Wo wohnten die Nachfahren von “Baron Münchhausen”?

Ansichtskarte des Ritterguts Windischleuba ((c) Museum Burg Posterstein)
Ansichtskarte des Ritterguts Windischleuba ((c)Museum Burg Posterstein)

Die Geschichte von Windischleuba ist lang, als „Luben“ fand der Ort schon 1181 / 1214 im Zehntverzeichnis des Klosters Bosau Erwähnung. Von 1455 bis 1659 gehörte es wie auch Nobitz der Familie von der Gabelentz, die auf dem Rittergut Poschwitz wohnten. 1492 begann Hans von der Gabelentz in Windischleuba ein Schloss zu errichten und ließ auch die Kirche umfassend erneuern. Sein Sohn Christoph I. von der Gabelentz, Domherr in Mainz, Meißen und Naumburg, beendete den Schlossbau 1532. Seine Nachfolger im Familienbesitz wohnten dann auch in Windischleuba. Sebastian I., gestorben 1575, diente laut Kriegsmatrikel von 1545 seinem Landesherrn „auf der Wendischleubden mit drei Ritterpferden und zwei Langspießern“. Dessen Sohn Sebastian II. lebte 1580 mit Familienmitglieder und Personal auf dem Schloss: Belegt sind sein „Weib, Junker Bastian von der Gabelentz und [sein] Vetter, Georg von der Gabelentz, außerdem ein Schreiber, ein Reiter, ein Seiler, ein Weidemann, ein Junge, ein Schneider, ein Bäcker, eine Köchin, eine Schließerin, eine Käsemutter, sechs Knechte und drei Mägde“. 1661 erlosch die Windischleubaer Linie der Familie von der Gabelentz und die Fürstliche Rentkammer zu Altenburg nutzte das Rittergut anschließend als „Großes Kammergut“.

 Zwei Rittergüter in einem Ort

Das so genannte „Rittergut Windischleuba vorderen Teils“ (Foto: Museum Burg Posterstein)
Das so genannte „Rittergut Windischleuba vorderen Teils“ ((c) Museum Burg Posterstein)

Etwa zur gleichen Zeit entstand aus einem schon vorher bestehenden Bauerngut in Windischleuba ein zweites Rittergut, das so genannte „Rittergut Windischleuba vorderen Teils“, das mit dem anderen Gut nichts zu tun hatte. Als freies Erblehen wechselte es im Laufe der Jahrhunderte mehrfach den Besitzer. Das um 1800 etwa 67 Hektar bemessende Anwesen verfügte über die Erbgerichte über drei Handgüter und 13 Häuser im Dorf. Die Obergerichte über Dorf, Feld und Flur von Windischleuba gehörten weiterhin dem älteren und größeren der beiden Güter, dem Rittergut „hinteren Teils“, das um 1800 rund 220 Hektar Land umfasste. Darüber hinaus besaß es auch die Erbgerichte über zahlreiche Güter und Häuser in Windischleuba und der näheren Umgebung sowie die Patronatsrechte über Schule, Hospital und Kirche von Windischleuba. Ein Erbbegräbnis befand sich an der Außenseite der Kirche.

Der Landsitz eines Staatsmanns

Bernhard August von Lindenau (1779-1854) ((c) Museum Burg Posterstein)
Bernhard August von Lindenau (1779-1854) ((c) Museum Burg Posterstein)

Das Rittergut hinteren Teils wechselte im 17. und 18. Jahrhundert mehrfach den Eigentümer, bis es zusammen mit dem Pohlhof in Altenburg und dem Rittergut Nobitz in den Besitz der Familie von Lindenau gelangte. 1817 erbten Bernhard August von Lindenau (1779-1854), dessen wertvolle Kunstsammlung das Lindenau-Museum Altenburg ausstellt, und sein jüngerer Bruder Friedrich Wilhelm das Gut. Der Wissenschaftler, Kunstsammler und Staatsmann Bernhard August von Lindenau hatte Mathematik, Jura und Kameralistik in Leipzig studiert. Im Laufe seiner langen Karriere leitete er als Astronom die Seeberger Sternwarte bei Gotha, war Landschaftsdirektor des Altenburger Landtages, Geheimer Rat und Minister in Gotha, Gesandter des Königs von Sachsen im Bundestag in Frankfurt und zugleich Gesandter am Niederländischen Hof in Den Haag und schließlich erster Minister im Königreich Sachsen, was der Position des heutigen Ministerpräsidenten gleich kommt. Unter Lindenau wurde in Sachsen eine umfassende Staatsreform durchgeführt. Im Alter zog er sich nach Altenburg zurück, war Abgeordneter des Herzogtums in der Frankfurter Paulskirche und widmete sich in erster Linie seiner Kunstsammlung, die er von Anfang an dem der Öffentlichkeit als Stiftung widmen wollte. So eröffnete er im Revolutionsjahr 1848 auf dem Pohlhof ein Museum mit angeschlossener Kunst- und Gewerbeschule.

Aber auch für die Bewirtschaftung Windischleubas interessierte sich der vielseitige Staatsmann. Noch 1853 ließ er „Amerikanisches Mahlzeug“ in der dortigen Mühle einbauen. Am Schloss und den Wirtschaftsgebäuden ließ er bauliche Veränderungen durchführen. Ein Stück des Wassergrabens um die auf zwei von einander getrennten Inseln verteilte Wasserburg wurde zugeschüttet. Immerhin war in jener Zeit auf der Schlossinsel die alte, viereckige Befestigungsanlage mit vier Rundtürmen noch gut erkennbar.

Die Erben von “Baron Münchhausen”

Das Rittergut Windischleuba ist heute Jugendherberge ((c) Museum Burg Posterstein)
Das Rittergut Windischleuba ist heute Jugendherberge ((c) Museum Burg Posterstein)

Seit 1880 besaßen der aus Niedersachsen stammende Börries Freiherr von Münchhausen (1845-1931) und seine Frau Clementine von der Gabelentz das Rittergut Windischleuba. Der Nachfahre des als Lügenbaron in die Geschichte eingegangenen Hieronymus von Münchhausen (1720-1797) setzte das alte Schloss wieder instand, erweiterte es und restaurierte die Renaissance-Fassade. Darüber hinaus ließ die Familie Münchhausen einen Park anlegen, in dem es unter anderem ein so genanntes „rotes Tempelchen“, ein privates Kaffeehaus, gab.

Unter seinem gleichnamigen Sohn, einem anerkannten Schriftsteller und promovierten Jurist gewann das Gut weiter an Profil. Mit 281 Hektar gehörte es zu den größten Rittergütern im Altenburger Land. Der Balladendichter wachte sorgfältig über Schloss und Garten: Sein Gärtner durfte nur in Ansprache mit ihm „pflanzen, schneiden und sonst irgend etwas vornehmen“ und Außenstehende benötigen für den Zutritt zur Parkanlage seine schriftlichen Erlaubnis. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges, am 16. März 1945, beging Börries von Münchhausen in Windischleuba Selbstmord.

 Enteignung – Vom Schloss zur Jugendherberge

Nach dem Krieg wurden seine Erben enteignet und Teile des Wirtschaftshofes abgerissen. Vom Waalgraben sind heute nur noch Reste erhalten. Das Renaissanceschloss diente zunächst als Landschulheim. Der Park wurde für die Schüler um einen biologischen Lehrpfad, eine Freilichtbühne, eine Kegelbahn und ein Volleyballfeld erweitert. Bis heute befindet sich im gut erhaltenen Schloss eine Jugendherberge, die viel von dem historischen Ambiente erkennen lässt.

Der geschlossene Bauernhof des Rittergutes „vorderen Teils“ wurde 2005 und 2006 trotz denkmalschutzrechtlicher Bedenken abgerissen.

Von Marlene Hofmann

 

Eine interaktive Karte über die Rittergüter im Altenburger Land finden Sie hier: http://tiny.cc/o27p6.

Lesen Sie mehr über die Rittergüter des Altenburger Landes in unseren Publikationen, die Museum gekauft oder per Mail an info@burg-posterstein.de bestellt werden können:

Das alte Schloss sehn wir noch heut…
Aus der Geschichte der Rittergüter im Altenburger Land (Teil II)
© Museum Burg Posterstein 2010

…Und nachmittags fuhren wir nach Nöbdenitz segeln!
Rittergüter im Altenburger Land und ihre Gärten
© Museum Burg Posterstein 2007

 

Die slawische Besiedlung des Altenburger Landes

Seit dem 6. Jahrhundert dehnte sich das slawische Siedlungsgebiet bis an die Elbe und Saale aus. In dieser Zeit siedelten auch im heutigen Altenburger Land slawische Völker. Die hier ansässigen germanischen Bauern wurden im Laufe der weiteren Entwicklung in die Stammesgemeinschaften der Slawen aufgenommen.

Der slawische Stamm, der am westlichsten siedelte, waren die Sorben. Ihr Einzugsgebiet erstreckte sich von der oberen Mulde über die Elster bis zur Saale. Sie gliederten ihr Land durch natürliche Waldgrenzen in Gaue (Verwaltungseinheiten), in deren Mittelpunkt sich eine Gauburg befand. Die Landschaft zwischen Pleiße und Elster gehörte zu den Gauen Geraha und Plisni. Im Bereich der Ortschaften Löbichau, Nöbdenitz, Vollmershain und Thonhausen verlief die Grenze zwischen dem Gau Plisni und Geraha.

Ortsnamen sowie Dorf- und Flurformen geben Hinweise auf die slawische Besiedlung

Rittergut Meuselwitz / Meuselwitz Manor (c) Museum Burg Posterstein
Der Ortsname Meuselwitz verrät die slawischen Ursprünge der Stadt (Bild: (c) Museum Burg Posterstein)

Fast 70 Prozent der Ortsnamen im Altenburger Land sind slawischen Ursprungs. Kennzeichnend für slawische Ortsnamen sind die Endungen: Ehemals slawische Endungen wie –ici und -ovici sind heute noch als –itz (z.B. Raudenitz, Sommeritz) und –witz (z.B. Meuselwitz) erhalten, während Ortschaften auf –ovo, -ova und –ove heute auf –a und –au enden, wie beispielsweise Lohma, Kosma und Löbichau. Ursprünglich auf –ine, -ina und –ino endende slawische Ortsnamen, lauten heute meist auf –eu. Auf diese Art lässt sich auch heute noch an Hand des Namens recht zuverlässig feststellen, welcher Ort slawische Gründungen sind: Während Nischwitz, Nitschka und Zschernitzsch slawische Wurzeln haben, gehen ihre Nachbarorte Grünberg, Heyersdorf und Weißbach auf germanische Siedlungen zurück.

Auch die Dorf- und Flurformen dieser Orte geben Hinweise auf deren Ursprung: Während die deutschen Gründungen in der Region oft eine kilometerlange Aneinanderreihung von Häusern und Höfen sind, waren die slawischen Ortskerne oft kreisförmig, als so genannter „Rundling“ angelegt.

Ausgrabungen in der Kiste

Ein Teil der Dauerausstellung auf Burg Posterstein beschäftigt sich mit der Archäologie der Region. Zur Sammlung gehören beispielsweise Scherbenfunde aus dem Neolithikum oder der slawischen Zeit, steinzeitliche Faustkeile und Reibemühlen und verschiedene andere Werkzeuge. Im Rahmen des museumspädagogischen Programms können Kinder im Studienkabinett Wissenswertes zur Ur- und Frühgeschichte der Region lernen und sich sogar selbst als Archäologen betätigen. Sie graben mit Kelle und Pinsel aus Sandkisten verschiedene Artefakte aus und bestimmen sie anhand der Funde in den Ausstellungsvitrinen. Ein Fundbericht wird erstellt und kann mit nach Hause genommen werden.

Das Programm dauert etwa eine halbe Stunde und ist geeignet für Kinder zwischen acht und zwölf Jahren, z.B. für Schulklassen oder zur Kindergeburtstagsfeier im Museum.

Slawische Funde (Bild: Museum Burg Posterstein)

Slawische Funde (Bild: (c) Museum Burg Posterstein)

Aktuelle archäologische Forschung im Altenburger Land

Im Frühjahr 2012 wird sich vom 4. März bis 30. April eine Sonderausstellung mit der aktuellen archäologischen Forschung im Altenburger Land beschäftigen. Dabei werden Ausgrabungen und Funde der letzten Jahre im Mittelpunkt stehen. Die Ausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit dem Thüringischen Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege.

(von Marlene Hofmann)