Die Geschichte des Kurbads Ronneburg

Im ersten Teil unserer mitwachsenden, virtuellen Ausstellung “Landschaft nach der Wismut” widmen wir uns der Grundlage des Uranerzbergbaus im Thüringischen Ronneburg. Kenntnis von den radiumhaltigen Quellen besaßen die Menschen schon im 17. Jahrhundert. Zunächst entstand ein Kurbad.

Grundlage des einstigen Kur- und Badebetriebes im Thüringischen Ronneburg waren radiumhaltige Quellen, von denen man schon seit dem 17. Jahrhundert Kenntnis besaß. Als Hauptquellen galten die Schwefel- und Rosen(Raaßen)quelle und die Eulenhofer Quelle im Brunnenholz, deren Wasser eisen-, magnesium-, calcium- und radiumhaltig ist.

“Abbildung der Stadt Ronneburg im Fürstenthum Altenburg nebst denen nahe dabey befindlichen mineralischen Brunnen, dazu gehörigen Gebäuden, Lusthäusern, Hütten und Spaziergängen nebst dasiger Gegend wie solche von der Mittagsseite gegen Mitternacht anzusehen” (Sammlung Museum Burg Posterstein)

Im 18. und 19. Jahrhundert entwickelte sich ein reger Kur- und Badebetrieb mit der Anlage von Promenaden, Parkanlagen und dem Bau von Kurhäusern. (1) In seiner Blütezeit war Bad Ronneburg ein bekannter Kurort, in dem drei Badeärzte die Gäste empfingen und ihnen je nach Krankheit Diätvorschriften und medizinische Empfehlungen gaben.

Der Arzt und Mineraloge, Brunnenarzt und Geheime Hofrat Friedrich Gabriel Sulzer stammte aus einer Gothaer Arztfamilie, sein Vater Johann Caspar Sulzer (1716–1799) war Leibarzt und Hofrat bei Herzog Friedrich III. (1699–1772). Friedrich Gabriel Sulzer studierte in Göttingen Medizin und Naturgeschichte. Er promovierte 1768 und bereiste England, Holland und Frankreich. In Gotha beschäftigte er sich neben der Medizin auch mit Tierheilkunde. In Altenburg wirkte Sulzer als Direktor des 1763 gegründeten Hebammen-Lehrinstituts. 1779 wurde ihm das Amt eines herzoglichen Brunnenarztes in Ronneburg übertragen. Bereits 1804 wählte man ihn zum Reisebegleiter und Arzt des kranken Prinzen Friedrich (1774–1825). In Ronneburg setzte er seine Forschungsarbeiten bis ins hohe Alter fort. Als hoch geehrter Bürger Ronneburgs, bekannt mit wichtigen Vertretern seines Fachs und auch mit Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832), zählte Sulzer zu den gern gesehener Gästen am Löbichauer Musenhof und wurde Leibarzt der Herzogin von Kurland. Er reiste oft mit ihr, Elisa von der Recke und Tiedge nach Karlsbad, wo er 1813 den verwundeten Theodor Körner (1791–1813) behandelte. (2)

Die Medicin schmeckt selten gut / Den Arzt ein jeder lieben thut“, dichtete der Maler Ernst Welker (1784–1857), Zeichenlehrer der Enkelin Dorothea von Kurlands, um 1819 und zeichnete Sulzer als Medizinflasche. (3) | Die Zeichnung aus der Sammlung des Museums Burg Posterstein gibt es zum hochauflösenden Download auf Wikimedia Commons.

„Immer bedeutender wurde der Kurort, namentlich unter der vorzüglichen Leitung des Brunnenmedicus Dr. Sulzer, der 1779 fest angestellt wurde. Die herzogliche Kammer kaufte zwei vollständige eingerichtete Häuser in der Friedrichstraße zum Aufenthaltsorte für die Fremden. Im Jahre 1784 wurde das neue Traiteurhaus mit Spiel-, Gast- und Fremdenzimmern und einem großen Saale erbaut. Während man bisher auf den einzelnen Zimmern gebadet hatte, wurde in einem in der Nähe neu angekauften Hause ein vollständiges Badehaus mit Wannen, Douche und Sturzbädern eingerichtet. Das Wasser wurde vermittels Pumpwerk zugeleitet. Einen Begriff von dem großen Verkehr können wir uns machen, wenn wir hören, daß schon nach einigen Jahren dieses Badehaus den daran gestellten Anforderungen nicht genügte und im Jahre 1803 ein neues errichtet werden mußte, zugleich wurde für den Bau hinreichender Stallungen gesorgt […].”

Dr. med. W. Henry Gilbert, 1893 (4)

Hans Wilhelm von Thümmels Einfluss auf das Kurbad

Sowohl Johann Freiherr von Rothkirch und Trach als auch sein späterer Schwiegersohn Hans Wilhelm von Thümmel (1744-1824) setzten sich für den Ausbau der Badeanlagen ein. Im Journal des Luxus und der Moden 1797 berichtete ein Redakteur, dass er sich über die Zustände im zu stark ausgelasteten Bad mit Hans Wilhelm von Thümmel unterhalten habe:

„Dieser vortreffliche thätige Mann, welchen die dortigen guten Anstalten schon so viel zu verdanken haben, hat mir die Stelle schon gewiesen, wo noch neue Gebäude theils zu Wohnungen für fremde Badegäste, theils für mehrere Bäder, angelegt werden sollen. Nicht minder wird er auf meinen Vorschlag auch ein kleines Haus in der Nähe der Wohnungen aufbauen lassen, in welchem das Wasser zum Baden für diejenigen gewärmt werden soll, welche gewohnt sind, auf ihren Zimmern in Wannen zu baden.“

Journal des Luxus und der Moden, 1797 (5)
Der Sachsen-Gotha-Altenburgische Minister Hans Wilhelm von Thümmel (Museum Burg Posterstein)
Der Sachsen-Gotha-Altenburgische Minister Hans Wilhelm von Thümmel (Sammlung Museum Burg Posterstein)

Unter der Leitung von Hans Wilhelm von Thümmel, „der am Ende des vorigen und Anfang des jetzigen Jahrhunderts so viel zur Verschönerung des Bades beitrug“ (6), entstand 1803 das erwähnte „neue Badehaus“, das „zuerst von der Frau Herzogin Dorothea von Curland bezogen“ wurde.

Vornehme Gäste des Kurbads

„Sein Erdgeschoß ist gewölbt und in ihm finden sich vier Bäder in kupfernen und lackirten Wannen, etwas länger und weiter wie im alten und ohne Douchevorrichtung, an jedem steht ein Ankleidezimmer und eine Ottomane für den Fall, daß man nach dem Bade etwas ruhen wollte. Das kalte Wasser geht durch Röhren aus den Quellen sogleich und das warme unmittelbar aus den Pfannen in die Bäder, und der Badende kann diese Röhren öffnen und verschließen und sich also die Temperatur des Wassers selbst dirigiren. Auch in diesem Hause können Fremde 14 sehr gut möblirte Zimmer zur Wohnung erhalten.“

Nachrichten vom Mineralbad zu Ronneburg, 1857 (7)
Anna Dorothea von Kurland
Portrait der Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761-1821) aus der Sammlung des Museums Burg Posterstein

Auch die Gothaer Herzöge nutzten das Kurbad Ronneburg. Nicht nur Herzog August Emil Leopold (1772–1822) blieb hier 1818 mehrere Wochen. (8) Schon sein Großvater Friedrich III. (1699–1776) versuchte hier sein Gichtleiden zu kurieren und hielt sich beispielsweise 1769 mehrere Monate dort auf. Eine zeitgenössische Zeitschrift berichtete:

Friedrich III. Herzog von Sachsen-Gotha, findet so viel Vergnügen an den Gesundbrunnen zu Ronneburg, daß er mit einem ansehnlichen Gefolge den 13. Jun. von Gotha dahin abgereiset ist, welchem der Erb-Prinz, die Erbprinzeßin nachgefolget sind. Er ist den ganzen Sommer über bey leidlicher Gesundheit daselbst geblieben, und allererst den 5. Sept. von Ronneburg wieder abgereiset. Es hat diese Zeit über daselbst nicht an mancherley Lustbarkeiten gefehlt, sonderlich als sich der Englische Herzog von Gloucester etliche Tage daselbst aufhielte. Es hat sich auch der Prinz August aus Holland und andere Personen vom Hochfürstl. Hause eine Zeitlang allda befunden.“

Fortgesetzte Neue Genealogisch-historische Nachrichten von den Vornehmsten Begebenheiten, welche sich an den Europäischen Höfen zugetragen,worin zugleich vieler Stands-Personen Lebens Beschreibungen vorkommen, 1771 (9)

Auf ihrer Italienreise 1771/72 trafen Prinz August (1747–1806) und Thümmel auch den erwähnten William Henry, Herzog von Gloucester und Edinburgh (1743–1805), Neffe Friedrich III. von Sachsen-Gotha-Altenburg, in Florenz wieder. (10)

 Die Mineralquelle in Ronneburg, Foto um 1900, Sammlung Museum Burg Posterstein
Die Mineralquelle in Ronneburg, Foto um 1900, Sammlung Museum Burg Posterstein

Der Niedergang des Kurbetriebs

Im 20. Jahrhundert folgte der Niedergang des Kurbetriebes bis zur vollständigen Einstellung. Ende der 1940er Jahre begann der Uranbergbau mit systematischer Lagerstättensuche und Abbau bis 1991. Nach der Einstellung des Bergbaus begannen umfangreiche Rekultivierungsmaßnahmen zur Wiederherstellung der zerstörten Landschaft.

Diese Geschichte erzählen wir in den nächsten Teilen der Blogreihe zur virtuellen Ausstellung “Landschaft nach der Wismut”. Wenn Sie selbst historische Fotos und Ansichten des Kurbads besitzen, freuen wir uns, wenn Sie diese digital mit uns teilen.

Text & Recherche: Marlene Hofmann, erschienen im Buch:

“Im Dienste der Ernestiner” – Umfangreiche Biografie Hans Wilhelm von Thümmels:

Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister, Museum Burg Posterstein 2016
168 Seiten, farbig, ISBN 978-3-86104-136-8, 20.00 Euro. Die Thümmelschen Karten sind dem Katalog auf DVD beigelegt.

Erhältlich im Museum, auch per Post. Bestellung via (034496) 22595 oder museum@burg-posterstein.de.


Quellen und Literatur:

( 1 )
Vgl. Dobeneker, R.: Aus der Vergangenheit von Stadt und Pflege Ronneburg, Ronneburg 1899, S. 53f.

(2)
Vgl. Petzsch, Hans Dr. (Hrsg.): F. G. Sulzer – Versuch einer Naturgeschichte des Hamsters, Hannover Berlin-Zehlendorf 1949, S. 135–157.

(3)
Vgl. Museum Burg Posterstein (Hrsg.): Salongeschichten Paris – Löbichau – Wien. Gäste im Salon   der Herzogin von Kurland im Portrait des Malers Ernst Welker, Posterstein 2015, S. 90.

(4)
Gilbert, Dr. med. W. Henry: Der Kurort Ronneburg, Wien Leipzig 1893, S. 12–13.

(5)
Journal des Luxus und der Moden, Jahrgang 12 [Oktober 1797], Badechronik, S. 516–517.

(6)
Becker-Laurich, Dr. Carl A. (Hrsg.): Nachrichten vom Mineralbad zu Ronneburg, Erstes Heft, I. Die Geschichte der Heilquellen von ihrem ersten Bekanntwerden bis in die neueste Zeit, Ronneburg 1857, S. 31.

(7)
Becker-Laurich, Dr. Carl A. (Hrsg.): Nachrichten vom Mineralbad zu Ronneburg, Erstes Heft, I. Die Geschichte der Heilquellen von ihrem ersten Bekanntwerden bis in die neueste Zeit, Ronneburg 1857, S. 50.

(8)
Vgl. Dobeneker, R.: Aus der Vergangenheit von Stadt und Pflege Ronneburg, Ronneburg 1899, S. 53f.

(9)
Fortgesetzte Neue Genealogisch-historische Nachrichten von den Vornehmsten Begebenheiten, welche sich an den Europäischen Höfen zugetragen,worin zugleich vieler Stands-Personen Lebens Beschreibungen vorkommen, Besondere Nachrichten von einigen regierenden Fürsten, 1769,  Teil 109, Leipzig 1771, S. 24.

(10) Thümmel, Hans Wilhelm von: Historische, statistische, geographische und topographische Beyträge zur Kenntniß des Herzogthums Altenburg, Altenburg 1818, zweiter Abschnitt, S. 68.