Siegelring, Jagdhund und Tabakspfeife: Statussymbole Altenburger Bauern

Rosine Hahn - gemalt von Friedrich Mascher, Schloss- und Spielkartenmuseum Altenburg, Inv.-Nr. SM 2224
Rosine Hahn – gemalt von Friedrich Mascher, Schloss- und Spielkartenmuseum Altenburg, Inv.-Nr. SM 2224
Rosine Hahn fährt auf: Sie trägt nicht nur ihre Festtagsttracht im Stil der Altenburger Bauern, sondern auch fünf wertvolle Goldringe, hält ihr mit goldenen Buchstaben “V. (?) Hahn” versehenes Gesangbuch im Arm und ein Blumenbouquet.

Die Witwe Rosine Beierlein, geborene Dietrich, aus Langenleuba-Niederhain heiratete am 30. Dezember 1856 in der Kirche Dorna bei Gera den “Auswärtigen” Valentin Hahn aus dem Fürstentum Reuß jüngere Linie. Rosine war in erster Ehe mit dem Anspanngutsbesitzer Michael Beierlein aus Frohnsdorf verheiratet. Ihm hatte sie 1853 das gemeinsame Anspanngut in Frohnsdorf bei Altenburg für 10.000 Taler abgekauft. Ihr zweiter Mann Valentin Hahn starb 1875 mit 54 Jahren an einem Herzschlag. Noch 1880 befand sich der 36,1 Hektar große Hof in Frohnsdorf im Besitz von Rosine, verwittwete Hahn.

Das oben abgebildete, von Friedrich Mascher (1815–1880) gefertigte Portrait aus der Sammlung des Schloss- und Spielkartenmuseums Altenburg war bisher nur als unbekanntes Frauenbildnis verzeichnet. Im Rahmen der Recherchen für die gemeinsame Sonderausstellung, konnte Gustav Wolf von der Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes zu Altenburg neue Details herausfinden. Auf Grund der Gesangbuchbeschriftung „V. Hahn“ konnte das Portrait dem Bildnis des Valentin Hahn zugeordnet werden und zeigt demnach dessen Frau Rosine. Ein weiteres Indiz dafür sind die gleichen originalen Bilderrahmen.

Stolze Altenburger Bauern

Zacharias Petzold aus Buscha mit Tabakspfeife - gemalt von Friedrich Mascher (Bild: Privatbesitz)
Zacharias Petzold aus Buscha mit Tabakspfeife – gemalt von Friedrich Mascher (Bild: Privatbesitz)
Die Altenburger Bauern, mundartlich “Marche” (abgeleitet vom Name Marie) und “Malcher” (vom Name Melchior) genannt, waren sehr wohlhabend. Statussymbole, die ihren Reichtum zum Ausdruck bringen, finden sich häufig auf den Portraits des Malers Friedrich Mascher: Goldener Siegelring, Tabakpfeife, Zigarre, Jagdhund oder Taschenuhr (an goldener Kette) beim Malcher oder Goldringe, Gesangbuch und Blumenstrauß (Riechblume) bei der Marche. Das Museum Burg Posterstein zeigt in der Sonderausstellung “Der Portraitmaler Friedrich Mascher: Ausstellung zum 200. Geburtstag” über 40 Portraits, die der Wandermaler Mascher schuf.

Blumensträuße mit versteckter Botschaft?

Einen festen Bestandteil in der Symbolik dieser Bilder nehmen offenbar die kleinen biedermeierlichen Blumenbouquets ein, die je nach Anlass unterschiedliches Aussehen haben und damit dem Betrachter auch verschiedene Botschaften über die Frau oder einen bestimmten Wohlgeruch vermitteln können. Die Kinder wiederum werden meist in festlicher Kleidung mit ihrem Lieblingsspielzeug oder -tier portraitiert.

Friedrich Maschers Bilder sollen zwar preislich günstiger als die Portraits anderer Altenburger Maler seiner Zeit gewesen sein. Dennoch leisteten sich auch reiche Bauern einen solchen Luxus meist nur einmal im Leben. Pierers Universallexikon, das 1840 in Altenburg erschien, beschreibt die Bauern folgendermaßen:

„Die Altenburger Bauern sind sehr wohlhabend, wobei sie ihr trefflicher Boden, den sie sehr verständig bearbeiten, unterstützt.

In der Regel erbt der jüngste Sohn das Gut. sind nur Töchter da, so erhält die Älteste das Gut, die älteren Söhne heiraten womöglich reiche Bauerntöchter; hierbei und bei anderen Gelegenheiten herrscht der Aristokratismus, wonach ein 4spänniger Bauer seine Tochter nicht leicht einem 2spännigen Bauern gibt, noch weniger dieser einem Kühbauern oder Häusler, wie bei dem ältesten Adel vor. Selten wird ein Gut zerstückelt.

Die Bauern sind zum Theil sehr gebildet; Büchersammlungen, Pianopforte’s ec. sind bei den wohlhabendem keine Seltenheit, viele wissen gut mit der Feder umzugehen. Dabei findet man häufig launigen Witz, aber auch List und Mißtrauen gegen die Städter. (…)

Bei ihren Hochzeiten und Kindtaufen herrschten sonst viel Luxus und manche eigne Gebräuche. Das Kartenspiel lieben sie; der Umgang mit dem anderen Geschlecht ist sehr vertraulich…“


Außerdem im Blog:

Kriminalgeschichte der Postersteiner Bauernportraits: Zeigen die Bilder Pfrengers, Schellenbergs oder Köhlers?
Reinschnuppern in die neue Ausstellung mit dem #MascherMarchenMemory

In den sozialen Netzwerken werden Infos zur Ausstellung unter dem Hashtag #MascherMarchen verbreitet.

von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Reinschnuppern in die neue Ausstellung mit dem #MascherMarchenMemory

MascherMarchenMemory

Der Maler Friedrich Mascher (1815-1880) zog in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu Fuß durch die Altenburger Region und hatte die wohlhabenden Altenburger Bauern als wichtigste Klientel für sich entdeckt. Als empfindliche Pastelle auf Tapete fertigte er detailreiche Portraits mit leuchtend blauem Hintergrund, denen eine hohe Ähnlichkeit nachgesagt wird. Seine Auftraggeber ließen sich in ihrer traditionellen Tracht abbilden.

Was bitte ist eine Marche?

Mundartlich wurde der Altenburger Bauer “Malcher” genannte – abgeleitet vom verbreiteten Namen Melchior. Die Bäuerin hieß analog eine “Marche”, was an den Namen “Marie” angelehnt war. Ausführliche Informationen zum Künstler Friedrich Mascher und der Kultur der Altenburger Bauern gibt es bereits in einem früheren Blogpost.

Das #MascherMarchenMemory

Friedrich Mascher hat viele Bäuerinnen in ihrer traditionellen Tracht sehr detailreich dargestellt. Mit unserem kleinen #MascherMarchenMemory-Spiel auf der Website des Museums lassen sich diese Details besonders gut bemerken und einprägen! – Einfach gleiche Paare finden.

Maschers Portraits als Zeugnis Altenburger Bauernkultur

Die oft unsignierten Pastelle Maschers stellen heute ein wichtiges Zeugnis der bäuerlichen Kultur im ehemaligen Herzogtum Sachsen-Altenburg dar. Mit über 60 Bildern besitzt das Schloss- und Spielkartenmuseum Altenburg die größte Sammlung. In der Sammlung des Museum Burg Postersteins befinden sich sechs Bilder Friedrich Maschers, darunter aber auch seltene bürgerliche Portraits, die belegen, dass Mascher nicht ausschließlich Bauern malte. Das Lindenau-Museum Altenburg verfügt über zwei weitere Werke, in der Kirche in Neuenmörbitz hängen fünf Portraits.

Auf unseren Aufruf hin konnten noch bisher unbekannte Bilder in Privatbesitz ausfindig gemacht und zum Teil sogar für die Ausstellung geliehen werden. Wir danken den Leihgebern jetzt schon recht herzlich!

Plakat_Mascher_BurgPostersteinDie Sonderausstellung “Der Portraitmaler Friedrich Mascher: Ausstellung zum 200. Geburtstag” läuft von 6. März bis 5. Juni 2016 im Museum Burg Posterstein und ist eine Kooperation mit dem Schloss- und Spielkartenmuseum Altenburg, das ab September ebenfalls eine Mascher-Ausstellung zeigt. Diesem gilt auch unser besondere Dank für die Bereitstellung der Bilder für das kleine Memoryspiel. Bis zur Ausstellungseröffnung wird noch das ein oder andere neue “Marchenpaar” zum Spiel hinzukommen.

Zur Ausstellung erscheint ein Buch.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Für Sonderausstellung gesucht: Wer besitzt Gemälde vom „Bauernmaler“ Friedrich Mascher?

Mascher-Portrait des Bauern Prenger aus Greipzig um 1860 (Museum Burg Posterstein)
Mascher-Portrait des Bauern Prenger aus Greipzig um 1860 (Museum Burg Posterstein)
Im 19. Jahrhundert ließen sich viele wohlhabende Hofbesitzer des Altenburger Herzogtums porträtieren. Diese Bilder sind meist als empfindliche Pastelle ausgeführt. Der bedeutendste Maler, der in der Altenburger Region solche Porträts herstellte, war Friedrich Mascher (1816-1880). In einer gemeinsamen Sonderausstellung zum 200. Geburtstag des Künstlers wollen das Museum Burg Posterstein und das Residenzschloss Altenburg Porträtbilder und Hofansichten zeigen und die Kultur der Bauern der Region im 19. Jahrhundert vorstellen.

In Vorbereitung dieser besonderen Schau starten wir gemeinsam mit dem Residenzschloss diesen Aufruf an Bürger und Vereine der Region und darüber hinaus: Wer besitzt noch Bilder, Porträts und Pastelle des Malers Friedrich Mascher und würde sie für die Dauer der Sonderausstellung zur Verfügung stellen? Ein Beispiel für Maschers Stil ist hier abgebildete das Porträt des Bauern Prenger aus Greipzig (um 1860) aus der Postersteiner Sammlung.

Das Museum Burg Posterstein zeigt die Ausstellung vom 6. März bis 5. Juni 2016. Im September 2016 wird sie im Residenzschloss Altenburg zu sehen sein. Dazu erscheint ein reich bebilderter Katalog.

Weitere Informationen zu Mascher-Bildern in Posterstein

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Hans Wilhelm von Thümmel: Der Mann unter der 1000jährigen Eiche von Nöbdenitz

Unter ihrem hohlen Stamm liegt die Gruft eines Altenburger Ministers.
Unter ihrem hohlen Stamm liegt die Gruft eines Altenburger Ministers.

Die 1000jährige Eiche von Nöbdenitz ist Dank Facebook, Twitter, den Medien und dem Engagement zahlreicher Bürger innerhalb kurzer Zeit über die Grenzen des Landkreises Altenburger Land bekannt geworden. Ein Gutachten empfahl die Verstümmlung des im Umfang zwölf Meter dicken Naturdenkmals und die Menschen gerieten – zu Recht! – in Aufruhr. Eine Arbeitsgruppe soll den Baum nun retten, finanziert durch Spenden.

Der im Ort liebevoll “alte Eiche” genannte Baum ist nicht nur eine der ältesten Stieleichen überhaupt, sie birgt in ihrem hohlen Inneren auch die Grabstätte eines Altenburger Ministers: Hans Wilhelm von Thümmel.

Der Minister Hans Wilhelm von Thümmel

Der Altenburger Minister Hans Wilhelm von Thümmel (nach Grassi).
Der Altenburger Minister Hans Wilhelm von Thümmel (nach Grassi).

Thümmel wurde 1744 als jüngster Bruder des Schriftstellers Moritz von Thümmel auf dem Rittergut Schönfeld bei Leipzig geboren. Er heiratete die Freiin von Rothkirch und Trach (1765-1839), mit der er die Kinder Ernst Julius (gest. 1838), Benjamin Alfred (1791-1828), Clementine Dorothea Friederike (gest. 1820), Charlotte Constanze (gest. 1834) und Hans Emanuel (1796-1825) hatte. Nach dem Studium in Leipzig trat Thümmel 1760 in den Gothaer Hofdienst ein. Hier wurde er Page, Kammerjunker, Kammerassessor und später Vizepräsident der Kammer in Altenburg. Seit 1805 trug er den Titel Geheimer Rat und Minister. Zwischen 1803 und 1808 übernahm er mehrere diplomatische Missionen nach Dänemark, Berlin, Königsberg, Dresden und Paris.

Als Freund des Herzogs Ernst (1745-1804) besaß er großen Einfluss bei Hofe. Verdient gemacht hat er sich durch die Gründung der Kammerleihbank, die Förderung des Straßenbaus und die allgemeine Landvermessung im Herzogtum Sachsen-Gotha und Altenburg. Der Bau des ersten Altenburger Krankenhauses wurde von Thümmel initiiert. Es galt am Ende des 18. Jahrhunderts als europäischer Musterbau.

Thümmel in Altenburg

In Altenburg ließ Hans Wilhelm von Thümmel seit 1790 auf seinem Grundstück in der Nähe des großen Teiches einen englischen Park anlegen. In seinem Haus traf sich die Altenburger “High Society” zur “Theegesellschaft”. Häufig zu Gast waren Hofrat Pierer, Professor Messerschmidt, Bankier Reichenbach, Thümmels Schriftsteller-Bruder Moritz und Friedrich Arnold Brockhaus. Die Herzogin von Kurland weilte während ihrer Löbichauer Sommeraufenthalte oft in Altenburg bei Thümmels.

Mitglied im Dichterkreis der Herzogin von Kurland

Familie Thümmel gehörte das Rittergut Nöbdenitz, samt dem großen Teich.
Familie Thümmel gehörte das Rittergut Nöbdenitz, samt dem großen Teich.

Hans Wilhelm von Thümmel gehörte bis 1821 zum Dichterkreis der Herzogin von Kurland in Löbichau und hinterließ einige literarische Schriften. Darüber hinaus verwaltete er die wirtschaftlichen Interessen Dorothea von Kurlands in Mitteldeutschland. Aus Nöbdenitz kam er oft zu Besuch nach Löbichau und war dort ein gern gesehener Gast. Gegenbesuche der Herzogin auf seinem Gut in Nöbdenitz waren keine Seltenheit. In den Wintermonaten kehrte Familie Thümmel samt den Töchtern Clementine und Constanze in den bekannten Berliner Salons ein.

Thümmel in Nöbdenitz

„Der Mensch, welcher den richtigen von der Vernunft gebildeten Weg fortgeht, ohne sich durch Lob oder Tadel anderer stören zu lassen, ist der wahre Philosoph. Man könnte seinen Gang Gleichmut der Weisheit nennen.“

(Aphorismen aus den Erfahrungen eines SiebenundSiebzigjährigen von Hans von Thümmel, geh. Rath und Minister, Zweite vermehrte Auflage. Mit dem Portrait des Herrn Verfassers. Altenburg 1821)

Skizze von Thümmels Gruft unter der 1000jährigen Eiche (von Hans Bräunlich)
Skizze von Thümmels Gruft unter der 1000jährigen Eiche (von Hans Bräunlich)

Nach seinem Abschied aus den herzoglichen Diensten 1817 lebte Hans Wilhelm von Thümmel häufiger als bisher in Nöbdenitz. In Nöbdenitz kann man Thümmels Grabstätte besichtigen – die so genannte 1000jährige Eiche, die der Minister der Pfarrgemeinde abgekauft und in deren Wurzeln er sich begraben lassen hat. Die Grabstätte wurde 1959 untersucht und der Befund bestätigt.

Das Thümmelsche Kartenwerk von 1813

„Wer in der Länderbeschreibung etwas Befriedigendes leisten will, muß das Land, das er beschreibt, eine lange Reihe von Jahren bewohnt und den Vortheil genossen haben, in den wichtigsten Fächern der Verwaltung angestellt gewesen zu seyn…“

Das ehemalige Herzogtum Sachsen-Gotha und Altenburg bestand aus zwei Teilen, die als so genannter Ostkreis (mit den Ämtern Altenburg und Ronneburg) und Westkreis (mit den Ämtern Eisenberg, Stadt-Roda und Leuchtenburg (Kahla und Orlamünde) durch die Grafschaft Reuß j. L. voneinander getrennt waren. Bis 1805 bzw. 1826 gehörten außerdem die Saalfelder “Landesportion” und der Camburger Landesteil zu Altenburg. Die amtliche Vermessung einzelner Grundstücke und Fluren setzte im Altenburgischen um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert ein. Von 1786 bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte die Kartographie vor allem im Zusammenhang mit der Entwicklung des Steuerwesens und damit einhergehender Revisionen der Steuerkataster einen großen Aufschwung. Dabei ist die Entstehung der topographischen Karten des Herzogtums Altenburg hauptsächlich der Initiative Hans Wilhelm von Thümmels zu verdanken.

Das Thümmelsche Kartenwerk erschein 1813.
Das Thümmelsche Kartenwerk erschein 1813.

Die überwiegende Zahl der Flurteilkarten vor 1786 stellte in erster Linie Waldungen, besonders die Staatsforste dar; daneben wurden Grenz-, Straßen und Flußkarten als Flurteilkarten erstellt, vorrangig für Steuererhebungen der Katasterämter. Bedeutende Kartenwerke dieser Zeit stammen von den Landmessern Wiebeking und Hammerschmidt.

Im Vergleich zu zahlreichen Grundrissen aus dem Altenburger Westkreis, wies der Ostkreis eine auffallend geringe Anzahl von Flurkarten auf. Mit Genehmigung des Herzogs Ernst begann Thümmel 1795 mit der allgemeinen Landesvermessung des Ostkreises. Im Jahre 1809 erhielt er vom Herzog die obere Leitung zum Erstellen einer genauen topographischen Karte des Herzogtums Altenburg, für deren Kosten die Kammerkasse aufkam. 1812, Hilbersdorf wurde als letzter Ort erst 1816 aufgenommen, war der Ostkreis des Herzogtums mit 531 Landvermessungskarten von 306 Fluren vollständig vermessen.

Das Thümmelsche Kartenwerk, 1813 vollendet, erschien unter dem Titel:

„Topographische Karte der Aemter Altenburg und Ronneburg. Herausgegeben auf
Befehl Sr. Durchlaucht des regierenden Herzogs von Sachsen-Gotha und Altenburg
von dem Minister von Thümmel, 1813” und die „General-Karte der Aemter Altenburg
und Ronneburg, als Tableau der 1813 herausgegebenen Karte”. Es besteht aus 21 Sektionsblättern und einer Generalkarte. In Paris konnte von Thümmel den anerkannten Landkartenstecher und Graveur Tardieu vertraglich binden, die Karten in Kupfer zu stechen. 1818 schildert Thümmel selbst die Geschichte dieser nach ihm benannten Karte in der Schrift: „Historische, statistische, geographische und topographische Beyträge zur Kenntnis des Herzogthums Altenburg”.

Weitere Artikel über Thümmel:

Wer ließ sich unter einem Baum begraben?

Wer besaß ein chinesisches Badehaus?

Weitere Informationen zu Thümmel gibt es in der Dauerausstellung des Museum Burg Postersteins.

Frisch restauriert: Pastelle des Bauernmalers Friedrich Mascher

Aktualisierte Informationen zu den Postersteiner Bauernportraits gibt es hier.

Den 37. Internationale Museumstag nutzte das Museum Burg Posterstein um drei neu erhaltene Exponate aus der regionalgeschichtlichen Sammlung näher vorzustellen: Die Pastell-Portraits einer Altenbruger Bauernfamilie. Der Bauernmaler Friedrich Mascher porträtierte die “Malscher und Marschen” in ihrer ortstypischen Tracht. Dieser Blogpost gibt Einblicke in die Kultur der Bauern im Altenburger Land.

Altenburger Bauerntrachten (historische Postkarte aus der Sammlung des Museums)
Altenburger Bauerntrachten (historische Postkarte aus der Sammlung des Museums)

Ein der Teil der Sammlungen des Museums ist der eigenständigen Kultur der Altenburger Bauern gewidmet, die sowohl in der Bauart der Höfe, als auch einer eigenen Mundart, Tracht sowie speziellen Traditionen wie Hochzeitszeremonie und Bauernreiten (Hochzeitszug) oder einer ausgeprägten Gasthofkultur sichtbar wird.

Blütezeit der Gasthöfe

Auf Grund der hervorragenden Wirtschaftlichkeit der Höfe, die wesentlich auf den fruchtbaren Boden und einem speziellen Erbrecht (Unteilbarkeit der Höfe, der jüngste Sohn erbte) basierte, verfügten die Bauern auch über Freizeit. Manche nutzte diese seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zur Beschäftigung mit Naturkunde und Geschichte.

Altenburger Bauern - im Hintergrund das Residenzschloss Altenburg
Altenburger Bauern – im Hintergrund das Residenzschloss Altenburg

Eine Blütezeit erlebten dadurch vor allem die Gasthöfe. Der Gasthof war Versammlungs- und Kommunikationsort. Nach erfolgreichen Geschäften an Marktagen in den Städten oder an Fest- und Feiertagen kehrte man standesgemäß ein. Bedeutsam sind die Gasthöfe nicht nur als gesellige Zentren der Ortschaften, sondern auch wegen ihrer einzigartigen, architektonisch interessanten Festsäle. Große Säle mit über 2000 Plätzen, Bühnenbauten und umlaufenden Galerien, wechselten sich mit kleineren Sälen ab, je nach Wohlstand der Region und ihrer Besitzer.

Heute bezeugen nur noch wenige bewirtschaftete alte Gasthöfe diese Zeit, ein Großteil von ihnen ist aufgegeben, verfallen, abgerissen oder zu Wohnzwecken umgebaut. Die Trachten der Altenburger Bauern sind aus dem Alltag gänzlich verschwunden. Eine Renaissance erleben diese aber in jüngster Zeit durch Trachtenträger zu Folklorefesten und in der Brauchtumspflege.

Bäuerliche Trachten im Altenburger Land

Die Träger der Altenburger Bauerntracht wurden auch als Marche – was sich wohl von Marie ableitet – und als Malcher (Melchior) bezeichnet. Die Tracht war zumeist teuer ausgearbeitet und steht somit als Symbol für den Wohlstand der Region. In Pierers Universallexikon von 1840 ist folgendes über die Trachten und Sitten der Altenburger Bauern nachzulesen:

Die Tracht des Bauern
… „Sie tragen sehr weite, kurze Hosen von schwarzem, sämischgarem Leder, einen schwarzen Latz ohne Aermel, den Hosenträger über demselben, einen schwarzen Rock (Kappe) ohne Kragen (statt derselben ragt der Hemdkragen hervor) mit grünem Futter und nur selten (sonst häufiger) einen weißen tuchnen Rock. Oft tragen sie gar keinen Rock, sondern gehen in bauschigen Hemdärmeln, oder haben statt desselben einen kurzen Tuchspenser; außerdem haben sie enge, bis an das Knie reichende Stiefeln und einen kleinen, runden Hut mit niedrigem Kopf und schmaler, vorn senkrechter, hinten aufwärts stehender Krämpe. Im Winter haben sie Lederpelze und Kragenmäntel.“…

Die Tracht der Bäuerin
… „Die weit unkleidsamere Tracht … zeichnet sich durch den enggefälteten, nur wenig über die Knie reichenden , prallen und ausgepolsterten Rock von buntem Kattun, und durch den pappenen, die Brust völlig breit drückenden Latz aus. Außerdem tragen sie Schürzen, ein enganliegendes Corset und eine hinten weit übergebogene Mütze mit buntem oder schwarzem Band. Im Sommer und bei Festen tragen sie Strümpfe und Schuhe oder Klapppantoffeln , im Winter Halbstiefeln, einen Tuchspenser und einen Tuchmantel mit langem Kragen. Bei Hochzeiten, Gevatterschaften und sonstigen Festlichkeiten tragen die Mädchen (deren gewöhnliche Mützen hinten zulaufen, während die der verheirateten Frauen einen kleinen, gefälteten Kranz bilden ), Hormte, pappene Mützen, mit Band umwunden oder mit rotem Sammet überzogen, oben offen, mit beweglichen Goldblättchen behangen.“ …

Das Hormt – der Festtagsschmuck

Die Marsche und der Malscher in ihrer traditionellen Altenburger Tracht
Die Marche und der Malcher in ihrer traditionellen Altenburger Tracht

Mundartlich abgewandelt, stammt der Begriff aus dem Mittelhochdeutschen und steht für Harband (auch habant), das Haarband. Das Hormt hat seinen Ursprung in der altgermanischen Kopfbinde, eines aus Wolle, Leinen oder Metall hergestellten Kopfschmucks. Es wurde von den Familien wohlhabender Bauern als wertvoller Besitz, als so genanntes „Mutterteil“ weitervererbt.

Tragen durften es die Mädchen von der Konfirmation bis zur Verheiratung. Schwangeren und solchen, die unehelich geboren hatten, sowie verheirateten Frauen war das Tragen des Hormtes verboten. Es war also Zeichen der Jungfernschaft. Man nannte die Hormtträgerinnen deshalb auch Hormtjungfern, die bei der Kommunion das Recht hatten, in ihrem Ehrenschmuck zuerst an den Altar zu treten und das Abendmahl zu empfangen. Festlichster Anlass für das Tragen des Hormtes war dann die Hochzeit nach althergebrachten Brauch.

Portrait einer Altenburger Familie um 1860

Mascher-Portrait des Bauern Prenger aus Greipzig um 1860 (Museum Burg Posterstein)
Mascher-Portrait des Bauern Pfrenger Schellenberg aus Greipzig um 1860 (Museum Burg Posterstein)

Neben den Trachten selbst spielen auch ihre Darstellungen auf Grafiken, Ansichtskarten und Gemälden eine zentrale Rolle für die kulturgeschichtliche Sammlung des Museums Burg Posterstein. Als Ankauf gelangten drei Portraits in den Besitz des Museums, welche ursprünglich aus dem Besitz der Familie Pfrenger aus dem Ort Greipzig stammen. Die Werke entstanden um 1860 und wurden vom bekannten Bauernmaler Ernst Friedrich Mascher gemalt. Als Brustbild vor blauem Himmel wurde das Ehepaar (Schellenberg, wie sich später herausstellte) in Pastell gezeichnet und trägt dabei die Altenburger Bauerntracht, vom Künstler im Detail herausgearbeitet. Somit stellen die Gemälde einen ganz speziellen Bezug zur Kultur des Altenburger Landes, zu seinen Bewohnern und dem Künstler dar, der die Arbeiten anfertigte. Nach einer grundsätzlichen Restaurierung erhielten die Werke nun einen Platz in der ständigen Ausstellung.

Der wandernde Künstler Ernst Friedrich Mascher

Die Familie Pfrenger Schellenberg war nicht die einzige aus der Umgebung Altenburgs, die sich vom wandernden Künstler Friedrich Mascher porträtieren ließ. Tatsächlich gab es wohl kaum ein größeres Bauerngut, das kein Werk des Künstlers besaß. Die meisten seiner Bilder sind aus dem Wieratal bekannt, besonders aus Frohnsdorf. Doch auch in und um Gößnitz, Dobitschen, Meucha und an der Westgrenze des Kreises war Mascher tätig. Wieviele Bilder er tatsächlich anfertigte ist nicht nachzuvollziehen, doch schenkt man der Beschwerde des Altenburger Malers Franz Richter von 1860 Glauben, so stellte Mascher in einigen Dörfern 20-30 Bilder her. In anderen Orten sogar mehr. Er war ein sehr bekannter Mann. Am 18. Juli 1880 erschien ein Nachruf auf seinen Tod in der größten Tageszeitung der Residenzstadt Altenburg: in der „Altenburger Zeitung für Stadt und Land“. Dabei hatte Mascher nicht einmal einen Wohnsitz in Altenburg; kam noch nicht einmal aus der Region!

Doch trotz seiner Bekanntheit sind kaum Fakten über sein Leben bekannt. Was wir wissen ist, dass Ernst Friedrich Mascher am 6. November 1815 in Tennstedt geboren wurde. Er war das dritte Kind von Heinrich Christian Maschers (Wagner oder Stellmacher von Beruf) und dessen Frau Charlotte Friederike. 1842 heiratete Friedrich Mascher eine Frau aus dem Anhaltinischen: Sophie Friedrike Leopoldine Rosamunde Riede, mit welcher er 1853 einen Sohn, Friedrich Hugo, bekam. Die Familie lässt sich in den Adressbüchern von Weißenfels und Halle fassen, aber nie im Altenburgischen. Mascher ging hier nur seiner Tätigkeit nach. Bei seiner Hochzeit gab er sogar an, er sei von Berufswegen „Mahler in Altenburg“.

Ein rätselhafter Tod

Seit Anfang der 1870er Jahre lebte der Künstler aber wohl von seiner Familie getrennt, führte scheinbar ein Wanderleben und wird von Zeugen als stiller, untersetzter Mann beschrieben.

So rätselhaft wie sein Leben, waren schließlich auch die Umstände seines Todes: Am 26. Juni 1880 wurde er im Luckaer Forst besinnungslos aufgefunden und ins Landeskrankenhaus nach Altenburg gebracht, wo er am 29. Juni 1880, wohl an einer Lungenentzündung, starb. Wie es zu diesem Ende kam, ist nicht geklärt. Nach Angaben der Ärzte erwachte Mascher nicht mehr aus seiner Ohnmacht. War er das Opfer eines Raubes geworden? Oder ein Opfer seiner Wanderschaft? Diese Fragen müssen wohl ungeklärt bleiben.

Maschers Werk: Hohe Portraitähnlichkeit, durchwachsene künstlerische Qualität

Von Maschner portraitierte Bauersfrau Prenger aus Greipzig (Museum Burg Posterstein)
Von Maschner portraitierte Bauersfrau Pfrenger Schellenberg aus Greipzig (Museum Burg Posterstein)

Friedrich Mascher malte sicherlich nicht nur für ein bäuerliches Klientel. Wenigstens ein Bild von ihm ist auch aus bürgerlichem Haushalt bekannt. Je nach Auftragslage werden es wohl einige mehr gewesen sein. Ausführlich dokumentiert sind allerdings nur die Bauernportraits aus dem Altenburger Land.

Mascher wird eine hohe Portraitähnlichkeit angerechnet, sein Werk gilt allerdings als von durchwachsener künstlerischer Qualität. Einige Bilder sind aufs Feinste ausgearbeitet, andere eher grob gefertigt. Die Unterschiede sind so gravierend, dass einige Zeit lang in der Forschung angenommen wurden, es gäbe zwei Maler „Friedrich Mascher“. Vater und Sohn vielleicht? Doch diese qualitativen Unterschiede scheinen eher mit einer gewissen Routine beim Malen, einer Anpassung an moderne Auffassungen oder reiner Flüchtigkeit zusammen zu hängen.

In der Regel malte Mascher seine Modelle vor blauem Himmel und in reich verzierter Tracht. Besonders bei der Kleidung legte der Künstler sein ganzes Talent an den Tag. Selbst die verschiedenen Stoffe der Tracht lassen sich auf den Bildern ausmachen. Die Gesichter der Marschen sind zumeist freundlich. Die Damen sind oft mit einem Blumenstrauß bzw. mit einer Riechblume dargestellt und haben reich beringte Hände. Die Männer sind meist mit einer brennenden Zigarre und – wohl je nach Sympathie des Malers – freundlich dargestellt. Mascher malte stets Pastelle und trug die Farbe auf Tapete oder ähnliches Papier auf.

Vater, Mutter, Kind – Die Bilder im Museum Burg Posterstein

Zwei der drei Bilder, welche das Museum für die Sammlung gewinnen konnte, lassen sich Friedrich Mascher zuordnen. Dabei handelt es sich um das bereits genannte Ehepaar Pfrenger Schellenberg. Sie sind im typischen Stil des Malers – in Pastell – gefertigt und auf dem Portrait des Hausherren lässt sich die Signatur Maschers und das Datum 1860 nachweisen. Die beiden Werke passen äußerlich gut zusammen: Beide vor blauem Himmel gemalt, die Frau mit zwei Blumen in der Hand und reich beringten Fingern, der Mann mit Hund dargestellt. Beide Portraits sind auf alter Tapete aus der entsprechenden Zeit aufgebracht.

Ein ebenfalls neu erworbenes Kinderportrait gibt allerdings Rätsel auf. Eine Signatur ist nicht auszumachen, die Technik scheint eine andere zu sein, Fehlstellen wurden bereits ausgebessert und auch der Hintergrund und die allgemeine Erscheinung wollen nicht recht zu den beiden anderen Werken passen. Ob es sich bei diesem letzten Stück um ein weiteres Bild Maschers handelt, kann nur schwer bestimmt werden. Vielleicht stammt es auch aus einer anderen Zeit und sollte die Familie nachträglich komplettieren.

Nach umfassender Restaurierung (u.a. Entfernung der Pappe beim Kinderbild, neue Ergänzung der Fehlstellen, Schaffung einer luftdichten Rahmung) konnten die Bilder pünktlich zum internationalen Museumstag am 18. Mai 2014 in neuem Glanz präsentiert werden. Unter Rücksichtnahme auf die Empfindlichkeit der Arbeiten haben sie nun zeitweise ihren Platz in der ständigen Ausstellung des Museums gefunden.

Zum Weiterlesen:

Ingo Bach: Neues zu dem Leben von Ernst Friedrich Mascher; Sächsische Heimatblätter, Sonderdruck aus dem Heft 5/68, 1968, S. 214-216.

Aufsatz von Gustav Wolf: Der Bauernmaler Friedrich Mascher, in: Die Altenburger Bauern im Kunsthandwerk und in der bildenden Kunst. Begleitheft zur Sonderausstellung im Schloss- und Spielkartenmuseum Altenburg, Altenburg 2012.

Von Franziska Engemann

Sammlerstücke: Was ist eigentlich eine Blocksonnenuhr?

Aus unserem Alltag verschwinden ständig Dinge, einfach, weil sie nicht mehr gebraucht werden. Das können Disketten, Dia-Projektoren, Lochkarten, handgeschriebene Briefe und Wendetoaster sein – alles Beispiele aus Blogbeiträgen zur Blogparade #dailyvanish von Sebastian Hartmann (alias Museumsheld mit dem Blog “Museum & Social Media”). Bis auf den Wendetoaster haben wir alles irgendwo im Museum, der Ort schlechthin, an dem vergangene Technologien und Gegenstände aufbewahrt werden, wenn sie aus der Mode gekommen sind. Dann können nachfolgende Generationen diese Gegenstände noch einmal mit eigenen Augen sehen und sich wundern, wie die Ahnen damit hantiert haben.

Die Blocksonnenuhr aus der Sammlung des Museums Burg Posterstein
Die Blocksonnenuhr aus der Sammlung des Museums Burg Posterstein

Für die Blogparade wollen wir einen Gegenstand aus unserem Archiv holen, der schon sehr viel länger aus dem Alltag verschwunden ist: Die Blocksonnenuhr. Solche Sonnenuhren gab es schon seit dem frühen 16. Jahrhundert und für die damalige Zeit waren die kleinen Kästen (unsere Sonnenuhr ist etwa 20cm lang und 18cm hoch) ein handliches und bewegliches Werkzeug auf dem Schreibtisch, beispielsweise in Observatorien.

Blocksonnenuhr aus dem 17. Jahrhundert (Museum Burg Posterstein)
Blocksonnenuhr aus dem 17. Jahrhundert (Museum Burg Posterstein)

Die Postersteiner Blocksonnenuhr stammt aus dem 17. Jahrhundert, steht in der Dauerausstellung zur Regionalgeschichte des Altenburger Landes und soll später restauriert werden. Der Quader aus bemaltem Holz enthält einen Kompass zur richtigen Ausrichtung und fünf Sonnenuhren. Wo die Blocksonnenuhr ursprünglich gestanden hat, ist nicht bekannt. Ein berühmter Altenburger Staatsmann und Wissenschaftler, der in seinem Arbeitsalltag u. a. mit Blocksonnenuhren in Berührung kam, ist Bernhard August von Lindenau, der Gründer und Stifter des Altenburger Kunstmuseums Lindenau-Museum.

Einer der führenden Astronomen des frühen 19. Jahrhunderts

Ein berühmter Altenburger Staatsmann und Wissenschaftler, der in seinem Arbeitsalltag u. a. mit Blocksonnenuhren in Berührung kam, ist Bernhard August von Lindenau, der Gründer und Stifter des Altenburger Kunstmuseums Lindenau-Museum
Ein berühmter Altenburger Staatsmann und Wissenschaftler, der in seinem Arbeitsalltag u. a. mit Blocksonnenuhren in Berührung kam, ist Bernhard August von Lindenau, der Gründer und Stifter des Altenburger Kunstmuseums Lindenau-Museum.

Bernhard August von Lindenau war nicht nur einer der bedeutendsten Staatsmänner des 19. Jahrhunderts und ein über die Grenzen seiner Vaterstadt Altenburg hinaus bekannter Kunstsammler, sondern auch ein erfolgreicher Astronom. Am 11. Juni 1779 geboren, wurde er bereits als 15 jähriger gemeinsam mit seinem älteren Bruder August an der juristischen Fakultät der Universität Leipzig immatrikuliert und trat auf Wunsch des Vaters 1801 als Altenburger Kammer-Assessor in den Staatsdienst ein.

In seiner Freizeit widmete er sich aber mathematischen und astronomischen Studien, die ihn über die Jahre zu einem der führenden Astronomen des beginnenden 19. Jahrhunderts werden ließen. In der Landeshauptstadt Gotha beschäftigte der astronomiebegeisterte Herzog Ernst II. den bedeutenden Astronomen Franz Xaver von Zach und hatte auf dem nahen Seeberg die modernste Sternwarte Europas einrichten lassen. Lindenau arbeitete sich so schnell und umfassend in die Astronomie ein, dass er schon 1804 nach dem Weggang Zachs faktisch die Leitung der Sternwarte übernehmen konnte.

Die modernste Sternwarte Europas

Der Tradition Zachs folgend war der Seeberg bei Gotha mit Lindenau an der Spitze mindestens bis 1819 die Drehscheibe für Astronomen aus ganz Europa. Lindenau blieb seiner Leidenschaft ein Leben lang treu. Die astronomische Welt schätzt Bernhard August von Lindenau bis heute. Seit 1935 trägt der Mondkrater mit den Koordinaten 32° 18’ S/ 24° 54’ O seinen Namen.

Natürlich kannte sich Lindenau auch mit Sonnenuhren aus. Aber schon damals wurden diese durch modernere Technik ersetzt. Heute hätte den Erfindern der Blocksonnenuhr vielleicht ein Smartphone gereicht – Sonnenuhren gibt es auch als App.

(von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein)

Tief eintauchen in die Regionalgeschichte: Napoleon und die Völkerschlacht bei Leipzig

Napoleon im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen: Präsentation eines besonderen Buchprojekts mit acht Autoren und Informationen aus noch ungesichteten Quellen – Ein Beitrag zur Blogparade “Kultur erleben – #KulturEr” von Tanja Praske

Karikatur "Triump des Jahes 1813 - Den deutschen zum neuen Jahr" (Museum Burg Posterstein)
Karikatur “Triump des Jahes 1813 – Den deutschen zum neuen Jahr” (Museum Burg Posterstein

Im Oktober 2013, ja fast während des gesamten Jahres 2013, wurde in zahlreichen Orten Mitteldeutschlands der Völkerschlacht gedacht. An jenen vier Tagen vor zweihundert Jahren entschied sich vor den Toren Leipzigs in der bisher größten Schlacht der Menschheitsgeschichte das Schicksal des Kontinents. Napoleons Truppen, nach dem verheerenden Russlandfeldzug wieder erstarkt, trafen auf eine Kriegskoalition aus Preußen, Österreich, England und Schweden. 600.000 Soldaten aus über einem Dutzend Nationen prallten in diesen dramatischen Oktobertagen in einer Serie erbitterter Schlachten aufeinander. Die Bilanz des Grauens: fast 100.000 tote Soldaten und ungezählte zivile Opfer.

Ein Meilenstein in der diesjährigen Museumsarbeit und das Werk vieler Autoren

Das Museum Burg Posterstein, Mitglieder des Museumsvereins, der Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes zu Altenburg sowie des Heimatvereines des Bornaer Landes und weitere Autoren beschäftigten sich schon seit knapp zwei Jahren mit der Planung und Vorbereitung eines gemeinsamen Projekts zur Völkerschlacht. Für das Museum war das insofern eine Besonderheit, dass es eine Zusammenarbeit dieser verschiedenen Akteure bisher noch nicht gegeben hatte. Die Fertigstellung eines so umfangreichen Forschungsprojekts wie dem Buch “Napoleon im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen” stellt für uns einen Meilenstein der diesjährigen Museumsarbeit dar.

Buchpräsentation mit vielen Gästen

Zur Buchpräsentation am 13. Oktober kamen rund 50 interessierte Besucher, die an diesem Nachmittag die Möglichkeit bekamen, tief in die regionale Geschichte einzutauchen. Der TV-Journalist Gunter Auer erstellte dazu einen gelungenen Bericht:


Ein kurzer Blick ins Buch: Von den Napoleon-Karikaturen bis zum Tatarengrab von Kleinbeucha

"Napoleon - im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen" - das Werk von acht Autoren
“Napoleon – im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen” – das Werk von acht Autoren

Die Völkerschlacht bei Leipzig bildete den Wendepunkt in der Auseinandersetzung mit Napoleon und leitete dessen Fall, der schon in Russland begonnen hatte, in der letzten Konsequenz ein. Die öffentliche Haltung gegen Napoleon spiegelt sich nicht zuletzt in Karikaturen wider, die in der Zeit unmittelbar nach der Niederlage entstanden und mittels Reproduktionsgraphik verbreitet wurden. Ein tragendes Element des Buches “Napoleon im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen – 200 Jahre Völkerschlacht” bilden 45 Karikaturen aus der Sammlung der Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha, die den zeitgenössischen, spöttischen Blick auf die Ereignisse um Leipzig widerspiegeln. Verschiedene Autoren geben darüber hinaus Einblicke in die Ereignisse des Jahres 1813.

Klaus Hofmann (Museum Burg Posterstein) wertet in seinem Beitrag “Chronologie der Ereignisse in der Region um Altenburg zitiert aus den Akten des Kriegsarchivs in Wien – Korrespondenz der Militärs mit dem Österreichischen Hauptquartier” umfangreiche Militärkorrespondenzen, die im Wiener Kriegsarchiv lagern, aus. Auf die Rolle der Herzogin Anna Dorothea von Kurland und ihrer Töchter geht Sabine Hofmann (Museumsverein Burg Posterstein e.V.) in dem Kapitel “Drey Tage hat man sich geschlagen. Das Blut ist auf beiden Seiten geflossen. – Die Kurländerinnen in Kriegszeiten” ein. Gustav Wolf (Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes zu Altenburg) fasst in dem Kapitel “Noch am Abende dieses Tages traf der Kaiser von Rußland ein und stieg auf dem herzoglichen Schlosse ab. – Truppendurchzüge durch Altenburg 1813 im Spiegel der Aufzeichnungen von Friedrich Wagner” die Situation in und um die Stadt Altenburg zusammen, seine Hauptquelle dafür sind die detaillierten Aufzeichnungen des Altenburger Regierungs- und Finanzrat Friedrich Wagner (1792-1859) (mehr zum Thema). Um den Einfluss des Verlegers Friedrich Arnold Brockhaus drehen sich die Kapitel “Die Deutschen Blätter von Friedrich Arnold Brockhaus” (Klaus Hofmann) und “Brockhaus und seine Altenburger Zeit” (Gustav Wolf) – Mehr zum Thema. Der Regionalforscher Andreas Klöppel steuerte das Kapitel “Die Gedenktafel von Gardschütz – Ereignisse im Altenburger Land im Vorfeld der Völkerschlacht” bei. Manfred Zinecker stellt “Das „1. Thüringer Bataillon“” vor und Helmut Hentschel das “Das Tatarengrab von Kleinbeucha”. Eine Zeitleiste von Dr. Hans-Jürgen Ketzer (Leiter des Volkskundemuseums Wyhra) stellt im Anhang “1813 – Ereignisse und Entwicklungen” dar.

Präsenation des Buches im Veranstaltungskeller des Museums am 13. Oktober 2013
Präsenation des Buches im Veranstaltungskeller des Museums am 13. Oktober 2013

Aber auch Napoleon steht im Zentrum des Interesses: Dr. Hans-Jürgen Ketzer beleuchtet in seinem Beitrag “Sein beispielloses Emporsteigen und das Überwiegen seiner herkulischen Macht genügte ihm noch nicht. – Napoleon im Urteil zeitgenössischer Bewohner des Bornaer Landes” den Feldherren aus Bornaer Sicht. Die Historikerin Franziska Engemann geht in dem Kapitel “Der andere Kampf gegen Napoleon – Die deutsche politische Karikatur in der Zeit der Befreiungskriege” auf die Darstellung von Napoleon in zeitgenössischen Kulturen ein. Im Kapitel “Der Herzoglichen Bibliothek zu Gotha zum Geschenk gemacht von Frau Präsident Freytag. – Napoleon-Karikaturen in der Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha” beschreibt sie die Karikaturen aus der Sammlung der Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha, die eine wichtige Grundlage der Ausstellung und des Buchs bilden.

Napoleon – im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen – 200 Jahre Völkerschlacht bei Leipzig
Museum Burg Posterstein, 2013
ISBN 978-3-86104-098-9, 212 Seiten, 24 Euro

Das Buch ist erhältlich im Museum sowie über E-Mail info@burg-posterstein.de. Ohne die finanzielle Hilfe des Thüringer Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur, der Bürgerstiftung Altenburger Land, des Landkreises Altenburger Land und des Fördervereins des Museums wäre das Projekt nicht zu realisieren gewesen.

Ausstellung “200 Jahre Völkerschlacht” läuft noch bis 17. November

Besucher bei der Eröffnung der Ausstellung "Napoleon - im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen" im Museum Burg Posterstein
Besucher bei der Eröffnung der Ausstellung “Napoleon – im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen” im Museum Burg Posterstein

Die gleichnamige Ausstellung “Drey Tage hat man sich geschlagen. Das Blut ist von beyden Seiten geflossen. Napoleon, im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen – 200 Jahre Völkerschlacht” läuft noch bis 17. November 2013 im Museum Burg Posterstein.


(Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein)

Weitere Artikel zum Thema:

“Ein wichtiges strategisches Zentrum – Altenburg während der Völkerschlacht” (Blogartikel)

“Der Brockhaus wird eingestellt – und was das mit der Ausstellung “200 Jahre Völkerschlacht” im Museum Burg Posterstein zu tun hat” (Blogartikel)

Bericht ” Archivschätze in Posterstein ausgegraben” über die Sonderausstellung von Katja Schmidtke am 12.10.2013 in der Ostthüringer Zeitung

Die Blogparade #KulturEr:

Dieser Artikel ist ein Beitrag zur Blogparade “Kultur erleben” #KulturEr von Tanja Praske, an der sowohl Museen als auch Privatpersonen mit vielen spannenden Beiträgen teilgenommen haben. Für das Museum Burg Posterstein ist die Fertigstellung eines so umfangreichen Forschungsprojekts wie dem Buch “Napoleon im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen” ein Meilenstein der diesjährigen Museumsarbeit. Wir danken allen Mitwirkenden, Förderern, Besuchern und Lesern.

Ein wichtiges strategisches Zentrum: Altenburg während der Völkerschlacht

Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg was commander-in-chief of the allied armies against Napoleon in 1813
Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg war Oberbefehlshaber der gegen Napoleon alliierten Armeen im Jahr 2013 (Bild: Museum Burg Posterstein)

Die Pläne von Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg, dem Oberbefehlshaber der 1813 gegen Napoleon alliierten Armeen, zielten darauf ab, die Stadt Altenburg als strategisch wichtigen Ort einzunehmen und von hier aus die weiteren militärischen Aktionen gegen Napoleon zu organisieren.

Der sächsische, russische und preußische General Johann Adolf Freiherr von Thielemann (1765-1824) schrieb am 3. Oktober 1813 Folgendes an Schwarzenberg:

“Eure Durchlaucht erlauben mir geringstes die Bemerkung, daß für die Subsisteme der vorrückenden Armee der Besitz von Altenburg und Zeitz uns unentbehrlich ist. Beide Städte haben Schlösser, die auf Bergen liegend, als Citadellen  anzusehen sind und mit 1000 Mann Infanterie gegen eine große Uebermacht gar leicht vertheidigt werden können.”

Zar Alexander I. traf am Abend ein

Tatsächlich erwies sich Altenburg als geeigneter Ort, der nicht nur in der Lage war zehntausende Soldaten über einen längeren Zeitraum zu versorgen, sondern auch Platz bot für die Oberbefehlshaber, Diplomaten, Generäle und ihr Gefolge. Am 7. Oktober 1813 besetzten die alliierten Truppen Altenburg. Das Hauptquartier verlegten sie am 11. Oktober aus Penig dorthin. Am gleichen Tag traf auch Zar Alexander ein, der im Altenburger Schloss residierte. Ihm folgten der österreichische Außenminister Metternich, der englische Gesandte Cathcart, der russische Diplomat Nesselrode sowie weitere Politiker und hohe Militärs.

Am 14. Oktober erhielt der österreichische Kaiser Franz von Schwarzenberg die Nachricht, dass ein Aufenthalt in Altenburg sicher sei. Der preußische König und der österreichische Kaiser erreichten Altenburg am 15. Oktober und logierten ebenfalls im Schloss.

Eine 10.000 Einwohner-Stadt versorgt in einem Jahr über 500.000 Militärs

In der Stadt Altenburg, die damals knapp 10.000 Einwohner hatte, sollen im Jahr 1813 insgesamt 671 Generäle, 46.617 Offiziere und 472.399 Soldaten einquartiert gewesen sein. Allein im September und Oktober 1813 soll die Stadt für die Truppen die unglaubliche Summe von 147.681 Talern ausgegeben haben.

Der Altenburger Regierungs- und Finanzrat Friedrich Wagner (1792-1859) beschrieb in seiner “Chronik der Herzoglichen Residenz- und Hauptstadt Altenburg” (zu lesen auch auf Google Books) ausführlich die Lasten des Krieges, die auf den Altenburger Bürgern lasteten. Ein Auszug:

„Auf Befehl der verbündeten Mächte wurde jetzt das große Magazin von Korn, Hafer, Kartoffeln u. s. w., wozu bereits am 8. October Forderungen gemacht worden waren, wirklich angelegt, doch wurde die Lieferung der Pflege Zeitz größtentheils nach Borna gewiesen. Von Gera trafen schon ansehnliche Lieferungen zu diesem Magazine ein. Das Logenhaus, die Garnisonkirche, das Jagdzeughaus, das Vorwerk am Schlage, die Rathswage, der Pavillon im Schloßgarten, und mehrere Scheunen wurden von diesem Magazine angefüllt, Stroh und Heu aber in ungeheuern Feumeln auf dem Gottesacker aufgethürmt. (…)”

In allen Häusern mussten 2, 3 und mehr Verwundete aufgenommen werden

Special exhibition on the battle of Leipzig in the museum Posterstein Castle near Altenburg
Sonderausstellung “Napoleon – Im Spiegel zeitgenössischer Karikaturen” im Museum Burg Posterstein

Auch Gefangene und Verwundete mussten aufgenommen und versorgt werden. Den Kanonendonner aus Leipzig konnte man bis nach Altenburg hören. Am 18. Oktober notierte Wagner: „Bei frühem Morgen begann der Donner des Geschützes von neuem, heftiger noch, als am 16., und wahrte den ganzen Tag hindurch fort. Vom Lande trafen die traurigsten Berichte über die großen Verwüstungen und die vernichteten Vorräthe ein. Schon war hier an Hafer und Heu gar nichts mehr aufzubringen, so daß an diesem Tage die Aemter Ronneburg, Eisenberg und Roda Befehl erhielten, 600 Centner Heu und 1200 Dresdner Scheffel Hafer hierher zu liefern. In der Stadt mehrten sich die Verwundeten mit jedem Augenblicke so, daß außer den Lazarethen fast in allen Häusern 2, 3 und mehr Verwundete aufgenommen werden mußten.

“Der Himmel helfe die Erndte ein bringen”

Auch auf den umliegenden Dörfern, Höfen und Rittergütern war die Last des Krieges zu spüren.

Die Herzogin von Kurland, Besitzerin des Ritterguts Löbichau, schrieb bereits am 22. Juli und am 6. August 1813 an die Gräfin Kielmannsegge:

„Seit dem 25. März ist dies Land ohne Einquartierungen bis jetziger, keinen Tag gewesen. Wir haben hier alle Farben alle Religions Verwandte gehabt. Und bis zum 2ten may die alliierten, die bey ihrem Abzuge alles mitnahmen an Pferde, Vieh, u. lehrten die Speycher bis aufs letzte Korn. – das Jahr 1813 muß sich in seiner üblen Deutung bewährt machen – wären wir nur schon am Ende desselben (…)

Die Menge der Truppen zu Pferde, zu Fusse u. Artellerie Trains ziehen alle durch das Altenburger Land, wie auch eine Menge Wagen mit Pulver Mehl u. Reiß – sodaß seit Monate 12 hundert gespannte Pferde aus diesem Fürstenthume fest auf der Landstraße sind. Auch wird eine forcirte Recrutierung gemacht u. sehr schnell hat Altenburg seine Leuthe stellen müssen. Auch gehen unsere Bawern bis nach Erfurth um dort an den Schanzen zu arbeiten. Diese in Bewegung gesetzte Tätigkeit deutet wohl auf Krieg. Der Himmel helfe die Erndte ein bringen es fehlt freylich unter den jetzigen Umständen, an Arbeiter, und an Pferde um die Feldarbeiten zu bestreiten. Kriegssteuer u. Abgaben aller Arth sind unvermeydliche Uebel.“

Noch jahrelang musste die Altenburger Bevölkerung mit einer Einkommensteuer für die Kriegsschulden des Herzogtums aufkommen.

Sonderausstellung “Napoleon – Im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen”

Plakat Sonderausstellung "Napoleon - IM Spiegel zeitgenössischer Karikaturen" im Museum Burg Posterstein
Plakat Sonderausstellung “Napoleon – IM Spiegel zeitgenössischer Karikaturen” im Museum Burg Posterstein 2013

Das Museum Burg Posterstein zeigt von 1. September bis 17. November 2013 die Sonderausstellung “Napoleon – Im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen – 200 Jahre Völkerschlacht bei Leipzig”. Am 13. Oktober erscheint das Buch zur Ausstellung, in dem unter anderem ein Kapitel über die Truppendurchzüge durch Altenburg im Völkerschlachtsjahr 1813 erhalten sein wird.

(von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein)

Zum Weiterlesen:

Brockhaus und Altenburg während der Völkerschlacht bei Leipzig

Website des Museums Burg Posterstein

An important strategically centre: Altenburg during the battle of Leipzig

Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg was commander-in-chief of the allied armies against Napoleon in 1813
Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg was commander-in-chief of the allied armies against Napoleon in 1813 (picture: Museum Burg Posterstein)

Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg, commander-in-chief of the 1813 allied armies against Napoleon, planned to occupy the town Altenburg as a strategically important place. From Altenburg further military actions against Napoleon could be planned. Also the Saxon, Russian and Prussian general Johann Adolf Freiherr von Thielemann (1765-1824) emphasized in a letter to Schwarzenberg on October 3rd 1813 the militarily advantages of the town, that has a castle lying high up on a hill that could easily be defended.

Tsar Alexander I. arrived in the evening

In fact Altenburg was the right place to accommodate thousands of soldiers as well as supreme commanders, generals, diplomats and their entourage over a longer period. On October 7th 1813 the allied troops occupied Altenburg. The headquarters were moved there from the town Penig. Tsar Alexander I. arrived on the same day and resided in Altenburg castle. Thereafter the Austrian foreign minister Metternich, the English legate Cathcart, the Russian diplomat Nesselrode and other politicians and important brass arrived.

On October 14th the Austrian emperor Franz received a message from Schwarzenberg that a stay in Altenburg would be save. The Prussian king and the Austrian emperor reached Altenburg on October 15th and stayed in the castle as well.

A town with 10.000 inhabitants accommodated more than 500.000 soldiers

Special exhibition on the battle of Leipzig in the museum Posterstein Castle near Altenburg
Special exhibition on the battle of Leipzig in the museum Posterstein Castle near Altenburg

In the year 1813 altogether 671 generals, 46.617 officers and 472.399 soldiers have been accommodated in the small town Altenburg, that had about 10.000 inhabitants at that time. Only in September and October 1813 the town spent the unbelievable amount of 147.681 thaler on the supply of the troops.

There is existing a detailed record (view here on Google books) on the year 1813 in Altenburg, written by the minister of finance of the town Altenburg, Friedrich Wagner (1792-1859). He is describing, how the citizens of Altenburg, all the villages and farms near-by and other towns in the neighbourhood (as Borna, Meuselwitz, Gera, Zeitz) had to deliver a substantial quantity of food, cattle, textiles and other things to the different armies.

All houses had to shelter 2, 3 or more wounded soldiers

Prisoners and wounded soldiers had to be accommodated and taken care of as well. The canon fire of the battle of Leipzig, 9 hours walk from Altenburg, could be heard in the town as well. After the first fights, masses of wounded soldiers arrived in Altenburg – and with them epidemic deceases. Nearly all official buildings of the town were already used some military hospitals, so that all houses in the Altenburg had to house 2, 3 or more wounded soldiers.

“Heaven help us to harvest”

The farms and manors in the region felt the war as well. Anna Dorothea Duchess of Courland, who owned the manor Löbichau near Posterstein, wrote in her letters from July and August 1813 that there was no day without soldiers who had to be accommodated. Often they took all food and horses with them. Special war taxes had to be paid and workers and farmers were recruited as soldiers. “Heaven help us to harvest”, the Duchess wrote to her friend. – Years after the wars of liberation from Napoleon the people of Altenburg had to pay special taxes to pay the war debts of the Duchy of Saxon-Altenburg.

Special exhibition at Museum Posterstein Castle

Plakat Sonderausstellung "Napoleon - IM Spiegel zeitgenössischer Karikaturen" im Museum Burg Posterstein
Poster of the special exhibition “Napoleon – IM Spiegel zeitgenössischer Karikaturen” in Museum Posterstein Castle in 2013

The Museum Posterstein Castle, regional history museum in the county of Altenburg, shows from September 1st to November 17th 2013 a special exhibition on the battle of Leipzig, which now is 200 years ago. Basis for the exhibitions are about 50 Napoleon caricatures, Wagner’s record of Altenburg in 1813 and original military letters from 1813. On October 13th a book will be published as well (in German). For more information, contact the museum at info@burg-posterstein.de.
(Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein)

Der “Brockhaus” wird eingestellt, und was das mit der neuen Ausstellung “200 Jahre Völkerschlacht” im Museum Burg Posterstein zu tun hat – Eine Rückschau

Es hat sich bereits herumgesprochen: Das berühmte Universal-Lexikon “Brockhaus” wird im kommenden Jahr nach 21 Auflagen eingestellt. Mit der Ablösung der traditionellen Nachschlagewerke durch Online-Enzyklopädien geht eine Ära zu Ende, die Anfang des 19. Jahrhunderts begann. Lasst uns noch einmal zurückblicken auf die Zeit, in der Friedrich Arnold Brockhaus im Thüringischen Altenburg sein Verlagsgeschäft etablierte.

Durch die Herausgabe seiner politischen Zeitschrift "Deutsche Blätter" wurde der Verleger Brockhaus zum Kriegsberichterstatter während der Völkerschlacht bei Leipzig.
Durch die Herausgabe seiner politischen Zeitschrift “Deutsche Blätter” wurde der Verleger Brockhaus zum Kriegsberichterstatter während der Völkerschlacht bei Leipzig.

Der Buchhändler und Verleger Friedrich Arnold Brockhaus (1772-1823) etablierte sich seit 1798 als Kaufmann in Dortmund. 1802 gründete er in Amsterdam eine Buchhandlung und ging 1810 von dort nach Altenburg. Brockhaus publizierte zeitgenössische deutsche Literatur und engagierte sich auf politischem Gebiet. Nach sieben Jahren verlegte er sein Geschäft nach Leipzig. Neben dem bekannten Konversations-Lexikon, der „Allgemeinen deutschen Real-Encyclopädie für die gebildeten Stände (Conversations-Lexicon)“ gab er weiterhin mehrere Zeitschriften heraus.

Brockhaus wird zum Kriegsberichtserstatter: Die „Deutschen Blätter” während der Völkerschlacht

Zum Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig zeigt das Museum Burg Posterstein von 1. September bis 17. November 2013 die Sonderausstellung “drey Tage hat man sich geschlagen. Das Blut ist von beyden Seiten geflossen… – 200 Jahre Völkerschlacht”, zu der auch ein Buch erscheinen wird.

In seinen "Deutschen Blätter" berichtete Brockhaus direkt von der Front im Kampf gegen Napoleon (hier der Titel der gleichnamigen Dissertation von Karl Reiber).
In seinen “Deutschen Blätter” berichtete Brockhaus direkt von der Front im Kampf gegen Napoleon (hier der Titel der gleichnamigen Dissertation von Karl Reiber).

In diesem Zusammenhang spielen die „Deutschen Blätter“ eine Rolle, die der Verleger Brockhaus von 1813 bis 1816 im Auftrag Fürst von Schwarzenbergs herausgab. Noch während des Sommers 1813 war Altenburg von französischen Truppen besetzt. Nach dem Abzug der Franzosen wurde Altenburg das Hauptquartier der verbündeten Armeen unter dem Oberbefehlshaber Feldmarschall Karl Philipp Fürst Schwarzenberg. Vor der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 hielt sich auch der russische Zar Alexander I. in Altenburg auf. In dieser Zeit entschied sich Brockhaus eine politische Zeitschrift herauszubringen. Am 12. Oktober erhielt er eine Audienz bei Zar Alexander und bei Karl Philipp Fürst Schwarzenberg (1771-1820), deren Ergebnis der „Befehl zur Herausgabe eines politischen Blattes“ war: „dem Buchhändler, Herrn Brockhaus, von hier wird hiermit befohlen, alle der Zukunft noch zu erscheinenden Nachrichten und officielle Schriften durch Druck bekannt zu machen und sie mittels eines periodischen Blattes, welches jedoch der Censur des jedesmaligen Herrn Platz-Commandanten unterliegt, dem Publico mithzutheilen. Hauptquartier Altenburg, den 13. October 1813“

Am 14. Oktober 1813 erschien die erste Nummer der „Deutschen Blätter“, die bei dem Verleger Heinrich August Pierer (1794 -1850) gedruckt wurde. Als man am 14. Oktober das Hauptquartier der Alliierten Armeen Richtung Leipzig verlegte, war Brockhaus als Kriegsberichterstatter dabei und wurde zum offiziellen Chronist der Ereignisse des Krieges gegen Napoleon.

Die Völkerschlacht bei Leipzig jährt sich dieses Jahr zum 200. Mal. Das Museum Burg Posterstein widmet dem historischen Ereignis eine Sonderausstellung und eine Publikation.
Die Völkerschlacht bei Leipzig jährt sich dieses Jahr zum 200. Mal. Das Museum Burg Posterstein widmet dem historischen Ereignis eine Sonderausstellung und eine Publikation.

Für die Ausstellung und die zugehörige Publikation “200 Jahre Völkerschlacht” werden unter anderem Brockhaus’ Berichte analysiert und aufbereitet. Darüber hinaus sieht das Ausstellungskonzept die Präsentation von Napoleon-Karikaturen vor. Darüber hinaus werden die Ergebnisse verschiedener regionalgeschichtlicher Forscher einen Überblick über die Ereignisse und die handelnden Personen des Jahres 1813 bieten.

Weitere Informationen:

www.burg-posterstein.de

Ständigen Ausstellung des Museums zu Brockhaus, Pierer und Schwarzenberg sowie die Ausstellung zum “Musenhof Löbichau” der Herzogin von Kurland zu Napoleon, Alexander I. und anderen wichtigen Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts im Museum Burg Posterstein.

(Von Marlene Hofmann)