Erstmals verschönt 2023 ein Weihnachtspfad in Nöbdenitz die Adventszeit. Beim Spaziergang durch den Postersteiner Nachbarort fallen schon bald weihnachtliche Tafeln, Märchenfiguren und liebevolle weihnachtliche Deko auf.
Rund um den Nöbdenitzer Teich warten viele weihnachtliche Überraschungen.
Startpunkt Weihnachtspfad: Dorfmitte
Der Weihnachtspfad beginnt in der Dorfmitte am ehemaligen Konsum (Dorfstraße 9 und 10). Dort steht nicht nur ein Spinnrad, gleich um die Ecke befindet sich auch der Briefkasten des Weihnachtsmanns. Noch bis 3. Advent können Kinder dort ihre Briefe, Wunschzettel und Fragen einwerfen.
Vorübergehend hat der Weihnachtsmann 2023 seinen Briefkasten in der Dorfstraße 9 in Nöbdenitz aufgestellt.
Das Tolle daran: Alle Briefe werden alle beantwortet, wenn sie bis 17. Dezember 2023 eingehen.
Weihnachtsdeko sorgt für unerwartete Farbtupfer.
Durchs Dorf führt der Weg über die Sprottenbrücke hin zum Sprotte-Erlebnispfad. Der führt vom alten Wasserschloss, vorbei am Teich mit dem Teehaus und entlang der Fischtreppe und einer Feuchtwiese. In der Weihnachtszeit trifft man hier auf Frau Holle, Rumpelstilzchen und das „Tischlein deck dich“. Mit Liebe zum Detail gestaltete Texttafeln geben Wanderern Rätsel auf und laden zum Singen ein.
Die Tafeln des Weihnachtspfads fordern zum Mitmachen auf.
An überraschenden Stellen schmücken Weihnachtskugeln den Wald und Weihnachtswichtel schauen zwischen Ästen hervor. Selbst eine Weihnachtskrippe ist dabei. Die letzte Station, Nummer 24 wie im Adventskalender, ist an den Hängebrücken.
Auch eine hölzerne Weihnachtskrippe ist teil des Weihnachtspfads.
Hier gibt es eine Übersicht über die 24 Stationen des Weihnachtspfads:
Übersichtskarte über den Nöbdenitzer Weihnachtspfad (Bild: Ortsverschönerungsverein Nöbdenitz e.V.)
Die Idee zum Weihnachtspfad hatte Giesela Grimm aus Untschen. Die Nöbdenitzerin Nicole Bauch stürzte sich – unterstützt vom Ortsverschönerungsverein Nöbdenitz – mit Begeisterung in die Umsetzung. Der Ortsverschönerungsverein sammelte für den Weihnachtspfad im Vorfeld nicht mehr gebrauchten Baumschmuck als Spende. Weitere Deko-Spenden können an Station 24 an der Hängebrücke in eine Truhe gelegt werden.
Die beleuchtete Fass-Krippe aus Neapel ist ein Highlight in der diesjährigen Weihnachtskrippen-Ausstellung auf Burg Posterstein.
Über hundert Weihnachtskrippen in einem Raum sind dort zu sehen. Manche sind so klein, dass sie in eine Streichholzschachtel passen und andere stellen ganze Landschaften in einem Holzfass dar.
Rückweg über den Holzmichelweg
Für den abwechslungsreichen Rückweg geht man entlang uriger Fachwerkhäuschen quer durchs Dorf und gelangt über den Holzmichelweg zurück zum Weihnachtspfad. Der Holzmichelweg schlängelt sich unter der historischen Autobahnbrücke hindurch hin zur sagenumwobenen Mönchsbrücke und trifft an den Hängebrücken wieder auf den Sprotte-Erlebnispfad bzw. den Weihnachtspfad.
An den zwei Hängebrücken, die über die beiden Sprotten führen, die hier zusammenfließen, treffen sich Holzmichelweg und Sprotte-Erlebnispfad.
Mit der offiziellen Grundsteinlegung am Vormittag des 9. November 2023 beginnt der Wiederaufbau des historischen Nordflügels der Burg Posterstein. Der ehemalige Festsaal-Flügel der über 800 Jahre alten Burg wurde in den 1950er Jahren ohne weitere Dokumentation und ohne baufällig zu sein abgerissen. Seither klaffte die Ruine wie ein Loch an der Hangseite der Burg und gefährdete nicht zuletzt die Statik der Burganlage.
Blick von oben auf den Bauplatz
Seit rund dreißig Jahren setzt sich der Museumsverein Burg Posterstein für den Wiederaufbau ein. Der Wiederaufbau gliedert sich historisch in die Geschichte der Burganlage ein, wo im Lauf der Jahrhunderte immer wieder neu und umgebaut wurde, um neuen Anforderungen gerecht zu werden.
Warum die Burg Posterstein den Nordflügel braucht
In der Burg Posterstein befindet sich ein erfolgreiches Museum, das Geschichte anschaulich vermittelt, vor allem an junge Besucher. Besonders gut votiert ist die Ausstellung „Kinderburg“, die zu den beliebtesten Familienangeboten in Thüringen gehört. Mit Stand Oktober lockten die Ausstellungen und Veranstaltungen 2023 bereits über 22.000 Besucher in die Burg. Um diesem „Ansturm“ gerecht zu werden, braucht es Barrierefreiheit, Räume für Museumspädagogik und Veranstaltungen sowie moderne Depots. Mit dem Wiederaufbau des Nordflügels entsteht auf 547 Quadratmeter Nutzfläche ein Begegnungsort, wo europäische Salonkultur digital und analog vermittelt und erlebbar wird. Darauf aufbauend soll es ein Ort für das Gespräch über Zukunftskonzepte und gesellschaftliche Themen sein. Der Museumsverein als Träger des Museums unternimmt im Rahmen der Möglichkeiten alles, um außer öffentlicher Förderung auch private Unterstützung zu unterhalten. Das Museum Burg Posterstein ist mit ausgewiesenen Fachkräften besetzt und hat die inhaltliche Konzeption fertig gestellt.
Landrat Uwe Melzer bei seiner RedeZur feierlichen Grundsteinlegung waren Unterstützer und Fördermittelgeber gekommen.Eine Metallhülse mit Erinnerungsstücken aus der heutigen Zeit wurde im Berg versenkt.Frank Naumann, dessen Firma für den Rohbau zuständig ist, bei der Vorbereitung der Grundsteinlegung.Der Grundstein wird symbolisch festgeklopft.
Das Bauvorhaben
Während die Burg von 1984 bis 1991 letztmalig restauriert wurde, blieb der Nordflügel außen vor. Dennoch lagen Konzepte und Bauzeichnungen für den Wiederaufbau fertig in der Schublade bis am 30. September 2020 der Kreistag in einem Grundsatzbeschluss grünes Licht gab für den Wiederaufbau. Das Architekturbüro Godts wurde mit der Planung beauftragt und legte eine Planung vor, die von Anfang an den Denkmalschutz berücksichtigte und dabei konsequent eine moderne Formensprache anwendet. Träger der Baumaßnahme ist der Landkreis Altenburger Land als Eigentümer der Gebäude. Er arbeitet eng mit dem Museumsverein Burg Posterstein e.V., dem Träger des Museums, zusammen. Der Landkreis erhält Fördermittel in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro vom Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft im Rahmen des Dorfentwicklungsprogrammes, um den Rohbau fertig zu stellen. Nachfolgend sind nach dem Stand der Planung weitere Mittel notwendig, um den Ausbau und die Gestaltung des Gebäudes zu realisieren. Insgesamt beträgt der Investitionsbedarf 4,1 Millionen Euro. Großer Dank gilt auch der Bürgerstiftung Altenburger Land, die das Vorhaben großzügig unterstützt. Viele Bürger beteiligen sich an dem Projekt, indem sie ihre eigenen kleinen „Postersteine“ erwerben.
Landrat Uwe Melzer und Museumsdirektor Klaus Hofmann bei der Versenkung einer Metallhülse mit Erinnerungsstücken an die heutige Zeit.
Landrat Uwe Melzer betonte während der Grundsteinlegung die Bedeutung des Museums Burg Posterstein für die Kultur und den Tourismus im Altenburger Land und den festen Willen, mit dem Wiederaufbau des ehemaligen Festsaalflügels der Burg eine Perspektive zu sichern. Den Grundstein, dem verschiedene Dokumente über die Burg und das Projekt beigefügt wurden, legte Uwe Melzer gemeinsam mit dem Direktor des Museums Klaus Hofmann und dem Chef der für den Rohbau zuständigen Firma Frank Naumann GmbH aus dem benachbarten Kleinstechau.
Den Baufortschritt live mitverfolgen
Museumsgäste können die Bauarbeiten aus einem Fenster im Obergeschoss der Burg live mitverfolgen. Eine Tafel informiert dort über das Bauprojekt. Den Fortschritt dieses größten Bauvorhabens in der Geschichte des Museums dokumentiert das Museumsteam im Bautagebuch auf seiner Website.
Werfen an der Salzach – wer kennt es? Zumindest die Burg Hohenwerfen sehen alle, die die Autobahn von Salzburg nach Villach nehmen. Anhalten können die wenigsten auf dem Weg zu ihrem eigentlichen Ziel, denn dafür müsste man die Autobahn verlassen und ein kleines Stück auf der Landstraße genau an der Salzach entlangfahren. Das haben wir vom Museumsverein Burg Posterstein getan und sogar noch den Tourismus durch Einkehren und Übernachten gefördert. Denn so war das auch im 19. Jahrhundert, also vor etwa 200 Jahren, als der Alpentourismus eine erste Blüte erlebte und Salzburg zum Sehnsuchtsziel für Künstler und Erholungssuchende avancierte.
Blick auf die Burg Hohenwerfen im Jahr 2023.
Im Salzburgmuseum in der Neuen Residenz am Mozartplatz beschäftigt sich eine ganze Abteilung damit, wie die Stadt zum Mythos wurde. Dort finden sich auch die Zeichnungen oder die Drucke davon, die Ernst Welker (1784–1857) und seine Malerfreunde Friedrich Philipp (1779–1840) und Heinrich Reinhold (1788–1825), Johann Adam Klein (1788–1825) und Johann Christian Erhard (1795–1822) während ihrer Exkursion 1818 von Wien in die Alpenstadt fertigten. Sie zeichneten die Berge um Salzburg, saßen auf der Kanzel bei Aigen, heute ein Stadtteil von Salzburg, zogen nach Berchtesgaden zum Watzmann und an den Königssee.
1831 kam Ernst Welker noch einmal in die Gegend. Er schloss sich einer Gruppe von reisenden Malern an, darunter Friedrich Gauermann (1807–1862), Johann Fischbach (1797–1871), Franz (1787–1868) und Wilhelm Steinfeld (1816–1854) sowie Franz Gruber (wahrscheinlich der Maler Franz Xaver Gruber (1801–1862)). So, wie hier von Johann Fischbach gezeichnet, sah Aigen zu dieser Zeit aus:
J. Fischbachs Zeichnung von Aigen bei Salzburg, gestochen von C. Huber, Lithografie, um 1840, Museum Burg Posterstein
Heute ist dieser Blick so nicht mehr nachzustellen, denn das Tal ist komplett bebaut.
Salzburg heute
Bevor sie Salzburg erreichten, wanderten Ernst Welker und seine Künstlerfreunde die Salzach entlang und erfreuten sich an der Gebirgslandschaft. In Folge 9 unseres Podcasts „LeseZEIT auf Burg Posterstein“ liest Franziska Huberty aus Heinrich Reinholds anschaulichen und ausführlichen Reisebericht.
Die Festung Werfen über der Salza – ein Aquarell über Bleistift von Ernst Welker, signiert „Welker fec.“ ohne Jahr, aus der Sammlung Uwe Buchheims.
Dabei erblickten eine ganz außergewöhnliche Burganlage. Diese hielt der Maler Ernst Welker, dem das Museum Burg Posterstein 2022 eine ganze Ausstellung widmete, mit Bleistift und Pinsel fest. Anders als den Touristen 200 Jahre später, standen ihm weder Eisenbahn, noch Auto und schon gar nicht Fotoapparat oder Handy zur Verfügung. Der Blick für die Ewigkeit, den der Künstler sicher zunächst seinem Skizzenbuch anvertraute, fand später als ausgearbeitete Zeichnung den Weg in die Museen. Ein Exemplar des Blickes auf Hohenwerfen von Ernst Welker befindet sich im Museum Burg Posterstein, ein etwas abgewandeltes Blatt in der berühmten Albertina in Wien.
So sieht Welkers Blick heute aus – der Fluss ist durch Bäume und Häuser heute nicht mehr zu sehen.
Aufgestiegen zur Burg ist Ernst Welker wohl eher nicht. Dies gestaltete sich auch schwieriger als heute, da sich die Burganlage inzwischen in staatlichen Händen befindet und ein Aufzug den zahlungswilligen Besucher in Windeseile den Berg hinauf- und wieder herunterbringt. Nach der Säkularisierung 1803 stand die Burg unter Herrschaft der Bayern, die die Anlage verfallen ließen. Keine Chance also für unsere Malerfreunde auf eine Einladung.
Aufzug- und Empfangsgebäude der Burg Hohenwerfen.
Heute kann man die Burganlage also bequem per Aufzug erreichen und per Führung erkunden. Die inhaltliche Vermittlung der „Erlebnisburg“ lässt unserer Meinung nach zwar noch Luft nach oben, aber die Burg selbst ist sehenswert. Sie ist trotz eines Brandes des Hauptgebäudes 1931 eine großartige, geradezu bilderbuchhafte Burganlage, die alles bereithält, was die mittelalterliche Burgenarchitektur zu bieten hatte.
Es bleibt die Aufforderung an den Besucher des 21. Jahrhunderts: Entschleunigt doch einmal eure Reise von und nach den Süden und lauft die Salzach entlang, haltet den Blick auf die Burg Hohenwerfen nicht nur auf einem bald vergessenen Handyfoto fest, sondern erkundet die Burg, um dann vielleicht auch noch Salzburg und seine Umgebung zu durchstreifen.
Von Sabine Hofmann / Museumsverein Burg Posterstein
Lesetipp: Sehnsuchtsziel Italien – Der Maler Ernst Welker auf Reisen und im Salon der Herzogin von Kurland
Das Buch „Sehnsuchtsziel Italien“ kann man über das Museum Burg Posterstein kaufen
Erstmals stellt ein Buch den Künstler Ernst Welker in den Mittelpunkt. Es ist über das Museum Burg Posterstein bestellbar.
Aus über 12.000 Ausflugszielen in Deutschland, Österreich und der Schweiz wählte das auf familienfreundliche Ausflugsziele spezialisierte Suchportal www.familienausflug.info das Museum Burg Posterstein unter die TOP 10-Ausflugsziele 2023 in Thüringen. Das Suchportal zählt zu den beliebtesten seiner Art. Die Grundlage für die Auszeichnung bilden über zwölf Millionen öffentliche Bewertungen im Internet. Insgesamt erhielten 290 Ausflugsziele in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol den Award. Weitere Infos zur Auszeichnung finden Sie hier.
Das Museum Burg Posterstein punktet bei Familien mit der beliebten Kinderburg-Ausstellung, regelmäßigen Ferien-Programmen und Veranstaltungen wie dem Steckenpferd-Turnier. 2022 waren fast die Hälfte der rund 20.000 Museumsbesucher Familien mit Kindern, Schulklassen und Kitas.
Hier zeigt Museumsmitarbeiterin Franziska Huberty die Urkunde von Familienausflug.info. Franziska Huberty ist auch maßgeblich mitverantwortlich dafür, dass Burg Posterstein so familienfreundlich ist. Sie hat nicht nur die Ausstellung „Die Kinderburg“ mit konzipiert, sondern führt derzeit fast täglich Schulklassen, Kitas und Kindergeburtstage auf unterhaltsame Art durch die Burg.
Familienfreundliche Burg Posterstein
Kinder entdecken die Burg Posterstein mit einer Schatzkarte. Denn „Die Kinderburg“-Ausstellung beantwortet von Kindern gestellte Fragen kurz und knapp. Zum Beispiel: Wie pullerte ein Ritter, wenn er seine Rüstung anhatte? Hatte jeder Ritter ein Pferd? Und: Durfte jeder Ritter oder Burgherrin werden?
Stationen zum Anfassen, Ansehen und Anhören führen interaktiv und spannungsreich durch die gesamte Burg – vom Verlies bis auf den Turm. Von der Plattform in 25 Metern Höhe reicht die Sicht bei schönem Wetter bis ins Erzgebirge.
Kleine Besucherin beim „Marchen-Memo“ – „Marchen“ hießen im Altenburger Land die Bauersfrauen in Tracht.
Die über 800 Jahre alten Höhenburg Posterstein liegt im Dreiländereck Thüringen-Sachsen-Sachsen-Anhalt. Die Ausstellungen erzählen von der Geschichte der Burg Posterstein, der Region und von Salons, die kluge Frauen vor 200 Jahren führten.
Jedes Jahr zu Pfingsten erwacht beim großen Mittelalterspektakel mit Ritterspielen, Gauklern und Händlern für drei Tage das Mittelalter zum Leben. Und zum Internationalen Kindertag am 20. September – in Thüringen ein Feiertag – treten kleine Ritterinnen und Ritter beim Großen Postersteiner Steckenpferdturnier an.
Das Museum Burg Posterstein zeigt wechselnde Sonderausstellungen zu regionaler Geschichte und Kunst. In allen Schulferien finden Ferienprogramme mit immer wieder neuen Themen-Schwerpunkten statt.
Nächstes Ferienprogramm:
8. Juli bis 20. August, während der Öffnungszeiten des Museums
Besaß jeder Ritter ein eigenes Pferd? Welche Tiere lebten auf einer Burg? Und heulte ein Schlosshund wirklich? In den Sommerferien dreht sich alles um Tiere, die zu den festen Bewohnern von Burgen und Rittergütern gehörten. Ihr bekommt kniffelige Rätselfragen und allerhand Gelegenheit, euch auszuprobieren.
Für das Sommerferien-Rätsel ist keine Voranmeldung nötig.
In den Sommerferien freier Eintritt mit dem Thüringer Kulturpass
Schülerinnen und Schüler mit Thüringer Kulturpass können die Burg Posterstein in den Sommerferien kostenlos besuchen. Dafür reicht es, den analogen oder digitalen Kulturpass an der Museumskasse vorzuzeigen.
Mit dem Thüringer Kulturpass können Schülerinnen und Schüler in Kultureinrichtungen weltweit Stempel sammeln. Für zehn Stempel erhalten Teilnehmende ein persönliches Zertifikat sowie die Chance auf eine Vielzahl attraktiver Preise. Der Thüringer Kulturpass wird von der Thüringer Staatskanzlei gefördert.
Erstmals seit Beginn der COVID 19-Pandemie kann das Museum Burg Posterstein eine positive Besucher-Bilanz ziehen: Trotz anfänglicher Einschränkungen durch 2G- und 3G-Regelungen kamen 2022 wieder 20.000 Besucherinnen und Besucher in die Burg. Es konnten fünf Sonderausstellungen gezeigt und 120 Veranstaltungen sowie drei Ferien-Programme durchgeführt werden. Das Museumsteam veröffentlichte ein umfangreiches Buch zur Ausstellung „Sehnsuchtsziel Italien“, steuerte sieben Artikel zu Fach-Publikationen und vier Fachvorträge an unterschiedlichen Orten bei.
Im Sommer 2022 traf sich der Museumsverein zur Sitzung im Café „Zur eisernen Bank“ auf der Wiese vor dem Herrenhaus Posterstein.
Derzeit hat der Museumsverein, der Träger des Museums, 58 Mitglieder. Das Museum Burg Posterstein ist das regionalgeschichtliche Museum des Altenburger Landes und wird vom Landkreis Altenburger Land finanziell unterstützt.
Der Jahresrückblick als Infografik
In unserer Infografik fassen wir das Jahr 2022 visuell zusammen.
Das Jahr 2022 im Museum Burg Posterstein zusammengefasst in einer Infografik.
Wer besucht die Burg Posterstein?
Das Museum Burg Posterstein führt an der Museumskasse regelmäßig Besucherbefragungen durch. Daraus geht einiges hervor: Fast die Hälfte der Besucher sind beispielsweise Familien mit Kindern. Die Angebote der „Kinderburg“ zählen auch 2022 zu den Top 5 Besuchsgründen. Neben der Familien-Ausstellung gab es 2022 speziell für Familien mit Kindern drei Ferien-Programme, das Große Steckenpferdturnier am Weltkindertag und eine weihnachtliche Märchenstunde. Darüber hinaus feierten 36 Kinder ihren Geburtstag auf der Burg. 26 Schulen und Kitas buchten Museumstouren.
Bereits vier Mal fand das Große Steckenpferdturnier auf Burg Posterstein am Weltkindertag statt.
In den Wintermonaten kam ein – nicht zuletzt dank der äußerst beliebten, lokalgeschichtlichen Ausstellung „Damals in der ‚Esse‘ – Erinnerungen an das Kulturhaus ‚Stadt Schmölln‘“ – vorwiegend regionales Publikum ins Museum. In den Sommerferien wiederum waren unter den Besucherinnen und Besuchern 15 Prozent Urlauber aus ganz Deutschland.
Gut die Hälfte der Museumsbesucherinnen und -besucher kommt aus dem unmittelbaren Einzugsgebiet – aus dem Altenburger Land, dem Raum Gera und aus Westsachsen. Die übrigen reisen aus der gesamten Republik an.
Viele besuchten die Burg Posterstein nicht zum ersten Mal. Oft waren eine Sonderschau oder eine Veranstaltung Anlass für einen Ausflug. Aufmerksam auf die Burg wurden viele aus dem Internet oder bei der Durchreise, wo der Bergfried von der Autobahn aus zu sehen ist. Ein nicht zu unterschätzender Anteil der Besucher kam auf Empfehlung von Bekannten ins Museum.
Ausstellungen und Veranstaltungen 2022
2022 zeigte das Museum fünf Sonderschauen und führte 120 öffentliche und private Veranstaltungen durch.
Cocktailzeit mit Franziska Huberty und Bernd Adam – Folge 1
Im Frühjahr zog die Ausstellung „Damals in der ‚Esse‘ – Erinnerungen an das Kulturhaus ‚Stadt Schmölln‘“ (30. Januar bis 20. März 2022) ein äußerst lokales Publikum an, das eigene Erinnerungsstücke zur Schau beisteuerte und sich aktiv an Mitmach-Angeboten beteiligte. Begleitend produzierte das Museumsteam die Video-Reihe „Cocktail-Zeit“, bei der Historikerin Franziska Huberty den ehemaligen Restaurantleiter des Kulturhauses, Bernd Adam, zum Gastronomiealltag in der DDR interviewte. Als Höhepunkt jeder Folge mixte sie unter seiner fachkundigen Anleitung einen Cocktail nach Original-Rezept. Hier gibt es ein Resümee der Ausstellung. Eine Fortsetzung der Ausstellung gab es im zweiten Halbjahr im Knopf- und Regionalmuseum Schmölln, zu der das Museum Burg Posterstein Inhalte beisteuerte.
Im Frühsommer 2022 war das Lindenau-Museum Altenburg mit seiner grafischen Sammlung zu Gast auf Burg Posterstein.
In Kooperation mit dem Lindenau-Museum Altenburg zeigte das Museum die Kunstausstellung „Manege frei! – Das Lindenau-Museum Altenburg zu Gast auf Burg Posterstein“ (8. Mai bis 3. Juli 2022). Im Begleitprogramm gab es eine Zirkuswoche für Kinder und Jugendliche mit dem Weimarer Kinderzirkus Tasifan. Rund 80 Kinder und Jugendliche zwischen sieben und fünfzehn Jahren übten sich in Luftartistik, Clownerie, Akrobatik, Jonglage oder im künstlerischen Gestalten der Plakate oder Bühnendekoration. Eine Dokumentationsgruppe hielt alles in Bild, Ton und Text fest. Alle Kinder erhielten eine Führung durch die Sonderschau. Das einstudierte Programm wurde zum krönenden Abschluss am 17. Juni 2022 aufgeführt.
Zum Abschluss des Zirkus-Projekts mit dem Kinderzirkus Tasifan gab es einen großen Auftritt vor der Burg Posterstein.
Das Mittelalterspektakellockte zu Pfingsten (4. bis 6. Juni 2022) mit Ritterturnieren, Markt und Spielleuten rund 6000 Besucherinnen und Besucher an. Durchgeführt wird das Mittelalterspektakel von der COEX Veranstaltungs GmbH & Co.KG in Zusammenarbeit mit dem Museumsverein. Der Eintritt ins Museum war wie jedes Jahr im Gesamtpreis inbegriffen.
Blick in die Ausstellung „Sehnsuchtsziel Italien“ im Museum Burg Posterstein.
Die Sonderschau „Sehnsuchtsziel Italien: Der Maler Ernst Welker – Auf Reisen und im Salon der Herzogin von Kurland“ (17. Juli – 13. November) und das zugehörige Buch stellten erstmals den Künstler Ernst Welker (1784–1857) in den Mittelpunkt. Der aus Gotha stammende Maler lebte und arbeitete einige Jahre als Zeichenlehrer im Dienst der Herzogin Wilhelmine von Sagan. In ihrem Gefolge kam er auch in den Salon der Herzogin von Kurland nach Löbichau und porträtierte die dort anwesenden Salongäste als Fabelwesen. Welkers eigentliche Liebe galt aber der Landschaftsmalerei. Er reiste durch Deutschland, Österreich und Italien, stellte aus und lebte von seiner Kunst. Welkers Porträts der Löbichauer Salongäste sind digital auch in der Deutschen Digitalen Bibliothek und im europäischen Kulturportal Europeana zugänglich. Im Zuge der Ausstellung fand eine Vernetzung mit der Europeana statt, auf deren Website das Museum einen Artikel und ein Interview auf Deutsch und Englisch zur Sammlung Ernst Welker veröffentlichen konnte.
Zur Eröffnung der Sonderschau „Sehnsuchtsziel Italien“ las Franziska Huberty aus Reiseberichten von Ernst Welkers Malerkollegen.
Die Postersteiner Pflanzentauschbörse am 3. September 2022 lud auf dem Platz vor der Burg zum gemütlichen Tausch von Samen, Pflänzchen und Stecklingen ein.
Den Abschluss des Jahres bildete die Weihnachtsausstellung „Morgen, Kinder, wird’s was geben“ (27. November 2022 bis 8. Januar 2023), die den Schwerpunkt auf Weihnachtskrippen aus dem deutschen und böhmischen Raum legte. Begleitend gab es eine Märchenstunde mit Märchen wie zu Omas Zeiten, bei dem ein historischer Rollfilm-Projektor und DEFA-Colorbildband-Märchen zum Einsatz kamen.
Ohne ein großes Netzwerk geht es nicht
Ohne die Unterstützung der Mitglieder des Museumsvereins Burg Posterstein sowie einem losen Netzwerk an ehrenamtlichen Helfern wäre es für ein Museum mit vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht möglich, so viele Ausstellungen und Veranstaltungen zu stemmen.
Web und Social Media
Für sein weit verzweigtes, aktives Netzwerk in den sozialen Medien ist Burg Posterstein in Fachkreisen deutschlandweit bekannt. Eine digitale Präsenz mit hoher eigener Reichweite ist für uns als Museum existenzsichernd – wir erreichen unser Publikum aus eigener Kraft und können nicht lautlos „weggespart“ werden. Auch 2022 konnte unsere digitale Strategie weiterverfolgt und ausgebaut werden. Website und Blog verzeichnen steigende Zugriffszahlen, die Netzwerke (Facebook, Twitter, YouTube) höhere Followerzahlen. Regelmäßig findet Austausch mit digitalen Besucherinnen und Besuchern statt. In drei Fachvorträgen berichtete Marketingchefin Marlene Hofmann 2022 über die Kommunikationsstrategie ihres Museums.
Mit-Autorin Franziska Huberty mit dem Buch „Sehnsuchtsziel Italien“.
Die Zeitschrift „Museumskunde“ des Deutschen Museumsbunds hatte in Ausgabe 87 „Kleinere Museen“ zum Thema.
Ausflugstipps speziell für Schulklassen
Mit LEADER-Förderung gelang dem Museumsverein Burg Posterstein die Umsetzung des Internet-Portals „Bildungsort Altenburger Land“ in Kooperation mit dem Tourismusverband Altenburger Land und der Altenburger Tourismus GmbH. Über die Suchplattform finden Lehrerinnen und Lehrer Angebote für Schulklassen.
Das Suchportal Bildungsort Altenburger Land bietet Ausflugstipps für Schulklassen.
Das Museum Burg Posterstein kommt raus aus der Burg
Als Projektpartner des Trafo-Projekts „Der Fliegende Salon – Kulturaustausch im Altenburger Land“ nahm das Museum aktiv an acht Salonveranstaltungen im Landkreis teil. Beim „Fliegenden Salon“ geht es darum, Bürgerinnen und Bürger mit den beteiligten Kultureinrichtungen (Lindenau-Museum Altenburg, Museum Burg Posterstein und Musikschule Altenburger Land) zu vernetzen. Das Projekt ging 2018 an den Start und wird bis 2024 von der Kulturstiftung des Bundes gefördert.
Franziska Huberty war für das Museum Burg Posterstein 2022 an vielen Orten im Landkreis Altenburger Land unterwegs.
Durch die Salonveranstaltungen ergaben sich für das Museum Burg Posterstein bereits zahlreiche Kooperationen und Kontakte. Als kulturhistorisches Museum des Landkreises betreute das Museum Burg Posterstein die geschichtlichen Themen und die Zeitzeugen-Salons, die Berichte von Zeitzeugen zu unterschiedlichen Themen (Kulturhaus „Stadt Schmölln“, Landwirtschaft, Kultur, Rittergüter, …) dokumentierten, besonders intensiv.
Das Postersteiner VR-Projekt soll den Salon der Herzogin von Kurland nicht rekonstruieren, sondern die Stimmung, die Lebendigkeit und das Flair erlebbar machen.
Das Postersteiner Konzept sieht einen virtuell begehbaren Salon der Herzogin von Kurland vor, der nicht akribisch rekonstruiert, sondern das Flair der Salonabende einfängt. Das Museumsteam erstellte ein inhaltliches Konzept und erteilte Aufträge an einen Musiker, eine Sprecherin, einen Sprecher sowie für die Tonbearbeitung. Das Projekt soll 2023 auch nach Auslaufen des Modellprojekts weitergeführt werden.
Die Ausstellung „Damals in der ‚Esse‘ – Erinnerungen an das Kulturhaus ‚Stadt Schmölln‘“ im Museum Burg Posterstein erreichte die lokale Bevölkerung aus Schmölln und den umliegenden Dörfern wie selten eine Ausstellung vor ihr. Die Mischung aus Erinnerungsstücken, Zeitzeugen-Interviews und Teilhabe schien einen Nerv getroffen zu haben. Teile der Postersteiner Ausstellung sind von 9. Juli bis 31. Dezember 2022 im Knopf- und Regionalmuseum Schmölln in der Ausstellung „Brauchen wir die ‚Esse‘ oder welche Kultur möchte Schmölln?“ zu sehen. In diesem Blogpost wollen wir die Postersteiner Sonderschau zusammenfassen, dokumentieren und auswerten.
Kulturhaus „Stadt Schmölln“ damals und heute auf der Postkarte des Museums Burg Posterstein
Die Ausstellung: Partizipation und Dokumentation jüngerer Geschichte
Mit der Sonderschau „Damals in der ‚Esse‘ – Erinnerungen an das Kulturhaus ‚Stadt Schmölln‘“ (30. Januar bis 20. März 2022) verband das Museum Burg Posterstein lokale Geschichte mit Partizipation und der Dokumentation jüngerer Geschichte. Das regionalgeschichtliche Museum des Landkreises Altenburger Land konnte so ein stückweit Alltagsgeschichte der DDR zeigen und für nachfolgende Generationen bewahren. Gleichzeitig bot die Ausstellung zahlreiche Anknüpfungspunkte, um mit dem Publikum vor Ort ins Gespräch zu kommen und Barrieren abzubauen. Damit passte sie hervorragend zum Konzept des Modellprojekts „Der fliegende Salon – Kulturaustausch im Altenburger Land“, das die Menschen im Landkreis mit den am Projekt beteiligten Kultureinrichtungen ins Gespräch bringen soll.
Salon-Abend im Oktober 2021 in der Ostthüringenhalle in Schmölln (Foto: Jörg Neumerkel, www.neumerkel.info)
So entstand die Ausstellung auch aus einem Zeitzeugen-Salon zum Kulturhaus „Stadt Schmölln“ heraus, der am 30. Oktober 2021 in der Ostthüringenhalle Schmölln stattfand. Im Vorfeld dieses Salonabends wurden Video-Interviews mit Zeitzeugen geführt, die während der Veranstaltung gezeigt wurden. Dazu unterhielten sich Zeitzeugen und Nachgeborene über die Vergangenheit und Zukunft der Kulturszene der Stadt Schmölln. Das Interesse an diesem Abend war so groß, dass die Karten innerhalb eines Tages vergeben waren – beinahe eine Hommage an die ausgebuchten Konzerte und Feiern im historischen Kulturhaus „Stadt Schmölln“. Da viele Bürgerinnen und Bürger mit Andenken und Anekdoten auf uns zukamen, fiel der Entschluss, das Thema in einer Sonderschau aufzugreifen.
Das Phänomen „Esse“
Das Kulturhaus „Stadt Schmölln“, das durch seinen markanten Schornstein umgangssprachlich „Esse“ (im Dialekt: Schornstein) genannt wurde, war seit seiner Eröffnung 1969 bis zu seiner Schließung 1991 das kulturelle Zentrum der Stadt. 1999 wurde das Gebäude komplett abgerissen. Seitdem fehlt ein solcher zentraler Treffpunkt für Vereine und Kultur, für Jung und Alt.
Das Kulturhaus „Stadt Schmölln“ auf Postkarte von 1988 (Sammlung Museums Burg Posterstein)
Die Ausstellung erreichte ein lokales Publikum wie selten zuvor
Insgesamt kamen zwischen 30. Januar und 20. März 2022 rund 1700 Besucher, um die Ausstellung „Damals in der ‚Esse‘“ anzusehen. Und das in einer Zeit außerhalb der Hochsaison des Museums, in der zudem zur Pandemie-Beschränkung zunächst die 2G- und später die 3G-Regelung galt.
Zeitungsausschnitte und ein originales Plakat in der Ausstellung über das Kulturhaus „Stadt Schmölln“ im Museum Burg Posterstein
An der Museumskasse befragten wir fast 60 Prozent der Besucher nach ihren Besuchsgründen und ihrem Herkunftsort. Diese Befragung zeigte deutlich, dass die Ausstellung ihr lokales Publikum erreichte. Denn 64 Prozent der Besucher kamen aus dem Altenburger Land, dazu noch sechs Prozent aus dem Raum Gera und vier Prozent aus Westsachsen. Fast 70 Prozent aller Besucher nannten die Besichtigung der Sonderschau als Grund ihres Kommens.
In den Gesprächen zeigte sich deutlich, dass viele von ihnen das Museum zum ersten Mal besuchten. Neben Zeitungs- und Fernsehberichten wurden sie vor allem durch Empfehlungen von Bekannten (auch per WhatsApp und Facebook) auf die Ausstellung aufmerksam. Nach Aufhebung der 2G-Beschärnkung im März kamen mehr Besucher als zuvor.
Erinnerungsstücke in der Ausstellung
Für die Ausstellung erhielt das Museum über 50 Leihgaben von über 20 privaten Leihgebern – darunter zahlreiche Fotos, ganze Fotoalben und Zeitungsausschnitte und Urkunden. Besonderer Dank gilt hierbei dem Heimat- und Verschönerungsverein Schmölln e.V., der viele Fotos beisteuerte. Zu sehen war auch Festkleidung aus der damaligen Zeit – vom Minikleid, Mantel und Hut über Hochzeitsschmuck und Parka bis zu Aufnäher, Taschen und Fransenschuhen. Sogar ein aus einem Bauhelm selbst gebastelter Germanenhelm – einst im Einsatz als Faschingsverkleidung in der ‚Esse‘ – wurde für die Ausstellung abgegeben.
Blick in die Ausstellung „Damals in der Esse“ im Museum Burg Posterstein.
An die vielen Konzerte erinnerten eine Gitarre, Konzertplakate und Autogrammkarten von Künstlern sowie originale Programmpläne und Veranstaltungsflyer.
Ausstellung zum Kulturhaus Stadt Schmölln im Museum Burg Posterstein, links in einer Vitrine eine Gitarre, die beim letzten Konzert zum Einsatz kam.
Außerdem waren noch Dokumente und Gegenstände aus den gastronomischen Einrichtungen des Kulturhauses bei ehemaligen Mitarbeitern zu Hause verwahrt: Rechnungsblöcke, Tischdecken, Aufsteller, Servietten, aber auch eine Hausarbeit zur Facharbeiterprüfung und sogar mehrere Gästebücher. Ehemalige Besucherinnen und Besucher behielten Speisekarten, Rechnungen und Eintrittskarten als Andenken
Sogar ein Ziegelstein aus dem ehemaligen Kulturhaus und ein Faschingshelm waren unter den persönlichen Erinnerungsstücken ans Kulturhaus „Stadt Schmölln“ im Museum Burg Posterstein.
. Schließlich gab es eine Reihe von Gegenständen, die vorausschauende ehemalige Esse-Besucher vor dem Abriss aus dem Gebäude retteten, darunter Teile der Bühnendekoration und Verzierung des Saals, das Metallschild „Weinabteil“ und ein Notausgangsschild. Kurz vor Ausstellungsbeginn wurde ein originaler Ziegelstein abgegeben, der nach Jahren der Aufbewahrung im Privathaus nun einen großen Auftritt hatte.
Persönliche Erinnerungen an der Pinnwand-Esse in der Ausstellung
In der Ausstellung gab es eine schornsteinförmige Pinnwand, an der persönliche Erlebnisse aus dem Kulturhaus und Meinungen zur Ausstellung geteilt werden konnten. Als einfache Form der Interaktion konnten die Besucher die Frage „Wie hat Ihnen die Ausstellung gefallen?“ mit Aufklebern in die Spalten „gut“ und „schlecht“ beantworten. Hierbei gab es über 150 Gut-Bewertungen und keine Schlecht-Bewertungen. Auch so bekam die Ausstellung viel Lob und entwickelte sich wochenends zu einem Treffpunkt, an dem sich alte Bekannte wiederbegegneten und in Erinnerungen schwelgen konnten.
Es gab auch weitere Möglichkeiten einfach per Aufkleber zu interagieren, indem die Besucher auf die Fragen „Haben Sie in der ‚Esse‘ Ihre Jugendweihe gefeiert?“ (48 x ja; 12 x nein) und „Waren Sie 1991 dabei, als ‚Odyssee‘ das letzte Konzert in der ‚Esse‘ spielte? (5 x ja; 9 x nein) reagieren konnten.
An einer schornsteinförmigen Pinnwand konnten Ausstellungsbesucher eigene Erinnerungen hinterlassen.
Darüber hinaus konnten Besucher ihre Erlebnisse auf Karteikarten schreiben und an die Pinnwand heften. Die Bandbreite ist groß – darunter eine lustige Begebenheit:
„Ich war von 1970–1975 als Konditor (vorher Koch) im Café der Esse beschäftigt. Im Jahr 1975 war der Auftritt von ‚Soulful Dynamics‘. Um Plätze für meine Frau und Freunde zu reservieren, benutzte ich den Küchenaufzug während der Arbeitszeit, ca. 14 Uhr. Leider blieb der Aufzug stecken und ich mit ihm. Vergeblich versuchten jetzt die anderen Kollegen, mir zu helfen; lautstark. Dies war auch im Restaurant zu hören, wo unser Ökonomischer Direktor […] und seine Frau zum Mittagstisch waren. Nach ca. 45 Minuten gelang die ‚Befreiung‘. Zu meinem großen Entsetzen empfing mich [der Direktor] und drohte mir mit einem Verweis. Dies war mir in diesem Moment egal, denn ich war wieder ‚befreit‘ und die begehrten Plätze waren auch reserviert.“
Auf diese Geschichte hin kommentierte ein anderer Gast, ebenfalls per Karteikarte: „Da waren Sie eindeutig zu schwer, meine 50 kg sind öfter im Essensaufzug hoch, hatte gute Bekannte in der Küche – Jugendtanz gesichert ohne Anstehen! 😊“
Unter den Beiträgen gibt es sehr persönliche Erinnerungen:
Ein Paar schrieb beispielsweise: „Zum ‚Rockrummel 1989‘ – Haben uns hier kennen und lieben gelernt! … Und sind heute noch glücklich verheiratet!“
Ein anderes: „Wir feierten unsere Hochzeit 5.8.1977 in der Esse“
„1987 Schulanfang, 1989 Blumenmädchen bei einer Hochzeit, 1988 oder 1989 Auftritt mit dem Mädchenturnen – wahrscheinlich 89 zur 40-Jahrfeier der DDR“
„Habe von 1975–1980 dort gearbeitet, war meine schönste Zeit“
„Tanzen in der ‚ESSE‘ war das Tollste in meiner Jugend in den 60er Jahren. Ich erinnere mich an die Bar, wo man immer mal zu einem ‚Getränk‘ eingeladen war. Mein erster Rausch fand auch in der Esse statt 😊 Weihnachtsball der EOS – jedes Jahr am 27.12. Mein Sohn ging später in die ESSE zum Gitarrenunterricht.“
„Ich bekam mal für das ganze Haus ‚Lokalverbot‘ für einige Zeit. Zur Jugendweihefeier meiner großen Tochter konnte ich nach Absprache diese Feier besuchen.“
Im Laufe der Ausstellung auf Burg Posterstein füllte sich die Pinnwand mit püersönlichen Erinnerungen.
Andere erinnern sich gern an Getränke, Veranstaltungen und das Ambiente:
„Sekt mit Früchten war das Getränk meiner ‚wilden Zeit‘. Die Bar in der ‚Esse‘ war der Sitzplatz für viele Stunden. Fasching war klasse. Schöne Zeit.“
„Der beliebte Sportlerball in der Esse – es war probbe voll aber schön …“
„1981 Jugendweihe, 1989 Silberhochzeit, und ganz viele schöne Abende beim Jugendtanz verbracht + Extrablätter“
„1977–78 ? genau weiß ich es nicht mehr, Hot & Blues-Jazzband spielte und Peter Schönhoff las und moderierte – war klasse“
„Zum Tag des Gesundheitswesens überraschte die Belegschaft der Auftritt von Katja Eckstein. Große klasse“
„‘Renft‘ Konzert“
Die Mitmach-Aktion #EsseSchmölln
Die Mitmach-Aktion #EsseSchmölln funktionierte – im Gegensatz zu den anderen Mitmach-Aktionen des Museums – am besten auf Facebook. Denn die Zielgruppe 50+ ist vor allem in diesem sozialen Netzwerk aktiv und über große lokale Facebook-Gruppen wie „Unser Schmölln“ fand der Aufruf zusätzlich Verbreitung. Darüber hinaus richteten wir anlässlich der Ausstellung die eigene Facebook-Gruppe „Regionale Geschichte Dreiländereck Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt“ ein, die innerhalb kurzer Zeit rund 200 Mitglieder zählte. Sie wird auch nach der Sonderschau dem Austausch über regionale Geschichte dienen und wird rege genutzt.
Auch über Facebook erhielten wir einige persönliche Geschichten aus dem Kulturhaus „Stadt Schmölln“. Spannend sind beispielsweise die Berichte aus den 1960er Jahren: „Zum Jugendtanz stand in der Anzeige: ‚Einlass nur in tanzgerechter Kleidung.‘ Das hieß Jungen mussten einen Schlips tragen. Ohne, oder gar in ‚Nietenhosen‘ (Bluejeans) wurde der Eintritt verweigert. Mädchen sollten ein Kleid oder Rock und Bluse tragen! Wurden aber in langen Hosen trotz alledem eingelassen, aber verwarnt! Westliche Tanzkultur war verboten! Man durfte das Mädchen beim Tanz nicht loslassen und schon garnicht drehen! Das wurde vom Saalrand aus überwacht und Verwarnungen verteilt, für die die es trotzdem wagten! Nach drei Verwarnungen musste man den Saal verlassen! Jugendliche unter 18 Jahren mussten 22 Uhr gehen. Zu meiner Zeit, Anfang der 60iger Jahre stand Herr [Name] am Rand des Saales und war für die Einhaltung dieser Regeln handlungsbefügt! Wurde der Tanzabend von der HO veranstaltet, waren diese Regeln eher nicht gültig. War schon ne komische Zeit. Aber schön war es trotzdem!“
Die Bar im Kulturhaus „Stadt Schmölln“ in den 1970er Jahren (Foto: Sammlung Heimat- und Verschönerungsverein Schmölln e.V.)
Der gleiche Zeitzeuge ergänzte später noch Erinnerungen an die Silvester- und Faschingsfeiern im Kulturhaus: „Noch ne kleine Erinnerung! Silvester und Rosenmontag wurde im ganzen Haus gefeiert. Saal, Restaurant und Café waren für alle zugänglich. Die Eintrittskarten dafür wurden einige Wochen vorher, immer an einem Sonntag ab 9 Uhr im Haus verkauft! Diese Karten waren sehr begehrt. Deshalb sammelten sich bereits am Sonnabend Abend vorher eine größere Personenzahl vor der verschlossenen Tür des Gewerkschaftshauses ein, um die ganze Nacht über, bis zum Sonntag Morgen zu warten. Während der Nacht wurde die Personenzahl immer größer! Da jeder nur vier Eintrittskarten kaufen konnte haben wir uns „in Schichten“ angestellt! Wir benötigten acht Karten. Also teilten wir uns in zwei Schichten ein. 2 Personen von 22 Uhr bis 3:30 Uhr! Die wurden in der Nacht von 2 anderen abgelöst! Ab und zu fuhr der Streifenwagen der Polizei vorbei, die die Menschenansammlung offenbar nicht einordnen konnten! Dann fingen etwa 100 Personen laut an zu johlen und Stimmung zu machen. Anzuhalten trauten sich die Polizisten aber nicht! Aber kamen dann öfter vorbei! Das hat viel Spaß gemacht. Wir waren jung und die Veranstaltungen waren wirklich unvergesslich. Schade, dass es das in der Form für die jungen Leute von heute nicht mehr gibt.“
Diese Beiträge wurden dann von weiteren Schmöllnern kommentiert, die ähnliche Erfahrungen gemacht hatten. Viele schrieben, es waren „schöne Zeiten“ und „man erinnert sich gern zurück“. Es wurde sich ausgetauscht über gemeinsame Bekannte, ehemalige Mitarbeiter und über verschiedene Veranstaltungsformate wie Familientanz und Tanz im Restaurant. Andere verabredeten sich zum Ausstellungsbesuch und anschließend auf ein Bier. Auch der Leihgeber der Gästebücher aus dem Kulturhaus wurde erst über Facebook auf die Ausstellung aufmerksam. Da für solche Fälle eine leere Ausstellungsvitrine bereitstand, konnten die Bücher die Ausstellung noch ergänzen.
Die Abendkarte vom Abiball 1977 wurde als Erinnerungsstück aufgehoben.
Ebenfalls Dank Facebook fanden Fotos von einer Jugendweihefeier und eine von allen Schülern und Lehrern signierte Abendkarte vom Abiball 1977 in die Ausstellung. Deren Besitzerin, die heute nicht mehr in Schmölln lebt, beschrieb in einem Brief ihre Erinnerungen: „Tatsächlich habe ich die ausreichend gezeichnete Abendkarte als Andenken an unseren Abiball im Jahre 1977 aufgehoben, da diese ja durch die vielen Unterschriften meiner Mitschüler und auch der Lehrer sowie diverser Weinflecke zu einem Unikat wurde. Entstanden ist die Unterschriftensammlung am späten Abend und nach einer tollen Feier mit Musik, Tanz und ausreichend Alkohol anlässlich des bestandenen Abiturs. […] Dennoch war es ein sehr schöner Abschluss vor allem der Abiturzeit und nach bestandener Prüfung konnten wirausgelassen feiern und uns verabschieden, denn das bevorstehende Studium oder für die Männer der Beginn der NVA-Zeit verstreute uns in der ganzen damaligen DDR und man verlor sich aus den Augen. Generell bleibt die „ESSE“ für unsere Generation (Jahrgang 1958/59) in sehr guter Erinnerung, denn wir erlebten tolle Konzerte diverser Bands, zahlreiche Jugendtanz-Veranstaltungen und Diskotheken, Faschingsball, Silvesterball, Frühlingsball und Weihnachtsball der Schule, und, und, und … – später den so genannten monatlichen Familientanz. Besonders beliebt war die „obere“ Bar – Lieblingsgetränk der Mädels „Grüne Wiese“.“
Cocktails und Zeitgeschichte
Eben jene „Grüne Wiese“ sowie drei andere im Kulturhaus beliebte Cocktails mischte Kuratorin Franziska Huberty unter fachmännischer Anleitung des ehemaligen Restaurantleiters Bernd Adam in einer Video-Reihe auf YouTube nach. Dabei ging es nicht nur um die Rezepte, sondern jedes Video behandelte auch ein Stück Gastronomiegeschichte der DDR.
Franziska Huberty und Bernd Adam beim Zeitzeugengespräch Cocktail-Zeit zur Gastronomiegeschichte im DDR-Kulturhaus Stadt Schmölln
Über diese Video-Reihe berichtet dieser Blogpost ausführlich.
Die „Esse“ hat eine Lücke hinterlassen
Im Frühjahr 1991 wurde das Kulturhaus „Stadt Schmölln“ geschlossen. Der letzte Eintrag im letzten Gästebuch aus dem Kulturhaus lautet: „Entgegen der Beschwerden von den vorhergehenden Seiten können wir bestätigen ‚Esse bleibt Esse‘. Seit Jahren sind wir Gäste des Hauses und bringen zum Ausdruck, trotz unterschiedlicher Silvesterproblemstellung bleibt der 31.12. der letzte Tag des Jahres. Auf ein gesamtdeutsches Jahr 1991 verbleibt die alte Sippschaft in jugendlicher Frische.“ (31.12.1990)
Einige Gästebücher aus dem Kulturhaus „Stadt Schmölln“ erreichten die Ausstellung des Museums via Facebook.
Nach der Wende verfiel das leerstehende Kulturhaus. Der Sprengung des namensgebenden Schornsteins wohnte 1999 eine große Menschenmenge bei – damals eher neugierig als nostalgisch.
Der Schornstein des Kulturhauses kurz vor der Sprengung (Foto: Heimat- und Verschönerungsverein Schmölln e.V.)
Inzwischen, über zwanzig Jahre später, wurde in den Zeitzeugengesprächen und Gesprächen mit den Besuchern deutlich, dass das Verschwinden des Kulturhauses in der Schmöllner Kulturlandschaft eine Lücke hinterlassen hat, die Musikclub, Stak und Ostthüringenhalle so nicht ausfüllen können. Gleichzeitig herrschte Einigkeit darüber, dass ein Konzept wie damals mit buntem Programm für alle heute nicht mehr funktionieren würde. Gefragt sind daher Ideen und Konzepte für die Zukunft.
Fortsetzung der Ausstellung im Knopf- und Regionalmuseum Schmölln
Hier setzen die Ausstellung im Knopfmuseum Schmölln und das zukunftsweisende Konzept für das Kultur- und Bürgerservicezentrum „El Button“ an. Die Ausstellung „Brauchen wir die ‚Esse‘ oder welche Kultur möchte Schmölln?“ ist von 9. Juli bis 31. Dezember 2022 zu sehen. Teile der Postersteiner Ausstellung werden ergänzt durch neue Exponate und Fragestellungen, die auf die Zukunft der Schmöllner Kultur abzielen.
Marlene Hofmann vom Museum Burg Posterstein nahm den DigAMus Award digital in Gestalt eines Roboters (rechts im Bild) entgegen
Vorgeschlagen waren 136 digitale Projekte aus Museen in Deutschland, Österreich, Schweiz und Südtirol. Eine hochkarätige Jury mit Vertreterinnen und Vertretern aus Kultur, Forschung und Museen, darunter der europäischen Online-Bibliothek Europeana sowie der Geschäftsführung des Deutschen Museumsbunds, wählte daraus acht Projekte für die Preise in mehreren Kategorien. Die Mitmach-Aktion #GartenEinsichten initiierte das Museum Burg Posterstein im Rahmen der gemeinsamen Ausstellungsreihe „Grünes im Quadrat“, an der das Residenzschloss Altenburg, das Lindenau-Museum Altenburg und das Naturkundemuseum Mauritianum beteiligt sind.
Eine Auszeichnung für innovative digitale Museumsprojekte
Der DigAMus Award wurde 2021 zum zweiten Mal an besonders kreative und nachhaltige digitale Museumsprojekte verliehen. Die Preisverleihung fand passend zum digitalen Thema am 15. Oktober 2021 live auf YouTube statt und kann auch nachträglich noch angesehen werden. Dort nahm Marlene Hofmann, im Museum Burg Posterstein verantwortlich für Marketing und Kommunikation, den Preis entgegen. Der Award wird dem Museum nun per Post zugeschickt.
„Die Mitmach-Aktion #GartenEinsichten zur Ausstellungsreihe „Grünes im Quadrat“ ist inzwischen die dritte große Social Media-Aktion, die ich für das Museum Burg Posterstein leite. Bereits mit den Projekten #SalonEuropa (2018) und #Schlössersafari (ab 2019) konnten wir viele Erfahrungen darin sammeln, einen digitalen Austausch anzustoßen und uns dadurch nachhaltig und langfristig deutschland- und europaweit vernetzen.“
Marlene Hofmann/Museum Burg Posterstein
Dieser Ansatz der nachhaltigen analog-digitalen Kommunikation ist fester Bestandteil des Museumskonzepts, das hier nachgelesen werden kann.
Bei #GartenEinsichten geht es darum, Gedanken, Fotos und Meinungen zu Gärten und dem Gärtnern zu teilen. Beteiligt sind an der Aktion auch das Residenzschloss Altenburg und das Lindenau-Museum Altenburg. Die Mitmach-Aktion läuft noch bis 14. November 2021, genau wie die Gartenausstellung im Museum Burg Posterstein.
Eingereicht wurden bisher nicht nur Fotos, sondern auch Kunstwerke, längere Texte und Gedanken zum Gartenthema. Eine Auswahl ist auf einem Bildschirm in der Postersteiner Ausstellung zu sehen. Wir streben dabei einen Austausch auf Augenhöhe an und wollen ins Gespräch kommen. Ohne die kreativen und engagierten Beiträge der vielen Teilnehmer wäre die Mitmach-Aktion nie so erfolgreich gewesen! Bisher sind über 1100 Beiträge auf Instagram, rund 900 Tweets auf Twitter, fast 200 Facebook-Posts, 21 Videos, 8 Blogposts und 18 Antworten auf unser digitales Formular eingegangen.
Der DigAMus Award vor der Burg Posterstein
Wir hoffen, dass der Hashtag #GartenEinsichten – ähnlich wie es mit der #Schlössersafari passiert ist – auch nach Ablauf der Aktion weiter für den Austausch rund um Gärten und das Gärtnern genutzt werden wird. Denn so entsteht eine langfristige nachhaltige Vernetzung.
Auf einem Bildschirm in der Sonderschau #GartenEinsichten „Wie der Gärtner, so der Garten“ Gartenkultur im Spiegel der Gesellschaft sehen Besucher eine Auswahl der zur Mitmach-Aktion #GartenEinsichen eingereichten Beiträge
Die Sonderschau schlägt einen thematischen Bogen von den verschiedenen Gartentypen vom Mittelalter bis ins Heute. Ein besonderes Augenmerk liegt aber auf zwei Gartenformen, die das Altenburger Land besonders geprägt haben: Die Gärten der historischen Rittergüter und die für die Region typischen Bauerngärten.
Anhand von historischen Vermessungskarten, die um 1800 entstanden, kann der Besucher einiges über die Geschichte und die längst vergangene Pracht der Gärten und Parks ehemaliger Rittergüter erfahren. Heute ist kaum zu glauben, dass dort Gartengestaltungen mit Grotten, Wasserkünsten oder Gebäude- und Figurenensembles, die einen Hauch von Antike verbreiteten, existierten. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf historischen, noch erhaltenen Bauerngärten. Sie prägen bis heute das Altenburger Land.
Blick in die Sonderschau #GartenEinsichten im Museum Burg Posterstein – mit zwei Gartenstühlen, Rasenteppich und Gartenmotiven
Instagramer aus der Region zeigen in Fotos ihren Blickwinkel auf die historischen Gärten. Manche dieser Gärten sind noch heute prachtvoll, andere kaum noch als solche erkennbar. Die in der Ausstellung vorgestellten Rittergutsgärten sind auf der Webseite des Museums auf einer Karte markiert und somit für jedermann zu finden. Dadurch können sie eigenständig, zumindest von außen erkundet werden.
Die Ausstellung will zum Nachdenken und zur Diskussion anregen über den Garten als Element unserer Landschaft und über die Frage, wie wir unsere Orte nachhaltig gestalten. Über die Mitmach-Aktion #GartenEinsichten sind alle dazu eingeladen, an dieser Diskussion teilzuhaben.
Der Kölner Künstler Wolfgang Stöcker stellt am 28. September 2021, ab 11 Uhr, vor der Burg Posterstein seine neue Skulptur „Die Postersteiner Stele“ auf. Die Idee dazu entstand im Lockdown: Wolfgang Stöcker dokumentierte zahlreiche geschlossene Museen aus ganz Deutschland fotografisch, darunter auch das Museum Burg Posterstein, das im zweiten Lockdown von November 2020 bis Juni 2021 ganze sieben Monate geschlossen bleiben musste.
Detail der „Postersteiner Stele“ Wolfgang Stöckers mit Aufnahmen aus dem Residenzschloss Altenburg, Schloss Augustusburg in Brühl, Burg Posterstein und dem Stadtmuseum Lindau.
Die an unterschiedlichsten Orten entstandenen Fotografien vermischt der Künstler miteinander und zeigt sie in Form von Skulpturen, Bildern oder Projektionen im öffentlichen Raum. So kommt es, dass derzeit Detailaufnahmen aus dem Museum Burg Posterstein an Paneelen an Kölner Balkonen hängen – und eben eine Stele auf dem Postersteiner Burgberg aufgestellt wird.
Wolfgang Stöcker im Juni 2021 bei der fotografischen Dokumentation im Museum Burg Posterstein
Wolfgang Stöckers Blick auf diese Orte ist untypisch: Selten zeigt er ein Gebäude in seiner Gänze, stattdessen dominieren Raumfluchten, Oberflächenstrukturen, Details und Ornamente. Aus dem Museum Burg Posterstein reisen beispielsweise Fotos des einmaligen Blicks in das historische Treppenhaus des Burgturms und des Details der Büste Wilhelmine von Sagans durch Deutschland.
Ein Foto der Büste Wilhelmine von Sagans aus der Ausstellung im Museum Burg Posterstein hängt noch bis Ende Oktober am Bickendorfer Kreisel in Köln
Neben der Postersteiner Stele (Aufstellung: 28. September 2021) wurden andere Projektionsformen als Pavillons (Bergisch Gladbach, April 2021) oder als Bildtafeln im öffentlichen Raum (Köln Mai bis Oktober 2021) gewählt. Eine weitere Installation von Tafeln samt Videoprojektion ist im November im Außen- und Innenbereich der Römertherme in Zülpich geplant. Andere in der Eifel ursprünglich geplante Aktionen mussten auf Grund der Hochwasserkatastrophe verschoben werden.
Die Postersteiner Stele von Wolfgang Stöcker
Nicht an allen Orten, die Wolfgang Stöcker im Lockdown besucht hat, entsteht ein Kunstwerk im öffentlichen Raum, aber Posterstein ist einer davon. Die Skulptur, die Stöcker „Postersteiner Stele“ nennt, besteht aus mehreren aufeinandergesetzten geometrischen Figuren, die der Künstler wetterfest mit den von ihm aufgenommenen Fotografien beklebt hat. Zu sehen sein werden darauf sowohl ganze Architekturansichten wie auch kleine Detailaufnahmen von Wandstrukturen, Stuck sowie Möbeln, Schnitzereien, Figuren in der Postersteiner Burg, ebenso mehrfach die Holzkonstruktion des dortigen Bergfrieds wie auch Geländer und Bögen im Treppenhaus der Burg.
Wolfgang Stöcker im Juni 2021 vor der Burg Posterstein
Zusammengesetzt ergeben die Motive eine lebendige optisch-assoziative Mischung von sehr unterschiedlicher Wirkung. Ebenfalls mit Ansichten auf dem Postersteiner Burgberg vertreten sein werden das Museum Marta Herford, Schloss Augustusburg in Brühl, das Museum Ludwig in Köln, das Residenzschloss Altenburg, das Arpmuseum in Rolandseck, das Lehmbruck Museum in Duisburg und das Stadtmuseum Lindau.
Wolfgang Stöcker ist nicht zum ersten Mal in Posterstein
Der Kölner Künstler Wolfgang Stöcker und die Mitarbeiter des Museums Burg Posterstein lernten sich bereits 2015 über die Social Media-Aktion #kunstputz des Kölner Kultur-Kollektivs „Die Herbergsmütter“ kennen. Denn Wolfgang Stöcker ist vor allem als Betreiber des „Internationalen Staubarchivs“ bekannt, wo er Staubproben aus historischen und kulturellen Orten aller Art auf künstlerisch-philosophische Weise dokumentiert, weiterverarbeitet und interpretiert.
Wolfgang Stöcker 2019 mit einem seiner Postersteiner „Staubschreine“ aus in Wachs gegossenem Staub aus der Burg Posterstein
2017 und 2018 unternahm Wolfgang Stöcker „Staubexpeditionen“ auf Burg Posterstein und verarbeitete sie zu hochwertiger und ganz und gar nicht staubiger Kunst, was 2019 in einer Ausstellung und dem Lesebuch „Zum Wesen des Staubes“ mündete. Seither besteht ein regelmäßiger Kontakt zwischen Posterstein und Köln – per Facebook, YouTube und E-Mail. – Mal sehen, vielleicht entsteht durch die künstlerische Vernetzung der verschiedenen Orte nun auch eine anderweitige Vernetzung?
Ostereier gestaltet von Peter Rehfeld – Sammlung Museum Burg Posterstein
Vor den Osterfeiertagen erhielten wir für die Sammlung des Museums Burg Posterstein eine einzigartige Schenkung: Der Rositzer Handwerker und Ostereier-Gestalter Peter Rehfeld übergab dem Museum seine Sammlung von rund 700 handgefertigten Ostereiern. Da das Museum weiterhin geschlossen bleiben muss, kann sie in diesem Jahr noch nicht gezeigt werden. Zur Einstimmung auf die Feiertage im kleinen Kreis gibt es hier im Blog erste Fotos. Im Kinderburg-Blog haben wir darüber hinaus Wissenswertes zum Osterfest und Basteltipps für die ganze Familie zusammengestellt.
Peter Rehfeld bewahrt und sammelte historische Gestaltungstechniken
Seit fast 40 Jahren gestaltet Peter Rehfeld bereits Eier zu filigran ausgeführten Kunstwerken um. Und jedes Jahr entstehen neue. Sein Ziel ist es dabei, alte Handwerkstechniken, die zur Gestaltung dieser berühmten und allseits beliebten Osterdekorationen zum Einsatz kommen, zu sammeln, zu bewahren und einem breiten Publikum bekannt zu machen. Dazu dient ihm nicht nur sein privater Garten als Ausstellungsfläche! Seine handgefertigten Ostereier wurden bereits in verschiedenen Museen und Ausstellungen gezeigt und bewundert.
Peter Rehfeld aus Rositz im Altenburger Land setzt sich seit fast 40 Jahren dafür ein, alte Ostereier-Gestaltungstechniken zu sammeln und zu bewahren.
Zur Verzierung der Hühner-, Wachtel- oder Gänseeier nutzt Peter Rehfeld verschiedene Techniken und Materialien. Stroh, Blumen und Gräser, Stoffe und Farben bilden nicht nur Muster, sondern zum Teil ganze Landschaften ab. Jedes Ei ist ein Unikat. Und doch sind diese Techniken zum Nachahmen geeignet. Verkäuflich sind die kleinen Kunstwerke nicht. Aber einige einfache Anleitungen, die zu einem erstaunlich raffinierten Endprodukt führen, hat Peter Rehfeld in einem eigenen Buch zusammengefasst und herausgegeben.
Neueingänge in der Sammlung des Museums Burg Posterstein: Ostereier in verschiedensten Gestaltungstechniken von Peter Rehfeld
Rund 700 seiner wunderbar gearbeiteten Ostereier sind nun in die Sammlung des Museums Burg Posterstein eingegangen. Ursprünglich war für die Osterzeit eine Sonderschau mit Workshops des Künstlers in der Burg geplant. Seit 2. November 2020 ist das Museum Burg Posterstein allerdings geschlossen, um Besucher zu schützen und einen Beitrag zur Verlangsamung der Ausbreitung der COVID-19-Pandemie zu leisten. Aber verschoben ist nicht aufgehoben – eine entsprechende Ausstellung planen wir für das nächste Jahr.
Hintergrundinfos und Bastelideen zu Ostern im Kinderburg-Blog
In unserem Kinderburg-Blog haben wir verschiedene Beiträge zum Osterfest, darunter auch die Antworten auf die Fragen „Was hat das Schaf mit Ostern zu tun?“ und „Welche Farbe hat ein Osterei?“. Zudem gibt es dort einfache Bastelanleitungen zum Gestalten von Ostereiern, kleinen Geschenken oder kostenlose Vorlagen für individuelle Ostergrußkarten.
Wir wünschen allen ein frohes Osterfest! Bleiben Sie gesund!
Das Museum Burg Posterstein stellt ein neues digitales Angebot für Familien mit Kindern vor: In der Zeit des Lockdowns kann die Burg und ihre Geschichte im Kinderblog des Museums digital erkundet werden. In Zusammenarbeit mit dem Thüringer Kulturpass gibt es sogar die Möglichkeit, sich für diesen digitalen Besuch einen Stempel im Kulturpass-Heft abzuholen. Dafür müssen kniffelige Rätselfragen gelöst werden.
Burggespenst Posti lässt Kinder hinter die Burgmauern blicken
Auf dem Bildschirm sieht man zunächst nur eine Ansicht der Burg Posterstein. Per Klick auf das Burggespenst Posti aber können Kinder sehen, wie es hinter den Mauern aussieht. Zum Beispiel hinter dem so genannten „Abort-Erker“, der sich an der Außenmauer der Burg befindet. Dabei erfährt man auch gleich, was die Menschen in früheren Zeiten statt Klopapier benutzten und ob ein Ritter in Rüstung überhaupt auf Toilette gehen konnte. – Das sind – völlig berechtigte! – von Kindern gestellte Fragen, die auch in der Familienausstellung „Die Kinderburg“ kurz und knapp erklärt werden. Andere Themen sind für den Schulunterricht relevant. Im Video „Warum heißt das Mittelalter Mittelalter?“ wird die Bezeichnung der Epoche in einfachen Sätzen und lustigen Zeichnungen zusammengefasst.
Um eine der Kulturpass-Fragen zu beantworten, muss man sich das Video zum Mittelalter genauer ansehen.
Seit Jahren können sich Kinder, für ihren Besuch auf Burg Posterstein einen Stempel für ihren „Thüringer Kulturpass“ abholen. Haben sie 10 Stempel gesammelt, gibt es Preise und eine Urkunde. Der Thüringer Kulturpass wird von der Staatskanzlei finanziert und soll dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche Kultureinrichtungen spielerisch erkunden.
Auf Grund des langen Lockdowns – die Burg Posterstein ist bereits über 100 Tage geschlossen! – ist das derzeit nicht möglich. Deshalb gibt es nun die Möglichkeit, einige Einrichtungen auch digital zu besuchen und dafür einen Stempel zu bekommen. Mit dabei sind neben der Burg Posterstein auch die Wartburg, Kloster Veßra, das Residenzschloss Altenburg und einige andere Thüringer Museen. Um in allen teilnehmenden Museen digital Stempel zu sammeln, braucht man die App Actionbound.
Einen Kulturpass bekommt man über die Mehrfamilienkarte und das LKJ Thüringen sowie die meisten Theater, Museen, Bibliotheken und Jugendherbergen. In der neuen Auflage, die im März gedruckt sein wird, ist Burg Posterstein eine von mehreren Einrichtungen, die für 10 Stempel ein kleines Geschenk zur Verfügung stellen.