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#Kinderburg: Stelzen selbstgemacht – eine Anleitung zum Spielen wie im Mittelalter

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 11. Juli 2017 von Museum Burg Posterstein31. März 2020

Schon die Kinder im Mittelalter sind zum Zeitvertreib auf Stelzen gegangen. Das Prinzip ist ganz einfach: Versuche vorsichtig auf diesen verlängerten „Beinen“ zu gehen. Ein Spielzeug, das man auch ganz einfach selbst basteln kann. Hier im Kinderblog geben wir eine Anleitung!

Im Sommerferienprogramm erklären wir, was Kinder im Mittelalter gespielt haben. Natürlich darf man die Spiele selbst ausprobieren!

Im Sommerferienprogramm erklären wir, was Kinder im Mittelalter gespielt haben. Natürlich darf man die Spiele selbst ausprobieren!

Seit dem späten Mittelalter sind Stelzen bekannt, die so aussahen wie heute. Die Kinder bewegten sich auf keilförmigen Standbrettern vorwärts. Zuvor stellte man solche Spielzeuge wahrscheinlich aus Ästen her. Die landeten nach dem Gebrauch vermutlich im Feuer. Daher sind sie den Forschern nicht erhalten geblieben. Aber wenn du möchtest, kannst du sie nachbauen!

Du brauchst:

2 stabile Äste mit Gabelung, die dir mindestens bis unter die Arme reichen

Stabilen Bindfaden

Ein Maßband

Vielleicht ein Werkzeug zum Sägen und Schleifpapier

Anleitung zum Bau von Stelzen: 

  1. Miss die Länge von deinen Füßen bis unter deine Arme. So lang müssen deine Stelzen am Ende werden.
  2. Schaue am besten im Wald nach abgebrochenen Ästen. Wenn du zwei passende Äste gefunden hast, säge sie so zurecht, dass die Länge zu deiner Größe passt. Lass dir dabei unbedingt von einem Erwachsenen helfen! Und denk daran: Diese Äste müssen so dick sein, dass sie dein Gewicht tragen können! Die Äste sollten mindestens 15 Zentimeter unterhalb ihrer Gabelung abgesägt werden. Die Gabelung sollte insgesamt mindestens 30 cm vom Boden aufragen.
  3. Hast du zwei stabile Äste vor dir liegen, nimm den Bindfaden und wickle ihn mehrfach in Form einer 8 um die Gabelung und den Hauptast. Das werden später deine Trittflächen. Prüfe, ob die Wickelung dein Gewicht stabil tragen kann und verknote am Ende alles fest.
  4. Nun musst du nur noch mit einem Stück Sandpapier deine Stelzen an den Enden und an hervorragenden Stellen gut abschleifen. Dann kannst du dich auch nicht am Holz reißen.

Und fertig sind deine eigenen mittelalterlichen Stelzen!

Diese Bastelanleitung und noch viel Interessantes zum Weiterlesen findet ihr im Buch von Doris Fischer: Mittelalter selbst erleben! Kleidung, Spiel und Speisen – selbst gemacht und ausprobiert, Stuttgart 2010, 2. aktualisierte Auflage von 2011.

Sommerferien auf Burg Posterstein

Was spielten kleine Ritter und Prinzessinnen? Weil in den Schulferien so viel Zeit zum Spielen bleibt, dreht sich das Sommerferienprogramm bis 11. August 2017 auf Burg Posterstein um mittelalterliche Spiele und Spielzeug. Ab 1. Oktober 2017 zeigen wir die Familienausstellung „Die Kinderburg – Auf den Spuren von Rittern und Salondamen“, in der Geschichte spielerisch erklärt wird.

Einfach & nachhaltig: Und weil das ein ganz einfaches, ressourcenschonendes Spielzeug zum Selbermachen ist, wollen wir den Beitrag gern bei der grünen Linkparade „einfach. nachhaltig. besser. leben.“ teilen.

#SportsMW: Welchen „Sport“ trieben Prinzessinnen?

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 20. Juni 2017 von Museum Burg Posterstein15. Juni 2017

Es ist #MuseumWeek und bis 25. Juni greifen wir jeden Tag ein Thema auf. Anlässlich des heutigen Themas #sportsMW geben wir Einblicke in die Fragen von Kindern, die unsere Burggeister Posti und Stein im Vorfeld der Familienausstellung „Die Kinderburg – Von Rittern und Salondamen“ (ab 1. Oktober 2017) erreichen. Oft werden die Burggeister gefragt: „Mit was haben Prinzessinnen gespielt?“ Mussten auch sie sich sportlich betätigen? Vom Ballspiel bis zur „Blinden Kuh“: Hier ein kurzer Einblick in die Antwort unserer Geister!

Natürlich hatten die Prinzessinnen im Mittelalter und auch später in der Zeit der Salondamen Spielzeuge. Bei den Mädchen waren schon immer Puppen sehr beliebt. Für die Arbeit in der Puppenküche gab es kleine Töpfe und Gefäße. Auch das Ballspielen war schon damals beliebt.

Angehende Ritter beim Turnier mit Stöcken und kleine Burgfräulein beim Baseball?

Richtige Turnierkämpfe gibt es auf Burg Posterstein jedes Jahr zu Pfingsten. Beim Mittelalterspektakel zeigen echte Reiter ihre Künste mit Lanze und Schwert. Dazu gibt es drei Tage lang Musik, Gaukeleien und Handwerk zu besichtigen.

Richtige Turnierkämpfe gibt es auf Burg Posterstein jedes Jahr zu Pfingsten. Beim Mittelalterspektakel zeigen echte Reiter ihre Künste mit Lanze und Schwert. Dazu gibt es drei Tage lang Musik, Gaukeleien und Handwerk zu besichtigen.


Die Jungs hatten wohl ihre eigene Spielzeug-Rüstkammer mit Holzschwertern oder sie nahmen zum spielerischen Turnierkampf einfach Stöcke. Als Spielzeug diente alles, was es in der Natur zu finden gab: Nüsse und Früchte, Eier und Steine. Und selbst das kleine Zähl-Spiel: „Sie liebt mich, sie liebt mich nicht“ war schon im Mittelalter bekannt und bei Erwachsenen so beliebt wie bei Kindern.
Gemeinsam spielten die Kinder Verstecken und Fangen, sie hatten Murmeln aus Ton oder Holz und Kreisel, die sie mit einer Peitsche über alle Fußböden in und um die Burg tanzen ließen. Gemeinsame Tänze wurden sehr gern aufgeführt und die Musik durfte nicht fehlen.

Besonders beliebt war schon vor über 800 Jahren das Ballspiel. Bälle wurden gekullert, geworfen und mit Schlägern durch die Luft gewirbelt. Fußball und Baseball kannten die Prinzessinnen noch nicht, aber in manchen alten Schriften, Liedern und Gedichten kann man fast das Gefühl bekommen, die Prinzessinnen beherrschten schon im Mittelalter diese heute so beliebten Spiele!

Der Kreisel war schon im Mittelalter ein beliebtes Spielzeug. Bis heute hat er von seinem Reiz nichts verloren

Der Kreisel war schon im Mittelalter ein beliebtes Spielzeug. Bis heute hat er von seinem Reiz nichts verloren.

Die Prinzessinnen der Salonzeit spielten natürlich auch gern mit dem Ball. Sie musizierten und tanzten. Auch Bücher waren vor 200 Jahren ein beliebter Zeitvertreib. Ein Spiel, das du sicherlich auch kennst und vielleicht gern spielst, war „Blinde Kuh“. Die Prinzessinnen erdachten sich sogar neue Regeln dafür und auch für die Erwachsenen war es ein schöner Zeitvertreib.

Sommerferien auf Burg Posterstein: Das ist doch ein Kinderspiel?!

Den vollständigen Kinderblog-Beitrag findet ihr hier! Und alle, denen das noch nicht genug ist, sind ganz herzlich zum Sommerferienprogramm des Museums Burg Posterstein eingeladen! In kurzen Kinderführungen wird während der Ferienzeit das Thema „Wie spielten Ritter und Prinzessinnen?“ erklärt. Drei Stationen im Museum zeigen den kleinen Besuchern, wie sich Ritter und Salondamen die Freizeit vertrieben. Neben den Führungen kann diese spannende Frage auch anhand eines Rätsels selbstständig erkundet werden. Im Burghof dürfen abenteuerlustige Besucher kleine Ritterspiele auch selbst ausprobieren. Für die Freunde zu Hause können auch Spielanleitungen mitgenommen werden. So dürfte einem sportlichen Treiben in den Ferien keine Grenze gesetzt sein!

Von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

Wir ziehen Zwischenbilanz: In den Osterferien 1000 Besucher aus 14 Bundesländern

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 26. April 2017 von Museum Burg Posterstein26. April 2017

Das Museum Burg Posterstein konnte in den zweiwöchigen Osterferien rund 1000 Besucher aus 14 Bundesländern begrüßen. Rund 150 Kinder und ihre Familien nahmen an insgesamt 39 österlichen Schatzsuchen teil, weitere 120 Familien lösten das gar nicht so einfache Osterrätsel. Auch in zukünftigen Schulferien planen wir Aktivitäten für die ganze Familie. Wir freuen uns über das große Interesse und über Rückmeldungen, Tipps, Lob und Kritik.

Das Burg Posterstein bietet in diesem Jahr mit Ferienprogrammen, Kinderblog und Familienausstellung ein umfangreiches Programm für Familien.

Das Burg Posterstein bietet in diesem Jahr mit Ferienprogrammen, Kinderblog und Familienausstellung ein umfangreiches Programm für Familien.

Über drei Viertel aller Osterbesucher kamen aus Thüringen und Sachsen ins Museum Burg Posterstein. Vier Prozent kamen aus Berlin, drei Prozent aus Sachsen-Anhalt und je zwei Prozent aus Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen. Die restlichen Besucher verteilten sich auf die einzelnen Bundesländer und zwei europäische Länder. Von den Herkunftsstädten waren Gera, Berlin, Jena, Schmölln, Chemnitz und Altenburg (in dieser Reihenfolge) am häufigsten vertreten.

Wie feierten Ritter Ostern?

Bei erfolgreich absolvierter Schatzsuche oder Rätseljagd erhielten die Teilnehmer den Schatzsucher-Ausweis der Burggeister Posti und Stein.

Bei erfolgreich absolvierter Schatzsuche oder Rätseljagd erhielten die Teilnehmer den Schatzsucher-Ausweis der Burggeister Posti und Stein.

In den Osterferien waren die historischen Räume der Burg Posterstein nicht nur festlich geschmückt, es gab auch eine kleine Schau mit österlichen Schmuckstücken aus der Sammlung des Museums und ein umfangreiches Programm für Familien. Was ist das Osterfest? Wie feierten Ritter Ostern? Wie sah eine traditionelle Altenburger Festtracht aus? Und woher kommt der Brauch vom Osterei? Solche Fragen standen im Mittelpunkt der kindgerecht aufbereiteten 20-minütigen Schatzsuchen und einer österlichen Rätseljagd durch die Burg Posterstein. Viele Familien mit großen und kleinen Kindern ergriffen die Chance dazu. Als Belohnung gab es den Postersteiner „Schatzsucher-Ausweis“ der Burggeister Posti und Stein und eine süße Osterüberraschung. Am Ende der Osterferien konnten die Burggeister rund 200 neue „Schatzsucher“ begrüßen. 120 Familien absolvierten die österliche Rätseljagd.

Fragen stellen ausdrücklich erlaubt: Wir bereiten die Ausstellung „Kinderburg“ vor

Die Ferienprogramme des Museums mit thematisch wechselnden Schatzsuchen sind eine Vorbereitung auf die Familienausstellung „Die Kinderburg: Auf den Spuren von Rittern und Salondamen“, die am 1. Oktober 2017 öffnet. Im Museum können Kinder dem Burggespenst Posti und dem Burgdrache Stein Fragen aller Art stellen. Dafür steht im Museum eine „Helmpost“ bereit, in der seit Anfang des Jahres schon über 60 Fragen landeten. Die Kinder interessieren Themen aus dem Alltag von Rittern und Prinzessinnen. Wie wurde gebadet, wo schlief man, wie zogen Ritter ihre Rüstungen an und konnten sie damit aufs Klo gehen? Die Antworten schicken Posti und Stein den Fragestellern per Brief oder E-Mail nach Hause, eine Auswahl kann man im Kinderblog der Burg Posterstein online nachlesen und letztlich gehen die wichtigsten Themen in die Familienausstellung ein.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

#Kinderburg: Was nutzten die Ritter als Klopapier?

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 19. April 2017 von Museum Burg Posterstein19. April 2017

Die dreijährige Bree wollte von uns Burggeistern wissen, was die Ritter als Klopapier benutzt haben. Das ist eine spannende Frage!

Papier gibt es in Europa erst seit rund 1000 Jahren, Ritter gab es schon eher. Auch später war Papier viel zu teuer, um sich damit den Hintern abzuwischen. Vor allem in der Natur fanden die Menschen Ersatz.

Was nutzten Ritter statt Klopapier? (Bild: Museum Burg Posterstein)

Was nutzten Ritter statt Klopapier? (Bild: Museum Burg Posterstein)

Natürlich hatten die Ritter im Mittelalter noch kein Klopapier, wie wir es heute benutzen. Richtiges Papier gibt es in Europa erst seit dem 11. Jahrhundert. Händler brachten es aus Asien nach Europa und es war sehr teuer. Daher hat man es natürlich nur zum Schreiben und nicht für das Klo benutzt.

Allerdings wollte auch der mittelalterliche Ritter seinen Hintern mit weichen Materialien säubern. Reichere Menschen benutzten alte Lumpen, manchmal auch Schafwolle, zum Abwischen.

Die Meisten griffen zu Materialien aus der Natur: Am beliebtesten waren Blätter. Die konnte man jeden Tag frisch von den Bäumen pflücken, sodass sie nicht trocken und bröselig wurden. Allerdings musste sich der Ritter im Winter, wenn es keine Blätter an den Bäumen gab, etwas anderes einfallen lassen.

Kratziges Stroh kam dafür in Frage. Alternativ konnte der Ritter Moos benutzen. Auch das war ganz weich und bröselt nicht, wenn es trocken ist. Im Herbst konnte sich die Burgbesatzung daher einen großen Vorrat an getrocknetem Moos für den Winter anlegen.

Noch heute nutzen nicht alle Menschen auf der Welt Klopapier. Fließendes Wasser, Sand und pflanzliche Materialien wie Maisstroh kommen in manchen Gegenden statt Klopapier zum Einsatz.

#Kinderburg: Hatten Ritter eine Schule?

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 14. April 2017 von Museum Burg Posterstein13. April 2017

Hatten Ritter eine Schule? fragte Celine (9 Jahre) die Postersteiner Burggeister Posti und Stein. Hier kommt ihre Antwort:

Nein, eine richtige Schule, so wie heute, hatten die Ritter nicht. Kinder im Mittelalter lernten vor allem dadurch, dass sie den Erwachsenen zusahen und ihnen bei der Arbeit halfen. Lesen und Schreiben konnten die wenigsten. Jungen konnten Ritter werden oder im Kloster zum Mönch oder Pfarrer ausgebildet werden. Mädchen lernten den Haushalt einer Burg zu verwalten und wurden früh verheiratet.

Zwar gibt es schon seit fast 700 Jahren öffentliche Schulen. Aber die waren nur wenigen zugänglich. Die Kinder aus ärmeren Häusern hatten oft nicht genug Geld oder nicht genug Zeit, diese zu besuchen. Für die Kinder eines Ritters gab es mehr Bildungsmöglichkeiten als für die Kinder eines Bauern. Aber eine große Auswahl an Berufen, die sie später ausüben konnten, hatten auch Ritter nicht. Die Jungs wurden selbst zu Rittern oder sie wurden in ein Kloster geschickt und wurden später Mönch oder Pfarrer.

So sah die Schule der Ritter eher nicht aus... (Illustration: Museum Burg Posterstein).

So sah die Schule der Ritter eher nicht aus… (Illustration: Museum Burg Posterstein).

In Klöstern gab es tatsächlich Schulen. Geistliche mussten Lesen und Schreiben können! Sie lernten dort die lateinische Sprache. Manche sogar Griechisch. In Klosterschulen ging es sehr streng zu. Die Jungen durften nicht miteinander reden oder gar zusammen spielen. Wenn sie sich wuschen oder auf die Toilette mussten, war immer ein Aufpasser in der Nähe. Der Tagesablauf war streng geregelt: Vom Aufstehen bis zum Schlafen. Es gab feste Essenszeiten und einen strengen Speiseplan.

14 Jahre fern von zu Hause

Die Jungs, die selbst Ritter werden sollten, wurden auf eine andere Burg zur Ausbildung geschickt. Dort mussten sie dann einige „Lehrstufen“, so etwas wie Klassenstufen, durchlaufen. Mit sieben Jahren wurden sie „Page“. Sie dienten dem Burgherrn, lernten mit Pferden umzugehen und sie zu versorgen, gingen mit auf die Jagd, übten Bogenschießen und bekamen auch Musik- und Tanzunterricht. Page war man sieben Jahre lang.

Die Ausbildung zum Ritter absolvierten Jungen oft auf einer anderen Burg.

Die Ausbildung zum Ritter absolvierten Jungen oft auf einer anderen Burg.

Mit 14 Jahren wurden die Jungen dann zum „Knappen“ befördert. Wer stark und mutig war, begleitete seinen Ritter mit auf Turniere oder in den Kampf, half seinem Herrn beim Anziehen der Rüstung. Fiel der Ritter einmal vom Pferd, musste der Knappe ihm aufhelfen. Er wich ihm sozusagen nicht mehr von der Seite. Doch da der Knappe selber keine Rüstung trug und dennoch an den Kämpfen teilnahm, war das eine sehr gefährliche Aufgabe.
Mit 21 Jahren wurde der Knappe, wenn er sich bewährt hatte, schließlich mit der „Schwertleite“ zum Ritter geschlagen. Nun erst erhielt er sein eigenes Schwert. Und manchmal sah er auch erst zu diesem Zeitpunkt seine Eltern wieder. Nach 14 Jahren! In dieser langen Zeit hatte er auf einer fremden Burg alles gelernt, was er für den Kampf brauchte. Und natürlich trainierte er für den Ernstfall oder die Teilnahme an einem Turnier immer fleißig weiter!

Mit 12 Jahren verheiratet

Bei den Mädchen war es etwas anders. Den Frauen gehörte das Heim. Sie kümmerten sich um die Ordnung, um die Küche, die Dienstboten und Diener und natürlich um die Kinder.

Die Mädchen wurden von der Burgherrin in häuslichen Dingen unterrichtet. Im Spinnen und Sticken, im Malen, Tanzen und Singen, aber auch im Lesen oder Rechnen. War nämlich der Burgherr nicht zu Hause, musste seine Frau die Burg verwalten. Das musste sie natürlich früh erlernen, denn die Kindheit war im Mittelalter nicht sehr lang.

Mit sieben Jahren entschieden die Eltern, was ihre Kinder einmal tun sollten. Sie kamen auf die Klosterschule oder wurden zur Ritterausbildung auf eine andere Burg geschickt. Mit zwölf Jahren wurden die Mädchen oft schon verheiratet. Die Jungen galten mit 14 Jahren als erwachsen.

Erst vor ungefähr 100 Jahren setzte sich in ganz Deutschland die sogenannte „Schulpflicht“ durch. Seitdem müssen alle Kinder eine Schule besuchen.

Buchtipp zum Weiterlesen:
Viele Fragen rund ums Leben auf einer mittelalterlichen Burg beantwortet das Buch „Ritter und Burgen“ aus der Reihe „Frag doch mal die Maus“, erschienen 2006 im CBJ Verlag. Im Buch geht es unter anderem um die Fragen: „Wie wurde man Ritter?“, „Warum stehen so viele Burgen so hoch oben?“ und „Was machten die Ritter im Winter?“

#Kinderburg: Was spielten Prinzessinnen?

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 31. März 2017 von Museum Burg Posterstein31. März 2017

Mit was haben Prinzesso gespielt? fragte die 5-jährige Frieda unsere Burggespenster Posti und Stein. Hier bekommt ihr die Antwort:

Natürlich hatten die Prinzessinnen im Mittelalter und auch später in der Zeit der Salondamen auch Spielzeuge. Bei den Mädchen waren schon immer Puppen sehr beliebt. Für die Arbeit in der Puppenküche gab es kleine Töpfe und Gefäße. Auch das Ballspielen war schon damals beliebt.

Diese Puppe ist zum Beispiel rund 250 Jahre alt. Findest du sie in der Ausstellung auf Burg Posterstein?

Diese Puppe ist zum Beispiel rund 250 Jahre alt. Findest du sie in der Ausstellung auf Burg Posterstein?

Die Puppen sahen zwar nicht ganz so aus wie du sie heute aus dem Spielzeugladen oder von zu Hause kennst, aber zum Spielen eigneten sie sich sehr gut. Diese Puppe ist zum Beispiel rund 250 Jahre alt. Ihr Gesicht ist aus Porzellan und sie trägt ein schönes Rokokokleid. Um den Hals hängt eine feine Perlenkette und große Schleifen zieren den weißen Stoff. Nur ihre Perücke fehlt. Vor 250 Jahren war es nämlich modern, Perücken und große Kleider zu tragen. Die Puppe war also modisch gekleidet.
Was du auf dem Bild nicht sehen kannst: Die Puppendame trägt unter dem weißen Oberkleid sogar einen Reifrock und ganze drei Unterröcke! Dadurch fällt das Kleid so schön weit. Und sie trägt tatsächlich Absatzschuhe! Sie hat all das an, was eine Prinzessin auch im wahren Leben tragen musste und auch getragen hat.

Die Jungs hatten wohl ihre eigene Spielzeug-Rüstkammer mit Holzschwertern oder sie nahmen zum spielerischen Turnierkampf einfach Stöcke. Als Spielzeug diente alles, was es in der Natur zu finden gab: Nüsse und Früchte, Eier und Steine. Und selbst das kleine Zähl-Spiel: „Sie liebt mich, sie liebt mich nicht“ war schon im Mittelalter bekannt und bei Erwachsenen so beliebt wie bei Kindern.

Sie liebt mich, sie liebt mich nicht

Gemeinsam spielten die Kinder Verstecken und Fangen, sie hatten Murmeln aus Ton oder Holz und Kreisel, die sie mit einer Peitsche über alle Fußböden in und um die Burg tanzen ließen. Gemeinsame Tänze wurden sehr gern aufgeführt und die Musik durfte nicht fehlen.

Besonders beliebt war schon vor über 800 Jahren das Ballspiel. Bälle wurden gekullert, geworfen und mit Schlägern durch die Luft gewirbelt. Fußball und Baseball kannten die Prinzessinnen noch nicht, aber in manchen alten Schriften, Liedern und Gedichten kann man fast das Gefühl bekommen, die Prinzessinnen beherrschten schon im Mittelalter diese heute so beliebten Spiele!

Die Prinzessinnen der Salonzeit spielten natürlich auch gern mit dem Ball. Sie musizierten und tanzten. Auch Bücher waren vor 200 Jahren ein beliebter Zeitvertreib. Ein Spiel, das du sicherlich auch kennst und vielleicht gern spielst, war „Blinde Kuh“. Die Prinzessinnen erdachten sich sogar neue Regeln dafür und auch für die Erwachsenen war es ein schöner Zeitvertreib.

Buchtipp zum Weiterlesen:
Für ältere Kinder und Erwachsene empfehlen wir das Buch „Wie wäscht man ein Kettenhemd?“, herausgegeben von Dr. Stefan Lang, Kreisarchiv Göppingen. Darin beantworten Historiker Schülerfragen wie beispielsweise „Warum heißt es das ‚Finstere Mittelalter‘?, Warum rostete eine Ritterrüstung nicht? und eben auch „Was spielten die Kinder in der Stauferzeit und gab es schon Fußball?“

#Kinderburg: Wie schwer war die Ritterrüstung?

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 21. Februar 2017 von Museum Burg Posterstein28. August 2017

Jeremy (11 Jahre) und Jannes (5 Jahre) wollen wissen, wie schwer die Rüstung – genannt Harnisch – eines Ritters war. Burggespenst Posti und Drache Stein antworten:

So eine Rüstung war ziemlich schwer. Sie bestand aus sehr vielen einzelnen Teilen und wog zwischen 20 und 30 Kilogramm – also etwa so viel wie zwei bis drei Eimer Wasser! Allein ein Helm wog so viel wie drei Milchkartons (drei Kilogramm). Ein Kettenhemd konnte sogar 15 bis 20 Kilogramm auf die Waage bringen, so viel wie ein Kindergartenkind. Trotzdem konnten die Männer dieses Gewicht, das sich auf den ganzen Körper verteilt, gut tragen. Eine Feuerwehr-Ausrüstung wiegt heute genauso viel!

Seit rund 500 Jahren gibt es keine „richtigen“ Ritter in Rüstung mehr. Das lag auch daran, dass die Rüstungen neuen Waffen nicht mehr standhalten konnten. Im Laufe der Zeit entwickelten die Menschen zum Beispiel immer bessere Feuerwaffen, die auch Rüstungen durchschlugen. Das war natürlich nur ein Grund, warum es heute keine Ritter zu Pferd und mit Rüstung mehr gibt.

Helme und Rüstung in der Burg Posterstein.

Helme und Rüstung in der Burg Posterstein.

Heute kann man „Ritter“ nur noch auf Mittelaltermärkten sehen. Das sind aber geübte Schauspieler, die zur Freude der Besucher ein Turnier nachstellen. Trotzdem tragen auch diese Ritter noch richtige Rüstungen, die auch noch heute genauso schwer sind wie damals im Mittelalter. Und immer noch gibt es so etwas wie moderne Rüstungen: Helme, Schutzanzüge und schusssichere Westen zum Beispiel.

Anmerkung: Wir danken Dirk H. Breiding (Department Waffen und Rüstungen am Philadelphia Museum of Art) für die inhaltliche Beratung.

Burg Posterstein als Gutenachtgeschichte

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 27. März 2015 von Museum Burg Posterstein21. Januar 2017

Mit vier verschiedenen Postkarten-Motiven sammelte das Museum im Vorfeld Geld für das Kinderbuchprojekt (Bild: Museum Burg Posterstein)

Mit vier verschiedenen Postkarten-Motiven sammelte das Museum im Vorfeld Geld für das Kinderbuchprojekt (Bild: Museum Burg Posterstein)

Dicke, alte Mauern, Ritterrüstung und ein Turm mit Aussichtsplattform – naturgemäß sind Burgen prädestiniert für Familien mit Kindern. Zur Burg Posterstein gibt es darüber hinaus noch eine geisterreiche Gutenachtgeschichte – das Buch „Ein Fall für Posti & Stein – Der Ritter, der keine Ruhe fand“ wollen wir anlässlich der #MuseumWeek mit dem heutigen Thema #familyMW kurz vorstellen.

Im Rahmen der museumspädagogischen Arbeit des Museums entstand 2010 das Kinderbuch „Ein Fall für Posti & Stein – Der Ritter, der keine Ruhe fand“. Das Paperback mit bunten Illustrationen richtet sich an Kinder im Lesealter. Ihren Ausgangspunkt nimmt die Geschichte in der Dauerausstellung, wo eine Ritterrüstung hinter Glas steht. Eines Nachts beginnt sie sich zu bewegen, lässt dabei das Glas der Vitrine zersplittern und setzt die Alarmanlage in Gang. Polizei und Museumschef sind ratlos. Dem Rätsel wirklich auf die Spur kommen nur die beiden Burggeister Posti und Stein.

Ganz und gar nicht unheimlich

Posti und Stein gab es schon vor dem Buch. Sie begleiten Kinderführungen, Geburtstage und Schülerprojekte. Und anders als manche andere Schlossgespenster sind der rosarote Burggeist und der dicke Drache auch gar nicht unheimlich.

Mehr Infos zu Posti und Stein gibt es auf der Website des Museums.

Hier findet ihr die neusten Tweets & Statistiken zur #MuseumWeek.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Wie still war das Örtchen von Ritter Kunibert?

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 2. August 2011 von Museum Burg Posterstein21. Januar 2017

Kinder dürfen auf Burg Posterstein jetzt auch hinter die ritterliche Klotür schauen

Dass die alten Rittersleut’ noch kein Sanifair kannten, ist wohl jedem klar. Aber wie sah das stille Örtchen im Mittelalter eigentlich aus? Auf Burg Posterstein können Besucher bei Spezialführungen jetzt auch einen Blick in die mittelalterliche Toilette riskieren. – Solche VIP-Gäste sind zum Beispiel die fast 2000 Kinder, die jedes Jahr an den Kinderführungen des Museums teilnehmen.

Kleine Ritter bei der Inspektion des mittelalterlichen Aborts ((c) Petra Nienhold, Museum Burg Posterstein)

Kleine Ritter bei der Inspektion des mittelalterlichen Aborts ((c) Petra Nienhold, Museum Burg Posterstein)

Museumsmitarbeiterin Petra Nienhold führt oft sogar mehrmals pro Woche Kindergruppen, die beispielsweise Geburtstag auf der Burg feiern, durch die alten Gemäuer. Seit kurzem öffnet sie dabei auch die vorher verschlossene Tür zu einem der beiden so genannten Abort-Erker der Burg, der sich im Obergeschoss befindet. Vom Park aus kann man heute noch einen der Erker sehen, der einem kleinen Anbau ähnlich, an der Außenmauer klebt.

Der enge Raum bietet gerade so Platz für einen hölzernen Toilettensitz. Hebt man heute den Deckel hoch, sieht man nicht viel, weil der Boden des Erkers inzwischen zugemauert ist. Im Mittelalter aber genoss man freie Sicht in den Burggraben und einen kalten Luftzug von unten. Das „Geschäft“ plumpste damals im Freiflug nach unten und stank dann im Burggraben vor sich hin. An die Lektüre der aktuellen Zeitung, wie das so manch einer heute tut, war da nicht zu denken. Nach genauer Inspektion des hölzernen Toilettensitzes ist sich Mercedes, 9 Jahre alt, sicher: „Ich bin froh, dass ich das nicht benutzen muss!“

Zum „stillen Örtchen“ mancher Burgen gab es nicht einmal eine Tür ((c) Marlene Hofmann, Museum Burg Posterstein)

Zum „stillen Örtchen“ mancher Burgen gab es nicht einmal eine Tür ((c) Marlene Hofmann, Museum Burg Posterstein)

Abort-Erker, wie die der Burg Posterstein, gab es auf Burgen sehr häufig. Zunächst scheinen diese zum Burginneren hin sichtoffen gewesen zu sein, sodass das „stille Örtchen“ gar nicht so abgeschieden war. Große Festungen besaßen viele Erker – die Burg Eltz an der Mosel zierten gleich vierzehn solche Außentoiletten. Auch einige Doppel-Abtritte, getrennt für Männern und Frauen, sind belegt, beispielsweise im bayrischen Rothenburg ob der Tauber. Natürlich achteten die Bauherren meist darauf, die Aborte über möglichst abgelegenen Stellen anzubringen, damit Passanten keine unangenehmen Stinkbomben fürchten mussten.

Außenansicht eines Abort-Erkers der Burg Posterstein ((c) Marlene Hofmann, Museum Burg Posterstein)

Außenansicht eines Abort-Erkers der Burg Posterstein ((c) Marlene Hofmann, Museum Burg Posterstein)

Mit der modernsten und hygienischsten Technik dieser Zeit konnten manche großen Deutschordenburgen aufwarten. Dort baute man zuweilen spezielle Toilettentürme, „Danziger“ genannt, die vom Schloss aus über eine Brücke zu erreichen waren. Im Obergeschoss der Türme gab es gleich mehrere Plumpsklos, der Rest des Gebäudes war innen hohl und unten spülte im besten Fall ein Fluss das ritterliche Geschäft fort. Den eindrucksvollsten, noch erhaltenen Toilettenturm kann man auf der Burg Marienwerder (auf Polnisch: Kwidzyn) im heutigen Polen besichtigen.

(Marlene Hofmann, Museum Burg Posterstein)

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