#ZukunftThüringen – Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow besuchte Posterstein auf seiner Sommertour

Auf dem Besuchsprogramm zur Sommertour des Thüringer Ministerpräsidenten Bodo Ramelow standen am 5. Juli 2018 auch Herrenhaus und Burg Posterstein.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow zusammen mit Museumsdirektor Klaus Hofmann und Landrat Uwe Melzer (von links) auf dem Postersteiner Burgberg.
Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow zusammen mit Museumsdirektor Klaus Hofmann und Landrat Uwe Melzer (von links) auf dem Postersteiner Burgberg.

„Ich freue mich auf die breite Palette von Terminen, die abwechslungsreicher nicht sein könnten“, sagt der Ministerpräsident vorab. „Dabei ist es mir nicht nur wichtig, Thüringen als Kultur- und Tourismusland zu erleben. Ich möchte den Menschen begegnen, die mit ihrem Tun unsere Gesellschaft im Innersten zusammenhalten, die mit ihrem Dienst unser Zusammenleben möglich und lebenswert machen. Das betreffe sowohl die Menschen, die sich ehrenamtlich engagierten als auch diejenigen, die beruflich in verschiedensten Bereichen der Daseinsvorsorge tätig sind.“ So stand es zu lesen in der Presseankündigung der Staatskanzlei. Damit hatte sich der Thüringer Ministerpräsident Posterstein genau zum richtigen Zeitpunkt ausgesucht.

Im Video empfielt der Ministerpräsident Posterstein:

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„Gemeinsam nicht Einsam – neues Leben auf dem Land“

Direkt neben der Burg Posterstein gestalten derzeit der Verein Burgberg Posterstein e.V. und die Gemeinde Posterstein das Areal des historischen Burgbergs neu. Im Projekt „Gemeinsam nicht Einsam – neues Leben auf dem Land“ soll der Burgberg zu einem Zentrum für Wohnen, Arbeiten, Kultur  und Tourismus entwickelt werden. Die Sanierung des historischen Herrenhauses ist in vollem Gange und soll im Rahmen von verschiedenen Förderungen und Eigenleistungen bis 2019 abgeschlossen sein. Auch der Platz vor der Burg wird neu gestaltet. Ein weiterer großer Schwerpunkt der Entwicklung des Burgbergs ist der Neubau des in den 1950er Jahren abgerissenen Nordflügels der Burg.

Auf einer kurzen Führung durch das Museum Burg Posterstein.
Auf einer kurzen Führung durch das Museum Burg Posterstein.

Europäisches Zentrum für Salonkultur: Ein Tourismus- und Informationszentrum in der Burg Posterstein

Das inhaltliche Gestaltungskonzept des Neubaus des historischen Nordflügels der Burg verknüpft die Orte der Europäischen Salonkultur im Altenburger Land: insbesondere Residenzschloss Altenburg, Lindenau-Museum, Marstall, verschiedene Palais in Altenburg, Schlösser Tannenfeld und Löbichau.

Vor der Ruine des in den 1950er Jahren abgerissenen Nordflügels.
Vor der Ruine des in den 1950er Jahren abgerissenen Nordflügels.

Es nimmt direkten Bezug auf die Tourismusstrategie des Freistaates Thüringen, die die Entwicklung von touristischen Leitprodukten mit Alleinstellungsmerkmal und überregionaler Ausstrahlungskraft anregt.

In der Ausstellung zur Salongeschichte trug sich Bodo Ramelow ins Gästebuch der Burg ein.
In der Ausstellung zur Salongeschichte trug sich Bodo Ramelow ins Gästebuch der Burg ein.

Die Salonkultur im Altenburger Land bietet damit hervorragende Anknüpfungspunkte für gemeinsame Projekte und die Vernetzung der verschiedenen Museen und anderen Kultur-Akteure. Posterstein ist für viele Touristen, die von Süden und Westen her in die Region kommen, quasi das Tor zum Altenburger Land. Salongeschichte fand in Weimar und Gotha statt, aber auch im Altenburger Land. Mit gemeinsamen Vermittlungs- und Veranstaltungskonzepten soll die Region vorangebracht und dieses spannende Thema belebt und gelebt werden.

Die Gesprächspartner: Landrat Uwe Melzer (CDU), Bürgermeister Stefan Jakubek (parteilos), Vorsitzender des Fördervereins Herrmann Marsch und Museumsdirektor Klaus Hofmann informierten den Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (die Linke) in der fast 1,5-stündigen Visite ausführlich über den aktuellen Stand der verschiedenen Postersteiner Projekte.

von Klaus Hofmann / Museum Burg Posterstein

Zum Weiterlesen:

#heritageMW: Ein europäisches Tourismus- und Informationszentrum im Geiste der historischen Salons in der Burg Posterstein

Wir brauchen bis in den kleinsten Thüringer Winkel hinein Konzepte, die über den Tellerrand hinaus blicken: Statement zur Thüringer #Museumsperspektive2025

Meer und Migration im 19. Jahrhundert – wie sich Auswanderer aus Sachsen-Altenburg in den USA eine neue Heimat aufbauten

Felsen im Mississippi
Nach einer langen Schiffsreise nach Amerika strandeten Einwanderer aus dem Altenburger Land 1839 an diesem Felsen im Mississippi.

„Altenburg: Home is Where Our Story Begins“ lautete der Titel einer Internationalen Konferenz der “Perry County Lutheran Historical Society“ (PCLHS) und des “The Foreign Languages & Anthropology Department” der Southeast Missouri State University über die deutsche Auswanderung in die Vereinigen Staaten im Jahr 1839, die 2010 in Altenburg Missouri (USA) stattfand. Zwar sind seither fast acht Jahre vergangen, aber die Thematik der Migration ist aktueller denn je. In unserem Beitrag zur Blogparade #DHMMeer des Deutschen Historischen Museums wollen wir unsere eigene Migrationsgeschichte über das Meer im 19. Jahrhundert beleuchten.

Etwa ein Sechstel der heutigen US-Bevölkerung hat deutsche Vorfahren

Im 19. Jahrhundert zog es viele Deutsche nach Amerika, wo sie sich ein besseres Leben versprachen. Die Menschen verließen ihr Heimatland damals vor allem aus religiösen, sozialen und wirtschaftlichen Gründen – wegen Überbevölkerung, fehlenden Erwerbsmöglichkeiten, Arbeitslosigkeit oder den Missernten der Jahre 1846/47.

1839 wanderten über 1200 Personen aus Preußen aus, darunter 570 aus Pommern, 313 aus Sachsen, 270 aus Schlesien und 36 aus Berlin. In diese Phase der so genannten altlutherischen Auswanderung fällt auch die Auswanderung aus der Region des damals selbständigen Herzogtums Sachsen-Altenburg.

Eine Tafel erinnert in Altenburg, Missouri, an die Migrationsgeschichte von Sachsen-Altenburg in die "Neue Welt"
Eine Tafel erinnert in Altenburg, Missouri, an die Migrationsgeschichte von Sachsen-Altenburg in die “Neue Welt”

Anschließend, also nach 1848, verließen tausende Menschen die deutschen Staaten, darunter 1844 bis 1848 etwa 40.000 aus Preußen und 1850 bis 1855 rund 59.000 aus Baden. Um 1860 soll es 1,3 Millionen deutschstämmige Einwanderer in den Vereinigten Staaten gegeben haben. Allein 1882 wanderten 250.000 Deutsche in die USA ein und schon 1890 waren dort inzwischen 2,8 Millionen deutschstämmige Einwanderer registriert.
Zentren der deutschen Einwanderung bildeten beispielsweise Cincinnati, Milwaukee, St. Louis oder Chicago. Es gab etwa 800 deutschsprachige Zeitungen.

Die Welle reißt weitere Menschen mit

Von der geglückten Reise und dem neuen Leben erzählten Briefe der Auswanderer und Reisebeschreibungen, wie zum Beispiel Gottfried Dudens „Bericht über eine Reise nach den westlichen Staaten Nordamerikas und einen mehrjährigen Aufenthalt am Missouri“ aus dem Jahr 1829. Aber auch reisende Anwerbeagenten beschleunigten die Migration. Zwischen 1842 und 1852 erschienen über 300 Reiseberichte. Ab 1847 übernahm der Nationalverein für Deutsche Auswanderung eine koordinierende Funktion.

Unter Pastor Stephan (1777-1846) aus Dresden wanderten 750 Lutheraner nach Missouri aus

Eine bunt gemischte Gruppe von Auswanderern aus Sachsen-Altenburg, der Region Dresden und Hannover strandete 1839 an einem Felsen im Fluss Mississippi. Direkt am Fluss gründeten die einem strengen lutherischen Glauben anhängenden Siedler den Ort Wittenberg. Nicht selten wurden die in Blockbauweise, an die heimische Baukultur erinnernden Häuser von den Hochwassermassen des legendären Flusses mitgerissen, weshalb heute von dieser Siedlung nur noch der Wittenberg Boat Club und eine verfallene Poststation zeugen.

Diese wahrscheinlich größte evangelische Auswanderung organisierten verschiedene Geistliche unter der Leitung von Pfarrer Martin Stephan aus Pirna bei Dresden. Stephan vertrat eine sehr extreme, antiökumenische Theologie, die außerhalb des lutherischen Glaubens kein Heil versprach. Seine Anhänger, „Stephanianer“ genannt, verehrten ihn und seine Schriften.
In Folge sozialer Missstände nach den napoleonischen Kriegen und verschärften Abgabelasten auf dem Lande erwogen parallel zu ersten revolutionären Unruhen auch in der Region Altenburg immer mehr Menschen, ihr Glück in der Ferne zu suchen. Ursprünglich zogen die Auswanderer um Martin Stephan auch Australien als mögliche neue Heimat in Betracht, aber südlich von St. Louis, in Missouri, bot man ihnen rund 10.000 Morgen Land zu günstigen Preisen an.

Die gefährliche Reise übers Meer

Im Winter 1838/39 reisten insgesamt fünf Schiffe mit Siedlern aus dem Königreich Sachsen und dem Herzogtum Sachsen-Altenburg in die so genannte „Neue Welt“. Mit an Bord nahmen die frommen Auswanderer auch 900 Exemplare von Luthers Katechismus. Sogar während der langen Seereise erhielten die Kinder Unterricht. Alle Schiffe erreichten ihr Ziel, bis auf ein kleineres Boot namens „Amalia“, das höchstwahrscheinlich bei Frankreich mit einem größeren Schiff kollidierte.

Ein Farmhaus in Altenburg, Missouri
Ein Farmhaus in Altenburg, Missouri

Allmählich wurde die Überfahrt zum Geschäft und dauerte anfangs zwischen sieben und zwölf Wochen mit zwei- oder dreimastigen Segelschiffen. Die Auswanderer mussten Matratzen, Decken und Geschirr selbst vorhalten. Die Unterbringung erfolgte meist im Zwischendeck bei großer Enge und schlechten hygienischen Bedingungen. Als Verpflegung gab es Salzfleisch, Kartoffeln, Bohnen, Erbsensuppe, Sauerkraut, Speck, hartes Brot, Tee, Kaffee und manchmal galt Selbstverpflegung. Wasser war knapp, weshalb Ruhr, Typhus und Pocken zu den häufigsten Krankheiten zählten.

Seit 1728 galt das so genannte „Redemptionssystem“, bei dem die Reeder die Kosten der Überfahrt vorstreckten und der Auswanderer in Amerika dann diese Summe abarbeiten musste, wobei man sich den Dienstherrn nicht immer aussuchen konnte. Zahlreiche Agenten warben in ganz Europa für die Auswanderung.

Seit 1822 verkehrten regelmäßige Schiffslinien von Bremerhaven nach New York. 1847 erfolgte die Gründung der HAPAG „Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft“ und 1857 die Gründung des „Norddeutschen Lloyd“ in Bremen. Seit den 1850er Jahren lösten Dampfschiffe die Segelschiffe schrittweise ab. Ab 1870 gewann der Auswandererhafen in Hamburg immer mehr an Bedeutung und 1892 wurde der Nordatlantische Dampfer-Linien-Verband gegründet, zu dessen Mitgliedern Norddeutscher Lloyd, HAPAG, Red Star-Linie und Holland-Amerika-Linie zählten.

Altenburg, Dresden und Wittenberg in der „neuen Welt“

1839 kamen die Siedler aus Sachsen-Altenburg in Missouri an. Zu dieser Zeit glich die dortige Landschaft einer noch unbewohnten Wildnis. Die Neuankömmlinge hätten den Winter dort kaum überstanden, wären sie nicht von der lutherischen Gemeinde in St. Louis unterstützt worden. Im heutigen Bundesstaat Missouri, im Landkreis Perry County, gründeten die deutschen Siedler nach ihren Heimatstädten bzw. -regionen benannte Orte wie Dresden, Seelitz, Johannisberg, Altenburg, Frohna, Paitzdorf und Wittenberg. Dresden, Seelitz und Johannisberg wurden bereits 1841 nach Altenburg, Missouri, eingemeindet. Weil natürlich nur das Beste aus der neuen Heimat berichtet wurde, trafen auch später noch weitere Auswanderer aus der Region Altenburg in der neu gegründeten Stadt ein.

Schulgebäude von 1839 in Altenburg Missouri
Das 1839 errichtete Schulgebäude ist das älteste Haus in Altenburg, Missouri

Als eine ihrer ersten Handlungen errichteten die Siedler im August 1839 eine Schule, an der Kinder eine umfassende gymnasiale Bildung erhalten sollten: Religion, Latein, Griechisch, Hebräisch, Deutsch, Französisch, Englisch, Geschichte, Geografie, Mathematik, Physik, Naturgeschichte, Philosophie, Musik und Zeichnen standen auf dem Lehrplan. Der Anspruch der Schule war kein geringerer, als die Absolventen für ein Universitätsstudium zu rüsten. Im ersten Jahr begannen sieben Jungen und drei Mädchen dort den Unterricht.

“Indianer, wilde Bestien und mexikanische Soldaten” brauchte man in Altenburg nicht zu fürchten

Der Pfarrer Martin Stephan derweil lebte in der neuen Heimat ein nicht eben sittlich-christliches Leben und ließ sich zum Bischof ernennen und hofieren wie ein König. Nachdem die Gemeinde endlich erkannt hatte, wie sehr sie durch ihren geistlichen Führer betrogen worden war, entließ sie ihn. Erster Präsident der Missouri Synode, die heute zwei Millionen Mitglieder verzeichnet, wurde der aus Langenchursdorf stammende Ferdinand Wilhelm Walther. Gotthold Heinrich Loeber aus Kahla übernahm den Posten als Pfarrer im neu gegründeten Altenburg. Er beschrieb am 10. September 1839 in einem Brief nach Deutschland das Leben in der neuen Welt, wo die meisten Familien zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Häusern, sondern in provisorischen Baracken lebten. Beruhigend fügte er aber hinzu, dass sich die Verwandten in der Heimat keine Sorgen wegen Indianern, wilden Bestien oder mexikanischen Soldaten machen müssten, denn solche Dinge bräuchte man in Altenburg bislang nicht zu fürchten.

Wer mehr zur Geschichte des amerikanischen Altenburgs erfahren möchte, dem sei das Lutheran Heritage Center & Museum der Perry County Lutheran Historical Society oder auch das in den USA auf Englisch erschienene Buch „Altenburg Missouri and the surrounding Parishes“ empfohlen (Hrsg.: Mary Beth Mueller Dillon, Lynhorst, Indianapolis, 2010).

Und Europa heute?

Noch immer liegt das Meer zwischen Europa und Amerika und manchmal scheint die Distanz zwischen den Kontinenten größer denn je. Auf der Hand liegt, dass Europa ein neues Selbstverständnis braucht und sich seiner Werte besinnen muss.

Das Museum Burg Posterstein hat das Thema aufgegriffen und 2018 eine Reihe von Ausstellungen gestartet, die sich unter dem Motto #SalonEuropa mit dem Thema Europa auseinandersetzen. Ausgangspunkt ist die Salonkultur um 1800, ein Forschungsschwerpunkt im Museum Burg Posterstein.

Brachte der Wiener Kongress 1815 nach den verheerenden napoleonischen Kriegen für Jahrzehnte wieder Frieden und Stabilität in Europa, so kann man das in vergleichbarer Weise von der europäischen Einigung und der Überwindung der europäischen Teilung nach dem zweiten Weltkrieg behaupten. Nach der Euphorie der 1990er Jahre, als Europa in den Augen vieler seiner Bürger für Wachstum und Stabilität stand, hat sich die Lage spätestens mit der Finanzkrise 2007/08 gewandelt. Es findet Einwanderung nach Europa und Deutschland statt und es scheint unter dem Einfluss von Terror, Flüchtlingskrise und Populismus Europaskepsis vorzuherrschen.
Im Salon der Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761-1821) in Löbichau und Tannenfeld im heutigen Altenburger Land durfte jeder frei seine Meinung äußern, wenn sie nur höflich vorgetragen wurde. Mit der Ausstellungsreihe #SalonEuropa wollen wir den Versuch starten, diese Salonkultur des frühen 19. Jahrhunderts aufzunehmen und sie aufs Heute zu übertragen.

Sonderausstellung #SalonEuropa im Hier und Jetzt: Schloss Tannenfeld – Inspiration und Wirklichkeit

Vier Künstlerinnen aus Deutschland, Frankreich und Polen knüpfen in der Ausstellung #SalonEuropa im Hier und Jetzt an die Tradition des historischen Salons an und stellen ein gemeinsames Kunstprojekt auf die Beine, in dem sie explizit auf den prägenden europäischen Gedanken verweisen, der in Schloss Tannenfeld unter der Herzogin Anna Dorothea von Kurland gelebt wurde. Mit ihren Arbeiten bringen die vier Künstlerinnen ihren jetzigen Standpunkt, ihre jetzige Sichtweise zum Thema EUROPA zum Ausdruck. Angesichts der aktuell beunruhigenden politischen Tendenzen innerhalb des Kontinentes geht es vor allem ums Bewahren, um nach vorne schauen zu können.

Das Werk "Europa" von Verok Gnos ist derzeit in der Ausstellung #SalonEuropa im Hier und Jetzt zu sehen.
Das Werk “Europa” von Verok Gnos ist derzeit in der Ausstellung #SalonEuropa im Hier und Jetzt zu sehen.

So verfasste beispielsweise die Französin Verok Gnos dieses Statement für den Katalog:

„Die Konstruktion Europa entstand nach dem Willen von Männern mit Visionen, die danach strebten, den Frieden in Europa zu schützen und den wirtschaftlichen Aufschwung zu sichern. Diese Konstruktion ist in mehreren Etappen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bis in unsere Tage entstanden. Aber am schwierigsten war es, ein Band zwischen Frankreich und Deutschland (feindlichen Ländern in aufeinanderfolgenden Kriegen) und den anderen Ländern zu erschaffen, um eine Gemeinschaft aufzubauen. Diese Vereinigung lässt Europa Beziehungen und den nachhaltigen Austausch in allen Gebieten erschaffen: Kultur, Gesellschaft, Wirtschaft, Bildung, Forschung, Gesundheitswesen und Umweltschutz. Ein einzelnes und isoliertes Land hätte weder solche Kraft noch solchen Reichtum. Aber seit 2016 ist dieses Europa zerbrechlich geworden: Brexit, Terrorgefahr, Anschläge, Flüchtlingskrise und Aufstieg von Populismus. Sind wir uns bewusst, was uns Europa bringt?“


Wir nehmen den Staffelstab zur nächsten Blogparade auf!

Mit der Blogparade #SalonEuropa – Vernetzung damals und heute – Europa bedeutet für mich…? wollen wir von 23. September bis 23. Oktober 2018 den Reigen der Blogparaden von Schlösser und Gärten in Deutschland e.V. und dem Deutschen Historischen Museum fortsetzten. Unsere Blogparade wird in Kooperation mit Dr. Tanja Praske von KULTUR-MUSEUM-TALK stattfinden.

Wir suchen Unterstützung für das Labor #SalonEuropa vor Ort und digital
Wir suchen Unterstützung für das Labor #SalonEuropa vor Ort und digital


Wir suchen Europa-Meinungen und Fotos für unsere nächste Ausstellung #SalonEuropa vor Ort und digital

Die Schau #SalonEuropa vor Ort und digital versteht sich als ein Labor. Ausgehend von der historischen Salonkultur um 1800 soll sie den Bogen schlagen in die heutige Zeit und zur aktuellen politischen Lage. Im #SalonEuropa Labor soll Besuchern vor Ort und im Digitalen die Möglichkeit gegeben werden, ihre Gedanken zu Europa heute zu äußern. Auf einem großen Bildschirm in der Ausstellung und der Website salon-europa.eu sollen unter der Überschrift “Europa bedeutet für mich…?” in Videos, kurzen Statements und Blogposts unterschiedliche Meinungen zu Europa zu Wort kommen. Durch Bilder von verschiedenen europäischen Orten um 1800 und heute (in Lettland, Polen, Deutschland, Österreich und Frankreich) soll die Ausstellung das Damals und das Heute verbinden. Wir suchen Fotos von europäischen Orten heute und Menschen, die mit ihrer Meinung zur Frage “Europa bedeutet für mich…?” in der ein oder anderen Form in der Ausstellung vertreten sein möchten. Kontaktieren Sie uns gern in den sozialen Netzwerken, per Mail oder persönlich.

Von Klaus Hofmann / Museum Burg Posterstein

Online gemeinsam über Kultur reden: Das Museum Burg Posterstein erreichte mit seinen Tweets zur #MuseumWeek 2018 über 2,1 Millionen Twitter-Accounts

Sieben Tage lang zog sich vom 23. bis 29. April 2018 die digitale, europäische Museumswoche mit dem Lesezeichen #MuseumWeek wie ein buntes, internationales Museumsfestival durch unseren Alltag. Das nach eigener Beschreibung „erste weltweite Kultur-Event in sozialen Netzwerken“ setzt an jedem Tag der #MuseumWeek einen neuen thematischen Schwerpunkt – in diesem Jahr zum Beispiel Frauen, Kinder, Kulturerbe, Natur, Stadt, Unterschiede und Berufe. In diesem Jahr fand die #MuseumWeek bereits zum fünften Mal statt und es nahmen weltweit Museen aus 92 Ländern teil. Das Museum Burg Posterstein nahm zum vierten Mal teil und steuerte wieder jeden Tag einen thematisch passenden Blogpost bei, dreimal sogar zusätzlich auf Englisch. Viel Aufwand für ein reines Online-Ereignis – wir ziehen Bilanz.

Zur MuseumWeek bloggen wir traditionell zu den wichtigsten Themen und Ausstellungen, die uns im Museumsalltag beschäftigen. Möglicherweise auch international interessante Blogposts übersetzen wir auch ins Englische. In diesem Jahr, das bei uns mit gleich mehreren Ausstellungen und Veranstaltungen unter dem Motto #SalonEuropa steht, drehte sich vieles um europäische Salongeschichte. Wir nutzten die Gelegenheit, um vor einem weitaus größeren, kulturinteressierten Publikum als normalerweise, auf unsere Forschungsarbeit, unsere Ausstellungsthemen und Ideen für die Zukunft hinzuweisen.

Mit unseren Blogposts erreichten wir im Laufe der Museumswoche doppelt so viele Leser wie in einer vergleichbaren „normalen“ Woche. Bei den Blog-Zugriffen via Twitter konnte eine Steigerung von 1600 Prozent erreicht werden. Verstärkt gingen auch Zugriffe aus EU-Ländern wie Frankreich und Italien ein, die sonst eher selten sind.

Unter den deutschen Museen hatten das DDR-Museum in Berlin, das Museum Burg Posterstein und das Museum für Kommunikation in Frankfurt/Main zur MuseumWeek 2018 die größte Reichweite.
Unter den deutschen Museen hatten das DDR-Museum in Berlin, das Museum Burg Posterstein und das Museum für Kommunikation in Frankfurt/Main zur MuseumWeek 2018 die größte Reichweite.

Burg Posterstein mit der zweitgrößten Reichweite unter den deutschen Museen

Während der gesamten Museumswoche wurden weltweit über 65.500 Tweets zum Thema versendet, die wiederum über 657.000 Mal geteilt wurden. Auf der Website der #MuseumWeek werden in einer Liste die „einflussreichsten“ teilnehmenden Museen aufgezählt, gemessen an der Zahl der mit ihren Tweets potentiell erreichten Twitter-Nutzer. Weltweit führten diese Liste große Museen wie der Louvre an, der potentiell über 180 Millionen Menschen erreichte, gefolgt von The Met und Herimitage. Unter den Top 10 waren keine deutschen Museen vertreten.

In Deutschland wurden über 1300 Tweets zum Thema versendet, die über 10.700 Mal geteilt und über 500 Mal kommentiert wurden. Das #MuseumWeek-Ranking der deutschen Museen führte (wie schon 2017) das DDR-Museum in Berlin an mit einer Reichweite von über drei Millionen. Auf Platz 2 konnten wir mit unseren Tweets über 2,1 Millionen Twitter-Accounts erreichen – fast drei Mal so viele wie 2017. Ebenfalls besonders erfolgreich nahmen das Museum für Kommunikation in Frankfurt/M, das Frankfurter Städel-Museum, das Ägyptische Museum München, das Archäologische Museum Hamburg, die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, das Haus der Geschichte, die Deutsche Digitale Bibliothek und das Deutsche Museum an der #MuseumWeek teil.

Die Ausstellung und Forschung zur europäischen Salongeschichte bieten wunderbare Anknüpfungspunkte für einen gemeinsamen Austausch über Kultur in Europa.
Die Ausstellung und Forschung zur europäischen Salongeschichte im Museum Burg Posterstein bieten wunderbare Anknüpfungspunkte für einen gemeinsamen Austausch über Kultur in Europa.

Die #MuseumWeek als Chance, die Region sichtbar machen

Während der Museumswoche entspannen sich interessante Gespräche mit Kulturinteressierten und Museumskollegen in Deutschland und ganz Europa. Besonders aktiv waren Museumskollegen in Frankreich und Italien, mit denen wir über das Thema europäische Salons um 1800, die Herzogin von Kurland oder die Sammlung des Lindenau-Museums ins Gespräch kamen. Wir nutzten gemeinsam mit den Kollegen aus dem Residenzschloss Altenburg, dem Lindenau-Museum, der Klassikstiftung Weimar und dem Schloss Friedenstein die Gelegenheit, das Altenburger Land und die Thüringer Museen bekannter zu machen. Denn zweifellos profitieren nicht nur Museen davon, wenn es gelingt, die Kulturschätze Thüringens bekannter zu machen, sondern durch steigende Besucherzahlen am Ende auch Hotels, Gaststätten und Geschäfte vor Ort. 2017 verzeichneten die 235 Museen des Thüringer Museumsverbands wieder über vier Millionen Besucher und sind damit die am häufigsten besuchten Kultureinrichtungen in Thüringen.

Gemeinsam Kultur sichtbar machen: Die Sammlung antiker Keramik umfasst im Lindenau-Museum Altenburg etwa 400 Vasen. Im Rahmen des Kultur-Hackathons Coding da Vinci hat das Lindenau-Museum seine Sammlung digital geöffnet.
Gemeinsam Kultur sichtbar machen: Die Sammlung antiker Keramik umfasst im Lindenau-Museum Altenburg etwa 400 Vasen. Im Rahmen des Kultur-Hackathons Coding da Vinci hat das Lindenau-Museum seine Sammlung digital geöffnet.

Ausstellung #SalonEuropa: Durch die #MuseumWeek sind erste Europa-Meinungen eingegangen

Am letzten Tag der Museumswoche standen „Unterschiede“ im Mittelpunkt. Wir nutzten die Chance, unsere experimentelle Herbst-Ausstellung #SalonEuropa vor Ort und digital – Europa bedeutet für mich…?“ vorzustellen. Die Ausstellung versteht sich als ein Labor. Ausgehend von der historischen Salonkultur um 1800 soll sie den Bogen schlagen in die heutige Zeit und zur aktuellen politischen Lage. Wie der Dichter Jean Paul anerkennend berichtete, durfte im Salon der Herzogin von Kurland jeder frei seine Meinung äußern, so lange sie höflich vorgetragen wurde. Analog dazu soll im #SalonEuropa Labor Besuchern vor Ort und im Digitalen die Möglichkeit gegeben werden, ihre Gedanken zu Europa heute zu äußern. Auf einem großen Bildschirm in der Ausstellung und auf einer Website sollen unter der Überschrift „Europa bedeutet für mich…?“ in Videos, kurzen Statements und Blogposts unterschiedliche Meinungen zu Europa zu Wort kommen.

Neil McCallum aus Chester, England, nutzte sofort die Gelegenheit und schickte uns einen längeren Text. Darin schreibt er unter anderem, dass wir nun einen Schritt weiter gehen sollten als nur unsere gegenseitigen europäischen Kulturen zu teilen, sondern auch die großen Fragen und Probleme unserer Zeit – wie Migration, Klimawandel und Gleichheit – in Angriff nehmen müssen:

„Now, we need to come together to not just share in the wonders of each other’s cultures, but to tackle the great questions and debates on migration, climate change, and equality which face the continent.” (Neil McCallum)

Jan Graefe aus Münster schrieb:

Merete Sanderhoff vom Kopenhagener Statens Museum for Kunst reichte ein Interview mit der dänischen Künstlerin Pernille Egeskov über deren Europa-Ausstellung ein:

Peter Sömers aus Den Haag empfahl die Ausstellung der virtuellen europäischen Bibliothek Europeana und teilte sein ganz persönliches Europa-Verständnis:

Viele andere kündigten ihr Interesse an, ebenfalls mit ihrer Meinung zu Europa zum Gelingen unserer Labor-Ausstellung beizutragen.

Wer mitmachen möchte, ist herzlich dazu eingeladen, uns seine Sicht auf Europa per Mail an museum@burg-posterstein.de (Betreff: #SalonEuropa) zukommen zu lassen!

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein


Unsere Blogposts zur MuseumWeek:

https://blog.burg-posterstein.de/2018/04/29/differencemw-vernetzung-damals-und-heute-europa-bedeutet-fuer-mich/
https://blog.burg-posterstein.de/2018/04/28/naturemw-ein-naturverbundener-minister-hans-wilhelm-von-thuemmel/
https://blog.burg-posterstein.de/2018/04/27/kidsmw-bitte-ins-museum-mami-die-familienausstellung-die-kinderburg-auf-burg-posterstein/
https://blog.burg-posterstein.de/2018/04/26/professionsmw-ein-lebendiges-museum-braucht-helfer-und-unterstuetzer/
https://blog.burg-posterstein.de/2018/04/25/heritagemw-ein-europaeisches-tourismus-und-informationszentrum-im-geiste-der-historischen-salons-in-der-burg-posterstein/
https://blog.burg-posterstein.de/2018/04/24/citymw-tee-im-salon-die-altenburger-gesellschaft-um-1810/
https://blog.burg-posterstein.de/2018/04/23/womenmw-die-damen-die-unter-dem-pseudonym-ernst-ritter-schrieb/

Rückblick auf einige der Tweets und Themen:








#differenceMW: Vernetzung damals und heute – Europa bedeutet für mich…?

Brachte der Wiener Kongress 1815 nach den verheerenden napoleonischen Kriegen für Jahrzehnte wieder Frieden und Stabilität in Europa, so kann man das in vergleichbarer Weise ebenso von der europäischen Einigung, der politischen Wende 1989 und der Überwindung der europäischen Teilung nach dem zweiten Weltkrieg behaupten. Nach der Euphorie der 1990er Jahre, in der Europa in den Augen vieler seiner Bürger für Wachstum und Stabilität stand, hat sich die Lage spätestens mit der Finanzkrise 2007/08 gewandelt. Heute scheint unter dem Einfluss von Terror, Flüchtlingskrise und Populismus Europaskepsis vorzuherrschen. Zusätzlich setzen viele das europäische Projekt mit verkrusteten bürokratischen EU-Strukturen gleich. Wir nehmen das letzte Thema – #differenceMW – dieser internationalen Museumswoche #MuseumWeek zum Anlass, um über die unterschiedlichen Sichtweisen auf Europa, heute wie damals, zu schreiben – und über es sehr experimentelles Ausstellungsprojekt.

Auch in der Zeit zwischen Aufstieg und Fall Napoleons und Wiener Kongress befand sich Europa im Umbruch. Ein Portrait Anna Dorothea von Kurlands, von Grassi.
Auch in der Zeit zwischen Aufstieg und Fall Napoleons und Wiener Kongress befand sich Europa im Umbruch. Ein Portrait Anna Dorothea von Kurlands, von Grassi.

Es sind Visionen gefragt, um Europa eine Identität für die Bürger und Handlungsfähigkeit in der Welt zu verschaffen, denn wir leben in Europa und müssen miteinander auskommen, ob wir wollen oder nicht. Wie schnell Frieden auch im Inneren verlorengehen kann, haben die Balkankriege gegen Ende des letzten Jahrhunderts anschaulich gezeigt. Alle sind also gefordert: Politik, Wirtschaft, Kunst, Kultur und die Bürger selbst. Nur wenn ein Dialog stattfindet und in diesem Dialog jeder den anderen und dessen Meinung respektiert, können zukunftsweisende Lösungen gefunden werden. Verständigung braucht Nähe und Nähe muss gefördert werden. Der Salon des 18. und 19. Jahrhunderts hatte diese Nähe und birgt das Potential, sie auch heute zu erzielen. Werden wir salonfähig und nehmen wir die Kultur der Salonnièren aktiv auf, transportieren sie ins Hier und Jetzt.

Die Herzogin von Kurland – eine selbstbewusste Europäerin

Zwischen 1795 und 1821 gab es auf Schloss Löbichau bei Posterstein einen lebendigen Musenhof, der bildende Künstler, Schriftsteller und Politiker, Adlige wie Bürgerliche, aus ganz Europa anzog. Die Gastgeberin, die kluge und schöne Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761–1821), zählte zu den reichsten Frauen Europas. Sie verstand es geschickt, ein soziales Netzwerk zu knüpfen, das sich über den ganzen europäischen Kontinent zog. Ihre Briefe gingen in ihre Heimat Kurland im heutigen Lettland, nach Russland, Polen und Frankreich, nach Italien und Dänemark, nach Wien und nach Karlsbad. Per Kutsche reiste sie zwischen Berlin, Karlsbad, Schlesien, Paris, Wien und Löbichau hin und her.

Schloss Löbichau, Ansichtskarte von 1904 (Museum Burg Posterstein)
Schloss Löbichau, Ansichtskarte von 1904 (Museum Burg Posterstein)

In den Sommermonaten versammelte sie ihre Gäste in ihren Schlössern Löbichau und Tannenfeld im heutigen Altenburger Land. In den Salons dieser Zeit wurden bei Musik, Theater und Tee Kontakte geknüpft und politische Entscheidungen auf den Weg gebracht. Unzählige Briefe dokumentieren diese Zeit. Hätten Menschen wie Anna Dorothea von Kurland damals schon heutige soziale Medien zur Verfügung gestanden, man hätte sie sicher zu den „Influencern“ ihre Zeit zählen dürfen.

Die Ausstellung „#SalonEuropa vor Ort und digital“

Die Ausstellung versteht sich als ein Labor. Ausgehend von der historischen Salonkultur um 1800 soll sie den Bogen schlagen in die heutige Zeit und zur aktuellen politischen Lage. Wie der Dichter Jean Paul anerkennend berichtete, durfte im Salon der Herzogin von Kurland jeder frei seine Meinung äußern, so lange sie höflich vorgetragen wurde. Analog dazu soll im #SalonEuropa Labor Besuchern vor Ort und im Digitalen die Möglichkeit gegeben werden, ihre Gedanken zu Europa heute zu äußern. Auf einem großen Bildschirm in der Ausstellung und auf einer Website sollen unter der Überschrift “Europa bedeutet für mich…?” in Videos, kurzen Statements und Blogposts unterschiedliche Meinungen zu Europa zu Wort kommen.

Die Ausstellung #SalonEuropa: Vor Ort und digital versteht sich als Labor. Besuchern und uns selbst stellen wir die Frage: Was bedeutet Europa für uns selbst?
Die Ausstellung #SalonEuropa: Vor Ort und digital versteht sich als Labor. Besuchern und uns selbst stellen wir die Frage: Was bedeutet Europa für uns selbst?

Im Vorfeld entstehen Videos, in denen lokale Politiker, Wirtschaftstreibende, Künstler und ganz normale Menschen zu Wort kommen. Kommentare können direkt in der Ausstellung eingegeben werden und sind nach Freischaltung im Internet auf der Website www.salon-europa.eu einsehbar. Per soziale Netzwerke und in Blogs sollen Menschen motiviert werden, ihre Meinung zu Europa unter dem Hashtag #SalonEuropa zu teilen. Möglichst viele dieser Meinungen sollen auf der Website zusammenlaufen und somit wieder in der Ausstellung sichtbar werden.

Wir suchen Europa-Meinungen und Fotos für die Ausstellung!

Durch Bilder von verschiedenen europäischen Orten um 1800 und heute (in Lettland, Polen, Deutschland, Österreich und Frankreich) soll die Ausstellung das Damals und das Heute verbinden. Wir suchen Fotos von europäischen Orten heute und Menschen, die mit ihrer Meinung zur Frage “Europa bedeutet für mich…?” in der ein oder anderen Form in der Ausstellung vertreten sein möchten. Kontaktieren Sie uns gern in den sozialen Netzwerken, per Mail oder persönlich.

An einem Arbeitstisch werden die Pläne für ein Zentrum für Europäische Salonkultur im Museum Burg Posterstein öffentlich vorgestellt.

Über ein Vierteljahrhundert wetteiferte alles, was in Europa Rang und Namen hat, darum, vom illustren Diplomaten Talleyrand in Valençay empfangen zu werden. Nach dem Wiener Kongress und der Rückkehr der Bourbonen zog sich Talleyrand mit der jüngsten Tochter der Herzogin von Kurland, Dorothée, auf Schloss Valençay zurück.
Historische Orte in Ansichten von damals und heute sollen in der Ausstellung #SalonEuropa eine Rolle spielen – zum Beispiel Schloss Valençay, Frankreich: Über ein Vierteljahrhundert wetteiferte alles, was in Europa Rang und Namen hat, darum, vom illustren Diplomaten Talleyrand in Valençay empfangen zu werden. Nach dem Wiener Kongress und der Rückkehr der Bourbonen zog sich Talleyrand mit der jüngsten Tochter der Herzogin von Kurland, Dorothée, auf Schloss Valençay zurück.

Verschiedene Formate begleiten die Ausstellung:

Blogparade #SalonEuropa vom 23. September bis 23. Oktober 2018

Wir wollen zu einer Blogparade einladen in Kooperation mit Dr. Tanja Praske von KULTUR-MUSEUM-TALK . Blogger aller Art werden dazu eingeladen, unser Ausstellungsthema zum Anlass für eigene Artikel zu nehmen, die wiederum auf der Ausstellungswebsite #SalonEuropa gesammelt und in den sozialen Netzwerken geteilt werden. Die Blogparade wird die Ausstellung im Internet begleiten. Tanja Praske über Blogparaden:

„Der Grundgedanke einer Blogparade ist die Vernetzung der Blogger untereinander sowie die erhöhte Sichtbarkeit der Blogs im Netz.”

Ziel der Blogparade ist es, die Idee der Ausstellung im Netz mit anderen zu diskutieren,  sich mit ihnen zu vernetzen und dadurch der spannenden aktuellen Thematik eine große Reichweite zu ermöglichen.

Salonabend “Was bedeutet Europa für mich…?”
mit der Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen am 27. Oktober 2018

#SalonEuropa: Legetrickfilm-Workshop mit der Kunstschule Gera

am 19. Juli und 2. August 2018, 10–15 Uhr, für Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren. In Legetrick-Technik entstehen kurze Filme, thematisch inspiriert von der europäischen Salonkultur im 19. Jahrhundert.

Von Klaus Hofmann / Museum Burg Posterstein

Weitere Beiträge zur #MuseumWeek 2018:
#WomenMW: Die Dame, die unter dem Pseudonym „Ernst Ritter“ schrieb
#CityMW: Tee im Salon – Die Altenburger Gesellschaft um 1810
#heritageMW: Ein europäisches Tourismus- und Informationszentrum im Geiste der historischen Salons in der Burg Posterstein
#professionsMW: Ein lebendiges Museum braucht Helfer und Unterstützer
#kidsMW: Bitte ins Museum, Mami! Die Familienausstellung „Die Kinderburg“ auf Burg Posterstein
#natureMW: Ein naturverbundener Minister – Hans Wilhelm von Thümmel

#natureMW: Ein naturverbundener Minister – Hans Wilhelm von Thümmel

Im März 2018 widmete das Museum Burg Posterstein dem Minister Hans Wilhelm von Thümmel (1744-1824) einen neuen, erweiterten Platz in der Dauerausstellung. Der naturliebende Freund der Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761-1821) war nicht nur Stammgast auf ihren Schlössern Löbichau und Tannenfeld sowie im dortigen Salon. Zum heutigen Thema #natureMW der internationalen Museumswoche #MuseumWeek wollen wir Thümmels Gärten vorstellen.

Er gehörte auch zu den prägendsten Persönlichkeiten des Altenburger Landesteils des Herzogtums Sachsen-Gotha-Altenburg. Als Vertrauter und Diplomat der Gothaer Herzöge vertrat er das Herzogtum in Paris, Berlin, Wien und Dänemark, ließ es vermessen und kartieren und hinterließ ein umfassendes landschaftliches Erbe. Wenn auch oft nicht für Dauer. Seine Verbundenheit zur Natur lässt sich nicht nur an seiner ausgewöhnlichen Grabstätte, der 1000-jährigen Eiche in Nöbdenitz, erahnen. Auch seine Gartenbautätigkeit spricht Bände.

Der Sachsen-Gotha-Altenburgische Minister Hans Wilhelm von Thümmel (Museum Burg Posterstein)
Der Sachsen-Gotha-Altenburgische Minister Hans Wilhelm von Thümmel (Museum Burg Posterstein)

Thümmels englischer Garten mit Palais in Altenburg, seine Rittergüter in Nöbdenitz und Untschen, die polnische Hütte in Münsa, der Altenburger Schlosspark, die mit Obstbäumen bestandenen Chausseen im Herzogtum, die heiteren Anlagen in Rasephas: Hans Wilhelm von Thümmel war an verschiedenen Orten im Altenburger Land gartengestalterisch tätig. Auch wenn die Spuren seines Werks heute zum Großteil nur noch in historischen Text- und Bildquellen zu finden sind, so kann man allein auf Grund dieser Zeugnisse sagen, dass die Gärten des Sachsen-Gotha-Altenburgischen Geheimen Rats und Ministers von Thümmel von hoher gartenkünstlerischer Qualität und ein genauer Spiegel ihrer Zeit waren. Sie verstanden sich nicht nur als Erholungs- und Vergnügungsorte im Grünen, sondern auch als Bildungsorte: als Gärten der Aufklärung – im besten Sinn.

Die Gartenkunst im 18. Jahrhundert

Ihren Ursprung hatten die Gärten der Aufklärung im 18. Jahrhundert in England. Die landschaftlichen Anlagen waren Ausdruck einer neuen Gesellschaftsordnung, die sich von den Fesseln einer absolutistischen Herrschaft befreit hatte. Dagegen zeugten die hierarchisch strukturierten Barockgärten, in denen sich der Mensch die Natur zum Untertan machte, noch von der vorangegangenen Ordnung.

Das Sommer Schloss des Fürsten im Garten zu Wörlitz. Le Palais du Prince au Jardin de Wörlitz | Nagel, Johann Friedrich (Public Domain, Österreichische Nationalbibliothek).
Das Sommer Schloss des Fürsten im Garten zu Wörlitz. Le Palais du Prince au Jardin de Wörlitz | Nagel, Johann Friedrich (Public Domain, Österreichische Nationalbibliothek).

Es war die neue Epoche, in der sich der Mensch als Teil der Natur erkannte und die Gartenkunst zum Träger und Vermittler von Erkenntnis und Bildung wurde. Den Menschen über die Sinne aufklären: nirgendwo geht das so gut wie in der gestalteten Natur. So lädt ein Spaziergang durch die malerisch verschönerten künstlichen Landschaften, mit ihren architektonischen oder literarischen Anspielungen in Form von Tempeln, Skulpturen und Inschriften zu den verschiedensten Eindrücken, daraus resultierenden Gedanken und Erkenntnissen ein.

Auch Hans Wilhelm von Thümmel öffnete seine Gärten der Öffentlichkeit, als Orte der Erholung, der Erkenntnis, der Bildung und der Verbundenheit mit der Natur. Inspiration holte er sich auf Italienreisen, in Paris, Berlin, Wörlitz und anderen europäischen Orten.

Thümmels Privatgarten in Altenburg

Anfang des 19. Jahrhunderts galt der Garten Hans Wilhelm von Thümmels als die wichtigste Sehenswürdigkeit von Altenburg. In seiner endgültigen Ausdehnung wurde das langgezogene Parkgrundstück von der Mauerstraße, Kotteritzer Straße und Thümmelstraße (aktuelle Bezeichnung) begrenzt und von einer Mauer mit sieben Toren umschlossen. An der höchsten Stelle des Geländes, mit dem besten Ausblick auf Altenburg, ließ Thümmel ab 1788 eine Villa im Stil des italienischen Klassizismus errichten.

Thümmels Garten in Altenburg auf der Thümmelschen Karten von 1813, Section VIII.
Thümmels Garten in Altenburg auf der Thümmelschen Karten von 1813, Section VIII.

Im Park gab es künstliche Grotten, Wasserläufe und Teiche. Kleine Lusthäuser in verschiedenen Stilen sowie das sogenannte „Kachelhaus“ – auch „Türkischer Pavillon“ – wurden in das Konzept integriert. Der bekannte Künstler Adrian Zingg hielt die Schönheit des Thümmelschen Gartens für die Ewigkeit fest.

Als Thümmels Vermächtnis hatte der Garten nicht lange Bestand. Bereits einige Jahrzehnte nach seinem Tod im Jahr 1824 war er von den Erben durch den Verkauf einzelner Flächen stark verkleinert worden. Heute erinnert nur noch der erhaltene Mittelbau des Palais an seinen einstigen Ruhm.

Der Schlosspark in Altenburg

Neben der Gestaltung seines privaten Gartens in Altenburg betätigte sich Hans Wilhelm von Thümmel auch an der Umgestaltung des Schlossparks von der barocken zur landschaftlichen Anlage. Nach Berichten des Altenburger Chronisten Christian Friedrich Schadewitz (1779–1847) ließ der damalige Kammerpräsident Thümmel bereits 1784/86 zu Figuren geschnittene Eiben , die den Lustgarten zierten, und die mit Hainbuchen eingefassten Heckenwände entfernen. Die freien Flächen legte man mit Rasen aus und stellte die Orangerie darin auf. Um 1800 folgte die Anpflanzung der ersten Tulpenbäume. Damit legte Thümmel den Grundstein für den heutigen Altenburger Schlosspark in englischem Stil.

Das Rittergut Nöbdenitz – Thümmels Altersruhesitz

„Seiner Verheiratung verdankte Thümmel die Güter Nöbdenitz und Untschen; später kaufte er noch Nobitz dazu. Jedes dieser Güter zeugt für den Schönheitssinn seines Besitzers. Wenn die großen Wirthschaftsgebäude von Untschen den Oeconomen in Erstaunen setzen, so werden die herrlichen Anlagen und besonders die Einsiedelei von Nöbdenitz jeden Freund der Natur angenehm überraschen. Sie würden eine Zierde jeder Gegend seyn, so wie sie es für die von Nöbdenitz sind.“, steht im Neuen Nekrolog der Deutschen von 1826 über Thümmel (Schmidt, Friedrich August (Hrsg.): Neuer Nekrolog der Deutschen, Ilmenau 1826, S. 469.).

1782 hatte Thümmels Schwiegervater und Amtsvorgänger, der Sachsen-Gotha-Altenburgische Geheime Rat Freiherrn Johann von Rothkirch und Trach (1710–1782), das alte Nöbdenitzer Schloss sanieren und ein neues Herrenhaus sowie ein Mausoleum als Familiengrab errichten lassen. Diesen beschaulichen Ort wählte sich Hans Wilhelm von Thümmel zum Alterssitz.

Zum Segeln auf dem Teich von Nöbdenitz

Nöbdenitz befindet sich ganz in der Nähe der Schlösser Löbichau und Tannenfeld, in denen die Herzogin Anna Dorothea von Kurland zu ihrem bekannten Salon einlud. Gegenbesuche der Herzogin und ihrer Gäste in Nöbdenitz waren nicht selten. So traf man sich zum Segeln auf dem großen Teich des Rittergutes und zum Spaziergang zur 1000-jährigen Eiche, die sich Thümmel schon zu Lebzeiten als sein Grab im Grünen auserkoren hatte.

Schloss und Herrenhaus Nöbdenitz - Hans Wilhelm von Thümmel legte hier einen weitläufigen englischen Garten an mit Bächlein und "Einsiedeley" (Lithografie: Museum Burg Posterstein).
Schloss und Herrenhaus Nöbdenitz – Hans Wilhelm von Thümmel legte hier einen weitläufigen englischen Garten an mit Bächlein und “Einsiedeley” (Lithografie: Museum Burg Posterstein).

Die umliegende Parkanlage war weitläufig: der Gutsgarten erstreckte sich östlich des 1782 erbauten „Neuen Herrenhauses“, dessen Freitreppe zum Park hinführte. Ein Bächlein, der Mühlgraben, durchfloss die Anlage und in der Mitte eines geradlinigen Weges durchbrach auf einem Platz eine Statue oder ähnliches diese Achse. Von diesem Hauptweg führten drei Brücken über den Mühlgraben in die landschaftlich gestalteten Partien auf der Südseite, die vom Nöbdenitzer Holz abgeschlossen wurden. Hier ermöglichten Gehölzgruppen schattige Spaziergänge. Im Westen schloss ein mit Solitärgehölzen gerahmter Platz den Park ab.

Neben dem Wehr am Mühlgraben war eine Einsiedelei errichtet worden, ein beliebtes Motiv in den Gärten der Aufklärung: ein stiller Rückzugsort inmitten der Natur, um hier Zwiesprache mit sich selbst, der Natur und Gott führen zu können. Ein Ort der inneren Einkehr und Erkenntnis abseits des geschäftigen Alltagstrubels. Auch diese hielt der Kupferstecher Zingg bildlich fest. Bis in die heutige Zeit hat das Gebäude nicht überdauert.

Ein „chinesisches Badehaus“ und eine „polnische Hütte“

Neben den schon genannten Anlagen, die unter Thümmels Regie im Altenburger Landesteil des Herzogtums Sachsen-Gotha-Altenburg entstanden, gehörten auch die Umgestaltung des Rittergutes Untschen samt Errichtung eines Badehäuschens im chinesischen Stil oder das Ausflugsziel „Polnische Hütte“ in Münsa. Doch Hans Wilhelm von Thümmel war bei weitem nicht der einzige, der die hiesige Gartenkunst schätzte und förderte. Auch die von ihm bewunderte Herzogin Anna Dorothea von Kurland zählte zu diesem Kreis.

Der Schlossprk in Tannenfeld im Frühjahr 2018.
Der Schlosspark in Tannenfeld im Frühjahr 2018 (Foto: Marlene Hofmann).

Tannenfeld – Lustgarten im englischen Stil

Zeitgleich mit dem Bau des Schlosses begann unter der Regie der Herzogin die Entwicklung des Parks Tannenfeld. Das neue Gebäude, mit einer wunderschönen Aussicht über den hügeligen Landstrich bis zur Burg Posterstein und dem fernen Erzgebirge, wurde, wie der Schriftsteller Christoph A. Tiedge schrieb, unter Einbeziehung „alter Baumgruppen“, in einen neu gestalteten Park in landschaftlicher Manier eingebettet:

„Eine, an der Straße nach Ronneburg sanft aufsteigende Anhöhe, das Tannenfeld genannt, wurde späterhin mit einem freundlichen Gartenhause geziert, welches eine weite, reiche Aussicht beherrscht. Die zerstreuten alten Baumgruppen umher, durch junge Zwischenpflanzungen vereinigt, entwickelten bald einen labyrinthischen Park.“

(Tiedge, Christoph August: Anna Charlotte Dorothea, Herzogin von Kurland, Leipzig. F.A. Brockhaus 1823, S. 183. )

Der Schlosspark Tannenfeld im Frühling 2018 (Foto: Marlene Hofmann)
Der Schlosspark Tannenfeld im Frühling 2018 (Foto: Marlene Hofmann)

Zur Zeit Anna Dorothea von Kurlands lag Tannenfeld etwa eine halbe Stunde von Löbichau entfernt. Bogen die Besucher von der Chaussee zwischen Ronneburg und Schmölln kommend nach Tannenfeld ab, kamen sie an einem kleinen Pförtnerhäuschen vorbei auf eine von italienischen Pappeln gesäumte Allee in den Park und zum Schloss. Sandige Wege führten die Spaziergänger vorbei an Baum- und Strauchgruppen, Blumenbosketts und sentimental-romantischen Gedenksteinen wie dem Stein mit der Aufschrift „Peterswiese“, der an den 1800 verstorbenen Ehemann Dorothea von Kurlands erinnerte. Ein schmaler Bach durchfloss den Wiesengrund und mündete in einem Teich. Auf einer Insel im Teich gab es eine sogenannte „Eremitage“, eine aus Felsen geformte Grotte.

Schloss Tannenfeld im Frühjahr 2018 (Foto: Marlene Hofmann):
Schloss Tannenfeld im Frühjahr 2018 (Foto: Marlene Hofmann):

Die Sommer-Ausstellung #SalonEuropa widmet sich Schloss Tannenfeld

Vom 17. Juni bis 9. September 2018 widmet das Museum Burg Posterstein Schloss und Park Tannenfeld eine besondere Ausstellung: „#SalonEuropa im Hier und Jetzt: Schloss Tannenfeld – Inspiration und Wirklichkeit“. Vier Künstlerinnen aus Deutschland, Polen und Frankreich werden sich in der Tradition des Musenhofes der Herzogin von Kurland mit dem Thema Europa und der Geschichte Tannenfelds auseinandersetzen. Anlass sind die bevorstehenden Veränderungen, die für Parkanlage und Schloss Tannenfeld ab Sommer 2018 anstehen. Der idyllische Ort – einst von Anna Dorothea von Kurland beseelt – bekommt nach Jahren des Stillstandes eine neue Nutzung und neue Bewohner. Mit ihrem Projekt wollen die vier Künstlerinnen explizit auf den prägenden europäischen Gedanken verweisen, der an diesem Ort unter der Herzogin von Kurland gelebt wurde. Mit ihren Arbeiten bringen die vier Künstlerinnen ihren jetzigen Standpunkt, ihre jetzige Sichtweise zum Thema EUROPA zum Ausdruck.

Von Franziska Engemann, Christiane Nienhold und Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Weitere Beiträge zur #MuseumWeek 2018:
#WomenMW: Die Dame, die unter dem Pseudonym „Ernst Ritter“ schrieb
#CityMW: Tee im Salon – Die Altenburger Gesellschaft um 1810
#heritageMW: Ein europäisches Tourismus- und Informationszentrum im Geiste der historischen Salons in der Burg Posterstein
#professionsMW: Ein lebendiges Museum braucht Helfer und Unterstützer
#kidsMW: Bitte ins Museum, Mami! Die Familienausstellung „Die Kinderburg“ auf Burg Posterstein

#kidsMW: Bitte ins Museum, Mami! Die Familienausstellung „Die Kinderburg“ auf Burg Posterstein

Ein Museum ist dunkel, leise und anfassen darf man auch nichts! – Diese Vorstellung ist auch heute noch weit verbreitet. Der Gedanke an einen Familienausflug ins Museum kommt bei vielen nicht besonders gut an. Aber muss das so sein? Das heutige Thema der internationalen Museumswoche #MuseumWeek heißt #kidsMW und wir wollen unsere erste Familienausstellung im Museum Burg Posterstein vorstellen.

Das Bild wandelt sich! Viele Museen haben das Klischee der langweiligen Kulturstätte erkannt und sich bewusst auf die Fahnen geschrieben, einen Schlussstrich darunter zu setzen. Und das zu Recht! Denn Kunst, Naturwissenschaft, Geschichte, Literatur und Technik sind alles andere als langweilig. Doch die Vermittlung kann eine echte Herausforderung werden. Besonders Kinder verlieren beim Versuch einer detaillierten Beschreibung schnell die Begeisterung. Vor allem wenn ihnen „vorgeschrieben“ wird, was sie wissen, sehen oder sich merken sollen.

Franziska Engemann bei einer Familienführung durch die Burg Posterstein.
Franziska Engemann bei einer Familienführung durch die Burg Posterstein.

Dabei sind Kinder durchaus an kulturellen Themen interessiert. Sie wollen diese bewusst erleben: sehen, hören, riechen, anfassen und fühlen. Besonders letztes lässt vielen Kollegen wohl einen eisigen Schauer über den Rücken laufen. Schließlich gehört es zu den Hauptaufgaben eines Museums seine Exponate zu sichern und zu bewahren. Aber muss das eine das andere zwangsläufig ausschließen?

Kinder, erobert die Burg!

Im Museum Burg Posterstein sind Familien mit Kindern, Schulklassen und Kita-Gruppen traditionell die wichtigste Besuchergruppe. Die Burg mit ihrem Verließ, dem Turm und einem Hauch von „Ritterleben“ trifft das Interesse vieler Kinder. Die pädagogischen Angebote, die von speziellen Führungen und Programmen für Kinder bis hin zur privaten Geburtstagsfeier für die kleinen Besucher reichen, waren und sind sehr gefragt. Das traditionell zu Pfingsten stattfinde Mittelalterspektakel mit Reiterturnier, Musik und Markttreiben ist für viele Besucher ein Höhepunkt des Jahres.

Einer der Höhepunkte des Jahres auf Burg Posterstein: Das Mittelalterspektakel mit Ritterturnieren - jedes Jahr zu Pfingsten.
Einer der Höhepunkte des Jahres auf Burg Posterstein: Das Mittelalterspektakel mit Ritterturnieren – jedes Jahr zu Pfingsten.

Im musealen Alltag gab es allerdings einen Makel: Schrift, Ton und Präsentation der Exponate im Museum waren bisher fast ausschließlich für ein erwachsenes Publikum bestimmt. Besonders das Thema „Salonkultur“ und die Geschichte um den Musenhof der Herzogin Anna Dorothea von Kurlands auf ihren Schlössern Löbichau und Tannenfeld war für junge Museumsgäste schwer zugänglich – Prinzessinnen hin oder her.
Die Zeit war reif für eine Ausstellung, die sich speziell an die vielen Kinder richtete, die das Museum besuchten.

Wie, wer, was, warum?

Das gesamte Jahr 2017 war von den Vorbereitungen zur Ausstellung „Die Kinderburg – Auf den Spuren von Rittern und Salondamen“ geprägt. Die verschiedenen Stationen für Kinder orientieren sich an den Hauptthemen des Museums: Burggeschichte und Mittelalter, Geschichte der Region und Salonkultur des 18./19. Jahrhundert, speziell der Musenhof der Herzogin von Kurland in Löbichau und Tannenfeld.

Geschichte soll nicht nur in Führungen kindgerecht erklärt werden, sondern auch in der Ausstellung.
Geschichte soll nicht nur in Führungen kindgerecht erklärt werden, sondern auch in der Ausstellung.

Die Leitidee der Ausstellung war, den Kindern die Informationen nicht einfach vorzusetzen. Sie sollten selbst mitwirken. So wurde Anfang des Jahres eine Fragestation im Museum eingerichtet. Dort konnten die kleinen und großen Besucher ihre brennendsten Fragen an das Burggespenst Posti und den Burgdrachen Stein stellen. Beide gaben dann Antwort: per Brief, E-Mail oder im neu eingerichteten Kinderblog der Burg Posterstein.

Das Interesse und die Beteiligung waren erfreulich hoch. Das größte Interesse galt dem Alltagsleben der Ritter, Bauern und Salondamen. Wie schwer war eine Ritterrüstung? Wie ging der Ritter damit aufs Klo und was hat er als Klopapier benutzt? Wie lebten Kinder im Mittelalter? Gingen die Kinder im Mittelalter zur Schule? Wie verschickte man früher Post? Hatten Prinzen auch Schlittschuhe?

Eine Ausstellung zum Sehen, Lesen, Hören, Fühlen und Verkleiden

Auf Basis dieser Fragen entwickelten wir zehn Stationen, an denen auf schwarzen Holzwürfeln und Holzritterfiguren diese Fragen in kurzen Sätzen beantwortet wurden. Dabei war uns wichtig, dass die Kinder nicht nur lesen, sondern die Geschichte und Geschichten der Burg und der Region auch aktiv erleben können. So weist jeder Würfel nicht nur kurze, kindgerechte Texte auf, sondern verbirgt auch eine praktische Funktion zum Erkunden.

Die Ausstellung "Die Kinderburg" auf Burg Posterstein zeigt Geschichte zum Sehen, Hören und Anfassen.
Die Ausstellung “Die Kinderburg” auf Burg Posterstein zeigt Geschichte zum Sehen, Hören und Anfassen.

Den Anfang bildet die Replik eines Kettenhemdes, das die Kinder anfassen und so ein Gefühl für diese spezielle Schutzbekleidung bekommen können. Milchkartons in einem Einkaufsnetz verdeutlichen das Gewicht eines Ritterhelms. Mit großen Holzbausteinen können die kleinen Besucher die Bauentwicklung der Burg Posterstein nachempfinden, mit Holzfiguren ihre eigenen Rittergeschichten nachspielen oder ein Theaterstück im Salon der Herzogin von Kurland aufführen.

Die sich oft ähnelnden Portraits der Altenburger Bäuerinnen, in ihrer Tracht „Marchen“ genannt, dienten schon in der Sonderausstellung zum 200. Geburtstag des Bauernmalers Friedrich Mascher (1815–1880) 2016 als kleines Online-Memory-Spiel. Eine neue Variante dieses „Mascher-Marchen-Memorys“ mit hölzernen Türchen zum Öffnen soll den Kindern die Geschichte der Altenburger Bauern spielerisch näher bringen.

Kleine Ritter und Prinzessinnen stürmten die Burg Posterstein zur Eröffnung der "Kinderburg"-Ausstellung. Unterstützung bekamen wir von der Ritterschaft von Hohenstein.
Kleine Ritter und Prinzessinnen stürmten die Burg Posterstein zur Eröffnung der “Kinderburg”-Ausstellung. Unterstützung bekamen wir von der Ritterschaft von Hohenstein.

Eine Station der „Kinderburg“ widmet sich Stoffen und der Kleidung im Wandel der Zeit. Natürlich können sich die kleinen Besucher hier auch als Ritter oder Burgfräulein, als Prinz oder Salondame verkleiden.

Eine Hörstation im Burgturm erzählt von der Ausbildung zum Ritter oder zur Burgdame. Und ein Blick hinter sonst verschlossene Kamintüren und ins Ritterklo der Burg darf natürlich auch nicht fehlen.

Gekommen, um zu bleiben…

Die Ausstellung „Die Kinderburg – Auf den Spuren von Rittern und Salondamen“ war als Sonderschau bis 31. Dezember 2017 geplant, ist aber inzwischen verlängert worden und kaum noch aus der Burg wegzudenken. Allein zur Eröffnung stürmten rund 200 kleine und große Gäste die Burg und erkundeten die neue Ausstellung. In den ersten zwei Wochen kamen über 1000 Besucher, darunter deutlich mehr Familien mit Kindern als sonst, nämlich über die Hälfte der Besucher. Das Feedback zur Ausstellung fiel durchweg positiv aus. Und der Trend hält an. Auch in den ersten Monaten 2018 besuchten fast doppelt so viele Familien die Burg Posterstein als im Vorjahr. Anteil daran hatten auch die Ferienprogramme mit Rästeljagd und kleinen Familienführungen, welche die unterschiedlichen Fragen der Kinder thematisierten. Das Interesse ist ungebrochen und so bleibt die „Kinderburg“ den Familien erst einmal erhalten.

Natürlich wird der begonnene Kinderblog der Burg weitergeführt. Und auch die „Helmpost“ der Burggeister Posti und Stein erfreut sich weiterhin großer Beliebtheit. Eine Erweiterung der Familienausstellung in der Burg Posterstein ist also durchaus denkbar!

Von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

Weitere Beiträge zur #MuseumWeek 2018:
#WomenMW: Die Dame, die unter dem Pseudonym „Ernst Ritter“ schrieb
#CityMW: Tee im Salon – Die Altenburger Gesellschaft um 1810
#heritageMW: Ein europäisches Tourismus- und Informationszentrum im Geiste der historischen Salons in der Burg Posterstein
#professionsMW: Ein lebendiges Museum braucht Helfer und Unterstützer

#heritageMW: Ein europäisches Tourismus- und Informationszentrum im Geiste der historischen Salons in der Burg Posterstein

Das Kulturerbe unserer Gesellschaft steht unter dem Hashtag #heritageMW heute im Zentrum der europäischen Museumswoche #MuseumWeek. In Posterstein reift derzeit ein Projekt, das die Ruine des ehemaligen Nordflügels als Tourismus- und Informationszentrum wieder aufbauen möchte. Wir wollen die Idee hier im Blog vorstellen.

Direkt neben der Burg Posterstein gestalten derzeit der Verein Burgberg Posterstein e.V. und die Gemeinde Posterstein das Areal des historischen Burgbergs neu. Im Projekt „Gemeinsam nicht Einsam – neues Leben auf dem Land“ soll der Burgberg zu einem Zentrum für Wohnen, Arbeiten, Kultur und Natur entwickelt werden. Die Sanierung des historischen Herrenhauses ist in vollem Gange und soll im Rahmen von Förderungen des Bauministeriums bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Über den aktuellen Stand informiert der Verein in seinem Blog. Auch der Platz vor der Burg wird neu gestaltet. Ein weiterer großer Schwerpunkt der Entwicklung des Gebiets ist der Neubau des in den 1950er Jahren abgerissenen Nordflügels der Burg.

„Gemeinsam nicht einsam – neues Leben auf dem Land“: Der Umbau des Herrenhauses Posterstein mit unterschiedlichen Funktions- und Nutzungseinheiten für Besucher und Touristen soll bis Ende 2018 umgesetzt werden.

Spiele, Kunst und Weltpolitik: Salonkultur als Gemeinsamkeit im Altenburger Land

In den Sommermonaten versammelte sie ihre Gäste in ihren Schlössern Löbichau und Tannenfeld im heutigen Altenburger Land. In den Salons dieser Zeit wurden bei Musik, Theater und Tee Kontakte geknüpft und politische Entscheidungen auf den Weg gebracht. Wie der Dichter Jean Paul anerkennend berichtete, durfte im Salon der Herzogin von Kurland jeder frei seine Meinung äußern, so lange sie höflich vorgetragen wurde.
In den Sommermonaten versammelte sie ihre Gäste in ihren Schlössern Löbichau und Tannenfeld im heutigen Altenburger Land. In den Salons dieser Zeit wurden bei Musik, Theater und Tee Kontakte geknüpft und politische Entscheidungen auf den Weg gebracht. Wie der Dichter Jean Paul anerkennend berichtete, durfte im Salon der Herzogin von Kurland jeder frei seine Meinung äußern, so lange sie höflich vorgetragen wurde.

Wir wollen einladen zu einer Zeitreise in die Salons des 19. Jahrhunderts – im Altenburger Land im Dreiländereck Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt, unweit von Weimar und Leipzig. Es ist die bewegte Zeit nach der französischen Revolution, in der Napoleon die Welt veränderte und der Wiener Kongress für Jahrzehnte Frieden stiftete. In dieser Zeit führte die kluge und schöne Herzogin von Kurland ihren bekannten Salon auf ihren Schlössern Löbichau und Tannenfeld. In Altenburg stiftete der Staatsmann Bernhard August von Lindenau sein bedeutendes Kunstmuseum mit öffentlicher Kunstschule. In den bürgerlichen Altenburger Salons entstand das beliebte Skatspiel. Friedrich Arnold Brockhaus gründete in Altenburg seinen bekannten Verlag. Und in Nöbdenitz ließ sich der Minister Hans Wilhelm von Thümmel unter einer 1000-jährigen Eiche begraben.

Die Salonkultur im Altenburger Land bietet hervorragende Anknüpfungspunkte für gemeinsame Projekte und die Vernetzung der verschiedenen Museen und anderen Kultur-Akteure. Posterstein ist für viele Touristen, die von Süden und Westen her in die Region kommen, quasi das Tor zum Altenburger Land. Salongeschichte fand in Weimar und Gotha statt, aber auch im Altenburger Land. Mit gemeinsamen Vermittlungs- und Veranstaltungskonzepten soll die Region vorangebracht und dieses spannende Thema belebt und gelebt werden.

Projektidee: Wiederaufbau des Nordflügels der Burg Posterstein

Das inhaltliche Gestaltungskonzept des Neubaus und der Freianlagen verknüpft die Orte der Europäischen Salonkultur im Altenburger Land: insbesondere Residenzschloss Altenburg, Lindenau-Museum, den Altenburger Marstall, die verschiedenen Palais in Altenburg und die Schlösser Tannenfeld und Löbichau.

Es nimmt direkten Bezug auf die Tourismusstrategie des Freistaates Thüringen, die die Entwicklung von touristischen Leitprodukten mit Alleinstellungsmerkmal und überregionaler Ausstrahlungskraft anregt.

Am 24. Juli 2017 gab es interessante und konstruktive Gespräche mit dem Thüringer Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee auf Burg Posterstein: Schwerpunkte waren die Tourismusstrategie im Altenburger Land und speziell die touristische Vermarktung von Burg Posterstein und der gesamten Region. Weitere Infos dazu gibt es im Video.

Minister Wolfgang Tiefensee auf Burg Posterstein from Burg Posterstein on Vimeo.

Es erfolgt eine konsequente Anknüpfung an die Geschichte und Orte der europäischen Salonkultur im Altenburger Land mit dem Ziel, die Salonkultur für Kulturtouristen erlebbar machen.

Das Konzept steht im direkten Bezug zur Dauerausstellung und zur Forschungsarbeit im Museum Burg Posterstein.

Wiederaufbau Nordflügel

Der neu gebaute Nordflügel hätte eine Grundfläche von rund 250 m² auf drei Geschossebenen und würde in der Kubatur des Vorgängerbaus entstehen. Die erforderlichen Erschließungs- und Sanitäranlagen sowie die Sicherstellung der Barrierefreiheit in der gesamten Burg Posterstein sind in die Planung integriert.

Der Neubau integriert multifunktionale Flächen und entsteht insbesondere als Informations-, Kommunikations- und Wissenszentrum für Kulturtouristen: Ein zentraler Aspekt wäre die Information zur Geschichte der Europäischen Salonkultur im  Altenburger Land und in Thüringen in einem modernen innovativen Präsentationsformat. Die museale Präsentation des historischen Themas verbleibt in den historischen Räumen der Burg.

Die Idee #SalonEuropa: Ein Europäisches Zentrum für Salonkultur und Tourismus- und Informationszentrum in der Burg Posterstein

Der #SalonEuropa überträgt das historische Vorbild in die heutige Zeit und stellt kulturelle und politische Themen zur Diskussion. Mögliche Formate könnten sein: Stammtisch-Runden bzw. „Teestunden“ zu bestimmten Themen (z.B. historische Forschung, regionale Erinnerungskultur, aktuelle Politik), Konferenzen/Tagungen (z.B. Gastredner von Universitäten und Forschungseinrichtungen| Autoren-Lesungen), Blogparaden/Instawalks zu unterschiedlichen Themen und Orten, Workshops und Kurse für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Salontheater (z.B. Stücke auf kleiner Szene, beispielsweise in Kooperation mit Theater Altenburg-Gera), Vorträge/Lesungen/Podiumsdiskussionen (z.B. zur Salongeschichte, zu Europapolitik über europäische Kultur der Gegenwart und z.B. in Kooperation mit den Museen in Altenburg wie Residenzschloss Altenburg, Lindenau-Museum, Mauritianum Altenburg).

Ein erstes neues, experimentelles Format wird die Ausstellung #SalonEuropa vor Ort und digital Vernetzung damals und heute – Europa bedeutet für mich …? ab 23. September 2018 sein. Sie versteht sich als ein Labor. Ausgehend von der historischen Salonkultur um 1800 soll sie den Bogen schlagen in die heutige Zeit und zur aktuellen politischen Lage.  Analog dazu soll im #SalonEuropa Labor Besuchern vor Ort und im Digitalen die Möglichkeit gegeben werden, ihre Gedanken zu Europa heute zu äußern.

Die Ideen sind derzeit weit gereift und die Vision eines Zentrums für europäische Salonkultur im wieder aufgebauten Nordflügel der Burg in greifbare Nähe gerückt. Der Museumsverein Burg Posterstein e.V. hat sich entschlossen, mit Unterstützung von Sponsoren den Eigenanteil an den Kosten zu stemmen, sollte es zur Umsetzung der Pläne kommen. Jede Spende hilft!

Spendenkonto:
VR Bank Altenburger Land
IBAN: DE 11 8306 5408 0000 3185 90
BIC: GENODEF 1SLR

Spendenbescheinigungen werden von uns erteilt.
AG Altenburg, VR 489, USt-IdNr.DE293965369

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Ohne zusätzliche Ausgaben spenden kann man, wenn man seinen Online-Einkauf über diesen Link erledigt:


Von Klaus Hofmann / Museum Burg Posterstein

Weitere Beiträge zur #MuseumWeek 2018:
#WomenMW: Die Dame, die unter dem Pseudonym „Ernst Ritter“ schrieb
#CityMW: Tee im Salon – Die Altenburger Gesellschaft um 1810

Junge Kreative beschäftigen sich mit der Postersteiner Sammlung Welker beim Kultur-Hackathon „Coding Da Vinci“ in Leipzig

Eine Minite Zeit blieb zunächst, die Sammlung Welker den 140 Teilnehmern des Hackathons zu präsentieren. Später gab es für Interessierte ausführlichere Vorträge.
Eine Minute Zeit blieb zunächst, die Sammlung Welker den 140 Teilnehmern des Hackathons zu präsentieren. Später gab es für Interessierte ausführlichere Vorträge.

Am Wochenende vom 14./15. April 2018 startete in der Universitätsbibliothek Leipzig der deutschlandweit größte Kultur-Hackathon „Coding Da Vinci“. Der Hackathon, eine Wortschätzung aus „Hacken“ und „Marathon“, hat nichts mit unerlaubtem Stehlen von Daten zu tun. Umgekehrt, es geht darum, dass kreative Menschen aller Branchen – Programmierer, Entwickler, Designer, Wissenschaftler – gemeinsam an Kulturprojekten arbeiten.

Ihre Arbeitsgrundlage bilden im Internet frei zugängliche Daten von hoher Qualität, die Kulturinstitutionen wie Museen, Bibliotheken und Archive zur Verfügung stellen. Insgesamt nahmen rund 40 Einrichtungen mit digitalisierten Sammlungen teil – von Ton-Aufnahmen bis hin zu Bildern, Datenbanken, Texten und Filmen. Die Daten, auch aus den Vorjahren, sind hier einsehbar.

Als schönes, wildes Pferd stellte Ernst Welker Wilhelmine von Sagan, die älteste Tochter der Herzogin von Kurland dar.
Als schönes, wildes Pferd stellte Ernst Welker Wilhelmine von Sagan, die älteste Tochter der Herzogin von Kurland dar.

In den nächsten Wochen sollen spielerische Anwendungen zur Postersteiner Sammlung Welker entstehen

Das Museum Burg Posterstein stellte in Leipzig seine Sammlung Welker vor, die 47 farbenfrohe Portraits von Gästen der Herzogin von Kurland in ihrem Löbichauer Salon enthält. Die Zeichnungen fertigte 1819/20 der Maler Ernst Welker an, der als Zeichenlehrer und Erzieher der Enkelin der Herzogin zwei Sommer in Löbichau und Tannenfeld verbrachte. Die Enkelin, die später bekannte Schriftstellerin Emilie von Binzer, bewahrte die Zeichnungen zeitlebens auf und beschrieb sie in ihrem Erinnerungsbuch „Drei Sommer in Löbichau“ detailliert.

Gleich mehrere Teams junger Kreativer beschäftigen sich in den nächsten Wochen mit der Sammlung Welker.
Gleich mehrere Teams junger Kreativer beschäftigen sich in den nächsten Wochen mit der Sammlung Welker.

Spontan entschieden sich am Wochenende gleich mehrere Teams junger Menschen, mit dieser Sammlung zu arbeiten. In den nächsten neun Wochen bis zur Projektpräsentation und Preisverleihung am 16. Juni kleine Spiele und Webanwendungen entstehen. Die Ideen reichen von einem Persönlichkeitstest über Puzzle und animiertes Wimmelbild bis hin zum ausgefeilten Text Adventure-Spiel. Für das Museum wären solche spielerischen Lösungen ein großer Gewinn, helfen sie doch, ein junges Publikum an das Thema europäische Salongeschichte heranzuführen.

Die Entwicklung der verschiedenen Projekte und Ideen können hier im so genannten “Hackdash” mitverfolgt werden. Wer Lust hat, kann sich auch jetzt noch beteiligen.

Die Sammlung Welker ist seit dem Start von Coding da Vinci in hoher Auflösung und mit ausführlichen Informationen zu den historischen Personen auf Wikimedia Commons zu finden.

Die Sammlung Welker ist seit Frühjahr 2018 in hoher Auflösung und mit ausführlichen Infos frei nutzbar auf Wikimedia Commons zu finden.
Die Sammlung Welker ist seit Frühjahr 2018 in hoher Auflösung und mit ausführlichen Infos frei nutzbar auf Wikimedia Commons zu finden.

Coding da Vinci – Der Kultur-Hackathon soll Kultureinrichtungen und Entwickler aller Art zusammenbringen und eine größere Aufmerksamkeit auf die Schätze richten, die in deutschen Kultureinrichtungen schlummern. Die Veranstaltung ist ein Gemeinschaftsprojekt der Deutschen Digitalen Bibliothek, der Servicestelle Digitalisierung Berlin, der Open Knowledge Foundation Deutschland und Wikimedia Deutschland. Ausführliche Informationen gibt es hier.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Ebenfalls über das Kick-off-Wochenende berichten:

Anja Müller, Blog digis: Äpfel, Birnen, Kulturdaten – Coding da Vinci Ost erfolgreich gestartet

Dominik Scholl, Blog Wikimedia: Norden, Süden, Osten, Westen – mit offenen Daten teilt man Kultur am besten

Museen, kuratiert euer öffentliches „Bild“! – Resümee zur Tagung „Digitale Strategien“ des Deutschen Museumsbunds

Burg Posterstein auf großer Bühne - bei der Tagung "Digitale Strategien" des Arbeitskreises Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Museumsbunds in Frankfurt.
Burg Posterstein auf großer Bühne – bei der Tagung “Digitale Strategien” des Arbeitskreises Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Museumsbunds in Frankfurt. (Foto: Jutta Frings – vielen Dank!)

„Museum Burg Posterstein? – Kenn ich von Twitter, Instagram oder Facebook.“ Diesen Satz habe ich auf der Tagung Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Museumsbunds öfter gehört. Ich war eingeladen, die digitale Strategie des Museums Burg Posterstein vorzustellen, als Beispiel dafür, wie auch kleinere Museen mit vergleichsweise geringen Mitteln ihr Bild in der (digitalen) Öffentlichkeit aktiv selbst gestalten können.

Die Tagung "Digitale Strategien" fand im Deutschen Filmmuseum am Frankfurter Museumsufer statt.
Die Tagung “Digitale Strategien” fand im Deutschen Filmmuseum am Frankfurter Museumsufer statt.

Thema der Tagung: Digitale Strategien.

Über 100 Kolleginnen und Kollegen, die mit der Öffentlichkeitsarbeit deutscher Museen betraut sind, waren in den bequemen Vortragsraum ins Filmmuseum Frankfurt gekommen und begleiteten die Tagung so engagiert auf Twitter und Instagram, dass das lokale WLAN dem nicht gewachsen war. Auch vor Ort fand eine angeregte Diskussion statt. Ich möchte hier meine wichtigsten Erkenntnisse noch einmal zusammenfassen.

Das Deutsche Filmmuseum kann mit einem der bequemsten Tagungsräme aufwarten.
Das Deutsche Filmmuseum kann mit einem der bequemsten Tagungsräme aufwarten.

Digitale Relevanz = gesellschaftliche Relevanz

Axel Braun, der die Öffentlichkeitsarbeit von Städel Museum und Liebieghaus Skulpturensammlung leitet, eröffnete die Tagung mit einem Strauß voller Inspirationen, wie man Museum im Digitalen weiterdenken und das wiederum mit dem Analogen vernetzen kann. Hier ist die Rede von digitaler Erweiterung des Museums, von zu Ausstellungen passenden Digitorials, Spielen und Filmen, von vom Museum angebotenen Online-Kursen und gewinnbringenden Kooperationen mit Unternehmen. Nicht alles davon wird genauso in anderen Museen funktionieren, aber man darf sich anregen lassen und adaptieren, was zu einem passt.

Von großen Museen wie dem Frankfurter Städel Museum können sich auch kleine Häuser inspirieren lassen.
Von großen Museen wie dem Frankfurter Städel Museum können sich auch kleine Häuser inspirieren lassen.

Die Quintessenz des Vortrags von Axel Braun war für mich die Klarstellung: Digitale Projekte sind keine Einnahmequelle, keine reine Marketingmaßnahme und kein Ersatz für den Museumsbesuch, sondern ein eigenständiges Angebot, das die gesellschaftliche Relevanz des Museums sichert. – Sei es nun bei Besuchern, Sammlern, Sponsoren, Politikern oder Journalisten. Das Städel Museum erreicht über eigene digitale Kanäle mehr Menschen als über überregionalen Tageszeitungen, welche wiederum über das Museum berichten, weil es aus sich selbst heraus diese enorme Aufmerksamkeit generiert. Das funktioniert nicht nur im Städel Museum, sondern auch im Kleinen.

Digital ist analog ist digital…

Alissa Krusch, Bereichsleitung Digitale Kommunikation der Stiftung Kunstsammlung NRW, betonte wie wichtig es für Museen ist, eine digitale Strategie zu erarbeiten. Franziska Mucha, Kuratorin Digitale Museumspraxis am Historischen Museum Frankfurt, teilte ihre Erfahrungen damit, im Rahmen des #StadtLaborFFM vor Ort und digital eine Beziehung zur Bevölkerung zu pflegen. Dazu entstanden im Stadtlabor Frankfurt tolle Ansätze, in der Bürger zu Brainstorming-Bars zusammenkamen und nun nach sieben Jahren gemeinsamer Workshops mit dem Museumsteam auch ein digitales Stadtlabor in Form einer Karte mit Informationen anreichern sollen. Es eröffnen sich durchs Digitale neue Arten des musealen Sammelns.

Franziska Mucha aus Pappe - im Stadtlabor des Historischen Museums Frankfurt
Franziska Mucha aus Pappe – im Stadtlabor des Historischen Museums Frankfurt

Ein weiteres Mal wird unterstrichen, dass das Digitale nicht für sich alleine steht, sondern wunderbar mit dem analogen Leben Hand in Hand geht. Der Gedanke lässt sich konsequent weiterführen: Die Trennung zwischen analog und digital besteht höchstens in unseren Köpfen. Leben im Jahr 2017 ist digital und analog zugleich. Die Aufgaben eines Museums an sich bleiben die gleichen, wir erweitern nur unseren Werkzeugkoffer. Das betrifft alle Bereiche der musealen Arbeit: sammeln, bewahren, erforschen, vermitteln und präsentieren.

Beim Vortrag von Tine Nowak gab es "Museum auf die Ohren".
Beim Vortrag von Tine Nowak gab es “Museum auf die Ohren”.

Über die Museumswelt hinaus blicken

Deutlich wurde in mehreren Redebeiträgen, dass sich der Blick über die Museumswelt hinaus lohnt. Seien es die wissenschaftlichen Podcasts, mit denen Wissenschaftler heute mehr Menschen erreichen können als mit anderen Medien – manchmal 10-15.000 pro Hörbeitrag. Das erzählte Tine Nowak vom Studiengang Intermedia an der Universität Köln . Typische deutsche Podcasthörer seien zwischen 20 und 40 Jahren alt, hoch gebildet und interessieren sich besonders für Geschichte, Wissenschaft und Politik. Podcasts im Museumsbereich sammelt Tine Nowak hier . Gedankliche Notiz an alle Museen: Unbedingt Ja sagen, wenn ein Podcaster darum bittet, einen Beitrag über das Museum aufnehmen zu dürfen. (Wunderbar, wir haben intuitiv alles richtig gemacht: Katja Eidam von Museumscast https://museumscast.com/2017/11/07/episode012/ stellte erst kürzlich das Team von Burg Posterstein in einem einstündigen Beitrag vor.)

Was ist uns der digitale Besucher wert? fragte Christian Gries, der die Landesstelle für nichtstaatliche Museen in München in Sachen digitale Strategie berät.
Was ist uns der digitale Besucher wert? fragte Christian Gries, der die Landesstelle für nichtstaatliche Museen in München in Sachen digitale Strategie berät.

Der Kurator des 21. Jahrhunderts muss sich im Digitalen auskennen

Das betonte Christian Gries, Berater für Digitale Strategien für Museen an der Landesstelle für nichtstaatliche Museen in Bayern. Man könne nicht mehr in digital und anlog unterscheiden und ein Warten auf „Digital Natives“ sei auch keine Lösung. Wichtig ist bei allem, auf allen Kanälen ein nach außen stimmiges Bild des Museums zu vermitteln, das auch vor Ort wiedererkennbar ist.

Wenn Unternehmen erfolgreich Chatbots, Online-Ticketing u.a. digitale Angebote betreiben, erreicht das irgendwann Museen.
Wenn Unternehmen erfolgreich Chatbots, Online-Ticketing u.a. digitale Angebote betreiben, erreicht das irgendwann Museen. – Slide von Michelle van der Veen bei der Tagung Öffentlichkeitsarbeit des Museumsbunds.

Michelle van der Veen , von der Agentur Grayling und privat auch Kulturbloggerin, empfahl den Museen, sich von Unternehmen inspirieren zu lassen. Wenn wir uns in anderen Bereichen des Lebens früher oder später an Chatbots und Online-Tickets gewöhnen, wieso sollten wir das nicht von Museen verlangen? Kostenlose Angebote wie ein vom Städel Museum angebotener Online-Kurs, ein Chatbot als Besucherservice und auch der Stadtlabor-„Stammtisch“ des Historischen Museums Frankfurt binden die Menschen ans Museum und stärken dessen gesellschaftliche Relevanz.

Die digitale Philosophie von Burg Posterstein – Zum Mitmachen

Was im Großen funktioniert, geht auch im Kleinen. Auf rund 30 Slides durfte ich meine Arbeit im Museum Burg Posterstein vorstellen – die Präsentation gibt es hier als PDF-Download. Das Schöne am Digitalen ist, dass es für vieles eben kein großes Budget braucht.

Tweet von Daniela Sistermanns, Martha Museum, zum Vortrag von Burg Posterstein.
Tweet von Daniela Sistermanns, Martha Museum, zum Vortrag von Burg Posterstein.

Aber im Großen wie im Kleinen müssen die Museen ihr Denken und ihre alltägliche Arbeitsweise darauf einstellen. Und irgendwie passt der kleine Appell, den ich zum Ende meines Vortrags an die Leinwand geworfen habe, auch zum Haupttenor der Tagung:

  • Museen, nehmt eure Kommunikation selbst in die Hand und werdet sichtbar – über den Radius eurer Lokalpresse hinaus!
  • Schließt euch zusammen, sprecht miteinander und übereinander!
  • Seid neugierig und mutig, probiert aus und integriert das Internet in eure tägliche Arbeit!
  • Freut euch auf neue Kontakte und ungeplanten Mehrwert durch soziale Medien!
  • Nehmt den Besucher im Web genauso ernst wie den Besucher an der Museumskasse.
  • Zeigt Öffentlichkeit und Politik, welche tollen Projekte ihr macht und dass es wichtig ist, dass es euch gibt!

von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Der Schmöllner Künstler Hans Neupert ist tot – Ein Nachruf

Hans Neupert in seinem Atelier in Schmölln, 2015. Foto: Jörg Kirmse.
Hans Neupert in seinem Atelier in Schmölln, 2015. Foto: Jörg Kirmse.

Der Künstler Hans Neupert starb kurz vor Vollendung seines 97sten Lebensjahres. Er wurde am 22. Dezember 1920 in Schmölln geboren. Hans Neupert wuchs auf in der Buchdruckerei Hans Böckel auf dem Schillerplatz, die sein Vater leitete, wurde musisch und reformpädagogisch erzogen, besuchte die heimische Realschule und das Altenburger Gymnasium. Sein erster Studienwunsch galt deshalb auch dem Theater und der der Musik. Es kam alles ganz anders.

Hans Neupert im Gespräch, 2015.
Hans Neupert im Gespräch, 2015.

Nach dem Abitur wurde Hans Neupert zur Wehrmacht eingezogen, war in Norwegen, Paris, San Remo, Syracus und Baden bei Wien stationiert und geriet schließlich in amerikanische Gefangenschaft. Schon 1945 begann er ein Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig bei Elisabeth Voigt, der Mutter der Leipziger Schule, und Egon Pruggmayer. Zu seinen Mitstudenten gehörten nicht nur Wolfgang Mattheuer oder Gerhard Kurt Müller, sondern auch die schöne und begabte Else Luise Keil (1926–2009). Sie heiratete er 1952. Schon bald übernahmen Hans und Luise Neupert Werbeauftritte verschiedener Kombinate der DDR, illustrierten Bücher, fotografierten, gestalteten Drucksachen und Messestände. Die Auftragsbücher waren übervoll. Nationale Aufmerksamkeit war ihnen gewiss.

Hans Neupert beim Malen. Foto: Jörg Kirmse.
Hans Neupert beim Malen. Foto: Jörg Kirmse.

Davor war der Weg auch steinig. Mit dem Vorwurf des Formalismus musste Hans Neupert die Leipziger Hochschule vorzeitig beenden, musste Netzwerke knüpfen, um dennoch zu überleben. In dem Verleger Heinrich Mock, dem ehemaligen Direktor des Lindenau-Museums, fand er, wie viele Künstler seiner Generation, einen Förderer, bekam kleine Aufträge, produzierte Holzschnitte, die sich besser verkaufen ließen und erhielt Möglichkeiten für Ausstellungen.

Ab 1990 engagierte sich Hans Neupert im Museumsverein Burg Posterstein.
Ab 1990 engagierte sich Hans Neupert im Museumsverein Burg Posterstein.
Das Logo des Museums Burg Posterstein stammt aus der Feder von Hans Neupert.
Logo Burg Posterstein – von Hans Neupert.

In Schmölln mischte sich Hans Neupert vor allem nach 1989 ein, wurde gefragt bei Entscheidungen, gründete den Verschönerungsverein mit, erhielt den Kulturpreis der Stadt.

Das Museum Burg Posterstein profitierte von seinem Engagement sehr. Ab 1990 war er im Vorstand des Museumsvereins aktiv. Der Entwurf für das große braune Schild an der Autobahn, das auf die wichtige Sehenswürdigkeit hinweist, stammt von ihm – ebenso wie das Logo des Museums.

Hans Neupert: Im Park der Dorothea von Kurland, 1985, Öl auf Leinwand.
Hans Neupert: Im Park der Dorothea von Kurland, 1985.

Der Herzogin von Kurland, ihren Intentionen und der Salonkultur stand er nahe. Der Park in Tannenfeld gehörte zu seinen Lieblingsplätzen. Am Rande der Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag Anna Dorothea von Kurlands 2011 plauderte der über Neunzigjährige munter mit den französischen Gästen in deren Sprache.

Hans Neupert: Geschlossene Gesellschaft, 1986.
Hans Neupert: Geschlossene Gesellschaft, 1986.

Wer das Glück hatte, im Hause Neupert willkommen geheißen zu werden, konnte eintauchen in eine Welt voller Literatur, Musik und Kunst, konnte den verwunschenen Garten am Rande der Sprotte erleben, Bücher studieren oder Klaviersonaten lauschen. Auch ohne Fernsehen war Hans Neupert bestens informiert, denn eine überregionale Tageszeitung stand ihm genauso zur Seite wie die Berichte der gern gesehenen Gäste. Bücher von Marcel Proust oder Ernst Jünger liebte er und regelmäßig berichtete bis zuletzt die Jugendfreundin Shou Shou aus Paris.

Musik in Neuperts Garten - Bild: Nr. 879: Luise bei der Gartenarbeit, 2005
Hans Neupert: Luise bei der Gartenarbeit, 2005.

Erst in den achtziger Jahren fanden Neuperts den Weg zurück von der Angewandten zur Bildenden Kunst. Während Luise durch faszinierende Scherenschnitte bekannt wurde, widmete sich Hans Neupert fortan der Malerei in Öl. Inspiriert vom heimischen Garten, von der Natur der Region und den Erlebnissen in fernen Ländern entstanden farbenprächtige Miniaturen. Heiter gelaunte, pralle elfenhafte Wesen tanzen, singen, musizieren. Mit zunehmenden Alter schlich sich Melancholie ein. Ein Zauber geht von den Bildern aus und viele Betrachter ließen sich verzaubern. Die kleinen Bilder fanden den Weg in Ausstellungen. Aber auch private Liebhaber im In- und Ausland sammelten Neuperts Werke.

Hans Neupert bei der Eröffnung seiner Ausstellung 2015 im Museum Burg Posterstein.
Hans Neupert bei der Eröffnung seiner Ausstellung 2015 im Museum Burg Posterstein.

Noch 2015 stellte Hans Neupert neue Werke im Museum Burg Posterstein aus. Damals entstand ein kurzer Film:

Auch im hohen Alter war Hans Neupert noch so produktiv, dass das Werkverzeichnis des Katalogs schon zur Ausstellungseröffnung 2015 wieder veraltet war. Hier ein Eindruck von der Ausstellungseröffnung:

Nach über 1000 Werken endet die Serie. Hans Neupert hat sein Leben vollendet. In seinen Bildern und im Herzen all jener, die von den Gesprächen mit ihm, von seiner umfassenden Bildung, seinem sicheren Geschmack und seiner Hilfsbereitschaft profitierten, lebt er fort. Schmölln und das Altenburger Land verlieren einen bedeutenden Bürger. Hans Neupert starb am 5. November 2017.

von Sabine Hofmann / Museumsverein Burg Posterstein

Hans Neupert: Der letzte Tanz, 2014.
Hans Neupert: Der letzte Tanz, 2014.

Vom Museum Burg Posterstein herausgegebene Kataloge:

 

Katalog Hans Neupert. Malerei, Grafik. Sabine und Klaus Hofmann. Museum Burg Posterstein, 2001
Katalog Hans Neupert. Malerei, Grafik. Sabine und Klaus Hofmann. Museum Burg Posterstein, 2001
Katalog Mal sehen wohin es geht … oder zwischen den Zeiten. Hans Neupert – Hommage zum 95. Geburtstag Museum Burg Posterstein, 2015.
Katalog Mal sehen wohin es geht … oder zwischen den Zeiten. Hans Neupert – Hommage zum 95. Geburtstag Museum Burg Posterstein, 2015.