im Video-Interview aus dem Jahr 2005 trug die Künstlerin Luise Neupert einen ihrer erheiternden Limericks vor: „Da reist eine Dame nach Athen. | Die wollt mal nach den Eulen sehen. | Das hat sie nicht bereut. | Die Eulen hat’s gefreut, | mal eine nackige Dame zu seh’n.“ Dazu bemerkte die Künstlerin trocken: „Das kommt alles davon, dass mein Mann und ich ein Berufsleben Unterwäsche fotografiert haben.“
Wer Luise Neupert im Original hören möchte, kann das auf unserem YouTube-Kanal tun.
Luise Neupert, geboren als Elise Luise Keil am 14. September 1926 in Chemnitz, studierte unter anderem in der Fachrichtung Werbewesen an der Kunstgewerbeschule Leipzig und an der renommierten Staatlichen Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, in der Fachrichtung Grafik bei Elisabeth Voigt, Max Schwimmer, Kurt Magritz und Egon Pruggmeyer. Ihrem Studienkollegen Wolfgang Mattheuer blieb sie auch nach der Studienzeit freundschaftlich verbunden.
Besucher in der Sonderschau mit Scherenschnitt von Luise Neupert (Foto: Hannes Menzer)
An der Leipziger Hochschule traf Luise Neupert auf ihren Kommilitonen Hans Neupert (1920–2019), den sie 1952 heiratete. Mit ihm zusammen zog sie in dessen Heimatstadt ins Thüringische Schmölln, wo sie bis zu ihrem Tod am 31. Juli 2009 lebte. Gemeinsam gestalteten sie Gebrauchsgrafik in ihrem unverkennbaren Stil. Leicht bekleidete Tänzerinnen, Nixen, Nymphen und elegante Damen wie auch Herren hielten Einzug in die Werbung und den Scherenschnitt. Witz und Erotik wurden zum Markenzeichen des Paares.
Besucher in der Sonderschau mit Gebrauchsgrafik von Hans und Luise Neupert im Vordergrund (Foto: Hannes Menzer)
So sind in der Kabinett-Ausstellung „Mehr als Schwarz und Weiß: Nackte Nymphen und scharfe Schnitte“ auf Burg Posterstein neben knapp 60 originalen Scherenschnitten von Luise Neupert auch werbegrafische Arbeiten des Ehepaares Neupert zu sehen. Darunter sind beispielsweise Werbekalender, Verpackungen und Broschüren für verschiedene Firmen aus der Sammlung des Museums für Angewandte Kunst Gera. Gemeinsam mit Hans Neupert gestaltete sie später die Messeauftritte und Werbeprodukte wichtiger Handelsunternehmen der DDR, darunter Wiratex, AKA-Electric, MALIMO, Zeiss-Jena, Lucie Kaiser Altenburg, Wolle&Seide Meerane und Chemiefaserkombinat Schwarza. Eingang in die Ausstellung fanden auch Teile des persönlichen Nachlasses des Künstlerpaares, der dem Museum per Vermächtnis übergeben wurde.
Scherenschnitt von Luise Neupert – bis 15. November 2026 ist die Ausstellung „Nackte Nymphen und scharfe Schnitte“ in Posterstein zu sehen..
Bildende Kunst betrieb Luise Neupert dennoch. Sie illustrierte Bücher mit Federzeichnungen, Zeichnungen und Scherenschnitten. Besonders meisterhaft setzte sie ihre Ideen mittels Schere um. Sie holte den klassischen Scherenschnitt mit ihrer Motivwahl und ihrem Esprit, ihrer Ironie und ihrer Erotik, ihren Ideen und ihrer grandiosen Technik aus seiner verstaubten Ecke. Ihre Werke fanden nicht nur Eingang in die Sammlungen großer Museen, sondern wurden auch vielfach publiziert.
Bisher sahen fast 9000 Besucherinnen und Besucher die Postersteiner Ausstellung, die noch bis 15. November 2026 zu sehen ist.
Die Kabinettausstellung „‚Sonst nicht Neues‘ – Feldpost aus dem Ersten Weltkrieg“ war vom 31. August bis 16. November 2025 im Museum Burg Posterstein zu sehen. Über 4200 Besucher besuchten die Sonderschau. Die gleichnamige Wanderausstellung der Hans-Fallada Gesellschaft und des Literaturzentrums Neubrandenburg thematisierte die vollständig erhaltenen Feldpostbriefe von Ulrich Ditzen (1896–1918), dem jüngeren Bruder des berühmten Schriftstellers Hans Fallada. Darüber hinaus zeigte das Museum Burg Posterstein über zweihundert Feldpostkarten von Soldaten aus dem Herzogtum Sachsen-Altenburg. Diese wurden dem Museum von über 30 privaten Leihgebern zur Verfügung gestellt. Als Begleitprogramm fanden ein Vortrag mit Musik und zwei Workshops statt.
Blickfang der Sonderschau waren die thematisch geordneten Feldpostkarten unter Glas auf einem großen Tisch.
Die Feldpost Ulrich Ditzens
Die Wanderausstellung „Sonst nichts Neues“ der Hans-Fallada Gesellschaft und des Literarturzentrums Neubrandenburg basiert auf Briefen, die Hans Falladas jüngerer Bruder Ulrich Ditzen aus dem Ersten Weltkrieg geschrieben hatte. Thematisch verknüpfte sie die Feldpost von der Front mit dem Leben in der Heimat.
Ulrich Ditzen meldete sich mit 17 freiwillig für den Dienst im Ersten Weltkrieg.
„Vielen Dank für die Hosenträger, fürs Erste trage ich noch die alten. Schon der Preis lässt mich die Benutzung noch möglichst lange herausschieben. Sonst nichts Neues. Tausend Grüße Euer alter Uli“.
Ulrich Ditzens letzte Briefzeilen
Das waren die letzten Briefzeilen des 21-jährigen Ulrich Ditzen, Leutnant der Reserve im 7. Königlich Sächsischen Feldartillerie-Regiment 77. Er war vier Jahre lang als Soldat im Ersten Weltkrieg. Wenige Wochen vor Kriegsende, am 12. August 1918, starb er an der Westfront.
Die Wanderausstellung „Sonst nichts Neues“ bereitet Ulrich Ditzens Feldpost in 14 thematisch unterschiedlichen Ausstellungsbannern auf.
Die geschlossen erhaltene Sammlung der Feldpostbriefe Ulrich Ditzens ist Dokument und Quelle einer Generation, die von der Schulbank an die Front zog. Zwischen Gefechtslärm und Kriegsalltag bilden die Briefe einen Lebenslauf ab, dessen Fragmente den anonymen Gesamtdarstellungen und Schlachtverläufen die unmittelbare Wahrnehmung eines jungen Menschen als Soldat gegenüberstellen: Wünsche und Träume, Ängste und Hoffnungen, Ehrgeiz und Ekel, Sinnfragen an das eigene Leben und die Sehnsucht, endlich wieder nach Hause zu kommen.
Hans Falladas Wohnhaus und Garten in Carwitz.
Ausgangspunkt der Wanderausstellung, die auf der Grundlage von über 500 Feldpostsendungen und fast 300 Fotografien die kurze Biografie Ulrich Ditzens rekonstruiert und illustriert, war Hans Falladas Lebens- und Schreibort mit dem heutigen Hans-Fallada-Museum und -Archiv in Carwitz.
Vortrag mit Musik zur Eröffnung
Christian Winterstein, Vorsitzender der Hans-Fallada-Gesellschaft und Kurator der Wanderausstellung, hielt zur Eröffnung der Sonderschau einen Vortrag zum Thema „Auf Spurensuche: Ulrich Ditzen, Hans Fallada und der Erste Weltkrieg“.
Der Eröffnungsvortrag fand in der Neuen Scheune Posterstein statt.
Im Mittelpunkt des Vortrages stand die Feldpost Ulrich Ditzen. Seine Feldpostbriefe sind vollständig erhalten und befinden sich im Hans-Fallada-Archiv in Carwitz. Ulrich Ditzen träumte davon, Arzt zu werden. In seinen Briefen aus Frankreich spiegelt sich die Geschichte vieler anderer junger Männer: Die anfängliche Euphorie, mit der sie in den Kampf zogen, verwandelte sich in Grauen angesichts des Schreckens und Elends des Krieges.
Mit 17 Jahren meldete sich Ulrich Ditzen als Freiwilliger. Weil er noch nicht volljährig war, mussten seine Eltern seinem Eintritt in die kaiserliche Armee am 10. August 1914 zustimmen. Sein Bruder Rudolf Ditzen – später Hans Fallada, der weltberühmte Autor von „Kleiner Mann – was nun?“ – hatte sich ebenfalls freiwillig gemeldet, wurde aber nach zwei Wochen als untauglich ausgemustert.
Am Anfang herrschte auch bei Ulrich Ditzen Kriegsbegeisterung.
„Lieber Rudolf. […] Die Fahrt war wundervoll. Man macht auf diese Weise eine wundervolle Vergnügungsreise. Und es kommt einem ganz unmöglich vor, dass es in den Krieg geht, […]“
Ulrich Ditzen am 26. September 1914 an seinen Bruder.
Ulrich Ditzen kam mit seiner Einheit an die Front nach Frankreich. Über die gesamte Kriegsdauer war er vorwiegend in der Gegend um Lille in Nordfrankreich, nahe der belgischen Grenze, im Einsatz. Zwischenzeitlich, 1916, nahm er auch an der Schlacht an der Somme teil, eine der verlustreichsten Schlachten des Ersten Weltkriegs.
„Nichts mehr vom schönen Heldentod. Nichts mehr, nichts als Grausen und Ekel und wenn man sich daran gewöhnt, Gleichgültigkeit.“
Ulrich Ditzen 1916 in seinem Tagebuch, das er später den Eltern sandte.
Am 12. August 1918 wurde Ulrich Ditzen bei einem Granateinschlag in einem Gefechtsstand bei Carrépuis verschüttet und kam dabei ums Leben.
Der Vortrag Christian Wintersteins fand am 30. August 2025 als Auftakt der Sonderschau vor interessiertem Publikum in der Neuen Scheune Posterstein statt. Museumsmitarbeiterin Nicole Thonfeld-Hanf las jeweils die Originalzitate Ulrich Ditzens vor.
Christian Winterstein hielt zum Auftakt der Sonderschau einen Vortrag über Ulrich Ditzen. Museumsmitarbeiterin Nicole Thonfeld-Hanf trug dazu die Originalzitate vor. (Foto: Hannes Menzer)
Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von Michail Cunetchi aus Moldawien am Akkordeon. Er schaffte es, in seinen musikalischen Beiträgen auf beeindruckende Weise, die Stimmung zu Beginn und zu Ende des Krieges einzufangen.
Michail Cunetchi umrahmte den Vortrag am Akkordeon (Foto: Hannes Menzer).
Feldpost von Soldaten aus dem Herzogtum Sachsen-Altenburg
Anders als sein Bruder erlebte Rudolf Ditzen (alias Hans Fallada) den Kriegsbeginn als Eleve auf dem Rittergut Posterstein. Während der Rittergutsbesitzer im Krieg war, kümmerte er sich um die täglichen Geschäfte. Zweiter Schwerpunkt der Ausstellung „Sonst nichts Neues“ war daher die Feldpost von Soldaten aus dem Herzogtum Sachsen-Altenburg aus dem Ersten Weltkrieg.
Blick in die Sonderschau „Sonst nichts Neues“.
Nicht nur Hans Falladas Bruder Ulrich Ditzen verwendete die Formulierung „Sonst nichts Neues“ in seinen Briefen aus den Schützengräben in Frankreich. Auch Florus Kirmse aus Nöbdenitz schrieb so an seine Verlobte Hilma Kriebitzsch aus Heyersdorf aus dem Felde. Den Postkarten-Verkehr des jungen Paares hat Klaus Köhler aus Wettelswalde aufbewahrt und dem Museum Burg Posterstein für die Zeit der Ausstellung zur Verfügung gestellt. Solche Feldpostkarten sind wichtige historische Zeugnisse. Wie viele von ihnen noch in Haushalten des Altenburger Landes schlummern, zeigte dem Museumsteam die riesige Resonanz auf den Aufruf, der Ausstellung Feldpost aus privaten Schätzen beizusteuern. So gingen schließlich über 200 Leihgaben aus privaten Sammlungen in die Sonderschau ein. Viele weitere mussten aus Kapazitätsgründen abgelehnt werden.
Florus Kirmse und seine Verlobte Hilma Kriebitzsch heirateten nach dem Krieg. Klaus Köhler aus Wettelswalde hat die Postkarten des Paares aufbewahrt und dem Museum für die Ausstellung zur Verfügung gestellt.
Viele Soldaten unserer Region kämpften im 8. Thüringischen Infanterie-Regiments Nr. 153, das als Teil des IV. Armee-Korps war, an der Westfront. Daher verschlug es viele Soldaten aus unserer Region, ähnlich wie Rudolf Ditzens Bruder Ulrich, nach Frankreich. Das Museumsteam hat für die Ausstellung Hunderte Postkarten gelesen und viele bewegende Einzelschicksale recherchiert und für die Ausstellung aufbereitet.
Workshop und Vortrag: Feldpost lesen
Im Zusammenhang mit der Ausstellung fand am 25. September 2025, 16 Uhr, ein Workshop statt, in dem Feldpost aus Privatbeständen gemeinsam entschlüsselt wurde.
Die Workshop-Teilnehmer entzifferten gemeinsam mit den Historikerinnen des Museums Feldpostkarten aus dem Ersten Weltkrieg. Dafür konnten auch eigene Postkarten oder Briefe aus den privaten Beständen mitgebracht werden. Zudem standen Postkarten aus anderen Sammlungen für die Teilnehmer bereit. Die Ergebnisse wurden mit Erlaubnis der Eigentümer für das Museumsarchiv der Burg Posterstein digital gesichert.
Christiane Nienhold (rechts) moderierte die Feldpost-Workshops auf Burg Posterstein.
Die Schülerin Sidney Witt von der Regelschule Nöbdenitz nahm ebenfalls teil. Sie absolvierte in dieser Woche ihr Praktikum im Museum Burg Posterstein und lernte beim Workshop die alte deutsche Schreibschrift kennen. Beim gemeinsamen Transkribieren übte sie, einzelne Wörter zu transkribieren und gewann die Erkenntnis: „Auch Historiker lesen das nicht flüssig, sondern arbeiten sich Wort für Wort vor.“ Je länger man dranbleibt, desto mehr gewöhnt man sich an die jeweilige Handschrift und kommt schneller voran.
Direkt im Ausstellungsraum entzifferten die Historikerinnen des Museums gemeinsam mit Besucherinnen und Besuchern die mitgebrachten Feldpostkarten.
Eine Workshop-Teilnehmerin hatte ein ganzes Album mit Feldpostkarten ihres Großvaters mitgebracht. Gemeinsam mit den Museumsmitarbeitern las sie mehrere Karten und gewann auch die ein oder andere Erkenntnis mit Gänsehautfaktor. Eine andere Teilnehmerin fühlte sich durch das Lesen ihren Vorfahren näher als zuvor, auch wenn die meisten Karten eher alltägliche Nachrichten enthielten.
Neben der Arbeit an den Quellen kamen die Besucher und die Museumsmitarbeiter miteinander ins Gespräch: über die historischen Hintergründe des Ersten Weltkrieges. In welchem gesellschaftlichen Rahmen entstanden die Nachrichten aus der Kaserne, aus dem Schützengraben, aus dem Lazarett oder aus der Kriegsgefangenschaft? Wie erging es den Frauen, Kindern und Alten, die in der Heimat blieben? Und was können wir noch heute aus der Geschichte mitnehmen?
In einem Vortrag mit anschließender Diskussionsrunde am 2. Oktober 2025, 18 Uhr, wurden dann Auszüge aus der gelesenen Post einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt.
Moderiert wurden die beiden Abende von Christiane Nienhold. Sie fasste die Ergebnisse anschließend für das Archiv des Museums zusammen.
Was bleibt?
Durch die Wanderausstellung ist es uns gelungen, die Persönlichkeit Hans Fallada ein weiteres Mal aus einem neuen Winkel in Posterstein zu thematisieren und den Austausch und die Kooperation mit der Hans-Fallada Gesellschaft, dem Literarturzentrums Neubrandenburg und dem Hans Fallada-Museum zu vertiefen. Wir danken sehr herzlich für die gute Zusammenarbeit! Gleichzeitig war die Ausstellung für das Museumsteam ein Anlass für die Beschäftigung mit der ganz lokalen Geschichte, die wiederum einen intensiven Austausch mit geschichtsinteressierten Menschen im Landkreis ermöglichte. Die so recherchierten persönlichen Schicksale bleiben langfristig im Museumsarchiv bewahrt.
An Hans Falladas Zeit in Posterstein erinnert neben der Dauerausstellung auch das Buch „Hans Fallada in Tannenfeld und Posterstein“ (Foto: Hannes Menzer).