Wie Burg Posterstein zum #Burgstaub kam

Ab Sonntag, 19. Mai 2019 zeigen wir die Ausstellung “Zum Wesen des Staubes: Staubexpeditionen auf Burg Posterstein mit Kunstwerken von Dr. Wolfgang Stöcker aus Köln. Dass der Gründer des Internationalen Staubarchivs auf Burg Posterstein aufmerksam und daraus eine Ausstellung wurde, ist keine Selbstverständlichkeit – sondern wieder einmal unserem tollen Netzwerk auf Twitter zu verdanken. Museumsarbeit lebt von einem aktiven Freundeskreis – vor Ort und im World Wide Web. Den Artikel widmen wir zur internationalen Museumswoche #MuseumWeek folgerichtig auch dem Tagesthema #FriendsMW.

Wolfgang Stöcker mit Staubturm auch #Burgstaub vor Burg Posterstein.

2015 veranstaltete das Kölner „Kollektivs für Kreativitätscoaching und Kulturevents – Herbergsmütter“ die Social Media-Aktion #Kunstputz. Dass das auch in Posterstein ankam, liegt daran, dass die drei „Herbergsmütter“ Anke von Heyl, Ute Vogel und Wibke Ladwig ihr Projekt nicht nur in Köln vor Ort, sondern auch auf Twitter veranstalteten. Sie forderten ihre Community dazu auf, “Staubscout” zu werden und sich auf unterschiedliche Art selbst am #Kunstputz zu beteiligen. Als Museum sprach und diese Aufforderung an: “Wenn Ihr Teil einer Kulturinstitution, Kulturarbeiter oder Künstler seid, könnt Ihr Eure Wollmäuse der Sammlung der weltweit gesammelten Stäube hinzuzufügen.”

Postersteiner Burgstaub gibt es inzwischen auch als Souvenir.

Auf Twitter kamen wir ins Gespräch und das Museum Burg Posterstein, neugierig geworden, sendete eine Staubprobe aus dem Verlies der Burg nach Köln. Wolfgang Stöcker nahm die Probe dankbar in sein umfangreiches Staubarchiv auf. 2017 fuhren Marlene Hofmann und Franziska Engemann vom Museum Burg Posterstein nach Köln und besuchten Wolfgang Stöcker in seinem Atelier. Im Gepäck hatten sie mehrere Postersteiner Staubproben, die seither – vermischt mit Wachs – zu kleinen Skulpturen gewachsen sind.

Ebenfalls von Twitter kennen wir Petra Neumann, deren Wachsspende nun in der Postersteiner Ausstellung verewigt ist.

Die Idee zur Ausstellung “Zum Wesen des Staubes” war geboren. Es folgte ein Aufruf, dem Künstler Wachs – inklusive seiner Geschichte – zu spenden. Auf diese Art gelangte einiges Wachs in Wolfgang Stöckers Atelier nach Köln, das zusammen mit Postersteiner Staub zu “Staubschreinen” gegossen wurde. Eine Wachsspende erreichte Wolfgang Stöcker in einer besonders schönen, handbemalten Tüte, die nun wiederum in der Ausstellung vor Ort zu sehen sein wird.

Wolfgang Stöcker bei der Staubentnahme in der Salon-Ausstellung auf Burg Posterstein

Mitte August 2017 reiste Wolfgang Stöcker schließlich zur ersten Staubexpedition nach Posterstein und fotografierte, dokumentierte und „entnahm“ weitere Staubproben. Die Idee für eine gemeinsame Ausstellung wurde Realität und in einer zweiten Staubexpedition im April 2018 fortgesetzt.

„Staub ist das kleinste gemeinsame Vielfache unserer Kultur. Staub ist ein Demokrat. Er besiedelt Paläste und einfache Hütten. Staub ist zudem vielleicht das einzige wirkliche Kunstwerk. In der Natur kommt Staub nämlich nicht vor. ‚Lästiger‘ Staub ist daher eine wirkliche Kunst- und Kulturerscheinung.“

Wolfgang Stöcker

Mit seiner Sammelleidenschaft wirft Wolfgang Stöcker spannende Fragen auf: Warum sammeln wir das eine und ignorieren das andere? Was ist es wert, für spätere Generationen bewahrt zu werden und was gerät für immer in Vergessenheit? Wie lange können wir alte Dinge erhalten, bevor auch sie irgendwann zu Staub zerfallen?

“Das Wesen des Staubes” ist eine Ausstellung, die ohne Twitter und die Menschen dahinter, mit denen wir teilweise schon viele Jahre in Kontakt stehen, vermutlich nicht stattgefunden hätte. Damit sich der Kreis von Posterstein nach Köln wieder schließt, erstellte Wibke Ladwig von den Herbergsmüttern für die Ausstellung ein Portrait Wolfgang Stöckers:

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Portrait von Wolfgang Stöcker – erstellt von Wibke Ladwig

In seinem Gast-Blogpost erklärt Wolfgang Stöcker seine Philosophie des Staubes.

#SecretsMW: “Täglich durchlebt der Mensch die tragische Illusion des staubfreien Moments”

Der Kölner Künstler Dr. Wolfgang Stöcker ging 2017 und 2018 in der Burg Posterstein auf “Staubexpedition”. Seine Fundstücke dokumentierte er sorgfältig und goss sie anschließend in turm- und hausartige Wachsobjekte ein, vermalte sie und archivierte sie in Folien. Das Museum Burg Posterstein will diesen geheimnisvollen, normalerweise verborgenen Mikrokosmos der Burg ab 19. Mai 2019 in der Ausstellung und dem zugehörigen Buch “Zum Wesen des Staubes: Staubexpeditionen auf Burg Posterstein” sichtbar machen. Zum heutigen Thema #secretsMW der internationalen Museumswoche #MuseumWeek beschreibt Dr. Wolfgang Stöcker seine “Philosophie des Staubs”:

“Salonstaub” aus den Räumen des Museums Burg Posterstein | (c) Wolfgang Stöcker

Staub ist ein grundsätzliches Material. Der interessante Stoff bedeutet Anfang und Ende. Zu Beginn war alles loser Sternenstaub, dann geschah eine Verdichtung hin zu mannigfachen Formen, die seither ständig entstehen und wieder zu Staub zerfallen. Somit ist die Beschäftigung mit Staub ein ständiges Betrachten dieses Kreislaufs, wobei die Dokumentation von Staub an kulturell bedeutenden Orten zugleich Fragen aufwirft: Was wird aufbewahrt und dem Staub (dem Verfall) entzogen? Was wird dem Verfall preisgegeben? In diesem Zusammenhang sind schließlich drei weitere Aspekte wichtig: Wer beurteilt den Wert einer Sache? Wie lange ist ein Aufbewahren überhaupt möglich und was bedeutet es für eine Gesellschaft letztlich dem Aufbewahren beizuwohnen, sprich: Museen zu besuchen, Historisches zu bestaunen, Archive zu pflegen?

An diesen Schnittstellen agiert das Internationale Staubarchiv (Anfang 2019 erfolgte die Umbenennung von Deutsches Staubarchiv in Internationales Staubarchiv) und entwickelt im Grenzbereich zwischen Kunst und Geschichtswissenschaft Bilder, Texte, Plastiken, untersucht Bauwerke, vermisst den Staub an seinen Entstehungsorten. Zur Zeit befinden sich rund 600 Proben aus aller Welt im Archiv. 

Das von Besuchern auf Burg Posterstein verlorene grüne Bonbonpapier dokumentierte Wolfgang Stöcker auf seiner Staubexpedition sorgfältig.

Im Staub ist alles enthalten. Er bildet das Biotop für neues Beginnen und ist ein Übergangsmaterial voller Kraft und Potenz. Doch sind die Freunde des Staubes begrenzt. Er wird als störend empfunden. Seine versteckt durchaus bestehende Schönheit wird nicht oft gewürdigt. Tatsächlich ist es auch eine eher morbide Schönheit. Übertreiben darf man die Verehrung keinesfalls und ein guter Besen ist nicht verkehrt. Über den Besen hinaus sind allerhand Geräte zur Entfernung des Staubes im Umlauf und jene temporär aus dem fruchtbaren Urstaub (oder Urschlamm) geschaffenen Gebilde müssen ständig gekehrt werden, damit sie der Staub nicht verfrüht zurück in sein Reich holt. Und obwohl jedes Ding letztlich Staub ist, ist es für eine gewisse Zeit eben nicht Staub, sondern dieses oder jenes Ding, gar eine lebende Kreatur. Im Moment der Entstehung entfernt sich etwas vom staubhaften Grundzustand und nimmt ein Wesen an. Es wäre Frevel diese Anstrengung hinfort vom Staub nicht zu respektieren. Also Kehren!

Entstauben bedeutet Wertschätzung – in Museen, wie hier in der Ausstellung zur europäischen Salongeschichte im Museum Burg Posterstein, sei das besonders spürbar, sagt Wolfgang Stöcker.

Kehren ist eine Kulturtechnik, Kehren ist wortwörtlich die bewusste Abkehr vom Staub, ein Aufbäumen gegen diesen lästigen Gesellen der auf lange Sicht hin zwar Sieger sein wird, jedoch kurz- und mittelfristig durchaus bekämpft werden kann. Vor diesem Hintergrund erwächst die Faszination gegenüber „dem Alten“, gegenüber Kunstwerken oder ähnlichen Gegenständen. Aus ihnen spricht  die Übereinkunft der Generationen diesen oder jenen Gegenstand zu erhalten. Die Mühe der Pflege ist eine Art kultureller Klebstoff, eine Brücke zwischen dem Gestern, dem Heute und einem Morgen. An manchen Orten ist die Sorge um den Erhalt geradezu fühlbar. Kunst- und Kulturgüter stehen im Spannungsfeld des Putzens. Die starke Präsenz des potentiell immer drohenden Verfalls macht die gesäuberten Zeugnisse unserer Kultur erst wertvoll. Im Gegenzug heißt dies ganz deutlich: Staub liefert dem Menschen eine starke Rechtfertigung zur Errichtung von Zivilisation. Zivilisation bedeutet Kehren! Die Schöpfungsmythen kennen den Zustand des Nichts. Aus der Ödnis gehen die Dinge plötzlich hervor. Sind sie aber erst einmal erschienen, bleiben sie nicht automatisch sauber. Ist die Schöpfung vollzogen, muss der Besen folgen. Schon Tiere sind nicht in der Lage verschmutzt zu existieren. Sogar einige Pflanzen entwickelten Strategien die Oberflächen ihrer Blätter frei von Staub zu halten. Alle Kreaturen putzen. Der Mensch verwendet einen Großteil seiner Lebenszeit auf diese Tätigkeit. Kultur bedeutet im ursprünglichen Sinn Pflege: Pflege des Bodens (agricultura) und schließlich Körperpflege (der Kulturbeutel). Architektur, Kleidung, Möbel, Gefäße, all dies sind Vorrichtungen die neben vielen anderen Funktionen vor allem die Abwehr des Staubes garantieren. Leider sind diese Staubbarrieren zugleich neue Quellen des Staubes. Wohnen erzeugt Staub. Der Ruß des Kamins, der Küchendreck, Haare und Haut, Schuppen, Läuse, Milben, Wanzen und Wolle und Flusen! Zivilisation ist ein ständiges Dilemma. Täglich durchlebt der Mensch die tragische Illusion des staubfreien Moments.

Das Staubarchiv hat sich in diesem Widerspruch eingenistet und lotet die Möglichkeiten zwischen pflegender Kultur und drohendem Verfall neu aus. Es ist der Versuch dem Staub nicht feindlich zu begegnen. Mittels Katalogisieren und Archivieren des Staubes entsteht eine Wertschätzung gegenüber dem ansonsten nur lästigen Material. Eine Fluse mit Archivnummer und Datum ihrer Auffindung, Staub in Vitrinen und hinter Glas gerahmt, ist kein normaler Staub mehr. Für die nun kommende Ausstellung in Posterstein wurden Partikel der Burg sogar als Malmittel benutzt. Die „Postersteiner Staubportraits“ zeigen die mögliche Schönheit des Staubes. Eigenartig genug, kann Staub plötzlich selbst zur pflegebedürftigen Materie werden, wenn Strategien der Inszenierung und Überhöhung auf ihn angewendet werden. 

von Wolfgang Stöcker

Köln, 05.Mai, Wetter sehr kalt, bewölkt, 9.27 Uhr

Die Ausstellung “Zum Wesen des Staubes: Staubexpeditionen auf Burg Posterstein mit Woflgang Stöcker, Köln” ist von 19. Mai bis 18. August 2019 im Museum Burg Posterstein zu sehen. Als Gründer des „Deutschen Staubarchivs“ in Köln sammelt und archiviert Dr. Wolfgang Stöcker Staubproben von bedeutsamen Orten und setzt sie künstlerisch-überhöht in neue Zusammenhänge. 2017 und 2018 ging er auf Staubexpedition in der Burg Posterstein. Seine Fundstücke dokumentierte er sorgfältig und goss sie anschließend in turm- und hausartige Wachsobjekte ein, vermalte sie und archivierte sie in Folien. Die Ausstellung und das zugehörige Buch wollen den sonst unbeachteten Mikrokosmos des „Burgstaubs“ sichtbar machen.

“ein Orthe wo meine Phantasie mich oft führte” – Der Salon der Herzogin von Kurland in Paris

Am ersten Tag der diesjährigen internationalen Museumswoche #MuseumWeek stehen Frauen in der Kultur im Mittelpunkt. Wir wollen die #MuseumWeek wie schon in den vergangenen Jahren jeden Tag mit einem thematisch passenden Blogbeitrag begleiten. Unter dem Hashtag #WomenInCulture führt uns unser Weg diesmal von der Burg Posterstein in Thüringen in die gleich in unserer Nähe gelegenen Schlösser Löbichau und Tannenfeld und von dort aus bis nach Paris.

Die Herzogin Anna Dorothea von Kurland unterhielt Anfang des 19. Jahrhunderts mehrere Salons. (Sammlung Museum Burg Posterstein)

Aus den Pariser Salons des 18. Jahrhunderts, in denen sich Mitglieder des Hofes, Gelehrte und Künstler begegneten, ging in der Zeit der Aufklärung eine Kultur hervor, die sich über ganz Europa ausbreitete. Den gesellschaftlichen Mittelpunkt bildete stets die Gastgeberin. Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich Schloss Löbichau zu einem solchen Zentrum des geistig-kulturellen Lebens in Deutschland. Der Salon der Herzogin von Kurland (1761-1821) in Löbichau gehörte zu den bekanntesten seiner Art.

Seit über 20 Jahren beschäftigt sich das Museum Burg Posterstein mit dieser beeindruckenden Dame, die nicht nur in Löbichau und Tannenfeld einen europaweit vernetzten Musenhof unterhielt, sondern auch in Berlin und Paris einen Salon führte. Anna Dorothea von Kurland, eine schöne, begehrte und vor allem reiche Dame der herrschenden europäischen Adelsgesellschaft, gehörte zu jenen bekannten Salonieren des 19. Jahrhunderts, die weltoffen und geistreich gleichsam als Vermittlerinnen von Kultur und Politik agierten. Ihr Medium war die Konversation. Willkommen war jeder, der zu einer niveauvollen Unterhaltung beitragen konnte, und zwar unabhängig von seinem Stand.

Nach seinem Aufenthalt in Löbichau im Sommer 1819 resümierte Jean Paul über die Redefreiheit des Musenhofes:

[…] Schöne Leserin, Sie konnten, wenn Sie in Löbichau an der Tafel saßen oder nachher auf dem Kanapee, welche Meinung Sie wollten, ergreifen oder angreifen – gegen oder für Magnetiseurs – gegen oder für Juden – gegen oder für die Ultras und Liberale; – ja Sie konnten besonders im letzten politischen Falle, wie Sie da wohl als Dame zuweilen tun, Ihre schöne Stimme geben als eine lauteste: niemand wird etwas dagegen sagen – als höchstens seine Gründe […]

Paul, Jean: „Briefblättchen an die Leserin des Damen-Taschenkalenders bei gegenwärtiger Übergabe meiner abgerissenen Gedanken vor dem Frühstück und dem Nachtstück in Löbichau“, in: Paul, Jean: Taschenbuch für Damen auf das Jahr 1821, Tübingen bey Cotta 1821. S. 293.

So verhielt es sich auch im Pariser Salon der Herzogin von Kurland. 1809 reiste sie das erste mal „[…] an ein Orthe wo meine Phantasie mich oft führte“ (ThULB, FA Biron, Tagebuch X, 4. Mai 1809).

Von einem Aufenthalt in Paris hatte Anna Dorothea von Kurland schon länger geträumt, als sie 1809 das erste Mal dorthin kam. (Sammlung Museum Burg Posterstein)

Ihr erstes Quartier fand die Herzogin im Haus Talleyrands in der Rue Florentin. Später unterhielt sie eine eigene Wohnung im Hotel de Perigord. Zwar legte sich die Euphorie und Begeisterung über die Stadt schnell: „ […] die boulevards die ich passiere erinnern mich an Berlin. […] Petersbourg scheint mir eine schönere stadt als Paris“ (ThULB, FA Biron, Tagebuch X, 6. Mai 1809), resümierte Anna Dorothea nur zwei Tage nach ihrer Ankunft, doch fand sie durch Talleyrand Zugang zur hohen Gesellschaft der französischen Hauptstadt. Sie traf den Österreicher Metternich, den Russen Kurakin, ihren guten Bekannten Batowski und verschiedene Minister und Vertreter des Hochadels. Kontakte pflegte sie zur bekannten Saloniere Madame Genlis und besuchte die Ateliers von Gérad, Prud’hon und David. Der Maler Grassi stattete der Herzogin einen Besuch ab und fertigte ein Portrait ihrer Tochter Dorothée. Besonders mit der französischen Kaiserin Josephine, der ersten Frau Napoleons, schien sich die Herzogin gut zu verstehen und war oft zu den kaiserlichen Empfängen geladen.

Ihre letzte Reise nach Paris unternahm Anna Dorothea von Kurland 1820. Über den dortigen Umgang und die Redekultur berichtet unter anderen Gustav Parthey in seinen „Jugenderinnerungen“. Gustav Friedrich Konstantin Parthey (1798–1872) wurde später Altertumsforscher und Buchhandler. Er stammte aus der ersten Ehe des Hofrates Friedrich Parthey (1745–1822) mit Charlotte Wilhelmine (1767–1803), der ältesten Tochter des Buchhandlers Friedrich Nicolai. Mit seinen Eltern und seiner Schwester Lilly war er oft Gast auf den Schlössern der Herzogin von Kurland.

Zu den bekannten Pariser Salonieren zählte Madame Genlis, bei der Anna Dorothea von Kurland auch Gast war. (Sammlung Museum Burg Posterstein)

Nach Abschluss seines Studiums in Heidelberg ging Gustav Parthey auf Grand Tour durch Europa. Auf Bitten seines Vaters verbrachte er auch einige Zeit in Paris und wurde von der Herzogin von Kurland in die dortige Gesellschaft eingeführt. Am 26. Oktober 1820 reisten die beiden aus Löbichau ab und fuhren über Bayreuth und Heidelberg in die französische Hauptstadt. Sein Quartier fand Parthey in der Rue de Bourgogne, Ecke Rue de l’Université, im Petit hôtel de Rome.

Die Herzogin wohnte im vornehmsten Theile der Stadt, im Faubourg Saint Germain in der Rue Saint Dominique. […] Man wandelte zwischen langen, hohen, zuweilen von Bäumen überragten Backsteinmauern, in denen man nur große geschlossene Thorwege und kleine Gitterthüren bemerkte. […] Im Hintergrunde des Hofes stand das meist einstöckige Wohnhaus mit allem wirtschaftlichen Zubehör an Stallung und Remisen. Hinter dem Hause lag ein schattiger wohlgepflegter Garten. So lebten die Bewohner in gänzlicher Abgeschiedenheit, und genossen inmitten der geräuschvollen Hauptstadt einer vollkommenen Ruhe.

Gustav Parthey: Jugenderinnerungen, Teil II., Berlin 1907, S. 413f.
Fürst Talleyrand verband eine enge Freundschaft mit Anna Dorothea von Kurland, deren jüngste Tochter seine ständige Begleiterin und später seine Universalerbin wurde. (Sammlung Museum Burg Posterstein)

Im Pariser Salon der Herzogin lernte Parthey Fürst Talleyrand kennen, der mit der jüngsten Tochter der Herzogin, Dorothée, oft zu Besuch kam. Zu der regelmäßigen Gesellschaft zählte auch ein älterer, italienischer Herr namens Giamboni de‘ Sposetti.

Er besaß die natürliche Anlage, das Tischgespräch ohne Zwang, Anstrengung oder vorlautes Wesen immer im Flusse zu erhalten. Solche Personen sind in großen Häusern von unschätzbarem Werthe: denn es kann vorkommen, daß die geistreichen Personen mit einander zu Tische sitzen, und daß trotzdem, sei es durch üble Laune oder Trägheit oder irgend ein widerhaariges Wort veranlaßt, plötzlich ein allgemeines Stillstehen der Unterhaltung erfolgt. […] Durch sanft herausfordernde Fragen wußte er [Giamboni de‘ Sposetti] einen wirksamen Widerspruch hervorzurufen; der niemals ermangelte, die Unterhaltung anzuregen“.

Gustav Parthey: Jugenderinnerungen, Teil II., Berlin 1907, S. 417.

Den politischen Diskurs hielten vor allem die beiden Gesellschaftsdamen der Herzogin von Kurland am Laufen, die unterschiedlicher nicht hätten sein können.

Noch muß ich der beiden Gesellschaftsdamen der Herzogin erwähnen, einer Gräfin von Chassepot und einer Madame Waldron. Die erste, von Geburt eine Kurländerin, glänzte in ihrer Jugend als Fräulein von Knabenau durch ausgezeichnete Schönheit, heiratete einen Baron von Rönne und nach dessen Tode einen Grafen von Chassepot […] Der Graf Chassepot, ein Legitimist vom Kopf bis zur Zeh, rühmte sich, mit einem im Jahre 1815 in Belgien organsierten Freicorps bedeutende Kriegsthaten zu Gunsten der Restauration verübt zu haben; […] Seine Frau theilte seine ultraroyalistischen Gesinnungen.

Gustav Parthey: Jugenderinnerungen, Teil II., Berlin 1907, S. 418.

Im Gegensatz zur Gräfin Chassepot war die Herzogin von Kurland lange Zeit eine Verehrerin Napoleons gewesen. Doch die Napoleonischen Kriege hatten dieses Bild erschüttert und sie hatte sich den Ideen der konstitutionellen Parteien zugewandt. „Sie misbilligte auf das entschiedenste das Hetzen und Wühlen der Reactionäre“ (Gustav Parthey: Jugenderinnerungen, Teil II., Berlin 1907, S. 419.), was laut Parthey oft zu heftigen Diskursen im Salon führen konnte.

Die Gräfin Chassepot stritt so heftig und so anhaltend über diese Materie mit der Herzogin, daß ich oft Gelegenheit fand, die Geduld und Nachsicht der letzteren gegen ihre geistig unebenbürtige Gegnerin zu bewundern. Mehr als einmal dachte ich an die Regel unserer guten Madame Clause: toujours se souvenir, que la troisièmereplique es tune impertinence! [Denken Sie immer daran, dass die dritte Entgegnung eine Unverschämtheit ist!] Danach mußte ich die Gräfin zu den impertinentesten Personen rechnen […].“

Gustav Parthey: Jugenderinnerungen, Teil II., Berlin 1907, S. 419.

In solchen Situationen stand Madame Waldron der Herzogin von Kurland bei.

Die zweite Gesellschaftsdame, Madame Waldron, eine alte gutmüthige Engländerin mit einem lahmen Beine, Wittwe eines englischen See-Offiziers, besaß negative Lebensart genug, um auch in der feinsten Gesellschaft nicht anzustoßen. […] In der Politik kannte Madame Waldron nichts höheres als das englische Parlament, und blickte sehr verachtend auf die französischen Versuche, etwas ähnliches einzuführen. Ihrer Gesinnung nach ganz liberal, unterstützte sie getreulich die Herzogin in ihren Kämpfen gegen die Gräfin Chassepot.

Gustav Parthey: Jugenderinnerungen, Teil II., Berlin 1907, S. 419f.

Die Kultur der Rede- und Meinungsfreiheit der literarischen und politischen Salons um 1800 war auch das Aushängeschild des Salons der Herzogin von Kurland. Die einzige Grenze, die im Diskurs nicht überschritten werden durfte, war der höfliche Ton. So entwickelten sich diese kulturellen Orte zu Vermittlungsstellen von Kultur und Politik.

1821 verließ die Herzogin von Kurland Paris und kehrte auf ihr Schloss Löbichau zurück. Es sollte ihre letzte Reise sein. Am 20. August 1821 starb Anna Dorothea von Kurland nach langer Krankheit mit 60 Jahren in ihrem Schloss in Löbichau. 7000 Gäste begleiteten ihren Sarg zur Ruhestätte im Hain nahe des Schlosses. Ihr Sarg wurde Jahrzehnte später von der kurländischen Familie nach Sagan in Schlesien überführt.

Von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

7 Schlösser auf einen Streich: Der Postersteiner Museumsverein auf #Schlössersafari im Erzgebirge

Es müssen nicht immer die prominenten Schlösser sein. Inspiriert von der aktuellenAusstellung “Versteckten Orte: Instagramer auf #Schlössersafari in Mitteldeutschland” begaben sich einige Mitglieder des Museumsvereins Burg Posterstein am Ostermontag auf #Schlössersafari ins Erzgebirge. Dieser Landstrich fällt Schloss-Enthusiasten nicht unbedingt sofort ein, wenn sie die Objekte ihrer Begierde heimsuchen. Doch es lohnt sich – das sei schon vorweggenommen. Anregungen für Reiseziele gab es in den Wochen zuvor zu Hauf auf Instagram – über die Bilder, die unter dem Hashtag #Schlössersafari zur Ausstellung geteilt wurden. Die Ausstellung regt zum Selber-Erkunden an!

Unsere Tour begann in Wildenfels, südlich von Zwickau gelegen. Die Herren von Wildenfels residierten hier zunächst als reichsfreie Grafen. Entsprechend groß ist die Schlossanlage, die die kleine, gleichnamige Stadt Schritt für Schritt saniert. Wehrhaft auf einem Felsen thronend, wird das Schloss offenbar vielfältig genutzt: Malschule, Bibliothek, Museum und sogar wohnen darf man darin. Allerdings überlässt die Stadt das Museum einem Verein, der am Ostermontag nicht in der Lage war, die Museumstüren zu öffnen.

Station 1 unserer Schlössersafari: Schloss Wildenfels

Also zogen wir weiter nach Stein. Hier trieb Ritter Kunz von Kaufungen sein Unwesen als er 1455 die sächsischen Prinzen Ernst und Albrecht aus dem Altenburger Schloss raubte. Etwas erinnert das Gebaren des heutigen Besitzers, der dem Burgmuseum nur aller zwei Stunden gestattet Besucher einzulassen, an dieses Erbe.

Burg Stein an der Zwickauer Mulde

Wie im Bilderbuch ruht die Burg Stein am Rande der Zwickauer Mulde. Besonders die Oberburg bietet alle Elemente des mittelalterlichen Burgenbaus. Zwei Stunden wollten wir aber bis zum Einlass nicht warten und zogen deshalb weiter nach Schwarzenberg.

Schloss Schwarzenberg – eine zufällige Entdeckung dieser Reise

Dort fanden wir die Parkplätze überfüllt (und den Aufzug in die Oberstadt außer Betrieb), weil sich in der kleinen Stadt Alt und Jung auf einem Ostermarkt tummelte. Im sehr gut sanierten Schloss war das ganz anders. Dorthin hatten nur wir uns verlaufen. Allerdings fiel es uns auch nicht leicht, Informationen über die Vergangenheit des Schlosses zu finden. Dafür lernten wir manches über Waschmaschinen, Klöppeln oder die Schulgeschichte der Stadt.

Schloss Schlettau – eine zufällige Entdeckung dieser Reise

Nun wollten wir weiter nach Wolkenstein, also ins Tal der Zschopau, wechseln. Plötzlich in Schlettau riefen alle Teilnehmer im Chor: „Halt ein Schloss“. So eine Entdeckung gehört natürlich zu den Höhepunkten einer Schlössersafari. Also nichts wie einen Parkplatz gesucht und Richtung Schloss gegangen. Schlettau ist sehr zu empfehlen. Auch dieses Ensemble ist sehr gut erhalten und bietet alle Elemente des klassischen Schlosses, das sich einst von der mittelalterlichen Burg in ein repräsentativeres und komfortableres Anwesen verwandelte. Zu bekommen sind im Inneren Informationen über die Natur des Erzgebirges. Ein Schlosscafé lädt zum Verweilen ein.

Die Postmeilensäule von 1727 in Schlettau zeigt an, dass man damals nach Gera 16 und nach Altenburg 14 Stunden gebraucht hätte. Unsere #Schlössersafari wäre damals also ganz anders verlaufen. Vielleicht hätten wir eine ganze Reisewoche eingeplant!

Auch Wolkenstein erreichten wir schließlich. 70 Meter über der Zschopau gelegen, scheint es sehr gut gesichert gewesen zu stein. Von der mittelalterlichen Anlage sind die Mauern noch gut zu sehen.

Nächster Halt: Burg Wolkenstein

Die Burg Wolkenstein beherbergt ein Museum und Gastronomie. Fast täglich bietet eine Falknerei Vorführungen. Alljährlich zu Himmelfahrt wird Wolkenstein belagert von ritterlichem Volk.  Bestimmt geht es dann so ähnlich zu wie in Posterstein zum Mittelalterspektakel zu Pfingsten.

Noch immer war die Safari nicht zu Ende. Zu reizvoll sind die Schlösser und Burgen entlang der Zschopau. In Scharfenstein ist Ausdauer gefragt. Dort heißt es den steilen Berg empor zu steigen. Aber man wird auf jeden Fall belohnt mit grandioser Aussicht, aber auch mit einem sehr interaktiven Museum, das sich zum Ziel setzt, vor allem Kinder glücklich zu machen. Beim Beobachten der Kleinen war unschwer zu erkennen, dass dieses Konzept aufgeht.

Burg Scharfenstein beherbergt ein interaktives Museum.

Langsam neigte sich der Tag zu Ende, sodass wir Schloss Wildeck in Zschopau erst nach der Schließung erreichten. Der Blick über die Mauern war leider spärlich, aber auch eine Einladung zum Wiederkommen oder zur nächsten Schlössersafari.

Schloss Wildeck hatte schon geschlossen als wir dort ankamen.

Wenn man sich darauf einlässt, verändern sich die Reiserouten je nach Interesse und Situation. Wenn man dafür offen ist, wird man mit neuen Erkenntnissen und Neuentdeckungen belohnt. Und man muss nicht einmal weit fahren, um Neues zu entdecken.

von Marion Dinger für den Museumsverein Burg Posterstein

Vier Künstlerinnen im Dialog – die Ausstellung #SalonEuropa im Hier und Jetzt

Ausstellungseröffnung mit vier Künstlerinnen aus drei Ländern - von links: Verok Gnos aus Frankreich, Marta Pabian aus Polen (4.v.r.) sowie Petra Herrmann und Jana Borath aus Deutschland.
Ausstellungseröffnung mit vier Künstlerinnen aus drei Ländern – von links: Verok Gnos aus Frankreich, Marta Pabian aus Polen (4.v.r.) sowie Petra Herrmann und Jana Borath aus Deutschland.

2018 startete das Museum Burg Posterstein eine Reihe an Ausstellungen zum Thema #SalonEuropa. Seit über 20 Jahren forscht das Museum zur Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761–1821) und ihrem europaweit vernetzten Musenhof auf ihren Schlössern in Löbichau und Tannenfeld, keine zwei Kilometer von Posterstein entfernt. Vor zwei Jahrhunderten betrieb die schöne und gebildete Frau hier einen bekannten Salon und gemeinsam mit ihren Töchtern pflegte sie Kontakte in die höchsten politischen Ebenen des Kontinents, darunter zu Zar Alexander I. (1777–1825), Friedrich Wilhelm III. (1770–1840), Talleyrand (1754–1838) und Metternich (1773–1859). Die Achsen der Kommunikation reichten von Löbichau nach Petersburg, Warschau, Berlin, Paris, Rom oder Wien.

Die Herzogin von Kurland kam 1786 gemeinsam mit ihrem Mann nach Sanssouci und reiste dann weiter nach Italien.
Der Salon der Herzogin von Kurland  war einer der bekanntesten seiner Art im beginnenden 19. Jahrhundert.

Der Salon der Begegnung und des Austauschs in den Schlössern Löbichau und Tannenfeld war einer der bekanntesten seiner Art im beginnenden 19. Jahrhundert. Die fernab der großen Höfe aufgewachsene Herzogin entwickelte sich zu einer selbstbewussten Europäerin, die, um in der männlich dominierten Politikwelt mitspielen zu können, die einzigen einer Frau jener Zeit verfügbaren Mittel geschickt einsetzte und sich zunehmend zu emanzipieren wusste – eine Eigenschaft, die ihre Töchter schnell annahmen.

Die Salongäste durften frei ihre Meinung äußern

Den Ausgangspunkt des Projekts #SalonEuropa bildet der Musenhof der Herzogin von Kurland, wo für jeden Platz war: Wo Theater gespielt, Tee getrunken oder musiziert wurde, wo philosophiert und über Kultur, Politik, Kunst und Europa diskutiert wurde. Auf dem Musenhof der Herzogin von Kurland hatte jeder eine Stimme und jeder durfte seine Meinung frei äußern, solange dies im höflichen Ton geschah. Der Salon hatte die Nähe zur Verständigung und er birgt das Potential, sie auch heute zu erzielen. Das Projekt #SalonEuropa soll diese Kultur der Salonnièren aktiv aufnehmen, sie ins Hier und Jetzt transportieren. Werden wir also salonfähig!

Schloss und Park Tannenfeld 2017 - Foto: Jana Borath
Schloss und Park Tannenfeld 2017 – Foto: Jana Borath

Schloss Tannenfeld – Inspiration und Wirklichkeit

Die erste Sonderschau der Ausstellungs- und Veranstaltungsreihe #SalonEuropa befasst sich mit Schloss Tannenfeld. Die Ausstellung #SalonEuropa im Hier und Jetzt: Schloss Tannenfeld – Inspiration und Wirklichkeit zeigt  bis 9. September 2018  in den Sonderschauräumen der Burg die Werke von vier Künstlerinnen aus Deutschland, Frankreich und Polen, die zusammen in Dialog über Tannenfeld, den einstigen Salon der Herzogin von Kurland und Europa im Hier und Jetzt treten. Jana Borath (Fotografie) und Petra Herrmann (Installation) aus Deutschland, Verok Gnos (Malerei) aus Frankreich und Marta Pabian (Malerei, Installation) aus Polen knüpfen an die Tradition des historischen Salons an und stellen ein gemeinsames Kunstprojekt auf die Beine. In den kommenden Wochen wollen wir die Künstlerinnen einzeln im Blog vorstellen.

Vom Salon zur Heilanstalt

Der klassizistische Schlossbau Tannenfeld mit englischem Park diente als Wohnstätte für die Töchter der Herzogin von Kurland und deren Gäste. Zwischen 1795 und 1821 entwickelte sich Tannenfeld zusammen mit Schloss Löbichau zu einem Zentrum des geistig-kulturellen Lebens in Deutschland.

Vom Salon über die Heilanstalt zum Leerstand - die Geschichte des Schlosses Tannenfeld ist wechselvoll. Foto: Jana Borath
Vom Salon über die Heilanstalt zum Leerstand – die Geschichte des Schlosses Tannenfeld ist wechselvoll. Foto: Jana Borath

Nach dem Tod Anna Dorothea von Kurlands im Jahr 1821 erbte ihre Tochter Johanna von Acerenza-Pignatelli Löbichau und Tannenfeld. Die Zeit des Musenhofs war vorbei. 1899 kaufte der Nervenarzt Dr. med. Paul Friedrich Arthur Tecklenburg (1870–1957) das Anwesen und errichtete eine für die damalige Zeit typische und moderne „Heil- und Pflegeanstalt für Gemüts- und Nervenkranke.“ Tecklenburg erweiterte den ursprünglichen Schlossbau um etwa zwei Drittel der früheren Fläche, ließ Liegehallen und Villen errichten und pflanzte die ersten Rhododendren, für die der Park noch heute bei vielen bekannt ist. Sein bekanntester Patient war vermutlich Rudlof Dietzen, der als Schriftsteller „Hans Fallada“ später Weltruhm erlangte.

1949 wechselte das Sanatorium in den Besitz der Sozialversicherungsanstalt Thüringen. Von 1951 bis 1985 blieb Tannenfeld als Fachklinik für Neurologie und Psychiatrie des Kreises Schmölln in Betrieb. Danach wurde die Klinik bis 1989 als Rehabilitationszentrum für Herz-Kreislauf- Erkrankungen, psychosomatische Störungen und Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises in der Rehabilitationsabteilung des Krankenhauses Schmölln betreut. 1991 wurde Tannenfeld Alten- und Pflegeheim. Seit September 2004 stand die Anlage leer und zum Verkauf.

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Vier Künstlerinnen im Dialog – Ein Kunstprojekt

Im Sommer 2017 besiegelten der Landkreis Altenburger Land und eine Investorengruppe mit sieben Unternehmern aus Leipzig, Erfurt, Altenburg, Kriebitzsch, Gößnitz und Schmölln den Verkauf von Schloss und Park Tannenfeld. Für zehn Millionen Euro soll auf dem Areal ein Pflegezentrum für Demenzkranke entstehen. Baubeginn ist für 2018 geplant. Damit steht fest, dass sich dieses Ensemble mit Park, Schloss, Villen und Liegehallen für immer verändert.

Ehemalige Liegehalle im Park Tannenfeld. Foto: Jana Borath
Ehemalige Liegehalle im Park Tannenfeld. Foto: Jana Borath

Der Gedanke für eine Ausstellung zur europäischen Salongeschichte mit dem Titel „Europa im Hier und Jetzt” war damit aber noch nicht geboren. Jana Borath, Journalistin im Altenburger Land mit Leidenschaft für Fotografie, wollte ab August 2017 lediglich den Ist-Zustand vor allem des Schlossparks dokumentieren, bevor die Bauarbeiten für das Pflegezentrum beginnen.

Was bringt die Zukunft für Schloss Tannenfeld?

Die Idee, diesen Veränderungsprozess zu begleiten, hatte zeitgleich Petra Herrmann, Künstlerin aus Kratschütz. Die beiden Frauen kennen sich berufsbedingt seit mehr als zwei Jahrzehnten. Gemeinsam mit dem Museum Burg Posterstein konzipierten sie eine erste gemeinsame Ausstellung über Schloss Tannenfeld als einen Ort, an dem der europäische Gedanke, der Diskurs über die Grundwerte des Kontinentes Anfang des 19. Jahrhunderts offen gelebt wurde. Unterstützt wurde die Arbeit durch die Investorengruppe als neue Besitzerin von Schloss und Park Tannenfeld, welche nicht nur eine Fotodokumentation über das leerstehende Schloss, sondern auch einen ersten Blick in die Zukunft von Schloss und Park Tannenfeld gewährte. Mit Verok Gnos (Frankreich) und Marta Pabian (Polen) konnten zudem zwei renommierte Künstlerinnen aus europäischen Nachbarländern Deutschlands für die Schau gewonnen werden.

Blick in die Sonderausstellung #SalonEuropa im Hier und Jetzt mit Werken von Verok Gnos und Marta Pabian.
Blick in die Sonderausstellung #SalonEuropa im Hier und Jetzt mit Werken von Verok Gnos und Marta Pabian.

Fotografie, Installation und Malerei spannen in der Ausstellung den Bogen von Schloss und Park Tannenfeld zu Europa im HIER und JETZT. Kein Spagat, keine Quadratur des Kreises, obgleich sich einige der vier Künstlerinnen noch nie zuvor begegneten. Was sie und ihre Arbeit verbindet, sind Europa und seine Grundwerte. Die Ausstellung zeigt vier unterschiedliche Blickwinkel auf den Kontinent, die Staatenvereinigung im Hier und Jetzt. Die Ausstellung wird unterstützt vom Freistaat Thüringen, der Bürgerstiftung Altenburger Land, dem Landkreis Altenburger Land, dem Förderverein des Museums Burg Posterstein und der Schloss- und Park Tannenfeld Grundstücksgesellschaft mbH & Co. KG.

Zusammengefasst von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

Das Buch zur Ausstellung beinhaltet auch eine Zusammenfassung der Geschichte Tannenfelds.
Das Buch zur Ausstellung beinhaltet auch eine Zusammenfassung der Geschichte Tannenfelds.

Zur Ausstellung gehört ein Katalog, der nicht nur die Künstlerinnen und ihre Arbeiten vorstellt, sondern auch die Geschichte des Schlosses Tannenfeld zusammenfasst. Der Katalog ist für 10 Euro im Museum Burg Posterstein erhältlich.

In den folgenden Wochen wollen wir die vier Künstlerinnen der Ausstellung #SalonEuropa im Hier und Jetzt einzeln im Blog vorstellen.

Meer und Migration im 19. Jahrhundert – wie sich Auswanderer aus Sachsen-Altenburg in den USA eine neue Heimat aufbauten

Felsen im Mississippi
Nach einer langen Schiffsreise nach Amerika strandeten Einwanderer aus dem Altenburger Land 1839 an diesem Felsen im Mississippi.

„Altenburg: Home is Where Our Story Begins“ lautete der Titel einer Internationalen Konferenz der “Perry County Lutheran Historical Society“ (PCLHS) und des “The Foreign Languages & Anthropology Department” der Southeast Missouri State University über die deutsche Auswanderung in die Vereinigen Staaten im Jahr 1839, die 2010 in Altenburg Missouri (USA) stattfand. Zwar sind seither fast acht Jahre vergangen, aber die Thematik der Migration ist aktueller denn je. In unserem Beitrag zur Blogparade #DHMMeer des Deutschen Historischen Museums wollen wir unsere eigene Migrationsgeschichte über das Meer im 19. Jahrhundert beleuchten.

Etwa ein Sechstel der heutigen US-Bevölkerung hat deutsche Vorfahren

Im 19. Jahrhundert zog es viele Deutsche nach Amerika, wo sie sich ein besseres Leben versprachen. Die Menschen verließen ihr Heimatland damals vor allem aus religiösen, sozialen und wirtschaftlichen Gründen – wegen Überbevölkerung, fehlenden Erwerbsmöglichkeiten, Arbeitslosigkeit oder den Missernten der Jahre 1846/47.

1839 wanderten über 1200 Personen aus Preußen aus, darunter 570 aus Pommern, 313 aus Sachsen, 270 aus Schlesien und 36 aus Berlin. In diese Phase der so genannten altlutherischen Auswanderung fällt auch die Auswanderung aus der Region des damals selbständigen Herzogtums Sachsen-Altenburg.

Eine Tafel erinnert in Altenburg, Missouri, an die Migrationsgeschichte von Sachsen-Altenburg in die "Neue Welt"
Eine Tafel erinnert in Altenburg, Missouri, an die Migrationsgeschichte von Sachsen-Altenburg in die “Neue Welt”

Anschließend, also nach 1848, verließen tausende Menschen die deutschen Staaten, darunter 1844 bis 1848 etwa 40.000 aus Preußen und 1850 bis 1855 rund 59.000 aus Baden. Um 1860 soll es 1,3 Millionen deutschstämmige Einwanderer in den Vereinigten Staaten gegeben haben. Allein 1882 wanderten 250.000 Deutsche in die USA ein und schon 1890 waren dort inzwischen 2,8 Millionen deutschstämmige Einwanderer registriert.
Zentren der deutschen Einwanderung bildeten beispielsweise Cincinnati, Milwaukee, St. Louis oder Chicago. Es gab etwa 800 deutschsprachige Zeitungen.

Die Welle reißt weitere Menschen mit

Von der geglückten Reise und dem neuen Leben erzählten Briefe der Auswanderer und Reisebeschreibungen, wie zum Beispiel Gottfried Dudens „Bericht über eine Reise nach den westlichen Staaten Nordamerikas und einen mehrjährigen Aufenthalt am Missouri“ aus dem Jahr 1829. Aber auch reisende Anwerbeagenten beschleunigten die Migration. Zwischen 1842 und 1852 erschienen über 300 Reiseberichte. Ab 1847 übernahm der Nationalverein für Deutsche Auswanderung eine koordinierende Funktion.

Unter Pastor Stephan (1777-1846) aus Dresden wanderten 750 Lutheraner nach Missouri aus

Eine bunt gemischte Gruppe von Auswanderern aus Sachsen-Altenburg, der Region Dresden und Hannover strandete 1839 an einem Felsen im Fluss Mississippi. Direkt am Fluss gründeten die einem strengen lutherischen Glauben anhängenden Siedler den Ort Wittenberg. Nicht selten wurden die in Blockbauweise, an die heimische Baukultur erinnernden Häuser von den Hochwassermassen des legendären Flusses mitgerissen, weshalb heute von dieser Siedlung nur noch der Wittenberg Boat Club und eine verfallene Poststation zeugen.

Diese wahrscheinlich größte evangelische Auswanderung organisierten verschiedene Geistliche unter der Leitung von Pfarrer Martin Stephan aus Pirna bei Dresden. Stephan vertrat eine sehr extreme, antiökumenische Theologie, die außerhalb des lutherischen Glaubens kein Heil versprach. Seine Anhänger, „Stephanianer“ genannt, verehrten ihn und seine Schriften.
In Folge sozialer Missstände nach den napoleonischen Kriegen und verschärften Abgabelasten auf dem Lande erwogen parallel zu ersten revolutionären Unruhen auch in der Region Altenburg immer mehr Menschen, ihr Glück in der Ferne zu suchen. Ursprünglich zogen die Auswanderer um Martin Stephan auch Australien als mögliche neue Heimat in Betracht, aber südlich von St. Louis, in Missouri, bot man ihnen rund 10.000 Morgen Land zu günstigen Preisen an.

Die gefährliche Reise übers Meer

Im Winter 1838/39 reisten insgesamt fünf Schiffe mit Siedlern aus dem Königreich Sachsen und dem Herzogtum Sachsen-Altenburg in die so genannte „Neue Welt“. Mit an Bord nahmen die frommen Auswanderer auch 900 Exemplare von Luthers Katechismus. Sogar während der langen Seereise erhielten die Kinder Unterricht. Alle Schiffe erreichten ihr Ziel, bis auf ein kleineres Boot namens „Amalia“, das höchstwahrscheinlich bei Frankreich mit einem größeren Schiff kollidierte.

Ein Farmhaus in Altenburg, Missouri
Ein Farmhaus in Altenburg, Missouri

Allmählich wurde die Überfahrt zum Geschäft und dauerte anfangs zwischen sieben und zwölf Wochen mit zwei- oder dreimastigen Segelschiffen. Die Auswanderer mussten Matratzen, Decken und Geschirr selbst vorhalten. Die Unterbringung erfolgte meist im Zwischendeck bei großer Enge und schlechten hygienischen Bedingungen. Als Verpflegung gab es Salzfleisch, Kartoffeln, Bohnen, Erbsensuppe, Sauerkraut, Speck, hartes Brot, Tee, Kaffee und manchmal galt Selbstverpflegung. Wasser war knapp, weshalb Ruhr, Typhus und Pocken zu den häufigsten Krankheiten zählten.

Seit 1728 galt das so genannte „Redemptionssystem“, bei dem die Reeder die Kosten der Überfahrt vorstreckten und der Auswanderer in Amerika dann diese Summe abarbeiten musste, wobei man sich den Dienstherrn nicht immer aussuchen konnte. Zahlreiche Agenten warben in ganz Europa für die Auswanderung.

Seit 1822 verkehrten regelmäßige Schiffslinien von Bremerhaven nach New York. 1847 erfolgte die Gründung der HAPAG „Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft“ und 1857 die Gründung des „Norddeutschen Lloyd“ in Bremen. Seit den 1850er Jahren lösten Dampfschiffe die Segelschiffe schrittweise ab. Ab 1870 gewann der Auswandererhafen in Hamburg immer mehr an Bedeutung und 1892 wurde der Nordatlantische Dampfer-Linien-Verband gegründet, zu dessen Mitgliedern Norddeutscher Lloyd, HAPAG, Red Star-Linie und Holland-Amerika-Linie zählten.

Altenburg, Dresden und Wittenberg in der „neuen Welt“

1839 kamen die Siedler aus Sachsen-Altenburg in Missouri an. Zu dieser Zeit glich die dortige Landschaft einer noch unbewohnten Wildnis. Die Neuankömmlinge hätten den Winter dort kaum überstanden, wären sie nicht von der lutherischen Gemeinde in St. Louis unterstützt worden. Im heutigen Bundesstaat Missouri, im Landkreis Perry County, gründeten die deutschen Siedler nach ihren Heimatstädten bzw. -regionen benannte Orte wie Dresden, Seelitz, Johannisberg, Altenburg, Frohna, Paitzdorf und Wittenberg. Dresden, Seelitz und Johannisberg wurden bereits 1841 nach Altenburg, Missouri, eingemeindet. Weil natürlich nur das Beste aus der neuen Heimat berichtet wurde, trafen auch später noch weitere Auswanderer aus der Region Altenburg in der neu gegründeten Stadt ein.

Schulgebäude von 1839 in Altenburg Missouri
Das 1839 errichtete Schulgebäude ist das älteste Haus in Altenburg, Missouri

Als eine ihrer ersten Handlungen errichteten die Siedler im August 1839 eine Schule, an der Kinder eine umfassende gymnasiale Bildung erhalten sollten: Religion, Latein, Griechisch, Hebräisch, Deutsch, Französisch, Englisch, Geschichte, Geografie, Mathematik, Physik, Naturgeschichte, Philosophie, Musik und Zeichnen standen auf dem Lehrplan. Der Anspruch der Schule war kein geringerer, als die Absolventen für ein Universitätsstudium zu rüsten. Im ersten Jahr begannen sieben Jungen und drei Mädchen dort den Unterricht.

“Indianer, wilde Bestien und mexikanische Soldaten” brauchte man in Altenburg nicht zu fürchten

Der Pfarrer Martin Stephan derweil lebte in der neuen Heimat ein nicht eben sittlich-christliches Leben und ließ sich zum Bischof ernennen und hofieren wie ein König. Nachdem die Gemeinde endlich erkannt hatte, wie sehr sie durch ihren geistlichen Führer betrogen worden war, entließ sie ihn. Erster Präsident der Missouri Synode, die heute zwei Millionen Mitglieder verzeichnet, wurde der aus Langenchursdorf stammende Ferdinand Wilhelm Walther. Gotthold Heinrich Loeber aus Kahla übernahm den Posten als Pfarrer im neu gegründeten Altenburg. Er beschrieb am 10. September 1839 in einem Brief nach Deutschland das Leben in der neuen Welt, wo die meisten Familien zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Häusern, sondern in provisorischen Baracken lebten. Beruhigend fügte er aber hinzu, dass sich die Verwandten in der Heimat keine Sorgen wegen Indianern, wilden Bestien oder mexikanischen Soldaten machen müssten, denn solche Dinge bräuchte man in Altenburg bislang nicht zu fürchten.

Wer mehr zur Geschichte des amerikanischen Altenburgs erfahren möchte, dem sei das Lutheran Heritage Center & Museum der Perry County Lutheran Historical Society oder auch das in den USA auf Englisch erschienene Buch „Altenburg Missouri and the surrounding Parishes“ empfohlen (Hrsg.: Mary Beth Mueller Dillon, Lynhorst, Indianapolis, 2010).

Und Europa heute?

Noch immer liegt das Meer zwischen Europa und Amerika und manchmal scheint die Distanz zwischen den Kontinenten größer denn je. Auf der Hand liegt, dass Europa ein neues Selbstverständnis braucht und sich seiner Werte besinnen muss.

Das Museum Burg Posterstein hat das Thema aufgegriffen und 2018 eine Reihe von Ausstellungen gestartet, die sich unter dem Motto #SalonEuropa mit dem Thema Europa auseinandersetzen. Ausgangspunkt ist die Salonkultur um 1800, ein Forschungsschwerpunkt im Museum Burg Posterstein.

Brachte der Wiener Kongress 1815 nach den verheerenden napoleonischen Kriegen für Jahrzehnte wieder Frieden und Stabilität in Europa, so kann man das in vergleichbarer Weise von der europäischen Einigung und der Überwindung der europäischen Teilung nach dem zweiten Weltkrieg behaupten. Nach der Euphorie der 1990er Jahre, als Europa in den Augen vieler seiner Bürger für Wachstum und Stabilität stand, hat sich die Lage spätestens mit der Finanzkrise 2007/08 gewandelt. Es findet Einwanderung nach Europa und Deutschland statt und es scheint unter dem Einfluss von Terror, Flüchtlingskrise und Populismus Europaskepsis vorzuherrschen.
Im Salon der Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761-1821) in Löbichau und Tannenfeld im heutigen Altenburger Land durfte jeder frei seine Meinung äußern, wenn sie nur höflich vorgetragen wurde. Mit der Ausstellungsreihe #SalonEuropa wollen wir den Versuch starten, diese Salonkultur des frühen 19. Jahrhunderts aufzunehmen und sie aufs Heute zu übertragen.

Sonderausstellung #SalonEuropa im Hier und Jetzt: Schloss Tannenfeld – Inspiration und Wirklichkeit

Vier Künstlerinnen aus Deutschland, Frankreich und Polen knüpfen in der Ausstellung #SalonEuropa im Hier und Jetzt an die Tradition des historischen Salons an und stellen ein gemeinsames Kunstprojekt auf die Beine, in dem sie explizit auf den prägenden europäischen Gedanken verweisen, der in Schloss Tannenfeld unter der Herzogin Anna Dorothea von Kurland gelebt wurde. Mit ihren Arbeiten bringen die vier Künstlerinnen ihren jetzigen Standpunkt, ihre jetzige Sichtweise zum Thema EUROPA zum Ausdruck. Angesichts der aktuell beunruhigenden politischen Tendenzen innerhalb des Kontinentes geht es vor allem ums Bewahren, um nach vorne schauen zu können.

Das Werk "Europa" von Verok Gnos ist derzeit in der Ausstellung #SalonEuropa im Hier und Jetzt zu sehen.
Das Werk “Europa” von Verok Gnos ist derzeit in der Ausstellung #SalonEuropa im Hier und Jetzt zu sehen.

So verfasste beispielsweise die Französin Verok Gnos dieses Statement für den Katalog:

„Die Konstruktion Europa entstand nach dem Willen von Männern mit Visionen, die danach strebten, den Frieden in Europa zu schützen und den wirtschaftlichen Aufschwung zu sichern. Diese Konstruktion ist in mehreren Etappen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bis in unsere Tage entstanden. Aber am schwierigsten war es, ein Band zwischen Frankreich und Deutschland (feindlichen Ländern in aufeinanderfolgenden Kriegen) und den anderen Ländern zu erschaffen, um eine Gemeinschaft aufzubauen. Diese Vereinigung lässt Europa Beziehungen und den nachhaltigen Austausch in allen Gebieten erschaffen: Kultur, Gesellschaft, Wirtschaft, Bildung, Forschung, Gesundheitswesen und Umweltschutz. Ein einzelnes und isoliertes Land hätte weder solche Kraft noch solchen Reichtum. Aber seit 2016 ist dieses Europa zerbrechlich geworden: Brexit, Terrorgefahr, Anschläge, Flüchtlingskrise und Aufstieg von Populismus. Sind wir uns bewusst, was uns Europa bringt?“


Wir nehmen den Staffelstab zur nächsten Blogparade auf!

Mit der Blogparade #SalonEuropa – Vernetzung damals und heute – Europa bedeutet für mich…? wollen wir von 23. September bis 23. Oktober 2018 den Reigen der Blogparaden von Schlösser und Gärten in Deutschland e.V. und dem Deutschen Historischen Museum fortsetzten. Unsere Blogparade wird in Kooperation mit Dr. Tanja Praske von KULTUR-MUSEUM-TALK stattfinden.

Wir suchen Unterstützung für das Labor #SalonEuropa vor Ort und digital
Wir suchen Unterstützung für das Labor #SalonEuropa vor Ort und digital


Wir suchen Europa-Meinungen und Fotos für unsere nächste Ausstellung #SalonEuropa vor Ort und digital

Die Schau #SalonEuropa vor Ort und digital versteht sich als ein Labor. Ausgehend von der historischen Salonkultur um 1800 soll sie den Bogen schlagen in die heutige Zeit und zur aktuellen politischen Lage. Im #SalonEuropa Labor soll Besuchern vor Ort und im Digitalen die Möglichkeit gegeben werden, ihre Gedanken zu Europa heute zu äußern. Auf einem großen Bildschirm in der Ausstellung und der Website salon-europa.eu sollen unter der Überschrift “Europa bedeutet für mich…?” in Videos, kurzen Statements und Blogposts unterschiedliche Meinungen zu Europa zu Wort kommen. Durch Bilder von verschiedenen europäischen Orten um 1800 und heute (in Lettland, Polen, Deutschland, Österreich und Frankreich) soll die Ausstellung das Damals und das Heute verbinden. Wir suchen Fotos von europäischen Orten heute und Menschen, die mit ihrer Meinung zur Frage “Europa bedeutet für mich…?” in der ein oder anderen Form in der Ausstellung vertreten sein möchten. Kontaktieren Sie uns gern in den sozialen Netzwerken, per Mail oder persönlich.

Von Klaus Hofmann / Museum Burg Posterstein

#professionsMW: Ein lebendiges Museum braucht Helfer und Unterstützer

Es ist europäische Museumswoche #MuseumWeek und das heutige Thema #professionsMW rückt die Leute hinter den Kulissen ins Zentrum des Interesses. Wir wollen das zum Anlass nehmen, den Museumsverein Burg Posterstein vorzustellen, der die Arbeit des Museums nicht nur finanziell und tatkräftig unterstützt, sondern seit über zehn Jahren auch Träger des Museums ist.

Der Förderverein des Museums gründete sich zur Erforschung, Pflege und Bewahrung regionaler Geschichte, Kultur und Kunst. 1990, mit Sitz auf Burg Posterstein, gegründet ist er als gemeinnützig anerkannt. Der Museumsverein Burg Posterstein e.V. steht allen Freunden des Museums für private oder Firmenmitgliedschaften offen, ermöglicht Mitarbeit, Spenden oder Stiftungen. Derzeit zählt der Museumsverein über 50 Mitglieder, die engagiert und regelmäßig bei Veranstaltungen, auch bei Übersetzungs- und Korrekturarbeiten im Museumsalltag einspringen. Auch die Sponsorensuche ist eine der Prioritäten unserer Vereinsmitglieder und dafür gebührt ihnen ein Herzliches Dankeschön!

1735 erwarb der kurländische Herzog Ernst Johann von Biron das Gut Rundãle und ließ es als Sommerresidenz ausbauen. Baumeister war Francesco Bartolomeo Rastrelli, ein italienischer Architekt, der auch das Winterpalais in St. Petersburg errichtete.
1735 erwarb der kurländische Herzog Ernst Johann von Biron das Gut Rundãle und ließ es als Sommerresidenz ausbauen. Baumeister war Francesco Bartolomeo Rastrelli, ein italienischer Architekt, der auch das Winterpalais in St. Petersburg errichtete.

 

Ein Verein als Träger des Museums

Seit dem 1. Januar 2007 betreibt der Förderverein das Museum Burg Posterstein. Lange Verhandlungen, Networking und ein überzeugendes Konzept haben im Juni 2017 zum Erfolg geführt: Der Trägerschaftsvertrag mit dem Landkreis Altenburger Land zur Betreibung unseres Museums wurde für weitere zehn Jahre mit Budgeterhöhung und Personalabsicherung abgeschlossen.

Das Netzwerk – Freunde der europäischen Salongeschichte

200 Jahre nach dem Wiener Kongress schloss der Museumsverein Burg Posterstein 2015 einen Vertrag mit der Pariser Gesellschaft Les Amis de Talleyrand , der gemeinsame Forschungsarbeiten ermöglichen und fortführen soll. https://blog.burg-posterstein.de/2015/08/24/vertrag-zwischen-paris-und-posterstein-zusammenarbeit-mit-les-amis-de-talleyrand/.

Fotoshoot mit der Herzogin von Kurland und ihrer Tochter Wilhelmine von Sagan bei der Eröffnung der Sonderausstellung "Salongeschichten" in Posterstein.
Fotoshoot mit der Herzogin von Kurland und ihrer Tochter Wilhelmine von Sagan bei der Eröffnung der Sonderausstellung “Salongeschichten” in Posterstein.

Vielen der Mitglieder des Museumsvereins liegt besonders die europäische Salongeschichte am Herzen, die in regelmäßigen Bildungsfahrten erkundet wird. Wir wollen einige bisherige Höhepunkte der Vereinsarbeit nennen.

Zwischen 1795 und 1821 gab es auf Schloss Löbichau bei Posterstein einen lebendigen Musenhof, der bildende Künstler, Schriftsteller und Politiker, Adlige wie Bürgerliche, aus ganz Europa anzog. Die Gastgeberin, die kluge und schöne Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761–1821), zählte zu den reichsten Frauen Europas. Sie verstand es geschickt, ein soziales Netzwerk zu knüpfen, das sich über den ganzen europäischen Kontinent zog.

In den Sommermonaten versammelte sie ihre Gäste in ihren Schlössern Löbichau und Tannenfeld im heutigen Altenburger Land. In den Salons dieser Zeit wurden bei Musik, Theater und Tee Kontakte geknüpft und politische Entscheidungen auf den Weg gebracht. Wie der Dichter Jean Paul anerkennend berichtete, durfte im Salon der Herzogin von Kurland jeder frei seine Meinung äußern, so lange sie höflich vorgetragen wurde.
In den Sommermonaten versammelte sie ihre Gäste in ihren Schlössern Löbichau und Tannenfeld im heutigen Altenburger Land. In den Salons dieser Zeit wurden bei Musik, Theater und Tee Kontakte geknüpft und politische Entscheidungen auf den Weg gebracht. Wie der Dichter Jean Paul anerkennend berichtete, durfte im Salon der Herzogin von Kurland jeder frei seine Meinung äußern, so lange sie höflich vorgetragen wurde.

Seit fast 30 Jahren beschäftigt sich das Museum Burg Posterstein mit der Geschichte des Salons der Herzogin von Kurland. Dabei stehen im Mittelpunkt des Interesses die Herzogin selbst, aber auch ihre Töchter und die Personen, mit denen sie am meisten im Kontakt stand. Neben der Dauerausstellung zu diesem Thema wurden in den letzten Jahren auch mehrere Sonderausstellungen gezeigt.

Einmal im Jahr begeben sich die Mitglieder des Museumsvereins auf eine gemeinsame Bildungsfahrt auf die „Spuren der Herzogin von Kurland in Europa“. Auf dem Programm standen in den letzten Jahrzehnten Berlin, Wien, Prag, Südböhmen, Paris, Schloss Valencay, St. Petersburg, Riga und Schloss Rundale, Krakau, Breslau, Brüssel, Rom oder London.

  

Eine Ausstellung folgt den Reisewegen der Herzogin von Kurland

Die Wanderausstellung „Lebensstationen der Herzogin von Kurland“ verband die historischen Orte in Europa. Die Exposition reiste nach der Eröffnung in Posterstein (2006) nach Lettland (Schloss Ruhental 2008), Polen (Schloss Sagan 2009) und Frankreich (Schloss Valencay 2007). Zur Schau im französischen Schloss Valençay des ehemaligen Ministers Talleyrand kamen 43.000 Besucher. In der Sommerresidenz der Kurländischen Herzöge, Schloss Rundãle in Lettland, wurden rund 200.000 und im polnischen Schloss Sagan etwa 20.000 Besucher gezählt. Unterstützt wurde das Gesamtvorhaben von der Bürgerstiftung Altenburger Land.

Über ein Vierteljahrhundert wetteiferte alles, was in Europa Rang und Namen hat, darum, vom illustren Diplomaten Talleyrand in Valençay empfangen zu werden. Nach dem Wiener Kongress und der Rückkehr der Bourbonen zog sich Talleyrand mit der jüngsten Tochter der Herzogin von Kurland, Dorothée, auf Schloss Valençay zurück.
Über ein Vierteljahrhundert wetteiferte alles, was in Europa Rang und Namen hat, darum, vom illustren Diplomaten Talleyrand in Valençay empfangen zu werden. Nach dem Wiener Kongress und der Rückkehr der Bourbonen zog sich Talleyrand mit der jüngsten Tochter der Herzogin von Kurland, Dorothée, auf Schloss Valençay zurück.

 

Ausstellung und Konferenz: Salon-Flair in Posterstein und im Park von Tannenfeld

2011 jährte sich der Geburtstag der Herzogin von Kurland zum 250sten Mal. Aus diesem Anlass wurde das Leben der Salonnière in einer Sonderausstellung näher beleuchtet. Die Ausstellung und die begleitende Publikation griffen diese Art des damaligen gesellschaftlichen Lebens auf und zeigten, wie es Frauen zu Beginn des 19. Jahrhunderts gelang, gesellschaftliche, politische und kulturelle Netzwerke zu knüpfen und durch diese eigenen Einflusses auf den Verlauf von Ereignissen erlangten.

Am Beispiel der Herzogin Anna Dorothea von Kurland wurden die Emanzipationsbestrebungen und die Möglichkeiten der Teilhabe von Frauen am gesellschaftlichen Leben jenseits der juristischen Schranken der Zeit deutlich gemacht. Einen Schwerpunkt bildete die Rolle des weiblichen Geschlechtes bei der Gestaltung nationaler und internationaler Beziehungen in der napoleonischen Zeit.
Am Beispiel der Herzogin Anna Dorothea von Kurland wurden die Emanzipationsbestrebungen und die Möglichkeiten der Teilhabe von Frauen am gesellschaftlichen Leben jenseits der juristischen Schranken der Zeit deutlich gemacht. Einen Schwerpunkt bildete die Rolle des weiblichen Geschlechtes bei der Gestaltung nationaler und internationaler Beziehungen in der napoleonischen Zeit.

 

Die Ausstellung und internationale Konferenz zum 250. Geburtstag der Herzogin Kurland widmete sich mit etwa 200 Gästen aus Frankreich, Lettland, Polen Finnland und Deutschland  dieser umfangreichen Thematik der Rolle der Frauen in der Gestaltung der Gesellschaft des beginnenden 19. Jahrhunderts.

Die Herzogin von Kurland im Spiegel ihrer Zeitgenossen – Europäische Salonkultur um 1800. Zum 250. Geburtstag der Herzogin von Kurland. Museum Burg Posterstein, 2011. (248 Seiten, farbig, ISBN 978-3-86104-086-6, 29,00 Euro
Die Herzogin von Kurland im Spiegel ihrer Zeitgenossen – Europäische Salonkultur um 1800. Zum 250. Geburtstag der Herzogin von Kurland. Museum Burg Posterstein, 2011. (248 Seiten, farbig, ISBN 978-3-86104-086-6, 29,00 Euro

Das Buch mit Beiträgen deutscher und internationaler Autoren beleuchtet Stationen des Lebens der Herzogin von Kurland. Neben zahlreichen Abbildungen werden erstmals die Briefe des französischen Gesandten zum Wiener Kongress, Charles Maurice de Talleyrand, an die Anna Dorothea von Kurland in deutscher Sprache veröffentlicht. Diese Dokumente, die sich im Familienbesitz in Paris befinden, bieten ein eindrucksvolles Zeugnis der politischen Lage im Wien 1815. Dem Verhandlungsgeschick Talleyrands war es schließlich zu verdanken, dass Frankreich nach der verheerenden Niederlage Napoleons die Stellung als europäische Großmacht zurück gewann bzw. behalten konnte. Darüber hinaus werden erstmals die Resultate der Auswertung der Briefe der Herzogin von Kurland an Auguste Charlotte von Kielmannsegge, einer Vertrauten Napoleons, publiziert.

Auch im Jahr 2018 steht die Salonkultur im Zentrum der Arbeit des Museums und des Museumsvereins. Unter dem Hashtag #SalonEuropa soll es Ausstellungen und Veranstaltungen geben, darunter in neuen Formaten wie Salonabenden, einer Blogparade und Workshops für Kinder und Jugendliche.

Wir freuen uns über jegliche finanzielle und tatkräftige Unterstützung der Arbeit des Museumsvereins Burg Posterstein – ob als neues Mitglied oder in sonstiger Form.

Spendenkonto:
VR Bank Altenburger Land
IBAN: DE 11 8306 5408 0000 3185 90
BIC: GENODEF 1SLR

Spendenbescheinigungen werden von uns erteilt.
AG Altenburg, VR 489, USt-IdNr.DE293965369

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Von Klaus Hofmann / Museum Burg Posterstein

Weitere Beiträge zur #MuseumWeek 2018:
#WomenMW: Die Dame, die unter dem Pseudonym „Ernst Ritter“ schrieb
#CityMW: Tee im Salon – Die Altenburger Gesellschaft um 1810
#heritageMW: Ein europäisches Tourismus- und Informationszentrum im Geiste der historischen Salons in der Burg Posterstein

#heritageMW: Ein europäisches Tourismus- und Informationszentrum im Geiste der historischen Salons in der Burg Posterstein

Das Kulturerbe unserer Gesellschaft steht unter dem Hashtag #heritageMW heute im Zentrum der europäischen Museumswoche #MuseumWeek. In Posterstein reift derzeit ein Projekt, das die Ruine des ehemaligen Nordflügels als Tourismus- und Informationszentrum wieder aufbauen möchte. Wir wollen die Idee hier im Blog vorstellen.

Direkt neben der Burg Posterstein gestalten derzeit der Verein Burgberg Posterstein e.V. und die Gemeinde Posterstein das Areal des historischen Burgbergs neu. Im Projekt „Gemeinsam nicht Einsam – neues Leben auf dem Land“ soll der Burgberg zu einem Zentrum für Wohnen, Arbeiten, Kultur und Natur entwickelt werden. Die Sanierung des historischen Herrenhauses ist in vollem Gange und soll im Rahmen von Förderungen des Bauministeriums bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Über den aktuellen Stand informiert der Verein in seinem Blog. Auch der Platz vor der Burg wird neu gestaltet. Ein weiterer großer Schwerpunkt der Entwicklung des Gebiets ist der Neubau des in den 1950er Jahren abgerissenen Nordflügels der Burg.

„Gemeinsam nicht einsam – neues Leben auf dem Land“: Der Umbau des Herrenhauses Posterstein mit unterschiedlichen Funktions- und Nutzungseinheiten für Besucher und Touristen soll bis Ende 2018 umgesetzt werden.

Spiele, Kunst und Weltpolitik: Salonkultur als Gemeinsamkeit im Altenburger Land

In den Sommermonaten versammelte sie ihre Gäste in ihren Schlössern Löbichau und Tannenfeld im heutigen Altenburger Land. In den Salons dieser Zeit wurden bei Musik, Theater und Tee Kontakte geknüpft und politische Entscheidungen auf den Weg gebracht. Wie der Dichter Jean Paul anerkennend berichtete, durfte im Salon der Herzogin von Kurland jeder frei seine Meinung äußern, so lange sie höflich vorgetragen wurde.
In den Sommermonaten versammelte sie ihre Gäste in ihren Schlössern Löbichau und Tannenfeld im heutigen Altenburger Land. In den Salons dieser Zeit wurden bei Musik, Theater und Tee Kontakte geknüpft und politische Entscheidungen auf den Weg gebracht. Wie der Dichter Jean Paul anerkennend berichtete, durfte im Salon der Herzogin von Kurland jeder frei seine Meinung äußern, so lange sie höflich vorgetragen wurde.

Wir wollen einladen zu einer Zeitreise in die Salons des 19. Jahrhunderts – im Altenburger Land im Dreiländereck Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt, unweit von Weimar und Leipzig. Es ist die bewegte Zeit nach der französischen Revolution, in der Napoleon die Welt veränderte und der Wiener Kongress für Jahrzehnte Frieden stiftete. In dieser Zeit führte die kluge und schöne Herzogin von Kurland ihren bekannten Salon auf ihren Schlössern Löbichau und Tannenfeld. In Altenburg stiftete der Staatsmann Bernhard August von Lindenau sein bedeutendes Kunstmuseum mit öffentlicher Kunstschule. In den bürgerlichen Altenburger Salons entstand das beliebte Skatspiel. Friedrich Arnold Brockhaus gründete in Altenburg seinen bekannten Verlag. Und in Nöbdenitz ließ sich der Minister Hans Wilhelm von Thümmel unter einer 1000-jährigen Eiche begraben.

Die Salonkultur im Altenburger Land bietet hervorragende Anknüpfungspunkte für gemeinsame Projekte und die Vernetzung der verschiedenen Museen und anderen Kultur-Akteure. Posterstein ist für viele Touristen, die von Süden und Westen her in die Region kommen, quasi das Tor zum Altenburger Land. Salongeschichte fand in Weimar und Gotha statt, aber auch im Altenburger Land. Mit gemeinsamen Vermittlungs- und Veranstaltungskonzepten soll die Region vorangebracht und dieses spannende Thema belebt und gelebt werden.

Projektidee: Wiederaufbau des Nordflügels der Burg Posterstein

Das inhaltliche Gestaltungskonzept des Neubaus und der Freianlagen verknüpft die Orte der Europäischen Salonkultur im Altenburger Land: insbesondere Residenzschloss Altenburg, Lindenau-Museum, den Altenburger Marstall, die verschiedenen Palais in Altenburg und die Schlösser Tannenfeld und Löbichau.

Es nimmt direkten Bezug auf die Tourismusstrategie des Freistaates Thüringen, die die Entwicklung von touristischen Leitprodukten mit Alleinstellungsmerkmal und überregionaler Ausstrahlungskraft anregt.

Am 24. Juli 2017 gab es interessante und konstruktive Gespräche mit dem Thüringer Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee auf Burg Posterstein: Schwerpunkte waren die Tourismusstrategie im Altenburger Land und speziell die touristische Vermarktung von Burg Posterstein und der gesamten Region. Weitere Infos dazu gibt es im Video.

Minister Wolfgang Tiefensee auf Burg Posterstein from Burg Posterstein on Vimeo.

Es erfolgt eine konsequente Anknüpfung an die Geschichte und Orte der europäischen Salonkultur im Altenburger Land mit dem Ziel, die Salonkultur für Kulturtouristen erlebbar machen.

Das Konzept steht im direkten Bezug zur Dauerausstellung und zur Forschungsarbeit im Museum Burg Posterstein.

Wiederaufbau Nordflügel

Der neu gebaute Nordflügel hätte eine Grundfläche von rund 250 m² auf drei Geschossebenen und würde in der Kubatur des Vorgängerbaus entstehen. Die erforderlichen Erschließungs- und Sanitäranlagen sowie die Sicherstellung der Barrierefreiheit in der gesamten Burg Posterstein sind in die Planung integriert.

Der Neubau integriert multifunktionale Flächen und entsteht insbesondere als Informations-, Kommunikations- und Wissenszentrum für Kulturtouristen: Ein zentraler Aspekt wäre die Information zur Geschichte der Europäischen Salonkultur im  Altenburger Land und in Thüringen in einem modernen innovativen Präsentationsformat. Die museale Präsentation des historischen Themas verbleibt in den historischen Räumen der Burg.

Die Idee #SalonEuropa: Ein Europäisches Zentrum für Salonkultur und Tourismus- und Informationszentrum in der Burg Posterstein

Der #SalonEuropa überträgt das historische Vorbild in die heutige Zeit und stellt kulturelle und politische Themen zur Diskussion. Mögliche Formate könnten sein: Stammtisch-Runden bzw. „Teestunden“ zu bestimmten Themen (z.B. historische Forschung, regionale Erinnerungskultur, aktuelle Politik), Konferenzen/Tagungen (z.B. Gastredner von Universitäten und Forschungseinrichtungen| Autoren-Lesungen), Blogparaden/Instawalks zu unterschiedlichen Themen und Orten, Workshops und Kurse für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Salontheater (z.B. Stücke auf kleiner Szene, beispielsweise in Kooperation mit Theater Altenburg-Gera), Vorträge/Lesungen/Podiumsdiskussionen (z.B. zur Salongeschichte, zu Europapolitik über europäische Kultur der Gegenwart und z.B. in Kooperation mit den Museen in Altenburg wie Residenzschloss Altenburg, Lindenau-Museum, Mauritianum Altenburg).

Ein erstes neues, experimentelles Format wird die Ausstellung #SalonEuropa vor Ort und digital Vernetzung damals und heute – Europa bedeutet für mich …? ab 23. September 2018 sein. Sie versteht sich als ein Labor. Ausgehend von der historischen Salonkultur um 1800 soll sie den Bogen schlagen in die heutige Zeit und zur aktuellen politischen Lage.  Analog dazu soll im #SalonEuropa Labor Besuchern vor Ort und im Digitalen die Möglichkeit gegeben werden, ihre Gedanken zu Europa heute zu äußern.

Die Ideen sind derzeit weit gereift und die Vision eines Zentrums für europäische Salonkultur im wieder aufgebauten Nordflügel der Burg in greifbare Nähe gerückt. Der Museumsverein Burg Posterstein e.V. hat sich entschlossen, mit Unterstützung von Sponsoren den Eigenanteil an den Kosten zu stemmen, sollte es zur Umsetzung der Pläne kommen. Jede Spende hilft!

Spendenkonto:
VR Bank Altenburger Land
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AG Altenburg, VR 489, USt-IdNr.DE293965369

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Von Klaus Hofmann / Museum Burg Posterstein

Weitere Beiträge zur #MuseumWeek 2018:
#WomenMW: Die Dame, die unter dem Pseudonym „Ernst Ritter“ schrieb
#CityMW: Tee im Salon – Die Altenburger Gesellschaft um 1810

#CityMW: Tee im Salon – Die Altenburger Gesellschaft um 1810

Die Themen der internationalen Museumswoche #MuseumWeek wollen wir mit je einem Blogpost aufgreifen. Das Thema #CityMW nehmen wir zum Anlass, die Gesellschaft in der Stadt Altenburg um 1810 vorzustellen.

Altenburg im 19. Jahrhundert, kolorierte Lithografie, Museum Burg Posterstein
“Ein reges gesellschaftliches Leben” bescheinigte Brockhaus Altenburg im 19. Jahrhundert, kolorierte Lithografie, Museum Burg Posterstein

Altenburg zählte um 1810 rund 10.000 Einwohner. Die Gothaer Herzöge kamen zwar nur selten in die Stadt, es gab jedoch eine eigene Regierung für den Altenburger Landesteil. Nicht weit von Altenburg führte die Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761–1821) in den Sommermonaten ihren bekannten Salon, zu dem auch Altenburger Gäste geladen waren. Aber auch die Stadt Altenburg verfügte über ein reges gesellschaftliches Leben.

Im Hause von Hans Wilhelm von Thümmel fand im Altenburg des frühen 19. Jahrhunderts ein reger Teil des gesellschaftlichen Lebens statt.
Im Hause von Hans Wilhelm von Thümmel fand im Altenburg des frühen 19. Jahrhunderts ein reger Teil des gesellschaftlichen Lebens statt.

Seit Hans Wilhelm von Thümmel (1744-1824) im Jahr 1783 den Regierungsvorsitz erhielt, verbrachte er viel Zeit in Altenburg und heiratete 1785 die Tochter des verstorbenen Ministers Rothkirch und Trach. In seinem bis etwa 1792 errichteten Palais mit weitläufigem englischem Garten traf sich die gehobene Altenburger Gesellschaft zu Festen und “Theegesellschaften”.

Der Sohn des damaligen Kirchen- und Schulrats Dr. August Matthiä (1769–1835) berichtete beispielsweise: “Bei den Ministern von Trüzschler und von Thümmel war er [August Matthiä] oft zum Thee oder zum Eßen. Namentlich wurden in dem Thümmelschen Garten, diesem schönen Denkmal eines feinen und lebendigen Natursinns, die genußreichsten Abende verlebt.” (Biografie August Matthiä von seinem Sohne Konstantin. Quedlinburg 1845, S. 102)

Die junge Malerin Louise Seidler wohnte bei Thümmels in Altenburg

Vogel von Vogelstein - Louise Seidler in Rom

1817 wohnte die Malerin Louise Seidler (1786–1866) einige Monate in Thümmels Haus, um auf dessen Wunsch Thümmels hochbetagten Bruder Moritz August (1738–1817) zu porträtierten. In Ihren Lebenserinnerungen beschrieb sie ihren Besuch:

“Der Auftraggeber, Excellenz von Thümmel, der vormalige Minister, war ein schöner, origineller, geistreicher Mann” dessen “höchst geschmackvolle Besitzung lag auf einem kleinen Berge, rings um dieselbe zog sich ein weitläufiger Park, worin sich ein großer Fischteich befand. In diesem Parke sah man fünf oder sechs Schweizerhäuschen, an welche das Gerücht manches Liebesabenteuer des galanten Ministers knüpfte. Kein Wunder also, daß dessen Gemahlin (geb. von Rotkirch), als sie von der Einladung gehört hatte, welche mir zu Theil geworden war, erst genaue Erkundigungen über mich einzog. Da diese beruhigend ausfielen, wurde mir ein Atelier und Schlafzimmer dicht neben den Gemächern der Töchter des Hauses eingeräumt. […] Der Minister von Thümmel, immer noch eine sehr stattliche Erscheinung, war ein barocker Mensch; einmal ließ er auf dem Dache eines türkischen Kiosks, wo sich ein länglicher Altan befand, im Freien das Diner servieren, obwohl es im April eisig kalt war. Schnee und Hagel fiel auf die Tafel nieder, allein wir mußten ausharren. Das Abendteuerliche hatte eben für den Herrn des Hauses einen besonderen Reiz.” (Louise Seidler, Erinnerungen, S. 160ff.)

Der Dichter Moritz August von Thümmel auf einer Lithografie nach dem Gemälde von Louise Seidler, Museum Burg Posterstein
Der Dichter Moritz August von Thümmel auf einer Lithografie nach dem Gemälde von Louise Seidler, Museum Burg Posterstein

Das Verhältnis der Brüder Moritz August und Hans Wilhelm von Thümmel muss sehr eng gewesen sein. Sie hielten zeitlebens stets Kontakt und der berühmte Dichter Moritz August wohnte oft längere Zeit bei seinem Bruder in Altenburg. Eine 1819 von dem Coburger Minister und Kanzler Johann Ernst von Gruner (1757–1822) veröffentlichten Biografie des Dichters, zu der Hans Wilhelm von Thümmel auch Papiere und Briefe beisteuerte, beschreibt beispielsweise, dass Moritz August seinen Bruder als Korrekturleser seiner Werke zu Rate zog, ihm lange, vertrauliche Briefe schrieb und ihm zum Geburtstag blumige bis frivole Gedichte verfasste.

Während ihrer langen Sommeraufenthalte in Löbichau kam auch die Herzogin Anna Dorothea von Kurland öfter zu Thümmel nach Altenburg. Im Juli 1816 vermerkte sie beispielsweise in ihrem Tagebuch: „ich denierte zu Altenburg auch bey Thümels in ihren Garten”. Ein andermal (12. Mai 1817) schrieb sie: „Thümel kahm gleich zu mir in der Stadt Gotha [Hotel in Altenburg] wo wir logirten…“

Bei Thümmels sprach man Französisch

Seine Eindrücke aus dem Hause Thümmel schildert auch der spätere Schriftsteller und Historiker Friedrich Förster (1791–1868) in seinen Jugenderinnerungen. Eng befreundet mit Thümmels gleichaltrigem Sohn Alfred (1791-1828), ging der Bürgersohn bei Thümmels ein und aus und wurde sogar mehrmals mit an den Musenhof Löbichau genommen:

“In Thümmel’s Hause war ich gehöriger Maßen eingeschult worden; es wurde hier nur französisch gesprochen. Ein Emigrant, Marquis Cotlosquet, war Sprachlehrer und führte bei Tisch die Unterhaltung, an auswärtigen Gästen fehlte es nie; unter diesen nahmen die Erzählung des Bruders des Ministers, des berühmten Verfassers der Reisen in das südliche Frankreich, die Aufmerksamkeit in Anspruch. Der geistreiche Humorist nöthigte durch die Erzählung seiner, selbst in der leichtfertigen französischen Sprache oft an das Bedenkliche streifenden, frivolen Abenteuer die Damen, sich hinter ihre Fächer, die zwar das Gesicht, nicht aber das Gehör deckten, zu verstecken, bis Frau von Thümmel durch irgendeine Frage ernsteren Inhalts dem eher beau frère in die Rede fiel.”

“Altenburg ist ein Ort […] wo sich die Langeweile der ganz kleinen Städte nicht findet”

In einer Stadt dieser Größe war die gesellschaftliche Elite überschaubar und man traf in den verschiedenen bedeutenden Häusern der Stadt immer wieder aufeinander. Eines der Zentren dieses Kreises war das Haus des Kommerzienkomissars und Kammerrats Heinrich Reichenbach (1736–1806), der gleichzeitig Inhaber des Altenburger Zweigs des Leipziger Bankhauses Gebrüder Reichenbach war. Seine vier gebildeten Töchter erlangten als die “vier schönen Schwestern Reichenbach” eine gewisse Bekanntheit. Die glanzvollen Feste und Konzerte im Hause Reichenbach soll auch Herzog Emil August Leopold (1772–1822) gern besucht haben. Bei einem dort stattfindenden Maskenball soll er der Familie Reichenbach den Adelsbrief überreicht haben.

Henriette Reichenbach (1775–1857) heiratete den Hofrat, Mediziner und Verleger Dr. Johann Friedrich Pierer (1767-1832), Begründer des Piererschen Universallexikons, der in ihrem Elternhause ein und aus ging. Sie und ihre drei Schwestern verfügten über einiges schauspielerisches Talent und riefen in ihrem Elternhaus eine Liebhaberbühne ins Leben.

Altenburg - das umfangreiche Kartenwerk gab Hans Wilhelm von Thümmel in Auftrag
Altenburg – das umfangreiche Kartenwerk gab Hans Wilhelm von Thümmel in Auftrag

Ab 1785 gab es aber auch ein Komödienhaus in der Pauritzer Gasse, in dem fahrende Schauspielergruppen ihre Stücke aufführten. Wenn gerade nicht Theater gespielt wurde, konnte man die Bühne durch eine Hebevorrichtung in einen Tanzsaal umwandeln.

Altenburg verfügte über ein reiches gesellschaftliches Leben, was allein ein Blick auf die zahlreichen Gesellschaften und Vereine zeigt. Die Altenburger Freimaurerloge “Archimedes zu den drei Reißbrettern” existierte seit 1742. Bereits seit 1784 traf sich die oft als sehr lebhaft und lustig beschriebene Concertgesellschaft im Fleischerschen Garten jeden Sonnabend zu einem Konzert, inklusive Souper, Billard und Kegelbahn. Seit 1790 gab es die Literarische Gesellschaft, die vom Gothaischen Regierungsrat Johann Georg Geißler (1760–1830) und Hofrat Pierer gegründet wurde und ein Jahr später bereits 50 Mitglieder zählte. 1803 entstand die Pomologische Gesellschaft des Osterlandes, die sich mit dem Apfelanbau beschäftigte. Drei Jahre später wurde die Theegesellschaft der Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft gegründet und 1817 die Naturforschende Gesellschaft des Osterlandes. Ein Jahr später entstand der Kunst- und Handwerksverein, der 1822 eine erste Kunstausstellung organisierte.

Berühmte Gäste im Altenburger Kreis – von Clemens Brentano bis Friedrich Arnold Brockhaus

Friedrich Arnold Brockhaus gründete seinen bekannten Verlag in Altenburg.
Friedrich Arnold Brockhaus gründete seinen bekannten Verlag in Altenburg.

Der oben erwähnte Dr. Pierer wiederum gründete neben anderen Gesellschaften auch einen ärztlichen Kunstverein (1811) und die Sparkasse. Durch ihn fanden auch seine Stiefschwester, die in Altenburg geborene und damals in Weimar sehr umschwärmte Schriftstellerin Sophie Mereau, geborene Schubart (1770–1806), und ihr Verehrer und späterer Mann, der Dichter Clemens Wenzel Maria Brentano (1778–1842), ihren Weg in die Altenburger Gesellschaft. Auch der berühmte Dichter “Dichter der Freiheitskämpfe” Theodor Körner (1791–1813) und der Schriftsteller Jean Paul (1763–1825) hatten Verbindungen nach Altenburg.

Ebenfalls über den Kontakt zu Dr. Pierer wurde der bekannte Verleger Friedrich Arnold Brockhaus (1772–1823) für etwa fünf Jahre Teil des Altenburger gesellschaftlichen Lebens. 1811 verlegte er sein Kunst- und Industriekomptoir von Amsterdam nach Altenburg. 1814 gründete er hier seinen Verlag F.A. Brockhaus. In einem Brief von 1810 schwärmt er:

“Altenburg ist ein Ort […] wo sich die Langeweile der ganz kleinen Städte nicht findet und wirklich ein sehr angenehmer Ton herrscht. Es gibt höchst interessante Cirkel. […] Ueberhaupt ist das Land von allen Kriegsverheerungen beinahe ganz verschont geblieben und ist unter der sanften Gothaischen Regierung wol noch eins der glücklichsten Länder, die es in dem jetzigen Sturme aller Verwirrungen geben mag.”

Inmitten dieser recht offenen, bürgerlichen und adligen Gesellschaft entstand ab ungefähr 1810 das Skatspiel. Brockhaus schloss sich dem Kreise von begeisterten Kartenspielern der “Bromme’schen Tarokgesellschaft” in der Kesselgasse 26 an. Genau gegenüber wohnte Kammerrat Karl Friedrich Ernst Ludwig (1773–1846), ebenfalls ein begeisterter Spieler. Ludwig war in Gotha Privatsekretär von Hans Wilhelm von Thümmel gewesen und durch diese Verbindung anschließend in den Staatsdienst gelangt. In seinem Hause wohnten zwei weitere geistreiche Frauen, seine Gattin Rosine Wilhelmine und deren Schwester Jeanette von Zschock (1775–1833), welche Brockhaus später heiratete.

Der kleine Kreis wurde nicht ohne Ironie „Theegesellschaft“ genannt

An Brockhaus’ Verbindungen zur Altenburger Gesellschaft erinnerte sich Luise Förster (1794–1877), die Schwester Ernst und Friedrich Försters:

“… Brockhaus wurde der Mittelpunkt der gebildeten kleinen Welt in Altenburg. Zu seinem näheren Umgang gehörten: Hofrath Pierer, Professor Messerschmidt, Ludwig Brümmer, Hempel (Spiritus Asper), Bankier Reichenbach, Königsdörfer, Minister von Thümmel und dessen Bruder, der durch seine Schriften bekannte Moritz von Thümmel; auch der hochgeachtete Generalsuperintendent Hermann Demme, durch seine literarische Thätigkeit bekannt und gepriesen, stand dem geistesverwandten Brockhaus nicht fern. Der Umgang mit diesen Familien, wo das seichte Salonleben weder unter Männern noch Frauen sich einbürgern konnte, war für Brockhaus zusagend; er war für den geistigen Austausch in diesen Kreisen das belebende Element (…). Der erwähnte kleine Kreis, welcher sich in fast jeder Woche einmal vereinigte, wurde von den jenem Kreise Fernstehenden nicht ohne Ironie die “Theegesellschaft” genannt; vielleicht auch, weil in jener Zeit der Genuß des Thees, den nur die höhere Gesellschaft sich erlaubte, als ein ungewöhnlicher, aber ‘matter’ Luxus bezeichnet wurde.”

Noch ausführlichere Texte zur Altenburger Gesellschaft gibt es in unserer Publikation:
Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister
Museum Burg Posterstein, 2016 (168 Seiten, farbig, ISBN 978-3-86104-136-8, 20.00 Euro, Bestellung per Mail)

Weitere Beiträge zur #MuseumWeek 2018:
#WomenMW: Die Dame, die unter dem Pseudonym „Ernst Ritter“ schrieb

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Am ersten Tag der diesjährigen internationalen Museumswoche #MuseumWeek stehen Frauen im Mittelpunkt. Wir wollen die #MuseumWeek jeden Tag mit einem thematisch passenden Blogbeitrag begleiten. Unter dem Hashtag #WomenMW führt uns unser Weg in die nur zwei und vier Kilometer von Burg Posterstein in Thüringen gelegenen Schlösser Löbichau und Tannenfeld. Dort gab es mit der Herzogin Anna Dorothea von Kurland nicht nur eine beeindruckende Salonniére. Auch unter den Gästen des Löbichauer Salons waren bedeutende Frauen – zum Beispiel Emilie von Binzer.

Der Salon der Herzogin von Kurland in Schloss Löbichau zählte zu den bekanntesten seiner Art.
Der Salon der Herzogin von Kurland in Schloss Löbichau zählte zu den bekanntesten seiner Art.

Aus den Pariser Salons des 18. Jahrhunderts, in denen sich Mitglieder des Hofes, Gelehrte und Künstler begegneten, ging in der Zeit der Aufklärung eine Kultur hervor, die sich über ganz Europa ausbreitete. Den gesellschaftlichen Mittelpunkt bildete stets die Gastgeberin. Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich Schloss Löbichau zu einem solchen Zentrum des geistig-kulturellen Lebens in Deutschland. Der Salon der Herzogin von Kurland in Löbichau gehörte zu den bekanntesten seiner Art.

Wie eine Mappe aus dem Besitz Emilie von Binzers nach Posterstein kam

2014 konnte das Museum Burg Posterstein aus Finanzmitteln des Freistaats Thüringen und der Bürgerstiftung Altenburger Land eine einmalige Sammlung von Portraitzeichnungen ankaufen: 47 aquarellierte Zeichnungen aus den Jahren 1819/20, die Gäste im Salon der Herzogin von Kurland als Fabelwesen darstellen. Aufbewahrt wurden die Unikate in einer dunkelgrünen Halblederkassette.

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Ernst Welker. – Museum Burg Posterstein, CC BY-SA 4.0, Link

Eines der Blätter, das Porträt von Fritz Piattoli, ist mit der Signatur „Emilie del.“gekennzeichnet.

Die Urheber dieser heiteren Portraits sind der Maler Ernst Welker und vermutlich teilweise auch seine Zeichenschülerin Emilie von Binzer, geb. von Gerschau – die spätere Schriftstellerin war eine Pflegetochter der Herzogin Wilhelmine von Sagan, der ältesten Tochter Dorothea von Kurlands.

In ihrem Erinnerungsroman „Drei Sommer in Löbichau“ schrieb Emilie von Binzer:

„Ich besitze eine Mappe, die klein Welkerchen in Löbichau mit Porträts der ihm zugänglichen anwesenden Gäste, meist in Thiergestalt, füllte; darunter stehen Fibelverse, die sich mehr durch gute Laune, ja Uebermuth, als durch Witz auszeichnen, die Mappe enthielt siebenundvierzig Blätter, die gelegentlichen Besucher aus der Nachbarschaft sind nicht darunter, nur solche, die wirklich in Löbichau wohnten.“

Man darf sich den etwa 35-jährige Zeichenlehrer und seine 19-jährige Schülerin vorstellen, die einen Sommer auf dem idyllischen Landsitz Löbichau und Tannenfeld verbringen und einen humoristischen Blick auf die bekannten und weniger bekannten Persönlichkeiten im Salon der Herzogin von Kurland werfen. Die Dargestellten treten als Fabelwesen auf, meist in Tiergestalt oder als Gegenstand mit einem menschlichen Portrait-Kopf. Es ist nicht bekannt, ob die abgebildeten Personen Kenntnis von der Existenz dieser Zeichnungen hatten. Immerhin, in Löbichau ging es sehr liberal zu. Die Urheber der Karikaturen schonten auch sich selbst nicht: Emilie ist als Spargel dargestellt, Welker als Auster.

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Ernst Welker. – Museum Burg Posterstein, CC BY-SA 4.0, Link

Ihre berühmte Tante führte sie in die Welt der Salons ein

Die Schriftstellerin Emilie Henriette Adelheid von Binzer (1801-1891) kam in Berlin als Emilie von Gerschau zur Welt. Sie wuchs bei ihrer Tante Wilhelmine von Sagan mit zwei weiteren Pflegetöchtern auf. Ihr Vater Peter von Gerschau soll ein illegitimer Sohn des Herzogs von Kurland gewesen sein. Er diente als russischer Generalkonsul in Kopenhagen. Durch ihr Leben bei Herzogin Wilhelmine wurde sie in das Salonleben eingeführt und lernte in jungen Jahren bedeutende Persönlichkeiten, wie Metternich, Talleyrand, Zar Alexander, Windischgrätz, Wellington, Blücher und Schwarzenberg kennen.

In den Jahren 1819/20 war sie mit dem Maler Ernst Welker und der Herzogin von Sagan in Löbichau und Tannenfeld. Nach über 50 Jahren schrieb sie ihr Erinnerungsbuch „Drei Sommer in Löbichau“, worin sie die von Welker porträtierten Personen einzeln charakterisiert.

Aufnahme Frauenlobs des 2 ten am 8. September in Löbichau 1819, Aquarell, gemalt von Ernst Welker, Museum Burg Posterstein
Aufnahme Frauenlobs des 2 ten am 8. September in Löbichau 1819, Aquarell, gemalt von Ernst Welker, Museum Burg Posterstein

In Löbichau traf Emilie den Dichter Jean Paul, die Familie Körner, die Feuerbachs, Carl August Böttiger, Friedrich Arnold Brockhaus, Christoph August Tiedge und Elisa von der Recke und auch den Burschenschaftler August Daniel von Binzer, den sie 1822 im Schloss Sagan heiratete. Unter dem Pseudonym „Ernst Ritter“ veröffentlichte sie die Novellensammlung „Mohnkörner“. Auf ihr literarisches Werk übten vor allem Personen und Erlebnisse der Zeit des Wiener Kongresses Einfluss aus. In ihren Häusern in Wien, Linz und Altaussee unterhielt sie musische Kreise. Freundschaften verband sie mit Adalbert Stifter und Franz Grillparzer. Über persönliche Empfehlung Grillparzers wurde Emilie von Binzer zur Beraterin und mütterlichen Freundin des jungen Erzherzogs Maximilian, Bruder des Kaisers Franz Joseph I. „Der Salon Binzer galt in Wien und später in Linz, wohin die Familie im Revolutionsjahr 1848 ihren Wohnsitz verlegte, als ein Mittelpunkt des künstlerischen und gesellschaftlichen Lebens.“, beurteilt das Literaturmuseum Altaussee.

Die Sammung Welker beim Kultur-Hackathon Coding da Vinci

2015 konnten die einmaligen Zeichnungen von Ernst Welker erstmals in einer Sonderausstellung mit dem Titel „Salongeschichten – Paris-Löbichau-Wien. Gäste im Salon der Herzogin von Kurland im Portrait des Malers Ernst Welker“ der Öffentlichkeit gezeigt werden. Danach wurden sie zunächst vor Ort digital in einen Touchscreen in der Dauerausstellung des Museums integriert und können dort auch weiterhin von den Besuchern betrachtet werden. Seit 2018 sind sie digitalisiert und über das Portal Museen in Thüringen zugänglich.

Für den Kultur-Hackathon Coding Da Vinci Ost sind die Blätter nun in hoher Auflösung und mit CC-BY-SA-Lizenz auch auf Wikimedia Commons zu finden.

Unser erster Kultur-Hackathon: Die Sammlung Welker bei Coding da Vinci Ost in der Universitätsbibliothek Leipzig.
Unser erster Kultur-Hackathon: Die Sammlung Welker bei Coding da Vinci Ost in der Universitätsbibliothek Leipzig.

Im Rahmen des Hackathons arbeiten einige der 140 Teilnehmer – darunter Designer, Programmierer und Studenten verschiedener Fachrichtungen – mit den Daten des Museums Burg Posterstein. Die nächsten neun Wochen verbringen sie ihre Freizeit damit, aus den spielerischen historischen Zeichnungen, moderne spielerische Anwendungen zu erstellen. Wir werden sie natürlich mit fachlichen Infos unterstützen und sind sehr gespannt auf die Ergebnisse, die am 16. Juni präsentiert werden! Die Projekte können im Hackdash von Coding da Vinci mitverfolgt werden und wer Lust hat, kann sogar noch einsteigen und mitmachen.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein