Welker-Sammlung wandert ins Depot – und in den Touchscreen

Die Sonderausstellung “Salongeschichten – Paris – Löbichau – Wien” mit der neu gekauften Sammlung an Portraits Löbichauer Gäste haben sich in den vergangenen Monaten über 4000 Besucher angesehen. Jetzt müssen die schon verloren geglaubten Aquarelle, die Emilie von Binzer in ihrem Buch “Drei Sommer in Löbichau” beschrieb, ins Depot. Einzelne Bilder werden im Wechsel auch in der Dauerausstellung zu sehen sein. Alle anderen können Besucher demnächst im neuen Touchscreen des Museums anschauen.

Blick in sonst verschlossene Depots

Der großformatige Touchscreen soll in Zukunft in der Ausstellung zur europäischen Salongeschichte und zum Musenhof der Herzogin von Kurland als verlängerter Arm in die Schätze des Museumsdepots stehen.

Demnächst in der Salonausstellung des Museums Burg Posterstein: Die gesammelten Forschungsergebnisse im Touchscreen
Demnächst in der Salonausstellung des Museums Burg Posterstein: Die gesammelten Forschungsergebnisse im Touchscreen

Nach über 20 Jahren intensiver Forschung zum Salon der Herzogin Anna Dorothea von Kurland, die u.a. Kontakte nach Kurland, Berlin, Paris und Wien pflegte und viele einflussreiche Menschen ihrer Zeit persönlich kannte, können in der Ausstellung bei weitem nicht alle Forschungsergebnisse und Sammlungsstücke mehr gezeigt werden. Statt sie unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Depot verschwinden zu lassen, wollen wir interessierten Besuchern die Möglichkeit geben, sich digital durch die vorhandenen Objekte und Informationen zu scrollen.

Über 300 Zeitgenossen der Herzogin

Die Büsten von Wilhelmine von Sagan und ihre Mutter Anna Dorothea von Kurland in der Sonderausstellung "Salongeschichten"
Die Büsten von Wilhelmine von Sagan und ihre Mutter Anna Dorothea von Kurland in der Sonderausstellung “Salongeschichten”

In einem ersten Schritt wollen wir die Kurzbiografien von über 300 Zeitgenossen Anna Dorothea von Kurlands aus dem 18. und 19. Jahrhundert einpflegen. Danach sollen Informationen über Schlösser und Orte der Zeit, Sammlungsstücke auf Burg Posterstein und eine Zeitleiste folgen.

Auch die ausgelassenen Portraitzeichnungen Ernst Welkers werden dann dort wieder zugänglich gemacht. Das Ende der Sonderausstellung “Salongeschichten” ist damit kein Abschied für immer.

Weiterlesen zum Thema “Salongeschichten”:

Gesammelte Infos auf der Website des Museum

“Ein Besuch in Löbichau, dem wir mit Spannung entgegensahen” – Teestunde auf Burg Posterstein

Sonderausstellung “Salongeschichten”: Versteckte Details entdecken

Sonderausstellung “Salongeschichten”: Was ist das eigentlich, ein Salon?

Vertrag zwischen Paris und … Posterstein: Zusammenarbeit mit Les Amis de Talleyrand

Der Herzog kommt nach Posterstein: Eröffnung der Sonderausstellung „Salongeschichten“

Wie eine Himmelsleiter mit Engeln besetzt: Kleine Reise in die Geschichte von Schloss Tannenfeld

Da steht mein Armes Ich von Stein… Salongeschichten aus dem 19. Jahrhundert auf Burg Posterstein

2015 zelebriert das Museum Burg Posterstein ein Lieblingsthema im großen Stil

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Sonderausstellung “Salongeschichten”: Versteckte Details entdecken

Schon über 1000 Besucher haben sich die aktuelle Sonderausstellung “Salongeschichten” mit Portraitzeichnungen Löbichauer Salongäste aus dem Jahr 1819/20 angesehen. Bei mehrmaligem Hinsehen fallen versteckte Details ins Auge.

Der Maler Ernst Welker stellte die schöne Herzogin als Pudel dar. Der französische Diplomat Talleyrand schrieb ihr hunderte von Briefen.
Der Maler Ernst Welker stellte die schöne Herzogin als Pudel dar.

Beim ersten Mal schauen bleibt der Blick an den mal witzig, mal sonderbar portraitierten Personen hängen. Die Herzogin als treuer Pudel. Emilie von Binzer als dünner Spargel. Der Strafrechtler Feuerbach als Nagel. Der Gothaer Herzog als stolzen Pfau und der Dichter Schink als Brunnen, der frisches Wasser spendet. Man liest darunter die in Versform säuberlich handschriftlich verfassten Zeilen, zum Beispiel: “Der Brunnen frisches Wasser giebt / Der Baer den süssen Honig liebt”, und überlegt, was das nun mit dem bekannten Dichter und Dramaturg Johann Friedrich Schink (1755-1835) zu tun haben könnte.

Wie viele Zeichner waren hier am Werk?

Im Vers zum Portrait von Christoph August Tiedge ist eine nachträgliche Änderung deutlich erkennbar. (Museum Burg Posterstein)
Im Vers zum Portrait von Christoph August Tiedge ist eine nachträgliche Änderung deutlich erkennbar. (Museum Burg Posterstein)

Auf den zweiten Blick und im milden Licht der Ausstellungsräume gut zu erkennen, bemerkt man die zarten Bleistiftstriche, mit denen der Zeichner seine ungewöhnlichen Portraits vorgezeichnet hat. Am oberen Blattrand wurde zunächst mit Bleistift der Name der dargestellten Person vermerkt und nachträglich mit Tusche von mindestens zwei Handschriften vervollständigt. Später fügte jemand ein Kreuz hinzu – offenbar, wenn die betroffene Person zum Zeitpunkt der Recherche für Emilie von Binzers Buch “Drei Sommer in Löbichau” bereits verstorben war. In diesem Spätwerk von 1877 beschreibt die bekannte Schriftstellerin auch einige der Portraitzeichnungen, die nun in der Ausstellung zu sehen sind.

Versteckte Details und nachträgliche Veränderungen

Bei manchen Zeichnungen wird eine nachträgliche Bearbeitung erkennbar. Der Schriftsteller Christoph August Tiedge (1752-1841) beispielsweise wurde als Stuhl dargestellt. Im zugehörigen und im wahrsten Sinne des Wortes auf Biegen und Brechen gereimten Vers “Wie herrlich pranget hier der Lehn Stuhl / Den Hals bricht wer vom Dache fuhl”, hat jemand nachträglich “ein Stuhl” in “der Lehn Stuhl” geändert.

Das Buch "Salongeschichten" erscheint zur Ausstellung
Das Buch “Salongeschichten” erscheint zur Ausstellung
Die kleinformatigen, aquarellierten Zeichnungen stammen von Ernst Welker (1784/88-1857), der als Zeichenlehrer Emilie von Binzers – der Enkelin der Herzogin von Kurland – einige Sommer am Musenhof Löbichau verbrachte. Sie geben einen spannenden Eindruck in das alltägliche Leben in dem kleinen Thüringer Schloss, wo die weltgewandte Herzogin Künstler und Staatsmänner, Bürgerliche und Adlige um sich scharte. Man dichtete und spielte Theater, sang und flanierte durch die Gärten. Am Abend sammelte sich die Gesellschaft zur Teestunde. 2014 konnte das Museum Burg Posterstein die gut erhaltene Sammlung aus dem Besitz Emilie von Binzers mit finanzieller Unterstützung des Freistaates Thüringen und der Bürgerstiftung Altenburger Land ankaufen und zeigt sie noch bis 15. November im Rahmen einer Sonderausstellung. Zur Ausstellung erscheint ein gleichnamiges Buch.

Außerdem zum Thema:
Blogpost: Was ist das eigentlich, ein Salon?
Blogpost über Carl August Böttiger: “Da steht mein armes Ich aus Stein”
Blogpost: Der Herzog kommt nach Posterstein
Blogpost zur Geschichte des Schlosses Tannenfeld
Blogpost: Jean Pauls Sommer in Löbichau
Blogpost: Rittergut Löbichau – Zeitweise 300 Gäste gleichzeitig

von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Vertrag zwischen Paris und … Posterstein: Zusammenarbeit mit Les Amis de Talleyrand

200 Jahre nach dem Wiener Kongress ist am 16. August 2015 ein französisch-deutscher Vertrag unterzeichnet worden, der gemeinsame Forschungsarbeiten des Museums Burg Posterstein und der Pariser Gesellschaft Les Amis de Talleyrand ermöglichen und fortführen soll. Schon einmal in der Geschichte unterhielt man in dem kleinen thüringischen Ort Löbichau Relationen über europäische Grenzen hinweg. Vor zwei Jahrhunderten betrieb die schöne und gebildete Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761–1821) hier einen bekannten Salon und gemeinsam mit ihren Töchtern pflegte sie Kontakte in die höchsten politischen Ebenen, darunter zu Zar Alexander I., Friedrich Wilhelm III., Talleyrand und Metternich, in Paris, Löbichau und Wien.

Roland Martinet von Les Amis de Talleyrand und Sabine Hofmann vom Museumsverein Burg Posterstein in Löbichau nach der Unterzeichnung des Kooperationsvertrags.
Roland Martinet von Les Amis de Talleyrand und Sabine Hofmann vom Museumsverein Burg Posterstein in Löbichau nach der Unterzeichnung des Kooperationsvertrags.
Anlässlich der Eröffnung der Sonderausstellung “Salongeschichten: Paris – Löbichau – Wien” durften wir im Museum Burg Posterstein internationalen Besuch begrüßen: Roland Martinet, den Präsidenten der französischen Gesellschaft der Freunde Talleyrands, die historische Forschungen zum berühmten französischen Diplomat Charles Maurice de Talleyrand Perigord betreibt, Elisabeth Blaack von Einsiedel, eine Urenkelin der Herzogin von Kurland, mit ihrer Tochter, sowie weitere Mitglieder von Les Amis de Talleyrand. Die Pariser Besucher kamen nicht zum ersten Mal und nun, anlässlich einer weiteren Postersteiner Sonderausstellung zur europäischen Salonkultur, sollte die gemeinsame Arbeit im Dienste der Geschichte vertraglich festgehalten werden.

Talleyrands Briefe erstmals auf Deutsch

Der Maler Ernst Welker stellte die schöne Herzogin als Pudel dar. Der französische Diplomat Talleyrand schrieb ihr hunderte von Briefen.
Der Maler Ernst Welker stellte die schöne Herzogin als Pudel dar. Der französische Diplomat Talleyrand schrieb ihr hunderte von Briefen.

Im Archiv der Universität Breslau ist aufgezeichnet, dass bis 1914 in Sagan 379 handschriftliche Briefe des Ministers Talleyrand an Anna Dorothea von Kurland lagerten. 372 Briefe aus der Zeit zwischen 1809 und 1821 befinden sich heute im Archiv der Familie Talleyrand und wurden 1976 teilweise veröffentlicht vom ehemaligen Kabinettsleiter Präsident de Gaulles Gaston Palewski (1901–1984), der mit einer Talleyrand verheiratet war. Dieser historische Schatz, verfasst in französischer Sprache, erlaubt einen einmaligen Blick auf die Geschehnisse des Wiener Kongresses, abseits der offiziellen Korrespondenz Talleyrands.

Fotoshoot mit der Herzogin von Kurland und ihrer Tochter Wilhelmine von Sagan bei der Eröffnung der Sonderausstellung "Salongeschichten" in Posterstein.
Fotoshoot mit der Herzogin von Kurland und ihrer Tochter Wilhelmine von Sagan bei der Eröffnung der Sonderausstellung “Salongeschichten” in Posterstein.
Nicht zum ersten Mal kamen die französischen Gäste von Les Amis de Talleyrand - hier bei der Eröffnung der Sonderausstellung "Salongeschichten" - nach Posterstein.
Nicht zum ersten Mal kamen die französischen Gäste von Les Amis de Talleyrand – hier bei der Eröffnung der Sonderausstellung “Salongeschichten” – nach Posterstein.

Anlässlich des 250. Geburtstags der Herzogin von Kurland konnten 2011 erste Früchte der Zusammenarbeit zwischen dem Museum Burg Posterstein und Les Amis de Talleyrand gezeigt werden. Im Buch “Die Herzogin von Kurland im Spiegel ihrer Zeitgenossen” erschienen Beiträge verschiedener internationaler Autoren, darunter erstmals in deutscher Übersetzung Auszüge aus den zahlreichen Briefen, die Charles Maurice de Talleyrand während des Wiener Kongresses an seine “liebe Freundin” Anna Dorothea von Kurland schrieb. Egal, ob beide sich in Wien oder an verschiedenen Orten aufhielten, unterrichteten sie einander über das politische und menschliche Geschehen um sie herum. Als er am 25. Mai 1815 bald abreisen musste, schrieb er der Herzogin:

“Das ist die traurigste Abfahrt, die man machen kann. (…) Ich bitte Sie, gute Vorkehrungen wegen Ihrer Briefe zu treffen. Denn zum wenigsten brauche ich diese Kraftquelle. Adieu. Ich liebe Sie und umarme Sie von ganzem Herzen.”

Neben der eigenen persönlichen Freundschaft der Herzogin von Kurland zu Talleyrand, war ihre jüngste Tochter Dorothée, verheiratet mit Talleyrands Neffen, seine ständige Begleiterin beim Wiener Kongress und seine spätere Alleinerbin. Ihre ältere Schwester Wilhelmine von Sagan führte in der Wiener Schenkenstraße einen populären Salon und übte durch ihre Liaison mit Staatskanzler Metternich, dem Leiter des Kongresses, ebenfalls keinen geringen Einfluss auf die politischen Geschehnisse aus.

Paris, Wien und … Löbichau

Von links nach rechts: Wilhelmine von Sagan, Dorothea von Kurland, Landrätin Michaele Sojka, Elisabeth Blaack von Einsiedel und Ralph-Uwe Heinz als Herzog von Gotha zur Eröffnung der Sonderausstellung "Salongeschichten" auf Burg Posterstein.
Von links nach rechts: Wilhelmine von Sagan, Dorothea von Kurland, Landrätin Michaele Sojka, Elisabeth Blaack von Einsiedel und Ralph-Uwe Heinz als Herzog von Gotha zur Eröffnung der Sonderausstellung “Salongeschichten” auf Burg Posterstein.

2014 konnte das Museum Burg Posterstein mit finanzieller Unterstützung des Freistaats Thüringen und der Bürgerstiftung Altenburger Land eine einmalige Sammlung von 47 kleinformatigen Aquarellen des Malers Ernst Welker ankaufen. Die Zeichnungen aus den Jahren 1819/20 portraitieren Gäste des Musenhofs Löbichau auf witzige Art und Weise in Tiergestalt. Unter den Dargestellten befindet sich nicht nur die Herzogin von Kurland selbst, sondern auch ihre Tochter Wilhelmine von Sagan, deren Pflegetochter Emilie von Binzer, der Maler Ernst Welker und andere bekannte Persönlichkeiten dieser Zeit. Sie geben Einblicke ins Löbichauer Salonleben und das weitreichende Netzwerk der Herzogin.

Roland Martinet mit Monika Diedrich vom Museumsverein Burg Posterstein bei der Ausstellungseröffnung von "Salongeschichten" im Museum Burg Posterstein.
Roland Martinet mit Monika Diedrich vom Museumsverein Burg Posterstein bei der Ausstellungseröffnung von “Salongeschichten” im Museum Burg Posterstein.
Mit dem nun mit Les Amis de Talleyrand geschlossenen Vertrag werden nicht nur alle Mitglieder des Museumsvereins Burg Posterstein gleichzeitig Mitglieder der Pariser Gesellschaft und umgekehrt, es soll auch bei zukünftigen Publikationen zusammengearbeitet werden und bei Tagungen, Versammlungen und gegenseitigen Besuchen ein noch intensiverer Austausch stattfinden. Wir freuen uns darauf!

Weiterführende Informationen:
Zur Website von Les Amis de Talleyrand
Publikationen des Museums Burg Posterstein
Unsere Forschung zum Musenhof Löbichau

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Der Herzog kommt nach Posterstein: Eröffnung der Sonderausstellung „Salongeschichten“

Die Sonderausstellung „Salongeschichten: Paris – Löbichau – Wien“ wird am Sonntag, 16. August 2015, 15 Uhr, feierlich eröffnet. Erstmals zeigt das Museum Burg Posterstein eine einmalige Sammlung witziger Portraitbilder von 47 historischen Persönlichkeiten, die 1819/20 als Gäste im Musenhof Löbichau der Herzogin von Kurland in Löbichau den Sommer verbrachten. Die weltgewandte Herzogin legte Wert darauf, Künstler und Schriftsteller zu fördern und stand in Kontakt mit den wichtigsten Persönlichkeiten ihrer Zeit. Zur Eröffnung der Ausstellung erwartet das Museum einen ganz besonderen Gast: Den Herzog von Gotha.

Im Herbst 1820 besuchte August Emil Leopold, Herzog von Sachsen-Gotha und Altenburg (1772–1822) den Musenhof der Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761–1821) im Schloss Löbichau. Der Herzog war eine auffällige Herrscherpersönlichkeit, die sich vor allem als Förderer der Künste und der Wissenschaft hervortat. Im Musenhof Löbichau zog er alle Aufmerksamkeit auf sich.

Der Herzog von Gotha besuchte 1820 den Musenhof der Herzogin von Kurland. Der Maler Ernst Welker portraitierte ihn als stolzen Pfau.
Der Herzog von Gotha besuchte 1820 den Musenhof der Herzogin von Kurland. Der Maler Ernst Welker portraitierte ihn als stolzen Pfau.

Zur gleichen Zeit befand sich der Maler Ernst Welker (1784/88–1857) als Gesellschafter und Zeichenlehrer der späteren Schriftstellerin Emilie von Binzer (1801–1891), einer Enkelin der Herzogin von Kurland, in Löbichau. Er portraitierte neben 46 anderen Löbichauer Gästen auch den Herzog von Gotha auf humoristische Art und Weise in Tiergestalt.

Im Handumdrehen das idyllische Leben in Löbichau in eine Hofhaltung verwandelt

„Welcker traf den Herzog vortrefflich als Pfau.“, notierte Emilie von Binzer Jahrzehnte später in ihrer Rückschau „Drei Sommer in Löbichau“. Während sie diesen humorvollen Rückblick auf ihre Jugend im Löbichauer Salon verfasste, betrachtete sie offenbar noch einmal Welkers Portraitzeichnungen, die sie in einer grünen Schachtel aufbewahrte, und schrieb einige Zeilen zu den dargestellten Personen. Die Ankunft des Herzogs beschrieb sie so:

„Im Anfang September traf ein Besuch ein, dessen Erscheinung keinen geringen Rumor in Löbichau machte, es war der Herzog von Gotha. (…) Im Handumdrehen war das idyllische Leben in Löbichau in eine Hofhaltung verwandelt; die Herzogin und ihre Töchter warfen sich in Staat, wir zogen unsere kleidsamsten Gewänder an, denn sonst nannte man Löbichau mit Unrecht einen Hof; …“ (Emilie von Binzer: Drei Sommer in Löbichau. Stuttgart 1877, S. 98)

2014 konnte das Museum Burg Posterstein aus Finanzmitteln des Freistaates Thüringen und der Bürgerstiftung Altenburger Land genau diese einmalige Sammlung kleinformatiger, aquarellierter Portraitzeichnungen erwerben. Von 16. August bis 15. November 2015 werden sie in der Sonderausstellung „Salongeschichten: Paris- Löbichau – Wien“ erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

Der Herzog kommt zur Eröffnung

Zur Ausstellungseröffnung am 16. August, 15 Uhr, hat sich ein ganz besonderer Gast angekündigt: Der Gothaer Schauspieler Ralph-Uwe Heinz, der sonst unter anderem auf historischen Stadtführungen durch Gotha führt, kommt als Herzog von Gotha zur feierlichen Ausstellungseröffnung. Im Stil des Löbichauer Musenhofs wird er auf kurzweilige und witzige Art und Weise Kostproben aus dem schriftstellerischen Schaffen des Herzogs geben. Unser Teaser zur Ausstellung:

Zum Weiterlesen:
Jana Borath fängt am 3. August in der Ostthüringer Zeitung die Stimmung im Tannenfelder Park ein.
“Da steht mein armes Ich aus Stein” – Blogpost zur Sonderausstellung
Blogpost zur Geschichte des Schlosses Tannenfeld
Blogpost: Jean Pauls Sommer in Löbichau
Blogpost: Rittergut Löbichau – Zeitweise 300 Gäste gleichzeitig

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Da steht mein Armes Ich von Stein… Salongeschichten aus dem 19. Jahrhundert auf Burg Posterstein

Böttiger185Der bekannte Schriftsteller und Archäologe Carl August Böttiger (1760–1835) weilte häufig als gern gesehener Gast am Musenhof der Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761–1821) in Löbichau. Der Oberinspektor der Altertumsmuseen in Dresden stand nicht nur mit Goethe und Schiller in regem Briefwechsel, sondern auch mit der Schriftstellerin Elisa von der Recke (1754–1833) – der Halbschwester der Herzogin von Kurland. 1819 oder 1820 portraitierte ihn der Maler Ernst Welker (1784/88–1857) als Torso aus Stein und setzte darunter den Zweizeiler:

Da steht mein armes Ich von Stein
Und tränke gern ein Gläschen Wein.

Ernst Welker kam als Gesellschafter und Zeichenlehrer der späteren Schriftstellerin Emilie von Binzer (1801–1891), damals noch Emilie von Gerschau, nach Löbichau. Diese wiederum reiste zusammen mit ihrer Tante und Pflegemutter Wilhelmine von Sagan (1781–1839), der ältesten Tochter der Herzogin.

Geistiges Zentrum für einen Wimpernschlag der Geschichte

Ende des 18. Jahrhunderts war das kleine Löbichau – nur zwei Kilometer von Posterstein entfernt gelegen – zusammen mit Schloss Tannenfeld ein Zentrum des geistig-kulturellen Lebens in Deutschland. Der Musenhof der Herzogin von Kurland gehörte zu den bekanntesten seiner Art. Einflussreiche Staatsmänner, Dichter, Künstler, Bürgerliche und Adlige zählten zu den regelmäßigen Besuchern.

In der zwanglosen, künstlerischen Atmosphäre dieses Musenhofs müssen Ernst Welker und seine Schülerin Emilie von Gerschau (Binzer) sich den Spaß gemacht haben, von insgesamt 46 Salongästen sowie der Herzogin aquarellierte Portraits in Gestalt von Tieren oder Gegenständen mit Menschenkopf zu fertigen. Spruch und Bild nehmen mal witzig, mal banal Bezug auf die jeweilige historische Persönlichkeit.

Einmalige Portraits – erstmals öffentlich gezeigt

Im Jahr 2014 konnte das Museum Burg Posterstein diese einmalige Sammlung von Portraitzeichnungen der 1819/1820 in Löbichau anwesenden Gäste ankaufen. Die Sammlung aus dem Besitz von Emilie von Binzer wird in der Sonderausstellung „Salongeschichten“ (16. August bis 15. November 2015) und in der zugehörigen Publikation erstmals gezeigt. Die dargestellten Personen werden portraitiert und in den historischen Kontext gestellt.

In ihrem späten Rückblick auf ihre Zeit in Löbichau, dem Buch „Drei Sommer in Löbichau“ aus dem Jahr 1877, beschreibt Emilie von Binzer die anwesenden Gäste ungeschönt, aber doch gutmütig. Über Hofrath Böttiger notierte sie Folgendes:

„Der Archäolog Böttiger war keine anziehende Erscheinung; so wenig er Tieck gefallen hatte, ebenso wenig gefel er Goethe. Dieser sagte einst Jemanden, der es mir wieder erzählt hat: ‚Ich sah auf der Wiese in Karlsbad eine Gestalt, und dachte bei mir: welche Aehnlichkeit mit Böttiger! Endlich kommt sie näher, und ich sehe, daß er es selbst ist. Gottlob, rief ich aus, so existiert er doch nur einmal.’ Frau von der Recke und Tiedge aber waren nicht der Ansicht und hielten ihn hoch […].“ (Emilie von Binzer: Drei Sommer in Löbichau, Stuttgart 1877, S. 89)

Die Eröffnung der Ausstellung findet am 16. August 2015, 15 Uhr, auf Burg Posterstein statt.

Cover_salon_2-214x300Katalog zur Ausstellung:
Salongeschichten. Paris – Löbichau – Wien. Gäste im Salon der Herzogin von Kurland im Porträt des Malers Ernst Welker, Museum Burg Posterstein, 2015. 120 Seiten, farbig, ISBN 978-3-86104-094-1, 15 Euro.



Zum Weiterlesen:
Schloss Löbichau
Hans Fallada & Schloss Tannenfeld
Jean Pauls Sommer in Löbichau

(Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein)

2015 zelebriert das Museum Burg Posterstein ein Lieblingsthema im großen Stil

Sie war schön, gebildet, elegant, wortgewandt und weltoffen. Nach der unglücklchen Ehe mit dem 37 Jahre älteren Herzog kaufte die selbstbewusste Adlige aus dem heutigen Lettland 1794 ein Landgut in der Nähe der Burg Posterstein und ließ die klassizistischen Schlösser Löbichau und Tannenfeld errichten. Ihr kultureller und politischer Salon, der Musenhof Löbichau, avancierte zu einem der bekanntesten seiner Zeit und zog illustre Gäste aus ganz Europa an.

Die Forschung über die Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761-1821) liegt dem Museum Burg Posterstein seit über 25 Jahren besonders am Herzen. Bei der #MuseumWeek geht es heute um #favoritesMW – und Anna Dorothea zählt ganz klar zu unseren Forschungsfavoriten.

Das kleine Löbichau – für Jahrzehnte in der Mitte Europas

Die Löbichauer Sommerresidenz Anna Dorothea von Kurlands lag aus damaliger Sicht günstig, wenn man sich auf dem Weg von Berlin nach Wien oder von Paris ins schöne Karlsbad befand – und Gäste waren immerzu willkommen. Die weltgewandte Herzogin verfügte über hervorragende Kontakte in die höchsten gesellschaftlichen Kreise Europas. Sie weilte als Gast an den Höfen in Berlin, Warschau, Neapel, St. Petersburg, Wien und Paris, eine Privataudienz beim Papst nicht zu vergessen.

Schloss Löbichau ((c) Museum Burg Posterstein)
Schloss Löbichau (Museum Burg Posterstein)

Der weibliche Anteil an der Gestaltung der europäischen Geschichte im 19. Jahrhundert

Anna Dorothea von Kurland war bekannt mit den einflussreichsten Männern ihrer Zeit: Metternich, Alexander I., Friedrich Wilhelm III., Napoleon und Talleyrand kannte sie persönlich. Dieser Umstand ermöglichte ihr einen ganz speziellen Anteil an der Gestaltung europäischer Geschichte.

25 Jahre Forschung neu präsentiert

Die Herzogin als treuer Pudel - eine Zeichnung von Ernst Welker (Museum Burg Posterstein)
Die Herzogin als treuer Pudel – eine Zeichnung von Ernst Welker (Museum Burg Posterstein)
Die Herzogin als treuer Pudel – eine Zeichnung von Ernst Welker (Museum Burg Posterstein)[/caption]2015 jährt sich nicht nur der Wiener Kongress, den die politisch interessierte Herzogin mit Interesse verfolgte, zum 200. Mal. Das Museum Burg Posterstein möchte in diesem Sommer auch die bestehende Dauerausstellung zum Musenhof Löbichau und der Salonkultur Europas neu arrangiert und modernisiert präsentieren. Vorhandene Forschungsergebnisse sollen langfristig auf einer selbstständigen digitalen Plattform einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Gleichzeitig präsentiert das Museum die 2014 über eine Landesförderung und mit Unterstützung der Bürgerstiftung Altenburger Land erworbene einmalige Sammlung von Portraits der 1819 in Löbichau anwesenden Gäste – 47 aquarellierte Zeichnungen von Ernst Welker (1788-1857) und Emilie von Binzer (1801-1891) – in der Sonderausstellung “Salongeschichten”.

Ausführliche Informationen zur Forschung über den Musenhof Löbichau gibt es auf der Website des Museums.

Hier findet ihr die neusten Tweets & Statistiken zur #MuseumWeek.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein