Skandinavische Kobolde zu Besuch auf Burg Posterstein

Skandinavische Weihnachten & Weihnachtskrippen aus aller Welt - Plakat zur AusstellungVon den über 500 Weihnachtskrippen und Sammlungsstücken zum Thema Weihnachten aus dem Bestand des Museums stellen wir schon seit elf Jahren eine Weihnachtsausstellung zusammen. Wir wollen nicht jedes Jahr das gleiche zeigen, sondern thematische Schwerpunkte setzen. In diesem Jahr werfen wir einen Blick nach Norden. In Skandinavien gehören Krippen zwar nicht zur weihnachtlichen Tradition, aber wir wollen über den Tellerrand schauen und in einem Teil der Ausstellung wird es von kleinen Kobolden, Julböcken und Flechtherzen nur so wimmeln.

Die meisten heutigen Weihnachtsbräuche in Skandinavien sind geschichtlich gesehen noch recht jung. Das älteste daran ist der in Dänemark, Schweden und Norwegen gleichermaßen gebrauchte Name für das Weihnachtsfest: Jul. Dessen Entstehung geht auf eine altnordische Bezeichnung für überschwängliche Trinkfeste zur Wintersonnenwende zurück, die schon um 900 erstmals erwähnt wurde.

Kleine Helfer mit Hunger auf Milchreis

"Nisse" und "Julbock" dekorieren in diesem Jahr einen Weihnachtsbaum im Museum Burg Posterstein.
“Nisse” und “Julbock” dekorieren in diesem Jahr einen Weihnachtsbaum im Museum Burg Posterstein.
„Nisser“ in Dänemark, „Tomte“ in Schweden und „Fjøsnisse“ oder „gardvorden“ in Norwegen waren im Volksglauben kleine, bärtige Kobolde von der Größe eines 8-10jährigens Kindes, die im Volksglauben in der Nähe von Häusern und Höfen lebten. Behandelte man sie gut und respektvoll, beschützten sie Vieh und Hof – wenn nicht, konnten sie Unheil bringen, spielten Streiche oder zogen fort. Die älteste Erwähnung eines solchen Wesens geht auf eine isländische Erzählung aus dem Jahre 981 zurück. In früheren Zeiten konnte ein „Nisse“ durchaus ein kleiner, grimmiger Teufel sein. Das heutige Bild – besonders vom weihnachtlichen „Julenisse“ – ist hingegen ein ganz und gar positives.

Die Ausstellung “Mit Nisse und Julbock: Skandinavische Weihnachten & Weihnachtskrippen aus aller Welt” ist von 29. November, 15 Uhr, bis 10. Januar im Museum Burg Posterstein zu sehen.

Die Eröffnung beginnt diesmal schon 14 Uhr in der Burgkirche Posterstein. In Zusammenarbeit mit der Kirchgemeinde Nöbdenitz wollen wir die Weihnachtszeit und die weihnachtliche Ausstellung mit einem Gottesdienst beginnen. Gegen 15 Uhr laden wir zur Krippenschau mit Glühwein und Weihnachtsgebäck. Dazu gibt es einen Einblick in die skandinavischen Weihnachtsbräuche und die Autorin Marlene Hofmann liest aus ihrem Buch „Ein Jahr in Kopenhagen“ ein Kapitel darüber, wie sie in Kopenhagen ein dänisches Weihnachtsessen miterlebte.

Weitere Infos zur Ausstellung gibt es auf der Website des Museums.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Mit Christuskind, Hirten, Ochs und Esel: Aus der Geschichte der Weihnachtskrippen

In der Adventszeit erobert die Weihnachtskrippensammlung die Burg Posterstein, die hier traditionell schon seit fast 20 Jahren jedes Jahr im Dezember gezeigt wird. Gerade laufen die Vorbereitungen für die diesjährige Ausstellung auf Hochtouren und die Sammlung bekommt sogar noch Zuwachs. Das wollen wir zum Anlass nehmen, um tiefer in die Geschichte der Krippen einzutauchen – mit Auszügen aus unserer Publikation “Weihnachtskrippen – Sammlung Riewe”.

“Ihr Kinderlein kommet …” – woher stammt die Weihnachtskrippe?

Die Vielfalt der Krippendarstellungen ist ungemein - Sammlung Riewe im Museum Burg Posterstein
Die Vielfalt der Krippendarstellungen ist ungemein – Sammlung Riewe im Museum Burg Posterstein

Wenn wir an Weihnachtskrippen denken, sehen wir vor dem inneren Auge das in ein Tuch gewickelte Jesuskind in einer Futterkrippe im Stroh liegen, daneben die Eltern, die Hirten und die drei heiligen Könige im Stall von Bethlehem. Diese umfassende Darstellung der Geburt Jesus Christus gründet auf einer langen Tradition: Im Jahre 313 nach Christus ließ Kaiser Konstantin der Große das Weihnachtsfest einführen und die Geburt Christi auf den 25. Dezember festschreiben. Der Tag war in der römisch-heidnischen Religion jener Zeit bis dahin dem Fest der unbesiegbaren Sonnengottheit, Sol invictus, geweiht. An deren Stelle trat nun die christliche “Sonne der Gerechtigkeit”, wie der Sammler Jürgen P. Riewe es ausdrückte.

In den Weihnachtsspielen des Mittelalters stand die Krippe im Mittelpunkt

Blick in die Krippensammlung von Jürgen P. Riewe im Museum Burg Posterstein
Blick in die Krippensammlung von Jürgen P. Riewe im Museum Burg Posterstein

Im Jahre 354 nach Christus ließ Bischof Liborius in Rom eine Basilika mit einer Krippenkapelle errichten. In den Weihnachtsspielen des Mittelalters stand die Krippe im Mittelpunkt. Barbara Kruhöffer folgert in ihrem Buch “Weihnachtskrippen der Völker”: “Die Tatsache, daß die Weihnachtskrippe an so vielen Orten fast gleichzeitig aufgetreten ist, macht deutlich, daß sie Vorformen hatte, die generell verbreitet waren und folgerichtig zur Krippe führten.”

Mit Beginn des Barock stellten die Kirchen in Bayern bereits prunkvolle Krippen auf, an denen das Volk Opfergaben niederlegte. Im 16. und 17. Jahrhundert schmückten Krippen den bayrischen Hof und bald auch die Weihnachtsstuben der Bürger. Das 17. und 18. Jahrhundert sah die Hochblüte der Krippenkunst.

Schädliche Kinderbelustigung oder fester Brauch?

Keramikkrippe aus Frankreich - Sammlung Riewe, Museum Burg Posterstein.
Keramikkrippe aus Frankreich – Sammlung Riewe, Museum Burg Posterstein.

Gegen den Brauch, Krippen aufzustellen, vermochte auch die Aufklärung nicht mehr viel, als sie ihn im Jahre 1803 als „schädliche Kinderbelustigung“ verurteilte. Ein Verbot 1792 erlassenes Verbot der Krippenaufstellung in den Kirchen musste nach dem Volkswillen bereits 1804 widerrufen werden. Heimlich aufgestellte Krippen in den Bürgerhäusern waren längst fester Brauch.

“Die Vielfalt der Krippen in Form, Farbe und Material lässt sich nicht einmal erahnen. Berühmte Maler und Bildhauer schufen Krippendarstellung von unschätzbarem Wert. Die Zahl der Krippenausstellungen geht ins Unermeßliche.”, schreibt Jürgen P. Riewe. – Einen Teil dieser Vielfalt konnte er in seiner Krippensammlung festhalten – zu sehen ab 1. Dezember, 15 Uhr, im Museum Burg Posterstein.

Die Postersteiner Krippensammlung

Ausstellungsplakat: Weihnachtskrippen Sammlung Riewe (Museum Burg Posterstein)
Ausstellungsplakat: Weihnachtskrippen Sammlung Riewe (Museum Burg Posterstein)

Jürgen P. Riewe und Carolin Riewe aus Hannover übergaben dem Museum Burg Posterstein 1994 ihre Krippensammlung, die die ganze Vielfalt der Darstellung der Geburt Christi in über 340 Exponaten zeigt. Dazu gehören auch eine Bibliothek und ein volkskundliches Archiv zum Thema.

Noch bevor die Exposition 1994 das erste Mal im Museum Burg Posterstein gezeigt wurde, hatten sich die Sammler, angeregt durch persönliche Begegnungen entschlossen, ihre Sammlung dem Museum Burg Posterstein zu stiften. Jürgen P. Riewe starb im Oktober 2007. Die Krippenausstellung ist jedes Jahr in der Weihnachtszeit im Museum zu sehen.

Im Video von TV-Journalist Gunter Auer zur Krippenausstellung im vergangenen Jahr finden sich auch Archivaufnahmen der Lesungen von Jürgen P. Riewe:

Im Dezember 2013 erhält das Museum Burg Posterstein eine weitere, umfangreiche Krippensammlung – abermals gestiftet von einer Sammlerin aus Hannover. Wir freuen uns sehr, danken der Sammlerin für ihr Vertrauen und verraten in einem nächsten Blogpost bald mehr.

Weihnachten in der Kirche und Burg Posterstein

Detail des barocken Schnitzwerkes in der Burgkirche Posterstein (Foto: Museum Burg Posterstein)
Detail des barocken Schnitzwerkes in der Burgkirche Posterstein (Foto: Museum Burg Posterstein)

Von 1. Dezember bis 5. Januar zeigt das Museum Burg Posterstein eine Auswahl Weihnachtskrippen aus der Sammlung Riewe.
An Heiligabend, 17 Uhr, lädt die Kirchgemeinde Nöbdenitz, zu der auch die Kirche Posterstein gehört, zur Christvesper und zum Krippenspiel mit Pfarrer Wiegand in die Burgkirche ein. Aktuelle Infos zu kirchlichen Veranstaltungen in Posterstein gibt es auf der neuen Facebook-Seite “Evangelisch im Sprottental”.

Zum Weiterlesen:
Blogpost “Magische Nächte zwischen Weihnachten und Dreikönigstag – Weihnachten im Mittelalter”
Im Museum erhältlich: Das Heft Weihnachtskrippen – Sammlung Riewe. Klaus Hofmann. Museum Burg Posterstein, 1995 (Preis: 2,50 Euro)

(Von Marlene Hofmann)

Magische Nächte zwischen Weihnachten und Dreikönigstag – Weihnachten im Mittelalter

Mit der Christianisierung Mitteleuropas im Laufe des Mittelalters wurde das Weihnachtsfest, die Geburt Jesus Christus, eines der wichtigsten Feste des Kirchenjahres. Weihnachten dauert von der Adventszeit (ab Sonntag nach dem Totensonntag, welcher der letzte Tag des Kirchenjahres ist) bis zum 6. Januar (Dreikönigstag). Zu den frühesten überlieferten Weihnachtsbräuchen gehören das Singen von Weihnachtsliedern, das Aufstellen von Weihnachtskrippen und das Krippenspiel, die alle die Geschichte der Geburt Jesus Christus anschaulich darstellen. Das Museum Burg Posterstein zeigt ab 2. Dezember wieder seine traditionelle Ausstellung mit Weihnachtskrippen aus aller Welt.

Krippe aus Transparentpapier, Sammlung Riewe, (c) Museum Burg Posterstein
Krippe aus Transparentpapier, Sammlung Riewe, (c) Museum Burg Posterstein

Was machten die Postersteiner Burgherren an Weihnachten?

An Weihnachten machten sich die Postersteiner Burgherren bis Ende des 16. Jahrhunderts höchstwahrscheinlich auf den Weg zum Gottesdienst ins nah gelegene Nöbdenitz. Dort besaßen sie einen herrschaftlichen Logensitz. Erst als es ab 1575 zu Streitigkeiten mit den Nöbdenitzern kam, errichtete man in Posterstein eine eigene Kirche, direkt im Burggraben. Darüber hinaus besaßen die Burgherren eine kleine Hauskapelle in den Räumen der Burg, dies belegen Baubefunde wie Reste einer Gewölbedecke sowie ein romanischer Taufstein, die heute im Museum zu sehen sind. Mehr dazu erfahren Sie in der Ausstellung “Wehrhaft, wohnhaft, Haft”.

Die Burgkirche Posterstein steht etwas unterhalb der Burg, im ehemaligen Burggraben.
Die Burgkirche Posterstein steht etwas unterhalb der Burg, im ehemaligen Burggraben. (c) Museum Burg Posterstein

Heidnische Bräuche vermischten sich mit christlichem Glaube

Beschäftigt man sich mit überlieferten Volksbräuchen, wird deutlich wie sehr sich heidnische Traditionen mit den neuen christlichen Ritualen vermischten. In die Zeit zwischen Weihnachten und dem Jahreswechsel fielen auch die “Zwölften“, auch “Rauhnächte” oder “Rauchnächte” genannt. In dem Zeitraum zwischen Thomastag (21. Dezember) und Dreikönigstag (6. Januar) machte nach dem Volksglauben der Wilde Jäger mit seinem Gefolge von Hexen, Dämonen, Schweinen, Menschen ohne Kopf und Teufelsfratzen die Nächte unsicher. Dann musste die Arbeit ruhen und um die Dämonen in Schach zu halten, gab es allerlei Schutzmaßnahmen: Wasser nicht unbedeckt lassen, Vieh nicht aus dem Stall lassen, gefährliche Tiere nicht beim Namen nennen, den Hunden ein besonderes Brot backen, Hexen durch Maskenumzüge vertreiben, nicht lüften und nicht waschen. Gleichzeitig war es eine fröhliche Zeit, denn die Mägde konnten nach Hause zu ihren Familien und die Wirtshäuser waren besonders zum Jahreswechsel gut besucht.

Weihnachtskrippen aus der Sammlung Riewe auf Burg Posterstein (c) Museum Burg Posterstein
Weihnachtskrippen aus der Sammlung Riewe auf Burg Posterstein (c) Museum Burg Posterstein

Seit wann gab es Bescherung und Tannenbaum?

Frühestens seit Ende des 16. Jahrhunderts lässt sich nach der Christmette, dem feierlichen Gottesdienst mit Krippenspiel, auch die häusliche Bescherung mit Geschenken nachweisen. Vor der Reformation brachte St. Nicolaus die Gaben, danach der Heilige Christ. Ihn begleiteten Martin, Nicolaus oder der grimmige Knecht Ruprecht als strafende Personen. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts verteilte Knecht Ruprecht dann selbst die Geschenke, im Namen des Heiligen Christs. Daraus entstand dann der heutige Weihnachtsmann-Brauch. Das Aufstellen von Tannenbäumen ist ebenfalls frühestens im 16. Jahrhundert belegt. Richtig etabliert hat sich die Tradition erst im 19. Jahrhundert. Seinen Ursprung soll das Aufstellen eines „Grünen Baumes“ in den Segensbäumchen (Ostereierbaum, Maibaum) haben, welche zum Schutz von Haus, Hof und Vieh aufgerichtet wurden”.

(Quelle: Museum Burg Posterstein, Archiv Riewe)

Zum Herunterladen: Plakat: Weihnachtskrippen auf Burg Posterstein 2012

Mehr Informationen: www.burg-posterstein.de

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Von Marlene Hofmann