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Blog des Museums Burg Posterstein

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Archiv der Kategorie: 16. Jahrhundert

„Burg Posterstein – Trutzig seit 1191“: Resümee Teil 1

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 26. März 2025 von Museum Burg Posterstein26. März 2025

Das Thüringer Burgenjahr 2024 stellte die zahlreichen Thüringer Burgen in den Mittelpunkt der touristischen Werbung. Das nahm das Museum Burg Posterstein unter der Überschrift „Burg Posterstein – Trutzig seit 1191“ zum Anlass für zwei Sonderschauen zur Burggeschichte. Hier im Blog geben wir dazu in zwei Teilen ein Resümee.

Das Thüringer Burgenjahr

Im Rahmen der Burgenjahr-Kampagne entstanden eine Landing-Page zu Thüringer Burgen und ein gelungener Drohnenflug-Film, der Burg Posterstein aus neuen Winkeln präsentierte. Dieser Film war nicht nur in unserer Ausstellung, sondern auch auf den Burgenjahr-Ausstellungen der Wartburg und der Veste Heldburg zu sehen. Beide Ausstellungen nahmen die Burg im Allgemeinen und Thüringer Burgen im Speziellen in den Blick.

Eine graue Ausstellungswand mit Informationen und Bildern zu Burg Posterstein, im Hintergrund weitere Ausstellungsräume
Das Deutsche Burgenmuseum auf der Veste Heldburg stellte im Rahmen seiner Burgenjahr-Ausstellung verschiedene Thüringer Burgen vor, darunter auch Burg Posterstein.

Das Museum Burg Posterstein präsentierte im Burgenjahr in zwei neuen Ausstellungen aktuellste Ergebnisse seiner Forschungen zur Geschichte der Burg Posterstein. Dabei bildeten die Gerichtsbarkeit in der Grundherrschaft Posterstein sowie die Baugeschichte der Burg die Schwerpunkte.

Das Projekt wurde gefördert vom Freistaat Thüringen – Thüringer Staatskanzlei, wofür wir herzlich danken.

Die Ausstellung „Schlag um Schlag – die Burg als Gerichtsort“

Die Ausstellung “Schlag um Schlag – Die Burg als Gerichtsort” vom 12. Mai bis 17. November 2024 war Teil 1 der Ausstellungsreihe „“Burg Posterstein – Trutzig seit 1191”. Im Gerichtsraum der Burg, dem historischen Schauplatz für Gerichtsverhandlungen, präsentierte sie neue Forschungsergebnisse zur Geschichte der Gerichtsbarkeit. Im Mittelpunkt stand die Burg als Ort, an dem Gericht gehalten und Recht gesprochen wurde.

Die Burg als Gerichtsort

Der Burgherr besaß das Recht, über seine Untertanen zu richten und war oftmals auch der Richter. Dabei entschied er nicht willkürlich. Über kleinere Anliegen wie Beleidigungen, Diebstähle, Fälle von Vormundschaft und Erbrecht (die niedere Gerichtsbarkeit betreffend) entschied das Burggericht selbst. Bei schwerwiegenderen Fällen wie Gewalt und Mord (höhere Gerichtsbarkeit) holte man sich Rat von Rechtsgelehrten der Universität Jena.

In der Mitte ein historischer Tisch mit vier Stühlen, im Hintergrund alte Möbel, dazu ein roter Teppich.
Die Ausstellung „Schlag auf Schlag“ fügte sich ins Ambiente des historischen Gerichtsraums der Burg ein.

Eine Dorfordnung und Rügegerichtsordnung bestimmten, was man durfte oder nicht durfte und welche Strafen die jeweiligen Vergehen nach sich zogen. Ein jeder wurde dazu angehalten, sich „eines ehrbaren und gotteswohlgefälligen Lebens zu befleißigen“.

Seit dem 16. Jahrhundert wurden professionelle Advokaten angestellt. Ihnen zur Seite standen die Laienrichter und Schöffen aus der Dorfgemeinschaft. Folter als Mittel der Beweisaufnahme war üblich. Diese so genannte „peinliche Befragung“ durfte jedoch nur angewendet werden, wenn ausreichend Indizien für die Täterschaft vorlagen.

Ausstellungsvitrine mit geöffnetem Schubfach, in dem ein historisches Buch liegt.
Originale Gerichtsbücher aus dem Staatsarchiv Altenburg in der Sonderschau, hier lichtgeschützt im aufziehbaren Schubfach einer Ausstellungsvitrine.

Ein wichtiges Anliegen der Ausstellung war es, darzustellen, dass gerichtliche Entscheidungen auch damals nicht willkürlich, sondern nach fest vorgezeichneten Abläufen getroffen wurden.

Auch in Posterstein hielt sich nicht jeder an geltende Gebote: Unzucht, Mord und andere Untaten kamen vor Gericht. Aufzeichnungen dazu gibt es seit 1528 in den Postersteiner Gerichtsbüchern, die viel über die Menschen und ihre Zeit vermitteln. Im Vorfeld recherchierte die Historikerin Sabine Hofmann in den originalen Gerichtsbüchern der Burg Posterstein, die im Landesarchiv Thüringen – Staatsarchiv Altenburg aufbewahrt werden.

Originale Gerichtsfälle nachgestellt von Laiendarstellern

Fünf verschiedene Straftaten vom Diebstahl, über die Beleidigung bis hin zum Mord wurden beispielhaft ausgewählt und mit Laiendarstellern des Traditionsvereins Altenburger Prinzenraub e.V. und der Gefolgschaft zu Posterstein nachgestellt. Drehorte waren das historische Gerichtszimmer der Burg und ein gut erhaltener Vierseithof im Dorf Posterstein. Die Dreharbeiten fanden an zwei Wochenenden statt, die den Beteiligten viel Einsatzfreude, Geduld und Durchhaltevermögen abverlangten.

Älterer Mann in historischem Kostüm schiebt Holz-Schubkarre, auf der eine Frau liegt.
Beim Filmdreh im historischen Vierseithof der Familie Neudecker in Posterstein (Foto: Petra Nienhold).

Das Ergebnis sind fünf kurze Filme, die den Museumsgästen einen lebendigen Eindruck der Gerichtsbarkeit vergangener Zeiten vermitteln. Für die Kamera und den Schnitt war der Altenburger Kameramann Gunter Auer verantwortlich. Die Regie übernahmen Robert Kühn und Marcella von Jan. Die musikalische Umrahmung oblag Matthias von Hintzenstern.

Kamera aus der Nähe zeigt klein die Dreharbeiten auf einem sommerlich-grünen Vierseithof in Posterstein.
Teile der Filme mit originalen Gerichtsfällen wurden auf einem privaten Vierseithof in Posterstein gedreht (Foto: Petra Nienhold).

Die fünf Filme stehen den Besuchern des Museums in der Ausstellung am Bildschirm mit Hörstation zur Verfügung.

Drei Darsteller, zwei Regisseure und Techniker beim Filmdreh im historischen Gerichtsraum der Burg Posterstein.
Die Dreharbeiten im historischen Gerichtsraum der Burg fanden statt, während das Museum geöffnet hatte (Foto: Petra Nienhold).

Weiterhin gab es Ausstellungsbanner und Aufsteller in Ellipsenform zur Geschichte der Gerichtsbarkeit im Gerichtszimmer, auf denen die Gerichtsfälle schriftlich festgehalten wurden. Diese verbleiben nach Ausstellungsende im Raum. Ferner wurden Schilder mit Zitaten aus der Dorf- und Rügegerichtsordnung über den Türen angebracht.

Von Ferien-Rätsel bis LeseZEIT: Das Begleitprogramm zur Ausstellung

Die Ausstellung „Schlag um Schlag“ begleitete ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm, welches das Thema Gerichtsbarkeit unterschiedlichen Zielgruppen auf vielfältige Weise näherbrachte. Hier geben wir einen Überblick:

Eröffnung mit Talkshow „Peinliche Befragung“ und Verleihung des „Goldenen Postersteins“

Zur Ausstellungseröffnung am 12. Mai 2024, 15 Uhr, feierten die fünf Kurzfilme zu ausgewählten Postersteiner Gerichtsfällen vor über 80 Zuschauerinnen und Zuschauern offiziell Premiere. Franziska Huberty, Mitarbeiterin im Museum Burg Posterstein, führte in der Talkshow „Peinliche Befragung“ kurze Interviews mit ausgewählten Beteiligten. Burgherr-Darsteller Marcus Engemann, Andy Drabek und Jürgen von Jan (beide mitverantwortlich für Organisation und Technik), Marcella von Jan (Regie) und Kuratorin Sabine Hofmann gaben Einblicke hinter die Kulissen des Filmdrehs. Im Anschluss wurde der „Goldene Posterstein“ an alle Darsteller und Unterstützerinnen am Set verliehen. Den ausführlichen Bericht gibt es hier.

An die Wand projiziert einer der Kurzfilme, der zur Eröffnung Premiere hatte.
Die Ausstellungseröffnung war gleichzeitig die offizielle Filmpremiere.

Ferien-Rätsel „Findet den Dieb!“

Das Museum Burg Posterstein bietet in allen Schulferien thematisch wechselnde Rätsel für Kinder an. Das Ferien-Rätsel in den Sommerferien basierte frei auf einem historischen Gerichtsfall aus Posterstein: Im Rätsel benötigte der Burgherr die Hilfe der Kinder zur Ergreifung eines Diebes. Dabei erfuhren die Kinder und ihre Begleiter auf anschauliche Art und Weise, wie Recht und Gesetz im Mittelalter funktionierten. Alle Texte sprach Museumsmitarbeiterin Franziska Huberty selbst ein, sodass sie barrierefreier mittels eines QR-Codes angehört werden konnten. Einen Werbetrailer für Social Media produzierte das Museumsteam ebenfalls selbst.

Jemand scannt in der Ausstellung einen QR-Code, im Hintergrund eine Ritterrüstung.
Die Texte des Ferien-Rätsels konnten auch per QR-Code-Scan angehört werden.

Abends im Museum: Historische Kriminalfälle

Bei der Veranstaltung „Abends im Museum“ am 2. Oktober 2024, 20 Uhr, las Historikerin Franziska Huberty originale Texte zu einem Gerichtsfall vor und übersetzte diese in die heutige Sprache. Die Lesung fand am historischen Ort, dem Gerichtszimmer der Burg Posterstein, statt. Daraus entsteht langfristig eine Folge unseres Podcasts „LeseZEIT“.

Im Vordergrund das Publikum von hinten, vor einem historischen Schrank sitzt Franziska Huberty und liest.
Franziska Huberty bei ihrer Lesung aus historischen Postersteiner Gerichtsakten.

Postersteiner Gerichtsfälle waren Thema beim Geistertag

Der Geistertag auf Burg Posterstein findet immer am 31. Oktober statt und richtet sich speziell an Familien mit Kindern. 2024 lehnte sich das Rätsel-Thema an die Sonderschau an. So trafen die Kinder im Rätsel und in Form verkleideter Mitglieder des Museumsvereins auf die Protagonisten verschiedener wahrer Kriminalfälle aus der Postersteiner Burggeschichte – von der beleidigten Nachbarin über den bestohlenen Bauern bis zum Unruhestifter. Das sorgte nicht nur für eine leichte Gänsehaut, sondern vermittelte auch Wissen über die Rechtsprechung der damaligen Zeit.

Marcus Engemann im historischen Kostüm als Gerichtsherr Pflugk, weiß geschminkt.
Marcus Engemann aus dem Museumsverein Burg Posterstein am Geistertag 2024 als Burgherr Pflugk, der um Mithilfe bei der Aufklärung von Kriminalfällen bat. (Foto: Hannes Menzer).

Live-LeseZEIT aus den Gerichtsbüchern

Zum Ende der Ausstellung las Franziska Huberty am 17. November, 15 Uhr, in einer Live-Ausgabe des Podcasts „LeseZEIT“ einen Originaltext aus den Postersteiner Gerichtsakten. Darin ging es um einen Unhold, der seine Zeitgenossen so sehr piesackte, dass seine Nachbarn ihn vor das Postersteiner Burggericht schafften. Auch diese Recherche soll langfristig als Podcast-Folge vertont und online zugänglich gemacht werden.

Publikum sitzt im Ausstellungsraum der Burg Posterstein um Franziska Huberty herum.
Zum Ende der Ausstellung stellte Franziska Huberty einen weiteren Fall aus den Postersteiner Gerichtsbüchern vor.

Den Rechtsanwalt gefragt: Welche historischen Gesetze gibt es heute noch?

Im Rahmen der Sonderschau „Schlag um Schlag“ entstand auch der Film „Peinliche Befragung“, in dem Museumsmitarbeiterin Franziska Huberty den Rechtsanwalt Frank Wunderlich befragt, inwieweit die Gesetze von damals heute noch gültig sind. Extra für das Interview hat er sich sechs historische Regelungen angesehen und recherchiert, ob es heute noch vergleichbare Gesetze gibt. Das Gespräch fand im Gerichtsraum der Burg Posterstein statt. Die Ergebnisse fassen wir hier im Blogpost zusammen, während man sich den Film auf unserem YouTube-Kanal ansehen kann.

Frank Wunderlich und Franziska Huberty beim Filmdreh im Gerichtsraum der Burg Posterstein, im Vordergrund die Kamera
Frank Wunderlich und Franziska Huberty beim Filmdreh im historischen Gerichtsraum der Burg Posterstein.

Ein neues Angebot: Rätsel-Tour für Krimi- und Escape-Fans

Basierend auf ihren Recherchen zur Ausstellung entwarf Museumsmitarbeiterin Franziska Huberty das Krimi-Escapespiel „True Crime auf Burg Posterstein“, das auf einem authentischen Gerichtsfall der Burg Posterstein basiert. Die Spieler versuchen dabei im Team von 2 bis 6 Personen ein Verbrechen aufzuklären. Dabei wird die gesamte Burg als Platz des Geschehens einbezogen. Das Besondere daran: Man hat die Burg für sich allein, weil die Termine außerhalb der regulären Öffnungszeit liegen.

Vor der offiziellen Präsentation durchliefen mehrere Testgruppen die Rätseltour. Seit seiner Einführung im November 2024 erfreut sich das neue Angebot großer Beliebtheit und ist fest in den Museumsalltag integriert worden. Eine rechtzeitige Voranmeldung auf Grund der großen Nachfrage ist unbedingt empfehlenswert. Alle Infos zum Krimi-Escape-Spiel gibt es hier.

Eine Schatzkiste vor der Burg Posterstein
Bei der Rätsel-Tour für Escapespielfreunde geht es darum Schlösser zu knacken und versteckte Botschaften zu verstehen.

Artikel in den Archivnachrichten

Die innovativen Vermittlungsansätze der Rechercheergebnisse in der Ausstellung „Schlag um Schlag“ hielt Ausstellungskuratorin Sabine Hofmann in dem Artikel „Nicht nur nachts im Museum“ für die Fachzeitschrift „Archive in Thüringen – Mitteilungsblatt 2024“ (S.25-28) fest. „Die Frage, wie sich die wervollen Informationen aus unseren Akten herausholen lassen und für jedermann erlebbar werden, ist über die Jahre zu einem meiner Lieblingsthemen geworden“, hebt Doris Schilling vom Landesarchiv Thüringen – Staatsarchiv Altenburg in ihrem Editorial die Relevanz des Themas hervor. Die Mitteilungsblätter, die im Auftrag der Thüringer Staatskanzlei erscheinen, kann man hier online lesen.

Aufgeschlagenes Mitteilungsblatt der Thüringer Archive
Für den Fachartikel im Mitteilungsblatt der Thüringer Archive war die kreative Vermittlung von Archivinhalten besonders interessant.

Im nächsten Blogpost folgt der zweite Teil der Auswertung.

Von Nicole Thonfeld-Hanf und Marlene Hofmann

Mord, Unzucht, Beleidigung: Die Ausstellung „Schlag um Schlag“ stellt historische Postersteiner Gerichtsfälle vor

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 16. Mai 2024 von Museum Burg Posterstein16. Mai 2024

Das Thüringer Burgenjahr nehmen wir zum Anlass für eine Sonderschau zur Geschichte der Burg Posterstein. Teil 1, „Schlag um Schlag – Die Burg als Gerichtsort“ ist seit 12. Mai 2024 zu sehen. Teil 2 „Stein auf Stein – Von der Wehrburg ins Heute“ startet am 18. August 2024.

Blick von oben auf die Podiumsrunde und das Publikum
Zur Eröffnung der Ausstellung „Schlag um Schlag – Die Burg als Gerichtsort“ kamen über 80 Gäste.

Burg Posterstein thront seit mindestens 1191 trutzig über dem Sprottetal. Die Burg war das Zentrum der Region: wirtschaftlich, baulich und rechtlich. Hier wurde verteidigt, Landwirtschaft betrieben, Abgaben eingenommen und Recht gesprochen.

Ein Kameramann vom MDR filmt und eine Frau im Publikum fotografiert Marcel Greunke, Beigeordneter des Landrates, der zur Ausstellungseröffnung ein Grußwort sprach
Marcel Greunke, Beigeordneter des Landrates, sprach zur Ausstellungseröffnung ein Grußwort.

Der Burgherr war meist auch der am besten ausgebildete Bewohner der Region. Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum die Quellen zur Gerichtsbarkeit in Posterstein so gut erhalten sind. Im Staatsarchiv Altenburg, wo die Akten der Grundherrschaften im Herzogtum Sachsen-Altenburg verwahrt werden, gibt es sämtliche Gerichtshandelsbücher und Gerichtsprotokolle seit Beginn der Aufzeichnungen Anfang des 16. Jahrhunderts bis zum Ende der Patrimonialgerichtsbarkeit 1849. Sie bilden die Grundlage für die Sonderschau „Schlag um Schlag“.

Ausstellungsvitrine mit geöffnetem Schubfach, in dem ein historisches Buch liegt.
Einige der historischen Gerichtsbücher können derzeit in der Ausstellung „Schlag um Schlag“ angesehen werden.

Wir haben die Akten genauer betrachtet und Gerichtsfälle ausgewählt. Dabei war uns wichtig zu zeigen, dass nicht unentwegt gemordet, gefoltert, ins Verlies gesperrt oder Hexen verbrannt wurden. Es ging mit Recht zu, es gab also Ordnungen.

Mitglieder der Gefolgschaft zu Posterstein in mittelalterlicher Gewandlung
Die Mitglieder der Gefolgschaft zu Posterstein, die das Museum Burg Posterstein ehrenamtlich unterstützen, kamen passend zum Thema in mittelalterlicher Gewandlung.

5 Kurzfilme schildern echte Gerichtsfälle

Natürlich hätten wir unsere Fälle einfach (ausschließlich) nacherzählen und auf Tafeln aufbereiten können. Uns kam aber die Idee, die Fälle, die da im 16. und 17. sowie zu Beginn des 18. Jahrhunderts wirklich passierten, filmisch nachspielen zu lassen. Und natürlich hatten wir keine Ahnung, wie schwierig das Filmgeschäft ist, sonst wären uns vielleicht Zweifel gekommen.

Sechs Menschen sitzen auf Stühlen nebeneinander
Franziska Huberty moderierte die Talkshow „Peinliche Befragung“ mit Marcus Engemann, Andy Drabek, Jürgen von Jan, Marcella von Jan und Sabine Hofmann.

Aber wir haben Verbündete gefunden: die Schauspieler und Regisseure Marcella von Jan und Robert Gregor Kühn, den Traditionsverein Altenburger Prinzenraub, den Kameramann Gunter Auer, den Techniker Jürgen von Jan, den Musiker Matthias von Hintzenstern und Marcus Engemann, wie einige der vorgenannten auch, Mitglied unseres Museumsvereins.

An die Wand projiziert einer der Kurzfilme, der zur Eröffnung Premiere hatte.
Die Ausstellungseröffnung war gleichzeitig Filmpremiere.

An zwei Wochenenden wurde im Gerichtsraum, dem originalen Schauplatz, gedreht, ein Film auch auf dem Bauernhof der Familie Neudecker in Posterstein. Das Resultat kann man sich in der Ausstellung ansehen. Ausgewählt wurden ein Mordfall, ein Fall von Unzucht und Gewalt, Fälle von Diebstahl und Beleidigung und natürlich ein Vormundschaftsfall.

Ausstellungsraum mit Kronleuchter und einem Bücherschrank, einem Touchscreen und einer Vitrine in der Mitte
Blick in die Ausstellung „Schlag um Schlag – Die Burg als Gerichtsort“ auf Burg Posterstein.

Darüber hinaus können der Gerichtsraum und der angrenzende Raum als Ort der neuen Ausstellung in neuer Gestaltung betrachtet werden. Man erfährt viel über die Gerichtsbarkeit und die Gerichtsherren, sieht originale Gerichtsbücher und lernt die wichtigsten Vorschriften der Dorfordnung sowie der Rügegerichtsordnung kennen.

Talkshow „Peinliche Befragung“ und Verleihung des „Goldenen Postersteins“

Die fünf Kurzfilme hatten zur Ausstellungseröffnung am 12. Mai 2024 vor über 80 Zuschauerinnen und Zuschauern offiziell Premiere.

Eine junge Frau mit Mikro sitzt neben einem bärtigen Mann
Franziska Huberty beim Interview mit „Burgherr“ Marcus Engemann.
Ein bärtiger Mann in historischer Gewandung und ein bärtiger Mann, der das Mikro hält und gestikuliert
Marcus Engemann und Andy Drabek während der Talkshow.
Jürgen und Marcella von Jan und Sabine Hofmann sitzen nebeneinander
Jürgen und Marcella von Jan und Sabine Hofmann während des Podiumgesprächs.

Franziska Huberty, Mitarbeiterin im Museum Burg Posterstein, führte in der Talkshow „Peinliche Befragung“ kurze Interviews mit ausgewählten Beteiligten. Burgherr-Darsteller Marcus Engemann, Andy Drabek und Jürgen von Jan (beide mitverantwortlich für Organisation und Technik), Marcella von Jan (Regie) und Kuratorin Sabine Hofmann gaben Einblicke hinter die Kulissen des Filmdrehs. 

Zwei Frauen und zwei Männer bei der Verleihung des Goldenen Postersteins
Hier bekommt Dana Weber, die souverän den Richter spielte, den „Goldenen Posterstein“ verliehen.

Im Anschluss wurde nicht der Goldener Bär, die Goldene Henne oder der Golden Globe an alle Darsteller und Unterstützerinnen am Set verliehen, sondern: der Goldene Posterstein. Der Goldene Posterstein ging an:

Blick aus dem Publikum auf die Verleihung des Goldenen Postersteins in der Neuen Scheune, vorn stehen alle Preisträger.
Als Auszeichnung für die Arbeit an den Kurzfilmen erhielten alle Teilnehmer den „Goldenen Posterstein“.
  • Andy Drabek
  • Bärbel Burigk
  • Dana Weber
  • Eva-Maria Scharf
  • Frank Müller
  • Gunter Auer
  • Hanno Wolf
  • Jasira Boxberger
  • Jürgen von Jan
  • Katharina Thiele
  • Klaus Neudecker
  • Kornelia Gentsch
  • Marcella von Jan
  • Marcus Engemann
  • Marion Dinger
  • Marion Hermsdorf
  • Matthias von Hintzenstern
  • Niclas Baraneck
  • Petra Descher
  • Robert Gregor Kühn
  • Roland Albrecht
  • Rolf Schiefner
  • Uwe Schröder
Gruppenbild der Preisträger des Goldenen Postersteins mit Urkunden und dem Stein in kleiner schwarzer Schachtel
Gruppenbild der Preisträger des „Goldenen Postersteins“.

Wer war der Dieb?

Auch das diesjährige Sommerferien-Rätsel „Von Gerechten und Gerichteten“ lehnt sich an die Sonderschau an. Dabei werden Kinder von 20. Juni bis 4. August zu Gerichtsdienern des Burgherrn von Burg Posterstein: Ein Diebstahl wurde begangen und in der Burg sind Hinweise auf den Täter versteckt. Wer den Fall löst, lernt nicht nur eine Menge über die Geschichte, sondern es lockt auch eine Belohnung. Zum Mitmachen geht man einfach ins Museum und bekommt das Rätsel mit auf den Weg. Eine Voranmeldung ist nicht notwendig.

Die Ausstellung wird gefördert vom Freistaat Thüringen – Thüringer Staatskanzlei, wofür wir herzlich danken.

Von Sabine Hofmann / Museum Burg Posterstein

Eine Ausstellung voller Überraschungen – und wozu Druckfehler gut sein können

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 14. Juli 2017 von Museum Burg Posterstein23. April 2021

Ein Holzschnitt aus der in Posterstein gezeigten Biblia Latina Vulgata von 1519, die zur MuseumWeek Aufsehen erweckte.

Ein Holzschnitt aus der in Posterstein gezeigten Biblia Latina Vulgata von 1519, die zur MuseumWeek Aufsehen erweckte.

Das 500. Jubiläum der Reformation ist in diesem Jahr allgegenwärtig. Zu diesem Anlass zeigt auch das Museum Burg Posterstein bis 31. Dezember 2017 eine kleine Kabinettausstellung „Das besondere Exponat zur Reformation: Kostbare Bibeln und das Rollbild “Der Leipziger Festzug zur Reformationsfeier 1830”“. Im Zuge der #MuseumWeek stellte die Burg bereits die kleine, aber feine Sammlung an Bibeln vor, die den Besuchern in den Räumen der ständigen Ausstellung gezeigt werden. Dieser Blogpost führte letztlich zu neuen Erkenntnissen!

Das besondere Exponat der Ausstellung ist ein Rollbild aus der Hand des Leipziger Künstlers Christian Gottfried Heinrich Geißlers (1770-1844). Auf 32 kolorierten Radierungen, die miteinander verklebt und auf einem Holzzylinder aufgerollt wurden, zeigt der Künstler den Festtagsumzug der Stadt Leipzig zum Jubiläum der Confessio Augustana im Jahr 1830.

Länger als gedacht: Das Rollbild von Heinrich Geißler zum Leipziger Festzug zur Reformationsfeier von 1830 aus dem Bestand des Museums Burg Posterstein.

Länger als gedacht: Das Rollbild von Heinrich Geißler zum Leipziger Festzug zur Reformationsfeier von 1830 aus dem Bestand des Museums Burg Posterstein.

Die erste Überraschung: Ein Rollbild, das länger war als gedacht

Um den Besuchern das gesamte Exponat zeigen zu können, wurde das Rollbild im Vorfeld der Ausstellung digitalisiert und kann nun auf einem kleinen Bildschirm in der Ausstellung in Gänze bestaunt werden. Im Zuge dieser Arbeit erlebten wir die erste Überraschung. Das Rollbild, von dem einige Exemplare aus anderen Häusern wie dem Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig bekannt sind, wurde bis dato mit einer Gesamtlänge von zehn Metern betitelt. Es stellte sich schnell heraus, dass diese Maße nicht mit dem Postersteiner Exemplar übereinstimmen konnten. Eine Messung ergab schließlich eine Länge von rund 18 Metern – es hat sozusagen fast die doppelte Größe als zuvor angenommen.

Museumsdirektor Klaus Hofmann mit Uwe Buchheim und dessen Schenkung.

Museumsdirektor Klaus Hofmann mit Uwe Buchheim und dessen Schenkung.

Die zweite Überraschung: Ein Geschenk zur Ausstellungseröffnung

Zur Ausstellungseröffnung am Internationalen Museumstag schenkte der Sammler Uwe Buchheim, der einige seiner seltenen Bibeln für die Sonderschau zur Verfügung stellt, dem Museum Burg Posterstein ein Aquarell des Malers Ernst Welker (1784/88–1857). Welker kam 1819 und 1820 als Zeichenlehrer mit Wilhelmine von Sagan an den Musenhof der Herzogin von Kurland nach Löbichau. Bereits 2015 konnte das Museum Burg Posterstein in der Sonderausstellung „Salongeschichten: Paris – Löbichau – Wien“ eine einmalige Sammlung an Zeichnungen präsentierten, die Welker und Emilie von Binzer, die Ziehtochter Wilhelmine von Sagans, in Löbichau anfertigten. Dargestellt sind die Gäste des Musenhofs in karikativer Art und mit witzigen Sprüchen versehen. Das Aquarell, das Uwe Buchheim dem Museum zum Internationalen Museumstag überreichte, fügt sich somit wunderbar in die Sammlung des Museums. Genaue Infos gibt es hier.

Überraschung Nummer Drei: Neue Erkenntnisse durch die #MuseumWeek

Unter dem Hashtag #BooksMW veröffentlichte das Museum einen Blogbeitrag zur Kabinettausstellung und zu zwei ganz besonderen Bibeln der kleinen Sonderschau. Dabei handelt es sich zum einen um eine Altenburger Bibel aus dem Jahr 1676. Zum anderen um eine Biblia Latina Vulgata aus dem Jahr 1519. Letztere stammt aus Lyon und weist eine starke Ähnlichkeit mit einer Bibelausgabe auf, die sich im Besitz der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart befindet. Texttypus und Holzschnitte stimmen überein. Da dem Postersteiner Exemplar aber kein Deckblatt erhalten geblieben ist, konnten keine genauen Angaben gemacht werden. Doch es folgte die Überraschung! Über die #MuseumWeek auf den Blog aufmerksam geworden, meldeten sich die Experten des Bibelmuseums der Universität Münster bei uns.

Auf einer der letzten Seiten ist dem Drucker ein Fehler unterlaufen - auf diesem Bild sieht man die entsprechende Seite aus dem Postersteiner Exemplar.

Auf einer der letzten Seiten ist dem Drucker ein Fehler unterlaufen – auf diesem Bild sieht man die entsprechende Seite aus dem Postersteiner Exemplar.

Der Teufel steckt im Detail – Von Druckfehlern und neuen Erkenntnissen

Dr. Jan Graefe, Leiter des Bibelmuseums in Münster, bemerkte den Blogbeitrag der Burg Posterstein und wandte sich mit einer interessanten Anfrage an das Museum. Im Bestand des Bibelmuseums befindet sich eine Mareschal-Bibel, die ebenfalls aus Lyon stammt. Das Exemplar aus Münster wurde im Jahr 1514 gedruckt. Das Titelblatt fehlt, aber das Werk weist einen erstaunlichen Fehler auf. Auf einer der letzten Seiten ist zu lesen: „[…] in officina Jacobi marechal […] Anno d[omi]ni decimo quarto supra millesium Duodecimo Kalendas Aprilis.“ Mit anderen Worten: Die Bibel wurde von Jacobus Mareschal am 21. März 1014 gedruckt. Ein kleiner Fehler im Latein des Druckers löscht hier spontan 500 Jahre Geschichte aus.

Dr. Graefe fragte an, ob die Biblia Latina Vulgata, die zurzeit in Posterstein gezeigt wird, ebenfalls eine Mareschal-Bibel ist und ob sich dieser Druckfehler von 1514 auch in der Ausgabe von 1519 fände oder im Laufe der Jahre korrigiert worden ist.

Die in Posterstein ausgestellte Biblia Latina Vulgata aus dem Jahr 1519.

Die in Posterstein ausgestellte Biblia Latina Vulgata aus dem Jahr 1519.

Mit diesem Hinweis konnte das Museum folgende Entdeckung machen: Es handelt sich bei der in Posterstein ausgestellten Bibel tatsächlich um eine Mareschal-Bibel aus dem Jahr 1519. Der Vergleich mit dem Digitalisat der Württembergischen Landesbibliothek ergab, dass das Stuttgarter Exemplar und das Postersteiner aus derselben Zeit stammen: vom 16. Oktober („Decimoseptimo Kalendas Novembris“) 1519. Der kuriose Druckfehler wurde bis dahin nicht korrigiert! Auch in der Postersteiner Ausgabe ist zu lesen: Anno „Decimonono supra millesium“ (1019).

Dr. Graefe klärte schließlich auf:

„In der (Erst-) Ausgabe von 1510 findet sich bezüglich des Druckjahres noch korrekt ‚quingentesimum‘. Ab der Ausgabe von 1514 findet sich der Druckfehler (bei uns und in der Stuttgarter Sammlung). Die letzte Ausgabe dieser Bibel scheint Eure Bibel von 1519 zu sein. Jacobus Mareschal d. Ä. bzw. ‚Jacobus Mareschal‘ druckt in den Folgejahren weitere lateinische Bibeln, aber anscheinend andere Ausgaben, bei denen dieser Fehler sich nicht wiederholt.“

Erst durch den Kontakt mit dem Bibelmuseum der Universität Münster konnte eindeutig geklärt werden, um was für eine Biblia Latina Vulgata es sich in Posterstein handelt. Sie konnte dadurch genau datiert und mit einem gut erforschten Exemplar verglichen werden.

Von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

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Das thüringische Museums Burg Posterstein bloggt seit 2011 über Geschichte und Geschichten aus Sammlung, Forschung und Museumsalltag.

IN ENGLISH: Since 2011 the German Museum Burg Posterstein writes stories about its collection, research and everyday life at the museum – here you find all texts in English.

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