2. Oktober 2016, 15 Uhr: Buchvorstellung der bisher umfangreichsten Biografie Hans Wilhelm von Thümmels

Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister

In der bewegten Zeit zwischen Französischer Revolution, Herrschaft Napoleons und Wiener Kongress stieg Hans Wilhelm von Thümmel (1744–1824) am Hof der ernestiner Herzöge von Sachsen-Gotha-Altenburg vom Pagen zum Minister auf. Als Gesandter verbrachte er über ein Jahr im Paris Napoleons.

In seinen 57 Dienstjahren leistete Thümmel Großes für das Herzogtum, darunter die Vermessung und Kartierung des Altenburger Landesteils und der Bau des ersten Altenburger Krankenhauses, damals ein europäischer Musterbau.

Inspiriert von seiner Liebe zu aufklärerisch geprägten Landschaftsgärten und Architektur, verhalf Thümmel den neuen Gärten hierzulande zum Durchbruch. Er zählte zum Dichterkreis am Musenhof Löbichau der Herzogin von Kurland.

Als außergewöhnliche Grabstätte wählte sich Thümmel die 1000-jährige Eiche in Nöbdenitz.

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Katalog zur Ausstellung

168 Seiten, farbig, ISBN 978-3-86104-136-8, 20.00 Euro

Die Thümmelschen Karten sind dem Katalog auf DVD beigelegt.

Das Buch ist ab 2. Oktober 2016 erhältlich.

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Aus dem Inhalt

Fünf Jahrzehnte nahm Hans Wilhelm von Thümmel (1744–1824) großen Anteil an der Politik und der Verwaltung seines Landes. Er prägte die Finanzverwaltung genauso wie die Außenpolitik, die Daseinsvorsorge und die kulturelle Entwicklung. Deshalb sollen in dieser Publikation sowohl die Person und ihr Umfeld als auch die historischen Ereignisse der Zeit Betrachtung finden.

Hans Wilhelm von Thümmel und seine Zeit

Der besseren Einordnung der Geschehnisse dient ein chronologischer Überblick, der Höhepunkte im Leben Thümmels mit der Geschichte des Herzogtums Sachsen-Gotha-Altenburg und Europas verbindet.

Das Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg (1672–1826)
Gothaer Zentralbehörden und die Verwaltung des Altenburger Landesteils

Eine Einführung in die Verwaltungsgeschichte des Landes gibt Doris Schilling. Dabei ist es weniger Ziel die komplizierte Teilungsgeschichte Thüringens zu vermitteln, als darzustellen, wie die Entscheidungsstrukturen innerhalb des Landes waren.

Hans Wilhelm von Thümmels Gesandtschaften

Schon früh gelangt Thümmel zu Reiseerfahrungen in Italien und Frankreich. Seine Kenntnisse der französischen Sprache sind ausgezeichnet. Das Vertrauen, das er bei den Herzögen genießt, prädestiniert ihn für komplizierte diplomatische Missionen. Frankfurt, Berlin, Warschau, Paris gehören zu den Orten, in denen er tätig wird. Außer offiziellen Berichten an seine Vorgesetzten hat sich für den neunmonatigen Parisaufenthalt ein Tagebuch erhalten. Dieses und ein Teil der Korrespondenz, auch in französischer Sprache, wurden durch Klaus Hofmann und Sabine Hofmann ausgewertet, um einen Überblick über Thümmels Gesandtschaften zu geben.

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Das Thümmelsche Kartenwerk
Landvermessung im Auftrag der Gothaer Herzöge

Mit der Entstehung des Thümmelschen Kartenwerkes beschäftigen sich zwei Beiträge. Gustav Wolf widmet sich der sogenannten Wagnerschen Karte, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Grundlage für alle späteren Vermessungen des östlichen Landesteiles bildete. Die heute im Thüringischen Landesamt für Vermessung und Geoinformation Zeulenroda verwahrten Urkatasterkarten boten noch viele Jahre nach ihrer Entstehung hervorragende Daten für die einzelnen Ortskataster. Für die Kriegsführung und die allgemeine Landvermessung jedoch reichten sie keineswegs aus. Deshalb waren die Karten, die Hans Wilhelm von Thümmel 1813 herausgab, ein wesentlicher Schritt in der Erschließung des Landes. Klaus Hofmann schildert in seinem Beitrag die Hintergründe der Entstehung des Kartenwerkes.

Thümmel als Architekt

Während seines Aufenthaltes in Italien lernte Thümmel die antike Baukunst und den darauf aufbauenden Stil Andrea Palladios kennen und schätzen. Schon bald übte er sich in Entwürfen für die Gothaer Herzogsfamilie, für öffentliche Bauten und für eigene Anwesen. Udo Hopf beschreibt in seinem Beitrag die Verdienste Wirken Thümmels als Architekt.

Thümmels Verdienste in Altenburg

Die Stadt Altenburg profitierte außerordentlich vom Wirken des Ministers. Die Zeitgenossen achteten vor allem den Zustand der Straßen. Franziska Engemann hat sich mit den Verdiensten Thümmels für den Altenburger Landesteil beschäftigt.

Hans Wilhelm von Thümmel in Altenburg und Nöbdenitz: Glanz und Extravaganz – Thümmels Feste

Marlene Hofmann untersucht in ausführlichen Beiträgen das gesellschaftliche Leben in Altenburg und Nöbdenitz. Sie umreißt die Rolle, die Thümmel zu Beginn des 19. Jahrhunderts einnahm und beschreibt, welche Anziehungskraft seine Salons für Zeitgenossen hatten. Die Verbindungen zum Musenhof der Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761–1821) kommen genauso zu Sprache wie die letzte Publikation Thümmels „Aphorismen, aus den Erfahrungen eines SiebenundSiebzigjährigen“. In einem weiteren Beitrag verweist Marlene Hofmann auf die besondere Begabung des Ministers Feste und Feierlichkeiten auszurichten.

Bildung im Grünen
Hans Wilhelm von Thümmel und seine Gärten

Aus England kommend, verbreitete sich im Europa des 18. Jahrhunderts eine ganz neue Gartenkultur. Christiane Nienhold legt in ihrem Beitrag nicht nur dar, wie sich die englischen Gärten ausbreiteten, sondern auch, wie und wo Thümmel die Ideen aufgreift und in eigene Projekte einfließen lässt.

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Der Mann unter der 1000-jährigen Eiche
Eine neue Grabkultur

Letztlich ist die 1000-jährige Eiche in Nöbdenitz Gegenstand einer historischen Betrachtung zur Grabkultur von Christiane Nienhold und Franziska Engemann. Bereits in seinen Gärten war Hans Wilhelm von Thümmel dem Leitspruch der Aufklärer zum „Zurück zur Natur“ (Jean-Jacques Rousseau) gefolgt. Das bedeutende Naturdenkmal in Nöbdenitz faszinierte ihn so sehr, dass er den Plan fasste, seine Bestattung genau dort, in den Wurzeln Eiche vornehmen zu lassen, um dereinst aus den Wipfeln auf die Erde blicken zu können.

Und diese knorrige Eiche soll 1000 Jahre alt sein?
Versuch der Altersbestimmung für die 1000-jährige Eiche von Nöbdenitz

Es gibt bis heute unterschiedliche und streitbare Aussagen zum Alter der Nöbdenitzer Eiche, die von 600 bis 1200 Jahren reichen. Matthias Schütze will deshalb in seinem Beitrag: „Und diese knorrige Eiche soll 1000 Jahre alt sein? – ein Versuch der Altersbestimmung historischer Großeichen“ seine Theorie der Altersbestimmung anhand von Wachstumskurven erläutern und so Ansätze für die Lösung der Frage nach der Datierung der Nöbdenitzer Eiche bieten.

 

Tief eintauchen in die Regionalgeschichte: Napoleon und die Völkerschlacht bei Leipzig

Napoleon im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen: Präsentation eines besonderen Buchprojekts mit acht Autoren und Informationen aus noch ungesichteten Quellen – Ein Beitrag zur Blogparade “Kultur erleben – #KulturEr” von Tanja Praske

Karikatur "Triump des Jahes 1813 - Den deutschen zum neuen Jahr" (Museum Burg Posterstein)
Karikatur “Triump des Jahes 1813 – Den deutschen zum neuen Jahr” (Museum Burg Posterstein

Im Oktober 2013, ja fast während des gesamten Jahres 2013, wurde in zahlreichen Orten Mitteldeutschlands der Völkerschlacht gedacht. An jenen vier Tagen vor zweihundert Jahren entschied sich vor den Toren Leipzigs in der bisher größten Schlacht der Menschheitsgeschichte das Schicksal des Kontinents. Napoleons Truppen, nach dem verheerenden Russlandfeldzug wieder erstarkt, trafen auf eine Kriegskoalition aus Preußen, Österreich, England und Schweden. 600.000 Soldaten aus über einem Dutzend Nationen prallten in diesen dramatischen Oktobertagen in einer Serie erbitterter Schlachten aufeinander. Die Bilanz des Grauens: fast 100.000 tote Soldaten und ungezählte zivile Opfer.

Ein Meilenstein in der diesjährigen Museumsarbeit und das Werk vieler Autoren

Das Museum Burg Posterstein, Mitglieder des Museumsvereins, der Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes zu Altenburg sowie des Heimatvereines des Bornaer Landes und weitere Autoren beschäftigten sich schon seit knapp zwei Jahren mit der Planung und Vorbereitung eines gemeinsamen Projekts zur Völkerschlacht. Für das Museum war das insofern eine Besonderheit, dass es eine Zusammenarbeit dieser verschiedenen Akteure bisher noch nicht gegeben hatte. Die Fertigstellung eines so umfangreichen Forschungsprojekts wie dem Buch “Napoleon im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen” stellt für uns einen Meilenstein der diesjährigen Museumsarbeit dar.

Buchpräsentation mit vielen Gästen

Zur Buchpräsentation am 13. Oktober kamen rund 50 interessierte Besucher, die an diesem Nachmittag die Möglichkeit bekamen, tief in die regionale Geschichte einzutauchen. Der TV-Journalist Gunter Auer erstellte dazu einen gelungenen Bericht:


Ein kurzer Blick ins Buch: Von den Napoleon-Karikaturen bis zum Tatarengrab von Kleinbeucha

"Napoleon - im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen" - das Werk von acht Autoren
“Napoleon – im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen” – das Werk von acht Autoren

Die Völkerschlacht bei Leipzig bildete den Wendepunkt in der Auseinandersetzung mit Napoleon und leitete dessen Fall, der schon in Russland begonnen hatte, in der letzten Konsequenz ein. Die öffentliche Haltung gegen Napoleon spiegelt sich nicht zuletzt in Karikaturen wider, die in der Zeit unmittelbar nach der Niederlage entstanden und mittels Reproduktionsgraphik verbreitet wurden. Ein tragendes Element des Buches “Napoleon im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen – 200 Jahre Völkerschlacht” bilden 45 Karikaturen aus der Sammlung der Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha, die den zeitgenössischen, spöttischen Blick auf die Ereignisse um Leipzig widerspiegeln. Verschiedene Autoren geben darüber hinaus Einblicke in die Ereignisse des Jahres 1813.

Klaus Hofmann (Museum Burg Posterstein) wertet in seinem Beitrag “Chronologie der Ereignisse in der Region um Altenburg zitiert aus den Akten des Kriegsarchivs in Wien – Korrespondenz der Militärs mit dem Österreichischen Hauptquartier” umfangreiche Militärkorrespondenzen, die im Wiener Kriegsarchiv lagern, aus. Auf die Rolle der Herzogin Anna Dorothea von Kurland und ihrer Töchter geht Sabine Hofmann (Museumsverein Burg Posterstein e.V.) in dem Kapitel “Drey Tage hat man sich geschlagen. Das Blut ist auf beiden Seiten geflossen. – Die Kurländerinnen in Kriegszeiten” ein. Gustav Wolf (Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes zu Altenburg) fasst in dem Kapitel “Noch am Abende dieses Tages traf der Kaiser von Rußland ein und stieg auf dem herzoglichen Schlosse ab. – Truppendurchzüge durch Altenburg 1813 im Spiegel der Aufzeichnungen von Friedrich Wagner” die Situation in und um die Stadt Altenburg zusammen, seine Hauptquelle dafür sind die detaillierten Aufzeichnungen des Altenburger Regierungs- und Finanzrat Friedrich Wagner (1792-1859) (mehr zum Thema). Um den Einfluss des Verlegers Friedrich Arnold Brockhaus drehen sich die Kapitel “Die Deutschen Blätter von Friedrich Arnold Brockhaus” (Klaus Hofmann) und “Brockhaus und seine Altenburger Zeit” (Gustav Wolf) – Mehr zum Thema. Der Regionalforscher Andreas Klöppel steuerte das Kapitel “Die Gedenktafel von Gardschütz – Ereignisse im Altenburger Land im Vorfeld der Völkerschlacht” bei. Manfred Zinecker stellt “Das „1. Thüringer Bataillon“” vor und Helmut Hentschel das “Das Tatarengrab von Kleinbeucha”. Eine Zeitleiste von Dr. Hans-Jürgen Ketzer (Leiter des Volkskundemuseums Wyhra) stellt im Anhang “1813 – Ereignisse und Entwicklungen” dar.

Präsenation des Buches im Veranstaltungskeller des Museums am 13. Oktober 2013
Präsenation des Buches im Veranstaltungskeller des Museums am 13. Oktober 2013

Aber auch Napoleon steht im Zentrum des Interesses: Dr. Hans-Jürgen Ketzer beleuchtet in seinem Beitrag “Sein beispielloses Emporsteigen und das Überwiegen seiner herkulischen Macht genügte ihm noch nicht. – Napoleon im Urteil zeitgenössischer Bewohner des Bornaer Landes” den Feldherren aus Bornaer Sicht. Die Historikerin Franziska Engemann geht in dem Kapitel “Der andere Kampf gegen Napoleon – Die deutsche politische Karikatur in der Zeit der Befreiungskriege” auf die Darstellung von Napoleon in zeitgenössischen Kulturen ein. Im Kapitel “Der Herzoglichen Bibliothek zu Gotha zum Geschenk gemacht von Frau Präsident Freytag. – Napoleon-Karikaturen in der Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha” beschreibt sie die Karikaturen aus der Sammlung der Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha, die eine wichtige Grundlage der Ausstellung und des Buchs bilden.

Napoleon – im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen – 200 Jahre Völkerschlacht bei Leipzig
Museum Burg Posterstein, 2013
ISBN 978-3-86104-098-9, 212 Seiten, 24 Euro

Das Buch ist erhältlich im Museum sowie über E-Mail info@burg-posterstein.de. Ohne die finanzielle Hilfe des Thüringer Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur, der Bürgerstiftung Altenburger Land, des Landkreises Altenburger Land und des Fördervereins des Museums wäre das Projekt nicht zu realisieren gewesen.

Ausstellung “200 Jahre Völkerschlacht” läuft noch bis 17. November

Besucher bei der Eröffnung der Ausstellung "Napoleon - im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen" im Museum Burg Posterstein
Besucher bei der Eröffnung der Ausstellung “Napoleon – im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen” im Museum Burg Posterstein

Die gleichnamige Ausstellung “Drey Tage hat man sich geschlagen. Das Blut ist von beyden Seiten geflossen. Napoleon, im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen – 200 Jahre Völkerschlacht” läuft noch bis 17. November 2013 im Museum Burg Posterstein.


(Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein)

Weitere Artikel zum Thema:

“Ein wichtiges strategisches Zentrum – Altenburg während der Völkerschlacht” (Blogartikel)

“Der Brockhaus wird eingestellt – und was das mit der Ausstellung “200 Jahre Völkerschlacht” im Museum Burg Posterstein zu tun hat” (Blogartikel)

Bericht ” Archivschätze in Posterstein ausgegraben” über die Sonderausstellung von Katja Schmidtke am 12.10.2013 in der Ostthüringer Zeitung

Die Blogparade #KulturEr:

Dieser Artikel ist ein Beitrag zur Blogparade “Kultur erleben” #KulturEr von Tanja Praske, an der sowohl Museen als auch Privatpersonen mit vielen spannenden Beiträgen teilgenommen haben. Für das Museum Burg Posterstein ist die Fertigstellung eines so umfangreichen Forschungsprojekts wie dem Buch “Napoleon im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen” ein Meilenstein der diesjährigen Museumsarbeit. Wir danken allen Mitwirkenden, Förderern, Besuchern und Lesern.