Historische Ansicht des Ritterguts Nöbdenitz für die Sammlung des Museums Burg Posterstein

Das Museum Burg Posterstein erhielt für seine kulturgeschichtliche Sammlung ein Ölgemälde aus den 1930/40er Jahren, das das Rittergut Nöbdenitz im damaligen Zustand zeigt.

Dieter Heine (links) übergibt das Ölgemälde aus seinem Familienbesitz an Museumsdirektor Klaus Hofmann und Museumsvereinsvorstand Dr. Gert Wolkersdörfer.
Dieter Heine (links) übergibt das Ölgemälde aus seinem Familienbesitz an Museumsdirektor Klaus Hofmann und Museumsvereinsvorstand Dr. Gert Wolkersdörfer.

Das großformatige Gemälde zeigt den idyllischen Blick auf das Nöbdenitzer Rittergut vom Teich aus gesehen. “Für das Museum ist das Bild besonders interessant, weil es eine historische Ansicht dokumentiert, die es heute so nicht mehr gibt”, freut sich Museumsdirektor Klaus Hofmann. Beispielsweise sieht man auf dem Gemälde noch den heute nicht mehr vorhandenen Balkon des Alten Schlosses (heute Sitz der Verwaltungsgenossenschaft Oberes Sprottental) und den Vorgängerbau der heutigen Kindertagesstätte Nöbdenitz.

Das Ölgemälde malte der langjährige Nöbdenitzer Landarzt Dr. med. Gerhard Hermann Nordbeck.
Das Ölgemälde malte der langjährige Nöbdenitzer Landarzt Dr. med. Gerhard Hermann Nordbeck.

Gemalt hat das Bild Dr. med. Gerhard Hermann Nordbeck (1894–1970), der bis 1954 als Landarzt in Nöbdenitz lebte. Er kam 1923 mit seiner ersten Frau Carola, geborene Eichhorn, nach Nöbdenitz und ließ um 1926/27 das Gebäude errichten, das auch heute noch die Nöbdenitzer Arztpraxis mit Wohnhaus beherbergt. Nachdem seine Frau 1945 gestorben war, heiratete Nordbeck 1950 Helga Zwiener, geschiedene Heine, die Mutter von Dieter Heine. In Absprache mit seinen Stiefgeschwistern entschied Heine sich dafür, das von Nordbeck angefertigte Gemälde dem Museum Burg Posterstein zu übergeben. Der Museumsverein Burg Posterstein dankt herzlich dafür.

Das Nöbdenitzer Schloss um 1938/40 und heute.
Das Nöbdenitzer Schloss um 1938/40 und heute.

Die vom Teehaus am Nöbdenitzer Teich (2006 vom Ortsverschönerunsgsverein Nöbdenitz rekonstruiert) gemalte Ansicht stellt eine wunderbare Ergänzung der Dauerausstellung des Museums dar, die in diesem Jahr weiter überarbeitet werden soll. Nach der Ausstellung über den Sachsen-Gotha-Altenburgischen Minister Hans Wilhelm von Thümmel (1744–1824) im vergangenen Jahr sollen auch Thümmel und Nöbdenitz einen prominenteren Platz in der Ausstellung zur europäischen Salongeschichte erhalten. Thümmel ließ auf seinem Landsitz in Nöbdenitz nicht nur einen weithin bekannten englischen Garten anlegen, sondern wählte die 1000-jährige Eiche als seine außergewöhnliche Grabstätte. Das Museum Burg Posterstein veröffentlichte 2016 die bisher umfangreichste Biografie Thümmels und bietet auf Voranmeldung Führungen zur 1000-jährigen Eiche und zum Rittergut Nöbdenitz an.

Zum Weiterlesen: Hans Wilhelm von Thümmel: Der Mann unter der 1000-jährigen Eiche

Hans Thummel auf den Spuren von Hans Wilhelm von Thümmel

Hans Thummel aus Chicago beim Besuch der 1000-jährigen Eiche in Nöbdenitz, dem Grab des Sachsen-Gotha-Altenburgischen Ministers Hans Wilhelm von Thümmel
Hans Thummel aus Chicago beim Besuch der 1000-jährigen Eiche in Nöbdenitz, dem Grab des Sachsen-Gotha-Altenburgischen Ministers Hans Wilhelm von Thümmel

Die umfangreiche Biografie über den Sachsen-Gotha-Altenburgischen Minister Hans Wilhelm von Thümmel (1744–1824) war gerade veröffentlicht und die Postersteiner Begleitausstellung zur Thüringer Landesausstellung “Die Ernestiner” lief noch. Da erreichte das Museum über den Nöbdenitzer Bürgermeister eine E-Mail von einem Hans Thummel aus Amerika. Der Architekt aus Chicago hatte auf dem Blog des Museums einen englischsprachigen Artikel über Hans Wilhelm von Thümmel entdeckt.

In seiner Familie, die um 1840 nach Amerika ausgewandert sei, existiere auch die Kopie der Ansicht des Thümmelschen Palais und er wolle sich auf die Suche nach seinen familiären Wurzeln auf eine Reise nach Deutschland machen. Zunächst hielt er das Nöbdenitzer Herrenhaus für das Palais auf der historischen Ansicht. Im Museum war er im Hinblick auf neuste Infos zu Hans Wilhelm von Thümmel an der richtigen Adresse.

Der Architekt weilte zu zwei Tagungen in Deutschland in Freiburg und Berlin. Am 21. November 2016 reiste Hans Thummel schließlich von Leipzig nach Altenburg. In der Thümmelstraße klingelte er auf gut Glück am Palais und erhielt eine umfangreiche Führung durch den neuen Besitzer Wolfgang Herget, der das historische Wohnhaus Hans Wilhelm von Thümmels liebevoll renoviert.

Die 1000-jährige Eiche in Nöbdenitz - außergewöhnliche Grabstätte von Hans Wilhelm von Thümmel.
Die 1000-jährige Eiche in Nöbdenitz – außergewöhnliche Grabstätte von Hans Wilhelm von Thümmel.
Danach fuhr er weiter nach Nöbdenitz, wo er sich an Hans Wilhelm von Thümmels außergewöhnlicher Grabstätte, der 1000-jährigen Eiche, mit den Mitarbeitern des Museums Burg Posterstein traf. Man besichtigte das Herrenhaus, den Teich und die Überreste des Mausoleums, das in den 1960er Jahren abgerissen wurde. Die Kirchgemeinde Nöbdenitz öffnete die Kirche für eine kurze Besichtigung. Eine Führung durch Burgkirche und das Museum Burg Posterstein rundete das Ausflugsprogramm ab. In den Vereinigten Staaten beschäftigt sich der Architekt unter anderem mit der Renovierung historischer Gebäude, die in den USA allerdings oft nur etwa hundert Jahre alt sind. Umso mehr beeindrucken ihn die 800 Jahre alte Burg, die Sanierung des Postersteiner Herrenhauses, die historischen Kirchen und der 1000-jährige Baum.

“Ich bin der einzige aus meiner Familie, der es je bis hierher geschafft hat”, sagte Thummel ergriffen. “Ich mache so viele Fotos, um sie zu Hause zeigen zu können.” Die Reise sei für ihn Anlass, sich näher mit seiner Familiengeschichte zu befassen. “Bewaffnet” mit der Thümmel-Biografie des Museums will er sich mit weiteren offenen Fragen beschäftigen: Von welcher Thümmel-Linie stammt er ab, warum wanderte seine Familie aus?

Über den historischen Hans Wilhelm von Thümmel:

Hans Wilhelm von Thümmel (1744–1824) stieg am Hof der Ernestiner Herzöge in Gotha zwischen 1760 und 1804 vom Pagen zum Minister auf. In Altenburg brachte er viele wichtige Projekte voran, darunter die Vermessung und Kartierung des Altenburger Landesteils, den Straßenbau sowie den Bau eines modernen Krankenhauses und mehrerer Armenhäuser.

Nach 57 Dienstjahren für die Herzöge von Sachsen-Gotha und Altenburg nahm der 73-jährige Thümmel im Jahr 1817 seinen Rücktritt aus den Staatsdiensten. Die Familie verbrachte dann mehr Zeit als zuvor auf den Rittergütern in Nöbdenitz und Untschen. Von dort aus war es nicht weit zum Musenhof Löbichau der Herzogin von Kurland, es herrschte damals ein regelmäßiger Austausch zwischen diesen Rittergütern. Obwohl seine Familie auch ein herrschaftliches Erbbegräbnis besaß, wählte sich Thümmel eine selbst für die damalige Zeit ungewöhnliche Grabstätte: die mächtige Eiche am Pfarrhof, genannt die „Tausendjährige“.

thummel-umschlaglWer das Buch zur Ausstellung noch vor Weihnachten erwerben möchte sollte sich beeilen, denn der Verkauf läuft ausgesprochen gut.

Buch zur Ausstellung: 168 Seiten, farbig, Museum Burg Posterstein, 2016
ISBN 978-3-86104-136-8, 20.00 Euro

Zum Weiterlesen im Blog:
Frag Thümmel! – Wir beantworten Fragen zur Ausstellung am #AskACurator-Tag
Hans Wilhelm von Thümmels Gesandtschaften: Paris
Mit Baron von Thümmel durch Nöbdenitz: Gut besuchte Wanderung des Museums Burg Posterstein
Fast so viele Holländer wie Nöbdenitzer besuchten bisher die Postersteiner Ernestiner-Ausstellung
Im Dienste der Ernestiner – Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister
Die Weisheiten eines langjährigen Ernestiner Staatsmannes – als Glückskeks
Blogpost: Hans Wilhelm von Thümmel – der Mann unter der 1000-jährigen Eiche
Die 1000-jährige Eiche in Nöbdenitz
Weitere Infos zum Musenhof Löbichau

Von Marlene Hofmann/Museum Burg Posterstein

Mit Baron von Thümmel durch Nöbdenitz: Gut besuchte Wanderung des Museums Burg Posterstein

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Ralph-Uwe Heinz alias Hans Wilhelm von Thümmel

Nachdem er die mächtige, hohle Eiche von Nöbdenitz nach einem Gewittersturm 1819 der Pfarrgemeinde abgekauft hatte, richtete sich der Sachsen-Gotha-Altenburgische Geheime Rat und Minister Hans Wilhelm von Thümmel (1744–1824) dort häuslich ein. Er ließ im Inneren des Baumes Moosbänke für sechs Personen aufstellen, brachte in der Eiche kleine, sinnreiche Sprüche zu Papier oder lud Gäste zum Frühstück ein. Für einen Moment ließ der Gothaer Schauspieler Ralph-Uwe Heinz am vergangenen Sonntag (21. August 2016) den Minister wieder auferstehen. Auf einer Wanderung auf Thümmels Spuren führten er und Klaus Hofmann, Direktor des Museums Burg Posterstein, über 40 Interessierte durch den Ort.

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40 Interessierte lassen sich durch Nöbdenitz führen.

  

Von der Eiche ging es rückwärts durch Thümmels Lebensgeschichte zur Kirche, in der Thümmel einst heiratete, und zum Rittergut, von dem nur noch das Alte Schloss (heute Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Oberes Sprottental) und wenige Gebäude erhalten sind. Das Familiengrab der Rittergutsfamilien, Thümmels englischer Park und die darin aufgestellte „Einsiedeley“ gibt es heute nicht mehr. Mit historischen Ansichten, Zitaten und Fakten wurde am authentischen Ort die Geschichte zum Leben erweckt. Zwischen den Teichen des Ritterguts servierte der Ortsverschönerungsverein Nöbdenitz Erfrischungen, man kam ins Gespräch und ins Fachsimpeln über die Ortsgeschichte und das Alter der 1000-jährigen Eiche.

 

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Von der 1000-jährigen Eiche ging es zur Kirche.
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Das alte Herrenhaus ist heute Sitz der Verwaltung.

Thümmel alias Ralph-Uwe Heinz, der in Gotha auch Stadtführungen zur Thüringer Landesausstellung über die Dynastie der Ernestiner gibt, lobte die Postersteiner Sonderausstellung „Im Dienste der Ernestiner – Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister“ sehr. Mit wenig Geld würde hier eine Ausstellung von hoher Qualität gezeigt.

„Ich habe vieles über mich erfahren, was ich vorher selbst noch nicht wusste“, streute der Thümmel-Darsteller mit Augenzwinkern ein und zitierte hier und da einen von Thümmels sinnreichen Aphorismen: “Der Mensch setzt gern seinen Mitmenschen nach dem Tode ein Denkmal – und setzt es oft nur Schein und Wort-Tugenden. In Erz gegossen, in Marmor gehauen, oder in die kurze Ewigkeit eines Sandsteins gegraben, enthalten alle solche Denkschriften nur eine unumstößliche Wahrheit: Hier liegt N. N.s Hülle und soll wieder zu Erde werden.”

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Hans Wilhelm von Thümmel begrüßt die Gäste vor “seiner Eiche”.


Mit seinem auch für den damaligen Geschmack im Geist der Aufklärungszeit außergewöhnlichen Grabmal hat sich Hans Wilhelm von Thümmel wahrlich ein bleibendes Denkmal gesetzt. Man kann die 1000-jährige Eiche in Nöbdenitz besichtigen. In der Postersteiner Sonderausstellung, die bis 31. Oktober läuft, kann man digital auch ins Innere des hohlen Baumes blicken. Die Postersteiner Begleitausstellung zur Thüringer Landesausstellung wurde den Gästen der Thümmelwanderung im Anschluss in einer Sonderführung präsentiert.

Die Ausstellung im Überblick

Hans Wilhelm von Thümmel (1744–1824) stieg am Hof der Ernestiner Herzöge in Gotha zwischen 1760 und 1804 vom Pagen zum Minister auf. Ab 1783 lebte er vorwiegend in Altenburg. Darüber hinaus besaß er Rittergüter in Nöbdenitz und Untschen. In seiner Funktion als Präsident der Altenburger Kammer und Vorsitzender des Obersteuerkollegiums brachte er viele wichtige Projekte voran, darunter die Vermessung und Kartierung des Altenburger Landesteils, den Bau eines modernen Krankenhauses und mehrerer Armenhäuser und den Ausbau der Straßen. Die Sonderausstellung “Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister” ist – länger als die Landesausstellung – bis 31. Oktober 2016 im Museum Burg Posterstein zu sehen.

Plakat zur Sonderausstellung 2016
Plakat zur Sonderausstellung 2016

Zum Weiterlesen im Blog:

Fast so viele Holländer wie Nöbdenitzer besuchten bisher die Postersteiner Ernestiner-AusstellungIm Dienste der Ernestiner – Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum MinisterDie Weisheiten eines langjährigen Ernestiner Staatsmannes – als GlückskeksBlogpost: Hans Wilhelm von Thümmel – der Mann unter der 1000-jährigen Eiche
Die 1000-jährige Eiche in Nöbdenitz
Weitere Infos zum Musenhof Löbichau

Weitere Infos zur Thüringer Landesausstellung 2016

Durch das historische Nöbdenitz auf den Spuren eines Ernestiner Ministers

Das ehemalige Schloss Nöbdenitz - hierhin zog sich Hans Wilhelm von Thümmel im Alter zurück.
Das ehemalige Schloss Nöbdenitz – hierhin zog sich Hans Wilhelm von Thümmel im Alter zurück.

Hans Wilhelm von Thümmel (1744–1824) stieg am Hof der Ernestiner Herzöge in Gotha zwischen 1760 und 1804 vom Pagen zum Minister auf. In seiner Funktion als Präsident der Altenburger Kammer und Vorsitzender des Obersteuerkollegiums brachte er viele wichtige Projekte voran, darunter die Vermessung und Kartierung des Altenburger Landesteils, den Bau eines modernen Krankenhauses und mehrerer Armenhäuser und den Ausbau der Straßen. Nach seinem Rücktritt aus den Staatsdiensten verbrachte er Zeit als zuvor auf seinen Rittergütern in Nöbdenitz und Untschen. Die Sonderausstellung “Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister” ist bis 31. Oktober 2016 im Museum Burg Posterstein zu sehen.

Zum Frühstück in der 1000-jährigen Eiche

Die ungewöhnliche Grabstätte Hans Wilhelm von Thümmels im Postersteiner Nachbarort Nöbdenitz.
1000-jährige Eiche: Die ungewöhnliche Grabstätte Hans Wilhelm von Thümmels im Postersteiner Nachbarort Nöbdenitz.
Bei einem Gewittersturm im Juli 1819 stürzte die Hauptkrone der 1000-jährigen Eiche in Nöbdenitz auf ein Kellerhaus des Pfarrhofs. Der damalige Pfarrer M. Beatus Friedrich Glasewald notierte den Vorfall in einem Kirchenbuch und erwähnte dabei auch, dass der hohle Baum „des zu befürchtenden Schadens halber an die Meistbietenden“ verkauft und „von dem Herrn Geheimer Rat von Thümmel in Besitz“ genommen sei.

Laut vielfältigen, zeitgenössischen Berichten mochte Thümmel den Baum sehr und nutzte ihn als Ort zum Ausruhen, Nachdenken, Dichten, aber auch für kleine Gesellschaften. Der Schriftsteller Friedrich Förster (1791–1868), Schulfreund von Thümmels Sohn und mitgenommen nach Nöbdenitz und Löbichau, schrieb in seinen Jugenderinnerungen:

„Hier wurde das Frühstück in dem inneren Raume einer tausendjährigen Eiche, deren Stamm hohl geworden war, eingenommen. Der Minister hatte hier einen runden Marmortisch und Moosbänke für zehn Personen […] aufstellen lassen.“

Heute kann die Eiche aus Rücksicht auf das Naturdenkmal nur noch von außen besichtigt werden. In der Postersteiner Sonderausstellung erlaubt ein Touchpad jedoch einen Rundumblick ins Innere des hohlen Baumes.

21. August, 10 Uhr, Nöbdenitz: Geführte Wanderung auf Thümmels Spuren

Das herrschaftliche Erbbegräbnis der Familien Rothkirch und Trach, Thümmel und Wietersheim wurde zu DDR-Zeiten abgerissen.
Das herrschaftliche Erbbegräbnis der Familien Rothkirch und Trach, Thümmel und Wietersheim wurde zu DDR-Zeiten abgerissen.
Hans Wilhelm von Thümmel wurde im März 1824 wunschgemäß in den Wurzeln der 1000-jährigen Eiche begraben. Zu seinem Nöbdenitzer Rittergut gehörten aber auch das Mausoleum der Familien Thümmel, Rothkirch und Trach und Wietersheim, ein idyllischer englischer Garten und ein altes und ein neues Schloss. Man segelte auf dem Teich oder spazierte zur “Einsiedeley” im schattischen Nöbdenitzer Wald. Auf einer geführten Wanderung folgen der Gothaer Schauspieler Ralph-Uwe Heinz und Museumschef Klaus Hofmann Thümmels Spuren. Treffpunkt: 1000-jährige Eiche. Im Anschluss:

21. August, 14 Uhr, Burg Posterstein: Führung durch die Sonderausstellung

Nach einer Mittagspause, die man wahlweise für eine Wanderung auf dem Sprotte-Erlebnispfad nach Posterstein oder ein Mittagessen nutzen kann, gibt es im Museum Burg Posterstein eine Führung durch die Sonderausstellung, die an die Wanderung durch Nöbdenitz anknüpft.

Preis für geführte Wanderung: 10 € für Erwachsene. Die Karte gilt auch für einen Museumsbesuch. Reservierungen werden unter (034496) 22595 bzw. museum@burg-posterstein.de entgegengenommen.

von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

 

Alle Infos zur Thüringer Landesausstellung 2016

24. April – 28. August 2016

„Die Ernestiner – eine Dynastie prägt Europa“
Neues Museum Weimar
Stadtschloss Weimar
Schloss Friedenstein Gotha
Herzogliches Museum Gotha
Zum Blog der Klassikstiftung Weimar

 

Begleitausstellungen:

24. April – 28. August 2016

»Ein ebenso schöner, wie geistreicher Mann…«
Bernhard August von Lindenau im Dienste der Wettiner
Lindenau-Museum Altenburg
www.lindenau-museum.de

 

23. April – 25. September 2016

»Von Saalfeld nach Windsor«
Johann Ernst, Herzog zu Sachsen-Saalfeld, und Europas Königshäuser
Stadtmuseum Saalfeld im Franziskanerkloster
Mehr im Blog: Von Saalfeld nach Windsor: Ernestiner-Begleitausstellungen im Portrait

 

26. Juni – 31. Oktober 2016

Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister
Museum Burg Posterstein

Weitere Blogposts zu #Ernestiner2016

Hans Wilhelm von Thümmel: Der Mann unter der 1000jährigen Eiche von Nöbdenitz

Unter ihrem hohlen Stamm liegt die Gruft eines Altenburger Ministers.
Unter ihrem hohlen Stamm liegt die Gruft eines Altenburger Ministers.

Die 1000jährige Eiche von Nöbdenitz ist Dank Facebook, Twitter, den Medien und dem Engagement zahlreicher Bürger innerhalb kurzer Zeit über die Grenzen des Landkreises Altenburger Land bekannt geworden. Ein Gutachten empfahl die Verstümmlung des im Umfang zwölf Meter dicken Naturdenkmals und die Menschen gerieten – zu Recht! – in Aufruhr. Eine Arbeitsgruppe soll den Baum nun retten, finanziert durch Spenden.

Der im Ort liebevoll “alte Eiche” genannte Baum ist nicht nur eine der ältesten Stieleichen überhaupt, sie birgt in ihrem hohlen Inneren auch die Grabstätte eines Altenburger Ministers: Hans Wilhelm von Thümmel.

Der Minister Hans Wilhelm von Thümmel

Der Altenburger Minister Hans Wilhelm von Thümmel (nach Grassi).
Der Altenburger Minister Hans Wilhelm von Thümmel (nach Grassi).

Thümmel wurde 1744 als jüngster Bruder des Schriftstellers Moritz von Thümmel auf dem Rittergut Schönfeld bei Leipzig geboren. Er heiratete die Freiin von Rothkirch und Trach (1765-1839), mit der er die Kinder Ernst Julius (gest. 1838), Benjamin Alfred (1791-1828), Clementine Dorothea Friederike (gest. 1820), Charlotte Constanze (gest. 1834) und Hans Emanuel (1796-1825) hatte. Nach dem Studium in Leipzig trat Thümmel 1760 in den Gothaer Hofdienst ein. Hier wurde er Page, Kammerjunker, Kammerassessor und später Vizepräsident der Kammer in Altenburg. Seit 1805 trug er den Titel Geheimer Rat und Minister. Zwischen 1803 und 1808 übernahm er mehrere diplomatische Missionen nach Dänemark, Berlin, Königsberg, Dresden und Paris.

Als Freund des Herzogs Ernst (1745-1804) besaß er großen Einfluss bei Hofe. Verdient gemacht hat er sich durch die Gründung der Kammerleihbank, die Förderung des Straßenbaus und die allgemeine Landvermessung im Herzogtum Sachsen-Gotha und Altenburg. Der Bau des ersten Altenburger Krankenhauses wurde von Thümmel initiiert. Es galt am Ende des 18. Jahrhunderts als europäischer Musterbau.

Thümmel in Altenburg

In Altenburg ließ Hans Wilhelm von Thümmel seit 1790 auf seinem Grundstück in der Nähe des großen Teiches einen englischen Park anlegen. In seinem Haus traf sich die Altenburger “High Society” zur “Theegesellschaft”. Häufig zu Gast waren Hofrat Pierer, Professor Messerschmidt, Bankier Reichenbach, Thümmels Schriftsteller-Bruder Moritz und Friedrich Arnold Brockhaus. Die Herzogin von Kurland weilte während ihrer Löbichauer Sommeraufenthalte oft in Altenburg bei Thümmels.

Mitglied im Dichterkreis der Herzogin von Kurland

Familie Thümmel gehörte das Rittergut Nöbdenitz, samt dem großen Teich.
Familie Thümmel gehörte das Rittergut Nöbdenitz, samt dem großen Teich.

Hans Wilhelm von Thümmel gehörte bis 1821 zum Dichterkreis der Herzogin von Kurland in Löbichau und hinterließ einige literarische Schriften. Darüber hinaus verwaltete er die wirtschaftlichen Interessen Dorothea von Kurlands in Mitteldeutschland. Aus Nöbdenitz kam er oft zu Besuch nach Löbichau und war dort ein gern gesehener Gast. Gegenbesuche der Herzogin auf seinem Gut in Nöbdenitz waren keine Seltenheit. In den Wintermonaten kehrte Familie Thümmel samt den Töchtern Clementine und Constanze in den bekannten Berliner Salons ein.

Thümmel in Nöbdenitz

„Der Mensch, welcher den richtigen von der Vernunft gebildeten Weg fortgeht, ohne sich durch Lob oder Tadel anderer stören zu lassen, ist der wahre Philosoph. Man könnte seinen Gang Gleichmut der Weisheit nennen.“

(Aphorismen aus den Erfahrungen eines SiebenundSiebzigjährigen von Hans von Thümmel, geh. Rath und Minister, Zweite vermehrte Auflage. Mit dem Portrait des Herrn Verfassers. Altenburg 1821)

Skizze von Thümmels Gruft unter der 1000jährigen Eiche (von Hans Bräunlich)
Skizze von Thümmels Gruft unter der 1000jährigen Eiche (von Hans Bräunlich)

Nach seinem Abschied aus den herzoglichen Diensten 1817 lebte Hans Wilhelm von Thümmel häufiger als bisher in Nöbdenitz. In Nöbdenitz kann man Thümmels Grabstätte besichtigen – die so genannte 1000jährige Eiche, die der Minister der Pfarrgemeinde abgekauft und in deren Wurzeln er sich begraben lassen hat. Die Grabstätte wurde 1959 untersucht und der Befund bestätigt.

Das Thümmelsche Kartenwerk von 1813

„Wer in der Länderbeschreibung etwas Befriedigendes leisten will, muß das Land, das er beschreibt, eine lange Reihe von Jahren bewohnt und den Vortheil genossen haben, in den wichtigsten Fächern der Verwaltung angestellt gewesen zu seyn…“

Das ehemalige Herzogtum Sachsen-Gotha und Altenburg bestand aus zwei Teilen, die als so genannter Ostkreis (mit den Ämtern Altenburg und Ronneburg) und Westkreis (mit den Ämtern Eisenberg, Stadt-Roda und Leuchtenburg (Kahla und Orlamünde) durch die Grafschaft Reuß j. L. voneinander getrennt waren. Bis 1805 bzw. 1826 gehörten außerdem die Saalfelder “Landesportion” und der Camburger Landesteil zu Altenburg. Die amtliche Vermessung einzelner Grundstücke und Fluren setzte im Altenburgischen um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert ein. Von 1786 bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte die Kartographie vor allem im Zusammenhang mit der Entwicklung des Steuerwesens und damit einhergehender Revisionen der Steuerkataster einen großen Aufschwung. Dabei ist die Entstehung der topographischen Karten des Herzogtums Altenburg hauptsächlich der Initiative Hans Wilhelm von Thümmels zu verdanken.

Das Thümmelsche Kartenwerk erschein 1813.
Das Thümmelsche Kartenwerk erschein 1813.

Die überwiegende Zahl der Flurteilkarten vor 1786 stellte in erster Linie Waldungen, besonders die Staatsforste dar; daneben wurden Grenz-, Straßen und Flußkarten als Flurteilkarten erstellt, vorrangig für Steuererhebungen der Katasterämter. Bedeutende Kartenwerke dieser Zeit stammen von den Landmessern Wiebeking und Hammerschmidt.

Im Vergleich zu zahlreichen Grundrissen aus dem Altenburger Westkreis, wies der Ostkreis eine auffallend geringe Anzahl von Flurkarten auf. Mit Genehmigung des Herzogs Ernst begann Thümmel 1795 mit der allgemeinen Landesvermessung des Ostkreises. Im Jahre 1809 erhielt er vom Herzog die obere Leitung zum Erstellen einer genauen topographischen Karte des Herzogtums Altenburg, für deren Kosten die Kammerkasse aufkam. 1812, Hilbersdorf wurde als letzter Ort erst 1816 aufgenommen, war der Ostkreis des Herzogtums mit 531 Landvermessungskarten von 306 Fluren vollständig vermessen.

Das Thümmelsche Kartenwerk, 1813 vollendet, erschien unter dem Titel:

„Topographische Karte der Aemter Altenburg und Ronneburg. Herausgegeben auf
Befehl Sr. Durchlaucht des regierenden Herzogs von Sachsen-Gotha und Altenburg
von dem Minister von Thümmel, 1813” und die „General-Karte der Aemter Altenburg
und Ronneburg, als Tableau der 1813 herausgegebenen Karte”. Es besteht aus 21 Sektionsblättern und einer Generalkarte. In Paris konnte von Thümmel den anerkannten Landkartenstecher und Graveur Tardieu vertraglich binden, die Karten in Kupfer zu stechen. 1818 schildert Thümmel selbst die Geschichte dieser nach ihm benannten Karte in der Schrift: „Historische, statistische, geographische und topographische Beyträge zur Kenntnis des Herzogthums Altenburg”.

Weitere Artikel über Thümmel:

Wer ließ sich unter einem Baum begraben?

Wer besaß ein chinesisches Badehaus?

Weitere Informationen zu Thümmel gibt es in der Dauerausstellung des Museum Burg Postersteins.

In Posterstein bebt die Erde

Seit Ende August ruckelte in der Region Posterstein ab und zu ein wenig die Erde. Die Messstation Heukewalde der Universität Jena verzeichnet leichte Schwarmbeben in dieser Zeit. Im Vogtland und Teilen von Westsachsen wurden sogar Beben der Stärke 4 auf der Richterskala gemessen (Vgl. Ostthüringer Zeitung). Anschauen kann man sich die aktuellen Seismogrammausschnitte auf der Website der Universität, wenn man nach den Erdbebenaufzeichnungen der Station mit dem Kürzel HKWD (Heukewalde) sucht.

Seismogrammausschnitt der Station Heukewalde vom 4. September 2011

Warum bebt die Erde?

Die Erde zerfällt bekanntlich in einzelne tektonische Platten. Besonders an deren Rändern kommt es durch Reibungen, Schiebungen und Druck der Platten aufeinander zu schweren Erdbeben. Die Region Posterstein liegt jedoch weit weg von den Rändern der eurasischen Platte. Verantwortlich für die meist harmlosen, so genannten „Intraplattenbeben“, zu denen es dennoch ab und zu kommt, ist Druck von West und Süd auf die eurasische Platte. Im Vogtland befinden sich viele so genannte Schollen und Risse, die in der Vergangenheit schon häufig zu kleineren Schwarmbeben geführt haben. Heute wird die Region durch das Thueringer Seismische Netz überwacht und wissenschaftlich untersucht (Link: http://www.igw.uni-jena.de/angeoph/TSN/portal.html). Lange Zeit befand sich auch im Keller der Burg Posterstein eine seismische Messstation der Universität Jena. Weil die durch Museumsbesucher beim Turmaufstieg erzeugten Vibrationen aber das Bild verzerrten, befindet sich die Station heute im nahe gelegenen Heukewalde.

Das Mitteldeutsche Beben von 1872

Das schwerste Beben in der Region wurde am 6. März 1872 verzeichnet – sein Herd lag im Bruchfeld zwischen Posterstein und Schmölln. Karl Theordor Liebe (1828-1894), Professor am Fürstlichen Gymnasium in Gera, berichtete über die Auswirkungen des Bebens in Posterstein. Unter anderem hätte der Burgturm geschwankt und Feldbrocken seien am Burgberg ins Rollen gekommen. Damals entstanden auch im drei Meter dicken Bergfried und an der Brücke der Burg Posterstein tiefe Risse:

Der Riss in der Mauer der Burgbrücke vor der Restaurierung (Aufnahme von 1985, Museum Burg Posterstein)

„Am alten Schloß haben wir eine Menge Risse gesehen, die mit frischem Bruch durch Mörtel und Stein hindurch verliefen. In den Kellern des alten Schlosses ist soviel von den Decken abgebröckelt, daß mehrere 100 Liter Milch unbrauchbar wurden. Das neue Schloß (Herrenhaus) neben dem alten errichtet, hat durchweg 2 Ellen (1,2 m) und im 1. Stock 1 1/2 Ellen (0,90 m) starke Mauern. Es existiert aber keine Stube, kein Kämmerchen, welche nicht Mauer- und Deckenrisse aufweisen“, berichtete Karl Theordor Liebe.

Der Riss in der Brücke wurde bei einer Restaurierung 1997 saniert, den Riss im Bergfried kann man beim Aufstieg auf den Turm heute noch sehen.

Zeitzeugen berichten

Riss in der Turmmauer

Der Postersteiner Lehrer und Historiker Ernst Bräunlich zeichnete die Erinnerungen des Nöbdenitzer Pfarrers Johann Michael Nürnberger auf, der das Beben von 1872 selbst miterlebte: „Im Dorfe liefen von allen Seiten die Leute aus den Häusern und erzählten, wie sie vor Angst die Häuser eilig verlassen hatten. Die Bäume hätten geschwankt, und auf der Straße hätten Sie ein Gerassel gehört, als wenn 6 bis 8 schwerbeladene Wagen im Trab vorbeifuhren. Im Ort sind 7 Feueressen eingestürzt. Das Ereignis bildete noch lange den Gegenstand der gegenseitigen Mitteilungen.“

Auch das leichte Beben vom 4. September 2011 haben die Bewohner der Region wahrgenommen. Die größte Erschütterung konnte man früh am Morgen zwischen 4 und 5 Uhr wahrnehmen. Auf unserer Facebook-Pinnwand berichtete eine Augenzeugin, vom Beben und dem Klappern im Schlafzimmer wach geworden zu sein.

Seismometer in Posterstein

In der Dauerausstellung der Burg Posterstein ist ein Seismometer ausgestellt und Sie erhalten weitere Informationen über Erdbeben in der Region – weitere Informationen finden Sie auf www.burg-posterstein.de.

(Text: Marlene Hofmann)

The earth shakes in Posterstein

Since the end of August once in a while the earth judders in Posterstein Region. The nearest seismometer station in Heukewalde, driven by Jena University, noted light earthquake swarms in that time. In the so-called Vogtland region and parts of West Saxony quakes measuring 4.0 on the Richter magnitude scale were documented (see: Ostthüringer Zeitung). You can have a look at the latest seismometer graphs on the university’s web page, where you can search after the station with the name HKWD (Heukewalde)

Seismometer graph from the station in Heukewalde, September 4th 2011

Why does the earth shake?

The earth is divided in different tectonic plates. Especially on the borders of a plate, where two plates are pushing against each other, heavy earthquakes can occur. But Posterstein region lies far away from the borders of the Eurasian plate. Responsible for the mostly harmless so-called intra plate quakes, that happen once in a while, is pressure on the Eurasian plate from West and South. In the Vogtland region there are many smaller blocks and cracks that also earlier in the history have led to lighter earthquake swarms. Today the Seismic network of Thuringia monitors and scientifically explores the region. Earlier there was a seismometer installed in the cellar of Posterstein castle as well, but as vibrations caused by the castle’s visitors climbing on the tower distorted the measuring, the station was moved to near-by Heukewalde.

The Middle-European earthquake of 1872

The heaviest earthquake in the region was registered on March 6th 1872 – its centre lay between Posterstein and Schmölln. Karl Theordor Liebe (1828-1894), professor at the Princely Grammar School in Gera, was reporting on the earthquake’s impacts in Posterstein. Among others, he writes that the castle’s tower was shaking and bigger rocks came rolling down the hill. At that time deep cracks occurred in the three metre thick wall of the tower and in the walls of the castle’s bridge:

Crack in the castle's bridge before the restoration (picture from 1985, Museum Burg Posterstein)

„On the old castle we have seen a lot of new cracks, which took there way through grout and stone. In the cellar of the old castle came so much material off the ceiling that more than a 100 litres of milk became useless. The new castle (manor house), which is standing next to the old castle, has 1.2 metre thick walls and in the first floor 0.9 metre thick walls. But there doesn’t exist a single room without cracks in the walls and ceiling”, wrote Karl Theodor Liebe.

The crack in the bridge was repaired during the restoration in 1997, but you still can see the crack in the tower on your way to the top of the tower.

Contemporary witnesses report

Crack in the castle's tower's wall

The teacher and historian Ernst Bräunlich from Posterstein recorded the memories of the pastor Johann Michael Nürnberger from Nöbdenitz, who had witnessed the 1872 earthquake himself: „In the village people came running out of their houses from all ways and they told that they were hasty leaving their houses in fear. The trees had been shaking and on the road they had heard a ratting as if 6 or 8 wagons with heavy load passed by in trot. In the village seven chimneys collapsed. The incidence was the main topic of conversation in a long time.”

The light quake from September 4th 2011 was noted by locals, too. The heaviest vibration could be observed between 4 and 5 in the morning. On our Facebook wall a witness wrote that she woke up because of the chattering in the sleeping room.

Seismometer in Posterstein

In the castle’s permanent exhibition you can have a look at a seismometer and read more about earthquakes in the Posterstein region – more information on www.burg-posterstein.de.

(Text: Marlene Hofmann)

Wer ließ sich unter einem Baum begraben?

Die 1000jährige Eiche von Nöbdenitz / the 1000 year old oak of Nobdenitz (c) Museum Burg Posterstein
Die 1000jährige Eiche von Nöbdenitz / the 1000 year old oak of Nobdenitz (c) Museum Burg Posterstein

In Nöbdenitz, einem kleinen Ort in Ostthüringen, steht ein alter Eichenbaum, von dem man sagt, er sei tausend Jahre alt. Erst im vergangenen Jahr versah die Gemeinde den Baum mit weiteren Stützpfeilern, um den Ansprüchen der Straßen- und Verkehrsordnung zu genügen. Die so genannte „tausendjährige Eiche“ ist innen hohl – und beinhaltet die Grabstätte eines Ministers.

In Nöbdenitz gab es ein Rittergut, das im 12. Jahrhundert erstmalig erwähnt wurde. Die ehemals mittelalterliche Wasserburganlage wurde später in ein Schloss umgebaut. Das Rittergut befand sich zeitweise im Besitz des Ministers Hans Wilhelm von Thümmel (1744-1824). Dieser reiste zwischen 1803 und 1808 auf mehreren diplomatischen Missionen nach Dänemark, Berlin, Königsberg (Kaliningrad), Dresden und Paris. Als Freund des Herzogs Ernst (1745-1804) besaß er großen Einfluss bei Hofe. Verdient gemacht hat er sich durch die Gründung der Kammerleihbank, die Förderung des Straßenbaus, den Bau des Altenburger Krankenhauses und die allgemeine Landvermessung im Herzogtum Sachsen-Gotha und Altenburg.

Östlich des Nöbdenitzer Schlosses besaß Thümmel einen Lustgarten. Von hier aus wurde der Blick entlang eines geradlinigen Weges in die Ferne bis zu einem Gartenhaus geführt. Ein Fußweg entlang des Nordufers des großen Teichs lud zum Flanieren ein. Freunde der Familie von Thümmel, wie die Herzogin von Kurland (http://www.facebook.com/burgposterstein?v=app_2344061033#!/event.php?eid=166366573376663&index=1) aus dem nahen Löbichau, kamen gern nach Nöbdenitz, um auf dem Teich zu segeln und den Blick auf das alte und das neue Schloss zu genießen.

Vor seinem Tod bestimmte Hans Willhelm von Thümmel, dass er an einem ungewöhnlichen Ort bestattet werden sollte – unter der Nöbdenitzer Eiche. Er kaufte der örtlichen Pfarrgemeinde den Baum ab und ließ sich in seinen Wurzeln eine Grabstätte errichten. Diese untersuchte 1959 der Postersteiner Lehrer und Heimatforscher Ernst Bräunlich. Er dokumentierte, dass es im Hohlraum des Baumes einen kleinen Andachtsraum mit Sitzbank gab, um dem Toten zu gedenken. Der Leichnam liegt in einem Sarg, parallel zur Straße. Heute kann man die tausendjährige Eiche nur von außen besichtigen. Eine Gedenktafel erzählt ihre Geschichte.

Im Zuge der Bodenreform wurde das Rittergut Nöbdenitz 1945 enteignet und das neue Schloss sowie große Teile des Wirtschaftshofes abgerissen. Ein Mausoleum von 1782, das Thümmelsche Erbbegräbnis, wurde Ende der 1960er Jahren entfernt. Das aus dem Jahr 1692 stammende Herrenhaus blieb erhalten und ist heute Sitz der kommunalen Verwaltung.

Eine interaktive Karte über die Rittergüter im Altenburger Land finden Sie hier: http://tiny.cc/o27p6.

Lesen Sie mehr über die Rittergüter des Altenburger Landes in unseren Publikationen, die Museum gekauft oder per Mail an info@burg-posterstein.de bestellt werden können:

Das alte Schloss sehn wir noch heut…
Aus der Geschichte der Rittergüter im Altenburger Land (Teil II)
© Museum Burg Posterstein 2010

…Und nachmittags fuhren wir nach Nöbdenitz segeln!
Rittergüter im Altenburger Land und ihre Gärten
© Museum Burg Posterstein 2007

Text: Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein