Schülerfreiwilligentag: Fleißige Gärtner im Burgpark Posterstein

Im Park am Fuß der Burg Posterstein wird eifrig gehackt, gegraben, gepflanzt und gegossen. Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern und seit heute blühen auch neue Rhododendronsträucher.

Am Montag kamen bereits interessierte Postersteiner zum ersten Arbeitseinsatz “Bürgerpark Posterstein” (Vielen Dank an alle Beteiligten!).

Heute zum Thüringer Schülerfreiwilligentag halfen elf Schüler der Regelschule Nöbdenitz auf Eigeninitative beim Pflanzen neuer Rhododendren, jäten und rechen. Vielen herzlichen Dank an die Schüler und Lehrer der Regelschule! Insgesamt nahmen sechs Schulen im Landkreis Altenburger Land am Schülerfreiwilligentag teil.

Schülerfreiwilligentag auch in Posterstein: Die Schüler der Regelschule Nöbdenitz halfen bei der Pflege des Burgparks
Schülerfreiwilligentag auch in Posterstein: Die Schüler der Regelschule Nöbdenitz halfen bei der Pflege des Burgparks

Gemeinsam statt einsam – auch im Burgpark

Für den Park der Burg Posterstein und das gesamte Gelände des ehemaligen Ritterguts gibt es seit einigen Jahren bereits ein gartenarchitektonisches Konzept, das mangels Finanzierungsmöglichkeiten nicht umgesetzt werden konnte. Gerade kommt Schwung in die Umsetzung des Konzepts “Gemeinsam nicht einsam”, eine Initiative der Gemeinde Posterstein, von Bürgern und des Museumsvereins. Sollten die Visionen Wirklichkeit werden, könnten die Gebäude am Burgberg Posterstein gekauft, saniert und zukünftig generationenübergreifendend, nachhaltig und kulturell genutzt werden. Durch das öffentliche Interesse, das die Vision in der letzten Zeit genießen durfte, sind nicht nur potentielle Geldgeber, sondern auch engagierte Bürger auf das Rittergutsgelände aufmerksam geworden.

Weitere Infos zu “Gemeinsam nicht einsam”:
Website “Gemeinsam nicht einsam”
Artikel “Grünes Licht für Kaufverhandlungen” der Ostthüringer Zeitung

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Geschenke für den Museumsbesuch: Christian Habicht feiert die 3000. Besucherin

Im Verlauf der Sonderausstellung „Mich interessiert nur der Rahmen – Cartoons und Comics von Christian Habicht“ feierten Museum und Künstler zuerst die 1500. Besucherin, dann die 2000. und am Sonntag schließlich die 3000. Besucherin. Als Dankeschön und stellvertretend für all die anderen Ausstellungsbesucher bekamen sie jeweils einen Cartoon-Druck geschenkt.

Die 3000. Besucherin kam am letzten Tag der Ausstellung.
Die 3000. Besucherin kam am letzten Tag der Ausstellung.

Am letzten Tag der Sonderschau besuchte die 13jährige Zoe Rocher aus Posterstein mit ihrer Familie die Burg. Sie waren extra wegen Christian Habichts witzigen Cartoons gekommen und freuten sich sehr, einen davon mit nach Hause nehmen zu können. Zoe entschied sich für ein Comic, auf dem ein Handwerker fragt „Und, hast du die Dämmwolle dabei?“, während sein Kollege mit drei Schafen in der Tür steht.

Habicht-Fans aus Posterstein, Siegen, Gera

Gerade einmal zwei Wochen vorher konnte Habicht die 2000. Besucherin begrüßen. Elisabeth Krieger aus Siegen und ihr Mann Peter waren auf Städtereise durch Thüringen und kamen zufällig ins Museum Burg Posterstein. Auch sie freuten sich über den herzlichen Empfang.

Die 2000. Besucherin kam aus Siegen und besuchte während ihrer Städtereise durch Thüringen auf die Burg Posterstein.
Die 2000. Besucherin kam aus Siegen und besuchte während ihrer Städtereise durch Thüringen auf die Burg Posterstein.

Die 1500. Besucherin, Rita Söllner, kam Anfang April in die Ausstellung und entpuppte sich als ein absoluter Fan von Christian Habichts Cartoons. Sie besitzt bereits alle Habicht-Bücher und kam extra mit ihrem Ehemann „wegen Habicht“ am Ostermontag in die Postersteiner Ausstellung. Über das Cartoon-Geschenk freute sie sich überschwänglich.

Der Künstler Christian Habicht freut sich über das große Interesse an seinen Cartoons. Seit 2006 ist der Vater von zwei Töchtern freiberuflich als Illustrator und Cartoonist tätig und zeichnet Cartoons für verschiedene Zeitungen und Magazine. Neben zahlreichen Hausaufgabenheften gestaltet Habicht auch Bastelblöcke, Ausmalhefte, Stickerhefte, Puzzlebücher sowie Schultüten. 2009 gewann er den Ilse Bähnert Preis der Sächsischen Zeitung, 2012 den Publikumspreis in Prerow und 2014, neben einem weiteren Preis des H-Teams München, den Kultur- und Kunstpreis des Saale-Holzland-Kreises.

Weitere Informationen zum Künstler

Zur Website von Christian Habicht

Ausblick: Von den Cartoons zur Ölmalerei

Fantasievoll, romantisch, frech - Hans Neuperts Stil ist unverkennbar.
Fantasievoll, romantisch, frech – Hans Neuperts Stil ist unverkennbar.

Die nächste Sonderausstellung auf Burg Posterstein ist bereits in Vorbereitung: Als Hommage zum 95. Geburtstag des Schmöllner Künstlers Hans Neupert zeigt das Museum dessen charakteristische Ölgemälde, von denen ein Großteil erst in den letzten Jahren entstanden ist. Soviel vorweg: Neupert bleibt seinem Stil treu und es wird wieder romantische Landschaften und freche Damen zu sehen geben. Die Schau wird im Rahmen des Programms zum Internationalen Museumstag feierlich eröffnet.

Weitere Informationen zum internationalen Museumstag auf Burg Posterstein

von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Die Potentiale kleiner Museen im Social Web – Postersteiner Erfahrungsbericht beim Startcamp München

Lohnt es sich für kleine Museen im ländlichen Raum, die geringe personelle & finanzielle Ressourcen mitbringen und mit dem demografischen Wandel zu kämpfen haben die Nutzung von Social Media überhaupt?

Auf dem Startcamp München 2015 (#scmuc15) stellte Marlene Hofmann, unsere Verantwortliche für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit, die schon 15jährigen Interneterfahrungen des Museums vor und antwortete mit einem klaren: Ja. Ihre Präsentation kann hier eingesehen werden:

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Das Startcamp trug den Titel „Digitales weiterdenken“ und unter diesem Thema trafen in München Kulturschaffende, Web-Experten, Kommunikationsmitarbeiter großer Museen (die Presseabteilung der Pinakotheken war komplett vertreten) auf Blogger, Museumsbesucher und Interessierte aller Couleur. Ein Startcamp ist keine bloße Konferenz. Es laufen immerfort mehrere Gespräche, Vorträge, Diskussionsrunden, Wordshops und Debatten parallel – in diesem Fall immer fünf. Diskussion und Weiterdenken ist das Ziel und die Debatte wird per gemeinsamen Hashtag über Twitter und andere soziale Medien direkt ins soziale Web übertragen, wo Außenstehende mitverfolgen und sich einbringen konnten. Was sie auch taten.

Sieht nach einem vollen Stundenplan aus - das Programm eines Startcamps wird vor Ort geplant und jeder kann frei wählen, was er hören will.Sieht nach einem vollen Stundenplan aus - das Programm eines Startcamps wird vor Ort geplant und jeder kann frei wählen, was er hören will.
Sieht nach einem vollen Stundenplan aus – das Programm eines Startcamps wird vor Ort geplant und jeder kann frei wählen, was er hören will.

Postersteiner Erfahrungen

Zur Präsentation über die Potentiale von Social Media für kleinere Museen kamen wir in einem spannenden Kreis zusammen, u.a. mit Juna, die bloggt und in einer Berliner Gedenkstätte arbeitet, mit der Bayerischen Schlösserverwaltung und dem Infopoint Museen Bayern, dem Bayrischen Moor- und Torfmuseum, einer engagierten Museumsbesucherin und Bloggerin und anderen.

Statistischen Ausgangspunkt bildete eine kleine „Volkszählung“ der Thüringer Museen, die auf Facebook, Twitter oder per Blog im Social Web unterwegs sind. Die kurze Analyse mit Zahlen vom 21. April 2015 zeigt, dass etwa 19 Prozent der insgesamt 210 im Thüringer Museumsverband organisierten Museen ein Facebook-Profil besitzen, etwa drei Prozent sind auf Twitter unterwegs und nur ein Prozent bloggt. Wer noch nicht auf der Liste vertreten ist, darf die Autorin gern per Kommentar darauf hinweisen, der Schwerpunkt lag jedoch aus Kapazitätsgründen auf den Museen, die im Museumsverband organisiert sind. Die Ergebnisse zeigen jedoch, dass es durchaus noch unausgeschöpftes Potential gibt. Gleichzeitig sind die Gründe, warum Museen sich zurückhalten vielfältig – und manchen Kollegen sind gar durch strikte Regelungen, die die eigenständige Pressearbeit unterbinden, die Hände gebunden.

Sichtbar werden – für Besucher, Blogger und politischen Entscheidungsträger

Die Ergebnisse der Diskussion und des Startcamps allgemein waren für Burg Posterstein als Museum durchaus inspirierend: Das reichte von Tipps für weitere Fördermittelmöglichkeiten und technische Tools, über den verstärkten Austausch mit Bloggern bis hin zu der Erkenntnis, dass ein wichtiges Argument pro Social Media-Aktivität auch das folgende ist: Mehr und mehr Politiker sind aktiv auf Twitter und Facebook. Je sichtbarer ein Museum für sie auch auf diesen Kanälen ist, desto besser wird es auch von den politischen Entscheidungsträgern wahrgenommen.

Gleichzeitig wurde durch Analysen der Nutzerstrukturen von Burg Posterstein deutlich, dass die durchschnittlichen Online-Besucher des Museums über 30, viele sogar 50 und älter sind. Diese Gruppe nutzt soziale Medien und das Internet zur Information und Planung ihres Besuchs sowie zur schnellen Kontaktaufnahme vor einem Besuch. Das Teilen der Inhalte, darüber bloggen und kreatives Weiterentwickeln steht erst an zweiter Stelle, auch wenn es nicht auszuschließen ist. Wichtig ist die Erkenntnis, dass Social Media-Arbeit ergebnisoffen betrieben werden sollte – dann können sich ganz unerwartete Kooperationen, Kontakte und sogar Leihgaben und Schenkungen ergeben.

Blogger sind in Posterstein willkommen – Eintritt frei

Als ersten Schritt hin zu einer engeren Beziehung mit Bloggern spricht das Museum Burg Posterstein Blogger nun direkt auf der Website an. Wer über Burg Posterstein bloggen möchte, erhält selbstverständlich freien Eintritt. Was man sonst noch machen kann in Sachen Blogger Relations wurde auf dem Startcamp in einer Podiumsdiskussion mit der Kunsthalle Karlsruhe, Wera Wecker, Tanja Praske, Angelika Schoder, Christian Gries und Michelle van der Veen diskutiert, die das ganze hier auch schön zusammenfasst.

Eine Übersicht über alle online verfügbaren Präsentationen, Blogposts, Storifys, Videos, Podcasts und Fotosammlungen gibt es hier bei den Veranstaltern, den Kulturkonsorten München.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

#MuseumSound zum internationalen Museumstag: So klingt die Burg Posterstein

Im Vorfeld des Internationalen Museumstags am 17. Mai sammeln die Veranstalter den Klang der Museen und verorten ihn auf einer interaktiven Karte. Das Museum Burg Posterstein soll da nicht fehlen, weshalb unser Mitarbeiter Marcus für uns eine Runde durch die Ausstellung und bis in den Keller gegangen ist.

Quietschende alte Türen, knarrende Dielen, läutende Uhren, Tritte auf Stufen, Besucherführungen und Eröffnungskonzerte… Die Geräuschkulisse des über 800 Jahre alten Gemäuers ist vielfältig und bietet Stoff für ganze Soundteppiche. Wir haben uns auf einen Zusammenschnitt von einer Minute beschränkt:

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Eine Übersicht über alle bisher gesammelten musealen Klänge gibt es hier:

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Museumstag auf Burg Posterstein: Rittergut und freche Damen

Zum Museumstag am 17. Mai, der in diesem Jahr das Motto „MUSEUM. GESELLSCHAFT. ZUKUNFT.“ trägt, gibt es 11 Uhr eine Sonderführung „Zukunft des Burgbergs“. Wir treffen uns auf der Burgbrücke und führen Sie über das Außengelände auf dem Burgplatz. Hier stehen die verbleibenden Gebäude des ehemaligen Ritterguts Postersteins, für die es ein visionäres Zukunftskonzept, bisher aber keine Finanzierung gibt. Weitere Informationen zum Thema gibt es hier und hier.

Fantasievoll, romantisch, frech - Hans Neuperts Stil ist unverkennbar.
Fantasievoll, romantisch, frech – Hans Neuperts Stil ist unverkennbar.

15 Uhr findet die feierliche Eröffnung der neuen Sonderausstellung „Mal sehen wohin es geht oder zwischen den Zeiten“ statt, eine Homage an den beliebten Schmöllner Künstler Hans Neupert, der in diesem Jahr seinen 95. Geburtstag feiert und in den vergangenen Jahren sehr produktiv gewesen ist. Die Sujets fantasievoll, romantisch, philosophisch bisweilen provozierend frech gemalt und von tiefer Farbigkeit geprägt, bilden in ihrer Unverwechselbarkeit bis heute den Stil Hans Neuperts.

Weitere Informationen zur Sonderausstellung Hans Neupert

Nachtrag: Die Burg als Klingelton gefällig?

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Wegen interessierter Nachfragen in Folge der Aktion #MuseumSound zum Internationalen Museumstag gibt es hier das Quietschen unserer Kellertür als MP3 zum Download. Mit Hilfe der entsprechenden Apps (für Android z.B. Ringdroid, für Apple Klingelton Maker) können Sie unsere MP3 dafür nutzen.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Burg Posterstein als Gutenachtgeschichte

Mit vier verschiedenen Postkarten-Motiven sammelte das Museum im Vorfeld Geld für das Kinderbuchprojekt (Bild: Museum Burg Posterstein)
Mit vier verschiedenen Postkarten-Motiven sammelte das Museum im Vorfeld Geld für das Kinderbuchprojekt (Bild: Museum Burg Posterstein)
Dicke, alte Mauern, Ritterrüstung und ein Turm mit Aussichtsplattform – naturgemäß sind Burgen prädestiniert für Familien mit Kindern. Zur Burg Posterstein gibt es darüber hinaus noch eine geisterreiche Gutenachtgeschichte – das Buch “Ein Fall für Posti & Stein – Der Ritter, der keine Ruhe fand” wollen wir anlässlich der #MuseumWeek mit dem heutigen Thema #familyMW kurz vorstellen.

Im Rahmen der museumspädagogischen Arbeit des Museums entstand 2010 das Kinderbuch “Ein Fall für Posti & Stein – Der Ritter, der keine Ruhe fand”. Das Paperback mit bunten Illustrationen richtet sich an Kinder im Lesealter. Ihren Ausgangspunkt nimmt die Geschichte in der Dauerausstellung, wo eine Ritterrüstung hinter Glas steht. Eines Nachts beginnt sie sich zu bewegen, lässt dabei das Glas der Vitrine zersplittern und setzt die Alarmanlage in Gang. Polizei und Museumschef sind ratlos. Dem Rätsel wirklich auf die Spur kommen nur die beiden Burggeister Posti und Stein.

Ganz und gar nicht unheimlich

Posti und Stein gab es schon vor dem Buch. Sie begleiten Kinderführungen, Geburtstage und Schülerprojekte. Und anders als manche andere Schlossgespenster sind der rosarote Burggeist und der dicke Drache auch gar nicht unheimlich.

Mehr Infos zu Posti und Stein gibt es auf der Website des Museums.

Hier findet ihr die neusten Tweets & Statistiken zur #MuseumWeek.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Mitbringsel vom Posterstein

Ob man im Park der Burg Posterstein Blätter, Blumen oder Steine sammelt, oder ob man neues Wissen, Erfahrungen und Eindrücke mit nach Hause nimmt – Souvenirs von der Burg Posterstein müssen nicht immer etwas kosten. Können sie aber – und dafür gibt es einen kleinen Museumsladen.

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Petra arbeitet seit fast 30 Jahren im Museum Burg Posterstein und kümmert sich nicht nur um die museumspädagogische Arbeit, sondern auch um den Museumsladen. Anlässlich der #MuseumWeek auf Twitter mit dem heutigen Thema #souvenirsMW beantwortet sie drei Fragen zum Thema:

Was nehmen die Besucher gern von der Burg Posterstein mit nach Hause?

Der Wegweiser durch die Burg Posterstein ist naturgemäß sehr gefragt.
Der Wegweiser durch die Burg Posterstein ist naturgemäß sehr gefragt im Museumladen.
“Nach einer Führung mit einer Schulklasse möchten die meisten natürlich eines der Holzschwerter und Schilde mit nach Hause nehmen und auf dem Burghof finden sofort kleine Ritterkämpfe statt.
Außer den typischen Burgen-Souveniers kann man in unserem Museumsladen aber auch den Wegweiser durch die Burg und alle aktuellen – und sogar eine Reihe älterer – im Museum erschienen Kataloge und Bücher kaufen. Die Publikationsliste gibt es auf unserer Website und wir nehmen auch Bestellungen per E-Mail an.”

Welches wäre das ideale Souvenir von der Burg Posterstein – wenn es das denn schon gäbe?

“Ein kleiner, geschnitzter Johannis Hopf zum Mitnehmen fehlt uns noch! Von dem unbekannten Holzschnitzer stammt die beeindruckende barocke Innenausstattung der Burgkirche. Es rankt sich eine Sage um ihn, aber niemand weiß, wie er ausgesehen hat. Burg Posterstein als Holzbaukasten fände ich auch sehr schön!”

Welche Souvenirs kann man nicht kaufen und trotzdem mitnehmen?

“Verliesstaub! Davon gibt es eine Menge und den oberen Teil des ehemaligen Verlieses kann man vom Burghof aus besichtigen. Am Wochenende haben wir im Rahmen der Aktion #kunstputz von den Herbergsmüttern ein Tütchen Verliesstaub für das Deutsche Staubarchiv in Köln aufgesammelt und eingetütet. Für sein persönliches Gruselkabinett kann natürlich jeder, der mag, ein paar Postersteiner Verliesstaubmäuse mit nach Hause nehmen. – Aber nur so lange der Vorrat reicht!”

Seit gestern die MuseumWeek über meine Twitter-Timeline hereinbrach, brummt und surrt es nur so von meinem Smartphone, weil ständig neue Tweets reinkommen. Wenn es zu stressig wird, drehe ich einfach ein paar Mal meinen kleinen handgedrechselten Kreisel. – Den gibt’s auch im Postersteiner Museumsladen.

Hier findet ihr die neusten Tweets & Statistiken zur #MuseumWeek.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Der Mutz in der Darstellung renommierter Illustratoren aus aller Welt – Ein Resümee

Am 17. August 2014 zog der Mutz, unser liebgewonnenes Thüringer Fabelwesen, unter großem Andrang auf Burg Posterstein ein. Am 16. November 2014 hieß es dann wieder Abschied nehmen. Nach Ende unserer Sonderschau ist es nun an der Zeit, ein Resümee zu ziehen.

Beim Aufbau der Sonderausstellung
Beim Aufbau der Sonderausstellung

Es kann nicht oft genug betont werden, wie überwältigend groß der Zuspruch für unseren Mutz ausfiel. Sowohl von künstlerischer Seite als auch seitens der Besucher. 75 internationale Künstlerinnen und Künstler gaben der rätselhaften Thüringer Kreatur eine Gestalt nach ihrer Vorstellung. Geleitet von Erfahrung und Kreativität entstanden mehr als 90 meist grafische Werke, die das Geheimnis des sagenumwobenen Mutzes zu lüften versuchten. Herzlichen Dank.

Eines der verschiedenen Plakatmotive zur Ausstellung
Eines der verschiedenen Plakatmotive zur Ausstellung

Und auch wenn dieses wohl auf ewig das Geheimnis der Jäger und Metzger bleiben wird, so lockten die hervorragenden Arbeiten rund 5000 Besucher ins Museum. Dem nicht genug, schöpften viele Besucher eigene Ideen aus der Kabinettausstellung. Das erste Besucher-Mutz-Buch, das auch den Gästen die Möglichkeit geben sollte, kreativ zu werden, war nach wenigen Wochen gefüllt. Ein Zweites, schließlich noch ein Drittes mussten folgen, um dem künstlerischen Stürmen der Besucher eine angemessene Grundlage zu bieten.

So verschieden die Arbeiten der ausgestellten Künstler waren, so verschieden und beeindruckend waren die Ergebnisse, die unsere Gäste zu Blatt brachten. Insgesamt entstanden so 230 zeichnerische, karikaturistische und humoristische Bilder. Vier davon wurden zur Finissage der Mutzausstellung zu den besten und beliebtesten in den Kategorien „Erwachsener“, „Kind“ und „Besucherpreis“ gewählt und prämiert.

Blick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellung

Mutz, Musik und Geisterspuk

Hoch frequentiert waren auch die Veranstaltungen, welche das Museum Burg Posterstein dem Mutz widmete. Neben der Vernissage am 17. August, zu der allein 150 Besucher erschienen, und der Finissage am 16. November feierte das Museum sein heimisches Fabeltier.

Die Ausstellung endete mit einer Finisage mit Aktionen und Vorträgen.
Die Ausstellung endete mit einer Finisage mit Aktionen und Vorträgen.

Heiß begehrt waren am diesen Tagen auch die gebratenen Erscheinungsformen des Mutzes. Allein auf der Burg selbst wurden fast 200 Mutzbraten gekauft und verspeist. Um die 300 weitere Braten konnte das Elegant-Hotel zur Burg den Besuchern mit der eigens entwickelten Speisekarte zur Sonderausstellung schmackhaft machen.

Aber natürlich lockte nicht nur das leibliche Wohl. Zu den verschiedenen Terminen gab es Musik und Aktionen. So wurde der, die Ausstellung begleitende, Mutz-Katalog vorgestellt, ein Mutz-Mal-Wettbewerb veranstaltet, es gab Führungen durch die Exposition, die über die Künstler Aufschluss gaben und sogar eine Geisterführung. Am 31. Oktober konnten unsere kleinen Besucher dem Mutz ganz nahe kommen und unsere Burggeister nach ihrem Wissen über das fabelhafte Wesen befragen. Den Abschluss der fantastischen Tour durch die Burggeschichte bildete dann der „Fliegende-Mutz-Wettbewerb“: Die Kinder schickten ihren „Mutz“ per Postkarte und Luftballon in die Welt.

Vom Burgturm aus fliegen Mutz-Postkarten ins Land.
Vom Burgturm aus fliegen Mutz-Postkarten ins Land. Wer eine findet, darf sich gern im Museum melden!

Der einzige Wermutstropfen ist, dass leider noch keiner der „freigelassenen“ Mutze den Weg zurück auf die Burg gefunden hat. Ihr Rückweg muss wohl so weit sein, dass es noch keines der Tiere hier her geschafft hat. Vielleicht sind sie auch der Mutzjagd zum Opfer gefallen. Wir wissen es nicht, würden uns aber über ein Wiedersehen freuen!

Der Mutz zieht nach Leipzig und in die Welt

Am 16. November hatte es sich dann aber endgültig „ausgemutzt“. Unser liebgewonnenes Monstrum zog in die Welt hinaus. Einige Arbeiten fanden ihren Weg zurück zu ihren Schöpfern, andere fanden ein neues Zuhause. Einige Exponate der Ausstellung gingen nach Leipzig. Im dortigen Café Grundmann sind sie nun Teil einer weiteren kleinen Schau mit dem Titel „Mutz Royal“, die bis zum 8. März 2015 zu sehen ist.

Das Mutz-Bilderbuch
75 Künstlerinnen und Künstler präsentieren in diesem schönen Bilderbuch ihre Sicht auf den Mutz. 20 x 16 cm, 104 Seiten, farbig, Museum Burg Posterstein 2014 (Preis: 15,00 Euro) ISBN: 978-3-86104-075-0

Und auch unser Bilderbuch zum Mutz erfreut sich großer Beliebtheit! Die Nachfrage ist noch immer hoch und wer noch kein Weihnachtsgeschenk für sich entdecken konnte, kann für den Preis von 15,00 € ein kleines Stück Sagenhaftes weitergeben. Auf 104 Seiten sind Informationen zum Mutz, zu den Künstlern und alle Arbeiten der Ausstellung enthalten.

Am Ende bleibt nur noch, dem Mutz alles Gute zu wünschen. Vielleicht kehrt er eines Tages wieder in neuer Gestalt auf die Burg zurück! Wir danken ganz herzlich den zahlreichen Künstlerinnen und Künstlern, ohne deren Hilfe die Ausstellung so nie hätte zu Stande kommen können, ebenso den beiden Kuratoren Susann Hesselbarth und Thomas M. Müller ohne die wir das ganze Projekt kaum bewältigt hätten. Und schließlich geht unser Dank auch an die vielen und kreativen Besucher, ohne die unsere Ausstellung auch nicht möglich gewesen wäre.

Und schließlich für die Statistiker…

… noch ein paar Daten: 92 Tage lang war die kleine Kabinettausstellung „Der Mutz in der Darstellung renommierter Illustratoren aus aller Welt“ im Museum Burg Posterstein zu sehen, davon wurden 4 Tage unter großem Andrang und mit Mutzbarten, Musik, Führungen sowie Aktionen gefeiert. 75 internationale Künstler hatten in über 90 Arbeiten dem Thüringer Monstrum eine Gestalt gegeben, in 2 Fällen sogar als sehr große bzw. sehr schwere Plastik. Fast 5000 Besucher wagten es, dem Mutz Auge in Augen gegenüber zu treten. 230 große und kleine Gäste kreierten ihre eigene Sicht auf den Mutz und malten unser heimisches Fabeltier nach ihren Vorstellungen in 3 dafür angelegte Besucher-Mutz-Bücher. 4 dieser Bilder wurden in verschiedenen Kategorien als die Schönsten gewählt und von uns zur Finissage prämiert.
Insgesamt wurden auf unserer Burg fast 200 Mutzbraten zu verschiedenen Gelegenheiten verspeist, im Hotel zur Burg, das für die Dauer unserer Ausstellung sogar eine eigene Mutz-Speisekarte entwickelt hatte, waren es über 300 Braten. Die Dunkelziffer der in diesem Zeitraum erlegten Mutze bleibt allerdings ungewiss.

Blick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellung

Am Ende soll auch dem Burgteam und den Kuratoren der Ausstellung noch einmal Ehre erwiesen werden, denn auf die Frage, wie 90 solcher internationaler Mutz-Arbeiten schließlich nahtlos an die Wand gebracht werden, gibt es eine Antwort: man benötigt 56 Aufhänger, 56 Drahtseile und Halterungen, 32 Holzlatten und unglaubliche 351 Schrauben sowie 8 starke Arme, die unseren eisernen „Mutzjäger“ der Künstlerin Franziska Anna Faust erst in und schließlich wieder aus der Burg hinaustragen mussten.

Alles in allem – ein wunderbares Rezept für eine wirklich gelungene und schöne Ausstellung. Zahlen lügen nicht!

von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

Reisebogen von Maastricht bis Wiener Kongress – Bildungsfahrt des Museumsvereins

Vier Tage reisten 32 Mitglieder des Museumsvereins Burg Posterstein vom 11. bis 14. Oktober 2014 gemeinsam auf den Spuren historischer Persönlichkeiten, die mit der Herzogin Dorothea von Kurland in Zusammenhang gebracht werden können. Ein Reisebericht von Vereinsmitglied Monika Diedrich:

Auf dem Weg nach Brüssel nahmen die Mitglieder des Museumsvereins die Gelegenheit wahr, die Stadt Maastricht zu besuchen, die für die Verwirklichung eines einigen Europas mit dem Vertrag von Maastricht, 1992, sehr bedeutend ist. Beeindruckend war die gut erhaltene alte Stadt. Bis zu dem Gebäude an der Kennedy-Brücke zu gehen, wo der Vertrag ausgehandelt worden war, reichte die Zeit nicht. An dem Ziel eines ausgewogenen Europas hatte damals beim Wiener Kongress 1814/15 und den Jahren danach Talleyrand aktiv mitgewirkt, ja, für ein einiges Europa sein Verhandlungstalent und seinen Durchsetzungswillen in die Waagschale geworfen.

Von Maastricht nach Brüssel

Das Rathaus von Brüssel.
Der Museumsverein auf den Spuren Europas – Rathaus von Brüssel

Der zweite Tag der Reise war der Erkundung der Brüsseler Altstadt gewidmet. Bei einer improvisierten Führung, die an der Grand Place begann, sahen wir Reste der alten Stadtbefestigung, das Manneken Pis (natürlich), die Kirche Notre-Dame de la Chapelle und kamen zum Sablon-Viertel, wo auf einem langgezogenen Platz der Minerva-Brunnen steht. Oberhalb dieses Platzes befindet sich Notre-Dame du Sablon, die wir besichtigten. Alles überragte das Palais de Justice. Wir bewunderten die Place Royale und besuchten anschließend eins der Museen, eines, das erst im letzten Jahr mehrere unterirdische Etagen eröffnet hatte. Beileibe nicht alles konnten wir sehen, aber das war ja von vornherein klar. Da muss man einfach noch einmal wiederkommen!

Wie wichtig eine friedliche Welt ist

Brügge, Europas Kulturhauptstadt 2002
Brügge, Europas Kulturhauptstadt 2002

Zu den eindrucksvollen Erlebnissen dieser Reise gehörte am dritten Tag der Besuch der gut erhaltenen mittelalterlichen Stadt Brügge, die 2002 Europäische Kulturhauptstadt gewesen war. Hier konnte man erfahren, was es ausmacht, keine Kriegsschäden abbekommen zu haben. Die engen Straßen, die alten Kanäle und die schmalen Häuser mit den Renaissancegiebeln ließen daran denken, wie wichtig eine friedliche Welt ist.

Der Wahnsinn von Waterloo

Etwa 15 Kilometer südlich von Brüssel steht das Denkmal für die Schlacht von Waterloo
Etwa 15 Kilometer südlich von Brüssel steht das Denkmal für die Schlacht von Waterloo

Den Abschluss unserer Reise sollte das Kampfgebiet um Waterloo bilden. Etwa 15 Kilometer südlich von Brüssel erhebt sich schon von ferne sichtbar ein riesiger Löwe auf einem (künstlichen) Erdkegel. Dieses Monument war um 1820 errichtet worden, etwa an der Stelle, wo die Fronten der Schlacht verliefen. Den Wahnsinn dieser Schlacht deutlich zu machen, wurde unterstützt durch einen Film um das Geschehen vom 18. Juni 1815, durch einige Ausstellungen und ein großes Panoramabild.

Erinnerung an den Wahnsinn der Schlacht, auf den die Neuordnung Europas folgte
Erinnerung an den Wahnsinn der Schlacht, auf den die Neuordnung Europas folgte

Napoleons Wiederkehr nach Frankreich und sein erneuter Krieg gegen die Alliierten (Preußen, England , Russland) hatten bewirkt, dass die Mächte schneller zu einer Einigung über Europa kamen und die Schlussakte des Wiener Kongresses nach vielem Hin und Her gefasst werden konnte, an der Talleyrand, der enge Freund der Herzogin von Kurland und der Onkel ihrer Tochter Dorothée, keinen geringen Anteil hatte.

Von Monika Diedrich / Museumsverein Burg Posterstein

 

Zum Weiterlesen:
Napoleon – im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen – 200 Jahre Völkerschlacht bei Leipzig
Klaus Hofmann (Herausgeber), Museum Burg Posterstein, 2013 (212 Seiten, farbig, Preis: 24,00 Euro, ISBN 978-3-86104-098-9)

Herzogin Anna Dorothea von Kurland und der Musenhof Löbichau
Die Herzogin von Kurland im Spiegel ihrer Zeitgenossen – Europäische Salonkultur um 1800. Zum 250. Geburtstag der Herzogin von Kurland. Museum Burg Posterstein, 2011. (248 Seiten, farbig, ISBN 978-3-86104-086-6, 29,00 Euro)

 

Das Phänomen “Mutz”: Ein streng gehütetes Geheimnis

Was ist eigentlich ein "Mutz"? - Dieser Frage stellten sich über 75 Künstler für die Sonderausstellung auf Burg Posterstein.
Was ist eigentlich ein “Mutz”? – Dieser Frage stellten sich über 75 Künstler für die Sonderausstellung auf Burg Posterstein.

Um den sogenannten “Mutz” ranken sich viele Gerüchte und wenige Fakten. Ist er Tier, eine Erscheinung oder gar ein Monster, das in den Thüringer Wäldern sein Unwesen treibt? Sicher ist nur, dass dieser Mutz sehr gut schmeckt – als faustgroßer Fleischbatzen in Salz, Pfeffer und Majoran eingelegt und an einem Spieß über Birkenholz gebraten. In dieser Form ist er im ganzen Land bekannt und wird neben der Rostbratwurst als regionale Spezialität des Freistaates Thüringen beworben. – Museumsmitarbeiterin Franziska Engemann berichtet hier mit einem Augenzwinkern über die Herkunft des Mutzes.

Seinen Ursprung hat der Braten wohl im Altenburger Land, besonders in Schmölln, wo er traditionell zubereitet und verspeist wird.

Doch selbst in der Heimat des Mutzes ist das Erscheinungsbild dieser mysteriösen Gestalt nur einem kleinen Kreis eingeweihter Jäger und Fleischer bekannt, die dieses Geheimnis bis heute streng hüten.

Verstümmeltes (beschädigtes) Tier oder Wallfahrtsbraten?

Ein für die Ausstellung gefertigter Mutz bei seiner Ankunft im Museum Burg Posterstein.
Ein für die Ausstellung gefertigter Mutz bei seiner Ankunft im Museum Burg Posterstein.

Seit Jahrhunderten ranken sich Legenden darum, welchen kulturellen und vielleicht sogar biologischen Hintergrund der Mutz hat.

In Pieres-Universallexikon von 1844 heißt es, der Mutz sei „etwas verkürztes, verstümmeltes“ bzw. ein „Thier, dem der Schwanz fast ganz abgeschnitten ist, od. welches ohne Schwanz geboren ist, obgleich es einen haben sollte“. Sagen berichten, dass an den Wallfahrtstagen auf den sogenannten „Mutschenmärkten“ in Schmölln oder Posterstein gebratene Fleischstücke – Mutschen – verkauft und gern verzehrt wurden.

Zu dieser Zeit soll Schmölln die bekannteste und älteste Wallfahrtsstätte nach Aachen in ganz Deutschland gewesen sein. Die Bekanntheit Schmöllns beruhte damals auf einem Marienbild, welches viele Zeichen und Wunder bewirkt haben soll und schließlich auch in das Wappen der Stadt übergegangen ist. Die sogenannten Mutschen waren zu dieser Zeit kleine gebratene Stücke Schweinefleisch, deren Namen sich später in „Mutzbraten“ gewandelt hatte.

Die Anatomie des Unbekannten

Ein Waldbewohner? - Mutz auf einem der Ausstellungsplakate.
Ein Waldbewohner? – Mutz auf einem der Ausstellungsplakate.

Aber wie ihre heutigen „Kollegen“ geben diese Bratenstücke keinen Aufschluss über die Anatomie des Wesens, aus dem sie hergestellt werden. Bekannt ist nur das Ritual, wie der Braten hergestellt wird. Zarte Fleischstücke werden auf einem Spieß aufgereiht und dann zwei Stunden lang auf einem eigenes dafür konstruierten Rost am Rand eines Birkenholzfeuers gebraten. Dadurch bekommt das Fleisch seine charakteristische dunkle Kruste, bleibt innen aber rosa und saftig. Die feine Marinade aus Majoran, Pfeffer und Salz prägt das Aroma.

Der Geschmack der Schmöllner Spezialität lässt auf eine vitale, ausgelassene und kräftige Tierart schließen. Doch existieren weder genaue Beschreibungen noch flüchtige Zeichnungen des schmackhaften Fabeltieres. Auch die historischen Quellen schweigen weitgehend zu diesem Thema. Allein Formulierungen wie „…sodann zwey starcke Mutze“ oder „…wurde ein flinker junger Mutz aufgeschreckt“ lassen sich finden. Über Größe, Aussehen oder gar Verhalten des Tieres haben wir keine Kenntnis. Der Wissenstand über den Mutz lässt sich kurz in Stichworten festhalten: herzhaft, nahrhaft, fabelhaft.

Dem Mythos eine Gestalt geben – Der Mutz auf Burg Posterstein

Besonders ein regionales Museum wie die Burg Posterstein hat daran Interesse, diese Wissenslücke der Geschichte zu schließen und gerade in Bezug auf mythologische Wesen wie den Mutz ist der beste Weg dazu die imaginatorische Kraft der Kunst.

Schon für die Ausstellung „Poster auf Posterstein“ hatte das Museum mit den Illustratoren Susann Hesselbarth und Thomas M. Müller zusammengearbeitet und so entstand bald der Gedanke, mit diesen beiden Kuratoren dem sagenumwobenen Mutz eine Gestalt zu geben.

Das Konzept war so brillant wie einfach: eine ganze Reihe renommierter Zeichner und Illustratoren wurden um ein Bild vom Mutz gebeten. Dies mit dem Ziel, ein unterhaltsames Bestiarium von einem Tier zu zeigen, über das nicht mehr gewusst oder preisgeben werden konnte, als dass aus ihm in Ostthüringen mittels eines komplizierten und genau festgelegten Rituals und mithilfe eines geheimen Rezeptes ein hervorragender und sehr beliebter Braten hergestellt wird.

So ausgestattet, sollten die Künstler mithilfe ihrer Intuition und Erfahrung dem Unbekannten eine Form geben. Das Ergebnis kann sich sehen lassen – bis 16. November 2014 in der Galerie des Museums.

Von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

Abbilder des Tanzes, der Leidenschaft, der Liebe, der Gewalt und des Todes: Peter Schnürpels „Radierwerkstatt“

Schnürpels Werke zeigen den Menschen, seinen Aufstieg, seinen Fall, seine Freude, seinen Schmerz.
Schnürpels Werke zeigen den Menschen, seinen Aufstieg, seinen Fall, seine Freude, seinen Schmerz.

Kräftige Farben, starke Kontraste, Dunkelheit und Schlaglichter gepaart mit fordernden, wilden, aber zielgerichteten Linien. Dynamik. Menschen. – Franziska Engemann, Mitarbeiterin im Museum Burg Posterstein, begleitete den Künstler Peter Schnürpel beim Aufbau seiner aktuellen Sonderausstellung in Posterstein. In diesem Blogpost gibt sie Einblicke in sein Leben und Schaffen.

Die Werke des Künstlers Peter Schnürpel lösen beim Betrachter die unterschiedlichsten Empfindungen und Assoziationen aus. Sie sprechen. Sie polarisieren. Doch eines ist sicher, sie sind bewegt. Und sie bewegen. Sie zeigen den Menschen, seinen Aufstieg, seinen Fall, seine Freude, seinen Schmerz. Sie spielen mit dem Expressiven und der Abstraktion, sind dabei nicht beschönigend, nicht abstoßend, aber immer ehrlich.

Ein Mensch steht im Vordergrund

Der Mensch steht im Vordergrund. Und hinter den Bildern steht der Künstler Schnürpel, der – bei aller Bewunderung für die großen Meister wie Goya und allen voran Picasso – stets seinem eigenen Stil treu geblieben ist.

Ich habe Peter Schnürpel als freundlichen und zuvorkommenden Menschen kennengelernt. Er ist ein Mann mit vielen künstlerischen Erfahrungen, vielen kleinen Geschichten aus seinem scheinbar sehr bewegten Leben und einer Renitenz gegenüber dem Wort „lecker“. Seine Werke sind faszinierend und verstörend zugleich und ein Liebhaber der anatomischen Exaktheit der Kunst ist in einer Ausstellung des Altenburger Künstlers wahrlich fehl am Platz. Dennoch beeindrucken die leidenden und leidenschaftlichen Figuren. Es stellt sich die Frage: Wer ist er, …

… der Mann hinter der Kunst?

Peter Schnürpel ist ein Mann mit vielen künstlerischen Erfahrungen, vielen kleinen Geschichten und einer Renitenz gegenüber dem Wort „lecker“.
Peter Schnürpel ist ein Mann mit vielen künstlerischen Erfahrungen, vielen kleinen Geschichten und einer Renitenz gegenüber dem Wort „lecker“.

Schnürpel wurde 1941 in Leipzig geboren, erwarb dort das Abitur und schloss 1965 das Studium an der Hochschule für Graphik und Buchkunst mit seinem Diplom ab. Zu seinen Lehrmeistern zählen Karl Krug, Wolfgang Mattheuer und Bernhard Heisig. Schnürpel begann nach seinem Hochschulabschluss eine Lehrtätigkeit für künstlerische Praxis im Fachbereich Kunsterziehung an der Universität Leipzig und siedelte 1973, nach der Hochzeit mit Monika Wilk und der Geburt der gemeinsamen Tochter Katja, in das Thüringische Altenburg um, wo er eine Dozentenstelle am Studio Bildende Kunst des Lindenau-Museums annahm.

1978 folgte er dem Ruf nach Schneeberg und übernahm eine Lehrtätigkeit als Leiter des

Grundlagenstudiums an der dortigen Fachhochschule für Angewandte Kunst. 1990 wurde er schließlich zum Direktor selbiger Fachhochschule gewählt. Zwei Jahre später folgte die Berufung zum Professor und Peter Schnürpel übernahm das Amt des Gründungsdekans des Fachbereiches Angewandte Kunst Schneeberg der Hochschule für Technik und Wirtschaft Zwickau. 2006 wird er emeritiert und 2008 zum Vorsitzenden des Förderkreises „Freunde des Lindenau- Museums“ e.V. gewählt.

Peter Schnürpel erhielt für seine Werke viele Auszeichnungen. So war er unter anderem Preisträger der Ausstellung „100 ausgewählte Grafiken“ (1980 und 1982), erhielt den Kunstpreis des Deutschen Turn- und Sportbundes (1983) und wurde 2002 mit dem Kulturpreis der Stadt Altenburg geehrt. Seine Werke befinden sich in zahlreichen privaten und öffentlichen Sammlungen, unter anderem im Museum der bildenden Künste Leipzig, im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg sowie in den Kupferstichkabinetten Dresden und Berlin.

Die Ausstellung im Museum Burg Posterstein

Die Sonderausstellung ist nicht wie üblich auf die Räume der Galerie beschränkt - einige der Werke haben einen gesonderten Platz in den Räumen der ständigen Ausstellung des Museums gefunden.
Die Sonderausstellung ist nicht wie üblich auf die Räume der Galerie beschränkt – einige der Werke haben einen gesonderten Platz in den Räumen der ständigen Ausstellung des Museums gefunden.

 

Nach eigener Aussage versteht sich Prof. Schnürpel primär als Zeichner, ist aber gleichwohl in den verschiedensten Techniken der Kunst zu Hause. Ob Graphik, Radierung, Lithographie oder Siebdruck, seinem Stil bleibt Schnürpel unbeirrt treu. Auch der Umgang mit der Farbe, in den Anfängen seiner Werke hochpräsent, später im Schatten der Grafik stehend, zeigt sich in den jüngeren Werken in völlig neuer Kreation, der Übermalung.

Für die Ausstellung im Museum Burg Posterstein entschied sich Schnürpel, sein umfangreiches Werk der Druckgrafiken aufleben zu lassen. Doch mag seine künstlerische Weise auch noch so expressiv erscheinen, reizte ihn am Druck nicht allein die Radierung, welche durchaus als herausragende Technik der Expressionisten angesehen werden kann. Schnürpel zeichnet vor allem die Vielfalt und das Zusammenspiel der verschiedenen Arten aus, die Druckerplatte zu bearbeiten. Vernis-mou, Aquatinta, Pinselätzung, Kaltnadelradierung, Chine collée oder Reservage, sie alle harmonieren in den ausdrucksstarken Werken des Altenburger Künstlers.

Läufer, Sieger und Black Dancers

Die Ausstellung erscheint wie eine Zeitreise und zeigt sowohl frühe Werke, wie „Sieger“ und „Für Rodin II“ aus dem Jahr 1978, als Schnürpel – wie er selbst meinte – den Druck neu für sich wiederentdeckte, als auch seine jüngsten Arbeiten aus der Reihe der „Burleske“ von 2014. Die berühmten „Läufer“, den sportlich-dynamischen Athleten nachempfunden, die „Träger“, Stürzende, Fallende sowie die Abbilder des Tanzes, der Leidenschaft, der Liebe, der Gewalt und des Todes, die „Black-Dancers“, sind zu betrachten.

Zwei Experten in der Sonderausstellung.
Zwei Experten in der Sonderausstellung.

Ebenso beeindruckend erscheinen die Übermalungen, die Peter Schnürpel seinen eigenen Drucken zugefügt hat. So zum Beispiel in den verschiedenen „Watteau-Variationen“, die zum Teil sogar einen Einblick in die verschiedenen Stadien der Bildgestaltung erlauben. Einzelne Schritte der Arbeit können parallel zum zusammengefügten Gesamtwerk bewundert und nachvollzogen werden.

Hinzu kommt eine weitere Besonderheit. Die Sonderausstellung ist nicht wie üblich auf die Räume der Galerie beschränkt. Einige der Werke haben einen gesonderten Platz in den Räumen der ständigen Ausstellung des Museums gefunden. Ihnen zur Seite stellte der Künstler kleine Beschreibungen der verschiedenen Drucktechniken. Somit kann der Besucher am expliziten Beispiel die Merkmale der verschiedenen Verfahren nachvollziehen.

Die Radierwerkstatt Rössler

Die Druckerwerkstatt im sächsischen Hohenossig ist die „Kunstgeburtsklinik“ von Schnürpels Werken (Bild: Künstlerhaus Hohenossig).
Die Druckerwerkstatt im sächsischen Hohenossig ist die „Kunstgeburtsklinik“ von Schnürpels Werken (Bild: Künstlerhaus Hohenossig).

Auch der Name der Ausstellung ist nicht beliebig gewählt. Seit 1989 unterhält Peter Schnürpel eine sehr fruchtbare Arbeitsbeziehung mit dem Druckerehepaar Jeanette und Reinhard Rössler. Diese betreiben eine Druckerwerkstatt im sächsischen Hohenossig, die der Künstler regelmäßig aufsucht. In dieser „Kunstgeburtsklinik“ herrscht eine freundschaftliche Atmosphäre der Zusammenarbeit und gemeinsamer Rituale, die sich in den letzten 20 Jahren entwickelt haben. Hier arbeiten Künstler und Drucker Hand in Hand, die Dynamik des Menschen auf Platte bzw. auf Papier zu bannen und ihr angemessenen Ausdruck zu verleihen.

Geburtsklinik der Kunst

Aus Anlass dieser gemeinsamen künstlerischen Tätigkeit veranstaltete das Museum Burg Posterstein am 1. Juni 2014 im Zuge der Sonderausstellung „Peter Schnürpel – Radierwerkstatt“ ein Werkstattgespräch zwischen dem Altenburger Künstler und seinem Drucker. Die gut gefüllte Zusammenkunft war – wie die gemeinsame Arbeit zwischen Schnürpel und Rössler – kreativ, heiter und von beeindruckenden Einblicken in das künstlerische Schaffen geprägt.

Begleitend zur Ausstellung ist ein Booklet entstanden
Begleitend zur Ausstellung ist ein Booklet entstanden

Die Ergebnisse dieses Zusammenwirkens können noch bis 27. Juli 2014 im Museum Burg Posterstein bewundert werden. Begleitend zur Ausstellung ist ein Booklet entstanden, welches für zwei Euro an der Museumskasse erworben werden kann. Zudem besteht die Möglichkeit, Werke des Künstlers zu erstehen, die dem Käufer nach Ende der Ausstellung übergeben werden.

 

Zum Weiterlesen:

Gleisberg, Dr. Dieter (Hrsg.): Läufer Träger Dancers. Peter Schnürpel zum 20. Februar 2011, Göpfersdorfer Kunstblätter 4, Altenburg 2011.

Künstlerhauses Hohenossig

 

Von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein