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Geschichte & Geschichten

Blog des Museums Burg Posterstein

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Archiv der Kategorie: 20. Jahrhundert

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Der Uranbergbau in Sachsen und Thüringen

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 14. April 2020 von Museum Burg Posterstein14. April 2020

Bereits im 17. Jahrhundert wusste man von radiumhaltigen Quellen in Ronneburg in Thüringen. Nach dem 2. Weltkrieg begann die damalige UdSSR mit dem systematischen Abbau von Uranerz. In Thüringen und Sachsen entstand so eines der weltweit größten Uranerzabbaugebiete. – Teil 3 unserer mitwachsenden, digitalen Begleitausstellung “Landschaft nach der Wismut” gilt dieser Uranbergbau-Geschichte.

Die deutschen Chemiker Otto Hahn, Fritz Straßmann und Lise Meitner führten 1938 erstmals eine experimentelle Uran-Kernspaltung durch. Dabei stellten sie fest, dass dabei eine 2,5 Millionen Mal größere Energiemenge, als bei der Verbrennung von Steinkohle freigesetzt wird. Die Erkenntnis legte den Grundstein zur militärischen und zivilen Nutzung der Kernenergie.

Mit den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki am 6. und 9. August 1945 begann ein beispielloses nukleares Wettrüsten zwischen den USA und den NATO-Staaten einerseits und den, von der UdSSR geführten, Ostblockstaaten andererseits. Diese atomare Bedrohung der Menschheit charakterisierte den Zeitraum des „Kalten Krieges“.

Blick auf die Kegelhalden Paitzdorf und Reust bei Raitzhain, 1996
©Foto, Jens-Paul Taubert, Altenburg
Blick auf die Kegelhalden Paitzdorf und Reust bei Raitzhain, 1996
©Foto, Jens-Paul Taubert, Altenburg

Im Herbst 1945 stießen sowjetische Geologen in sächsischen Archiven auf Uranerzlagerstätten

Der Mangel an eigenen Uranvorkommen führte dazu, dass sowjetische Geologen im Herbst 1945 in Deutschland mit der Auswertung historischer Archivunterlagen des sächsischen Erzbergbaus und ersten Erkundungsarbeiten nach Uranerzlagerstätten begannen. Bereits ein Jahr später förderte man unter der Leitung der Sowjetarmee erstes Uranerz aus alten Halden, Stollen und Schächten der Sachsenerz-Bergwerke AG.

1947 wurden die Bergwerksunternehmen der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) in die Staatliche Aktiengesellschaft der Buntmetallindustrie Wismut (SABM) überführt. Damit beglich man Teile der Reparationsansprüche der UdSSR aus dem Zweiten Weltkrieg.

Arbeitskräfte aus der gesamten DDR zwangsverpflichtet

Bis 1954 war die SABM bedingungslos auf Produktion ausgerichtet: Arbeitskräfte aus der gesamten DDR wurden zwangsverpflichtet, Ländereien zwangsverkauft und in Sperrzonen verwandelt sowie ganze Ortschaften devastiert. Unter dem Tarnnamen „Wismut“ entwickelte sich der Betrieb zu einem Staat im Staat, mit eigenem Sicherheitsdienst. 1954 übernahm schließlich die neu gegründete Sowjetisch-Deutsche Aktiengesellschaft Wismut (SDAG) die SABM. Sie blieb bis 1991 zu 50 Prozent Eigentum der UdSSR. Die Grundlagen dafür hatte man 1953 in einem Regierungsabkommen zwischen der UdSSR und der DDR gelegt.

Mit den Jahren verbesserten sich die Arbeitsbedingungen der Kumpel. So gab es beispielsweise ein eigenes Gesundheitssystem mit Krankenhäusern, auch wurden Arbeitsschutzstandards eingeführt. Darüber band man die Bergleute mit Sondervergünstigungen, Spitzenlöhnen und politischer Indoktrination an die Betriebe. Die Teilnahme an sogenannten Parteilehrjahren der SED war obligatorisch. Schnaps-Marken gehörten zur Lohntüte, eigene Läden, Autobestellscheine und Bevorzugung bei der Wohnungsvergabe sollen ebenfalls als Beispiel genannt werden.

Anzahl der Beschäftigten der SDAG Wismut

Bis 31. Dezember 1990 förderte die SDAG Wismut über 200.000 Tonnen Uran für das sowjetische Atomprogramm. Dass die „Wismut“, nach den USA und Kanada, einer der größten Uranproduzenten weltweit war, belegen auch die Zahlen der Beschäftigten:

1947: ca. 51.000
1950: 129.640
1955: 104.466
1960: 51.507
1965: 44.665
1970: 45.121
1975: 44.800
1980: 45.372
1985: 46.052
1990: 32.044

Bahnhof Raitzhain, im Hintergrund die Halden Paitzdorf, 1996
©Foto, Jens-Paul Taubert, Altenburg
Bahnhof Raitzhain, im Hintergrund die Halden Paitzdorf, 1996
©Foto, Jens-Paul Taubert, Altenburg

Am 1972 auf der grünen Wiese errichteten Umsteigebahnhof Raitzhain hielten Doppelstockzüge, die bis 1000 Bergleute befördern konnten. Bis 1980 wurde neben Diesellokomotiven auch noch eine Dampflok auf den Strecken eingesetzt.

Gesundheits- und Umweltschäden wurden verschwiegen

Über die Verwendung des Urans, die Umweltschäden und vor allem über die gesundheitlichen Risiken für die Beschäftigten und Anwohner der „Wismut“ sowie generell für die Bevölkerung der Region wurde geschwiegen. Bezeichnend dafür ist, dass der Betrieb nie unter der Aufsicht des Staatlichen Amtes für Atomsicherheit und Strahlenschutz stand.

1990 endete mit der deutschen Wiedervereinigung 40 Jahre Uranabbau in Thüringen und Sachsen.

Die geologischen Bedingungen

Die Uranlagerstätten Sachsens und Thüringens gehörten, wie die tschechischen Lagerstätten, zum zentralen Teil der westeuropäischen Uranprovinz. Sie sind an variszische, d.h. in der Karbonzeit gefaltete Gesteine des Grundgebirges, oder jüngere Sedimentgesteine des postvariszischen Tafelgebirges gebunden.

Die mit Abstand bedeutendsten geologischen Typen von Uranvorkommen waren die Lagerstätten in Ronneburg und die Ganglagerstätten im Erzgebirge. Aus ihnen gewann die speziell für den Uranbergbau gegründete Sowjetisch-Deutsche Aktiengesellschaft Wismut 86 Prozent ihrer Uranfördermenge.

Die Förderung der Erze erfolgte zum Teil im Tagebau, überwiegend jedoch im Untertagebergbau.

Tagebau Lichtenberg bei Ronneburg, Fotomontage ©Wismut GmbH, 1991
Tagebau Lichtenberg bei Ronneburg, Fotomontage ©Wismut GmbH, 1991

Die SDAG Wismut baute fünf geologische Typen von Uranlagerstätten ab:

  • linsen- und stockwerkartige Lagerstätten in paläozoischen Schiefern, Kalksteinen und Diabasen (Typ „Ronneburg“)
  • hydrothermale Ganglagerstätten (Typ „Schlema“)
  • Sandsteinlagerstätten der Kreide (Typ „Königstein“)
  • flözartige Lagerstätten in kalkig-tonigen Sedimenten des Zechsteins (Typ „Culmitzsch“)
  • uranhaltige Steinkohlenflöze des Rotliegenden (Typ „Freital“)

In der Ganglagerstätte Schlema wurde der Abbau bis in eine Schachtsohle von 1.800 Metern geführt. Anfangs wurde reiches Stückerz in die Sowjetunion transportiert. Später musste man die Erze in Aufbereitungsanlagen zu Urankonzentraten verarbeiten. Zu den bedeutendsten Betrieben dieser Art gehörten Seelingstädt und Crossen. Hier wendete man zunächst mechanische Trennverfahren an, die später durch eine chemische Laugung der Erze ersetzt wurden.

Absetzanlage Culmitzsch, 1991 ©Foto: Jan-Peter Kasper
Absetzanlage Culmitzsch, 1991 ©Foto: Jan-Peter Kasper

1967 erreichte die Uran-Produktion mit 7.100 Tonnen Uran ihren Höhepunkt, bis 1990 ging sie auf ca. 3.000 Tonnen zurück. Im Zuge der Wismut-Sanierung verließ der letzte Container mit Yellow Cake (erste Anreicherungsstufe des Uranerzes) am 28. Oktober 1998 den Wismut-Betrieb in Seelingstädt.

Fässer mit hochkonzentriertem Natur-Uran, Aufbereitungsanlage Seelingstädt, 1992 ©Foto: Jan-Peter Kasper
Fässer mit hochkonzentriertem Natur-Uran, Aufbereitungsanlage Seelingstädt, 1992 ©Foto: Jan-Peter Kasper

In Königstein in Sachsen wird sanierungsbedingt jährlich noch Natur-Uran gefördert und verkauft.

Bergbau Zeitgeschichte im Ronneburger Revier

Bergbaugebiet Schmirchau, Tagebau Lichtenberg, Kegelhalden Paitzdorf und Reust im Hintergrund. ©Fotomontage, Wismut GmbH 1991
Bergbaugebiet Schmirchau, Tagebau Lichtenberg, Kegelhalden Paitzdorf und Reust im Hintergrund. ©Fotomontage, Wismut GmbH 1991

Eine kurze Chronologie

1948
Erkundungsschürfen im Seelingstädter Revier

1950
Entdecken der Lagerstätten Ronneburg im Dorf Schmirchau

1950–1955
Aufschluss der Grubenfelder der Bergwerke Schmirchau, Lichtenberg und Reust

1952
Aufschluss des Tagebaus Ronneburg

1954
Beginn der Aufschlussarbeiten für das Grubenfeld des Bergwerkes Paitzdorf

1955
Aufschluss des Tagebaus Stolzenberg

1958
Aufschluss des Tagebaus Lichtenberg, Untertage-Bergwerk Schmirchau

1960
Errichtung des Uranerzaufbereitungsbetriebes Seelingstädt

1961
Aufschluss des Grubenfeldes Ronneburg-Nord im Bergwerk Paitzdorf

ab 1969
Aufschluss der Grubenfelder Raitzhain und Beerwalde

ab 1974
Aufschluss der Lagerstätte im Bergwerk Drosen

1982
Beginn des Abbaus im Bergwerk Drosen

Weitere Informationen zur Geschichte finden Sie dazu auch auf der Webseite der Wismut GmbH.

Tagebau Stolzenberg, nähe Autobahnabfahrt A 4, Ronneburg, 1960er Jahre
©Foto Ernst Bräunlich, Archiv Museum Burg Posterstein
Tagebau Stolzenberg, nähe Autobahnabfahrt A 4, Ronneburg, 1960er Jahre
©Foto Ernst Bräunlich, Archiv Museum Burg Posterstein

Siehe auch: Geschichte der Wismut-Altstandorte – Videofilm Wismut GmbH

Schloss Löbichau, im Hintergrund links sieht man den Förderturm des Schachtes Drosen.
©Foto Hans Neupert, 1989
Schloss Löbichau, im Hintergrund links sieht man den Förderturm des Schachtes Drosen.
©Foto Hans Neupert, 1989
Löbichau, mit Förderturm des Schachtes Drosen. Der Schacht reichte unmittelbar an den Ort heran.
©Foto Hans Neupert, 1989
Löbichau, mit Förderturm des Schachtes Drosen. Der Schacht reichte unmittelbar an den Ort heran.
©Foto Hans Neupert, 1989
Löbichau, Schacht Drosen, 1990er Jahre
©Foto, Jens-Paul Taubert, Altenburg
Löbichau, Schacht Drosen, 1990er Jahre
©Foto, Jens-Paul Taubert, Altenburg

1991 übernimmt die Bundesrepublik Deutschland den sowjetischen Anteil der SDAG Wismut und überführt den gesamten Betrieb in das Sanierungsunternehmen Wismut GmbH.

©Foto 1996, Jens-Paul Taubert, Altenburg
©Foto 1996, Jens-Paul Taubert, Altenburg

Dieses Thema wird in einem der nächsten Teile der digitalen Begleitausstellung „Landschaft nach der Wismut“ behandelt.

Text & Recherche: Klaus Hofmann / Museum Burg Posterstein


Weiterführende Informationen zur Thematik:

URANATLAS, Daten und Fakten über den Rohstoff des Atomzeitalters: Die Altlast der Wismut, Uranbergbau in Sachsen und Thüringen: Fast vergessen, mit Milliardenaufwand saniert, aber immer noch ein Problem, Seite 30/31
Der URANATLAS ist ein Kooperationsprojekt und wird gemeinsam von Le Monde diplomatique, der Nuclear Free Future Foundation, der Rosa-Luxemburg-Stiftung sowie dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland herausgegeben. 1. Auflage: September 2019
Hier geht’s zum Download

Technisches Archiv der Wismut GmbH

Der Fotograf Karl-Heinz Rothenberger im Interview zur Online-Ausstellung „Landschaft nach der Wismut“

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 1. April 2020 von Museum Burg Posterstein15. Dezember 2022

Wie kam es zu dieser außergewöhnlichen Kombination Arzt und Fotograf? Was reizt Sie zu fotografieren und wie arbeiten Sie? Kannten Sie die Geschichte des ostdeutschen Uranbergbaus, bevor Sie dieses Fotoprojekt in Angriff nahmen? Was war letztlich Ihre Motivation? Diese und ähnliche Fragen beantwortet der Fotograf Karl-Heinz Rothenberger in diesem Interview mit Museumsdirektor Klaus Hofmann – Teil 2 unserer mitwachsenden, digitalen Begleitausstellung „Landschaft nach der Wismut“.

Karl-Heinz Rohenberger im Gespräch mit Direktor Klaus Hofmann
© Foto: Gunter Auer, Screenshot aus dem Video der Vernissage

Wie kam es zu dieser außergewöhnlichen Kombination Arzt und Fotograf?

Karl-Heinz Rothenberger:
„Ein Arzt, der kein Künstler ist, ist auch kein Arzt“. Dieses Zitat von Curt Goetz trifft den Nagel auf den Kopf, man denke nur an Carl Gustaf Carus, Anton Tschechow, Conan Doyle und viele mehr. Natürlich ist für ein Berufsleben die ärztliche Kunst alleine schon erfüllend.

Mein Vater schenkte mir mit 14 Jahren die erste Kamera. In der Schule dann der Fotokurs mit der Beschäftigung in der Dunkelkammer und die erste schuleigene Spiegelreflexkamera Pentacon F (VEB Zeiss Ikon Dresden). Bei der Frage Medizinstudium  oder Fotografenlehre entschied ich mich für ersteres.

Sie haben seit 1967 verschiedene Fotoprojekte realisiert. Meist ist Ihre Sicht  dokumentarisch. Was reizt Sie zu fotografieren und wie arbeiten Sie? Welche fotografischen Mittel und welche Technik wenden Sie an?

Am Anfang steht immer die Neugier, den Blick zu schärfen und das Gesehene festzuhalten, anderen Menschen meinen subjektiven Blick durch das Objektiv zu ermöglichen. Ich arbeite in analoger Technik mit der Kleinbildsucherkamera (Leica) in Schwarzweiß.

Was war bisher für Sie Ihr interessantestes Fotoprojekt? Wo haben Sie schon ausgestellt?

Mensch und Technik faszinieren mich ähnlich wie Natur und Kultur.

Über viele Jahre habe ich neben der Wismut alle Wartungen und Arbeitsschritte von Kernkraftwerken und jetzt den Rückbau beobachtet.

Über 100 Ausstellungen vom Pergamon Museum in Berlin bis zur Burg Posterstein zeigen meine Themenvielfalt auf.

Zu Ihrer Ausstellung im Museum Burg Posterstein – Sie zeigen von der Wismut geformte Landschaften auf eindrucksvollen Fotografien. Kannten Sie die Geschichte des ostdeutschen Uranbergbaus, bevor Sie dieses Fotoprojekt in Angriff nahmen? Was war letztlich Ihre Motivation?

Das Fotoprojekt startete anlässlich einer Führung im Jahre 1998, die mir Zugang zur Geschichte gewährte. Eine faustisch anmutende Veränderung der Landschaft die ein Sperrgebiet in eine Erholungslandschaft umwandelt, ist das keine Motivation? Die Bilder sollten auch die Erinnerung bewahren helfen.

Wie oft waren Sie im Bergbaurevier- und wie liefen die Exkursionen ab?

Großer Dank gilt der Wismut und den mich begleitenden Mitarbeitern. Ich durfte das gesamte Gelände besuchen und lernte viel über die Geschichte, menschliche Schicksale, Bergbau, Geologie und Renaturierung. Insgesamt konnte ich das Bergbaurevier sechzehnmal besuchen, zuletzt im Oktober 2019.

Was hat Sie besonders beeindruckt und worüber waren Sie besonders schockiert?

Der Mensch erlebt Höhen und Tiefen, schockiert sein ist nicht ziemlich. Nachdenklich werden ist angemessen und könnte helfen aus der Geschichte zu lernen.

Wollen Sie die Serie in Zukunft noch fortsetzen?

Ja, sehr gerne.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Historische Ansicht des Ritterguts Nöbdenitz für die Sammlung des Museums Burg Posterstein

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 13. April 2017 von Museum Burg Posterstein19. April 2017

Das Museum Burg Posterstein erhielt für seine kulturgeschichtliche Sammlung ein Ölgemälde aus den 1930/40er Jahren, das das Rittergut Nöbdenitz im damaligen Zustand zeigt.

Dieter Heine (links) übergibt das Ölgemälde aus seinem Familienbesitz an Museumsdirektor Klaus Hofmann und Museumsvereinsvorstand Dr. Gert Wolkersdörfer.

Dieter Heine (links) übergibt das Ölgemälde aus seinem Familienbesitz an Museumsdirektor Klaus Hofmann und Museumsvereinsvorstand Dr. Gert Wolkersdörfer.

Das großformatige Gemälde zeigt den idyllischen Blick auf das Nöbdenitzer Rittergut vom Teich aus gesehen. „Für das Museum ist das Bild besonders interessant, weil es eine historische Ansicht dokumentiert, die es heute so nicht mehr gibt“, freut sich Museumsdirektor Klaus Hofmann. Beispielsweise sieht man auf dem Gemälde noch den heute nicht mehr vorhandenen Balkon des Alten Schlosses (heute Sitz der Verwaltungsgenossenschaft Oberes Sprottental) und den Vorgängerbau der heutigen Kindertagesstätte Nöbdenitz.

Das Ölgemälde malte der langjährige Nöbdenitzer Landarzt Dr. med. Gerhard Hermann Nordbeck.

Das Ölgemälde malte der langjährige Nöbdenitzer Landarzt Dr. med. Gerhard Hermann Nordbeck.

Gemalt hat das Bild Dr. med. Gerhard Hermann Nordbeck (1894–1970), der bis 1954 als Landarzt in Nöbdenitz lebte. Er kam 1923 mit seiner ersten Frau Carola, geborene Eichhorn, nach Nöbdenitz und ließ um 1926/27 das Gebäude errichten, das auch heute noch die Nöbdenitzer Arztpraxis mit Wohnhaus beherbergt. Nachdem seine Frau 1945 gestorben war, heiratete Nordbeck 1950 Helga Zwiener, geschiedene Heine, die Mutter von Dieter Heine. In Absprache mit seinen Stiefgeschwistern entschied Heine sich dafür, das von Nordbeck angefertigte Gemälde dem Museum Burg Posterstein zu übergeben. Der Museumsverein Burg Posterstein dankt herzlich dafür.

Das Nöbdenitzer Schloss um 1938/40 und heute.

Das Nöbdenitzer Schloss um 1938/40 und heute.

Die vom Teehaus am Nöbdenitzer Teich (2006 vom Ortsverschönerunsgsverein Nöbdenitz rekonstruiert) gemalte Ansicht stellt eine wunderbare Ergänzung der Dauerausstellung des Museums dar, die in diesem Jahr weiter überarbeitet werden soll. Nach der Ausstellung über den Sachsen-Gotha-Altenburgischen Minister Hans Wilhelm von Thümmel (1744–1824) im vergangenen Jahr sollen auch Thümmel und Nöbdenitz einen prominenteren Platz in der Ausstellung zur europäischen Salongeschichte erhalten. Thümmel ließ auf seinem Landsitz in Nöbdenitz nicht nur einen weithin bekannten englischen Garten anlegen, sondern wählte die 1000-jährige Eiche als seine außergewöhnliche Grabstätte. Das Museum Burg Posterstein veröffentlichte 2016 die bisher umfangreichste Biografie Thümmels und bietet auf Voranmeldung Führungen zur 1000-jährigen Eiche und zum Rittergut Nöbdenitz an.

Zum Weiterlesen: Hans Wilhelm von Thümmel: Der Mann unter der 1000-jährigen Eiche

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Das thüringische Museums Burg Posterstein bloggt seit 2011 über Geschichte und Geschichten aus Sammlung, Forschung und Museumsalltag.

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