Auftragskunst in der DDR – das Wandbild “Friedliche Nutzung der Atomenergie”

Wandbild "Friedliche Nutzung der Atomenergie" von Petzold

In der DDR sah es die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) als Aufgabe der bildenden Kunst an, politisch-ideologische Botschaften zu vermitteln. Es ging um nichts weniger als Volksaufklärung zu leisten und idealisierte Gesellschaftsbilder zu propagieren sowie Fortschrittsutopien zu illustrieren. Entsprechende Richtlinien galten für alle Kulturabteilungen in größeren Betrieben und Organisationen. Man versprach sich mit der Auftragskunst Künstler und Werktätige zusammenzubringen, dem „sozialistischen Realismus“ zum Durchbruch zu verhelfen und das Schaffen der Künstler zu kontrollieren. Dies ist Teil 6 unserer mitwachsenden, digitalen Begleitausstellung “Landschaft nach der Wismut”.

Wandbild "Friedliche Nutzung der Atomenergie" von Petzold
Das Wandbild “Friedliche Nutzung der Atomenergie” von Werner Petzold steht heute nicht mehr an seinem Ursprungsort.

Im öffentlichen Raum galt die Einflussnahme als besonders wichtig, denn gerade hier sahen es alle und die Kunst konnte ihre erzieherische Wirkung am besten entfalten. Angestrebt wurde nach dem sowjetischen Vorbild des „Neuen Bauens“ eine Einheit von Architektur und Kunst. Dahinter stand die Erwartung, dass Kunst gerade an stark frequentierten Gebäuden am besten ihre erzieherische Funktion erfüllen könne. Besichtigen kann man diese Kunst am Bau beispielsweise an Wandbildern von Plattenbausiedlungen.

Die Wismut als einer der größten und wichtigsten Staatsbetriebe gehörte auch zu den größten Auftraggebern für Künstler. Das Verwaltungsgebäude in Paitzdorf war also geradezu prädestiniert für ein Werk der „Kunst am Bau“.

Die Kunstsammlung der Wismut GmbH

Der Gesamtbestand der Kunstsammlung der Wismut umfasst 4.028 Werke, darunter 259 Gemälde. Eine ausführliche Beschreibung der Kunstsammlung der Wismut findet man auf der Webseite „Bildatlas: Kunst in der DDR“ – ein Verbundprojekt gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung: https://www.bildatlas-ddr-kunst.de/collection/25  (1)

Die Sammlung lagert bis heute in den Depots der Wismut GmbH. Verschiedene Bemühungen, einen endgültigen Standort für Ausstellung und Lagerung zu finden, haben bisher noch kein Ergebnis gezeitigt.

In der Ausstellung „Sonnensucher! – Die Kunstsammlung der Wismut. Eine Bestandsaufnahme“ befasste sich die Kunstsammlung Gera im April 2014 mit den staatlichen Auftragswerken der Wismut. Die Stadt Gera zeigt seither Interesse daran, die Sammlung zu übernehmen. Konkrete Umsetzungspläne oder ein dafür geeignetes Gebäude gibt es aber (noch) nicht.

Friedliche Nutzung der Atomenergie – ein monumentales Wandbild auf der grünen Wiese

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Friedliche Nutzung der Atomenergie, Werner Petzold, (geb. 1940), Wandbild auf Industrieemaille gemalt und gebrannt, 1974 (Foto: Museum Burg Posterstein, 2020)

Das Werk propagiert eine Wirklichkeit, die es so nie gab. Die Werke des „Sozialistischen Realismus“ sollten nicht die Realität abbilden, sondern den Sozialismus präsentieren und dessen Ziele veranschaulichen. Eine politisch kontrollierte Gradwanderung für den Künstler und sein Werk.

Verwaltungsgebäude Paitzdorf ©Foto Karl-Heinz Rothenberger in der Ausstellung „Landschaft nach der Wismut“, im Museum Burg Posterstein 2020.
Verwaltungsgebäude Paitzdorf ©Foto Karl-Heinz Rothenberger in der Ausstellung „Landschaft nach der Wismut“, im Museum Burg Posterstein 2020.

Von 1974 bis zum Rückbau des Bergbaubetriebes ab 2006 zierte Werner Petzolds Wandbild „Friedliche Nutzung der Atomenergie“ auf einer Fläche von 16 m Höhe und 12 m Breite das Hauptgebäude des Bergbaubetriebes Paitzdorf bei Ronneburg. Es besteht aus 384 Teilen von je 100 x 50 cm, von denen je acht Stück ein Segment bilden und die an der Fassade montiert wurden.

Die Demontage und der Wiederaufbau des Wandbilds

Kurze Informationen und einige wenige Fotos über die Demontage 2006 und den darauffolgenden Abbruch des Gebäudes findet man auf der Webseite der Wismut GmbH unter der Überschrift: Wandbild am ehemaligen Verwaltungsgebäude der Niederlassung Ronneburg demontiertAbbruch des ehemaligen Verwaltungsgebäudes Paitzdorf begonnen.

Nach den Jahren im Depot wurde es 2009 als Teil der „Resurrektion Aurora“, der Wiederbelebung des Areals um die Halde Beerwalde und den Förderturm Löbichau (ehemaliger Bergbaubetrieb Drosen der SDAG Wismut) im Zuge der Bundesgartenschau 2007, neu aufgestellt.

Unumstritten war die Unternehmung nicht. Folgte das Ganze doch eher einer Zufälligkeit als einem Plan, als der damalige Landrat des Landkreises Altenburger Land, Sieghardt Rydzewski, von der Geschäftsleitung der Wismut GmbH angesprochen wurde, ob er eine Verwendung für das Kunstwerk hätte. Man entschied sich für eine Aufstellung auf freiem Feld. Dafür musste eigens eine Stahlkonstruktion entworfen werden. Die Kosten für die Aufstellung des Bildes betrugen 130.000 Euro. Fünf Texttafeln vor Ort sowie eine Publikation, verfasst von Dr. Kristin Jahn, setzen das Wandbild in Bezug zur Geschichte und zum jetzigen Standort.

Friedliche Nutzung der Atomenergie: Werner Petzold,  Wandbild, 1974 (Foto: Museum Burg Posterstein, 2020)
Friedliche Nutzung der Atomenergie: Werner Petzold,  Wandbild, 1974 (Foto: Museum Burg Posterstein, 2020)

Werner Petzold (geb. 1940) wurde 1970 der SDAG Wismut in Paitzdorf als Künstler zugeteilt. (2) Um von seiner Kunst leben zu können, nahm er, wie viele Auftragskünstler in der DDR, das Arrangement mit dem Staat in Kauf. Eine 15-köpfige Kommission der SDAG Wismut prüfte jeden Entwurf Petzolds bis hin zum fertigen Bild.

Das Werk polarisiert, da die friedliche Nutzung des abgebauten Urans zur Energiegewinnung zwar propagiert, ein großer Teil des Erzes aber als Reparationsleistung resultierend aus dem Zweiten Weltkrieg in die Sowjetunion gebracht wurde. Dort fand es zum Wettrüsten der Großmächte im Kalten Krieg Verwendung. Dafür wurde nicht nur wissentlich Raubbau an der Natur betrieben, sondern auch gesundheitliche Schäden der Arbeiter in Kauf genommen. Angesichts hoher Löhne, Zusatzvergütungen und einem hohen Grad an Kollegialität akzeptierten auch die Arbeiter dieses Tabu. Viele bezahlten am Ende mit ihrem Leben. Allein bis 1991 lagen 5237 anerkannte Fälle von Bronchialkarzinomen aufgrund der Arbeit in den Uranbergwerken der SDAG Wismut vor.

Fünf Texttafeln Vorort sowie eine Publikation, verfasst von Dr. Kristin Jahn, setzen das Wandbild in Bezug zur Geschichte des Bergbaus und zum jetzigen Standort. Die Tafeltexte sind in der Publikation abgedruckt.
Fünf Texttafeln Vorort sowie eine Publikation, verfasst von Dr. Kristin Jahn, setzen das Wandbild in Bezug zur Geschichte des Bergbaus und zum jetzigen Standort. Die Tafeltexte sind in der Publikation abgedruckt.

Dr. Kristin Jahn äußerte sich in einem Interview anlässlich der Eröffnung 2007:

 „Die Errichtung des Wandbildes in neuer Umgebung, im Zwiegespräch mit anderen Kunstwerken, war der Schritt dahin, nicht einfach „Gras über die Vergangenheit wachsen zu lassen“. Seine Aufstellung regt bis heute zur Diskussion an. Das Werk selbst ist Erinnerung und Mahnmal zugleich. Wenn man leugnet, mit welchen Lügen wir leben mussten, dann mag man dieses Bild verbannen und sich eine schöne, neue Welt mit unverfänglicher Kunst zusammenstellen. Wenn man sich dem Schmerz der Geschichtsaufarbeitung nicht aussetzen will, dann ist es leichter, diese Kunst ins Archiv zu stellen. Die Sache ist nur, dass wir dann auch immer einen Teil unserer Geschichte, der Biographien von Menschen in den Keller des Vergessens verbannen, dass wir dann nichts aus der Geschichte lernen wollen, sondern nur noch leben von Tag zu Tag, so als hätte es das alles nie gegeben – auch die Fehler nicht.“

Dr. Kristin Jahn

Das Buch zum Wandbild: „Friedliche Nutzung der Atomenergie“ von Dr. Kristin Jahn kann man für 5,00 Euro, zzgl. Versandkosten im Museum Burg Posterstein bestellen.

Literatur und Quellen

(1)
„Bildatlas: Kunst in der DDR“ – ein Verbundprojekt gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung: https://www.bildatlas-ddr-kunst.de/collection/25

(2)
Fichtner, Lutz: Die Industrie als Kunstmäzen und Auftraggeber in der Deutschen Demokratischen Republik. Die sowjetisch-Deutsche Aktiengesellschaft (SDAG) Wismut, erschienen in: Europäische Hochschulschriften, Kunstgeschichte, Reihe XXVIII, Bd./Vol.49, Frankfurt/M. 2005, S.111f. : 4.3. Die 1970er Jahre – Werner Petzold

(3)
Kristin Jahn: „Friedliche Nutzung der Atomenergie“: Dokumentation zu dem Wandbild Werner Petzolds, Altenburg 2009

(4)
Sonnensucher! Die Kunstsammlung der Wismut. Eine Bestandsaufnahme. 8. Februar-21. April 2014, Kunstsammlung Gera, Katalog zur Ausstellung
Siehe auch: https://www.gera.de/sixcms/detail.php?id=180640

(5)
Webseite Werner Petzold: http://www.wernerpetzold.de/biografie.html

(6)
Wismut GmbH:

http://www.wernerpetzold.de/biografie.html

https://www.wismut.de/de/wismut-news.php?id=894&year=2007&back=suche.php%3Fq%3DPetzold%26w%3Dall%26index%3D0

Wiedereinweihung des Großbildes “Die friedliche Nutzung der Kernenergie” in Löbichau:

https://www.altenburgerland.de/sixcms/detail.php?id=116172

(7)
Müller-Spreitz, Annette, Dr.: „In der Teufe“ von Werner Petzold, 1975, Öl auf Hartfaser, in: Dialog, Zeitschrift der Wismut GmbH, Nr.106, S. 26.

Hier ist ein anderes Beispiel für ein Gemälde von Petzold aus der Kunstsammlung der Wismut abgebildet und beschrieben.

Uranerzbergbau in Sachsen und Thüringen: die Sanierung der Hinterlassenschaften

Abtragung der Kegelhalden Paitzdorf ©Jan-Peter Kasper, 2005
Abtragung der Kegelhalden Paitzdorf ©Jan-Peter Kasper, 2005

Spätestens nach der Katastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 verbreitete sich überall in Deutschland und Europa die Angst davor, dass radioaktive Belastungen in der Umwelt zu Gesundheitsschäden führen können. In der DDR war das weiterhin kein Thema und Informationen darüber nicht öffentlich zugänglich. So blieben auch die Wismut und der Uranbergbau bis zum Ende der DDR ein Tabuthema. 1990 endete mit der deutschen Wiedervereinigung 40 Jahre Uranabbau in Thüringen und Sachsen – einer der größten Uranproduzenten weltweit. Teil 5 unserer mitwachsenden, digitalen Begleitausstellung “Landschaft nach der Wismut” erzählt von der Sanierung der Bergbau-Landschaft.

Die deutsch-deutsche Wiedervereinigung beendete 1990 den Uranabbau in Thüringen und Sachsen. Bis dahin förderte die SDAG Wismut als Reparationsleistung nach dem Zweiten Weltkrieg für das sowjetische, hauptsächlich militärische Atomprogramm rund 220.000 Tonnen Uran. Damit war die „Wismut“, nach den USA und Kanada, einer der größten Uranproduzenten weltweit. Die Geschichte dieses Bergbaus erzählt Teil 3 unserer Blog-Serie.

Zerklüftete Landschaften und Plattenbau-Siedlungen

Geblieben aber waren die Hinterlassenschaften des Bergbaus. 1991 übernahm die Bundesrepublik Deutschland den sowjetischen Anteil der SDAG Wismut und überführte den ganzen Betrieb in das Sanierungsunternehmen Wismut GmbH.

Sichtbare Zeugnisse waren stillgelegte Bergwerke, zerklüftete Landschaften, aufgeschüttete Kegel- und andere Halden, stillgelegte Tagebaue, Bohrlöcher auf den Feldern und verunreinigte Flüsse. Nicht zu vergessen sind auch die Plattenbausiedlungen an den Rändern der Städte, die vorwiegend von Bergarbeitern bewohnt waren.

Umlagerung der Halden in den Tagebau Lichtenberg ©Knut Lechner, um 2006
Umlagerung der Halden in den Tagebau Lichtenberg ©Knut Lechner, um 2006

Die Wismut GmbH erhielt vom Bund den Auftrag, die Bergbauhinterlassenschaften zu sanieren. Ein Teil der Bergleute arbeitete in den Sanierungsbetrieben weiter, andere wurden abgefunden und mussten sich neue Arbeit suchen. Die Arbeitslosigkeit in der Region stieg (allerdings nicht nur wegen der Einstellung des Bergbaus) in der Mitte der 1990er Jahre sprunghaft auf etwa 25 Prozent an. Die Unzufriedenheit über die zerstörte oder nicht anerkannte Lebensleistung dauert bei manchem ehemaligen Wismutkumpel bis heute an.

Die Sanierung seit 1991

„Das Sanierungsprojekt Wismut ist, auch im internationalen Vergleich, ein einmaliges Großprojekt im Bergbau und des Umweltschutzes.“ steht auf der Webseite des Unternehmens zu lesen.

©Knut Lechner, um 2006
Der Haldentransport von Paitzdorf in den Tagebau Lichtenberg konnte von einer Aussichtsplattform aus beobachtet werden. ©Knut Lechner, um 2006

Bis 2019 wurden vom Bund 6,9 Milliarden Euro in die Sanierung der Bergbaugebiete in Thüringen und Sachsen investiert. Die schiere Dimension der Aufgabe soll die nachfolgende Auflistung verdeutlichen. Die Angaben sind der Webseite der Wismut GmbH entnommen:

Die Sanierung – in Zahlen
Untertage: 1500 km offene Grubenbaue,
Übertage: 2600 ha Fläche,
58 Halden und 311 Mio. m³ Haldenmaterial,
4 industrielle Absatzanlagen
und 160 Mio. m³ radioaktive Schlämme.

Schwerpunkte der Sanierung
Stilllegung der Bergwerke,
Flutung der Gruben,
Wasserreinigung,
Demontage und Abbruch von Anlagen und Gebäuden,
Sanierung von Halden und Schlammteichen,
Umweltüberwachung.

Stand der Sanierung 2020
Derzeit sind zwischen 80 und 90 Prozent der Altlasten saniert.

Der Haldentransport von Paitzdorf in den Tagebau Lichtenberg konnte von einer Aussichtsplattform aus beobachtet werden. ©Knut Lechner, um 2006
Der Haldentransport von Paitzdorf in den Tagebau Lichtenberg konnte von einer Aussichtsplattform aus beobachtet werden. ©Knut Lechner, um 2006

Im Laufe der Jahre verschwanden die Kegelhalden Paitzdorf und Reust im Tagebau Lichtenberg, der damit verfüllt wurde. Untertageanlagen wurden versetzt, gesichert und geflutet, Wasseraufbereitungsanlagen errichtet und die Schachtgebäude rückgebaut.

Die Einzelheiten und technischen Details sind ausführlich auf der Webseite der Wismut GmbH nachzulesen oder können in einem Videofilm nachvollzogen werden.

Beides veranschaulicht die Komplexität der Aufgaben eindrücklich.

Sanierung der Halde Beerwalde ©Knut Lechner, 2002
Sanierung der Halde Beerwalde ©Knut Lechner, 2002

Die Sanierungsleistungen, die seither erbracht wurden, sind beeindruckend.

Allerdings stellt sich rückblickend doch die Frage, warum nicht die Sanierung der Hinterlassenschaften der Wismut mit der Ansiedlung von Zukunftstechnologien verbunden wurde. Große Flächen standen dafür zur Verfügung. Sicherlich war es nicht Auftrag der Wismut GmbH, aber eine einmalige Chance ist vertan. Bleibt zu hoffen, dass bei dem bevorstehenden Kohleausstieg in der Lausitz und im Rheinland anders verfahren wird.

Bundesgartenschau in Vorbereitung: Blick auf das Buga Gelände Ronneburg Frühjahr 2006, ©Knut Lechner, 2006
Bundesgartenschau in Vorbereitung: Blick auf das Buga Gelände Ronneburg Frühjahr 2006, ©Knut Lechner, 2006

Stattdessen wurden in den 1990er Jahren von den angrenzenden Kommunen zwar Gewerbeparks nach herkömmlichen Vorbild mit viel Fördergeld geschaffen, diese konnten aber den Bedarf an Arbeitsplätzen bei Weitem nicht decken. Letztendlich gelang es, die Bundesgartenschau 2007 nach Gera und Ronneburg zu holen. Im Zuge der Vorbereitung erfuhren die ehemaligen Bergbauflächen zumindest eine neue landschaftliche Nutzung, die durchaus  gelungen ist.

Die Bundesgartenschau in Ronneburg und Gera

2007 präsentierte die Bundesgartenschau Gera Ronneburg (BUGA) von April bis Oktober die sanierten und neu gestalteten Gebiete „Neue Landschaft Ronneburg“, Stadtpark Ronneburg und Hofwiesenpark Gera.

Die "Neue Landschaft Ronneburg" zur Bundesgartenschau 2007, © Petra Nienhold 2007
Die “Neue Landschaft Ronneburg” zur Bundesgartenschau 2007, © Petra Nienhold 2007
Die "Neue Landschaft Ronneburg" zur Bundesgartenschau 2007, © Petra Nienhold 2007
Die “Neue Landschaft Ronneburg” zur Bundesgartenschau 2007, © Petra Nienhold 2007
Die "Neue Landschaft Ronneburg" zur Bundesgartenschau 2007, © Petra Nienhold 2007
Die “Neue Landschaft Ronneburg” zur Bundesgartenschau 2007, © Petra Nienhold 2007

Ausflugs-Tipps

Ausstellung im „Objekt 90“
Die Ausstellung im „Objekt 90“ der Wismut GmbH zeigt alle Etappen der Wismut-Geschichte von der Anfangszeit des weltweit viertgrößten Uranerzproduzenten bis hin zur Sanierung der Hinterlassenschaften.

Hier geht’s zum Videofilm

Öffnungszeiten: Donnerstag – Sonntag, 13-17 Uhr
Anfahrt: Weidaer Straße, 07580 Ronneburg


Die “Neue Landschaft Ronneburg” 2020, © Marlene Hofmann, 2020

„Neue Landschaft“ Ronneburg
Die „Neue Landschaft“ Ronneburg ist ein Areal von rund 800 Hektar im ehemaligen Bergbau-Revier um Ronneburg, das vom Gessental, der Schmirchauer Höhe bis zum Reuster Turm reicht. Dazu gehören u.a. „Objekt 90“ und die Erlebnisbrücke „Drachenschwanz“.  

Öffnungszeiten: Sonnenaufgang bis Untergang
Parkplätze: Grobsdorfer Straße und in der Forststraße


Das Monumentalbild „Friedliche Nutzung der Atomenergie“ © Marlene Hofmann, 2020
Das Monumentalbild „Friedliche Nutzung der Atomenergie“ © Marlene Hofmann, 2020

Kulturlandschaft Resurrektion Aurora
Ein Radweg verbindet u.a. den ehemaligen Schacht Korbußen, die Halde Beerwalde, das Monumentalbild „Friedliche Nutzung der Atomenergie“ und das Bergbaudenkmal „Fördergerüst Schacht 403 Drosen“.


Bergstadt Ronneburg
Der Uranerzbergbau wurde übertägig bis an die Stadtgrenzen herangeführt, bzw. unter Teilen des Stadtgebietes durchgeführt. Von der Geschichte zeugen u.a. noch das Schaubergwerk und der „Schacht 407“.

Ausführliche Informationen hat der Bergbauverein Ronneburg e.V. aufbereitet. Hier gelangen Sie zur Website des Vereins.

Blick vom „Bismarkturm“ auf dem Reuster Berg zum ehemaligen Bergbaugebiet. ©Klaus Hofmann, 2009
Blick vom „Bismarkturm“ auf dem Reuster Berg zum ehemaligen Bergbaugebiet. ©Klaus Hofmann, 2009

Zusammengefasst von Klaus Hofmann


Weiterführende Informationen

DVD Blackbox
Worüber das Gras wächst- Zeitzeugen berichten.
Erinnerungen an den Wismutbergbau
von Gunter Auer und Dr. Kristin Jahn, 2007
Der Film kann im Museum für 5,00 zzgl. Versandkosten bestellt werden.

URANATLAS, Daten und Fakten über den Rohstoff des Atomzeitalters:
Die Altlast der Wismut, Uranbergbau in Sachsen und Thüringen: Fast vergessen, mit Milliardenaufwand saniert, aber immer noch ein Problem, Seite 30/31
Der URANATLAS ist ein Kooperationsprojekt und wird gemeinsam von Le Monde diplomatique, der Nuclear Free Future Foundation, der Rosa-Luxemburg-Stiftung sowie dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland herausgegeben. 1. Auflage: September 2019
Hier geht’s zum Download

#HeritageMW: Gemeinsam nicht einsam: Vom neuen Leben auf dem Burgberg Posterstein – Teil III

Es ist schon fast eine Tradition geworden, dass das Museum Burg Posterstein zur #MuseumsWeek die Entwicklungen auf dem Burgberg zum Thema nimmt und einen Blick auf das Projekt „Gemeinsam nicht einsam- neues Leben auf dem Land“ wirft. Und es hat sich einiges getan!

Seit Sommer 2016 laufen die Arbeiten am historischen Herrenhaus des ehemaligen Rittergutes Posterstein. Das Zukunftsprojekt „Gemeinsam nicht einsam – neues Leben auf dem Lande“ wird vom Amt für Landentwicklung und Flurneuordnung Gera mit Fördermitteln der integrierten ländlichen Entwicklung, hier Dorferneuerung/Dorfentwicklung, unterstützt. Der Fördermittelbescheid über 1,8 Millionen Euro wurde am 17. August offiziell überreicht. Gefördert wird das Projekt auch vom Freistaat Thüringen und dem Bund.

Seit diesem ersten großen Schritt wurde fleißig gebaut. Der gesamte Dachstuhl ist saniert, das Dach neu gedeckt, neue Fenster wurden eingesetzt und die neuen Wohnung nehmen Form an.

Offenes Herrenhaus Posterstein am Internationalen Museumstag 2017
Offenes Herrenhaus Posterstein am Internationalen Museumstag 2017

Projekt “Gemeinsam nicht einsam”: Wie der Stein ins Rollen kam

Seit 1993 stehen die verbliebenen Gebäude des Postersteiner Ritterguts, direkt neben der Burg Posterstein, leer. Am 14. Oktober 2015 gründete sich der Förderverein Burgberg Posterstein e.V. und kaufte die Gebäude mit dem Ziel zurück, diese zu sanieren und eine nachhaltige Nutzung für sie zu finden. Das Herrenhaus des ehemaligen Ritterguts Posterstein wurde im Zuge der Bodenreform 1945 enteignet. Erstmalig bot sich 2015 die Chance zum Rückkauf des Herrenhauses sowie der verbleibenden Rittergutsgebäude. Mit Geldern der Thüringer Staatskanzlei wurde eine Machbarkeitsstudie für die Realisierung des Konzepts „Gemeinsam nicht einsam“ in Auftrag gegeben. Parallel kam die Notsicherung des Gebäudes im Gange.

Das Rittergut Posterstein um 1900, Museum Burg Posterstein
Das Rittergut Posterstein um 1900, Museum Burg Posterstein

Die Gemeinde Posterstein möchte das historische Herrenhaus bis 2018 in mehreren Bauabschnitten sanieren und ausbauen. Es soll eine Nutzungsmischung aus Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Tourismus entstehen, darunter acht Wohnungen, zwei Ferienwohnungen, ein Treffpunkt für Vereine und vieles mehr.

Das Gut, auf dem Hans Fallada das Kartoffelzüchten lernte

Die Geschichte des Postersteiner Ritterguts ist eng verknüpft mit der der Burg Posterstein. Die letzten Rittergutsbesitzer (1833-1945) waren die Familie Herrmann. Ein berühmter „Eleve“ in dem landwirtschaftlichen Betrieb war von 1913 bis 1915 Rudolf Ditzen, der hier seine Ausbildung zum Landwirt – mit Spezialisierung auf die Kartoffelzüchtung – absolvierte. Viel bekannter ist der spätere Schriftsteller unter seinem Künstlernamen Hans Fallada.

Führung im historischen Herrenhaus zum internationalen Museumstag 2017.
Führung im historischen Herrenhaus zum internationalen Museumstag 2017.

Während der beiden Weltkriege wurde Posterstein nicht zerstört. Dennoch endete der Zweite Weltkrieg mit der bislang schwerwiegendsten Veränderung: Die Grundherrschaft Posterstein hörte auf zu bestehen. Mit der Durchsetzung der Bodenreform in Thüringen wurde am Anfang des Jahres 1946 das 192 Hektar große Rittergut enteignet, die Grundfläche aufgeteilt und Teile der Wirtschaftsgebäude abgerissen. Der letzte Rittergutsbesitzer Kurt Herrmann (1905-1986) siedelte nach der Ausweisung zwangsweise nach Westdeutschland um. In Burg und Herrenhaus quartierte man nach Kriegsende zunächst Flüchtlinge ein, die ihr Hab und Gut im Osten verloren hatten. Später wurde im Herrenhaus ein Kinderheim (1956-1992) und in der Burg ein Museum eingerichtet.

Ein Fundstück unter den Dielen

Bevor die Familie Herrmann das Rittergut Posterstein 1833 kaufte, gehörte es der Familie Flemming. Der kursächsische Generalfeldmarschall und Reichsgraf Jakob Heinrich von Flemming (1667–1728) hatte 1724 die Besitzungen Posterstein und Vollmershain für 124 000 Taler gekauft. Obwohl die Familie Flemming in Posterstein nur sehr wenig Zeit verbrachte, wurden doch erhebliche Investitionen getätigt. Den Familienbesitz führte sie bis 1833 weiter.

Während der Bauarbeiten unter den Dielen gefunden: Ein Dokument von 1730.
Während der Bauarbeiten unter den Dielen gefunden: Ein Dokument von 1730.

Aus dieser Zeit stammt auch ein außergewöhnliches Fundstück, dass die Arbeiten am Dachstuhl des Herrenhauses zu Tage förderten: Ein Schriftstück, das auf das Jahr 1730 datiert ist.

Das Dokument hat die Maße 20 x 32 cm, trägt das Siegel des Gerichtsinspektors Christian Schmidt und umfasst insgesamt vier Blätter. Dennoch scheint es ein Fragment zu sein. Auf der ersten Seite ist die Nummerierung „No: II.“ zu lesen. Ein möglicher erster Teil blieb allerdings bisher unentdeckt. Bei der gefunden Urkunde handelt es sich um die Abschrift eines Vergleichs von 1677 zwischen Georg Dietrich von Pflugk (1640–1705) auf Posterstein, und Marie Elisabeth von Schleinitz, geborene Bünau, auf Blankenhain.

Die Urkunde beinhaltet eine Vereinbarung der beiden Partein über das Schank- und das Wegerecht auf den Geleitsstraßen unter Pflugks Aufsicht und über ein entsprechendes Wegegeld. Die Abschrift ist vom Gerichtsinspektor Christian Schmidt beglaubigt, gesiegelt und auf „Blankenhayn, den 12.Jul. 1730“ datiert. Das Original vom „29. Jan: Anno 1677“ wurde laut Schmidt „Wort zu Wort“ übertragen.
Dieses außergewöhnliche Zeugnis der Postersteiner Geschichte blieb bis jetzt das einzige Fundstück seiner Art.

Die Umgestaltung des Burgbergs ist in vollem Gange

Die Besucher von Posterstein können den Fortschritt des Bauprojekts direkt vor der Burg deutlich sehen. 2017 steht der Innenausbau im Fokus. Das Zukunftsprojekt ist vom Thüringer Ministerium für Infrastruktur ausgewählt als eines von vier „Modelprojekten der Regionalentwicklung – Daseinsvorsorge im demografischen Wandel“. Die Fördermittel stehen bereit und die Umsetzung beginnt. So rückt das Ziel des Vorhabens, den Burgberg wieder mit Leben zu erfüllen, eine Nutzungsmischung aus Wohnen, Arbeiten und Freizeit/Tourismus zu etablieren und so Posterstein als Wohn-, Arbeits-, Sozial-, und Kulturraum zu erhalten und weiter zu entwickeln in immer greifbarerer Nähe.

Von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

Bauarbeiten machen “Geheimtreppe” Besucher zugänglich

Unser Beitrag zur Kultur-Blogparade 2013 der Residenz München !

Auf Burg Posterstein gibt es eine versteckte Treppe, die normalerweise für Besucher nicht zugänglich ist: Verdeckt von einem zimmerhohen Schrank führte die “Geheimtreppe” vom ehemaligen Gerichtszimmer der Burgherren hinab in die Küche, auf den Hof und in den „Unteren Saal“; und von dort weiter in einen Kellerbereich. Früher diente dieser Gang möglicherweise als Fluchtweg, heute endet der Weg bereits in der eine Etage tiefer liegenden Galerie.

Die "Geheimtreppe" auf Burg Posterstein
Die “Geheimtreppe” auf Burg Posterstein (c) Museum Burg Posterstein

Bei normalem Ausstellungsbetrieb können Besucher nur einen Blick in den Schrank hineinwerfen. Allenfalls den mehr als 2000 kleinen Rittern und Burgfräuleins, die jedes Jahr mit ihren Schulklassen und Geburtstagsgästen mit den Burggeistern Posti & Stein auf Erkundungstour gehen, erlauben die Burggespenster den Aufstieg durch die Geheimtreppe.

Nein, hier hat nicht Christo verhüllt: Bauarbeiten auf Burg Posterstein im Februar 2013
Nein, hier hat nicht Christo verhüllt: Bauarbeiten auf Burg Posterstein im Februar 2013

Bis Ende Februar finden jedoch Bauarbeiten in der Oberen Halle und dem Bergfried der Burg Posterstein statt – und dann werden alle Besucher den verdeckten Eingang nutzen müssen. Bei den Bauarbeiten sollen nicht nur die zum letzten Mal vor 20 Jahren restaurierten Räume saniert werden, sondern auch gleich noch die Risse, die beim großen mitteldeutschen Erdbeben 1872 im Turm entstanden sind, verschlossen werden. Im Video des freien Journalisten Gunter Auer (unten) erklärt Museumsdirektor Klaus Hofmann u. a. die Restaurierungspläne.

Während die Handwerker arbeiten, läuft der Museumsbetrieb normal weiter und die Dauerausstellungen können besichtigt werden. Im Gerichtsraum wird geheiratet, die Burggeister führen weiter Kinder durch die Burg und im Büro werden die nächsten großen Sonderausstellungen vorbereitet, zum Beispiel die zum 200. Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig, die am 1. September beginnt.

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Burg Posterstein – Rückblick 2012 und Vorschau 2013 // Posterstein castle – retrospect 2012 and preview 2013 from Burg Posterstein on Vimeo.

Dann sollen Napoleon-Karikaturen gezeigt und die Forschungsergebnisse verschiedener regionaler Historiker über die Ereignisse und die handelnden Personen des Jahres 1813 vorgestellt werden. – Schließlich waren sowohl die Region um Altenburg als auch der Kreis um die Herzogin von Kurland unmittelbar von dem in Leipzig stattgefundenen Kriegsgeschehen betroffen. In Altenburg selbst hielten sich kurz vor und während der Schlacht die Herrscher und führende Generäle der antinapoleonischen Allianz auf. Friedrich Arnold Brockhaus gab in Altenburg die Deutschen Blätter heraus und war damit Kriegsberichterstatter im Auftrag des Oberbefehlshabers der Alleierten Armeen Fürst Schwarzenberg. Eine Publikation zur Ausstellung wird ebenfalls erscheinen, für die gerade Recherchearbeiten in Wiener Archiven stattfanden.

Weitere Informationen: www.burg-posterstein.de

Von Marlene Hofmann, Museum Burg Posterstein

Beitrag zur Blogparade 2013 der Residenz München