Wer besaß ein chinesisches Badehaus?

Rittergut Untschen (c) Museum Burg Posterstein
Rittergut Untschen (c) Museum Burg Posterstein

Das Rittergut Untschen befand sich im 18. Jahrhundert in Besitz des Ministers Hans Wilhelm von Thümmel, der sich u. a. durch die Gründung der Kammerleihbank, die Förderung des Straßenbaus und die allgemeine Landvermessung im Herzogtum Sachsen-Gotha und Altenburg Verdienste erworben hatte. Den Untschener Gasthof „Zum goldenen Drachen“ ließ der Thümmel im Jahr 1798 einrichten, obwohl dies im Widerspruch zum Schmöllner Recht der Bannmeile stand. Südlich der Straße lag in einem mit Hopfenanpflanzungen versehenen Garten das Brauhaus. Zum Rittergut gehörten mehrere Teiche. Schöngeist Thümmel verfolgte in Untschen zudem ein Projekt zur Scheitholzflößerei. In der Nähe des Floßteiches an der Mühle ließ er im Jahr 1796 ein „Chinesisches Badehauß“, auch als „Untschner Tempelbau“ bezeichnet, errichten.

Das im 12. Jahrhundert erstmalig erwähnte Rittergut wurde 1945 im Zuge der Bodenreform enteignet. In den Folgejahren fielen ein großes Wirtschaftsgebäude an der Nordseite (1945) sowie die Brauerei und die Ziegelei (1960er Jahre) dem Abriss zum Opfer. Das ehemalige Verwaltergebäude war noch in den 1980er ein Gasthof, ein ehemaliger Pferdestall beherbergt heute einen Laden.


Teich in Untschen im Winter 2021
Heute erinnert nichts mehr an das “Chinesische Badehaus”, das es einst in Untschen gab. (Foto: Februar 2021, Museum Burg Posterstein)

Update Februar 2021: Das Chinesische Badehaus

Ein bekanntes Element der aufklärerischen Gartenkunst waren Häuser im chinesischen Stil. 1796 ließ Thümmel das am Floßteich gelegene Zapfenhaus in Untschen nahe Nöbdenitz als „Chinesischen Badehaus“, auch „Untschener Tempelbau“ genannt, errichten. Es verfügte über ein kleines Cabinett, welches ein mit schwarzer Glanzleinwand bezogenes Sofa mit runden Armkissen, einen großen Spiegel und verschiedene Kupferstiche unter Glas beinhaltete. Bilder des Häuschens sind nicht bekannt, doch lässt eine Anzeige Thümmels im Altenburgischen Wochenblatt von 1811, in welcher er die Zerstörung der genannten Möbel vermerkt, auf die Ausstattung schließen.[1]


Noch ausführlichere Beschreibungen zum “Chinesischen Badehaus” in Untschen gibt es in unserer Thümmel-Biografie “Im Dienste der Ernestiner”:

[1] Vgl.: Altenburgisches Wochenblatt, [Nr. 6, 5. Februar 1811], S. 72f. Und: Marlene Hofmann: „In heitrer ländlicher Umgebung“- Thümmel in Nöbdenitz und Untschen; in: Im Dienste der Ernestiner. Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister, Posterstein 2016, S. 102.


Eine interaktive Karte über die Rittergüter im Altenburger Land finden Sie hier [Hinweis: Link zu Google Maps – dort gelten die Datenschutzbedingungen von Google Maps].

Lesen Sie mehr über die Rittergüter des Altenburger Landes in unseren Publikationen, die Museum gekauft oder per Mail an info@burg-posterstein.de bestellt werden können:

Das alte Schloss sehn wir noch heut…
Aus der Geschichte der Rittergüter im Altenburger Land (Teil II)
© Museum Burg Posterstein 2010

…Und nachmittags fuhren wir nach Nöbdenitz segeln!
Rittergüter im Altenburger Land und ihre Gärten
© Museum Burg Posterstein 2007

Die bisher umfangreichste Biografie zu Hans Wilhelm von Thümmel:

Im Dienste der Ernestiner. Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister © Museum Burg Posterstein 2016

Text: Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein