rom, Italien / Foto: Wolfgang Stöcker mit der Büste von Anna Dorothea von Kurlands Tochter Wilhelmine, hergestellt von Bertel Thorvaldsen

In Europa existiert eine große Varietät an Sprachen und Kulturen. Sie sind alle verschieden und doch ähnlich. Wir Europäer besitzen soziokulturelle Klebstoffe, die uns allen bekannt sind!  Unter vielen anderen: Antike, Renaissance, Judentum und Christentum, Monarchie, Demokratie, Gotik, Barock, Aufklärung, Französische Revolution, Marx und Engels, ebenso der Kapitalismus!

Für Europa waren diese Bindemittel leider auch wiederholt Sprengmittel. Bis 1945 war Europa ein Kontinent ständiger Kriege und totaler Katastrophen. Mehr noch, die Europäer exportierten ihre Ideen über Jahrhunderte mal friedlich mal kriegerisch in alle Welt. Viele europäische Nationen installierten listenreich und sehr brutal koloniale Systeme auf anderen Kontinenten und dieser Kolonialismus ist noch gar nicht überwunden. Nicht verwundern darf es, wenn wir Europäer durch die außereuropäische Brille vielleicht auch danach beurteilt werden, ob sie ihre Werte denn auch leben. Alleine die Waffenexporte Europas in die Welt machen unsere „Werte“ angreifbar.

Die Wertediskussion ist anstrengend und doppelbödig. Wir sind nicht besser und nicht schlechter als alle anderen. Europa hat jahrhundertelang im Namen seiner Werte weltweit Unheil verbreitet und ist dabei oft genug unter die eigenen Räder geraten. Außerhalb Europas existieren ebenso Werte, die ebenso in der Lage sein mögen Dinge zum Guten zu wenden.

Wolfgang Stöcker schrieb: Auf dem Boden vor dem Tisch in Analogie zu meiner Probe aus Posterstein, dort ebenfalls am Tisch bzw. Stuhl im Salon. Die Probe wurde entnommen am 18.08.2018 gegen 12.00 Uhr, kleine etwas goldene Partikel, könnten von der Stuckdecke stammen. Die Staubentnahme war gar nicht einfach, immer fielen die Partikelchen von der Fingerspitze mit der ich die Körnchen aufnehmen wollte, eine Dame der Aufsicht schaute bedenklich, dann aber... funktionierte es!!!
Wolfgang Stöcker schrieb: Auf dem Boden vor dem Tisch habe ich Staub entnommen – in Analogie zu meiner Probe aus Posterstein, dort ebenfalls am Tisch bzw. Stuhl im Salon. Die Probe wurde entnommen am 18.08.2018 gegen 12.00 Uhr, kleine etwas goldene Partikel, könnten von der Stuckdecke stammen. Die Staubentnahme war gar nicht einfach, immer fielen die Partikelchen von der Fingerspitze mit der ich die Körnchen aufnehmen wollte, eine Dame der Aufsicht schaute bedenklich, dann aber… funktionierte es!!! (Foto: Wolfgang Stöcker)

Es mag naiv sein, wenn ich als „nach 1945“ geborener Mensch lange das Gefühl hatte: Menschen können aus ihrer Geschichte lernen. Menschen können eine bessere Welt bauen. Aber bis in die 1990er sah es in Europa wirklich so aus.

Momentan scheinen viele (fast) tot geglaubte Geister zurück zu kommen. Ich hoffe, dass es sich hier um temporäre Reflexe von Unsicherheit handelt und das Europa zu sich selbst und zu allen anderen Bewohnern dieser Erde ein freundliches, offenes und friedliches Verhältnis findet. Die  angesprochenen Bindemittel gehören wohl auf den Prüfstand und müssen auch mit außereuropäischen Bindemitteln neu gemischt werden. Es bleibt zu hoffen, dass Verbesserungen über Europa hinaus möglich werden. Isoliert, eurozentrisch ist nichts erreichbar.

von Wolfgang Stöcker zum Projekt #SalonEuropa

Wolfgang Stöcker ist Gründer des „Deutschen Staubarchivs“. Er arbeitet derzeit intensiv daran, aus in der Burg Posterstein gesammelten Stäuben und aus Wachsspenden aus der Region Skulpturen zu fertigen. Als studierter Historiker dokumentiert er dabei jeden Handgriff genau. Im Sommer 2019 wird seine „Staub-Kunst“ auf Burg Posterstein zu sehen sein.

Mehr lesen zu Berthel Thorvandsens Büste von Wilhelmine von Sagan

Denk’ ich an Europa in der Nacht

Barbara Fischer sendet uns ihren Beitrag zur Blogparade #SalonEuropa.  Mitmachen könnt ihr bis 23. Oktober 2018. Wer keinen eigenen Blog hat, dessen Artikel veröffentlichen wir gern als Gastbeitrag hier im Blog.

Als junger Mensch war Europa für mich ein Versprechen. Frieden, Völkerverständigung, Wohlstand für alle und umfassender Umweltschutz. Erst im Kleinen, in Europa, dann für die ganze Welt. Diese Hoffnung gab mir die Kraft nicht zu verzweifeln, trotz Kalter Krieg, trotz Umweltzerstörung und trotz Tschernobyl. Mit 17 brannte ich für den europäischen Gedanken. Ich trampte zu den großen europäischen Friedensdemos und sammelte Atomkraft-Nein-Danke-Sticker in europäischen Sprachen auf meiner Jeansjacke. Ich vertraute in die Kraft der mündigen Bürger. Ich glaubte an Kant, Picasso und Simone de Beauvoir.

Bildunterschrift: die Eule der Minerva beginnt erst mit der einbrechenden Dämmerung ihren Flug; Athena mit der Eule Minerva, heute im Metropolitan Museum of Art [CC0], via Wikimedia Commons
Die Eule der Minerva beginnt erst mit der einbrechenden Dämmerung ihren Flug*; Athena mit der Eule Minerva, heute im Metropolitan Museum of Art [CC0], via Wikimedia Commons
Zunächst wurde alles besser. Die Wälder, die Flüsse und die Luft in Europa erholten sich. Solarenergie und Windräder als Alternativen zur Atomkraft erhielten staatliche Subventionen und fanden große Verbreitung. Gorbatschow kam und der Kalte Krieg ging. Europa trennte kein eiserner Vorhang mehr. Im Vertrag von Maastricht nahm die Europäische Union Gestalt an. Keine Grenzkontrollen mehr, der europäische Pass, das europäische Parlament, die europäische Währung. Man konnte wieder in der Elbe schwimmen. Die Robben kamen zurück. Die Welt schien doch besser zu werden.

Dunkle Seifenblasen

Frage ich heute meinen Sohn an dessen 17. Geburtstag nach Europa, scheint von den Hoffnungen nur Bitterkeit geblieben zu sein. Er spricht von Betrug, von Ungerechtigkeit, von Menschen an Zäunen und von Ertrinkenden im Meer. Er ist wütend, das Privileg der Jugend. Die Bitterkeit liegt mir auf der Seele: Frieden, Rettung der Natur, Gerechtigkeit für alle? Immer noch nur ein Traum, schlimmer, Seifenblasen? Ich muss die letzten Jahrzehnte wohl verschlafen haben. Die europäische Idee, die die Freiheit des Einzelnen in ihren Mittelpunkt stellt, ist zum Alptraum des Egoismus verkommen. Die europäische Rationalität, auf der unser Reichtum gründet, zeigt ihr Janusgesicht. Denn unser europäischer Wohlstand gefährdet im Klimawandel das Überleben der Spezies Mensch. Erst sterben die Bienen …

Hinzu kommt wie ein höhnischer Reflex auf den gewachsenen Wohlstand, auf die verbesserten Standards im Umwelt- und Gesundheitsschutz, auf den schon Jahrzehnte währenden Frieden und auf die Verbreitung vom Recht auf freie Wahlen, freie Meinungsäußerung und Freizügigkeit der Wohnung, der Arbeit und der Reisen – als wäre es ein Zuviel des Guten – ein Zuwachs von rechtspopulistischen Parteien und Bewegungen in Europa. In Polen, Ungarn, Dänemark, Italien, Österreich, Tschechien sitzen sie bereits in der Regierung. In Schweden, Deutschland, Niederlande, Frankreich, Bulgarien, Griechenland, Zypern, England, Slowenien, im Baltikum, Finnland, Luxemburg und Belgien gewinnen sie an Diskursmacht.** Wie viele rechte Staaten hält der europäische Gedanke noch aus? Wann zerbricht Europa am neoliberalen Kalkül von Menschen, die offenbar glauben, es gäbe kein Morgen, der von ihnen Rechenschaft fordert, die sich nicht in Dollar oder Euro ausdrücken lässt? Die sich die Hände reiben, wenn rechte Populisten, den Rechtsstaat aushöhlen. Drohen die Funken der Europa-Hymne*** zu verglühen noch ehe sie das Licht der weltweiten Aufklärung, treffender im Englischen “enlightment”, entzündet haben?

Die Aufklärer wie Diderot und Voltaire glaubten im 18. Jahrhundert an die weltverbessernde Macht des Wissens. Sie traten ein für Rationalität, Wissenschaft und die Freiheit des Individuums. Mit ihnen betrat die Menschheit und allen voran Europa das Anthropozän. Die erste Geoepoche, der die Menschen ihren Stempel aufdrücken. Noch im letzten Jahrhundert waren individuelle Freiheit, Wachstum und Fortschritt unangefochten universale heilsbringende Buzzworte. Einiges von diesem Glauben in die Kraft der Technologie von einzelnen genialen Entrepreneuren ausgedacht hält sich hartnäckig im transatlantischen Silicon Valley. Aber offenbar sind doch viele Menschen gerade in Europa von der Komplexität der Abhängigkeiten, von den Konsequenzen des Anthropozäns und von der schieren Menge an Information schlicht überfordert. Sie ziehen sich zurück in ein Biedermeier des 21. Jahrhunderts. Es ist bevölkert von Einhörnern und Elfen, eingemummelt in eine weichgespülte Sprache der Political Correctness, die Unterschiede einebnet oder verzerrt, und die Bedrohungen durch Klimawandel, Plastikmüll oder unfaire Handelspolitik in kurzen heiteren DIY-Videos abzuwehren meint. Beunruhigend viele Menschen in Europa lassen sich verführen von einfachen Antworten und von Schuldzuweisungen, die stets bei den anderen liegen. Alles Menschen, die lesen und rechnen können, die keinen Hunger kennen und die die Freiheit haben, alles zu fragen, alles zu kritisieren und alles zu ändern. Es ist so still. Es ist so düster in Europa.

Der Eulenflug

Welche Rolle spielen Kunst und Kultur in dieser Stunde der Dämmerung? Eine Zeit, in der man nie sicher weiß, kündigt sie die Nacht oder den Tag an. Welche Bedeutung hat in dieser Zeit das europäische Kulturerbe? Welche Bedeutung haben die Kunst, die Musik, die Literatur, der Gedanke und das Wort in Europa? Brauchen wir überhaupt noch die teuren Sammlungen der Museen, die Bibliotheken, die Archive? Ist GLAM**** etwa nur verzichtbarer Glamour?

Bildunterschrift: Stolz, selbstbewußt und im echten Tütü berührt sie den Betrachtenden noch 150 Jahre später; Edgar Degas, die Tänzerin, heute Musée d’Orsay [CC0] via Wikimedia Commons
Stolz, selbstbewußt und im echten Tütü berührt sie den Betrachtenden noch 150 Jahre später; Edgar Degas, die Tänzerin, heute Musée d’Orsay [CC0] via Wikimedia Commons
Einmal liegt die  Bedeutung der Artefakte in der Erbauung, die sie bieten. Ein zu unrecht aus der Zeit gefallener Begriff. Eine Sinfonie zu hören, sich in den Anblick einer Skulptur oder in ein Gedicht zu vertiefen oder die Schönheit eines alten Gebrauchsgegenstand zu genießen, baut meine Energiereserven wieder auf. Ich brauche das Schöne, das nicht gefällig meint, um nicht zu verzagen vor der Hässlichkeit der Welt. Zum anderen bieten Kunst und das kreative Schaffen generell den einzigen kreativen Reflexionsraum für das Geschehen um mich herum. Komprimiert im Kunstwerk, ob Gemälde, Musik oder Roman, zugleich eingebettet in seine Zeit und losgelöst von ihr, finde ich hier Gedanken, Gefühle und Ideen, die mir helfen, die Welt um mich herum besser zu begreifen. Indem ich nicht jede Erfahrung selbst machen, nicht jede Perspektive allein einnehmen und nicht alle Facetten einzeln erschließen muss, sondern darauf bauen kann, was andere dachten, malten, komponierten und schufen, steige ich mit dem Bonmots Newtons auf die Schultern des Riesen und weite meinen Blick. Der Zugang zu den Werken, auf die andere wiederum Bezug nehmen, die sie zitieren, weiterentwickeln und verfremden, lässt mich an einem Diskurs teilhaben, der mich erst zu dem mündigen Bürger macht, der Kant vorschwebte*****. Und natürlich erwarte ich, dass ich Zugang zu diesem Reichtum auch und gerade im Netz habe, in dem ich mich beruflich und privat zunehmend mehr aufhalte. Und selbstverständlich will ich nicht kriminalisiert werden, wenn ich mir die Digitalisate aneigne, oft nur für einen Moment des Teilens, weil ich angeblich Rechte am geistigen Eigentum verletze. Die Rechteinhaber haben doch zuvor, wenn überhaupt, falls sie nicht nur in einer verwertenden Position stehen, ebenfalls davor Geschaffenes aufgegriffen, reproduziert, kommentiert und verbreitet. Europas Reichtum ist just dieser schöpferische Schmelztiegel der Ideen. Nur im freien Austausch entfaltet sich sein ganzes geistiges Potenzial der Vielfalt. Aus seiner Verantwortung für viele der Probleme, die heute den ganzen Globus betreffen, sollten sich gerade die Menschen in Europa mit Verve dafür einsetzen, dass das kulturelle Erbe digitalisiert frei zugänglich, gut erschlossen und nutzbar ist, egal ob am Rechner in Rom, Athen, Acra, Guangdong, Rio oder Paris, Texas.

Das Prinzip Hoffnung dagegen setzen. “Die feindlichen Gewalten” Detail im Beethoven Fries von Gustav Klimt, heute in der Galerie Belvedere (Wien), [CC0] via Wikimedia Commons
Das Prinzip Hoffnung dagegen setzen. “Die feindlichen Gewalten” Detail im Beethoven Fries von Gustav Klimt, heute in der Galerie Belvedere (Wien), [CC0] via Wikimedia Commons
Georg Friedrich Hegel schrieb vor 200 Jahren mehr ab- als aufgeklärt, die Philosophie käme immer erst, “nachdem die Wirklichkeit ihren Bildungsprozeß vollendet und sich fertig gemacht hat”. ****** In diesem Zusammenhang lässt Hegel die Eule der Weisheit viel zitiert fliegen: “die Eule der Minerva beginnt erst mit der einbrechenden Dämmerung ihren Flug”. Hegels Bild prosaischer ausgedrückt: Hinterher ist man immer klüger. Wir haben aber keine Zeit abzuwarten, bis die Wirklichkeit sich vollendet. Wenn wir als zivilisierte Spezies überleben wollen, müssen wir schon jetzt klug wie die Eule sein und Europas Kulturerbe als enormes Wissensreservoir nutzen, um Kraft, Ideen und Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit zu finden. Daher öffnet die Sammlungen, die Archive und Depots und verleiht dem Kulturerbe die digitalen Flügel, mit der die Eule Minervas ihren Flug beginnen kann. Europa, möge es noch immer der Ruf der Hoffnung sein!

von Barbara Fischer, zur Blogparade #SalonEuropa, 26.9.2018

*zitiert nach Georg Friedrich Hegel “Philosophie des Rechts”; http://www.zeno.org/Philosophie/M/Hegel,+Georg+Wilhelm+Friedrich/Grundlinien+der+Philosophie+des+Rechts/Vorrede
**Zur Verbreitung des Rechtspopulismus in Europa siehe interaktive Karte der Bundeszentrale für Politische Bildung 2017, http://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtspopulismus/242635/europakarte
***Die Europa-Hymne ist eine Instrumentalfassung aus Beethovens Neunter Sinfonie “Ode an die Freude”, die wiederum eine Vertonung von Schillers Gedicht “Freude, schöner Götterfunken…” darstellt. https://de.wikipedia.org/wiki/Europahymne.
**** GLAM das internationale Akronym für Galleries, Libraries, Archives and Museums sowie deren Aktivitäten im digitalen Raum.
***** Immanuel Kant: Sapere aude! in “Was ist Aufklärung?”, Berlinische Monatsschrift, 1784, 2, S. 481–494
****** Hegel; ebd. http://www.zeno.org/Philosophie/M/Hegel,+Georg+Wilhelm+Friedrich/Grundlinien+der+Philosophie+des+Rechts/Vorrede

Einladung zur Blogparade “#SalonEuropa – Europa ist für mich…”

English summary Was ist Europa für Dich? Verzichtbar, unabdingbar, eine große Liebe oder von allem ein bisschen? Wir vom Museum Burg Posterstein laden Dich zur  Blogparade “#SalonEuropa – Europa ist für mich …” (Laufzeit: Von 23. September bis 23. Oktober 2018) ein. Ein Nachdenken über Europa ist gerade jetzt wichtiger denn je. Europa ist in Bedrängnis und in Veränderung. Wo liegen die Chancen, wo die Risiken? Wie wirkt sich Europa auf unsere Gesellschaft und Kultur aus?

Die Blogparade #SalonEuropa verbindet digital und analog

In den Salons der Aufklärungszeit diskutierte man Kultur, Philosophie, Kunst, Politik und gesellschaftliche Fragen. Wir greifen diese Themenvielfalt auf und übertragen das Format „Salon“ ins Heute – online und vor Ort im Museum. Das Museum Burg Posterstein forscht seit vielen Jahren zum Salon der Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761–1821). In einer Zeit, in der die napoleonischen Kriege Europa erschütterten, brachte die kluge und schöne Salonnière Menschen aus ganz Europa zusammen.

Napoleon Bonaparte soll einmal sinngemäß zu Anna Dorothea von Kurland gesagt haben:

Die Herzogin von Kurland kam 1786 gemeinsam mit ihrem Mann nach Sanssouci und reiste dann weiter nach Italien.
Anna Dorothea von Kurland, Gemälde nach Angelika Kauffmann, Museum Burg Posterstein

„Du bist in Russland geboren, lebst in Deutschland, und jetzt machst du dich Französisch. Sie wollen ein bisschen von allem!“

Ihre Antwort darauf:

„Sire, meine Heimat ist Kurland, aber ich habe das Glück, niemandem zu gehören!“

 

 

(Aus: Gustav Parthey: Jugenderinnerungen, Berlin 1907, Band II, S. 429.)

Die Ausstellung „#SalonEuropa vor Ort und digital“ nimmt ihren Ausgangspunkt in dieser historischen Salonkultur und fängt Stimmen aus dem Jetzt ein. Die Blogparade begleitet und gestaltet das Ausstellungsprojekt mit. Die eingereichten Beiträge lesen die Besucher vor Ort und im Netz. #SalonEuropa ist für uns ein Experiment mit ungewissem Ausgang.

Europa beginnt an den politischen Grenzen des Kontinents und endet bei jedem von uns zu Hause. Was steht dabei für uns auf dem Spiel? Wir wollen von Dir wissen: Was bedeutet Europa für Dich?

Themenvorschläge zur Blogparade #SalonEuropa

Der Hashtag #SalonEuropa steht für Dialog, Kultur, Leben, Reisen, Politik, Unterschiede, Gegensätze, Ideen und Visionen in Europa. Uns geht es um den Austausch mit Dir über Europa. Folgende Fragen könntest Du beantworten:

  • Was bedeuten mir Europa, seine Länder und Menschen?
  • Wie bin ich mit Europa in Kontakt gekommen? Über Urlaub, Kultur (Kunst, Film, Theater, Literatur, Esskultur), Wirtschaft, Politik, Bildung? Was löste das bei mir aus?
  • Worüber müssen wir in Europa unbedingt miteinander reden?
  • Wie können wir in Europa gemeinsam dringende gesellschaftliche Herausforderungen – wie Klimawandel, soziale Ungerechtigkeit und Asylpolitik – in Angriff nehmen?
  • Wo liegen die Wurzeln Europas und was ist davon heute noch übrig geblieben?
  • Welche Rolle spielen die Kunst und Kultur für Europa?
  • Was unterscheidet Europa vom Rest der Welt?
  • Wie kann in Europa Austausch und Vernetzung stattfinden und warum ist das wichtig?

Anregungen zum Schreiben und erste eingegangene Gedanken zu Europa findest Du auf unserer Projekt-Website. Du bist frei in Deiner Themenwahl!

Wer keinen eigenen Blog hat, darf seinen Beitrag gern hier im Blog des Museums veröffentlichen. Dazu schreibst Du uns einfach eine Mail an saloneuropa@burg-posterstein.de.

Wer kann bei unserer Blogparade mitmachen?

ALLE. Wir laden Blogger aller Couleur und Richtungen zur Blogparade ein! Auch Forschungsprojekte und Ausstellungen zum Thema sind willkommen. Wir wünschen uns vielfältige Tipps, Sichtweisen und Austausch untereinander zum Thema Europa.

Das Museum Burg Posterstein möchte wissen: Was bedeutet Europa für Sie?

Ablauf der Blogparade #SalonEuropa

Was Du tun kannst, um Deine Teilnahme an #SalonEuropa nachhaltig zu gestalten, erfährst Du in: „10 Tipps für die erfolgreiche Teilnahme an einer Blogparade“. Ziel ist es, sich zu vernetzen, auszutauschen und gemeinsam eine Idee voranzubringen.

Staffellauf der Kultur-Blogparaden zum europäischen Kulturerbejahr 2018 

Zum europäischen Kulturerbejahr 2018 gehen wir neue Wege: Europa eint uns. Gemeinsam mit zwei weiteren Kulturhäusern beleuchten wir Europa aus verschiedenen Perspektiven. Wir beschließen den einmaligen Dreiklang der Kultur-Blogparaden. Dieser begann mit #SchlossGenuss der Schlösser und Gärten Deutschland (56 Beiträge), setzte sich mit #DHMMeer des Deutschen Historischen Museums Berlin (112 Beiträge) fort und endet nun mit unserer Blogparade #SalonEuropa – viel Denkstoff für uns alle!

Jetzt gilt’s: Was bedeutet Dir Europa? Wie würdest Du Europa gestalten, wenn Du die Chance dazu hättest? Hau in die Tasten – wir freuen uns auf Deine Gedanken zum #SalonEuropa!

* Die Blogparade findet in Kooperation mit Tanja Praske von KULTUR-MUSEUM-TALK statt.

 

Was ist eine Blogparade?

Eine Blogparade ist eine zeitlich befristete Blog-Aktion. Ein Blogbetreiber gibt in einem Blogartikel ein Thema vor, zu dem andere Blogger und Interessierte einen Artikel schreiben können. Sie verlinken ihren Beitrag mit der Einladung des Initiators. Dieser sammelt, verlinkt und bewirbt die Eingänge im Social Web. Ziel ist es, ein Thema aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten, sich zu vernetzen und einen Mehrwert für die Leser zu schaffen. Die Blogparade #SalonEuropa läuft vom 23. September bis 23. Oktober.

Eure Blogposts:

    1. Klaus Graf von Archivalia: Europa ist für mich kein Ersatz für Weltbürgertum // @Archivalia_kg (23.9.2018)
    2. mikelbower: Elysium hauchte Europa // @mikelbower (23.9.2018)
    3. Christiane Nienhold von Christianes Landkultur: Morning Glory // @landkultur (24.9.2018)
    4. Anke von Heyl aka Kulturtussi: Mein Bild für Europa. Oder warum ich die architektonische Nachkriegsmoderne so schätze! // @kulturtussi (24.9.2018)
    5. Unterwegs im Hinterland: Blogparade „#SalonEuropa – Europa ist für mich…“ // @chillerunterwegs (24.9.2018)
    6. Naturgebloggt: #SalonEuropa und was Europa für mich bedeutet // @ThomasEngst (25.9.2018)
    7. Europeana Blog: ‘All of Europe is my country’ and other stories from Europeana Migration // @europeanaeu (25.9.2018)
    8. Europeana @ Medium.com: How sharing Europe’s cultural heritage online impacts on, well, everything. // @Europeana (25.9.2018)
    9. (Gastbeitrag) Barbara Fischer: Denk ich an Europa in der Nacht // @fischerdata (26.9.2018)
    10. Reinhard Laube, Blog der Klassikstiftung Weimar: Weimars Europa // @klassikstiftung (28.9.2018)
    11. Dr. Alexandra Hildebrandt: Europäische Lebenskünstler: Warum ihre Ernte so wertvoll ist // @AHildebrandt70 (29.9.2018)
    12. Dr. Alexandra Hildebrandt: Warum gutes Benehmen wieder salonfähig sein sollte // @AHildebrandt70 (30.9.2018)
    13. Bent Jensen, Archäologisches Museum Hamburg: Europa in Harburg // @ArchaeologieHH (1.10.2018)
    14. Dr. Alexandra Hildebrandt: Unsere Wurzeln: Warum wir zusammenhängende Stoffgeschichten brauchen // @AHildebrandt70 (1.10.2018)
    15. le monde de kitchi: Blogparade #SalonEuropa // @MondeKitchi (1.10.2018)
    16. Schlösser und Gärten Deutschland:Europa und die Schlösserwelt – Ein Beitrag zur Blogparade #SalonEuropa // @sgd_zu_tisch (2.10.2018) sowie auf Englisch
    17. Dr. Alexandra Hildebrandt: Revolution des Geistes: Warum das europäische Erbe der Romantik so aktuell ist  // @AHildebrandt70 (2.10.2018)
    18. MusErMeKu: Stolpersteine – Stumble Upon Memory in Europe // @musermeku (3.10.2018)
    19. Kulturkramkiste: Blogparade “#SalonEuropa – Europa ist für mich…” // @strigo73 (3.10.2018)
    20. Dr. Alexandra Hildebrandt: Der europäische Geist: Warum der Ehrbare Kaufmann hochaktuell ist // @AHildebrandt70 (3.10.2018)
    21. Wolfgang Stöcker:Ich kenne nur ein “Europa des Friedens” // Deutsches Staubarchiv (5.10.2018)
    22. Dr. Alexandra Hildebrandt: Treibsand der Geschichte: Was bleibt von uns?  // @AHildebrandt70 (5.10.2018)
    23.  mikelbower: Sternenwege nach Europa // @mikelbower (5.10.2018)
    24.  Christoph Pietrucha: Wir, ihr, sie . Polen und Europa  // (6.10.2018)
    25.  Wera Wecker  : It’s a beautiful day | U2 Live in concert // @kulturundkunst (6.10.2018)
    26. Dr. Alexandra Hildebrandt: Die Ordnung der Dinge: Über sammelnde Denker und denkende Sammler// @AHildebrandt70 (7.10.2018)
    27. Textile Geschichten: Schuhe aus im #SalonEuropa? // @Suschna (7.10.2018)
    28. Sturmpost: Europa, Dorf und weite Welt //  @sturmwarnung (7.10.2018)
    29. Landlebenblog: Prioritäten // @Odenwaelderin (7.10.2018)
    30. Ralf Grabuschnig: Europa und die Xenophobie: ein untrennbares Paar? // @RalfGrabuschnik (8.10.2018)
    31. Erdhaftig:#SALONEUROPA – DIE MISCHUNG MACHTS! // @erdhaftig (8.10.2018)
    32. Zeilenabstand: Architektur als Identitätsträger für Europa // @zeilenabstandN (8.10.2018)
    33. Jens Bemme: mein #SalonEuropa// @jeb_140  (8.10.2018)
    34. Ursula Ronnenberg: Europa – hier total normal// @URonnenberg (8.10.2018)
    35. Lindenau-Museum Altenburg: Die einzig revolutionäre Kraft – Die Kultur der 68er, die europäischen Krisen und die Kunst der Gegenwart // @LindenauMuseum (10.10.2018)
    36. Der Lehmofen: SEXUAL DIVERSITY IN EUROPE IS AN OLD HAT/ SEXUELLE VIELFALT IN EUROPA IST EIN ALTER HUT // @Runa_Phaino (gefunden: 10.10.2018)
    37. Landlebenblog: St. Die // @Odenwaelderin (11.10.2018)
    38. SOS_Fernweh: Blogparade “Salon Europa – Europa ist für mich…”// @pixelvoice3 (12.10.2018)
    39. Ichlebejetz: Die Flagge und meine Nationalität – Wer bin ich?// @IchlebeJetzt1 (12.10.2018)
    40. Dr. Alexandra Hildebrandt: Zukunft braucht Zufall: Warum wir offen für das Unberechenbare sein sollten// @AHildebrandt70 (12.10.2018)
    41. Kultur Geschichte(n) digital : Europa bedeutet für mich – meine eigene Geschichte // @anjakikahist (13.10.2018)
    42. GELD FINANZEN REICHTUM: Europa ist für mich …nicht die Europäische Union // @realpeterkovacs (14.10.2018)
    43. The Hike Tribe: Fernwanderwege in Europa – Eine Übersicht // @TheHikeTribe (15.10.2018)
    44. Dr. Alexandra Hildebrandt: Hommage an das Schreiben // @AHildebrandt70 (16.10.2018)
    45. Uldis Zariņš: Maybe the world – or at least Europe – has never been very big to begin with // @uzarins (16.10.2018)
    46. Vogtlandzauber: Das Vogtland – ein kulturhistorisches Idyll im Herzen Europas // @vogtlandzauber (16.10.2018)
    47. Europeana Blog: Looking for Europe through Fashion Plates//@europeanaeu (17.10.2018)
    48. K´s VienNature Culturegram: Burg Posterstein asks: “What does Europe mean to you?” // @karinsvad (17.10.2018)
    49. Berlinerin in Frankreich: Europa ist für mich meine Familie! // @Berlinerin-in-Frankreich (18.10.2018)
    50. Hiddentraces: 2018 – Mein europäisches Reisejahr // @hiddentraces (18.10.2018) sowie auf Englisch
    51. Burgdame: Internationale Heiratspolitik – Blogparade #SalonEuropa // @burgdame_de (18.10.2018)
    52. LeseZeichen Mannheim:Europa ist für uns ein großer Kulturraum, ein intensiv verflochtener kultureller Rahmen // @LeseZeichenMannheim (18.10.2018)
    53. TBerg: #SalonEuropa – Blogparade „Europa ist für mich …“ // @tberg_de (18.10.2018)
    54. Leggiero flautato: Kultur kennt keine Grenzen // @sufloese (20.10.2018)
    55. Reens Blog: Salon Europa – Europa ist für mich…. // @repiepke (20.10.2018)
    56. Elektromuseum Erfurt: Europa ist nicht allein nur Kulturraum, sondern Wirtschafts- und Lebensraum vieler Nationen // @ElektromuseumEF (20.10.2018)
    57. Mit Kind im Rucksack: #SalonEuropa – Europa ist für mich Freiheit // @inaaltoet (21.10.2018)
    58. Peter Soemers: Ich trage Eulen nach Europa! Digitale Transformation & #SalonEuropa //@psoemers (21.10.2018)
    59. Krosworldia: #SalonEuropa. Die zwei Gesichter des Eurozentrismus // @Kristin_Oswald (21.10.2018)
    60. Sabine Hofmann: Was hat die Gebietsreform in Thüringen mit Europa zu tun? // (22.10.2018)
    61. Der Friedrich: #SalonEuropa – Was Europa für mich bedeutet // @elfritzos (22.10.2018)
    62. Lindenau-Museum Altenburg: Ein Altenburger in Europa // @LindenauMuseum (22.10.2018)
    63. Hin-fahren: Unterwegs in Europa – Überall zu Hause // @hinfahren (23.10.2018)
    64. Provinzmutti: #SalonEuropa – Blogparade “Europa bedeutet für mich…” // @provinzmutti (23.10.2018)
    65. Deutsches Historisches Museum: Inside DHM: Europa, Venedig und das Meer // @DHMBerlin (23.10.2018)
    66. LiveLifeGreen: Ohne Europa kein Frieden und kein Klimaschutz // @livelifegreen_m (23.10.2018)
    67. Saxorum/Martin Munke: In der Grenzregion. (Mein) Europa zwischen Sachsen, Tschechien und Polen // @m_munke (23.10.2018)
    68. Claudia plaudert: Grenzgänge ohne Grenzen? Ja bitte! // @claudiaplaudert (23.10.2018)
    69. VARIA, CURIOSA ET MEMORABILIAvienna, london & beyond: “GESTORBEN ZU WIEN …” / “DIED IN VIENNA …” // @c_n_opitz (23.10.2018)
    70. Saxorum/Hélène Fuchs: Die Vergewaltigung Europas. Der Negativraum der europäischen Identität // (23.10.2018)
    71. Christine Büring: Europa bedeutet für mich bei mir zu sein und doch immer neue Leben zu leben // (23.10.2018)
    72. Gin des Lebens: Europa ist für uns eine bunte Reise voller Kontraste // @gin_des_lebens (23.10.2018)
    73. Hahn-Literatur: #SalonEuropa – Europa ist für mich … ein Auftrag // @hahn_txt_pr (23.10.2018)
    74. KUNST.mi.mol.een.utgeben: Europa und die Ideen von Humanismus und Liberalismus // @pookerman (Nachtrag, 24.10.2018)
    75. Lisa Begeisterung: Europa ist für mich ein Miteinander // @Begeisterung_Li (Nachtrag, 26.10.2018)

     

    Zusammenfassungen der Blogparade:

    1. Pressemitteilung Museum Burg Posterstein – Woche 1 Blogparade // @burgposterstein (28.9.2018)
    2. Zwischenbilanz von Tanja Praske, Kultur-Museum-Talk: Blogparade #SalonEuropa – Europa geht uns alle an! Salonkultur analog & digital // @tanjapraske (3.10.2018)
    3. Pressemitteilung Museum Burg Posterstein – Woche 2 Blogparade // @burgposterstein (5.10.2018)
    4. Pressemitteilung Museum Burg Posterstein – “Wir Europäer besitzen soziokulturelle Klebstoffe” (16.10.2018)

#SalonEuropa im Hier und Jetzt: Die Künstlerin Marta Pabian im Portrait

Marta Pabians Installationen aus Draht und ihre Gemälde und Fotografiken in der Postersteinr Ausstellung.
Marta Pabians Installationen aus Draht und ihre Gemälde und Fotografiken in der Postersteinr Ausstellung.

„Europa im Hier und Jetzt: Schloss Tannenfeld – Inspiration und Wirklichkeit“ ist ein Kunstprojekt, das noch bis 9. September 2018 im Museum Burg Posterstein zu sehen ist. Vier Künstlerinnen aus Deutschland, Frankreich und Polen treten zusammen in Dialog über den #SalonEuropa. Fotografie, Installation und Malerei schlagen den Bogen vom Musenhof der Herzogin von Kurland, wo der europäische Gedanke aktive gelebt wurde, bis hin zum Europa im Hier und Heute.

Unser viertes und letztes Porträt widmet sich – last but not least – der polnischen Künstlerin Marta Pabian. Ihr Thema: Der Mensch. Ihre Arbeit: beeindruckend vielfältig. Installation, Malerei, Druck und Fotografie reichen sich in ihren Werken die Hand, um die Individualität jedes Einzelnen ans Tageslicht zu bringen.

Marta Pabian – Die Einzigartigkeit eines jeden Menschen

Marta Pabian besuchte von 1990 bis 1995 die Kunstoberschule in Kielce und war in der Abteilung Kunstweben tätig. Im Anschluss nahm sie ein Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wrocław auf und wandte sich der Malerei und Bildhauerei, später auch dem Bühnenbild zu. Seit 2014 arbeitet sie an ihrer Promotion an der Jan Kochanowski Universität in Kielce im Institut der bildenden Künste, wo sie auch im Fach Modedesign unterrichtet. Ihre Doktorarbeit konnte sie 2018 erfolgreich verteidigen. Ihre vielseitigen Werke zeigte sie bereits in Ausstellungen in Łódz, Toruń, Kielce und Kraków, sowie in Gera und Berlin.

Die polnische Künstlerin Marta Pabian beschäftigt sich künstlerisch mit dem Ich in der Gesellschaft.
Die polnische Künstlerin Marta Pabian beschäftigt sich künstlerisch mit dem Ich in der Gesellschaft.

Über ihre Arbeiten sagt die Künstlerin selbst:

„Ich beschäftige mich mit dem Thema Mensch, seiner Gestalt, seinem Umfeld und der daraus resultierenden Atmosphäre, den Emotionen und Relationen. Im Mittelpunkt meines künstlerischen Schaffens steht der Mensch als Wesen in Bezug auf die Gesellschaft der Gegenwart, hier und jetzt. Er ist beeinflusst von den Gedanken seines Umfeldes und seinen eigenen, bezogen auf die Akzeptanz seiner Entscheidungen und der daraus resultierenden Verantwortung für seine Taten. Sein Dasein ist eine Art der Identifikation und unterstreicht seine Identität.“

Grundlage der 2018 entstanden Werke, die in der Sonderschau #SalonEuropa im Museum Burg Posterstein gezeigt werden, ist eine Installation aus Draht. Bei genauer Betrachtung schälen sich mit der Zeit aus dem Netz feiner Drahtseile menschliche Körper heraus. Nicht nur einer, sondern viele – verbunden durch Strukturen der Linien.

Diese Drahtinstallation dient der Künstlerin schließlich als Quelle der Interpretation. In einer beeindruckenden Mischtechnik, in der unter anderen Fotografie, Siebdruck und Malerei Verwendung finden, schlüsselt sie die verschiedenen Gestalten im Einzelnen auf. Sie zeigt dem Betrachter die Vielfalt der Körper, die sich in einem Werk vereinen, doch gleichzeitig so unterschiedlich und individuell darstellen. Als Werkstoffe dienen Marta Pabian dabei Papier, Leinwand und sogar Glas.

Marta Pabians Werke werfen Fragen zum Individuum in der Gesellschaft auf.
Marta Pabians Werke werfen Fragen zum Individuum in der Gesellschaft auf.

Im übertragenen Sinne bildet die Künstlerin die heutige Gesellschaft in ihren Arbeiten ab. EIN Drahtgeflecht, EINE Einheit und doch verbirgt sich hinter dem Wirrwarr aus Formen und Strukturen das Individuum, der einzelne Mensch. Keine der Figuren, die sich hinter den zahlreichen Linien verbergen, ist einer anderen gleich. Jede scheint in den Bildern ihre eigene Geschichte zu erzählen.

Pabian selbst beschreibt ihre Intension wie folgt:

„ICH, oder WIR? Wieviel ICH wird eingebracht damit WIR als Gesellschaft davon profitieren? Die Grenzen zu zeichnen, die Vergrößerung eigener Emanation, deformieren bekannter anatomischer und biologischer Formen. Die geschaffene Linie baut neue Qualitäten. Priorität hat dabei die Selbstfindung der eigenen Identität, der Mut sich selbst zu manifestieren und zu glauben, dass der Dialog mit sich selbst ein ehrlicher ist.“

Im Museum Burg Posterstein bereiteten wir gerade die interaktive Ausstellung #SalonEuropa vor Ort und digital vor, in der wir einen gesellschaftlichen Diskurs und ein Nachdenken über Europa anregen wollen. Marta Pabian hat ihre Gedanken über Europa mit uns geteilt:

Marta Pabian – Europa bedeutet für mich …?

„Ich sehe aktuell, dass Europa in Bezug auf Einheit, gemeinsame Interessen und Werte im Konflikt mit Personen, die in Gruppierungen, Vereinen und Institutionen tätig sind und eigene Rechte durchsetzen wollen, steht. Die jetzige so genannte Toleranz, welche ein Gefühl der Freiheit geben soll, versteht sich wie eine Hülle, die vor Eingriffen der angenommenen Rolle schützen soll. Die entstehende Angst äußert sich in Isolierung und Trennung von Werten, so wie es jetzt in Polen passiert. Wenn man sich voll akzeptiert und seine Schwächen sieht, kann man das demaskieren, was uns bei anderen stört.“

Was bedeutet Europa für Sie? Teilen Sie hier ihre Meinung mit uns.

Zusammengefasst von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

Zum Weiterlesen:

Die Ausstellung #SalonEuropa im Hier und Jetzt

#SalonEuropa im Hier und Jetzt: Die Künstlerin Jana Borath im Portrait

#SalonEuropa im Hier und Jetzt: Die Künstlerin Verok Gnos im Portrait

#SalonEuropa im Hier und Jetzt: Die Künstlerin Petra Herrmann im Portrait

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#SalonEuropa im Hier und Jetzt: Die Künstlerin Petra Herrmann im Portrait

Petra Herrmanns fragiler, schwebender Tisch symbolisiert Europa.
Petra Herrmanns fragiler, schwebender Tisch symbolisiert Europa.

Bis 9. September 2018 zeigt das Museum Burg Posterstein die erste Sonderschau zur Themenreihe #SalonEuropa. Vier Künstlerinnen aus Deutschland, Frankreich und Polen realisieren ein gemeinsames Kunstprojekt. Anlass sind die bevorstehenden Veränderungen für die Parkanlage und das Schloss Tannenfeld. Mit ihrem Projekt verweisen die Künstlerinnen auf den europäischen Gedanken, der an diesem Ort unter Anna Dorothea von Kurland gelebt wurde und bringen ihre jetzige Sichtweise zum Thema Europa zum Ausdruck.

Im Künstlerporträt stellen wir dieses Mal Petra Herrmann vor. Die Installations-Künstlerin aus Kratschütz kann ohne Umschweife als die „treibende Kraft“ hinter der Ausstellung „#SalonEuropa im Hier und Jetzt: Schloss Tannenfeld – Inspiration und Wirklichkeit“ bezeichnet werden. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Jana Borath entwickelte sie die Idee, Schloss Tannenfeld und dem Europäischen Gedanken, der dort einst gelebt wurde, in ihre Kunst einzubeziehen und ihm eine Sonderschau zu widmen.

Petra Herrmann – „Europa zu Tisch“

Petra Herrmann wurde 1957 in Berlin geboren. Bereits 1986 kam sie als freischaffende Künstlerin nach Thüringen. Ab 1988 folgten erste Einzelausstellungen und Performances. 1994 wurde sie Mitglied der GEDOK Leipzig/Sachsen und war zeitweise auch im dortigen Vorstand tätig.
In ihrer Kunst setzt sich Petra Herrmann mit dem Matriarchat, feministischer Theologie, Religionen und Körpern auseinander. Ihre teilweise preisgekrönten Arbeiten präsentierte sie bereits in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland.

Petra Herrmann ist freischaffende Künstlerin in Thüringen.
Petra Herrmann ist freischaffende Künstlerin in Thüringen.

Für die Ausstellung „#SalonEuropa im Hier und Jetzt“ fertigte Herrmann eine fragile, leichte und doch so bedrückende Installation an, die aktueller kaum sein könnte. Im Raum schwebt ein imaginärer Tisch aus Zeitungspapier, der in seinen Umrissen keine abgeschlossene, sondern eine eher bizarre, offene, ja zerrissene Form darstellt. Zeitungen aus Polen, Frankreich, Deutschland und anderen EU-Ländern sind lesbar verwendet.

Das Fragile des Tisches ist bestimmend und zeigt die Unsicherheit, die Ängste vor dem sich zeigenden Rechtsruck in einigen europäischen Ländern, zeigt die Gratwanderung, die von allen erwartet wird. – Ein Drahtseilakt zwischen Diplomatie und bestimmender Konsequenz.

Petra Herrmanns Installation "Europa zu Tisch" schwebt im Raum.
Petra Herrmanns Installation “Europa zu Tisch” schwebt im Raum.

Dazu kommen Fotos, die in drei Formaten von der Künstlerin auf dem Tisch platziert wurden – Fotos, die „boatspeople“ – Flüchtlinge aus Syrien – zeigen. Die Fotos, die im Ursprung eine klare Aussage hatten, sind verfremdet, sodass Konturen unklar werden und die Herkunft nicht definierbar. Petra Herrmann zeigt sie als Ausdruck für die Manipulation, die wir über die Medien erfahren, in der Aussage als ein Ausschnitt von Wirklichkeit betrachtet werden muss.
In Herrmanns Installation geht es um Fluchten, die meist mit ungeeigneten, zudem überladenen Booten unternommen werden. Die Ursachen von Bootsflucht reichen heute, wie bei jeder Flucht, von individueller Verfolgung – die eine Person im rechtlichen Sinne als Flüchtling qualifiziert – über allgemeine Unsicherheit und bewaffnete Konflikte bis hin zur Suche nach besseren Lebensbedingungen.

Es ist Aufgabe der EU- und anderer Staaten, solche Fluchtursachen zu bekämpfen – für jeden gäbe es Platz an diesem Tisch, der fragileraber wohl nicht sein kann. Genauso fragil wie jedes einzelne der Fluchtboote, die seit Jahren über das Mittelmeer an europäischen Stränden anlegen wollen. Voll- und überladen mit Menschen aus Syrien, vom afrikanischen Kontinent und aus Nahost. Menschen, die vor Krieg, Tod, bewaffneten Konflikten, Hunger, wirtschaftlicher Not und bitteren Lebensbedingungen flüchten. Menschen, die versuchen sich zu retten – auch vor den Folgen des europäischen Wohlstandsappetites.

Kommt Europa noch an einen Tisch und haben Flüchtlinge dort einen Platz? Solche Fragen wirft die Installation Petra Herrmanns auf.
Kommt Europa noch an einen Tisch und haben Flüchtlinge dort einen Platz? Solche Fragen wirft die Installation Petra Herrmanns auf.

Mit ihrer Installation legt Petra Herrmann den Finger in eine Wunde Europas, die spätestens seit 2015 weit klafft. Als Flüchtlingskrise wird jenes Phänomen diagnostiziert, welches europäische Länder, Bevölkerungen, Familien und Freundschaften spaltet und strapaziert, Gewalt hervorruft und Rechtspopulisten die politische Bühne erobern lässt. Doch Flüchtlinge sind Menschen, keine Krise, so Herrmann. Das definieren die Grundlagen unseres heutigen europäischen Weltbildes. Es zählen sowohl der Wert des einzelnen als auch der aller Menschen. In der Krise befindet sich indes der Umgang Europas mit globalen Problemen wie Hunger, Krieg, bewaffnete Konflikte und Naturkatastrophen, die die wohlstandsorientierte Staatenvereinigung zum nicht geringen Teil mit verursacht. Durch aggressiven Kapitalismus, ausgelagerte Umweltprobleme, durch florierende Waffengeschäfte in Länder mit Krisenherden. Hinzu kommt die Krise Europas, die Notwendigkeit seine internen Probleme zu lösen.

Im Museum Burg Posterstein bereiteten wir gerade die interaktive Ausstellung #SalonEuropa vor Ort und digital vor, in der wir einen gesellschaftlichen Diskurs und ein Nachdenken über Europa anregen wollen. Petra Herrmann hat ihre Gedanken über Europa mit uns geteilt:

Petra Herrmann – Europa bedeutet für mich …?

„Die Schere innerhalb und zwischen Europa und angrenzenden Ländern bis hin nach Afrika ist unübersehbar, ebenso die Diskrepanzen. Wir als Europäer, die auf dem Rücken aller ihren Wohlstand ausbauen, in aller Selbstverständlichkeit davon ausgehen, dass ein Kleidungsstück natürlich von Frauen in Indien hergestellt wurde, hier Schuhe – egal welcher Marke – unter martialischen Bedingungen gegerbt und gefärbt werden. Dass ein Konzern in afrikanischen Staaten sich bereichert und Entwicklungshilfegelder von ebendiesen vergeudet werden und die Menschen dort nicht erreichen. Niemand kann es einem Menschen verdenken, dass er solches Unrecht nicht mehr ertragen möchte, sein Leben aufs Spiel setzt, die Ausweglosigkeit in sein Gesicht gemeißelt.“

Was bedeutet Europa für Sie? Teilen Sie hier ihre Meinung mit uns.

Zusammengefasst von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

Zum Weiterlesen:

Die Ausstellung #SalonEuropa im Hier und Jetzt

#SalonEuropa im Hier und Jetzt: Die Künstlerin Jana Borath im Portrait

#SalonEuropa im Hier und Jetzt: Die Künstlerin Verok Gnos im Portrait

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